Wir feiern heute ein wenig. Vor fast acht Jahren habe ich Literatur im Dorf von Otto Tremetsberger übernommen und heute ist meine 50. Sendung. Grund genug, finde ich, über Literatur aus den verschiedenen Blickwinkeln zu sprechen. Silvana Steinbacher begrüßt Sie herzlich bei Literatur im Dorf. Und weil ich überzeugt bin, dass auch KI eine Rolle spielen wird, was bezüglich Literatur, habe ich mir den Spaß gemacht und habe KI befragt, ist die Sendung Literatur im Dorf wichtig? Und KI hat mir geantwortet, ja, die Sendung Literatur im Dorf ist eine wichtige, unabhängige Kulturplattform, die trotz geringerer Reichweite als große Medien eine feste Größe in der Literaturszene darstellt. Sie bietet tiefgründige Gespräche mit bekannten Autoren sowie Nachwuchstalenten und war bereits für den Erwachsenenbildungspreis nominiert. Naja, wer sagt's denn? Und heute möchte ich zu diesem 50er mit Eva Schörkuber, Stefan Kögelberger und Otto Tremetsberger über Über Literatur, Probleme, Perspektiven sprechen. Herzlich willkommen. Ich möchte mit der Schriftstellerin Eva Schörkuber beginnen. Sie hat Germanistik und Komparatistik in Wien und Marseille studiert. Neben Unterrichtstätigkeiten in Oran und Alschir ist sie Herausgeberin, Lektorin, Dramaturgin, Autorin und Lehrbeauftragte. Und sie ist unter anderem Redaktionsmitglied bei PS Politisch Schreiben. Dazu kommen wir ja auch und das sind wirklich viele Faktoren, Eva, Funktionen. Wenn du deinen Alltag jetzt einmal als Autorin betrachtest, haben sich die Bedingungen in den letzten Jahren verbessert oder ist es schwieriger geworden? Ich glaube, dass die größten Veränderungen noch bevorstehen. Also was sich auf jeden Fall geändert hat, ich bin als Schriftstellerin tätig, arbeite an meinen eigenen Projekten, aber ich bin auch in vielen Gruppen, wie zum Beispiel PS-Politik schreiben und veranstalte selber auch immer wieder kleinere und mittlere Literaturformate, vor allem in Wien, wo ich ansässig bin, aber eben jetzt teilweise auch in Oberösterreich. Und was wir zum Beispiel schon gemerkt haben, war, dass die Förderungen einfach weniger geworden sind letztes Jahr von der Stadt Wien. Und ich weiß, das wird einfach in den nächsten Jahren zunehmen. Also insofern wird sich mein Alltag als Autorin und als Veranstalterin dahingehend verändern, Also insofern wird sich mein Alltagsautorin und als Veranstalterin dahingehend verändern, dass wir zwar weiterhin die Förderanträge schreiben, aber dass manche Sendereien, zum Beispiel wir hatten eine Literatursendung im Freien Radio in Wien auf Radio Orange, dafür gab es keine Förderung mehr letztes Jahr von der Stadt Wien. Und wir möchten aber dieses Format natürlich beibehalten. Es sind literarische O-Töne, zeitgenössische Literatur. O-Töne, zeitgenössische Literatur. Und also ich glaube, da wird sich insofern einiges verändern, als halt einige dieser kleineren und mittleren Veranstaltungsreihen auch wegbrechen werden. Und das betrifft mich einerseits als Veranstalterin, aber natürlich andererseits auch als Autorin. Also verändern meinst du in dem Sinn schwieriger werden natürlich, was ich raushöre. Genau, also verändern im Sinne von, es wird weniger Veranstaltungen geben, die Antragsarbeit bleibt dieselbe. Und es wird natürlich auch, weil das sind ja auch Honorare, Organisationshonorare, Moderationshonorare, Lesungshonorare. Und genau insofern glaube ich, dass sich das in der nächsten Zeit einfach stärker verändern wird. Otto, ich möchte jetzt, weil es eben die 50. Sendung ist, die ich von dir übernommen habe, möchte ich, würde es mich schon interessieren, was hat dich bewogen, diese Sendung zu erfinden sozusagen? Also ich nehme an, du hast da ein Defizit auch gespürt, was das Journalistische betrifft. Ja, auf jeden Fall. Ich würde sagen, zwei Zugänge fallen mir in dem Zusammenhang ein. Das erste ist, ich bin absolut der Meinung, dass die nicht kommerziellen Medien, die freien Radios und DorfTV, gerade was Literatur betrifft, eine besondere Verantwortung haben, nämlich genau vor dem Hintergrund dessen, was du schon ein bisschen andeutest, nämlich die Situation wird schwieriger und es geht ja nicht nur um die Förderung, sondern es geht auch um den Kulturjournalismus insgesamt, der einfach immer mehr an Bedeutung verliert und Kulturjournalismus auch im Sinne von nicht nur präsentieren und zeigen, was es gibt, sondern darüber reden, was es gibt. Also ein ganz wichtiger Aspekt, gerade wenn es um Literatur geht. Also da sehe ich bei den freien Radios auf der einen Seite eine ganz große Verantwortung. Und das Zweite, was mich da bewegt hat, ist natürlich meine eigene Erfahrung als Autor, wie schwierig es ist, medial wahrgenommen zu werden mit dem, was man macht, wo viel Zeit und Energie und Kraft dahintersteht. Und wie wichtig es ist, medial wahrgenommen zu werden und dass man sozusagen auch sichtbar wird mit dem, was man macht und dass es dokumentiert ist. Und da verstehe ich jeden anderen Autor, jede Autorin, die das besonders ernst nimmt, weil ohne mediale Wahrnehmung Literatur nicht funktionieren kann. Also ich muss ja noch dazu sagen, du bist ja ganz, ganz tief in DorfTV verwurzelt. Du bist Mitinitiator und Geschäftsführer des Freien Radio Freistaat und Mitbegründer von DorfTV und warst dessen kaufmännischer Geschäftsführer. Und jetzt bist du Geschäftsführer des Festivals der Regionen. Und nicht zu vergessen, wie du eben gesagt hast, bist du auch Schriftsteller. Und Stefan, du bist der Leiter des Literaturhauses im Stifterhaus. Es ist ja, wenn wir auch so vom Medialen sprechen, wie schwierig ist es denn eigentlich, Journalistinnen und Journalisten für literarische Themen zu interessieren? Ja, eine gute Frage. Hängt natürlich immer an den handelnden Personen. Ja, eine gute Frage. Hängt natürlich immer an den handelnden Personen. In Oberösterreich würde ich sagen, dass wir eigentlich schon einen guten Kulturjournalismus haben, also sowohl im Printmedien als auch im Fernsehen, zumindest sehr bemühte Personen, deren Zeit natürlich eingeschränkt ist. Und wie Otto Tremitzberger richtig sagt, es gibt eine große Vielfalt von dem, was passiert. Und es ist nahezu unmöglich, dass die wenigen Personen das dann abbilden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Medien. Grundsätzlich