Ich bin der Klaus von der Kanzlerin. Ich sitze wirklich hier. Mit meinen Gästen bin ich virtuell verbunden. Wir schreiben heute den 15. März. Und bei der Planung des Programms für dieses Quartal ist mir natürlich dieses Datum ins Auge gesprungen. Und ich dachte, das wäre ein ideales oder ist ein ideales Tatum, wieder einmal Balduin Sulzer über Balduin Sulzer ins Gespräch zu kommen. Ich habe mir das natürlich im Herbst anders vorgestellt, dass wir hier im Salon vielleicht auch Live-Musik haben und einen sehr lebendigen Abend haben. Die äußeren Umstände sind andere, wir kennen sie alle. Aber die äußeren Umstände sind andere, wir kennen sie alle und daher Improvisation ist ja auch was, das man im Zusammenhang mit Balduin Sulzer als Stichwort nennen könnte. Ich hole mir sozusagen ins virtuelle Netz Gäste herein und wir begeben uns auf ein erinnerndes Gespräch, das jetzt nicht nur in der Erinnerung sein soll, rund um das Phänomen Balduin-Sulzer und warum 15. März. Es ist ganz einfach, sein Geburtstag, es ist heute der 89. Geburtstag von Balduin-Sulzer, er wurde in Großramming geboren als ältestes Kind von vier Kindern einer Großramminger Familie, damals noch als Josef Sulzer und später beim Eintritt in den Orden in Willering bekam er den Namen Baldwin. Nun aber zu meinen Gästen. Ich begrüße recht herzlich in Salzburg zugeschaltet Anna-Maria Pammer. Schön, dass du da bist. Danke für die Einladung. Anna-Maria Pammer, international tätige Sopranistin. Wenn man sozusagen in deinen Lebenslauf schaut, dass man mit dem Who is Who der zeitgenössischen, aber nicht nur der zeitgenössischen Musik gearbeitet. Schwerpunktmäßig vor allem mit Musik seit 1900. Unglaublich viele Projekte, Programme mit unzähligen Orchestern, namhaften Dirigenten, mit Kammermusikpartnern wie Aditi Quartet, Hagen Quett, wie Gidon Kremer, Patrizia Kopacinskaja, Musik von Schareno bis Sulzer aufgeführt, uraufgeführt und du bist seit 1. Juli 2019 künstlerische Geschäftsführerin des österreichischen Ensembles für neue Musik, das in Salzburg situiert ist. Und ich darf, bevor wir sozusagen ins Thema und bevor ich Michael Wruß auch noch vorstelle, gleich mal fragen, wie ist die Situation für das österreichische Ensemble für neue Musik gerade? Wahrscheinlich wie für uns alle, wir können nicht spielen. Mit welchen Dingen, mit welchen Aussichten, mit welchen Tätigkeiten bist du im Moment beschäftigt? Naja, wenn es Aussichten gäbe, wären wir ja alle glücklich. Genau die fehlen uns ja. Also das Problem ist, dass wir weder wissen, wann wir wieder live und mit Publikum spielen dürfen noch. Und das ist fast noch schlimmer, unter welchen Bedingungen wir dann spielen dürfen. Das macht Planungen fast unmöglich. In der Realität sieht es so aus, dass alles vier, fünf, sechs Mal geplant, umgeplant werden muss, neu geplant werden muss. Heute früh um 8 Uhr in den Nachrichten hat es wieder geheißen, nein, es gibt keine neuen Richtlinien, denn die Regierung will weiter beobachten. Man kann natürlich beobachten, aber man könnte auch ein paar Parameter festlegen für den Fall, dass das würde uns zum Beispiel schon sehr helfen, weil wir sind ein Ensemble, aber wir sind auch, also nicht in erster Linie, aber auch sozusagen ein eigener Veranstalter. Und da wird es ganz schwierig, wenn die Personaldecke so dünn ist und man keinerlei Bedingungen kennt. Du hast unzählige Werke von Baldur Insulzer angestoßen, uraufgeführt, aufgeführt, warst auch Schülerin des Musikgymnasiums. Nur um dich, das sozusagen für jene, die dich nicht kennen, das werden wenige sein, zu verorten im sulzerschen Kosmos. Und ich darf in Linz, du bist nicht zu weit entfernt von mir, wahrscheinlich nur ein paar Kilometer, Michael Wruß begrüßen. künstlerisch-organisatorischer Leiter des Linzer Musikgymnasiums, studierter Musikwissenschaftler, Rezensent und vieles mehr. Aber die Leitungsfunktion im Musikgymnasium, ich glaube, ist auch ungefähr die letzten eineinhalb, zwei Jahre alt. Das ist jetzt genau seit eineinhalb Jahren, also seit Herbst 2019. Da ist Kollege Wolfgang Mayhofer in Pension gegangen und wir haben dann eigentlich beschlossen, schulintern alle musikalischen Zweige so zu gestalten, dass es überall ein Team gibt. Mein Kollege Stefan Kaltenbeck und ich leiten eben seit diesem Zeitpunkt das Musikgymnasium, haben auch schon einige schöne Projekte durchaus machen können. Allerdings, wie wir wissen, vor genau einem Jahr war es dann ein ziemlich rapider Schluss und ich kann mich da hier der Anna-Maria anschließen. Wir haben natürlich das Thema auch hier Planungen. Wir hätten letztes Jahr am 25. März ein Konzert gehabt. Da ging es mir vor allem darum, eine junge Pianistin auch zu präsentieren. Naja, dann hatten wir die Chance, das dieses Jahr per Zufall am gleichen Tag, 25. März, nachzuholen. Wir wissen, dass am 25. März nichts stattfinden kann. Also man lebt auch hier eigentlich von der Hand in den Mund. Und vielleicht noch viel tragischer ist es ein bisschen, dass diese jungen Leute ja eigentlich in der Ausbildung sind und gerade das gemeinsame Musizieren, das Chormusizieren, das Orchestermusizieren eigentlich etwas ist, was ihnen unglaublich abgeht und wo sie direkt danach lächeln, endlich einmal was tun zu dürfen. Und das ist leider bei uns eben auch trotz Tests absolut nicht möglich. Also hier wird kein Unterschied gemacht zwischen einem Musikgymnasium und einem normalen Gymnasium und einer anderen Schule. Könnt ihr irgendwie geartete Proben im Chor machen? Ist da irgendwas möglich? Überhaupt nicht. Wir haben das Einzige, was ist, ist Klassenchor. Also wir haben ja momentan diesen Schichtbetrieb. Das heißt, also die Klassen im Musikgymnasium, die kleinste ist 20, die größte ist 30. Das heißt, wir haben die Hälfte da. Also die größte Gruppe sind 15. Kollege Kaltenböck, der eben für den Chor zuständig ist, macht momentan Sprechstücke., hat gerade geografische Fuge von Ernst Doch gemacht und solche Sachen. Das geht mit Maske zumindest, kann man sagen. Man singt nicht. Das ist vielleicht so irgendwie ein Hinterrum. Aber irgendwann ist auch dieses Repertoire aus und vorbei. Und man muss natürlich schon überlegen, also wenn man denkt, wir hatten das letzte große Konzert, wo der Chor als Gesamtes und der Chor hat zurzeit 124 Leute gesungen, war das Weihnachtskonzert im Dom und das war bitte am 18. Dezember 2019. Also man kann sich vorstellen, was hier einfach auch an Routine irgendwie verloren geht, vor allem Routine für die Schülerinnen und Schüler, die bislang ja noch gar nicht wirklich drinnen sind. Also die kommen in der fünften Klasse, haben von der Unterstufe manche mehr, manche weniger Singerfahrung, manche kommen von den Sängerknaben, manche haben in der Unterstufe viel gesungen, manche gar nicht oder vielleicht sogar die meisten gar nicht. Und weil man hier das nicht aufbauen kann, ist es wahnsinnig schwierig. Also alles, was Stimmbildung anbelangt, ist momentan in den Schulen mehr oder weniger, also singen ist absolut tabu. Auch du, ich habe schon gesagt, du bist quasi Nachfolger, einer der Nachfolger von Balvin am Linzer Musikgymnasium. Du warst auch dort sein Schüler und du hast dich sozusagen vorweg auch, du bist ein bekennender Sulzerianer. Das sind wir wohl alle. Darf ich unser Gespräch vielleicht sozusagen mit einer persönlichen Frage beginnen an euch und dann vielleicht auch in eine größere Perspektive auf die Person Baldwin-Sulzern und seine Musik zu gelangen. Die hypothetische Frage an euch stellen, wie wäre denn euer Leben verlaufen, wenn ihr Baldwin-Sulzern nicht begegnet wärt? Das ist wirklich eine Hypothese. Aber könntet ihr da vermuten, was anders gewesen wäre? Oder wo man ziemlich sicher sein könnte, da hätte der Lebensweg eine andere Richtung genommen? Anna-Maria, vermessene Frage, stellst du dich der? Das ist ganz einfach zu beantworten. Ich wäre sicher nicht Sängerin geworden oder überhaupt irgendwie in der Musik gelandet. Wenn ich meine Träume oder Ideen wahrgemacht hätte, die ich auch noch in meiner ersten Musikgymnasiumszeit eigentlich gehabt habe, dann wäre ich jetzt Neurochirurgin. Also das Zutrauen oder überhaupt auf die Idee zu kommen, die Musik zur Profession zu machen, das ist ausschließlich Baldum. Das war in meinem Fall ganz klar so. Sehr eindeutige Antwort. Michael, bei dir? Naja, bei mir war es eigentlich, kann ich sagen, so ziemlich ähnlich. Also vielleicht nicht Neurochirurgin oder Neurochirurge in dem Fall, sondern vielleicht eher was in Richtung Genetik oder Biologie. Also meine Mutter war Biologin, also das war so mit das andere Steckenpferd. Bei mir muss ich vielleicht noch eines sagen, es war die Margit Heider eigentlich schuld, denn die hat mich überhaupt auf diese Schule aufmerksam gemacht. Ich war schon ein Jahr vorher am Konservatorium und die hat gesagt, du musst eigentlich dorthin gehen. Und Anna-Maria, du warst dabei, 1982 im Juni, beim Buch mit sieben Siegeln unter Franz Möst damals noch. Ich war damals nur Zuschauer und habe dann einfach beschlossen, gut, ich war schon angemeldet, aber ich habe gesagt, okay, das ist die Schule für mich. Und es war dann auch so ungefähr gleich im Herbst, damals waren zwei Leute von der Fünften, die mitfahren durften nach Bad Füssing, das war auch so ein Geheimort immer, es war eine Nelson-Messe, kann ich mich noch erinnern, da war der Christoph