Schönen guten Abend, ich sehe Sie gar nicht, wusste gar nicht, dass das so hell ist. Einen schönen guten Abend im Stifterhaus, meine sehr geehrten Damen und Herren. Meine erste Amtshandlung ist jetzt, dass ich mein Telefon auf Flugmodus stelle und ich würde Sie bitten, dass Sie das auch machen, falls Sie es noch nicht gemacht haben. Ich darf Sie begrüßen zu einem Abend, an dem wir zwei Bücher vorstellen werden. Zwei Bücher, die beide sehr jüngeren Erscheinungsdatums sind. Bei einem Buch davon ist es sogar die Buchpremiere heute. Es ist erst am 24.03. erschienen. Das andere ist sozusagen schon ganz alt, ist am 11.03. erschienen. Und wir haben uns das so vorgestellt heute Abend, dass einer der beiden Herren immer zu mir auf die Bühne kommt, dass jeder zwei Leseteile hat, circa zehn Minuten, und dass wir dazwischen ein bisschen miteinander über die Bücher, über das jeweilige Buch plaudern. Zum Ende werden wir auch zu dritt auf der Bühne sein, weil es unglaubliche Überschneidungen zwischen den beiden Büchern gibt. Also man könnte fast meinen, sie haben sich getroffen und gemeinsam geschrieben. Teilweise. Jetzt darf ich aber einmal um einen tosenden Applaus bitten für unsere Gäste, für Erland Maria Freudenthaler und Stefan Kutzenberger. Danke fürs Kommen. Und Erland, du musst dich gar nicht mehr niedersetzen, du darfst gleich zu mir kommen. So gemütlich. Einschalten, genau. Erland Maria Freudenthaler wurde in Freistadt geboren und wuchs am Stadtrand von Linz auf. Er studierte in Linz und Michigan und lebt seit rund zehn Jahren in Wien. Er ist vielen bekannt als Komponist, Pianist und Dirigent und er unterrichtet seit vielen, vielen Jahren Komposition an der Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz. Sein literarisches Debüt hat er 2022 vorgelegt. Das Buch trug den Titel Mein Bruder, der Stadtrand und ich. 2023 folgte das Buch Vertonter Verdacht. Es hat wunderbar ins Bruckner-Jahr gepasst. Und heute geht es um sein drittes Werk, den Titel schwer auszusprechen, Maria und Josef, also Maria und Josef, eigentlich würde man sagen, trägt und im Untertitel Zwei Leben heißt. Also das dritte Buch innerhalb von vier Jahren, man kann sagen, Erland Maria Freudenthaler ist unter die Schriftsteller gegangen. Oder? Das kann man jetzt wirklich festhalten. Ich denke schon. Ich denke, das ist kein Zufall mehr. Aber eine Frage gleich hierzu. Du komponierst nach wie vor, denke ich, etwas und lehrst an der Bruckner Uni. Und du hast mit der Musik eine kreative Ausdrucksform. Was hat gefehlt? Warum muss die Literatur dazu kommen? Ja, das ist eigentlich ganz einfach zu erklären. In der Corona-Zeit gab es keine Aufführungen, keine Konzerte etc., auch keine Auft Aufträge. Ich habe eigentlich immer schon viel geschrieben, auch, aber eher kleinere Dinge, Kurzgeschichten und Gedichte. In der Corona-Zeit habe ich mir gedacht, ich grabe diese Manuskripte wieder hervor. Ein, zwei waren gar nicht so blöd irgendwie und da habe ich mir gedacht, na gut, mir ist eh fad. Ja, und nach ein paar Monaten war der erste Roman fertig, da habe ich mir gedacht, super. Das ist die eine Sache und die zweite Sache ist die, dass der kreative Entstehungsprozess, die Planung eines Romans oder einer Erzählung eigentlich identisch ist mit dem Vorgang des Komponierens. Also wie etwas entsteht, ist gleich. Ob man jetzt schreibt, Musik oder Literatur, ist eigentlich ganz, ganz ähnlich. Den Bauplan zu überlegen, Spannungen aufbauen etc. Also das ist alles ein sehr verwandtes Gebiet eigentlich. Und nachdem es ganz gut funktioniert hat und ich nach längerer Zeit dann auch tatsächlich einen Verlag gefunden habe, bin ich dabei geblieben. Warum nicht? Warum nicht, genau. Du hast die Stichworte jetzt ein paar Mal erwähnt, meine nächste Frage. Bei dir ist alles eine Erzählung. Also es war mein Bruder, der Stadtrand und ich als Erzählung getarnt, möchte ich sagen, war auch schon ein Roman, dann kam Vertont der Verdacht, war ein Krimi, war aber deines Erachtens auch eine Erzählung. Und auch das, ich sehe das Buch auch jetzt zum ersten Mal, ich kenne nur das Manuskript, immerhin 260 Seiten und dick, und auch von der Erzählstruktur her wäre es ein Roman, steht wieder oben, Erzählung. Jetzt ist es so, dass im Buchmarkt eigentlich alle gerne Roman draufschreiben, weil sich das am häufigsten verkauft, und das würden wahrscheinlich die Verleger auch am liebsten bei Kochbüchern machen, dass sie Roman draufschreiben, weil sich das am häufigsten verkauft. Und das würden wahrscheinlich die Verleger auch am liebsten bei Kochbüchern machen, dass sie Roman draufschreiben, weil das steigert den Absatz. Pizzaroman oder so. Ja, der Pizzaroman des Jahrhunderts. Aber du wählst einen ganz anderen Weg und schreibst überall Erzählung drauf. Hat es damit eine gewisse Bewandtnis? Naja, es ist ein bisschen die Bescheidenheit gewesen am Anfang, weil der erste Roman war relativ knapp, sag ich mal. Da hab ich mir gedacht, Erzählung klingt nicht so groß, mächtig und so. Bei dem war es eigentlich Absicht, weil ich, also eigentlich sollte es ja heißen, Mare und Josef, zwei Leben, eine Erzählung. Das wäre der Gag. Das wäre der Gag gewesen. Also dass es zwei Leben sind, aber es Leben, eine Erzählung. Das wäre der Gag. Das wäre der Gag gewesen. Also dass es zwei Leben sind, aber es ist nur eine Erzählung. Das eine hat mir dann meine Verlegerin rausgestrichen. Ist sie hier heute? Ich weiß nicht. Ist die Frau Kaiser da? Sonst kannst du sagen, was du möchtest. Jetzt kann ich sagen, ich war nicht ganz einverstanden damit, dass man das eine wegstrich. Aber sie war sonst sehr gnädig. Jetzt kann ich sagen, ich war nicht ganz einverstanden damit, dass man das eine wegdreht. Aber sie war sonst sehr gnädig, dann habe ich mir gedacht, gut, die Titelseite lasse ich hier. Sozusagen ein Abtauschen. Ja, genau. Bringt uns aber mitten rein ins Buch, zwei Leben, eine Erzählung, wir können sie jetzt unter uns so benennen heute. Es wird die Geschichte zweier Personen erzählt, von Maria Anna und von Josef Heinrich. Die beiden Personen haben eigentlich äußerlich wenig bis gar nichts miteinander zu tun, außer dass sie beide in Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus geboren werden, gehören aber ganz unterschiedlichen sozialen Schichten an und die Geschichte wird eben alternierend erzählt, einmal Maria, einmal Josef, einmal Maria, einmal Josef und sie laufen sich im Laufe dieser Erzählung immer wieder über den Weg, erkennen sich aber nicht. Und man vermutet schon, das wird immer dichter und dichter und dichter, und die kommen sich näher und näher und näher. Möchten wir aber noch nicht verraten, aber ich würde vorschlagen, wir hören uns an, wie sich das anhört. Vom Beginn weg, oder? Vom Beginn weg. Vom Beginn, ja. Ich glaube schon, dass das ein guter Einstieg ist. ein guter Einstieg ist. Also mein erster Leseabschnitt besteht eben, wie er schon angedeutet hat, aus zwei Teilen. Maria Anna ist immer der erste Teil, Josef Heinrich ist immer der zweite, aber es ist immer ein Kapitel und vielleicht wird es Ihnen auffallen, dass die beiden in ihrer Gegensätzlichkeit auch Gemeinsamkeiten haben. Auch sprachlich wird es immer wieder Verbindungen geben zwischen diesen beiden Beschreibungen dieser beiden Personen. Also Kapitel 1, Maria Anna. Die Nacht ist sternenklar und bitterkalt, als Maria Anna zur Welt kommt. Man schreibt den 28. Februar 1941 und wir befinden uns in einem kleinen Müllviertler Weiler. In der beengten Bauernstube des Auszugshäusers ist eine behelfsmäßige Lagerstatt eingerichtet, mit einer Matratze aus Stroh und Wolle in den Decken. Helfende Frauenhände haben Kübel mit heißem Wasser, Textilien aus Leinen in verschiedenen Größen und allerhand andere Gerätschaften bereitgestellt. Die eilig herbeigeholte Hebamme wickelt das Neugeborene in eines der kleinen Tücher. Mit einem größeren bedeckt man seine Mutter. Das Kind ist gerettet, die junge Bauernmarkt ist tot. Was soll jetzt aus dem Butzerl werden, seufzt die Bäuerin. Keine der Anwesenden wagt eine Antwort. Aber wir wollen nicht bei dieser verwirrenden und so tragischen Szene verweilen. Wir springen zum nächsten Morgen. Es kommt ein Arzt aus Freistaat, um den Totenschein auszustellen, die tote Frau mitzunehmen, Maria Annas Geburt zu bescheinigen und die Meldung an die Polizei auszufüllen. Den Behörden werden sie später sagen, dass die Mutter des Kindes erst vor ein paar Tagen aufgetaucht ist, hochschwanger und völlig entkräftet. Wir haben keine Zeit gehabt, es zu melden. Man glaubt ihnen. Die untere Verwaltungsbehörde hat anschließend den Vornamen und den Familiennamen des Kindes bestimmt. Maria Anna Mandlbauer. Anna Mandlbauer. Die Bäuerin und ihr Mann, der Tagelöhner Sepp, sitzen am Tisch in der großen Stube des Bauernhauses und sehen Richtung Tür, durch die der Arzt gerade verschwunden ist. Sie sieht dabei ihren Sepp an und wiederholt ihre Frage von der Nacht zuvor. Was soll jetzt aus dem armen Butzerl werden? Das blasse Kind liegt auf der Bank neben dem Esstisch auf einem schmutzigen Schaffell und schläft. Sepp steht auf, hinkt zur Garderobe, streift die Armbinde mit dem Hakenkreuz ab, nimmt eine Flasche Obst aus dem Schrank, setzt sich wieder, brummt etwas Unverständliches und trinkt den schon lauwarmen Becher des Arztes aus, nachdem er ihn mit einem kräftigen Schuss selbst gebraten gewürzt hat. Anna Mandlbauer blickt ihren Mann immer noch an. Ist es Mitleid? Ist es Abscheu? