Guten Abend, ich darf Sie ganz herzlich hier heute Abend bei uns an der Katholischen Privatuniversität in Linz begrüßen. Mein Name ist Anna Minter, ich bin die Professorin für Geschichte und Theorie der Architektur und ich begrüße Sie aber hier nicht nur im Namen meines Institutes, sondern im Namen der gesamten Katholischen Privatuniversität. Es freut uns, dass wir die Ausstellung Heimat überall hier das ganze Semester, also sprich seit 1. Oktober bei uns im Haus haben durften, mit drei spannenden Positionen, die das, was uns am Herzen liegt, nämlich in unseren drei Fachbereichen, die Theologie, die Philosophie und die Kunstwissenschaft, auch mit relevanten Themen der Gesellschaft und einer praktischen künstlerischen Forschung in Verbindung zu bringen. Kollegin Chiara Iuriatti gleich machen, haben uns hier auch viel Anlass gegeben über diese Frage nach Heimat, nach verortet sein, Heimat als ein Ort, einen physischen Ort, aber auch Heimat als ein soziales Gefüge, als ein, sagen, ein sich befinden, ein sich wohlfühlen immer wieder auch zu diskutieren. Es war schön über das gesamte Semester auch immer wieder Gäste im Haus zu haben, zu sehen, wie die Kunst betrachtet wird, wie darüber gesprochen wird und damit eben auch hier der wissenschaftliche Diskurs eben in die Öffentlichkeit mitgetragen wird. Also herzlichen Dank an Severina Kejanova vom Forna Art & Culture Verein, die mit dieser Idee der Ausstellung an uns herangekommen ist und wir sehr begeistert dazu gesagt haben, es ist ein Projekt, was über Linz Impuls gefördert wird und wir danken eben ganz herzlich für diese Initiative hier an uns heranzutreten und diese Ausstellung anzubieten, die dann dankenswerterweise von meiner Kollegin Chiara Iuriatti vom Institut für Kunst in gegenwärtigen Kontexten und Medien im Zusammenhang mit einem Ausstellungsprojekt Wir stellen aus, zu dem du mehr sagen wirst, dann auch hier umgesetzt wurde. Wir danken dem technischen Personal hier im Haus, die alles auch mit umgesetzt haben. Es war gar nicht so einfach, diese drei Positionen hier, sagen wir, wirklich auch würdevoll und sagen auch diskursiv mit anzubringen. Wir danken dem Bibliotheksdirektor Ingo Glückler, dass wir diese Abschlussveranstaltung hier in unserer Bibliothek machen können. Und wir danken vor allem auch der Johannes Kepler Universität, Institut für Netzwerke und Sicherheit, dem Professor René Meyerhofer, der für die Getränke heute Abend auch gesorgt hat. Also es ist eine wunderbare Zusammenarbeit zwischen den Universitäten, aber auch zwischen Wissenschaft und Kunst und Kunstschaffenden. Und wir freuen uns auf eine spannende Diskussion jetzt zum Abschluss dieser Ausstellung. Vielen Dank, dass Sie da sind. Dankeschön, Anna. Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich willkommen hier an der KU Linz und ich darf Sie auch willkommen heißen zu diesem Retrospektionsabend zur Ausstellung Heimat überall. Wie Sie schon gehört haben, versammelt diese Ausstellung drei künstlerische Positionen, die den Begriff der Heimat aus sehr unterschiedlichen Perspektiven verhandeln. Heimat erscheint nicht als klar definierter Ort, sondern als etwas sehr ortsunspezifisches, emotionales, aber manchmal auch einengendes. Wir sind hier in der Bibliothek der KU Linz, Heimat von Wissen, auch zweite Heimat von vielen Studierenden. Und hier im Bibliothekshof hinter uns können Sie vielleicht schon eines der Kunstwerke hier betrachten oder erahnen. Das ist die prozessorientierte Rauminstallation Fragile Circle von Mariana Nicolai Pacheva. Pacheva arbeitet mit Naturmaterialien, Blätter, Zweigen, Früchten, auch Schneckenhäuser, die sie in der Natur findet. Und die hat sie präzise angeordnet in diesem Kreis hier präsentiert. Der natürliche Umraum wird dabei zu einer übergreifenden Heimat. Einer Heimat, die jedoch nie stabil ist, sondern ständig in Bewegung bleibt, sich selbst transformiert. Durch die Witterbedingungen, die die Konstruktion hier ausgesetzt wird, macht das Werk die permanente Veränderung von Natur als Heimat und auch Heimat als Beziehung, als Gefühl, das kommt und geht, erfahrbar. Neben dem Eingang haben Sie vielleicht auch schon die zweite Installation hier gesehen. Und zwar war das Und du bist gegangen von Karin Frohner. Diese Bilder und Texte sind auf Folie gedruckt und auf die Glasflächen an der Wand hier angebracht. Und dadurch entsteht eine Transparenz, die diese Flüchtigkeit von Momenten wiedergibt. Heimat erscheint hier als Gefühl, als Bindung an einen bestimmten Menschen und als ein intimer Prozess des Verlusts und der Verarbeitung dieser Heimat. Sie können auch durch QR-Codes Audioeinspielungen anhören. Und hier bekommen wir wirklich durch verschiedenste sensorische Eindrücke einen kleinen Moment dieser emotionalen Verarbeitung mit. Wir können quasi Teil werden dieser Emotionen. Im Untergeschoss schließlich finden Sie zwei Videoinstallationen von Violette Ivanova. In ein Open Book überlagert sie Aufnahmen ihres Kopfes und auch ihres Körpers mit Bildern ihres Reisepasses. In Slash oder Schrägstrich fügt sie ihren Körper in die Form eines Schrägstrichs, der durch die Projektion in ein Schließfach nochmals räumlich begrenzt wird. der durch die Projektion in ein Schließfach nochmals räumlich begrenzt wird. In beiden Arbeiten setzt Ivanova ihren Körper gegen einschränkende Zuschreibungen ein. Heimat als Staatszugehörigkeit oder als binäre Zuordnung, etwa Bulgarien-Österreich, wird hier bewusst in Frage gestellt. In allen drei Arbeiten ist Heimat kein statischer Begriff, sondern ein bewegliches, vielschichtiges Gefüge. Heimat zeigt sich als Gefühl, gebunden an Erinnerungen, Körper, auch Orte und Übergänge, aber ebenso im Verlust, im Wandel oder im Dazwischen. Frona verhandelt Heimat als inneren Erinnerungsraum, eng verknüpft mit Trauer und Transformation. Pacheva zeigt Heimat als lebendigen, zugleich fragilen Prozess. Ivanova untersucht Heimat als Zwischenraum zwischen Kulturen, als Identität in Bewegung. Gemeinsam zeichnen die Arbeiten ein vielstimmiges