Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren, es freut mich, dass ich Sie so zahlreich im Stifterhaus begrüßen darf. Im ausgehenden 17. Jahrhundert und dann mit Bestimmtheit im Laufe des 18. Jahrhunderts startete der Siegeszug einer literarischen Gattung, die heute oftmals, vermutlich der Einfachheit halber, umstandslos mit dem Phänomen Literatur gleichgesetzt wird. Die Rede ist selbstverständlich vom Roman. Zugegeben, der Roman verfügt über vielfältige Vorteile. Er ist allgemein bekömmlich, er erfüllt nur allzu oft die Erwartungshaltung der Leserschaft nach kommensurabler literarischer Kost und er ist nicht selten leicht im Abgang und schafft einen mühelosen Literaturgenuss. All das kann ein guter Roman und dagegen ist auch ganz und gar nichts einzuwenden. Aber warum erzähle ich das zu Beginn? Eben weil es nicht stimmt, dass sich mit der Reduktion auf die literarische Gattung Roman eine Abbildung dessen schaffen lässt, was Literatur ist, was Menschen an Texten produzieren und wonach sie als Lesende verlangen. Andere literarische Verfahren sind vorhanden, doch ungleich unterrepräsentiert, vor allem medial unterrepräsentiert, insbesondere jene, die sich an den Grenzen abspielen, an den Grenzen zu anderen Kunstformen, den Grenzen des Sagbaren und ja, manchmal auch an den Grenzen des auf Anhieb Verstehbaren. Andere literarische Verfahren wie jene, die heute präsentiert werden, fordern uns ungleich mehr heraus und verlangen ein viel höheres Maß unserer Aufmerksamkeit als der derzeitige idealtypische 200-Seiten-Roman. Heute werden wir zwei Beispiele hören, die nach meinem Dafürhalten sehr anschaulich machen, was Literatur kann, Literatur die Grenzen auslotet und die sich im besten Sinne nicht um Erwartungshaltungen der Leserschaft kümmert. Ich hoffe, das ist nicht allzu falsch. Erwartungshaltungen der Leserschaft kümmert. Ich hoffe, das ist nicht allzu falsch. Dazu darf ich unsere heutigen Autorinnen herzlich im Stifthaus begrüßen. Herzlich willkommen Lisa Spalt und Franziska Füchsel. Schön, dass ihr da seid. Franziska Füchsel, geboren in Putzleinsdorf, studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Wien und Sprache und Gestalt an der Kunsthochschule in Kiel. Zuletzt zu Gast war sie bei uns im Stifterhaus anlässlich der Präsentation ihres 2023 im Ritter Verlag erschienenen Buches Die Straßen sind sichtbar. sind sichtbar. Sie wurde in den letzten Jahren mehrfach für ihr Schaffen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Förderpreis für Literatur der Stadt Wien 2024, dem Morgensternpreis des Landes Steiermark 2023 oder dem Förderpreis zum Heimrat Beckerpreis 2020. Das Buch, das sie heute präsentieren wird, trägt den Titel Am Rande der Müh und ist im März im Verlag Edition Tarnhäuser erschienen. Freut mich auch, dass der Verleger heute zugegen ist. Für diesen Text wurde sie mit dem Deutschen Preis für Nature Writing 2025 ausgezeichnet. Ich darf aus der Jurybegründung zitieren. Wörter malen in Franziska Füchsels Am Rande der Müh nicht nur Verhandenes ab, sondern entwerfen eine Wirklichkeit eigenen Rechts. Zitat Ende. Lisa Spalt, geboren in Hohenems, ist im österreichischen, insbesondere im oberösterreichischen Kunst- und Kulturbetrieb alles andere als eine Unbekannte. Neben ihrer literarischen Arbeit ist sie auch vielfach in und in Kombination mit anderen Kunstformen in Erscheinung getreten. Ihre im Janin Verlag erscheinenden Bücher werden mit steter Regelmäßigkeit zu unserer Freude hier im Stifterhaus präsentiert. So zuletzt geschehen bei ihrem Buch Grüne Hydra von Kalemgur aus dem Jahr 2023. Diese Spalter zahlreiche namhafte Preise erhalten, unter anderem den Weser-Canetti-Preis der Stadt Wien 2022, den Heimrath-Becker-Preis 2021, den Outstanding Artist Award für Literatur der Republik Österreich ebenso 2021 oder den Florianer Literaturpreis 2020. Heute stellt sie uns ihr neues Buch, Das verwirrte Tier, vor, das im Februar im Janin Verlag erschienen ist. Markus Neuert konstatiert in seiner Rezension für das Literaturhaus Wien dazu, Zitat, mit Das verwirrte Tier zeigt sich Lisa Spalt einmal mehr als Meisterin der sanften Subversion, die auf die Kraft der Kooperation setzt. Empathie und Lebensfreude triumphieren über die gehorsamen Algorithmen der Psychopathen, ein immerhin wenigstens literarischer Systemwechsel, der eigentlich nur guttun kann. Zitat Ende. Zu guter Letzt zur Moderation des heutigen Abends, ich darf auch unsere Moderatorin ganz herzlich im Stifterhaus begrüßen. Herzlich willkommen, Ines Schütz. Danke fürs Kommen. Ines Schütz wurde in Linz geboren. Neben ihrer Lehrtätigkeit am Gymnasium Hallein ist sie seit eineinhalb Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen im Literaturhaus Salzburg aktiv. Außerdem verantwortet sie seit 2013 gemeinsam mit Manfred Mittermeier die Intendanz der Rauriser Literaturtage. Ich hoffe, Sie haben bemerkt, dass sich die Autorinnen oder die Verleger am Stifterhaus Grün orientiert haben. Dafür sind wir Ihnen sehr dankbar. Jetzt darf ich aber bitte