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Armer Depp, möchte sie sagen. Sie sagt es nicht, steht auf und geht vor die Tür. »Grüß dich, Froni«, sagt Anna, als sie die niedrige, knarrende Eingangstür ihrer Nachbarin geöffnet hat und die angesprochene Missmutig am Jogeltisch sitzen sieht. am Jogeltisch sitzen sieht. Was schaust denn so hart? Kommst mich nicht oft besuchen, Anna, giftet Froni, ohne auf die Frage näher einzugehen. Anna setzt sich und beide Frauen schweigen eine Weile. Dann erklärt Anna ihren Plan. Sie könne es über ihren Mann möglich machen, dass die Behörde, die für die Obsorge von Maria Anna zuständig ist, die Daxbergers, die Nachbarn, als Pflegefamilie bestimme. Karl, der gute, anständige Mann, ist sofort einverstanden. Froni willigt nach einigem Zögern ebenfalls ein. Die versprochene Versorgung mit Produkten vom Nachbarhof hat sie offensichtlich überzeugt. So sind nach Erledigung aller Formalitäten die Daxbergers für die nächsten vier Jahre die Pflegeeltern der kleinen Maria Anna Mantelbauer. Vor allem der fleißige Karl kümmert sich rührend um das Ziehkind, aber seine Frau Vroni bleibt all die Jahre skeptisch. Irgendwas stimmt mit dem Mensch nicht, sagt sie in regelmäßigen Abständen zu ihrem braven Mann. Wieso denn, Weib? Dem Madl geht's doch gut. Aber uns nicht, Bauer. Dir geht's nicht gut, sagt er dann leise und verlässt den Hof, um mit seiner Pfeife die Sohnbank anzusteuern. Dort siniert er gerne vor sich hin. Die Bäuerin hat schon recht, das Mensch will und will nicht auf die Füße kommen. Oder der Sirsefrat will und will nichts reden. Oder das liebe Dirndl kommt und kommt nicht von den Windeln weg. So oder so ähnlich denkt er über die Jahre, wenn er auf seiner geliebten Bank sitzt und große graue Rauchkringel in die Luft bläst. Am Ende des Krieges, nach den schon erwähnten vier Jahren, hat Froni genug. Ihre Geduld mit dem Balg ist am Ende. Und die NSDAP kann ihr auch nicht mehr helfen. Wer kann denn wissen, ob die neuen Verhältnisse ihr das Pflegegeld weiterhin sichern werden? Wer kann denn wissen, ob die neuen Verhältnisse ihres Pflegegelds weiterhin sichern werden? Sie geht auf das Jugendamt, berichtet von ihren Sorgen und erwirkt, dass Maria Anna in ein Kinderheim kommt. Gegen den Willen ihres anständigen Karl. Es wird amtlich. Das schmächtige, spindeldüre Kind kommt unter die Fittiche der Ordensschwestern, die gerade erst wieder ins nachbarliche Kloster zurückgekehrt sind. die gerade erst wieder ins nachbarliche Kloster zurückgekehrt sind. Dort wird Maria Anna schon bei der Pforte mit einem Satz begrüßt, den sie in allen Varianten, verschiedenen Betonungen und Bedeutungen noch öfter hören wird. Jesus, Marian Josef. Nun beginnt eine erste Zeit, an die sich Maria Anders später nur schemenhaft erinnern kann. Und es sind keine guten Erinnerungen. Josef Heinrich. Der Morgen ist freundlich und warm, als Josef Heinrich am 7. September 1941 die Flucht aus dem angeschlagenen Körper seiner Mutter gelingt. Wir befinden uns im helldurchfluteten Operationssaal des Militärspitals am Rande von Wien, das der frischgebackene Großvater leitet. Eine erstaunliche Anzahl von Ärzten ist gerade hektisch damit beschäftigt, der Gebärenden das Leben zu retten. Allein medizinische Gerlichen Worten empfangen. Kittln wagt einen Einspruch. Schon gar nicht der Wachsoldat mit der Hakenkreuzarmbinde, der sich aber, man sieht es deutlich, ein schiefes Grinsen nicht ganz verkneifen kann. Wir müssen weiter. Soeben wiederholt sein Vater den Satz, der später berühmt berüchtigt werden wird. Mein Bub braucht keinen Pfaffen, sagt er, als sein Großvater gerade eben den Vorschlag gemacht hat, den schmächtigen Buben taufen zu lassen. Es ist später Abend. Sie sitzen in ihrem großen Haus am Gelände des Krankenhauskomplexes und trinken Cognac. Neben dem langen Esstisch, der mit allerlei Köstlichkeiten gedeckt ist, steht eine sicherlich uralte, reichlich mit Schnitzereien verzierte Wiege. Ist sie seit Generationen in Familienbesitz? So sieht sie jedenfalls aus. Darin liegt der kleine Josef Heinrich. Auf der einen Stirnseite der Tafel sitzt der Vater des Jungen, der Kinderarzt Dr. Heinrich Bormann, sowie der Großvater Professor Albert Heinrich Bormann, der Leiter des Spitals. Auf der anderen Seite sitzt dessen Ehefrau Adelheid, eine Geborene von Linden. Sie ist die unumstrittene Hausherrin und hat die Familie fest im Griff. Vielleicht zuallererst deshalb, weil sie immer noch damit hadert, ihren traditionsreichen Namen bei ihrer Heirat verloren zu haben, nur um ihn durch einen lächerlich englischen Ersatz zu sehen? Das will ich meinen. Wir von Linden haben noch nie etwas mit der Kirche zu tun gehabt. Und wir werden jetzt sicher nicht damit anfangen. Sie stammt aus Deutschland und ihr aristokratischer Stammbaum reicht weit zurück. Ich meine ja nur, verteidigt sich ihr Mann, wenn Elisabeth stirbt, werden wir auf jeden Fall einen Pfarrer brauchen. Was redet ihr da, Vater, wirft sein Sohn irritiert ein. Ihr seid doch hier der berühmte Herzspezialist. Seht zu, dass meine Frau das überlebt. Ja, ja, beschwichtigt Professor Bormann. Wie gesagt, ich meine ja nur. dann schenkt er sich noch einen kräftigen Schuss edlen Konjakt nach. Aber ein Kindermädchen werden wir brauchen. Da gebe ich Ihnen recht, lieber Herr Professor, erwidert die Gräfin mit einem unmissverständlich süffisanten Unterton. Unser Sohn wird das Junkchen ja wohl nicht alleine aufziehen. Nein, das will und kann ich natürlich nicht, liebe Frau Mutter, sagt der gar nicht direkt Angesprochene. Aber wie schon gesagt, Elisabeth wird es überleben, daher gehe ich davon aus, Schluss jetzt, Heinrich, fährt sie ihren Sohn mürrisch an. Dein Vater kümmert sich morgen um ein Kindermädchen, ich werde mich jetzt zurückziehen. Gute Nacht. Heinrich blickt unsicher zu seinem Vater. Dieser zuckt nur mit den Schultern und gießt sich noch einen Cognac nach. Solche Situationen hat er einfach schon so oft erlebt. Willst du auch noch einen, Heinrich? Gerne, Vater. So verbringt also der kleine Stammhalter der Bormanns seine ersten vier Lebensjahre hauptsächlich mit Carolina, seinem Kindermädchen. Seine Mutter Elisabeth erholt sich zwar langsam, ist aber alles in allem zu kränklich, um sich umfassend um ihr Kind zu kümmern. So ist das Kindermädchen Caro der Mittelpunkt seiner frühkindlichen Welt. Jetzt beginnt für Josef Heinrich, von Caro liebevoll Pepper gerufen, eine Zeit, an die er sich später recht lebhaft erinnern kann. Denn sie dauert lange. Und es sind gute Erinnerungen. hören wir auf mit, es sind keine guten Erinnerungen, einmal sind es gute Erinnerungen, entspricht auch der sozialen Schicht, aus der die beiden Protagonistinnen stammen. Zuerst vielleicht zu den Namen Maria und Josef. Also das ist, wenn jemand seine Figuren Maria und Josef nennt, ist es selten ein Zufall. Also das ist natürlich titelgebend in diesem Fall sogar und das biblische Paar. Warum gerade Maria und Josef oder nur damit du den Titel hinkriegst? Ich weiß nicht, ob ich das verraten soll, aber ich dachte zuerst, also ganz am Beginn der Idee, dachte ich tatsächlich an Maria und Josef. Als biblisches Paar. Ja, aber das hat nicht lange gehalten. Ja. Gott sei Dank. Und dann kam das mit dieser Idee, gegensätzliches Leben, und dann ist mir dieser Jesus, Maria und Josef, dieser Ausruf, und dann habe ich mir gedacht, das kommt irgendwie gut. Und dann haben Sie schon so geheißen. Dann haben wir schon so geheißen, ja. Das ist ja auch ökonomisch, da muss man nicht alles ändern. Genau. Also die Leben beginnen so, dass Maria Anna, wie sie noch heißt zu Beginn, Maria Anna eben bei den Ordensschwestern, eigentlich eine fürchterliche Zeit hat, wird psychisch und physisch missbraucht. Nicht von allen, natürlich, es sind nur Einzelne, die sowas begehen. Und das bringt mich zu einem Punkt, ich glaube nämlich auch da gibt es dann eine Fußnote, aber es gibt auch schon zuvor Fußnoten in deinem Buch, also ganz am Anfang, als du jetzt von Josef Heinrich gelesen hast, dieser Satz mit dem Pfaffen, wir brauchen, wie war das, wir brauchen keine Meine Frau wird es überleben. Genau, mein Buch braucht keinen Pfaffen. Da gibt es dann eine Fußnote dazu und die lese ich Ihnen vor. Da steht, dieser Satz ist verbürgt und wird in der Familie Jahr um Jahr immer wieder genussvoll zitiert. Und so ziehen sich derartige Fußnoten eigentlich durch den gesamten Text und führen dazu, dass man wirklich dazu, dass man das alles für bare Münze nimmt, dass man sagt, das ist historisch verbriefte Wirklichkeit. Ist es aber nicht. Nein. Aber es ist ein schöner Kunstgriff. Ja, das war Absicht. Irgendwann ist mir die Idee mit den Fußnoten eingefallen und habe mir gedacht, das passt zu einer Pseudobiografie natürlich perfekt. Weil man dann denkt, ah ja, das stimmt so, das ist recherchiert. Weil man das aus der Wissenschaft gewöhnt ist, irgendwie vom wissenschaftlichen Arbeiten, und darum sagt man, das ist dann die Wahrheit. Ja, genau. Das finde ich ein sehr, sehr... Aber ich kann allen versichern, das Buch ist reine Fiktion. Naja, da kommen wir später noch dazu. Ja, ja. Genau, Maria Anna geht es nicht gut, aber auch Josef Heinrich, obwohl er wohl begütert ist, hat eigentlich eine schwierige Kindheit, muss man sagen. Seine Mutter ist gesundheitlich schwer angeschlagen. Eigentlich die ganze Zeit seines Lebens ist die Mutter zwar liebevoll, aber nicht fähig, sich um das Kind zu kümmern. Und der Vater ist aggressiv und jezornig, überfordert auch, schien mir beim Lesen, und wendet auch Gewalt an. Erland hat es angedeutet, die Leben der beiden spiegeln sich immer wieder. Sie erleben ähnliche Sachen. Beispielsweise haben beide erwachsene Freunde. Bei Maria Anna ist es eine Schauspielerin, eine berühmte Schauspielerin. Bei Josef Heinrich ist es ein US-amerikanischer Soldat, der Künstler ist. Fotograf. Fotograf. Die sind verbürgt, die sind historisch. Die Personen, die gibt es, habe ich nachgeschaut. Es gibt nur einen einzigen Unterschied, der mir aufgefallen ist zwischen den beiden, und den halte ich eigentlich für sehr zentral, und zwar, dass Maria Anna keine gleichaltrigen Freunde hat, während Josef Heinrich eben einen Busenfreund, möchte man sagen, hat. Warum dieser Unterschied? Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir das nicht überlegt. Auch das ist eine Antwort. Ja, ich dachte, das sagt einem was aus. Aber es passt natürlich schon irgendwie ganz gut, weil sie ist ja eigentlich relativ isoliert. Und sie ist auch nicht ganz gesund. Und so gesehen passt es dann rückblickend schon. Genau, also so habe ich es auch gelesen, dass das eigentlich eine Folge ist, dass sie keine gleichaltrige Freundin findet. Also ich könnte jetzt sagen, das war natürlich ganz genauso geplant. War es aber echt. Ja, wir verfolgen nicht das ganze Leben dieser beiden Personen, sondern nur ungefähr bis ins Teenager-Alter, kann man sagen, sind wir ganz eng dabei. Und wie es im Teenager-Alter eben ist, die Hormone beginnen sich dann langsam zu regen. Überhaupt scheint mir, dass Sexualität durchaus ein wichtiges Thema ist. Liebe und Sexualität, sowohl bei dir als auch was wir später hören werden bei Stefan Kurzenberger, ist ein wichtiges Thema, oder? Also ich meine, wenn man über Kinder und Jugendliche, also über die Entwicklung bis zum jugendlichen Alter schreibt, kommt man natürlich damit vorbei. Es ist einfach ein so wichtiges Thema in dem Alter. Außerdem hat mich gereizt, das immer wieder so zu bringen, auch im Zusammenhang mit Gewalt. Diese sexualisierte Gewalt von dieser Klosterschwester zum Beispiel ist auch irgendwie... Aber es gibt natürlich auch die gute Seite, die Sehnsucht und es gibt auch den Humor in der Erotik. Also das war mir schon sehr wichtig. Ich habe ein bisschen gezittert, weil ich mir gedacht habe, ein alter Mann schreibt über jugendliche Liebe. Aber ich war halt auch mal jung und habe mich dann schon an vieles erinnert und habe das dann so ein bisschen projiziert. und habe das dann so ein bisschen projiziert. Und natürlich alles mit einer Sexualmoral der 1950er Jahre, wo du am heutigen Abend allerdings der Moderne von euch beiden bist. Das muss man auch dazu sagen. Das geht richtig zur Sache bei dir im Vergleich zu dem, was wir... Wirklich? Das werde ich nicht lesen. Aber wir hören trotzdem etwas, was mit Sexualität zu tun hat. Maria Anna ist jetzt, ich glaube, 13 Jahre circa. Jetzt ist sie 14,5. Und ich bitte dich um die zweite Lesung. Gut, das ist jetzt das Kapitel 8. Weil das Kapitel relativ lang ist, kann ich nur die Maria erzählen und den Josef noch nicht, obwohl das sich widerspiegelt natürlich jetzt, das Kapitel. Die Maria ist also mittlerweile, vielleicht zum Verständnis, mittlerweile in Linz bei Pflegeeltern gelandet. Marias Pflegeeltern, die Thalhammers, sind irritiert. Ihr Schützling ist nun 14,5 Jahre alt. Und das sieht man dem Mädchen an. Schlank, aber nicht mehr zauntür wie früher. Sie hat deutlich an Busen und Hüften zugelegt. Außerdem, so vermuten die besorgten Erzieher, hat sie seit geraumer Zeit einen Freund. Sie beschließen nach reiflicher Überlegung, Maria ein Buch zu schenken. Es heißt, des kleinen Samenfadens wundersame Reise, von Dr. Med. K. Rack. Das gibt es. Das gibt es wirklich? Das habe ich nicht nachgeschaut. Man soll es nicht glauben, aber das Buch gibt es wirklich. Also, des kleinen Samenfadens Wundersame Reise. Es ist gerade erst erschienen und hat den schönen Untertitel Eine Bilder- und Lesefibel für Eheleute und solche, die es werden wollen. Sie finden den Titel reizend. Auch die Zeichnung am Buchdeckel ist überzeugend. Es stellt eine in einer Eizelle eingeschlossene, ängstlich dreinblickende, in ihrer Nacktheit zusammengekrümpfte Frau dar, die von grimmigen bis hoffnungsfrohen, männergesichtigen Samenzellen bedroht und angegriffen wird. Das ist auch Tatsache. Ja, das ist eine würdige Aufmachung für dieses schlüpfrige Thema. Sie selbst getrauen sich nicht, in das Buch hineinzuschauen, aber Sie vertrauen einem Herrn Doktor, die heikle Materie schon richtig angegangen zu sein. Auch wenn niemand zu wissen scheint, woher dieser Arzt kommt. Man hat nicht einmal erfahren, wie sein vollständiger Name lautet. Er könnte theoretisch ein Doktor der Unfallchirurgie oder der Augenheilkunde sein. Oder am Ende gar eine Frau. Doch die Thalhammers eiligen sich darauf, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein älterer und somit höchst erfahrener Doktor der Geburtsheilkunde sein muss, der so ein Buch geschrieben hat. Erstens sind alle Gynäkologen Männer und zweitens ist zu erwarten, dass nur die Besten der Besten so ein Aufklärungsbuch schreiben dürfen. Und die Götter in Weiß wissen alles über den menschlichen Körper. Das ist allgemein bekannt und somit auch alles über die seltsamen Körperfunktionen, die sicherstellen, dass die Menschheit nicht ausstirbt. Auch wenn der Vorgang dafür peinlich ist. Die Kritiken über das Buch sind gut. Gewisse katholische Kreise haben zwar skeptisch bis ablehnend reagiert, aber da sind die Talhammers tolerant. Irgendwer muss schließlich den jungen Dingern klar machen, wie man der männlichen Bedrohung Herr werden kann. Maria sitzt im herbstlich bunten Linzer Schlosspark und schmökert mit roten Wangen in dem kuriosen Buch. Sie hat es im Packpapier eingeschlagen, damit niemand sehen kann, was sie da liest. Sie gluckst vor Vergnügen. Da stehen Sätze drin wie, ich zitiere, die Eier der Hauskatze reifen nur, wenn es vorher zu einer Vereinigung mit dem Kater gekommen ist. Also ohne Kater keine Eireifung. Ohne ihn geht es nicht. Ihn in Anführungszeichen. Oder was geschieht, wenn das weibliche Ei unbefruchtet bleibt? Die Natur wurde in ihren Erwartungen enttäuscht. bleibt. Die Natur wurde in ihren Erwartungen enttäuscht. Das Ei fällt nach Tagen in das weiche Bett der Gebärmutterhöhle, aber das in freudiger Erwartung vorbereitete Nest ist nun sein Totenbett. Oder auch, der Mann wirft das edelste Produkt seines Körpers, den Samen, nicht einfach achtlos fort, sondern überlässt ihn am Höhepunkt des Festes ihrer Sinne, der Frau. Das Fest ihrer Sinne wieder mit Anführungsstrichen. Oder der Paarungstrieb der Eizelle ist sehr stark, aber typisch weiblich. Das heißt, sie lassen sich immer nur mit einem einzigen Samenfaden ein. Sie lacht laut auf und wirft dabei ihren Kopf zurück. Als sie wieder nach vorne sieht, steht Hans, der Polizist mit den gütigen grünen Augen, vor ihr. Der kommt schon vorher mal vor und ist quasi ihr Freund. Muss ja ein lustiges Buch sein, das du da liest, meint er freundlich, aber mit einem zurückhaltenden Blick auf den Boden vor ihr. Lieber Herr Hans, so ist es, sagt sie, immer noch mit feuchten Augen. Sie klappt das Buch rasch zu und steht auf. Dann stutzt sie. Bin ich schon wieder zu spät? Es ist doch noch gar nicht... Nein, nein, erwidert der Polizist rasch. Es ist erst später Nachmittag. Maria mustert ihren Beschützer. Sie erkennt sofort, dass irgendetwas nicht stimmt. Normalerweise sieht er sie eindringlich mit seinen warmen Augen an, diesmal nicht. Herr Hans, was ist los? fragt sie vorsichtig. Er hebt den Kopf und antwortet zögerlich. Nun, ich muss dir was erzählen. Es ist, wie soll ich sagen, sagen sie schon. Naja, ich habe dir nicht alles von mir erzählt, aber das ist nicht das, was ich eigentlich sagen wollte. Ich verstehe nicht. Erzählen sie. Also gut, du kennst doch die Mandelbäuerin. Die Anna, natürlich, ich habe dir von ihr erzählt. Genau, sie hat dich zur Welt gebracht, die gute Frau. Nun, jetzt ist sie krank, schwer krank. Ich muss zu ihr fahren und sie hat dich zur welt gebracht die gute frau nun jetzt ist sie krank schwer krank ich muss zu ihr fahren und sie hat mir aufgetragen dass ich dir nichts davon sagen soll dass sie sterben wird meine ich jetzt ist maria verwirrt aber das haben sie doch gerade getan ja schon ich kann nicht anders ich möchte dass du mit mir zu ihr fährst. Sie hat dich so gern und ich würde es nicht ertragen, wenn du sie nicht noch wenigstens einmal sehen könntest. So schlimm, fragt Maria mit erstickter Stimme. Tränen kommen ihr hoch. Diesmal nicht aus Freude über eine unfreiwillige Komik. Sie spürt, wie es ihr die Kehle zuschnürt. Der Kloß im Hals ist zu groß, dass sie Mühe hat zu atmen. Dann stammelt sie. Aber wieso müssen Sie zu ihr fahren? Woher kennen Sie denn die Anna? Komm, Maria, ich erzähle es dir im Auto. Ich habe deinen Pflegeeltern bereits alles berichtet. Sie wissen Bescheid. Los, mein Wagen steht um die Ecke in der Römerstraße, gleich bei der Martinskirche. Maria erfährt zu ihrer Überraschung, dass Hans, der gütige Polizist, der jüngere Bruder des viel älteren und ganz und gar nicht gütigen Sepp Mandlbauer ist. Des verstorbenen Mannes der Anna Mandlbauer, des Tagelöhners und Säufers, des Kriegsversehrten und Nazis, der sich ins Grab gesoffen hat. Nun, da Anna endlich frei gewesen wäre und das Leben in bescheidenen Zügen hätte genießen können, ist sie selbst krank geworden. Niemand weiß so genau, was ihr fehlt, erklärt Hans. Aber es hat wohl irgendetwas mit dem Blut zu tun und mit der Blutgerinnung, auch mit den roten Blutkörperchen und dem Rückenmark. Aber wer weiß das schon so genau. Die Ärzte sind doch alle Scharlatane, die haben keine Ahnung. So hat die Anna geredet, sagt Hans. Aber er ist Polizist, sagt er, und ein guter noch dazu, und daher nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen. Er weiß sehr genau, was Blutgifte, sogenannte Hämotoxine sind. Er hat im Lexikon nachgeschaut. Aber Herr Hans, Sie meinen, Anna ist vergiftet worden? ruft Maria etwas zu laut dazwischen. Wer weiß, aber wenn es so ist, werde ich es herausfinden. Als sie am Häusl der Anna Mandlbauer ankommen, erwarten sie deren hünenhafte Söhne vor der Haustüre. Mit betretenen Gesichtern lassen sie Hans und Maria in die Stube eintreten. Anna liegt auf einer Matratze mitten im Zimmer. Der Raum ist abgedunkelt und rund um die Lagerstadt sind Kerzen angezündet worden. Die Stimmung ist gruselig, findet Anna, und deprimierend. Die Stimmung ist gruselig, findet Anna, und deprimierend. Du kannst dich nicht erinnern, Maria, aber als du geboren wurdest, lag deine Mutter genau an dieser Stelle, mitten in der Stube, auf einer schäbigen Matratze, erklärt Hans. Ich weiß, sagt sie. Anna Mandlbauer atmete tief ein, runzelte Stirn, verzieht das Gesicht und übergibt sich in einen altertümlich anmutenden Nachttopf, der neben ihr auf dem Fußboden steht. Als sie sich wieder gefangen hat, flüstert sie, was machst du hier, Maria Anna? Hans, habe ich dir nicht ausdrücklich gesagt, dass... Maria unterbricht sie, aber Anna, ich bin es doch. Ich dachte, Maria bricht in Tränen aus. Hans legt seinen Arm väterlich um ihre Schultern und sieht schuldbewusst rein. Weißt du, Schwägerin, ich habe gedacht, schon gut, erwidert Anna mit matter Stimme. Ich wollte nicht, dass Maria mich so sieht und zu Maria gewandt, aber jetzt bin ich froh, dass du da bist, mein Kind. Dann greift sie sich plötzlich an den Kopf und stößt einen markerschütternden Schrei aus. Die drei Söhne, Hans und Maria, sehen sie mit aufgerissenen Mündern an. Frau Mandlbauer ist erst Ende 50, aber jetzt sieht sie um viele Jahre älter aus. Sie hebt den Kopf, sieht jeden einzelnen Anwesenden mit wässrigen, blutunterlaufenen Augen an und murmelt geheimnisvoll. Ihr müsst wissen, ich bin vergiftet worden. Dann plötzlich und anscheinend klar im Kopf füxt sie ängstlich hinzu. Und wer seid ihr drei Burschen? Ihre Söhne sehen sie ungläubig an. Sie sind groß, stark, mit Riesenhänden, scheinen geerdet zu sein