Also mein Name ist Kian Kaiser. Unter dem Namen der Cousin trete ich als Kabarettist auf, aber da das leider noch nicht ganz reicht, um all meine Rechnungen zu zahlen, habe ich noch einen Brotjob, damit ich den Kühlschrank auch voll bekomme den ganzen Monat und arbeite in der Kommunikation in einer NGO. Mittlerweile 32 Stunden, das ist ein Novum, davor habe ich immer Vollzeit gearbeitet. Ich bin in Oberösterreich groß geworden, 2016 bin ich nach Wien gezogen. Und wenn man jetzt so wissen will, woher kommt man denn wirklich und woher sind die Wurzeln und so, dann ist das eine sehr, sehr lange Reise, die man unternehmen muss, weil jede Familie hat so Traditionen und in meiner Familie ist die Tradition zu fliehen. Also mein Vater wurde in der Türkei geboren, seine Eltern sind aus Georgien und Russland und meine Mama kommt aus dem Iran. Wir sind während des Golfkriegs oder gegen Ende des Golfkrieges mit mir im Säuglingsalter aus dem Iran quasi geflohen. An die Flucht per se habe ich glücklicherweise kaum Erinnerungen, aber an das Großwerden im Asylheim in Oberösterreich daran dann wieder schon. Ich glaube, wenn ich so an meine Reise denke, die ich durchwandert habe mein ganzes Leben, also die letzten 36 Jahre, dann bleibt da sehr viel ein Geschmack von Nostalgie übrig, weil durch die Kinderbrille habe ich viele Situationen, die sicherlich für meine Eltern schwieriger, verkraftbar waren, für mich viel leichter empfunden und auch ein Gefühl von Melancholie, das sich dazu mischt, weil man irgendwie das Gefühl hat, dass man ständig auf der Reise ist oder Durchreise ist. Also ich habe jetzt zum Beispiel in Wien, seitdem ich, obwohl ich seit 2016 in Wien wohne, das erste Mal in einer Wohnung irgendetwas an eine Wand raufgenagelt, weil ich das Gefühl hatte, okay, hier bleibe ich vielleicht. Aber dieses Gefühl von Getriebensein und ständig irgendwie in irgendeiner Weise auf der Flucht zu sein, das steckt schon sehr tief in mir, obwohl ich im Säuglingsalter tatsächlich selbst wenig Erinnerungen an die tatsächliche Flucht habe. Beweisstück 1 meiner Ankunft in Österreich. Ich kau auf einem Tempotaschentuchel herum auf dem Schoß meiner Mutter. Das war auch so circa das Alter, als ich nach Österreich gekommen bin. Ein bisschen jünger wahrscheinlich noch. Also ihr seht Erfahrungen, Erinnerungen. Schwammig. Gut, dass es damals auch schon in den Anfang 90er Jahren Kameras gegeben hat, weil sonst wüsste man nicht, dass das passiert ist. Aber es ist passiert. Ich habe gezahnt. Ich habe Zähne im Mund, die ich damals mit den Potaschentüchern versucht habe zu lindern, den Schmerz des Zahnwuchses. Dann habe ich hier noch was. Das, worauf ich da stehe, ist ein Dreirad, das ich geschenkt bekommen habe. Da kann ich mich sehr gut dran erinnern, dass ich sehr viel damit herumgefahren bin. Auch in dem Zimmer. Also Ähnlichkeit unverkennbar. Die Frisur sitzt seit 36 Jahren fast dieselbe. Also ich bin in Österreich angekommen als ein Säugling. Somit waren meine ersten Erinnerungen, die ich gemacht habe, nichts anderes als Österreich. Und deswegen war das für mich eigentlich eine Entwicklung, die vielleicht von hinten rum war, zu erkennen, dass ich gar kein Teil bin. Weil man wird mit einem gewissen Selbstverständnis groß als Kind, dass man ja ein Teil dieser Gesellschaft ist. Man spricht die gleiche Sprache, man spielt mit den gleichen Kindern, man wird im gleichen Ort groß, man geht in dieselbe Schule. Aber