Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Literaturinteressierte, herzlich willkommen im Stifterhaus. Mein Name ist Sarah Pühringer und es ist mir eine Freude, Sie heute hier bei uns willkommen zu heißen. Freut es Sie heute hier bei uns willkommen zu heißen. Mit dem heutigen Abend eröffnen wir unsere Reihe Neue Stimmen literarischer Debüts im Jahr 2026, mit der wir eine Tradition fortsetzen möchten, die im Stifterhaus seit vielen Jahren gepflegt wird. Literarische Erstlingswerke und ihre dahinterstehende Autorinnen vorzustellen. Es freut mich daher sehr, die erste Autorin des heutigen Abends begrüßen zu dürfen, Antonia Löffler, die heute im Milin des heutigen Abends begrüßen zu dürfen, Antonia Löffler, die heute im Milena Verlag erschienenen Debütroman Hydra vorstellen wird. Herzlich willkommen, Antonia Löffler. Antonia Löffler wurde 1991 in Wien geboren, als freie Autorin reist und schreibt sie unter anderem für den Radiosender Ö1, wo sie Features und Reportagen gestaltet. Darüber hinaus veröffentlicht sie Texte in Zeitschriften und Anthologien. Mit ihrer Kurzgeschichte Santa Maria gewann sie 2023 den Emil-Preisach-Literaturwettbewerb. Für ihren Roman Hydra erhielt sie das Hans-Weigl-Literaturstipendium des Landes Niederösterreich und stand damit 2025 in der Kategorie Debüt auf der Longlist des österreichischen Buchpreises. Ihr Roman Hydra entfaltet sich in einer Rahmen- und Binnengeschichte. Die Rahmengeschichte führt uns zu Anne, Jakob und Leo. Sie verbindet zunächst nur ein gemeinsames Ziel, nämlich Wien. Nachdem sie ihren Flug verpasst haben, verbringen sie die Nacht gemeinsam in der letzten geöffneten Bar am Flughafen. Dann erscheint aber eine Eilmeldung auf den Bildschirmen, ein Flugzeug ist abgestürzt, es wäre ihre Maschine gewesen. Die Binnengeschichte führt tiefer in die Vergangenheit, nämlich zu einer Verbindung, von der die drei zunächst nichts wissen und zu verborgenen Schichten in einer Familiengeschichte. Peter Zimmermann meinte auf Ö1, Zitat, Antonia Löfflers Roman trägt Züge einer griechischen Tragödie und doch zieht er mit Leichtigkeit dahin und bleibt anregend und süffig. zieht er mit Leichtigkeit dahin und bleibt anregend und süffig. Unsere zweite Gästin des Abends ist Anna Maschig, die ihren bei Luchterhahn erschienenen Debütroman mit dem eindringlichen Titel »Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten« vorstellen wird. Herzlich willkommen im Stifterhaus, schön, dass Sie da sind, Anna Maschig. Anna Maschig wurde 1995 in Wien geboren und studierte Sprachkunst und literarisches Schreiben sowie vergleichende Literaturwissenschaft in Wien und Leipzig. Sie arbeitete unter anderem als Produktionsleiterin eines Theaterfestivals und unterrichtet Spanisch und Deutsch an einem Wiener Gymnasium. Neben ihrem Roman hat sie Kurzprosa und Lyrik in verschiedenen Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. Ihr Debüt wurde 2025 für den Debütpreis des österreichischen Buchpreises nominiert und stand auf der Shortlist. Der Roman beginnt mit einem sehr eindrücklichen Bild. Ein heimlich geschlachtetes Schaf eröffnet den Blick in die inneren Schichten einer Familie. Die Urgroßmutter rührt das Blut für die Würste, der Großonkel schläft 15 Jahre lang und die Großmutter stiehlt nachts die Ziegel vom Dach. Aus diesen fragmentarischen Episoden setzt sich allmählich eine weit verzweigte Familiengeschichte zusammen. Vom kargen Leben auf einem Bauernhof an der Nordsee, über Krieg und Neuanfang fern der Heimat, bis in die Gegenwart, in der die Großmutter ins Heim kommt und die Urenkelin Alma erkennt, dass sie selbst das letzte Glied in dieser langen Kette ist. Sebastian Fasthuber schrieb dazu im Falter, Zitat, Maschig erzählt eine Familiengeschichte über die weibliche Linie, die den Laden am Laufen hält, während die Männer Krieg führen oder über fixe Ideen brüten. Ja und für die Moderation unserer Reihe konnten wir in diesem Jahr Jana Volkmann gewinnen. Sie wurde 1983 in Kassel geboren und arbeitet als Autorin mit Prosa und Lyrik, sowie als Journalistin mit Essens und Rezensionen. Ich freue mich sehr, Jana Volkmann heute im Stifterhaus begrüßen zu dürfen. Herzlich willkommen. Ich wünsche uns allen einen anregenden Abend und darf nun das Wort an unsere Gästinnen übergeben. Herzlichen Dank. Vielen Dank für die Einladung und auch für die schöne Begrüßung. Ich werde gar nicht so wahnsinnig viel mehr zu den Romanen sagen. ich so wahnsinnig viel mehr zu den Romanen sagen. Das liegt auch daran, dass die Liebespublikum gleich die jeweiligen Anfangsszenen hören werden. Was ich vielleicht vorweg noch sagen möchte, also wenn Sie Stifterhaus-Stammpublikum sind, vielleicht wundern Sie sich etwas über den Bühnenaufbau. Wir haben relativ spontan den Plan über Bord geworfen, dass wir Einzelgespräche machen mit den Autorinnen. Und ich finde es sehr schön, dass jetzt wirklich beide hier bei mir auf der Bühne sitzen und eben auch gemeinsam ins Gespräch kommen können. Weil das glaube ich auch was ist, was die Romane irgendwie so ein bisschen verlangen oder zumindest provozieren. Also Sie haben das gerade in den einleitenden Worten schon gehört. Es gibt gewisse thematische Überschneidungen. Es sind beides Romane, die von Familien handeln, von Familiengeheimnissen, auch so von Bruchstellen in Familienbiografien. Die Romanfiguren haben Geheimnisse oder versuchen Geheimnisse zu lüften. Und ich glaube, es gibt da sehr viel Anknüpfungspunkte für ein gemeinsames Gespräch und vielleicht auch so eine Art Gespräch zwischen den Romanen, falls es sowas geben kann. Das heißt, ich als Moderatorin habe jetzt die schöne Aufgabe, ein bisschen improvisieren zu können und von meinem Skript abzuweichen. Was wir geplant haben, ist, dass beide Autorinnen jeweils zwei Stellen lesen aus den Büchern und dass wir einfach dazwischen miteinander sprechen. Und ja, um uns nicht zu viel Redezeit wegzunehmen, würde ich sagen, dass wir vielleicht direkt in die Texte hineingehen und ich würde dich, Antonia, bitten, deine erste Textstelle vorzulesen. Eine Textstelle aus Hydra, das haben Sie gerade schon gehört. Sehr gerne. Ich schließe quasi, also guten Abend nochmal, ich schließe ein bisschen an das an, was schon in der Einleitung erwähnt wurde und zwar an den verpassten Absturz. Allerdings mag ich sogar ein bisschen noch vorweg, also quasi noch ein bisschen früher starten. Vielleicht ganz kurz ein paar einleitende Worte. Wir sind im Jänner 2022 in New York. Wir sind an der Seite von Anne, die in ihrem 30. Jahr eine relative Lebenskrise durchlebt und mit ihrem Freund Jacob am Flughafen JFK ankommt. Ein Paar, das kurz davor steht, keines mehr zu sein. Und an diesem Endpunkt oder Tiefpunkt dieser Beziehung erleben wir sie jetzt. Folgendes habe ich mir als Kind oft vorgestellt. Eine Person steht am Flughafen-Terminal und weiß, dass sie durch die Lautsprecher näselnde Stimme der Stewardess sie ausruft. dass sie durch die Lautsprecher näselnde Stimme der Stewardess sie ausruft. Die Stewardess hält die Taste gedrückt und liest den Namen aus dem fremden Land von ihrem Computerbildschirm ab. This is the last call for Mrs. Lucia Ortega Alvarez. Last call for Mrs. Lucia Ortega Alvarez. Lucia weiß, dass die Passagiere, die mit ihren aufgeschlagenen Pässen Schlange stehen, jetzt an sie denken. Was diese Unbekannte abgehalten hat, rechtzeitig am Gate zu sein, war es ein Unfall, eine Kollision mit einem Reh, ein kaputter Wecker, ein Streit, bei dem ein gerahmtes Foto und ein Toaster flogen? Ob sie noch durch die lange Halle gelaufen kommen wird? Lucias Sonnenbrillen spiegeln, während sie die Gartenzeitschriften im Flughafenkiosk durchblättert. Äußerlich wirkt sie zutiefst unbeteiligt und, wenn man sie näher beobachtet, auch nur vage interessiert an der richtigen Pflege der Hortensien, die blau geballt aus dem Heft glänzen. Sie spürt das Ziehen im Brustkorb. Das ist der Moment, für den sie gekommen ist. Das Ziehen wird stärker, beinahe unerträglich, während sie reglos zwischen den Nackenrollen und dem Kühlschrank mit den Wasserflaschen steht. Die Hortensien hat sie längst vergessen. Das bin ich, denkt sie. Sie könnte es laut sagen. Das bin ich. Sie könnte zum Gate laufen, es wäre noch möglich. Noch rufen sie alle nach Lucia. So fühlt sich ein wildes Leben an, habe ich gedacht, als ich klein war und meine Mutter mich im schwedischen Möbelhaus suchen musste. Das war, als ich noch ihr einziges Kind und nicht das älteste Kind war. Das war vor den Zwillingen und der Rollenverschiebung. Sie hasste es, wenn ich entlang des gelb gestrichelten Weges verschwand und sie hasste es, sich einzugestehen, dass sie mich ausrufen lassen musste. Einmal fand sie mich im Bällebad des Möbelhauses. Ich lag inmitten der gelben, roten und blauen Bälle, zugedeckt von dem bunten Meer. Das war das einzige Mal, dass sie mir eine Ohrfeige gab. Ich rannte auf die Toilette und begutachtete den Abdruck, dessen Konturen langsam hervortraten, bevor ich mich in einem der Klos einsperrte. Meine Mutter musste lange bitten, bis ich den Riegel zurückschob und mich zum Auto tragen ließ. Von damals blieb mir das Bild meiner roten Wange und der Wunsch, meiner eigenen Ausrufung beizuwohnen, wenn ich erwachsen wäre. Am Flughafen würde ich bis zu dem Moment warten, da die Stewardess an den letzten Versuch startet, mich anzulocken. Sie muss es versuchen, das gehört zum Protokoll. Ich habe das Ticket für die Reise bezahlt. Ich habe mit dem Ticket auch die Freiheit erworben, mich im allerletzten Moment zu entscheiden, ob ich heute fliegen oder doch nur ausgerufen werden will und die Schnellbahn zurück nach Hause nehme, wo mein Toaster und mein Kater warten. Als wir am JFK ankommen, sind wir längst zu spät, um unseren Namen durch das Terminal A heilen zu hören. This is the last call for passengers Jacob Alma, Marian Illis. Please proceed. Es braucht Kaltblütigkeit, um nicht den Aufforderungen zum Boarding zu folgen, wenn sie dann einen Namen ausrufen. Ich habe es noch nie geschafft. Das heute Abend zählt nicht. Die Maschine steht zwar theoretisch noch auf dem Rollfeld, aber die Gepäckaufgabe ist zu, das Boarding abgeschlossen. Hinter dem Schalter zucken sie bedauernd mit den Achseln. Die Szene verläuft ruhig. Jacob ist müde und ich bin es auch. Und worum sollten wir uns mit dem Bodenpersonal noch streiten? Es ist halb neun an einem Freitagabend in New York und wir fliegen heute nirgendwo hin. Ich brauche einen Drink, sage ich. Jacob nickt. Wo schlafen wir, sagt er. Ich will nicht in die Stadt