Einen schönen guten Abend. Ich bin mittelschwer angetan, bin begeistert, dass einerseits der Saal so voll ist und andererseits dieses Einschlichten auf die leeren Sitze jetzt so gut funktioniert hat. Also von daher nur einmal herzlichen Dank fürs Kommen. Ich stehe da und sollte eigentlich zu zweit da stehen. Harald Wildfellner vom Institut für angewandte Entwicklungspolitik ist leider krank geworden. Darum muss diese Begrüßung, die sehr kurz sein wird, von mir allein durchgeführt werden. Ich werde auch keine großen Grußworte sprechen, sondern ich werde versuchen, den Ablauf des heutigen Abends ein bisschen zu beschreiben. Mein Name ist Bernd Dobisberg, ich bin Vorsitzender der SPÖ-Bildungsorganisation, die im Prinzip für die politische Bildungsarbeit innerhalb und rund um die SPÖ verantwortlich ist in Oberösterreich. Und wir sind einer der Mitveranstalter des heutigen Abends. Zum heutigen Abend. Es geht um Medien, es geht um Demokratie, es geht um Journalismus. Und wir haben dazu einen, das zeigt der Besuch, tatsächlich berufenen Referenten eingeladen, auch mit Touren her bekannt. Aus Funk ist ein bisschen übertrieben, aus Fernsehen ist auch ein bisschen übertrieben, aber zumindest aus dem Druckbereich, lange Jahre einer der Redakteure des Falter, dann fast genauso lange Chefredakteur des Falter bis ziemlich genau vor einem Jahr, habe ich jetzt nachgelesen, und jetzt nach wie vor Herausgeber des Falter. Und der Falter. Und der Falter ist vielleicht auch deshalb eine Ausnahme, weil er der allgemeinen Krise der Printmedien oder der klassischen Medien scheinbar ohne Probleme trotzt und eine treue Leserschaft hat, die das Erscheinen dieser Wochenzeitung möglich macht. Der Armin Thurnherr ist nicht nur Journalist, der sich immer wieder mit den Fragen der Medien und der Medienpolitik beschäftigt hat, sondern auch Buchautor und veröffentlicht, wenn ich das richtig verfolge, im Jahresrhythm einen Bücherstand, Unsternstunden der Menschheit. Die Unsternstunden der Menschheit schließen oder sind der Gegenpol zu den Sternstunden nach Stefan Zweig und beginnen im Prinzip mit der Ausrufung des Neoliberalismus oder dem Überlebensruf des Liberalismus 1947 in der Nähe von Genf, setzt sich fort mit der Geburt von Elon Musk und, und, und bis hin zur Wahl von Sebastian Kurz. Also von daher gibt es eine dichte Abfolge derartiger Unsternstunden, die für den Zustand der Gesellschaft verantwortlich sind. Armin Thurnherr wird jetzt im Anschluss seinen Vortrag halten und dann wird er gemeinsam mit Otto Tremetsberger, der Otto Tremetsberger ist Geschäftsführer des Freien Radio Freistaat und einer der zentralen Akteure der freien Medienszene in Oberösterreich, ein Gespräch führen, das in etwa dann eine halbe Stunde dauern soll und dann wird es noch zeitlichen Ressourcen die Möglichkeit geben, eine Publikumsrunde einzulegen. Das ist also der Plan für den heutigen Abend. Ich hoffe, Ihre Erwartungen, unsere Erwartungen werden erfüllt. In diesem Sinne wünsche ich uns einen spannenden Abend und übergebe die Bühne dem Armin Thurnherr. Entschuldigung, es ist das eingetreten, was immer eintritt, wenn ich sowas mache. Der Armin Thurnherr wird am Schluss dann oder nach dem Schluss Bücher signieren beim Büchertisch, das wollte ich nur sagen. Danke sehr. Vielen Dank für die freundliche Begrüßung. Schönen guten Abend. Danke auch für den zahlreichen Besuch. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich zu diesem oder einem ähnlichen Vortrag gebeten worden bin oder gar dieses Thema als Kommentator behandelt habe. Österreichs Medien und die Demokratie. Aber ich werde nicht müde, es zu tun, zumindest vorläufig. Dabei habe ich stets das Wort Walter Benjamin im Ohr. Nur um der hoffnungslosen Willen ist uns die Hoffnung gegeben. Als österreichischer Medienmensch prangere ich österreichische Medienzustände seit Jahrzehnten öffentlich an. Genau gesagt seit fünf Jahrzehnten. Im Mai 1977 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift Falter, die ich, wie Sie wissen, mitbegründet habe. Und in dieser Zeitschrift habe ich damals behauptet, in der ersten Ausgabe der Falter liege auf der anderen Waagschale. Auch darin lag, wie in dem scheinbar hoffnungslosen Benjamin-Zitat Hoffnung. Hoffnung ist ja nicht Zuversicht. Nur aus der scharfen, unerbittlichen Kritik der bestehenden Zustände kann Besserung entstehen. Ohne solche Kritik, das möchte ich zumindest weiterhin glauben, ist diese unmöglich. Ich bin wegen der Aussichtslosigkeit dieser Aufgabe schon mit Sisyphus verglichen worden und ich weiß nicht, ob man sich Sisyphus wirklich als glücklichen Menschen vorstellen muss. Ich verzichte auch darauf, Ihnen alle die von mir gehaltenen Vorträge zumindest dem Titel nach aufzuzählen, das würde Stunden dauern, aber weil wir schon einmal in Linz sind, erinnere ich mich daran, dass ich hier in Linz einst das Brucknerfest eröffnen durfte und eine Rede hielt, die ich heute fast noch genauso halten könnte. Und wenn ich sie nicht genauso halten könnte, so nur, weil sich die Umstände weiter verfinstert haben. Die Katastrophen der Öffentlichkeit, warum wir einen geistigen New Deal brauchen, lautete damals der Titel. geistigen New Deal brauchen, lautete damals der Titel. Es war 2012, Bundespräsident Heinz Fischer sah bekümmert aus und Nationalratspräsidentin Barbara Pramert tat anschließend, was Politiker seit Jahrzehnten tun. Sie gab mir beim Essen seufzend recht. Sie fragte, was man tun könne und sie wies darauf hin, wenn sie als Politikerin etwas dagegen tue, werde sie nicht mehr lange Politikerin sein. Die Idee eines geistigen New Deal interessierte hingegen kaum jemanden. Österreich hat kein Interesse an Ideen. Öffentliche Reden dienen äußerstenfalls dazu, politisches Personal auf seine Medientauglichkeit zu testen. Wie sie es sagen, ist interessant, nicht was sie sagen. Schon vor bald 50 Jahren, als ich den Satz mit der Waagschale schrieb, war klar, Medien waren nicht das, was sie zu sein versprachen. Inzwischen hatte die Digitalisierung zwar die Lage verschärft, aber im Jahr 2012 war Facebook gerade einmal sechs Jahre lang weltweit verfügbar. Die österreichischen Medien machten, wie alle, fleißig Werbung dafür. Und mit Social Media Skepsis wurde man, wie ich damals, ein Abt der Holzklasse oder ähnliches geheißen, jedenfalls als hoffnungslos fortschrittsfeindlicher Reaktionär, diffamiert. Die Rede von den Systemmedien wurde übrigens einst von den Linken geführt, wie auch Political Correctness einst ein ironischer Begriff der Linken war, den sie sich von der Rechten entwenden ließ. Aber es gab Kritiker wie Hans-Marcus Enzensberger, dessen vernichtende Analyse des Spiegeljargons schon aus den 50er Jahren heute zutrifft wie damals. Es gab die fundamentale, zu wenig beachtete, aber heute mehr denn je schlagend aktuelle Kritik des österreichischen Philosophen Günther Anders, die Antiquiertheit des Menschen heißt das Buch. Und es gab die maßgebliche Analyse von Jürgen Habermas, der die Bedeutung von Öffentlichkeit neu fasste. Die Öffentlichkeit, unser Thema, das ist der jener Ort, an der sich die Frage von Medien und Demokratie entscheidet. Aus diesem Pathos der Öffentlichkeit beziehen Medien in der Regel ihre Daseinsberechtigung. Das heißt, jene Medien, die sich nicht gänzlich als Unterhaltungsbetriebe verstehen. Unterhaltungsbetriebe haben durchaus ihre Daseinsberechtigung, nur sind das eben nicht Medien in dem Sinn, wie ich sie verstehe, im Sinne unseres Vortragstitels. Wenn wir uns kurz erinnern, wie Habermas die Sache darstellt, dann brach sich im beginnenden 18. Jahrhundert in England der berühmte Strukturwandel der Öffentlichkeit, so heißt sein Buch, Bahn. Gemeint ist die Ablösung der repräsentativen Öffentlichkeit. Repräsentative Öffentlichkeit heißt der Monarch, der Adelige zeigt sich vor dem Volk, entscheidet aber hinter dem Volk, im Geheimen, in der Kammer. Die Ablösung dieser Art von Öffentlichkeit durch eine resonierende Öffentlichkeit, die die Entscheidungen ans helle Licht zieht, die Öffentlichkeit eines argumentierenden Publikums. die Öffentlichkeit eines argumentierenden Publikums. Dieses kritische Resonieren war eine mittelbare Folge der englischen Religionskriege, in denen das Königtum geschwächt und die Zensur gelockert wurde. Immanuel Kant notierte dazu, es gibt schwerlich eine Nation, bei der sich der Verstand so allgemein und bis auf die niedrigsten Volksklassen erstreckte, als dies bei der Englischen der Fall ist. Ursache davon sind die Zeitungen. Massenmedien, Flugschriften, Zeitschriften, Zeitungen, Plakate dienten damals dazu, die Öffentlichkeit des antiken Forums, der antiken Agora des Marktplatzes zu ersetzen. Die direkte Mensch-zu-Mensch-Kommunikation reichte den Massengesellschaften nicht mehr hin, um zu kommunizieren. Nun müssen Massenmedien das Geschäft der Kommunikation übernehmen und nun beginnen die Probleme. Meine Damen und Herren, Sie verzeihen, wenn ich Sie am Anfang mit grundsätzlichen Bemerkungen langweile, aber ohne diese Bemerkungen ist das Problem der österreichischen Provinzialität und das Medienproblem insgesamt nicht ganz verständlich. Ich bitte um etwas Geduld, ich komme noch zu unseren Medienzwergen. Das Überschreiten der Mensch-zu-Mensch-Grenze, dort waren wir, ist in der Kommunikation problematisch. Es war damals problematisch, als von der Agora auf die Massengesellschaft übergegangen wurde. Und jetzt stehen wir in einem neuen Übergang. Wir werden in einer Grenze von der digitalisierten Gesellschaft überwältigt. Es ist eine Grenze, die scheinbar wieder von Mensch zu Mensch zurückführt in einer angeblich direkten Kommunikation, aber nur scheinbar, denn in Wahrheit liefert diese Kommunikation die Einzelnen dem System aus. Erinnern wir uns kurz daran, was das Faszinierende der antiken Agora war, jenes zündende politische Feuer, das uns auch heute noch begeistern kann. Was heißt in diesem Zusammenhang überhaupt das Politische? Der athenische Mann, und es war nur der Mann, der freie, ortsansässige Mann, nicht der Sklave, nicht die Frau, nicht der Fremde, war ein Doppelwesen. Als Privatmann konnte er vermögend sein oder arm, tapfer oder feige, klug oder dumm. Das war seine Privatsache. Betrat er aber die Sphäre der gemeinsamen Beratung und Entscheidung, also die Agora, dann spielten diese privaten Eigenschaften keine Rolle mehr. Das war die Idee des Politischen. In Sachen, in denen es um die Polis ging, deshalb das Politische, blieb der Privatmann draußen. Jede Stimme war bei diesen Beratungen gleich viel wert. Der Privatmann, das war der Idiot des. Der politische Mensch war der Politis. Das ist die Idee der Demokratie. Die Gleichheit der Einzelnen vor dem Gesetz und die Gleichwertigkeit jeder einzelnen Stimme. Und natürlich war und ist es nur eine Idee, von Anfang an abstrakt und immer von vielen Umständen bedroht. Nicht alle Männer waren gleich artikulationsfähig, zum Beispiel schnell bildete sich ein System von Fürsprechern heraus, auch von gemieteten oder bezahlten Fürsprechern, von Verleumdern, was wiederum auf Umwegen doch wieder den Privatmann und sein Vermögen ins Spiel brachte, konnte sich nicht jeder kaufen. Menschen mit rhetorischen Fähigkeiten waren in der Agorah ein Vorteil. Aus der Rhetorik als berufliche Disziplin entwickeln