Der Staat redet vom Sparen und sparen dort aber nur bei uns, aber nicht an sich selbst. Ob ich selbstständig werden würde in Österreich, wenn wir keinen Betrieb hätten, glaube ich eher nicht. Willkommen beim Studio WELZ. Handwerk, Mittelstand und unsere Innenstädte stehen unter Druck durch Fachkräftemangel, Bürokratie und Konkurrenz aus dem Ausland. Aber wie schaut es jetzt mit dem Standort Österreich aus? Darüber sprechen wir heute mit Georg Winkelmeier aus Wels. Herr Winkelmeier, wollen Sie sich einmal vorstellen? Ja, mein Name ist Georg Winkelmeier, ich bin Kommerzialrat, zweifacher Meister, ich bin Sattler-Taschenmeister, arbeite in vier Gewerken, war lange Zeit Bundesinnungsmeister der Sattler, Taschen- und Autosattler und Bundesinnungsmeister-Stellvertreter bei den Tapezierern und habe meinen Betrieb mitten in Wels am Kaiser-Josef-Platz seit über 100 Jahren. Ihr Betrieb ist ja in der Innenstadt, obwohl viele am Stadtrand sind. Was müsste passieren, damit die Innenstädte wieder lebendiger werden? Ganz ehrlich, die Innenstädte sind ausgestorben, weil alle ausgezogen sind, obwohl das Leben früher sich in Innenstadt abgespielt hat. Man hat in Innenstadt gewohnt, man hat in Innenstadt gearbeitet, man hat in Innenstadt ins Wirtshaus gegangen. Dadurch hat das Ganze funktioniert und das Ganze war ja so, wie es früher bei den Zünften war. Jede Stadt war genau eingeteilt, wie viele Handwerker gibt es dort und diese Handwerker können dort leben und das war eine Einheit und jeder dort hat sein Geld verdienen können und dort gut leben können. Jetzt ist es dann gekommen, dass das alles mit dem Auto alles in die Peripherie gegangen ist und so ist im Endeffekt alles, was zum gemeinsamen Leben notwendig war in der Stadt, ist irgendwo hingezogen und mittlerweile kriegst du in den Städten mehr oder weniger nichts mehr. Früher hat es fünf Geschäfte gegeben, wo du eine Nadel gekriegt hast zum Handnehmen. Heute muss ich mir eine Nadel wie diese in Deutschland bestellen oder in China, weil ich kriege in ganz Oberösterreich, da gibt es ganze Geschäfte mehr, wo eine Nadel wie mein Beruf kriege. Wenn ich ein Werkzeug bestelle, habe ich das früher in Wien bei der Firma Felbi in der Kaiserstraße kaufen können oder ich habe es in Wels beim Cortana kaufen können. Heute muss ich die Ware in Indien in China bestellen, weil es in Österreich keiner mehr hat oder keiner mehr macht. Das heißt, wir haben das alles verloren, was eigentlich früher wichtig war, dass man gemeinsam leben kann und dass man gemeinsam überleben kann. Wie hat sich denn das Handwerk in den letzten 10, 20 Jahren verändert und wo stehen wir heute? Wir haben zu wenig Ausbildungsbetriebe, weil eben das Handwerk dermaßen unter Druck gekommen ist, dass sehr viele Betriebe zugesperrt haben und die Nachkommen, die zwar den Beruf noch gelernt haben, eine andere Berufswahl getroffen haben. Weil wenn keiner ausbildet, gibt es keinen Nachwuchs. Das heißt, an und für sich werden wir schon verpflichtet, Lehrlinge auszubilden, weil sonst geht es nicht weiter. Und man sieht es ja, das ist ja jetzt der Grund, warum wir einen Fachkräftemangel haben, weil keiner mehr ausbildet. Und deswegen müssen wir uns jetzt die Leute vom Ausland holen, so wie Polen, weil dort wird das Handwerk noch gelebt, weil dort gibt es auch diesen Reichtum nicht, die müssen wirklich noch das alles zusammen pflegen und zusammenbasteln. Und deswegen haben die dort noch die guten Handwerker. Wir haben das schon längst verlernt, weil wir sind nur mehr ein Austausch. Wenn wir schon über den Nachkommen reden, in Österreich gilt ja oft, Studium heißt gleich Erfolg. Das Studium, ich sage immer so, die Schreibtischattentäter, die werden in Zukunft mit der KI ganz gewaltig unter Druck kommen und gute Handwerker werden immer gebraucht. Mein Vorschlag wäre wirklich, dass man zuerst studiert und dann das Handwerk macht oder zuerst das Handwerk macht oder Handwerk mit Karriere, dass man gleichzeitig zum Handwerk studiert. Das wäre auch für sich das Beste, weil die Anforderungen an den Unternehmer als solches immer größer werden, die Auflagen vom Staat immer mehr werden und es nicht mehr ausreicht, eine normale Meisterprüfung zu machen, so wie ich es gemacht habe. Somit kommst du bei der heutigen Wirtschaftslage nicht mehr zurecht. Sie haben es schon erwähnt, die KI. Wie verändert denn die KI das Berufsbild im Handwerk? Naja, im echten Handwerk, wo die Hand als solches benötigt wird, wird die KI nicht sehr viel bewirken. Allerdings in Gewerken, die einfache Handgriffe haben, die tausendmal wiederholt werden müssen, da wird die KI wahrscheinlich Großes bewirken. Für den kleinen Handwerker, aber wenn man überlegt, wie die das sogar was bringen, weil die KI dann selbstständig Rechnungen schreiben kann und selbstständig Angebote schreiben kann, das heißt, du sagst einfach, was du haben willst und die KI erledigt das für dich. Also da wird das auch für das kleine Handwerk einen großen Fortschritt bringen, aber natürlich, es werden wieder Leute