Herzlich willkommen an diesem wunderbar sonnigen Nachmittag. Herzlich willkommen bei Crossing Europe Film Festival. Diesen wunderbar sonnigen Nachmittag. Herzlich willkommen bei Crossing Group Film Festival. Es ist schon der letzte Festival-Tag. Und quasi jetzt schon mittlerweile eine Tradition, haben wir an diesem Tag noch eine wunderbare Veranstaltung. Genau, ich sage jetzt mal nur kurz, wer wir beide sind. Neben mir steht Katharina Riedler mit ihrer Tochter. Mein Name ist Sabine Gebetsreuter. Wir leiten das Festival gemeinsam und ein Prinzip bei Crossing Group sind immer Kooperationen. Und diese Kooperation freut uns ganz besonders, weil das ist jetzt schon mehrere Jahre, glaube ich. Dritte Jahr? Vierte Jahr? Immer der Sonntag. Und ich möchte mich ganz herzlich bei Female Positions bedanken, bei Sandra, Daniela, heute auch Verena, dass sie mit dabei ist, dann unserem Gast, den wir dann noch vorstellen werden, hallo Jill. Es ist immer so, wir versuchen einen Film aus dem Programm rauszupicken, den wir alle gut finden und wo wir sagen, okay, da lohnt es sich näher darüber nachzudenken, zu reflektieren und das Tolle auch heute wieder ist, dass wir es, es wird kein reiner Talk, es wird dann einfach auch ein bisschen performativer. Danke, Verena. Und wir hoffen, dass Sie einen schönen Nachmittag haben. Und falls Sie abends noch Lust haben, ins Kino zu gehen, es gibt heute noch einige Filme zu sehen bei Crossing Europe und wir würden uns sehr freuen. Wir haben heute noch zwei Screenings von Preisträgerinnen filmen und genau, also einfach unten an der Kasse beim Lift gibt es sicher noch Karten. Gut, ich glaube, das war es. Katharina, dann geben wir einfach, übergeben wir, bitte, liebe Sandra. Dankeschön. Herzlich willkommen beim Female Positions Salon. Unser Dank gilt natürlich dem Team vom Crossing Europe Film Festival, allen voran Sabine Gebetsreuther und Katharina Riedler, dass wir da wieder zu Gast sein dürfen dieses Jahr. Mein Name ist Sandra Hochholzer. Ich bin vom Verein für gesellschaftspolitische Positionen und diesen Verein gibt es jetzt seit 2021. in den Feldern Kunst, Literatur, Gesellschaft, Wissenschaft. Und unsere Mission ist, wenn man es so sagen möchte, dass wir Autorinnen, Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen einfach sichtbarer machen, weil in der Gesellschaft und in den Medien die Wahrnehmung immer noch viel niedrigere ist als bei männlichen Kollegen, wenn man das jetzt mal so sagen darf. Unsere letzte Publikation oder eine der letzten und aktuellsten Publikationen, die wir herausgebracht haben, ist das Buch Amazing. Und zwar ist es ein Text-Bild-Buch und die Texte sind von der Verena Koch und die Bilder sind von der Astrid Esslinger, die heute auch hier ist. Und dann noch ganz kurz von mir, was ist der Female Positions Salon? Das ist einfach eine Reihe, die wir regelmäßig anbieten, wo es einfach darum geht, Diskussion zu aktuellen Themen anzubieten, die Frauen betreffen, aber natürlich gesamtgesellschaftlich relevant sind. Frauen betreffen, aber natürlich gesamtgesellschaftlich relevant sind. Und heute haben wir eben diesen Female Positions Salon zum Thema Mutter-Tochter-Beziehungen. Ich sage einmal, fast jede Frau kommt in ihrem Leben vermutlich mal in die Situation, dass man sich mit so einer Beziehung auseinandersetzen muss. Und um diese Beziehung geht es eben auch in dem Film, wo wir heute anknüpfen. Und an dieser Stelle darf ich meine Kollegin übergeben, an die Daniela Banglmeier von Positionen. Sie wird uns heute durch diesen Salon führen. Danke, Sandra. Herzlich willkommen auch von meiner Seite. Mein Name ist Daniela Banglmeier und ich freue mich sehr, dass wir zum Thema Mothers Da Daughters, It's Complicated auch zwei Gästinnen begrüßen dürfen, die mit uns über ihre Sicht der Dinge sprechen. Zu meiner linken Verena Koch, Schauspielerin, Regisseurin und Autorin von Amazing und zu meiner rechten Jill Kramer, Schauspielerin und Anne, eine der Töchter aus dem Film Donkey Days. Dieser Film der Regisseurin Rosanne Pahl ist ja Ausgangspunkt für diesen heutigen Female Positions Salon. In Donkey Days geht es ja darum, dass zwei Schwestern um die Liebe und die Aufmerksamkeit ihrer Mutter buhlen. Und ich würde gleich zu Beginn die beiden Gästinnen auf der Bühne fragen oder ersuchen um ein Eingangsstatement. Viele von Ihnen werden ja den Film gesehen haben. Er lässt einen nicht unberührt zurück. Ich würde beide bitten um ein Eingangsstatement zum Film, zum Drehbuch, auch zu deiner Rolle als Anna. Welche Eindrücke, beziehungsweise wie du, Jill, das Drehbuch gelesen hast, welche Eindrücke hast du vom Film, vom Drehbuch, von den Rollen gehabt? gehabt? Ja, also es ist insgesamt, finde ich, ein sehr intensiver Film, also man ist, finde ich, mir ging es zumindest so, nachdem ich das erste Mal gesehen habe, habe ich mich ein bisschen gefühlt, als würde ich durch so eine Wäschemangel gedreht worden, also es ist emotional ein auf und ab und ja also er plättet ein ein bisschen muss ich zugeben wie ich den das drehbuch gelesen habe das ist eine interessante frage es gab nämlich kein dreh. Also die Regisseurin hat ein Drehbuch geschrieben und das war aber eigentlich eher ihr Leitfaden, diesen Film zu drehen. Und wir haben