Ja, herzlich willkommen im Stifterhaus, meine Damen und Herren, liebe Literaturinteressierte, schön, dass Sie heute bei uns sind. Ich darf Sie ganz kurz in den Abend einführen, bevor wir das Wort an unsere Gäste übergeben. Unser heutiger Autor ist regelmäßig bei uns zu Gast, zuletzt vor rund einem Jahr mit das All im eigenen Fell. Ich freue mich sehr, ihn wieder hier begrüßen zu dürfen. Herzlich willkommen, Clemens Jotzetz. Clemens Jotzetz wurde 1982 in Graz geboren, studierte dort Mathematik und Germanistik und lebt heute als Autor und Übersetzer in Wien. Seit seinem Debütroman »Söhne und Planeten« im Jahr 2007 zielt er zu den prägenden Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Zahlreiche Auszeichnungen begleiten sein Werk, darunter der Usedomer Literaturpreis 2026, der Georg Büchner Preis 2021, der Wilhelm Rabe Preis 2015, der Preis der Leipziger Buchmesse 2011 sowie der Bremer Literaturpreis 2010. Für seinen Roman Monde vor der Landung, den er ebenfalls hier bei uns im Haus vorgestellt hat, erhielt er 2023 den österreichischen Buchpreis. 2024 wurde er zum Poeta Laureatus des Literarikums Lech ernannt. Heute Abend stellt Clemens J. Setz das Buch zum Film vor, das 2025 bei Jung & Jung erschienen ist. Darin versammelt Setz Aufzeichnungen aus einem Jahrzehnt. Frühe Notizen, Beobachtungen und Gedankenskizzen, die einen sehr unmittelbaren Einblick in seinen Denk- und Wahrnehmungskosmos geben. Die Literaturkritikerin und ORF-Redakteurin Katja Gasser sagte dazu in der Zeit im Bild, Zitat, Nichts wird hier beschönigt, das Leben als großes Rätsel gezeigt. Einen starken Eindruck hinterlässt auch dieses Buch, gerade weil es viele Rätsel offen lässt, nicht nur das Leben von Clemens Setz betreffend. Zitat Ende. Mit das Buch zum Film veröffentlicht Clemens J. Setz Notate voller Staunen, Genauigkeit und Irritation. Man folgt dem Weg vom Schüler über den unterforderten Studenten bis zum überforderten Zivildiener in einem behinderten Wohnheim. Diese Aufzeichnungen sind schonungslos und präzise. Sie zeigen Belastung und Unsicherheit, aber auch Nähe, Komik und Verstörung. Im weiteren Verlauf begleiten wir einen Autor im Werden. Aus dem überforderten Zivildiener wird ein gefeierter Schriftsteller. Die Lektüre führt durch eine Welt beiläufiger Fundstücke, luzider Beobachtungen und überraschender Gedanken und hinterlässt einen geschärften Blick für die zufälligen Schönheiten, ebenso wie für die Abgründe des alltäglichen Lebens. Lassen Sie mich zur Moderation des heutigen Abends kommen. Ich darf unseren Moderator begrüßen. Herzlich willkommen, Sebastian Fastober. Danke dir fürs Kommen. Sebastian Fasthuber, danke dir fürs Kommen. Vielen von Ihnen ist Sebastian Fasthuber als Kritiker bekannt, dennoch ein paar kurze Worte zu seiner Person. Er studierte Vergleichen der Literaturwissenschaft in Wien und schreibt vor allem für die Wiener Stadtzeitung Falter, wo er sich zwischen Literatur und Musik bewegt. Als Moderator von Lesungen ist er bei uns im Haus auch ein vertrautes Gesicht. Ich wünsche uns allen einen spannenden Abend mit Das Buch zum Film mit Clemens Jotzetz und Sebastian Fasthuber und übergebe das Wort. Vielen Dank. Danke und guten Abend auch von uns. So, wir zeigen es nochmal. Es ist wirklich ein schönes Buch. herzeigen nochmal. Es ist wirklich ein schönes Buch. Clemens Hetz hat gesagt im Vorgespräch, eines der wenigen Kaber, mit denen er wirklich einverstanden und zufrieden ist und glücklich sogar, glaube ich. Ja, ja, ja, wirklich. Ich freue mich so, dass das so aussieht, das Buch. Was ist das für ein Bild? Das Bild ist von Henri Rousseau, einem der herrlichsten Maler der Welt. Und es ist Gott sei Dank gemeinfrei, also man kann es verwenden für alles, was man will. Und ja, diese sich, also Sie können es ja anschauen, aber es sind so Männer mit Schnurrbärten und kuriosen Ganzkörper Sportkleidung und die freuen sich so über ihren Ball. Und es sollen, glaube ich, Fußballspieler sein, das sieht man gar nicht dem an. Sie sind einfach so ein Staat im Glück. Ja, dieses Glück, auch wenn es, wie wir gehört haben, ungeschönt zugeht in diesem Buch, dieses Glück findet man auch als Leser darin. Es ist, möchte ich sagen, vielleicht eine autobiografische Erzählung mit anderen Mitteln und gleichzeitig die Geschichte einer Autorwerdung. Die Jahre von 18 bis 30, im Fall von Clemens Setz von 2000 bis 2010, beziehungsweise ich glaube mit dem Neujahrstag 2011 endet das Buch. Es umfasst Zivildienst, die Studienzeit und die ersten Jahre als Autor. Altmodisch ausgedrückt wäre das die Lehrjahre eines Dichters vielleicht. Es ist eine interessante Mischform aus, da können wir später noch darüber sprechen, vielleicht, ich würde sagen, kuratiertem, ausgewähltem Tagebuch. Ja, stark. Ja, natürlich. Es ist so ungefähr, ich würde sagen, 90 Prozent weggelassen. Also es gibt so ein schönes Genre von Buchpoesie, das nennt sich Erasure Art. Also da nimmt jemand ein Buch, das es schon gibt. Zum Beispiel gibt es ein Buch, da hat jemand Paradise Lost genommen und hat dann alles ausgestrichen, bis auf so zwei, drei Wörter pro Seite. Und dann entstehen so kleine, rätselhafte neue Sätze dadurch. Das heißt, man gibt sich einfach so eine Spielanleitung vor, man hat eine Seite und dann nimmt man nur einen Satz. Und oft habe ich das wirklich so gemacht, weil ich habe sehr eng beschriebene Ringmappen, noch hunderte Seiten, und das wäre sicher ungefähr zehnmal so lang, glaube ich mal. Und halt auch viel so lamoyanter Blödsinn und Wiederholungen. Ich habe dann halt einfach das mal durchgelesen. Warum habe ich das durchgelesen? Das weiß ich eigentlich nicht mehr so genau. Ich glaube, es war so eine Vorübung, bevor meine Tochter geboren wurde, 2022. Da habe ich vielleicht um mir zu signalisieren, dass ich irgendwie okay bin mit meiner Vergangenheit oder dass hier ein intakter Mensch auf die Ankunft seines Kindes wartet. Irgendeines dieser Rätsel, dieser Mysterien wird es schon gewesen sein. Insofern hat es sich unwiderstehlich angefühlt, plötzlich diese alten Sachen anzuschauen. Na gut, und dann habe ich gemerkt, dass manchmal so ein Satz darin unverlogen war oder überraschend. Ah, das habe ich damals gedacht, interessant. Und das hat so ein bisschen kurz so herausgeblinkt. Und dann habe ich geschaut, was passiert, wenn man die Sätze rausnimmt. Und nach und nach war das dann so eine, schon wie eine Geschichte lesbare Sache. Also Stationen, es beginnt mit dem, es gibt Wiederholungen von kleinen Leuten, die vorkommen und so. Und dann, ja, dann war mit der Zeit, habe ich dann gemerkt, das funktioniert als Geschichte oder als kleiner, als autobiografische Novelle oder sowas. Wobei, der will kurz einhaken, es hätte ja, glaube ich, habe ich gehört, sprich auch eine Erzählung oder Roman wären es mal basierend auf den Notizen. Das war auch so eine Grundidee. Nein, das, also ich habe einen, ich versuche schon seit langer Zeit eine große Geschichte über meine Kindheit