Vielen Dank. mit dem verheißungsvollen Titel Bin von Herzen gerne hier, Rilkes Linzer Episode. Wir freuen uns sehr, dass Mag. Margot Nassal, Direktorin Kultur und Gesellschaft, diese Schau eröffnen wird und begrüßen Sie herzlich im Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich. Ganz lieben Dank für dein Kommen. Wir begrüßen Universitätsprofessor, Diplom-Theologen Dr. Michael Fuchs, Rektor der katholisch-theologischen Privatuniversität Linz, Dr. Julius Stieber, Kulturdirektor der Stadt Linz und Andreas Erdmann, leitender Dramaturg am Landestheater Linz. Ich mache es kurz, seien Sie alle ganz herzlich begrüßt an diesem Abend und zu diesem Abend. ganz herzlich begrüßt an diesem Abend und zu diesem Abend. Texte Rainer Maria Rilkes sind gewissermaßen beinahe so etwas wie literarisches Volksgut. Rilke zählt zu den besonders häufig zitierten Autoren, auf die man im Netz sehr rasch stößt, auf der Suche nach poetischen Worten zu unterschiedlichen Anlässen. Das Ding-Gedicht, das sogenannte Ding-Gedicht, wie etwa der Panther oder das Karussell, ist vermutlich vielen erinnerlich oder auch Zeilen wie Herr, es ist Zeit oder die Blätter fallen, fallen wie von weit. Rilke ist freilich mehr als nur Lyriker. Neben seiner Prosa ist auch seine stete Auseinandersetzung mit ästhetischen Fragen und Kunsttheorie bemerkenswert. Auf zwei Jubiläen 2025, die 150. Wiederkehr von Rilkes Geburtstag, im heurigen Jahr der 100. Todestag. Auf diese zwei Jubiläen reagiert die Literaturwissenschaft. Zu den zahlreichen Publikationen, die es bereits gibt, gesellen sich weitere, vor allem Biografien, darunter jene der Leiterin des Deutschen Literaturarchiv Marbach, wo wesentliche Teile des literarischen Nachlasses Rilkes aufbewahrt werden. Der in die Habsburger Monarchie hineingeborene René Rilke war ein unsteter Geist, der sich gar nicht so einfach verorten lässt. Neben den größeren biografischen Stationen, die vielleicht mit ihm assoziiert werden, wie etwa die Geburtsstadt Prag oder auch sein zeitweiliger Arbeitsmittelpunkt München, gibt es eine ganze Reihe, ja eine Vielzahl von möglichen Rilke-Orten. In Italien wären Duino und Venedig zu nennen, dazu Orte in Russland, dass er zweimal bereist hat, in der Schweiz, wo er gestorben ist, aber auch Paris, Worpswede, wo er seine Frau kennengelernt hat und etliche andere mehr, sind solche Rilke-Orte. Linz gehört eher nicht zu jenen Orten, die bei Rilke unmittelbar einfallen. Das Schicksal teilt es wohl mit anderen, auch von mir jetzt nicht genannten, wie etwa auch zwei Schulorten, Meerisch-Weißkirchen und St. Pölten, die übrigens literarisch produktiv sind, weil unter anderem auch Robert Musil in Meerisch-Weißkirchen war und eine ähnliche Erfahrung dort gemacht hat. Das jetzt nur als Fußnote. Also Rilke gehört eher nicht zu den Orten, die man mit Rilke sofort in Verbindung bringt. Und doch ist der Aufhalt des Handelsakademieschülers Rilke 1891-92 in Linz nicht unwichtig auf dem Weg zum Werden eines Dichters, mit ein Grund dafür, diesen Linzer Monaten die Ausstellung zu widmen. Es ist uns ein Anliegen, immer wieder zu zeigen, wie Literatur sich als ein räumliches und überzeitliches Bezugssystem entfaltet, wie letztlich alles mit allem zusammenhängt und manches in Oberösterreich, ja in Linz, sein Momentum hat. Sie werden gleich mehr darüber erfahren. Ich