als Schauspielerinnen eher gearbeitet als währends Theaterproben. Wir haben uns, dieser ganze Film ist über ein ganzes Jahr gedreht worden. Es gab fünf verschiedene Drehblöcke. Dazwischen gab es jeweils manchmal sogar zwei Monate Pause und dann haben wir uns dort getroffen und ganz viel geprobt. Und es gab auch keinen vorgeschriebenen Text, den wir auswendig gelernt haben, sondern es ging vielmehr um, was kommt in dieser Szene vor, um was für Emotionen geht's. Und die haben wir eher wie eine Theaterprobe erarbeitet. Und dann haben wir gedreht. Und die Regieanweisungen waren auch oft geheim. Also wir haben uns vor einer Szene, hat jeder von uns Schwestern oder Mutter eine ihre eigene Regieanweisung bekommen. Und dann wussten wir, okay, das ist die Szene, wir fahren Auto, wir spielen irgendwas, Schach oder so und jeder hat sein Goal und dann wurde Kamera ab und die Sachen sind entstanden und ich glaube deshalb auch oft so intensiv. Ich glaube deshalb auch oft so intensiv. Ja, also das würde ich jetzt zu dem Film erst mal sagen. Und ja, also ich kann verstehen, wenn Sie alle diesen Film gerade geguckt haben, dass es wahrscheinlich auch für Sie gerade noch so ein bisschen schwierig ist, zu verstehen, was da eigentlich gerade passiert. Also mir ging es auf jeden Fall beim ersten Mal schauen so und der hat sich auf jeden Fall auch immer wieder verändert. Ich habe den jetzt neunmal geguckt und jedes Mal, klar ist es natürlich was anderes, den zu sehen, auf was man achtet. Aber ja, es ist auf jeden Fall ein Stückchen intensive Familie. Eine Scheibe Leben vielleicht. Dafür kann ich euch erstmal ein Kompliment machen, weil da ich auch Schauspielerin bin, weiß ich, dass ein auswendig gelernter Text fast einfacher ist, als so eine Art zu improvisieren und das finde ich ziemlich toll, wie ihr das macht. Also an alle ein großes Kompliment. Und das ist auch interessant, weil das ist nicht zwangsläufig dann intensiver und besser, sondern man kann sich auch drücken. Man kann dann auch über das Wetter reden oder irgendwie ausweichen. Da gibt es ganz viele Möglichkeiten. Das habe ich jetzt schon im Laufe meines Lebens auch selber angewendet. Aber das tut ihr nicht und das ist toll. Und ich bin leider, was das Thema betrifft, ich habe überlegt, ob man so privat werden soll, aber ich bin durchaus Expertin, was Mutter-Tochter-Beziehungen betrifft. Und ich habe auch noch eine Schwester. Und unsere Konstellation ist ganz ähnlich. Und dann habe ich mir, weiß ich nicht, ob euch das interessiert, ich habe dann heute nochmal reingeguckt in den Film und dabei habe ich mir alles aufgeschrieben, was mir dazu einfällt, wo ich Parallelen habe. Soll ich das runterlesen? Vielleicht finden Sie das auch. Ich habe gefunden, die Mutter wird tapfer zur Rede gestellt, aber ist schwer zu belangen. Im Mikromobbing hat sie eine Meisterschaft. Die Geschwister, die sich eigentlich aneinander festhalten wollen, werden unüberwindbar gegeneinander ausgespielt. Das Netz aus kaum spürbaren, intransparenten Verabredungen ist geradezu furios. Die eine hat etwas alternativere Lebensentwürfe als die andere, die entrinnt der Einsamkeit kaum. Die Revancheakte sind nicht nur eigene Abgründe, sondern Abgrenzungsversuche, die ich verzeihen könnte, würde ich so sagen. Wie zum Beispiel, deine Haut wirkt so fahl, dein Haar so stumpf, aber wenn es dir gut geht, naja der Zahn der Zeit, das sagt man natürlich auch wenn man selber erstmal eine Weile gemobbt worden ist und ich finde das eigentlich auch eine tolle eine tolle Retourkutsche das ist es nämlich eigentlich und dazu muss man auch, und das machen Schauspieler ganz ungern das kann ich deswegen sagen, weil ich habe jetzt 20 Jahre an der Bruckner Uni unterrichtet mittlerweile und an anderen Universitäten auch und sehr viele junge Schauspielerinnen mit ausgebildet, mit anderen Kollegen und Kolleginnen zusammen. Und dass man in Abgründe schaut, ist nicht selbstverständlich. Die meisten wollen auf der Bühne auch gute Menschen sein. Erst wenn man ihnen sagt, Richard III. war doch wirklich ein Schwein und Macbeth auch, dann kommt so ein bisschen Bewegung rein, aber das dauert lange. Und dann habe ich aber noch, soll ich ein bisschen weitermachen noch? Ich finde die Liste jetzt auch aufregend gerade. Bei gelungener Revanche zwinkern die Ahnen und erlegten Beutetiere von der Ahnengalerie herunter und die zwinkern bestimmt, weil es nicht einfach ist, der Staffel zu entkommen, diesem Genpool, der sich da immer weiter von Generation zu Generation bewegt. Und ich finde, es gibt eine kleine Gewinnerin und das darf ich du sagen, das ist deine Figur, weil die es schafft, die Dinge besser zu benennen, Worte zu finden und Fabeln und weil sie mit FreundInnen interagieren kann und auch ein bisschen Lebenslust und Spaß dabei hat. Das sieht man bei der anderen sehr selten. Die ist eher alleine. Und dann hat die Mutter so ein Ding drauf, das kenne ich leider auch, Bestrafung folgt auf den Fuß. Also wenn man die Mutter irgendwie belangen kann, dann kommt die Urne von Onkel Henry eifresserisch ins Spiel. Also erst wird über den unbezahlbaren ungarischen Esel geredet, was ja eine tolle Erfindung ist, und dann muss man büßen damit, dass man die Asche von Onkel Henry, der