Wir kommen zu unserem nächsten Thema. Suizidalität erkennen und professionell begleiten. Das heißt, wir spannen jetzt einen Bogen von den ersten wahren Signalen einer Gefährdung, die wir wahrnehmen, die vielleicht an uns herangetragen werden, bis zu diesen typischen Dynamiken. Und natürlich wollen wir jetzt auch konkrete Handlungsmöglichkeiten, Handlungsräume eröffnen und auch hören. Und somit ist schon vorgestellt worden, freue ich mich sehr auf die Teamleiterin des Kriseninterventionszentrums der Krisenhilfe, Elisabeth Hack. Herzlich willkommen. Ja, der Titel hat jetzt nicht ganz gepasst. Er ist ein bisschen theoretischer, aber ich werde natürlich auch versuchen, auf Handlungsmöglichkeiten einzugehen. Ich habe mir gerade selber vorher gedacht, 2018 war mein Vortrag auch noch ein bisschen praktischer orientiert. Heute vertrete ich eher so ein bisschen die sperrige Theorie und versuche schon auch das, was der Martin vorher schon eingebaut hat, auch noch mal ein bisschen mit Theorie zu ergänzen. Ergänzen ist das richtige Wort. zu ergänzen, ergänzen ist das richtige Wort, genau. Ja, mein Titel lautet Suizidales Erleben und Verhalten, psychodynamische Aspekte, Beziehung und professionelle Haltung. Warum ist also theoretisch, weil ich an 2018 zurückdenke, war ganz viel Motivation aus der Praxis zu berichten. Mittlerweile bin ich über die Jahre draufgekommen, jede funktionierende Praxis braucht eine gute Theorie, weil sonst wären wir alle nicht recht alt in dem Tun. Und darum ist es mir wichtig, da ein paar Aspekte zur Verfügung zu stellen, auch wenn es vielleicht ein bisschen sperrig wird. Trotzdem ein paar Zahlen, in welcher Dimension bewegt sich Suizidalität? Die WHO geht davon aus, dass jährlich weltweit 800.000 Menschen durch Suizid versterben. In Österreich waren die Zahlen letztes Jahr bei 1.219 Suiziden, also nicht letztes Jahr, 2014. Die neuen Zahlen sind noch nicht heraus. Davon 972 Männer und 247 Frauen. Erstmals sind als Zahlen des assistierten Suizidberücksichtigungsberichts, es waren 112 assistierte Suizide 2024. Nach wie vor ist es so, dass die Todesopfer durch Suizid dreimal so hoch sind wie Tote im Straßenverkehr, dass mehr als drei Viertel der Suizide durch Männer begangen werden und die Suizidversuche zehn bis dreißigmal so hoch sind als die vollendeten Suizide. Männer sind leider die größte Risikogruppe, vor allem Männer mit einem Alter über 65. Dabei ist der Anteil der geschiedenen und allein lebenden Männer sehr hoch. Und verwitwete Männer haben ein 2,5-faches Risiko im ersten Jahr nach dem Tod der Partnerin auch durch Suizid zu versterben. Also doch ganz schön hohe Zahlen. Risiko im ersten Jahr nach dem Tod der Partnerin auch durch Suizid zu versterben. Also doch ganz schön hohe Zahlen. Je älter, desto gefährlicher für Männer. Männer über 85 Jahren haben ein circa fünffach höheres Risiko als jüngere Männer. Ich möchte Ihnen auch ganz kurz drei kleine Einblicke aus unserem Tun am Telefon in der Krisenhilfe geben, weil die Suizidprävention am Telefon ist nach wie vor auch ganz ein wichtiger und hat auch mit ähnlichen Beschränkungen wie in der Online- und Chatberatung zu tun, auch wenn wir ein paar mehr Sinneskanäle zur Verfügung haben. Aber nur, damit Sie sich ein bisschen ein Bild machen können, mit was die Kolleginnen tagtäglich konfrontiert sind. Es meldet sich der Herr A. mit akuten Suizidgedanken. Er hat