glaube ich, dass Oberösterreich schon noch sehr gut ausgestattet ist. Ich denke, andere Bundesländer, da geht es noch schwieriger, dass man Sichtbarkeit bekommt. Also auch wir vom Stifterhaus sind ja statutengemäß darauf ausgerichtet, vorrangig oberösterreichische, zeitgenössische Literatur zu präsentieren. Ich denke, das ist wichtig und wir machen das in guter Zusammenarbeit eigentlich mit den Kulturjournalistinnen und Journalisten in Oberösterreich. Du hast also noch nicht so lange, ich glaube im August 2024, diese Funktion übernommen und jeder neue Leiter hat doch auch so eine Intention, was Neues einzubringen. Was ist denn dir besonders wichtig? Ja, ich denke, was sehr unterrepräsentiert ist, also überhaupt im Literaturbetrieb, das ist die sogenannte experimentelle Literatur, wenn ich das so sagen darf, unter Anführungszeichen. Und ich glaube, dass Oberösterreich hier, auch mit dem Vermächtnis von Heimrath, Becker und so weiter, hier auch mit dem Vermächtnis von Heimrath Becker und so weiter schon ein Ort innerhalb Österreichs sein könnte, wo das sehr stark gewichtet wird. Und ich werde mich bemühen, dieser doch oftmals eher vernachlässigten Literaturgattung besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Und beginnen wollen wir damit diesen Juni mit drei Tagen mit einem Festival, das Vorsommer heißt und da sollen oberösterreichische Nachsommer anglingen. Das erkennt man sofort, die Literaturjournalistin, genau, ist im Stifterhaus, soll an den Nachsommer anglingen. Vielleicht auch, wurde mir gesagt, an den Vormärz. Das ist ja schön, da muss man wieder ein bisschen aufpassen. Aber da wollen wir eben an drei Tagen experimentelle Literatur vor den Vorhang holen. Welche Veränderungen bemerkt ihr denn eigentlich so in der Literaturszene als Schriftsteller jetzt? Also ich bemerke teilweise gar keine Veränderung. Und zwar jetzt, wenn man es punktuell betrachtet, natürlich teilweise gar keine Veränderung. Und zwar, jetzt einmal punktuell betrachtet. Natürlich gibt es viele Veränderungen, da werden wir wahrscheinlich noch darüber sprechen. Aber in einem Punkt habe ich den Eindruck, dass sich wenig verändert. Das ist der Bereich der Interessensvertretungen, der Bereich der organisierten Vereine, der GAF oder der PEN-Club oder IG AutorInnen. Da habe ich den Eindruck, da ist zum Beispiel die junge zeitgenössische Literatur kaum abgebildet. Ich habe mir mal den Mühe gemacht, den Vorstand der IG AutorInnen einmal nachzurecherchieren, wie alt die eigentlich sind. Und da bin ich draufgekommen, das sind alle so zwischen 70 und 80 im Durchschnitt. Und da habe ich schon das Gefühl, es ändert sich unglaublich viel in der Literatur und die Rahmenbedingungen ändern sich und sie werden wahrscheinlich für viele nicht besser. Aber dort, wo ich glaube, wo schon eine Veränderung notwendig wäre, das wäre sozusagen in der Sichtbarkeit, Wirksamkeit, zeitgemäßen Auftretens der Interessensvertretung. Ich glaube, da gäbe es tatsächlich einen Veränderungsbedarf und an vielen anderen Punkten würde ich sagen, schade, da ist die Veränderung eigentlich ganz nachteilig. Ja Eva, da bist du ja auch angesprochen, also zwischen 70 und 80 weiß ich nicht zu Recht, aber du bist Mitglied in der GAF, der Grazer Autorinnen- und Autorenversammlung. Und die GAF zur Erklärung fördert unter anderem die zeitgenössische Literatur durch zahlreiche Lesungen und Veranstaltungen und möchte also auch das Leben oder die Bedingungen verbessern. Wie kann das gelingen? Genau, ich möchte gleich auf sozusagen die Nachfolge und die Altersproblematik eingehen. Ich glaube, das ist wirklich ein guter und wichtiger Punkt bei allen Interessensvertretungen, die wir sozusagen in Österreich haben. Ich glaube, der springende Punkt wird sein, dass diese Art von Interessensvertretung einfach auch in irgendeiner Form attraktiv sein muss für den Nachwuchs und sozusagen auch zugänglich für sozusagen jüngere oder strukturell jüngere Personen. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Und was sozusagen die jetzigen Entwicklungen betrifft, ich glaube, es ist so, es gibt die Errungenschaften, die IG, GAF, PEN teilweise auch gemeinsam durchgefochten haben, keine Ahnung, Jurybesetzungen mit Beteiligung von den jeweiligen Interessenvertretungen und so weiter. Und ich glaube, dass es total wichtig sein wird, in den nächsten Jahren nicht einfach darauf zu pochen, so viel wie möglich davon zu erhalten, sondern wirklich auch vorauszudenken und weiterzudenken. Also was ändert sich jetzt gerade momentan wirklich möglicherweise auch nachhaltig, strukturell? Wie werden diesen Veränderungen, diesen ganzen Einsparungen und so weiter begegnet? Und ich persönlich glaube, dass ein ganz wichtiger Punkt sein soll, auch von Interessensvertretungen für AutorInnen, dass sozusagen die Förderstruktur nicht wieder zugezogen wird auf Einzelförderungen im Sinne von, es werden immer nur noch oder hauptsächlich Einzelpersonen gefördert, sondern ich glaube, dass Förderungen ganz prinzipiell dazu da sind, Ungleichgewicht, soziale Ungleichheiten aufgrund von allen möglichen sozialen Faktoren so weit wie möglich auszutarieren. Ich glaube, das ist gerade im literarischen Feld einfach ein ganz großer Punkt. Also es ist einfach, was bedeutet Strukturförderung und was bedeutet die Förderung von Einzelpersonen? Also was bedeutet es zu versuchen, die Förderungen so zu gestalten, dass sie zugänglich sind auch für Personen, die jetzt nicht die ganz großen Langzeit-Prosa-Projekte zum Beispiel einreichen für die hochdotierten Stipendien, sondern was bedeutet also Literaturförderung von unten? Und ich finde, dass gerade die Interessensvertretungen und dazu gehört auch die GAF, sich in den nächsten Jahren einfach diesen Fragen auch annehmen sollten und da auch wirklich aktiv und nicht nur die eigenen Pründe oder die eigenen Errungenschaften verwalten sollten. Also mir kommt vor, es hat sich auch so das Arbeitsfeld der Autorinnen und Autoren verändert oder verändern müssen. Also ich kann mich erinnern, in den 70er Jahren, also da gab es durchaus noch Autorinnen und Autoren, vor allem in der Steiermark kann ich mich erinnern, die von Hörspielen leben konnten. Und jetzt ist es eigentlich so, dass es ganz stark auch dazu gehört, die richtigen Leute