Musik Ja, ich möchte heute in einer Führung den Soldatenfriedhof Mauthausen ein bisschen vorstellen, aus dem Ersten Weltkrieg. Mauthausen wird ja meistens, der alte Donaumarkt wird ja meistens verbunden mit dem berüchtigten Konzentrationslager Mauthausen. Dass aber Mauthausen im Ersten Weltkrieg ein großes Kriegsgefangenenlager beherbergt hat, das ist eigentlich eine eher weniger bekannte Tatsache. Zwischen November 1914 und Oktober 1918 wurde ein Lager gebaut, das 68 Hektar groß war. Man muss sich vorstellen, dass er 68 Fußballplätze groß gewesen ist und das konzipiert war ursprünglich und gedacht war für 40.000 Kriegsgefangene. In Wirklichkeit waren dann in der Regel so zwischen 12.000 und 16.000 Kriegsgefangene im Lager ständig, weil die anderen Kriegsgefangenen ab 1916 zu Arbeitseinsätzen in der Landwirtschaft, in der Industrie, auch bei staatlichen Projekten eingesetzt waren. Aber auf alle Fälle müssen wir uns vorstellen, Mauthausen hat damals 4.000 Einwohner gehabt und geplant war das Lager für die zehnfache Größe des Marktes Mauthausen. Der Erste Weltkrieg, der vom amerikanischen Historiker George Frost kennen als die Urkatastrophe Europas bezeichnet wurde, war einer der ersten großen Weltkriege, die es im 20. Jahrhundert gegeben hat. Begonnen hat das Ganze eigentlich mit der Ermordung des österreichischen Trompfolgers in Sarajevo und innerhalb von einem Monat waren praktisch alle Staaten Europas gemeinsam im Kriegszustand. Da war es noch ein europäischer Krieg, aber dann als 1917 die Amerikaner in den Krieg eingetreten sind und als es auch noch einen Krieg um die Kolonie gegeben hatte, wurde daraus ein Weltkrieg. Eine ungeheure Zahl natürlich von Kriegsgefangenen entstand. Wir müssen uns vorstellen, 70 Millionen Soldaten gab es im Ersten Weltkrieg und über 8,5 Millionen Kriegsgefangene. Darunter auch eine ganze Menge, die in den österreichischen Kriegsgefangenenlagern, die ab 1914 errichtet worden sind, ihr Leben gefristet haben. Oberösterreich hat insgesamt sieben Kriegsgefangenenlager gehabt, wovon eines davon Mauthausen gewesen ist. Und warum hat man Oberösterreich eigentlich als Standort der Kriegsgefangenenlager gewählt? Weil es erstens weit weg von der Front war und weil es wirtschaftlich sehr reich gewesen ist. Was Mauthausen betrifft, so muss man sich vorstellen, dass Mauthausen geplant war für über 40.000 Kriegsgefangene. Das wäre die zehnfache Zahl der Einwohner der damaligen Zeit gewesen. In Wahrheit waren aber dann nur so zwischen 12.000 und 18.000 Kriegsgefangene ständig im Lager, weil die anderen ab 1916 auf Arbeitseinsatz gewesen sind. Bauthausen ist ja eher bekannt durch das berüchtigte Konzentrationslager im Zweiten Weltkrieg und es ist gar nicht so bekannt eigentlich, dass es während dieses Ersten Weltkriegs in diesem alten Donaumarkt bereits ein riesengroßes Kriegsgefangenenlager gegeben hat. Wir stehen hier vor dem Bahnhof Mauthausen, denn die erste Station der Kriegsgefangenen, wenn sie am Lagerstandort angekommen waren, war natürlich der Bahnhof. Wie kamen die Kriegsgefangenen von der Front, wo man sie als Gefangenen genommen hat, in die Lager? Nun, zuerst wurden sie in große Sammellager gebracht und dann noch einmal in ganz bestimmte Lager weitertransportiert, von wo man sie in die einzelnen Lager, zum Beispiel Österreich-Ungarns, dann hingeschickt hat. Ganz interessant, Österreich-Ungarn hat insgesamt 50 Kriegsgefangenenlager gehabt und wie gesagt, relativ viele davon, viele Lager gab es auch in Oberösterreich. Eines davon war Mauthausen, weitere große Lager waren in Braunau, in Linz-Wegscheid, in Machtrenk und ein großes Lager für ukrainische, russische Kriegsgefangene in Freistaat. Das erste, was die Kriegsgefangenen dann wirklich vom definitiven Lagerstandort gesehen haben, das war der Bahnhof hier. Und wir müssen uns vorstellen, damals war es nicht so, dass die Menschen mit anderen Menschen aus fremden Ländern, aus anderen Ländern, so einen ganz regen Kontakt gehabt haben, dass das selbstverständlich war, wie man gehört hat. Und das war in den Lagern in Braunau, das war in den Lagern in Freistaat, aber auch in Mauthausen nicht anders. Es kommen Kriegsgefangene, dann haben sie die ganze, da war der ganze Ort in Aufruhr und der ganze Ort war irgendwie gespannt und viele, viele Leute haben dann irgendwie gehört an dem und dem Tag und um diese Uhrzeit kommen sie und sind dann zum Bahnhof gebildet. So war es auch im November in Mauthausen. Der Bericht des Pfarrers damals von Mauthausen, des Pfarrwikars Gärtner, beschreibt zum Beispiel, dass die Leute ganz neugierig gewesen sind, in Schaden zum Bahnhof marschiert sind und dann haben sie leider eher enttäuschende Mitteln gekriegt. Der Gefangentransport kommt nicht heute, sondern erst am nächsten Tag. Also das war für die meisten Leute ein großes Spektakel, sich einmal zu schauen, Menschen aus fremden Ländern, Soldaten aus fremden Ländern persönlich in Augenschein zu nehmen und damit aber auch fremde Kulturen kennenzulernen. Das war in allen Lagerstandorten eigentlich dasselbe und in Mauthausen haben wir Gott sei Dank durch den Bericht des PfarrWKs eine eindrückliche Sachverhaltsschilderung. Anschließend wurden sie dann in das Lager gebracht. Das war nicht sehr weit weg