Wenn es nicht fort muss, so bleib, so lautet eine Zeile der oberösterreichischen Landeshymne. Eine neu erschienene Anthologie trägt auch diesen Titel, allerdings mit einem Fragezeichen. 32 Autorinnen machen sich auf unterschiedliche Art und Weise ihre Gedanken zu Herkunft und Identität, zu äußerer und innerer Heimat. Silvana Steinbacher begrüßt Sie herzlich bei Literatur im Dorf. Ich möchte heute mit der Herausgeberin dieses Buches, Christa Brammeshuber und einer der Autorinnen, Marlene Schachinger-Pusseol, sprechen. Herzlich willkommen, schön, dass ihr da seid. Bevor wir vielleicht überhaupt über dieses Buch sprechen, was bedeutet denn für Sie dieser Begriff Heimat, der ja ganz auf unterschiedliche Art und Weise manchmal auch politisch nicht so ganz eigenartig, also manchmal politisch eigenartig auch verwendet wird? Also für mich gibt es mehrere Heimaten. Es gibt nicht nur eine, sondern mehrere. Und grundsätzlich denke ich, es sind Orte, wo man Leute hat, die man schätzt, die einen schätzen, wo man sich geborgen fühlt. Und es können durchaus mehrere Heimaten existieren. Und natürlich ist die Gegend, aus der man kommt, vielleicht die, die am gefestigsten in einem sitzt und die einfach von Anfang an da war. Aber es können neue Heimaten dazukommen. Und für Sie? von Andava, aber es können neue Heimaten dazukommen. Und für Sie? Ich würde das unterschreiben, ich würde sagen Heimat, das sind die Menschen, die mir nahestehen. Hat vielleicht auch damit zu tun, weil ich einfach immer sehr viel unterwegs war und an vielen Orten gelebt habe. Aber ich glaube schon, dass ich bin im In-Viertel ja geboren und diese Landschaft dort, die löst etwas anderes in mir aus als andere Landstriche. Etwas Ebenes oder etwas sehr Gebirgiges. Das finde ich auch schön, aber es ist nicht, es macht nicht das gleiche Echo wie so eine Hügellandschaft und Seen und Moore. Das war das bei Braunau, gell? Genau, genau. Das ist etwas ganz anderes. Da fühlt man sich irgendwie vertrauter. Das Das war das über Braunau, gell? Wie ist es denn zur Idee dieses Buches gekommen? Also gerade wenn es nur Frauen sind, die schreiben, hätte man haben. Es ging einmal um die Großeltern und schon das Großeltern-Thema war auch ein Zurückdenken an die Heimat. Und ich war im Jahr 2024 eine Woche Turm-Eremitin und bin da oben gestanden in diesem Turmzimmer und habe auf meine Kindheit, auf meine Schulzeit, auf mein Leben hinuntergeschaut und habe mir gedacht, ja, was waren eigentlich die Anfänge, was hast du mitgenommen? Und da ist so diese Idee langsam geboren. Auch deswegen, denn im Turmzimmer sind die ganzen Notizen der anderen Turmeremiten. Ich war Nummer 319. Und viele haben darüber nachgedacht, wo gehöre ich hin, woher komme ich, will ich so weitermachen, will ich weggehen? Und das hat mich dann sehr nachdenklich gestimmt. Und dann, das war eigentlich ganz interessant, weil ich mir dachte, was für einen Titel suchen wir? Und als Oberösterreicherin, die schon so lange im Ausland lebt, habe ich mir gedacht, war eben, wenn es nicht fort muss, so bleibe. Und dann habe ich mir gedacht, mit dem kann man was anfangen. Da ist was da, vor allen Dingen mit einem Fragezeichen. Das Fragezeichen ist in dem Fall ja schon wichtig, weil sonst erwartet man vielleicht, dass da auch Dialektrichtung ist. Genau. Ja, das kann ich mir vorstellen. Und wie ist es denn dann zu dieser Auswahl der Autorinnen gekommen und wann sind denn Sie dazu gestoßen, sagen wir mal so? Ich war die Letzte. Das war sehr, sehr lustig eigentlich, weil ich hatte eine Lesung in Wien und in einer Buchhandlung Ordner. Und Christa war im Publikum. Wir kannten einander damals noch überhaupt nicht. Ich las. Und nach der Lesung kam Christa auf mich zu und sagte, du, hast du nicht Interesse? Mir hat das so gut gefallen. Ich hätte dich gerne mit dabei bei der Anthologie. Und ich sage, ja, also rein grundsätzlich, ja. Ich bin Österreicherin, ja. Spannendes Thema, finde ich interessant. Wann ist denn die Abgabe? Und sie sagt zu mir, heute. Also ich konnte dann noch 14 Tage Schonfrist heraushandeln, aber das war irgendwie eine ganz, ganz witzige Geschichte. Es war so ein Sympathie-Moment, da habe ich mir gedacht, ist die toll, die möchte ich auch dann dabei haben. Und ich meine, du hast dann auch wirklich sehr schnell reagiert. Das war überhaupt, glaube ich, so ein Thema. Viele haben gesagt, da fällt mir jetzt gar nicht so viel ein. Aber je mehr man nachgedacht hat, auf einmal ist da ganz viel nach oben gekommen. Also das heißt, von Ihnen war nicht so die Vorgabe von Anfang an, das müssen jetzt 32 Seiten überdicht. Überhaupt nicht, überhaupt nicht. Es war ganz offen. Also man sagt, zumindest war das in der Schweiz bei den Anthologien, bei denen ich mitgemacht habe und herausgegeben habe, man sagt so zwischen 25 und 35 ist ideal. Und ich habe mir gedacht, 30 wäre gut. Dann ist die Marlene eben noch dazugekommen. Und ich finde 32 ist sehr schön. Das ist perfekt. Gab es da so etwas wie ein Kriterium, wie die Thematik sein sollte? Man hat den Eindruck, das finde ich sehr schön, es