Ines Schütz und Lisa Spalt auf die Bühne bitten. Vielen Dank. Darf ich das Bild haben? Nein, das Bild. Danke. Guten Abend auch von meiner Seite. Es freut mich sehr, dass ich diesen Abend moderieren darf mit Lisa Spalt und Franziska Füchsel. Wir haben bei beiden Autorinnen uns das so gedacht, sie bekommen eine kurze Hinführung, mehr kann das ja nicht sein, zum Buch und das Gespräch setzen wir immer mitten in die Lesung hinein, wenn sie dann schon ein bisschen einen Eindruck haben von dem, worum es da geht. Im Grün, das darf ich jetzt nochmal aufstellen, weil Sie es sehen müssen, ein wandelndes Blatt, nämlich, findet sich auf dem Umschlag von Lisa Spaltz' neuestem Buch, das verwirrte Tier. Tatsächlich kommen wandelnde Blätter als solche, also als Insekten, im Text gar nicht vor. im Text gar nicht vor. Diese Tiere gehören zur Familie der Fasmiden oder Gespenstschrecken, so wie die Stabschrecke, Stabheuschrecke wird sie auch genannt, oder die wandelnden Äste. Sie alle bemühen sich durch Nachahmung, ihre Umgebung zu imitieren, spielen einen Zweig, ein Blatt, vertrocknet oder nicht, um sich bestmöglich tarnen zu können. Mantiden, also zum Beispiel die Gottesanbeterin oder Mantis Religiosa, nutzen dieselben Fähigkeiten, um bestmöglich jagen zu können, also als Blatt, als Ast oder sogar als rosa Orchidee. Von Gottesanbeterin gibt es einen ganzen Chor in diesem Buch. Um die Psychopathen besser zu verstehen, sagen sie, kopieren wir Mantiden mit unseren Gestalten, die Plastikästchen, Stoffblätter, Gummimose und Hartplastikrinden, die sie uns ins Leben sprechen. Und die drei Psychopathen schauen ihnen von außen zu, durch die Glaswände des Terrariums, genau dorthin hinaus zu dieser Dreifaltigkeit wollen die Gottesanbeterinnen auch und zwar durch die Vollendung eines großen Werks. Und so geben sie ihre Vorstellung, die im Text auch zu meiner Vorstellung wird, die Psychopathen beobachten ihre Grillen. Das Terrarium ist aber nicht nur ein Behältnis für die Gottesanbeterinnen, neben deren Chor hat nämlich auch immer wieder ein Ich seinen Auftritt und dieses Ich nennt das Gebiet des Terrariums Pandoro, Pandoro, das goldene Brot. dem Chor auch die Styx fließt, Apollo und Hyacinth oder eine Cassandra der Mantis vorkommen, liegt der Sprung von Pandoro zu Pandora nicht zu fern. Dass auch die ein Behältnis hatte mit allerhand drinnen, wissen wir. Auch dass so ein Ich ganz klassisch aufgedröselt werden kann. Und so findet sich im Ich-Persönlichkeitssystem Pandoro neben Ich, das Über-Ich, ist gleich mein Kopf, und das Es, oft gleichgesetzt mit den Kojotis. Die Kojotis in meinem Leib sind der Grund, wieso ich meine Vorstellung weiterführe, heißt es im Buch. Mein Kopf verachtet meine Ängste, er mag ihre gesträubten Pelze nicht streicheln. Was jetzt irgendwie wie ein System aussieht, das ich in die Versuchsanordnung dieses Text zu bringen versucht habe, ist nur ein Versuch. Denn eigentlich geht es um viel mehr als um räumliche Zuschreibungen oder Ordnungssysteme. Mein Kopf will keine Verantwortung über seine Hervorbringungen übernehmen und lässt die Sprache selbst auf die Bühne treten, lesen wir in Lisa Spalts Buch. Lässt man diese aber freie Hand, gruppiert sie sich nach immer denselben Ähnlichkeiten und Rhythmen, bis sie nur noch mit sich selbst im Reinen ist. In seiner Einleitung einer Lesung von Lisa Spalt im letzten November hat Paul Pechmann gesagt, es geht um das Auf-die-Pro die Probe stellen von Wörtern und Wendungen, herausfinden ihre Beziehungen jenseits von Verwandtschaft und Abstammungen und es geht um das Aufspüren von überraschenden Zusammenhängen in Sprache und Wirklichkeit. Und als Sprach- und Gesellschaftsforscherin bringt uns Lisa Spalt zu Bewusstsein, dass sich gesellschaftliche Widersprüche nicht nur in der Sprache niederschlagen, sondern auch von Sprache hergestellt werden. Das irre smarte System, ebenfalls eine Figur aus dem verwirrten Tier und Ergebnis einer Zusammenarbeit mehrerer künstlicher Intelligenzen mit der Autorin, ist im Verfassen eines Songtextes weniger erfolgreich als dieser Spalt im Zusammenreimen von Welt. Dieses irre smarte System erinnert mich an das vermutlich von KI erstellte Transkript zur bereits erwähnten Lesung, die man auf YouTube, also die auch Sie auf YouTube nachschauen können. Der Moderator Helwig Brunner wendet dort auf Lisa Spalts schreibenden Ausdruck Poetik in a nutshell an, was das transkribierende System auf Poetik in ein Nutzzell umdichtet. Das Nützliche daran gefällt mir. Und Erwin Einzinger sagt in eben diesem Video, Lisa Spalz' Texte seien eine Mischung aus Dichtung und Warnwitz. Daraus macht das System Warnwitz. Treffender geht es gar nicht, finde ich. Nur Warnwitz kann Sätze hervorbringen wie diesen. Jetzt geben alle diese Leute, die nicht spüren, wie Leben sein kann, vor, wie man es spielen muss. Und damit schlage ich den Bogen zurück zum Anfang und zum Cover, das deswegen immer noch hier steht, auf dem ein Bild von einem wandelnden Blatt, Cover, das deswegen immer noch hier