von hier, nur 0,5 Kilometer, also 500 Meter von Bahnhof entfernt waren bereits die Vorposten des Kriegsgefangenenlagers. Wir werden uns das dann noch genauer im Lagerfriedhof selber anschauen. Auf alle Fälle haben sie also keinen so weiten Fußmarsch gehabt. Und die Frage war allerdings auch, in welchem Gesundheitszustand sind die Kriegsgefangenen hier angekommen. Und die ersten Kriegsgefangenen, die bei uns angekommen sind. Österreich und Ungarn haben am 28. Juli 1914 mit Serbien eigentlich den Ersten Weltkrieg begonnen. Es waren in erster Linie zu Beginn eine große Menge an serbischen Kriegsgefangenen, die meistens in sehr schlechtem körperlichen Gesundheitszustand hier im Lager angekommen sind. Erst 1915, ab 1915, als Italien, das ursprünglich neutral gewesen ist, mit Österreich und Ungarn den Kriegszustand erklärt hat, sind eine ganze Menge von italienischen Kriegsgefangenen gekommen und darum spricht man eigentlich dann seit dieser Zeit vom Italienerlager. Dadurch, dass es dann ab 1915, 1916 Italienerlager geheißen hat, ist auch klar, aus welchen Ländern die Kriegsgefangene gekommen sind. Wie gesagt, zuerst aus Serbien bis 1915, dann kam es zur großen Typhus-Epidemie, davon werde ich im Zuge der Führung noch berichten. Führung noch berichten. Dann wurde der Rest der serbischen Kriegsgefangenen, die also die Krise bzw. die Seuche überlebt haben, nach Aschach an der Donau gebracht. Das war auch noch ein Kriegsgefangenenlager in Oberösterreich. Und eigentlich ab 1915 waren dann praktisch nur mehr italienische Kriegsgefangene hier im Lager Mauthausen. Der Erste Weltkrieg hat unheimlich viele Opfer gefordert. Man kann sich das gar nicht vorstellen. 17 Millionen Menschen, Soldaten und Zivilisten sind gestorben. Über 8,5 Millionen, wie gesagt, Kriegsgefangene hat es gegeben. Davon sind 10 Prozent der Kriegsgefangenen in den Lagern gestorben und zwar aller kriegsbeteiligten Nationen. Um ein Beispiel zu zeigen, welche gewaltigen Zerstörungen dieser Erste Weltkrieg verursacht hat, muss man sich vorstellen, Frankreich war ja der Hauptschauplatz des Ersten Weltkriegs. 250.000 Gebäude sind in Frankreich zerstört worden. 11,5 Prozent der Einwohner Frankreichs sind durch diesen Ersten Weltkrieg getötet worden und insgesamt hat der Weltkrieg für alle Staaten 900 Milliarden Goldmark gekostet, also eine ungeheure Zahl an eigentlich an kriegerischer Verschwendung, der dieser Erste Weltkrieg gekostet hat. Ganz interessant natürlich, wie hat es ausgeschaut mit den von diesen 8,5 Millionen Kriegsgefangenen befanden sich in österreichischen Lagern russische Kriegsgefangene, das waren etwa 1,2 Millionen. Dann italienische Kriegsgefangene, das waren etwa 400.000 und etwa 200.000 serbische Kriegsgefangene, die in österreichischen Lagern praktisch darauf gewartet haben, dass wieder Friede kommt und dass sie dann irgendwann entlassen worden sind. Aber ganz interessant damit, man sieht wie das Verhältnis ist. 1,2 Millionen russische Kriegsgefangene waren in Österreich, aber über zwei Millionen österreich-ungarische Kriegsgefangene waren zum Beispiel in Russland. Also fast doppelt so viel an Zahl und man sieht also ganz deutlich, welche Opfer auch an Soldaten und an Kriegsgefangenen dieser Erste Weltkrieg gekostet hat. Aus welchen kriegsführenden Ländern kamen die Kriegsgefangenen in Mauthausen? Das ist eine sehr wichtige Frage. Anfänglich kamen die Kriegsgefangenen aus Serbien, denn da begann ja eigentlich der Krieg zwischen Österreich und Ungarn mit Serbien. Ab 1915 waren es dann fast ausschließlich italienische Kriegsgefangene. Wobei man eines sagen muss, ganz am Anfang beim Aufbau des Lagers liefern sich aus dem Kriegsgefangenenlager Linkzwekschescheid 300 russische Kriegsgefangene aus, die beim Bau der Baracken mitgeholfen haben. Aber ab 1915 waren fast ausschließlich italienische Kriegsgefangene hier im Lager Mauthausen interniert. Thank you. Musik Die Kriegsgefangenen, die vom Bahnhof dann hier in das Lager gekommen sind, die waren natürlich zum großen Teil, wie ich schon einmal ausgeführt habe, aus Serbien und meistens in gesundheitlich sehr schlechtem Zustand. Und dann kam noch etwas dazu, das muss man sich vorstellen, dass ja bei den Behörden in Österreich-Ungarn, bei den Militärbehörden überhaupt keine Erfahrung gewesen ist, wie man so ein Lager aufbaut. Die ersten Kriegsgefangenen wurden in Erdhöhlen, in Zelten, in irgendwelchen alten aufgelassenen Fabriken untergebracht und man musste dann innerhalb kürzester Zeit die Lager erbaut. Man hat überhaupt keine Ahnung gehabt, was für sanitäre Grundbedingungen man braucht, um die Kriegsgefahrenen gesund zu halten. Und dann brach im Dezember 1914 bereits im Lager Mauthausen eine große Flecktyphus-Epidemie aus. Die Flecktyphus- Epidemie war deswegen so gefährlich, weil diese Erkrankung etwa nach dem 6. und 11. Tag der Ansteckung begonnen hat und dann über ein, zwei Wochen mit heftigsten Fieberschüben sich fortgesetzt hat, Schweißausbrüchen, Delirien teilweise. Und nur wer sehr gesund war, wer körperlich noch kräftig war, und das waren viele Kriegsgefangene nicht, der hatte eine Chance zu überleben. Es erinnert uns sehr deutlich an die heutige Zeit, an die Corona-Epidemie. Auch da ist diese Krankheit unter Umständen, wenn