möchte schließen mit dem herzlichsten Dank an den wissenschaftlichen Konzepter der Ausstellung, Dr. Bernhard Judex, unserem ehemaligen Kollegen am Institut, der mit größter Kompetenz Rilkes Spuren hier und anderswo nachgegangen ist. Mag. Gerhold Tagwerker und Mag. Gerhard Spring, die Bilder und Texte mit schereuung am Institut trotz immer wieder unerwarteter Wendungen mit zumindest äußerlicher Ruhe und großer Sorgfalt begleitet hat. Stellvertretend für alle an diesem Vorhaben Beteiligten im Haus selbst und darüber hinaus einen ganz, ganz großen Dank. Wir wünschen Ihnen einen recht schönen Abend und eine anregende Begegnung mit einem Kapitel Literatur und einem Kapitel Stadtgeschichte. Applaus Oberösterreich begrüßen. Zur Eröffnung der Ausstellung Bin von Herzen gern hier, Rilkes Linzer Episode. Was für ein Titel, sind wir doch alle von Herzen gerne hier. Wir widmen uns heute einer der bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Literatur, Rainer Maria Rilke, Direktorin Dallinger hat es schon erwähnt, 1926, also vor genau 100 Jahren im Dezember in der Schweiz verstorben. Ein Dichter, dessen Werk bis heute eine ungebrochene Faszination auf uns alle ausübt. Sein Lebenswerk führt ihn von Prag über verschiedenste Stationen, einige wurden schon genannt, einige sind präsenter, manche unbekannt, eben auch nach Oberösterreich, nach Linz. Nach St. Pölten kam der 15-jährige Rilke 1891 nach Linz, um die Handelsakademie am Schlossberg zu besuchen. Diese Linzer Zeit, die nur bis 1892 dauerte, ist kurz und doch von besonderer Bedeutung, so besonders, dass wir uns hier heute dazu einfinden. Es ist eine Zeit des Übergangs, des Suchens, des inneren Aufbruchs. Rilke beginnt zu schreiben, verfasst erste Gedichte und es ist, wie so oft im jungen Leben, auch eine Zeit der Liebe. Die Liebe zur Linzerin Olga Blumauer führt schließlich dazu, dass er mit ihr nach Wien durchbrannte. Die Beziehung hielt nicht, doch die Spuren dieser Erfahrung ebenso wie jene der Linzer Zeit bleiben. ebenso wie jene der Linzer Zeit bleiben. Als Rilke im Mai 1892 Linz wieder verließ, geschah dies eben aus sehr persönlichen Gründen und gerade diese Episode zeigt eindrucksvoll, wie eng biografische Erfahrungen und künstlerisches Werden eng miteinander verwoben sind. eng miteinander verwoben sind. Die Zeit in Linz ist damit ein wichtiger Baustein vom jungen Rilke hin zu jenem Dichter, den wir heute kennen und schätzen. Auch Oberösterreich blieb für ihn von Bedeutung. 1896 etwa hielt er sich mehrmals im Salzkammergut auf, wo er mehrere Gedichte verfasste. Landschaft, Stimmung und innere Bewegung fanden hier erneut zueinander. Die Ausstellung hier im Stifterhaus widmet sich genau dieser prägenden Phase. Sie wurde anlässlich des Todestags Rilkes gestaltet und entstand in Zusammenarbeit mit dem Literaturmuseum Prag. und entstand in Zusammenarbeit mit dem Literaturmuseum Prag. In vier Stationen spannt sich der Bogen von der Geburt bis eben ins Jahr 1896 und beleuchtet damit bewusst einen Ausschnitt seines Lebens, einer, der oft nur gestreift wird und hier jetzt in den Fokus gerückt wird. Genau jene Fokussierung bedeutet auch eine neue Perspektive. Sie bringt bislang Ungesehenes, vielleicht Ungelesenes ans Licht. Sie stellt spannende Fragen, wie aus dem jungen René jener Dichter wurde, dessen Worte uns bis heute