und mit beiden Beinen fest am Boden. Aber dass ihre Mutter sie offenbar momentan nicht erkennt, bringt sie ins Wanken. Das verstehen sie nicht. Damit können sie nicht umgehen. Hans springt ein. Sie ist verwirrt. Das ist eine häufige Reaktion auf eine Vergiftung, habe ich gelesen, sagt er mehr zu sich selbst. häufige Reaktion auf eine Vergiftung, habe ich gelesen, sagt er mehr zu sich selbst, denn er erwartet keine Reaktion der drei jungen Männer. Aber Maria reagiert. Anna, erkennst du mich wenigstens? Ich bin es. Maria, Anna, bitte stirb nicht. Anna Mandlbauer hat sie offenbar nicht mehr gehört. Sie schließt die Augen. An ihrem leisen Schnarchen erkennen die Besucher, dass es nun Zeit ist, zu gehen. Vielen Dank, Herr Erland. Weil die Zeit nicht reicht, dass wir den Josef Heinrich, also die Spiegelgeschichte dazu auch noch lesen. Auch Josef Heinrich hat quasi seine erste sexuelle Erfahrung, genauso wie es Maria eben in der Lektüre hat, und zwar ausgerechnet, so viel sei verraten, mit seinem ehemaligen Kindermädchen, dieser Carolina, die wiederum damals die Boamens verlassen hat, weil sie einen Polizisten geheiratet hat und nach Linz gekommen ist und dieser Polizist wiederum war der Kollege von diesem Polizisten Hans und das hört sich jetzt wahnsinnig kompliziert an, es geht sich aber aus in der Geschichte und das Interessante ist, das zieht sich das ganze Buch dann eigentlich bis zum Ende hindurch, dass jeder mit jedem in irgendeiner Verbindung steht. Und ich habe mir gedacht, als ich dann fertig gelesen habe, habe ich mir gedacht, wenn du sowas konzipierst, wirst du wahnsinnig. Also beim Schreiben, beim Erarbeiten sozusagen dieses Plans. Das muss ja unglaublich sein. Es sind viele Figuren, es sind nämlich wirklich viele Figuren. Wie ging es dir da? Naja, ich habe eh dreieinhalb Jahre gebraucht. Nicht verwunderlich. Aber ich mache sowas natürlich gern. Und beim Komponieren ist es ja, von Musik ist es ja ähnlich, da muss man ja auch, also wirklich, man glaubt es vielleicht als Laie nicht, aber jeder Ton wird x-mal überprüft und muss genau irgendwie passen. Es ist ein Spiegelmotiv hier und das muss wieder doppeltes Tempo und so. Also diese Konstruktion, das mag ich offensichtlich. Was du eingangs erwähnt hast, das ist die Ähnlichkeit zum Komponieren. Genau, genau. Ich meine, es hat mir dann doch schon einige Mühe gekostet, weil man dann x Post-its hat und wo habe ich das schon erwähnt und wenn ich darauf zurückkomme, fasst das überhaupt und geht sich das aus? Und habe natürlich dutzende Fehler gefunden im Laufe des Schreibens, der ja noch nicht wissen kann, weil erst später die Info kommt und so. Aber ich hoffe, dass jetzt keine mehr drinnen sind. Wenn dir nichts aufgefallen ist, dann bin ich... Nein, mir ist nichts aufgefallen. Also ich hatte das Gefühl, es geht mich haarscharf aus. Genau. Also es ist wirklich, der Bauplan dieses Buches ist sehr beeindruckend und wir wollen nicht zu viel verraten. Eigentlich hat es mir fast leid getan, ich bin kein kitschiger Mensch irgendwie, aber ich dachte mir, das müsste doch dann ein himmlisches Paar werden. Das kann ich verraten, so wird es nicht. Ich bedanke mich bei dir, Erland, für die Lesung und bitte um einen Applaus. Danke. Und ich darf den zweiten Herrn des heutigen Abends zu mir bitten, Stefan Kutzenberger. Stefan Kutzenberger wurde in Linz geboren, studierte zuerst hier Gitarre und Fagott an der Bruckner Uni, von daher kennen sich die beiden Herren sogar, habe ich herausgefunden, sowie Sozialwirtschaft an der Kepler-Universität. Später übersiedelte er nach Wien und studierte fortan Vergleichen der Literaturwissenschaft und Spanisch. Als Autor ist er vielen bekannt mit seiner Romantrilogie über die literarische Figur Stefan Kutzenberger. Der erste Band trug den Titel Friedinger und erschien 2018 bei Deutige. Der erste Band druckt den Titel Friedinger und erschien 2018 bei Deutige. Der zweite Band hieß Joker Man, erschien 2020 im Berlin Verlag. Und eben dort ist auch erschienen der dritte und abschließende Band Kilometer Null. Heute beschäftigen wir uns mit seinem neuen Roman, der da heißt Die Liste der Lebenden und der eben am 11. März bei Pikus erschienen ist. Wie gesagt, Stefan, du hast eine Trilogie geschrieben und der letzte Band, Kilometer Null, beginnt damit, dass deinem Helden Stefan Kutzenberger eine Kugel in den Kopf geschossen wird. Von daher war klar, da gibt es wahrscheinlich keine Fortsetzung. Aber war das, also sozusagen, wolltest du endlich raus aus dieser Nummer, mit Stefan Kutzenberger, schreibt über Stefan Kutzenberger, hat es was Neues gebraucht und da hast du dir gedacht, jetzt bringe ich den einfach gleich am Anfang um, damit ich keine Wahl mehr habe nachher. Genauso war es. Genauso war es, ja. Genauso war es. Genau so war es, ja? Ich wünsche mir. Genau so war es. Ich habe gedacht, es war zwar sehr erfolgreich, dieses Spiel mit dem Ich, dem Hallo Linz, ich freue mich, dass ihr alle da seid. Ja, also den Gutzenberger habe ich da drei Bände lang auf Abenteuer geschickt und das war auch sehr erfolgreich und hat irrsinnig Spaß gemacht, den Gutzenberger da bis ins Weiße Haus zu schicken, wo er dann dem Präsidenten Trump mit einer Giftspritze gegenübersteht und dann die Frage ist, sticht er zu oder nicht? Im Jogger-Main war das und er hat nicht zugestochen und bis jetzt kriege ich böse Leserbriefe, dass alles meine Schuld ist. Und dann habe ich mir gedacht, aber ich kann nicht mehr Leben lang über Kutzenberger schreiben, das ist dann doch irgendwie unoriginell und dann habe ich Kutzenberger halt umgebracht. Und dann hast du dir gedacht, jetzt stürze ich mich sozusagen voll in die Gegenwart und hast einen Briefroman geschrieben, ist ja hochmodern, der Briefroman, nicht wahr? Und da geht es um Hans Christian Andersen und das 19. Jahrhundert, also total marktkonform, total marktgängiger, zielt nur auf Absatz ab. Ein Briefroman, der im 19. Jahrhundert spielt und sich auch sprachlich irgendwie dem 19. Jahrhundert anpasst. Also leider, du hast schon recht, durch diese drei Romane habe ich schon irgendwie meine Unschuld verloren. Im Roman kommt es noch immer so rüber, dass ich wirklich ganz an die Kraft der Literatur glaube und das tue ich schon auch noch, aber gleichzeitig habe ich halt gemerkt, dass Bücher nicht nur Kunstwerke sind, sondern auch Ware sind. Und das habe ich in meiner ganzen Zeit als Leser eigentlich nie so gesehen. Als Leser habe ich nur die Magie der Literatur gespürt. Und nun als Autor bin ich draufgekommen, naja, aber für die Verlage ist das halt eine Ware. Und der Kunstgenuss und das Kunstwerk an sich ist halt ein Nebenprodukt eigentlich. Und so habe ich tatsächlich meine Unschuld verloren, aber Gott sei Dank nicht so weit, dass ich beim Schreiben daran denke. Also so weit mag ich nie sinken, weil dann macht Schreiben auch keinen Spaß mehr, weil man beim Schreiben an den Verkauf denkt. Ich glaube, dann wird es auch nicht funktionieren. Und dann wird es für mich auf jeden Fall nicht funktionieren. Eine Frage, also es geht um Hans Christian Andersen, ist einer der beiden, der die Briefe schreibt, die andere Person ist Henriette Wulff, genannt Jette. Hans Christian Andersen, es hätte ja auch Adalbert Stifter und seine Frau Amalia sein können, aber warum Hans Christian Andersen? Ja, wie Stoffe zu den Autoren kommen, kann man nicht sagen. Also in dem Fall, ich kann schon sagen, wie es zu mir kommen, aber wie das allgemein funktioniert. In dem Fall war es so, ich habe den Gutzenberger umgebracht und nachher dann aber eine mittlere Krise bekommen, weil ich plötzlich das Gefühl gehabt habe, das wird mir nie wieder was einfallen. Und ich dachte, man bringt nicht ungestraft einen Schriftsteller um. Und in der Zeit habe ich dann für das Leopold Museum eine Ausstellung kuratiert, eine sehr schöne, über Schriftsteller und Schriftsteller um. Und in der Zeit habe ich dann für das Leopold Museum eine Ausstellung kuratiert, eine sehr schöne, über Schriftsteller und Schriftstellerinnen-Porträts. Und da waren 600 Schriftsteller-Porträts, die sich gegenseitig angeschaut haben. Das war ein sehr schönes Netzwerk. Und einer dieser Schriftsteller war Hans Christian Andersen. Und bei der Recherche zu seiner Person habe ich gelernt, dass seine Freundin Henriette Wulf am 13. September 1858 an Bord der Austria war, die auf offenem Atlantik verbrannt ist. Und dann habe ich kurz recherchiert, was denn ist, ein Schiff mit dem Namen Austria, ist doch eigenartig. Und das war die größte Seekatastrophe des 19. Jahrhunderts mit fast 500 Toten, 80 Überlebenden und darunter eben auch die Freundin von Hans-Christin Andersen. Darf ich da inzwischen eine Frage stellen? Da komme ich mir jetzt dumm vor. Also ich habe noch nie von diesem Schiffsunglück gehört. Kannte das jemand, das Schiffsunglück der Austria? Ja, die allerwenigsten. Da hinten geht eine Hand. Na gut, da kann man sagen, das ist ein Prozent der Bevölkerung. Austria? Ja, die allerwenigsten. Da hinten geht eine Hand. Na gut, da kann man sagen, das ist ein Prozent. Oder? Aber genauso ist es. Von allen Leuten, mit denen ich geredet habe, war auch eine Person, die sich jetzt gekannt hat. War aber eben damals auch medial total präsent. Also bei meiner Recherche habe ich jetzt ins Archiv der New York Times gegriffen, die da ganz vehement darüber berichtet hat und im Habsburger Reich ohnehin, aber vor allem in Hamburg, weil es ein Hamburger Schiff war. Also es war damals in der gerade beginnenden Vernetzung der Welt, auch im beginnenden Schlagzeilenjournalismus, war es ein großes Thema. Und es ist der Angelpunkt dieser Geschichte eigentlich, die sinkende Austria. Wie ich gelesen habe, ein Schiff namens Austria ist untergegangen. In dem Moment habe ich gewusst, das wird mein nächster Roman werden. Und warum das eben so ist, das weiß man nicht. Und es war schwierig, weil es eben ein historisches Thema ist. Und ich habe sehr viel recherchiert, zu viel sogar. Also ich habe wirklich viel zu diesem Schiffsunglück, aber dann zu Hans Christian Andersen, zu seiner Freundin Henriette Wulf und ich habe dann so viel Ballast angesammelt, dass als ich dann zu schreiben begonnen habe und da war vielleicht der kleine Sündenfall, da habe ich gedacht, ich schreibe einen historischen Roman, das geht eigentlich ganz gut in den