Kampestrini und ich waren die Zweite die zweite mitfahren durften und das war natürlich ein unglaubliches Erlebnis, sagen wir mal, gerade nach viereinhalb Wochen Musikgymnasium, gleich an meine Nelson-Messe, irgendwie da im Bass, fast würde ich sagen, Subbass zu brummen, aber auch hier war es einfach, nämlich nicht nur jetzt möchte ich sagen, der Weg zur Musik, sondern auch in einer gewissen Weise, ich habe nicht den Weg wie die Anna-Maria begangen, dass ich gesagt habe, ich möchte Weg zur Musik, sondern auch in einer gewissen Weise. Ich habe nicht den Weg wie die Anna Maria begangen, dass ich gesagt habe, ich möchte Musiker werden, sondern eigentlich, mir war in der neunten relativ bald klar, bei mir schaut es eher aus in die Richtung Wissenschaft, in die Musiktheorie. Das war immer, was mich fasziniert hat. Und auch wenn es immer heißt, Balvin hat nicht so wahnsinnig viel unterrichtet. Also das würde ich durchaus bestreiten. Vielleicht haben es manche nicht mitgekriegt. Also das würde ich durchaus bestreiten. Vielleicht haben es manche nicht mitgekriegt. Aber das war durchaus auch etwas Er war ja ein höchst unkonventioneller, ich war ja kein Schüler von ihm, sozusagen eine höchst unkonventionelle Lehrererscheinung, die sozusagen nach didaktisch-pädagogischen Maßstäben ja nicht unbedingt auch für das System immer tauglich war. Aber was war, wenn man das überhaupt so leicht formulieren kann, dass er sozusagen, dass ein Mensch so viele Menschen bewegt hat. Und das war ja zum Teil auch nicht unbedingt zimperlich. Du hast gesagt, diese Großprojekte, Buch mit sieben Siegeln, Missa Solemnis, das waren ja auch wirkliche Challenges für junge Stimmen auch. Aber was war das Bewegende an Sulzer als Lehrer? Michael? Okay, naja, wenn ich jetzt als Lehrer sage, es war einerseits, glaube ich, das Faszinierende an ihm, dass er jedem irgendwie das zugetraut hat, was in dem gesteckt ist. Und dass er versucht hat, das, was in einem drinnen steckt, herauszuholen. Sei es jetzt am Instrument, sei es vielleicht auch am Erkennen, das Instrument ist vielleicht nichts für dich, mach ein anderes oder beginn irgendwas. Einfach diese Mentorentätigkeit, möchte ich fast sagen, auch wenn es vielleicht in einer großen Klasse, wir waren eine riesengroße Klasse, wir haben mit 32 maturiert, im Grunde genommen nicht so geht, aber er hat im Grunde genommen es trotzdem geschafft, jedem Einzelnen irgendwo eine gewisse Sicherheit und eine gewisse, ja, einfach versichert, dass man etwas kann, dass man aus sich etwas machen kann. Und ich glaube, das war einfach das Besondere. Franz Welsermöster hat einmal gesagt, so ungefähr wie ein Butter, der im Grunde genommen in diese absolute Ruhe ausströmt und dabei aber alle irgendwie von sich fasziniert. Wobei er natürlich immer ein leidenschaftlicher Vollblutmusiker war. Natürlich, das ist keine Frage. Ich glaube, für mich waren da verschiedene Komponenten. Das eine, also der Musikunterricht, der war schon subversiv. Er hat das gemacht, was jahrhundertelang Usus war. Praxis. Musik lernen durch Praxis. fragt, ist man dem jetzt gewachsen, großartig oder nicht? Ich war ja zum Beispiel im Cello quasi blutige Anfängerin. Das hat aber keine Rolle gespielt. Also man wurde mitgenommen. Und wenn, also ich glaube, alle Schüler, die ein gewisses Interesse gezeigt haben, mitzumachen, wurden sofort gefördert. Es gab schon auch welche, die nicht dabei waren. Die haben aber auch den Ball, den muss man fairerweise sagen, nicht interessiert. Da bin ich ziemlich sicher. Das ist also durchaus, er hat immer wieder gesagt, auch so ungefähr, er hat das durchaus so gesehen, dass er unterrichtet für diejenigen, die sich interessieren und wenn das nur vier unter fünf in einer Klasse sind, dann macht er das und war durchaus manchmal auch bereit, manche anderen vielleicht, ich würde nicht sagen anrennen zu lassen, aber vielleicht ihnen dadurch zu zeigen, wo sie eigentlich stehen oder was eigentlich für sie notwendig wäre. Auch auf diese Art und Weise vielleicht manchmal ein Signal. Aber das ist richtig, dieser praktische Musikunterricht. Und das ist heute, wir versuchen es ähnlich, aber es ist nicht mehr ganz so leicht, muss ich ganz ehrlich sagen, wie es damals war, weil eben die Konventionen heute ganz andere geworden sind. Das hat sich ja eben bei weitem nicht auf die Schule beschränkt. Also wir haben Kirchenkonzerte gespielt und gesungen und es gab die sogenannten Operettengeschäfteln, wo wir gespielt haben. Und die großen Auftritte natürlich in den großen Sälen, aber das war ja nicht der Alltag, die waren ja dann auch relativ selten. Aber dazwischen gab es so viel. Messen und Kirchenkonzerte und Operettengeschäfteln und irgendwo am Land irgendwo hinfahren. Und wenn es hinterher ein paar Würstel gibt, dann waren alle glücklich und dann ist man wieder heimgefahren. dann waren alle glücklich und dann ist man wieder eingefahren. Ja, das ist etwas, was wir auch versuchen, dass wir eben wieder die kleineren Konzerte machen, wo auch durchaus einmal nur eine Klasse ist oder mal eine Gruppe. Ich habe gerade zuerst ein Mail von Michael Oman bekommen, der wieder anfragt, ob wir eh das Eröffnungskonzert von der Abendmusik in der Ursulinenkirche spielen. Das ist einfach so etwas, wo vielleicht eine Handvoll dann dabei ist. Aber genau diese Idee, dieses möglichst Vielfältige, es sind auch wieder geplant, dass wir Messen machen. Also wir schauen, dass wir ein bisschen wieder an diesem Geist anknüpfen können. Ich sage einfach, die Rahmenbedingungen sind heute viel, viel schwieriger. Und das, was Balvin machen konnte manchmal, dass er gesagt hat, vergiss die blöde Mathematikerin, ich habe Integrieren gerade am Rande irgendwo mitbekommen, weil wir einfach nicht dazugekommen sind und es nicht geschafft haben. Das wäre heute eine Katastrophe, wir haben jetzt Zentralmatura, das heißt, da waren schon zwei, drei Stunden Mathematik ausfallen, dann kriege ich schon einen bösen Blick in der frühen Konferenzzimmer, weil man konnte das noch relativ gut abschütteln und dem war das ziemlich egal und die Lehrer mussten damals mittun einfach. Das ist heute nicht mehr ganz so leicht. Es ist sozusagen immer dieses Herstellen von Anlässen. Er hat ja das mal gesagt, musikalische Anschläge auf die Landsbevölkerung in jeglicher Art, ob ins Englstal hinein irgendwelche Messen oder eben die Operettenkonzerte. Also wahnsinnig viele Anlässe, die er geschaffen hat. Das war sicher was. Aber mit so einem Riecher für Talent ist man ja einfach ausgestattet oder nicht ausgestattet, würde ich mal sagen. Ja, und auch eine Großzügigkeit. Also ich glaube, dass ein enorm weites Herz dazu gehört, dass man so vielen Leuten und eigentlich mit je mehr Ex-Musikgymnasiastinnen ich rede, desto mehr werden sie so vielen, dass es zukommen lässt. Also jeder für sich hatte ja subjektiv das Gefühl, er wird besonders gefördert. Aber in Wirklichkeit sind das ja Heerschalen. Und in meinem Fall ist es ja auch weit über Schule und eben diese auch noch immer irgendwie organisierten Aktionen hinausgegangen, was der Zeit mit mir verbracht hat. Und da war ich auch nicht allein. Also im Nachhinein frage hinausgegangen, was der Zeit mit mir verbracht hat. Und da war ich auch nicht allein. Im Nachhinein frage ich mich ja, wie der überhaupt mit seinen 24 Stunden pro Tag zurechtgekommen ist. Also eigentlich ist mir erst beim Begräbnis und in dieser wahnsinnsvollen Kirche in Willering, ist mir so bewusst geworden, dass ich, nachdem sich ja dann diese Schüler-Lehrer-Beziehung in eine Freundschaft und letztlich eigentlich in ein kollegiales Verhältnis auch noch gewandelt hat, also mehrfach irgendwie sich verändert hat. auch noch gewandelt hat, also mehrfach irgendwie sich verändert hat. Also ich habe ihn ja in Summe fast 40 Jahre gekannt. Und ich kann mich nicht erinnern, dass es nur einmal eine Gelegenheit gegeben hätte, wo der nicht Zeit für mich gehabt hätte. Der hat nicht ein einziges Mal zu mir gesagt, du pass auf, ruf mich bitte später oder übermorgen nochmal an, ich habe gerade keine Zeit. Das hat es nicht gegeben. Und da bin ich sicher auch nicht allein. Und ich glaube, diese Grundhaltung, die fast, ja, ich weiß nicht, keine Ahnung, wie der das wirklich für sich gemanagt hat. Wirklich keine Ahnung. Also das finde ich eben über dieses ganze Lehrer-Schüler-Verhältnis und so weiter hinaus unglaublich, also menschlich gesehen unfassbar eigentlich. Es ist ja spannend zu sehen, er war ja nicht nur exklusiv Lehrer, ganzassbar eigentlich. Es ist ja spannend zu sehen, er war ja nicht nur exklusiv Lehrer, ganz und gar nicht. Wenn man in seinen Werkkatalogs schaut, über 400 Werke, letztlich große Symphonien, drei große Opern, also wirklich ein Werk, das er da hinterlassen hat. Und dann war ja immer noch nicht Schluss mit den Sulzerischen Aggregatzuständen als Chorleiter, als Domkapellmeister, als jener, der die Kirchenmusik in seinem Heimatstift Willering sozusagen auch maßgeblich betreut hat. Der in den 60er Jahren schon getanzt, die Oratorien lang Kirchenoper gemacht hat, lang vor dem karintischen Sommer. In vielen Dingen auch Pionier. Also eine unbändige Energie. Und zugewandt... Nicht zu vergessen, Konzertbesucher und Theaterbesucher und so weiter. Und zwar Landauf, Landab-Konzerte. Sprich auch noch die Anfahrten und Heimreisen. Und