Dann darf ich jetzt an Frau Michaela Moser übergeben. Sie ist Forscherin und Aktivistin mit einem großen Fokus auf Care, Inklusion, Partizipation und gutes Wohnen. Sie wird auch nachher Teil der Podiumsdiskussion sein. Dankeschön. Ich habe keine Folien, ich habe ein paar Dinge mitgebracht. Muss ich das garantieren? Ich bin nicht so ein Fan von PowerPoint. Außerdem habe ich mir gedacht, ich bin hier die Letzte. Das bedeutet, dass alle schon ein bisschen müde sind vielleicht. Und auch, dass vieles natürlich schon gesagt worden ist. Also ich werde wahrscheinlich jetzt auch ein bisschen was nochmal zusammenfassen. Und ja, hoffentlich alles in allem da einen sinnvollen Beitrag noch leisten können. Ja, die Dinge, die ich mitgebracht habe, vielleicht stelle ich sie gleich mal vor. Erstens mal ein Geschirrduch. Das ist ein bisschen mit dem Mikro und mir herumschüren. Ein Geschirrduch. Das erste ist ein Geschirrduch. Ich habe zwei Varianten. Die schöne Rosenvariante, die liebliche. Und die politische Variante, Votes for Women. Geschirrdücher gibt es ja in sehr vielen Facetten. Als zweites habe ich so ein Maßband mitgebracht, auch vielleicht Rollmeter oder wie immer ihr dazu sagt, es gibt verschiedene Bezeichnungen. Dann habe ich einen Kochlöffel, einen sehr großen Schöpflöffel, eigentlich mehr als ein Kochlöffel, der auch als Redestab verwendet werden kann. Dann habe ich noch einen Stuhl und dann habe ich so einen kleinen Igelmassageball. Die werden jetzt alle noch eine Rolle spielen in meinem Beitrag. Ja, mir geht es darum, nochmal eben deutlich zu machen, was eh in allen letzten Beiträgen, auch in allen vorherigen Beiträgen schon sehr deutlich geworden ist, dass Wohnen eben sehr politisch ist und dass Wohnen einfach ganz ein wichtiger, auch feministischer Kern und soziale Machtfrage ist. Also wie wir wohnen, wie wir überhaupt wohnen können, welche Möglichkeiten wir da haben, auf welche Bedürfnisse Rücksicht genommen wird, ist aus meiner Sicht eine sehr zentrale politische Frage. Und natürlich stellen sich diese Fragen immer wieder neu und brisant in Zeiten von Teuerungen, aber von Kürzungen, von allen möglichen Entwicklungen, die nicht unbedingt sehr progressiv sind. Und ich glaube, wir haben gehört, das Einküchenhaus war so eine radikale Lösung. Ich glaube, dass wir wirklich radikale Lösungen brauchen. Also auch wenn wir schauen auf demografische Entwicklungen, auf Fragen der Inklusion und so weiter, braucht es einfach wirklich, eigentlich braucht es so einen Perspektivenwechsel auf das, wie wir überhaupt wohnen können. Und zwar können in mehrfacher Hinsicht, da werde ich dann noch ein bisschen mehr dazu sagen. Ja und deshalb beginne ich mit dem Geschirrduch, weil und ich glaube, das ist ja sehr hinreichend schon deutlich geworden in den Beiträgen, die wir vorher schon gehört haben, dass es eben beim, ja es ist jetzt in dem, das ist zwar ein sehr cooles Tuch, 100 Years Roads for Women, aber mir geht es jetzt gar nicht so um die politische Botschaft auf dem Tuch, sondern eigentlich um das Geschirrtuch als ganz einen banalen Alltagsgegenstand. Ich nehme mal an, wenn ich hier frage, wer von Ihnen hat ein Geschirrtuch zu Hause, werden wahrscheinlich alle, nehme ich mal an, ein Geschirrtuch zu Hause haben, weil das Geschirr trocknet eben nicht von selbst. Selbst aus dem Geschirrspüler muss man manchmal noch ein bisschen nachtrocknen. Also es ist etwas, und was hoffentlich alle, das hebt sich ein bisschen ab von diesem ein Küchenhaus, das ja dann