dann kommt man drauf, dass es draußen einem immer wieder das Gefühl gibt, dass man kein Teil davon ist. Also ich erinnere mich zum Beispiel daran, erste Klasse Güm, als ich da eingeschult wurde, sind wir reihum gesessen und der Professor stand draußen und da war sowieso alle unsere Zeugnisse auf den Tisch hinlegen. Und er ist dann reihum gegangen, ohne etwas zu sagen, hat sich diese Zeugnisse angesehen, hat sich nach vorne hingestellt und hat gemeint, diese Klasse unterrichtet er nicht, da sind in ihm zu viele Ausländer. In der Klasse waren drei Kinder, die keinen österreichischen Nachnamen hatten. Er ist dann in die Parallelklasse gegangen, hat sich irgendwie Kinder rausgeholt, die in seinen Augen autochton genug ausgesehen haben, hat die reingegeben. Er meinte dann so, jetzt passt es wieder. Das hat dann der Direktor mitbekommen und hat dann quasi diesen Lehrer von der Schule verwiesen. Der hat dann an einer anderen Schule unterrichtet. diesen Lehrer von der Schule verwiesen, der hat dann an einer anderen Schule unterrichtet. Aber diese Demütigungen, dieses Gefühl von du bist kein Teil von uns, das bekommt man immer wieder, das bekomme ich ja nach wie vor. Das war ja für mich auch so interessant zu beobachten, dass es Momente gibt in meinem Leben, wo ich mich auf eine Bühne hinstelle, wo Menschen Tickets kaufen, um mich auf einer Bühne zu sehen, aber auf dem Weg hin zu dieser Bühne können mir durchaus Dinge passieren, die rassistisch sind, die beleidigend sind, die schmerzhaft sind, die mir immer wieder das Gefühl geben, dass ich kein Teil von diesem Land bin. Vorurteile sind glaube ich ganz tief in der DNA Österreichs verankert, weil dadurch, dass man andere als anders definiert, muss man sich selbst nicht definieren und hat so quasi irgendwie eine Gemeinschaft gebildet. Das ist ein laufender Prozess, der nie abgeschlossen sein wird, wenn man denn nicht so aussieht, wie man auszusehen hat in den Augen der Mehrheitsgesellschaft. Nichtsdestotrotz habe ich für mich herausgefunden, dass ich mir dieses Maschall nicht umbinden lasse, quasi das Opfer zu sein eines Systems, das rassistisch ist. Und Österreich ist ein latent rassistisches Land. Das ist nun mal so, das sind nicht nur Wahlergebnisse, sondern das merkt man auch in Diskursen, die man führt mit Menschen. Das ist ein Fakt. Jetzt ist halt die Frage, wie gehe ich damit um? Behalte ich quasi diese Opferrolle und verhalte mich so, wie sie glauben, dass ich mich zu verhalten habe, dass ich mich quasi aus der Öffentlichkeit zurückziehe und mich in meinen eigenen Gruppen zurechtfinde und so. Und für mich hat er einen anderen Weg gewählt und ich bin quasi proaktiv nach vorne gegangen und habe mir gesagt, okay, ich bin schon immer auf irgendeiner Art auf einer politischen Bühne gestanden, wo ich raufgezerrt wurde, wo mir irgendeine Rolle draufgestülpt wurde und mich niemand gefragt hat, ob ich das will oder nicht. Wenn das schon passiert, dann stelle ich mich doch selber auf eine Bühne und bringe die Geschichten auf die Bühne, von denen ich will, dass sie gesagt und gehört werden. Und genau das mache ich zum Beispiel mit meinem Kabarett. Das ist für mich so eine Art Flucht nach vorne, um mich dem nicht zu beugen, was andere vielleicht von mir erwarten. Heimat ist ein Begriff, der in Österreich sehr stark instrumentalisiert wird, vor allem auch politisch instrumentalisiert wird, vor allem gegen andere Menschen. Aber für mich ist