ist sehr breit gestreut thematisch. Es hätte ja sein können, dass sich die Themen wiederholen. Ja, also ich hatte mehrere Ideen. Ich wollte rein vom Alter her eine bunte Bandbreite haben. Unsere jüngste Autorin ist 20 und die älteste 80. Und das finde ich wunderschön. Und wir haben dann alles so dazwischen. Und das spürt man auch im Text. Man spürt manchmal sehr viel Lebenserfahrung und Reife dabei. Und manchmal die Spontanität der ganz Jungen. Also das war mir wichtig. Und ich wollte auch Stadt, Land, ich wollte verschiedene Regionen von Oberösterreich, wobei das hat sich fast auf natürliche Art und Weise ergeben. Alles, was gekommen ist, hat so gut zusammengepasst, wie ein Mosaik, wirklich unglaublich und ich hatte zuerst Verena Adoloway gefragt, weil ich sie kannte, wir haben zusammen verschiedene Dinge gemacht und nachdem sie gleich dabei war, war es auch einfacher, die anderen anzusprechen, weil sie doch relativ bekannt ist. Und das, glaube ich, war gut. den Schriftstellerverband und Autorenvereinigung immer Namen bekommen von Oberösterreicherinnen. Es musste ein Bezug zu Oberösterreich sein. Und das hat dann schon sehr geholfen. Also Sie haben die angesprochen? Ich habe die angesprochen, ja. Ich habe die Lyrikerinnen ausgenommen und Kinderbuchautorinnen eigentlich auch ausgenommen. Und so hat sich das wirklich auf ganz natürliche Art und Weise ergeben. Also Kinderbuchautorinnen, bis auf die Gabi Chrislen, hat die ja sehr viel. Ja gut, aber sie schreibt auch anderes. Sie schreibt auch anderes, ja. Und Sie haben es ja ganz schnell liefern müssen. Wie haben Sie sich denn da genähert oder gab es den Text schon? Es gab den Text nicht. Aber es gab eigentlich noch, während wir da in dieser Buchhandlung standen, so eine grundsätzliche Idee von einem Zurückkommen an diesen Ort, von dem man eigentlich aufgebrochen ist ins Leben. Und dann war eigentlich der Text innerhalb von wenigen Tagen im Kopf und ging dann auch sehr, sehr schnell aufs Papier. Also das, soweit ich mich erinnern kann, ist das ja eine Protagonistin, die sich erinnert, dass sie bei einem großen Industriellen gearbeitet hat. Aber vielleicht möchten Sie ein Stück lesen daraus. Kann man gerne machen. Heißt die Geschichte? Was wir erben. Was wir erben. Ich beginne nicht ganz am Anfang, weil ich glaube, das passt ganz gut, wenn wir da hineinspringen. Mühsam hiefe ich meinen Koffer über die Bodenschwellen in den Laden. Dort empfangen mich Spiegel über Spiegel. Werfe mir mein Ich tausendfach zurück, unausweichlich, sehe mich darin und erkenne mich doch nicht, schiebe eine Haarsträhne hinter das Ohr, finde nur mich zu grau, zu müde, lächle und weiß um meine Nase, die offenbar täglich größer wird. und weiß um meine Nase, die offenbar täglich größer wird. Das rechte Auge drückt, da hilft kein Ausstreifen, heute nicht. Eine verlorene Wimper auf meiner Wange, sie lässt die Fingerkuppe vorsichtig agieren. Schon puste ich einen Wunsch in die Welt. Im anerkennenden Spiegeln möchte ich einen würdigen Umgang mit mir pflegen, damit ich meiner selbst bewusst diese zweite Hälfte eines Lebens achtsam gestalten kann. Geniales Anliegen, wenn gewohntes eine fremde Sprache daraus macht. Wann werde ich diese endlich lernen? Spät, sagt meine Ungeduld. Wenigstens behauptet sie heute nicht. Zu spät sagt meine ungeduld wenigstens behauptet sie heute nicht zu spät ja ich lerne lerne langsam doch stetig lerne oft mit unzähligen rückschritten verbunden lerne zu sein wie ich als mensch sein und leben will weil ich nur langeweile für diejenigen empfinden kann die ewig und einen tag darüber jammern was ihnen einst wieder fuhr, und dennoch behaupten, sie seien seit Jahrzehnten erwachsen, verharren trotzdem im Kind. Wozu? Das habe ich noch nie verstanden. Ich wollte meine Kindheit bereits als Kind hinter mir lassen, um so bald wie irgend vernünftig fortzugehen, hinaus in die Welt, wollte in ihre Versprechungen von Wissen und Fülle eintauchen. Die Erinnerung an dieses unerschrocken abenteuerlustige Ich, das für sich selbst niemals das Adjektiv mutig gewählt hätte, bringt mich zum Lächeln. Stille Trauer bleibt dennoch im Blick. Darin ändert sich auch nichts, weil es mir nun über die Schulter schaut, dieses Ich, das ich einst war. Nennen wir es Elisa. Verträumt und dennoch mit unwendiger Neugier gesegnet ist sie, konnte von jeder aus allen Geschichten kreieren, um in ihnen zu überleben. Vieles, viel zu vieles vielleicht. Werkte aus Beängstigendem einen Antagonisten, der in seine Schranken verwiesen wurde, schuf ihm Erzählen aus Unbekannten Vertrautes und aus den unzähligen Zurück- und Zurechtweisungen eines Lebens einen Reichtum an Situationen. Begab sich darüber hinaus in jeder Minute, die mit Warten überschrieben war, in ihr erzähltes Leben, sodass Langeweile stets ein Fremdwort blieb. Ja, danke. Jetzt ist es Heimat. Das habe ich mir auch einige Male gedacht bei dieser Anthologie. Heimat ist ja nicht so unbedingt nur ein weibliches Thema und wird von jedem jeder in irgendeiner anderen Weise individuell gedacht. Wie haben Sie sich denn, also