kennenzulernen, sich zu vernetzen. Und ich habe oft den Eindruck, das nimmt einem auch so viel Energien vom reinen Schreiben, dem man sich widmen sollte. Eine Lanze brechen, denke ich, für die GAF-Gruppe Oberösterreich, die eine der aktivsten ist in ganz Österreich, die meisten Veranstaltungen macht und so weiter. Und da ist nämlich der Vorstand dann nicht zwischen 70 und 80, sondern das sind wirklich, also mit Dominika Meindl als Vorsitzende, Alter darf man nicht sagen bei Damen eigentlich, aber auf jeden Fall nicht 70. Und ich denke, da ist man wirklich sehr gut am Puls der Zeit. Das möchte ich nur anmerken. Das ist nur der Form halber. Ich bin auch GAF-Vorstandsmitglied und falle auch in die andere Altersgruppe. Aber ich glaube, das, was du angesprochen hast, ist so ein größer gefasstes Problem. Ich kenne natürlich die GAF Oberö Österreich mit der Dominika, habe heute Morgen mit ihr telefoniert und die sehe ich genauso wie du, also total engagiert und sozusagen an der literarischen Front passiert ja auch sehr viel. Was mich eher interessiert, wäre die bundespolitische Dimension, sozusagen die strukturelle Dimension, die dahinter steht und da finde ich, es ist zu wenig immer nur zu sagen, alles soll so bleiben, wie es ist und die Veränderungen, die anstehen, am besten ignorieren oder rückgängig machen. Das wird nicht funktionieren. Es wird einfach so viel verändert werden in den nächsten Jahren, dass man sich tatsächlich die ganzen Themen wirklich aus strukturpolitischer Sicht anschauen muss. Die Förderungen. Also ich sehe auch da einen totalen Nachholbedarf und einen Nachdenkbedarf, was die Förderungen für Literatur betrifft. Ein Beispiel ist die Diskussion, die wir vor kurzem hatten, mit der Unmöglichkeit für Arbeitslose geringfügig dazu zu verdienen. Verstehe ich natürlich, dass man sich jetzt als Kunstschaffende darüber beschwert, dass das nicht mehr geht, aber es ist auch gleichzeitig, stellt sich für mich die Frage, ob das überhaupt eine Lösung sein kann oder hätte sein können, indem man sozusagen ein strukturelles Problem, nämlich die Tatsache, dass Menschen nicht von ihrer künstlerischen Arbeit leben können, umgeht durch das Konstrukt der geringfügigen Beschäftigung. Also es gibt einfach strukturelle Probleme, mit denen man sich beschäftigen muss. Und da sehe ich die Interessensvertretungen auf bundespolitischer Ebene sehr stark in der Pflicht,, sichtbar zu werden. Und da fehlt mir dann eben die jüngere und nächste Generation, die vielleicht ganz andere Blickwinkel hat. Und da sehe ich auch einen Selbstauftrag der freien Medien, nicht nur quasi Literaturjournalismus zu betreiben, sondern auch diese literaturpolitischen Forderungen zu unterstützen und das vielleicht auch zu stärken. Also ich möchte nochmal auf die Sendung zurückkommen, die wir ja heute feiern sozusagen. Und auch auf die anderen Medien und vor allen Dingen auch, wie das bei euch in anderen Berufen ankommt. Also ich habe schon so bemerkt, dass auch in einem anderen Medium, wo ich gearbeitet habe, dass immer mehr so Entertainment reingekommen ist und dass man fast so auch ein bisschen von den Schriftstellern verlangt hat. Eine Schriftstellerin hat mir mal erzählt, ganz egal von welcher Seite medial, dass sie gefragt worden ist, was ihre Lieblingsspeise ist und so. Also wo ich teilweise finde, das ist eine Zumutung. Habt ihr damit auch zu tun? Oder nehmt ihr das wahr? Also so, dass das nicht mehr wirklich nur in die Literatur geht, sondern dass das immer mehr vermischt wird. Ja, ich nehme das ganz stark wahr. Aber also nicht erst die letzten Jahre, sondern sukzessive eigentlich die letzten, keine Ahnung, zwei Jahrzehnte. Und das hat aber auch, das betrifft die Literatur, das betrifft die Kultur, aber das betrifft auch jede Art von Debattenkultur, jede Art von politischer Auseinandersetzung. Und diese Spektakulisierung, also diese Spektakel, die da abverlangt werden, und ich sage es ganz einfach auch, diese Verflachung, ist einerseits natürlich das Bittum, das verringert die HörerInnenzahlen oder die ZuseherInnenzahlen und ich nehme das so einfach auf wirklich vielen Ebenen, fast auf allen Ebenen so eine Art Dynamik wahr, die sich halt immer weiter in diesem Kreis bewegt. Es wird immer mehr Spektakel, es verflacht immer mehr. Die einen sagen, wir verlieren eben HörerInnenzahlen, ZuseherInnenzahlen. Die anderen sagen, das können wir ihnen nicht zumuten. Und ich glaube, das ist auch einer der ganz wichtigen Punkte für uns als VeranstalterInnen, als Kulturschaffende, als SendungsmacherInnen, gerade auch in den freien Medien, da einfach dagegen zu wirken und zu sagen, man kann ja einem Publikum durchaus was zutrauen. Und das funktioniert ja. Also ich muss sagen, ich würde sagen, das funktioniert ja auch. Ja, ja. Wie sehr, also was ich auch von einigen Literaturhäusern weiß, ich weiß nicht, ob das von den Veranstaltern überhaupt von sich aus propagiert wird, also die dann auch so ich weiß nicht, zum Beispiel ein Quiz einführen und also ist das etwas, mit dem du auch konfrontiert wirst? Du meinst einen niederschwelligen Zugang? Einen ganz niederschwelligen Zugang, ja. Ich habe ja das Glück, dass ich das Literaturhaus, das Oberösterreichische Literaturhaus übernommen habe. Und es war ja sozusagen schon die Marke geprägt, wenn man so will, von meiner Vorgängerin, der Doktorin Regina Pinter, die das 30 Jahre lang geleitet hat und wirklich auch geschafft hat, dass das Stifterhaus wirklich österreichweit als einer der wenigen Orte gilt, wo hohe Literatur erlebt werden kann. Ich glaube, das ist viel wert und das soll auch bewahrt werden, denn wie Eva richtig sagt, viel Spektakel ist überall und viel Klamauk auch, aber ich denke, es gibt genug Interessierte, die einfach nur die Texte erleben wollen und den oder die Autorin dann erleben wollen, die diese Texte vortragt und einfach sich intellektuell damit auseinandersetzen möchten. Ich halte das Stifterhaus, also den Ort, wo ich zuständig bin für das Programm, nicht für den geeigneten Ort, um ein Lyrik-Quiz oder was weiß ich. Was wir schon machen, ist, sagen wir mal, angefangen einen Buchclub zu sagen, der am Programm angebunden ist, wo sich Interessierte, da ist nichts dagegen zu sagen, dann können sich Interessierte vorher