Buchhandlungen und dann beginne ich zum Schreiben, den historischen Roman und als ich dann die ersten Seiten durchgelesen habe, bin ich immer wieder eingeschlafen dabei. Ich habe das nicht lesen können. Das war dermaßen fad. Und dann habe ich gedacht, das kann man niemandem zumuten. Das geht einfach so nicht. So funktioniert meine Literatur nicht. Es war so klar, dass ich da viel gelernt habe und das, was ich gelernt habe, dann halt wiedergegeben habe. Aber das hat mit Literatur nichts zu tun gehabt. Vielleicht hören wir uns Literatur an. Und so geht Literatur. Meine Aufgabe war dann, so viel wie möglich wieder zu vergessen, über Bord zu werfen, schöne Metapher in dem Fall, und das Ganze schweben zu lassen. Fall, und das Ganze schweben zu lassen. Und es wird jetzt, wie du schon vorausgesagt hast, eine Art Briefroman, was aber eigentlich nicht geht, weil Henriette Wulf sich von einem brennenden Schiff auf eine Planke gerettet hat und jetzt auf dieser Planke treibt und nicht aufhören kann, an Hans Christian Andersen zu denken. Sie waren Zeit ihres Lebens Brieffreunde, haben sich über 500 Briefe sind erhalten und sie formuliert weiterhin im Geist ihre Gedanken an Hans Christian Andersen. Da bin ich nun, mein lieber Andersen, blicke um mich und weiß nicht, wer ich war. Ich kenne kein Wie, kein Warum, kein Wohin, nur eines bleibt beständig. Ich denke an sie. Das kann ich mir nicht abgewöhnen, nicht einmal hier am anderen Ende der Welt. Es ist dies freilich keine Unart, sondern einfach Teil meines Lebens. Nach all den Jahrzehnten, in denen wir uns hunderte und aberhunderte Briefe geschrieben haben, steht über allem, was ich erlebe, automatisch die Frage, wie würde ich das Andersen erzählen? Ja, wie würde ich Ihnen das nun also erzählen? Beginnen müsste ich mit dem Teil, den Sie ohnehin zur Genüge kennen, dass ich mit den sinnentleerten Gesprächen der bürgerlichen Salons nichts mehr anfangen konnte. Ich war gut darin, sagte die richtigen Sätze und wurde von den anderen verstanden, während ich selbst immer weniger wusste, wovon ich gerade sprach. Das kann doch nicht alles sein, sagte ich mir, verlangte nach mehr und bekam mehr. alles sein, sagte ich mir, verlangte nach mehr und bekam mehr. In der Tat, lieber Andersen, ich bekam in den letzten Tagen mehr Leidenschaft als andere in einem ganzen langweiligen dänischen Leben und in den letzten Stunden mehr Tod und Verderben als so mancher Soldat im Gemetzel an der Front. Aber auch das gehört wohl dazu, wenn man ein Mensch werden will. Natürlich frage ich mich jetzt, warum ich unbedingt auf diesen verwunschenen Dampfer hatte steigen müssen. Andererseits hatte ich keine Wahl, ertrug mein altes Leben schlicht nicht mehr. Diese narkotisierenden Kopenhagener Konventionen, deren Verlauf man im Voraus präzise aufzeichnen kann. diese aufzeichnen kann. Es ist, wie auf Reisen zu gehen und schon vor der Abfahrt jede Sehenswürdigkeit, jede Mahlzeit, jede Übernachtung fixiert zu haben. Und doch reisen die meisten genauso, auch wenn es schlichtweg falsch ist. Denn sowohl das wahre Reisen als auch das wahre Leben funktionieren so nicht, halten sich nämlich nie an unsere Pläne. Sobald man aufsteht und das Haus verlässt, nimmt das Leben den Lauf der Dinge selbst in die Hand. Man kann zwar planen und nochmals planen, doch das Dritte wird geschehen. Es kommt mir oft sogar so vor, dass es gerade so ist, dass genau das, was wir erträumen oder planen, von der Realität ausgeschlossen wird. Mir zumindest ist noch nie ein Traum in Erfüllung gegangen. Hätte ich doch nur die Katastrophe geträumt, wäre sie dann nie eingetreten? Aber diesen Horror hätte ich mir wohl niemals vorstellen können. Schauen Sie mich doch an oder lieber nicht. Zu beschämend wäre das für uns beide. Trotzdem wird mir nichts anderes übrig bleiben, als Ihnen zu berichten, was passiert ist. Ihnen zu berichten, was mich in diese schmachvolle Lage versetzt hat. In einen Zustand so peinlich, dass ich ihn unmöglich aussprechen kann. Im Angesicht der Katastrophe ist es natürlich gänzlich unbedeutet, doch von Ihrem Schreibtisch in Kopenhagen aus gesehen, wäre ich Anlass zum größten Skandal, selbst wenn es um weitaus Wichtigeres ginge, um das Überleben nämlich. Trotz allem mache ich mir Sorgen, was geschehen würde, sollte man mich retten. Ich kann eben nicht aus meiner Haut und bleibe das Fräulein jede aus dem feinen Haus Wulf. Welcher Hohn das doch ist. Entschuldigen Sie, Andersen. Wahrscheinlich verstehen Sie kein Wort meiner Gedanken, die ich so verwirrt an Sie richte. Es ist schon gut, dass ich Sie niemals zu Papier bringen werde. Womit beginne ich also? Wohl mit dem Beschämendsten. Ich mache es kurz, so wie man ein Haar ausreißt oder den Verband mit einem Ruck von der Wunde löst. Also nun sehen Sie, wie soll ich sagen, ich bin, ich kann es kaum aussprechen, überwinde mich, ist ja nur ein Satz. Ich fasse Mut, atme tief ein und gebe bekannt, ich bin nackt. Jetzt ist es heraus. Und Sie mögen sich lachend, errötend oder schockiert abwenden und hoffentlich nicht ausmalen, wie das aussehen mag, ihre kleine, unschuldige Jede, nackt. Bevor sie sich aber empören, muss ich das eigentlich Wichtigere berichten. Ich treibe auf einem Brett, genauer gesagt auf einer Tür, dem brennenden Schiff entrissen, wohl eine Tür aus dem Lagerraum, denn unsere Türen der ersten Klasse waren größer, mit reichen und schweren Ornamenten verziert, weil, ja, ich habe vergessen vorauszuschicken, unser Schiff ist in Brand geraten, mitten auf dem Atlantik, fünf Tagesreisen von New York entfernt. Ja, so hebt das Buch also an und jede treibt da an einem wunderschönen Spätsommertag, also es war praktisch Wind, ohne Wind, windfrei, wie sagt man? Windstill. Windstill, danke, windfrei kann man auch sagen. Windstill und die Sonne hat gescheint und sie ist auf ihrem Brett in der Sonne, nackt, hat das erste Mal im ganzen Leben, dass die Sonne ihre Haut berührt hat und irgendwie hat sie das fast wie einen Urlaub empfunden, im Wissen, aber es ist wahrscheinlich der letzte Nachmittag auf Erden. Wir haben jetzt kurz, Jukebox, ein Liedwunsch von dir Die nächste Szene ist nämlich ein Brief von Hans Christian Andersen der in Kopenhagen sitzt und ihr einen Brief nach dem anderen schreibt weil er schon immer grantiger wird warum hört er nichts von ihr, warum schreibt sie ihm nichts seine liebste Freundin, seine treueste Brieffreundin und kein Brief kommt von ihr aus Amerika. Und er schreibt sehr weinerlich immer mit sich selbst im Mittelpunkt an das nur ganz eigenartige, widersprüchliche Figur. Vielleicht werden wir nachher noch über ihn sprechen. Und einer seiner ersten Briefe an sie klingt folgendermaßen. An den ersten Briefe an Sie klingt folgendermaßen. Liebe amerikanische Schwester, ist es nicht ironisch, dass Sie, die Sie aus einer reichen und einflussreichen Familie stammen, glühende Demokratien sind und ich, der ich mich doch aus einfachsten Verhältnissen nach oben gearbeitet habe, lieber auf die Konstanz unseres Königshauses setze. Ich habe mir in den letzten Tagen darüber Gedanken gemacht, dass sie immer so tun, als wäre ihr Weg nach Amerika der einzig mögliche. Und vielleicht haben sie recht, vielleicht ist Amerika ja tatsächlich das Land der Freiheit und der Zukunft, auch wenn ich meine Bedenken habe. Warum ich der Demokratie skeptisch gegenüberstehe, hat vor allem ganz praktische Gründe. Seit vielen Jahren unterstützt mich unser König mit einem großzügigen Stipendium für Literatur. Gerade wurde es wieder erhöht. Der Beruf eines Schriftstellers ist von so großer Unsicherheit geprägt, dass ich dieses Stipendium nicht leichtfertig ausschlagen kann, denn vom Verkauf der Bücher allein kann kein Mensch leben. Stellen Sie sich nun aber eine Welt ohne unseren gültigen Monarchen vor. Da käme dann ein Politiker und würde dem Volk stolz verkünden, er spare viele Kronen an unnötiger Kulturförderung und setze das Geld lieber für die Schweinezucht ein. Glauben Sie nicht, dass das vielen Leuten gefallen könnte? Wozu muss der Staat schließlich Bücher oder Gemälde unterstützen, wenn das Volk ohnehin nie ein Buch liest oder die königlichen Kunstsammlungen besucht? Sehen Sie, worauf ich hinaus will? Es sind auf den ersten Blick egoistische Gründe, doch betrachtet man es genauer, geht es um mehr als mein königliches Stipendium. Es geht darum, dass Kunst und Kultur einer Gesellschaft etwas wert sein muss. Denn vergisst sie darauf, leben wir bald in einer Zeit, in der die Schweinehändler unser Leben bestimmen. Und nicht die kleinen Schweinezüchter, die genügsam ihr Dasein mit den Säuen teilen, sondern die skrupellosesten Schweinehändler werden den größten Einfluss haben. Sie werden so reich, dass sie die Politik mit Spenden überhäufen können, woraufhin Gesetze erlassen werden, die ihnen Vorteile verschaffen, wodurch ihr Reichtum noch weiter wächst. Die großen Schweinehändler werden die kleinen aufkaufen und irgendwann wird es nur noch einen einzigen Schweinehändler geben, der mächtiger ist als unser König Jevar. Die einzige Medizin gegen die Diktatur des Schweinehändlers wäre die Literatur. Doch die wird längst verschwunden sein, weil die Politik behauptet haben wird, dass der wahre Däne sich durch den Speck definiert und nicht durch das Buch. Und man wird den Politikern glauben, denn der größte Schweinehändler hat ja schließlich es auch geschafft und ist, ohne je ein Buch gelesen zu haben, zum reichsten Dänen geworden. Ach, liebe Jäde, Sie sehen schon, es ist nicht gut, wenn ich politisiere. Das liegt mir nicht. Aber Sie können mir nicht vorwerfen, dass ich nicht versucht habe, mir Ihre Argumente durch den Kopf gehen zu lassen. In den Märchen ergreife ich ohnehin fast immer Partei für die Armen. Ich glaube nur, dass unser gütiger König besser weiß, was gut für die Armen ist. Denn sie würden den Schweinehändler wählen. Und dieser würde mir mein Stipendium streichen. Und das können sie doch nicht wollen. Wie dem auch sei, genießen sie ihre Freiheit in Amerika, nach der sie so strebten. Ich sehe geradezu vor Augen, wie sie voller Tatendrang und Zukunftspläne durch die staubigen Straßen New Yorks ziehen. So, genug. Ich bleibe bei meinen Märchen, bei Zinnsoldaten und Meerjungfrauen. Die sind mir näher als Politik und Wirtschaft. Und im Grunde sagen sie ohnehin das aus, was ich hier verzweifelt