warum haben Sie sich denn eigentlich nur für Autorinnen interessiert? Also ausschließlich, sondern so ausschließlich für Autorinnen? Ich glaube, weil vielleicht aufgrund der Tatsache, dass ich viel im Ausland gelebt habe und nach wie vor dort lebe, ich habe mich oft mit anderen ausgetauscht. Das waren meistens Kolleginnen vom Büro und Freundinnen. Meine Schwester lebt in Italien. Irgendwie war das ein Thema, das ich hauptsächlich mit Frauen besprochen habe. Irgendwie war das mein erster Ged ich hauptsächlich mit Frauen besprochen habe. Und irgendwie war das mein erster Gedanke. Ich möchte gerne wissen, was die Oberösterreicherinnen dazu sagen. Das Interessante ist, es haben mich viele gefragt, wieso hast du eigentlich nur Frauen genommen? Und ich habe gesagt, na ja, vielleicht ist der nächste Band nur Männern gewidmet. Das weiß ich noch nicht. Aber ich wollte vielleicht, weil ich mich am besten damit identifizieren konnte als Frau, ich wollte wissen, wie es anderen dabei gegangen, wegzugehen oder zu überlegen, soll ich weggehen? Also gewundert hat mich ein wenig, dass dieser Begriff Heimat, den ich ja zu Beginn schon angesprochen habe, der ja auch, ich meine zum einen diese Wir-sind-mir-Mentalität, die vor allen Dingen Minderheiten ausschließt und dann wird dieser Begriff Heimat ja auch von rechtspopulistischen Parteien sehr vereinnahmt, dass eigentlich sehr wenig bis gar keine politischen Inhalte kamen. Hat Sie das auch oder hat Sie das beide auch erstaunt? Es hat mich insofern sehr erstaunt, denn wir haben immer miteinander korrespondiert, wir 32. Es haben einige gesagt, ist das wirklich der richtige Titel? Wir haben das zuerst als Arbeitstitel verwendet. Und manche haben gesagt, nein, das ist ein heißes Thema. Es könnte dann politisch irgendwie abdriften. Aber irgendwie ist es langsam herangereift und auch da wieder auf natürliche Art und Weise ist es nie politisch irgendwie angeklungen. politisch irgendwie angeklungen. Eignartig. Aber ich glaube, weil jeder sehr persönlich erzählt hat und weil jeder zurückgegangen ist. Ich glaube, es ist dieses persönliche Schauen, wie war es früher, wo komme ich her, warum bin ich weg oder warum bin ich eben nicht weg. Das war eher eine persönliche Geschichte. Waren Sie auch erstaunt, Frau Schachinger-Busseul? Ich würde das nicht so ganz unterschreiben. Ich glaube, dass zwischen den Zeilen durchaus immer wieder politische Themen anglingen. In meiner Erzählung ist es zum einen eben diese gesellschaftliche Schere, auch das Stadt-Land-Thema. gesellschaftliche Schere, auch das Stadt-Land-Thema. Es ist die Frage quasi, wie wird man auch vereinnahmt von etwas, das sich im herkömmlichen Duktus Heimat nennt, auch politisch vereinnahmt. Wie kann man sich dem entziehen, wenn man das nicht möchte? Also ich glaube schon, dass es, es kommt nicht plakativ, aber das ist vielleicht auch ein großer Wert. Durch die Zeilen bei einigen kommt es doch durch. Einige gehen doch zurück, auch in die Großelterngeneration ist mir aufgefallen, wo vor allen Dingen eben auch nicht, so wie bei Ihnen und Ihrer Schwester, dieses Freiwillige, die Heimat verlassen sozusagen oder die Herkunft, sondern sie mussten fliehen. Großmutter, der Großvater, auch viele am Land, die sind einfach in einer Großfamilie auch aufgewachsen oder die Großeltern waren nahe und so. Und da kommt natürlich schon das Kriegsthema immer wieder in den Vordergrund oder das Vertriebensein und so weiter. Es war schon eigentlich, man sieht, das ist die österreichische Geschichte. Die Großeltern haben eine große Rolle gespielt, auf positive und auch auf nicht so positive Art und Weise. Ja, und sie wirken ja auch noch in uns nach. Absolut. Was mir auch, also so diese, wie soll ich sagen, also wenn ich jetzt bei dem Weggehen wieder anknüpfe, also mir ist aufgefallen, also so als wirklich positiven Aspekt, es ist ja doch einigen, wenn man es jetzt biografisch betrachtet, dass doch auch, also mir ist vorgekommen, es sind viele biografische Texte auch hier, dass es einigen gelungen ist, wegzugehen. Also diese Sehnsucht, die in ihnen steckt, auch zu stillen, auch wenn sie dann wieder gekommen sind. Und das war ja auch in den Generationen vor uns eigentlich kaum möglich. Da blieb ja dann diese Sehnsucht. Absolut. Es sind eigentlich erstaunlich viele weggegangen oder auch wieder zurückgekommen und in einer Geschichte fragt zum Beispiel die Tochter ihrer Mutter, warum bist du nie weggegangen? Und das hat mich sehr berührt, weil da sieht man diesen Generationenunterschied. Ja, es war ja auch schwierig. Ich kann mich erinnern, meine Mutter ist mit im Jahr 48 oder so, ist sie zwei Jahre nach London und zwei Jahre nach Italien. Das war überhaupt nicht Usus eigentlich. Sie hat es einfach durchgesetzt. Um auch noch so bei diesem Begriff zu bleiben, das ist auch in einigen Geschichten so, dass das ja auch nicht unbedingt ortsgebunden sein muss. Also ich weiß noch, wir sind sehr, sehr oft umgezogen und ich konnte nie so irgendwo örtlich andocken, aber es gab immer sowas, das haben Sie ja schon angesprochen, mit