Österreich ist ein Land der Vereine. Das heißt, wir sind wirkliche Vereinsmaier. 125.000 in etwa registrierte Vereine. In Deutschland gibt es knapp 600.000. Das heißt, wir haben nur die Hälfte der Vereinsdichte. Wir haben in etwa 30 Prozent der Bevölkerung in diesem Land, die sich in irgendeiner Art und Weise freiwillig engagieren. Also das sind ganz einfach sehr, sehr viele Menschen, die das tun. Und im Kunst- und Kulturbereich, by the way, das ist der wichtigste Bereich, also 7,5 Prozent der Bevölkerung engagiert sich regelmäßig, also nicht bloß einmalig, freiwillig im Kunst- und Kulturbereich. Ich würde mich immer hüten, freiwillig und professionell gegenüberzustellen. Unbezahlte, freiwillige Arbeit kann hochprofessionell sein. Und gleichzeitig kann bezahlte Arbeit hochstündbarhaft sein oder leidenhaft sein. Ich würde eher auf der einen Seite bezahlt und unbezahlt und auf der anderen Seite professionell versus leiden Arbeit. Wir unterscheiden im Wesentlichen zwischen drei so typischen sozialen Rollen, die MBOs haben. Das eine ist, wir nennen das auf gut Neudeutsch Service, also das heißt die Erbringung von Dienstleistungen. Diese Dienstleistungen, das kann sein, das Aufrechterhalten des Wegenetzes in den Alten, das kann aber auch sein, die Versorgung einer bestimmten Region mit Kultur, das kann sein, Blasmusikkonzerte, das kann sein, Schreibworkshops. Die zweite Funktion, das ist das, was wir Advocacy nennen, das ist das, was die IG Kultur macht, also so in meiner Wahrnehmung. Die Yvonne Gimple war ganz wesentlich beteiligt bei der Entstehung des Hilfsfonds für NGOs und bei Hilfsmaßnahmen für die Kunst und Kultur. Da setzt man sich ein auf einer politischen Ebene, um Politik mitzugestalten. Und die dritte Funktion, das nennen wir Community Building, also Gemeinschaftsbildung, schauen, dass die Leute zusammenkommen, dass auch Teile der Bevölkerung, dass Menschen, die ausgeschlossen sind, die exkludiert sind, wieder inkludiert werden können. Das ist auch eine wesentliche Funktion von MPS. Das heißt, ein Fußballverein spielt zwar Fußball Fußball oder eine Theatergruppe führt zwar Theater auf, aber wenn diese Theatergruppe dann Leute integriert, die zum Beispiel ein Migrationshintergrund haben, die dort mitspielen und das ein multikulturelles Stück wird, dann ist dieses Community-Building auch eine Funktion. Und insofern kommt es darauf an, welche Funktionen die ausüben. Üblicherweise je mehr Service, also je mehr die Dienstleistungen erbringen, desto mehr braucht es an Management und hauptberuflich oder hauptamtliche oder auch je mehr Advocacy. Community Building geht oft ganz gut im rein ehrenamtlichen Bereich. Wir haben so in etwa in Österreich 125.000 Vereine in Summe, 75.000 davon sind aktiv, also das heißt, die machen zumindest einmal im Jahr eine Generalversammlung und 12.000 Non-Profit-Organisationen haben zumindest eine oder eine bezahlte Mitarbeiterin. Das heißt, da sieht man so, wie viel von diesem Vereinsleben rein ehrenamtlich passiert.