zurück, ich will heute nirgendwo mehr hinfahren, sage ich. Was willst du dann tun, fragt er. Ich hole mein Handy. Morgen früh gibt es einen Flug, sage ich, mit Umstieg in Madrid. Wir haben sechs Stunden Aufenthalt, pro Person 350 Euro. Pervers. Was ist pervers? Dass wir morgen für 700 Euro von New York nach Wien fliegen können. Angebot und Nachfrage, sagt er. Ich zahle die Flüge, sage ich. Es tut mir leid. Er sieht mich an. Er kneift die Augen zusammen, als könnte er dadurch besser abwägen, wie ernst ich es meine. Ja, sagt er. Ich greife nach seiner Hand und er legt einen Daumen auf meinen Handrücken. Das TWA-Hotel fällt mir ein. Wir können in dem alten Terminal schlafen, sage ich, von dem du gelesen hast. Das Hotel in dem Terminal aus den 60ern. Falls die noch ein Zimmer haben, sagt Jacob. Ich öffne die Seite. Sie haben mehr als 500 Zimmer, da könnte eines frei sein. Mein Arbeitstag hat um sechs Uhr begonnen, als ich im Finsteren zum Mietwagenverleih aufgebrochen bin. Ich sollte müde sein, aber fühle mich leichter. Ich denke an die goldenen Zitronen und wie sie von den nützlichen Katastrophen singen. Ich erledige das schnell, sage ich. Jacob lässt sich auf die nächstgelegene Sesselreihe fallen und nickt dem Boden zu. Sein Plan ist dahin, einen neuen hat er noch nicht. Er wirkt ruhig, aber die Wut kann noch in ein paar Tagen kommen, wenn er Zwiebel schneidet und dabei in seinen Finger und dann merkt, dass ich die letzten Pflaster verwendet habe. Nur ein Beispiel. Diese cholerische Seite würde man ihm gar nicht zutrauen, so ruhig und besonnen, wie er die meiste Zeit agiert. Ich sage, Drinks, bitte, bevor wir zum Hotel gehen. Das TWA kann warten. Unser Zimmer ist reserviert und wie es aussieht, werden wir es nur bis 4 Uhr benötigen. Wir setzen uns in eine Bar. Es ist die einzige, die in diesem Terminal noch offen hat. Auf drei Wänden hängen große Bildschirme. Über den Köpfen laufen die Football-Playoffs und Nachrichten. In wenigen Wochen ist Super Bowl. Immer wieder wirbelt das Logo der Football-Lig Bild, ein weißes Ei auf blauem Grund. Dieser Sport besteht aus Pausen, sage ich. Jacob reagiert nicht. Vielleicht wäre er interessant, wenn man die Regeln kennt, setze ich nach. Jacob nimmt einen Schluck Bier und verzieht das Gesicht. Ich bezweifle das, sagt er und reibt sich den Nacken. Auf einigen Bildschirmen laufen die News mit Wolf Blitzer. Lautlos berichtet der CNN-Moderator von Blizzard, der über die Ostküste zieht. In New York sollen die Stauer mild bleiben, aber südlich von Washington jagen Schneestürme über das Land. Sie haben eine Bahnstrecke lahmgelegt. Hunderte Menschen stecken auf den Autobahnen fest und müssen die Nacht in ihren Wegen verbringen. Bilder von weißen Kolonnen werden eingeblendet. Auch in Washington wird heute keiner mehr sein Flugzeug besteigen. Ich nehme meine Tasche auf den Schoß, als sich ein Mann neben uns an den Tresen setzt. Es ist der letzte freie Platz in der Bar. Ich frage mich, wohin all diese Menschen heute Abend noch fliegen wollen. Die fliegen nicht, die warten, sagt Jacob auf meine Frage. Abend noch fliegen wollen. Die fliegen nicht, die warten, sagt Jacob auf meine Frage. Wir sind außerhalb der Security-Checks, das sind die Abholer. Ich sehe mich um. Einige Männer wirken, als wären sie lediglich für die Football-Übertragung gekommen. Sie nagen an frittierten Keulen und Schenkeln, während sie das Spiel verfolgen. Die Werbepausen nützen die Männer, um sich Soßen aus den Tischflaschen nachzunehmen oder ein neues Bier bei der Kellnerin zu bestellen. Ihre Münder glänzen feucht und grün im Licht der Fernseher. Es gibt auch Schlafende und Familien mit Kindern, die tief in den Sitz gerutscht auf ihren Nintendos spielen. Es gibt Paare, denen im Urlaub die Gesprächsthemen ausgegangen sind, Alleinreisende hinter ihren Tablets. Und es gibt Jacob und mich. Scheiße, höre ich den Mann neben mir sagen. Er spricht Deutsch, aber es ist ein Tonfall, der mich aufsehen lässt. Er ist in unserem Alter, um die 30, gut aussehend. Ich folge seinem Blick hoch zu Wolf Blitzer. Dem Moderator ist die Mine entglitten. Breaking News schießt ein Banner am unteren Rand seines TV-Studios entlang. In der Bar heben sich langsam alle Köpfe. Die Kinder bemerken, dass der Lautstärkepegel gefallen ist und sehen von ihren Nintendos hoch. Die stummen Paare heben die Blicke von den leeren Gläsern. Frittierfett tropft aus niedriger Höhe auf Jeanshosen. Keiner beachtet das weiße Ei, das über dem blauen Grund wirbelt. Auf den anderen Bildschirmen wird jetzt ein Foto eingeblendet. Es ist unterbelicht, denn ein paar Flocken sind vor die Linse getrieben. Ein Amateurfoto. Mein Gehirn macht einen raschen Abgleich mit Bildern aus Actionfilmen, Nachrichten, Trümmer auf einem weißen Feld, brennendes Plastik und anderes, wo man hofft, wo ich hoffe, dass nicht viel zu erkennen ist. Der Absturz hat sich eben ereignet. Die Einsatzkräfte sind unterwegs zur Absturzstelle, noch ist unsicher, was passiert ist, sagen die Behörden zu diesem Zeitpunkt, sagt Wolf Blitzer jetzt mit Ton. Er scheint sich wieder völlig im Griff zu haben. Der CNN-Mann ist ein Profi. Die letzten Gespräche in der Bar verstummen. Ob es ein terroristischer Akt war oder ein Versagen der Technik? Vielleicht hat der Pilot die Kontrolle über sein Flugzeug verloren. Unkontrollierbare Turbulenzen, menschliches Versagen. Die Kellnerin schaltet auf allen Bildschirmen zu den Nachrichten. Niemand protestiert. Die Maschine hat erst vor einer halben Stunde vom Flughafen JFK abgehoben, sagen uns 20 Wolf Blitzers. Ihr Zielort war, die Wolf Blitzers hören, was ihnen durch den Knopf im Ohr mitgeteilt wird, Wien, sagen sie, Vienna, Austria. Anne, sagt Jacob. Er ist so weiß, als hätte er sich gerade tief in den Finger geschnitten. Er kann kein Blut sehen. Anne, wir haben unseren Absturz verpasst. Vielen Dank. Das ist wirklich eine sehr besondere Einstiegsszene, finde ich. Und so ganz beiläufig wird, bevor das eigentlich überhaupt geschehen ist oder bevor die ProtagonistInnen überhaupt davon erfahren haben, die Phrase nützliche Katastrophen so eingestreut. Und mir scheint es ein bisschen so, als könnte man das auch anwenden auf diesen Flugzeugabsturz, beziehungsweise das, was danach passiert, aus der Perspektive von Anne oder Marianne, der Hauptfigur. Weil dadurch, dass sie dort eben fest sitzt in der Flughafenbar und irgendwie in diesem Ausnahmezustand sich befindet, kommt so ganz viel in Gang, was eigentlich gar nichts mit dem Flugzeugabsturz selbst zu tun hat, sondern eher so die Reflexion ihrer Familienbiografie. Also würdest du sagen, dass diese nützliche Katastrophe, dass das tatsächlich was ist, was diesen Prozess erst in Gang setzt oder erst ermöglicht? Ich glaube, nützliche Katastrophe auf zweierlei Art, weil einerseits ist es so, dass sie an diesem Punkt eben, ich habe es kurz erwähnt, eigentlich an so einem Tiefpunkt ist, dass man sich denkt, mein Gedankenspiel, dass da losgegangen ist, etwas mit einer Person und man fragt sich, okay, gut, was mache ich eben jetzt mit diesem verpassten Absturz, was mache ich so mit dem Rest meines Lebens, beziehungsweise wie will ich es anders machen? Und ich höre immer wieder mal, ich schreibe mir überall Zitate irgendwie auf, beziehungsweise wenn ich Musik höre, so wie bei den Goldenen Zitronen, dass es dann so, ich sehe, ein Hund, dunkles, hinter deiner Tür kommt, kommt in dem Lied vor. Und ich fand das einfach so dieses Grundsätzliche, dieses Unwohlsein in der Gesellschaft, das die da verspürt und Unwohlsein auch irgendwie in ihrer ganzen Familiendynamik, ohne genau zu wissen, wo eigentlich der Punkt ist, wo sie nicht hinschauen kann. Also so das, was da nach und nach rauskommt, was da irgendwie viele Jahre, Jahrzehnte beschwiegen wird. Das ist ein Katalysator, ein Moderator hat es auf der Bühne ein unerhörtes Ereignis genannt, der hat gleich, glaube ich, Goethe zitiert. Ich fand das irgendwie einen sehr passenden Einstieg, um beides ins Rollen zu bringen. Ihre Gedankenarbeit, aber dann eben auch so ein bisschen wie bei einem Zaubertrick zu sagen, schauen Sie hier hin und dort passiert das Eigentliche. Anna, würdest du sagen, ist das ein Verfahren, das du in deinem Roman auch angewendet siehst. Also auch in deinem Roman geht es ja um Reflexionen von Familienbiografie und sozusagen das Enthüllen in Schichten. Bei dir geht es noch ein bisschen weiter zurück. Also du arbeitest im Grunde mit vier Generationen, die so verschachtet quasi erzählt werden. Bei dir geht es eher um die Elterngeneration, also so die Jahre 89, 90, 91, wo dann eben das Ereignis eintritt, das die Hauptfigur zu enthüllen versucht. Dieser Begriff der nützlichen Katastrophe oder auch des Katalysators, der irgendwie diesen Reflexionsprozess in Gang bringt, würdest du sagen, dass das deine der irgendwie diesen Reflexionsprozess in Gang bringt. Würdest du sagen, dass das deine Figuren, aber insbesondere halt die Alma, die sozusagen die Jüngste ist dieser Frauen, die erzählen, hat die auch sowas? Gibt es für die auch sowas wie einen konkreten äußeren Anlass? Ja, vielleicht der Schluss. Also, ich wurde im Laufe des Schreibens von dem Buch immer wieder von Menschen, die das gelesen haben, so gefragt, ja, was ist denn der Erzählanlass, war irgendwie so das Stichwort von dieser Alma, die hier die Urenkelin ist, sozusagen von der ersten Generation, die wir kennenlernen, die Ich-Erzählerin, die immer wieder in Passagen auch von ihrem eigenen Leben erzählt, aber eigentlich immer nur das erzählt, was jetzt vielleicht gerade irgendwie zu tun hat mit dem, was sie uns von der Vergangenheit erzählt hat und die Vergangenheit auch natürlich durch ihre Blickwinkel erzählt. Und man weiß eigentlich über sie selbst relativ wenig. Also man weiß dann so Kindheitsanekdoten, aber man weiß nicht, wie alt ist die jetzt, was arbeitet die, wo wohnt die so, was macht die den ganzen Tag. Also das wissen wir eigentlich alles überhaupt nicht. Und ich kann mir vorstellen, dass der Schluss vielleicht, den ich jetzt natürlich nicht erzählen kann, das ist ein bisschen gemein, so ein Anfang ist vom Erzählen. Aber nicht so eine einschneidende Katastrophe oder so ein Erlebnis wie das oder eine vermiedene Katastrophe auf eine Art und Weise, das nicht, sondern eigentlich eher so eine grundsätzliche Frage vielleicht, die man so im Laufe des Menschwerdens versucht zu beantworten. Wer bin ich? Woher komme ich? Was hat das da alles mit mir zu tun, was vor mir geschehen ist und was macht das mit mir irgendwie. Ich würde vorschlagen, vielleicht an der Stelle, dass du die erste Passage liest aus deinem Roman und dann können wir vielleicht nochmal darauf zurückkommen, also auf diese Frage der Erzählanlässe und vielleicht auch überhaupt der Romananfänge, die bei euch beiden einfach wirklich so besonders sind, dass sich das, glaube ich, lohnt, darüber nochmal zu sprechen. Ja, genau, ich lese ganz den Anfang von der ersten Seite weg, deswegen sage ich gar nicht viel mehr dazu. Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten, heißt es. Die Schweine verraten dich mit ihrem entsetzlichen Geschrei, die Schafe töten, heißt es. Die Schweine verraten dich mit ihrem entsetzlichen Geschrei, die Schafe aber sterben still. Vor Sonnenaufgang verhängt Henrike die Türen und Fenster der Waschküche mit schweren Wolldecken. Kein Geräusch soll nach außen dringen und kein Schimmer der Lampen, die sie entzündet. Am Tag zuvor hat sie die Schlachtmesser, Hackbeile und Knochensägen an dem Schleifrad aus Sandstein geschärft. Es brennt ihr noch der Staub in der Lunge, eine Mischung aus Stein und Metall. Mit langen Bewegungen hat sie die Werkzeuge über den Abziehstein gezogen und einen Probeschnitt am Zeitungspapier gemacht. Sie hat den Bolzenschussapparat gereinigt und die Taue geprüft. Jetzt geht sie in den Stall und sucht ein Tier aus. Sie wird es allein heben müssen, daher darf es nicht zu schwer sein. An einem kurzen Strick führt Henrike das Schaf aus dem Stall über den Hof und in die Waschküche. Sie setzt sich zu dem Tier und spricht zu ihm, bis es ganz ruhig wird. Dann drückt sie ihm den Bolzenschussapparat an die Stirn, genau an jene Stelle, an der sich die gedachten Linien zwischen Auge und gegenüberliegendem Hornansatz kreuzen. Das Schaf sinkt lautlos zusammen. Henrike zerrt den Körper in die metallene Schlachtwanne und kniet sich mit einem Bein auf den Nacken des Tieres. Den anderen Fuß stellt sie direkt vor seiner Schnauze ab. Sie streckt den Kopf durch, bis die Sehnen am Hals sich spannen und zieht das Messer einmal quer über die Kehle. Das Blut spritzt kräftig aus dem Schnitt hervor, ein Zeichen dafür, dass er ihr gut gelungen ist. zu bezahlen hat. Die Finger brennen in der Kälte und Feuchtigkeit. Wenn sie sie nicht mehr spürt, hält sie die Hände an die Wunde des Tieres, um sie an dem Blut zu wärmen, das nun langsam die Wanne füllt. Bald umschwirren sie glänzende Fliegen. Angelockt vom frischen Blut setzen sich auf ihre Arme und ihr Gesicht. Weil sie keine Hakenvorrichtung hat, hängt sie das Schaf an einer hohen Holzleiter auf, die Hinterbeine nach oben, den Kopf nach unten. Sie trennt Schädel und Hufe ab, dann zieht sie ihm das Fell, beginnend mit dem Schwanz wie einen Pullover über die Schultern. Mit dem breiten Schlachtmesser macht sie einen Schnitt in den Bauch, durch den sie zwei Finger schiebt und an beide Seiten des Messers hält, um die Eingeweide vor der scharfen Klinge zu schützen. Vorsichtig zieht sie Messer und Finger in einer geraden Linie bis zum Brustknochen des Tieres, das vor ihr aufklappt wie ein Buch. Wir betreten die Geschichte durch die Innereien eines Schafes und wie auch ich die Welt betreten habe, durch einen Schnitt im Unterleib. Die Nabelschnur hat sich dreimal um meinen Hals gewunden wie ein Strick und so schneidet die Hebamme, ihr Name ist Anna, Die Nabelschnur hat sich dreimal um meinen Hals gewunden wie ein Strick. Und so schneidet die Hebamme, ihr Name ist Anna, meiner Mutter einen lachenden Mund in den Bauch, holt mich heraus und näht ihr das Lachen zu einem schiefen Lächeln zu. Ich möchte mich vorstellen, ich bin Alma und meine Erzählung ist eine Eingeweideschau. Leber, Lunge, Herz und Magen werden auf ihre Beschaffenheit untersucht. Das Hebammenhaus steht abseits vom Dorf, auf einer weiten Ebene, wo die Aukoppeln in die Südermarsch übergehen und später in ein kühles Wattenmeer. Der alte Sumpfwald wurde bereits vor Jahrzehnten gerodet, um aus seinem Holz die Dachbalken des Dorfes zu bauen. Nun weisen nur noch im Sommer vereinzelte Buschwindröschen am Wegrand auf die einstige Bewaldung hin. Der Weg führt in sanften Biegungen bis an die Tür des Hauses, wie eine lange Zunge in den Mund. Links und rechts davon ein Fenster, das freundlich in die Landschaft blickt. Jetzt tritt Anna, die Hebamme des Dorfes, aus der Tür. In ihrer rechten Hand hält sie mit festem Griff eine Tasche aus schwerem schwarzem St Anna, die Hebamme des Dorfes, aus der Tür. In ihrer rechten Hand hält sie mit festem Griff eine Tasche aus schwerem, schwarzem Stoff, die ein Schloss hat, zu dem sie den Schlüssel stets bei sich trägt. Sie zieht die Tür hinter sich zu und folgt dem Weg ins Dorf, das nur aus zwei schmalen Straßen besteht, dem Westerstieg und dem Osterstieg, die an beiden Seiten eines Baches verlaufen und einander nie berühren. Dabei liegt der Westerstieg, anders als man vermuten würde, östlich und der Osterstieg westlich des Baches. Anna geht mit langen Schritten und gegen den Wind eingezogenem Kopf den Westerstieg entlang an sein nördlichstes Ende, vorbei an einem niedrigen weißen Holzzaun bis an das Tor eines Hofes. Sie nimmt die Tasche von der rechten in die linke Hand, etwas scheint darin zu zappeln. Mit der nun freien rechten klopft sie an das Tor. Die Geschichte beginnt mit meiner Urgroßmutter. Sie ist die erste, deren Namen ich kenne und außer mir kennt ihn längst niemand mehr. Henrike wird am ersten Tag des neuen Jahrhunderts als Bauerntochter in ein Dorf an der Nordsee geboren. Sie ist die älteste von fünf Geschwistern und sieht mit dem dunklen Haar und der breiten Stirn der Mutter sehr ähnlich. Im Frühjahr hilft sie den Eltern bei der Aussaat auf dem Feld, im Sommer bei der Heumat, im Herbst bei der Kartoffelernte. Zur Schule geht sie in den Wintermonaten, die ihr die liebsten sind. Dann sitzt sie bis spätabends in der Küche über ihrer Kreidetafel und holt nach, was die anderen ihr voraus haben. Als Henrike 13 Jahre alt ist, stirbt die Mutter und lässt sie mit den jüngeren Brüdern zurück. Der Vater, der immer schon wortkarg war, spricht von nun an kaum mehr. Henrike lernt schnell, sich um alles zu kümmern, bestellt allein den Haushalt und zusammen mit dem Vater den Hof. In die Schule geht sie nie wieder. Von der Mutter hat Henrike das Räuchern, Pökeln und Wurstmachen gelernt. Sie kann Roggenbrot backen, Marmeladen kochen und Gemüse einlegen. Sie weiß, dass der Kaufmann die Dosen mit dem Eingeweckten nicht richtig verschließt und dass man es lieber zu Hause selbst macht, mit dem Gerät der Nachbarin. Sie weiß, dass man die Wäsche kocht, bevor man sie am Rubbelbrett bearbeitet und dass man mit dem übrigen Seifenwasser den Boden schrubbt. Sie weiß, dass sie auf dem Wochenmarkt zwölf Eier für eine Mark und ein Kilogramm Rindfleisch für drei Mark verkaufen und damit einen Tagelöhner bezahlen kann, um den Stallmist zu streuen. Sie weiß, wie man ein Fieber senkt, eine Wunde verbindet und eine Tinktur gegen Husten braut. Was sie nicht weiß, ist, wie man den Geschwistern die Mutter ersetzt. Als Kind spiele ich, dass die Mutter gestorben ist und ich allein zurechtkommen muss. Ich bin im Wald oder auf einer einsamen Insel und muss Feuerholz sammeln, jagen, einen Unterschlupf bauen. Wenn andere Jetzt mache ich einen kleinen Sprung. suchen müssen, denn sie würde sich darum kümmern. Jetzt mache ich einen kleinen Sprung, wenn es noch passt zeitlich. Wir haben jetzt Henrike kennengelernt, die Urgroßmutter von Alma, die in einer sehr entbehrungsreichen Zeit so groß wird und nachdem die Mutter gestorben ist, wird bald in den Jahren darauf, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, auch der Vater eingezogen, als einer der ältesten Männer im Dorf, die noch an die Front müssen. Und er stirbt dort. Bald darauf werden die Brüder erwachsen und verlassen den Hof und Henrike bleibt allein auf diesem Bauernhof zurück, was eigentlich ein bisschen unüblich ist, dass sie als Frau diesen Hof übernimmt und pragmatisch wie sie ist, überlegt sie sich dann, dass ein Mann recht praktisch wäre, ein Ehemann, um da die Arbeit irgendwie gut aufzuteilen und das weiter managen zu können, den sie sich dann auch sucht und findet und der heißt Georg. Georg trägt eine dünne Brille aus Draht, deren Bügel sich weit hinter die Ohren krümmen, eine flache Kappe und schwarze Arbeitshosen. Die Abende sind ihm die liebsten Stunden des Tages, wenn das Licht langsam weich wird und über die Dächer und Wiesen streicht, wenn die Kühe zurück in ihren Ställen sind und die Menschen in ihren Häusern. Dann sitzt er auf der Veranda und raucht seine Piepe, eine lange gekrümmte Pfeife, die ihm beim Reden aus dem Mundwinkel hängt. Manchmal setzt Henrike sich zu ihm und sie blicken schweigend in die Ferne. Georg wickelt sich im Laufe der Jahre dreimal einen Strick um den Hals, um sich an den Balken der Scheune aufzuhängen, aber Henrike findet ihn jedes Mal. Dinge, die hängen. Das Schaf am Haken, die Schinken in der Räucherkammer, der Urgroßvater am Balken, das Kind an der Nabelschnur. Die Wehen beginnen in den frühen Morgenstunden und reißen Henrike aus einem tiefen, traumlosen Schlaf. Georg klopft bei den Klausens an die Fensterläden, bis ein Licht angeht und der kleine Uwe losgeschickt wird, die Hebamme zu holen. Kaum eine Stunde später steht Anna in der Tür. Sie ist keinen Tag gealtert, seit sie Henrikes jüngstem Bruder vor vielen Jahren auf die Welt half. Henrikes Blick fällt auf die schwarze Tasche in ihrer Hand und sie erinnert sich, früher gedacht zu haben, Anna würde darin die zappelnden Kinder in die Häuser tragen und sie den Müttern aushändigen. Was Anna jedoch jetzt aus der Tasche holt und ordentlich auf dem Küchentisch zurechtlegt, sind Werkzeuge, die Henrike wie eigentümliche Geschwister ihrer Schlachtinstrumente erscheinen. Sie ahnt, dass die meisten davon nur zum Einsatz kommen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Was sich in Annas schwarzer Tasche befindet? Aorten-Kompressorium, Beckenzirkel, Dekapitationshaken, Dekapitationsschere, Eihautzange, Geburtshaken, Knochenzange, Mundsaugkolben, Nabelbinde, Nabelschere, Plazentaöl, Pressriemen, Uteruskatheter, Vulvaspreizer, Zuckerampullen. Was sich nicht in Annas schwarzer Tasche befindet, das Kind. Georg hat bereits unzählige Schafe, Schweine und Kühe zur Welt gebracht und erst vor kurzem ein Pferd. Es sollte ähnlich sein, denkt er, aber das ist es nicht. Wieder und wieder schickt die Hebamme ihn los, um warmes Wasser zu holen, das dann eimerweise neben dem Bett stehen bleibt und