schon konkrete Vorstellungen, wie er es machen würde, kann dies ja beschreiben und hat auch schon Vorbereitungshandlungen getroffen. Dennoch meldet er sich bei uns im Krisentelefon. Er schläft seit längerer Zeit schlecht, grübelt viel, ist niedergeschlagen, fühlt sich verloren, nicht mehr dazugehörig, findet wenig Sinn im Leben. Trennung von der Freundin ist circa zwei Monate her. Er macht gerade auch eine Ausbildung im Gesundheitsbereich, schämt sich deswegen auch, gerade auch eine Ausbildung im Gesundheitsbereich, schämt sich deswegen auch, weil gerade er, der im Gesundheitsbereich arbeiten möchte, der müsste es in so einer Situation doch viel besser gehen. Was dann wie am Telefon? Das allererste ist einmal da zu sein, so wie auch in der Onlineberatung, zuzuhören und auf diesem Wege eine allererste emotionale Entlastung anzubieten. Gleichzeitig passiert in diesem entlastenden Gespräch diese Einschätzung der Suizidalität, dass man ein Gefühl kriegt, wie akut ist es denn, welche Maßnahmen sind die, die jetzt angesagt sind. In diesem Fall ist es gelungen am Ende des Gesprächs, dass sich Herr A. von seinen Suizidgedanken und Handlungen ausreichend und glaubhaft distanziert hat und dass er ein Gesprächsangebot in der Krisenbegleitung, die dazu geführt hat, dass die Suizidgedanken immer mehr in den Hintergrund getreten sind, dass wieder Zukunftsperspektiven und Handlungsfähigkeit möglich wurde. Frau B. hat akute Suizidgedanken, meldet sich auch am Telefon. Sie leidet an einer schweren Persönlichkeitsstörung, schon seit vielen Jahren und hat bereits drei Suizidversuche unternommen. Die Suizidgedanken sind für Frau B. langjährige Begleiter. Sie tauchen immer wieder auf bei Überforderung und bei Zuspitzungen. Auch hier ist im Vordergrund einmal das entlastende Gespräch am Telefon, die Einschätzung der akuten Gefährideußerungen ihrer 20-jährigen Tochter. Die Tochter leidet an Depressionen, ist in Behandlung. Die Suizidgedanken sind sehr intensiv und aufdrängend. Die Mutter hat große Sorgen, vor allem weil die Tochter ihr sagt, sie wisse nicht mehr, wie lange sie gegen die Suizidgedanken noch ankämpfen kann. Sätze wie, ihr seid besser dran, wenn ich nicht mehr bin, wenn ich tot bin, schockieren die Mutter zutiefst. In diesem Fall war es einmal im ersten Moment, die Mutter zu entlasten und ihr den Raum zu geben und mir mit ihr Handlungsmöglichkeiten zu besprechen. Andererseits im Angebot der Krisenhilfe, dass sie sich bei uns melden kann, dass sich die Tochter bei uns melden kann, aber auch, dass wir akut vor Ort kommen können. Genauso sind Arzt und Krankenhaus besprochen worden. uns in der Krisenhilfe sehr alltäglich vorkommen. Es sind drei unterschiedliche Beispiele, die zeigen, wie emotionale Entlastung, Abklärung sehr schnell, unter Anführungszeichen sehr schnell, am Telefon funktioniert und Krisenintervention einfach auch Wirkung zeigt. Es sind auch drei verschiedene Beispiele, die uns zeigen, wir haben es ja nicht immer mit der gleichen Form von Suizidalität zu tun. Beim ersten Fall des jungen Mannes können wir annehmen, dass es sich um eine Suizidalität in Zusammenhang mit einer psychosozialen Krise handelt. Im zweiten Fall würde ich eher sagen, handelt es sich um eine chronische Suizidalität, also eine Suizidalität, die immer wiederkehrt und sehr stark verwoben ist und im Zusammenhang steht mit einer psychischen Erkrankung. Bei der