sich dann übrigens nach und nach alle Wissenschaften. Denn die ersten Rhetoriker, die Sophisten, waren stolz darauf, für alles und genauso gegen alles argumentieren zu können. Auch Verleumdung, üble Nachrede und Schmeichelei fällten nicht in der Agora. Wir sollten also trotz rhetorischer Höhepunkte wieder Redenen eines Pericles sie nicht idealisieren. Interessant war aber doch die direkte Konfrontation dieser Öffentlichkeit und auch die direkte Konsequenz von Beschlüssen, denn wer dort für Krieg stimmte, wusste, er würde selbst in den Krieg ziehen müssen. Ein Unterschied zu jenen amerikanischen Präsidenten, die Bomben werfen lassen und selbst dem Wehrdienst mit Schiebung entgingen. Es war aber vollkommen klar, dass mit Demokratie auch Demagogie verbunden war. Das kann man schon in Theodor Momsens römischer Geschichte nachlesen. Die Aristokratie richtet sich intern, die Demokraten müssen den Demos verführen. Man muss die Waffen dazu bringen, dass sie einem folgen und die Kraft des besseren Arguments besitzt nicht immer die Kraft der Überzeugung. Die Geschichte der Öffentlichkeit ist zugleich die Geschichte zweier widersetzlicher Kräfte, der Überzeugung und der Überredung. Es geht immer darum, jemandem eine Stimme zu geben oder jemandem eine Stimme zu nehmen. Wir Demokraten möchten uns ja gern einreden, das Argument habe die alleinige Kraft, in der Öffentlichkeit zu siegen. Und in der Tat besteht Demokratie zumindest im Anschein, es verhalte sich so. Aber es ist eine Illusion zu glauben, dass Medien diesem Prinzip folgen. Medien haben zwar zur Entstehung der Öffentlichkeit entscheidend beigetragen, Öffentlichkeit und Aufklärung konnte man zeitweise sogar als deckungsgleich verstehen. mit dem Ruf nach Freiheit. Die Öffentlichkeit der Feudalherrscher war dem Volk nur repräsentierend, die Entscheidung aber geheim zu treffen, wurde von aufbegehrenden Bürgern mit der Forderung attackiert, man habe das Recht, nach dem zu fragen, was man nicht weiß, und das zu sagen, was man weiß. Neben Bemerkung, wir in Österreich hatten an diesem Kampf um die Pressefreiheit wenig Anteil. Unsere bürgerliche Revolution wurde schnell und blutig niedergeschlagen. Zensur existierte hier so lange wie das Habsburger Reich. Aber auch sonstwo blieb die Pressefreiheit nur eine von vielen erkämpften Freiheiten. Und sie geriet rasch in Konflikt mit einer anderen bürgerlichen Freiheit, mit der Erwerbsfreiheit. Medien wurden nicht mehr nur ein Mittel politischer Auseinandersetzung von Demagogie und Information, sondern sie wurden kommerzielle, also profitorientierte Unternehmen. Und das Maß, in dem sie das wurden, überlagerte bald ihre anderen Funktionen. Werbung, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr nur adeliges Privileg, transformierte die Presse in unerhörtem Maß. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass das Spannungsfeld von wirtschaftlichen und demokratischen Interessen innerhalb der Medien nach wie vor das entscheidende Thema ist. Und diese Sache wird vertragt, weil eben in den Medien zwei Freiheiten zugleich da sind. Die Freiheit der Rede, die Informationsfreiheit, aktiv und passiv zu verstehen, also die Freiheit, sich zu informieren und die Freiheit, andere zu informieren. Und da Medien Unternehmen sind, gilt ihnen aber auch die Erwerbsfreiheit, eine zweifellos demokratisch ebenfalls wichtige Freiheit. Das will ich gar nicht kleinreden. Wir wollen nicht vergessen, dass Erwerbsfreiheit auch Unabhängigkeit von staatlichen und institutionellen Financiers schaffen kann. Aber wir wollen auch nicht vergessen, dass diese beiden Freiheiten in Medien oft miteinander in Konflikt geraten. Wir müssen uns fragen, inwiefern die wirtschaftlichen Interessen den demokratischen Interessen in die Quere kommen, inwiefern sie sie fördern. Auch das ist möglich, kurz wie sie sich zueinander verhalten. Sie sehen, das Medienthema ist Vertrackt. Medien müssen wirken, denn Wirkung ist ja ihr Zweck. In gewisser Weise liegt in der Wirkung das Heil, die Aufklärung, die Überzeugung zum Guten, die Überzeugung, die Verbreitung von Informationen beschlossen. Aber, meine Damen und Herren, ich behaupte, das Prinzip Wirkung ist in gewisser Weise zugleich das Unheilsprinzip der Medien. Und dieses Unheilsprinzip heißt Werbung. Werbung hat eine ganz bestimmte Absicht, nämlich ein Produkt bekannt zu machen, um es zu verkaufen. Wie diese Wirkung erreicht wird und was für Mittel man sich zu diesem Zweck bedient, ist der Werbung egal. wenn man sich zu diesem Zweck bedient, ist der Werbung egal. Man kann bereits die Geschichte der analogen Medien als eine Geschichte der üblen Wirkungen von Werbung erzählen und davon, wie Medien versuchen, sich dieser Wirkung gegenüber, die sie mit ihrem Raum und ihrer Zeit möglich machen, neutral zu verhalten oder sich ihr sogar zu entziehen. Aber als Mitte des 19. Jahrhunderts, wie gesagt, dieses Adelsprivileg fiel und die Werbung allgemein zugänglich wurde und sich kommerzialisierte und industrialisierte, das sagte der Sozialist Ferdinand Lassalle im Jahr 1863, Zitat, von Stunde an wurden also die Zeitungen nicht nur zu einem ganz gemeinen, ordinären Geldgeschäfte, wie jedes andere auch, sondern zu einem viel schlimmeren, zu einem durch und durch heuchlerischen Geschäfte, welches unter dem Scheine des Kampfes für große Ideen und für das Wohl des Volkes betrieben wird. Zitat Ende. Zitat Ende. Die Werbung lieferte nach der Wende zum 20. Jahrhundert korrupten Medien die Form für Erpressungen und Börsenschwindel. Zeitungsherausgeber schraken nicht einmal davor zurück, Kriegstreiberei als Werbung für ihre Produkte einzusetzen. Die Erpressung mit Hilfe von Inseraten wurde in Wien vom scheinbar progressiven Herausgeber der Wochenzeitung Die Stunde, Emmerich Beckeschi, so perfekt praktiziert, dass man dieses Vorbild für unsere heutigen Boulevardherrscher mit Händen greifen kann. Trotz zeitwelliger Unterstützung Beckeschis durch das Rote Wien gelang es Karl Kraus schließlich, ihn doch aus Wien zu vertreiben. In neuerer Zeit wurde Werbung immer gestaltungsmächtiger, sodass sich Zeitschriften, Zeitungen, audiovisuelle Medien geradezu nur mehr nach dem Ziel und den sogenannten Zielgruppen definierten, die sie der Werbung boten. Das zeigte einen Paradigmenwechsel der Medien. Das Mittelmedium war zum Zweck geworden, zum Zweck der Aufmerksamkeitsbeschaffung. Weg ist der politische Zweck. Und nun, heute, findet Werbung unter digitalen Bedingungen statt. Alles ändert sich in dem Augenblick, als die digitale Aufmerksamkeitsindustrie, also die Tech-Giganten von Silicon Valley, darauf setzten, sich nicht durch Mitgliedsbeiträge, sondern durch Werbung zu finanzieren. Google traf im Jahr 2002 diese Entscheidung. Die Gründer von Google, Sergey Brin und Larry Page, hatten in ihrem ersten Papier an der Stanford University noch erklärt, Werbung mache Suchmaschinen schlechter und sie würden deswegen Werbung ablehnen. Aber das Startup Google war damals nicht profitabel. Die Investoren drängten auf Änderungen, also erfanden die beiden AdWorks. Mit AdWorks bezahlte man zuerst noch pro Anzeige, dann aber durch ein Auktionsmodell nach den Klicks, die diese Anzeige hervorrief. Die sogenannten Social-Media-Plattformen wurden ab diesem Moment zu riesigen Werbemaschinen, die ihre gewaltigen Datensammlungen dazu nützen, sogenannte User, deren Präferenzen sie ja genau kannten, direkt und persönlich anzusprechen und zu steuern und dieses Wissen der Werbeindustrie zu verkaufen. Das Prinzip Werbung hatte damit gesiegt. Niemand bezahlte mehr für Nachrichten, man bekam scheinbar alles geschenkt. Dass man dafür mit Daten bezahlt, mit seiner Person, mit seiner Freiheit, ist den meisten mittlerweile klar, aber egal. Die analogen Medien konnten da nicht mithalten. Sie verloren Werbegelder in dramatischem Ausmaß, ihre Finanzierungsbasis brach weg. Der Effekt war mehrfach fatal. Die erste und entscheidende Wirkung war, das Publikum war weg. Es gab keine Öffentlichkeit mehr. Also keine Menschen, die sich zusammenfanden, um Argumente abzuwägen, auszutauschen und dann zu entscheiden. Es gab nur noch eine umso größere Masse einzelner Individuen, die gezielt als einzelne angesprochen wurden. Das Politische war damit weg, also der gemeinsame Moment. Das Idiotische hat gesiegt. Jeder Einzelne war interessant, aber nicht als politische Stimme, sondern als fragmentierter Konsument mit erforschbaren und manipulierbaren Vorlieben. Als Idiot im klassisch-antiken Sinn. Das traf die traditionellen Medien, die sich mit ihren Inhalten auf ein homogenes Publikum beziehen. Und dieses Publikum weiß, dass alle seine Mitglieder die gleichen Inhalte bekommen. Zum Unterschied von den digitalen Scheinöffentlichkeiten, wo sich das Angebot von Person zu Person ändert, von Augenblick zu Augenblick, wie eine Aussage von Trump zum Krieg. Die traditionellen Medien wurden mit der digitalen Herausforderung schlechtfertig. Sie sparten wie üblich am falschen Platz, zuerst bei den Menschen, beim redaktionellen Personal. Die Folgen waren weiterer Qualitätsverlust, weiterer Abstieg. Öffentliche Gelder wurden bei der Finanzierung dieser Medien proportional immer wichtiger. Eine moralisch ungefestigte, wenn nicht schlimmere, wir kommen darauf noch zurück, Politik, nützte den Hebel, um das Schutzgeld-Erpressergeschäft für sich zu nutzen. Wer zahlt, schafft an, lautet ein legendärer Chatsatz. Dem gegenüber steht noch immer zumindest von Seiten der Politik halluzinierte Macht der Medien, jemanden hinauf oder hinunter zu schreiben. Damit, meine Damen und Herren, sind wir endlich in Österreich. Das Stichwort ist gefallen. Aber ehe ich mit der von mir erwarteten Nestbeschmutzung ernst mache, ist noch eine weitere Eingangsbemerkung fällig. Man kann die internationale Entwicklung nicht wegkürzen, denn was wir sehen, ist eine von den USA ausgehende weltanschauliche Offensive. Sie will die westliche Demokratie ihrer Basis berauben und in einem nie gesehenen Feldzug aus hegemonialer Strategie, mafiösem Chronic-Kapitalismus und begotter Anmaßung diese Demokratie und ihre mediale Basis erledigen. Ich habe Quellen und Exponenten dieses Denkens in meinem schon erwähnten Buch »Unstellt Stunden der Menschheit« beschrieben, das ich anschließend draußen gern mit meiner Signatur entwerte. Der amerikanische Staat zeigt in der Ära Trump sein Gesicht. Es ist ein Gesicht, das wir lange nicht sehen konnten, weil wir es nicht sehen wollten. Weil der amerikanische Hegemon bei uns so viel Kredit im Buch stehen hat. Weil wir selbst Produkte, mediale Produkte der Amerikanisierung sind. Wir sind bei Medien wie bei der Rüstung nichts als Vasallen der USA, eine Kolonie, vollkommen abhängig vom Wohlwollen des Hegemons. Das Einzige, was uns nebenbei bemerkt im Unterschied zu Deutschland hier gefehlt hat, war eine Re-Education. Wir waren nach 1945 nicht wichtig genug. Unsere Öffentlichkeit wurde nicht von BBC-Leuten und vertriebenen jüdischen Journalisten geprägt, wie jene der Bundesrepublik Deutschland. Bei uns hatten die Nazi-Eliten gleich wieder weitgehend freies Spiel. Doppelt dumm, wir hatten keine bürgerliche Revolution, wir hatten keine nachholende Aufklärung in Form der Re-Education und wir waren froh, unser jüdisches Bürgertum los zu sein. Dennoch