unbeachtet auskühlt. Er wird den Verdacht nicht los, dass Anna ihn nur um Wasser schickt, weil sie ihn aus dem Weg haben will. Und das ist ihm gerade recht. Also lässt Georg sich Zeit und sieht, während das Wasser im Kessel zu kochen beginnt, im Stall nach dem rechten, wo die Schafe ihn lange anblicken. Als Henriques Schreie endlich verklingen, ist es schlagartig still. Anna klopft dem Neugeborenen auf den Rücken, doch es löst sich kein Laut aus seiner Kehle. Das Haus der Leichenfrau steht am Westersteg mit Blick auf den Bach, umrandet von Zitronenbäumen, die trotz der kalten Winter und milden Sommer das ganze Jahr über leuchtende Früchte tragen. Nora ist im Dorf für den Tod zuständig. Wenn die Menschen ihr auf der Straße begegnen, nicken sie höflich und hoffen, dass sie heute an keine vertraute Tür klopft. Und wenn sie kurz nach der Hebamme ein Haus betritt, herrscht im Ort eine eigenartige Stille. So auch an diesem Tag, als Anna und Nora links und rechts von Hinrichs Bett stehen, die den neugeborenen Sohn an die Brust drückt. Anna in der hellen blauen Schürze, aus deren Taschen blutige Tücher ragen. Nora im weiten dunklen Gewand, das schläfrig nach Lavendel duftet. Nora wirft einen Blick auf Annas Instrumente auf dem Tisch und denkt, dass der Weg ins Leben so viel schwieriger ist als der Weg hinaus. In ihrer Tasche trägt sie nur Tücher und Seifen, etwas Puder, Nähzeug und die Sterbeurkunden. Als sie jedoch sieht, dass sich die Brust des Kindes gleichmäßig hebt und senkt, weiß sie, dass sie hier noch nicht gebraucht wird. Seite an Seite verlassen die beiden Frauen das Haus und lassen eine erschöpfte Henrike, einen verwirrten Georg und einen friedlich schlafenden Säugling zurück. Es spricht sich schnell herum, dass Henrike ein verwunschenes Kind geboren hat, das nicht erwachen will. Es vergehen Stunden, dann Tage, Wochen und schließlich Jahre, ohne dass der Junge, den sie Benedikt nennen, die Augen öffnet. Ja, vielen Dank. Okay, wir haben jetzt einen Romananfang gehört, der quasi hyperrealistisch beginnt, also mit einer Szene, die diese Schlachtung sehr drastisch, aber auch sehr distanziert erzählt und landen dann in so einer Art Märchensetting, würde ich sagen. Also der Benedikt wacht tatsächlich sehr, sehr lange nicht auf. Und ja, ich würde gerne mit euch beiden über die Anfänge eurer Romane schreiben, weil die so signifikant sind und irgendwie auch so, glaube ich, sehr einprägsam. Also ich habe das beim Lesen sehr, sehr plastisch gesehen und das sind, glaube ich, auch Szenen, die man einfach im Gedächtnis behält. Also ich finde das wirklich zwei ganz unterschiedliche, aber ganz fantastische Romananfänge und mich würde interessieren, ob das, also ob die immer schon am Anfang standen, also ob ihr quasi linear von diesen Anfängen weg eure Romane geschrieben habt oder ist das irgendwie anders entstanden? Ja, also bei mir hat der Anfang wirklich ganz am Anfang existiert und das Ende, das ich hier schon erwähnt habe. Ich wusste aber nicht, dass das irgendwie zusammengehört, diese beiden Textstellen. Und mit dem Anfang meine ich jetzt wirklich diese ersten drei Seiten, wie es sich allen vorstellt. Danach ging es eigentlich erst mal noch irgendwie flott weiter mit Wurst machen und Fleisch verarbeiten und dann habe ich irgendwann gemerkt, nein, das muss später erst kommen, das ist sonst zu viel. Das liest kein Mensch. Aber mir war schon eigentlich klar, dass das der Anfang sein soll, weil das auch so die Ursprungs, vielleicht so ein Impuls irgendwie war von mir, durch dieses heimliche Schlachten, was ja im Nationalsozialismus stattgefunden hat, weil es genehmigte Schlachtungen gab, die auch sehr streng überwacht wurden mit Zählungen von den Knochen und so und sich da ja trotzdem aber die Frauen vor allen Dingen, weil die Männer waren an der Front, mit diesen Schwarzschlachtungen, weil sie Familie versorgen mussten, auch in eine gewisse Gefahr begeben haben. Und mich hat interessiert, wie diese Tätigkeit, die ja traditionellerweise zum einen eine männliche war und zum anderen eine sehr öffentliche und sehr gemeinschaftliche auch, wo man Schlachtfeste gefeiert hat und gemeinsam das Tier von einem Hof und dann vom nächsten geschlachtet hat, sich so verschoben hat in die Sphäre des Weiblichen und des Heimlichen und wie man über diesen Blick, der dann ein sehr körperlicher und auch ein bisschen ein brutaler vielleicht oder ein blutiger war, eine Familiengeschichte erzählen kann. Das war wirklich wichtig für den Einstieg und für den ganzen Roman. Wie war das bei dir? In meinem Fall war es so, dass der Anfang wirklich am Anfang stand, die ersten zwei Kapitel eigentlich, also im ersten Kapitel ist es so, dass man New York auf sich zukommen sieht und mit Anna mal zuerst in einem Verkehrschaos feststeckt und dann zum Flughafen kommt. Und bis eben zu diesem Satz, wir haben unseren Absturz verpasst. Und diese zwei Kapitel standen so lange, also die habe ich irgendwie in einem Satz runtergeschrieben und dann hatte ich andere Sachen zu tun und irgendwie keine Zeit. Und da haben wir dann von dem ausgehend aber eben weitergedacht. Und als ich diese zwei Kapitel geschrieben habe, ich habe jetzt keinen solchen historischen Background zu dieser Geschichte, Background zu dieser Geschichte, sondern bei mir war es einfach nur so, dass ich diese Figur der Anne jetzt so als eine Figur mal so vage gespürt habe, gesehen habe, dass ich über jemanden schreiben mag und eben mit dieser Art von Familiengeschichte im Hintergrund und bin dann in New York tatsächlich für eine Reportage gesessen und habe meinen Flug verpasst und habe eine Mail verpasst. Und habe meine Mail bekommen, dass das Boarding schließt. Und dachte mir so, gut, dann machen wir was damit. Und eben daraus sind dann diese Kapitel damals entstanden. Das ist tatsächlich der Anlass gewesen des Ganzen. Darf ich was fragen? War dann da dieser Gedanke auch so, wenn etwas Schlechtes passiert, dass man sich denkt, naja, wer weiß, wofür es gut war, hätte ja auch abstürzen können, das Flugzeug, wenn ich drin gesessen wäre. Das sicher auch, aber eben eigentlich auch hatte ich die ganze, so dieses schöne Bild eines Zaubertricks, den ich vorhin erwähnt habe, so vor Augen, so dieses, also ich meine, das ist jetzt irgendwie vermessen, zu sagen, ich bin hier die Zaubertricks, den ich vorhin erwähnt habe, so vor Augen, so dieses, also ich meine, das ist jetzt irgendwie vermessen zu sagen, ich bin hier die Zauberin, aber ein bisschen schon, weil du schreibst die Literatur, du kannst alles machen und eben zu sagen, okay, liebes Publikum, bitte schauen Sie jetzt dorthin, da passiert etwas ganz Furchtbares, aber eigentlich, das, was tatsächlich für die Geschichte dann wichtig wird, passiert daneben und da schaust du eigentlich noch nicht hin. Und das war es, worum es mir ging bei dem Ganzen. Ich finde es auch deswegen interessant, weil das ja nicht nur das Publikum auf eine bestimmte Weise einbezieht oder die Rezeption auf eine bestimmte Weise lenkt, weil natürlich erwartet man, dass der Flugzeugabsturz einfach das Ereignis ist in dem Roman. Aber das eigentliche Ereignis, das entblättert sich erst sozusagen. Aber ich glaube, das sagt halt auch was über die Hauptfigur aus, die halt irgendwie diese, also in dieser, ich stelle mir das wie so eine wahnsinnig starke kognitive Dissonanz eigentlich vor, wenn man so, also wirklich einer Katastrophe so nah begegnet. Also in dem Moment, wo man, glaube ich, weiß, da hat nicht viel dazugehört, dann wäre ich betroffen gewesen, also noch direkter betroffen gewesen davon. Also dass man einerseits diese Katastrophe erlebt, aber auf der anderen Seite auch in dieser merkwürdigen, an so einem Nicht-Ort festsetzt, in so einer Flughafenbar und irgendwie so einfach weiterleben könnte. Und also in dieser Lücke aus zwei verschiedenen Realitäten passiert dann irgendwie so ganz viel. Also es passiert innerlich ganz viel mit der Hauptfigur, aber sie wird ja dann auch nach Hydra reisen. Also sie wird diese Familiengeschichte, die wir hier bisher nur angedeutet haben, aber eben es geht um die Geschichte ihrer Eltern, dass etwas passiert in der Zeit, als sie in einer Theatergruppe gearbeitet haben auf dieser griechischen Insel, also die reist ja dann auch dahin. Also das heißt, es gibt irgendwie schon auch eine Form von äußerer Bewegung sozusagen. Und mich würde interessieren, was eure Schreibprozesse angeht und ich glaube, das ist bei diesen, gerade wenn man auch so ein bisschen historisch arbeitet, ist es nicht so trivial, was bei euch, also wie geht ihr da vor, was ist für euch wichtiger? Also habt ihr sehr immersiv gearbeitet, sage ich mal, also war es für euch wichtig, vor Ort zu sein und die Sachen zu erleben, die eure Romanfiguren erleben. Und das ist, also ich weiß nicht, wie oft dir das passiert, aber es liegt mir auch die ganze Zeit so auf der Zunge, dich zu fragen, ob du schon mal bei einer Schlachtung dabei warst. Einfach, weil das auch so plastisch geschildert ist und weil ich einfach weiß, ich würde das wahrscheinlich nicht schaffen. Und genau, mich würde einfach interessieren, wie wichtig ist euch Immersion? Also wie wichtig ist es für dich, auf dieser Insel zu sein, über die du schreibst? Und auch eben, also wenn du sagst, du hast so eine New Yorker Flugzeugverpass-Szene selbst erlebt, das ist ja dann auch recht nah an dem, was eben im Roman geschieht. das ist ja dann auch recht nah an dem, was eben im Roman geschieht. Arbeitet ihr sehr immersiv oder sitzt ihr auch ganz viel einfach am Schreibtisch und recherchiert? Oder ist es beides? Also ich war nicht bei einer Schlachtung dabei. Ich habe auch noch nie ein Tier geschlachtet und habe eigentlich keine Ahnung. Und mir war aber wichtig, dass ich das trotzdem realistisch beschreibe. Und ich habe ganz viel recherchiert. Also ich habe ganz viel gelesen einfach. Und da war ein riesengroßer Schatz, waren so Dorfchroniken von verschiedenen Orten einfach an der deutschen Nordseeküste, wo das ja spielt, wo Geschichtsvereine, Heimatvereine sich hingesetzt haben und bändeweise Informationen zusammengetragen haben. Darin findet man wirklich alles, also Aufzeichnungen, wer hat wem, wann eine Kuh verkauft und wie viel Hektar Land besessen und ich hätte das ewig durchwälzen können und musste mich manchmal eigentlich eher wieder einbremsen, wo ist aber Stopp? So, es soll ja auch kein Sachbuch sein, sozusagen. Aber ich habe schon gemerkt, dass diese bäuerlichen Arbeiten, von denen noch mehrere dann auch so detailliert beschrieben