zu schreiben, aber das will nicht funktionieren und vielleicht wird es auch nie funktionieren. Aber das ist ein großes, langes Projekt, über das ich viel zu viel rede immer und immer ankündige. Vielleicht will ich es so ein bisschen ins to will it into being, ich möchte so ein bisschen ins to will it into being, ich möchte so ein bisschen, dass es endlich zu existieren beginnt, richtig, aber es tut es nicht. Aber das war mehr so ein bisschen unbeabsichtigtere oder so, dass man stößt auf eine Form, das ist lesbar, das hat Leben, das ist interessant. Weil die Originalaufzeichnungen wären, wenn man sie veröffentlicht, also auch mit der größten Eitelkeit von mir, also alles, was ich schreibe, ist wichtig. Selbst da wären sie wirklich nicht genießbar. Also es ist einfach, es war nicht dafür gedacht. Oder es war halt einfach zu, ich weiß nicht, wenn man Tag für Tag was schreibt, ist ja auch nicht Tag für Tag was, man hat nicht immer was zu sagen. Und in dieser totalen Nacktheit, also wenn man nur einen Satz oder einen kleinen Absatz nimmt, man schmeißt so viel Kontext weg, dass es was ganz Neues wird. Und ich glaube, das war wohl das, was es da gebraucht hat, dass es auch was Neues wird, was jetzt gemacht ist. Also ein heutiges mit Mitte 40 Effekte erzeugen damit, das ist genauso wichtig wie das Original-Tagebuchmaterial. Das dann vielleicht irgendwann später erscheinen wird, wenn es noch eine Geomagnistik gibt. Weiß nicht. Brauchst du einen Abstand von 20, 25 Jahren? Sicher, ja. Ich war zwar damals nicht sehr, in manchen Teilen habe ich mich selbst belogen, sehr stark, aber nicht in allen. Aber es braucht schon auch manchmal, glaube ich, schon den Abstand, um zumindest zu sagen, da war ich wirklich nicht ehrlich. Und da hätte man so sagen sollen und nicht so. Was zum Beispiel, wo ich gedacht hätte, dass ich unehrlicher war, war das Hadern mit dem Kinderwunsch, der natürlich eine ganz andere Gestalt bekommt, wenn sie spät im Leben doch noch erfüllt wird. Und ich war irgendwie 20 Jahre lang in einem komisch selbstverschuldet falschen Leben, in einer Stasis, die immer größer wurde. Also so ein Leben, wo man sich, ich kann es ja konkret erzählen zum Beispiel, das war so extrem, dass ich zum Beispiel mir nicht mehr im Alltag erlaubt habe, über ein Leben mit Kindern zu fantasieren, weil es so qualvoll lähmende Tagträume waren, nach nicht wenigen Minuten schon. Also habe ich mir gedacht, das darfst du nur dann, wenn du diese starke Ablenkung brauchst, und zwar weil du Flugangst hast, bei Flügen, so Langstreckenflügen besonders, da wird es mir immer ganz unheimlich. Und dann, da habe ich mir erlaubt, wie so eine Guilty Pleasure oder so, da darf ich das jetzt. Muss man sich mal vorstellen, was das für ein Mensch war. Ich staune das heute an und habe darüber kaum gesprochen, niemand habe ich gesprochen, aber im Tagebuch tatsächlich kleine Beschreibungen dieser Art von gelenktem, erlaubtem Schwelgen in einer Alternativlebensfantasie. Und es gibt heute Gott sei Dank nur im Internet, es gibt glaube ich nichts in der Literatur darüber, oder nur verschlüsselt, aber es gibt heute, Gott sei Dank, nur im Internet, es gibt glaube ich nichts in der Literatur darüber oder nur verschlüsselt, aber es gibt so Maladaptive Daydreaming, gibt es so Foren und Reddit und so weiter und da, das sehe ich da, also das ist sehr mutig, dass die Leute darüber schreiben, aber 2004 oder 2005 waren da so kleine Notate darüber. Man sagt, ah, das ist, wow, das habe ich schon verdrängt gehabt, weil es peinlich ist. Und das muss man natürlich dann nehmen und sagen, schau mal, das wird auch nicht so oft beschrieben. Und Kinderwunsch taucht relativ früh auf und ist eigentlich selten bei Männern beschrieben. Und Kinderwunsch in den Zwanzigern bei einem Mann ist auch ungewöhnlich. Überhaupt nicht. Man spricht nur darüber, aber man hat absolut das als klares archetypisches System in sich, tut alles dafür, aber dann gibt es diese seltsamen Verzögerungsfaktoren in unserer Kultur, nicht in jeder Kultur der Welt, obwohl unabhängig von Kulturen, konservativ, sehr progressiv, alles, das ganze Spektrum, tatsächlich global eine langsame Abnahme der Geburten festzustellen, ist eine Sache, die niemand erklären kann bisher. Man kann es nur lokal erklären, aber das so synchronisiert alle, mit vollkommen unterschiedlichen, sehr merkwürdig. Das ist ein Rätsel, das ich nicht lösen kann. Aber die eigenen Rätsel kann ich vielleicht schon etwas erhellen oder darstellen zumindest. Und eines der Rätsel war, warum ich da zum Beispiel mit so einer großen Sehnsucht und Angst dem begegnet bin zugleich. Das ist sehr seltsam, weil man eigentlich nicht, ich habe es nie irgendwie gelernt, außer ganz unterschwellig, oder ich weiß nicht, kann man irgendwelche Verschwörungstheorien dazu haben, warum man so ist, aber es ist sehr seltsam. Das Einzige, was ich kann, ist nicht Theorien bringen, sondern darstellen, wie es war. In der Hoffnung, dass jemand, der sich in einer ähnlichen Situation befindet, dann das wiedererkennt. Zum Beispiel, dass man, das ist jetzt nicht in dem Buch, aber wenn man zum Beispiel erzählt, mit meiner damaligen Freundin sind wir oft in das große Kaufhaus in Graz gegangen, in das große Kaufhaus in Graz gegangen, in die damals noch sehr riesengroße Kinderspielzeugabteilung, um neue Stofftiere zu kaufen für unser Bett. Ich meine, allein das ist ja erstaunlich, dass jemand auf so eine Idee kommt. Wir brauchen für unser, warum braucht es Bett? Nein, wir haben im Leeren fuchtelnd nachgebaut, was beide wollten, aber es kam absolut nie dazu. Es war vollkommen undenkbar. Warum ist es undenkbar? Es war nicht undenkbar, es ist auch falsch gesagt. Also Lott, das ist eine seltsame Lähmung, die da viele Menschen offenbar erleben. Und wenn man heute redet mit Männern, haben sie gesagt, Männer, die dann Kinder hatten, irgendwann sagen, ja natürlich, 20 Jahre habe ich daran gedacht, ich habe Leute beneidet, habe mir alle möglichen Panzer angedeihen lassen. Die, die verharren in der, so wie ich das vor 20 Jahren gemacht habe, die können sich, das kann man nicht verlangen, dass sie sagen, ja, ja, ich leide furchtbar, das kann man von niemandem verlangen. Wenn man die fragt, sagen sie, nein, nein, ich bin childfree, das passt wunderbar, ich kann so viel mehr machen mit meinem Leben, ich habe so viel mehr Zeit. Aber in meinem Fall war es tatsächlich nicht ehrlich. Wenn es ehrlich ist, wunderbar, zu dem predige ich gar nicht. Ich sage nicht, dein Leben ist falsch oder irgendwas. Aber mein Leben war tatsächlich falsch in der Hinsicht. Und das kommt da zum Beispiel in den Aufzeichnungen immer wieder mal raus. Und das habe ich gar nicht geahnt. Ich habe gedacht, nein, nein, nein, das ist sicher verschüttet oder so. Und da kam es dann wieder. Und dann habe ich gesagt, die fast schon psychopathisch, also ein Abgleiten in Menschen, Mitmenschen als Werkzeuge sehen, was ich heute sehr unheimlich