begleiten. Die Verbindung Rilkes zu diesen Orten verdichtete sich später noch, als er sich mit Adalbert Stifter und dessen Werk auseinandersetzte. Eine schöne, beinahe folgerichtige Verbindung zum heutigen Veranstaltungsort. vom Kurator Bernhard Judex noch vertiefende Einblicke in die Ausstellung erhalten. Schon jetzt darf ich ihm ganz herzlich danken für die umsichtige und differenzierte Blick auf Rilke, insbesondere auf die schon mehrfach genannte Zeit in Oberösterreich. Ganz herzlich Gratulation an alle Beteiligten zu dieser äußerst gelungenen Ausstellung, zur Gestaltung, zur Konzeption. zu dieser äußerst gelungenen Ausstellung zur Gestaltung, zur Konzeption. Stellvertretend Direktorin Petra Dallinger für ihr gesamtes Team zur wertvollen und immer hochgeschätzten Tätigkeit des Adalbert Stifterhauses. Ihnen, liebe Besucherinnen und Besucher, wünsche ich eine anregende und wie immer bereichernde Zeit hier heute Abend im Stifterhaus. Tauchen Sie ein in das Leben eines 15-Jährigen, der nach Linz kam, um eine Schule zu besuchen, der glaubte, die Liebe gefunden zu haben und der vielleicht gerade aus diesen Erfahrungen heraus seine Gedanken zu Papier brachte und der vielleicht damit auch den Grundstein für ein Werk legte, das uns bis heute Geschenk und ein großer Schatz ist. Erlauben Sie mir, Sie alle in die Eröffnung der Ausstellung mit einzuschließen. Nochmals mit Rilkes Worten. Wir sind von Herzen gerne hier. Ich wünsche uns allen einen inspirierenden Abend. Herzlichen Dank. Sehr geehrte Damen und Herren, ich darf Sie sehr herzlich hier im Stifterhaus Linz begrüßen und freue mich, dass Sie hier sind. Er war Barfußgeher und Vegetarier, einsamer Mönch und Eskapist, Gottsucher und Sehender, rastlos umhergetriebener und Reisender, Bewohner zahlreicher Orte, Länder und Städte, deren Hektik und Armut ihn jedoch abschreckte. Ein seinem Werk bedingungslos hingegebener, auf der Suche nach dem wahren Wort, nach der Formel der Weltpoesie sozusagen. Sich dem Zeitgeist versagend, jedoch zugleich angetrieben von den vielfältigen Veränderungen und Entwicklungen seiner Zeit. Das einfache Leben verklärend, der leidenschaftlichen Suche nach Transzendenz und Überhöhung hingegeben, dem Kontakt zum gesellschaftlichen Leben zugeneigt, seine guten Manieren und weitreichenden Kontakte leidlich auskostend, finanzielle Unterstützungen und Hilfe annehmend, Briefe geflissentlich beantwortend, als Ehemann und Familienvater scheiternd, dafür umso erfolgreicher als Liebender und Liebhaber, Dichter von Weltruhm und von besonderem Charisma. Ungebrochen bis heute sind die Modernität und Faszination und Wirkung seines Werks, aber auch seiner Person Rainer Maria Rilkes, Nicht nur in der Welt der klassischen Leserinnen und Leser sowie der germanistischen Forschung, sondern bis hin zur Popkultur, wenn man zum Beispiel an Lady Gaga denkt, Gwyneth Paltrow oder der Generation Z und den Sozialen Medien, wo Rilkes Werk auch sehr umfangreich rezipiert wird. Mehr als ein Dutzend Gedichtbände hat Rilke Zeit seines Lebens verfasst, also unter anderem das Stundenbuch, das Buch der Bilder, die Sonnette an Orpheus und natürlich die Duineser Elegien, um die bekanntesten zu nennen. Darüber hinaus den Roman, die Aufzeichnungen des Malte Laurits Brügge und natürlich auch die bekannte lyrische Prosa »Die Weise von Liebe und Tod des