vielleicht gar nicht tot ist, ins Meer streuen muss. Und das ist ein sehr abgekatertes Spiel, das die Mutter sehr solistisch eigentlich am Leben erhält. Und ich dachte dabei dann aber auch an etwas, an was ich immer denke, wenn es um Familie geht, das ist das weiße Band von Ach, schieß mich tot, von Harnicke, wo man irgendwie auch merkt, dass diese Figuren deswegen beschädigt sind, weil die Gesellschaft sie so stark beschädigt. Und das denkt man bei der Mutter auch. Und das spielt die Hilde Schmal ganz großartig. Also man denkt nicht, was für eine furchtbare Frau, sondern man denkt, wie ist die nur so beschädigt worden? Und man ahnt natürlich schnell die Zusammenhänge. Auch bei meiner Mutter, die im Zweiten Weltkrieg groß geworden ist, ist es ziemlich klar, wo das herkommt. Und die Mutter hat auch so eine Angst vor Einsamkeit, deswegen muss sie die Kinder in ständiger Verunsicherung halten, um die Macht zu behalten. Und dann gibt es noch so was, was ich so total rührend finde. Kinder sind grundsätzlich loyal. Oh Mann, da muss ich fast heulen. Und ihr seid so loyal. Diese Kinder in diesem Film sind bis zum Ende und darüber hinaus, also die sind so loyal. Die wissen zwar, sie werden misshandelt, aber sie bleiben loyal oder bei jeder nächstmöglichen Gelegenheit beweisen sie wieder ihre Loyalität, weil sie lieben. Und dann merkt man auch, dass erst beim Tod der Mutter, denkt man, jetzt geht die Aufarbeitung los. Aber auch das ist eine verzwickte Geschichte. Und die endet eigentlich nicht wirklich gut. Man sieht ja, was ich den Hammer finde, das ist mir erst beim zweiten Mal aufgefallen, es schaut die ältere Tochter zum Fenster raus und von der Kamera außen sieht man, dass es die Mutter ist. Boah. Und dann sieht man dich mit zwei Eseln über die Wiese gehen und man fragt sich allerdings mit zwei. Da habe ich gedacht, das muss ich noch mal, muss ich morgen drüber nachdenken, habe ich heute noch nicht verstanden. Ja, und diese Geschichten von, dass man Probleme löst mit Diazeptam und Valium, ist mir auch bekannt. Also es ist eine ganze Generation von Nachkriegsmüttern, die glaube ich die Taschen voll damit hatten. Also das habe ich oft schon gehört und bei meiner Mutter selber auch gesehen. Ich bin schon fertig mit meiner Liste und diese Liste hätte nicht entstehen können, wenn da nicht so tolle Inhalte in diesem Film wären. Da danke ich nochmal. Genau, im Film sieht man ja, dass sich beide Schwestern auch räumlich sehr weit vom Elternhaus entfernt haben. Und doch kehren die beiden immer wieder, wie Serena auch schon angesprochen hat, ins Elternhaus zurück. Sei es für Familienfeiern, sei es für Geburtstagsfeste, ist das diese Ambivalenz? Man will nicht, aber irgendwas sagt einem, man muss, es gehört sich so, es ist eine Erwartung, dass man zum runden Geburtstag der Mutter nach Hause fährt. Also ich kenne viele Leute, die sich davon freimachen wollen, aber letztendlich geht glaube ich, 99% der Menschen gehen dann doch zum Geburtstag. Auch wenn man bis zur letzten Minute vielleicht mit sich hadert oder denkt, dieses Jahr mache ich es vielleicht mal anders. Ich möchte nicht sagen, es gibt durchaus schöne Familien. Punkt. Aber ich denke, es gibt in vielen Familien durchaus Strukturen, in denen es schwierig ist, vielleicht gerade wenn man einen etwas anderen Weg einschlägt, als die Eltern oder die Mutter oder der Vater sich für das Kind vorgestellt hat. Die Kämpfe mit sich bringen, Auseinandersetzungen, seinen eigenen Weg einzuschlagen und trotz alledem das Gefühl zu haben, geliebt zu werden. Ich glaube, letztendlich ist das sowieso bis ans Ende unserer Tage das einzigste Goal. Wir wollen geliebt werden von unseren Eltern. Und im Zuge dessen vielleicht dann irgendwann später von unseren Partnern, Partnerinnen dies, das. Aber eigentlich bleibt bei vielen oder ist bei vielen, glaube ich, ein stetig kleines schwarzes Loch, was irgendwie gefüttert werden will mit Anerkennung seiner Eltern. Und ja, das denke ich. Bin ich jetzt abgeschwiffen? Verena, magst du dazu auch was sagen? Zur Ambivalenz in Familien, Mütter-Tochter-Beziehungen? Diese Ambivalenz, dass man nicht nach Hause kommen möchte, aber es dann doch tut. Nee, das ist bei uns anders. Die kommen alle zu uns. Und ich möchte die immer Weihnachten gerne mal ausladen und traue mich dann doch nicht. So ist das bei uns und das ist genau so. so ist das bei uns und das ist genau so ich war eine der wenigen, die sich gefreut hat, dass Corona war das einzige Mal in meinem Leben, wo ich den ganzen 24. und 25. Dezember im Schlafanzug in der Wohnung rumgelaufen bin und ganz genau Spiegeleier gebraten habe also das fand ich toll und meine Mutter ist 89 und je älter Mütter werden, desto weniger schafft man zu sagen, meine Mutter sagt auch immer, das könnte mein letztes Weihnachten sein. Und letztes Jahr habe ich gesagt, ja, meins auch. Aber es hat trotzdem nichts geändert daran, an dem Gefühl der Verpflichtung. Und jetzt kommt noch was Verschärfendes. Wenn man selber Kinder hat, möchte man nämlich nicht so behandelt werden. Schon deswegen macht man es dann so. Ich finde es ehrlich gesagt auch in Ordnung. Ich fände es schöner, man könnte sich mehr auseinandersetzen. Ich fände es schöner, wenn ich meine Mutter