doch wieder den Frauen die Küchenarbeit zugeschoben hat. Es ist auch in meiner idealen Welt auch so, dass alle mal dieses Geschirr durch Wechselweise sozusagen in der Hand haben und eben diese alltäglichen Aufgaben auch übernehmen. Ich spreche so aus der Perspektive einer Person, die sich in Forschung und Aktivismus schon seit vielen Jahren mit Armut, mit Ungleichheit, mit Inklusion beschäftigt, aus einer feministischen Perspektive, immer aber auch als Bewohnerin von einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt. Ich wohne seit 2013 im Wohnprojekt Wien. Wir sind ungefähr 100 Personen, die da gemeinsam wohnen, also 65 Erwachsene und 40, ich habe den Überblick verloren, Kinder. Wir haben das Haus, es haben schon Architektinnen geplant, eins zu eins, aber gemeinsam mit uns, also wir haben es mitgeplant und es ist kollektives Eigentum. Ja, diese und diese Frage des Alltags, das haben wir schon gesehen, ist einfach ganz wichtig, dass diese Fragen des Alltags irgendwie in die Planung auch einfließen. Das kann dann auch zu so einem Küchenhaus führen oder auch zu ganz anderen Modellen. Wir hatten kurzfristig, kleine Anekdote, die mir jetzt wieder eingefallen ist, unser Haus zumindest für die erste Zeit auch mal so ein Küchenhaus angedacht, weil wir haben eine sehr große Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss und haben uns gedacht, wir haben alle auch private Küchen in unseren verschiedenen Wohnungen, aber wir haben uns gedacht, bis zum Einzug müssen unsere Küchen nicht fertig sein, weil wir haben ja die Gemeinschaftsküche. Also wir können da ein bisschen lockerer planen, was war nicht fertig, wie wir eingezogen sind? Die Gemeinschaftsküche. Aber wir haben dann über so Personen, die in einer Volksküche engagiert waren, haben wir sowas organisiert, so einen riesen Gaskocher und haben dann im riesigen Fahrradraum gemeinsam gekocht. Also gemeinschaftlich lässt sich sehr vieles anders lösen. Und ich glaube, also für mich jedenfalls und für diese Vision auch von einem anderen Wohnen, ist es extrem wichtig, über die eigene individuelle Wohnung hinaus zu denken. Das ist eigentlich sowas ganz Zentrales und wir haben eh auch viele Beispiele gehört, also von Juno, von den Alleinerziehenden, die sich dann auch vom Stockwert irgendwie engagieren, arrangieren und organisieren, aber auch von dem, wie das Umfeld eben wichtig ist, in den Beispielen, die wir gesehen haben, dass auch, wie man den Freiraum nutzt, wie man die Nachbarschaft irgendwie nützen kann, wie man eben auch gemeinschaftliche Räume nutzen kann. Das macht einfach einen extremen Unterschied. Also wenn wir über das Wohnen denken, denken immer noch sehr viele natürlich zunächst an die eigene, vielleicht Single- oder Kleinfamilienwohnung. Oder auch das natürlich Einfamilienhaus, was ja in Österreich auch noch immer sich sehr großer Beliebtheit erfreut. Und wir denken eigentlich ganz, also Formen gemeinschaftlichen Wohnens sind nur ein relatives Nischenprodukt. Ein Phänomen. Ja, deshalb, ich mache weiter eben mit dem Maßband, weil ja in der Architektur und beim Bauen und auch wenn man eine Wohnung irgendwie erneut braucht, wird ja sehr viel gemessen. Also man macht sich sehr viele Gedanken darüber, wie groß sind die Räume, wo stellt man was hin. Aber es wird auch berechnet natürlich und muss ja auch was, was kostet etc. alles auch ganz wichtige Fragen, aber es gibt eben sehr vieles, denke ich, auch beim Wohnen, was jedenfalls nicht in Zentimetern oder Metern oder so