prägten die USA, make no mistake, unser Mediensystem und sie prägen es weiterhin. Zeitungen und Zeitschriften der Gründerjahre unserer Republik wurden von Besatzungsmächten herausgegeben. Die Institutionen und die Protagonisten der Zweiten Republik Österreichs handeln oft genug nach US-Mustern. Seien es journalistische Verfahren des angesehenen Journalismus, wie von Hugo Portisch etabliert, sei es der Boulevard mit seinen Marketingmethoden, die Kurt Falk in den USA lernte, der Partner von Hans Dichand, und mit der Idee der Massenlenkung, die der ehemalige Innenminister Franz Ohler und Hans Dichand von dort importierten. Oder auch der neuere Qualitätsjournalismus mit seinen Mustern Time Magazine, Profil, New York Times, Standard oder sogar Village Voice, der Falter, aber auch Regionalmedien. Selbst Aufdecker-Journalisten agieren nach dem Muster amerikanischer Mug-Raker, die ebenfalls eine amerikanische Erfindung sind. US-amerikanisch geprägt sind auch Radio- und TV-Sender des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit der Idee des Format-Radios, mit Talkshows, mit Serien und Spielformen von den privaten Anbietern ganz zu schweigen. Der zweiten Amerikanisierung, jener durch Digitalisierung, folgten unsere Verleger ohne Maß und Ziel mit exzessiver vorauseilender Selbstabschaffung. Followers und Facebook riefen sie begeistert und schenkten ihre Inhalte den Betreibern jener Plattformen, die ihnen damit ihr Geschäftsmodell zerstörten. Mittlerweile herrscht hier Ernüchterung. Die Zeitungen haben es auch bei uns nicht geschafft, ihr Modell ins digitale Zeitalter hinüberzureden. Der österreichische Medienmarkt hat zwar noch immer ein relativ traditionelles Aussehen, das ist der Altersstruktur der Bevölkerung geschuldet. Trotzdem zeichnen sich die Konturen einer neuen Medienwelt mehr als deutlich ab. Die digitalen Konzerne höhlen das traditionelle Finanzierungsmodell der österreichischen Medien und nicht nur dieser aus. Sie nehmen ihnen Anzeigen weg und sie untergraben auch die Möglichkeit, dies durch Verkäufe zu kompensieren, also durch Abos oder Mitgliedsbeiträge. Mit Ausnahme des ORF, der hat immerhin seine Haushaltsabgabe, die ihm 80% finanziert, zu seinen 20% Anzeigeneinnahmen. Das war ja schon einmal fast die Hälfte. Bei gestiegenen Kosten und diese Kosten der Medien steigen durch die Notwendigkeiten der Digitalisierung massiv, haben die österreichischen Medien kaum Möglichkeiten, ihre Erträge zu steigern. Das bringt allen Medienunternehmen ökonomische Schwierigkeiten. Das bringt allen Medienunternehmen in ökonomische Schwierigkeiten. Wir haben deshalb in den letzten Monaten eine der frechsten Kampagnen erlebt, welche die Boulevardmedien, vor allem die Kronenzeitung, je gestartet haben. Die Kronenzeitung hat in dieser systematischen Kampagne versucht, den SPÖ-Vorsitzenden Andreas Babler aus dem Parteivorsitz zu jagen. Die Motive der Krone sind bekannt. Das Blatt will die von Medienminister Babler anvisierte Reform der Medienförderung verhindern. Es will verhindern, dass Babler mit der Praxis der informellen Medienförderung in Österreich Schluss macht. Diese Medienförderung, die hauptsächlich über Boulevardinserate läuft und nicht über die Presseförderung, dient vor allem den großen drei des österreichischen Boulevards der Krone, Heute und OE24 oder Österreich, also den Medien der Familien Dichand und Fellner. Die öffentlichen Inserate tragen zumindest 10 Prozent zu deren Einnahmen bei. 25 Millionen Förderungen und Inserate bisher pro Jahr für die Krone, dafür lohnt es sich schon zu kämpfen. Der Chefredakteur der Kronenzeitung hat einen beneidenswert einfachen Job. Er verwaltet den Abstieg seines Blattes, den man, wie gesagt, nicht nur ihm anlasten kann, sondern der Weltgeschichte. Der Nostalph des einst auflagenstärksten Blattes der Welt im Verhältnis zur Bevölkerung, des Schreckens aller Bundeskanzler und Mächtigen im Lande, der Quelle steten unvorstellbaren Reichtums, Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe an die Regel, Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe waren die Regel, geht vor allem auf das Konto der Digitalisierung, die wie beschrieben das Geschäftsmodell der Zeitungen erledigt und durch ein anderes ersetzt hat. Wie gesagt, etwa ein Fünftel aller Printanzeigenerlöse kommt von staatlicher oder von Länder- oder Gemeindeseite. Der Kampf um dieses Geld treibt die unsinnigsten Blüten. Zum Beispiel ruinierten die österreichischen Printverleger die sogenannten blauen Seiten des ORF, also ORF.at, weil sie meinten, die dorthin fließenden Werbeerlöse lukrieren zu können, wären die blauen Seiten nur erst uninteressant genug. Das ist ihnen gelungen, aber die Erlöse fließen trotzdem nicht. Das Argument der Verleger war unvergleichlich doof. Die blauen Seiten seien nämlich zu Zeitungsähnlich. Damit sagten sie, sie waren zu gut und das Gute ist das schlechte, Herr Feind, aber wir versuchen nicht, wir besser zu sein, sondern versuchen wir, dieses Gute wegzubekommen. Dass dieser Versuch, die Öffentlichkeit aus Profitegoismus zu zerstören, keinen Skandal machte, gehört zur Bilanz der Ära Weißmann. Der geradezu manische Ehrgeiz, mit dem die Corona-Zeitung auf Andreas Babler einprügelt, ist nicht ihrem Interesse am Fortkommen der SPÖ geschuldet. Diese Partei war und ist für die Krone nur insofern interessant, als deren Politiker in Positionen sind, ihr Werbegeld zukommen zu lassen. Das gilt naturgemäß für jede Partei. Werner Faymann und vor allem Sebastian Kurz waren die Champions dieses Gewerbes und deshalb die natürlichen Stars der Kronenzeitung. Den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig kann man vielleicht ebenfalls dazu zählen. Die derzeit bestehende Medienförderung war ein Geschenk der Regierung Feimann und von deren Medienminister Josef Ostermeyer an dem Boulevard. Josef Ostermeyer an dem Boulevard. Sie legte damals fest, dass das Kriterium der Medienförderung der Preis der Anzeigen sein sollte, also der Tausend-Kontakte-Preis, was naturgemäß die reichweitenstärksten Boulevardmedien bevorzugte. Ein sorgfältiger Kaufmann musste nach diesem Preis Anzeigen vergeben. Als Kriterium der Medienförderung war das ein Skandal. Eine kluge Medienpolitik sollte nicht Marktverhältnisse festschreiben, sondern vielmehr den Markt korrigieren. Aber das vermeintliche Geschenk war auch keine Medienförderung, es war schlichte Bestechung, gesetzlich geregelte Bestechung. Sebastian Kurz hat dieses Konzept dann noch radikalisiert. Die schwarz-grüne Reform war dann nur mehr Kosmetik. Mit welchem Recht Boulevardmedien überhaupt Förderungen beanspruchen, konnte mir noch niemand erklären. Gut, sie haben mit den Anzeigen und Förderungen, in Summe müssen es seit 2000 mehrere Milliarden Euro sein, Arbeitsplätze und Privatvermögen Konkurrenz, der sie mit ihrem Druck auf die Politik, zum Beispiel Frequenzgenehmigungen, für Privatradios wegschnappten. Privatradio betrachtete man bis vor kurzem als Lizenz zum Gelddrucken, das ist nicht mehr so. Profitabel sind aber die Radios der Tichand-Gruppe und der Styria-Gruppe, auch die Fellners haben natürlich ihre Radios, wobei man bei denen nie genaues weiß, aber auch kaum ein Provinzgegant unter den Verlegern ließ die Gelegenheit aus, zu einer Radiolizenz zu kommen. All das käme in einem fair geregelten Medienmarkt nicht vor. Der österreichische Medienmarkt, meine Damen und Herren, ist nicht fair geregelt. Der hohe Marktanteil der Boulevardmedien ist ein Ergebnis dieser Unfairness. Eine vernünftige Medienpolitik hätte nach skandinavischem Muster darauf geachtet, Konkurrenz auch in kleineren Märkten zu fördern. Das Übergewicht einzelner Regionalzeitungen, das in Österreich mit geradezu atemberaubender Unsinnigkeit gefördert wurde, könnte so nicht bestehen. Vielmehr wird die Gewicht darauf gelegt, den einzelnen Marktdominatoren ein Gegenstück zu bieten. Unter digitalen Bedingungen wäre das vielleicht noch leichter als bei hohem Druck und Distributionskosten. Wie ist die Dominanz der Boulevardmedien überhaupt entstanden? Vermutlich wurde die Herrschaft von Parteimedien im Nachkriegsösterreich als Symbol schwer erträglicher Parteibuchwirtschaft und Postenschieberei wahrgenommen. Als Hans Dichand 1959 die Corona-Zeitung wiederbelebte, entfand man das als Befreiung davon. Antiparteiliche und antistaatliche Reflexe wurden von diesem Blatt auch deswegen gefördert, weil die von ihm betriebene Gegenaufklärung so aussah wie Kampf gegen die Parteienwillkür. Teufel wurde durch Belzebub ausgetrieben. Anstelle der Parteiendiktatur trat die Boulevardiktatur, anstelle der Sozialpartnerschaft die Medialpartnerschaft. Man kann nicht sagen, dass wir an deren Ende angekommen sind. Es kommt mir auch nicht in den Sinn, die österreichische Boulevardherrschaft gegen die Gegenaufklärung der Social Media zu verteidigen. Aufklärung der Social Media zu verteidigen. Auch hier weiß man nicht, was schlimmer ist. Propaganda für die extreme Rechte in halbmoderner Form, wie sie die Krone betreibt, oder in nachmoderner Form, nach Art der Social Media der Tech-Konzerne. Mehr als 30 Kommentare und Morgenbriefe hat Klaus Herrmann allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf Babler abgefeuert. Von Hörte Signale über schlechtestes Ergebnis bis Babler rennt um sein Level und das bleibt der SPÖ noch außer Andreas Babler bis zur Atempause für Babler wohl das höchste der Gefühle. Diese Angstblüten der Herrmannschen Kampagne gegen Andreas Babler zeigen, dass rund 25 Millionen Euro im Jahr ein Preis sind, für den man einen roten Parteichef durch Sonne und Mond zu schießen bereit ist. Nur eines sollte man nicht tun, diese Söldnerpflicht eines Fantasie- und stilmäßig herausgeforderten Chefredakteurs für Journalismus halten. Bisher erwies sich die Politik stets als durch solches Handeln erpressbar. Das Exempel Babler soll zeigen, das muss unbedingt so bleiben, aus Sicht der Medien, aber nicht aus Sicht der Demokratie. Meine Damen und Herren, die Exzesse der österreichischen Medienförderung sieht man auch auf lokalen Märkten. Sie haben allesamt einen einzigen lokalen regionalen Dominator. Sie kennen das in Oberösterreich auch, der sich mit der lokalen Ausgabe der Kronenzeitung auseinandersetzen muss. Nur in Vorarlberg hat der Platz hier zwei Zeitungen, die Vorarlberger Nachrichten und die neue Vorarlberger Tageszeitung. Die Bilanzgewinne der zweiten entsprachen jahrelang genau der Höhe der Presseförderung, die dieses Blatt erhielt. Der Verteilungskampf der österreichischen Verleger bedient sich skrupellos der eigenen Medien für die eigenen Interessen. Dagegen fühlt sich Politik oft wehrlos. Man weiß es, aber man resigniert. Damit opfert man das öffentliche Wohl privaten Interessen einiger weniger Familien und Clans. Meine Damen und Herren, es gibt ja Fälle, wo sich die Interessen von Verlegern mit denen einer Gesellschaft decken können. Wenn sich Legacy Media zum Beispiel an die eigenen Vorgaben halten, wie weitgehend die New York Times das macht, wenn nicht gerade ein Krieg oder ein nationaler Notstand dieses Blatt zu falschen Loyalitäten nötigt, dann kann man sagen, solche Blätter agieren auch und vor allem im öffentlichen Interesse. Sie tragen etwas zum Funktionieren von Öffentlichkeit und damit von