werden, also da gibt es auch die Heumat oder so verschiedene Essensverarbeitungsprozesse, denen ich auch viel Aufmerksamkeit schenken wollte. Das war mir wichtig, weil es ja so viel magische Ereignisse, märchenhafte Ereignisse gibt, das aber dafür, dass das realistisch auch ganz realistisch ist, so als Balance. Genau, aber ich bin wirklich eigentlich, habe ich mir, das, was ich mir nicht recherchieren konnte, habe ich mir ausgedacht. Also ich saß am Schreibtisch und ja. Ja, ich glaube, man darf diese LokalhistorikerInnen echt nicht unterschätzen, also die wirklich diese Dorfkonigen schreiben und die auch in so, weiß echt nicht unterschätzen, also die wirklich diese Dorfchroniken schreiben und die auch in so kleinen, nischigen Archiven arbeiten. Das sind teilweise echt Goldgruben, finde ich, für schreibende Personen. Ich hatte, um da anzuschließen, ein bisschen meinen Dorfchronisten, durch Zufall war das mein Gastgeber, also um jetzt auf Hydra zu kommen. Ich bin dorthin gereist. Ich bin auch ein bisschen mit dem Gedanken dorthin gereist, dass ich vier Wochen dort bleiben will und dort tatsächlich so ins Schreiben kommen will und dort vor Ort auch recherchieren will und habe mir davor schon Bücher gekauft von Menschen, die in den 60er, 70er, 80er, 90er Jahren dort gelebt haben, um ein bisschen so diesen popkulturellen Mythos, der um diese Insel herum halt sehr stark nach wie vor existiert, einfach dadurch, dass Leonard Cohen lang dort gelebt hat und wirklich alle möglichen Hollywood- und Jet-Set-Größen von Audrey Hepburn und also wirklich die Liste ist so lang von Leuten, die dort waren und irgendwie, gut, kommt einer, dann kommen hunderte weitere, aber diese Insel hat offenbar etwas, da hat sich bei mir eigentlich ein bisschen reingeschlichen als Ort, aber als der dann feststand, dachte ich mir, okay, ich fahre dorthin und es steht und fällt ein bisschen damit, was ich dort finde und dann hatte ich das wahnsinnige Glück, dass ich angekommen bin und mein Gastgeber gemeint hat, er war an dem Abend noch da, ja willkommen, ich hatte ein Airbnb-Zimmer dort und er so willkommen, er hat Deutsch gesprochen mal, das war schon ein Zufall. Und dann hat er gemeint, ja, einer der besten Freunde meines Onkels war Leonard Cohen und ich habe gesagt, das ist ja großartig, kannst du mir sicher ganz viel erzählen und ich schalte jetzt mein Tonband an und dann haben wir sehr lange geredet und am nächsten Tag auch noch und ich habe ihn netterweise wirklich sehr viel aufnehmen können und er hat mir eben erzählt, wie das war und ich wollte, also um es kurz zu umreißen, worum es da in diesem Strang geht, dieser Familiengeschichte auf Hydra, es ist eben eine Theatergruppe, wo die Eltern von Anne mit Freunden, Bekannten ein Theaterstück auf dieser Insel aufführen sollen, nur mal ganz kurz angerissen und irgendwie auch in diesem Künstlermilieu sich da herumtreiben, aber Anfang der 90er zu einem Zeitpunkt, als halt so dieses hohe, da waren alle da, eigentlich schon vorbei ist und ich wollte wissen, wie hat sich das angefühlt, auf einer Insel so ein bisschen zu spät zu sein, ein bisschen so nachdem es so richtig spannend war. Und genau, dafür habe ich Gott sei Dank die richtigen Leute getroffen. Aber es war echt Zufall. Ich finde, das schließt so schön auch den Bogen zu deinem Roman, weil natürlich die Anfangsszene auch so ein gigantischer Zufall ist. Und dann gibt es im Roman noch weitere große Zufälle, die durchaus sehr, sehr wichtig sind für die Handlung. Dieses Theaterstück, das die Eltern von Anna auf der Insel inszenieren, ist die Wildente von Henrik Ibsen. Ich habe das nie gesehen und ich habe es auch nicht gelesen, aber ich wollte fragen, wie hast du das ausgewählt, weil das ist eigentlich so ein wichtiger, also die LiteraturwissenschaftlerInnen docken da gleich an und sagen, das ist ein Intertext, das muss was zu bedeuten haben. Wie ist denn so das Verhältnis von dem Theaterstück zu deinem Roman? Also ich habe ein bisschen was drüber gelesen und meine irgendwie Parallelen zu erkennen, aber vielleicht kannst du das kurz aus deiner Sicht schildern. Ich habe die Wildente tatsächlich wieder gelitten, als ich auf der Türe gesessen bin und mir gedacht habe, das würde sich so wahnsinnig gut anbieten. Ich habe es davor zweimal im Theater gesehen und es ist mir irgendwie, wie es einem dann halt im Schreiben so passiert, dass es dann irgendwie wieder aufgetaucht ist. dass es dann irgendwie wieder aufgetaucht ist. Und es kommt, in der Wildente geht es mehr oder weniger darum, dass ein junger Mann nach langer Abwesenheit aus den Wäldern zurückkommt und so vorfindet, Lügen, die sein Vater da aufgehäuft hat und denen eigentlich sein bester Freund lebt. Und er will, dass die Wahrheit ans Licht kommt und da die Verhältnisse aufgeräumt werden. Und das ist so schön, weil eben mit diesem Suchen nach dieser Wahrheit dann auch so viel Unheil ausgelöst wird. Und es geht halt auch in dieser Dynamik, in dieser Theatergruppe, die dann diesen Text sich gegenseitig vorlesen und eigentlich gleichzeitig sich denken, wem lädt sich hier was vor und auf welcher Ebene passiert das hier gerade. Damit habe ich wahnsinnig gut spielen können. Und abgesehen davon fand ich es schön, weil dieser norwegische Regisseur, den ich da erfunden habe, ein wahnsinniger Ibsen-Fan ist, weil er so etwas Biedermeierliches hat. Also dass sich alles so im Kreis, im privatesten Kreis, im Kreis der Familie abspielt. Und er schimpft dann quasi seine Regieassistentin und sagt, man braucht hier keine politischen oder sozialen Revolutionen. Henrik Ibsen hat es auch geschafft, dass da mit ein paar Personen das große Drama verhandelt wird und es eigentlich de facto, und diesen Satz gibt es wirklich, den hat er an seinen Verleger geschrieben, es nur um den Satz geht, ist die Wahrheit dem Menschen zumutbar. Genau, und insofern hat sich das alles so wahnsinnig schön gefügt. Ja, ich habe das Gefühl, wir werden später nochmal über Wahrheit sprechen müssen, also auch in Bezug auf deinen Roman, aber ich glaube, dass es bei euch beiden, also auf den Begriff würde ich gerne nochmal zu sprechen müssen, also auch in Bezug auf deinen Roman. Aber ich glaube, das ist bei euch beiden irgendwie ein... Auf den Begriff würde ich gerne nochmal zu sprechen kommen, aber vielleicht können wir erstmal die zweiten Textstellen jeweils hören. Also möchtest du vielleicht nochmal die zweite Stelle lesen, die jetzt, glaube ich, eh ganz gut anschließt, weil sie auch auf Hydra spielt. Genau, sehr gern. Ich docke jetzt hier an, an der Stelle, wo Eva mehr oder weniger die Hauptfigur in dieser Vergangenheitsebene, mit dem besten Freund ihres Ehemannes, also ihr Ehemann ist Matthias, dessen bester Freund ist Thomas. Eva und Thomas haben gerade einen Roadtrip von Wien aus quer über den Balkan bis nach Athen unternommen im Jahr 1991 und sind gerade mit der Fähre von Athen nach Hydra übergesetzt. Und dort treffen sie jetzt auf den Rest des Ensembles, des fast vollständigen Ensembles. Johannes und Susi bestritten den Großteil des Gesprächs. Das Thema war naheliegend, die Vergangenheit. Ständig kamen Bekannte vorbei, klopften ihrem Gastgeber auf die Schultern oder umarmten ihn. Er sprach mit ihnen Englisch, Griechisch, manchmal auch Französisch oder Italienisch. Teilweise verstand Eva, worum es ging, oft um ihr Theaterstück, manchmal um das Wetter, meistens auch um die Vergangenheit. Johannes hatte sich wieder seinem Bein zugewandt, als sich eine neue Hand auf seine Schulter legte. Eva sah die braunen Lederbänder. William, rief Johannes im Umdrehen, dich habe ich lang nicht mehr gesehen. William entdeckte Eva. Er lächelte. Er habe ja versprochen, man treffe sich wieder. Susi setzte wie auf Kommando ein, es gebe da den Satz, wer etwas auf Hydra privat halten wolle, der soll es bloß nicht länger als eine Stunde machen. Das sage man so, ja, sagte William mit seinem zurückhaltenden Lächeln. Er tauschte einige Sätze und Blicke aus und verabschiedete sich schnell wieder von ihnen. Bis zum nächsten Mal. Bis morgen nehme ich an, sagte Eva. sich schnell wieder von ihnen. Bis zum nächsten Mal. Bis morgen nehme ich an, sagte Eva. Susi sah in die Runde und sagte, sie gebe Neuankömmlingen stets noch einen Satz mit. Und zwar sage sie ihnen immer, dass Paare, die es schafften, nach Hydra noch zusammen zu sein, gute Chancen hätten, den Rest des Lebens miteinander zu verbringen. Sie drehte sich zu Thomas. Gib Acht auf deine Frau, sagte sie fröhlich. Thomas sah sie an und schlug sein Pier hinunter. Wir sind nicht, sagte er. Unsere Partner kommen nach, sagte Eva. Oh, sagte Susi. Wie auch immer, dann könnt ihr es euren Partnern weitersagen, wenn sie da sind. Wir haben uns damals alle dagegen entschieden, nicht wahr, Johannes? Christos Großvater antwortete mit einer Mischung aus Husten und Lachen. Ihre Runde wechselte in eine Taverne abseits der Hafenpromenade. Wieder wurden Tische für sie zusammengeschoben. Sie saßen nun inmitten weißgekalkter Häuser auf einem kleinen, belebten Platz. Die Blätter der alten Bäume bildeten ein dichtes Dach, unter dem die Stimmen der Gäste und die Hitze des Tages verschmolzen. Johannes interessierte sich dafür, was sie gemacht hatten, bevor sie seinen Wunsch auf diese Insel gebracht hatte. Er hatte die Gabe, jedem seine ungeteilte Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen und dabei fließend zum Nächsten überzuleiten. Das Essen kam und mehr Wein kam und die anderen baten Johannes um seine Geschichten. Eva hörte von Salons und Kostümfesten, pensionierten Seefahrern und Schwammtauchern, berühmten Sängern, die ihre Gitarren auf die Insel gebracht und ihre Frauen hier gefunden hatten, weil seine Monatsmiete 14 Dollar gekostet hatte oder auch gar nichts, wenn einem ein reicher Amerikaner das Haus überließ. Sie hörte von Schriftstellern, die winterlang bei einem Kapitel und vielen Whiskys auf die Anwesen der Abwesenden aufpassten. Sie hörte von Männern, die mit schabenden Pinseln und Indigo, Ocker und Karmessin auf der Palette im Hafen die Männer malten, die sich Wassermelonen und Kisten mit Heizöl zuwarfen. Von Partys, auf denen jedes einzelne Glas im Haus zu Bruch ging, als Kompliment für die Tanzenden. Partys, wo die Einladungsliste nach einem Hollywood-Set klang, nach Cannes, nach der mondänen Welt, die auf den schroffen Felsen etwas fand und es wert war, weitergesagt zu werden. Eva wusste zuerst nicht, was es war, das sie unruhig machte. Es war nicht so sehr, dass die Insel in diesen Geschichten