austauschen und Fragen können vielleicht übernommen werden an den Autor oder die Autorin am Tag der Lesung, am Abend der Lesung. Aber ich denke, das war es dann auch. Also ich sehe uns nicht irgendwie in Veranstaltungen, wo die Autoren lesen und jonglieren gleichzeitig oder sowas. Das würde mir sehr fernheben. Und es ist kein Druck, also auch so von außen? Diesbezüglich ist kein Druck. Wie gesagt, es gibt auch das Interesse. Wir haben gute Besucherinnenzahlen. Letzte Woche hatten wir Robert Menasse, da sind wir dann eher zu klein auch wieder. Da waren irgendwie 170 und alle anderen müssen heimgehen und dann ist schon alles dicht gedrängt. Aber wir haben natürlich auch Veranstaltungen, weil wir von der Qualität dieser Texte überzeugt sind und da sind dann 30 Leute vor Ort. Aber es gibt diesbezüglich, muss man wirklich sagen, weder von der Institutsleitung noch vom zuständigen Referentendruck. Also ich möchte ein bisschen auch auf die Tendenzen zu sprechen kommen, also auch auf die Themen, die Autorinnen und Autoren, eben auch vielleicht die Jungen auch jetzt interessieren. Also ich möchte aufs Politische zum Beispiel kommen. Ich weiß, dass du zum Beispiel Nachricht an den Bären, da geht es um Rechtspopulismus in erster Linie. Wie wichtig ist dir in deiner Literatur die Politik? Sie ist mir tatsächlich sehr wichtig. Und ich glaube, es ist immer total wichtig, ich sage auch immer, wenn wir über PS-Politisch Schreiben sprechen, politisch meine ich, weder als Autorin noch als Mitredakteurin von PS-Politisch Schreiben, politische Inhalte. Das ist nicht vordergründig. Für mich ist politisch sozusagen immer eine eigene Standortbestimmung. Also von welchem Standpunkt aus schreibe ich, von welchem Standpunkt aus entwickle ich meine Haltung als Schriftstellerin. inwieweit spielt die Zeit, in der ich lebe, eine Rolle, die Geografie, in der ich lebe, eine Rolle, natürlich auch die Erfahrungen, das meine ich mit politisch, politisch schreiben. Das heißt, ich verstehe mich nicht als Schriftstellerin, die glaubt, in einer überzeitlichen Kapsel sozusagen einen Gesamtüberblick über die Welt zu bekommen, sondern ich bin in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort geboren und befinde mich und bewege mich und schreibe und denke und lebe in einem ganz bestimmten Kontext. Und auf die eine oder andere Art und Weise werde ich das verhandeln als Schriftstellerin. Es muss gar nicht explizit politisch sein, bei der Nachricht an den Großen Bern war es tatsächlich explizit, weil es so eine Befragung der Zeit war und eine mögliche Weiterentwicklung von den Tendenzen, die heute weiterhin durchaus sichtbar sind. Aber für mich ist politisch Schreiben wirklich tatsächlich meine Haltung als Autorin, wie gehe ich oder wie reflektiere ich diese Art von Haltung in meiner literarischen Arbeit? Und das meine ich wirklich tatsächlich viel umfassender als thematisch. Es gibt dann oft die Diskussionen mit, keine Ahnung, Tendenzliteratur oder engagierter Literatur oder so. Also ich glaube, politisch schreiben heißt wirklich, also meine Selbstwahrnehmung in meiner literarischen Arbeit oder im Plural in meinen literarischen Arbeiten und Herangehensweisen im großen Zusammenhang meiner Zeitgenossinnenschaft. Otto, du hast ja in deinem Buch, Nelson Mandela hatte vielleicht eine schöne Zeit auf Robben Island, ich tue mir immer ein bisschen fair mit dem Titel, weil er so lang ist, da geht es ja nicht nur unbedingt um Politik, da geht es ja auch um Isolation. Aber trotzdem, wie wichtig würdest du meinen, ist dir auch Politik in deiner Arbeit? Wie wichtig würdest du meinen, ist dir auch Politik in deiner Arbeit? Also ich bin natürlich in meinem Leben insgesamt sehr stark mit Politik, vor allem Kulturpolitik oder Medienpolitik konfrontiert und beschäftigt. Und da habe ich schon ein bisschen das Bild vor mir, dass Texte ohne vordergründig politisch zu sein, trotzdem politisch wirksam sein können. Ungerechtigkeit oder so auch dazu führt, gewissermaßen da einen Knoten aufzumachen und es nicht nur unbedingt alles erklärt werden muss und alles ausformuliert werden muss, sondern sich auch aus einem unter Anführungszeichen poetischen Bild eine politische Botschaft ergeben kann. Also das ist sozusagen ein bisschen mein, wäre mein Zugang eher das politische im Hintergründigen. Aber was ich total spannend finde, rückblickend, der Robert Menasse ist gerade angesprochen worden oder vor dem Gespräch habt ihr überakamü gesprochen. Also sozusagen diese Präsenz von Schriftstellerinnen, Schriftstellern als politische Menschen, die ist eigentlich fast verschwunden in den letzten 20, 30 Jahren. Das bedauere ich eigentlich sehr, dass man da nicht mehr so stark durchdringt und dass das literarische Gewicht quasi nicht noch mit politischer Überzeugung gewissermaßen dynamisiert werden kann. In die eine und in die andere Richtung. Bevor ich an dich die Frage stelle, ich habe von einem Schriftsteller eigentlich ein sehr interessantes Gegenargument gehört zu dieser Frage, der eben gemeint hat, gerade in einer politischen Zeit wie der jetzigen, die so brisant ist, findet er seine Aufgabe, das eigentlich eher mit Poetischem entgegenzuhalten. Ich weiß nicht, was er davon hält. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, es trifft auch ein bisschen das, was du gerade gesagt hast. Wie gesagt, ich glaube nicht, dass immer eine explizite Auseinandersetzung, ich glaube tatsächlich die Stärke von der Literatur ist es eben genau in so derart massiv polarisierten Zeiten wie jetzt, Ambivalenzen nicht nur aushalten zu können, sondern tatsächlich in ihrer ganzen Komplexität darstellen und verhandeln zu können. Und da meine ich wiederum nicht explizit, sondern sprachlich, formal, in Form von divergierenden Erzählhaltungen, also welche Form dann auch immer, aber ich glaube, das ist genau, das ist die Stärke von Literatur, dass sie eben das ist ja alles extrem polarisiert. Sowohl als auch, ja, ja. Sowohl als auch und nicht entweder oder, also nicht diese Gedanken, gedanklichen Schollen einzieht, sondern sowohl formal als auch sprachlich, als auch inhaltlich, als auch von der Erzählhaltung her, das auf eine Art und Weise zur Verhandlung anbieten kann, die einfach, glaube ich, allen extrem gut tut und extrem wichtig