Cornets« Christoph Rilke. In seiner Frühzeit war Rilke auch als Dramatiker tätig, daneben verfasste er Kritiken und Rezensionen. Sein Oeuvre ist in über 50 Sprachen weltweit übersetzt. Darüber hinaus übertrug er selbst auch aus dem französischen Werke von Baudelaire, Malamé, Paul Valéry und aus dem italienischen zum Beispiel von Dante Alighieri oder Leopardi, sowie auch andere Dichterinnen und Dichter. Dabei ist Rainer Maria Rilke geboren am 4. Dezember 1875 in Prag und ursprünglich auf den Namen René Maria getauft, gerade erst einmal 51 Jahre alt geworden. Er verstarb am 29. Dezember 1926 an einer unheilbaren Form der Leukämie in einem Sanatorium in Valmont bei Montreux. Neuesten Theorien zufolge könnte es sich aber auch um eine Bleivergiftung gehandelt haben. Seit 1919 lebte Rilke teilweise zurückgezogen und kränklich in einem alten Steinturm im sogenannten Château de Muzot im Schweizer Wallis. Die Stationen seines rastlosen Lebens, Sie haben es vorher schon gehört, dass der Dichter auf Wanderschaft und Sinnsuche, auf Suche nach der poetischen Erfüllung und dem wahren Ausdruck des Daseins und Sins verbracht hat, sind zahlreich. Eben neben seiner Heimat Prag sind es München, Berlin, Worpswede, Venedig, Rom, Paris, Schloss Duino, auch in Nordafrika ist er gewesen, in Spanien, in Wien und eben auch eine kurze Episode hat ihn nach Linz geführt. Unüberschaubar sind seine weitreichenden Kontakte, Freundschaften und Liebesbeziehungen zu vielen einflussreichen Persönlichkeiten der damaligen Gesellschaft. Rilke war eine faszinierende Persönlichkeit, die es vermochte, Menschen anzuziehen, wenngleich er selbst sich nicht richtig binden konnte. Mit der Bildhauerin Clara Westhoff blieb er sein Leben lang verbunden und in Kontakt, auch wenn sie sich schon bald nach der Heirat 1901 getrennt haben. Liebesaffären wie etwa mit Luandrias Salome, Sidonina Derni, Lualbert Salah, Magda von Hattingberg, Paladine Klosowska und vielen anderen begleiteten sein Leben. Paradoxerweise beschrieben einige seiner Geliebten ihn äußerlich als wenig attraktiv und geradezu abstoßend. äußerlich als wenig attraktiv und geradezu abstoßend. Beachtlich ist auch die Liste von Förderern und Mäzeninnen, die ihn unterstützt haben. So etwa Karl und Elisabeth von der Heid, das Verleger-Ehepaar Anton und Katharina Kippenberg, Marie von Thurn und Taxis, Nanni Wunderle-Volkhardt, die Brüder Reinhardt. Auch Ludwig Wittgenstein begünstigte ihn neben Georg Trakl anlässlich einer Schenkung mit einer größeren Summe an Geld. Neben diesen persönlichen Kontakten sind es nicht zuletzt zahlreiche Briefe, die Rilke mit dem kulturellen und gesellschaftlichen Leben und den Persönlichkeiten seiner Zeit verbunden haben. Zu erwähnen sind eben über die genannten hinaus der Worpsweder-Künstlerkreis um Heinrich Vogeler, die Pädagogin Ellen Kay, die Malerin Mathilde Vollmöller, Schriftsteller wie Hugo von Hofmannsthal, Robert Musil oder Stefan Zweig, Sigmund Freud, André Gide, Auguste Rodin, Leonid und Boris Pasternak, Marina Zvetajeva und diese Liste könnte man fast endlos fortführen. Zurecht stellt Sandra Richter in ihrer erst kürzlich erschienenen Biografie fest, dass bei Rilke im Grunde genommen alles zum Werk wird, seine Texte ebenso wie sein Leben und seine Briefe. Die widersprüchliche Persönlichkeit eint Wirklichkeit und Dichtung. Die