Heimat mehr als einfach ein Ort, der durch Ländergrenzen gekennzeichnet ist. Heimat sind für mich Orte der Begegnung, Orte, die wir uns gegenseitig schaffen. Das sind Räume, wo man sich als Mensch begegnet, wo Menschlichkeit hochgehalten wird und deswegen habe ich für mich erkannt, dass ich vielleicht nicht ein Heimatland habe, aber dafür habe ich etwas anderes, nämlich ein Heimatland in einem Heimatland, weswegen auch mein Programm Hormatland Hormatland heißt. Es ist einerseits eine Anlehnung an die oberösterreichische Landeshymne, die so anfängt mit Hormatland Hormat. Und ich habe für mich erkannt, dass ich in diesem gekennzeichneten, durch Grenzen festgelegter Heimat meine eigene Heimaten habe, wo ich mit Menschen in Kontakt trete, die mir nicht unbedingt immer ähnlich sein müssen. Ich finde, Verbundenheit entsteht nicht durch Ähnlichkeit, sondern es entsteht durch den Mut, diesen Unterschieden, die es gibt, einen Raum zu geben. Und diese Räume sind für mich Heimat. Eigentlich ist es auch faszinierend, denn am Land hat man die Kunst etabliert. Merkt ihr euch das? Vielleicht bei der Millionenschweine fragen, wo wurde das etabliert? Am Land? Wo wurde die Kunst etabliert? So viel zu reden und aber so wenig zu sagen. Wirklich. Es ist eine echte Macht. Im 2. April 2025 hatte ich meine Premiere zu meinem ersten eigenen Kabarettstück, das Hormatland, Hormatland heißt. Und im Juni, ich glaube wirklich zwei Monate später, habe ich einen Anruf bekommen und ich wurde gefragt, hallo, hier ist die Jury des österreichischen Kabarettpreises, wir wollten dich fragen, ob du den Förderpreis des österreichischen Kabarettpreises annehmen willst und ich war total verwirrt, weil damit habe ich nicht gerechnet natürlich, dass ich ein Programm mache und dass da überhaupt Leute hinkommen, weil es war dann schon voll, das waren so 200 Leute in der Kulisse Wien. Und dass dann zwei Monate später jemand anruft und sagt, hey, du bekommst einen Preis dafür, so gut war das, hat mich zunächst ein bisschen sprachlos gemacht, muss ich ehrlich sagen. Und ich habe dann gefragt, was ich dafür machen soll. Und sie haben gesagt, ich muss Ja sagen. Und dann habe ich Ja gesagt. Und vor kurzem, am 24. November 2025, war eben diese Preisverleihung. Und das wurde auch festgehalten in Form eines Fotos, also mehrerer Fotos. Ich zeige euch jetzt einmal das. Da sieht man diesen Preis, der ist ja heuer ein bisschen anders. Da ist so ein Spiegel hinten drinnen. Und wenn man in diesen Spiegel reinschaut, dann ist man verkehrt zu sehen. Also das bedeutet, dass quasi der Kabarettist, die Kabarettistin die Gesellschaft ein bisschen auf den Kopf stellt. Vorne ist das K für Cousin wahrscheinlich oder Kabarettpreis, kann man sich aussuchen, den ich da erhalten habe. Und das ist auch so ein bisschen mein Zugang, was mein Kabarett angeht. Also ich bin kein Fan von dem erhobenen Zeigefinger, sondern eher von der ausgestreckten Hand. Ich finde, dass dann mehr passiert, als wenn man da draußen steht und irgendwie oberlehrerhaft irgendetwas sagt. Und das Schöne ist auch tatsächlich, dass wenn Leute in meinem Kabarett sitzen, dass das die unterschiedlichsten Menschen sind. Das sind Menschen, die haben Fluchterfahrung, das sind queere Menschen, das sind Menschen vom Land, das sind alte Menschen, das sind junge Menschen. Ganz egal. Es ist wirklich eine Bandbreite an Menschen, die in diesem Publikum sitzen. Und wenn die aber in meinem Programm