ist. Und dafür braucht es aber eben auch die entsprechenden Formate. Dafür braucht es das Fütton, dafür braucht es Sendungen, wo wirklich gesprochen werden kann und wo ich nicht eine Werbeveranstaltung für mein neues Buch mache. Otto, möchtest du noch? Ganz deiner Meinung. Aber jetzt vielleicht an dich, weil an dich wird ja sehr, sehr viel herangetragen. Wie sehr würdest du meinen, also wie sehr bist du konfrontiert mit politischen Neuerscheinungen? Zuerst, ich glaube, Literatur ist immer politisch. Das ist der Punkt. Und in welcher Form auch immer und in welcher Ausprägung. Und manchmal halt mehr oder weniger. Ich glaube, es sind eher Abstufungen. Ich glaube auch, was der Otto gesagt hat, halte ich für vollkommen richtig, dass das Politische auch immer im Hintergrund eines Gedichts mitwirkt. Oder was auch immer. Inwiefern bin ich konfrontiert mit Politik? Naja, jeder Mensch ist ein zu hohen Politikon irgendwie und von daher sind alle Autorinnen und Autoren, haben bestimmte politische Ansichten und Meinungen. Wenn man dann die Personen natürlich kennt, dann ist es leichter, das aus ihren Texten auch herauszulesen. Aber ich denke schon, dass wir als das Stifterhaus, als Ort der Literatur und der Begegnung, die Aufgabe haben, das möglichst objektiv alles darzustellen. Also ich würde mich dagegen verwehren, dass wir als Wahlkampfort für irgendetwas benutzt werden. Von daher komme ich ganz gut aus mit dem Thema Literatur und Politik. Also ich bin hin und wieder eben auch in einer Literaturschirie und da fällt mir dann schon auf, dass es immer ganz interessant so gewisse Tendenzen, also die dann so vermehrt auftreten, obwohl die einen von den anderen ja eigentlich nichts wissen, eine gewisse Art der Stilistik eben vermehrt auftritt und in letzter Zeit war es eigentlich auch sehr stark die Dystopie in den Texten. Fällt euch das auch auf? Also wahrscheinlich die meisten meiner eigenen Texte sind dystopisch in irgendeiner Form. Aber was mir schon auffällt ist, dass es mehr wird und dass sozusagen das Dystopische im Kino, im Fernsehen, bei den Streaming-Plattformen und der Literatur, es wird quasi, also es gibt fast keine Ahnung, Inhalte und Themen mehr, hat man manchmal den Eindruck. Und das, als du erst mein erstes Buch angesprochen hast, da habe ich den Eindruck gehabt, das ist sozusagen, war damals aus der Zeit gefallen, weil da hat es noch gar nicht so viele dystopischen Ansätze gegeben. Aber mittlerweile würde ich eher vermeiden wollen, einen dystopischen Roman zu schreiben. Das wäre mir fast ein bisschen zu zeitgemäß. Darf ich etwas anmerken? Also ich studiere natürlich alle Verlagsprogramme, immer die Vorschauen und so weiter. Und die Dystopie feiert ja wirklich eine Hochkonjunktur seit 5, 6 Jahren. Es ist unglaublich, was es da an Neuerscheinungen gibt in allen Gattungen. Das ist richtig beobachtet. Und was ich so ein bisschen mit einem leichten Unbehagen auch sehe, ist diese Hinwendung zum Autobiografischen. Nämlich teilweise auch zum nicht einmal verdeckt Biografischen. Also Monika Helfer zum Beispiel. Nur um nur ein Beispiel zu sagen, Helga Schubert. Wo ich manchmal den Eindruck habe, das geht so fast wieder ins ein bisschen Bodenständige. Und auch, wo ich den Eindruck habe, ob es überhaupt dieser Großmutter zum Beispiel auch wirklich, ob ihr das recht wäre, dass über sie geschrieben würde, die man ja nicht mehr fragen könnte. Also dieses Autobiografische ist schon spürbar, oder? Ich habe mich für ein anderes Projekt ein bisschen eingehend damit, so Autosoziobiografie beschäftigt, was vor allem halt zu Klassenherkunft und Klassismus geht und so weiter. Und ich habe gemerkt, beim Lesen der unterschiedlichen Texte, das gibt es ja auch momentan sehr viel, also wirklich als lesende Kollegin oder lesende Schriftstellerin sozusagen, habe ich gemerkt, mir geht es am besten mit den Texten, wo mit einer wirklich, mit einer Sorgfalt, mit einer, ich sage es einfach, literarischen Sorgfalt mit den Personen, die es ja real gibt. Also die sind ja auch als real markiert, umgegangen wird. Also ich habe zum Beispiel das Buch, was mir, also das ist der Klassiker von diesen Art von Autos, soziobiografien, die Rückkehr nach Reims. Da habe ich gemerkt, dass mir wirklich, also teilweise, es war schmerzhaft zu lesen, wie hart sozusagen mit den Eltern in dem Fall ins Gericht gegangen ist von dem Didier Eribon. Also das war eine derartige, also fast grausame Analyse, wie diese Eltern auch seziert wurden in ihrer Herkunft, in der Entwicklung ihrer Herkunft, auch in ihrer veränderten oder sich verändernden politischen Haltung. veränderten oder sich verändernden politischen Haltung. Da habe ich gemerkt, ja, also genau, wie du gesagt hast, die Sache mit ist der Großmutter das überhaupt recht? Ich finde, das ist wirklich auch tatsächlich eine ethische Frage, die ich mir als Schriftstellerin schon stellen sollte. Ja, weil es eben auch unverdeckt ist. Also wo ich mir oft die Frage stelle, warum nimmt der Autor oder die Autorin nicht eine fiktive Figur, wobei ja die Folie durchaus die Großmutter sein könnte. Aber es hilft dann auch oft nicht viel. Also Thomas Mann und die Buddenbrooks zum Beispiel, dann war ganz Lübeck irgendwie angefressen auf den Thomas Mann. Und das war ja trotzdem nur eine fiktive Erzählung einer Familie, die es aber sicher so gab. Also ich glaube... Ja, auch Thomas Bernhard fällt mir ein. Ja, aber ich glaube, es muss auch ein bisschen wehtun. Ich sehe das gar nicht so, die Ethik, so sagen würde ich dann... Ich bin kein Schriftsteller, aber ich denke mir, dann geht es halt manchmal auch brutal zur Sache. Thomas Bernhardt, es tut einem halt auch weh, dann ist es halt so. Aber ich weiß nicht, das ist natürlich euer Metier. Ich bin natürlich damit einverstanden, also Dinge aufzuzeigen und zu verhandeln, auch hart zu verhandeln. Ich glaube, ich spreche vor allem so ein bisschen als eigene Erfahrung. Ich habe das bei meinem letzten Buch zum ersten Mal selber gemacht, quasi die wunderbare Insel des Nachdenken über den Tod ist Ich glaube, ich spreche vor allem so ein bisschen als eigene Erfahrung. Ich habe das bei meinem letzten Buch zum ersten Mal selber gemacht. Die wunderbare Insel, das Nachdenken über den Tod, das war nicht einmal Autofiktion, sondern