sie gefährlich ausbricht, mit wochenlangen Fieberschüben verbunden und hat, wie wir ja alle wissen, so wie damals die Fleck-Typhus-Epidemie, zu vielen Todesopfern geführt. die Fleck-Typhus-Epidemie zu vielen Todesopfern geführt. Man hat damals überhaupt kein Mittel gehabt. Heute gibt es ja Gott sei Dank jetzt inzwischen schon einen Corona-Impfstoff, aber damals gegen den Fleck-Typhus gab es keine Impfung, sondern man konnte nur durch Desinfektion mit Lysol, mit Carbol und so weiter verhindern, dass man von dieser Krankheit erfasst wird. Wir hatten die Krankheit eigentlich weitergetragen. Von wem ging eigentlich diese Flecktifos-Seuche aus? Sie wurde übertragen von der Kleiderlaus, Peticula vestimenti, hat sie lateinisch geheißen, eine wenige Millimeter große Kleiderlaus, die sich in den Gewändern der Kriegsgefangenen versteckt gehabt hat und ein kleiner Biss oder ein kleiner Stich, den man ja gar nicht teilweise gespürt hat, hat schon genügt, um diese teuflische Infektion zu bekommen. Ein kleiner Unterschied natürlich zur heutigen Corona-Pandemie ist, dass das Coronavirus sieht man mit freiem Auge nicht. Die Kleiderlaus hat man wenigstens mit freiem Auge gesehen und in den Lagern hat man sofort riesige Dampfdesinfektionsanlagen gebaut, wo die Kleidung der Häftlinge mehrmals in der Woche desinfiziert wurde. Mit Kabul und Lusul mussten sich sowohl die Soldaten des Wachbataillons als auch die Offiziere, die da waren und natürlich die Kriegsgefangenen ständig einreiben, um zu verhindern, dass sie also eine Flecktifuserkrankung bekommen haben. Und dennoch hat das alles nichts geholfen. Von Dezember 1914 bis April 1915 sind über 6000 serbische Kriegsgefangene an Flecktifus gestorben. Natürlich hat man dann eine Ärztekommission nach Mauthausen geschickt, die in Wien vom Kriegsministerium gesagt haben, was ist denn da los. Man hat allerdings festgestellt, dass nicht nur Flecktyphus, sondern auch weitere Krankheiten im Lager geherrscht haben, nämlich Cholera und vor allem auch die Tuberkulose und auch die hat sehr viele der Kriegsgefangenen hinweggerafft. Also ein Grund war, um es auf den Punkt zu bringen, dass einfach die mangelnde Hygiene, man hat damals zum Beispiel noch keine Kanalanlagen gehabt. Die Fäkalien, die logischerweise bei einem Lager, wo so viele Menschen auf einem Platz zusammen sind, sehr groß sind, die hat man einfach anfänglich in die Donau geschmissen und hat geglaubt, dass man damit aus dem Schneider ist. Das Trinkwasser war nicht wirklich sauber, das musste auch erst durch eine Leitung hierher gelegt werden. Also es gab wirklich sehr schlimme Zustände und der erste Lagerarzt, der von dem berichtet hat, der Dr. Fritz Koch, ist selber Opfer dieser Flecktyphoseuche geworden. Es gibt einen Gedenkstein hier, den man sich im Lagerfriedhof anschauen kann. Und es waren noch weitere Lagerärzte, die in ihrem aufopferungsvollen Dienst zur Verhinderung der Seuchen und der Epidemien daran gestorben sind. Und jetzt könnt ihr euch vorstellen, wenn man draußen aus dem Lager, da hat man ja immer wieder Meldungen deswegen erhalten, weil viele Zivilarbeiter auch im Lager gearbeitet haben. Auch die haben teilweise die Krankheit hinausgebracht in die Zivilbevölkerung. Also es herrschte große Angst, so wie heute, wenn ihr euch an das vorige Jahr erinnert, wo die Menschen gebannt auf die Corona-Seuche gestarrt haben. Und viele Leute haben gesagt, wenn sogar die Militärärzte sterben, dann muss das eine furchtbare, schreckliche Erkrankung gewesen sein. Man hatte natürlich in der Zivilbevölkerung dadurch große Angst und große Furcht. Und die ist sogar so weit gegangen, dass im Nachbarort Ried in der Riedmark die Schule und bzw. die Schulleitung verboten hat, dass Schüler, die in unmittelbarer Nähe des Lagers wohnten, in die Schule gehen für einigen Wochen. Das sind natürlich Dinge, die wir auch heute von der Corona-Pandemie gehennen. Also es sind sehr viele Dinge, die bei mir selber ein Art Déjà-vu-Erlebnis ausgelöst haben. Das hat es alles schon gegeben, aber nur ein einziger Unterschied zu damals war es, die Kleiderlaus konnte man sehen und sie konnte man durch ganz gezielte Hygienemaßen ausschalten bzw. verhindern, dass sie überhaupt mit den Menschen in Berührung kommt. Das Coronavirus ist leider Gottes sehr ansteckend und noch dazu völlig unsichtbar, sodass man heutzutage natürlich ganz andere Präventionsmaßnahmen machen muss. Mein Name ist Karlheinz Siegel. Ich bin der Obmann des hiesigen Heimat- und Museumsvereins Schloss Pragstein in Mauthausen und es freut mich, dass ich aus dem Buch von Dr. Ernst Gusenbauer Krieg, Seuchen und kein Stück Brot heute zitieren darf. Der Lagerarzt Dr. Friedrich Koch beschreibt zu Weihnachten 1914 in einem Brief an seine in Gmunden lebende Mutter die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Lager in Mauthausen. Ich wäre schon herzlich froh, wenn ich von diesem elenden Serbenlager befreit wäre. Täglich vorläufig 600 Ordinationen, alles voller Läuse und Ungeziffer, die Leute zerfetzt und zerrissen. Alles voller Läuse und Ungeziffer, die Leute zerfetzt und zerrissen. Typhus, Ruhe und Blattern, das sind meine täglichen Genossen, mit denen ich zu verkehren habe. Dabei im Lager keine Ordnung, keine Reinlichkeit, überall