Geborgenheit. Es gab immer ein, also Samstag, egal wo wir waren, gab es Spaghetti-Essen mit Freunden. Und das war für mich so eigentlich Geborgenheit. Da habe ich mich wohl gefühlt. Und das denke ich eigentlich, wenn ich jetzt an Heimat denke. Das ist ja auch so ein Aspekt, also diese Geborgenheit. Absolut. Und in den Geschichten, also ich habe so versucht herauszufinden, wie wird Heimat definiert? Es kann auch ein Geruch sein. Es kann eine Landschaft sein. Es kann eine Person sein. Es kann eine Musik sein. Heimat kann ganz, ganz viel sein. Und das, was man mitnehmen kann, das nimmt man dann eben mit. Und das können Spaghetti oder Apfelstöre sein. Einmal ist es ein Kaffeehaus. Genau. mit und das können Spaghetti oder Apfelstöre sein. Einmal ist es ein Kaffeehaus. Genau. Ganz genau. Und eine schöne Geschichte kann ich mir noch erinnern, ist auch, also ich habe es jetzt nicht alle mehr in Erinnerung, aber von Elisabeth Ratenböck, die einfach einen Waldspaziergang beschreibt. Wunderschön. Der glaubt, man ist mit Stifte irgendwo unterwegs. Ja, aber es wird aber glaube ich auch gar nicht beschrieben, welcher Wald. Also es ist eigentlich, sie beobachtet da diesen. Ja. Und wie haben Sie es, weil Sie gesagt haben, Sie haben viel auch im Ausland gelebt. Wie haben Sie es, war da sowas wie was Fehlendes oder doch nicht? Also ich würde sagen, zu Beginn in den ersten Wochen, Monaten, nein, da fehlte mir gar nichts. Da war eigentlich dieses Abenteuer. Ich bin auch eine sehr neugierige Person, eine sehr abenteuerlustige. Und da war eher dieser Aufbruch in etwas ganz anderes und das Kennenlernen und Erkunden und Erforschen. Ich habe es dann aber schon immer wieder auch empfunden, dass es dann so einen Einbruch gab, wo einem das Vertraute ein bisschen fehlt. Also das Vertraute in den Menschen, dass es auch keine Personen an diesen Orten ja gibt oder man sich die erst sehr mühsam etablieren muss, wo man einfach anrufen kann und sagen kann, du, mir fällt gerade die Decke am Kopf, mach mal was. Oder treffen wir einander auf einen Kaffee irgendwo oder was auch immer es dann sein mag. Und was ich schon mich sehr gut erinnere, ist gerade zum Beispiel in diesen früheren Jahren in Frankreich. Man sitzt dann irgendwo und arbeitet eigentlich in einem Café und es kommt jemand rein, er setzt sich irgendwie oder sie setzt sich an den Nachbartisch. Man fängt an so zu hören und man hört, Moment, das ist österreichisch. Das ist österreichisches Deutsch, ganz eindeutig. Das ist nicht deutsches Deutsch, auch nicht Schweizerdeutsch. Welche Region? Ah ja, das kann Oberösterreich werden. Das kann Oberösterreich werden. Also man hat dann so eine Nähe. Eigentlich für mich geht es sehr, sehr stark schon über die Sprache. Das muss ich ganz, ganz ehrlich sagen. Das ist dann auch wirklich manchmal so, dass ich dann so, wo seid ihr denn her? Ja, ja. Das kann ich nur unterzeichnen. Wirklich, mir geht es genau gleich. Das ist was sehr, sehr Schönes. Und das ist sofort, das ist sofort da. Da regt sich was. Kann ich 100 Prozent. Oder auch, ich meine, ich spreche sonst eigentlich Hochdeutsch. Aber wenn ich mit bestimmten Menschen aus meiner Kindheit telefoniere, mir fällt das gar nicht auf, dann ist das breites Oberösterreichisch. Das kippt sofort wieder hinein. Und das fühlt sich auch nicht irgendwie jetzt fremd an. Also auch das Hochdeutsche fühlt sich für mich gar nicht fremd an. Das sind zwei Sprachvarianten, die gleichberechtigt nebeneinander existieren. Und die eine ist halt eher die, weiß ich nicht, emotionale Kindersprache, würde ich jetzt mal sagen, die auch so am Großvater verankert ist. Und die andere ist halt die Alltagssprache für mich. Sie waren ja vor kurzem eigentlich auch bei einer Sendung hier. Einiges wissen wir ja, aber Sie sind in Braunau geboren und Landschaften in Schalen war, glaube ich, das letzte Buch und Sie haben auch einen eigenen Verlag. Ich habe mir dann gedacht, hätte ja auch in diesem Verlag erscheinen können, das Buch. Gab es da diese, es war ja schon sozusagen, da waren wir schon mit im Trennen. Da war ich die Letzte, war ich die Letzte. Na natürlich, da war der Verlag auch schon sozusagen fix und so. Und ich muss ganz ehrlich sagen, also Regina Jaschke, die das Lektorat gemacht hat beim Trauner Verlag, es war ganz, ganz wunderbar, mit ihr zu arbeiten. Es war großartig. Die Fahnen kamen zu den vereinbarten Zeiten. Es gab immer eine Kommunikation. Es gab immer so ein Ja, ich werde das jetzt schicken, irgendwie so nächste Woche in etwa. Also man konnte sich das wunderbar einteilen. Ich fand das ganz, ganz herrlich. Es war eine derartige Disziplin. Ich war heute beim Trauner Verlag und habe gesagt, das haben Sie noch nie erlebt. Jeder hat sich an alle Daten gehalten. Ja, das ist angenehm. Unglaublich. Und bei 32 ist es nicht so ohne. Es hat alles funktioniert. Es ist eigentlich nichts schiefgegangen. Es hat alles funktioniert. Jeder war sehr diszipliniert. Und Sie, Frau Brameshuber, Sie leben in der Schweiz. Ja. Und Sie, Frau Brameshuber, Sie leben in der Schweiz und haben