Demokratie bei. Solche Medien gibt es auch in Europa und ansatzweise gleichsam als Miniaturausgaben auch in Österreich. Die hiesige Politik akzeptiert aber nur den Boulevard als sogenannten Partner und sie bedient sich des ORF so gut sie kann. Dort kontrolliert sie weniger, beim ORF kontrolliert sie weniger die Redaktionen, die sich bemühen, korrekte Arbeit zu leisten und sich eine gewisse Unabhängigkeit erarbeitet haben. Aber sie prägt dafür den Stiftungsrat, das Top-Management und damit die langfristige Perspektive des Unternehmens. Das ist das österreichische politische Medienmissverständnis. Auf regionaler oder lokaler Ebene erwartet man sich Dienstleistung oder wie man das gern nennt Kooperation, ein österreichisches Dialektwort für Korruption. Wenn ein Medium groß ist, kuscht man. Ein faires, geschäftsmäßiges Miteinander und Gegeneinander unter festen Regeln auf Augenhöhe gibt es nicht. Kurzfristige, also kurzsichtige politische Interessen stehen den Interessen des Gemeinwesens meist entgegen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst geschaffen, um den Verirrungen einer rohen Massenkultur entgegenzutreten und eine Gesellschaft zu kultivieren. Massenkultur entgegenzutreten und eine Gesellschaft zu kultivieren, so war es zumindest die einigermaßen snobistische Idee der BBC in den 1920er Jahren. Nach 1945 verordneten die Alliierten dieses Konzept der Bundesrepublik Deutschland, um ein demokratisches Medienwesen zu garantieren, das totalitäre Verirrungen wie jene des Nationalsozialismus verhindern sollte. Wir Österreicher haben dieses Konzept dann im Rahmen eines Volksbegehrens geerbt, das die Parteiendominanz abschaffen sollte und nach 1964 zum neuen ORF unter Gerd Bacher führte. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat zum Unterschied von fast allen öffentlichen Medien den Vorteil, kein gewinnorientiertes Unternehmen sein zu müssen. Das gibt ihm in einem historischen Augenblick eine ganz besondere Rolle, da alle und andere Unternehmen das Prinzip Profit so sehr radikalisiert haben, dass sie dabei sind, das Prinzip Medium zu zerstören. Sie erinnern sich, vorher haben wir das Prinzip Profit als Prinzip Werbung besprochen. Seriöse Medien erkennt man daran, dass sie das Prinzip Profit dem Prinzip Medium unterordnen. Sie tun nicht alles, was dem Geschäft dient. Sie legen sich bestimmte Beschränkungen auf. Sie achten auf die Integrität von Personen, über die sie berichten. Sie halten sich an Verfahren, welche die Zuverlässigkeit von Informationen garantieren sollen etc. Boulevardmedien befinden sich meist am anderen Ende der Skala. Die ordnen ihre Berichterstattung dem Prinzip Profit unter. Seriosität, Wahrhaftigkeit, Verletzlichkeit treten zurück gegenüber Sensationsgier, Desinformation, Manipulation und nackter Gier der Verleger. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist seiner Idee nach und seiner Eigentumsstruktur nach das ideale Medium der Aufklärung. Er wäre es. Wir leben jedoch im Zeitalter der Gegenaufklärung. Finsteres reaktionäres Denken hat sich mit einer technischen Entwicklung verbündet, mit der Digitalisierung und diese wiederum mit einem Raubtierkapitalismus, der alle Ideen von ausgleichendem Sozialstaat und überhaupt von Gesellschaft zugunsten einer Oligarchie von Superreichen ausradieren möchte. There is no such thing as society, sagte berühmterweise Margaret Thatcher. Der Rest der Bevölkerung soll in einer Art Wischtrans gehalten werden und mit ausreichend Geld versehen werden, um die Instrumente der digitalen Selbstausschaltung erwerben und bedienen zu können. Im Übrigen wird sie ausspioniert, überwacht und zu adäquaten Benehmen angeleitet. Es gibt in der Europäischen Union aufgewecktere Elemente. Sie wollen die EU als Sozialstaat verstehen, als aufgeklärte Gesellschaft, die ihren Kapitalismus einigermaßen zu zähmen weiß. Sie sind sich dessen bewusst, dass dieses Modell sturmreif geschossen werden soll. Sie wehren sich mit EU-Regulativen wie mit dem Digital Services Act oder der Datenschutzgrundverordnung. Allerdings geht es hier nicht um inhaltliche Verbote oder kaum Zensur, wie die Gegner behaupten, die Tech-Barone, sondern es geht um die Bewahrung des Rechtsstaats in digitaler Form. In dieser Lage würde der ORF eine Führung brauchen, die erkennt, was es geschlagen hat und alle möglichen Mittel ergreift, um gegen diese reaktionäre Offensive vorzugehen, die es auf europäische Kultur und demokratische Zivilisation und auf den Sozialstaat insgesamt abgesehen hat. Der wahre Skandal ist nicht Herrn Weismanns MeToo-Affäre, so verachtenswert und kläglich diese auch sein mag. Der wahre Skandal ist, dass Leute wie er einen politischen Auftrag in Unternehmen führen und weiterführen, das für die Demokratie von fundamentaler Bedeutung ist und nicht erkennen, was die Stunde schlägt. Geschweige denn, dass sie es in ihrer Person und in ihrer Rede der Gesellschaft klar machen könnten, was aber zu ihrer Funktion als öffentliche Akteure gehören würde. was aber zu ihrer Funktion als öffentliche Akteure gehören würde. Sie faseln von Public-Private-Partnership und sind stolz darauf, bei Fußballübertragungen die Partner von Oligarchen, also von Servus TV, zu sein. Sie denken nicht daran, die Öffentlichkeit über die tatsächliche Gefahr für die Demokratie adäquat zu informieren. Sie stellen sich nicht dem Problem, dass die extreme Rechte, die lautstark Free Speech fordert, genau jene Meinungsfreiheit abschaffen will, die nur eine demokratische Öffentlichkeit garantiert. Sie kämpfen nicht darum, wie man mit dieser Gefahr umgeht, sie behandeln sie journalistisch wie alles andere und denken, das reicht. Sie reden davon, man müsse in allen Kanälen präsent sein, statt zu überlegen, wie eine europäische Initiative zu ergreifen wäre, eine Gegenindustrie zum Silicon Valley-Komplex zu errichten zum Beispiel. Ob Corona-Zeitung oder FPÖ, ob Felder oder Identitäre, die handelnden Personen machen aus ihren Ambitionen kein Hehl. Sie wollen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ruinieren, um der Desinformation und einer neuen autoritären Herrschaft frei beanzuschaffen. In diesem Sinn schrieb der heute hier schon ausreichend dargestellte Oberschlammwerfer Klaus Herrmann in seiner Kronekolumne von einer Schlammschlacht im ORF und endete so, Zitat, der ORF muss endlich sauber werden, jetzt bevor es zu spät ist. Zitat Ende. Bessere Witze, meine Damen und Herren, als die österreichische Medienrealität kann man nicht erfinden. Dankeschön danke Thank you. Danke, danke. Danke, es geht. Sind noch alle da? Danke für den Vortrag, Armin. Ich möchte kurz noch was zu meiner Person sagen. Ich bin eh kurz vorgestellt worden. Ich bin einer der Mitbegründer von DorfTV und Geschäftsführer von Freien Radio Freistaat. Und ich beschäftige mich, glaube ich, seitdem ich unter Anführungszeichen vernünftig denken kann mit dem Themenbereich Medien, Medienpolitik und Demokratie. und Demokratie und sehe das sozusagen ein bisschen aus dem Blickwinkel aus mehreren Rollen, die ich wahrnehme. Das eine ist, als Protagonist von DorfTV bin ich natürlich interessiert daran, dass es politische, gesellschaftliche Rahmenbedingungen gibt, unter denen solche Sender funktionieren können und arbeiten können. Als Autor bin ich interessiert daran, dass es Medien gibt, die meine Romane veröffentlichen, bewerten, diskutieren. Und als Geschäftsführer von DorfTV bin ich sehr stark daran interessiert, dass es eine kritische journalistische Öffentlichkeit gibt, die das, was kulturell und kulturpolitisch passiert, auch kritisch reflektiert und präsentiert. Es gibt so viele Gründe, warum es Medien und Demokratie in einem vernünftigen Zusammenspiel braucht. Aber du hast es, glaube ich, einleitend auch angesprochen, so viele Vorträge zum Thema Krise des Journalismus. Ich kann mich auch an sehr viele Vorträge diesbezüglich erinnern und Artikel. sehr viele Vorträge diesbezüglich erinnern und Artikel. Und ich glaube, ich habe ein paar Bücher zu Hause, die irgendwie Krise des Journalismus im Untertitel haben. Und du hast, also die Frage stellt sich, ob diese Krise, von der wir seit vielen Jahren reden und nicht nur seit 30 oder 40 Jahren, ob diese Krise tatsächlich einmal zu Ende gehen wird. Und du hast das Wort Hoffnung angesprochen am Anfang deines Vortrages, aber du hast jetzt am Ende doch nicht beantworten können, ob aus deiner Sicht noch Hoffnung besteht für diese Medienlandschaft. Für diese Medienlandschaft besteht eigentlich keine Hoffnung, aber ich sage ausdrücklich, dass Hoffnung nicht gleich Zuversicht ist. Darauf hat schon der alte Ernst Bloch hingewiesen. Hoffnung ist ein Prinzip, das versucht, gesellschaftliche Tendenzen auszumachen, an die sie sich dann heften kann. Und meine Hoffnung in der jetzigen Situation ist die, dass man erkennt, in welcher hegemonialen Auseinandersetzung wir uns befinden mit den Kräften, die auch hinter diesen Silicon Valley-Unternehmen stehen. Wie oberflächlich oder wie tiefgehend die jetzt sind. Sie sind mit ihnen verbündet und sie sind an der Macht und sie sind am Drücker der mächtigsten Macht der Welt in jeder Hinsicht. Ob Bomben fallen oder ob versucht wird, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Social Media entsprechend zu gestalten. Und das muss man zuerst einmal erkennen, um da wirksam Gegendruck entfalten zu können. Aber ich bin eigentlich nicht ohne Hoffnung, dass es gelingt. Das ist für mich auch eine Motivation, so scharfe Kritik zu üben. Es wird oft gegen mich eingewendet von Freunden, das sei ein sehr pessimistisches Buch und ich würde sehr pessimistisch reden. Wenn ich mal so zuhöre, denke ich, ja, ich rede pessimistisch, aber ich finde, man muss scharf kritisieren, um dann überhaupt zu Konsequenzen zu kommen und Handlungsanleitungen zu finden. Und ich selber habe festgestellt, dass meine Karriere im Journalismus nicht so verlaufen ist, dass ich von der Gunst irgendeines dieser Medienmachthaber abhängig gewesen wäre. dass es möglich ist. Man muss halt konsequent sein und man muss versuchen, die Welt zu erkennen, so wie sie ist, mitleidlos und erbarmungslos und dann Konsequenzen zu ziehen. sehe, bei uns im Journalismus ist eigentlich nur Kompromisse von A bis Z, Kompromisse sind unter manchen Bedingungen der Politik sehr wünschenswert, aber wenn es um so Prozesse wie Ermittlung von Tatsachen oder Feststellung von Sachverhalten geht, dann eher nicht. Aber wie gesagt, ich bin da nicht, ich würde mich nicht als Pessimist hinstellen, gar nicht. Ich bin eigentlich ein dunkler Optimist. Also, für mich klingt es ja eigentlich auch gar nicht so sehr pessimistisch, als eher tatsächlich realistisch, weil man wäre ja blind, wenn man sagen würde, dass sich in den letzten 20, 30 Jahren die Geschichte zum Besseren entwickelt hätte. Ich habe einmal in einem deiner Texte, oder es war ein Vortrag, ich weiß es nicht, ist mir der Begriff untergekommen, ein Vortrag, ich weiß es nicht, davon ist mir der Begriff untergekommen, dass du geschrieben von der österreichischen Öffentlichkeit als verrottet. Und ich habe dieses Wort und diese Metapher selbst dann immer wieder verwendet, in ein paar Artikeln, habe schon auch ein bisschen gedacht, es ist vielleicht ein wenig zu hart, es ist ein wenig unfair auch gegenüber