gemessen werden kann. Und ich denke, es ist wichtig und es ist auch deutlich geworden in den vorherigen Beiträgen schon, dass wir über das, genauso wie es wichtig ist, sehr präzise zu vermessen natürlich, damit die Wände irgendwie dann alle richtig stehen und tragen und alles. Es ist auch sehr wichtig, sehr präzise und sehr genau und sehr vertieft über diese Fragen, wie wir überhaupt miteinander wohnen und können, wohnen wollen und können, eben nachzudenken. Und sich da eben nicht nur an diesem Modell der meist auch noch heterosexuellen Kleinfamilie irgendwie zu orientieren, sondern da ein bisschen, sage ich mal, wilder und experimentierfreudiger zu werden. Ich bin selbst nach einigen Jahren im Wohnprojekt Wien in einer quasi Einzelwohnung, vor drei Jahren in eine etwas größere Wohnung, die frei geworden ist, gezogen und habe beschlossen, wieder eine Wohngemeinschaft dort zu gründen, eine Erwachsenenwohngemeinschaft. Ich habe noch nicht gewusst, wer da mit mir einzieht. Ich bin jetzt in einer, nach drei Jahren habe ich jetzt eine neue Mitbewohnerin in einer zweiten Konstellation. Es ist extrem lehrreich. Und meine frühere Mitbewohnerin und ich haben auch immer gesagt, wenn wir danach gefragt wurden, wie ist es wieder in dieser WG in eurem Alter und wie geht es da, dass es für uns auch so eine Altersprävention ist, weil klar ist, wenn wir älter werden, wenn wir eingeschränkt werden, können wir bestimmt, also schränken sich Dinge eben ein und muss man sich, also kann man nicht mehr alles so machen, wie man es gewohnt ist zu machen. Das ist auch die Erfahrung, wenn man mit jemandem zusammenzieht, werden wahrscheinlich auch viele von Ihnen schon gemacht haben, dass halt eben die Person, mit der man zusammen wohnt, die stellt halt die Butter links oben im Kühlschrank hin und nicht rechts unten. Und man denkt sich dann, warum steht die Butter da oben? Die gehört doch rechts unten hin. Und im zweiten Moment ist es eigentlich wurscht, ob man sie links unten oder rechts oben oder wo auch immer irgendwie hinstellt. Also es gibt ganz viele Dinge, wo es schon das gemeinschaftliche Wohnen natürlich auch herausfordernd ist. Also ich möchte es gar nicht irgendwie romantisieren, aber ich glaube auch, bei ganz vielen Herausforderungen, die uns beim Wohnen eben auch entgegentreten, müssen wir uns auch ein bisschen bewegen und auch flexibler werden. Also es stellt schon auch Anforderungen an uns, aber es gibt uns auch viel. Natürlich so ein gemeinschaftliches Wohnprojekt, da wird eben sehr vieles auch gemeinschaftliches organisiert und auch Lösungen gefunden, sei es die Taubenplage am Balkon, die uns jetzt schon sehr lange beschäftigt, oder die Jagd auf die Silberfische. Man ist eigentlich mit keinem Problem allein in so einem Haus. auf die Silberfische. Man ist eigentlich mit keinem Problem allein in so einem Haus. Und wir haben zwar nicht das ein Küchenhaus, wir haben es auch kurz nicht gehabt, aber wir haben ein Haus mit zwei Gemeinschaftsküchen. Und diese Gemeinschaftsküchen, die stehen schon für mich auch sehr stark und eben auch dieser Kochlöffel für eine andere Verteilung eben von Care-Arbeit. Also nicht natürlich nur das Kochen, sondern auch und ganz stark beim gemeinschaftlichen Wohnen sehr wichtig eben auch die Sorge für Kinder, aber auch für ältere Menschen, für Personen, die krank sind, für alle, die in irgendeiner Form Unterstützung brauchen. Das lässt sich eben gemeinschaftlich besser organisieren. Es lässt sich auch Solidarität besser