mehrere Geschichten geschrieben über Linzer Großtanten. Also vielleicht erzählen Sie auch noch ein bisschen über sich. Also ich bin in Linz geboren und meine Großeltern hatten das Spielwarengeschäft Bayerl in der Landstraße. Da komme ich her. Und meine Mutter ist sehr früh gestorben. Und ich bin dann bei den Großeltern aufgewachsen. Und ich hatte drei sehr rebellische und eigenwillige Großtanten, die alle drei unverheiratet und kinderlos waren. Und die haben sich dann um mich gekümmert und gesagt, das Kind muss man jetzt erziehen. Und ich bin ewig dankbar, denn von jeder habe ich was gelernt, was ich wahrscheinlich unter normalen Umständen nicht so gelernt hätte. Und es war ja doch eine andere Generation, das waren die Großtanten. Wie sie mich erzogen haben, ich bin ihnen ewig dankbar und ich wollte eigentlich immer ihnen ein kleines Denkmal setzen und das habe ich mit den drei Büchern auch gemacht. Und ich muss sagen, ich habe sie ja nur als Kind gekannt. Wie ich dann recherchiert habe und Briefe und Tagebücher gelesen habe, habe ich erst gesehen, was waren das für moderne und tolle Frauen. Eigentlich wirklich viel ganz anders als viele andere ältere Damen zu dieser Zeit. Und das war wirklich eine Entdeckung. Und ich muss dazu sagen, alle drei haben ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben. Und bei allen dreien haben wir es gefunden, wie sie schon tot waren. Also das haben Sie nicht mehr erlebt, die Großdanten? Nein. sie nicht mehr erlebt, die Großtanten. Nein. Und würden Sie sagen, die Schweiz ist jetzt auch sowas wie Ihre Heimat oder ist es beides? Also es ist beides. Es ist beides. Ich bin ganz glücklich in der Schweiz, aber ich fahre auch wirklich sehr gern nach Österreich und in Österreich bin ich einfach mehr wahrscheinlich ich. In der Schweiz bin ich auch ich. Ich bin halt die Schweizer Christa, die Österreicherin in der Schweiz. Ich muss sagen, die Österreicher sind sehr belieösisch. Und vielleicht auch die Tatsache, dass ich in einer anderen Sprache lebe, macht aus mir vielleicht eine andere Christa als die, die in Oberösterreich zu Hause ist. Ah ja, also das heißt, die vertraute Sprache, sobald sie sagen mit ihrem Mann, ist dann französisch. Ist französisch, ja. Eine vertraute Sprache, weil sie sagen, mit ihrem Mann ist dann Französisch. Also mir ist aufgefallen, das ist jetzt vielleicht nicht die einzige, aber es ist die Verena Tregers zum Beispiel aus dem Infertlau. Kenne ich jetzt als Kunsthistorikerin. Richtig. Also literarisch ist die mir noch nicht aufgefallen. Und so als, glaube ich, Forschende in Grönland. Genau, Grönland und Dänemark. Sie hat auch viele Kunstkataloge gemacht. Ich kenne sie. Ich habe mal bei ihr mehrere Lesungen gemacht im Infiatur in Prahm. Und sie hat sich sehr mit ihrem Vater beschäftigt, der Maler und Künstler war. Ein ziemlich bekannter. Über das haben wir immer wieder gesprochen. Und sie hat so versucht, ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten. Und dann habe ich mir gedacht, jetzt frage ich sie mal. Und sie hat sich dann sehr gefreut, dass das mit ein Grund war, bei diesen Recherchen weiterzumachen. Weil ihre Geschichte heißt eine In-Viertler-Familiengeschichte. Gab es auch, Sie haben ja die Autorinnen gefragt, gab es da auch dann Geschichten, die gekommen sind, wo Sie gesagt haben, na eigentlich möchte ich jetzt nicht oder es waren dann Dupletten thematisch vielleicht auch? originell und anders. Es gab ein paar Geschichten, die wir nicht genommen haben. Einmal, weil eine viel zu lang war. Also dreimal so lang, als eigentlich erlaubt. Wir hatten doch gewisse Restriktionen. Natürlich, ja. Dann manche haben gesagt, ich schaffe es jetzt nicht mehr, ich brauche noch einen Monat und das ist sich zeitlich nicht ausgegangen. Du warst die Letzte und hast in Rekordzeit alles gemacht, aber wir konnten nicht noch vier Wochen dazugeben. Und da sind auch zwei dann nicht genommen worden. Aber ich habe immer gesagt, beim nächsten Band kommen die dann gleich hinein. Aber der ist geplant? Nein, noch nicht wirklich. Ich habe das nur gesagt. Aber man weiß es nie. Es war dann doch so, dass viele, die Anfang gesagt haben, ich weiß nicht zu dem Thema, was soll ich denn da eigentlich schreiben? Manchmal muss ich nachdenken, ob mir was einfällt. Und viele haben dann gesagt, es war eigentlich eine tolle Aufgabe, auf einmal wieder so zurückzugehen und nachzudenken, weil automatisch geht man zurück in die einen prägt. Genau. Und das, glaube ich, hat dann doch auch Freude bereitet vielen, die gesagt haben, ich habe gar nicht gewusst, dass ich mich mit dem Thema doch mehr auseinandersetzen möchte, als mir lieb ist vielleicht. Bei Ihnen ist wieder ganz ein anderer Aspekt vorgekommen, weil Sie schreiben, also Sie stellen sich so die Frage, das erste Mal das, das erste Mal das und irgendwann einmal auch, wann wird das letzte Mal sein? Vielleicht möchten Sie auch ein Stück lesen. Ja, gerne. Meine ersten Male. Erste Male, unauslöschliche Erinnerungen, zusammen sind sie ein Leben, mein Leben. Das Staunen über bunte Herbstblätter. Ich