tatsächlich die Geschichte meiner Familie und die Geschichte von dem Tod von meinem Vater und dem Tod von einem Freund. Und mir war das wichtig, das zu schreiben. Und natürlich ist die Erzählerin sozusagen gleichzusetzen mit mir, aber natürlich ist es trotzdem ein geschriebenes und konstruiertes Buch. Also es ist kein Tagebuch natürlich und sowas. Und da habe ich schon gemerkt, auch schreibend, wie wichtig mir sozusagen ein sorgfältiger und sorgsamer Umgang ist mit den Aspekten, die ich erzähle und wo ich mich entscheide, schriftstellerisch, die dann auch tatsächlich in der Form darzustellen. Ja, also ich sehe es auch differenziert. Es hat immer Autorinnen, Autoren gegeben, die das sehr brutal verwertet haben. Ich bin ein großer Fan von Max Frisch zum Beispiel. Aber es gibt da schon quasi eine Tendenz, die ein bisschen vergleichbar ist mit dem Journalismus und mit den sozialen Medien. Doch eine andere Vorstellung von Privatsphäre und auch eine andere, gar nicht so sehr Rücksichtslosigkeit im Umgang mit privaten Informationen, sondern vielleicht sogar eher Normalität. Und das ist sozusagen schon ein anderer Zugang, als es vielleicht der brutale Max Frisch gehabt hätte oder der Thomas Bernhard. Es ist doch etwas anderes. Ich lese das sehr ungern, die ganzen Ich-Artikel in den Tages- und Wochenzeitungen, in denen die Kinder und die Verwandten und Bekannten geschildert werden, das lese ich total ungern. Und es ist eine andere Form in der Literatur, aber trotzdem fällt es mir auch auf. Also ich muss sagen, ich war etwas eigenartig berührt. Ich habe ja auch diese Verlagsprogramme und auf einmal lese ich der Schriftsteller XY 7000 Followers. Das war für mich irgendwie was Neues. Und ich habe dann ein Gespräch gehabt mit einem Autor, der bei einem großen Verlag publiziert und der hat mir erzählt, dass nicht nur die Qualität des Textes eine Rolle spielt, sondern auch wie viele Follower der Autor oder die Autorin hat. Das sind doch irgendwie Zukunftsperspektiven, die sehr unangenehm sind. Also ich meine, in dem Fall habe ich mir gedacht, bin ich froh, dass ich keine Literatin bin, oder? Oder? Weiß nicht. Oder sind das die Tendenzen, denen wir entgegensehen? Ich bin nicht sehr aktiv auf Social Media, das heißt, ich könnte auch gar nicht aufwarten mit 7000. Also das ist absolut so, dass Verlage auch Lesungen für ihre Autorinnen und Autoren anbieten und die dann möglichst in viele Literaturhäuser bringen möchten. In den E-Mails ist schon die Rede von Instagram Followern oder was weiß ich, aber das interessiert mich natürlich auch überhaupt nicht. Was diese Zahlen bedeuten, also für mich heißt das nur, die Autorin, der Autor kümmert sich darum, dass die Hütte voll wird. Das soll es ja heißen in Wahrheit. Also so siehst du das. Aber wenn der Text jetzt nicht gut ist, dann hilft das auch nicht. Also wir sind in einer gesegneten Position in diesem Haus, dass wir eben das machen können, weil es von der öffentlichen Hand unterstützt wird und betrieben wird, das Stifterhaus. Bei anderen Literaturveranstaltern und Veranstalterinnen weiß ich nicht, ob das eine Rolle spielt. Also das ist wahrscheinlich eine Frage der Ökonomie. Daher kommt dann so ein Angebot. Aber ich halte es natürlich literal für völlig wertlos, wie viele Follower man hat. Es ist ein bisschen tückisch, weil es scheinbar signalisiert, scheinbar eine große Öffentlichkeit, die irgendwo dahinter steht und wenn man sich die Zugriffe deiner Sendungen anschaut, tausende Zugriffe für literarische Gespräche, das ist schon ein Vielfaches von Veranstaltungen und auch ein Vielfaches wahrscheinlich von Literaturzeitschriften, die sozusagen wirklich gelesen werden. Du gehst in die Tiefe mit deinen Sendungen, aber es gibt trotzdem eine Öffentlichkeit dafür. Und die müsste man dann auch in die Waagschale werfen, wenn es um die 7000 Follower geht, wer immer das sein mag. Also es gibt auch quasi abseits dieser klassischen Social-Media-Plattformen noch Öffentlichkeiten wie die auf DorfTV, die man nicht vergessen darf. Ich möchte noch eines dazu anmerken. Die Literaturhäuser Österreichs sind in einem losen Netzwerk miteinander in Verbindung. Das heißt, Mitsprache, da tauschen wir uns aus, genau über solche Themen. Und ein Literaturhaus, ich sage nicht welches, hat in der Tat den Versuch unternommen, dass mal nach, also wer die meisten Follower hat, die werden jetzt mal eingeladen. Und zu dieser Veranstaltung kamen dann zwei Personen. Ja, das ist interessant. Ob sich das virtuelle Leben erdeckt sich eben nicht im Realen. Also das wurde da eindrucksvoll belegt. Wie wichtig sind dir denn, wenn du jemanden einlädst, eigentlich Preise? Also Preise und Auszeichnungen. Die werden, verstehe ich auch, die werden natürlich immer genannt. Ja, die werden immer genannt. Wie wichtig sind mir bei den Auszeichnungen? Sie machen de facto keinen Unterschied, ob man eingeladen wird oder nicht, weil man einen Preis hat oder nicht. Also ich glaube schon nach wie vor, dass die Verleihung bestimmter Preise ein Qualitätskriterium für Literatur ist in Österreich. Ich glaube auch, dass die Juries im Großen und Ganzen vernünftig besetzt werden, dass auf Ausgewogenheit geachtet wird. Ich glaube, es gibt da schon Sachen, die auch ganz gut funktionieren. Man darf nicht der Versuchung erliegen und alles schlechtreden. Aber ausschlaggebend definitiv nicht. Man erwähnt es eben, um eine Person vorzustellen, auch um zu sagen, diese Person hat diesen und diesen Preis und man versucht ja, die Person bestmöglich zu präsentieren. Also für euch als Schriftsteller, nehme ich an, ist es natürlich schon ein Kriterium. Da fällt mir immer ein, dass der Thomas Berners hat sich doch mit einem seiner ersten Preise einen Cabrio gekauft. Und wenn man das umlegen würde, dann wäre ja ein ganz normaler österreichischer kleiner Kulturpreis jetzt 70.000 Euro wert. Auch da hat sich einiges verschoben in den letzten 60 Jahren. Ich habe mir tatsächlich an meinem ersten Literaturpreis, das war damals der Exil-Literaturpreis, ein altes rotes Rennrad gekauft. Also kein Cabrio. Also um die Verhältnismäßigkeit. Wobei Thomas Bernhardt ja auch ganz gegen Stipendien zum Beispiel war, die ich ja für natürlich wahnsinnig wichtig halte. Weil es war anscheinend in einer anderen Zeit