sind, das auch sehr politisch ist tatsächlich, lachen die. Meistens zu denselben Stellen, obwohl sie diese Erinnerungen oder Erfahrungen, die ich gemacht habe, gar nicht gemacht haben. Aber ihr Lachen zeigt mir dann einfach, dass so in dem Atemzug, den wir gemeinsam teilen, Freude, Schmerz, Herkunft, Zukunft, einfach denselben Atemzug teilt. teilt und das ist für mich etwas extrem Schönes, weil man merkt es im Raum, wenn Menschen, die sich nicht kennen und sich fremd sind, in einem Raum gemeinsam sitzen und anfangen gemeinsam zu lachen, weil es urviel passiert, weil, beobachtet das mal, wenn ihr in irgendeinem Kabarett oder so seid und Menschen lachen, das Erste, was Menschen machen, wenn sie lachen, ist meistens nach einem anderen Gesicht ausschalten, sie suchen quasi die Connection, es ist so eine Art der Kommunikation, die da passiert und die Menschen sind sich dann näher, als sie glauben. Und zwar nicht durch unsere Gemeinsamkeiten, sondern wir sind uns ähnlicher aufgrund unserer Unterschiede. Und das zeigt dieses Programm sehr gut. Und es freut mich, dass der 80-jährige Herbert darüber genauso lachen kann, wie der 15-jährige Finn darüber lachen kann. Das ist schön. Jedes Land hat natürlich seine Unterschiede. Jedes Kretzel hat seine Unterschiede. Jedes K hat natürlich seine Unterschiede, jedes Grätzl hat seine Unterschiede, jedes Kaff hat seine Unterschiede und dementsprechend ist es natürlich schwierig zu sagen, dass die Menschen im Iran so und so sind und es eine homogene Gruppe ist, genauso wenig wie all die anderen Herkunftsländer, die ich in mir trage. Genauso wenig wie Oberösterreich das gern von sich hören will, dass die Mühlviertler, Mühlviertlerinnen genauso sind wie die Inviertler oder die aus dem Hausruckviertel oder wie auch immer. Und ich glaube, dass diese Unterscheidung vielleicht das Leben für manche leichter macht, aber für die meisten schwerer, weil man da sehr schnell stark in irgendwelche Schubladen gepackt wird. Und ich habe sehr früh erkannt, dass diese Schubladen einfach nicht passen. Alleine dadurch, dass ich eben unterschiedliche Herkünfte in mir trage, passen diese Zuschreibungen für mich einfach nicht. Und Unterschiede gibt es natürlich in mannigfaltiger Ausführung. Alleine in Oberösterreich zum Beispiel sei es die Sprache, und damit meine ich jetzt nicht nur unterschiedliche Dialekte, die es natürlich auch gibt, aber es gibt ja auch Unterschiede innerhalb der Sprache, die einer gewissen Klasse zugeordnet sind. Zum Beispiel, ob ich jetzt eine akademische Sprache wähle oder ob ich das nicht kann, macht eine gewisse Grenze und macht Unterschiede. Und so ist Sprache auch immer etwas gewesen, was mich sehr interessiert hat, weil ich das Glück hatte, eben mit drei unterschiedlichen Sprachen groß zu werden. Also mit Persisch, Türkisch und Deutsch. Und dann sind zwei Sprachen dazugekommen in der Schule, also mit Französisch und Englisch. Und ich finde, Sprache alleine ist schon so etwas, das einen ganz unterschiedlichen Blick auf die Welt werfen kann. Ich finde, jede Sprache, die man kann, ist wie so eine Art Filter, der die Welt unterschiedlich zeigt. Manchmal ist der Filter schwarz-weiß, je nachdem, welche man wählt. Manchmal ist der bunter. Und Sprache schafft eben eine gewisse Verbindung. Sie schafft aber auch eine gewisse Ausgrenzung. Also für mich ist Sprache zum Beispiel gleichzeitig ein Schloss, aber auch gleichzeitig der Schlüssel, um etwas