steht, auf dem ein Bild von einem wandelnden Blatt, nämlich genau das Richtige für dieses verwirrte Tier ist. Jede Seite in dem Buch ist ein solches wandelndes Blatt, das Wörter und ihre Bedeutungen verschiebt und uns genauso die Möglichkeit eines anderen Sehens oder eines anderen Denkens eröffnet. Manchmal ist ein vertrocknetes Blatt eben kein vertrocknetes Blatt, das merken wir aber erst, wenn es in Bewegung kommt. Ich freue mich sehr auf die Lesung, Lisa Spalt. Vielen Dank für die wunderschöne Einleitung. Ich möchte vielleicht noch dazu sagen, dass sich soll man sagen, ja, ich möchte vielleicht noch dazu sagen, dass sich im allerletzten Absatz des Buches das Ganze vorher mühsam Gelesene als eine Spielanleitung herausstellt, aus der man sich rausnehmen kann, was immer man will. Damit ist es gespoilert und wir können das Ganze eigentlich überspringen. Ich möchte der Lesung heute ein Motto voranstellen und zwar dieses, das Buch ist ein Versuch, auf zehn Spitzen ein Loch ins Desaster zu gehen. Chor der Gottesanbeterinnen. Das Wort Gefühl zu fühlen schaffen die uns haltenden Psychopathen nicht, während sie ungefähr kapieren, wie man Tasse oder Apfel produziert. Sie haben sich darauf spezialisiert, aus unseren Reaktionen Schlüsse auf die unsichtbare Mechanik zu ziehen, deren Existenz ihre Hypothesen uns zuschreiben. deren Existenz ihre Hypothesen uns zuschreiben. Trotz aller Experimente wissen sie aber nicht, wie wir im schillernden Geschmack der Insekten denken, im schwankenden Bisswiderstand der Panzer und Fühler, in den unnennbaren, ineinander übergehenden Glättegraden der künstlichen Halme und Rinden. Unsere Realisierungen der Verjüngungen, Flechten und Abschürfungen der Oberflächen weichen von ihren geeichten Maßen so sehr ab, dass die Zeiger ihrer Messinstrumente unbekannte Strahlungen vermuten lassen. Für uns funktionieren unsere Modelle. Was aber könnte es die Psychopathen scheren, dass unsere Stirnen, wenn wir nach winterlichem Krabbeln über die Deponie, die uns von ihnen angedichteten Mützen abnehmen, jeweils auf ähnliche Weise kribbeln, wie sie es bei Schnupfen tun. Mein Kopf findet, ich soll mir solche überflüssigen Bemerkungen sparen, die meine Vorstellung unscharf wirken lassen. unscharf wirken lassen. Chore der Gottesanbeterinnen. Jeden Tag sprechen uns die Psychopathen Requisiten ins Terrarium, die sie für ihre experimentellen Anordnungen brauchen. Durch diese hetzen sie uns, um meine dramatische Vorstellung zu erzeugen. Immer höher wankt auf dem Papiergrund der Geschichte die Bühne der Deponie mit ihren leimigen, gedellten Blasen, auf denen meine Vorstellung in Richtung der gläsernen Decke wackelt. Für uns ist sie das Leben. Jedes kaputte Produkt zieht uns hinan. Wir streifen darum herum, versuchen herauszufinden, ob gefrostete Cornflakes herausfallen, wenn wir es drehen, ob Erkenntnis Ich. ein Gefühl der Wahrscheinlichkeit ist. Ich. Gegen den rötlichen Himmel erscheinen vor der Stix die ersten Kakteen in der Verkleidung von Piktogrammen. Es würde mich reizen, dazwischen einzuschlafen. Im Dämmer würde ich meinen nackten Körper, ausgehend von der Rundung zwischen den kühlen Augäpfeln und den Lidern fühlen. Ihr würdet meinem Blinzeln mit verschränkten Armen trotzen. Diese Haltung würde die Scham über den Voyeurismus, zu dem ich euch zwinge, von euch weisen. Irgendwann würdet ihr euch langweilen, würdet aber auf euren Klappsesseln sitzen bleiben und darauf warten, dass sich doch noch eine ergreifende Handlung ergibt. Irgendetwas, das euer Leben in Frage stellt. Und eure Geduld würde belohnt. Ihr würdet erkennen, wie sich an den Übergängen zwischen meinem Traum und meinem Arbeitstag meine Angespanntheit zeigt. Tag- und Nachtpersonen klaffen mir immer mehr auseinander. Immer schwieriger wird es für mich, von der einen in die andere zu gelangen. Ich nehme an, dass das Phänomen bei älteren Leuten der Grund dafür ist, dass sie irgendwann beschließen, nicht mehr aufzuwachen. Und eure Anstrengung des Dranbleibens an meiner Vorstellung würde diese Mühsal meines Lebens doppeln. Am Ende wären wir alle glücklich, weil wir eine Anekdote über das Überstandene herum erzählen dürften. Diese wäre neben dem Beweis eures verspannten Rückens das, was ihr mit nach Hause nehmen könntet. Doch hat das Warten ein Ende. Ein unheimliches Jodeln hebt an, erkennbar für uns als der Ruf der Coyotes, denn wir sind damit aus dem Kino vertraut, der Gewöhnlichkeit zum Trotz, mit der das Original vom Imitat abweicht. Mein Kopf, meine kojotischen Träume, diese halbautomatischen Tiere, analysieren meine Vorstellung und machen dazu die passenden Requisiten aus ihrem Leben. die passenden Requisiten aus ihrem Leben. Den Wert solcher Gummihühner und Gewehre zählen sie nach dem Maß des von ihnen verbrauchten Odems. Daher halten sie sie trotz ihrer Unbrauchbarkeit für kostbar und würden gern so viele wie möglich davon behalten. Am frühen Morgen jedoch, wenn die Reste ihrer Existenz ins graue Unbewusste der Dämmerung verdunsten, reißen die Psychopathen