organisieren. Wir haben in unserem Wohnprojekt, wir haben auch Gästezimmer im Dachgeschoss. Das sind wie so kleine Hotelzimmer eigentlich. Die haben auch ein Bad dabei und die haben dann auch nochmal, also nicht jedes Zimmer, aber die drei Gästezimmer haben dann auch nochmal eine Küche und 2015, wie sehr viele Geflüchtete nach Österreich gekommen sind, haben wir dann als Haus eben entschieden, dass wir das größte, also das Gästeappartement, das ist wie eine Gasionär, dass wir das an eine Familie aus Syrien vergeben. Inzwischen hat auch eine Familie aus der Ukraine darin gewohnt. Wir haben das gemeinsam finanziert. Es ist etwas, ich hätte mir das privat nicht leisten können, also eine zweite Wohnung irgendwo anzumieten für Familie. Aber als Gemeinschaft eben kann man dann auch, also hat man auch mehr Möglichkeiten, solidarisch zu agieren und den eigenen Wohnraum, der eben dann kollektiv viel größer ist als nur die eigene kleine oder auch gar nicht so kleine Wohnung, den auch zu teilen mit Personen, die sehr wenig Möglichkeiten haben, guten Wohnraum zu finden. zum Redestab werden, weil natürlich so ein gemeinschaftliches Wohnen von 60 Erwachsenen oder auch weniger oder ein bisschen mehr erfordert auch Struktur. Also das ist natürlich nicht so, das werden wahrscheinlich auch viele von Ihnen, von Euch wissen und kennen aus diversen Projekten. Also gemeinsam zu entscheiden, das klingt ganz schön und alles gemeinsam zu organisieren, aber es ist natürlich auch eine Aufgabe und eine Herausforderung. Wir sind als Wohnprojekt Wien soziokratisch organisiert. Das bedeutet eben, dass wir wirklich, also und das Hauptprinzip der Soziokratie, es gibt viele Formen und Ausprägungen und Möglichkeiten, die Soziokratie zu leben. Die ist eigentlich, was das betrifft, Open Source, aber es gibt ein ganz zentrales Prinzip der Soziokratie und das ist, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden und dass Minderheiten eine extrem wichtige Stimme haben. Das heißt, Entscheidungen in der Soziokratie werden im Konsent getroffen und Konsent bedeutet, dass keine Entscheidung getroffen wird, wenn eine Person einen schwerwiegenden Einwand dagegen vorbringt. Und ein schwerwiegender Einwand, was ein schwerwiegender Einwand ist, entscheidet die Person selbst. Da muss es weitergehen, muss man eine Lösung finden, wo eben keine Person einen schwerwiegenden Einwand dagegen hat. Das klingt vielleicht irgendwie utopisch oder wahnsinnig anstrengend, ist aber eigentlich am Ende des Tages ziemlich effektiv und ich kann dann auch später in der Pause oder so gern mehr darüber erzählen. Wir arbeiten auch viel in Kreisen und sehr viel eben wird in Kleingruppen entschieden. Es ist nicht möglich, dass alle bei allem irgendwie mitreden. Also ich habe nicht mitentschieden, welche Farbe unsere Fenster haben oder mit welchem Holz irgendwie unsere Balkone irgendwie belegt sind etc. In dieser Gruppe bin ich halt nicht, andere entscheiden nicht mit. Also auch sowas wie wer in unser Haus zieht, wird von einer Untergruppe von acht Personen oder so entschieden und nicht von allen 60 miteinander. Und auf diese Weise sind solche Wohnformen eben auch so Lern- und Übungsorte, finde ich, für demokratisches Handeln, für das Ausverhandeln von Dingen, was einfach für ein gutes Zusammenleben notwendig ist und was nicht immer einfach ist, aber eben wir müssen es machen. Und da kommt dann schon auch der leere Stuhl, der jetzt, wenn mein Zeug da drauf liegt, nicht so leer ist, aber einen leeren Stuhl