freigesetzt, die im Büro arbeiten und diese wieder irgendwo unterzubringen wird eine große Herausforderung werden für die Zukunft. wieder irgendwo unterzubringen, wird eine große Herausforderung werden für die Zukunft. Wie erleben Sie die Rolle der Wirtschaftskammer? Ist es echt Unterstützung oder weit weg von der Praxis? Das Problem ist, dass die Wirtschaftskammer keine Bringschuld ist, sondern eine Hohlschuld. Das heißt, der Unternehmer muss, wenn er was hat, selbst dort sich melden. Und das ist das Problem. Man liest die Nachrichten nicht, man liest die Briefe nicht, man liest die E-Mails nicht, die man kriegt und schimpft dann über die Wirtschaftskammer. Die Wirtschaftskammer hat ihre Berechtigung. Erstens einmal, weil sie zuständig ist für die Lehrlingsausbildung und das ganze System in so einem Aufrechterhält. Weil man darf nicht vergessen, Österreich hat ein Ausbildungssystem, das weltweit einzigartig ist. Wenn ich es zum Beispiel sagen darf, wir sind ja einer der letzten Länder, Deutschland hat noch eine Schule für die Taschenerei. Wir haben noch zwei Schulen, eigentlich drei Schulen für die Taschenerei und alle guten Leute in der Taschenerei, die wir haben, so wie mein Sohn zum Beispiel, gehen ins Ausland. Weil in Spanien, Portugal, Italien gibt es keine Schulen mehr dafür. Die holen sich alle unsere guten Mitarbeiter, die Liste zum Beispiel, aber das ist bei Louboutin und auch die, die mir jetzt Berufe gemacht haben, arbeitet das bei Prada in der Musterentwicklung. Also es ist schon gut, was wir machen, nur wir sollten endlich einmal stolz darauf sein. Wenn Sie Wirtschaftsminister wären, was würden Sie tun oder ändern? Das wäre ein Traum von mir, wenn ich diesen Job hätte. Das erste, was ich ändern würde, ist einmal dort, wo die Ware verkauft wird, auch im Internet, muss dort versteuert werden. Punkt. Schluss. Aus. Das heißt, dann geht kein Parkel mehr von China oder Japan oder was der Teufel was verloren. Das nächste ist ein Verschieben der Gelder der großen Firmen, dass dann irgendwo nur 3% steuern sollen, würde ich sofort unterbinden, auch wenn dann die Großen schreien würden, dann sperren wir zu. Ja, sie werden vielleicht schon mal ein bisschen mit der Route ins Fenster stellen, aber im Endeffekt wollen sie auf den Umsatz nicht verzichten. Also sie würden nicht zusperren. Was belastet die Klein- und Mittelbetriebe aktuell am meisten? Die Bürokratie oder die Steuern? Also da muss ich sagen, beides sind 100 Prozent. Es ist zu viel Steuern, es sind zu viele Steuern und auch die anderen Geschichten, es ist alles zu groß, zu viel. Es ist ja, wenn ich mir zum Beispiel vorstelle, meine beste Kraft im Büro kostet mich im Monat über 5000 Euro und zahlt aber 51% Steuern. Das heißt, wir haben da, und sie verdient gerade einmal 2500 Euro netto, dann haben wir nur 20% Mehrwertsteuer bei den Lebensmitteln oder alles was ich einkaufe. Das heißt, wir zahlen Unmengen an Geld und es bleibt dann im Endeffekt für den Arbeitnehmer nichts mehr über oder zu wenig über, um vernünftig leben zu können. Und der Staat redet vom Sparen und sparen dort aber nur bei uns, aber nicht an sich selbst. Weil es gehört ja schon längst gemacht, dass Österreich nicht neun Bundesländer hätte, sondern Ost, Mitte, West. Damit würde man ja schon einmal zwei Drittel der Kosten für die Politik einsparen. Was würden Sie denn einem jungen Menschen raten, der in Österreich heute ein Unternehmen gründen will? Ulf, diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, weil die Kosten zur Gründung eines Unternehmens relativ hoch sind in Österreich. Das heißt, man müsste im Endeffekt jetzt anfangen in einer Garage oder irgendwo ganz klein und sich dann hinaufarbeiten. Oder man hat das Glück, dass man einen finanziell guten Background hat von den Eltern, die einem dann halt Geld borgen können, dass man halt dann die Gerätschaften gleich kaufen kann. Aber ob ich selbstständig werden würde in Österreich, wenn wir keinen Betrieb hätten, glaube ich eher nicht. Wo sehen Sie denn Ihr Unternehmen und auch den Handwerk in zehn Jahren? Ja, ich würde mal so sagen, ein guter Handwerker wird immer gebraucht werden. Aber die Betonung liegt auf guter Handwerker. Und Nischenprodukte zu entwickeln oder zu haben und vor allem die Serviceleistung, weil es frisst nicht der Große den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen. Das heißt, du musst als Kleinunternehmer auch Samstag und Sonntag arbeiten, damit du schnell und präzise liefern kannst und dann wirst du auch überleben. Allerdings hast du es nicht gefordert, wie so eine 35-Stunden-Woche, sondern Unternehmer zu sein, hast du am mindesten zwischen 60 und 80 Stunden in der Woche zu arbeiten, um wirklich adäquat und effizient abwenden zu können. Vielen Dank, Herr Winkelmeier, dass Sie heute hier zu Besuch waren. Danke euch herzlich für die Einladung, es hat mir richtig Spaß gemacht, endlich einmal meine Meinung sagen zu dürfen und als kleine Botschaft für die jungen, zukünftigen Handwerker. Danke, bis zum nächsten Mal.