Bild davon, wie Heimat heute gedacht, gesucht und erlebt werden kann wie schon gesagt entstand diese ausstellung in kooperation mit severina kajowa von vorne und unserem ausstellungsprojekt wir stellen aus dieses projekt ermöglicht studierenden und auch mitarbeitenden hier im haus einmal das kuratorische arbeiten näherher zu erfahren. Und es ist auch eine Bereicherung natürlich für das gesamte Haus, weil man alltäglich mit verschiedenen Kunstwerken und Ausstellungen in Kontakt kommen kann. Nun kommen wir zum eigentlichen Thema unseres heutigen Abends. Schon vor der Eröffnung im November war klar, dass der Begriff Heimat Raum braucht, um gemeinsam nochmal darüber zu sprechen. Die Ausstellung zeigt, wie persönlich Heimat erlebt wird. Gleichzeitig ist Heimat ein gesellschaftlich und politisch stark aufgeladener Begriff, der nicht selten auch zur Abgrenzung und zum Ausschluss dient. Ich freue mich sehr, heute drei Gäste aus unterschiedlichen Bereichen begrüßen zu dürfen, die mit uns über Heimat in diesem Spannungsfeld sprechen werden. Ich darf begrüßen Dr. Johanna Neuhauser, Universitätsassistentin am Institut für Soziologie der JKU Linz und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt in Wien. Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt in Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Arbeit und Migration, Gender und Intersektionalität sowie soziale Ungleichheit. Nun darf ich auch begrüßen Dr. Gabriele Käpplinger, Kulturarbeiterin und Medienaktivistin mit Sitz in Linz. Von 1994 bis 2004 war sie leitendes Mitglied der Kunst- und Kulturorganisation Stadtwerkstatt unter netzkulturinitiative-servus.at. Sie ist Mitbegründerin von DorfTV und war von 2010 bis 2025 Geschäftsführerin des nicht kommerziellen Senders in Oberösterreich, ist seit 2023 Vorstandsmitglied von SOS Menschenrechte. Und schließlich darf ich begrüßen Dr. Dr. Maximilian Gottschlich, Senior Lecturer am Institut für Praktische Philosophie und Ethik der KU Linz. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen unter anderem europäisches Freiheitsdenken, Logik, Geopolitik, Krieg sowie die Implikationen automatisierten Denkens und künstlicher Intelligenz. Bevor wir in die theoretischen und gesellschaftlichen Fragen einsteigen, würde ich gerne bei Ihnen persönlich beginnen, so wie das auch die Kunstwerke hier gemacht haben. Die Ausstellung zeigt sehr unterschiedliche, sehr individuelle Zugänge zur Heimat und an dem will ich ein bisschen anknüpfen. Wenn Sie an Heimat denken, könnten Sie das in einem Wort, in einem Bild, in einer Phrase beschreiben? Welches Wort, welches Bild wäre das? Soll ich beginnen? Gerne. Für mich ist es ganz klar das Rosinenkipferl. Bitte? Für mich, ich würde es beschreiben als Ort der Existenz. Ja, und ich habe für mich den Begriff Vertrauen gefunden. Vertrauen, Vertrautheit. Also wir haben teilweise sehr komplexe, eher konzeptionelle Begriffe, ein sehr klarer Begriff eines Gebäcks. Gab es in Ihrem Leben auch einen Moment, in dem sich Ihr Verständnis von Heimat verändert hat oder sogar auch verankert hat für Sie? Ich habe im Rahmen meiner wissenschaftlichen Tätigkeit zehn Jahre in Deutschland verbracht, an verschiedenen Unis. Und nach den zehn Jahren war die Sehnsucht plötzlich groß, wieder nach Österreich zurückzukommen. Und da hat sich das verändert, dass ich doch gemerkt habe, irgendwie fühlt sich das jetzt nicht mehr wie ein Zuhause an. Und da habe ich auch diese Veränderlichkeit von Heimat mitbekommen, wie das auch sehr schön in einer Arbeit von der Position von Pat Tscheba gezeigt wird. Und das habe ich im Rahmen dieser Erfahrung sehr deutlich zu spüren bekommen. Bei mir war es ein bisschen ähnlich, nicht so lange, aber ich komme ursprünglich aus Wien und dann bin ich nach Oberösterreich gekommen und schon in Oberösterreich habe ich gemerkt, dass mir Wien fremd wird. Also meine ursprüngliche Heimat, die wird einem, wenn man ein bisschen eine Alterität unter Anführungsstrichen hat, die ursprüngliche heimat mal überhaupt gegenständlich also man kommt drauf wie sozusagen wie man wie man sich als wien überhaupt wahrgenommen sieht selbst und das hat sich dann noch gesteigert durch auslandsaufenthalte und also es ist sozusagen diese ich denke es hat diese zwei seiten die du auch erwähnt hast. Das eine ist, es wird überhaupt thematisch, es wird überhaupt reflexiv. Man denkt daran, es wird überhaupt bewusst. Wenn ich nur drinnen eingebettet bin, unmittelbar, so wie in einem familiären Kontext, denke ich ja nicht an Familie, weil es ist selbstverständlich. Aber sobald ich es verloren habe und die Reflexion diese Wunde schlägt, also wenn man ausgetreten ist, dann wird es einem erst bewusst. Und das ist aber geistvoll, diese Erfahrung, dieses sich fremd oder sich anders werden, weil das die Voraussetzung ist, überhaupt einer bewussten Aneignung. Das heißt, ich konnte dann, wenn ich länger im Ausland war, dann auch Österreich mit anderen Augen sehen, lernen. Und das war, denke ich, eine geistvolle Erfahrung. So ähnlich wie im Erwerb von Sprache. Dass ich die eigene Sprache nur kennenlerne, indem ich mit Humboldt gesprochen versuche, ernsthaft in den Kreis einer anderen Sprache einzutreten. Dann lerne ich erst die Expressivität der Muttersprache kennen und ihre Macht. Ansonsten bin ich da drinnen in einer objektiven Macht geborgen. Im Vergleich zu euch bin ich eigentlich sehr sesshaft. Ich bin im Mühlviertel aufgewachsen, sozusagen in Linz in die Schule gegangen. Das Einzige, was ich wirklich wollte, ist in der Stadt leben und nicht am Land. Jetzt bin ich in Linz seit 30 Jahren und eigentlich nie übersiedelt. Hat mich auch nie interessiert, muss ich sagen. Das Einzige, was mein einziger längerer Auslandsaufenthalt war, so Austausch während dem Studium in Amerika, ein Jahr in den USA. Ja, das habe ich schon genossen und sehr interessant gefunden und habe mir gedacht, ich würde nie hier leben wollen und das Gleiche war dann ein Monat in Sizilien für meine Dissertation. Und ich habe mir