können Sie sich trotzdem, glaube ich, gut vorstellen, der für mich ein sehr wichtiges Objekt ist, vielleicht das Wichtigste auch jetzt bei diesem Beitrag hier, weil ich denke, eine Frage, die wir uns bei Alternativen, bei gemeinschaftlichen Wohnformen unbedingt immer stellen müssen, ist, wer ist eigentlich dabei und wer nicht? Also wer kann überhaupt dabei sein? gut ausgestattete, weiße Personen, die schon immer in Österreich leben, die einen guten Hintergrund haben, vielleicht Eltern, die ihnen einen Grund vererbt haben, den sie dann verkaufen können, um sich irgendwie einzukaufen in so ein Projekt. Aber auch, was sind für physische, für psychische, für emotionale Anforderungen damit verbunden, in so ein Projekt zu ziehen. Da gibt es sehr vieles. Ich denke, Inklusion in gemeinschaftlichen Wohnprojekten ist ein riesiges Thema, wo noch extrem viel zu tun ist. Die meisten Wohnprojekte haben solidarische Aspekte und haben eine Wohnung, die sie vielleicht auch noch mit einer sozialen Organisation gemeinsam irgendwie befüllen, bespielen, ich weiß nicht, wie man es nennen soll, oder eben auch so wie bei uns, dass die Wohnungen an vielleicht geflüchtete Personen vergeben oder an andere Personen, die es sich sonst nicht leisten könnten, in so einem Haus zu wohnen. Aber das ist natürlich noch nicht das Ende irgendwie dessen, was Inklusion bedeutet, sondern es ist wirklich die Frage, wie kann es gelingen, dass eben zum Beispiel auch Personen mit psychischen Krankheiten in solchen Projekten wohnen. Also ich habe mich da in meiner Arbeit an der Hochschule in St. Pölten die letzten drei Jahre gemeinsam mit Kolleginnen intensiv damit beschäftigt, was es braucht, dass eben auch Personen in psychischen Krisensituationen oder in einer längeren psychischen Instabilität in so gemeinschaftlichen Wohnprojekten wohnen können. Und das ist nicht unmöglich, da gibt es total viel Potenzial, denke ich, aber es ist eben auch herausfordernd und man muss sich damit beschäftigen und man muss sich Dinge irgendwie überlegen, wie auch bei allen anderen Aspekten der Barrierefreiheit. Auch, das habe ich mir gedacht, manche Dinge haben sich schon ein bisschen durchgesetzt, irgendwie so wie die Angstträume, aber das ist nicht der einzige Aspekt. Also heutzutage, es gibt auch immer mehr Personen, die, was wir jetzt unter dem Stichwort Neurodiversität auch kennen, die auch bestimmte Anforderungen haben von ihrem ganzen mentalen Mindset her, wie Räume gestaltet sein sollen. Also es gibt extrem viel auch unter diesem Aspekt der Diversität zu beachten, denke ich, wenn wir über gemeinschaftliches Wohnen irgendwie nachdenken. Und deshalb ist der leere Stuhl für mich so wichtig, wer ist nicht dabei? Wie kann es gelingen, in unserem Haus wohnen noch keine Personen mit einem Pflegebedarf, wie kann das gelingen eben, dass auch das Pflege möglich ist, wie können wir und da gibt es ja tolle Projekte von verschiedensten Organisationen und auch von Wohnprojekten, wie kann es gelingen, dass wir auch Pflege in einem guten Zusammenspiel von nachbarschaftlicher Unterstützung und von professioneller Unterstützung organisieren, in so einem Zusammenwohnen. Das heißt, wir müssen auch immer wieder überlegen, wie können wir die Gemeinschaft erweitern, wer fehlt und wie können wir die Rahmenbedingungen so organisieren oder eben uns darum kümmern, dass es die Rahmenbedingungen, organisieren oder eben uns darum kümmern, dass es die Rahmenbedingungen, weil es sind ja auch ökonomische und politische, dass