manchen wirklich engagierten Journalistinnen und Journalisten, die es ja trotzdem gibt. Aber trotzdem, wenn ich sozusagen dieses Bild der verrotteten Öffentlichkeit weiterdenke, dann sehe ich da etwas, das verrottet, das stirbt. Das ist dann auch Humus. Und aus diesem Humus wird etwas Neues. Also eigentlich... Vom gärtnerischen Standpunkt ist das völlig klar. Und das ist sozusagen für mich ein bisschen auch ein Bild, das meine Zukunft beschreiben würde. Ich sehe es in gewisser Weise, ich sehe es so pessimistisch wie du unter Anführungszeichen, ich denke aber sehr wohl, und vielleicht ist die Gründung des Falters, das ist ja auch kurz angesprochen, genauso ein Akt der Selbstermächtigung, dass man auf diesem, was halt verrottet, Neues schaffen kann und Neues schaffen muss und das diesem, was er verrotet, Neues schaffen kann und Neues schaffen muss. Und das ist, was die freien Medien, die freien Radios oder DorfTV betrifft, das ist immer ein Motiv gewesen hinter unserer Arbeit. Ein bisschen vielleicht auch die Analyse, dass man anderes nicht verbessern kann, aber dass man es selbst besser machen kann und anders machen kann. Und ich glaube, diese Bereitschaft und das Bedürfnis, tatsächlich praktisch auch an Alternativen zu arbeiten, das ist etwas, was aus der Hoffnungslosigkeit in gewisser Weise herausführen kann. Und da sind wir vielleicht sogar realistisch. Ja, also das habe ich natürlich jetzt in dem Vortrag. Ich wollte einfach versuchen, das grundsätzliche Problem herauszuarbeiten und das ist schon tatsächlich diese Durchkommerzialisierung, die jetzt sozusagen auf die Medien zurückschlägt, indem sie ihnen das eigene Erlösmodell ruiniert und durch ein anderes ersetzt, durch das Digitale und so den Medien, einfach das Geld abgräbt weitgehend. Was interessant ist, weil es führt dann eben wieder auf andere Modelle zurück. Also wir haben zum Beispiel der Falter, in der Einleitung haben Sie, glaube ich, gesagt, also rätselhafterweise geht es dem Falter gut. Das Rätsel ist nicht so groß, weil wir hatten nie so viele Anzeigen wie die anderen. Also konnten wir da auch nicht so viel verlieren. Und wir haben sehr viele Abonnenten, Abonnentinnen und das wächst ständig, weil Leute das auch sozusagen als irgendwie fast als eine Art Mitgliedschaft begreifen. Und ich glaube, das ist so ein bisschen eine Zukunft für Medien, dass auch so eine Rückführung wieder auf die antike Funktion fast ist, dass man in kleineren Öffentlichkeiten dann Mitglied wird, vielleicht auch bei DorfTV oder so, wo man dann direkt über die eigenen Anliegen informiert wird und sich da auch direkt in einer gewissen Weise beteiligen kann. Also da bin ich überhaupt nicht so pessimistisch. Es gibt auch überall natürlich anständige Journalisten, in jedem Medium gibt es die, die das Möglichste tun. Die Anständigen haben es meistens schwerer als die anderen, weil dann oft Kompromisse verlangt werden, die sie nicht eingehen. Es gibt vorbildliche Kollegen im ORF, überhaupt die ORF-Redaktionen, ich habe es eh gesagt, haben sich da in den letzten Jahren ganz geschickt eine gewisse Unabhängigkeit, also eine gewisse, sondern tatsächliche Unabhängigkeit in der Berichterstattung erarbeitet, an die eigentlich gar niemand sich so richtig zu rühren traut. Aber auch denen werfe ich vor, dass sie für verschiedene Probleme, die halt ganz drängend und ganz schwierig sind, keinen Blick haben. Also eines dieser Probleme, das mir zu schaffen macht und wo ich auch selber kein Patentrezept habe, ist, wie geht man wirklich mit dieser Kritik von rechts außen um, die man nicht totschweigen soll, die man nicht ausgrenzen soll, wie immer die Namen heißen, die man aber trotzdem wiederum nicht so behandeln kann, als wäre es etwas ganz Normales. Das ist das Problem mit Kickelinterviews. Da wird einfach mit gespaltener Zunge gesprochen und man wird diesem Diskurs auf diese Weise nicht hören. Also wie geht man damit um und wie findet man Meta-Ebenen, um das zu erklären, ohne aber dabei das Gefühl zu erwecken und ohne auch es wirklich zu sein, dem Kicker gegenüber unfair zu sein und sozusagen die eigenen Prinzipien da zu verraten. Aber wenn man dem Kicker gegenüber fair ist, so wie die New York Times sagt, wir behandeln Trump fair, aber Trump behandelt die New York Times nicht fair. Das ist ein ungleiches Match und das kann nicht gut ausgehen. Da muss man andere Möglichkeiten finden. Also muss man zumindest einmal dazu übergehen, Klartext zu reden, würde ich vorschlagen. Also über die Motive dieser Leute und sie dann vielleicht sogar stärker in den Fokus nehmen, aber auch stärker zu sagen, was sie machen. Mit solchen Dingen beschäftigt man sich viel zu wenig. Und dann wird der Druck immer stärker, wenn man das Gefühl hat, die werden ausgegrenzt und totgeschwiegen und irgendwas ist ja doch dran, an dem was die sagen. Und das wird dann untergründig dadurch immer stärker, dass man sich dem nicht offen stellt. In der Auseinandersetzung mit der dunklen Aufklärung, mit der Gegenaufklärung, gibt es dann auch noch einen anderen Aspekt. Da fällt mir die Begrifflichkeit von Bernhard Börksen ein, mit der großen Gereiztheit, auch eine Beschreibung unserer Medienlandschaft und vor allen Dingen der sozialen Medien. unserer Medienlandschaft und vor allen Dingen der sozialen Medien. Und ich persönlich erlebe schon so, dass, du hast den Kickl angesprochen oder der Martin Sellner von den Identitären. Es gibt kaum einen Tag, wo ich auf Blue Sky oder in den anderen Social Media aufgeregte, appellative, wütende Kommentare dazu in meiner Timeline hereinbekomme. Und ich habe sozusagen diese ganze Aufgeregtheit und Gereiztheit von mir. Und oft auch Positionen und Meinungen, die ich gar nicht wahrgenommen hätte, hätte mir sozusagen nicht dieses 20. Posting, das hat noch einmal nahegelegt, was sagt eigentlich Martin Sellner. Und mich interessiert das jetzt nur beschränkt. Mich interessiert die Auseinandersetzung, weil mich interessiert diese permanente Aufregung darüber nicht. Und da habe ich schon ein bisschen das Gefühl, dass man mit der Aufregung darüber, mit dieser Gereiztheit, das eigentlich immer nur verstärkt und dynamisiert. Und dass man aus Leuten Helden macht, die offensichtlich darauf spekulieren, auf diese Weise Helden zu werden. Und ich sehe es dann immer vor mir, wie sie einen Bene-Ordner haben und dann sämtliche Zeitungsartikel ausschneiden, in denen sie auch vom Falter fürchterlich verrissen werden. Aber es ist doch eine Form der Aufmerksamkeit. Wie kann man verhindern, dass das sozusagen ein Schuss ins Knie sein wird? Ja, das ist eines der großen Probleme. weil man muss unterscheiden, glaube ich, in der herkömmlichen Öffentlichkeit müsste man, also ich habe das zum Beispiel in meinem Buch versucht, über viele solche Quellen oder Leute, die so wichtige Positionen besetzen, in dieser rechten Strömung zu beschreiben, wie Curtis Jarwin oder Murray Rothbard, das ist so ein Libertärer, oder Ludwig Mises. Das sind so diese Köpfe. Damit muss man sich, finde ich, diskursiv auseinandersetzen, damit muss man sich kritisch auseinandersetzen. Da führt kein Weg vorbei, ob das jetzt ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit ist oder zu wenig, ob die das in den Ordnern abheften, ist wurscht. Also man muss es, wenn man das liest, es gibt einen Philosophen, der heißt Hans Hermann Hoppe, der hat ein Buch geschrieben, das heißt Democracy, the God that Failed. Also Demokratie, der Gott, der versagt hat. Und dieser Hoppe war ein Habermas-Schüler und ist ein ganz wichtiger Denker, den alle zitieren. Aber wenn man das Buch liest, dann sieht man, das ist richtig schwach. Es ist schwach gedacht, Es ist schwach gedacht, es ist schwach geschrieben, es ist nicht gut argumentiert, es hält nicht stand. Man kann das kritisieren und sich damit auseinandersetzen und fertig. Man sieht, das ist nicht wichtig. Mir sind jetzt keine rechten Denker bekannt, bei denen ich vor Respekt da ins Knie gehen würde und sagen würde, das ist jetzt wirklich was für unsere soziale Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist. Nicht, die sind alle ziemlich schwach. Und das kann man sich ruhig anschauen, trauen und damit kann man sich ruhig kritisch auseinandersetzen. Aber das andere ist die Reaktionsweise der Social Media. Da geht es nämlich nicht. Die Social Media sind kein Ort für Diskussion oder Auseinandersetzung. Das braucht man gar nicht glauben. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass man dort diskutieren könne. Weil dort ist man ein Opfer des Algorithmus und der Algorithmus spielt einfach nach vorn, was aufregt. Der Algorithmus weiß, Tremitzberger ärgert sich über Selner und der spielt natürlich Selner dem Tremitzberger hin, damit Tremitzberger aufgeregtes Social Medium öffnet und schaut, ob was über Selner ist. So einfach ist das. Und je öfter du den öffnest, desto mehr kriegst du von dem. Da ist viel Pech dabei. Es sagt nichts über die Bedeutung des Selner, aber es sagt etwas über die Funktion des Algorithmus. Warum? Weil er will die Aufmerksamkeit von Tremelsberger binden. Der ist ein bisschen schwierig. Er hat so komische literarische Interessen und ist erratisch. Und wir müssen den aber binden, damit wir dem die geeigneten Produkte unter der Nase halten können. Wahrscheinlich weiß der Algorithmus mehr über mich als ich selbst. Angeblich haben sie mit sieben Klicks die gesamte Persönlichkeit beieinander da braucht man gar nicht mehr viel tun die wissen das ganz und nicht nur wissen sie es sondern sie machen auch süchtig auf mehr mit ganz gezielten Mechanismen, also die wissen wie sie bei uns Dopaminreaktionen hervorrufen. Und darüber hinaus beeinflussen sie dann noch unser Konsumverhalten, indem sie uns irgendwo hindrängen, ganz sanft, ohne dass wir es merken. Also Social Media und Diskussion, das sind zwei Dinge, die so nicht zusammenpassen. Was sehr interessant ist, weil in der Theorie, und das hat am Anfang so viele fasziniert, ist ja das Internet eine wunderbare Sache. Großartig, also das ganze Wissen der Welt ist da, wir können alle mit allen kommunizieren, herrschaftsfrei, wunderbar. Nur das genaue Gegenteil findet statt, das ist eine Hölle, die eigentlich nur dem Kommerz und dem Profit dieser wenigen Konzerne dient. Aber es wäre interessant und ein ehrgeiziges Unternehmen, ob man das nicht zumindest in Teilen wieder umdrehen könnte, diesen Prozess. Ob man das Internet entgiften könnte. Das wäre meiner Meinung nach eine Aufgabe, ob es ein öffentlich-rechtliches Internet geben müsste. Das wäre eine Aufgabe für öffentlich-rechtliche Anstalten, die eh nur Geld haben und nicht wissen, wohin damit. Die müssen gar nicht sparen, die haben so viel Geld, wie die hätte gerne mal ein Medium zu machen oder zwei oder drei. Aber die denken gar nichts an und das ist schade. Stichwort Entgiftung des Internets. Eine Form der Entgiftung hat ja mit dem Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine stattgefunden, weil ja beispielsweise Russia Today als Medium völlig verschwunden ist. Ich kann es weder es ist aufgrund einer EU Verordnung offensichtlich weder im Fernsehen noch im Internet möglich, diesen Sender anzuschauen. Also wenn man möchte, dass man das Internet spezifisch in Richtung einzelner Plattformen, sage ich