ersten ist Krisenintervention angesagt und ausreichend, bei der zweiten braucht es darüber hinaus mehr. Da braucht es auch längerfristige therapeutische und medizinische Konzepte und vor allem ein sehr gutes Unterstützungsnetzwerk. Und in dem Fall kann auch die Krisenhilfe, nicht im Sinne der akuten Krisenintervention, aber der kurzfristigen Entlastung ein Teil dieses Unterstützungsnetzwerks sein. Welche Ursachen von Suizidalität kennen wir? Eine nicht sehr befriedigende Antwort. Suizidalität ist zu verstehen als komplexes, multidimensionales Geschehen. Es ist immer ein Zusammenspiel von neurobiologischen, psychologischen und sozialen Faktoren. Es gibt kein allgemein gültiges Erklärungsmodell. Es macht sogar im Gegenteil Sinn, dass wir viele Erklärungsansätze haben, um eben dieser Komplexität immer wieder auch gerecht zu werden. Psychodynamische Aspekte, wenn man sich die drei Fälle anschaut, die ich kurz skizziert habe, auch wenn sie da sehr sachlich dargestellt wurden, lassen schon erahnen, in welche hoch emotional belasteten Situationen wir kommen, wenn wir mit Menschen, die in suizidalen Krisen sind, zu tun haben. Sie lassen erahnen, dass da ein hoher Handlungsdruck herrscht. Sie lassen erahnen, dass da ein hoher Handlungsdruck herrscht. Sie lassen erahnen, dass es auch wirklich um eine lebensbedrohliche Situation gehen kann. Und dieser Handlungsdruck, der bei uns entsteht, der macht uns natürlich auch in Stress, der macht uns auch manchmal sehr unsicher und es tauchen so Fragen auf, wann tue ich denn was, damit ich ja nichts übersehe. Ist das, was ich da habe, ausreichend? Habe ich eh nichts übersehen? Also das sind so allbegleitende Fragen und diese Fragen brauchen eine gute Theorie, damit man sie auch einordnen kann und auch immer wieder prüfen können, ob wir genau das da haben, was zu tun war. Und da können psychodynamische Aspekte ergänzend zu ganz vielen anderen Theorien durchaus hilfreich sein. Außer Knummerheit, wo man denkt, die helfen vor allem bei suizidalen Krisen und sind sehr antrückungsfähig zu dem, was der Martin schon gesagt hat. Es geht vor allem um die Funktion von Suizidalität, es geht um Ambivalenz und es geht um Beziehungsgestaltung. Das klingt in den Überschriften immer sehr einfach, sind aber sehr herausfordernde Situationen, die uns, so wie die Katja auch schon gesagt hat, immer wieder an unsere eigene innere Haltung, an unsere eigenen inneren Normen und Werten und an unsere eigenen Grenzen bringt. Wie kann man die Funktion von Suizidalität denken? Psychodynamische Suizidalität, nicht nur ein destruktives Verhalten, sondern in ihr wohnt immer ein Notsignal drinnen. Ein Notsignal, Entschuldigung, mein Stimmhaut hoffentlich, Motor. Ein Notsignal, dass ein extrem bedrohlicher innerer Zustand im Gange ist, der die Psyche und die psychische Verarbeitung überfordert. Wir müssen auch davor ausgehen, wenn Menschen in suizidale Krisen kommen und die Psyche dermaßen überfordert ist, dass keine anderen Abwehrmöglichkeiten mehr zur Verfügung stehen, dann gibt es auch wirklich keine Alternativen. Das heißt, es ist ein Zustand, der immer ernst genommen werden muss und auf den wir immer sehr achtsam schauen müssen. Die Suizidalität hat aber nicht nur das Notsignal nach außen, sondern es hat auch eine Funktion nach innen. Und zwar ist es ein Schutz- und ein Abwehrmechanismus, eben um diese inneren, überfordernden, hochbelastenden