legte sie in ein kleines Köfferchen, vergaß sie, holte sie nach einigen Tagen wieder hervor und plötzlich waren sie braun und welk. Ich war überzeugt, meine Schwestern hätten sie ausgetauscht. Die ersten Worte, die ich schrieb, krakelig und verwackelt, aber immerhin. Endlich konnte ich schreiben, sehnte das Lesen herbei, die Bibliothek meines Vaters wurde mein Lieblingszimmer. Das erste Mal auf dem viel zu großen Fahrrad meiner Schwester und ich fiel nicht um. Das erste Mal im Attersee und ich konnte mich ohne Schwimmreifen über Wasser halten. Der erste Schnee im Dezember auf der Mayerwiesen am Böstlingberg. Tante Mali und ich sausten mit der Rodel hinunter und tranken danach heiße Schokolade. Dazu gab es ein Nusskipferl, meine Hose feucht und kalt. Die Angst vor dem Krampus, gespielt von einem Nachbarn, der mit rasselnden Ketten um sich schlug und mich finster anstarrte. Ich rannte voller Panik vor ihm davon. Der Holunder, den meine Mutter und ich an warmen Sommertagen pflückten, um seine Blüten zu backen. Wir fuhren mit ihrem alten Waffenrad. Beim ersten Sturz waren wir beide an den Knien aufgeschürft. Meine Mutter lachte nur und meinte, das sagen wir niemanden. Die erste Rebellion gegen meine Großmutter. Sie verbot mir das Lesen abends im Bett, es sei schlecht für die Augen. Also las ich heimlich unter der Bettdecke mit einer Taschenlampe. Meine erste Barbie-Puppe. Ich nannte sie Tante Scherena. Keine Ahnung warum. Sie trug mit Pailletten besetzte Abendroben, bunte Hüte, hohe Schuhe, Ohrklips und Handtäschchen. Sie stammte aus dem Spielwarengeschäft meiner Großeltern auf der Linzer Landstraße. Der erste Zahnarztbesuch bei Frau Dr. Brettl. Als ich fragte, warum die Türe zur Praxis gepolstert sei, antwortete die Sprechstundenhilfe, damit man die Schreie nicht hört. Die erste Wette mit meinen beiden Schwestern. Für 10 Schilling ließ ich mir im Alter von 12 Jahren die Haare, die mir bis zum Po reichten, auf wenige Zentimeter kürzen und war tot unglücklich. Die abgeschnittenen Haare bewahrte ich in Seidenpapier gewickelt auf. Mein erster Verlust, der Tod meiner Mutter. Sie war monatelang krank gewesen und ich ahnte, dass sie sterben werde. An einem Sonntag durfte ich sie nicht mehr besuchen. Meine Großmutter meinte, dieses Bild mit all den angeschlossenen Schläuchen sei mir mit meinen zehn Jahren nicht zumutbar. Meine Schwestern und mein Vater kamen nach Hause, blieben im Vorzimmer stehen und ich hörte sie weinen. Ich saß über meinen Hausaufgaben, sollte die Akkusative im Text rot markieren, die Dative blau. Meine Tränen vermischten die beiden Farben. Zum ersten Mal am Meer in Istrien mit Tante Mir. Sie wollte mir meine Trauer nehmen, wenigstens für einige Tage. Ich stand vor diesem tiefen Blau und weinte. In Rovinj aß ich meinen ersten Seeigel. Ein Fischer schnitt ihn vor meinen Augen auseinander, saugte das Innere aus und reichte mir lächelnd die andere Hälfte. Ich tat es ihm nach und fühlte mich fast erwachsen. Augen auseinander, saugte das Innere aus und reichte mir lächelnd die andere Hälfte. Ich tat es ihm nach und fühlte mich fast erwachsen. Meine erste Reise mit dem Bus in die Schweiz und nach Paris mit Tante Toni. Ich sah, dass die Welt größer war als Österreich. Das erste Mal mit schweren Regelschmerzen in der Straßenbahn auf dem Weg zur Schule. Eine ältere Dame sah mich an und sagte tadelnd, hat deine Mutter dir nicht beigebracht, dass man älteren Personen einen Sitzplatz anbietet? Ich schämte mich. Der erste Liebesbrief. Ich schrieb ihn mit grüner Tinte. Er blieb unbeantwortet. Grüne Tinte habe ich nie mehr verwendet. Ja, danke. Es sind auch, also eine Geschichte von Gaby Krislena ist mir sehr stark aufgefallen, die ja so aufs Erste eigentlich gar nichts mit Heimat in dem Sinn zu tun hat. Das ist mir stilistisch auch aufgefallen. Er wartet immer sehr, sehr lange an jedem Tag, also einmal im Jahr auf sie. Und das Fehlende, sie haben ein Kind verloren. Gehen dann, trinken Kaffee miteinander, gehen dann miteinander ins Bett und sie bittet ihn dann zu gehen. Das ist so die Ausgangsbasis. Und da ist es offensichtlich so das Fehlende, das sie in den Mittelpunkt stellt. Absolut. Ich war auch, wie ich die Geschichte gelesen habe, ich habe richtig Herzklopfen gehabt. Das ist so nahe gegangen und es war eine so andereester Ursula Prameshuber. Janoni. Also da ist es schon auch so, dass man nicht drinnen ist in der Gemeinschaft, sondern irgendwie draußen ist. Das kommt bei einigen vor, muss ich sagen. Das kommt bei einigen vor, absolut. Und das ist vielleicht das Spannende an diesem Buch, es kommen so viele bunte Steinchen vor, die sich aber zusammenschließen zu dieser Frage, soll man weggehen, muss man weggehen, soll man zurückkommen? Es betrifft eigentlich fast jeden, kann man sagen. Dass Sie also auch festmachen wollen, was ist eigentlich so die oberösterreichische Heimat? Glauben Sie, dass das anders ist als in Salzburg oder in Vorarlberg? Oder gibt es sowas wie oberösterreichisches Heimatempfinden, also jetzt übertrieben formuliert? Das ist schwierig zu