Rot oder Blau? Das ist hier die Frage. Zumindest stellt sich diese Frage am heutigen Tag der Bürgermeisterstichwahl in Linz. Bereits vor zwei Wochen fand der erste Wahldurchgang statt, bei dem einige andere Kandidatinnen und Kandidaten, die zur Wahl standen, schon ausgeschieden sind. Heute ins Rennen gehen der sozialdemokratische, also rote, Herr Dietmar Prammer und von den Freiheitlichen, den blauen, Michael Rammel. Wie stehen die Chancen? Das letzte Mal war Dietmar Prammer um einiges voraus, aber man muss sagen, dass die Wahlbeteiligung auch nicht besonders groß war. Linz ist auch traditionellerweise rot gefärbt und Menschen lieben bekanntlich Traditionen. Also es könnte trotzdem sein, dass gerade deswegen aber heute Michael Ramm es schafft, seine Wählerinnen und Wähler nochmal zu mobilisieren und zur Wahl zu bringen, zu animieren. Und ja, deswegen ist es spannend, wie es heute ausgehen wird. Wir schauen uns gleich gemeinsam die Wahlergebnisse an, fangen dann ein erstes Stimmungsbild auch ein von beiden Kandidaten und ich übergebe an der Stelle nochmal die Frage an euch rot oder blau. Sie konnten nicht als Stimmenstärkster aus dieser Bürgermeisterwahl hervorgehen. Was glauben Sie, welches Signal haben Ihnen heute die Wählerinnen und Wähler zugesendet? Wie geht es Ihnen mit dem Wahlergebnis? Ich danke all meinen Wählerinnen und Wählern für das große Vertrauen, das sie mir schon im ersten Wahlgang geschenkt haben und das sie mir auch heute geschenkt haben. Das waren viele tausende Stimmen. Ich habe auch zu danken den vielen Wahlhelfern aus meiner Partei, die dieses wichtige Zwischenetappenziel ermöglicht haben, dass wir das erste Mal als FPÖ in Linz in die Stichwahl gekommen sind. Das motiviert mich auch für die kommenden zwei Jahre und es motiviert mich für die Wahl im Jahr 2027, wo wir nicht nur den Bürgermeister, sondern auch den Gemeinderat neu wählen. Ich bin überzeugt, da ist auch sehr viel möglich. Was sind denn Ihre unmittelbaren nächsten Schritte, Ihre politischen Schritte? Ich werde mich weiterhin mit ganzer Kraft in meiner Heimatstadt für mehr Sicherheit, für eine geregelte Zuwanderungspolitik einsetzen, auch für mehr wirtschaftliche und soziale Stabilität. Dietmar Brammer hat ja im Wahlkampf einige meiner Forderungen aus dem Sicherheitsbereich übernommen. Er wird jetzt daran zu messen sein, ob er dieses Wahlversprechen auch einhält. Dietmar Brammer hat auch eingestanden im Wahlkampf, dass die SPÖ in Integrationsfragen manche Fehler gemacht hat. Wir werden schon in der nächsten Gemeinderatssitzung daher den Antrag stellen, eine völlig neue Integrationsstrategie für die Stadt auszuarbeiten. Man wird also hier auch sehen, ob Dietmar Brammer auch dieses Versprechen einhält. Und wir sehen einander bestimmt im Jahr 2027 wieder. Das heißt, Sie werden weiterhin an Ihren Versprechen arbeiten. In einem Krone-Zeitung-Interview meinten Sie kürzlich, dass Sie einen politischen Stil etablieren wollen würden, der zwischen dem Landeshauptmann, Stellvertreter Manfred Heimbuchner und Herbert Kickl steht. Was genau meinen Sie damit? Es ist gefragt worden, wer mein politisches Idol ist. Und ich habe gesagt, ich habe nicht die eine Person, sondern es gibt sehr viele Persönlichkeiten, die sehr gute Eigenschaften haben oder Dinge, die ich schätze. Ich schätze bei Manfred Heimbuchner seine Bohnständigkeit. Ich schätze bei einem Herbert Kickl die Fähigkeit, sehr pointiert zu formulieren. Und ich schätze auch bei anderen Politikern so manche Eigenschaft. zu formulieren. Ich schätze auch bei anderen Politikern so manche Eigenschaft, aber ich als Michael Ramml bin eine eigene politische Persönlichkeit und werde das auch weiterhin so sein. Ja, was sind denn wirklich konkret die nächsten Projekte? Wo sehen Sie den größten Aufholbedarf für Linz? Wir brauchen mit Sicherheit einen dringend benötigten Kassasturz. Wir haben im heurigen Budget wieder einen Abgang von 25 Millionen Euro. Das ist gefährdend für die Zukunft in unserer Stadt. Das ist ein Riesenrucksack, der den Kindern mitgegeben wird. Wir müssen uns genau anschauen, was können und was wollen wir uns künftig noch leisten. Da wird man sicher einige Punkte finden. Ich stehe auf jeden Fall bereit für eine konstruktive Zusammenarbeit für ein lebenswertes Linz. Sehen Sie Linz mehr als Wirtschaftszentrum oder als Kulturstadt? Linz soll beides sein. Wir brauchen eine starke wirtschaftliche Stabilität. Wir brauchen natürlich auch eine ordentliche Kulturlandschaft. Beim Thema Kultur stehe ich für mehr