zu öffnen. Beispiel gleichzeitig ein Schloss, aber auch gleichzeitig der Schlüssel, um etwas zu öffnen. Und in der Sprache erkennt man auch sehr viel Wertigkeit. Was ist in dieser Kultur oder in diesem Land besonders wichtig? Warum sagt man gewisse Dinge anders? Manche Dinge kann ich zum Beispiel auf Persisch besser ausdrücken, weil es dafür kein Wort gibt im Deutschen. Manche Dinge kann ich im Deutschen besser ausdrücken, weil es das im Türkischen zum Beispiel nicht gibt und so weiter. Und deswegen ist es für mich schwierig jetzt irgendwie zu sagen, welchem Land welche positiven oder negativen Aspekte zugrunde liegen. Ich glaube, genauso unterschiedlich wie wir Menschen sind, sind die Unterschiede in den Herkunftsländern. Da kann man irgendwie wenig ein Ding, ein Bild zeichnen und so ist das, weil so unterschiedlich, wie man sich selber oft fühlt, so unterschiedlich ist einfach die Welt. Ich glaube, ich bin besonders stolz darauf, dass ich mich nicht habe unterkriegen lassen, weil so unterschiedlich wie man sich selber oft fühlt, so unterschiedlich ist einfach die Welt. Ich glaube, ich bin besonders stolz darauf, dass ich mich nicht habe unterkriegen lassen, weil das gesamte Umfeld einem ständig sagt, dass man irgendwie so wie so ein Störkörper ist, der in dieser Gesellschaft eigentlich nichts verloren hat. Wie so ein Störkörper, den man so in der Lunge hat und man versucht, den auszuhusten. Dieses Gefühl habe ich sehr stark, sehr oft bekommen, immer wieder, als ich ein Kind war, bis jetzt noch. sehr stark, sehr oft bekommen, immer wieder, als ich ein Kind war, bis jetzt noch. Und dass mir das quasi aber nicht das Gefühl gegeben hat, ich muss mich dem beugen und ich muss mich ducken und ich muss mich kleiner machen, sondern dass bei mir in die entgegengesetzte Richtung gegangen ist, dass ich dadurch Stärke gewonnen habe und eine gewisse Resilienz und auch einen Mut dagegen anzukämpfen. Und ich finde, wenn man standhaft ist und den Wind spürt, dann schafft das eine gewisse Stärke, die man entwickelt im Leben. Darauf bin ich, glaube ich, besonders stolz und dass ich nicht so bittert geworden bin aufgrund all dieser negativen Erfahrungen, die ich gemacht habe. Natürlich auch, weil das ist ein leichtes dann irgendwie, diese Wut aufzusaugen, aber ich habe das immer recht gut von mir weghalten können und trennen können und ich habe einen optimistischen Blick auf die Welt beibehalten. Denn auch all die Attribute, die mir zugeschrieben werden, wie die Fluchterfahrung oder den Migrationsbenefit, wenn man den so nennen möchte, weil ich finde, andere Menschen haben ein Migrationsdefizit, denen fehlt eine gewisse Erfahrung, die ich habe, versuche ich immer das Positive daran zu sehen, weil ich gewisse Blickwinkel habe auf die Welt und Perspektiven, die anderen verwehrt bleiben. Und das hilft mir sehr stark, vor allem auch im Kabarett Dinge anders zu sehen. Wenn man ein Teil einer Gesellschaft ist und in der Mitte der Gesellschaft selber ist oder im Auge des Orkans, sieht man gewisse Dinge eher nicht so gut. Und ich bereue es deswegen nicht, an den Rändern dieser Gesellschaft groß geworden zu sein, weil ich dadurch einen sehr guten Blick auf die Mitte hatte und das, was sich im Inneren tut und wo es vielleicht auch ein bisschen zwickt und wo wir vielleicht gemeinsam schauen sollten, dass wir es besser hinkriegen. auch ein bisschen zwickt und wo wir vielleicht gemeinsam schauen sollten, dass