gedacht, das ist das Ende von Europa. Ich würde nie hier leben wollen. Also ich bin relativ sesshaft und insofern hat sich das nicht sehr stark verändert. Es ist auch in meiner Familie eigentlich niemand geschieden. Meine Eltern nicht, mein Bruder nicht. Es ist sehr angenehm, eine sehr schöne Erfahrung, in der ich mich immer geborgen fühlen konnte. Was sich vielleicht verändert hat, ist der Begriff, der Zugang zum Begriff Heimat, weil mir das eigentlich sehr fremd war, über Heimat zu reden. Ich bin noch Kind von Eltern, die im Krieg geboren sind oder noch vor dem Krieg. Also es war sehr lange sehr kontaminiert durch den Nationalsozialismus, der Begriff Heimat. Und ich habe den jetzt deswegen auch nie wirklich so verwendet. Ich habe heute noch geschaut, wie man Heimat übersetzen kann ins Englische, Französische oder Italienische. Man kann es nicht übersetzen mit einem Wort. Es gibt immer verschiedene Begriffe. Oder wisst ihr vielleicht etwas, wie man das übersetzt? Jetzt zunehmend ist aber natürlich der Begriff Heimat oder heimische Lebensmittel kommt in der Werbung vor, kommt schon näher. Und auch jetzt so diese Auseinandersetzung mit dem Begriff Heimat finde ich sehr spannend, weil natürlich man auch von Heimaten spricht und nicht mehr nur von der Heimat. Und ja, so finde ich sehr interessante Diskussion. Also durchaus doch dreimal eher ein spezifisches Gefühl, ein Verständnis von Heimat, das sich gerade auch dann zeigt, wenn man ins Ausland geht und sich ein bisschen abgrenzt von seiner eigentlichen Ansässigkeit. Ich will auch an das Thema schon gleich mal andocken, was Frau Kepplinger gesagt hat, das finde ich ganz interessant, Heimat in der Übersetzung. Ich würde da nur an Home denken im Englischen, aber das ist dann doch auch an ein Haus gebunden vielleicht und lässt sich vielleicht nicht in die emotionale Ebene bringen. Und Sie haben auch schon erwähnt diese Medienberichterstattung. Und da wollte ich Sie fragen, wie entsteht denn dieser Begriff Heimat über Bilder und Routinen oder eben lokale Berichterstattung? Ja, ich weiß nicht, ob da jetzt ein Begriff, das kann ich jetzt so nicht sagen, ob da ein Begriff Heimat entsteht, aber vielleicht so ein Gefühl der Zugehörigkeit, der Identifikation, wenn man jetzt von Lokalberichterstattung spricht, die ja durchaus mittlerweile Berichten über, keine Ahnung, Hochwasser oder auch schöne Dinge wie die neuen Faschingsprinz und Prinzessin, also irgendetwas, was zusammenhält, also etwas Highlight herausheben, wo man unmittelbar in der Umgebung sich befindet und wo man einfach das gut einschätzen kann und weiß, da gehört man dazu und aha, die machen das und die machen das und das erzeugt natürlich Identität und wahrscheinlich dann einfach auch so etwas wie ein Aspekt von Heimat, ein Zugehörigkeitsgefühl, ein Informiertsein, wenn es Transparenz gibt über Prozesse und über Dinge, die in der unmittelbaren lokalen oder auch regionalen Umgebung passieren. Bilder ist natürlich etwas ganz Wichtiges. Bilder, Routinen, Feste, Bilder sind quasi in visuelles gegossene Erinnerungen auch zum Teil. Und Erinnerungen sind auch ein ganz wichtiger Aspekt von Heimat, denke ich, oder von Dazugehören. Und ich habe jetzt, ja, ich würde jetzt vielleicht tatsächlich gleich noch, ist das jetzt schon diese, nein, wir sind noch bei den Medien, weil Sie haben diese berufliche Frage. Sie haben schon zwei Begriffe gesagt, die, glaube ich, auch sehr wichtig sind. Große Schlüsselbegriffe sind der Zugehörigkeit, der Identität, die uns vermittelt wird, mit der wir uns dann auch verbinden können über Bilder. Wenn wir vielleicht wieder zurück in das Existenzielle gehen oder das Eophilosophische. Herr Gottschlich, inwiefern benötigen wir dann diesen Anschluss an Heimat, diese Verortung in einer Heimat als Mensch? an Heimat, diese Verortung in einer Heimat als Mensch? Zunächst einmal, denke ich, wäre zu fragen, was für den Menschen Heimat überhaupt bedeutet. Also dieser Ort der Existenz, wie ich jetzt eingangs erwähnt habe. Da wäre, denke ich, zum Ersten darauf hinzuweisen, dass der Mensch eigentlich in der Natur keine Heimat hat, letztlich. Sondern der Mensch, Hegel sagt das ja schön, also der Mensch ist Tier und indem er weiß, dass er Tier ist, ist er nicht Tier. Also er tritt heraus aus diesen natürlichen Bezügen, sie werden ihm gegenständlich, er weiß um sie. Er hat daher Technik, Wissenschaft etc. Er kann Abhängigkeitsketten erkennen und ergreifen. Wir leben nicht in einer ökologischen Nische. Wir können alle in einer ökologischen Nische, der Mars ist angeblich am nächsten jetzt schon bald dran, wenn man gewissen Tech-Overlords glauben soll. Wir können uns überall ansiedeln und unsere Selbsterhaltung technisch praktisch garantieren. Die Natur selbst ist keine ungebrochene Heimat. Wir sind Naturwesen, aber indem wir darum wissen, sind wir es nicht. Wir sind Vernunftwesen, Freiheitswesen. Das heißt also, die Heimat, wenn wir von Heimat sprechen, kann also nicht nur die Natur sein. Also was ist dann der Ort der Existenz? Der nächste Schritt wäre dann zu sagen, ja, der Ort der Existenz, also wo ist dieses Ich? Also wo ja, der Ort der Existenz, also wo ist dieses Ich? Also wo hat es den Ort seiner Existenz? Und da würde ich sagen, das sind die geistigen Verhältnisse, das heißt Anerkennungsverhältnisse. Also es gibt da von Fichte, Philosophen Fichte, einen sehr schönen Satz, der heißt, der Mensch wird nur unter Menschen Mensch. Also der ist nicht sozusagen dieser Kaspar Hauser, sondern er existiert eigentlich als Person, als Subjekt, als geistige Existenz, eigentlich immer schon in Anerkennungsverhältnissen. Er wird aufgefordert zur Freiheit, er wird erzogen und so weiter und so fort. Er existiert in Institutionen. Das heißt also, wir haben, das wäre jetzt der zweite Schritt eigentlich, eine Sphäre von Existenz, die eine andere Existenz ist als ein Naturding. Ein Naturding persistiert im Raum und Zeit. Das existiert nicht von Kraft, von Gnaden der Anerkennung. Aber wir als Person existieren