Brauchtumspflege und stehe ich auch dafür, dass wir die üppigen Kulturförderungen auch daran messen müssen, wie stark das Interesse der Bevölkerung daran ist. Herr Brammer, trotz des Skandals rund um Klaus Luger konnten Sie offenbar die Wählerinnen und Wähler heute dazu bringen, für Sie die Stimme abzugeben. Welches Signal, glauben Sie, haben Ihnen die Wählerinnen und Wähler heute zugesendet? Ich hoffe, dass ich in Zukunft, aber das war bisher schon meine Art der Politik, sehr verantwortungsvoll damit umgehe, auch mit diesem hohen Zuspruch der Linzerinnen und Linzer. Mir ist schon ganz klar, dass das so nicht zu erwarten war. Ich habe gesagt, ich möchte ein Bürgermeister für alle Linzerinnen und Linzer sein. Das mache ich natürlich für jene, die mich gewählt haben, aber darüber hinaus natürlich auch für jene, die mich nicht gewählt haben und die heute nicht zur Wahl gegangen sind. Das ist unsere Aufgabe als Politik, für alle Linzerinnen und Linzer da zu sein. sind. Da ist jetzt unsere Aufgabe als Politik für alle Linzerinnen und Linzer da zu sein. Ihr stärkster Herausforderer war von den Freiheitlichen Herr Ramml. Werden Sie versuchen, auch auf seine Wähler zuzugehen? Ja, selbstverständlich, so wie ich auf die Wählerinnen und Wähler aller anderen Parteien zugehe. Wir haben hier ja auch inhaltlich nicht nur Trennendes. Es gibt ja auch gemeinsame Schnittmengen auch in der Politik, auch in der Sicherheitspolitik beispielsweise. Da versuchen wir doch gemeinsame Lösungen zu erarbeiten für die konkreten Probleme der Linzerinnen und Linzer, da sehe ich überhaupt keinen Widerspruch. Und was sind Ihre Zukunftsvisionen, also wie geht es jetzt weiter? Was sind die ersten Schritte und Projekte, die Sie angehen werden? Wir haben zweieinhalb Jahre bis zur nächsten regulären Wahl, da werden wir noch viel arbeiten müssen. Wir haben jetzt ein bisschen eine Pause fast einlegen müssen durch den Wahlkampf. Es sind doch einige Projekte auch weitergegangen, beispielsweise die Neugestaltung des Hauptplatzes. Der Wettbewerb ist positiv abgelaufen. Wir werden die Umgestaltung auch der Innenstadt vorantreiben müssen. Martin-Nutter-Platz steht an, das Ufermarktgelände, die Uferkante wird neu gestaltet, aber viele andere Projekte darüber hinaus. Die ITU braucht einen neuen Standort in Linz, da werden wir die Gespräche jetzt wieder aufnehmen. Da bin ich sehr zuversichtlich. Also Sie sehen, uns geht die Arbeit nicht aus. Aber wichtig wird sein, mit den anderen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern das Gespräch zu suchen. Schauen, ist irgend vielleicht eine Bösartigkeit übergeblieben, dass wir vielleicht glätten müssen, dass man sich vielleicht austauscht, dass man gemeinsam auch den Wahlkampf Revue passieren lässt und schaut, wo gibt es jetzt das Gemeinsame auch für die nächsten Jahre. Wo sehen Sie denn den größten Aufholbedarf? In der Zusammenarbeit, aber auch was die Projekte anbelangt. Stadtplanung, Soziales, Wirtschaftliches, Kulturpolitisches? Einen Aufholbedarf sehe ich an sich nicht, weil wir glaube glaube ich, in vielen Bereichen in der Stadt Linz sehr gut unterwegs sind. Ich habe das in vielen Gesprächen mit den Linzern und Linzern auch mitbekommen, die hohe Zufriedenheit mit der Stadt Linz an sich. Ja, ich verneine nicht und verhehle nicht, dass es hier und da Probleme gibt, wie in der Kultur, beispielsweise auch in der freien Kulturszene. Das weiß ich auch, die finanzielle Gebahrung der verschiedenen Vereine, das ist mir durchaus bewusst, aber auch in der Sicherheitspolitik, in der Verkehrsplanung, in der Stadtentwicklung, da haben wir natürlich Themen vor uns, aber das ist nicht der große Aufholbedarf, das ist ein Business as usual, die Weiterentwicklung der Stadt, die muss permanent funktionieren und das machen wir auch. Eine letzte Frage, was macht Linz für Sie lebenswert? Das ist der Zusammenhalt unter den Menschen. Wir sind eine Stadt mit nur 96 Quadratkilometern und über 214.000 Bewohnerinnen und Bewohnern aus über 100 Nationen. Und die leben hier großteils friedlich zusammen. Die leisten ihren Beitrag für unsere Gesellschaft. Und dieser Zusammenhalt, das ist das, was uns stark gemacht hat in der Vergangenheit, auch in den Krisen, beispielsweise der Stahlkrise. Und diese Herausforderungen, die liegen vor uns. Wenn wir versuchen wollen, die Industrie klimafit zu machen, da müssen wir alle an einem Strang ziehen. Ja, die endgültigen Ergebnisse stehen fest. Es steht 77,1 zu 22,9. Das heißt, unser neuer Bürgermeister von Linz ist Dietmar Brammer.