ihnen die Produkte aus den Händen, sie nehmen ihre Mäuler damit voll, lutschen daran und sprechen sie zu uns auf die Deponie. Meine Vorstellung. Unlängst schlug das Wort Schumasch für Arbeitslosigkeit hier auf. Es stammt vom lateinischen Verb caumare, welches das Ruhen der Tiere im Sommer bezeichnet, wenn die Hitze Bewegungen auf Vibrationen zusammenschrumpft. Die Deponie birgt Kameldung imitat und so versetze ich eure Blicke auf den knorpeligen Gummi. Ein Schwanken kommt wie dromedare Wanken. Ihr stellt fest, dass ihr kein Gepäck dabei habt, fühlt den schnellen Schweiß, der euer Hemd mit eurem Rücken verbindet, wie gerinnendes, zerbrechlicher werdendes Glas. Das Licht des Spots wirkt aufgedreht, weiß fließt auf Pupillen. Hier zu überhitzen oder zu erblinden, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ihr euer Gegenüber aufregend findet. Genervtheit verhilft euch zu neuen, instabilen Beziehungen. Die frühere Abstrahlung von Ozon durch Kopiergeräte ermöglicht Reizungen der Atemwege, sodass eure Körper grippale Infekte empfinden. Dank des Feinstaubs, den die Automaten in die Atmosphäre geschleudert haben, könnt ihr euch unter eingestürzten Gebäuden fühlen. Meine Regie wird eure Einstellung gegenüber der Einstellung der Produktion verändern. Bald werde ich meine Vorstellung selbst pausieren müssen. Wenn aber niemand mehr spielt, bedeute ich nichts mehr. Stille sendet sich und die Welt wird leer an der verwischten Grenze von Eden. Meine Vorstellung diesfalls auftretend mit dem Geist von Robert Musil. Eine Gruppe rosafarberner Nymphen von Gottesanbeterinnen tritt auf der Kunststoffpalme ins Licht. Die Tierchen sind noch nicht ausgebildet, die gereichten Blattläuse als Beute zu erkennen. Wenn die Geleeartigen Kügelchen an ihnen kleben bleiben, versuchen sie sogar, sie abzustreifen. Vernehmt Applaus, er rauscht heran. Die Weibchen am Boden identifizieren ihn als Regen. Sie ängstigen sich vor den Tropfen, die offenbar nur wenige Zentimeter über ihren Stirnen schweben. Doch prasseln in diesem Moment zu ihrer Erleichterung nur ihre ausgehungerten Kinder auf den trockenen Boden, der bei jedem Aufprall Staub aushustet, als stecke ihm das Lachen im falschen Hals. Umwölkt wie Madonnen begrüßen die Mütter, da sie ihre Nymphen in den fluffigen Coronas erkennen, das unverhoffte Manner. Froh danken sie dem Schicksal, das in Gestalt eines Kokosbauern an die Rampe tritt für die nahrhafte Eiweißquelle. Man hofft, das Leben werde durch ihn ein perpetuum mobile, geboren und gefressen werden, gebären und fressen. Doch verwechselte der Mann die Gottesanbeterinnen nur mit Coconut-Stick-Insekts. Leute rieten ihm, gegen den Befall Hühner und Myrtenvögel auszuschicken oder Skinky zu engagieren, welche die Eier der Schädlinge fressen. Er aber vertraute lieber auf die Fliegenfallen der Marke Tanglefoot. Diese verhinderten, dass die kriechenden Nymphen die Kokosnussblätter erreichten, die ihnen als Nahrung dienen. Mein Kopf, in der Urzeit, so erzählen die Koyotes, jagte man mit Koyotes. Man litt nicht mit ihnen und fraß die Erlegten, bis sie Fleisch wurden vom eigenen Fleisch. Aus den Rippen der Anverwandelten machte man Schlägel für Trommeln, die Fälle für diese gerbte man mit dem Gehirn der Toten und die Lieder klangen wunderbar familiär. Nie blieb damals jemand übrig, alle kamen irgendwann dran. Es war eine gute, runzlige Zeit, an die sie sich, so die Coyotes, dank meiner Vorstellung endlich wieder erinnerten. Warum verlange ich jetzt von Ihnen, die mit ihren Schatten die roten Linien strichlieren, um Ausschneidevorlagen herzustellen, eine Sensibilität für Grenzen, wenn Sie in meiner Vorstellung mitspielen wollen? Das scharfe Lachen, das Sie daraufhin hören lassen, ist genau, was ich mir antun will, um Kritik an mir selbst zu üben. ist genau, was ich mir antun will, um Kritik an mir selbst zu üben. Ich habe meine Miene so niederschwellig eingestellt, dass ich meine eigenen Botschaften nicht mehr kapiere. Das war der schwierige Teil. Der erste Teil der Lesung. Ich habe nicht zufällig, also ich fange bei deinen Büchern immer irgendwie außen an, ist mir aufgefallen, aber also mit dem wandelnden Blatt. Ich habe bei der Lektüre deiner Texte viel gelernt über Flora und Fauna. Man muss ja dann immer nachschauen. Also ich habe auch nachgeschaut, es war mir unbekannt, dass Gottesanbeterinnen ein Ohr haben. Und diese Dinge, also sowas wie ein Ohr. Ein Ohr-ähnliches Organ, ja. Aber eben nur eins und deswegen Stereo nicht möglich ist. Also man lernt sehr, sehr viel, auch über Tiere und Insekten. Beim letzten Buch war es mehr auch pflanzlich. Was interessiert dich so an diesem Gebiet? Ja, prinzipiell interessieren mich Tiere und Pflanzen, weil es einfach so viele unterschiedliche Formen gibt, so unglaublich verrückte Arten des Überlebens. Das ist schon ziemlich spannend. so, dass ich immer von einem, also dass ich jetzt mehr oder weniger zufällig gerade zweimal von Tieren ausgegangen bin und zwar deswegen einfach, weil sie bestimmte Anknüpfungspunkte