schreiben irgendwann dann auch mitten in der Nacht. Michael, weil du sagst, das wäre heute in der Schule nicht mehr so möglich, weil die Konventionen andere sind, bist du sozusagen über das Lernen im direkten Austausch mit ihm auch gestanden, über das Unterrichten, gerade in diesem Fachgymnasium, Musikgymnasium, wo auch ein großer Chor, über welche Projekte, wir haben schon ein Buch mit sieben Siegeln, es waren ja wirklich riesige Chorprojekte, die auch herausfordernd waren. Man muss dazu sagen, Ballin war damals auch ziemlich sehr mutig, auch im Zusammenhang mit Franz Welser-Möspmann, darf man nicht vergessen, es ist ein Löseiger-Departement gemacht worden, es ist eine fünfte Bruckner gemacht worden im Orchester. Das sind Dinge, wo man heute, man muss auch damals dazu sagen, er ist auch damals angeeckt. Also das war durchaus so, dass also nicht unbedingt das auf dem Bruckner-Konservatorium mit großer Freude aufgenommen worden ist. Und auch heute werden wahrscheinlich solche Projekte, würde man sagen, sehr verrückt geworden im Grunde genommen. Das würde vielleicht zu weit gehen. Was ich auf jeden Fall von ihm gelernt habe, und das versuche ich auch, also es gibt auch da, ich bin zwar vielleicht, sagen wir mal so, es ist halt eine andere Situation. Es ist nicht so, dass man sagt, wie es vielleicht er gemacht hat, dass er die Schüler auch manchmal zu sich nach Hause eingeladen hat, was wir gemeinsam zum Platten gehört haben. Das ist etwas, was vielleicht heute nicht mehr ganz so leicht ist. Man darf auch nicht vergessen, man hat heute so gewisse Hashtag-MeToo-Debatten, alles, was in diese Richtung geht. Also ich kann halt keinem Schüler mehr irgendwie ungefragt irgendwo draufklopfen, weder männlich noch weiblich. Das könnte gefährlich werden. Es ist auch natürlich, aber was mir wichtig ist, also und das ist natürlich jetzt heute durch die neuen Medien ganz gut. Wir haben Teams, wir haben WhatsApp, was immer. Also wenn die Schüler sich an mich wenden und Fragen haben, und das ist durchaus immer wieder der Fall, dann ist es so, dass sie von mir unmittelbar eine Antwort bekommen. Ja, selbst wenn, was weiß ich, wir haben gerade einen in der 8M, der durchaus als Dirigent eine Karriere vor sich haben könnte. Das ist der Matthias Achleitner, der ist ja auch schon sehr geschickt. Peter und der Wolf letztes Jahr in dem einen Projekt dirigiert hat. Ja, und wenn der anruft, ist es auch so, dass ich normalerweise ans Telefon gehe oder vielleicht dann ein paar Minuten später zurückrufe und versuche zu fragen, was gibt es denn, was ist da denn jetzt schon wieder eingefallen, was möchtest du denn schon wieder für ein Projekt planen. einmal, das ist mir ganz wichtig, der eben Projekte ermöglicht und wie gesagt, dass man schaut, dass man eben Kontakte herstellt und eben für die einzelnen Leute möglicherweise das hoffentlich Richtige schafft und eben Auftrittsmöglichkeiten gibt. So viel wie früher, es fängt allein das schon an, wenn ich an dem Frühjahr diese Landpartien, da sind die meisten selbst mit dem Auto gefahren, wenn ich das heute nur meinem Chef sage, der würde alle Hände über den Kopf zusammenschlagen, den Schüler selbst fahren und irgendwie schulbezogene Veranstaltungen, also dann haben wir sofort im Grunde genommen das Gesetz im Nacken, dass das irgendwo verbietet. Und da war vielleicht der Ball, den manchmal durchaus derjenige, der da durchaus vielleicht auch ein bisschen darüber hinweg gesehen hat oder vielleicht kann man sagen, den Heiligen Geist im Schatten gehabt hat, durchaus derjenige, der da durchaus vielleicht auch ein bisschen darüber hinweg gesehen hat. Oder vielleicht kann man sagen, den Heiligen Geist im Schatten gehabt hat, der ihn da ein bisschen beschwitzt hat. Also da waren schon Dinge dabei, wo man sagen würde, das wäre heute absolut nicht denkbar. Aber es hat einfach dazugehört, würde ich mal sagen. Aber das Erriechen von Talenten, das Aufspüren von Talenten, das Zutrauen ist schon gefallen. Das Zutrauen und auch Zumuten. Aber auch das ständige Überschreiten von ortüblichen Geschwindigkeitsbeschränkungen, weil er sich eben über Sachen gewagt hat. Michael, du hast gesagt, er hat auch im Orchester-Bereich das Löw-Sakre am Plan steht, Bruckner 5, aber auch im Kurbereich. Also dieses Überfordern, das ist auch über den Plan, also Grenzen zumindest auszuweiten. Also Maria, du bist ja, ich denke jetzt an den Wittgenstein, gerade seine Stücke sind ja immer, da spreche ich jetzt als Interpretin an, durchaus was, wo man auch eigene Grenzen ausloten muss. Ja, beim Wittgenstein war ich ja dann doch schon fast erwachsen. Aber sonst glaube ich, dass ein wesentlicher Faktor bei ihm war, dass es einfach keine warnhinweise gab und schon gar keine Stoppschilder. Und das, also so ein bisschen da und dort unterrichtet, habe ich ja auch manchmal. Und das ist sehr gefährlich, dass man ständig in diese Fallen tappt und irgendwie sagt, na ja, aber vielleicht ist es zu früh oder vielleicht ist es zu schwer oder vielleicht blablabla, irgend sowas. Bis man einmal reflektiert, dass es da jemanden gab, der das vollkommen unterlassen hat. Und es geht. Und es ist nicht nur, dass es geht, sondern es ist der eigentliche Motor, der junge Leute dann dazu bringt, die ja zunächst womöglich im Grunde wissen, dass da jetzt etwas auf sie zukommt, was sie überfordert. zeitlichen Horizont voraus. Und dann hat man halt als Junge auch so viel Zeit, dass man investiert ohne Ende. Und dann geht es am Ende. Und das ist natürlich eine Erfahrung, das kann man eigentlich durch nichts wettmachen. Und das überträgt man ja dann selbst weiter. Wenn man weiß, man hat es einmal geschafft, dann ist man beim zweiten Mal selbst schon optimistischer und so weiter. Das setzt sich fort. Und da weiß ich konkrete Fälle von anderen, dass das sein Rezept war, sozusagen. In meinem Fall kann ich ganz genau sagen, welches Werk es war. Es war die Schöpfung. Eine Schöpfung, der Balduin zu einem Konzertveranstalter in Sierning gesagt hat, dass ich da den Sopranbad singen werde. Und mir hat er das ein Jahr vor dem Termin mitgeteilt. Es war völlig klar, dass das eigentlich als Partie außerhalb meiner Möglichkeiten war. War vollkommen klar. Mir. Aber es war ja letztlich egal, weil ich habe einfach ein Jahr lang täglich an der Schöpfung gearbeitet. Täglich. Und irgendwann ist das so drinnen, dass, ja, überraschenderweise habe ich das in der Situation dann bewältigt. Und war er da sozusagen in diesem Jahr immer wieder sozusagen als Coach an der Seite, wo er mit dir lebt? Nein, das habe ich weitgehend alleine gemacht. Und ich weiß aber eben, dass es andere auch gibt, wo irgendwelche anderen Flüsselwerke genauso bewältigt wurden. Ist das vermutlich auch einer der wahrscheinlich nicht wenigen Punkte, die das Phänomen Schulz als Lehrer ausmacht, warum man so viele Menschen auch hinein, auch in veritable Karrieren unterschiedlicher Natur, ist, dass sozusagen diese ständige Grenzen, diese Grenzerfahrung machen, Grenzen zu überschreiten und zu erweitern. Er hat einfach, er hat gar nicht thematisiert, dass da Grenzen sind. Ich glaube nicht, dass er nicht gewusst hätte, dass da Grenzen sind. Ich glaube nicht, dass er nicht gewusst hätte, dass da Schwierigkeiten auftreten könnten oder so. Er hat das einfach nicht thematisiert. Damit entfällt natürlich auch eine gewisse Art von Angst oder so bei jemand Jungem. Ich meine, bis zum gewissen Grad ist ja ein Selbstzweifel wichtig oder ein Sich-in-Frage-Stellen und so weiter, damit man vorankommt. Aber diese Ängstlichkeit, die ist halt dann aus der Welt eigentlich. Weil wenn da so ein Mensch einem das zutraut, dann traut man sich das irgendwann selber zu. Und ja, das ist nachhaltig. Dieser Umgang sozusagen, vielleicht Michael, weil du ja auch momentan nicht, aber auch mit dem großen Chor immer wieder zu tun hast, das verlangt, ich war ja auch in der Stifterstraße, aber eben nicht im Musikgymnasium, habe aber doch einige Chorproben auch mit, also da habe ich im Palden auch ein bisschen mitbekommen. Diese 120, 150 Leute, mehr oder weniger pubertierend, sich findend, mehr oder weniger pubertierend sich findend, war ja da irgendwie auch sowas wie eine Mischung aus Kabarettist, aber durchaus auch Dompteur mit ganz deftigen Methoden. Dompteur hätte ich auch gesagt übrigens. Dompteur muss man natürlich bitte sein. Und dennoch muss man sich vorstellen, wenn man heute normalen Kolleginnen und Kollegen sagt, man steht und wir uns zurzeit 124 sehen. Also wir hatten schon mit einer Klasse mehr einmal knapp an die 150. Das war noch im alten Festsaal. Da kriegt man schon seine Platzangst fast ein bisschen, wenn man da vor dem Kurs steht. wenn man da vor dem Chor steht. Aber man muss dazu sagen, ja, Dom Thür schon, aber es ist eines, was unglaublich eben passiert und das hat Bali natürlich, vorbildlich geschafft, einfach zu begeistern, wie die Anna Maria gesagt hat, eben aufzuzeigen, auch wenn es noch so schwierig ist. Gut, kann schon einmal sein, dass so ungefähr, komm, man ist dazu zu blöd oder es sinkt so mal gescheit oder sonst irgendwas. Aber dann war es eher in dieser Hinsicht, okay, es strengt sich an, aber es war nie, und das darf man auch nicht machen, dass ich einem Schüler von vornherein erkläre, das ist schwierig und da wirst du vielleicht die Grenzen erreichen