sagen, aber ich glaube, so wie die Marlene vorher gesagt hat, wir sind schon auch von der Landschaft geprägt. Jetzt zum Beispiel die Tiroler, die sind viel mehr noch in den Bergen und in hohen Bergen als wir. Wien ist als Großstadt vielleicht anders. Aber es gab übrigens ganz interessante Rückmeldungen. Es gab niederösterreichische und Wiener Schriftstellerinnen, die gesagt haben, ich möchte das Gleiche über mein Bundesland machen. Irgendwie, es wäre ja interessant zu wissen, was dann da herauskommt. Aber Oberösterreich, ich hatte eigentlich am Anfang fast Bedenken. Ich habe mir gedacht, vielleicht ist doch die Hitlergeschichte und unser Erbe zu präsent. Ich wusste es ja nicht, was kommen wird. Ich hatte fast ein bisschen ein unangenehmes Gefühl. Aber ja, Oberösterreich ist es so viel anders als andere Bundesländer. Ich weiß nicht. Die Geografie spielt sicher eine Rolle, die Hauptstadt spielt eine Rolle, aber ansonsten. Es sind sehr viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Also das ist mir schon aufgefallen, wie ich hierher gekommen bin. Das muss ich schon sagen. Also weil Sie sagen, Sie möchten es in Niederösterreich machen oder auch in einem anderen Bundesland. Es wirkt ja dann auch wieder so abgeschlossen. Ja, ob das wirklich passiert, weiß ich nicht. Das war der erste Enthusiasmus. Aber es wäre sicher interessant. Interessierend wird mich natürlich auch, weil es jetzt da eben auch drinnen ist oder entlehnt worden ist, diese Textstelle aus der oberösterreichischen Landeshymne. Ich habe immer so ein bisschen ein eigenartiges Gefühl, muss ich sagen, wenn man da bei Ehrungen dann aufstehen muss und singen muss. Wie ist denn Ihr Bezug zu dieser Hymne? Ich finde sie schwierig. Ich meine, ich bin ja auch Literaturwissenschaftlerin und da betrachtet man Texte auch mit ihrer Entstehungsgeschichte und aus der Zeit, aus der sie kommen. Und da kann man das verstehen. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich finde, wie ein Hinderl sein Herrn ist eine Zeile, die kann ich persönlich, und ich sage das auch wirklich so auf mich bezogen, nicht guten Gewissens singen. Weil das hat mit einer Art von Unterwürfigkeit, mit einer Abhängigkeit, mit einer Untergebenheit zu tun, die ich einfach sehr, sehr fragwürdig finde. Die kann ich, wie gesagt, historisch verstehen, aber ich glaube, sie passt nicht ins 21. Jahrhundert. Ich denke, Oberösterreich könnte durchaus die Autorinnen und Autoren, und es gibt sehr, sehr viele oberösterreichische Autorinnen und Autoren, ob sie hier sind, ob sie fortgegangen sind, sie sind ja verstreut überall, befragen und bitten, eine neue Variante zu schreiben. Ich finde, die Hymne hat eine einzige, wirklich sehr, sehr schöne Zeile und ich finde, an der kann man sich auch ein bisschen anlehnen und das ist die Zeile, die sich auf die Landschaft bezieht. Also, dieses, was mich genetzt hat, dein Regen. Und der Sonn hat mich gedruckert. Genau. Also diese Doppelzeile, die finde ich wirklich berührend, die finde ich wirklich schön. Aber ich glaube, man sollte andenken, eine Hymne fürs 21. Jahrhundert. Ja, finde ich schon. Finde ich schon. Finde ich völlig seiner Meinung. Und das war ja eben auch dieser Punkt, ja, soll man das jetzt wirklich als Titel nehmen? Aber vielleicht ist es das Trampolin, dass jetzt jemand sprengt und sagt, ich schreibe. Nein, nein, nein. Das ist ein sehr wichtiges Fragezeichen. Also das finde ich, da weiß man genau, es geht woanders hin. Also da weiß man genau, es geht woanders hin. Und bei Ihnen? Teilen Sie die Einschätzung? Absolut, absolut. Ich weiß das Heimatland. Ich habe das dann, wie ich dann in der Schweiz war, ich bin eingebürgert worden in der Schweiz, musste diese Prüfung machen, wie jeder, der Schweizer wird. Und ich musste dazu die Schweizer Hymne lernen. Und ich habe meinen Mann und meine Schwiegereltern und alle gefragt, könnt ihr mir die vorsingen? Und die konnten die nicht vorsingen. Da habe ich gesagt, jetzt singe ich euch Heimatland vor. Da bin ich mir so blöd vorgekommen. Aber man dachte, das gibt es doch nicht, dass die ihre eigene Hymne nicht singen können. Weil bei uns hat das jeder in der Schule gelernt. Und man dachte, das ist eigentlich vom Text schon, haben sie gefragt, was heißt denn das alles? Und man dachte, ich kann das jetzt gar nicht so übersetzen. Aber ich glaube, der Umgang mit Hymnen ist ganz unterschiedlich von Land zu Land. Die Schweiz, ein Großteil der Bevölkerung kann die gar nicht singen. Ja, ist die textlich? Es ist so Wilhelm Tell-mäßig ein bisschen. Aber keiner kann sie wirklich singen. Und das hat auch keine Bedeutung und auch keine Emotionen in dem Sinn. Also gerade für die Jungen. Ich glaube, meine Tochter hat überhaupt keine Ahnung von dieser Hymne. Aber bei uns, das war in der Erziehung, in der Schule, das hat man gelernt. Das musste man hundertmal singen. Und ich bin da ganz auf deiner Seite. Ich habe das auch als Kind vielleicht gar nicht so empfunden oder vielleicht eine gewisse Irritation, dass ich ein Hund bin. Also ich meine, und dass die Oberösterreich mein