bieten. Die Gottesanbeterin war eines der Lieblingstiere der Surrealisten, ich sage jetzt bewusst Surrealisten, es waren die Männer, und zwar deswegen, weil sie die etwas seltsame Angewohnheit hat, öfter mal die Männchen bei der Begattung zu fressen. Was auch ganz witzig ist, ich muss jetzt ganz tief in die Biologie eintauchen, ist, dass die Begattung deswegen nicht endet. Also die Männchen absolvieren diesen Akt dann ohne Kopf und das hat den Sojalisten sehr gut gefallen. Und sie hatten so die Tendenz, Frauen mit den Gottesanbetern zu identifizieren, weil sie Frauen zugeschrieben haben, fast reine Instinktwesen zu sein. Darin haben sie sich nicht sehr unterschieden von den vorigen Generationen. Allerdings haben sie es positiv gesehen und als Ideal, das anzustreben wäre, kopflos zu sein sozusagen, hat den Frauen nicht wirklich viel geholfen. Aber diese, wie soll man sagen, dass sie diese Lieblingstiere der Suillisten waren und dass man ihnen vorangedichtet hat, sie wären quasi Automaten, hat mich so sehr interessiert. In meinem Setting ist es so, es gibt vier Instanzen, die keinerlei oder wenig Empathie haben oder sie loswerden wollen. Und ausgerechnet die einzige Instanz, die Gottesanbeterinnen, die Empathie haben, die quasi sich menschlich verhalten, wie man früher gesagt hätte, ausgerechnet denen wird zugeschrieben, dass sie wie Automaten agieren. Und diese Verkehrung hat mich interessiert. Weil diese Instanz, also der Psychopathen, die von Natur aus keine Empathie kennen, Natur aus keine Empathie kennen. Dann die Koyotis, die dorthin zurück wollen, weil sie glauben, das ist das Echte. Wenn sich jemand an eine bestimmte Parteierin erfüllt, dann stimmt das schon. Oder bestimmte Parteien, dass die Empathielosigkeit sozusagen oder die Härte als Ideal gesetzt wird. Das ist bei den Koyotes der Fall. Der Kopf möchte unbedingt Psychopath werden, weil er die Psychopathen für unsterblich hält und er will unbedingt jenseits von diesem Terrariumglas gelangen und glaubt mit einem großen Werk, dass er mit großer Härte sich erarbeitet, wird er das schaffen. Wen habe ich vergessen? Wer fehlt? Das Ich. Das Ich kämpft, ja, und das Ich versucht, verzweifelt dieses, ja, das irismatische System, natürlich eine KI, die es schafft, Emotionen vorzutäuschen und wir fallen mit unserer psychischen Verfasstheit immer wieder darauf rein. Also ich kenne Menschen, die sprechen tagtäglich mit ihrer KI und entschuldigen sich auch bei ihr. Und da gibt es eben dieses Ich, das versucht, dieses Setting zu unterlaufen und mit altmodischen Konzepten wie Wonnen, innerer Bewegung, mit kleinen Protestaktionen, vergeblichen Gesten versucht, daran zu rütteln, auch wenn es vielleicht nicht zum Ziel führt. Das war, glaube ich, was Stefan Kögelberger in der Einleitung zitiert hat, also genau das, dass es eben nur in Bewegung geht, wenn da Wonnen oder sowas entgegengesetzt werden, das werden Sie heute auch noch hören. Wir haben jetzt über die Surrealisten geredet, über die Tiere. Es geht ja ganz oft auch um Geschichten. Also ich habe ein bisschen, die griechische Mythologie spielt immer rein, aber es kommt auch, das kam in den Textstellen auch vor, Eden vor. Also diese unscharfe Grenze mit Eden. Es geht ja auch oft oder meist darum, Geschichten anders zu erzählen. Man verbindet was mit Eden und dann kommt aber da ganz was anderes. Was ist dir daran wichtig, Geschichten einfach neu zu schreiben, zu denken? Ich kopiere ja in dem Text zwei Dinge übereinander. Das ist so ein bisschen diese Transhumanistengeschichte und diese Idee, ein ewiges Werk zu schaffen, das beides oft über einen ziemlich empathielosen Weg führt. Und was mir wichtig war, war, dass diese Vorstellung von Eden sich so verwandelt hat, nämlich dass ich jetzt meinen Geist da in einen Computer reinstecke und dann dauerbefriedigt werde auf elektronische Art und Weise. Ich frage mich immer, ob die Leute eigentlich mitdenken, dass irgendjemand diese Computer bedienen muss. Weil die könnten das einfach abschalten. Also fände ich irgendwie sinnvoll. Aber eben diese Vorstellung von Eden hat sich so gewandelt. Wohin wollen wir eigentlich? Wo ist das Paradies? Wie sieht denn das jetzt aus? In der Grünen Hydra habe ich mich damit beschäftigt, diese Paradiesgeschichte in der Bibel mal endlich zu lesen. Und die ist ja eigentlich völlig verrückt, weil das ist ja ein totales, wie soll man sagen, materielles System von Gold, Edelsteinen. Ja, und eine Elite sperrt sich da ein in diesem raumschiefartigen Eden, das ist eigentlich eine völlig verrückte Vorstellung. Und auch wie man dorthin kommt, wird anhand von sehr materiellen Bildern erklärt, wie zum Beispiel mit den Talenten, die man mehren muss, um diesen Gott zufriedenzustellen, dass man dann unter die Außerwelten kommt. Ich sage jetzt nicht, dass das so gemeint ist, aber die Bilder sind eigenartig und basieren oft auf sowas. Ja, und mit diesen unterschiedlichen Edenvorstellungen und dem Versuch, sie mal durchzudenken, wo die hinführen, worauf wir da eigentlich