ausdrücken wollte. Ihr brüderlicher Freund HC Andersen. Danke, Stefan. Ja, du hast recht, also die Stelle habe ich mir gewünscht. Das ist auch, glaube ich, die politischste Stelle wahrscheinlich des ganzen Buches. Und eine Frage auch gleich dann zur Person Hans Christian Andersen. Ich glaube, er hatte wirklich ein Stipendium. Im Buch stimmt, also wirklich alles stimmt in dem Buch. Alles stimmt. Es stimmt alles. Aber hat er das auch wirklich so gesehen? War das auch die Argumentation, die er irgendwo niedergeschrieben hat? Ja, er hat einem Schweinehändler gesagt, aber es geht ihm genau um diese Argumentation, dass der König hat die Pflicht, die Kunst zu unterstützen. Es ist ihm schon um sein eigenes Stipendium gegangen, aber er hat es dann verallgemeinert, weil eine Gesellschaft ohne Kultur die Gefahr hat, dass in einer Diktatur des Schweinehändlers endet. Also er hat es nicht ganz so spezifisch ausgedrückt, aber das war wirklich seine Argumentation. Und das muss man jetzt fragen, wie sieht Stefan Kutzenberger die Sache? Ja, natürlich hat er recht. Es ist ja klar, sonst wärt ihr ja nicht alle hier, das haben eh alle in Meinung. Eine Gesellschaft muss sich Kultur leisten, weil eine Gesellschaft ohne Kultur endet, wir sehen eh, wo es endet. Wir müssen nur beim Fenster rausschauen. Aber eine Gesellschaft kann sich auch im Konsens darauf verständigen, dass sie das fördert, oder? Oder willst du einen Monarchen? Nein, ein gütiger Monarch, der mir mein Stipendium gibt, hätte nichts dagegen. Aber es geht natürlich auch in der Demokratie, in der wir, also in Österreich haben wir wirklich das unglaubliche Glück, dass es noch, hoffentlich noch lange geht mit der Kulturförderung und dass es wirklich möglich ist, als Schriftsteller zu leben. Ich glaube, mein Leben würde wirklich nur in Österreich funktionieren, vielleicht in der Schweiz noch, aber das war es dann. Sind die Lebenshaltungskosten angeblich relativ hoch? Aber in der Schweiz kriegst du auch das königliche Stipendium in der Schweiz. Das ist ganz gut, ja. angeblich relativ hoch. Aber in der Schweiz kriegst du auch das Königstipendium in der Schweiz. Also ich habe einen Monat in der Schweiz, übrigens ist mir dort die Idee zum Briefrom angekommen. Und da habe ich 3.000 Euro im Monat bekommen. Und ich habe gedacht, jetzt bin ich reich und saniert für alle Zeiten. Und dann haben mir die Typen da gesagt, naja, wenn du nur beim Discounter einkaufst und immer selbst kochst und nie weggehst, dann könnte es sich ausgehen. Und es ist sich ausgegangen. Und dann habe ich zufügst, boah, ich hätte ein paar Mal weggehen können auch. Zurück zum Buch. Also wir haben die beiden Schreibenden kennengelernt, Hans-Christian Andersen und Henriette Wulf. Sie bezeichnen sich gegenseitig immer als Bruder und Schwester, brüderlich und schwesterlich. Und dabei ist es an einer Stelle, ich glaube, das darf man schon verraten, schon so, dass Hans-Christian Andersen mit seiner Halbschwester, glaube ich, im Bett liegt. Und das ist gar nicht so, wie man sich das vorstellt, zwischen Bruder und Schwester, sondern etwas heftiger. Von daher ist das gar nicht so harmlos, diese Bezeichnung Schwester in diesem Fall. Hans Christian Andersen, auch bei dir Sexualität ist ein großes Thema für beide, die hier schreiben. Und Hans Christian Andersen hat die These, dass er reinbleiben müsse. Also ich glaube, er interessiert sich für Männer und für Frauen, für beide Geschlechter, muss aber reinbleiben, damit er die große Kunst vollbringen kann. Also es ist natürlich ein geistesgeschichtlich immer wieder auftauchendes Motiv, aber im 21. Jahrhundert ja total skurril, oder? Also dass man sich da hineinversetzt als Autor. Wie ging es dir da? Anders als extrem verkrampfte Sexualität ist mir erstaunlich leicht gefallen zum Schreiben. Aber er hat tatsächlich diesen Pakt mit sich selbst gemacht. Er hat gesagt, er muss unschuldig bleiben, um mit den unschuldigen Augen eines Kindes auf die Welt zu schauen. Und nur dann wird es ihm gelingen, Literatur zu schaffen. Und er war sich sicher, wenn er seine Unschuld verliert, verliert er auch seine Gabe, Literatur zu schreiben. Und diesen Pakt mit sich selbst hat er durchgezogen. Und wir müssen davon ausgehen, dass er aus Jungfrau gestorben ist, obwohl er anscheinend eigentlich ein sehr sexueller Mensch war, weil er hat unglaublich gelitten. Also in seinen Tagebüchern windelt es nur so von Kreuzen, das ist, wenn er masturbiert hat, manchmal erfahrt man mehr, als man will, wenn man sich so intensiv mit einem Autor beschäftigt. Und er war ständig verliebt auch, also er war sehr schwärmerisch, er hat sich ständig an Leute verliebt und echt in Menschen, manchmal schwärmter für Männer, manchmal schwärmerisch, er hat sich ständig an Leute verliebt und echt in Menschen. Manchmal schwärmt er für Männer, manchmal schwärmt er für Frauen. Da hat er keinen Unterschied gemacht, weil es ja auch keinen Unterschied macht, weil er es nie eingelöst hat in Wirklichkeit. Aber er hat gerade in Österreich, in Wien, ein ganz schreckliches Erlebnis gehabt. Das kommt in seinen Tagebüchern vor und auch in seinen Romanen, wenn man das dann zusammen glaubt, war das ein Abend, wo er, er war in Hitzing beim Gründer des Musikvereins eingeladen. Der war mit einer Denin verheiratet und dort war er zum Abendessen eingeladen. Und er hat dann nachher gesagt, er findet schon selber den Weg zurück in die Stadt und geht dann in Hitzing so runter Richtung Schönbrunn, wo die Kutschen wieder in die Innenstadt fahren. Er kommt aber in eine Menschenmenge, weil Josef Strauß, na Johann, Johann Strauß gerade wo aufgespielt hat und diese Menschenmenge bringt ihn etwas weg und er findet seine Kutsche nicht und dann wird es ein bisschen verwirrt in seinem Tagebuch, aber im Endeffekt hat sich ein Mädchen bei ihm eingehängt, hat gesagt, geh mit mir mit. Und er hat dann gesagt, nein, aber doch. Und dann wird so ein labyrinthischer Weg durch Wien und im Endeffekt, er ist in einem Bordell gelandet. Und wollte dann dort flüchten, ist weggelaufen, aber blöderweise im Bett mit dem Mädchen gelandet. Und im Tagebuch steht dann nur, und mit der allergrößten Willenskraft habe ich das Allerschrecklichste verhindern können. Und in meinem Buch wird es dann genau beschrieben, was in dieser Nacht passiert ist. Und das müsst ihr selber lesen, weil die Erotik kann ich mir hier nicht antun. Aber was du uns verraten kannst, und zwar mit der zweiten Lesestelle, wäre die Titelgebung. Also das Buch heißt Die Liste der Lebenden. Ja, und ich bitte dich um die zweite Lesestelle. Genau, Die Liste der Lebenden. Er wartet auf seinen Freund Edward Collin, der in den Zeitungen immer dieses Schiffsunglück, von dem er nach zwei Wochen dann erfährt, verfolgt. Und dieser Collin bringt mir Neuigkeiten, wer denn dieses Schiffsunglück überlebt hat. Wo bleibt Collin nur? Es gibt Überlebende, Dutzende, hat er nach der letzten Zeitungslektüre behauptet, wollte mich trösten, mir Hoffnung spenden, doch ich untersagte ihm auch nur ein weiteres Wort darüber zu verlieren. Ich will es nicht wissen. Heute ist aber die Schonzeit vorbei. Colin wird mir die Liste bringen, gleich nach dem Frühstück. Ich muss mich fertig machen. Ist es eine Liste der Lebenden oder eine Liste der Toten, auf die ich warte? Macht es einen Unterschied? Bei der Liste der Toten würde ich hoffen, ihren Namen nicht zu sehen. Bei der Liste der Lebenden jedoch würde ich die Zeilen mit rasendem Herzen nach Henriette Wulf absuchen. Und damit ist es auch klar. Ich will die Liste der Lebenden. Dann kann ich mich auf ihren Namen freuen, mich freuen, die mir so lieben Wörter, Henriette und Wulf, darauf zu finden. Und wenn ich sie nicht gleich erblicke, kann ich mir vormachen, sie übersehen zu haben und wieder von vorne beginnen, so oft die Liste von oben bis unten studieren, bis ich ihren Namen lese. Die Liste der Toten wäre dagegen endgültig. Würde ich ihren Namen sehen, wäre es entschieden. Da würde ein zweites Lesen keine Hoffnung mehr bringen. All diese Gedanken sind aber ohnehin unbegründet. Sie sind sicher noch am Leben und fröhlich und unbekümmert in Amerika gelandet, haben mich im alten Europa zurückgelassenen schon längst vergessen. Untergegangen ist das Schiff, nicht sie. Alle behaupten, dass Schiffreisen heute so sicher geworden wären, nichts mehr mit den verzweifelten Überfahrten der unmotorisierten Zeit zu tun hätten, als damals noch oft mehr als die Hälfte der Flüchtlinge elendiglich verreckt ist, ohne dass jemand auch nur die Namen der Gestorbenen gewusst hätte. Das ist der Fortschritt. Heutzutage gibt es eine Liste und eine Schiffsschraube und einen Motor und deshalb einen Maschinenraum und deshalb einen Kessel und deshalb Feuer, weshalb die Austria verbrannt ist. Einen Moment, Einhalt bitte. Es klingelt an der Eingangstür. Das ist Colin und ich bin noch im Nachtgewand. Ich gehe zur Tür und weiß, wie lächerlich ich auf den Generalentscheidungsbeamten Edward Colin wirken muss, mit meinem langen weißen Nachthemd, unfrisierten Haar, die dünnen Beine nackt in den weichen Pantoffeln. Aber im Angesicht so großer Nachrichten ist keine Zeit für Etikette. Also öffne ich die Tür. Edward steht davor im schwarzen Anzug, darunter das gestärkte weiße Hemd, eine Schleife um den Hals. In den Händen hält er seinen Hut und eine Ledertasche, in welcher ohne Zweifel die Listen sind, die über Tod und Leben entscheiden. Er blickt mich an und ich spüre, dass er mich nach meinem Aufzug fragen möchte und dann doch innehält, weil auch er weiß, dass jetzt nicht der Zeitpunkt für erzieherische Vorträge ist. Immer will er mich dazu bringen, meine Fantastereien aufzugeben und mich an das behördenhaft arrogante Büro anzupassen, das sein Palais bei allem Reichtum ist. Und so sehr es mich auch seit Jahrzehnten stört, von meinem jüngeren Freund erzogen zu werden, so spiele ich doch mit. Schließlich kommt er aus einer der einflussreichsten Familien Dänemarks und ohne die Hilfe seines Vaters hätte ich nie die Lateinschule besuchen können und was wäre dann aus mir geworden? Im Angesicht des Todes ist freilich ohnehin alles anders. Edward schaut auf mich, wie ich im weißen Nachthemd vor ihm stehe in der öffnen Tür und er sagt nichts, schluckt seine Kritik hinunter, sieht mich nur ausdruckslos an. Ich spüre, dass hinter seiner