jetzt einmal, entgiften will, gäbe es sogar die Möglichkeiten dazu. Ich meine, man muss sich das ja mal vorstellen, diese Plattformen sind ja, es ist auch ein Kapitel, ich muss leider ein bisschen Reklame für mein Buch machen, aber das ist eine Folge der klintenschen Medien Liberalisierung, gibt es einen Paragraphen, der heißt Section 230, damit wurde festgelegt in einem großen amerikanischen Telekommunikationsgesetz 1996, dass die Plattformen nicht Medien sind. Das heißt, wenn du oder ich auf unserem Medium irgendwas veranstalten, wenn irgendjemand von innen irgendjemand anderen verleumdet, dann sind wir verpflichtet, als Medieninhaber das zu verhindern. Und wenn wir es nicht verhindern, dann werden wir geklagt. Dann werden Sie geklagt, der Verleumdete, und wir, weil Sie sich verleumden, haben lassen. Das ist einfach unsere Aufgabe als Medium, dafür zu sorgen, dass solche Dinge nicht passieren. Die aber dürfen das, nicht nur die sollen das sogar, weil es steht der amerikanische kulturellen Hegemonie sicher. Es wurde damals auch so gesagt von Clinton direkt, also ein unglaublicher Skandal und eine unglaubliche Ungleichbehandlung von Konkurrenz. die ja einfach dem Rechtssystem unterliegen würden, wenn man dort Delikte leicht einklagen könnte, weil die sozusagen jeden transparent machen müssen, der ein Delikt setzt. Und wenn das dann zivilrechtlich oder strafrechtlich verfolgbar ist, dann schaut die Welt gleich ganz anders aus. Ist aber nett. Du hast noch etwas anderes angesprochen. Mehr Klarheit, klarer Text gegen die Feinde. Gegen die Feinde des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zum Beispiel oder gegen die Feinde der Demokratie, gegen die Feinde einer pluralistischen Medienlandschaft. Und ich glaube, heute im Falter schreibst du, der ORF braucht anderes aus dieser Diskussion jetzt rund um den Rücktritt von Weismann. Anderes im Kontext der Person, des Generaldirektors, der Generaldirektorin. Ich habe ein dickes Buch bei mir zu Hause, das heißt Der Generalintendant mit Vorträgen und Texten von Gerd Bacher, den ich überhaupt nicht glorifizieren möchte, in keiner Weise. Aber es ist spannend zu lesen in diesen Texten, dass man wie mit welcher Selbstverständlichkeit oder fast Abgebrühtheit der ORF als ein gesellschaftspolitischer Protagonist, Protagonistin gesehen wird. Als eine Organisation, die im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung entsteht, ganz bewusst und als Protagonist auch Aktivitäten setzt. Und jetzt nicht nur berichtet und kommentiert, was in der Welt passiert oder verstärkt, was in der Welt passiert, sondern sich sozusagen als gesellschaftspolitischer Akteur, Akteurin versteht, der tatsächlich hineinwirkt. Das ist eine Selbstverständlichkeit, die es in der Form nicht gibt. Die gibt es beim ORF nicht und die gibt es eigentlich meiner Wahrnehmung auch bei den meisten anderen Medien nicht. Ich finde vielleicht im Pressum die Formulierung, wir sind für eine offene Gesellschaft. Das ist auch sozusagen, das kann man verwenden, klingt nicht nach Rebellion. Ich habe diesen sehr weichen Begriff von gemeinwohloridiertem Journalismus, aber ich habe nicht diese harte Klarheit, diese Positionierung. Ich bin dem Bacher gegenüber natürlich auch sehr kritisch eingestellt, aber man kann ihm nicht absprechen, dass er zumindest für seine politische Einstellung, und er war ein Nationalkonservativer, dass er das Format hatte, das gesellschaftlich darzustellen, was ich von all seinen Nachfolgern eigentlich nicht gesehen habe. Er konnte diese Rolle wirklich darstellen und das ist auch eine politische Notwendigkeit, dass man eine Rolle, die man spielt, gesellschaftlich auch darstellen kann. Also der politische Schauspieler, das ist nicht ein Schimpfbegriff, sondern das ist eine Notwendigkeit. Wer Politik macht, muss Politik auch darstellen können. Und der Bacher hat sich als politischen Akteur begriffen. Der hat sich auch deswegen als politischen Akteur begriffen, weil er einerseits als national-konservativer, so ein bisschen der Schulmeister der Nation sein wollte, mit dem erhobenen Zeigefinger, und weil er andererseits aber noch in dieser Nachkriegsgesellschaft, weil da auch noch ein Nachholprozess an Modernisierung da war. Deswegen hat er Leute werken lassen, die eigentlich mit seiner Weltanschauung nicht kompatibel waren, von Hoema bis Heller und so. Also das war nicht so homogen, das war ganz spannend. Ich finde, dass der Journalismus gegenüber, dass diese Figuren eigentlich leider fast nur auf der Rechten gibt, die sich anmaßen, so einen gesellschaftlichen Prozess darzustellen und auch mit ihrem Medium eingreifend zu beeinflussen. Das ist ja ein sehr heikles Spiel. Natürlich hat der Tichan das auch gemacht und hat aber lebenslänglich bestritten, das zu tun. Er hat gesagt, er ist nur im Vorhof der Macht, während er gleichzeitig die Bundeskanzler erpresst hat. Aber das ist sozusagen die feige österreichische Variante, das Schlauchern zu tun. Ich weiß von all dem nichts, aber in Wirklichkeit regle ich die Sachen eh in meinem Sinn. Sondern Öffentlichkeit würde tatsächlich verlangen, dass es so Player gibt, die sich hinstellen und sagen, wir wollen das haben. Und ich finde öffentlich, gerade der ORF, wir wollen das haben. Und ich finde, der ORF, gerade der ORF, mit seiner besonderen Stellung als öffentlich-rechtliches Medium, da kann man den wieder leicht diskreditieren, weil er gesagt hat, es gibt Zwangsabgaben. Unsere Free Speech-Absolutisten da, die Rechtsextremen, die Faschisten, die reden immer gern von der Zwangsgebühr. ORF-Zwangsgebühr. Und das ist dann so eine Art Steuer, eine staatliche Finanzierung. Ja, ist es. Und deswegen ist der ORF auch im Eigentum aller Staatsbürgerinnen und Staatsbürger und müsste denen auch entsprechend gegenüber treten und müsste auch versuchen, die mehr zu aktivieren. auch entsprechend gegenüber treten und müsste auch versuchen, die mehr zu aktivieren. Nämlich in diesem Sinne. Nicht als Volksmusiktudel und Herzenspartnersucher. Das kann ja alles sein. Aber in Wirklichkeit gehört wieder eine politische Öffentlichkeit hergestellt. Und zwar im Sinne dessen, dass das was Bedrohtes ist und dass wir das dringend brauchen, dass die Demokratie sich vitalisieren muss. Und das geht nicht anders als über Medien. Also es geht schon anders. Es geht natürlich über kleine Versammlungen, es geht über Foren, es geht über ganz viele Netzwerke, aber es braucht auch die großen Apparate, wo sich das abbildet und die müssen durchaus auch mit Beispiel vorangehen und dann Dinge auch anzünden wollen. Also da, glaube ich, ist man mit diesem journalistischen Neutralismus nicht immer gut bedient. Das kenne ich, weil der Qualitätsjournalist, wir sind ja alle Qualitätsjournalisten und Journalistinnen beim Falter, und wir halten sehr drauf, dass wir unsere handwerklichen Vorgaben und unsere Unabhängigkeit und unsere Unbeeinflussbarkeit aufrechterhalten. Und wir haben natürlich große Angst davor, uns die Hände da politisch schmutzig zu machen, in irgendeiner Hinsicht. Aber gleichzeitig, wenn ich mich informiere, was in Amerika läuft, dann schaue ich meistens auf CNN und dann auf Fox News. Und auf Fox News habe ich doch unverhohlenen Meinungsjournalismus, der sich als Nicht-Meinungsjournalismus verkauft. Warum sollte man darauf verzichten, als Medium, als Journalist? Ich finde, man soll nicht darauf verzichten. Also man soll schon gar nicht darauf verzichten, in Meinungen ganz deutlich zu sein. Das versuche ich auch im Falter exemplarisch zu tun. Ich lasse mir da nicht von irgendjemandem den Mund verbieten. Aber es ist natürlich klar, dass es in der Berichterstattung oft so ist. Dann ist halt die schwierige Frage, muss man Konsequenzen bedenken oder berichtet man einfach konsequenzenlos? Ich glaube, man bedenkt immer Konsequenzen mit.ken oder berichtet man einfach konsequenzenlos? Ich glaube, man bedenkt immer Konsequenzen mit. Das ist so wie in der Moral. Die Moral ist auch immer auf die Folgen abzustellen. Man kann nicht nur eine Sache abstrakt beurteilen. Dann kommt so etwas raus wie das Lügenverbot von Kant. Draußen stehen die Hescher und drinnen versteckt er seinen Freund und muss den Hescher jetzt die Tür öffnen oder darf er lügen und sagen, es ist niemand da. Natürlich muss er lügen und sagen, es ist niemand da. Aber nach Kant muss er ihm die Tür aufmachen. Das ist falsch. Wurde später auch philosophisch nachgewiesen. Warum? Eben weil ja konsequenzialistische Ethik auf die Folgen auch bedacht nehmen muss. Das muss natürlich Journalismus auch. Aber das sind jetzt die geringeren Probleme. Die Hauptprobleme sind die, dass man die Dinge nicht klar benennt und dass der ORF seine Rolle einfach nicht spielt. Der erkennt sich nicht einmal. Der will sich dem nicht stellen. Man ist mit so einer Masse von Umwälzungen und Problemen konfrontiert in der Mediensache. Die technische Entwicklung, diese Kapitalübermacht, die Verführung durch Werbung, all das, da tue ich mir schwer, also gleichzeitig mit Exponenten dieser Dinge mich zu verpartnern und dann nur versuchen, daraus ein öffentliches Medium zu führen. Aber ich bin sicher, das nächste, was die dann machen, ist, da kommen Berater von McKinsey oder sogenannte Kommunikationsprofis. Niemand denkt sich, jetzt eine Kandidatin, habe ich jetzt gelesen, die kommt dann irgendwie von einem deutschen Privatsender, kommt dann mühelos da rein. Privatsender, kommt ja mühelos da rein. Das kann ja alles nicht sein. Das ist ja undenkbar eigentlich. Und die Frakturen her, die wurde dann zu irgendwelchen Management-Seminaren geschickt, wo man dann halt lernt, wie man Kosten spart. Das ist alles ein bisschen, finde ich, unangemessen. Der Aufgabe und der Größe dieser Sache. Abgesehen vom OFCS sozusagen, war aus dieser Diskussion eher auch sehr stark die Verantwortung an uns selbst, als Medienprotagonisten, Protagonistinnen, das ernst zu nehmen. Du hast das Thema der Medienförderung angesprochen und das ist eine Diskussion, die aktuell läuft und wurde ein bisschen angekündigt mit der Ankündigung, es soll eine Medienförderung geben, die es verhindern wird können, dass ein Medium wie Express auch eine Förderung bezieht. Also sozusagen das politische Ziel, bestimmte Förderungen, mit denen man offensichtlich unglücklich war die letzten Jahre, zu verhindern. Wie kann man sowas bewerkstelligen? Wenn ich die österreichische Regulierungsmentalität richtig verstehe, dann gibt es eigentlich, das sehe ich in der Kulturförderung, in der Kunstförderung genauso wie im Journalismus, eine große Vorsicht dazu, sich inhaltlich oder in Qualitätsfragen einzubringen, einzumischen, über Qualität zu diskutieren. Wie kann man da die Brücke schaffen, ohne sozusagen im Abstrakten zu bleiben? Was wären konkrete Möglichkeiten einer Medienförderung, wie du sie dir vorstellst? Also ich habe keine Scheu, über Qualität zu diskutieren. Ich glaube, gewisse Dinge, es ist eine Schwäche der demokratischen Entwicklung, dass man glaubt, man kann die Regelwerke so verfeinern, dass damit dann alles geregelt ist und dass man dann überhaupt keine Entscheidung mehr treffen muss. Das hat dann halt funktioniert bisher, weil man hat lauter formale Regelwerke gehabt mit Reichweite, mit Anzahl der Ausgaben, Anzahl der