Herr ist, also das ist eine Begrifflichkeit, die ist höchst fragwürdig. Also ich bin kein Hund. Wie geht es Ihnen jetzt weiter? Oder haben Sie schon Pläne weiterführend? Ja, es ist zeitgleich zu diesem Buch noch ein anderes Buch entstanden, wo ich Mitherausgeberin bin. Und zwar, das Lustige ist, dieses Buch ist geboren in Linz, nämlich im Schuhmuseum von Linz. Es gibt sogar eins, ja. Es gibt ein Schuhmuseum in der Bischofsstraße, das ich nur jedem empfehlen kann zu besuchen. Es gibt dort 830 Paar Schuhe. Und ich war an einem sehr regnerischen Tag mit meinem Mitherausgeber, wir waren auf Lesereise dort. Und dann hat er gesagt, du, eigentlich könnte man was über Schuhe schreiben. Lesereise dort und dann hat er gesagt, eigentlich könnte man was über Schuhe schreiben. Und wir haben dann dem Besitzer des Schuhmuseums gesagt, du, mach uns eine Führung. Und jeder hat sich ein paar Schuhe ausgesucht und die beschrieben. Und 16 Monate später ist das Buch erschienen, auch im März. Und das ist wieder eine Anthologie. Ich habe so einen Faible für Anthologien. Ich kann nicht genau erklären, warum. Und ich finde das einfach was Schönes, Anthologie. Ich habe so einen Febel für Anthologien. Ich kann nicht genau erklären, warum. Und ich finde es einfach was Schönes, zu einem Thema so viele verschiedene Stimmen zu hören. Wir haben ganz unterschiedliche Schuhe in unserem Buch und wir haben hier ganz unterschiedliche Zugänge zur Heimat. Ich finde das total spannend, ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen. Mich fasziniert. Auch aus verschiedenen Altersgruppen. Also ich weiß nicht, ob sie jetzt diese, es ist eine 20-jährige Autorin, die Katharina Riese, glaube ich, ist die älteste. Haben sie wahrscheinlich bewusst gewählt, diesen Bogen. Aber es ist ja ganz, ganz unterschiedlich für die beiden. Also ich glaube, die Junge schreibt also wie sie mit ihrer Großmutter Schuhe einkaufen geht und Katharina Riese eher so, dass sie nicht mehr so recht gern überhaupt wegfährt. Ich fand es so interessant, wirklich diese unterschiedlichen Zugänge. Aber trotzdem ist ein Gefühl, ich gehe jetzt weg und ich kaufe mir jetzt andere Schuhe. Und eigentlich will ich die gar nicht. Ich finde, es ist unglaublich schön, eine Bandbreite von verschiedenen Generationen in einem Buch zu finden. Weil Sie gesagt haben, also jetzt, ich weiß nicht, ob das eher scherzhaft war, also dass Sie auch einmal eine Anthologie machen, nur mit Männern oder gemischt oder? Warum nicht? Ja. Ich denke, es ist ein interessantes Thema, vielleicht sogar in der jetzigen Zeit mehr denn je, wo so viele Leute einfach weg müssen oder ich denke, man denkt vielleicht anders nach über weggehen, weggehen müssen, weggehen wollen. Ich glaube, es ist ein Thema, über das jeder nachdenken sollte. Und ich sage immer, ich glaube, die beste Erfahrung meines Lebens war, Ausländerin zu sein. Da habe ich sehr viel gelernt. habe die beste Erfahrung meines Lebens war, Ausländerin zu sein. Da habe ich sehr viel gelernt. Und das kann ich nur jedem sagen, das ist die beste Schule, weil dann passt man ein bisschen mehr auf, was man über andere sagt. Ja, absolut. Also ich glaube, von Ihnen kam auch dieses Stichwort, manchmal ist es ein Geruch oder so. Ich weiß, ich habe mit einem Syrer gesprochen, der schon sehr lange da ist und der eigentlich sehr gut integriert ist und sich auch wohl fühlt. Und der gemeint hat, aber der syrische Kaffee geht mir so ab. Also solche Dinge. Aber vielleicht kann man auch dazu sagen, wenn man als Ausländerin woanders gelebt hat und dort etwas dann besonders geschätzt hat, wenn man zurückkommt, das fehlt einem dann auch. Das stimmt. Das würde ich schon sagen, gerade beim Kaffee. Also man wird dann irgendwie, es fügt sich dann alles zueinander in einem selbst ein bisschen wie so ein Mosaik und das finde ich eigentlich das Schöne, dass man dann eben so an vielen Orten auch zu Hause sein kann. Dass ich eben nicht dieses Heimatsein, oder heimatlich sein, nicht an einer Stadt oder einer Landschaft irgendwie festmache. Ja, das stimmt. Weil Sie das sagen, also meine Mutter, wir waren, also die frühen Jahre meines Lebens war ich in Italien und dann, meine Mutter ist Salzburgerin und wir sind dann wieder nach Salzburg. Aber sie hat gesagt, und der Chianti fehlt mir so. Und das war damals in meiner frühen Zeit, gab es den ja noch gar nicht. Aber das war etwas, was sie dort kennengelernt hat. Und das war hier halt nicht oder sehr schwierig zu erwerben. Ja, dann danke ich Ihnen ganz herzlich. Also das war heute, haben wir gesprochen mit, also heute habe ich gesprochen mit Christa Brameshuber und mit Marleen Schachinger-Puseol. Wir haben über den kürzlich erschienenes Buch »Wann es nicht fort muss, so bleibe« erschienen im Trauner Verlag gesprochen. 32 Autorinnen haben darin über Herkunft, Identität, äußere, innere Heimat sich ihre Gedanken gemacht. Silvana Steinbacher wünscht Ihnen noch einen schönen Nachmittag und es sei noch verwiesen, heute wird Christa Brameshuber um 19.30 Uhr im Café Traxlmeier lesen. Ja, machen Sie es gut.