finde. Also was muss ich machen, damit der... Das war phasenweise so. Dann denkt man, das ist interessant, dämonisch. Mein Schatten, würde man vielleicht sagen. Das auch behalten, das tun wir auch rein. Und dann vielleicht so Sachen, wo... Kleine Episoden in meinem Leben, die man nicht in eine literarische Sache verwandeln kann, weil sie einfach zu unplausibel sind. Man kann ja nur literarisch beschreiben, was einigermaßen glaubhaft wirkt. Aber das Leben ist überhaupt nicht glaubhaft. Da passieren die absurdesten, unplausibelsten Zufälle manchmal oder auch manchmal sind Sachen, die man erlebt, so übertrieben überdeutlich. Also dann kommt das und dann noch einmal, wenn man das einem Lektor vorlegt, sagt er, nein, das ist übertrieben, das ist zu plakativ, so läuft es einfach, das Leben ist die ganze Zeit so. Das, was wir für realistisch halten oder der Realismus, ist so ein Mittelwert. So würde ich es auch gesehen haben, so haben es die meisten auch irgendwie erlebt und denen fehlen eben diese statistischen, unplausiblen Ecken und Zacken. Und ja, so was hat auch nur in so einem Buch dann, das man einmal im Leben machen kann, die einzige Heimat, so wirklich Sachen, wo man denkt, das ist wirklich passiert, ich möchte es mal erzählen, aber ich kann es nirgends sonst unterbringen, weil es halt so passt nur da, wo die Spielanleitung mit erzählt, ja, das ist wirklich passiert, ich habe das erlebt, es erscheint mir auch nicht plausibel. mir auch nicht plausibel. Warum dann eigentlich der, für mich war es schon, das ist ein super Titel, aber fast schon so bescheidener Titel, das Buch zum Film. Das Buch zum Film legt ja fast, nein, das ist ein sekundäres Werkhandel, irgendwie so ein Nebenwerk. Früher waren das so Nebenprodukte, meine Kinder zu Blockbustern, das waren dann Bücher, man war dann enttäuscht, weil das Buch war nicht so toll wie der Film. Ich habe die geliebt, diese Bücher, die waren so witzig, weil da war immer irgendein Buch, ein Blockbuster-Film, der nicht auf einem Buch basiert. Es gab sogar Serien wie X-Files und dann gab es Bücher zum Film von dem da sogar. Und da hat jemand einfach den Film oder das Drehbuch zugeschickt bekommen und gesagt, jetzt mach was draus. Einfach so, das machen wir dann so in der Welle des Erfolgs. Und die waren immer so unbelebt, diese Bücher. Es ist sehr, sehr lustig, die zu lesen. Ich habe so eine kleine Sammlung davon immer noch, so aus den 90ern. Weil halt die Filmdialoge erkennbar drin sein müssen für die Fans des Films und der Rest ist halt so Schotter. Und der wird wirklich aber auch so geschrieben. Also heute würde man vielleicht sagen, es liest sich wie KI oder so. Aber es ist wirklich lustig zu lesen. Und das war irgendwie immer in meinem Kopf, so ein Buch zum Filmmachen mal. Und das passte da da gut weil es gibt halt so einen eine uhr ein uhrwerk also ein urtext oder eine sache die dies das eigentliche ding und da ist es so dass weiß nicht dass das der derivat davon dass man ja genau und ich mag dieses Buch zum Film, ist einfach auch so etwas, was nicht irgendwie ein eigenes Leben hat. Man hängt an einem großen Dynamo, der einem hoffentlich mit Strom versorgt, aber irgendwie ist man halt selber nicht fähig, sich zu bewegen. Und es passt ja auch gut zum Buch, weil es irgendwie so an meinem Leben wirklich so dranhängt, wie ein kleiner Parasit einfach. Klingt ganz albern, aber... Sie merken schon, wir reden viel, aber es wird... Clemens hat noch nicht aus dem Buch gelesen. Es hat nicht viele Lesungen noch gegeben aus dem Buch und es ist wahrscheinlich, weil es einerseits weit weg ist und doch schwierig, daraus zu lesen, auszuwählen? Drei Mal habe ich, glaube ich, daraus vorgelesen. Es ist schon ein bisschen schwer, weil es so kurze Notate sind. Man sagt mir, dass man es leise viel besser lesen kann. Es kann sein. Aber ich lese vielleicht einfach mal das erste Jahr. Das sind eh nicht viele Seiten. Oder, ja gut, das sind nur drei Monate und dann so ein bisschen weiter noch und schauen, wie sich das so liest. Also ja, es sind so Notate und das ist aber, liegt gar nicht jetzt in der Form, weil nämlich zum Beispiel Stefanie Sagnage, die hat ja auch die ersten drei Bücher, glaube ich, Binge Living, Fitness und Statusmeldungen, meine drei liebsten von ihr, die sind ja auch so aus Facebook, also Facebook-Tagebuchform eigentlich mit Datum und so. Und wenn sie das liest, ist das mitreißend. Also es liegt nicht in der Form, sondern es liegt an mir irgendwie einfach. Wir schauen mal, wie sich das anfühlt. Es beginnt im Jahr 2000, kurz vor meinem 18. Geburtstag. Da war ich wirklich noch sehr jung. Der erste Eintrag ist auch eine Notiz von mir jetzt. Der allererste Eintrag im ersten Heft besteht aus der Überschrift Sender Frequ und sollte wohl eine Liste von Frequenzen enthalten. Zum Schulabschluss hatte ich einen Weltempfänger geschenkt bekommen, mit dem ich mich jede Nacht stundenlang beschäftigte. Die angekündigte Liste blieb allerdings leer. die Liste blieb allerdings leer. Das ist auch etwas, wenn man es erfinden würde, ist es ein bisschen zu aufgelegt. Man kriegt einen Weltempfänger zum Abschluss, das sehr symbolisch aufgeladen und dann auch noch, schreibt man rauf, hier sind die Frequenzen so meiner Lieblingssender, dann kommt aber nichts und dann kommen die ganzen Einträge, was man so erlebt hat. Aber so ist es drin, aber ich hätte es nicht so erfunden. Also dann lese ich jetzt die ersten. Man sieht sich, sagte M. Seid ihr nie wieder gesehen? Dann ihr Foto verloren, jetzt selbst die Erinnerung an ihr Gesicht unscharf und cartoonhaft. Was ist das mit mir und Gesichtern von Leuten, die ich gern mag? Nur die, die ich hasse oder verachte, kann ich im Gedächtnis vollkommen klar vor mir sehen. Aber kaum bin ich mal verliebt, nur noch schemenhafte Bilder. Ich will ein scheiß Pferd durch einen dieser scheiß Christbaum-Netzspender ziehen. Bananen werden neuerdings immer schneller schwarz und alle Grünphasen kürzer. In einem Kaleidoskop bestattet werden als wabenförmig aufgesplittert gespiegelte Asche. Treffen mit ein paar Leuten aus der Klasse, im Café immer voll. Früher dort immer Pool und Snooker nach der Schule. Wir wussten alle nicht mehr, was miteinander reden. Schließlich sprach einer plötzlich Englisch, aber auch das brachte nichts. Die Matura wirkte bei uns wie der Vergessensstab in Men in Black. Danach einfach keine Erinnerung mehr, kein Kontakt. Steve Reichs Music for 18 Musicians, mein bester Freund. Steve Reichs Music for 18 Musicians, mein bester Freund. 