Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen. Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich aufgrund von Verbrechen nichtpolitischer Art oder aufgrund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen. Was uns verbindet, ist, dass das Menschenrecht auf Asyl für mein ganzes Leben eine besondere Rolle gespielt hat. Die Frau des Bruders meiner Mutter war eine Jüdin und wenn sie in England nicht Asyl erhalten hätte, dann wäre sie so wie 65.000 andere Wiener Juden und Jüdinnen umgebracht worden. und Jüdinnen umgebracht worden. Meine Eltern wussten daher, wie kritisch die Situation von Juden in Wien war. Nicht, dass sie umgebracht wurden, wohl aber, dass sie nicht auf Parkbänken sitzen durften, dass man ihnen ihre Wertsachen weggenommen hat, dass man ihre Geschäfte geplündert hat und dass man sie nach Osten deportieren wollte. Sie haben daher beide Juden in ihrer Wohnung versteckt. Das war damals ein Verbrechen, wurden verraten und meine Mutter musste das mit zwei Jahren Auschwitz büßen, mit der Begründung, wenn sie die Juden so schätzen, dann teilen sie doch deren Schicksal. Diese Familiengeschichte hat in unserer Familie die Tradition geschaffen, Menschen, die geflüchtet sind, zu verstecken. Es ist meiner Meinung nach der Artikel, der Asyl zusichert, zwingend verbunden damit, dass die Menschen auch in den Ländern, in denen sie Asyl suchen, aufgenommen werden. Und so haben wir eben immer Flüchtlinge aufgenommen. Und eine dieser Flüchtlinge, Flüchtlingsfamilien, die dann vier Jahre mit uns in dem Haus hinter mir gelebt hat, war die Familie des Merced. Das war für uns zum Teil durchaus sehr schön, weil unser jüngster Sohn den Merced als älteren Bruder erlebt hat.