Schmutz und Kot. Das ist so beiläufig ein Bild eines Gefangenenlagers. Wenn es unseren Leuten in der Gefangenschaft auch so schlecht geht, wie es den hiesigen Gefangenen geht, dann wäre es wohl besser, auf dem Schlachtfeld zu fallen, als in solchen Verhältnissen weiterleben zu müssen. Musik Der Lagerarzt Fritz Koch wurde in das Spital der Kreuzschwestern in Haidt bei Mauthausen eingeliefert, nachdem er sich mit der Kleiderlaus infiziert hat. Und dieses Spital fungierte auch für andere Militärangehörige, aber auch Zivilpersonen als sogenanntes Flecktifus-Spital. Der Bischof von Linz, der im Februar 1915 das Lager besuchte, hat ebenfalls dort dieses Spital besucht, hat mit den Schwestern, es waren die Kreuzschwestern, die das Spital betrieben haben, auch gesprochen, hat sich aller Hygienemaßnahmen unterzogen, die vorgeschrieben waren. Bischof Rudolf Hittmeier wurde dennoch von der Kleiderlaus angesteckt und ist wenige Wochen nach der Rückkehr von seinem Besuch in Linz eben an Flecktiphus erkrankt. Ich werde dann im Laufe der Führung noch zu seinem weiteren Schicksal etwas sagen. Auf alle Fälle war dieses Haus als Flecktyphus-Spital berühmt damals in der Zeit des Ersten Weltkriegs. Und dieses Haus fungierte sogar bis kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges als sogenanntes Geburtshaus für jemand, der nicht im Spital, für Frauen, die nicht im Spital, sondern zu Hause Geburten erleben wollten. Die Epidemie war im Lager so stark, dass man eine Ärztedelegation aus Wien geholt hat und die hat auch festgestellt, dass die Hygienemaßnahmen in katastrophalem Zustand waren. geholt hat und die hat auch festgestellt, dass die Hygienemaßnahmen im katastrophalen Zustand waren. Man hat den bisherigen Lagerkommandanten abberufen und aus Wien einen ganz neuen Lagerkommandanten geholt, der innerhalb kürzester Zeit die Kanalisation gebaut hat, die Baracken komplett saniert hat, die Trinkwasserleitungen erneuert hat, penibel darauf geachtet hat, dass die Sicherungs- und Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Und bereits Anfang Mai 1915 war das Lager wieder seuchenfrei. Aber wie gesagt, 6000 serbische Kriegsgefangene haben das mit dem Leben bezahlt und die serbischen Kriegsgefangenen kamen dann im Mai, die im Lager übrig geblieben sind, in das Lager Aschach an der Donau. Dort waren vorwiegend serbische Kriegsgefangene untergebracht. Das Lager Mauthausen stand aber deswegen überhaupt nicht leer, denn ab Mai 1915 erklärte uns ja Italien, erklärte Italien, Österreich, Ungarn den Krieg und dann kamen ab diesem Zeitpunkt eine ganz große Menge italienischer Kriegsgefangener in das Lager Mauthausen und das blieb auch bis 1918 so, so dass, wie ich es schon eingangs gesagt habe, das Lager bald als italiener Lager auch im Kriegsministerium, auch im internen Schriftwechsel der Militärbehörden fungiert hat. Warum brachen im Lager sehr bald Seuchen aus? Das hatte ganz wichtige und entscheidende Gründe. Das erste war einmal, dass die Kriegsgefangenen meistens schon in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand ins Lager gekommen sind. Monatelange oder wochenlange Empfehlungen, schlechte Ernährung, dann waren sie vielleicht sogar verwundet und waren unter Umständen auch nervlich sehr schlecht beisammen, sodass natürlich das keine guten Startbedingungen waren. in ihren Lagen gehabt und haben überhaupt keine Erfahrung gehabt, welche Auswirkungen das haben könnte und welche Hygienemaßnahmen man da braucht, wenn man Kriegsgefangene in so großer Zahl in einem Lager hat. Und das ist ja immer so, wenn viele Menschen beisammen sind, ist natürlich die Gefahr, dass Krankheiten oder Seuchen aussprechen, immer sehr groß. Und ein dritter Punkt war natürlich auch, dass man nicht genau gewusst hat, welche speziellen Krankheitsverläufe es geben wird und vor allem auch, wie man sich dagegen wappnen soll. Die Flektivverseuche zum Beispiel, die traf völlig unvorbereitet die Lager und hat erst nach und nach dazu geführt, dass man die passenden und richtigen Hygienemaßnahmen gemacht hat. Wir dürfen auch nicht vergessen, man hat am Anfang ja gar nicht mit einem so langen Krieg gerechnet. Man hat gerechnet, wie der Krieg damals im der Weltkrieg im Juli, August begonnen hat, haben alle Länder gemeint, das würde eine kurze Angelegenheit sein, so wie es in den bisherigen Kriegen der letzten 100 Jahre gewesen ist. Und erst als man gesehen hat, dieser Krieg ist ganz anders als der bisherige Krieg. Es ist ein industrieller Maschinenkrieg. Mit einer ungeheuren Zahl von Kriegsgefangenen ist man sich überhaupt der Problematik bewusst geworden, wie sehr man auch in den Lagen, wenn man schon Kriegsgefangene hat, auch die hygienischen Maßnahmen ganz neu und ganz entscheidend verändern muss. Die Kriegsgefangenen beschwerten sich immer wieder in Briefen an ihre Heimat über die schlechte Behandlung durch die bewachenden Soldaten. Als häufigste Beschwerde fungierte aber die Klage über Hunger. Hungerklagen finden sich jedoch auch in höchst ironisch sinnlicher Weise verpackt, wenn ein Kriegsgefangener aus Mauthausen etwa beziehungsreich meint. Sie haben mir von diesem sympathischen Mädchen erzählt. Sagen Sie ihr, dass ich schon seit neun Monaten verheiratet bin. Ich habe eine Frau