8. September, Odilien-Institut, St. Leonhard, beim Leiter, Herr M., Termin fürs Befürwortungsschreiben. Ich schauspielere abenteuerlich den braven Knaben, sehr engagiert, und rede in Piepsestimme. Ich werde angestellt als Hilfsbetreuer für einen Monat, der mündet dann direkt in den Zivildienst, das heißt von normal bezahlter zu fast unbezahlter Arbeit. Man zeigt mir zwei Kinder, die keine Familien haben und deshalb einfach im Seniorenheim wohnen, in zwei identischen Gitterbetten, zweiter Stock. Entsetzt, so ein Schicksal ist mir unbegreiflich. Dazu Halluzinationen wegen Schlafmangel. Ich sah verkleinerte Kopien des einen Jungen in 3D nachzappelnd bei der Steckdose. Es muss der Schlafentzug sein. Toni L. führte mir den Mageneingang und noch einen zweiten, einfach halb offen gelassenen Eingang auf dem Bauch des Jungen vor und sagte, und da kommen Fürze raus. Ich hatte damals wirklich viele Halluzinationen im Alltag, die ich natürlich auch nicht sagen konnte. Man hat ja Angst. Die sind schon lange verschwunden, aber ich hatte das echt viel. Und glaube seither, dass das wahrscheinlich alle haben, irgendwann mal. Meistens so kleine Kopien von Menschen, die dann so weiter sich bewegen. Albträume von den verdrehten Kindern im Institut. David hat als Kombination Glasknochen und spastische Lähmung und kreischt den ganzen Tag vor Spannung und vor Schmerz. Er kann nichts schlucken, aber ich bekomme die Aufgabe, ihm mit einer Zitrone etwas Saft auf die Lippen zu träufeln. Er dreht völlig durch vor Entsetzen, fällt mir sogar aus dem Stoffring, in dem er immer liegt. Ein großer schwarzer Fleck erscheint auf der Wange. Schlimme Szene mit seiner Mutter, als sie ihn abholen kommt. Ich will nur noch nach Hause. Jeden Morgen zur Arbeit gehen, wie ins Exil. Das ist ein dramatischer junger Mann, der Pathos. Nachts hörte er auf dem Weltempfänger die am weitesten entfernten Radiostationen. Das waren die schönen Stunden. Herr H., der Professionist des Odilien-Instituts, ist nett. Vor seinem Assistenten D. habe ich Angst. Frühstücken im Häuschen. Dabei wird die Kronenzeitung mit vereinten Kräften durchgeblättert und kommentiert. Dann kriege ich eine Schaufel gereicht und schaufle den ganzen Tag irgendwas. Es hört nie mehr auf. Ich schaufle und muss mich zwischendurch vergewissern, was ich da schaufle. Zumindest sind es nicht Zähne, wie in Krabat. was ich da schaufle, zumindest sind es nicht Zähne wie in Krabat. Auch abends beim Einschlafen und sogar im Traum schaufle ich in Gedanken weiter und weiter eine Art Ganzkörper-Ohrwurm der Glieder. Mein Gott, schaust du krank aus, sagte die Betreuerin der S-Klasse, das nannte man die schwerstbehinderten Integrationsklassen, als sie mich heute zum ersten Mal sah, auf dem Nachhauseweg beim Moser drei Romane von Dostoevsky. Messerattacke unter den Buben beim Frühstück im Internat. Einer stach plötzlich zu, wild schnaubend. Er wurde vom Erzieher in einen Raum geführt und zurechtgewiesen. Hinterher entschuldigte der Junge sich bei allen, auch beim Messer. Meine Aufgabe ist es, eines der Volksschulinternatskinder, das im Rollstuhl sitzt, um 6.30 Uhr in der Früh zu wecken, zu waschen und zum Küchentisch der kleinen Wohngruppe im obersten Stock zu geleiten. Jeden Morgen erschrickt der Junge heftig, weil er mich nicht kennt. Die Ankündigungen durch den Erzieher und meine eigene Begrüßung und Vorstellung sind in seinem Kopf nur ungenau oder vielleicht überhaupt nicht abgespeichert worden. Diese entsetzliche Angst in seinem Blick, während ich ihm ruhig erkläre, wer ich bin. Ob er selbst sprechen kann, weiß niemand zu sagen. Er setzt manchmal dazu an. Ich wurde gewarnt, dass er nach dem Aufstehen gern mit seiner Scheiße wirft. Ein Mädchen nannte mich Mama, als es mich heute von hinten sah, die langen Haare. Man lässt mich völlig ohne Einschulung Kinder via Magensonden füttern, mit dem Hinweis, es sei niemand sonst da, der Zeit dafür hat. Ich mache andauernd alles falsch, hinterher vertuschen alle alles. Abends stehe ich an der Haltestelle und werde von Wahlkampfplakaten angestarrt. Oktober. Warum verlieren die Kinder in den S-Klassen andauernd Zähne? Oder ist das normal in dem Alter? Aber sie sind ja ganz verschieden alt. Ein Mädchen sieht wahnsinnig unterernährt aus, mit eingefallenen Wangen, aber man versichert mir, das sei angeboren, ein Problem mit dem Fettstoffwechsel und daraus erklären sich auch ihre neurologischen Schäden. Sie bekommt als einzige kein Mittagessen und keine Jause, liegt den Vormittag lang jammernd da. Sie knirscht erstaunlich laut mit den Zähnen. Es ist ein Spiel, mit dem sie sich selbst unterhält. Wenn man sie anfasst und sie das nicht will, knirscht sie lauter, alarmierter. Zwischendurch habe ich immer wieder kleine Gedichte geschrieben, hier zum Beispiel eins. Wofür ich auch immer verantwortlich bin, kein Ding hier im Zimmer ergibt einen Sinn. Der Profi macht's ohne Handschuhe. S-Klassen-Betreuerin M. über das Klo-Training. Ich wurde heute vollgeschissen, den ganzen Unterarm voll, der Geruch war giftig. So sieht jetzt für ein ganzes Jahr mein Leben aus, von 6.30 Uhr bis 16 Uhr. Da habe ich noch gejammert darüber, man gewöhnt sich schnell an das und das ist gar nicht so schlimm. Aber da war ich noch entsetzt. sich schnell an das und das ist gar nicht so schlimm. Aber da war ich noch entsetzt. Allerdings, was da kommt, da war ich wirklich bleibend und bis heute entsetzt. Ein Kind im Institut ist gestorben. Hinterher versuchte ich, Gedichte darüber zu schreiben, wie ein kompletter Psychopath. Nach dem Tod des Kindes trat er, auch komischer Moment, dass ich da auch nicht ich sagen konnte, trat er aus Rache gegen diesen Skandal auf seinen Balkon und spitzte dort seine Bleistifte, einen nach dem anderen, vor dem riesigen, mehlweißen Kleinstadthimmel. Eine Packung Ferrero Rocher zertreten, jede einzelne Kugel am Asphalt, zack, zack, zack, die Kindheit ist vorbei. Sich die fiebrige Stirn an einer Statue kühlen. A, ein jüngerer Bewohner des betreuten Wohnheims, hat laut seiner Krankenakte ein Syndrom X, das heißt, er verliert aus unbekannten Gründen nach und nach immer mehr an Bewegungsfähigkeit. Es ist nicht ALS, auch nicht MS, sein Gehirn erscheint auf Bildern normal, Tests unklar. Vor einem Jahr konnte er noch an Krücken gehen, inzwischen ist er weitgehend unbeweglich. Sprechen kann er noch ganz weich und leise, konsonantenlos, aber ich verstehe ihn mit der Zeit immer besser. Nachmittags bleibe ich jetzt freiwillig länger und passe auf die Camilla auf. Ganz entzückendes Mädchen, allerdings ohne jede Sprache und schwer lernbehindert. Sie reicht mir Duplo-Steine weiter, die sie an der Nase reibt. Mehr tun wir nicht. Duplo-Stein anreiben und mir weiterreichen. Ich lege den Stein wieder zurück in die Schale und so weiter, immer weiter. Meine Hände riechen bis zum Abend nach ihrem Speichel. Niemand kennt den diesjährigen Nobelpreisträger für Literatur. Sein Name im ORF-Teletext. Ich finde es witzig, dass man noch nie von ihm gehört hat. Wie ein geglückter Zaubertrick. Mein Trakel fiel mir heute auf dem Mistplatz in die Scheibtruhe, alles ziemlich zermürbender Slapstick. Da habe ich zum Beispiel gedacht, schade, mein Trakel fiel mir heute auf dem Mistplatz in die Scheibtruhe. Ist eigentlich eine gute Satzkadenz, hat eine schöne Melodie der Satz. Ein blinder Junge in der Musik-Frühförderklasse