eigentlich nur, sofern uns andere als Personen anerkennen. Sobald ich nicht mehr anerkannt werde als Person, sondern als Sache behandelt werde, existiere ich nicht mehr als Person. Das ist auch für das Rechtsverhältnis wichtig. Das heißt, das ist das hohe, das geistig hohe dieser Existenz und zugleich das radikal prekäre dieser Existenz. Der nächste Schritt ist zu fragen, gut, wenn der Mensch in Anerkennungsverhältnissen existiert, und das kann man jetzt ausfalten von der Familie, über die Gesellschaft bis zum Staat und so weiter. Wodurch vermittelt sich denn das? Was ist die Möglichkeitsbedingung dafür? Und ich denke, an diesem dritten Punkt kommt man dann an den entscheidenden Ort der Existenz und das ist die Sprache. Also der Mensch ist Sprachwesen mit Kassirer, also diese symbolischen Formen, in denen er sich sein Darstellen oder seine Existenz überhaupt selbst erschließt. Also eine Existenz, die sich selbst erhält in der Sprache. Und das ist natürlich ganz entscheidend für die Kunst, weil in der Kunst, in dem Kunstwerk, wird ja das Darstellen selbst dargestellt. Das ist ja sehr spannend, wie man das da interpretiert, auch diese hiesigen Kunstwerke jetzt zum Heimatbegriff. Also ich würde sagen, in der Natur keine Heimat. Dann haben wir Heimat in Form der Freiheitswelt, also in der politischen Sphäre und dann in der Sprache. Und wichtig ist, wenn ich das noch ergänzen darf, weil du es auch erwähnt hast, oder Sie haben es erwähnt, mit der Kontimat, das Heimatbegriffes, das zeigt auf eine ganz bestimmte Sache, nämlich auf die Endlichkeit der Anerkennung und auf die Endlichkeit dieser Heimat. Wir haben auch in politischer Hinsicht letztlich keine wirkliche Heimat. Und das zu begreifen, ist wirklich schmerzhaft, weil zumindest in Zeiten, wo man froh ist, dass man lebt in einem Land, vielleicht Österreich, und sich freut, dass es einen Rechtsstaat gibt, aber wir wissen aus der Geschichte und wir wissen auch aus der ganzen philosophischen Tradition, dass der Verfall immer kommt. Und der Verfall kommt immer am höchsten Punkt, so wie am menschlichen Körper, am höchsten Punkt der Realisierung verfällt es. Das heißt, wir haben hier letztlich auch keine Heimat. Und das ist ja dann das Geistlose an einer Ideologie, an Nationalismus, der das verabsolutiert. Und während die Religion ein Klima der Menschen, wenn sie so wollen, einer transzendenten Heimat, also wo es noch einen Horizont darüber hinaus gibt. Ich sage, du bist jetzt nicht nur abendetes Wesen oder nicht nur Fall einer bestimmten Rasse oder sonst ein funktionales Element in dieser Gesellschaft, sondern du bist noch etwas darüber hinaus. Du gehst nicht sozusagen in diesem funktionalen Gefüge der Gesellschaft auf. Also das heißt, als Sprachwesen haben wir, denke ich, die letzte Heimat, sehen wir eigentlich in der Kunst, geistig, in der Religion und in der Philosophie, würde ich sagen. Also das ist der letzte Ort, wo wir uns über uns selbst aufschließen. Und das ist auch etwas, was uns niemand wegnehmen kann. Die Anerkennung, die politischen Verhältnisse können jederzeit zerbrechen. Also das ist jetzt, entschuldigen Sie, ich versuche es, diese schwierige Frage zusammenzufassen. Es kann sehr hoffnungsvoll sein für eine, aber auch ein bisschen trostlos, wenn Sie sagen, wir haben keine Heimat. Aber auch das Thema der Anerkennung finde ich sehr spannend und das leidet auch in die Frage, die ich an Sie gestellt hatte, Frau Neuhauser, wie sehr eben Heimat an soziale Anerkennung gebunden ist. auch keine Tradition, sondern Heimat ist immer eine Beziehung. Eine Beziehung zwischen Menschen, eine Beziehung zu symbolischen Ordnungen, wie wir sie nennen. Und damit, dass Heimat eine Beziehung ist, ist sie immer mit Anerkennung verbunden. Und Beziehung braucht gegenseitige Anerkennung. Und wenn ich jetzt auch einen großen Soziologen zitieren will, es wurden schon große Philosophen zitiert, jetzt zitiere ich einen großen Soziologen, Axel Hornet, der gemeint hat, diese Anerkennung hat verschiedene Dimensionen. Da ist ganz klar die affektive Dimension, das betrifft, was unseren Heimatbegriff betrifft, Liebe, Zugehörigkeit. Es hat eine rechtliche Dimension, die wurde auch schon genannt. Die Dimension Sicherheit und Schutz kommt hier zum Tragen. Aber es hat auch eine soziale, eine gesellschaftliche Dimension, was gegenseitige Wertschätzung und Sichtbarkeit betrifft. Und wo Anerkennung fehlt, beziehungsweise sie entzogen wird, zum Beispiel, wenn man Migrierten keine Aufenthaltsrechte zugesteht, dann wird Heimat prekär und brüchig aus soziologischer Hinsicht. Und ich folge auch sehr stark einem ungleichheitstheoretischen Ansatz, zum Beispiel mit Bordieu kann man sagen, dass Heimat extrem ungleich verteilt ist. kann man sagen, dass Heimat extrem ungleich verteilt ist, weil sie eben über die Verteilung von Rechten wie zum Beispiel Staatsbürgerschaft oder eben auch von sozialen Ressourcen an Zugehörigkeitsregime gebunden ist. Und Anerkennung wiegt hier ganz klar seine Grenzziehung. Wer wird als zugehörig betrachtet und wer nicht? Und damit verbunden sind Verteilungsfragen. Wer bekommt was? Wer hat Zugang zum Gemeindebau? Wer hat Zugang zur Familienbeihilfe? Und wer nicht? Und deshalb fungiert eben Heimat auch als symbolische Ressource, die eben auch oft exklusiv ausbuchstabiert wird, exklusiv gesehen wird und auch verteidigt wird. Und das sehen wir aktuell sehr stark im rechtspopulistischen Diskurs, dass Heimat zum Kampfbegriff wird, zum exklusiven Ausschlussinstrument. Genau. Also man sieht, dass auch unser Rechtsstaat in dem Begriff von Heimat und diesen Zugängen eben exklusiv agiert. Und dann stellt sich mir die Frage, weil Herr Gottschlich gesagt hat, wir können uns anzusiedeln. Aber dann, wenn wir wirklich in diese Rechtslage schauen, gilt das nicht immer für jeden. So würde ich das verstehen. Wie gesagt, Heimat ist auch eine Art von Ressource, die ungleich verteilt ist. Wenn Menschen keine Staatsbürgerschaftsrechte haben, wenn Menschen kein Einkommen haben, wenn Menschen