Wie wurde die Errichtung des Konzentrationsl zu fundamentieren, die Baracken aufzubauen etc. Von diesen Arbeiten sind einige Fotos auch aus jener Zeit original erhalten, die unter anderem zeigen, wie Häftlinge dort ihr eigenes Lager aufbauen mussten. Gusen war schon seit 1938 ein wichtiger Ort im Kalkül der SS in der Region. Genauso wie in Mauthausen auch, waren es auch in Gusen die Steinbrüche, aus Mauthausen täglich hin und her pendelten, um in Gusen ihre Arbeit in den Steinbrüchen zu berichten. Und später kehrten sie wieder zurück ins Hauptlager Mauthausen. Mit der Errichtung des Lagers Gusen war das sozusagen dann nicht mehr notwendig. Ab April 1940 wurden die ersten Häftlinge permanent im Konzentrationslager Gusen untergebracht und im Mai, einen Monat später, genauer am 25. Mai 1940, traf der erste große Häftlingstransport aus einem anderen Konzentrationslager, genauer gesagt aus dem KZ Dachau, in Gusen ein. Dieser Transport umfasste über 1000 Häftlinge, alles St. Polen, die aus Dachau nach Gusen überstellt wurden und die in Folge sozusagen den Grundstock der Häftlingspopulation für das Konzentrationslager Gusen bilden sollten. An jenem Tag, am 25. Mai 1940, wurde zum ersten Mal offiziell eine Häftlingsnummer in Gusen vergeben, die Nummern von 1 bis 1064. Das heißt, mit diesem Tag beginnt offiziell auch die Geschichte des KZ Gusen als Zweitlager des KZ Mauthausen. Ich stehe jetzt vor der ehemaligen Dest. Dest ist eine Abkürzung für die Deutschen Erd- und Steinwerke, ein SS-eigener Wirtschaftsbetrieb, der zum Beispiel die Steinbrüche betrieben hat. Diese Steinbrüche, die Steine daraus, die von KZ-Häftlingen herausgeschlagen wurden, verarbeitet wurden, wurden zur Errichtung der Lager verwendet, für den Bau von Verkehrswegen zum Wohnungsbau, aber auch in der Führerstadt Linz wurden diese verwendet. Die Test ist ein wirtschaftlich sehr erfolgreicher Betrieb gewesen. Es ist die erfolgreichste, wirtschaftlich erfolgreichste Niederlassung hier in St. Georgen an der Gusen gewesen. Die Steinbrüche hier bei den Konzentrationslagern wurden von der Test unter Zuhilfenahmen von vielen Zivilarbeitern ausgebeutet. Bei der Test waren teilweise 200 bis 300 Menschen angestellt. Das waren oft Menschen aus der Region, die dann im KZ einen Arbeitsplatz gefunden haben, die aber nicht Gefangene dieses Systems waren, sondern die ganz normale Mitarbeiter der deutschen Erd- und Steinwerke waren und die sich auch sehr unterschiedlich gegenüber den Häftlingen verhalten haben. Es gab einen Fall von einem Vorarbeiter, der einem Häftling etwas zu trinken weitergereicht hat. Das hat schon ausgereicht, um ihn selber ins KZ zu sperren. Ein anderer wiederum brachte auch selber Häftlinge zu Tode oder ließ sie ermorden. Der wurde später dann gemeinsam mit SS-Männern von einem Gericht zu Tode verurteilt. Zusätzlich gab es auch eine große Ausbildung für Lehrlinge, für junge Menschen aus der Region, die hier entweder Schlosser- oder eben auch Steinmetzberuf lernen konnten. Das heißt, viele Menschen aus der Region fanden hier auch einen Arbeitsplatz und somit waren diese Konzentrationslager aber auch sehr gut in diese Gesellschaft integriert. Das heißt, man konnte hier nicht behaupten, nichts mitbekommen zu haben. Das Gebäude hinter mir, das ist eben der sogenannte Schotterbrecher. Der Schotterbrecher diente dazu, Steine, die in den Steinbrüchen in Gusen abgebaut wurden, zu Schotter zu zerkleinern. Dieses Bauwerk wurde ab 1941 von Häftlingen des KZ Gusen errichtet und ging 1943 in Betrieb. Er war einer der größten Schotterbrecher in ganz Europa zur damaligen Zeit. Sowohl beim Bau dieses Bauwerks, als auch dann beim Betrieb, also beim Verladen der Lohren und beim Tragen der Steine kamen unzählige Häftlinge des KZ Gusen ums Leben. Dieser Schotterbrecher hier hinter mir war Teil des riesigen Steinbruch- Industriekomplexes hier im Konzentrationslager. Die Steinbrüche