masturbiert die ganze Zeit und man hat aufgegeben ständig seine Hände wegzuziehen. Während er sich besessen bearbeitet, rinnen ihm Tränen über das Gesicht. Eines der S-Klassenkinder hat einen ungewöhnlich flachen Schädel, als wäre er an den Seiten zusammengedrückt worden die augen sind seitlich können also nur wie bei einem fluchttier in ganz verschiedene richtungen blicken an der tafel im klassenzimmer stehen manchmal mit kreide geschriebene wörter oder zeichnungen vielleicht alles fernes ziel auf das wir hinarbeiten sollen sonst betreuen wir ja nur die kinder die verdreht am boden auf decken oder in gitterbetten liegen. Mehrere knirschen laut mit den Zähnen, haben sich diese Fertigkeit antrainiert als Möglichkeit eines nonverbalen Selbstgesprächs. Anschreien gegen den fressfeindförmigen, hitlerfarbenen Himmel. Ich fand bei Moser sogar ein Buch des diesjährigen Nobelpreisträgers Gao Xinjian, Auf dem Meer, kurze Geschichten. Die beste beschreibt einen Mann, der mitten im Schwimmen einen Krampf erleidet und dann einfach so dahin treibt. Er massiert sich den Bauch, um die Muskeln weich zu bekommen. Gedanke an meine spastischen Kinder im Institut. Da waren es schon meine spastischen Kinder. Ich habe sie sehr, sehr lieb gewonnen und traue immer noch nach, dass ich sie danach aus den Augen verlieren musste. Es ist ja auch nur ein Monat vergangen schon, da pflegt man einen anderen Mensch zu werden. Ich weiß nicht, ob das kurz passt. Vielleicht passt es eh so als Einblick. Es geht eben lang noch so weiter. Ich will nicht zu lang vorlesen. Interessant, weil es einerseits schon diese Anfangszeit, diese geschilderte Überforderung, es ist der Text, ein bisschen Verarbeitung dessen, was passiert ist, aber man merkt auch schon die literarische Ambition. Ja, ich glaube schon, dass es gedacht war. Ich habe auch immer so Gedichte geschrieben währenddessen und so. Und das war schon so, ja, es fühlt sich richtig an, das dann in so eine Form zu gießen, eine Pointe zu setzen und so. Das habe ich nicht jetzt nachträglich gemacht, sondern es waren halt so die, man merkt schon, dass will jemand das bewältigen irgendwie. Und ich war überwältigt. Also es war dann meine erste große Verliebtheit, die erste Liebesgeschichte im Leben, die ich erlebt habe, die auch mit jemandem im Institut hat. Ich war wirklich einfach von einem sehr, sagen wir mal, zumindest was Emotionen angeht, abwechslungslosen Leben vorher. Ein bisschen Außenseiter, ein bisschen wenig Freunde, nicht viel Computer und Computerspiele. Und dann plötzlich da, und das war vollkommen überfordert, also ein Überangebot an neuen Empfindungen. Väterliche Gefühle zum ersten Mal, glaube ich mal, zumindest vielleicht nicht so ganz ausgewachsenen noch für einen 18-, 19-Jährigen, aber dass man halt Kinder betreut. Das habe ich auch nie müssen vorher. Ich habe keine Geschwister, keine kleineren oder so. Aber man macht da so monatlich einfach plötzlich solche unglaublichen Verwandlungen durch. Und danach war das nie wieder so stark, bis auf dann das Jahr, wo meine Tochter geboren war. Logischerweise weiß jeder auch, dass man da eine starke Verwandlung durchmacht. Aber das Bewältigen durch so ein bisschen Literarisches, das richtig Einfangen, bisschen literarisches, das richtig einfangen, ausgesuchte Wörter suchen, die Farbe des Himmels und so, das war wohl aus dem Grund, glaube ich. Ist auch kein exotischer Grund für Literatur. Oft macht man Literatur, damit man irgendwas aushält oder überschaubar macht. Wenn man es irgendwie so als Erlebnis im Kopf hat, ist es oft so tosend und gewalttätig und unbewältigend. Dann muss man es irgendwie so in eine Form bringen, wie es oft einfach ist. Man kann es von außen anschauen, Leuten zeigen und ja, könnte man sagen, ist sicher literarische Ambition. Obwohl da habe ich noch ganz ehrlich noch keinen Gedanken gehabt an das, das möchte ich als Beruf haben. Aber als Leidenschaft war es da. Lesen und so ganz viel, ja. Sonst wäre ja das Lehramtsstudium ein Umweg gewesen. Das war noch nicht vorhanden. Nein, gar nicht. Ich wollte wirklich Lehrer werden. Ich glaube nicht, dass ich mir jeden... Ich habe gar nicht gewusst, dass das... Ich habe schon gewusst, dass es Leute gibt, die davon leben und so. Und ich kann ja heute auch nicht wirklich davon leben. Also konstant, momentweise. Also ein halbes Jahr mal so und dann muss man was anderes machen. Aber ich bin darin schon ziemlich gut. Also ganz viele so kleine Minijobs haben wir, verschiedenste. Das geht gut. Aber trotzdem war ich eigentlich von der Fondation, ich möchte Lehrer werden. Auch interessant, weil ich war wirklich überhaupt nicht begabt für Lehramt. Also das ist nicht kokett oder so, ich bin so blöd. Ich habe wirklich keine, also ich habe das nicht können. Aber irgendwas an mir wollte wohl, ich weiß nicht, so ein bisschen Armchair-Psychology-mäßig, vielleicht wollte ich, war ich eher so an Reifungsprozessen. Vielleicht habe ich die gebraucht. Ich weiß nicht, was es ist. Ich war sehr angezogen magnetisch von Schule. Ich wollte wieder zurück vielleicht. Ich weiß nicht, was es war. Man muss es gar nicht so psychologisch ausschlüsseln, aber ich wollte unbedingt Lehrer werden. Mathematiklehrer auch unbedingt, ich weiß nicht warum, genau, ich war auch nicht begabt dafür, und es wäre vielleicht gegangen, aber dann ist es mir auch irgendwie plötzlich unmöglich geworden, das Studium, später dann, nach so drei, vier Jahren. Das hatte gleich ganz komplizierte Gründe, die aber da drin auch erzählt werden, und lustigerweise habe ich sie später einfach nur, weil man ja nicht ständig leite mit komplizierten Dingen. Ich habe immer erzählt, ja, dann habe ich meinen ersten Roman geschrieben und dann habe ich mal vergessen auf das Studium, habe dann ein Jahr lang keine Prüfungen gemacht und dann habe ich es abgebrochen. Das stimmt nur von außen betrachtet. Innerlich war das ganz was anderes. Aber es ist viel komplizierter, das Innerliche. Und wann es einen interessiert, ist es da auch so ein bisschen drin. Und es ist auch sehr peinlich und sehr schwer erzählbar und berührt viel so ein bisschen Tabuzonen. Leben mit jemandem, der schwer krank ist zum Beispiel. Meine damalige Freundin war chronisch krank, sehr dramatisch. Und es ist immer schwer, darüber zu erzählen. Da habe ich es mal probiert. Ich glaube nicht, dass es vollkommen gelingen kann. Aber es ist zumindest mein einziger Versuch, das mal zu erzählen. Nein, nicht der einzige Versuch, aber der einzige, wo ich es autobiografisch mache. Ja, bei mir habe ich voll vergessen, was die Frage war ursprünglich. finde ich großartig geschildert, diese, wie man jetzt sagen würde, Angststörungen, Panikattacken, wie sie dann immer das so erlebt, als hätte sie das in jedem Moment, als wäre die Angst in jedem Moment da. Innerhalb einer solchen Attacke oder so einem. Und es gibt schon andere Momente, die sie aber dann in der Zeit vergisst, vergessen. Das ist eigentlich