es sie gibt, dass eben wirklich eine radikale Inklusion in Wohnprojekten möglich ist. Und da braucht es auch das, was ich als Letztes mitgebracht habe, diesen Ball, diesen kleinen Massageball oder auch Faszienball. Solche Bälle werden benutzt, um bestimmte Muskeln irgendwie zu trainieren oder zu bearbeiten. Oft eben, das ist nicht sehr fein, dieser Ball, muss ich sagen. Also es ist nicht so ein Wohlfühlmassageball, sondern eben, das geht so ein bisschen in die Faszien hinein. Das sind dann eben sehr so kleine Dinge, die man eben sonst vielleicht gar nicht so wahrnimmt, wenn man sie nicht irgendwie bearbeitet und sie tun dann auch ein bisschen weh. Und ich nutze diesen Ball irgendwie gern auch als Bild für etwas, was ich Care-Muskeltraining nenne. Ich glaube, wir brauchen eben, wenn wir miteinander ernsthaft eben anders miteinander und auch gemeinschaftlich irgendwie wohnen wollen, wenn wir Care-Arbeit anders verteilen wollen und ernst nehmen wollen, dann brauchen manche mehr, manche weniger, brauchen wir eben so ein Care-Muskeltraining. Dinge sein im Miteinander. Also da geht es darum, natürlich ganz viel um die Fähigkeit zuzuhören. Es geht darum, anders sein, mit anders sein, irgendwie gut umzugehen, Konflikte ansprechen zu können und auch lösen zu können, können wir im UN-Projekt Wien noch immer ziemlich schlecht. Es geht darum, aber auch sowas wie die eigene Bedürftigkeit irgendwie ernst nehmen zu können und auch artikulieren zu können. Es ist für die meisten Menschen extrem schwierig und das ist etwas, was vielleicht etwas ist, was man in so einem Haus schon lernt und was bei uns auch gut schon gelernt worden ist, würde ich sagen, in den letzten 13 Jahren eben zu sagen, hallo, ich brauche was, ich schaffe es nicht allein, mir geht es schlecht. brauche was, ich schaffe es nicht allein, mir geht es schlecht. Da glaube ich, da haben die meisten von uns noch viel zu tun. Da ist so ein Haus auch ein sehr guter Lern- und Übungsort, nämlich nicht nur Hilfe zu geben, das können viele, die da wohnen, eh sehr gut, sondern eben auch Hilfe anzunehmen oder auch zu artikulieren, dass man sie braucht. Das heißt eben, im Zusammenhang mit Care gibt es viel zu üben. Bei ihr geht es nicht um gemeinschaftliches Wohnen, aber sie schlägt vor, dass eben Menschen so kleine Kehrkreise irgendwie bilden und sich eben gegenseitig sehr intensiv umeinander kümmern. Und sie nennt dann aber eben auch drei toxische Prinzipien, die eben nicht, also auf die man achten muss, dass sie sich nicht verbreiten, wenn eben ein gutes Miteinander möglich sein soll. Das Erste ist eben eine schlechte Unterstützung, also eine Unterstützung, die paternalistisch ist, die Leute bevormundet, die eben nicht fragt, was sie wollen, die ihnen vielleicht so eine Küche irgendwie hinsetzt, damit sie dem Mann die Schlappen bringen, was vielleicht aber nicht das ist, was die Person irgendwie will. Also das wäre so das erste toxische Prinzip, was Thornton benennt. Das zweite sind eben so Versagerinnengefühle. Es sollen Leute, die eben Care brauchen, sollen sich nicht als Versagerinnen fühlen müssen. Es ist ganz normal, eben Hilfe zu brauchen. Das ist Teil unseres Menschseins. Und dann eben das drittexische ist eben zu glauben, dass das alles so von selbst geht, sondern eben das Gegenmittel für sie ist eben dieses Care-Muskeltraining, also immer wieder zu überlegen, was braucht es denn alles, dass wir gut miteinander wohnen können. Ja, es geht eben beim Wohnen, vor allem beim gemeinsamen