frage, wie war das denn eigentlich mit dem Krieg und was hat der Opi gemacht? Und sie würde was anderes sagen als immer. Da kann ich mich gar nicht erinnern. Also das fände ich schöner. Aber jetzt ist es auch ein bisschen zu spät. Ja, Familie kann man sich nicht aussuchen. Wie würdet ihr die Mutter-Tochter- Beziehung, beziehungsweise Mutter-Tochter- Beziehung im Film beschreiben? Charlotte sagt ja, Treffen bei einem Schwesterngespräch über die Organisation des Geburtstagsfestes für die Mutter. Du weißt, dass ich das nicht schaffe, nicht hinzugehen und nicht zum Geburtstag zu gratulieren. Und doch endet es meistens in Tränen, wie Anna kontert. Ich heule, du heulst oder wir heulen alle drei. Ist das genau diese Ambivalenz, die es auszuhalten gilt, eben zwischen den Erwartungen der Familie, in diesem Fall von der Mutter und der eigenen Autonomie, dem Zurechtkommen im Leben. Wie kommt man da durch? Ja, wie kommt man da durch? Ich glaube, da gibt es unterschiedliche Herangehensweisen, wie man da durchkommt. Der eine mit vielleicht ein paar blauen Flecken, der andere vielleicht mit amputierten Beinen oder Gefühlen. Ich weiß es nicht so ganz genau, aber was ich sagen kann, ist, dass das Verhältnis dieser drei Frauen auf jeden Fall kein gesundes ist. einer toxischen Beziehung ist vielleicht heutzutage auch ein bisschen überstrapaziert in mancherlei Hinsicht, aber in dem Fall finde ich trifft es schon sehr gut. Es gibt kaum ein normales Level an, wie sind wir miteinander, sondern es wird eigentlich permanent ein Drama geschaffen, um in dieser Versöhnung dieses Dramas eine Normalität wiederzufinden und eine Art von Erleichterung, dass man dieses Drama gerade überwunden hat. Und das alleine ist schon so eine Art von Verbundenheit, die dadurch entsteht. Das ist halt nicht gesund so. Und ich glaube, viele beziehungen funktionieren über diese art von einem in einem ständigen drama zu leben und diese form von sich wieder versöhnen ist es so die kleinste einheit die man sozusagen schaffen kann die nä produziert, obwohl es eigentlich keine wirkliche Nähe ist. Und ich glaube, auch so ist das Verhältnis dieser beiden Schwestern, eine aufrichtige Schwesternbeziehung zueinander aufzubauen, weil sie ständig gegeneinander ausgespielt werden, weil es ständig um die Gunst der Mutter geht, weil es, ja, also ein Besser, ein Schlechter und es ist wenig Aufrichtigkeit. Und es ist wenig Aufrichtigkeit. Und man merkt aber eigentlich, finde ich, schon doll, dass sie es eigentlich wollen. Sie wollen eigentlich füreinander sein und wissen auch, dass sie eigentlich verloren sind ohne einander. Und trotzdem können sie nicht miteinander, weil ständig Salz in die Wunde gestreut wird. Und ja, also es ist wirklich, finde ich, eine sehr schmerzhafte und traurige Beziehung, die diese drei Frauen miteinander fristen. Also, ja. Also was mir dazu noch einfällt ist, weil du gesagt hast, das Schwierige ist ja, dass die Mutter aber auch danach trachtet, dass der Konflikt zwischen den Schwestern immer aufrecht bleibt, indem die Mutter zu einem nett und freundlich und zugewandt ist, dann wieder zur anderen. Das heißt, der Mutter kommt schon die Hauptrolle zu, dass sie, dass das alles so schwierig ist und auch, dass die Schwestern nicht zueinander finden. Ja, natürlich, also ich meine, in dem Moment, wo du halt ständig Zwietracht siehst, können die sich ja auch nicht gegen dich verschwestern und so, also weil jeder ist um sein eigenes Überleben ständig bemüht und irgendwie die Wogen zu glätten, also da kommt ja gar kein Raum auf, mal zu sagen, sag mal, wie war denn das? Oder das hat mich schwer verletzt irgendwie. Und wie war das im Urlaub? Warum macht ihr jetzt irgendwie eine Ernährungsumstellung, ohne mit mir darüber zu reden? Also so, das ist ja irgendwie, also man hat ja gar keine Zeit dazu als Kind in diesem Film mal was zu hinterfragen, weil man ständig nur ums Überleben ringt irgendwie und den Frieden wieder herzustellen, um irgendwie halbwegs durch den Tag zu kommen. Verena, da frage ich dich jetzt als Mutter. Wie würdest du das einschätzen, die Figur der Mutter im Film? Wieso möchte sie das, dass die beiden Schwestern keine gesunde Schwesternbeziehung führen? Ist das Egoismus? Ist das auch ihre Art der Anerkennung, dass sie sich die beiden Töchter herholt? Ich muss erst mal mit einer anderen Frage kontern, weil nämlich das Interessante ist, dass das Wort Vater in dem Film kein einziges Mal fällt. Und das wüsste ich gerne mal, ob ihr im Vorhinein, wie ihr das definiert habt. Ja, das stimmt. Es gibt keinen Vater in diesem Film. Und als wir im Groben am Anfang über diesen Film gesprochen haben und was die grobe Geschichte ist, wie gesagt, es gab kein Drehbuch, was wir durchgelesen haben und Leseproben. Es gab aber einen Das ist ganz interessant. Also wir sind bevor, als dann das ganze Casting stand und es war klar, wer spielt die Schwester, wer spielt die Mutter, sind wir nach Frankreich gefahren in dieses Haus, drei Schauspielerinnen eigentlich und wollten in diesen Film einsteigen, die Rollen uns kennenlernen, wer hat welche Rolle, wie ist die Familie und auf dem Flug dorthin ist die Mutter abhandengekommen. Diese Mutter sollte nämlich eigentlich jemand anderes sein. Und sie ging es