so nüchternen Fassade eine große Aufregung herrscht, dass die Liste, die er in seiner Tasche mit sich trägt, ihn in einen inneren Aufruhr gebracht hat, auch wenn er das nie zugeben würde. Fast tut er mir leid, mein so störischer Freund, für den Selbstbeherrschung und mut mannes tugenden sind die er über alles stellt und nie wieder verstehen dass meine sentimentale schwärmerei viel mehr mut verlangt als das sture erfüllen seiner langweiligen pflichten ich will ihm einen schritt entgegen gehen in endlich in den arm nehmen in umarmen küssen wie ich es schon so oft in Briefen getan habe. Vielleicht kann auch das durch die Kraft des Geschriebenen Wirklichkeit werden. Doch ich tue nichts. Die Erziehung Collins hat gewirkt. Ich trete nicht im Nachthemd auf die Straße, sondern deute meinem Freund einzutreten. Als die Tür wieder geschlossen ist, mahnt er mich immer noch nicht ab, in so heruntergekommenen Aufzug vor ihn zu treten, Er hat also beide Listen. nicht, ob es die Liste der Lebenden oder die der Toten sein wird. Ich habe zwei Listen, sagt Colin, kommt mir zuvor. Er hat also beide Listen, die der Lebenden und die der Toten. Ich will die der Lebenden, sage ich. Die habe ich nicht, antwortet Colin. Ich habe nur die Passagierliste und die der Toten. Was tue ich mit der Passagierliste? Ich weiß doch, dass jeder an Bord war, sagte ich. Das schon, gibt Colin zu. Aber sie kennen auch andere Leute, die auf der Austria waren. Das kommt unerwartet. Ich kenne auch andere Menschen an Bord der Austria. Andere Menschen, von denen ich jetzt nicht weiß, ob sie noch leben oder schon gestorben sind. Edward öffnet die Tasche und kramt eine großformatige Zeitung heraus. Ich möchte sie nicht sehen, sage ich. Die Passagierliste? Keine Liste. Können Sie mir nicht einfach sagen, wen ich kenne? Natürlich, gerne, wie Sie wollen, sagt Colin. Und nun hat er sich wieder im Griff. Nichts verrät, dass er mit diesen armen Geschöpfen auf dem brennenden Schiff ebenso mitleidet wie ich. Und er sagt, es sind vier Personen. Alexander Friedländer, Theodore Eisfeld und Henriette Wulf. Er sagt, Henriette, nicht jede. Colin tut so, als wären sie gleichbedeutend mit den anderen. Außerdem waren das nur drei, jede, Alexander Friedländer und Theodore Eisfeld. An Friedländer habe ich doch erstaunlicherweise vor kurzem gedacht. Der jüdische Dozent, dem ich damals in Deutschland über meine ersten Tage in Kopenhagen und meine Zeit in der Judenschule erzählt habe. Theodore Eisfeld sagt mir dagegen nichts. Der Name kommt mir bekannt vor, das vielleicht schon, aber ich kenne ihn nicht. Oder doch, einmal bin ich ihm begegnet, das fällt mir wieder ein, in Paris. Sehr wohl, ich habe Zeit mit ihm verbracht, das stimmt, aber ihn deshalb als Bekannten zu bezeichnen, das ist übertrieben. Trotzdem würde mir sein Tod in den Flammen des Schiffes oder den Wogen des Ozeans natürlich genauso nahe gehen wie der von Alexander Friedländer. Große, leidenschaftliche Menschen, alle beide, wenngleich auch etwas anstrengend, missionarisch. Friedländer setzte sich für die Juden und die Demokratie ein, Eisfeld für die Musik. Ganz besessen war er, der Dirigent. Vage erinnere ich mich an einen unglaublich langweiligen Abend in Paris. Jede Friedländer und Eisfeld zähle ich auf. Das sind drei Namen. Ich kenne drei Leute an Bord der Austria, nicht vier. Colin schweigt und ich weiß, dass er etwas von mir verbirgt. Schließlich bin ich selbst ein Meister, wenn es darum geht, Geheimnisse von so zarter Natur zu wahren, dass man sie nicht einmal sich selbst anvertrauen darf. Drei Leute, das ist viel, nicht wahr? Wie viele Menschen waren an Bord, frage ich, um Colin zum Reden zu bringen. Die Liste der Passagiere und der Mannschaft umfasst 542 Namen, sagt er. Und ich kenne drei davon, wiederhole ich. Und jetzt rafft sich Colin auf und sagt es endlich abermals. Vier. Vier? Ja, vier. Und wer ist der Vierte? Die Vierte ist Fräulein Stierber, antwortet Colin und er rötet. Auch ich spüre, wie mir das Blut in den Kopf fährt. Fräulein Stierber. Das habe ich jetzt davon. Er wird den Brief vernichtet haben, so wie ich es ihm aufgetragen habe, aber den Namen hat er sich gemerkt. Nie haben wir darüber gesprochen, aber den Namen hat er sich gemerkt, über zwei Jahrzehnte lang, dieser Colin. Auch an sie habe ich damals einen Brief geschrieben, in dem ich über eine verwirrende und labyrinthische Nacht vor den Toren Schönbruns berichtete. Den Namen des Fräuleins habe ich erwähnt, bezweifle aber, dass sie sich noch seiner entsinnen. Zu oft habe ich sie mit ähnlichen Abenteuern belästigt. Stierber Fini aus Wien also. Und trotz allem muss ich jetzt schmunzeln. Was für ein Frauenzimmer. Fräulein Stierber aus Wien, sage ich. Ja, Fräulein J., Stierbergärtnerin aus Wien, so steht es auf der Passagierliste, stichelt Colin und ich meine eine kleine sadistische Freude in ihm zu fühlen, mich so quälen zu können. J. Stirber? Richtig, Fini hieß ja nicht Fini, sondern Josefine. Gärtnerin ist sie also geworden, die Kleine. Wie schön für sie. Hat sie überlebt, frage ich. Wollen Sie die Liste der Todesopfer haben? Ich fürchte, sie ist noch nicht vollständig. Sind es viele? Sehr viele, wahrscheinlich fast 500. So viele ertrage ich nicht. Ich werde Ihnen natürlich nicht alle Namen vorlesen, aber wollen Sie wissen, wer von Ihren vier Bekannten überlebt hat? Jede eine Bekannte? Sie sind doch keine Bekannte, sie sind mein Leben. Soll ich ihm das sagen? In den nächsten Augenblicken wird sich alles weisen, wie bang mir ist. Die vier haben überlebt, frage ich fast bewusstlos. Zwei davon. Das reicht mir. Mehr möchte ich nicht wissen, sage ich plötzlich bestimmt. Und bevor Colin reagieren kann, greife ich nach seiner Tasche, drücke sie ihm in die Hand und dränge ihn die Stufen hinunter zur Eingangstür. Danke, mein lieber Colin. Danke, dass Sie den Weg zu mir auf sich genommen haben. Und danke für die Liste. Mehr möchte ich nicht wissen. Möchte nicht wissen, wer von den vier das Unglück überlebt hat und wer nicht. Denn solange ich es nicht weiß, kann ich den Ausgang noch bestimmen. Verstehen Sie? Doch Colin versteht nicht. Verstehe ich doch selbst weiß, kann ich den Ausgang noch bestimmen. Verstehen Sie? Doch Colin versteht nicht. Verstehe ich doch selbst kaum, was ich meine. Aber ich spüre, dass es richtig ist. Solange ich nicht weiß, wer von den vier noch lebt, kann ich mitbestimmen, wie die Sache auf der anderen Seite der Welt ausgegangen ist. Sie sind blass. Wollen Sie sich setzen, fragt Colin. Und ich antworte, nein, nein, und schiebe ihn zur Tür hinaus. Danke für Ihren Besuch, sage ich. Und Colin schaut mich besorgt an, steckt die große Zeitung zurück in die Tasche, richtet sich den Hut und sagt schließlich, ich werde morgen noch einmal vorbeikommen. Dann schließe ich die Tür. Danke sehr. Danke. Ja, und Hans-Christian Andersen schaut wirklich nicht sofort nach, sondern zuerst macht er sechs Zeilen und schreibt die vier Namen, streicht zwei durch, alle Möglichkeiten, die es denn gäbe. Und was du jetzt zweimal erwähnt hast, ist eben dieser Glaube des Schriftstellers durch die Kraft des Geschriebenen, durch sein Talent, vielleicht die Wirklichkeit umschreiben zu können oder das, was passiert ist, verändern zu können. Das ist das Mindeste, was ich von der Literatur verlange. Das Mindeste, ja, freilich. Sonst brauchst du es ja gar nicht angehen, das Ganze. Aber insofern habe ich es interessant gefunden, als du auch schon in deinem letzten Roman, in Kilometer Null, da ging es um Ähnliches. Da brennt ja ein Krieg zwischen, also der sich aufgrund verschiedener literarischer Zugänge von Europäern und Südamerikanern, die Kraft der Literatur, du hast am Anfang darüber gesprochen, du bist etwas desillusioniert, wenn ich das zusammenfassen darf, wie groß ist sie, die Kraft der Literatur? Kann sie die Wirklichkeit denn noch verändern, Herr Putzenberger? Ja, kann sie. Kann sie. Kann sie wirklich? Nicht in dieser Form, ja. Nein, ich glaube schon, dass Literatur oder Kunst an sich, aber Literatur hat am deutlichsten, indem sie erzählend ist und die Welt beschreiben kann. Die Kunst hat die Fähigkeit, Stimmungen aufzufangen, wie mit Antennen. Und dadurch ist sie automatisch prophetisch. Ich glaube, Literatur kann gar nicht nicht prophetisch sein. Und mir ist ja mit meinen Romanen auch so gegangen. Ich schreibe einen Roman, in dem absurderweise Trump Präsident ist, was, wie ich ihn geschrieben habe, nicht einmal irgendwie, da war er gerade Präsidentschaftskandidat und jeder hat gewusst, die Hillary Clinton wird gewinnen. Und dann wird er tatsächlich Präsident. Ich schreibe über einen Krieg in Europa, was uns undenkbar war, so blöd sind wir nicht in Europa und dann kommt das Buch raus und eine Woche später bricht Krieg in der Ukraine aus. Ein positives Buch wäre gut, wenn du ein positives Buch schreibst. Andersen hat etwas sehr Positives gesagt. Genau in diesem Jahr, 1858, ist das erste Transatlantik- Kabel verlegt worden. Und im Sommer 1858 sind die ersten Worte telegrafiert worden zwischen Amerika und Europa. Nur hat das Kabel, das war also sehr bald und das Kabel war ihm nicht gut genug und ein paar Worte sind durchgekommen, dann ist es irgendwo gebrochen und hat nicht mehr funktioniert. Aber Andersson hat gesagt, er glaubt an diese Technik und er ist sich sicher, dass irgendwann einmal ein Telegraphenkabel die ganze Welt umrunden wird. Und er schreibt dann so schön und rührend, er sagt, in dem Moment, wo das Kabel die Welt umrundet hat, Und er schreibt dann so schön und rührend, er sagt, in dem Moment, wo das Kabel die Welt umrundet hat, wird es nie wieder Krieg geben. Weil er sagt, wenn die Menschen miteinander kommunizieren können, dann wird es keinen Krieg mehr geben. Und ich finde das so schön von der Idee, weil es ja logisch ist. Wenn wir Menschen miteinander reden können, dann gibt es auch keinen Krieg mehr. Und wir sind jetzt so vernetzt wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Jeder ist mit jedem Menschen auf der Welt in Sekundenschnelle erreichbar und noch nie hat es so viel sinnlose Auseinandersetzungen gegeben. Und die Antwort ist Literatur, hilft nichts. Also wir müssen zusammenhalten und wir müssen daran arbeiten, dass wir Kraft der Kunst entweder endlich Ordnung da draußen schaffen. Bitte drum. Jetzt könnten wir