widersprüchliche Persönlichkeit eint Wirklichkeit und Dichtung. Die äußeren Lebensumstände und Rilkes Poesie fließen bei ihm ineinander und bilden ein Gesamtkunstwerk ganz unverwechselbarer Art. Eine Ausstellung anlässlich von Rilkes 100. Todestag vermag nun keinesfalls auch nur einigermaßen hinreichend, all diese Aspekte zu beleuchten. So kann auch die aktuelle Ausstellung im Stifterhaus Linz bloß einzelne Perspektiven hervorheben, die für das Leben und Werk dieses Dichter entscheidend gewesen sind. Insbesondere die frühen Jahre von Rilkes Biografie stehen dabei im Zentrum. Jene Zeit, die er selbst in Briefen, so etwa an Ludwig Ganghofer, wie auch in der Ausstellung gezeigt, als überschattet und wenig glücklich skizziert hat. Jahre, die gleichwohl als Voraussetzungen und Bedingungen seines Schreibens angesehen werden können, aber auch als Notwendigkeit, um sich gerade da von Schreibens zu distanzieren und zu einem anderen zu werden. gerade da von Schreibens zu distanzieren und zu einem anderen zu werden. Dass Rilke Sigmund Freuds Vorschlag zu einer Therapie abgelehnt hat, mag nicht zufällig gewesen sein, erschien ihm vermutlich die Dichtung als die adäquatere Strategie der Lebensbewältigung. Die Ausstellung Bin von Herzen gern hier, Rilkes Linzer Episode, beleuchtet die ersten 20 Jahre von Rilkes Biografie und ist in fünf Stationen gegliedert. Geboren und aufgewachsen in der Altstadt von Prag, also der ersten Station, bildet die tschechische Metropole den Ort, an den Rilke in den ersten 20 Lebensjahren auch immer wieder zurückkehren wird. in den ersten 20 Lebensjahren auch immer wieder zurückkehren wird. Seine Eltern, Josef und Sophie oder auch Vier, Rilke genannt. Josef Rilke war ein Eisenbahnbeamter in leitender Funktion, hat den Militärdienst aus gesundheitlichen Gründen abbrechen müssen. Seine Mutter Vier Rilke stammt aus großbürgerlichen Verhältnissen, also eine geborechen erzogen und hat selbst auch in ihren Erinnerungen darüber geschrieben, wie er zum Beispiel als Ismene verkleidet in Mädchenkleidern an die Tür klopft, die Stimme verstellt und mit ihr dann den Nachmittag verbringt und sagt, er hat den bösen René fortgeschickt, weil die Jungen sind ja zu nichts Nütze. Auch eine Episode, die er später in dem Roman Malte Laurits Brügge in anderer Form wiedergibt. Er schreibt in einem Brief, sie behandelte mich wie eine große Puppe. Die Beziehung war problematisch. Die Mutter, die etwas Unbestimmtes vom Leben wollte, hat den Jungen damals geprägt, hat ihn aber auch zum Beispiel französisch, also sie hat mit ihm französisch gesprochen. Diese Sprache hat er Zeit seines Lebens natürlich auch gepflegt, eben in den Übersetzungen, die er dann gemacht hat. Und sie hat auch einen Aphorismenband herausgegeben, Ephemeriden genannt. Die Familie zählte zur deutschsprachigen Minderheit in Prag und Rilke hatte auch, das ist, finde ich, auch erwähnenswert, Interesse an der tschechischen Kultur seiner Landsleute und hat natürlich über die Geburtsstadt Prag auch einige Texte verfasst, also zum Beispiel der Gedichtband Larenopfer ist einer davon, die Prager Geschichten oder auch die Erzählung Ewald Tragi, von der Sie eine Manuskriptseite auch bei der Ausstellung sehen. Und 1886, also nach dem Besuch der Volksschule in Prag, kommt Rilke dann in die KOK-Militär- und Realschule