auf der Reise leider körperlich so schlecht, dass sie umgekehrt ist. Also standen wir in Frankreich und es gab die Mutterrolle nicht. Und dann musste die Regieassistenz eine Woche lang die Mutter spielen. Das war schon mal sehr lustig. Und irgendwann hatten wir dann nach ein paar Tagen die Nachbarin, die sich dann bereit erklärt hat, die Mutter Mutter spielen. Das war schon mal sehr lustig und irgendwann hatten wir dann nach ein paar Tagen die Nachbarin, die sich dann bereit erklärt hat, die Mutter zu spielen. Naja, wie auch immer. Jetzt bin ich abgekommen. Was war die ursprüngliche Frage nochmal? Sorry. Ah ja, Vater. Genau, also da haben wir natürlich auch gefragt, was ist mit dem Vater los? Warum gibt es nirgends einen Vater? Und Rosanne hat auch lange hin und her überlegt, ob diese, ob es diesen Vater gibt, aber sie hat für dieses Konstrukt dieser drei Frauen entschieden, dass es irrelevant ist, wer dieser Vater ist, weil diese Mutter so dominant ist, dass egal, was das für ein Vater gewesen wäre, diese drei Frauen, ja, also der Vater wäre untergegangen. Und mehr kann ich ehrlich gesagt dazu auch nicht sagen. Das war das, was sie zu uns gesagt hat und wir haben nie wieder nach dem Vater gefragt. Natürlich gab es ab und zu nochmal die Überlegungen, damit es auch ein bisschen so einfach ist, sich in seine eigene Rolle hineinzufinden. Was war denn mit dem Vater? Und ihre Antwort war, der Vater ist früh gestorben. Also das war dann für das, wie wir mit der Situation gespielt haben, unsere Erinnerung. Wir waren Kinder und der Vater ist früh verstorben, das war's. Also es gab keine Scheidung oder so, also genau, der Papa ist tot. Die Mutter kommt sehr preußisch-protestantisch rüber. Und das ist vielleicht in Österreich gar nicht so fühlbar, aber das kommt eben auch, deswegen erinnert es mich an diesen Haneke-Film, dass es so eine Rigidität ist in der Pflichterfüllung, in der Einsamkeit, in der Selbstkasteiung, in allem, was Strafsysteme sind. Also wo man sich dann selber straft, wenn man die Kartoffeln nicht ordentlich geschält hat oder weiß der Teufel was. Und das trägt die mit, das spielt die sehr, sehr gut. Und was man natürlich auch noch merkt, man muss ja nicht über den Charakter von ihr fabulieren, der wirkt ja auf einen, aber wenn man überlegt, warum es so kommt, dann hat es immer wieder was mit Macht und Einsamkeit zu tun. In dem Moment, wo die Kinder sich verbünden könnten gegen eine Mutter, ist dieses ganze Machtkonstrukt und auch die, die nicht sich selbst hinterfragen müssen, Geschichte äußerst gefährdet. So sehe ich das. Übrigens, es ist sehr humorvoll, das ist auch noch gut. Es gibt auch wieder viel zu lachen. Was auch noch interessant ist, weil wir jetzt die ganze Zeit von den Schwestern gesprochen haben, es sind zwei Töchter. Glaubt ihr, dass die Erwartungshaltung von speziell einer Mutter an ihre Töchter eine andere ist als zu söhnen? Also das denke ich schon. Also das denke ich schon. Ich habe mich gefragt, ob es höhere oder weniger hohe Erwartungen an Töchter oder Söhne gibt und ich glaube schon auch, dass Erwartungshaltungen an Söhne so sind, dass man eine Art von, man muss die Familie erhalten können und da geht es glaube ich viel mehr um Leistung im Sinne von Geld heranschaffen, damit alle genug zu essen auf dem Tisch haben und ich glaube, die Erwartungshaltungen an Frauen oder Töchter sind leider manchmal vielleicht sogar ein bisschen niedriger oder zu wenig, also ich würde mir vielleicht wünschen, dass man sich von Frauen ähnliches wünscht, dass sie in ihrem Leben was erreichen, was jetzt darüber hinausgeht, Geld zum Essen auf den Tisch zu bringen, aber es sind so Pflichtbewusstere oder Bravsein, nicht unangenehm auffallen, kein Drama zu machen, es sind alles so der Frau zugeschriebene Erwartungshaltungen nicht laut sein, nicht unangenehm sein, schön zu allem Ja und Amen sagen. Und das glaube ich, da unterscheiden sich auf jeden Fall die Erwartungshaltungen massiv zwischen Männern und Frauen und Töchtern und Söhnen. Einem Sohn wird ja auch mehr zugestanden, wenn er sagt, ich habe keine Zeit, dass ich nach Hause komme. Dann wird das auch mehr entschuldigt als zum Beispiel von einer Tochter. Man muss ja arbeiten. Genau. Man hat ja nicht nur die Kinder vielleicht, oder auch selber einen Job. Verena, was sagst du dazu? Glaubst du, dass die Erwartungshaltung an Töchter andere sind? Genau so, wie sie es beschrieben hat. Wir müssen immer in den Konferenzen plus eins sagen. Plus eins. Genau. Eine andere Geschichte war ja im Film auch immer wieder Thema. Das Thema der Figur. Also die Mutter hat ja auch immer mit dem Aussehen, also der Töchter gespielt. Das Problem ist ja, dass man dann solche Erwartungshaltungen ein ganzes Leben mit sich herumträgt. Das heißt, das ist wie ein Rucksack. Wenn das im Kindesalter anfängt, dann kriegt man das wahrscheinlich das ganze Leben nur mehr mit viel Therapie, wie auch immer, los. Wie war diese Ambivalenz im Film? Ja, das stimmt absolut. Und ich meine, natürlich spiele ich in dem Film die Rolle der Anna, aber nichtsdestotrotz bin ich ja mit diesem Körper auch Jill, also die Privatperson, also es ist ja nicht so, als hätte ich da jetzt irgendwie ein Bodysuit angezogen. Wenn ich aus meiner