Wohnen, also nicht nur um Wohnungen. Die Wohnungen sind natürlich sehr wichtig und wir haben viel gehört, was alles zu bedenken ist, wie sie gebaut und angelegt sind, spielt eine sehr große Rolle und da geht es eben darum, einerseits Geschirrtuch wieder, den Alltag mit reinzunehmen, Normen auch in Frage zu stellen, das Maßband, wirklich miteinander die Care-Arbeit zu teilen, der Kochlöffel demokratisch zu agieren, der Redestab, die Care-Muskeln zu überlegen, wer fehlt, der leere Stuhl und eben diese Care-Muskeln immer wieder zu trainieren. Gemeinschaftliche Wohnprojekte sind da keine fertigen Lösungen für diese Fragen. Also vieles funktioniert da noch nicht so gut, von der Inklusion angefangen bis zu auch die Verteilung von der Care-Arbeit. Das ist auch bei uns noch, finde ich, viel zu traditionell. Die ganze Arbeitsgruppe Küche besteht zu 90 Prozent als Frauen, nicht aus unseren männlichen Nachbarn in dem Fall. Trotzdem glaube ich, dass so Wohnprojekte, so Lern- und Übungsräume für eine andere soziale Ordnung sind. Dass wir dort etwas lernen können, was Cassie Thornton so formuliert hat. Wir stehen füreinander ein, wir ziehen uns gegenseitig zur Rechenschaft und wir halten uns gegenseitig fest. Das hat für mich diese fürsorgliche, individuelle Dimension von CARE, aber auch die politische Dimension, weil man sich auch herausfordert, auch immer wieder politisch. Unser Haus war Teil einer Donnerstagsdemonstration, hat nicht allen Bewohnerinnen im Haus gefallen. Wir haben einen palästinensischen Mitbewohner gehabt. Das hat für viele politische Diskussionen natürlich auch gesorgt. Also es gibt viele Auseinandersetzungen, die ganz unterschiedliche Lebensbereiche und Haltungen betreffen, aber darin liegt eben, glaube ich, auch die große Chance und auch die große Herausforderung. Und ich ende mit einem Zitat aus einem Beitrag über CARE, den ich selbst in einem anderen Kontext einmal geschrieben habe, der nochmal deutlich machen soll, dass es wirklich, und das klingt vielleicht paradox, aber ich glaube, es geht gleichzeitig darum, mit dieser Art zu wohnen, in die Breite zu gehen und radikaler zu werden. Mal schauen, wie uns das gelingt. Es bedeutet, dass für alle Lebensbereiche neue Regeln entwickelt werden müssen. Achtsamkeit, Verantwortung und Einfühlungsvermögen werden nicht länger auf dem privaten Umgang besprengt, sondern in ihrem politischen Gewicht erkannt. Und die Öffentlichkeit wird zu einem Ort, an dem Menschen in Netzwerken der wechselseitigen Abhängigkeit, Fürsorge und Verantwortung leben. Das ist eine Formulierung von Selma Sevenhuysen, einer Care-Theoretikerin aus den Niederlanden. Zu Orten, wo sie Neues miteinander ausprobieren und gemeinsam für ein gutes Leben aller sorgen können. Das ist der Anspruch. Gibt es Fragen an die Michaela Moser? Ich wollte nur kurz einen Gedanken ergänzen. Mir leuchtet das total ein mit dem Kehrmuskel. Und den sollten wir natürlich alle trainieren. Gleichzeitig, gerade in Oberösterreich, sind wir aktuell vor so vielen Herausforderungen. Also man braucht einerseits diesen privaten Kehrmuskel, man braucht aber auch den öffentlichen Kehrmuskel, zum Beispiel einen gescheiten Ausbau der Kinderbetreuung, der einfach flächendeckend, auszudahme Linz und kleinere Gemeinden nicht sehr gut stattfindet. Also das wollte ich nur ergänzen, auch beim Gesundheits- und Pflegesystem, wo einfach Investitionen der Öffentlichen handhaften. Also vor allem die Politik muss extrem viel Care-Muskeltraining machen. Vielen Dank.