St. Pölten. Der Beginn einer Reihe von Jahren traumatischer Erfahrungen. Rilke selbst war von eher schwächlicher Konstitution. Das Turnen und der militärische Trill sind also zuwider gewesen. Und er hat das auch in zahlreichen Briefen an seine Mutter wiedergegeben. Er spricht von schlaflosen Nächten, die er weinend verbringt und steht aber doch die ersten vier Jahre in St. Pölten durch, kommt dann in die Militäroberrealschule in Meereschweißkirchen und wird 1891 dann aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig entlassen. Also da ist dann sozusagen das Ende der militärischen Karriere, die ja seinem Vater versagt geblieben ist und die er quasi nachholen sollte, auch zu Ende gegangen. Meerisch-Weißkirchen, Peter Maria Dallinger hat es schon erwähnt, ist eben auch der Ort, wo Robert Musil seine Schulzeit verbracht hat, zusammengefasst oder eben wiedergegeben auch diesen Druck dieser militärischen Erziehungsanstalten der K&K-Zeit, prägend für viele Generationen in seinem Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törles von 1906. Interessant ist aber, dass Rilke trotzdem das Militärische oder den Militärischen nicht ganz abgeneigt ist. Man sieht das auch in seinen Zeichnungen, die sehr interessant sind. Und es gibt sehr viele Zeichnungen von Rilke, die im Deutschen Literaturarchiv in Marbach gesammelt werden. Das sind Zeichnungen von Husan und Soldaten. Also er hat sich für das Militärische doch durchaus interessiert. Nach einer kurzen Erholung im Sommer 1891, also wir sind dann jetzt schon bei Station 3, dem Hauptteil natürlich der Ausstellung, nach einer kurzen Erholung im Sommer 1891 in Prag, kommt Rilke also im September 1891 nach Linz, um dort die Handelsschule zu besuchen. Wenn er diese drei Jahre Handelsschule absolviert hätte, hätte er sozusagen auch in den Militärdienst nochmals eintreten können und in Briefen an seine Mutter sieht man auch, dass er dieser Idee gar nicht abgeneigt war. Also er schreibt zum Beispiel aus Linz dann an Fia Rilke, ich habe den Rock des Kaisers nur ausgezogen, um ihn wieder anzuziehen. Ich bin eigentlich der Offizierslaufbahn gar nicht abgeneigt, aber das, was mich eben so abgestoßen hat, war dieser militärische Trill und dieser Druck, der ihn in St. Pölten und Meerisch-Weißkirchen begleitet hat. Die wahren Hintergründe aber, warum Rilke tatsächlich nach Linz gekommen ist, kann man nur vermuten. Also ich muss an dieser Stelle auch sagen, es gibt natürlich schon Vorarbeiten, zum Beispiel von Joachim Stork, einem Rilke-Biografen, der sich mit dieser Linzer Episode beschäftigt hat. Und auch hier werden die Gründe nicht ganz eindeutig genannt. Ich habe versucht, es so weit wie möglich zu recherchieren, aber es bleibt auch vieles noch im Unklaren, weil diese Dokumente nicht vorhanden sind oder weil es nicht so genau belegt ist. Man vermutet allerdings, dass der Onkel von Rilke, Jaroslav Ritter von Rüliken, ein einflussreicher Advokat in Prag und auch Abgeordneter des tschechischen Nationalrats, dass der über seine Verbindungen, die weit über Prag hinausgereicht haben, möglicherweise an die Familie Truot angeknüpft haben. Hans und Amalie Trouault hat eben Rilke in der Linzer Zeit 1891-92 gewohnt, am Graben 19. Das Haus existiert in dieser Form nicht mehr, aber Sie sehen historische Fotos bei der Ausstellung. Und das war ein