wir es besser hinkriegen. Ich glaube, Erfolg ist in unserem Sprachgebrauch sehr stark gekoppelt an einer wirtschaftlichen Interpretation, an einer marktwirtschaftlichen Interpretation, an einem kapitalistischen System. Das Erfolg immer nur daran ist, wie viele Zahlen, wie viele Likes, wie viele Follower, wie viel Geld, all diese Dinge. Aber ich glaube, Erfolg ist eigentlich gar nicht etwas, das sonderlich öffentlich ist. Erfolg oder das Gefühl von Erfolg ist, glaube ich, etwas höchst Intimes. Für mich bedeutet Erfolg, zufrieden zu sein mit dem, was man tut in seinem Leben. Daran messe ich meinen Erfolg. Ziele für die Zukunft zu nennen, ist immer etwas schwierig, weil die Zukunft birgt so etwas Ungewisses, etwas, das man noch nicht kennt. Und in die Zukunft zu blicken, ist irgendwie so, als würde man in eine schwarze Kugel schauen, die irgendwie auch wie sehr man sie schüttelt, keine Antwort gibt. Das einzige, was ich sagen kann, ist, wenn ich den Blick nach hinten werfe, also in die Vergangenheit und sehe, was da alles schon passiert ist an positiven Dingen, dann wünsche ich mir einfach, dass das so weitergeht. Ich glaube, Integration ist eine sehr große Scheindebatte, die wir führen. Weil Integration wird einem auferlegt. Es wird so getan, als wäre es quasi eine Einbahnstraße. Du musst dich integrieren innerhalb einer Gesellschaft. Aber das kann ja nur passieren, wenn die Gesellschaft bereit ist, jemanden reinzulassen. Und ich habe zum Beispiel das Gefühl, was will man mehr als eine Person, die die Sprache spricht, die hier die Schullaufbahn durchgemacht hat, die all diese Gepflogenheiten des Landes versteht. Ich glaube sogar, dass ich die österreichische Seele besser verstehe als viele Österreicher und Österreicherinnen, weil ich in sehr vielen Orten groß geworden bin und trotzdem nie ein Teil davon bin. Also Integration scheitert ja nicht an dem Willen der Einzelnen, Teil einer Gesellschaft zu sein, sondern ich glaube, das ist ein gegenseitiges Miteinander sich anpassen. Und das fehlt auf einer Seite sehr stark. Also ich habe das Gefühl, dass Integration sehr oft interpretiert wird als Assimilation. Was bedeutet, dass man so unsichtbar wie möglich machen muss, dass man irgendwo anders seine Wurzeln hat, dass man sich dafür schämen muss, dass die nicht österreichisch sind. Scham und Unterdrückung führt dann sehr oft in unterschiedliche Richtungen. Die eine Richtung kann sein, dass ich mich total abgrenze von der Mehrheitsgesellschaft und sage, mit denen will ich nichts zu tun haben, die wollen mich nicht so, wie ich bin, ganz egal, wie ich mich anstrenge. Und wenn ihr meint, ich bin so, dann zeige ich euch, dass ich wirklich so bin. Oder es führt in die andere Richtung und zwar in der Verleugnung seiner selbst und das alles hinter sich zu lassen und zu behaupten, nein, also ich bin eben 100 Prozent öster, da gibt es sonst nichts. hinter sich zu lassen und zu behaupten, ich bin 100% österreichisch, da gibt es sonst nichts. Und ich finde beides schwierig. Und ich habe für mich versucht, beides so gut es geht zu vereinen und zu zeigen, Integration funktioniert halt nur dann, wenn Österreich bereit ist zu sagen, ja klar, ich will, dass du ein Teil davon bist. Aber davon sind wir, glaube ich, sehr, sehr weit entfernt. Dazu braucht man sich nicht nur Wahlergebnisse anschauen. Dafür braucht man sich nur überlegen, dass man ja teilweise in Orten in Österreich schon ausgegrenzt