eben, in der er geschrieben hat. möchte noch zu sprechen kommen auf KI, weil ich glaube, ich weiß nicht, ich glaube, da sind wir uns einig, dass uns das schon auch im Sinne der Literatur auch beschäftigen wird. Wie sehr, ich weiß nicht, wie sehr habt ihr da Befürchtungen? Ich habe, also, die KI ist für mich sozusagen so, wie sie heute funktioniert, eine Fortsetzung von viel von dem, worüber wir schon gesprochen haben. Also quasi so eine Art Effizienzsteigerung, Spektakel, auch die Diskussionen darüber sind sehr viel Spektakel und natürlich wird sie viele Dinge übernehmen und so weiter. Also und so weiter. Ich glaube, die Frage in der Kunst ist, ich habe vor kurzem ein sehr schönes Gespräch gehabt in einer Gruppe mit Kollegen, Kolleginnen über KI und wir sind eigentlich drauf gekommen, wir machen uns gar nicht so viele Sorgen, weil eine KI kann zwar in Bruchteilen von Sekunden aus dem weltweiten Netz sozusagen die Dinge zusammenstellen, was ja natürlich auch wieder eine Monopolisierung von Wissen und von Formen und von all dem ist. Aber was eine KI trotz allem nicht machen kann, ist Erfahrung. Das heißt all das, dass sozusagen wir jetzt in Form von Sprache und andere Menschen in Form von Malerei, von Fotografie, von körperlicher Ausdrucksformen und so weiter verarbeiten können zu Kunst, zu einem künstlerischen Ausdruck, in welcher Form auch immer, kann die KI nicht, weil die KI einfach keine Erfahrung machen kann. Also, ja, vielleicht ist das auch so eine Selbstberuhigung oder so eine Selbsttäuschung, aber mir ist das in dem Gespräch wirklich sehr plausibel erschienen,. Eine KI kann keine Erfahrung machen. Das, was sie produziert, kann niemals erfahrungsgesättigt sein. Ich könnte mir vielleicht vorstellen, dass die KI einen Unterhaltungstext irgendwie hinkriegt. Aber zum Beispiel, ich glaube nicht, dass wirklich lyrisch, was Gedicht betrifft, imstande wäre. Oder sagen wir mal vom Status quo her. Wie siehst du das, Otto? Also ich glaube, es gibt unglaublich viel schlechte Literatur und wahrscheinlich wird die KI auch viel schlechte Literatur produzieren. Und das irgendwie mit Unterstützung von KI, vielleicht Brandon dann, aber da wird es bestimmt viele Bücher geben, die mehr oder weniger mit KI geschrieben werden, aber das werden keine guten Bücher sein. Das ist ja eigentlich meine Überzeugung. authentisch sind. Und man merkt schon beim Lesen von KI-Texten, dass in gewisser Weise eine Seele fehlt in diesen Texten. Und das finde ich, zumindest jetzt, finde ich das schon sehr auffällig. Und wenn sich das noch verändern würde, dann wäre es wirklich übel. Stefan, meinst du, dass du einen Text, den du bekommst, der KI geschrieben ist, erkennen würdest? Ist natürlich eine schwierige Frage. Also ich kann auf jeden Fall mal unterstreichen, was der Otto sagt, das mit der Seele eines Buchs oder eines Textes. Bei Kinderbüchern gibt es ja das Phänomen, dass ganz viele produziert werden mittlerweile über KI und auch die Animationen dazu. Und das sind, wir haben ein paar angeschaut und das sind wirklich keine guten Bücher, das muss man sagen. In der Lyrik wiederum, weil du sagst, die könnte sich da, oder die würde sich sehr wehrhaft zeigen, da ist es in der Tat so, dass bei den Einreichungen ist mir zugekommen, für Preise und so weiter, dass schon so viel KI eingereicht wird, dass es schwierig ist und dass man es auch de facto nicht erkennt. Hat mir jemand erzählt, ob ich einen KI-Text erkennen würde. Also ich hoffe es, aber versichern kann ich es natürlich nicht. Ich glaube auch nicht, dass man sagen sollte, es ist sowieso schlecht, was da kommt, weil es wird kommen. Man muss irgendwie der Realität ins Auge sehen und das wird den Kulturbetrieb und unser ganzes Leben, ich glaube, das sind jetzt nur so Anfänge, aber mit voller Wucht erfassen. Es ist sicher die Politik gefordert, oder wir alle sind gefordert, die die Rezipienten von Kunst, in welcher Form auch immer, sind, wollen wir das und was sind wir bereit, sozusagen dafür zu geben, dass wir ein Produkt genießen können, das authentisch von einem Menschen produziert worden ist, das seine Gefühle da hineingelegt hat. Also ich glaube, das ist eine riesige gesellschaftliche Debatte, die da auf uns zukommen wird. Aber die Position, ich mag das nicht und deswegen werde ich es nicht nutzen, also die gibt es gar nicht, die halte ich für intellektuell nicht sehr zielführend. Also ich möchte jetzt auch noch an den Anfang unseres Gesprächs zurückkommen. Der war ja doch sehr natürlich, also was die Gegebenheiten betrifft, was die Förderungen betrifft, dass sehr viel gekürzt wird, war doch sehr pessimistisch, würde ich sagen. Mich würde interessieren, wie seht ihr so die unmittelbare Zukunft? Glaubt ihr da auch wieder an eine Wende? Ich zum Beispiel, ich kann mir vorstellen, dass sich doch auch, wenn es sich zuspitzt, auch mehr Nischen bilden würden und da vielleicht mehr entsteht. Man weiß ja auch nicht, wie sich die politische Situation da bei uns ändert. Sagen wir mal, was vermutet ihr, welche Hoffnungen habt ihr auch? Auch eine schwierige Frage, weiß ich. Also Hoffnungen, ja. Also ich habe tatsächlich auch so ähnliche Hoffnungen wie du, dass auf jeden Fall, auch wenn jetzt Geld gekürzt wird und Initiativen verschwinden, dass sie nur kurzfristig verschwinden, dass sozusagen gemeinsam und auch mit den Interessensvertretungen sozusagen ein Umdenken auch innerhalb dieser quasi repräsentativen Strukturen, also selbstorganisierten repräsentativen Strukturen, aber auch innerhalb der einzelnen Initiativen stattfindet, um sozusagen das wieder zu verbreitern. Also diese Zentralisierung und diese Zuspitzung auf Quantifizierung oder auf diese Art von Spektakel und so weiter, dem gemeinsam entgegenzuwirken. Diese Hoffnung habe ich tatsächlich auch. Also dass sozusagen die Nischen tonangebender werden, gerade weil es enger wird und nicht eine weitere Vereinzelung oder weitere Quantifizierung, also diese Quantifizierungen von Followern ist ja auch eine Art von Quantifizierung, das kennen wir aus allen Bereichen ich weiß natürlich auch, wenn die materiellen Grundlagen enger werden und nicht mehr dazu da sind, dass manche dann auch aufhören müssen zu schreiben, weil sie es sich nicht mehr leisten können. Einerseits bin ich