inneren Zustände ein Stück abzuwehren, zu stabilisieren und sie so wieder zu regulieren. Suizidalität hat auch die Funktion von Handlungsfähigkeit und Kontrolle. Was meinen wir damit? Viele Menschen in suizidalen Krisen fühlen sich sehr ohnmächtig, fühlen sich ausgeliefert, hilflos und das sind Zustände, die wir alle ganz, ganz, ganz schlecht aushalten. In diesen Zuständen der Hilflosigkeit kann Suizidalität die Funktion bekommen, dass man wieder eine Idee von Handlungsfähigkeit kriegt. Was heißt das? Das ist, ich könnte noch etwas tun. Wenn ich an Schmerzen leide, an körperlichen oder seelischen Schmerzen, denen ich mich hilflos ausgeliefert fühle, dann könnte die Idee durch einen Suizid sein, dass ich immer noch etwas tun kann. Und dieses ich kann immer noch etwas tun, führt zu einer paradoxen Form der Selbstwirksamkeit. Das heißt, es wirkt auf einmal stabilisierend. Die Idee, ich kann selber noch etwas verändern, ich bin nicht hilflos, ich bin nicht machtlos, ich bin handlungsfähig, ich bleibe noch etwas verändern, ich bin nicht hilflos, ich bin nicht machtlos, ich bin handlungsfähig, ich bleibe handlungsfähig, hilft Menschen auch auf ganz, ganz schwere Situationen durchzustehen und weiter auszuhalten. Und da liegt auch das drinnen, das der Martin auch schon angesprochen hat, es geht gar nicht so sehr um nicht mehr leben zu wollen, sondern es geht vielmehr um nicht mehr so leben zu wollen. Und wenn ich davon ausgehe, dass die Menschen nicht mehr so leben wollen, ist da immer ein ganz starker Veränderungswunsch drinnen, ein Veränderungswunsch, der sich eigentlich an das Leben richtet und nicht an das Sterben. Und dieses nicht mehr so leben-so-leben-wollen und eine Veränderung anstreben zu wollen, unterstreicht da einmal mehr die Ambivalenz, in der sich die betroffenen Personen befinden. Der René Reichl denkt diese Ambivalenz in ein Kontinuum, das sie immer bewegt zwischen sterben wollen und leben wollen. Das heißt, wir haben Anteile, die sterben wollen und wir haben Anteile, die leben wollen. Und die sind auch immer beide gleichzeitig da. Und das ist etwas Prozesshaftes, indem sich die Menschen immer zwischen diesen zwei Polen hin und her bewegen. Das heißt auch, wir haben ganz viel Möglichkeit, immer wieder ein paar Schritte Richtung Leben wollen gehen zu können mit den Menschen. Das heißt, wir müssen uns auch nicht so stressen. Das klingt jetzt ein wenig blöd, aber wir dürfen in unserer Ruhe bleiben und in unserer Fachlichkeit mit dem Wissen, solange die Menschen ambivalent sind, gibt es immer Bewegungen in beide Richtungen. Und wenn es möglich ist, in Beziehung zu gehen mit diesen Menschen, haben wir immer die Chance, ein paar Schritte Richtung Leben wollen zu gehen. Und prinzipiell, wie der Martin schon gesagt hat, schauen wir, dass wir die Ambivalenz eher halten. Wir sehen sehr wohl die lebensbejahenden Anteile, aber wir kümmern uns auch um die Anteile, die sterben wollen. Ambivalenz und halten diese Ambivalenz sehr lange aufrecht, einerseits um Zeit zu gewinnen und eben auch diese Anteile, die sterben wollen, ausreichend zu würdigen, ihnen ausreichend Raum zu geben, damit es ja ein Stück, dieser Handlungsdruck für einen erweckt kommt. Suizidgedanken haben einen Verlauf, der auch relevant ist, wenn wir danach fragen. Das kommt später nochmal. Suizidgedanken können passiv und aktiv sein. Wie der Martin