oder sonst irgendwas, ganz im Gegenteil. Man muss einfach drüber, man muss selber vielleicht die Schwierigkeiten wissen, sie ausloten, vielleicht auch das Gespür haben, wie kann man das machen, manchmal auch mit sehr witzigen Methoden beim Ballen. Ich kann mich noch erinnern, dass wir, was weiß ich, Hamol-Messe des Gloria, da hat er sein Keyboard gehabt und hat dann einen Walzer-Rhythmus hineingestartet und dann haben wir nach dem Keyboard-Rhythmus des Gloria im Drei-Ochtel-Takt heruntergeleiert. Aber im Grunde genommen, um eben die Präzision des Rhythmus hineinzubringen, um einfach einmal eine andere Möglichkeit, eine andere Methode auch zu bringen und das war egal, ob das, manche sagen, das wäre halt ein Wahnsinn, wir haben ja zum Beispiel alleine, wenn ich nur sage, dass wir auch heute noch die fünfte Klasse ganz normal in den Chor integrieren, was ich so unheimlich wichtig finde, weil die werden einfach mitgerissen, die werden einfach mitgezogen, die kriegen das gar nicht mit, was sie eigentlich tun. Und das ist eigentlich Konzept Baldrin. Wenn ich das nur irgendwo sage, im Rahmen unserer Musikgymnasienkonferenz, ja seid ihr wahnsinnig, man muss da eigene Mutanten Klassen eröffnen und so weiter und die Buben da herausnehmen, also bitte, was Vateres kann es ja wohl nicht geben und es gespielt eh jeder, wo die Grenzen dann vielleicht stimmlich sind und man muss natürlich schon in den Klassenproben aber aufpassen, weil beim Ballen war es durchaus so, dass man eben um 8 Uhr in der Früh ist er hereingekommen und dann Klavier auf und dann ging es mit der Hamol-Messe los und das war einfach so und das ist vielleicht heute, wie gesagt, ein bisschen anders geworden, vor allem auch natürlich durch die Teilung ein bisschen, dass man sagt, der eine ist eher mehr der Terrorist, das trifft auf mich zu, der die Theorie im Grunde genommen unterrichtet und der andere, der eher vielleicht den momentan auch nicht sehr lustigen Teil machen darf. Aber das ist vielleicht durch die Personalunion, war das vielleicht ein bisschen leichter, diesen übergreifenden Unterricht zu machen. Aber eigentlich versuchen wir das auch, dass wir eben sehen, anhand der Praxis kann man eigentlich unglaublich viel lernen und unheimlich viel und man muss ständig, im Grunde was auch er gemacht hat, mitten im Chor, dann wieder gesagt haben, na und, was ist das jetzt für Akkord? Na, was hat der für Bedeutung? Also einfach hier ständig immer wieder auf diese Dinge hinzuweisen. Ich glaube, da hat man einfach unglaublich viel gelernt. Und natürlich diese Schinken, wie die Anna Maria gesagt hat, ist klar. Also wenn ich halt nur denke, eine Hamoll-Messe zu singen, eine Johannes-Passion. Ich denke nur zurück in Palermo unten, Monreale, beim zweiten Konzert angeblich 7000 Leute drinnen. Das sind Dinge, die man sein Leben lang nicht vergisst. Und wo man einfach sagt, das ist vielleicht, man muss auch dazu sagen, natürlich, Palermo wäre ohne Franz Wesermöss nicht möglich gewesen. Und das sind natürlich wahrscheinlich Dinge, die heute auch nicht mehr so leicht sind, dass ein Musikgymnasium Chor so gut er auch sein mag, mit Profi-Orchester wie einem Lampenfell Harmonik eine CD-Aufnahme macht, die dann noch dazu fast mit dem Grammy ausgezeichnet worden ist, zumindest nominiert worden ist. Das ist auch etwas, da haben sich die Zeiten, glaube ich, doch sehr, sehr stark geändert und das wird auch da, glaube ich, immer schwieriger. Darf ich da an dich sozusagen abschließen, um vielleicht dieses Lehrer-Dasein Sulzers ein bisschen hinter uns zu lassen und vielleicht auch einen Blick aufs Werk zu machen. Paul Leuen war ja quasi der Gründungslehrer des Musikgymnasiums, das 1973 oder 1974 gegründet worden ist. Und gerade bei Gründungen steckt ja immer so ein gewisser Gründungsmythos drinnen, der auch über Jahrzehnte oder Jahrhunderte oft erwirkt, wie was von dieser Gründungsenergie, um nicht diesen Begriff Mythos zu nennen, steckt, denn ist denn heute noch ablesbar, aus deiner Sicht, du hast es schon irgendwie erwähnt, dass die Fünftklassler eigentlich gleich drin sind. Was von dieser Gründungsenergie der Sulzerischen ortest du heute noch 2021 in dem Musikgymnasium, wo Baldur, glaube ich, ist 98 in Pension gegangen, 25 Jahre her, dass er nicht mehr an der Schule ist. Die Energie kommt, so viel man es vielleicht glauben kann, durchaus noch ein bisschen von seiner Person her. Das heißt, ich habe mir, darum sage ich auch, bekennender Sulzerianer, ich habe mir, wir hätten jetzt am 25. März sogar ein Stück von Baldwin gespielt, sogar eine kleine, wenn ich sage, Uraufführung wäre es übertrieben gesagt, er hat es einmal gemacht, er hat aus seiner ersten Oper in seinem Garten Liebdom Berlin, Limbe Lisa, die Präambel, man könnte sagen die Obertüre, eben für das Musikgymnasium bearbeitet, da kommen noch Klarinetten und ein bisschen was anderes dazu und wir hätten das ganz bewusst gemacht und das ist unser Plan, dass wir sagen, einmal im Jahr muss ein Sulzer so ungefähr auf dem Plan stehen. Selbst im Unterricht, denn das Notenmaterial dazu war ziemlich, wir kennen Ballens Handschrift, die Partitur war nur handschriftlich, das andere waren so eigenwillig gedruckte bzw. gestempelte Noten. Wir hätten also in der Musikinformatik sogar diese Partitur, wir hätten nicht, wir haben es gemacht, neu gestaltet, neu geschrieben. Das heißt also, hier ist einmal der Geist, Sulzers bleibt auf jeden Fall aufrecht. Das ist für mich also ganz, ganz wichtig. Du hast richtig gesagt, 1974 ist das Musikgymnasium gegründet worden. Wir sind bereits am Denken 24, nicht nur Bruckners 200. Geburtstag, sondern auch der 50. Geburtstag oder die 50. Saison, könnte man sagen, im Musikgymnasium. Auch da fangen wir mal schön langsam an, was lässt sich machen und hoffen, dass Corona bald ein bisschen mehr Perspektiven zulässt, als es momentan ist. Aber ich glaube einfach, diese Energie, die von ihm ausgegangen ist, versuchen wir schon ein bisschen weiter zu tragen, eben einfach diese Begeisterung für die Musik hochzuhalten. Und eben auch dadurch, das ist vielleicht etwas, was wir jetzt vor allem verfolgen, eben auch wirklich Leute reinzuholen von außen, die eben dann, das war so ähnlich wie vielleicht der Franz bei uns im Chor, wann der gekommen ist, wo er meistens das von Berlin vorstudiert. Und er hat dann eigentlich seine Arbeit übergeben. Und das ist etwas, wo ich mich auch durchaus sehr, sehr wohl fühle. Ich bin nicht der, der da im Mittelpunkt stehen muss. Und das ist auch etwas, was die Anna Maria Zers gesagt hat, dass er durchaus in gewisser Weise zurückstehen hat können und den anderen eigentlich die Bühne bereitet hat. Und das ist etwas, was ich durchaus sehr, sehr positiv finde und in dem gleichen Weg eigentlich tun möchte. Um ein bisschen dem Komponisten näher zu rücken, Komponisten bald ins Ulzer. Anna Maria, wann hast du bemerkt, oder war das immer schon selbstverständlich, dass mein Lehrer auch komponiert? Und auch sozusagen diese Berührung. Das eine ist sozusagen das Lehrer-Dasein und für Musik zu begeistern, aber auch gerade für das Zeitgenössische. In seinem Fall auch klar, dass er selber Klangschöpfer ist. Hast du da bewusste Erinnerungen, wo du das erkannt hast oder wo du das erste Mal was gesungen hast von ihm oder gespielt? Also wann ich das erkannt habe, weiß ich nicht, weil es wurde ja schon in der Schule auch von ihm sicher einiges aufgeführt. Das habe ich gar nicht so in Erinnerung, aber noch in meiner Schulzeit fiel die Uraufführung vom bereits erwähnten Don Berlimplim im Landestheater und in dieser Aufführungsserie gab es eine Woche, da war ich krank und da habe ich, glaube ich, ein oder zwei Aufführungen verpasst und alle anderen war ich am Stehplatz, das weiß ich. Und das hat mich, also diese Musik fand ich toll. Ich kann mich noch erinnern an eine grandiose Paukenstelle. Melodie spielen auf der Pauke, das hat mich umgeworfen damals. Aber auch sonst natürlich, Cheryl Licht, da war einfach großartig. Das ist das eine und das andere, was dann mit mir zu tun hatte. Und ehrlich gesagt, des eigentlichen Geschenks war ich mir nicht bewusst damals. Der Baldön hat mir für meine Aufnahmeprüfung in Wien ein Lied komponiert. Und bei meiner Aufnahmeprüfung in Wien, also jedenfalls als Sängerin, war das meine erste Uraufführung. Das ist eigentlich unglaublich, dass so etwas dazu die Zeit gefunden hat und sich überhaupt damit abgegeben hat. Das ist eigentlich im Nachhinein verrückt. Das war eine Aufnahmeprüfung auf der Musikpädagogik in Wien und es hat durchaus Aufsehen erregt, weil normalerweise bei Abschlussdiplomen musste halt ein Stück aus dem 20. Jahrhundert dabei sein. Aber dass zu einer Aufnahmeprüfung jemand kommt und freiwillig etwas Neues anbietet, das war quasi fast wie nie da gewesen. Also in Wien halt. Das ist ja Wien. Ist damit auch das Selbstverständnis, sich mit zeitgenössischer Musik zu beschäftigen oder dass das einfach zu einem Musikerinnen-Dasein gehört? Also das normal entwickelt, einfach auch durch seine Person? Ja, das war mit ein Faktor. Ich habe natürlich eine frühkindliche und in die Jugend reichende Blockflötenprägung und was spielt man so auf der Blockflöte, alt oder neu, so ist es halt. Insofern waren jetzt, ich habe jetzt keine besonderen Hürden verspürt, sagen wir so. Überhaupt Neueres kann ich mich auch erinnern, das war nicht der Baldurin, sondern das war der Herr Volkt am Bruckner Konservatorium, der irgendwann mal Webern-Tage veranstaltet hat, wo ich auch nichts versäumt habe und völlig fassungslos drinnen gesessen bin, was es da so gibt. Also es hat mich enorm fasziniert, aber nicht unter dem Aspekt, ich könnte selbst einmal sowas machen. Ich glaube, da war ich viel zu weit weg. Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen. viel zu weit weg. Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen. Das ist mir auch später noch so gegangen. Irgendwann in den eher frühen Jahren von Wien Modern gab es einen Kurtax-Schwerpunkt, da kann ich mich erinnern, dass die Cengari da war und natürlich Andras Keller und so weiter und diese ganzen Interpreten, die das mit Kurtax fast gemeinsam kreiert haben, diese großen Werke. Und auch da bin ich nicht auf die Idee gekommen, dass das jemals in meine Reichweite gelangen könnte, sondern das war einfach nur unglaublich faszinierend. Also, ja, und der Baldun, ja, natürlich, also, das hat einfach dazugehört. Und war sehr willkommen. Und auch das ist im Nachhinein gesehen, als ich ganz jung war, war mir das auch nicht bewusst, wie es anderen gegangen ist, dass da jemand gibt, zu dem man gehen kann. Du pass auf, jetzt habe ich da ein Programm und das ist die und die Besetzung und da fehlt uns jetzt noch ein Stück und könntest du was schreiben? Und er sagt, ja, wann ist der Termin? Ende. Also natürlich nie eine Silbe über ein Honorar oder irgendwas, nichts dergleichen. Einfach geliefert. Du hast erzählt von Berlin-Blind, dass du so gut wie keine Aufführung verpasst hast. Das hat dich schon emotional, ästhetisch auch gepackt, diese Musik damals offensichtlich. Ja, ja. Also das Liebe, Liebe von der Cheryl Lichter, das höre ich noch in ihrem Tonfall und so weiter. Das ist klar. Michael, war es bei dir sozusagen die Begegnung mit der sulzischen Musik? Naja, bei mir war es gleich in der fünften, aber vielleicht noch zum Berlin-Blim dazu, ich habe zumindest so einzelne Notenseiten, wann sie fertig geworden sind, hat es immer geheißen, du kennst die im Theater, aus, geh rüber und liefer die ab, also somit habe ich an dem Stück auch einen gewissen Anteil gehabt, Ich muss so sagen, es war eine geniale Inszenierung. Ich glaube, wie war das damals? Aber auf jeden Fall, es war genial gemacht und es war wirklich eine überzeugende. Stöckmüller hat ihn inszeniert, oder? Stöckmüller, genau. Ich muss ehrlich sagen, es war für mich, es ist immer noch prägend für mich heute, aber genauso prägend war gleich in der fünften des De Profundis eine Kantate für Chor und Solisten und großes Orchester. Die hat mich damals unglaublich fasziniert. Marlen hat das damals, da gab es im November, das war wie ein Domkapellmeister geworden ist, so drei, viermal hintereinander ein Konzert mit dem Domchor im Brucknerhaus. Und das war dieses Konzert, wo eben dieses Stück, ich glaube, es war die Nelson-Messe eben, da war es dabei. wo eben dieses Stück, ich glaube, es war die Nelson-Messe eben, da war es dabei. Und auch ein Stück, das habe ich dann sogar bei einem dieser Bruckner-Wochen, Tage einmal wieder herausgekramt, weil ich gefunden habe, dass es einfach gespielt gehört. Das haben wir damals mit der Bruckner-Uni zusammen gemacht. Da war der Wolfgang noch Chorleiter. Also eigentlich ein, muss ich sagen, für mich ein Stück, das mich heute noch fasziniert und das ich heute noch wirklich gut im Kopf habe. Natürlich vielleicht mit diesen charakteristischen Schreien am Anfang. Der Chor brüllt hier vor lauter Panik oder Angst oder was weiß ich, Verzweiflung laut auf. Viele haben das lustig gefunden. Ich weiß genau, was Baldin eigentlich damit bezweckt hat. Das war nicht so lustig, sondern er war das ziemlich ernsthaft. Das ist auch etwas, was bei Baldin natürlich immer wieder rauskommt, das ist dieses scheinbar Heitere, aber es steckt meistens unglaublich viel Tiefe dahinter. Also das muss man vielleicht auch mal dazu sagen. Aber gerade dieses De Profundis habe ich sehr, sehr gut in Erinnerung. Oder auch die Passio Crucis, die wir damals in Schweden gesungen haben. Das war so auch etwas, was heute vielleicht, ja, ich weiß nicht, ob es wer machen würde, aber zwischen schriftlicher und mündlicher Matura waren wir eine Woche in Schweden und haben halt dort Bastia Grotzius und Mozart Requiem gesungen. Also auch das ist vielleicht etwas, wo man sagt, nicht ganz so. Aber das war einfach selbstverständlich, da hat gar keiner geredet damals. Ich möchte noch ganz kurz zwischendurch den Zuhörenden, wenn wer eine Frage hat oder einen Zwischenkommentar, es ist möglich über den Chat von YouTube oder über die E-Mail-Adresse kepler-salon.jku.at etwas hereinzuschreiben. Es wird dann an mich weitergeleitet und wenn es uns möglich ist, greifen wir das auf oder beantworten das auch. Das nur als Anmerkung zwischendurch. Du hast es gerade angesprochen, sozusagen dieses nicht immer so lustig, wie es vielleicht manchmal gescheint hat. Das ist vielleicht auch fast ein Missverständnis manchmal. Vieles schien an der Oberfläche sozusagen humorvoller vielleicht, beim auch nicht genauen Hinhören oder Hinsehen. Aber bei genauerem Hinsehen ist in dieser oft humorvollen Oberfläche ein Tiefgang. Aber einen gewissen Hang zum Humor hatte er. Es blieb ja nie stecken in diesem nur lustig sein. Anna Maria, du hast so vieles von ihm gesungen. Auffahrende Gloria, Juchzer. Wie würdest du sein Verhältnis zum Humor oder auch das Verhältnis des Humors in seiner Musik einstufen? Ist das eine Kategorie? Ja, schon. Und es beinhaltet auch auf den ersten Blick eine Leichtigkeit. Und so war er auch ja als Person. Aber man darf es eben nicht verwechseln mit Seichtheit. Also dann liegt man falsch. Und weil dafür hatte eigentlich alles zu viele Schichten bei ihm. Es gab eben nicht nur diesen Anschein, sondern es gab immer was anderes. Und sich mit dem Anschein zu be es gab immer was anderes. Und sich mit dem Anschein zu begnügen, ist natürlich recht bequem und einfach. Aber man wird ihm nicht gerecht. Und ich glaube, dass wenn zum Beispiel, also manchmal waren das ja schon Höllenritte, wenn man sich wirklich an seine Tempo-Vorschriften halten wollte, zum Beispiel. Für Instrumentalisten, aber auch zum Singen. Und in dem Moment, wo man alle diese Vorschreibungen mit ernst genommen hat, ist man weggekommen. Also war keine Gefahr mehr, dass das irgendwie seicht sein könnte. Und ich habe ihn einmal erlebt bei einer Uraufführung in einem Konzert, da ist er neben mir gesessen und ich habe gespürt, wie er leidet, weil leider die Musik viel zu langsam gespielt war. Das war für mich natürlich klar, weil wenn man den Duktus kennt, wusste man eigentlich auch die Tempi, die gefragt sind. Das war völlig klar, das ist viel zu langsam, es ist nur auf Nummer sicher, weil zu wenig geübt oder unterschätzt in der Vorbereitung. Und dann ist es, dann war es tödlicher, weil dann wurden Dinge plötzlich banal, die überhaupt nicht banal gewesen wären, im Originaltonfall sozusagen. Scheinbar unrealisierbare Tempo-Vorschreibungen sind bei ihm ernst zu nehmen und man hat so lange zu trainieren, bis das funktioniert und wenn es nicht funktioniert, dann bitte Finger weg. Aber du hast ja viele Stücke von ihm uraufgeführt, auch beauftragt. Er war ja dann auch immer oft relativ knapp mit dem Fertigwerden, weil er ja sozusagen auf Punkt genau die kurze Zeit zu einem Aufführungstermin, die ihm dann oft blieb, sozusagen das Werk auch zu lernen und zu studieren, wie bist du damit als Interpretin umgegangen? Es braucht ja auch manchmal einfach Zeit, um in die Geschwindigkeit zu kommen. natürlich muss man es jeweils neu eintrainieren irgendwie, aber es ist natürlich nicht, wie wenn man halt überhaupt einen Komponisten zum ersten Mal aufschlägt, das gilt aber für alle Komponisten, in dem Moment, wo sich, wo die Begegnungen sozusagen sich häufen, werden die Wege kürzer, die Wege der Annäherung werden kürzer. Und bei Sulzer war es dann schon so, also ich habe es ja nie abgezählt, aber irgendein paar Dutzend Werke sind das schon und auch Größeres dabei, dann weiß man irgendwie auch schneller, wie es geht oder gehen soll wahrscheinlich. Und du mit deiner Erfahrung? Er wusste ja auch, für wen er schreibt. Das muss man auch sagen. Also so wie man das ja immer, eben wie es der Baldwin selbst erzählt hat in der Schule, dass der Mozart ja genau wusste, auf welche Gurgel er was schreibt. Der wusste, der kannte mich ja und hat ja schon ziemlich genau gewusst, was da jetzt geht oder wahrscheinlich geht oder sonstige Interpreten. Indem Sie nehmen auch das im Blick, die Grenzen zu erweitern oder auch nicht zu akzeptieren? Naja, obwohl wir haben dann in fortgeschritteneren Jahren haben wir dann schon manchmal auch so gesagt, ja, wie könnte das, was wäre jetzt günstig oder so, also hat schon Rücksicht genommen, in meiner Stimme verändert sich ja auch und das hat er mit einkalkuliert oder wir haben das auch besprochen. Darum sage ich auch, das Verhältnis wurde ja auch viel mehr, also die Freundschaft blieb natürlich als Freundschaft, das ist klar. mehr kollegiale Augenhöhe dazu. Und ganz andere Formen von Austausch und zusätzliche Bereiche, über die man sich wirklich auch gegenseitig dem Ball zugespielt hat. Also lange war es ja