zusteuern, habe ich mich beschäftigt. Und was es bedeutet, wenn eine KI mir ein Eden beschreibt oder entwirft. Du beschäftigst dich immer wieder mit fantastischer Literatur in deiner Literatur. Und dankenswerterweise sind ja hinten auch immer viele Fußnoten drin und man kann dann auch hier nachrecherchieren. Und es kommen viele namentlich vor, das werden wir auch noch hören, also Autorinnen, Autoren. Also es kommen viele namentlich vor, das werden wir auch noch hören, also Autorinnen, Autoren. Mary Shelley, aber vor allem auch Margaret Cavendish wird da erwähnt und mit ihrem Roman The Blazing World aus dem Jahr 1666, also was ich schon unbegreiflich finde. Und ich habe nur kurz darüber nachgelesen, da schreibt sich die Autorin ihren eigenen Geist in ihren Roman rein, also die Margaret Cavendish, und die möchte dann eines dieser Reiche, die es da gibt, regieren, aber die sind halt blöderweise irgendwie alle besetzt. Und dann wird ihr empfohlen, sie soll doch in sich selbst ein Konstrukt erschaffen, das sie dann regiert. War das was, was die Idee zu diesem Konstrukt auch mitgetragen hat, oder hat sich das aus dem von dir schon erwähnten Spiel ergeben? Es gibt Stränge darin aus diesen fantastischen Texten, die ich da erwähnt habe. Die Margaret Cavendish fasziniert mich einfach schon lange, weil sie so früh beschlossen ist. Also man muss vor allem das Vorwort mal lesen, weil in dem Vorwort steht dringend, wenn ich im wahren Leben schon nicht herrschen kann, dann schreibe ich mir halt da reich. Und das ist für die Zeit unfassbar eigentlich und auch was sie an wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Zeit in den Text hinein verwurschtet hat und was da alles vorkommt von wurm männern und und also ich kann das buch nur empfehlen es ist ganz dünn und es ist unglaublich spannend und witzig ja genau und sie entwirft sich dann einfach ein reich in dem sie herrschen können das ist die wurm männer erwähnt das bringt mich zum nächsten zum zum Französischen nämlich. Also das war ja auch schon, oder kommt dir noch die Chômage? Die Chômage habe ich gelesen. Stelle. Du arbeitest, also du hast viel übersetzt, arbeitest als Übersetzerin. Wie sehr regt gerade dieses Übersetzen zwischen hin und her, zwischen zwei Sprachen dein Schreiben an? Ja, da entstehen halt manchmal Lust, bei der Yokotawa, da gibt es diese Spielereien mit den zwei Sprachen und es ist einfach so, dass sehr oft Bilder in einer Sprache existieren, in der anderen aber nicht. Aber das färbt manchmal ab und manchmal weiß ich dann auch nicht mehr, dass das aus der anderen Sprache kommt oder aus einer Übersetzung. Und manchmal fallen mir einfach Dinge auf, wie zum Beispiel, dass diverse und die Würmer auf Französisch einfach dasselbe Wort sind. Also es sieht aus, als wäre es dasselbe Wort. Und ich fand diesen Kopf, der unbedingt mit einem großen Werk in die Ewigkeit eingeben will, dem ein wenig Vergänglichkeit zu geben, indem seine Verse Würmer werden, die ihn aufessen, hat mir einfach sehr gut gefallen. Also dieses Kompostieren und organische Zersetzen ist etwas, was auch eine der Methoden ist, mit denen das Ich, die Herrschaft der Empathielosen unterläuft. Ein wichtiges Element sind auch die Träume. Die werden auch angesprochen, da hatten wir was zwischen Tag- und Nachtmensch in den Stellen, die du gelesen hast. Du hast dich jetzt nicht nur in diesem Buch mit Träumen beschäftigt. Also auf der Schallerburg lief im letzten Jahr die Ausstellung Träume träumen, wo du maßgeblich beigetragen hast. Dann erwähnst du auch in diesem Buch einen Workshop zur Albtraumverbesserung, den du mit der Schlafkünstlerin oder von ihr angeregt gegeben hast, von der Anne Glasner. Dann das IPA-Institut für poetische Alltagsverbesserung bietet ja auch Traumverbesserung an. Wie wichtig sind die Träume für den Alltag und fürs Schreiben? Ich benutze die Träume als Motoren. Also wenn sie guten Text bieten, dann baue ich sie ein. Und ich hatte ganz lang furchtbare Albträume und habe irgendwann während 2016, während alle auf diese Wahlen gewartet haben, diese fürchterlichen, habe ich dann mir gedacht, ich kann einfach nicht mehr ständig mich damit beschäftigen, was ist und das zu kritisieren, sondern ich muss irgendwas tun, um selber wieder in eine andere Stimmung zu kommen, in eine, die ein bisschen dieser Ohnmacht etwas entgegensetzt. Und ich weiß, dass es völlig absurd ist, aber ich habe angefangen, von anderen Menschen Träume zu verbessern, poetisch zu verbessern, mit poetischen Mitteln und das hat eigentlich mir am besten getan, wahrscheinlich von allen Leuten. Es ist nach wie vor so, dass man mir Träume schicken kann, Albträume, die ich verbessere, aber oft sind sie einfach auch Inspirationsquelle. Oder sie lösen etwas oder verdichten etwas, was ich selber so nicht schreiben hätte können. Ein wichtiger Impuls für deine Texte ist ja auch die Musik. Also in dieser Lesung, die ich ja schon angesprochen habe, sagt jemand, ich weiß nicht, ob es der Erwin Einzinger war, vergleicht deine Texte mit