schon gesagt hat, Suizidgedanken sind nicht gleich akute Suizidgefahr. Suizidgedanken passiver Art sind so Todeswünsche, ich möchte nicht mehr aufwachen, ich möchte Ruhe, ich möchte, dass die Schmerzen aufhören. Aktive Suizidgedanken sind dann schon konkret, wenn jemand sagt, ich möchte nicht mehr leben, Ich möchte mir das Leben nehmen. Ein weiterer Schritt, Suizidgedanken, können Sie zu Suizidplänen entwickeln, so wie im ersten Fall, wo der Betroffene schon eine klare Vorstellung gehabt hat, wie er das tut. Das führt manchmal zu mentalen Probehandlungen, die einmal in der Fantasie durchgespielt werden. Das führt zu Vorbereitungshandlungen. Das war im ersten Telefonat auch möglich, auch schon gegeben. Und in all diesen Ebenen ist es immer noch möglich, wann es gelingt, die Menschen zu erreichen, ein paar Schritte wieder Richtung Leben wollen zu gehen. Wann gar nichts passiert, kann es zum Suizidversuch und letztendlich bis zum vollendeten Suizid kommen. Also letztendlich bis zum inklusive Suizidversuch haben wir immer die Chance, Unterstützung anzubieten, haben wir immer die Chance, auf diesem Kontinuum die Menschen ein Stück zu begleiten, wieder mehr Richtung Leben zu gehen. Eingebettet ist das Ganze in diese drei Ds der Krisenintervention, der Suizidprävention, sage ich jetzt einmal. Die drei Ds sind vielleicht schon bekannt. Das erste D ist daran denken. Jetzt haben die Personen, die ich im Fallbeispiel vorgestellt habe, die haben sich alle selber gemött. Die sind alle schon mit sehr akuten suizidalen Zuständen bei uns aufgeschlagen. Es gibt aber Menschen, die nicht von sich aus über ihre Suizidalität sprechen. Das heißt, es ist wichtig, dass wir vor allem im professionellen Setting immer auch an Suizidalität denken. Wann immer auch an Suizidalität denken. Wann denken wir an Suizidalität? Eigentlich sollte man bei allen psychosozialen Krisen an Suizidalität denken. Und wir sollen bei psychischen Erkrankungen an Suizidalität denken, allen voran den Depressionen. Da ist eine Suizideinschätzung, eine Abklärung an und für sich immer notwendig. Wenn ich daran denke, aus welchen Ideen heraus auch immer, wenn das bei mir ausdaucht als Beraterin, als Betreuerin, dann ist der nächste Schritt immer der, dass ich konkret danach frage. Das heißt, ich frage die betroffene Person, ob sie daran denkt, sich das Leben zu nehmen, ob sie Suizidgedanken hat. Manchmal erleben wir, dass auch im professionellen Umfeld Menschen eine große Scheu haben, diese Frage zu stellen. Das ist sicher einerseits, dass man vielleicht ein bisschen unsicher ist und Angst hat vor der Antwort, weil es natürlich Druck macht, weil man vielleicht eine Unsicherheit hat, ja was tue ich denn dann? Und trotzdem ist dann auch Fragen letztendlich die Möglichkeit, dass überhaupt zu einer Unterstützung kommen kann. Weil wenn ich nicht weiß, was im anderen vorgeht, wenn ich nicht höre, wie schlimm seine Situation ist und sein innerer psychischer Zustand, kann ich auch nicht die notwendige Unterstützung anbieten. Und dann geht es um darüber reden. Darüber reden, da haben wir in einer... Um darüber reden zu können, braucht es eine tragfähige und vertrauenvolle Beziehung. Der Martin hat vorher gesagt, es geht um Beziehung, Beziehung, Beziehung. Das sind so diese Schlagwörter. Was muss in dieser Beziehung alles da sein? In dieser Beziehung ist einmal gekennzeichnet, dass eine Person