geheiratet, die Hunger heißt und sie ist groß und dick wie der Hunger. Was glauben Sie, wie groß und fett ich in Österreich geworden bin mit meiner Frau, die Hunger heißt. Der Lageralltag der Kriegsgefangenen war natürlich ein besonders interessanter Aspekt. Ganz wichtig ist, die Kriegsgefangenen wurden nach der Hager Landkriegsordnung behandelt, Kriegsgefangenen wurden nach der Hager Landkriegsordnung behandelt, die 1907 von insgesamt 28 Staaten mit unterzeichnet wurde. Darunter war auch Österreich-Ungarn. Und dort hieß es zum Beispiel in einem Paragrafen, die Kriegsgefangenen sind mit Menschlichkeit zu behandeln. Also das war ein ganz, ganz wichtiger Aspekt. Ein weiterer Paragraf sagte, die Kriegsgefangenen dürfen zur Arbeit herangezogen werden, aber nicht zur übermäßigen Arbeit und schon gar nicht zu einer Arbeit, die einer Kriegsverwendung gedient hat. Und dementsprechend waren also die Bedingungen für das Lagerleben eigentlich von vornherein sehr klar festgelegt. Die Kriegsgefangenen wohnten in Baracken, die einheitlich gebaut wurden. In allen 50 Kriegsgefangenenlagern Österreich-Ungarns war der Bau einheitlich. Die Baracken waren 43 Meter lang, 12 Meter breit und etwa 3,5 bis 4 Meter hoch. Und da drinnen haben die Häftlinge gewohnt bzw. auch geschlafen in guten Betten, die mit Stroh gefüllt waren. Und daneben gab es natürlich auch noch Baracken, wo das Essen eingenommen wurde. Baracken, die auch zur Unterhaltung gedient haben, wo man lesen konnte, wo musiziert werden konnte. Aber ganz wichtig war etwas anderes. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Die Kriegsgefangenen wurden in verschiedene Kategorien unterteilt. Das war in allen Ländern so. Offiziere hatten bessere Unterkünfte, Offiziere bekamen auch eine gute Be, Gefreite und so weiter, die mussten alle arbeiten, sowohl beim Bau, Aufbau des Lagers, als auch später dann ab 1916, als die Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft, in der Industrie, aber auch bei staatlichen Bauwerken als Arbeiter angestellt worden sind. Die Offiziere konnten sich ein bisschen besser richten, für sie gab es auch eine Bibliothek, für sie gab es Räumlichkeiten, wo sie lesen konnten in Ruhe, wo sie musizieren konnten und natürlich durfte jeder Kriegsgefangene auch einen Brief nach Hause schreiben oder mehrere Briefe. Allerdings gab es in Wien eine große Zensurbehörde, die vom Roten Kreuz geleitet worden ist, vom Österreich Ungarischen, die natürlich geschaut hat, welche Nachrichten schicken die Kriegsgefangenen nach Hause und man hat bei den Postkarten, die abgeschickt werden durften oder bei den Briefen immer dann auch den Drei gegen Stempel der Zensurbehörde drauf gesehen. Die Arbeit der Kriegsgefangenen war auch dahingehend interessant, weil es ja nicht nur die Arbeit draußen bei den Bauern oder in der Industrie gegeben hat, sondern auch das Lager selber hielt Eigenwirtschaften. Das heißt, das Lager hielt sich Kühe, Schweine, Höhner und so weiter, Gärten und auch die mussten gepflegt und bearbeitet werden, denn man versuchte möglichst wenig aus den Beständen des Zivilbereichs sich zu holen. Dennoch gab es auch in jedem Lager Kantinen, der wurde betrieben von außenstehenden Personen, die hier Sachen verkauft haben, die nicht in der Eigenwirtschaft des Lagers gemacht werden konnten. Und eine Sache war natürlich streng verboten, das dürfte nicht ausgeschenkt werden, Alkohol zum Beispiel. Man wollte ja nicht verhindern, dass die Kriegsgefangenen nicht alkoholisiert sind, unter Umständen dann eine Revolte anzünden und dass es zu Unruhen gekommen wäre, das war klar. Durch diese Kantinen kam es natürlich auch immer wieder zu Kontakten zwischen der Zivilbevölkerung und Kriegsgefangenen und ganz interessant war auch, die Kriegsgefangenen hatten auch die Möglichkeit in Werkstätten, da gab es ja sehr viele Kunsthandwerker, kleine Gegenstände zu erzeugen, die man dann auch an die Zivilbevölkerung verkauft hat. Also es gab immer wieder auch einen regen Kontakt mit der Zivilbevölkerung und darum war natürlich, wie ich es zuvor schon ausgeführt habe, auch die Gefahr, dass die Flecktifuseuche hinausgeht aus den Lagern zur Zivilbevölkerung, sehr stark gegeben und es gab auch Fälle, die eben dann die Bevölkerung ein bisschen in Angst und Schrecken versetzt hat. Vielleicht interessant auch, wie hat denn die Ernährung der Kriegsgefangenen ausgeschaut? Wie war denn da so der Tages- oder Wochenplan aus dem Kriegsgefangenenlager Freistaat zum Beispiel? Ist so ein Speiseplan erhalten? Die Kriegsgefangenen haben dreimal am Tag eine Nahrung bekommen. In der Früh meistens Zwieback, hartes Brot und dazu Tee oder Kaffee. Zum Mittag gab es in der Regel immer eine Fleischspeise mit Kartoffeln oder mit Gemüse. Und am Abend gab es ebenfalls eine besondere Speise, meistens eine Suppe, eine Fischolensuppe, eine Kartoffelsuppe oder gar auch eine Gemüsesuppe. Jedenfalls hat man immer versucht und Tee natürlich und an Sonntagen war die Verpflegung oft noch ein bisschen besser. Es gab ein größeres Stück Fleisch zum Beispiel, vielleicht gab es auch das eine oder andere Obst dazu. Also jedenfalls versuchte man die Kalorienanzahl der Häftlinge so zu halten, dass sie den internationalen Geblogenheiten der Hager Landkriegsordnung