hauptsächlich von Männern bevölkert zu sein schien. Das war etwas, das sie wahrnahm, aber nachsah. Die Geschichten waren allesamt interessant und unterhaltsam. Dennoch hatte sie das unangenehme Gefühl, dass die Luft um sie herum dünner wurde. Es war nicht die Schuld des dichten Blätterdachs, das die Hitze zwischen den Häusern hielt. Sie hörte zu und lachte an den Stellen, die ihr passend schienen, während sie überlegte, dass diese Partys riesig gewesen sein mussten, wenn alle dabei gewesen waren, von denen es hieß, dass sie mitgefeiert hatten. Sie dachte daran, wie die Vergangenheit im Versinken an Masse gewann, wie ein Schneeball, der im Tal als Lawine endete, wo er Häuser und Menschen unter sich begrub. Versunken war die Vergangenheit, wenn sich Wochen, Monate, Jahre über ihr auftürmten, wenn sie unter all der Zeit lag, hart und kompakt wie das unterste Eisbrett in der Lawine, wenn sie zu einem Damals wurde, das vielleicht noch einem Jahrzehnt, aber keinesfalls einem genauen Datum zugeordnet werden konnte, weil die Dinge sich in so großem Abstand zum Publikum zugetragen hatten, dass keiner der Zuhörenden vorgeben konnte, sie oder er wüsste, wie das gewesen wäre oder könnte die Party im Kalender nachschlagen. Damals. Susi erzählte, wie vor drei, vier Jahren ein Fernsehteam der BBC auf die Insel gekommen war. Die Kamera hatte Leonard begleitet, ihren Freund Leonard. Sie war ihm gefolgt, als er zu seinem Haus hochgestiegen war, das er mittlerweile nur noch selten besuchte. Das Haus, auf dessen Terrasse ihre Runde viele Stunden verbracht habe. Eva dachte, dass ein Dokumentarfilm ein untrügliches Zeichen dafür war, dass sie zu spät gekommen waren. Sie überlegte, ob sie Susi und Johannes und ihren Freunden das Gefühl neidete, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, ihre Zeitzeugenschaft. Sie schloss es nicht aus, aber das alleine war es nicht. Sie merkte, sie kam langsam zum Kern der Sache. Sie schenkte sich nach und wusste nicht, ob der Alkohol dem Denken half. Das Rauchen schien jedenfalls zu helfen. Es war nicht so sehr, dass sie es nicht selbst erlebt hatte. Was ihr die Luft nahm, war der Gedanke, dass alles, was sie auf dieser Insel tun würden, eine Wiederholung oder bestenfalls Variation der Vergangenheit bleiben musste. So voll war es hier. Die Bilder und Erwartungen, die Melodien, die Geschichten von Familien, von Liebespaaren, Abschieden und Ankünften hatten eine Schicht gebildet. Sie hatten sich auf Häuser, Treppen, Pflanzen, über die Katzen, Esel und Ikonen gelegt. Wie ausgehärteter Gips, die Oberfläche eines Mythos. Arthur Miller war hier, hörte sie Susi sagen. Susis Stimme hatte sich verlangsamt. Die einzelnen Worte schwammen hintereinander her und beanspruchten doppelt so viel Platz wie kleine Kinder mit großen Schwimmreifen. Henry Miller, korrigierte sie Johannes. Ja, Henry, danke mein Schatz. Nie was von ihm gelesen. Hexenjagd, nicht einmal das. Kommis jagen, das ist von Arthur Miller, fiel der Thomas ins Wort. All right, Susi überlegte. Aber Henry Miller, sagte sie, er war auf Hydra, schrieb ein paar nette Sätze, auch nie selbst gelesen, mind you. Aber es geht ungefähr so. Hydra ist wie die Pause in einer Komposition. Danach kann der Komponist eine neue Richtung einschlagen und es geht dann für ihn nur noch ums Ziel, nicht mehr um den Weg. Umgekehrt Susi, sagte Johannes sanft, danach nur mehr der Weg, nicht das Ziel. Nicht Millers originellste Zeilen, dachte Eva. Susi schien jetzt zu weinen. Johannes beruhigte die Runde, das passiere manchmal. Eva spürte, wie unter dem Tisch etwas an ihrem Bein rieb. Sie dachte an die vielen Katzen, sah hoch, fing ein, zwei Blicke auf und war sich nicht mehr sicher. Kurz danach verlangte Johannes die Rechnung. Dankeschön. Ich muss gestehen, ich war noch nie in Griechenland. Das ist eine biografische Lücke bei mir. Und als ich den Titel deines Buchs gelesen habe, habe ich natürlich sofort an die mythologische Hydra denken müssen. Ich nehme an, das wird wahrscheinlich vielen Leuten so gehen. Ist das etwas, was du bewusst einsetzt? Also dieses Verwirrspiel, siehst du den Hydra-Mythos in deinem Roman oder eher nicht? Es wäre eigentlich sogar der Grund gewesen, den Titel auszutauschen für mich, weil ich mir gedacht habe, es passt ja irgendwo auch, du schlägst deinen Kopf ab und es kommen weitere Köpfe dazu und du erzählst eine Lüge und es multipliziert sich alles. Aber mir war es ein bisschen zu naheliegend oder auch ein bisschen zu grob, so die Hydra, das Monster, aber es ist natürlich erlaubt, die Assoziation, also, aber ich dachte mir einfach, ich mag das Wort an sich so sehr, ich mag auch, dass das einfach die Insel, wo es zusammenläuft, so im Titel steht, insofern ist es dann geblieben. Hattest du einen anderen Arbeitstitel, wenn ich das fragen darf? Ja, ich hatte einige Arbeitstitel eigentlich sogar. Ich hatte auch Ibsen auf der Insel eine Weile. Ich hatte einen Vorbandtitband, den ich gar nicht mehr sehr lange, das war wirklich mein erster Arbeitstitel, war Wie man richtig fällt. Und dann war ich so, das klingt mir ein bisschen zu sehr nach Ratgeberbuch. Aber jetzt bin ich wieder gestorben. Aber ja, es waren einige Titel da. Ich finde auch tatsächlich, Titel finden irrsinnig schwierig. Sowohl für mich als auch irgendwie für andere. Das ist echt nicht meine Stärke. Deswegen hat mich das jetzt interessiert. Wie war denn das bei dir? Also ich finde, eure Titel sind wirklich so maximal unterschiedlich. Hattest du viel Mitspracherecht? Ist das überhaupt dein Titel? Ja, also ich habe es als Arbeitstitel einfach meistens Alma genannt, meine Dokumente oder so. Mir war klar, das ist kein interessanter Titel und das wird es nicht. Und als ich zum ersten Mal überlegt habe, was könnte ich mir denn als Titel vorstellen, habe ich mir gedacht, das. Da wusste ich noch nicht, dass das wirklich auch dann der erste Satz ist und bleibt und wollte aber sofort den jetzigen Titel irgendwie gerne als Titel. Ich mag prinzipiell lange Titel und auch welche, die vielleicht ein bisschen absurd oder mysteriös oder so sind auf den ersten Blick. Genau. Und dann habe ich mir gedacht, das ist ja jetzt schön und gut, aber das wird kein Verlag auf einen Cover drucken. Vergiss es. Und war dann ganz überrascht, als das sofort sang- und klanglos durch alle Abteilungen durchgelaufen ist und nie irgendwie eine Rückmeldung kam, dass wir was anderes machen. Und war dann ganz überrascht, als das sofort sang- und klanglos durch alle Abteilungen durchgelaufen ist und nie irgendwie eine Rückmeldung kam, dass wir was anderes machen. Und dann, genau, ist es der Titel geworden. Und der läuft jetzt als neuer Arbeitstitel oder Kurztitel, würde ich sagen, immer nur als Die Schafe, was ich eigentlich ganz schrecklich finde, aber ich verstehe es auch. Man kann auch in einem E-Mail-Betreff immer nicht diesen Titel schreiben. Also steht dann immer nur Die Schafe. Ja, ja, ja. Gut, aber nur um kurz aus dem Nähkästchen zu plaudern. Also viele AutorInnen haben so Titelgeschichten, weil das einfach ein Aspekt ist in einem Text, in einem Buch, das veröffentlicht wird, wo recht unterschiedliche Interessen manchmal zusammenkommen, würde ich sagen. Also AutorInnen-Interessen, Verlagsinteressen, Marketinginteressen und so weiter. Deswegen interessiert mich das immer, wie das eigentlich, also wie sozusagen der Titel zum Buch kommt. Weil das ja dann auch irgendwie, sobald man das als Leserin in der Hand hat, ist das so, wie amalgamiert, dass es dann einfach gehört dann so zusammen und das irgendwie untrennbar. Genau, ich habe schon angedroht, dass wir gleich noch über Wahrheit sprechen müssen, aber ich würde eigentlich gern deinen zweiten Textausschnitt noch vorher hören. Genau, dazu muss ich ein paar Dinge sagen, denn wir springen eine ganze Generation und es kommen ein paar Namen auf sie zu, aber nicht fürchten. Also, wir haben ja jetzt Henrike kennengelernt, die bekommt noch ein zweites Kind nach diesem schlafenden Sohn namens Hilde, das wird Almas Großmutter werden. Die lernt im Zweiten Weltkrieg einen österreichischen Soldaten kennen namens Konrad, mit dem sie nach Österreich zieht. Sie bekommen sehr jung, also da ist sie erst 17, ein Kind namens Wolfgang, der ist jetzt schon so im Volksschulalter und das zweite Kind ist unterwegs. Die Familie wohnt in so einer Kleinstadt auf dem Stadtplatz und da gibt es ein Haus, sie wohnen quasi in einer Wohnung im ersten Stock und drunter ist das Möbelgeschäft, das die Familie betreibt, also die Eltern von Konrad und die beiden arbeiten auch in diesem Möbelladen. Genau. Soweit so klar, oder? Hildes zweites Kind kommt einige Tage zu früh auf die Welt. Es hätte ein Sonntagskind sein sollen. Stattdessen flutscht es an einem Mittwochnachmittag aus ihr heraus, gerade als die Holzlieferung für die Werkstatt vor der Tür steht. Der Lieferant, ein Junge von nicht mehr als 16 Jahren, tritt mit dem zu unterzeichnenden Lieferschein an Hildes Schreibtisch, als es ihr warm und nass die Schenkel hinabläuft. Sie kontrolliert Stückzahl und Preis sorgfältig, bevor sie den Jungen nach oben schickt, um Konrad zu holen. Das Kind kommt so schnell, dass keine Zeit bleibt, ins Krankenhaus zu fahren. Hilde schafft es gerade noch von ihrem Schreibtisch in die Werkstatt, wo sie sich auf eine Werkbank legt und es zwischen Sägespänen und Hobelbänken aus sich herauszudrücken beginnt. Konrad kommt die Treppe heruntergepoltert, dicht gefolgt von dem jungen Lieferanten. Der Junge erbleicht und Konrad schickt ihn, die Hebamme zu holen. Bereits wenige Momente später ist Anna an Hildes Seite und hilft dem Kind auf die Welt, während Konrad die Holzlieferung ins Lager schafft. Als Wolfgang am Morgen in die Schule geht, ist er ein Einzelkind. Als er nach Hause kommt, ist da ein fremder Junge. Auf dem Heimweg hat Wolfgang es eilig. Er hat Hunger und will so schnell wie möglich zu den Freunden auf den Stadtplatz. Im Hauseingang wirft er sein Fahrrad mit Schwung gegen die Wand, wo es scheppernd zu Boden fällt. Wolfgang ist die Treppe in den ersten Stock schon zur Hälfte hochgelaufen, als er einen quengelnden Schrei und Stimmen aus der Werkstatt hört. Er lauscht einen Moment lang, dann läuft er wieder nach unten. In der Werkstatt sind die Mutter, die Großmutter, eine Frau mit hellblauer Schürze und das hässliche Ding. Sieh nur, Wolfi, dein Bruder, sagt die Großmutter. Die Mutter schaut nicht auf, sie ist ganz versunken in den Anblick des Dinges. Es ist ein Bild, das sich tief in Wolfgang einprägt. Die Mutter liegt