Journalistinnen, haben nicht funktioniert. Und irgendwann muss man sagen, es gibt gewisse Kriterien, die muss ich als Mensch beurteilen. So wie ein Richter, der hat dann Regeln, der hat eine Rechtsmaterie, aber irgendwann muss er beurteilen, was trifft er zu und was trifft er nicht zu. Rechtsmaterie, aber irgendwann muss er beurteilen, was trifft er zu und was trifft er nicht zu. Ich würde klare Vorgaben machen in einer Medienförderung, wie hoch ist der demokratische Anteil in dem Sinn, was ich versucht habe zu sagen und nicht der kommerzielle, wobei kommerzielle Anteile durchaus ehrenwert sein können, wenn sie nicht überwiegen. Wie hoch ist der demokratische Alltag? Wie sehr ist der Journalismus, der da gemacht wird, ein redaktioneller Journalismus, was ganz wichtig ist, dass es nicht ein isolierter Einzeltäter-Journalismus ist, sondern dass Redaktionen kollektiv sind, die einander überprüfen. Das ist das Wichtige daran, wo man sich gegenseitig korrigiert und auch hindert, dass der Blödsinn publiziert wird und so. Und wie weit werden die bekannten Verfahrensweisen von journalistischer Faktenermittlung und von Bewahrung der Integrität der Person und vielleicht auch noch stilistische Kriterien, welcher Art auch immer, je nach Medium eingehalten. Das kann man als wünschenswert alles definieren. Und ich würde dann, das habe ich ja schon öfter gesagt, ich würde dann eine kleine Kommission einsetzen und ich würde natürlich das nach skandinavischem Vorbild machen. Habe ja auch gesagt, wie könnte man kleinere Medien fördern, wie kann man beginnende Medien fördern nach verschiedenen Medienarten, aber vor allem ist das Prinzip in skandinavischen Ländern, dass das zweitstärkste Medium am Ort gefördert wird und nicht das stärkste. Also man versucht den Schwächeren zu stärken, um da eine Konkurrenz zu ermöglichen. Also das alles kann man festlegen und dann würde ich drei Leute nehmen in einer Kommission, die kann jährlich wechseln, eine Person aus Österreich und zwei Personen aus dem deutschsprachigen Ausland und die kriegen bezahlt dafür, dass sie sich eine Woche lang alles anschauen und schauen, was diesen Vorgaben wie entspricht und dann begründen sie ihr Urteil öffentlich, einsehbar und transparent und entscheiden darüber, wer wie viel Kohle kriegt. Im nächsten Jahr sind es vielleicht andere, kann man auch zwei- oder dreijährig machen, wer wie viel Kohle kriegt. Im nächsten Jahr sind es vielleicht andere, wird diese Kommission neu. Kann man auch zwei- oder dreijährig machen, aber nicht zu lange, weil diese Kommissionen entwickeln auch ein ungutes Eigenleben und das kann man in der Kunstförderung auch bewundern, wie das was für ein zweischneidiges Schwert sein können. Einerseits sinnvoll, aber andererseits dann lästig, wenn sie sich versulzen und verewigen. Aber so eine Kommission könnte das entscheiden und das wäre dann für mich bindend. Da kann dann vielleicht der Medienminister nur einen gewissen Ermessensspiel haben, was er da lassen kann und was er da ändern kann. Aber auch das müsste dann transparent sein. Und für die Boulevardmedien, die unser Hauptproblem sind, habe ich auch gesagt, da werde ich ein Schutzgeldfonds gründen. Dass die Arme, dass man da 200 Millionen oder so einzahlt und die werden dann langsam abgebaut, damit die Familien Dichern und Fellner nicht verhungern müssen. Das kommt billiger als das, was wir jetzt haben. Und alle anderen werden aber sinnvoll gefördert. Da kriegt DorfTV mehr Geld, da kriegt der Falter mehr Geld, der Standard kriegt mehr Geld, die Presse kriegt mehr Geld und so weiter. Ja. Wir wollen noch ein bisschen die Runde öffnen für Fragen aus dem Publikum. Und ich möchte jetzt noch eine Sache ansprechen, eine Frage an dich. In der Vorbereitung für das Gespräch habe ich noch einmal ein paar Kapitel gelesen. In deinem ist ein Bericht oder ist ein Roman, die Ferien nach Manhattan. Also du bist ja nicht nur Journalist und Herausgeber, sondern auch Schriftsteller. Und jetzt in deiner Rolle als Schriftsteller zu diesen Krisen, Krise des Journalismus, Krise der Demokratie, Krise der Medien, was kann die Literatur dazu sagen, was der Journalismus nicht in der Lage ist zu sagen? Ja, die Literatur ist, also erstens einmal ist es so, da gibt es das Wort von Karl Kraus, der Journalist kann nur unter Druck schreiben und der Schriftsteller kann nicht unter Druck schreiben. Wenn man beides gleichzeitig ist, hat man ein bisschen ein Problem. Ich tröste mich damit, dass auch Karl Krause in der Fakta als Journalist tätig war, wo er diese Dinge alle formuliert hat. Die Literatur ist der Prozess, der sich Zeit nimmt, um die Dinge möglichst wahrhaftig und möglichst schön und möglichst zutreffend zu formulieren. Also die Schönheit kann natürlich auch schier sein, aber sie muss genau und möglichst intensiv gefasst sein. gefasst sein. Das ist eine Erfassung der Wirklichkeit, die ganz anders und viel intensiver und deswegen auch auf eine andere Art und Weise glaubhaft ist. Also es ist unprofessionell, es ist amateurhaft und folgt ganz anderen Gesetzen als der Journalismus. Und deswegen glaube ich, dass wahrscheinlich in der Dichtkunst und in der Literatur man vielleicht dann über seine jeweilige Gegenwart mehr erfährt, als man im Journalismus erfährt. Der Journalismus ist ja dann nur ein Mittel dazu, einen zu informieren, zu handeln, sozusagen zu einem wohlinformierten Akteur in der Demokratie zu machen. Und Journalismus informiert und die Literatur verändert. Ich würde gar nicht sagen, die Literatur verändert, sondern die Literatur ist auf einer anderen Ebene. Mit der Literatur lebt man sozusagen. Die Literatur ist existenziell. Der Journalismus ist ein Mittel zum Zweck. Dann würde ich sagen, beenden wir das Gespräch an dieser Stelle und öffnen wir die Runde für Fragen aus dem Publikum. Sonst reden wir weiter, das ist eine gefährliche Zeit. Nein, keine Angst, ich melde mich schon. Hallo, grüß Gott. Und zwar, ich habe eine Frage dahingehend. Von wem soll die Änderung der Förderungslandschaft ausgehen? Diese Förderungslandschaft, wie wir sie derzeit haben, ist ja eigentlich eine unselige Koalition aus politischen Wünschen und Erpressung durch gewisse Medienmogule bei uns in Österreich. Das ist natürlich eine unheilige Allianz dahingehend, dass natürlich Medien mit großer Reichweite gefördert werden, weil nur die sind politisch eigentlich relevant. Die Nebendinge lässt man beiseite, die sind für Wählerstimmen, Gewinnung und so weiter nicht relevant. Und wie gesagt, das andere ist eben die Erpressung. Wer soll also die Änderungen im Medienwesen und in der Medienförderung wirklich angehen? Die Politik ist ja daher auch nicht nur das Opfer, sondern auch der Mittäter. Danke. Soll ich gleich versuchen? Ja, also ich meine, es muss leider der Medienminister oder die Medienministerin muss das angehen, die jeweilige Regierung kann sich dieser Aufgabe nicht entziehen und es wäre natürlich ein typisches Unternehmen, ein typisches, zumindest ein Unternehmen aller demokratischen Parteien, wo sich die darauf einigen müssten, was die Ziele wären und wie eine sinnvolle Medienförderung da ausschauen müsste. Man müsste sich sicher überlegen, das meine ich mit dem Schutzgeldfonds, das ist halb witzig, halb ernst gemeint. Man muss sich überlegen, wenn man absehen kann, dass eine sinnvolle Medienförderung diese Unternehmen nicht fördert, muss man wahrscheinlich verhindern, dass die von Antrag am anderen pleite gehen, weil es könnte gut sein, wenn man denen diese Gelder entzieht, dass das eintritt, obwohl ich es nicht glaube. daran müsste man auch denken. Aber es ist eine Aufgabe des Medienministers und er müsste es schaffen, eine einheitliche Parteienmeinung zu diesem Thema herzukriegen. Man könnte im Übrigen im ORF neutrale Diskussionsformate schaffen, wo man die Bevölkerung darüber informiert, worum es da geht. Nur der ORF ist ja selber in so unsauberen Allianzen, Kronwetter, Volksmusik und so Zeugs drinnen. Da müsste er sich halt auch mal ein bisschen entflechten. Also aus meiner Sicht steht zum Beispiel die Förderung für nicht kommerziellen Rundfunk, also für Dorf, für die freien Radios eigentlich ein Best-Practice-Modell da, weil in dieser Förderung viele Punkte verankert sind, die genau diese demokratiepolitischen, medienpolitischen, gesellschaftspolitischen Fragen adressieren, sozusagen den Beitrag zur Meinungsvielfalt, den Beitrag zur Meinungsfreiheit auf den Punkt bringen. Dasungsvielfalt, den Beitrag zur Meinungsfreiheit auf den Punkt bringen. Das sind sozusagen Vorgaben wie Sendungen für Minderheiten. Das sind Vorgaben, die im Wesentlichen aus der Charta der Freien Radios und des nicht kommerziellen Rundfunks kommen, wo sozusagen unser Selbstverständnis als demokratische Medien formuliert wird. Und genau solche Beschreibungen und Voraussetzungen finden sich ja in den anderen Medienförderungen praktisch nicht. Da sind es dann halt quantifizierende Voraussetzungen, die Reichweite, Anzahl der beschäftigten Journalistinnen. Aber wenn man sozusagen dauernd in die Tiefe gehen möchte und ein bisschen auch versuchen möchte, den wirklichen Beitrag zur Demokratie zu formulieren, da würde ich sagen, sind die nicht kommerziellen Förderungen auf jeden Fall ein Best-Practice-Beispiel. Ja, abgesehen davon, dass dann unter diesem Titel auch Privatradios gefördert werden, die natürlich keine nicht kommerziellen Radios sind. Aber unter anderem Rahmenbedingungen, die viel einfacher, viel leichter sind und viel mehr möglich machen, als es bei uns der Fall ist. Was natürlich gewissermaßen eine Frechheit ist. Und dreimal so viel Fördervolumen natürlich. Aber ich glaube, es gäbe an den Kriterien und an der Sinnhaftigkeit, dann würde das überhaupt nicht scheitern. Da braucht man nur eine Rundreise im skandinavischen Raum machen und es gibt Dänemark, es gibt Norwegen, es gibt Schweden, die haben alle Förderungsmodelle, die sicher sinnvoller sind als unsere österreichische. Und die haben eine ganz andere Medienlandschaft und die haben übrigens auch mehr Zeitungsabonnenten und Abonnentinnen dort als wir. Aufgrund dieser Förderungen. Weil die auch sehr stark regional Medien fördern, zwei Zeitungen. Die haben natürlich eine ein bisschen andere urbane Struktur als Österreich auch, aber nicht wirklich ganz anders. Also man könnte viel lernen, wenn man möchte und es ist ein gesellschaftliches Thema, aber man sieht ja eh, wenn der Babler aus dem Loch so viel vom Köpfchen hebt, kommt schon Luzi-Prag drauf. Aber er lässt sich jetzt eh nicht entmutigen und ich finde, man sollte ihn dabei ermutigen, das zu wagen. Weil es einfach für das Land ganz wichtig ist und es ist natürlich eine Herkulesaufgabe, weil gleichzeitig muss man auch diesen marodierenden ORF anschauen und die Repräsentanten dort sind also zum Teil wirklich einfach beklagenswert, auch wenn ich mir den Stiftungsrat anschaue, wie die jetzt wieder agiert haben in dieser Weißmann-Causa da. Man kann da nicht sehr glücklich sein. Also ich kann es nicht. Ich wollte Sie aber nicht betrüben oder bedrücken. Ich wollte fragen, warum Sie glauben, dass sogenannte Qualitätsmedien auch zum Beispiel so kritiklos in Herrn Kurz hochgeschrieben haben und wie man das in Zukunft verhindern kann. Weil die würden ja wahrscheinlich jetzt