entsprochen haben. Ganz wichtig war zum Beispiel bei den russischen Kriegsgefangenen, die vor allem im Lager in Freistadt, aber auch im Lager in Linz-Wegscheid interniert gewesen sind. Brot, das Brot war ganz, ganz wichtig und es gab auch im Lager eine Vielzahl von Bäckereien, die dafür gesorgt haben, dass jeden Tag genügend Brot für die Kriegsgefangenen da war. Ganz interessant, wer hat denn so ein Lager bewacht? Wichtig war, dass die Bewachung so war, dass man versucht hat zu verhindern, dass Kriegsgefangene, was natürlich oft auch verständlich war, versucht haben aus dem Lager zu fliehen. Es waren insgesamt eigentlich relativ wenige. Man ist mit etwa 15 Offizieren ausgekommen und etwa 1500 Mann Bewachung. Diese Bewachungsmannschaften stammten aber nicht aus der österreichischen Reichshilfe, sondern man hat ungarische Homeworld-Soldaten dafür geholt. Wie man weiß, war Österreich-Ungarn ein Staat gebildet, das aus Österreich kaiserköniglich und königlich Ungarn und aus Ungarn bestanden hat. Und die Wachmannschaften kamen aus der ungarischen, aus der sogenannten transleitanischen Reichshälfte und die haben hier die Bewachung des Lagers übernommen. Und auch sie waren natürlich, so wie die Kriegsgefangenen von den Seuchen und Epidemien, die es im Lager gegeben hat, betroffen natürlich. Es gab natürlich die eine oder andere Fluchtversuche. Fluchtversuche wurden in der Regel sehr streng bestraft. Man bekam dann Zimmerrest, es wurden Vergünstigungen gestrichen und so weiter und so fort. Also man wollte verhindern, dass die Kriegsgefangenen aus dem Lager fliehen, obwohl sie natürlich gewusst haben, das hat man ihnen bei der Ankunft schon gesagt, dass natürlich, wenn die Friedensbedingungen sind, sie wieder entlassen sind. Sie mussten ja bei der Ankunft sämtliche persönliche Gegenstände, Geld und so weiter, hinterlegen. Die wurden in sogenannten Depositenlagern gehalten mit dem Versprechen, wenn der Krieg zu Ende ist, wenn sie wieder aus dem Lager befreit sind, beziehungsweise wenn sie aus dem Lager entlassen werden, dass ihnen alles wieder zurückgestattet wird. Und ein ganz wesentlicher Unterschied war zu dem Lager, das später im Zweiten Weltkrieg gekommen ist, nämlich dem nationalsozialistischen, dem berühmten, berüchtigten Konzentrationslager, dass man in dem Kriegsgefangenenlager Mauthausen, beziehungsweise in allen Lagern Österreich-Ungarns versucht hat, die Hager Landkriegsordnung, also den Menschenrechtsstatus, aufrechtzuerhalten und dass es nicht Ziel war, die Menschen durch Arbeit zu vernichten, so wie es in diesem berühmt-berüchtigten Lager des Zweiten Weltkrieges einfach von Anfang an das Ziel gewesen ist. Es war ein ganz, ganz wesentlicher Unterschied zwischen dem Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs, das in Mauthausen war, und dem Konzentrationslager, das im Zweiten Weltkrieg in den Wienerberger Steinbrüchen errichtet worden ist. Es gab natürlich auch ab 1916 den Arbeitseinsatz und da war es gar nicht, vor allem in der Landwirtschaft, war es natürlich nicht zu vermeiden, dass die Kriegsgefangenen persönliche Kontakte mit den Arbeitgebern dort, mit den Bauern und ihrer Familie geschlossen haben. Und es kam natürlich auch zu sogenannten verbotenen Kontakten. Frauen natürlich war es streng verboten, wenn Kriegsgefangene auf Arbeitseinsatz waren, sich mit ihnen einzulassen. Aber das gab es sehr oft und das hat sehr negative Konsequenzen für Frauen gehabt, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Sie wurden erstens einmal amtlich bestraft, da gab es sogar Arrest dafür teilweise und was noch viel vernichtender und viel furchtbarer war, sie wurden auf der Amtstafel angeschlagen, namentlich die Frauen, die scheinbar verbundenen Kontakt mit serbischen, italienischen oder russischen Kriegsgefangenen unterhalten hatten. Das war nicht zu vermeiden, aber das war natürlich für die betroffenen Frauen eine ganz schwere Sache und das war eigentlich, kann man sagen, fast mit dem sozialen Tod damit verbunden und so wollte man also verhindern, dass um jeden Preis die Zivilbevölkerung sich nicht mit den Kriegsgefangenen einlässt, was aber in der Praxis natürlich nicht zu verhindern gewesen ist. Die Kriegsgefangenen, die also dann in das Lager wieder nach dem Arbeitseinsatz wieder zurückgekommen sind, mussten sich natürlich dann auch melden. Es gab zweimal wöchentlich auch Gesundheitsuntersuchungen natürlich, um zu schauen, dass nicht neuerlich, wie es schon im Herbst 1914 und im Frühjahr 1915 gewesen ist, Seichen ausbrechen. In der Tagespresse wird über den Besuch des in der Bevölkerung sehr verehrten Linzer Bwürdigste Herr Bischof von Linz im Lager zu Mauthausen zum Besuche der Kranken ein. Den Entschluss zur Visite des verseuchten Lagers hatte er spontan am selben Tage gefasst. Die Fahrt nach Mauthausen war per Automobil absolviert worden. Im Ordenshaus der Kreuzschwestern wechselte Hittmeier erstmals die Kleidung. Von dort ging es weiter ins Kriegsgefangenenlager, wo das Fahrzeug unmittelbar vor dem Stacheldrahtzaun zum Halten kam. Der Bischof begrüßte zunächst den Lagerkommandanten Oberst Schmidt und nachdem er sich allen gebotenen Vorsichtsmaßnahmen unterzogen hatte, begab er sich, wie eine Zeitung pathetisch kommentierte, mit