die Ressourcen vermissen, die sie zum Leben, zum Überleben brauchen, dann ist ganz klar Heimat eine Ressource, auf die wir zugreifen können oder auch nicht. Das ist wirklich eine sehr spannende Idee. Wir reden jetzt schon von Heimat als gesellschaftliche Dimension und wir haben schon ein paar Mal angesprochen, die Kontamination, dieses abgeschlossene, exklusive. Das zeigt eigentlich, im Gegensatz zu unseren Kunstwerken hier, dass Heimat nicht dynamisch ist. Es ist eigentlich ganz statisch, es ist was eigentlich ganz Statisches. Es ist stark vereinnahmt. Man schaut zurück auf eine sehr konservative Definition von Heimat, etwas, was wir einmal hatten und irgendwo verloren haben. Es. Ich habe auch gesehen, es gibt eine anti-Heimat-arm-Theatergruppe, die gegen den Heimatsbegriff auftritt und sagt, auch der Begriff gehört den Rechten. Und auch wenn die Liberalen, die Linken sich den zurückholen wollen, es bleibt trotzdem doch sehr konservativ. Sie haben das verglichen mit diesem Sprichwort, einen alten Baum versetzt man nicht. Sie haben das verglichen mit diesem Sprichwort, einen alten Baum versetzt man nicht. Also auch dieses, wir sind hier, wir sind ja aufgewachsen, wir verwurzeln uns hier und deshalb sind wir Teil dieses Landes. Es ist doch sehr stark emotional, man das geht in die Runde, wird Heimat so anfällig? Warum ist gerade dieser Begriff so anfällig für den Ausschluss? Wer soll beginnen? Also ich würde mal zunächst auf der logischen Ebene beginnen, das heißt Identität und Differenz. Ich kann nicht Identität denken ohne den Unterschied. Also wenn ich identifiziere, habe ich schon die Unterscheidung, die ist vorausgesetzt. Um unterscheiden zu können, muss ich identifiziert haben. Das heißt also, Identität ist eigentlich nur Identität von Identität und Nicht-Identität. Und das ist also zunächst mal logisch zu sagen. Was logisch gilt, gilt auch für unser Selbstverhältnis. Ich habe gesagt, der Ort der Existenz, das Ich, ist nicht die Natur, sondern ist die Anerkennung. Ein anderes Wort für das ist, jetzt mit Hill gesprochen, das Bei-sich-Sein im Anderen. Und da kann man ruhig das Andere mal akzentuieren. Also das Bei-sich-Sein, Selbstverhältnis, Identität im Anderen. Es gibt im Geistigen überhaupt kein unmittelbares Selbstverhältnis. Es gibt kein Selbstverhältnis, das ich nicht über ein Verhältnis zum Anderen vermitteln würde. Also zum Beispiel, wir hatten das ich habe es vorhin erwähnt, die Person ist nur Person im Umgang mit der Sache. Das heißt, im Eigentum, dass der andere die andere Person anerkennt. Wenn ich ihr Eigentum nicht anerkenne, anerkenne ich sie über die Nicht-Anerkennung ihres Eigentums oder dieser Sache auch zugleich als Person nicht an. Das heißt, sie bekommen ihre Anerkennung als Person vermittelt über das Eigentum zunächst oder im Vertrag, wenn wir uns vertragen und wechselseitig anerkennen, wenn wir uns was verkaufen oder wie auch immer. Das heißt, es gibt kein unmittelbares Selbstverhältnis. Und dieses Bei-sich-Sein im Anderen gilt eigentlich, das klingt so idyllisch, aber es ist zunächst einmal ein Kampf des Anerkennens. Und das ist hier das Problem, dass zunächst einmal, ich spreche hier von einem Willen zum Selbstsein, dieser Wille zum Selbstsein sich eigentlich in einer ungebremsten, ungehemmten Weise geltend macht. Hegel hat das in dieser berühmten Herr-Knechtschafts-Dialektik ausgeführt. Also der Herr, der eigentlich nur der Herr sein will, die asymmetrische Selbstständigkeit. Der andere ist nur der Knecht. Aber was er dann erfahren muss, ist seine eigene Knechtschaft, seine eigene Abhängigkeit vom Knecht. Weil der Knecht arbeitet. Der Knecht kriegt das Know-how. Und der Herr wird immer abhängiger vom Knecht. Und der ganze Fortschritt läuft über den Knecht. Was hier für das Bewusstsein gilt auf der Bewusstseinsebene im Kampf des Anerkennens, gilt jetzt dann auch auf politischer Ebene. Mutatis Mutandis. Also die Staaten, also denken Sie an unsere Geschichte, Weltgeschichte, die Entstehung des Nationalstaats, Territorialstaats in der Neuzeit und dann bis hin zu den Weltkriegen. Also da, wenn Sie da schauen, die großen Kolonialmächte Europas, hat jeder gedacht, sie können ihre asymmetrische Selbstständigkeit, also ein Bei-sich-Sein, das nicht mitbedenkt, dass es sein Selbstverhältnis durch den anderen vermittelt, also zum Beispiel der Kolonialherr, der nicht mitbedenkt, dass er seine Kraft und seine Macht und sein Reichtum auf dem Rücken der anderen aufbaut, sondern die diese Blinde, Einseitige, diesen Willen zum Selbstsein so gelebt haben, die haben eigentlich die Katastrophe, also diese Haltung hat eigentlich diese Katastrophe des Ersten Weltkrieges dann ausgelöst, wo diese Nationalgeister aufeinander gestoßen sind. Und dieser Hybris, dieser Hochmut sozusagen, der wurde damit, da kam sozusagen die Nämme, es ist die Rache. Weil sie haben dann alle erfahren darüber, dass sie alle vertraglich relativ waren, relational waren, haben sie alle erfahren müssen, dass sie in diesen Tod hineingezogen werden. Und keiner ist sozusagen als der große Meister hervorgegangen der europäischen Mächte und das war das Ende letztlich der Zweite Weltkrieg, das Ende von Europa als Weltmacht. Manche leiden darunter, aber weltgeschichtlich könnte man das so sehen. Und da kommt hier dieser Heimatbegriff als Kampfbegriff heraus. Das heißt, als ein Exklusionsmechanismus, ein Instrument, das Identität als asymmetrische Selbstständigkeit denkt. Also sich inszeniert durch den bewussten Ausschluss des Anderen, das als nicht identisch angesehen wird. Wir sind nicht auf gleicher Augen überhoben. Das sind die Objekte der Geschichte, über die verfügen wir. Wir sind die Herren, wir sind die Subjekte. Ja, wieso ist denn das möglich? Aufgrund der Sprache. Die Sprache ist eigentlich schon das Urbeispiel für diese, also Sprache kann auch als Waffe verwendet werden. Und zugleich ist die Sprache das Medium der Anerkennung. Also das heißt, das Höchste, was wir haben, die Sprache, ist auch zugleich das, was