großbürgerliches Linzer angesehenes, großbürgerliches Linzer Ehepaar. Hans Trouault war Druckereibesitzer der Druckerei Johannes Fechtinger und Erben am Hauptplatz. Und bei dieser kinderlosen Familie hat Rilke eben gewohnt. Und wie er schreibt, hat er sich in Linz deutlich wohler gefühlt als in der Militärschule. Er schreibt, in Linz ist alles so gemütlich und freundlich. Er knüpft Kontakte zum gesellschaftlichen Leben, befreundet sich mit einem Schulkollegen, Kajetan Wimhölzl, dem Sohn des damaligen Bürgermeisters, Johannes Evangelist Wimhölzl. Und er geht auch ins Landestheater, fertigt Zeichnungen an, Kostümbilder zum Beispiel oder Zeichnungen auch von Schauspielerinnen und Schauspieler. In der Handelsschule selbst gilt er als guter Schüler und er wird als Stütze der Anstalt vom Direktor Effenberger lobend erwähnt. Linz, also die Zeit 1891-92, ist auch der Beginn seiner literarischen Tätigkeit. Er nimmt Teil an einem Preisausschreiben einer Zeitschrift mit einem Gedicht »Die Schleppe ist jetzt Mode« und schreibt auch eine Antwort auf die Waffen nieder, also eine Replik auf Bertha von Suttners Pazifismus. Auch hier spiegelt sich ein bisschen das militärische oder der militärische Impetus Rilkes wieder. Also es ist eigentlich eben ein Pamphlet gegen Bertha von Suttner, das er hier verfasst und das er in der Zeitschrift Böhmens Deutsche Poesie und Kunst von Eduard Kastner herausbringt. Und auch einzelne Gedichte aus dem Band Leben und Lieder, der 1894 veröffentlicht wird, sind in Linz entstanden. sind in Linz entstanden. Das Ende der Linzer Episode ist die Affäre mit dem Kindermädchen Olga Blumauer, einer etwas älteren Frau oder einem Mädchen, das bei der Familie Zellenka angestellt ist, eben als Kindermädchen. Und mit ihr flieht er auf abenteuerliche Weise im Mai 1892 nach Wien. Auch hier weiß man nicht genau die Hintergründe. Man kann vermuten, dass er auch versucht hat, in Wien auch wieder Kontakt an Eduard Kastner, den Herausgeber der Zeitschrift, also Kontakt aufzunehmen. Und diese Flucht, diese abenteuerliche Flucht, die natürlich weder von seinem Onkel, von seinem Vater und auch von der Familie Tho gut geheißen wird, bedeutet dann das Ende der Linzer Episode. Und die vierte Station führt uns dann zu einer Sommerfrische, also mit dem Titel der Sommerwob, ein Märchen, ein Aus dort einzelne Gedichte über Bad Geusern vor allem, also die Mühle von Bad Geusern hat es ihm angetan, ein Ausflugslokal, das er auch zeichnet, über das er ein Gedicht verfasst, bei Geusern überhaupt, Gosau See, Hallstatt und Bad Ischl sind die Stationen seiner Reise und über diese Orte schreibt er auch Gedichte, die ihn in die Landschaft eigentlich führen, die auch eine Stifterlandschaft ist. Und an dieser Stelle wäre eben auch zu erwähnen, dass August Sauer, der erste Stifter-Editor, Rilkes Lehrer in der Universitätszeit in Prag war. Also Rilke hat nach der Matura begonnen, unter anderem eben Literatur zu studieren und einer seiner Lehrer war August Sauer und zu ihm und seiner Frau Hedda Sauer, die ihm später auch aus Bad Ischl dann eine Karte schreibt, knüpfte eben freundschaftliche Kontakte. Das Ehepaar hat ihn unterstützt in seinen dichterischen ersten Versuchen. Und damit endet sozusagen auch dieser Parcours der Ausstellung, bevor man in der fünften Station noch einige seiner Werke nachlesen kann. Also