so, dass mich einfach nur seine Meinung interessiert hat. Aber das wäre ja nicht so gewesen, dass ich ihm jetzt, oder dass ich das Gefühl gehabt hätte, ich kann ihm irgendwas auch geben. Und irgendwann war dann schon mehr so eine kreative Zusammenarbeit, nennen wir es mal so, sowas. Natürlich hat er die Notenköpfe gemalt, aber rundherum gab es dann halt auch Dinge, wo ich schon glaube, dass so ein bisschen gemeinsame Entwicklung dabei war. Und auch inhaltliche Ausgangspunkte, die du eben sozusagen auch angestoßen hast. Ja. Du hast ja unglaubliche Erfahrung sozusagen mit zeitgenössischen Klangpositionen, also eine große Breite und Erfahrung, auch sehr Vielfalt, wenn ich an Scherino denke, wenn du das Kurtag genannt, wie würdest du, wenn man das überhaupt kann, einen Schritt zurück, ihn da auch verorten, im zeitgenössischen Klanggeschehen, sein Werk? Ist das eine kühne Frage? Nein, das ist, also, ja, natürlich, man kann sich ja dann auch immer täuschen und so weiter. Und letztlich habe ich immer das Gefühl, ich kenne viel zu wenig. Also ist das ziemlich eine subjektive Aussage. Aber also so auf den ersten Blick würde man natürlich sagen, dass seine Kompositionsweise relativ konventionell war, im Sinn von, sagen wir, da ist jetzt nicht irgendwie, weiß Gott, welche Spieltechniken kommen da vor oder solche Sachen, also mit der Stimme kam vielleicht ein bisschen, aber welche Spieltechniken kommen davor oder solche Sachen. Also mit der Stimme kam vielleicht ein bisschen, aber nicht zu vergleichen mit Lachenmann oder Bério-Sequenzen oder solchen Sachen, wo man ganz andere Formen von Geräuschpalette mit hinein dort findet und das realisiert. Insofern hat man als erstes vielleicht den Eindruck, naja, das ist alles konventionell notiert und so. Was ich trotz alledem, und das wird sowieso erst mit größerem Abstand, glaube ich, wirklich einzuordnen sein. Was ich immer geschätzt habe, ist, dass er in der Lage war, über die Jahrzehnte einen echten Personalstil zu entwickeln. Also eigentlich mir ist es manchmal passiert, als ich noch in Wien gelebt habe und dann rennt da viel Ö1 oder so oder man schaltet gerade mal auf und es kommt Musik von ihm und es ist sofort klar, das ist von ihm. Und das ist ja eigentlich relativ selten. Also, dass das so eindeutig ist. So viele gibt es dann eigentlich nicht. Und was mich fast ein bisschen amüsiert hat, in seinen späteren Jahren, also zum Beispiel dann bei dieser Arbeiter-Sinfonie, die ziemlich spät ist, da habe ich mir gedacht, und jetzt ist er einfach, jetzt ist er auch eigensinnig. Also es ist ihm einfach egal, er schreibt, wie er schreiben muss und es ist ihm egal, was irgendjemand dazu sagt oder davon hält, sondern das muss er so machen und daher macht er es so und kümmert sich nicht um den Rest der Welt. Also da habe ich das Gefühl, hätte ich gesagt, das hat sich gesteigert bei ihm. So ein Ort von Eigensinn in der Musik. Einfach keine Rücksichtnahme auf irgendwelche Erwartungshaltungen oder irgendwas. Das war mein Gefühl. Ich weiß nicht, wie das geht. Er hat ja sozusagen, wenn ich das richtig im Kopf habe, bis Opus 120 oder so, das war ja in den Pensionsjahren seit 1998, hat er ja quasi sein Werk nur um zwei Drittel vermehrt und gemäht. Also gerade in den letzten beiden Jahrzehnten ist ja unglaublich viel Musiker entstanden. Ja, und er hat, das darf man auch nicht vergessen, er hatte ja mal einen Schlaganfall, so mit, weiß nicht, Anfang 60 oder was. Und er hat ja danach, wie er immer gesagt hat, also seine früheren Werke alle noch einmal frisiert. Also er hat so gesagt. Also ja, ist alles noch einmal durchgegangen, weiß nicht, Artikulationen, was auch immer, alles noch einmal durchgearbeitet. Michael, wie würdest du ihn verorten? Auch als einer, der sozusagen wirklich ein Kenner ist, auch als Rezensent, der in tausende Konzerte geht und vieles hört. sehen, der in tausende Konzerte geht und vieles hört. Ja, also ich kann mich da noch anschließen. Das Wesentliche ist wirklich bei ihm der Personalstil. Also das einfach, wie die Anna Maria gesagt hat, wenn man Musik von ihm hört, ist es eigentlich ziemlich sofort klar, das kann nur Baldwin sein. Und dass er eben einfach das auch wirklich gepflegt hat und die wenigsten, sagen wir mal so, er war auch wie fast jeder Komponist, sehr schweigsam über seinen Ton im Grunde genommen. Ich hätte es öfter probiert und dann mal gefragt so ungefähr, wie machst du das, wie kommst du auf Ideen, wie kommst du auf was auch immer für Interviews, immer wieder solche Sachen. Und gedacht habe, wie komme ich an ihn heran? Gut, man schaut sich dann doch mal Stücke vielleicht genauer an und man weiß ganz genau, er hat teilweise mit seriellen Techniken komponiert, er hat aber auch diese nicht, nicht zur Sturheit, also er einfach ist, wenn nicht irgendeine andere Möglichkeit wäre, dass er hier ausweicht und ich glaube einfach, das ist etwas, was ihn vor allem auch in Oberösterreich jetzt besonders herausgerufen hat und was auch diese besondere Werkschätzung auch in Oberösterreich ausgemacht hat, dass er eben einer der Komponisten ist, wo man wirklich sagen kann, das ist absolut typisch für ihn und da kann ich auch deiner Maria beipgemacht hat, dass er eben einer der Komponisten ist, wo man wirklich sagen kann, das ist absolut typisch für ihn. Und da kann ich auch deiner Maria beipflichten, dass das eher noch verstärkt worden ist, dieses Bewusstsein, ich habe hier einen Stil geschaffen, der nicht vom Himmel gefallen ist. Das muss man auch dazu sagen. Also es gibt genügend Anregungen und man weiß auch, welche Vorbilder er hat. Über die hat er durchaus immer wieder gesprochen. Aber dass einfach er es geschafft hat, hier einen nicht einfach irgendwo bieten zu bleiben, das ist nämlich auch die Gefahr, dass man 50 Jahre immer das Gleiche schreibt, sondern dass dieses scheinbar Gleiche eben ständig einer Transformation, eigentlich einer immer wieder Entwicklung unterworfen ist und das war bei ihm schon natürlich zu sehen und natürlich, man darf nicht vergessen, weil du gesagt hast, nach der Pensionierung, man darf die Spitzenfen ist und das war bei ihm schon natürlich zu sehen. Und natürlich, man darf nicht vergessen, wie du gesagt hast, nach der Pensionierung, man darf die Spitzenzeiten, das war so ungefähr wie ich in der Schule war, da war er der Erste in der Schule, ist dann nach der Schule auf das Bruckner Konservatorium gegangen, hat dort Korrepetition gemacht, ist dann am Abend im Konzert gesessen, hat nachher geschrieben und hat dann meistens so irgendwann nach Mitternacht zum Komponieren angefangen, weil nicht irgendwelche Schüler bei ihm gesessen sind. Also es ist manchmal wirklich die Frage, wo hat er es wirklich geschafft, diese ganze Vielfalt unterzubringen und er hat es schon einmal auch gesagt, dass er es einfach ist, befreit findet er, dass er es wirklich ungestört arbeiten kann und dass er eigentlich auch sehr stolz darauf ist, dass da einiges weitergegangen ist. Also was ich auch noch glaube bei darauf ist, dass da einiges weitergegangen ist. Also was ich auch noch glaube bei ihm ist, natürlich hat durch diese enorme Repertoire- Kenntnis, die er hatte, weil er ist ja auch sehr oft nach Konzerten und wenn dann die Kritik abgeschickt war, dann hat er ja oft noch stundenlang weiter Musik gehört, das darf man auch nicht vergessen. Aber wenn man ihn vor sich sieht und noch irgendwie im Nachhall hört, wie er improvisiert hat an der Orgel in Wildering an der Großen, dann merkt man schon, wie sehr das wirklich alles aus ihm herauskam. Bei aller Kenntnis und natürlich Konstruktion oder quasi harmonischer Gelehrtheit oder was auch immer alles mitgespielt hat, aber dass da trotzdem dieser Personalstil seiner, also er hatte das ja auch im Improvisieren, also es war einfach da. Und er hat es natürlich weiterentwickelt. Aber es war etwas ihm Genuineigenes, sozusagen. Noch eine Frage an dich als Interpretin. Über eine lange Zeitstrecke, auch Stücke aus verschiedenen Zeiten. Bei aller Unverwechselbarkeit gab es da immer wieder auch Momente, wo er dich überrascht hat mit kompositorischen Ideen, wo du dir denkst, du warst ja den Dingen auch immer sehr auf der Spur. Das hat er mir auch immer sozusagen dem Geheimnis der Konstruktion oder des Bauplans auch immer sehr auf der Spur. Gab es da Momente, wo du denkst, das habe ich so noch nie? Also im Grunde genommen war ja dann eh in vielen Stücken immer wieder was Neues. Es gab immer wieder andere Momente, wo ich mich gewundert habe. Also die Rücksichtslosigkeit, die ich vorhin genannt habe. Er hat sehr spät zum Beispiel ein Duett geschrieben für den Michael Oman und mich. Und das war ihm vollkommen wurscht, dass ich keine Blockflöte bin. Also das ist komplett rücksichtslos diesbezüglich. Aber was mich manchmal vorher ein bisschen gewundert hat, er hat ja so Paraphrasen auch komponiert. Und das fand ich eigentlich nicht immer seine stärksten Aussagen. immer fand ich das seine stärksten Aussagen. Aber dann habe ich trotzdem eine Post-Humor-Erfahrung gemacht, dass ich nochmal gehört habe, als Markin Amikawa und Dennis Russell Davis da bei ihrem eigenen Geburtstagsfeier vierhändig Sulzer gespielt haben. Und dann habe ich mir gedacht, aha, ich habe nie verstanden, warum man so unbedingt, ununterbrochen in Konzerte gehen will. Ich habe mich immer