eigentlich einen Applaus und jetzt können wir heimgehen. Besser kann man dann nicht mehr einen Abend beschließen. Aufgrund der mangelnden Zeit müssen Sie selbst das Buch dann kaufen und herausfinden, wer überlebt hat und wer nicht und wie die Geschichte von Jette... Jede? Jede. Dänisch ist ein doppelter, harter Konsonant, wird weich ausgesprochen. Also genau. Jette wird dann Jede. Jede und Hans-Christian Andersen, wie das weitergeht. Und Andersen war sechsmal in Linz und das kommt im Buch auf. Ja, ja, da komme ich noch dazu. Denn ich möchte jetzt Erland Maria Freudenthal auch heraufbitten zu uns. Bitte, Erland. Wir haben nicht mehr allzu viel Zeit. Magst du in die Mitte? Magst du in die Mitte? Nein. Magst du in die Mitte? Nein, nein, nein. Man hört euch trotzdem. Auch wenn man flüstert. Wir haben nicht mehr allzu viel Zeit, aber ich habe es am Anfang angekündigt und ich möchte beide Herren einfach hier haben, weil es so viel gibt in den Büchern, was in beiden vorkommt. Also zum einen die Vermischung von historischen Fakten, jetzt über historische Personen, über Ereignisse und Fiktion. Das ist das eine. Man fragt sich beim Lesen immer, was stimmt, was stimmt nicht in beiden Büchern. Das ist das eine. Man fragt sich beim Lesen immer, was stimmt, was stimmt nicht in beiden Büchern. Das zweite wäre, es sind jeweils ein Mann und eine Frau. Alternierend wird erzählt im Briefroman, logisch, aber bei dir, Erland, das könnte ja auch ein ganz anderes Muster sein. Das dritte, schon oftmals erwähnt, Liebe und Sexualität spielen in beiden Büchern eine zentrale Rolle. Dann noch was, also das kann kein Zufall sein, also Märchen kommen in beiden Büchern vor. Natürlich logisch bei Hans Christian Andersen, aber bei Erland, bei dir kommen Märchen der Brüder Grimm vor, und zwar an sehr zentralen Stellen eigentlich. Linz, also jetzt wird, ich meine, es wird zwar aufgezeichnet, aber ich sage es trotzdem, also kein Hotspot der Weltliteratur, das muss man ganz ehrlich sagen. Aber Linz kommt in beiden Büchern vor. Und das letzte, das absolut skurrilste ist, in beiden Büchern haben Personen einen Blutsturz. Ich meine, das ist ja wirklich ein Zufall. Oder ist es kein Zufall? Habt ihr euch da hin und wieder mal ein WhatsApp geschickt und gesagt, du Blutsturz klingt gut. Telepathisch vielleicht, keine Ahnung. Wir haben zuerst irgendwas gehabt mit Inspiration und so. Wie kommt das zu einem? Also wer weiß, wo das herkommt. Im Äther, und da glaubt man es dann runter. Beide zur selben Zeit. Aber was ist das Interessante? Kommen wir zum ersten Punkt. Warum macht man das? Warum sie historisch verorten, Fakten nehmen und dann seine Geschichte reinbauen? Also warum nicht reine Fiktion oder warum nicht historischer Roman? Was sind eure Zugänge? Warum ist das spannend? Ja, es macht einfach Spaß. Es ist wirklich das reine Vergnügen, so ein bisschen eine Verwirrung zu stiften. Also so zu tun, als ob es wahr wäre, obwohl es erfunden ist. Oder im umgekehrten Fall natürlich auch, funktioniert das auch so. Und das macht, also mir macht das Freude, so ein bisschen typische Freude. Das machen ja beide, also beide Bücher suggerieren ja, alles ist wahr. Ja, in meinem Fall stimmt es. Ja, ja, aber weil er. Ja, in meinem Fall stimmt es. Weil er es jetzt schon wieder erwähnt. Jetzt muss ich kurz einen Satz vorlesen, nur einen Satz aus der Nachbemerkung des Autors. Also was stimmt nämlich für Stefan Gutzenberger, was bedeutet das? Alles in diesem Buch stimmt, gemeint ist eine literarische Wahrheit. Wunderbar, die literarische Wahrheit, aber die stimmt natürlich auch. Aber ist es bei dir auch so, dass du sagst, es macht einfach Freude, dass du einfach Freude gemacht hast, so rein montieren? Es hat Freude gemacht, aber ursprünglich hat es mich eben erdrückt. Diese Masse an Fakten hat meine Literatur erstickt und ich habe mich dann wieder freischaufeln müssen und lernen müssen, das wieder luftig zu gestalten. Aber im Endeffekt hat es große Freude gemacht, diese zwei zum Leben zu erwecken und sie sind für mich wirklich zum Leben erweckt. Und ich habe mich eben erstaunlich leicht in diese völlig verquere Sexualität von andersem rein leben können und auch jede als Frau, die auch bis zum Schluss Jungfrau war, nur habe ich ihr an Bord des Schiffes zehn schöne Tage noch gegeben, in denen sie sich eine Affäre mit dem Kapitän beginnt. Ein zweiter Punkt, über den man schon kurz reden muss, Märchen. Also es sind beides Bücher, die für Erwachsene geschrieben werden. Ich sage jetzt nicht, Erwachsene können keine Märchen lesen, das wäre ein Blödsinn. Aber bei dir kommen Märchen an zentralen Stellen vor und bei dir natürlich wird immer wieder auf Märchen rekurriert. Warum? Warum müssen Märchen so präsent sein? Naja, es sind eher so, die taugen immer so in den Traumsequenzen auf. Also wo sie verwirrt aufwacht, weil sie von einem Märcheninhalt geträumt hat und jetzt nicht weiß, was das zu bedeuten hat. Das darf ich aber jetzt natürlich nicht verraten, weil es wird am Schluss klar, dass die Verwirrung... Sie erinnern sich, alles hängt mit allem zusammen. Ja, genau. Und bei ihm ist es ähnlich. Er träumt auch manchmal so Dinge, die dann fast... Also aus einem Märchen in dem Fall ist es, glaube ich, der kluge Knecht, der immer wieder vorkommt und wo sich dann so quasi sein Schicksal auch ein bisschen erfüllt. Das hat auch ein bisschen mitüllt das ist auch hat auch was bisschen mit vorhanden zu tun um solche zentrale punkte bei dir werden sie auch immer bei mir liegt liegt auf der hand beantworsten aber die historische jede war vorbild für träume lindchen für das märchen märchen däumlichen und träume lindchen wird auf einen seerosenblatt ausgesetzt und ist ganz verzweifelt dass sie da da treibt und rundherum nur Wasser isst. Also hier ist auch wieder was, wo die Literatur etwas vorweggenommen hat, im historischen Sinn. Das hat Anderson auch gewusst, dass sein Däumelinchen es tatsächlich am großen Teich im Wasser treibt. wasser treibt und bei der mehrjungfrau bei der seejungfrau bei dem märchen geht es um einen schiff untergang und auch ein schiff bruch das das schiff geht unter und und er beschreibt diesen schiffbruch ganz deutlich und eine ganz frühen in einer seiner ersten erzählungen setzte ein schiff im brand also es ist ganz zentral dass in seinen schriftstellerischen Werken, in seinen Werken ständig Schiffbruch und Schiffe, die brennen, vorkommen. Und deshalb kommt er selbst auf die Idee, war es ich, der dieses Unglück herbeigeschrieben hat. Also er glaubt dann auch an diese Kraft der Literatur, die Wirklichkeit vorwegnehmen zu können. Wirklichkeit vorwegnehmen zu können. Es gibt, jetzt nur an dich, es gibt den Briefwechsel zwischen den beiden, den gibt es wirklich in drei Bänden, schreibst du hinten, also 1500 Seiten, das hast du durchgearbeitet. Hast du dich da orientiert, um diese Sprache auch zu finden, die ja sehr dem 19. Jahrhundert... Genau, das war auf Dänisch alles, aber anders habe ich auch zu finden, die er sehr dem 19. Jahrhundert... Genau, das war auf Dänisch alles, aber Andersen habe ich vor der Sprache eher ins 19. Jahrhundert gegeben, weil bei Andersen habe ich viel zusammen geglaubt, da sind viele Originalzitate versteckt, weil er eh alles schon gesagt hat irgendwo. Also Andersens Sprache ist altmodischer, weil er auch ein altmodischerer Mensch war. Jeder ist ein unglaublich moderner Mensch gewesen, ist eben nach Amerika ausgewandert, um dort für den Sozialismus zu kämpfen, für die Rechte der Frauen zu kämpfen, gegen die Sklaverei zu kämpfen. Sie war eine ganz engagierte, politisch denkende, moderne Frau und darum hat sie auch eine modernere Sprache. Also so grenzen sie sich ein bisschen ab. Und zu guter Letzt, eine Frage, Erland. Du hast mir vorhin erzählt, du hattest den ganzen Roman, Entschuldigung, diese Erzählung im Präteritum verfasst. Das ist ein Roman. Und hast alles ins Präsens umgeschrieben. Warum? Ich habe was? Du hattest alles im Präteritum verfasst in der Mitvergangenheit und hast alles dann in die Gegenwartsform umgeschrieben. Ja. Um mehr, um was damit zu erreichen? Das ist nur auffälliger. Es ist eine kuriose Geschichte eigentlich. Ich habe ein bisschen am Ende, als das Manuskript fertig war, war ich nicht sehr zufrieden. Ich habe mir gedacht, ich bin zu wenig bei den Figuren, ich bin zu wenig nahe den Figuren. Obwohl ich es ja darauf angelegt habe, zu behaupten, es würde sich um eine Biografie handeln, in Wirklichkeit ist es natürlich keine, aber der Anschein sollte sein, trotzdem waren mir die Figuren ein bisschen zu weit weg. Irgendwas hat nicht gepasst und ich war unzufrieden. Dann habe ich ein Buch von dem Nobelpreisträger, dem südafrikanischen John Coetzee gelesen, der Pole heißt es. Sehr zu empfehlen übrigens. Kein dicker Roman, nur eine Erzählung. Und eigenartigerweise erst nach 20, 30 Seiten bin ich draufgekommen, warum mir die Figuren so präsent sind. Weil er geschrieben hat in der Ich-Form in der Gegenwart, obwohl das Beschriebene in der Vergangenheit spielt. Und plötzlich hat es Klick gemacht bei mir, weil ich mir gedacht habe, jetzt bin ich ja im Augenblick dabei, bin der unsichtbare Beobachter und kann mir sogar Gedanken machen, was der Protagonist sich gerade denkt, zum Beispiel. Weil er runzelt die Stirn, was wird er sich wohl denken? Und dann habe ich eine Theorie dazu und so. Also ich bin so quasi ständig dabei. Näher rangekommen auch. Ständig bei den Figuren dabei und bin quasi der unsichtbare Beobachter. Genau so habe ich es genannt. Und dann habe ich mir gedacht, dann habe ich das ganze Manuskript von den 260 Seiten nochmal durchgearbeitet und die Vergangenheit in die Gegenwart übertragen und natürlich viele Fehler gemacht. Und plötzlich hat es funktioniert. Es gibt noch eine Gemeinsamkeit, und zwar das Schicksal der Frauenfiguren ist in beiden Fällen eigentlich ähnlich, kann man sagen. Das verraten wir aber natürlich nicht, denn hinten gibt es einen Büchertisch, bereitgestellt von der Buchhandlung Neugebauer. Und wenn Sie, das ist nicht schwer, das kann man wirklich leicht mit nach Hause nehmen heute, die beiden Autoren signieren auch gerne. Ich danke beiden sehr herzlich für die Lesungen und für die guten Gespräche und würde mich freuen, wenn Sie uns wieder beehren. Nach Ostern am 9.4. geht es bei uns weiter. Vielen Dank.