als Person da ist, dass sie eine Person Zeit nimmt, dass eine Person den Raum zur Verfügung stellt und jetzt einmal mir ganz offen in einem wertschätzenden Gespräch begegnet. Eine Grundhaltung sollte sein, Akzeptanz, Akzeptanz, dass eben auch Anteile da sind, die nicht mehr leben wollen, Akzeptanz dieser Ambivalenz, emotionale Wärme und eben auch empathische Sorge, das haben wir auch schon gehört. In dieser tragfähigen, vertrauensvollen Beziehung soll im ersten Moment eine emotionale Entlastung ermöglicht werden. Emotionale Entlastung erreicht man schon allein nicht dadurch, dass die Suizidalität als Notsignal erkannt wird und wir uns dafür interessieren, welcher innerer, unaushaltbar momentaner psychischer Zustand hat uns denn in dieser Situation gebracht. Was ist denn da passiert, dass jemand nicht mehr leben möchte? Entlastung ermöglichen wir auch dadurch, dass wir diese Ambivalenz aufgreifen, dass wir sehr wohl in einer Haltung der Zuversicht und der Lebensbejahung da sind und gleichzeitig aber diese Anteile, die sterben wollen, nicht negieren, sondern diese ernst nehmen, diesen Raum geben und diese auch aushalten. Und dieses Aushalten wird recht schön erklärt, warum das funktioniert im Konzept von Bion, der das schon vor sehr, sehr vielen Jahren entwickelt hat. Und es braucht auch ein Verständnis der Übertragungsgefühle, die uns da begegnen, weil natürlich sind da ganz heftige Gefühle im Spiel, wenn jemand daran denkt, nicht mehr leben zu wollen. heftige Gefühle im Spiel, wenn jemand daran denkt, nicht mehr leben zu wollen. Containment und Übertragungsphänomene sind eben zentraler Bestandteil der Beziehungsgestaltung. Die Beziehung kann dadurch zum sicheren Raum werden, zu dem Ort, wo Veränderung möglich ist, zu dem Ort, wo Halt möglich ist. Containment heißt auch, dass die Beziehung, aber wir als Beratende, begleitende Personen vorübergehend zu einem äußeren Container werden. Was meine ich damit? Das heißt, wir halten die Emotionen des Gegenübers aus, auch wenn sie nur so schwer und schmerzlich sind. Wir reagieren nicht darauf. Wir versuchen davon nicht überflutet zu werden und angesteckt zu werden. Wir versuchen sie auch nicht auszuagieren oder sie zu unseren handlungsleitenden Parameter zu machen. Wir versuchen im Containment all diese heftigen Gefühle innerlicher Stickerl zu verarbeiten und einzuordnen und in einer möglichst verstehbaren und aushaltbaren Form den Betroffenen wieder zurückzugeben. Das klingt jetzt alles sehr kryptisch. Ich finde eine sehr saloppe Beschreibung von Containment ist, Containment ist Emotionsregulation zu zweit. auch wieder zurückgebe, kanzle das Gegenüber, das vielleicht selber noch gar keine Worte dafür gefunden hat, das Stück auch wieder stabilisieren und runterregulieren. Der Martin hat ganz viele Beispiele beschrieben, wie das in der Online-Beratung funktioniert, indem er einerseits nicht nur schreibt, wie wütend man sein könnte und dass das Gefühl bei ihm aufgetaucht ist, ein Gefühl, was wahrscheinlich das Gegenüber durchaus vielleicht auch schon einmal gespürt hat, aber seinen eigenen Prozess zur Verfügung steht und das eigentlich transformiert in etwas, wo das Gegenüber dann auch wieder andocken kann und sich auch verstanden fühlen kann. und sich auch verstanden fühlen kann. Übertragungsgefühle von Angst, Sorge, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, innere Leere, Wut