gewundert, dass er in dem hohen Alter und mit den Schwierigkeiten und so weiter sich fast täglich auf sich nimmt. Und wenn es nur irgendwie geht, überall hingeht, dann habe ich es nicht verstanden. Und in dem Moment, wo ich das von denen gehört habe, habe ich mir gedacht, jetzt glaube ich zu wissen, was in seinem Kopf los war, wenn er in Konzerten gesessen ist. Als hätte er sozusagen noch seinen eigenen musikalischen Überbau jeweils mitgehört vielleicht. Und dann hat er eben so Paraphrasen geschrieben, indem er das halt mal zu Papier bringt. So ist mir das vorgekommen. Und ja, wo man dann merkt, okay, wie viele Etagen gleichzeitig konnte der wahrscheinlich bewohnen in der Musik. Das hat mich auch wieder sehr überrascht dann eigentlich. Du hast es jetzt erwähnt, sozusagen das Schreiben über Musik. Zwar in der spreche ich vielleicht dich, Michael, der sozusagen das auch seine Profession hat, sozusagen zu rezensieren, zu schreiben über Musik. Natürlich im Sulterschen auch aufgrund des Formats der Tageszeitung, für die er geschrieben hat, sozusagen eher im Gedichtlängestil. Das ist in den oberösterreichischen Nachrichten auch anders angelegt. Aber ich fand das immer auch irgendwie ein Missverständnis, das war auch so eine oberflächliche Sicht mancher. Sulzer ist ja immer nett in seinen Kritiken. Aber wenn man den Schlüssel wusste, seine Kritiken auch zu lesen und genauer nachzulesen, habe ich mir manchmal gedacht, an der Oberfläche könntest du denken, das ist ein Lob. Wenn du aber den Schlüssel weißt, dann weißt du, das ist eigentlich ein furchtbarer Verriss. Oder er trifft den Punkt genau, nur muss man wissen, wie man das einzuordnen hat. Wie siehst du als selbst über Musik schreibender den Rezensenten, Sulta? Das ist richtig, dass er damit durchaus manchmal, es gibt diesen berühmten Satz von immer mal so im Umkreis von 70 Kilometern, darf man nicht niemandem verreißen, so ungefähr. Man könnte es auch böse sagen, wenn ich aufgeführt werden will, auch zum Beispiel von einem Bruckenorchester, dann kommt es nicht gut an, wenn ich jetzt eine vernichtende Kritik vorher schreibe. Das ist natürlich vielleicht das, aber er hat es gemacht. Und er hat durchaus auch manchmal ziemlich zynisch sein können und auch manchmal ziemlich böse sein können. Aber vor allem, es war bei ihm zwischen den Zeilen. Und wenn das Wort gediegen vorkam, dann hat man eigentlich schon gewusst, okay, das war's. Also das war eher dann meistens nicht das, was er wirklich war. Aber ich glaube, es ging ihm auch dabei, eben vielleicht wirklich diese Erfahrung mit Musik war vielleicht eine ganz andere bei ihm. Eben wie die Annemarie vielleicht vermutet, dass da etwas ganz anderes in seinem Gehirn abgelaufen ist, als es bloß ist, die Rezzension, bloß ein paar Zeilen über die tatsächliche Aufführung zu schreiben, sondern dass es einfach, glaube ich, für ihn absolutes Grundnahrungsmittel war und darum auch diese absolute Begierde. Und ich habe selber in den letzten Wochen, Monaten immer wieder, dass ich gesagt habe, fahrst mit mir mit oder gemeinsam auch in Konzerte gegangen sind und dass ich einfach das, wo man auch manchmal gedacht hat, warum tut er sich denn das an, ja, selbst noch zum Vituskirchall in Oberregau, wo man eigentlich kaum hingehen kann, so ungefähr hinzukommen, wo man dann aufpassen muss, dass man nicht irgendwo die Stirn runterfällt oder sonst irgendwas über die Stufen runterfällt, aber ich glaube einfach, es war dieses Bedürfnis, und darum hat er das mit dieser Akribie auch gemacht, hier einfach das wirklich als Nahrung zu sehen, als geistige Nahrung, um da einfach auf dem neuesten Zeitpunkt, und es war für ihn mit Sicherheit das schönste, das letzte Konzert, das er gehört hat, war eine Marienwespa, noch dazu eine relativ tolle Aufführung. Und er hat auch natürlich noch eine tolle Kritik darüber geschrieben. Und ich glaube, das Kritikschreiben war weniger des Schreibenswillens, sondern eher dieser Versuch, darum auch jetzt nicht irgendwie groß anecken wollen oder es irgendwo da groß herum dozieren wollen und das ist schlecht oder das ist gut, sondern einfach wirklich hier diese Chance zu nutzen. Ich muss ehrlich sagen, hier folge ich ihm voll und ganz nach. Ich nutze auch diese Chance, diese unglaublichen vielen Konzerte besuchen zu dürfen, was vielleicht sonst gar nicht möglich wäre, sagen wir mal rein finanziell oder ganz auch, wer kann sich schon was, was sie fünf, sechs Opern in Salzburg leisten als Normalsterblicher. Also das muss man sich einfach einmal so überlegen. Aber ich glaube, das war für ihn eine ganz wichtige Entscheidung. Und ich muss natürlich dazu sagen, Baldwin ist auch schuld, dass ich bei den Nachrichten gelandet bin. Denn es gab zwei, drei Anlässe, wo er mich angerufen hat, ob ich so ungefähr für die Kronenzeitung schreiben kann. Und das tat ich dann. Und er hat das irgendwie positiv gefunden, als bei den Nachrichten der Gerhard Ritschel relativ abrupt aufgehört hat, hat er mir dann gesagt, naja, die suchen da jemanden, das wäre doch eigentlich was für dich. Ich kann mich noch erinnern, das war, ich kann es genau sagen, es sind 20 Jahre her, das war damals 2001, da war der Isamu Magome mit seinem japanischen Mozart-Jugendorchester in Linz, das war, oder eigentlich müsste man sagen, in Leonding beim Konzert. Und wir saßen nachher gemeinsam und haben den Erfolg gefeiert. Und da kam damals das, du, eigentlich das wäre was für dich, Möte dort. Somit habe ich es ihm eigentlich zu verdanken, dass ich das eigentlich übernommen habe. Das ist vielleicht auch ein Stichwort, dass du diese, ich würde schon sagen, Bescheidenheit, wer Bescheid weiß, kann auch gut bescheiden sein, das ist ja schon was, dass er sein Wissen ja nie zum Markte getragen hat, das war ja immer dienlich der Sache und natürlich auch nicht in der Zeitung introduziert, dozieren wollte oder Wissen in Stellung bringen. War nicht sein, wahrscheinlich als Lehrer auch. Es war einfach da, oder? Man hat es gelebt. Aber er war auch immer offen allem anderen. Also er war immer interessiert. Das heißt, wir sind oft in der Pausen zusammengestanden. Er war auch immer interessiert, was passiert in der Schule, was gibt es Neues, also nicht nur in der Hinsicht, dass er im Grunde genommen der große Weise war, da können wir wieder auf das Bild des Bruders zurückkommen, der seine Klugheit verströmen lässt, sondern er war auch einer, der ständig eigentlich interessiert zugehört hat, gefragt hat, was eben auch da steht, ja irgendwie, ja eigentlich immer am neuesten Stand versucht hat zu bleiben. Selbst technisch, wenn wir es hernehmen, er hat zum Schluss auch immerhin per E-Mail geschrieben und das war für ihn eine gewaltige Umstellung, aber er hat auch das geschafft. Du hast deinen Namen fallen lassen, da möchte ich vielleicht, denke ich, nur hinsichtlich der Internationalität, Isamu Magome, ein japanischer lassen, da möchte ich vielleicht, denke ich nur hinsichtlich der Internationalität, Isamu Magome, ein japanischer Fagottspieler, Professor, Dirigent, der, guck mal, heißt er auch mal Solo-Fagottist war, ist wieder in seiner Heimat gelebt und dort ja ein jährliches, Anna-Maria, du weißt das viel genauer, Festival oder mehrere Festivals hat er, Mozart-Festival, wo Baldun ja, ich glaube auch fast über zwei Jahrzehnte, sehr oft in Japan war und extra Stücke geschrieben hat, Oratorien, Messen dirigiert hat und wo sehr oft auch jährlich irgendwie ein Stück von ihm uraufgeführt wurde. Also es wurden nicht immer Stücke uraufgeführt, aber es ist jedes Jahr etwas auf dem Programm, üblicherweise. Und solange es die Gesundheit oder soweit es seine Gesundheit erlaubt hat, ist er eben auch gekommen. Das ist ein Festival mit einem Jugendorchester, das sich aus verschiedenen Schulen und Hochschulen speist in Japan und einem eigentlich örtlichen Laienchor, kann man sagen. Also örtlich heißt vielleicht aus drei, vier oder fünf Dörfern dort. Das ist eigentlich eine ländliche Gegend. Also eben Landwirtschaft ist auch tatsächlich der Hauptwirtschaftszweig. Und da ist er unverdrossen jährlich in den japanischen Süden gereist und hat sich da also in seiner ganzen Vielfalt auch eingebracht. Magome erzählt die schöne Geschichte, dass als der Baldwin das erste Mal dort war, ich weiß nicht, ob das erste oder zweite Mal, jedenfalls haben sie geredet und er hat sich auch dafür interessiert, wo überhaupt das Geld herkommt, um das zu realisieren, weil das ist ja in Japan auch keine Selbstverständlichkeit. Es gibt dann nicht die staatlichen Subventionen in der Form, in der wir das kennen, also öffentliche Gelder in dieser Form. Und dann hat sich gezeigt, dass diese ganzen Geschäftsleute, das ist eine Straße, kleine Geschäfte eins nach dem anderen, dass diese Leute alle quasi sponsern. Und dem Baldurin war es nicht zu tun, mit Magome von Geschäft zu Geschäft zu gehen und sich dafür zu bedanken. Und dann, das nennt man heutzutage Kundenbindung. Er hat es nicht so genannt. Sondern es war für ihn selbstverständlich. Und es hat viele andere Dinge gegeben, dass da Konzerte organisiert wurden für sehr kleine Kinder, in denen aber ganze Stücke gespielt werden. Weil er einfach immer vertreten hat, Kinder ertragen ganze Werke. Man muss nicht so die homöopathischen kleinen Stücke irgendwie, die halten das schon aus. Und siehe da, es