unheimlich. Ja, es sind Sachen, die ich bis heute nicht verstehen kann. Und wahrscheinlich, wenn man die Person fragen würde, ich sage nichts über sie jetzt privat, das war nur mein Eindruck da. Es ist auch halt anonymisiert da, ohne Hinweise. Ich habe extra Leute darüber lesen lassen, ob man das zurückverfolgen könnte. Das darf man natürlich nicht. Aber das Phänomen, diese Ur-Erfahrung, dass man in einer gewissen Weise weniger vorhanden ist, als Menschen sonst für Partner vorhanden sind. Dass man sehr, also, sehen Sie, ich stotter herum, es ist wirklich schwer, aber wenn man dann die Originalszenen einfach so erzählt bekommt, verblüfft und ohne Erklärung, ist es, glaube ich, leichter zu verstehen. Wenn ich es jetzt sozusagen nachbeschreiben soll, ist wirklich, also ein Beispiel. Viele Leute kennen das, man kommt mit jemandem zusammen, romantisch, und man ist dann in einer Partnerschaft und dann erlebt der Partner oder die Partnerin eine Verwandlung. Es gibt irgendeine Art von einer chronischen Krankheit zum Beispiel. Und dann ändert sich nicht nur das Bild, das die plötzlich auf einem anderen Planeten lebende Person von einem selber hat, sondern auch die Vergangenheit wird neu geordnet nach den Parametern der Krankheit. Panik, schwere Depression, Verfolgungswahn, solche Sachen. Panik, schwere Depression, Verfolgungswahn, solche Sachen. Interessant, ich habe es ja nicht zum ersten Mal erlebt, sondern auch mit meinem Vater, der auch eine Psychose hatte leider und da auch die Vergangenheit anders gesehen hat. Ich war interessanterweise im Training, was möglicherweise auch die ursprüngliche Anziehung war. Aber das ist eine ganz merkwürdige Erfahrung, dass nicht ich bin mehr Herr über meiner Vergangenheit. Sie ist frei entwerfbar und wird aufrichtig verfochten und ohne manipulative, verbrecherische Energie anders empfunden und kann dann aber auch wieder rückgängig gemacht werden. Und das heißt, nichts, was man gemacht hat, ist jemals in so eine unsichtbare Bank eingezahlt worden, wo es noch verlässlich am Konto liegt. Alles wird täglich neu erfunden. wirklich neu erfunden. Eine Art von Totalamnesie, die aber nicht wirklich eine Amnesie ist, sondern die schon sich bewusst ist, das Ganze. Es ist so eine unheimliche, seltsame Sache, über die man nur sprechen kann, wenn man in Kauf nimmt, dass man total übergriffig klingt und peinlich und lamoyant und ich bin der Arme, obwohl der andere Mensch ja viel Ärger leidet. Es gibt nichts anderes da, leider. Man muss da ganz in dieses Jaxer da rein und einfach als Versagen probieren und dann vielleicht kommt da was darüber. Aber die Erfahrung ist so unheimlich und so geht so tief, verletzt einen so tief, dass es auch stumm macht, komplett. Eben wegen dem Primat oder wegen der existenziellen, ewig uneinholbaren Vormachtstellung der Krankheit. Kulturell, gesellschaftlich und privat. Die Krankheit hat immer Recht. Gerade eine Angstkrankheit. Man kann nichts tun, man kann nichts helfen. Es ist eine Art von religiösem Leben. Unfreiwillig, aber man rutscht da rein. Aufgrund von Liebe oder Treue. Weil man einfach da ist. Das hätte ich auch niemals in einem Roman, glaube ich, wollen. Das wäre viel zu schwierig. Da muss man eben alles erklären. Wer sind die Leute? Das kann funktionieren, glaube ich. Aber da war es dann einfach so, kleine Notiz darüber, oh, interessant, da muss man rein. Und bla bla bla, irgendwelche anderen Sachen. Oh, ich bin nicht berühmt genug, meine Gedichte druckt niemand. Schön und gut, nice, aber junger Mann, brauchen wir nicht hören, gehen wir weiter. Und dann kommt wieder was über das. Und so habe ich es dann ausgewählt. Es ist natürlich mein Leben nicht so interessant, wie das da war. Das sind mehr so die stärksten Stromstöße oder so. Das ist nicht repräsentativ. Das Leben gibt auch dann viele langweilige Tage. Aber ich wollte irgendwie so das nehmen, was mir am schwierigsten mitzuteilen ist. Auch zum Beispiel, wenn man so als junger Mensch da plötzlich Kinder betreuen muss. Wenn ich das als Novelle oder so, dann müsste ich ganz viel erzählen drumherum und man müsste irgendwie sehr viel. Da war es dann einfach gleich so als Material da. Es hat irgendwie so eine eigene, eben weil es nichts erklärt, hat es eine gewisse Erklärung, Klärmöglichkeit, paradoxerweise. Wenn man so erklären beginnt wie jetzt, merkt man, das misslingt. Man kann nicht anders, aber ja. Bücher sind oft nicht so gut durch ihre Zusammenfassung ersetzbar. Die guten Bücher sind nicht ersetzbar. Vielleicht auch die schlechten auch nicht. Ich habe lustigerweise gerade ein kleines Projekt über Zusammenfassungen von Geschichten, von großen Geschichten, die auch sehr lustig sind. Eine Zusammenfassung schreiben ist eigentlich was total Lustiges. Und es ist ja die vorherrschende Textseite unserer Gegenwart, weil ja die KI immer Zusammenfassungen liefert, endlos. Und wir sagen immer, ich bin zu faul, das zu lesen, fass mir das zusammen, Grog oder Claude oder Chachipiti oder so. Und es ist eine sehr potente Form eigentlich, es kann sehr viel, ein großes poetisches Potenzial, aber wie gesagt, da würde ich es nicht dem angedeihen lassen wollen. Eine vielleicht blöde Zusammenfassung dieses Buches wäre, dass man eigentlich der Figur in den ersten Jahren, Zivildienststudium, eigentlich, finde ich, mehr passiert als danach. Also der Schriftsteller reist zwar dann herum, die Unternehmen die erste reißen, aber das Leben wird irgendwie ereignisloser. Ja, schon, auch abgekühlter. Die brennenden Sehnsüchte sind unerfüllt geblieben. Das Leben hat die Antworten nicht gebracht, die der junge Mann hatte, auf die Fragen. Und inzwischen schon. Man hat länger warten müssen. Aber inzwischen nicht nur die Kinder, aber auch viele andere Sachen. Aber ja, das stimmt. Das hört dann da auch auf. Es ist auch ereignislos, weil es vor allem, also es gibt dann schon die Jahre 2007, 2008, 2009 und 2010 und die waren wirklich intensiv, da habe ich Bücher geschrieben tatsächlich, die ganze Tag, nächtelang und so, wie man es am Anfang macht, so sehr viel. Und das habe ich aber dann nicht ins Tagebuch geschrieben. Also ich habe jetzt ein Buch geschrieben. Das kommt einem kaum vor. Also ich war erstaunt, weil ich war eigentlich damals schon, logischerweise, dem sehr zugewandt. Ich war, wie soll man sagen, fleißig oder engagiert oder was auch immer. Ich habe versucht, das zu, aber irgendwie hat sich dann nichts niedergeschlagen davon im täglichen Tagebuch. Und ich habe nichts dazu erfunden. Außer lustig fand ich dann so kleine Sachen von der Buchmesse, wo ich zum ersten Mal auf einer Buchmesse war und da halt dann es war zufällig das Jahr, wo auch der Thomas Glavinitsch ein Buch hatte und alle irgendwie über ihn gesprochen haben und waren so verliebt in ihn alle und ich habe irgendwie drei Leute getroffen, die mit ihm im Bett waren und haben das stolz erzählt und das schönste Erlebnis und ich habe gesagt, ah, das gibt es da in dem