eigentlich, wenn diese Geistigkeit, dieses unmittelbare, ungebremste, dieser Wille zum Selbstsender ist, was eigentlich dieses sich zerfleischen hervorbringt. Die Sprache als Waffe. Das würde ich so beantworten. Und die letzten Satz noch, was wir heute haben, ist ein Schritt vom Staat zu überstaatlichen Verhältnissen. Also nicht nur international, sondern supranationalen Verhältnissen. Das ist eine Antwort auf diese Katastrophengeschichte. Man wird sehen, wie weit das führen wird in der Geschichte. Du hast von dieser besonderen Anfälligkeit des Heimatsbegriffs für Exklusivität gesprochen. Und ich glaube, das ist deshalb der Fall, weil Heimat nie nur formale Zugehörigkeit meint, sondern es geht immer über formale Zugehörigkeit meint, sondern es geht immer über formale Zugehörigkeit hinaus. Es vereint Vorstellungen von kulturellen und symbolischen Erwartungen, Vorstellungen von Passung, wer passt dazu, wer passt nicht dazu, von Vertrautheit, von Normalität, Sprichwort, das ist ja nicht mehr normal, der ist ja nicht mehr normal. All das legitimiert wiederum Ausschluss. ja, ist ja nicht mehr normal. All das legitimiert wiederum Ausschluss. Und deswegen ist es so anfällig, weil es um Passung geht. Und deshalb ist auch der Begriff so leicht politisch mobilisierbar. Zugleich ist es nie eine Frage von totalem Ausschluss oder Einschluss. Ich habe in meinen Forschungsarbeiten zum Beispiel zu migrierten Arbeiterinnen in der Paketenlogistik immer wieder mitbekommen, dass die Menschen durchaus integriert sind, eingebunden sind, indem sie zum Beispiel eine Beschäftigung ausüben und uns jeden Tag die Pakete vors Haus liefern. Auf der anderen Seite bedingt dieser Einschluss in die Beschäftigung dadurch, dass er sehr prekär ist, dass Menschen ausgebeutet werden in ihren Beschäftigungs- und Arbeitsverhältnissen, wiederum einen Ausschluss. Das heißt, es gibt auch diesen Einschluss durch Ausschluss. Das heißt, es kann auch eine Gleichzeitigkeit vorhanden sein. Gleichzeitigkeit kann auch eine Gleichzeitigkeit vorhanden sein. Und dieser Ausschluss, und das habe ich bei den Befragten immer wieder mitbekommen, der kann, wenn man so will, auch Heimatlosigkeit, ein Gefühl von Heimatlosigkeit ausüben. Weil wenn ich sozusagen hier nur arbeiten darf, aber nicht die Rechte genießen kann, keinen unbefristeten Aufenthaltstitel habe, keine Chance habe, die österreichische Staatsbürgerschaft zu beantragen, dann bleibe ich immer, egal wie sehr ich im Beschäftigungsverhältnis vielleicht integriert bin, ausgeschlossen zu einem großen Teil. Und auch über die Art der Arbeit, die ich ausführe. Wenn ich eine sehr prekäre Beschäftigung ausübe, über die ich eigentlich keine sozialen Rechte genieße, wo ich nicht die Chance habe, die deutsche Sprache zu erwerben, dann bleibe ich auch über den Einschluss ausgeschlossen und heimatlos. Wolltest du noch einhalten? Ich würde gerne wieder vielleicht ein bisschen praktischer werden. Es ist total spannend natürlich. Und jetzt als Überleitung vom Nationalsozialismus möchte ich gerne erzählen zu meiner Vorbereitung. Ich habe in der Zeitung entdeckt, dass es so eine Veranstaltung gab mit einem Text von Jean Amery. Und Jean Amery hat nämlich 1966 in Schuld und Sühne den Essay geschrieben, wie viel Heimat braucht der Mensch? Und der Schlusssatz ist, so viel Heimat wie nur irgendwie möglich. Aber was total spannend ist, und dann kommt natürlich dieser Ausschluss, er musste emigrieren und er war Anfang Jänner 1939 in Antwerpen in Belgien. Und was da schon ein großes Problem war im Hinblick auf Heimat ist, er kannte sich nicht aus. Er sitzt mit jemandem in der Hafenkneipe, der trinkt mit ihm Bier und er hat keine Ahnung, wie er die Person einschätzen soll. Es gibt einen Polizisten, der ihm lächelnd was unterschreiben lässt. Er weiß nicht, ob der hämisch grinst oder ob er freundlich ist. Also einfach einmal das Nichtwissen, wie etwas einzuschätzen ist, wo er das so sagt, in der Heimat, also zu Hause, man wächst damit auf und man weiß, wie Dinge funktionieren und wie man sie einschätzen kann. Was ich auch sehr spannend finde, natürlich er als Jude, der emigriert ist, sagt, wir mussten quasi wirklich alles vergessen, weil es zerstört wurde. Wir hatten auch nicht mehr die Erinnerung, weil das im Nationalsozialismus ja vernichtet werden sollte und teilweise auch wirklich vernichtet wurde. Wir hatten nicht mal in der Erinnerung noch einen Ankerpunkt einer Heimat. noch einen Ankerpunkt einer Heimat. Aber wie gesagt, der Schluss ist dann, also es ist sehr spannend und sehr gut zu lesen und der Schluss ist dann, man muss halt sagen, so viel Heimat wie möglich. Und vielleicht jetzt zum Praktischen, weil ich ja jetzt keine Theoretikerin bin, ich finde das total spannend, wenn man das quasi jetzt wirklich so durchdenkt, auch keine Wissenschaftlerin mit Recherche und Forschung, sondern wirklich aus der Praxis komme. Ich habe in Kulturvereinen gearbeitet und jetzt beim nicht kommerziellen Fernsehsender und was ich mir eben auch noch so in meinem Nachdenken über den Begriff Heimat, was mir sehr wichtig erscheint und was Sie schon auch angesprochen haben mit dem Ausgeschlossen-Sein, nämlich genau das Gegenteil, Partizipation, Teilhabe, ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt, weil Teilhabe und Partizipation natürlich damit zu tun hat, dass ich gesehen werde, dass ich gehört werde, dass Vielfalt entsteht, dass mein Tun oder mein Denken auch eingebracht wird in die gesellschaftliche Debatte. Also das ist in einem Kulturverein, denke ich mir, jetzt wenn wir eben von Heimat reden, diese ausschließende Heimat, ja Heimatbegriff der FPÖ oder was ausschließend, dann gibt es natürlich auch die Gegenmodelle und das ist auch bei den Bildern. Also welche Bilder kann ich selber erzeugen, die dann Heimat bedeuten für mich oder vielleicht auch für andere, wo dann jemand darauf anspricht oder welche Themen und Texte, welche Veranstaltungen mache ich in meinem Kulturverein, weil es sonst niemand macht, die das ausdrückt, was