dem in der kranken Seelsorge unermüdlich von hinreißender Begeisterung für seinen gefährlichen, hohen Beruf glühenden Aushilfspriester Schwarzel Müller in die Krankenbaracken des alten Lagers, wo er sämtliche Insassen besuchte. Die serbischen Gefangenen, von der Ankunft des Bischofs erst unmittelbar zuvor durch einen Dolmetscher in Kenntnis gesetzt, bedachten ihn zu dessen eigener Überraschung mit freudigen Zivio-Rufen. Im Anschluss besichtigte Hittmeier in Begleitung des K&K-Landsturmingenieurs sowie eines Lagerarztes das schon fertige neue Lager und zeigte sich von den guten Wohnverhältnissen in den frischen Baracken positiv überrascht. Nach etwa zweistündigem Besuch und neuerlich strengen hygienischen Prozeduren wie Kleiderwechsel und Desinfektion verließ Hittmeier das Lager. Schon auf der Rückreise nach Linz wirkte er plötzlich gänzlich verändert. Wieder seine Gewohnheit hatte er auf dem Rücksitz Platz genommen und bis Linz fiel kein Wort mehr. Ganz berühmt ist das Lagermauthausen aber deswegen geworden, weil, wie schon kurz vorher angesprochen, weil der Bischof, der damals bekannte Bischof von Linz, Rudolf Hittmeier, am 10. Februar 1915 das Lager besucht hat. Vor ihm damals waren noch serbische Kriegsgefangene da. Er wurde zu seiner völligen Überraschung von den serbischen orthodoxen Kriegsgefangenen mit Hochrufen, mit Ziviorufen begrüßt und hat sich sehr gefreut, dass er so gut aufgenommen worden ist, war aber dann doch sehr erschüttert von den Bedingungen, unter denen die Kriegsgefangenen leben mussten. Damals noch im Jänner, Februar herrschten sehr schlechte hygienische Zustände und ein Chronist, und ein Chronist, der diese Fahrt genau beschrieben hat, des Bischofs nach Linz und vom Lager, von Linz ins Lager und zurück, der hat gesagt und hat es so beschrieben, dass der Bischof sehr nachdenklich während der Fahrt zurück nach Linz auf dem Rücksitz des Wagens gesessen ist und kein Wort mehr gesprochen hat. 14 Tage später haben sich bei ihm schon die ersten Anzeichen der Flecktyphuserkrankung bemerkbar gemacht. Plötzlich einsetzendes hohes Fieber bis 41 Grad, erinnert an die schweren Fälle von Corona. Heutzutage wurde er sofort isoliert. Auch das erinnert uns an die heutige Corona-Pandemie und den besten Arzt, den es damals gab, den Primarius des damaligen Allgemeinen Krankenhauses in Linz, Dr. Lindner, der hat ihn aufopferungsvoll medizinisch betreut. Aber am 5. März 1915 ist der Bischof Ann Flecktyphus gestorben und es gab dann im Linzer Dom ein Begräbnis, das allerdings in aller Stille abgehalten werden musste, denn aufgrund der Seuchengefahr konnte man, und das erinnert auch wieder an die Situation heutzutage, konnte man keinen Menschenauflauf oder konnten nicht viele Menschen, die sonst gewiss daran teilgenommen hätten, hier dabei sein. Das war eigentlich das, was das Kriegsgefangenenlager Mauthausen berühmt gemacht hat. Ganz interessant ist auch, wie war das dann mit Kriegsende? Was ist mit den Kriegsgefangenen passiert zu Kriegsende? Und wie ist das mit diesem Lager in Mauthausen, das ja immerhin, wie ich schon erwähnt habe, 68 Hektar groß war, in der große Bauten waren, Baracken, aber auch Betonbauten mit Toilettenanlagen zum Beispiel, Maschinenräume, denn es wurden ja auch Maschinen benutzt hier, um im Lager zum Beispiel die Stromversorgung aufrechtzuerhalten und so weiter und so fort. Es war so, dass im Oktober 1918 die Österreich-Ungarn bzw. eigentlich kann man sagen, es war eben schon im November, einen Waffenstillstand mit Italien geschlossen hat. Die Italiener selber haben im Lager hier das Kommando übernommen und in der Chronik des Gendarmeriepostens Mauthausen, die ich eingesehen habe, ist davon berichtet, dass die Italiener im Laufe der nächsten Wochen mustergültig erstens einmal das Lager geräumt und mit Zügen, man muss sich auch vorstellen, dass natürlich damals am Ende des Krieges auch die Zugkapazitäten nicht sehr groß gewesen sind, daher hat es sehr lange gedauert und in Zügen in ihre Heimat zurücktransportiert worden sind. Und dann haben innerhalb von zwei Jahren die Landwirte der Umgebung die Felder so kultiviert, dass praktisch im Jahre 1920, 1921 fast nichts mehr sichtbar war von diesem Lager. Ganz interessant war natürlich auch, wie ist überhaupt das Lager, sind die Grundstücke erworben worden? Nun, man hat mit dem sogenannten Kriegsleistungsgesetz, das war ein Gesetz, das in Kriegszeiten das Militär berechtigt hat, gewisse Dienstleistungen der Bürger zu fordern, gewisse Grundstücke zu requirieren und an sich zu nehmen, dass man ihnen versprochen hat, den Bauern, man wird nach dem Krieg, den man natürlich geglaubt hat, siegreich absolvieren zu können, ihnen das alles wieder zurückgeben, ihnen alles das wieder so herstellen, wie es ursprünglich gewesen ist. Nun, der Krieg ging verloren, das war klar und damit hat auch Österreich-Ungarn ja zu bestehen aufgehört und so mussten die Landwirte und Bauern in Eigenregie das dann selber wieder rekultivieren und das haben sie sehr gut gemacht und man konnte nach kurzer Zeit nichts mehr spüren und sehen, dass da einmal so ein Riesenlager gewesen ist, so eine Stadt in der Stadt. Der Kooperator von Machtrenk hat das Lager Machtrenk zum Beispiel die Schwarze Stadt genannt, weil