Literaturbetrieb, der ja auch so gern klatscht und so. Ich war bisher dann gar nicht so, und das schönste Erlebnis. Und ich habe gesagt, ah, das gibt es da in dem Literaturbetrieb, der ja auch so gern klatscht und so. Und ich war bisher dann gar nicht so, und das ist natürlich lustig, dann habe ich auch reingetan, extra solche kleinen Sachen, diese Glavinitsch-Verehrung damals und so. Ich meine, warum nicht? Braucht es halt so eine Figur auch. Ich hoffe, er schreibt noch ein Buch mal oder veröffentlicht es, keine Ahnung. Aber hat dann mit der Zeit des eigenen Publizierens das Tagebuchschreiben, Notieren nachgelassen? Gar nicht, nein, überhaupt nicht. Bis heute. Aber jetzt inzwischen schreibe ich es so, dass es nur noch privat verständlich ist. Also inzwischen ist es ein Tagebuch, so ein richtiges. Damals habe ich es wirklich so auch erklärt, wen meine ich und so. Das ist der Angestellte da, ich spreche mit dem, meinem ehemaligen Professor. Heute ist es wirklich nur so in so Kurzform, dass man halt nachschlagen kann, was war da. Und halt Philippe als Kind und so, das ist etwas, was man halt so ins Tagebuch schreibt. Heute ist es, glaube ich, abgekühlt zu einer normaleren Gebrauchsform, die jetzt nicht irgendwie publiziert werden muss, wo es auch gar nichts hergeben würde. Aber das hat nie aufgehört. Es ist einfach eine gute, glaube ich, sehr, ich weiß nicht, ob es gesund ist, aber es wirkt irgendwie, glaube ich, ganz so gute Balance Tagebuch. Und man kann auch dann, wenn man gestorben ist, daran, wird das irgendwie in einer KI füttern und man kann dann reaktiviert werden. Das habe ich probiert in meinem Buch BOT. Damals gab es noch gar keine KI, war kurz davor. Gut, dass ich das gemacht habe, bevor es das gibt. Da habe ich das einfach so gemacht. Es gibt so eine Frage, so ein Interviewband habe ich gemacht, aber ich habe nicht geantwortet, sondern das Tagebuch hat geantwortet. Das Buch heißt BOT. Also ich bin dafür, dass jeder Mensch viele tausendseitentext hinterlassen sollte über sich, einfach nur damit man ihn reaktivieren kann, wenn er nicht mehr da ist. Das ist gut. Das muss man ja auch gar nicht allzu unheimlich Black Mirror-Zombie-mäßig angehen. Man kann das irgendwie klein und kontrolliert und so, dass es nicht auch diesen Trennungsschmerz von der verstorbenen Person damit zu sehr triggert. Aber einfach noch, dass gewisse Weisheiten, die nur die eine Person gewusst hat, was auf jeden Menschen zutrifft, vielleicht noch zugänglich bleiben und nicht erfochten worden sein mussten zu Lebzeiten durch, was weiß ich, Berühmtheit oder durch irgendeine Bedeutsamkeit oder durch Reichtum oder Bücher geschrieben hat, sondern bei jedem Menschen. Das wäre eigentlich voll super. Dafür ist die KI auch möglich, aber dafür wird sie nicht verwendet. Sie wird nur für ganz was anderes verwendet, für ganz sinistere, dumme Sachen momentan. Was auch geblieben ist, glaube ich, der Welteempfänger, der am Anfang steht, ist ja Ja, bis heute. Ich höre es immer noch. Ob jetzt Welteempfänger, dem am Anfang steht. Ja, bis heute. Ich höre es immer noch. Ob jetzt Wellempfänger oder Podcast oder Musik, welche Bedeutung hat das? Musik spielt auch immer wieder eine wichtige Rolle im Buch. Man kann es auch als Musikempfehlungsschatz lesen. Susumu Yokota, den kennt eigentlich kein Mensch. Ah, ist doch großartig, oder? Ja, liebe ich sehr. Ich habe gar nicht gewusst, dass er so lange tot ist. Er ist schon auch 20 Jahre tot. Aber das ist einer meiner Liebsten, so ein Sample-Gott einfach, der einfach Sachen, Samples nimmt. Ich glaube, dass der jemals ein eigenes Musikinstrument gespielt hat. Vielleicht bisher die frühen Sachen. Aber er hat immer so Samples und macht daraus ein neues Werk. Wenn Sie mal mögen, geben Sie das bei Spotify einfach Sakura. Also so wie die Kirschblöte auf Japanisch. Sakura, das ist ein Album von Susumu Yokota. Jeder Track drauf ist echt magisch, seltsam und wunderbar. Und ja, diese Fännis, das habe ich auch mal sehr gern gehört. Und inzwischen liebe ich auch sehr Neues Musik. Das habe ich so vor zehn Jahren entdeckt. Late to the Party, aber jetzt sehr begeistert. Ich habe auch gerade eine Novelle geschrieben, die auch im Herbst erscheint, bei Surkamp, die heißt Mein Leben als neues Band, die so ein bisschen meine Liebe nicht nur zu dem Genre da feiert, aber ja, das erscheint mir die herrlichste Erfindung der Welt manchmal, obwohl es halt so abschreckend ist. So Power, wie heißt das, Harsh Noise. Wann gibt es Stille? Stille? Oh, Stille ist in mein Leben zurückgekehrt. Vor sieben, sechs, sieben Jahren. Ich hatte nach einer Mittelohrentzündung mit 16 hatte ich einen Tinnitus. Und der ist nie wieder weggegangen. Der war ziemlich störend einige Jahre lang. Dann freundet man sich an und es gehört zum Leben einfach, wie man kann. Aber Stille gab es nicht mehr. Also jede Stille war einfach dieses Dauergeräusch. Und mit einer dramatischen Verbesserung meiner Gesundheit im Jahr 2018, 2019 und so herum, wo lauter Autoimmunkrankheiten plötzlich von mir weggefallen sind, meine Augen wieder gesund wurden, die ja schon so lange so blinde Flecken hatten und so ganz blödes Zeug. Depression ging weg. Sorry, ein bisschen peinlich, aber auch so eine Impotenz ging weg von mir. Auch peinlich, da konnte ich damals nicht drüber reden, aber jetzt, also Gott sei Dank kam das wieder. Und auch der Tinnitus ging weg, den ich nicht erwartet hätte. Den man ja ganz schwer wegbekommt, glaube ich. Ja, also nichts, was ich probiert habe, hat geholfen. Aber dann, da mit der großen dramatischen Verbesserung meiner Gesundheit, wo ich auch endlich wieder schlafen konnte, endlich wieder euphorisch jeden Tag aufstehen und so. Dass ich einfach so ein Grund-High habe den ganzen Tag. Also Seid ihr wirklich fantastisch. Aber dann da ging es weg und seitdem gibt es wirklich so richtig mönchische, klösterliche Stille wieder, wie ich sie aus der Kindheit kenne, wo man nur den Liedschlag des Universums hört. Das ist ja auch drin, das fand ich in dem Buch immer so, ein klösterliches Leben, so glaube ich, mit Anfang 20er Vision. Ganz kurz, gibt es da einen Eindruck? In dem Alter wirkt so ein bisschen wie der altkluge Gedanke, wie so ein Mensch. Ich glaube, es war nicht tief empfunden. Heute muss ich sagen, es hat sich herausgestellt, dass es schon was Wahres dran hat. Heute könnte ich sagen, es ist schon das... In einem Paralleluniversum bin ich schon ein Mönch. Und das auch richtig. Das ist auch eines der richtigen Leben, die möglich gewesen wären. So kann man sagen. Weil meine große Anziehung für Religion und religiöse Literatur ist, glaube ich, schon die Spur, die da von dem, wo das verwirklicht wurde, im anderen Paralleluniversum, das so herüberstrahlt. Aber es hat nicht mehr die, wie soll man sagen, es wird nicht mehr kommen. Ich habe jetzt gerade den großartigsten Roman, den ich je gelesen habe, gelesen, nämlich die Genji Monogatari, die Geschichte vom Prinzen