ich gerne wissen möchte, was ich gerne sehen möchte. Und natürlich im nicht kommerziellen Rundfunk dann einfach wirklich die Partizipation, die Teilhabe, die Unterstützung von auch jetzt Migrantinnen dabei, ihre Meinungen kundzutun und ihre Projekte zu positionieren. Also Teilhabe ist tatsächlich, glaube ich, einfach ein wichtiger pragmatischer Ansatz, auch in der Demokratie, nämlich Partizipation teilzunehmen und dann wirklich das Gefühl haben, etwas tun zu können, mitgestalten zu können, Gesellschaft mitgestalten zu können. Da wird dann diese große und auch diese sicher durchdachte logische Interpretation, da wird man ja depressiv, oder? Das ist ganz wichtig, was du sagst. Es geht um Anhaltspunkte. Wie kann ich trotzdem für mich etwas schaffen, mit dem ich leben kann? Der Begriff ist ja ambivalent. Und ich fand das so schön in deiner Arbeit, Violetta Ivanova, weil das ist genau diese Frage zwischen Aneignung und Einpassung. Griff ist ja ambivalent und ich fand das so schön in deiner Arbeit, Violetta Ivanova, weil das ist genau diese Frage zwischen Aneignung und Einpassung. Wann passe ich mir eben was ein und wann eigne ich mir es zugleich aber auch irgendwie an? Und es ist irgendwie nicht nur das eine oder das andere, sondern es bewegt sich eben genau in diesem Slash, in diesem Zwischenraum. Schauen Sie sich die Arbeit an, schauen Sie sich alle drei Arbeiten an. Ich habe sehr viel mitgenommen gestern durch die schöne private Führung, die wir gestern erhalten haben. Aber ich halte diese Analysen für wichtig. Ich finde es gut, wenn das so auf den Punkt und so wirklich radikal auf den Punkt gebracht wird. Aber ich glaube, es braucht einfach zum Leben auch diese Strohhalme, mit denen man arbeiten kann und wo man leben kann. am eigenen Alltag, am eigenen Sein. Vielleicht kann dann der Heimatbegriff nicht nur ausschließend werden, sondern auch partizipativ und auch hilfreich sein für unsere Gesellschaft. Vielleicht noch eine letzte Frage, bevor ich vielleicht auch die Diskussion fürs Publikum öffnen wollen würde. Sie haben das eh schon sehr schön ausgeführt, Frau Käpplinger, und dieses Vor-Ort-Arbeiten. Sie sind in Linz doch sehr viel tätig mit der Stadtwerkstatt, mit DorfTV, Leute teilhaben zu lassen. Ihnen auch Rahmenbedingungen zu geben, selbst teilzunehmen. Das hat mich dann zu meiner Frage geführt, was braucht es, damit ein Ort zur Heimat wird, damit ein Ort auch für andere zur Heimat wird, was für Rituale könnte man für sich selber auch gestalten, dass man auch vielleicht andere inkludieren kann. Welche Rituale man gestalten kann, dass man andere inkludiert. Wie öffnet man seine eigene Heimat für andere, gerade wenn ich an den Ort Linz denke? Ja, ich denke, indem man auf jeden Fall mal neugierig ist, was es sonst noch auf der Welt gibt und Begegnungen herstellt, auch mit fremden Kulturen. Auch in Linz gibt es ja viele migrantische Organisationen, viele migrantische Menschen, denen man Begegnungen herstellt, indem man sich interessiert, wie andere Lebensrealitäten aussehen. Und manchmal vielleicht einfach auch dazulernt und etwas annehmend annehmen und sieht, was vielleicht nicht ganz so leicht fällt. was vielleicht nicht ganz so leicht fällt. Sie haben auch öfters natürlich die Kunstwerke angesprochen. Ich würde auch sagen, Sie können auch gerne Fragen an die Künstlerinnen stellen. Sie sind auch hier vor Ort. Falls es im Publikum Fragen gibt, können Sie sie gerne stellen. Oder falls sich die Künstlerinnen noch zu einem Stammpunkt melden möchten. Ein kleiner Übergang, oder ich stelle auch noch eine Frage. Gerne. Ich fand das ganz interessant, dass sowohl aus der Philosophie als auch aus der Soziologie über dieses Phänomen der Anerkennung und des sozialen Gefühls gesprochen hat. Und dass es außerhalb dessen keine Heimat geben könne. Ich frage mich, ob es nicht doch radikale Positionen geben kann, wo das doch in einer Form von Heimat definiert werden kann. Also ich denke an das Eremitendasein. Ich ziehe mich zurück. Ich verzichte explizit auf diese Kontakte. Und, oder vielleicht ist es sogar identisch. Ich fand das ja ganz spannend. Du hast ja auch schon auf die Theologie verwiesen. Also das ist im Grunde genommen die letzte große Heimat oder dieses letzte, wie auch immer, Identitäts- Spiegelungsplattformen der transzendente Gott oder wie auch immer das göttliche Verständnis ist. Also wenn ich mich diesem sozialen Gefüge entziehe und mich tatsächlich auf mich selbst in der Natur als Eremitin zurückwerfe oder aber mich in diesem Transzendenzgedanken einer ewigen Erlösung wiederfinde, brauche ich dann die soziale Anerkennung. Also gibt es nicht doch eine Existenz, ich fand das auch so, es war so kulturpessimistisch, was du so angeboten hast. Aber gibt es nicht doch auch andere Formen des Heimatdenkens? Ich finde das eine total spannende Frage. Ich würde es so logisch sofort sagen, damit ich Eremit sein brauche, brauche ich auch die sozialen Voraussetzungen dafür, Eremit zu sein. Und dadurch, wer ermöglicht es mir, als Eremit zu leben? Also wer hat die Möglichkeiten dazu? Und das ist schon wieder eine soziale Frage. Das wäre so meine erste Teilantwort. Die zweite Teilantwort wäre, auch der Eremit geht in Beziehung. Also die Beziehung ist ja nicht nur zu anderen Menschen, sondern auch zu symbolischen Ordnungen zum Beispiel. Also von dem her ist auch der Eremit in gewisser Weise in Beziehung. Einerseits, weil er auch von Gesellschaft abhängig ist zum Überleben und andererseits, weil er sich seine eigenen symbolischen Beziehungen schafft. Wie auch immer Transzendenten verständigt. Soll ich dazu was sagen? Wenn kein anderer was fragen möchte. Das ist ein interessantes Phänomen. Ich würde das ähnlich, aber nicht ganz so formulieren, die Antwort. Also der Eremit zieht sich ja schon zurück aufgrund einer bestimmten Vermittlung, die er auch in der Gesellschaft oder in der Gemeinschaft erfahren hat. Das ist sozusagen eine bewusste, das wissen wir nicht von Geburt an sozusagen, sondern da ist schon eine