ausgestreckt auf der Werkbank zwischen Sägespänen und Werkzeug. Eine schwarze Tasche steht am Fußende der Bank. Ein Kissen ist ihr unordentlich unter den Kopf geschoben und ein Leintuch über Bauch und Beine gebreitet. Er sieht die Klemmen, die an die Kanten der Werkbank geschraubt sind und denkt, damit wurden die Arme und Beine der Mutter fixiert, sodass sie sich nicht wehren konnte. Er sieht die Säge, die über ihr an der Wand hängt und denkt, damit hat man die Mutter in der Mitte zerteilt, wie die Frau in der Zaubervorstellung, die er letztes Jahr auf dem Jahrmarkt gesehen hat. Man hat sie auseinandergesägt wie einen Baumstamm und eine Scheibe aus ihrer Mitte geschnitten. Mit Hobel und Schleifpapier hat man dann dieses Ding geformt, das seinem Kind ähneln soll. Wolfgang weiß, dass die Väter die Kinder in die Mütter hinein machen. Er ist schließlich nicht dumm. Sein Freund Emil hat letzten Monat eine Schwester bekommen und ihm alles erzählt. Was er aber bisher nicht wusste, ist, wie die Kinder wieder aus der Mutter herauskommen. Es ist entsetzlich. Komm, versucht es die Großmutter noch einmal. Willst du deinen Bruder nicht aus der Nähe ansehen? Sein Name ist David, du kannst ihn auch halten. Bei diesen Worten blickt die Mutter entsetzt auf und drückt das Ding noch enger in ihre Brust. Das ist nicht mein Bruder, sagt er. Das ist nur ein Stück Holz. Wolfgang betrachtet die Puppe, die sich die Mutter auf den Rücken gebunden hat. Sie sieht jetzt feiner gearbeitet aus als noch auf der Werkbank, als hätte die Mutter heimlich weiter daran geschliffen und gefeilt. Sie ist aus einem glatten, hellen Holz geschnitzt, das schöner ist als alle Möbel in der Wohnung. Sie hat aufgeblähte Bäckchen und einen gespitzten Mund mit schrumpeligen, rosafarbenen Lippen, der ihn anwidert, weil er immerzu saugt und schreit. Die Puppe kann die Augen mit einem klimpernden Geräusch auf- und zuklappen. Dafür gibt es einen Hebel an ihrem Nacken. Man kann den Kopf einige Zentimeter nach links oder rechts drehen, die Beine kann man an Hüften und Knien bewegen, die Arme an Schultern und Ellbogen. Am besten sind der Mutter die Haare gelungen. Sie scheinen Menschenhaare zu sein, dunkelbraun und sehr weich. Mit Schrecken denkt Wolfgang an das echte Kind irgendwo, dem der Pflaum vom Kopf gerissen worden ist, um ihn dem Ding, das sein Bruder sein soll, aufzusetzen. Die Mutter hat die Puppe in einen dunkelblauen Matrosenanzug gesteckt, mit gebügeltem weißem Kragen und Matrosenmützchen. Manchmal zieht sie ihm auch eine Latzhose mit blauen und roten Streifen an. Sogar winzige Schuhe hat er an den Füßen, mit Schnürsenkeln, die die Mutter ihm bindet, als wäre es ein Gebet. Die Erwachsenen sagen immer, wie er drett, ordentlich und hübsch er sei. Wolfgang denkt, wenn er solche Schuhe hätte, wäre er bestimmt auch hübsch und ordentlich und hübsch er sei. Wolfgang denkt, wenn er solche Schuhe hätte, wäre er bestimmt auch hübsch und ordentlich, würde nicht immer mit aufgeschundenen Knien und klebrigen Fingern umherlaufen. Wenn er so einen Matrosenanzug hätte, anstatt der immer gleichen Lederhose, die schon ganz steif ist und viel zu groß, wäre es leicht, das perfekte Kind zu sein. Nachts schleicht Wolfgang an das Bett des Bruders und starrt ihn an. Er möchte ihn berühren, um zu sehen, ob sich das Holz weich und glatt anfühlt oder ob man sich einen Splitter daran einziehen kann. Er möchte ihm durch die Haare fahren und herausfinden, ob sie fest angewachsen sind oder ob man sie abnehmen kann wie eine Perücke. Tagsüber lässt die Mutter das Ding nicht aus den Augen und Wolfgang darf es niemals halten. Auch jetzt im Schutz der Dunkelheit wagt er es nicht. Er wünscht sich manchmal, der Bruder würde nicht mehr aufwachen. Nicht sterben soll er, nur jahrelang schlafen. Vielen Dank. Ja, jetzt haben wir den Puppenbruder, das hölzerne Kind, die Missverständnisse über die Leute, die wirklich auf Hydra waren, beziehungsweise nicht dort waren, ganz abgesehen davon, dass man erst sehr mühsam rekonstruieren muss, was eigentlich geschehen ist. in beiden Romanen irgendwie so ein vielleicht ein Ringen um sowas wie eine biografische Wahrheit. Und ich glaube, also in deinem Roman ist es auch so, dass es teilweise so Episoden gibt, die aus zwei verschiedenen Perspektiven geschildert werden und die sich fast gleichen, aber der Unterschied liegt dann eben im Detail und der ist ganz gewichtig irgendwie. Ja, und mich würde interessieren, wie ihr, also ob ihr glaubt, dass es so etwas wie Objektivität überhaupt gibt, also ist das was, wo ihr das Streben vielleicht auch der Romanfiguren nicht nur verstehen, sondern auch irgendwie unterstützen könnt, oder ist das eine Ill verstehen, sondern auch irgendwie unterstützen könnt? Oder ist das eine Illusion, gibt es das gar nicht? Also in Familiengeschichten sicher nicht, glaube ich. Mir war das auch wichtig, dass sich dieser Roman ein bisschen immer selbst enttarnt als eine Version der Geschichte. Ich glaube, man kennt es auch als realen Familiengeschichten oder Erzählungen, dass Menschen sich unterschiedlich erinnern an Dinge und man manchmal glaubt, irgendwie hat man jetzt die gleiche Kindheit gehabt oder wovon reden die anderen? Und da gibt es nicht die eine Wahrheit, sondern wenn das jetzt nicht Alma erzählen würde, sondern jemand anderer, würde da eine ganz andere Geschichte vermutlich herauskommen. Und auch das Verstehen der Figuren oder warum die Menschen so geworden sind, wie sie geworden sind, das ist ja ganz zentral hier, das will ich irgendwie zeigen, ist ja aber immer eben eine Art Eingeweideschau, also eigentlich eine Art Aberglaube oder Hellseherei, bei der man die Zeichen der Vergangenheit versucht zu deuten, um sich dann in eine Geschichte zusammenzureimen und dann sich zu sagen, ach, darum ist es so gekommen, wie es gekommen ist. sich dann in eine Geschichte zusammenzureimen und dann sich zu sagen, ach, darum ist es so gekommen, wie es gekommen ist. Aber man hätte, wenn man andere Anekdoten erzählt hätte, und Familiengeschichte ist immer anekdotenhaft, so wie der Text auch, der so springt, denn man war nicht bei allem dabei. Und wenn man andere Momente vielleicht herausgepickt hätte, würde sich ein ganz anderes Narrativ ergeben, bei dem man dann wiederum denkt, ach, darum ist es so gekommen. Und es ist wichtig, dass man diese Geschichten erzählt, dass es aus der Sprachlosigkeit ins Erzählen kommt, aber ich glaube, es ist nicht wichtig, dass man eine Wahrheit erzählt und der dann glaubt. Ich glaube, das ist sogar im Gegenteil vielleicht noch schlimmer. Sondern so eine Vielfalt der Geschichten ist, glaube ich, wichtig. Ja, und dem gegenüber steht ja auch schon sowas wie eine messbare, eine beweisbare, eine empirische, also so eine historische Hintergrundfolie, also eine ganz unantastbar faktuale Realität sozusagen. Und das ist ja was, was in Hydra eigentlich auch der Fall ist. Also wir haben schon so ein bisschen angedeutet, es gibt diese Szenen, die eben so in den 80er, 90er Jahren spielen und das ist ja auch eine Zeit, die irgendwie, also in ihrem historischen Kontext eine Rolle spielt im Roman, also wie würdest du dieses merkwürdige Mischungsverhältnis aus so einem sehr subjektiven, auch erinnerten und natürlich auch erzählten, also so einer erlebten Wirklichkeit und eben dem historischen Hintergrund beschreiben in deinem Roman? Naja, das Ganze spielt eben Ende der 80er, Anfang der 90er. Insofern hat man natürlich die Jugoslawienkriege, die einfach, so wie in der Zeit, die 2022 ist, quasi die Jetztzeit, dass man da schon auch mitbekommt, da passiert was in der Ukraine, aber es ist den Figuren in dem Roman eigentlich ein bisschen egal, also die sind so privat unterwegs und schaffen sich da so ihre eigenen privaten Dramen, die brauchen jetzt nicht das große Kriegsgeschehen, weil sie sind betroffen, aber dann doch eigentlich beschäftigt. Und ich glaube, ich kann voll anschließen an das, was die Anna gesagt hat, dass man halt bei Familien das einfach deswegen wahrscheinlich so dankbar ist, weil man diese riesige Schnittmenge hat und dann doch jeder sich eine andere Geschichte daraus erzählt. Und du nie diese Wahrheit hast, diese eine Wahrheit, sondern eben du kannst damit spielen, dass du das immer wieder erlarvst und enttarnst, als dass es halt eine Version der Geschichte jetzt gewesen. Und ich persönlich habe sehr gerne mit so einem Leitspruch gearbeitet, von jemandem, der grundsätzlich hinterfragt, inwiefern es denn eine Wirklichkeit geben kann. Und das ist ein bereits verstorbener Philosoph und Physiker, Heinz von Förster, der einen wahnsinnig guten, also falls das jemand, kann ich sehr empfehlen, einen Dialogband herausgegeben hat mit dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Der Titel dieses Bandes ist Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Und ich habe diesen Satz mir so ein bisschen quasi über die ganze Arbeit geschrieben, weil die ja auch für einen Familienroman ist das ein schöner Leitsatz. Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Und der geht, Heinz von Förster geht davon aus, dass wir grundsätzlich uns die Wirklichkeit, wie wir sie jetzt wahrnehmen, also der ist Konstruktivist und sagt, all das, was wir sehen und all das, was wir, entsteht daraus, dass wir es überhaupt erst wahrnehmen. Also niemand sagt dir, was jetzt die Wirklichkeit oder was die Realität ist, außer du selbst, weil du es dir halt gerade konstruiert hast in diesem Moment. Genau, also und die Großmutter, die in diesem Roman auch eine relativ wichtige Rolle dann spielt mit der Zeit, ist eine große Anhängerin dieses Heinz von Förster und insofern kommt er dann immer wieder vor. Ja, ist das was, was du oder vielleicht auch was ihr beide irgendwie auch im Zusammenhang seht zu so zeitgenössischen Phänomenen wie diese ganze Post-Truth- Ideologie oder solche Sachen, weil gerade der Konstruktivismus da ja irgendwie so bestimmte Anknüpfungspunkte einfach bietet. Oder würdet ihr sagen, naja, ihr schreibt über private Geschichten, also persönliche Geschichten und die folgen irgendwie ihren eigenen Regeln. Ich weiß, das ist eine sehr konstruierte und total schwierige Frage. Ich hoffe, das ist okay, dass ich das, aber mich interessiert das sehr. Ich glaube, in meinem Fall ist es ein bisschen ein, wie ich schon gesagt, dieses anmaßende Autorinnen-Gehabe, dass man sagt, man nimmt sich, was einem jetzt gerade gut, passt auch ein bisschen für die Familiengeschichte. Und insofern eine Prise Konstruktivismus und eine Prise einfach Erfundenes. Und ich glaube, dass sich das eigentlich ganz gut ineinandergreift, Familiengeschichte und Konstruktivismus. Aber ich hätte jetzt nicht so eine größere philosophische These daraus für mich ableiten wollen, sondern es geht mir schon grundsätzlich darum, eine Geschichte zu erzählen. Ich glaube, bei mir ist es ein bisschen so, dass ich mir in der Regel eigentlich gar nichts vornehme oder ausdenke oder groß eine Entscheidung treffe. eigentlich gar nichts vornehme oder ausdenke oder groß eine Entscheidung treffe. Ich mache das jetzt so mit diesem philosophischen Hintergedanken oder so, sondern dass ich eigentlich so ein bisschen, das passt jetzt so zum Buch, so ein bisschen aus dem Bauch heraus, also so aus den Eingeweiden wirklich so heraus irgendwie schreibe. Und dann lese ich das auch immer erst gar nicht und dann irgendwann später. Und dann bin ich selber überrascht von dem, was da steht. Und dann merke ich selber im Nachhinein meistens auch erst, weil mich jemand darauf hinweist, was man dann alles sagen könnte über dieses Buch oder wie das jetzt funktioniert oder wie man das jetzt nennen könnte oder so. Und ich bin mit allem einverstanden sozusagen, aber das ist nicht der Ort, woher es kommt. Aber ich glaube, natürlich fließt es trotzdem rein, weil das mich ja alles beeinflusst, was es irgendwie so gibt oder was ich halt kennengelernt habe im Laufe meines Lebens oder Studiums oder so. Ja, ja, und die Rezeption fließt ja wahrscheinlich auch dann in unsere Gespräche irgendwie wieder mit rein. Ja, genau, genau. Aber es steht nicht am Anfang des Prozesses, so bewusst zumindest. Ja, ja, ja. Gut, ich schaue jetzt ein bisschen meine Fragen durch, weil ich habe mir natürlich irrsinnig viel notiert. Also teilweise auch Sachen, die sehr einfach irgendwie spezifisch was mit euren Romanen zu tun haben. Und vielleicht, ich glaube, ich würde gerne abschließend jeder von euch eine Frage stellen, die wirklich nur euch gehört, sozusagen, also die nur was mit, nur auf eure Romane bezogen ist. Und dann könnten wir nochmal, weiß ich nicht, vielleicht das Gespräch auch öffnen und ihr könnt ein bisschen miteinander sozusagen die offenen Fragen klären oder so. Aber genau, was ich von dir gerne wissen würde, Anna, wir haben jetzt so ein paar Szenen gehört, in der eine Figur vorkam, die nicht Teil der Familie ist, aber die so wichtig ist in dem Roman, nämlich die auch Anna heißende Hebamme. Welche Rolle hat die für dich beim Schreiben gespielt? Weil ich fand die irgendwie, also das ist, glaube ich, ein bisschen eine Zufallshäufung, dass wir die heute so oft gehört haben. Im Roman gibt es dann auch viele Episoden, wo sie natürlich nicht vorkommt. Aber mir kam die sehr, sehr signifikant vor. Warum hast du dir so einen großen, so viel Raum gegeben im Roman? Ja, ich würde sagen, sie und Nora, die Leichenfrau, die kam jetzt nur einmal vor, aber die kommt eigentlich auch. Und die ist auch so präsent auf dem Cover. Das kann man vielleicht auch noch, stimmt, sie hat so einen Zitronenbaum. Genau, und das ist vielleicht aufgefallen jetzt, dass Anna ja dann, obwohl wir eine Generation später waren und wir dann im anderen Land waren, trotzdem irgendwie zufällig so ganz in der Nähe war und schnell zur Stelle und das war jetzt kein Logikfehler, sondern das ist nämlich so in der Geschichte, dass diese Hebamme und die Leichenfrau immer in der Nähe dieser Familie sind und auch sonderbarerweise nicht zu alt anscheinen im Laufe der Generationen, sondern die sind irgendwie immer da, wie so ein bisschen Säulenfiguren, die dieses Gebären oder dieses Leben und dieses Sterben so in der Hand tragen. Und das waren zum einen so historische Berufe, die Dorfhebamme, die Leichenfrau des Dorfes, die mich interessiert haben, weil ich mich gefragt habe, ob das was mit einem Dorf macht eigentlich, wenn da alle irgendwie auch von derselben Person ins Leben begleitet werden oder aus dem Leben. 1000 Kinder auf die Welt gebracht im Laufe ihrer Karriere. Und ich habe das dann ein bisschen umgewünscht und es wird eben nicht nur das ganze Dorf von Anna auf die Welt gebracht, sondern eben die ganze Familie im Laufe der Generationen. Und ich fand es schön, auch diese zentralen Aspekte des Lebens, also der Anfang und das Ende, um das es viel geht, also in dieser Familie wird viel gestorben und gelebt und geboren und so, in so eine weibliche Hand zu legen und auch die Familie nicht ganz alleine zu lassen damit, sondern dass die noch irgendwie eine Stütze haben von außerhalb der Familie, denn sonst gibt es eigentlich kaum Figuren, die eine Rolle spielen, die nicht Teil von dieser Familie sind. Das ist sehr klaustrophobisch irgendwie, dieses ganze System. Ja, mir hat das auch sehr gefallen, dass so wie anders Beruf skizziert wird, kam mir die sehr wissend, also irgendwie wie so eine medizinische Expertin vor. Und das fand ich eine sehr schöne Art, über Hebammen zu erzählen. Also irgendwie, wir hatten diese Liste ja auch gehört ganz am Anfang, wo eben diese ganzen Fachbegriffe vorkommen. Und mir ist die wie so eine sehr kluge, sehr gebildete Frau erschienen, die irgendwie ganz viel weiß über ihren Beruf. Und das ist natürlich auch irgendwie ein Roman über Frauen. Sagen wir das mal ganz deutlich, falls es noch nicht rübergekommen ist. Genau, also mir kam das so wichtig vor, diese Figur der Anna. Was ich von dir gerne noch wissen möchte, knüpft so ein bisschen an, vielleicht an die zweite Stelle, die wir jetzt gehört haben. Also du schilderst irgendwie dieses Soziotop dieser Theaterwelt, die ja irgendwie so eine sehr eigene, auch fast hermetische, so eine Blase bildet irgendwie. Mich würde interessieren, was so dein Bezug ist dazu. Also hast du einen Bezug zum Theater? Wenn ja, welchen? Und wieso hast du dich dafür entschieden, dem im Roman auch so eine wichtige Form zu geben? Da gibt es ein paar Antworten darauf. Also einerseits auch da zufällige Assoziationen. Ich glaube, es war in der Zeit vor vielen Jahren, habe ich einen Artikel gelesen, wo Paare gefragt wurden, wie sie dann zusammenkamen und dann hat ein Paar gesagt, ja, wir haben Romeo und Julia im Theater gespielt und ein Jahr später haben wir geheiratet und ich dachte mir so, okay. Und mir ist das hängen geblieben und ich dachte mir, gut, wieso nicht die Eltern zu Schauspielerinnen und Schauspielern machen, wenn es ja doch schon so sehr um das Spielen mit der Wahrheit geht. Und ja, ich habe angefangen mit 17 auf Laienbühnen zu spielen, um meine Nervosität vor Publikum tatsächlich mein Lampenfieber zu überwinden. Das hat sehr gut funktioniert. Gott sei Dank. Ich habe das einige Jahre gemacht, sehr viel auf verschiedenen Bühnen, bis es einfach zu zeitaufwendig wurde als Hobby. Neben dem Job, dann habe ich aufgehört mit Mitte 20, aber habe dadurch schon, auch wenn das jetzt engagierte Laienbühnen waren, mitbekommen, dass das eine ganz eigene Dynamik entwickelt, wenn solche Leute sehr lange auf einem Haufen sind und das muss jetzt nicht das Burgtheater sein, dass da schon sehr konkrete Machtdynamiken und Hierarchien und alles Mögliche passiert und so, wenn man lange Zeit hinter und vor einer, auf einer Bühne steht und das ist natürlich stark eingeflossen. Ja, das fand ich auch im Roman total spannend, dass halt irgendwie innerhalb dieser Gruppe es so eine ganz komische Gleichzeitigkeit gibt von so einem Bestreben, einen sehr freien künstlerischen Ausdruck zu haben und so. Aber auch irgendwie so eine sehr, fast schon archaische Rollenverteilung, also unglaublich patriarchal und so, aber auch irgendwie so eine sehr fast schon archaische Rollenverteilung, also unglaublich patriarchal und so weiter. Das hat sich ja, also wie wir wissen, seither vielleicht nicht so ganz geändert, oder? Also nicht auf die, also nicht so weitreichend, wie man sich das wünschen würde. Also zumindest, ich bin nicht am Theater, ich habe auch die Erfahrungen nur aus zweiter Hand von bekannten Freundinnen, aber es dürfte sich nicht überall so richtig viel verändert haben. Vielleicht die Art und Weise, dann damit umzugehen oder damit vielleicht auch in die Öffentlichkeit zu gehen, ist eine andere geworden. Aber die Dynamiken sind schon noch oft dieselben. Ja. Gut, jetzt müssen wir irgendwie einen Bogen finden, um vielleicht auf einer positiven, hoffnungsvollen Note zu enden. Nein, eigentlich würde ich gerne euch das Schlusswort überlassen beziehungsweise euch noch die Möglichkeit geben, also wenn ihr noch irgendwas, irgendwie das Gefühl habt, ihr habt was noch nicht gesagt von euren Assoziationen zu den Texten der jeweils anderen oder möchtet gerne was über eure Romane loswerden, was ihr immer schon sagen wolltet, möchte ich gerne euch die Gelegenheit geben, aber es ist kein Druck. Wenn ihr sagt, nein, ich möchte jetzt ein Glas Wein, dann bitte. Ich glaube, ich würde abschließend sagen, dass ich mich jetzt freue, endlich tatsächlich das Buch von Anna Gans lesen zu können nach diesem Abend. Sonst eigentlich, ich glaube, zu meinem Buch habe ich genug Worte gesagt. Dankeschön. Ja, danke. Sie werden auch alle die Gelegenheit haben. Es gibt einen Büchertisch. Die Autorinnen signieren gerne noch. Und ich glaube, das ist jetzt unser Abschluss. Vielen Dank. Danke für Ihre Geduld. Genau, zum Thema Schlusswort, das muss ich jetzt leider noch an mich reißen, aber für einen wichtigen Anlass auch ich möchte mich im Namen des Stifterhauses bei unseren Gästinnen bedanken, bei Jana Volkmann, Anna Maschig und Antonia Löffler. Es war uns eine große Freude, dass Sie heute alle hier waren. Der Büchertisch ist schon kurz angeklungen. Er befindet sich wie immer hinten am Ausgang und ist heute in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Neugebauer zustande gekommen. Also ich werde mir meine Exemplare jetzt dann gleich signieren lassen. Sie können sich da gerne anschließen. Ich möchte Sie auch noch auf unsere nächste Veranstaltung hinweisen, nächste Woche am Montag. Und zwar haben wir da unsere Reihe Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945 im Programm. Dieses Mal zu Käthe Recheis lesen wird Andrea Winkler. Falls Sie morgen um 12 Uhr Zeit haben, können Sie auch gerne vorbeischauen. Bei uns im Literaturcafé eröffnet morgen die neue Next Comic Ausstellung. Ja, die Veranstaltung ist zwar zu Ende, unser Literaturcafé hat aber noch offen, also Sie können sich gerne noch ein Getränk holen. Wir würden uns freuen, wenn Sie noch etwas hierbleiben und ja, natürlich auch auf einen nächsten Besuch bei uns. Vielen Dank und auf Wiedersehen. Applaus