es gibt auch einen kleinen Büchertisch mit Werken von Rilke und auch eine kleine Erklärung zu seinen Texten, zu seinen bekanntesten Texten. Ja, am Schluss der Ausstellung sehen Sie auch noch ein kleines Artefakt aus dem Stifterhaus. Rilke hatte nämlich mit einem Dichter, mit einem oberösterreichischen Dichter Kontakt gehabt. Also der hat ihn gefragt, ob er was tun kann für ihn, hat sich an den damals schon bekannten Rilke in den 1920er Jahren gewendet und es handelt sich um Max Narbeshuber, der vielleicht den meisten von Ihnen auch nicht sagt, aber es gibt eben diesen Rilke-Brief im Stifterhaus Linz. Es ist ein abschlägiges Urteil, also Max Narbeshuber war damals noch nicht bekannt, Rilke nennt ihn auch Marberhuber in seinem Brief und sagt also, es wäre eigentlich besser, wenn er einer anderen Tätigkeit nachgehen würde als dem Literaturarchiv Marbach, also das Rilke-Gernsbach-Archiv, das aus privatem Besitz 2022 erworben wurde, ist eine wahre Fundgrube eben mit Briefen, Fotos, mit Manuskripten und eben auch den Zeichnungen von Rilke. Ein Teil dieses Bestandes ist auch im Literaturarchiv in Marbach gezeigt worden bei einer großen Rilke-Ausstellung. Und die erste Station, also die Prager Station, ist in Kooperation mit dem Literaturhaus Prag entstanden, wofür wir uns auch ganz herzlich bedanken. Mein Dank gilt vor allem an das Haus, an Peter Maria Dallinger für die Einladung, diese Ausstellung kuratieren zu dürfen, an Sarah Pöringer, die die Ausstellung begleitet hat, an Sandra Maletz, die die Rechte eingeholt hat, dieser ganzen Objekte, was sehr viel Arbeit war. Und natürlich auch an Georg Hofer. Weiters möchte ich mich bedanken bei Gerhard Spring für die Grafik, für den Druck bei Petro Loschinski, für Aufbau und Technik bei Albin Thum und Andreas Steindl und natürlich, last but not least, ganz besonderer Dank an die Gestaltung durch Gerold Tagwerker. Sie sehen, die Ausstellung ist bewusst nüchtern gestaltet vielleicht, wenn man das so sagen darf, bewusst reduziert und spiegelt eigentlich den ästhetischen Blick von Rilke selbst sehr gut wider, wie ich finde. Rilke hat zum Beispiel auch den Druck seiner eigenen Texte immer wieder begleitet, also das äußere Erscheinungsbild war ihm sehr wichtig und es ist eine sehr klare und ein ästhetischer Reduktionismus, der Rilke, glaube ich, auch durchaus entspricht. Und ich möchte auch noch hinweisen auf eine Publikation, die erscheinen wird. Also das heißt, Sie können jetzt zwar noch nicht einen Begleitkatalog erwerben, aber hoffentlich bald. Also wir arbeiten daran, dass dieser auch erscheinen möge, noch im Rahmen der Ausstellung natürlich. Und darf auch eine Lesung, glaube ich, ankündigen am Museumstag. Tag des Denkmals wird Franz Vorschauer aus Texten Rilkes lesen. und Sie finden auch bei der Ausstellung Begleittexte zu den einzelnen Zitaten, die Sie hier ansehen und nachlesen können. Und ich wünsche Ihnen eine schöne Ausstellung, eine schöne Eröffnung und machen Sie die Ausstellung gerne in Linz und im Umfeld bekannt und publik. Ich freue mich, wenn es Ihnen gefällt und wünsche Ihnen einen schönen Abend. Danke. Vielen Dank, es ist vollbracht. Wir dürfen Sie einladen, noch hier zu bleiben, einen Schluck zu trinken, ins Gespräch zu kommen mit Rilke oder mit unseren Gästen miteinander. Danke für Ihr Interesse und für Ihr Dasein.