gesellschaftliche oder gemeinschaftliche Vermittlung schon vorausgesetzt. Und das kann ja unterschiedliche Gründe haben. Du hast ja auch erwähnt, es gibt ja auch religiöse Eremiten, die sich in ein Gottesverhältnis hineinbegeben. Das ist ein einsames Sprechen sozusagen. Allerdings, was aber für unsere Gesellschaft eher häufiger anzutreffen ist, ist dieses Zurückziehen in die Natur. Und das ist auch vermittelt durch Erfahrungen in einer Gemeinschaft und einer Gesellschaft, in der ich manifeste Unvernunft erfahre. Also Ungerechtigkeit, etc. Und ich erfahre Trost in der Natur. Warum? Warum machen wir, wenn wir Urlaub machen, meistens, also ich zumindest, natürlich interessieren mich die Städte auch, aber ich freue mich, wenn ich die Natur sehe. Ich ziehe mich auch gerne in die Natur zurück. Warum? Meine Antwort wäre, weil die Natur präsente Vernunft ist. Weil das mich tröstet. Die Natur kann nie unvernünftig sein. Kein Lebewesen kann je unvernünftig sein. Es kann nie böse sein. Es kann nie mich betrügen. Kein Grasalm, kein Tier kann schlecht oder böse sein. Das ist eigentlich ein unendlicher Trost. Also jetzt biete ich auch sozusagen etwas Positives an. So schlimm die Welt noch immer ist, die Freiheitswelt des Menschen, die Natur ist jenseits von Gut und Böse. Und das ist eigentlich, jeder Grashalm tröstet eigentlich darüber, dass die Vernunft eigentlich wirklich ist, auch wenn wir sie nicht leben. Aber in jedem Organismus, jeder Organismus ist Präsenz von Vernunft. Der Dürer malt sein Grasbüschel. Das ist wunderschön, wie die Kunst diese Form von innerer Zweckmäßigkeit, als Mikroorganismus, Mikrokosmos hier, dieses Grasbüschel da herstellt. Und so will ich dieses Eremiten, wenn man sich in die Natur zurückzieht, deuten. Aber das ist auch vermittelt durch gesellschaftliche Nichtentsprechungserfahrungen. auch die drei Künstlerinnen bestätigen. Also diese Distanz oder diese Differenz, die ich eigentlich brauche, um das, was ich vorher für selbstverständlich gehalten habe und vielleicht auch gar nicht darüber reflektiert habe, sei es eine Beziehung, sei es an einem Ort sein, also dass im Grunde genommen erst durch dieses woanders sein, in einem anderen Zustand sich befinden, im Grunde genommen dann auch dieses Verständnis für Heimat neu geweckt wird. Und das Spannende ist schon, und da sind wir an so einem gesellschaftlichen Punkt, also wann wird es zu einem wertschätzenden Prozess von dem, was ich vielleicht gerade nicht habe oder verloren habe oder vielleicht wiederfinden kann? Und wann wird es zu einem Kampfbegriff? Ich glaube, das ist eine ganz spannende Bandbreite und an diesem Phänomen, wann es zum Kampfbegriff wird oder wann wird es zu einer Wertschätzung? An dem müssen wir, glaube ich, gesellschaftlich ganz stark auch arbeiten. Ich glaube, entscheidend ist auch, wie ich Heimat begreife, ob ich es als offenen, pluralen Begriff begreife oder als geschlossenen, exklusiven Begriff. Heimat im Plural, das war ja auch eine Frage, die fand ich genial, nämlich nicht nur Heimat singulär zu denken, weil dann wird es ganz leicht zum Substanzbegriff. Was ist Heimat? Heimat ist der Apfelstrudel. Heimat ist die katholische Religion, die keine Ahnung was. Und wenn ich es aber plural denke, mit unterschiedlichen Bezügen, die Menschen immer haben, also eigentlich haben wir alle unterschiedliche, mehrere plurale Heimaten. Und das wirklich konsequent, konsequent, konsequent das Pluraldenken mit unseren ganzen unterschiedlichen Bezügen, dann kann der Begriff eigentlich nicht exklusiv werden. aus den 50er Jahren, was ist Heimat? Den kann ich allen empfehlen, den können Sie online abrufen, Max Frisch, Fragebogen Heimat. Da kommt auch dieses Phänomen, was ist Heimat, wie viele Heimaten kann ich haben? Wenn ich zwei habe, vielleicht auch drei, ist auf jeden Fall sehr, sehr amüsant zu lesen. Wie ist es mit euch Künstlerinnen? Habt ihr euch in dieser Diskussion wiedergefunden? Ich ärgere mich ein bisschen, weil so eine Diskussion mussgefunden? So eine Diskussion muss man viel früher haben, im Arbeitsprozess und nicht zum Schluss, weil jetzt haben wir so viele, so einen super Input, so viele... Ja, aber es funktioniert sowieso nicht. Ja, aber es funktioniert sowieso nicht. Ja, ich habe jetzt Material für viele andere Arbeiten. Ich danke euch. Ich habe momentan keine Fragen. Danke dir auch für die tolle Anregung. Genauso wenig Fragen. Also danke wirklich für die Teilnahme und diese Diskussion für mich war auch ziemlich bereichernd. Also die Positionen von euch zu sehen und ich fühle mich schon sehr wohl bestätigt in meine Überlegungen, die ich eigentlich auch in diesem Prozess für mich hatte, weil ich Heimat nicht wirklich mit diesem Ort verbinden wollte, also wo ich herkomme oder wo ich beheimatet bin oder wo ich mich als Mensch finde, sondern ein bisschen größer andenken wollte. Ja, also für mich war es auch sehr anregend, vor allen Dingen auch weiterzudenken, weil eigentlich seitdem ich das da aufgebracht habe, denke ich immer wieder über Heimat nach und heute kann ich mir sehr viel mitnehmen und weiterdenken. Für mich ist es auch ein Prozess und ich habe einige Dinge, also Partizipation ist für mich auch ganz wichtig im Heimatbegriff. Und ich denke für mich ist es sehr wesentlich, dass Heimat ein weiterer Begriff ist und dass ich ihn nicht vereinnahmen lassen möchte. Und insofern war es spannend, wer hat das Recht auf den Begriff Heimat, die Rechten oder eben haben es auch andere und ja, ich werde sicherlich noch sehr viel weiter denken. Und danke für die Anregung. Ich bedanke mich auch für Ihre Teilnahme und für Ihre Statements, für Ihre Antworten, die uns ja sicher lange beschäftigen könnten, werden und uns auch selbst zu unserer Selbstreflexion anregen. Falls es noch Redebedarf gibt, würde ich vorschlagen, das ins Foyer zu verlagern. Da sind natürlich alle noch anwesend bei einem Glas Wein. Da können wir auch in einer intimeren Runde über den Begriff noch weitersprechen. Vielen Dank. Danke auch für die Einladung.