die Baracken immer mit so schwarzen Teerpappetechern abgedeckt worden sind. Er hat sie die Schwarze Stadt genannt und so war es natürlich auch in Mauthausen. Und dann sehr bald nach dem Ersten Weltkrieg kamen auch Bemühungen zum Tragen oder wurden Bemühungen angestellt, eine hier im Lagerfriedhof, das war ja der südlichste Teil des Kriegsgefangenenlagers, war hier dieser Lagerfriedhof, ein Mahnmal zu errichten zum Gedenken an diesen Ersten Weltkrieg, zum Gedenken an diesen Ort, wo so viele Kriegsgefangene gelebt haben und auch viele gestorben sind. Und so kam man auf die Idee, die Italiener haben das gemacht, hier aus Carrara-Marmor ein eindrückliches Denkmal zu gestalten, das an diese Zeit erinnert. Gestaltet wurde es von einem berühmten künstler, italienischen Künstler, nämlich Professor Paolo Boldrini und besonders bekannt, besonders interessant war, dass er hier als Oberleutnant selber Kriegsgefangener gewesen ist und daher einen ganz besonderen Bezug zu diesem Lager gehabt hat. 4,5 Meter hoch ist dieses berühmte Denkmal aus dem italienischen Carrara-Marmor, der in der Toskana gewonnen wird. Und im Jahre 1920 fand eine große Feier statt, an der österreichische Offizielle aus Oberösterreich natürlich auch und aus Italien zur Eröffnung teilgenommen haben. Und seit dieser Zeit ist auch die Betreuung des Soldatenfriedhofs eine Angelegenheit, die das Schwarze Kreuz Österreich im Auftrag des Innenministeriums macht und das italienische Innenministerium, das ebenfalls in der Betreuung dieser Gedenkstätte hier mit dabei ist. Und vor zwei Jahren wurde dann dieser Lagerfriedhof durch etwas ganz Besonderes erweitert, nämlich die serbische Regierung hat ein Projekt gestartet, hier eine serbisch-orthodoxe Kapelle zu errichten, um daran zu erinnern, dass über 6000 serbische Kriegsgefangene beispielsweise an der Flektivverseuche, aber dann noch weitere serbische Kriegsgefangene natürlich auch an anderen Krankheiten hier gestorben sind. Und die Anlage, so wie wir sie hier sehen, ist also bis heute nicht nur eine Warnung vor Völkerhass und vor Streit, Völkerstreit. Wir haben ja Gott sei Dank durch die EU jetzt nach dem Zweiten Weltkrieg eine Institution erhalten, die versucht, diesen Völkerstreit, der damals zwischen Staaten Europas in unmittelbarer Nähe passiert ist, zu verhindern. Aber es ist vor allem auch dieses Denkmal ein Mahnmal gegen die Schrecken des Krieges, wo wir alle hoffen, dass so etwas in dieser Form nie mehr wiederkehrt und wo es durchaus Sinn und sehr vernünftig ist, immer wieder auch durch Führungen, immer wieder auch durch besondere Veranstaltungen daran zu erinnern. Gab es einen Unterschied zwischen dem Kriegsgefangenslager im Ersten Weltkrieg und den berüchtigten Konzentrationslagern der Nazizeit? Im nationalsozialistischen Konzentrationslager Mauthausen hatte man nicht die Absicht, die Häftlinge wieder zurückzukehren zu lassen, sondern man hatte von Anfang an den erklärten Willen, sie durch Arbeit zu vernichten, aufgrund der menschenverachtenden Rasseideologie der Nationalsozialisten. Gab es nach dem Krieg Versöhnungsversuche? Ja, es gab Versöhnungsversuche und gibt sie bis heute. Der erste fand bereits, wie schon erwähnt, 1920 mit diesem imposanten und eindrücklichen Mahnmal aus Carrara-Marmor statt, dass die Verbindung zwischen Österreich, das jetzt nunmehr Republik gewesen ist, und Italien darstellen soll. Und es gibt, wie gesagt, bis heute im Rahmen der KZ-Gedenkfeiern sind immer wieder Delegationen, die oben in der KZ-Gedenkstätte die Ehrenwache halten, auch hier im Lagerfriedhof zu Gast und gedenken der Kriegsgefangenen Italiener, die hier im Lager ihr Leben lassen mussten. Und die Träger dieser Gedenke- und Erinnerungskultur sind einerseits das Schwarze Kreuz Österreich im Auftrag des Innenministeriums, aber auch das Innenministerium in Italien. Und neuerdings hat sich auch die serbische Regierung mit einer serbisch-orthodoxen Kapelle in diese Verbindung mit eingeklinkt und das ist glaube ich ein ganz wichtiger Punkt, der zur Völkerverständigung beitragen soll und auch in Zukunft die Völkerverständigung glaube ich hoch halten wird. Durch die europäische Gemeinschaft gibt es eben viel mehr Abhängigkeiten im positiven Sinne und Solidarität und gemeinsame Lösungsversuche der Staaten Europas und dann kann so etwas nicht passieren wie es damals war, dass Völker in unmittelbarer Nachbarschaft sich befriedet und bekämpft haben. Ich habe ja schon eingangs bei meiner Führung gesagt, was zum Beispiel mit Frankreich passiert ist, das besonders hart getroffen worden ist, das will man verhindern in Zukunft und versuchen das zu vermeiden. Und dieses Denkmal, das hinter mir steht, dieses berühmte und weithin sichtbare Denkmal aus weißem Kararamarmor, soll also nicht nur warnen vor solchen Völkerkriegen, sondern soll ein beständiges Mahnmal gegen die Schrecken des Krieges sein und damit verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. werden und auch Gedenkveranstaltungen, die jährlich stattfinden, immer wieder daran erinnern sollen und verhindern sollen, dass zwischen den Staaten Europas Konflikte in kriegerischer Form ausgetragen werden und dafür sorgen sollen, dass hoffentlich, schön wär's, ein Friede die Welt beherrscht. Thank you.