eigenen kindheitlichen Erfahrung spreche, es war bei uns zu Hause, ich war schon, wenn ich mich zurückerinnere, als wirklich kleines Mädchen übergewichtig und ich erinnere, dass ich auch sehr früh schon auf die erste Diät gesetzt wurde. Meine beiden Schwestern sind super rank und schlank, meine Mutter rank und schlank, mein Vater, also alle in der Familie außer ich. Ich wurde sehr verhätschelt und es wurde mir ständig gesagt, dass ich gut so bin, wie ich bin, aber es gab immer dieses kleine Aber. halt eine Diät machen und so. Also dieser Gedanke von, natürlich wollen sie auf meine Gesundheit achten, das war auf jeden Fall. Und ich kann das auch total verstehen. Also ich meine, es ist durchaus nicht gesund, übergewichtig zu sein. Ich kann es mir selber halt nicht erklären, warum ich schon mit sieben Jahren übergewichtig war, weil ich habe nichts anderes gegessen als der Rest der Familie. Und ich glaube, es gibt einfach gewisse Gene, ich weiß es nicht, ich habe auf jeden Fall eine lange Diätgeschichte auch persönlich hinter mich gebracht und bei jeder Diät verschiebt sich auch dein Idealgewicht, also es ist sozusagen auch eine Art von Teufelskreis, in dem Moment, wo man einmal eine Diät anfängt, denkt sich der Körper, okay, was ist hier los, wir sind im Krieg, wir müssen Vor jeden Fall auch in der Gesellschaft ein Gefühl von, man muss halt auch immer ein bisschen besser sein. Man muss immer ein bisschen netter sein. Man muss immer ein bisschen umgänglicher sein als vielleicht eine schlanke Frau. Ich als korpulentere Frau habe nicht die gleichen Rechte, weil ich muss ja erstmal irgendwas von vornherein ausbügeln, besser machen, um sympathisch rüberzukommen oder was weiß ich. Also das ist so in ganz vielen Köpfen, glaube ich, drin, was Menschen haben, die nicht der normativen Schönheit entsprechen, dass man erst mal mit etwas anderem aufwarten muss, was das andere sozusagen ungesehen macht, obwohl es natürlich Quatsch ist. Also ja, es ist auf jeden Fall ein Päckchen, was, glaube ich, die meisten Menschen, die in so einer Situation sind, ihr Leben lang mit sich rumschleppen. Es ist, ja, man ist halt nicht Norm. Norm, schön. Und das ist ja schwierig, wie eine Familie damit umgeht. Ich hoffe sehr, es hat sich schon ein bisschen was verändert in den Köpfen der Menschen in den letzten 10, 20 Jahren. Menschen in den letzten 10, 20 Jahren. Aber nichtsdestotrotz ist immer, glaube ich, noch viel Arbeit, was generell das Frau sein, dick sein, schwul sein, frei sein. Also es ist, glaube ich, ein langer Prozess. Ich habe leider auch nicht die Endlösung bis jetzt gefunden. Da kann ich gar nichts dazu sagen, das stimmt alles. Und ich habe sogar noch die Befürchtung, dass mit allen rechten Flashbacks, die uns umzingeln, unsere Fenster zu einem freieren Umgang miteinander kleiner werden. Aber das bedeutet in der Umkehrung, dass wir einfach mehr darauf aufpassen. Und dass wir, ja, klüger miteinander umgehen. Und dass wir vorsichtig sind. Und im Übrigen ist es ja auch eine völlig bescheuerte Idee von Schönheit. Weil ich finde das alles, also was ich in dem Film gesehen habe, sehr schön. Aber ich habe immer schon auch eine andere Idee davon gehabt. Danke. Ich würde jetzt einmal Sie, liebes Publikum, fragen, ob es von Ihrer Seite Anmerkungen, Wortmeldungen zum Film gibt. Haben Sie Fragen an die Schauspielerin, die Anna spielt im Film oder an Verena oder gibt es von Ihrer Seite Wortmeldungen, wie Sie den Film gefunden haben? Also ich glaube, ich will meine Lesart einmal teilen, weil ihr gerade ja schon über toxische Beziehungen gesprochen habt und über die Abwesenheit vom Vater. Und meine Interpretation teilen von diesem abwesenden Vater, weil für mich war der Film so die Darstellung von toxischer Weiblichkeit, die ja irgendwie entsteht immer aus dem Patriarchat heraus, also es sind ja irgendwie so Überlebensstrategien, wie man irgendwie versucht, halt wie ihr schon sagt, Macht zu bekommen. Und ich das Gefühl habe, oder ich kenne das aus meiner Familie, dass selbst wenn es Konflikte mit dem Vater gibt, die trotzdem alle mit der Mutter ausgetragen werden, weil dort die Beziehungen irgendwie passieren. Und ich das Gefühl hatte, ich glaube auch, dass der Vater egal ist, aber dass er trotzdem in meiner Fantasie eine große Rolle in der Familie spielt, auf die auch alle reagieren, auf ihre Art. Ja, das ist meine Interpretation dieser Beziehung. Ja, absolut. Ja, also ich sehe das absolut wie du es wird immer am Ende mit der Mutter geklärt selbst wenn man mit dem Vater irgendein Problem hat es wird erstmal mit der Mutter besprochen der war so und so, das ist doch doof, ich wollte das er hat nein gesagt, wie können wir das lösen man versucht erstmal irgendwie diesen Weg irgendwie über die Mutter Sachen aus der Welt zu schaffen und wie gesagt, ich denke, es gibt auch wahnsinnig gute Väter, Punkt. Nicht immer ist alles nur schrecklich, was Väter sind, aber leider sind Väter oft wirklich einfach abwesend, selbst wenn sie nicht tot sind. Sie sind einfach ganz oft nicht Teil des täglichen Auseinandersetzens, was Emotionen betrifft, was ist das alltägliche Leben, wo drückt der Schuh, sondern er wird dann vielleicht zur Rate gezogen, wenn irgendetwas Großes entschieden werden