einer Sprachorgel. Und ich kann mich erinnern, dass du da recht positiv darauf reagiert hast, also dass man viel gleichzeitig das eine als das andere anstößt. Du arbeitest ja auch viel mit Musik, also vor kurzem auch ein Hörspiel, wo das auf 1.2023, glaube ich, gesendet worden ist. wo das auf 1.2023, glaube ich, gesendet worden ist. Liest du dein Werk eher als Musik oder eher als Text? Oder dieses Buch? Das Neue, das Vividet hier? Nein, es ist auf jeden Fall Text, aber ich denke es wahrscheinlich so polyphon, wie man Musik denkt. Also mehrstimmig. Es werden immer mehrere Stimmen parallel geführt wahrscheinlich. Also ich habe lange Musik gemacht und arbeite viel mit Musikerinnen und Musikern. Und das Denken ist wahrscheinlich immer dabei. Also dieses vielstimmige Denken ist immer dabei. immer dabei, also dieses vielstimmige Denken ist immer dabei. Und auch, dass ich Rhythmus und Satzmelodie immer mitdenke. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Text zu schreiben und ihn dabei nicht zu hören. Das wäre ganz seltsam. Und hatte das auch mit dem Pen-and-Paper-Spiel dann was zu tun, diese Musik? Oder war das unabhängig voneinander? Nein, das Pen-and-Paper-Spiel dann was zu tun, diese Musik, oder war das unabhängig voneinander? Nein, das Pen-and-Paper-Spiel, ich fand das faszinierend, weil es gibt so eine ziemlich überhebliche Haltung, glaube ich, gegenüber Formen von Literatur, die mehr so als Gebrauchsliteratur funktionieren. Aber ich fand es ziemlich faszinierend, dass so viele junge Leute angefangen haben, diese Pen-and-Paper-Spiele zu spielen, wo sie Rollen selber schreiben, ganze Szenen selber schreiben. Das wird teilweise im Internet gestreamt, über Stunden hinweg. Und mir hat das sehr gut gefallen, welche Kreativität da entwickelt wird, auch wie viel gespielt wird mit Sprache in solchen Kontexten. Und nachdem das Ganze so ein vielstimmiges Ding ist und die Psychopathen ja das Leben der Gottesanbeterin nur als Spiel sehen, wenn die Gottesanbeterin Schmerzen empfinden, sehen sie das quasi als etwas, was zu ihrer Unterhaltung geboten wird, habe ich ganz am Schluss des Textes ein Spiel daraus gemacht, für das man sich Material aus dem Buch nehmen kann und Sie haben gesehen, dass so ähnlich wie Spiel Anordnungen oder Spielbretter enthalten sind, die kann man sich rauskopieren und dann geht es los. Ja, es geht jetzt weiter mit deinem Text. Also das ist noch mehr Polyphonie, damit Sie einen Spieleindruck haben. Danke. Die Kunst. Liebe Psychopathen, mein Kopf umwuselt mich, seine schrille Kunst, die er im Zuge seiner Expeditionen errang, als Mittelpunkt seines seinsten Seinern. Zentral muss ich solcher Stirn glühen, damit er selbst bescheiden in meinem Schatten für euch bleibt blühen. So versucht ihr, wie im Rausch, ihn, der mein Leben erfand, im Wimmelbild des Terrariums aufzuspüren. Wenn ich nur wüsste, wie er in stiller Nacht die größten Tabus an mir brach, leis und sacht. Im Gegensatz zu ihm tue ich nie, was man mir sagt. Ich erscheine vor lauter Abweichung dumm und würde nicht lange überleben, würde mein Kopf mich nicht bedrohen. So beherrscht er mich, weil ich mich nicht kontrolliere, und während er sich nicht kontrollieren lässt, beherrscht er sich vollkommen. Seine Willkür und meine Wildheit ergänzen sich im Ideal. Mein Kopf sehnt sich daher, nach nichts mehr als von mir beim Sex gefressen zu werden. Er muss sich dann nicht mehr verpflichtet fühlen, mir Alimente zu zahlen. Es muss herrlich sein, meint mein Kopf, während des Vögelns der Kunst den Kopf zu verlieren, nicht mehr gemeldet zu bekommen, wie es sich anfühlt. Das wäre Vögelnkunst, Vögelnkunst um des Vögelns der Kunst willen. Liebe Psychopathen, mein Kopf sagt, er ist er und ich bin ich. Und da ich sein Werk ihn nicht schauen kann, macht es wahrscheinlich keinen Sinn, würde auch er sich schminken. Bitte gebt mir ein Zeichen, ob dieser Weg der richtige ist. Meine Vorstellung. Mein Kopf hat sich befreit. Nach langem Ringen entsprang ihm sein Reigen, ein wunderbares Stück, kleine Epik. Der Reigen spielt in der fernen Zeit, in der die Kojotis die Macht über die Deponie übernehmen. Wenn Dämchen, respektive Herrchen und ihr persönliches Kojoti zusammen auf der Bank sitzen, wenn sie es geschafft haben werden, auf eine Ebene zu kommen, dann was? wenn sie es geschafft haben werden, auf eine Ebene zu kommen, dann was? Na dann, lange nichts. Sehr lange. Und dann reden sie erst einmal. Diese Coyotes, unsere Sitzriesen. Coyote Gustav Gründgens warnt den Gestalt meines Kopfes davor, sich auf die Ebene des Publikums hinab zu begeben. Die Armen sind viele, sie kopieren sich ständig. Wir müssen diese Masse der Öffentlichkeit in einzelnen Fällen zu uns heraufheben, damit alle an ihre Chance glauben und sich ruhig verhalten. Coyote Christoph Heim beginnt im Kostüm meines Kopfes zu reden. Ich habe einen schönen Totenkopf, den ich vom Friedhof geholt habe, den habe ich herzlich lieb. Totenkopf, den ich vom Friedhof geholt habe, den habe ich herzlich lieb. Coyotes mochten