des KZ Gusen wurden bereits mit jenen im Mauthausen im April 1938 erstmals von der SS inspiziert. Im Verlauf des selben Jahres, also 1938, wurden dann drei Steinbrüche hier in Gusen angepachtet. Dieses Gebiet war ein riesiger Industriekomplex, der miteinander verbunden war durch Feldbahnen, Geleise über die Steine transportiert werden konnten. Schon ab 1938 mussten die ersten Gefangenen aus Mauthausen täglich nach Gusen marschieren und in den Steinbrüchen Zwangsarbeit leisten. Dies ging so dahin bis etwa zum Mai 1940 bis zur offiziellen Lagergründung von Gusen. Also bis zu diesem Zeitpunkt marschierten täglich Trupps von bis zu 500 Häftlingen zwischen Gusen und Mauthausen hin und her, eben um in den Steinbrüchen zu arbeiten und nebenbei aber auch das Lager zu errichten. Ab Mai 1940 ging dieses Lager dann offiziell in Betrieb. Der Höchststand an Häftlingen in der Steinbruchindustrie in Gusen lag bei ca. 2800. Häftlinge mussten hier Steine abbauen, dies passierte gezielt durch Sprengungen. Sie mussten diese Steine aber auch bearbeiten und transportieren. Es gab ja auch den Kastenhof Oberbruch. Dieser Steinbruch lag etwas oberhalb vom Lagerareal Gusen. Dieser Steinbruch war verbunden mit dem Lager durch eine Art Todestreppe. Diese Treppe ist nur durch wenige Quellen von Zeitzeugen belegt. Hier mussten Häftlinge Steine vom Oberbruch in das Lager transportieren nach unten, also umgekehrt als wie in Mauthausen, wo die Steine nach oben getragen wurden. Wir befinden uns hier an einem Punkt zwischen den ehemaligen Konzentrationslagern Mauthausen und Gusen. Hinter mir sieht man den Steinbruch Wienergraben, darüber die heutige KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Man könnte sagen, dass das gesamte Gebiet rundherum so etwas wie ein Einzugsgebiet des KZ Mauthausen-Gusen war. Hinter mir etwa die Stadt St. Valentin, dort befand sich damals ein großes Außenlager des KZ-Komplexes Mauthausen-Gusen. Hier die Stadt Enz, durch Enz gingen etwa gegen Kriegsende zahlreiche Todesmärsche von KZ-Gefangenen und ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern. Und wenn wir uns weiter drehen, dann blicken wir jetzt in die Richtung des ehemaligen KZ Gusen, das sich hinter diesem Hügel befand. Gusen hatte innerhalb dieses KZ-Komplexes Mauthausen-Gusen eine relativ eigenständige Funktion. Speziell zu Beginn trafen zum Beispiel große Häftlingstransporte aus anderen Lagern auch direkt im KZ Gusen ein. In den ersten Jahren seines Bestehens, in den Jahren 1940 bis 1942 insbesondere, hatte Gusen auch eine spezielle Funktion innerhalb dieses KZ-Komplexes, nämlich den eines Vernichtungslagers für spezifische Gruppen von Häftlingen, insbesondere für polnische Häftlinge, für spanische Republikaner oder auch für sowjetische Kriegsgefangene. Die Straße, die man hier hinter mir sieht, war vermutlich auch ein Teil des Weges, den Häftlinge gehen mussten, wenn sie zwischen dem Lager Gusen und Mauthausen hin und her getrieben worden sind. Im Hintergrund hier kann man auch ganz gut erkennen, hier steht ein Bauernhof. Dieser Hof war damals schon bewohnt und die Menschen, die da lebten, bekamen natürlich sehr gut mit, wenn hier große Gruppen von Häftlingen immer wieder vorbeigehen mussten. Wenn wir uns weiter drehen, dann sieht man dann weiter hier im Hintergrund eine große Siedlung stehen. Diese Siedlung existierte zum Großteil zwar noch nicht, aber hier in der näheren Umgebung wurden auch mehrere SS-Siedlungen errichtet. Das waren Doppelhäuser und diese Häuser waren dann bewohnt von SS-Angehörigen und ihren Familien. Vor allem die höheren Führer der SS, die lebten hier vor Ort auch mit ihren Frau, Frauen und Kindern. Die Kinder gingen hier zur Schule, sie gingen in den Kindergarten und auch Eltern hatten untereinander Kontakt. Und so kam es auch zu einer Vermischung der hiesigen Bevölkerung mit den Wachmännern der SS von Mauthausen und Gusen.