muss. Oder so. Und das ist, glaube ich, auch eine Art von ja, eine Abwesenheit von Vätern in vielen Geschichten, die wir alle kennen irgendwie von zu Hause. Die Mutter ist am Ende der Anker, die alles zusammenhält und die Väter kommen oder gehen und sind da oder halt nicht, aber es wird halt auch nicht so viel in Frage gestellt. Also mein Vater kam immer nur abends ganz spät von der Arbeit, hat mich aus meinem Bettchen geholt und das, was uns verbunden hat, war, dass er mich nochmal auf den Schoß geholt hat und mit mir noch mal was zu Abend gegessen hat. Also mein Papa war da und dann gab es was Leckeres zu essen. Als Baby schon. Also nur als Kleines, okay, wie verbindet man Essen und Emotionen? Das ist ein eng verknüpftes Bundle. So, und dann war er wieder weg. Und dann gab es ihn am Wochenende oder halt im Urlaub. Da war der Vater dann mal da. Und wenn man auf der Reise mit dem Auto nach Italien auf der Rückbank zu lang genervt hat, dann wurde man eine Runde Schlitten gefahren. Da hat man dann schon aufgehört zu quengeln, weil Schlitten fahren wollte man nun mal wirklich nicht. Also so. aufgehört zu quengeln, weil Schlitten fahren wollte man nun mal wirklich nicht. Danke. Gibt es sonst noch Wortmeldungen? Okay, dann würde ich vorschlagen, wenn es keine Fragen mehr gibt, dass Verena Koch uns ihre vorbereiteten Texte aus dem Buch Amazing liest. Und diese Texte, die sie ausgewählt hat für den heutigen Abend, haben alle Bezüge zur Familie. Mutter-Dochter-Beziehungen, Mutter-Kind-Beziehungen und überhaupt Frauen, Frau sein. Interessanterweise haben diese Texte passen. Ich dachte erst, oh mein Gott, jetzt soll ich hier dann so Texte lesen und wie geht denn das? Und die passen aber ganz gut, da bin ich froh, denn die haben mit Familie, mit Essen und mit Emotionen zu tun. jedenfalls habe ich zwei gefunden, die damit zu tun haben und ich möchte aber die Astrid, meine Freundin Astrid, die überhaupt der Grund ist, warum ich diese Texte geschrieben habe, weil die hat ein schönes Atelier und ich darf immer mal, wenn ich da vorbeikomme, in das Atelier gehen und darf so auf ihre Bilder schauen und dann durfte ich laut sagen, was ich dazu denke, was aber kein kunsthistorischer Vortrag war, dass ich irgendwas hätte beschreiben können aus einer Expertensicht, sondern ich durfte einfach sagen, was mir dazu einfällt. Und dann irgendwann seid ihr dazu gekommen, habt gesagt, schreib es doch mal auf. Und dadurch ist dann dieses Buch entstanden und der erste Text, den ich lese, hat was mit diesem Bild hier zu tun. Das können die Leute, die zufällig DorfTV schauen, besser sehen jetzt. Da ist eine Frau, die schiebt einen in den Einkaufswagen zwischen sehr viel anderen Menschen. Und dazu ist mir Folgendes eingefallen. Ups, jetzt kleben die Seiten hier im Moment. Wie mache ich denn das? Nein, ich mache das so. So geht das schon. Okay. Ein Schriftsteller hat einmal geschrieben, dass die Demokratie kein Kühlschrank ist, den man öffnet und dann motzt, wenn keine Eier drin sind, während man nicht selber auf die Idee kommt, welche einzukaufen. Und schon sehe ich ihn vor mir, den Kühlschrank meiner Kindheit und meiner Mutter. Wie eine Alice im Wirtschaftswunderland huldigte sie als junge Frau einem Grundmuster des Kapitalismus der Schnäppchenjagd. Heute sagt man Deal. Das bedeutete, dass sie mit ihrer besten Freundin, unserer Nachbarin, morgens kleine farbige Beilagen der lokalen Zeitung nach Sonderangeboten durchforstete. Ui, heute eine Palette Quark, das ist Topfen, für so und so viel Pfennige. Weit unter einer Mark lag also das Päckchen. Das Sparen hatte man gelernt, aber es war nun nicht mehr eine aus der Not geborene Maßnahme. Man bewies damit hausfrauliche Kompetenz und konnte so mehr in den Bungalow, die Dauerwelle, das Auto investieren. Und deshalb musste ich palettenweise deutschen Quark in den kühlen Keller tragen, weil sich im Kühlschrank schon andere Paletten stapelten. Ich trug ihn widerwillig, denn ich wusste, was das bedeutete, ab jetzt lange immer die gleichen, kontinuierlich ranziger schmeckenden Quarkspeisen zum Nachtisch. Abgesehen von seiner Geschmacksproblematik verlängerte der Nachtisch die unangenehme Befragungssituation dieses deutschen Mittagstisches. Denn mein Vater reagierte zuverlässig auf meine vorsichtigen Versuche einer Meinungsbildung mit lauten Flüchen, deren Quintessenz lieber tot als rot war und zusammenfasste, dass, solange ich die Füße unter seinem Tisch hätte, seine Meinung in jeder Ausformung bindend sei. Aber mein Vater liebte Nachtisch. Und so unterbrach jetzt der Fruchtquark den Streit und die Paradies-Cremeserie der ehemals nationalsozialistischen Dr. Oetker-Firma. je nach Sonderangebot Mandarine, Pfirsich oder Ananas, in den Quark hineingerührt. Oder zerquetschte, braune, günstige Bananen. Bananenpaletten waren überhaupt ein Hit, um den uns unsere ostdeutschen Verwandten angeblich beneideten, während sie selbst gepflückte Blaubeeren mit selbstgemachter Dickmilch essen durften. Selbstredend wurde bei uns auch, was auf den Tisch kam, aufgegessen, was das Verweilen bei Tisch zusätzlich ins Unerträgliche verlängerte. So habe ich für mein Leben gelernt, Sammelleidenschaft sowie das Horten von vermeintlichen Angeboten zu vermeiden. Nicht