funktioniert. Ich habe das selbst erlebt, dort wirklich Zwerge. Sehr lustig. Ist da die Baldur-Pflege weiter? Besteht weiter sozusagen das Ansehen, dass man jährlich was vom Baldur-Pflege weiter? Besteht weiter sozusagen das Ansinnen, dass man jährlich was von Balduren spielt? Es gab auch einen gigantischen Nachruf dort in den Zeitungen, also auf der Südinsel. Eigentlich hätten wir ja gemeinsam in zehn Tagen ein Konzert haben sollen, denn es war eigentlich geplant, dass in diesem Jahr eben genau zum 20-jährigen Jubiläum dieses Mozart-Jugendorchester nach Österreich kommt, dass wir gemeinsam ein Bruckner-Dedeo machen, vorher die Tsunami-Messe, die Balwin komponiert hat. Also sie heißt so intern Tsunami-Messe. Das ist eine Messe, die aus diesem Anlass entstanden ist. Das ist auch zehn Jahre her. Allerdings, wir wissen, momentan ist Reisen nicht möglich. Und wir haben das Projekt jetzt momentan auf 2023 verschoben. Ich hoffe, dass es dann passiert. Und es gibt ja noch einen anderen Zusammenhang. Isamu Magome war mein Fagott-Lehrer und somit ist auch hier die Connection relativ gut, dass das eben weiterläuft und wir haben auch ein Projekt, das ist zwar auch heuer, natürlich funktioniert nicht, da ist auch die Anna Maria immer sehr hilfsbereit, teilweise mit der Unterkunft, dass wir einen Gastschüler aus Japan haben, der so drei, vier Monate in Linz bleibt. Und wir hatten jetzt umgekehrt den Austausch, dass zweimal zwei Schülerinnen zum Abschluss im Juni, also Anfang Juli nach Japan fliegen konnten und dort beim Abschlusskonzert eben der Kunitachi, der Kunitachi Music High School eben mit dem Orchester Solowerke aufführen durften. War jedes Mal eine tolle Sache und wir versuchen das weiter aufrechtzuerhalten, auch wenn irgendwann mal in Pension gehen wird. Einen Aspekt, der jetzt auch sozusagen mit dem, wo kommt das Geld her, wie verwirklicht man das, den ich vielleicht auch noch aufgreifen möchte, ist genau diese Seite des Handgreiflichen, des Strategischen, des Notwendigen. in der Schule und darüber hinaus, dass man Sessel aufstellen muss, dass man Plakate kleben muss, dass das für ihn auch immer sehr wichtig war, dass diese Handgriffe auch selbstverständlich dazugehören und auch ein Bewusstsein dafür herrscht, dass das zu tun ist, bevor das eigentliche Kunstereignis überhaupt stattfinden kann. Das war ihm schon ganz wichtig als Lehrer auch, oder nicht nur als Lehrer. Er hat es ja vorgelebt auch, also wenn man es sehen wollte, weil in seiner Zeit als Tonkapellmeister möchte nicht wissen, wie oft er die Pulte von einer Ecke in die andere geschleppt hat und Sesseln aufgestellt hat und so weiter und so weiter oder vor dem Kopierer gestanden ist und unendlich, also heutzutage ist das ja strengst verboten, aber logischerweise wurde da viel kopiert, weil das ja gar nicht anders ging. Das hat der immer selbst gemacht und was seine eigenen, also Kopierer ist überhaupt ein gutes Stichwort. Ich wollte dem ja mal abhelfen, weil irgendwann haben wir gedacht, das ist ja 80 oder mehr als 80. Dann gab es eine Website mit einem Werkverzeichnis und dann gab es da eine Shop-Funktion. Und man konnte also ganz großartig, hochoffiziell auch Noten bestellen. Und dann, was ist im Nachhinein passiert? Also wenn der Knopf betätigt war, dann ist ein E-Mail beim Baldwin angekommen und dann ist er in sein Archiv marschiert und dann hat er die Noten ausgehoben und dann ist er zum Computer gegangen und dann hat er das kopiert und dann hat er das in ein Kuvert gesteckt und zur Post getragen. Und alles höchstpersönlich. Das ist vollkommen grotesk eigentlich als Zustand. Das war aber eigentlich bis zuletzt der Dauerzustand bei vielen Werken. War das so. Und ich habe mir immer gedacht, das ist eine unendliche Lebenszeitvergeudung, wenn er das alles selbst macht. Es wärevergeudung, wenn er das alles selbst macht. Es wäre doch viel schöner, wenn die 10. Symphonie noch entstünde, zum Beispiel, stattdessen. Aber es war auch nicht letztlich zu ändern oder ihm zu nehmen, weil das war sein Selbstverständnis, dass es sich nicht zu schade ist für all das dazu. Insofern kann man nicht sagen, ob man muss. Man tut das einfach. Es geht gar nicht darum, ob man Pulte schleppen muss. Es gehört dazu. Ohne Pult kein Konzert, basta. Es ist ja, ich habe das auch im Buch strapaziert. Sein Arbeitszimmer über dem Eingang im Stiftwillerring, wo quasi zeitweise zumindest zwei Flügel drinnen gestanden, die man am ersten Blick ja gar nicht erkannt hat, weil es war ja alles überhäuft mit Noten, Papieren, Büchern, also ein purer Kosmos, wo alles irgendwie in Bewegung schien. Aber auch das hat getäuscht, sozusagen die Ordnung, die dahinter steckt und wo er sich auch zurechtgefunden hat in diesem scheinbaren Chaos. Chaos. Er war da schon her und hat genau gewusst, auch wie er sein Werk sortiert und hinterlässt und greifbar macht. Das war ihm schon bewusst. Das ist auch etwas, was vielleicht getäuscht hat, nur auf den ersten Blick. Er hat ja immer vom geordneten Chaos gesprochen. Das war völlig klar. Also ich kann mich erinnern an eine Szene, da war er noch in dem früheren Raum an der Straßenseite und da gab es am Boden, ich weiß nicht mehr, ich glaube es war ungefähr drei einfach gigantische Haufen von Klavierauszügen und einfach, es waren einfach drei Haufen. Und ich bin ihr gekommen und wollte einen bestimmten Klavierauszug. Ich habe gefragt, ob er den hat. Dann hat er gesagt, ja. Dann ist er zu einem Haufen gegangen und hat bis zum Ellbogen hineingegriffen, den Unterarm hineingeschoben und hat ihn herausgezogen. Wahrscheinlich irgendein Zufallsmoment dabei, aber äußerst eindrücklich. Also dann im späteren Zimmer mit den Regalen, das war ja schon vergleichsweise ordentlich. Welches Werk denkt ihr, sollte längst wieder, sobald man wieder spielen kann, und es wird ja früher oder später wieder sein, sollte längst wieder auf die Spielpläne kommen oder gespielt werden? Denkt ihr da ein bestimmtes, ob jetzt selber es wieder zu singen, zu spielen oder ein Stück, wo man sich denkt, das wäre eigentlich irgendwie wichtig und wert, dass das bald wieder klingt. Denkt ihr da an ein bestimmtes Stück oder an mehrere? Also ich würde auf jeden Fall sagen, die erste Oper, der Don Berlim blieb. Also das wäre auf jeden Fall ein Stück, das meiner Meinung nach auf jeden Fall es verdient hätte, mehr oder weniger eigentlich im Repertoire zu bleiben. Wird sich wahrscheinlich für das nächste Jahr nicht mehr ausgehen, zum 90er, aber das wäre durchaus etwas, wo man sagen kann, erstmal wirklich ein geniales Stück, wo hier Ball und sich selbst einfach, möchte ich fast sagen, ein bisschen übertroffen haben. Das bringen die beiden weiteren Opern meiner Meinung nach nicht ganz auf diesen Punkt. Hier vielleicht auch das Thema einfach, das eigentlich ungewöhnlich ist, könnte man sagen, für einen Pater, wo es eigentlich nur um die pure Liebe geht und die Fantasie der Liebe. Also das ist auf jeden Fall etwas für mich, was ich sagen muss, was gemacht wird. Und was man natürlich auch entdecken sollte, sind einige der früheren Werke. Das sind also die erste, zweite Symphonie, die noch weit zurückliegen. Also auch da muss man schauen. Oder die Klaviersonate, die Toccata war Gott sei Dank, dass wir das damals geschafft haben zu seinem 85er, dass die aufgeführt worden ist. Dass also hier auch eben in dem Frühwerk durchaus einiges ganz, ganz Interessantes und Spannendes ist. Also darum, ich glaube, es gibt genügend Möglichkeiten, Balvin weiterhin auch zu spielen. Wichtig ist es nur, dass eben Leute dranbleiben und dass man eben jetzt nicht sagt, okay, jetzt gibt es ihn nicht mehr, es ist vorbei und verflüchtigt sich die Musik, wie es in vielen Fällen passiert ist, sondern dass man hier wirklich dranbleibt und eben sich zum Ziel macht, eben auf jeden Fall einmal im Jahr im Musikgymnasium ein Stück aufzugreifen und das präsent zu halten. Da ist immer so der März ein natürlich ideales, könnte man sagen, idealer Zeitpunkt, wo man sagt 15. März, Geburtstag, 10. April, Todestag, also wo man im Grunde genommen hier dazwischen irgendwo eigentlich etwas tun sollte. Tag, also wo man im Grunde genommen hier dazwischen irgendwo eigentlich etwas tun sollte. Anna-Maria, denkst du an ein Werk? Also Berlin-Brim finde ich natürlich schon, aber in aller Selbstsucht würde ich sagen, Arbeiter-Sinfonie, das würde mir einfach wahnsinnig Spaß machen, die noch einmal aufführen zu dürfen. Das wäre eine lustige Sache, ja. Könnte man nicht machen. Ich fände wirklich, es ist halt nur einmal geschehen und bei so einem großen Werk ist das natürlich schon sehr schade, wenn es gar nur einmal erklingt. Ich denke, wir bleiben dran. Ich danke euch sehr, dass wir da gemeinsam in den Kosmos Sulzer eingetaucht sind, in Erinnerung. Man merkt ja sofort auch die Energie, die er auch sofort in der Unterhaltung gemeinsam macht, natürlich, weil wir kannten ihn alle sozusagen, da ist eine Energie, die wird immer da sein, wenn man seine Musik hört, wenn man Menschen über ihn sprechen hört, auch wenn man ihn nicht kennengelernt hat. Ich danke euch für heute sehr, dass wir dieses Gespräch miteinander führen durften. Vielen Dank. Ebenfalls vielen Dank. Und wir bleiben dran in diesem Sinne. Für heute verabschiede ich alle Zuhörenden im weltweiten Netz, wo auch immer, und wünsche eine gute Nacht.