pessimistisch, aber andererseits möchte ich auf gar keinen Fall die Zuversicht aufgeben und mir sowas auch vorstellen können. Also von wegen Dystopien oder so. Es ist viel einfacher, eine Dystopie auf Basis der gegebenen Umstände zu skizzieren oder zu inszenieren, als halt in die Utopie zu gehen und zu sagen, wie kann es denn anders sein, so grundlegend. Und da wäre ich auch bei dir. Was sind deine unmittelbaren Pläne? Eher im Bereich der Autorin oder eher im Reisen wieder? Nils, liebe Grüße aus Brasilien, liebe Grüße aus Tanga, liebe Grüße aus, also ich weiß jetzt nicht, ob es wirklich die Orte waren, aber offensichtlich ist dir das Reisen sehr wichtig, also persönlich oder auch was die Literatur betrifft? Unbedingt miteinander verbunden. Also es sind auch meistens, es sind nie klassische Urlaubsreisen, sondern es sind immer Reisen mit so Aufträgen. klassische Urlaubsreisen, sondern es sind immer Reisen mit Aufträgen. Die Aufträge können sein, ein literarisches Projekt, kann aber auch sein, ein Vernetzungsprojekt mit Literatur- oder Kulturschaffenden vor Ort, also in Brasilien. Und sonst, wenn es wirklich eine Reise nach Sizilien ist oder nach Tunesien, gibt es auch immer den selbsterlegten Auftrag, entweder vielleicht eine Reportage darüber zu schreiben, Leute kennenzulernen. Wir waren jetzt in Tunesien, einem ganz wunderbaren Artist-in-Residence-Ort. Da haben wir dann ganz spontan vor Ort mit den Leuten auch Lesungen gemeinsam organisiert, über alle Sprachgrenzen hinweg. Also das sind so Dinge, die, also es ist immer verbunden. Also geht es jetzt eher so planmäßig bei dir in Richtung einer weiteren Reise oder eines weiteren Romanprojekts zum Beispiel? Genau, also Romanprojekt ist gerade sozusagen eins jetzt mal fertig abgeschlossen, das macht sich dann auf den Weg und das nächste, also es gibt große Themen, die mich sehr interessieren und die sind auch, also an denen ich auch literarisch arbeiten werde und die sind natürlich auch verknüpft mit all den Reiseerfahrungen oder mit all den Dingen, die ich so im Laufe meines Lebens zusammen sammle. Otto, du bist ja auch sehr engagiert beim Festival der Regionen, aber hast du noch Zeit zu schreiben? Sehr wenig im Moment, naturgemäß. Aber ich habe eigentlich ein großes Archiv oder sozusagen eine unglaubliche Materialsammlung und diesen Berg muss ich mir bewältigen, um wieder mit großen neuen Sachen zu beginnen. Zu deiner Frage des Dystopischen. Ich sehe schon auch positive Entwicklungen oder zumindest Entwicklungen, die positiv wahrgenommen werden können. Es hat oft die Diskussion gegeben, es werden einmal keine Bücher mehr produziert, die sich nicht enorm verkaufen und nur mehr die Bestseller, nur mehr 20 verschiedene Bücher, weil ab 10.000 Stück oder so. Und ich bin doch jedes Mal total baff, wenn ich in eine Buchhandlung gehe und dann sieht man die Berge an Neuerscheinungen. Verlage, von denen ich noch nie was gehört habe und Autoren, Autorinnen, von denen ich noch nie was gehört habe und gelesen habe und jedes Mal, wenn ich mir den Leporella vom Stifterhaus anschaue, sind wieder neue darunter. Also es gibt doch eine lebendige Szene. Und es gibt offensichtlich noch immer die Möglichkeit zu publizieren. Ob man davon leben kann, ist eine andere Frage. Aber die Ansage, es wird nichts mehr gedruckt, was sich nicht massenhaft verkaufen lässt, die ist zumindest nicht eingetreten. Und das finde ich schon sehr spannend. Also es gibt eine Vielfalt. Und natürlich, wenn man sozusagen diese Berge in der Buchhandlung so ein bisschen durchschaut, dann ist vieles dabei, wo man sich denkt, ah, aber es ist auch vieles dabei, was überraschend ist. Ich habe jetzt einmal deine Disziplin recht bewundert, weil du gemeint hast, du stehst in der Früh, ich weiß nicht, fünf Uhr auf und schreibst dann vier Stunden. Ich weiß nicht, ob das jetzt immer ist. Vor meiner Zeit beim Festival der Region. Ah, ja. Aber das geht jetzt nicht mehr. Und wie du gesagt hast, Stefan, du hast ja auch sozusagen die Freiheit und die Möglichkeit in deiner Funktion als Leiter des Literaturhauses auch immer wieder was Neues zu entwickeln. Ja, natürlich. Also das ist schon großartig und man weiß das auch sehr zu schätzen. Auch natürlich nicht nur ich, sondern in Absprache mit dem Team. Wir machen das schon alles gemeinsam und konzipieren gemeinsam. Was ich zur Zukunft der Literatur irgendwie noch so anmerken möchte, also genau wie Otto richtigerweise sagt, seit ich, glaube ich, in die Schule gehe, stirbt Literatur. Also es wird bald keine Bücher mehr geben und es liest ja keiner mehr und in Wahrheit sind die Buchverkäufe glaube ich von damals bis heute immer stagnierend. Es gibt keine wahnsinnigen Ausreißer nach oben. Es wird nicht besser, aber es wird in Wahrheit auch nicht schlechter. Die Anzahl der Leser und Leserinnen, die wirklich in die Buchhandlungen gehen genau wie auf der anderen Seite das erzählen und das sich mitteilen. Und da wird wahrscheinlich dann letzten Endes auch keine KI was dran ändern oder keine anders gearteten politisch-ökonomischen Gegebenheiten. Also ich glaube, das ist etwas Unverbrüchliches, was uns als Menschen ausmacht und auch begleiten wird. Aber zu deiner Frage, neue Sachen konzipieren und das Programm gestalten. Also ich bin wirklich sehr, sehr froh, dass mir da so viel Vertrauen entgegengebracht wird von allen Seiten und auch von den Autorinnen und Autoren, mit denen ich... Natürlich, manchmal gibt es Unstimmigkeiten, das ist normal, wo gibt es sie nicht. mit denen ich natürlich manchmal gibt es Unstimmigkeiten, das ist normal, wo gibt es sie nicht, aber im Großen und Ganzen bin ich sehr froh über die positive Resonanz, die unsere Arbeit erfährt und ich hoffe, das bleibt so. Ich bemühe mich jedenfalls, dass alle zufrieden sind. Da wünsche ich euch wieder wirklich jedem das Beste in seinem Bereich. Ich freue mich sehr, dass ihr da wart. Bereich. Ich freue mich sehr, dass ihr da wart. Also wir haben heute gesprochen über anlässlich der 50. Sendung von Literatur im Dorf über den Status Quo der Literatur, eigentlich über Hindernisse, über Bereicherungen und hier zu Gast war Eva Schörkuber, Otto Tremetsberger und Stefan Kögelberger, Silvana Steinbacher. Wünscht Ihnen noch einen schönen Nachmittag. Machen Sie es gut.