nur habe ich kein Interesse an einem Preiskampf, sondern halte auch Schnäppchenjagd für ein Übel, dessen Auswüchse über alle Grenzen hinweg zum Beispiel afrikanische Hühnerfarmen zerstören, weil die exportierten Reste aus industrieller Tierhaltung dort die Binnenmärkte aushöhlen. Und warum schlechter Geschmack? Das Leben ist kurz, nicht nur für Hühner. Und jetzt habe ich noch einen Text gefunden, weil ich wollte natürlich alles besser machen. Und ich habe einen kleinen Sohn gehabt. Der ist jetzt ein großer Sohn. Und da ist mir eine Geschichte eingefallen, zu einem meiner Lieblingsbilder von Astrid. Das ist das hier. So, dieser Text heißt, das war schön damals. Wir müssen noch schnell in den Supermarkt zwischen Theaterprobe und Vorstellung, was kochen und ein bisschen spielen. Schnell! Das Kind schaut und rennt dann lachend los. Noch ist Zeit gleich Spiel. Ich spiele und renne auch. Allerdings nicht unbefangen, nicht fröhlich, nicht sicher, ob Doppelbelastung, Selbstverwirklichung, Kunstbeflissenheit, das Rechtfertigen, jeden Abend aus dem Haus zu rennen, um andere Frauenschicksale zu spielen, anstatt meines mit aller mir möglichen Intensität zu leben. Die kleine Hand drückt jetzt meine so fest, wie sie nur kann. Was, denke ich, was, was, wenn meine individuellen Ideen der Befreiung sich eines Tages demaskieren, als allgemeines Konstrukt, als eine neoliberale Zeiterscheinung während unserer gemeinsamen Zeit vergeht und jede Sekunde der Weltentdeckung meines Sohnes das Eigentliche und Schönste ist. Mittlerweile, in der Schlange vor dem Supermarkt, vor der Supermarktkasse genauer, beobachten wir ein anderes Kind, das an seiner Mutter zieht und zupft, damit von den bunten Riegeln und Bonbons auf der Stellage vor der Kasse etwas im letzten Moment gestresst im Einkaufswagen landet. Eine Gemeinheit, dieses Arrangement, eine kapitalistische Zumutung. Inzwischen wirft dieses Kind sich schreiend auf den Boden und die Mutter hat keine Freude an den auf ihr haftenden Blicken. Mit hochrotem Kopf hebt sie ihr Kind auf und bezahlt die Süßigkeit. 1 zu 0 für das Kind, denke ich. Und nein, das soll mir nicht passieren. Irgendwo muss die Manipulation ein Ende haben. Zum Beispiel genau jetzt, da, an dieser Warenauslage, auf die nun auch mein Sohn mit hoher Konzentration schaut, während die Schlange nach vorne rutscht und es mir ausnahmsweise nicht langsam genug gehen kann. Schon zupft mein Kind an meiner Jacke und zeigt auf die Süßigkeit, was ich angestrengt ignoriere. Atmen, noch zwei Einkaufswagen vor mir. Jetzt aber kommt seine Sprache dazu, die mich grundsätzlich umhaut, weil sie so klug um die Ecke biegt. Ob ich es lieb habe, will mein Kind wissen. Mein unerschütterliches Ja genügt aber nicht, denn jetzt beginnt der Handel. Ich tue so, als wäre ich in die Addition meines Einkaufs vertieft, da geraten wir aber schon in die nächste Phase. trampelt mit Füßen und Fäusten, nicht ohne dabei, mit leicht nach oben ausgerichtetem Blick, seine frisch gelernte Wirkung auf mich zu prüfen. Ich tue, was ich sonst nicht tue, ich schweige beharrlich, ignoriere das Publikum in der Schlange hinter uns, alle neugierigen Blicke, alle Kommentare und zahle meine langweiligen Äpfel, Möhren und Kohlrabi und bemühe mich, ganz ruhig durch die Schiebetür hinaus in die Sonne zu gehen, während das Kind immer noch drinnen am Boden liegt. Es sucht mich, steht auf, findet meinen Blick draußen vor der Tür und wackelt mit seinen drei Jahren unsicher, aber sehr würdevoll durch die automatische Schiebetür zu mir. Ich gebe ihm einen Kuss und wir gehen langsam nach Hause. Dem Kapitalismus haben wir gemeinsam in den Arsch getreten. Noch eins? Zugabe? Zugabe. Die Zugabe ist deswegen schön, weil ich dann nochmal ein Bild von Astrid zeigen kann, die sich sehr viel mit Wassermotiven beschäftigt. Das ist das hier. Dazu habe ich Folgendes geschrieben und es ist schön mit so einem Ermutigungstext aufzuhören, wenn ich ihn finde. Ja, hier. Die Schwimmerin. Die Schwimmerin wirkt klein in dem großen Wasser, aber nicht verloren. Sie scheint Teil der Materie zu sein und sich darin auszukennen. Ob sie sinkt? Einem untreuen Gatten jedenfalls bringt Undine den Tod. Den Odysseus verwirren Sirenen. Die kleine Meerjungfrau verendet in ihrem Mitleid. Die Nixen erkennt man an ihrem nassen Saum. Die Nixen erkennt man an ihrem nassen Saum. Vorsicht, das Donauweibchen ist nur vermeintlich lieb. Die Meduse jedenfalls lässt sich nichts mehr gefallen. All das ist die Schwimmerin. Aus dem, was sie umgibt, kam sie hervor, vor Urzeiten und weiß darum, hat keine Angst, fürchtet sich nicht vor der undurchsichtigen Weite. Keine Angst. Dankeschön. Dankeschön, Verena. Von meiner Seite Dankeschön fürs Kommen. Alle, die den Film gesehen haben, vielleicht noch einmal den Film anschauen und noch einmal den Film anschauen. Dann wird auch einiges klarer oder weniger beraten. Ich möchte das so geben, okay. Nochmal danke. Dann klingt das gut. Genau, wer noch mehr über uns wissen möchte, es gibt auch einen Zettel für unsere Newsletter. Wir haben solche Salons immer wieder oder Buchpräsentationen oder andere Veranstaltungen. Von uns hier auf der Bühne wünschen wir Ihnen euch einen schönen Abend und danke fürs Kommen. Danke. Gracias.