wird, wenn man sagt, man trinkt keinen Alkohol. Also wie schwierig es sein kann, wissen viele von uns, glaube ich. Das, was ich mir wünsche von uns allen und auch von mir selber, ist die Bereitschaft zuzuhören. Das ist der erste Schritt, finde ich, um eine andere Person zu verstehen. Und wenn man eine andere Person versteht oder gewillt ist, sie zu verstehen, dann ist damit schon extrem viel passiert. Wenn wir uns gegenseitig als Menschen begegnen, glaube ich, dass wir uns unserer Menschlichkeit warnen und das ist das Einzige, was uns am Leben erhält. Das ist das Einzige, warum wir so weit gekommen sind als Menschen, weil wir füreinander da waren. Ich würde mir einfach wünschen, dass wir uns gegenseitig weniger instrumentalisieren lassen, dass wir aufhören, uns einem System zu beugen, das uns alle irgendwie verwertbar machen will, das versucht, aus uns irgendwie den letzten Tropfen rauszuquetschen, was darum geht, dass wir für eine Wirtschaft arbeiten müssen und uns gegenseitig nicht mehr als Menschen begegnen. Das würde ich mir wünschen, dass wir aufhören, uns gegenseitig als Feindinnen zu sehen, sondern vielleicht einmal den Blick weiter nach draußen geben und schauen, wo eigentlich die Probleme liegen und die gemeinsam am besten lösen könnten. Ich glaube, es ist immer sehr schwierig, als eine Einzelperson für gesamte Gruppen zu sprechen und zu sagen, hey, mach das oder mach das nicht oder so, weil woher soll ich das wissen? Also ich lebe quasi mein Leben auch zum ersten Mal, so wie jeder. Ich habe keine Ahnung. Natürlich habe ich gewisse Erfahrungen gemacht, die andere nicht gemacht haben. Aber genauso ist es ja bei anderen. Die haben Erfahrungen gemacht, die ich nicht gemacht habe. Was ich mir nur wünschen würde, so grundsätzlich ist, dass man versucht, mit sich selbst im Reinen zu sein bei all dem, was man tut. Dass man sich nicht unterkriegen lässt. Dass man sich nicht irgendwelche Dinge einreden lässt, von denen man das Gefühl hat, hey, das stimmt eigentlich gar nicht so, sondern schaut, dass man bei sich bleiben kann. Ich weiß, dass das schwierig ist, wenn das Außen die ganze Zeit sagt und versucht, einen zu formen, wie man zu sein hat, dass das schwierig ist, sich da irgendwie abzugrenzen. Aber ich hoffe mir auf jeden Fall, dass dadurch in irgendeiner Weise Frieden entstehen kann für die Menschen, für sich selbst, zu sich selbst Frieden und Frieden zu schließen mit einer gewissen Lücke, die im Leben, glaube ich, für die Menschen, für sich selbst, zu sich selbst Frieden und Frieden zu schließen, mit einer gewissen Lücke, die im Leben, glaube ich, für immer bleiben wird. Denn wenn man seine Heimat verlässt, dann verlässt man nicht nur die Heimat, sondern sehr viele Dinge, die damit einhergehen. Das sind Erinnerungen, Erfahrungen, die vielen verwehrt bleiben. So ist das zum Beispiel bei mir auch. Ich werde ständig verbunden mit einer Herkunft, die ich selber gar nicht kenne. Ich selber war zum Beispiel noch nie im Iran. Ich habe keine Ahnung, wie es dort ist. Aber dennoch glauben die Menschen, dadurch, dass quasi meine Mutter dort herkommt oder ich dort geboren wurde, dass ich da sehr viel dazu wissen muss und so. Und das schafft halt in mir auch eine gewisse Leere, die ich niemals füllen kann. Und das ist halt das Schwierige, wie man damit Frieden finden kann. Und ich wünsche, dass das den Menschen da draußen gelingt, ganz egal, welche Erfahrungen sie gemacht haben.