Genji, von der Hofdame Murasaki Shikibu, vor tausend Jahren geschrieben, in der Heian-Periode, der späten Heian-Zeit in Japan. Und da ist, also ich könnte jetzt den ganzen Abend Lob reden auf dieses Meisterwerk halten, es ist wirklich, es ist neben Tolstoi, Anna Karenina, wirklich der Roman, wo ihr völlig hypnotisiert ist, 2000 Seiten, einfach völlig, wenn Sie mal lange Zeit haben, es ist wunderbar einfach. Und da ist was Interessantes, da haben diese, zugegeben nur die Adelgeschicht von den Adeligen, es handelt nur so unter so aristokratischen Leuten, die haben immer so sich paaren, ganz viele Kinder kriegen, dann möglichst nochzis und mit großem, grimmigen Humor, die Unfreiheit junger Frauen, dann aber auch das Anwachsen zu mehr, und dann, was auf alle wartet im Alter, ist das Einkehren in die buddhistische Praxis, dass man Mönch wird, dass einem die Haare geschoren werden, und dann können sie sich aber nie so ganz lösen von der Welt, was ja der Buddhismus vorschlägt. Und seit ich das gelesen habe, habe ich mir gedacht, na ja, vielleicht mit 60, so wie die alle bei Genji, vor tausend Jahren allerdings, vielleicht kommt für mich auch noch irgendwann, wenn die Tochter erwachsen ist und schon ein eigenes Leben und so, vielleicht geht dann was Mönchisch-Klösterliches. Bis dahin nicht. Aber ich finde es sehr cool, bei Genji ist immer die, da gibt es dann einen, der wird dann Mönch, ein älterer Vater von jemandem und die Tochter zieht in die Hauptstadt, wird die Geliebte von dem Prinzen und hat dann da ihre Abenteuer und der Vater ist zwar nun Mönch und er muss dem allem abschwören, kein Drama mehr, nur noch Buddha anbeten und Rituale machen und so. Aber von Zeit zu Zeit kann er sich nicht verkneifen, doch noch einen Brief zu schreiben. Und im Brief steht dann drei Seiten Selbstanklage, dass er das eigentlich gar nicht darf, dass der Abt des Klosters ja nichts von dem Brief erfahren darf. Also ein 60-jähriger älterer Mann, der Angst hat vor seinem Lehrer. Und dann sagt er aber, ich wollte dir nur zum Geburtstag gratulieren. Also hinreißend, das ist so ein wunderbares, wunderbares Werk. Und ich sehe mich genau als so, als einer, der vielleicht dann auch mit 60, wenn ich Glück habe, als sowas. Also einer, der vielleicht dann auch mit 60, wenn ich Glück habe, in irgendeinem Kloster sitze, in Stille und dann aber doch irgendwie mich davonschleiche aus dem Morgengebet und den Bus nehme in die Stadt und dann irgendwas feiere mit meinen Kindern oder Enkeln oder irgendwas. Also das sehe ich schon. In zwei Welten noch existieren. Aber ja, es ist wirklich so eine witzige Sehnsucht zu einem. Ich glaube, es wäre das Richtige für mich auch gewesen. Auch, ja. Definitiv weiß ich, was falsch ist. Falsch war definitiv das Leben vorher. Also nur das so Arbeiten fürs Müde werden und dann einfach tribalos existieren und sagen, hey, mir geht es eh gut, ich nehme ein Antidepressivum. Also das war wirklich ein Leben, wo ich gar nicht übertrieben genug negative Vergleiche finden kann. Aber Clusterlim, ja, maybe, maybe still. Kann noch werden. Jetzt haben wir vom knapp 18-jährigen Clemens jetzt bis zum 60-jährigen schon geübt. Ich glaube eigentlich, ich weiß nicht, wäre es jetzt nicht besser, vielleicht das kleine Büchlein noch als Bonus zu nehmen. Clemens hat nämlich noch ein Buch mit, das, glaube ich, vergriffen ist, hier auch nicht vorrätig heute. Das hat nur so eine Limited Edition, so 200 Exemplare vielleicht, oder ich weiß nicht wie viel. Das habe ich in der Edition Turnhof gemacht. Das sind so kleine Mini-Essays, so Fundstücke. Ich dachte, ich lese was vor, was man sonst nicht wenn Sie das Buch haben oder anschauen, dann kann man das nochmal lesen, was man gehört hat. Aber dass man auch was hört, was nirgends wo steht. Und das sind so kleine Fundstücke, die ich hatte, so kleine Sachen, die ich entdeckt habe. Und da lese ich ein paar daraus vor, oder ein oder zwei. Also ja, ich könnte das Buch empfehlen, aber ich glaube, es ist nicht erhältlich. So, was lesen wir da vor? Noch schnell. Genau, es sind so kleine Dinge, lauter wahre Geschichten. Es sind 21 wahre Geschichten. Also wahr, so dokumentiert. Die Geschichte heißt Im Ostenschauer, die erst gegen Mittag nachlassen. Anfang August 2007 fand man den 70-jährigen Vincenzo Riccardo in Hampton Bay, New York, tot in seinem Haus, vor dem Fernseher sitzend. Er war bereits ein Jahr zuvor gestorben und der Fernseher lief seither die ganze Zeit ohne Pause. Erst die Polizei, die den erstaunlich gut erhaltenen Leichnam entdeckte, man erkannte sogar noch sein Gesicht und Reste des Haupthaars, schaltete den Fernseher aus. Ah, das ist schön. Das heißt, das Herz. Bei einem Spaziergang durch London entdeckte Lewis Carroll, Autor von Alice im Wunderland, eines Tages ein Zunftschild, auf dem etwas höchst Unerwartetes angeboten wurde. Simon Lubkin, Dealer in Romancement. Carol war verblüfft, denn schon sein ganzes Leben lang waren ihm romantische Herzensangelegenheiten sehr nahe und wichtig gewesen. I have yearned for poetry, for beauty, for novelty, for romancement. Begeistert sprach er einen Mechaniker an, der gerade in der Nähe seinen Beruf ausübte, ob er etwas über diesen wundersamen Mr. Lubkin, den Betreiber der Romanzenmacherei oder wie sollte man es verstehen, der Romantifizierung der Romanzerei, berichten könne. Aber natürlich, antwortete der Mechaniker. Und so erfuhr Carroll, dass der in der Tat sehr geachtete Mr. Lubkin die beste Sorte von Roman-Zement verkaufte, einem Kalkbindemittel für Mauerbau. Auf Deutsch heißt es auch Roman-Zement. Sehr witzig, weil so wieder Zement für einen Roman auf Deutsch. Noch vielleicht eine Sache da. Ja, genau. Die letzte Geschichte heißt Die alten Wege. Anstatt einfach geradeaus nach Süden zu fliegen, machen die Monarchfalter-Schwärme auf ihrem alljährlichen Weg über den Lake Superior in Nordamerika hoch über dem Wasser jedes Mal an derselben Stelle einen scharfen Knick Richtung Osten. Unabhängig von Gegenwind oder der Verteilung unterschiedlicher Luftdruckgebiete fliegt jeder neue Schwarm Jahr für Jahr diesen Bogen. Als Grund wird angenommen, dass die Schmetterlinge sich tief in ihrem Erbgut an einen in grauer Vorzeit hier aufragenden Gletscher erinnern. Vielleicht noch eine fröhliche zum Abschluss. Hier sind nicht alle fröhlich. Ah, die ist fröhlich, ja. Die hat ein bisschen einen großspurigen Titel auf Lateinisch. Heißt, et quid amabo nisi quod rerum metaphysica est. Und was werden wir lieben, wenn es nicht die Metaphysik der Dinge ist. Das ist ein Zitat von Giorgio di Chirico. In den 70er Jahren existierte auf der Speisekarte eines kleinen Diners in New York ein spezielles, scherzhaft gemeintes Angebot, der Two Million Dollar Burger, also ein Hamburger für den Preis von zwei Millionen Dollar. Aber eines Tages kam ein Mann in das Lokal, bezahlte zwei Millionen Dollar und aß den Burger. Vielen Dank. Dem kann man nichts mehr hinzufügen. Vielen Dank, Clemens.