müssen nicht nur gehalten werden und in dieser Form transformiert werden, sie müssen auch immer sehr ernst genommen werden. Fühler sorgen uns auch etwas über den Zustand unseres Gegenübers und sind ein Stückchen auch hilfreich für die Einschätzung des akuten Gefährdungspotenzials. Was wären in diesem Zusammenhang Zeichen von akuter Gefährdung? Wenn sie die emotionale Entlastung und Beruhigung nicht mehr ausreichend herstellen lässt in der professionellen Beziehung, die wir anbieten. herstellen lässt in der professionellen Beziehung, die wir anbieten. Wenn der Kontakt nicht oder nur schlecht hergestellt werden kann zur betroffenen Person. Wenn die Person emotional nicht mehr erreichbar ist für uns und auch wenn die Person nicht bereit ist, aufrichtig über seine inneren Gefühle und über sich zu sprechen. Übertragungsgefühle in dem Zusammenhang können manchmal sein. Große Sorge, Angst, also ein großes Gespür von Unruhe und Gefahr. Immer wenn solche Gefühle auftauchen, ist es einerseits Zeit, dass ich innerlich für mich reflektiere, ob das jetzt meine Gefühle sind oder doch Übertragungsgefühle von gegenüber. dass jetzt meine Gefühle sind oder doch Übertragungsgefühle von gegenüber. Und da hocht man auf unser professionelles Bauchgefühl. Man sollte immer, wenn sie auftauchen, weitere Maßnahmen überlegen und in die Wege leiten. Das kann sein, dass es reicht, dass man eine weitere Fachperson hinzuzieht. Das ist in Oberösterreich zum Beispiel Krisenhilfe. Das ist in Oberösterreich zum Beispiel Krisenhilfe. Es kann aber sein, wenn sie die oder der Betroffene nicht mehr ausreichend distanz die Person nicht einsichtig ist oder da auch keine Vereinbarung mehr getroffen werden kann, die ausreichend Sicherheit bietet, dann muss man letztendlich auch über den Wunsch der Patienten Schutzmaßnahmen in den Weg leiten. Das ist sehr komplex, hat sehr viel mit uns zu tun. Wir geben sehr viel. Das heißt, Containment braucht immer ganz viel Psychohygiene. Containment braucht ganz ein großes Bewusstsein, dass wir uns unserer Grenzen bewusst sind, dass wir unsere Grenzen auch achten und wahrnehmen. Das heißt auch, dass uns bewusst ist, wir können nicht immer alles halten. Wir müssen wissen, wo der Punkt ist für uns. Und es braucht Möglichkeiten, dass wir uns entlasten können. Das sind auch schon Vorkommen. Supervision, Intervision, kollegialer Austausch. Und es braucht Rahmenbedingungen, wo wir die ergringen, relativ zeitnah. Denn nur wenn wir selbst innerlich stabil bleiben, können wir den Raum, in dem Veränderung möglich ist, überhaupt erst zur Verfügung stellen. Und das tun wir in einer professionellen Haltung, in der Arbeit mit suizidalen Menschen stehen wir immer auf der Seite eines möglichen Lebens, in einer klar lebensbejahenden Haltung und bieten so auch eine stellvertretende Zuversicht bei gleichzeitig größtmöglichem Respekt vor der Autonomie des Gegenübers. auch wieder ein Spannungsfeld in der Krisenintervention, das durchaus viel Aufmerksamkeit braucht, viel Reflexion braucht, nämlich auf fachlicher Ebene, auf persönlicher Ebene und aber auch auf ethischer Ebene, wie wir uns da immer wieder gut positionieren können. Damit Hilfe in dieser Form möglich ist, und ich möchte abschließend nochmal einfach an die Wand beamen, sind die wesentlichen Aspekte, die so einfach klingen, daran zu denken, danach zu fragen und darüber zu reden. Danke vielmals.