nicht unbedingt in die Qualitätskriterien reinfallen, dass man denen ein Geld streicht, so wie im Boulevard. Haben aber ihre Aufgabe nicht wahrgenommen in der Situation. Naja, also man kann Medien natürlich nicht vorschreiben, was sie zu schreiben haben. Das hängt damit zusammen, dass die Meinungsbildung bei uns eben so stark auf diese Boulevardmedien fast beschränkt ist. Weil was im Standard oder in der Presse kommentiert wird, ist ja für die Politik eigentlich nicht relevant. Oder auch in den Regionalmedien, das nehmen die nicht wirklich ernst, glaube ich, in der Bundespolitik. wirklich ernst, glaube ich, in der Bundespolitik. Da kann man nur mit einem öffentlichen Diskurs dagegen halten. Und ich habe das ja versucht in der Frage kurz und kann mich gut erinnern, dass ich da ein relatives Einsamkeitsgefühl bekam. Also am Anfang sogar in der eigenen Redaktion, dache, die gesagt haben, das ist ein ganz netter junger Mann und so das ist mal was anderes und so also ich und dann kann ich mich erinnern hatten wir ein Cover im Falter nach der Wahl da stand drauf, der Neo-Faschist mit E das war ein Begriff, den ich für den Haider erfunden habe und dann hast du kurz, der Neofaschist, mit E, aber Faschist, das war ein Begriff, den ich für den Haider erfunden habe, kurz Neofaschist, passt ganz gut. Und habe das auch begründet, und zwar gibt es einen Philosophen, der heißt Dieter Thomä, und er hat ein interessantes Buch geschrieben, das heißt Pur Robustus, also der rüppelhafte Knabe, der in der Politik immer wieder auftritt. Und Trump ist so ein rüppel, so ein politischer Rüppel, der die ganze Szene durcheinander bringt. Und ich habe damals die Theorie vertreten, dass Kurz eben ein Pur Robustus auf Österreichisch ist. Und das zusammen mit dem Faschisten ist mir überhaupt nicht gut bekommen. kurz eben ein pur robustes auf Österreichisch ist. Und das zusammen mit dem Faschisten ist mir überhaupt nicht gut bekommen. Die Kollegen haben gleich gesagt, er ist kein Faschist. Ich habe ja auch nicht gesagt, dass er Faschist ist. Aber ich musste mich dann gegen den Vorwurf wehren. Also es war schwierig. Aber mittlerweile, glaube ich, hat sich einiges an Erkenntnis durchgesetzt. Aber natürlich viel zu wenig. Was der Mann wirklich ist, ist noch lange nicht durch. Er ist für viele so eine Variante einer ÖVP-Hoffnung, die jetzt mal geparkt ist, aber jederzeit gern wieder kommen kann. Und für mich ist er halt eine Variante des Trumpismus, die in Österreich einzubrechen versucht hat und nur mit Glück und einem Social Media League, der in den Netzahnen immer passiert, abgebrochen wurde dann. Also wenn es nicht die Schmidt-Chats gegeben hätte, dann hätten wir jetzt, da kennt man wahrscheinlich 15 Jahre Bundeskanzler Kurz im Bündnis mit Orban und Babisch und Alice Weidel für ein besseres Europa. Aber wir haben Glück gehabt. Die Social Media haben es möglich gemacht. Das Handy. Ich darf nochmals auf diese europäische Ebene zurückkommen. Ich habe realisiert, dass, ich glaube, der heißt André, ein Medienmensch aus Deutschland, ein anerkannter Wissenschaftler, sozusagen eine Kampfschrift gegen die Social Media und die Tech-Barone mit dem Titel, glaube ich, der heißt Krieg der Medien, lanciert hat. Und meine Frage wäre oder ist, wie schätzen Sie diese Auseinandersetzung in Europa ein, diese Verteidigung gegen diese Tech-Barone in der aktuellen Zeit? Es gibt zwei Ebenen. Es gibt einerseits den rechtlichen Kampf mit dem Versuch diese Konzerne zu regulieren, mit der Datengrundverordnung, mit dem Digital Services Act, die zu zwingen, dass sie doch gewisse Selbstkontrolle ausüben, auch wenn das rechtlich schwer bindend ist, und auch die Wettbewerbsrechtlichen in den Griff zu bekommen. ist und auch die Wettbewerbsrechtliche in den Griff zu bekommen. Die kriegen ja immer wieder ordentliche Wettbewerbsstrafen aufgebrummt, was sie aber aus der Portokasse zahlen, weil sie so unermesslich reich sind. Das ist also die eine Ebene und da hat die Europäische Union aber mit massivem Druck der amerikanischen Regierung zu kämpfen, weil die die Marktmacht dieser Konzerne erhalten will und durch die regulierungen bedroht sieht. das ist ein echter machtkampf. und da gibt es noch den politischen kampf, denn diese barone aufgrund ihrer politischen privatreligion ausfechten wir der herr mask, der dann sozusagen mit alice weidel im wahlkampf Werbegespräche führt, wo dann festgestellt wird, Adolf Hitler war doch ein Sozialist und solches Zeug. Und wo auch mit Frau Meloni und mit Marine Le Pen und so Bündnisse geschmiedet werden. Bündnisse geschmiedet werden und das beschränkt sich aber nicht nur auf die Tech-Barone, die sind da ein Teil davon. Die andere Fraktion dieser neuen amerikanischen Rechten ist ja die plebäische Mager-Fraktion,, die rechte Arbeiterbewegung angeführt von Steve Bannon und anderen, die auch in Europa ihre politischen Verbündeten pflegen und ihre politischen Bündnisse pflegen. Bannon ist dann eher mit Marine Le Pen und Viktor Orban, aber auch mit der AfD unterwegs. Und das überlagert sich zum Teil, ist aber zum Teil nebeneinander und nicht so koordiniert. Aber insgesamt ist es natürlich Teil des großen Hegemoniekampfs gegen diese lästige, mühsame Demokratie, die halt dieser europäische Sozialstaat noch immer darstellt. Es gibt ein gutes Buch von Quinz Lobodian, dem Historiker. Es heißt Hayek's Bastards. Ich weiß nicht, ob es wer von Ihnen kennt. Ideologie in den 1990er Jahren doch irgendwie sehr stark normal sich radikalisiert haben und sich vollkommen auf die Seite, nicht von Hayek, der war ja nur für einen kleinen, aber starken Staat, sondern Mises geschlagen haben, auch ein Österreicher Ludwig Mises, der vollkommen antistaatlich argumentiert hat. Und diese Linie der Rechtslibertären ist jetzt in dieser Bewegung sehr stark und schlagt sich eben nieder in so Dingen wie diese Doge-Sache von Musk, wo einfach Teile der Regierung abgeschafft und zerschlagen werden. Und da wird ganz klar gesagt, das Ziel dieser Bewegung ist es, den New Deal abzuschaffen, eigentlich den Sozialstaat abzuschaffen, eigentlich die ganze Moderne und das ganze 20. Jahrhundert abzuschaffen. Und zurückzukehren zu einem anderen Gemeinwesen, das eigentlich kein Gemeinwesen mehr ist, sondern eine Oligarchie mit Monarchen oder wie auch immer autoritären Leitern und dem 1%, das den Rest unten kontrolliert. Das ist so das Ziel und da ist halt die Demokratie doch ein bisschen im Weg. Auch in Amerika ist sie im Weg. Die Amerikaner lassen sich da nicht umstandslos gefallen, hoffentlich. Aber dort regiert nun einmal diese Fraktion. Derzeit. Ich hätte eine Frage, und zwar weil wir gerade bei den Social Media sind. Es wird ja jetzt diskutiert, also bei den Jugendlichen, die Kinder sozusagen als zukünftige Medienkonsumentinnen heranzuerziehen, die Social Media bis zu einem gewissen Alter zu verbieten. Was halten Sie denn eigentlich davon? Das halte ich für nicht sinnlos, allerdings ist es sehr schwer durchzuziehen, weil es dann andererseits diese Dinge noch faszinierender macht. Aber das muss einhergehen mit einer massiven gesellschaftlichen Aufklärung, dass Eltern auch ihren Kindern erklären können, warum das so ist. Das ist meiner Meinung nach total wichtig, dass auch in der Schule klar ist, klar gesagt werden kann, warum das so sein muss und dass das zum Schutz der Kinder ist. Aber wenn man wenn man erkennt, wie absichtsvoll diese Medien suchtbildend und aggressionsfördernd konstruiert werden, nur um diese Kinder auch an sich zu binden und dieses permanente Rischen und Scrollen herbeizuführen, dann schließt das natürlich aus, dass ein Bildungsprozess oder Lernprozesse in vernünftiger Weise überhaupt stattfinden können. Und deswegen ist es schon rational, das zu verbieten. Also wir sind eh schon sehr spät dran. Aber wie gesagt, solche Verbote können auch kontraproduktiv sein, wenn sie nicht gut begründet sind und mit ganz intensiver Betreuung herbeigehen. Das wäre auch eine Aufgabe für Medien und für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, dass man viel stärker, statt irgendwie tepperten Vormittags- oder Kindersendungen, müsste man auch erklären, was passiert, wenn man sowas in die Hand nimmt. Was setzt du in Gang, wenn du da wischst? Das wissen viele, den meisten ist es egal, weil sozusagen die Belohnungsmechanismen, die da drin sind, stärker wirken. Aber dem muss man halt mit einer gewissen Anstrengung entgegnen. Das geht schon. Ich halte das unter diesen Umständen für sinnvoll. Applaus von den Ansätzen hören. Und zwar ist jetzt das Thema mit der Überarbeitung von solchen Förderungen, das ist natürlich ein guter Ansatz und das geht in die richtige Richtung. Jetzt sehe ich aber irgendwo auch den Punkt, dass man damit vielleicht dann die Medien, die man daraus ausschließt, weiterhin zu diesem profitgetriebenen Arbeiten bringt und dann vielleicht auch dieser Kampf gegen die Demokratie dieser Medien zunimmt, die ja ehrlicherweise keine geringe Leserschaft haben. Also das ist ja dann doch eine hohe Zahl an Befürwortern, die solche Medien haben und auch die Ideen dahinter haben, dass man dann einfach auch Gefahr läuft, diesem Förderungskonzept in Gänze die Legitimation abzusprechen, einfach dahingehend, dass sie sagen, ja, die fördern uns ja nicht, deswegen sprechen wir das im Grundsätzlichen ab und sagen, das ist was, ich sage mal, Schlechtes und treiben diese Medien dann hin zu diesem Kampf gegen die Demokratie und fördern damit auch am Ende die Radikalisierung dieser Leserschaft. Ich meine, wenn man jemandem Geld wegnimmt, werden die natürlich umso wilder agieren. Das ist klar, aber das würde ich einfach in Kauf nehmen. Ich meine, die Absurdität dieser Mogule muss man sich ja schon mal vor Augen führen. Die meisten von denen leben ja hauptsächlich von staatlichen Subventionen, von staatlichen Aufträgen. Also der Herr Musk mit seiner Raumfahrt und mit seinen Selbstfahrmodellen und mit seinen LKWs, der ist ohne staatliche Aufträge im Nirwana, abgesehen davon, dass das ganze Internet auf staatlichen Forschungen und Innovationen beruht. Also da muss man die Dimension einmal zurecht drücken. Der Herr Thiel mit seinem Palantir lebt ja nur von Milliardenaufträgen der Armee und der Geheimdienste vor allem. Und von Eis und dergleichen. Das kann man so durchdeklinieren. Plus die Steuervorteile, die die Damen und Hauptsächliche hier anbekommen. Das ist ja atemberaubend. Das muss man auch als staatliche Förderung sehen. Und das sind die Leute, die sozusagen gegen den Staat Stimmung machen. Da wäre es schon an der Zeit, dass der Staat einmal Stimmung gegen diese Leute macht. Danke. Ich möchte zum Abschluss noch auf eine Veranstaltung hinweisen, die am Freitag, 20. März stattfindet, die sich mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen wird, nämlich unter dem Titel Menschenrechte in der öffentlichen Debatte. Das ist eine Kooperation von der VHS Linz, DorfTV und der Initiative Mehr Demokratie am Freitag 20. März. Unter anderem wird da zu Gast sein die Corinna Milborn oder der Luis Paulitsch und es wird gehen an Medienstrategien zur Verteidigung von Demokratie und Meinungsfreiheit. Also auch ein Thema, das ganz gut anschließt auf das, was wir heute besprochen haben. Danke von meiner Seite. Dankeschön.