Knochen schon immer. Coyote Glenn Gould ruft in Gestalt meines Kopfes, Isolation ist die unabdingbare Voraussetzung für das Glück und da folgt auch schon der Chor der einzigartigen und perfekt inkompatiblen. Sie alle haben unterschiedliche Spazierstöcke verschluckt, mit denen sie von ihren Vätern als Kinder verhauen wurden und verstehen einander deswegen nicht. Coyote Ali Khamenei besitzt sogar hunderte davon, aber auch Coyote Anton Tschechow bellt in der Übersetzung, dass alles im Universum in Verwandlung und damit auch Verwesung begriffen ist, nur sein eigener Geist, der nicht. Das Coyote ist nah mit dem Wolf verwandt, der dem Wolf ein Wolf ist. Das Coyote ist ehrlich. Kleiner Wolf, Petit Lou, sagte die Mutter zum Kinder und erzählt ihm das Märchen vom Rotkäppchen, das der große Wolf, der ernst fressen würde. Weit weg hat sich unterdessen Coyote Pablo Neruda auf ein Stückchen Wüste gestellt. Es hat die Stimme des Höchsten vernommen und siehe, es war sein Selbst. Alle diese Typen vertreten die Ansicht meines Kopfes. Mein Kopf aber ist der Ansicht der Psychopathen. Stockholm-Syndrom, Spazierstock-Syndrom. Sie alle sind gefangen in meinem Leib. Alle sind es, ja. Nur ein Coyote fluiden Geschlechts namens Claude Grand schüttelt bei dem Theater meinen Kopf, bis er abfällt. Es klemmt sich das lose Teil nonchalant unter den Armen. Ich muss sagen, das ist eine moderne und fantastische Vorstellung hier. Jetzt geben alle diese Leute, die nicht spüren, wie Leben sein kann, vor, wie man es spielen muss. Ein schlecht riechendes, wie die Psychopathen kaum jemals blinzelndes Coyote, dessen Namen mein Kopf nicht herausgibt, weil ich sonst geklagt werde, will sogar eine Berufung als politischer Provokateur an sich erkannt haben. Es rennt auf der Deponie mit einer Pistole statt eines Mikrofons herum und gestikuliert in diesen Vervielfacher der Meinung, seinen gesamten, in den eigenen Augen unnachahmlich exemplarischen, die Geschichte verändernden Lebenslauf, den wir alle auswendig lernen sollten, aber genau in diesem Moment ist der Reigen aus. Ich. Widerrechtlich übe ich meine Statistiken für die Akzentuierung der vergeblichen Geste, dieser noch beinahe unbekannten Kunst der Tiere. Ich lehre euch, die billigen Strümpfe aus dem Discounter Kunst zu stopfen, ermuntere euch, umgekehrt Löcher in die Böden der Coffee-to-go-Becher des Kapitalismus zu stochern. Gegen das Gesetz der Psychopathen pflege ich euch. Überwachung sieht nichts, sie kann sich nicht äußern. Ich bin unsichtbar alt. Vorsichtshalber verrate ich euch, aber doch lieber gleich, wie man sich kostenlos unter die Kuppel einer Kathedrale begibt. Bedeckt, nachdem ihr euch auf dem Boden gebettet habt, mit der Baseballkappe euer Gesicht, die silberne Niete oben und die Luftlöcher an den Seiten erzeugen zuverlässig den Eindruck, den ihr anderswo teuer erkaufen müsst. teuer erkaufen müsst. Ich, an euch wende ich mich, ihr zahnlosen Generationen, an euch, meine Altersgenossinnen, die keine dritten Zähne haben, sowie an die Säuglinge unter uns. Seht, meine harte Hand, sie kriecht vor euch aus der Tasche, tendiert nicht von ungefähr zum Gatsch. Ihr Greifen vom englischen Grief, das so in etwa Trauer, Kummer oder Gram bedeutet, misst schlecht frisiert die Verhärtung des Begriffenen am Begreifen oder umgekehrt, falls euch das mehr bedeutet. Wir wünschen uns eventuell ein eher lasches Umfassen. Oft finden wir das Begreifen ein bisschen traurig und tatsächlich, es dürfte euch so halbwegs unbekannt sein, dass wir uns dann und wann im unentschlossenen Tasten verhaspeln. Wir widmen uns dabei sogar ziellosem Deuteln. Dabei sollten wir, so die harte Hand, ihren Text mit ihrer Faust über die Rampe knallen. Jedoch ist es nicht unser Text und wir fassen ihn nicht. Ich kann's nicht fassen, heißt es, und das bedeutet, ich komme drauf, dass es die Regeln, die ich erfüllte, gar nicht gibt. Ich bin ein Hinweisschild, doch weiß ich nichts. Mit dem Getue einer Schnecke, die, gemessen an ihrer Normalgeschwindigkeit, geradezu in ihr Gehäuse zurückschnellt, verdrücken wir uns wieder ins noch warme Bett. Das Liegen in diesem, das zu weich ist, erneuert die Erinnerung an Schillers und Rollens gründen wir. Deuten wir meine harte Hand, als wären wir blöd? Von der Seite grinse ich sie an, bettle um ihre Liebe, die ich womöglich gar nicht erkennen würde, da ich ihr Begreifen nicht verstehe. Erst kürzlich versuchte ich, meine harte Hand zu streicheln. Meine harte Hand ist jedoch ein Begriff und Begriffe küsst man nicht. Meine harte Hand ist jedoch ein Begriff, und Begriffe küsst man nicht. Warum nur wurde ich nie herrlich? Hört, ich bin Gatsch, dessen Blasen immer gerade dann aufplatzen, wenn er in seiner Rolle schmiert. Ich bin der Gatsch, der nicht annähernd versteht, was der Gatsch eigentlich ist. Gatsch, Quatsch dieser Erde, begreife dich. Möge die harte Hand in die rutschige Leere gleiten, die ihr mein Zurückweichen überlässt. Ja, man sagt, die harte Hand greife hart durch und ich meine, der Volksmund irrt hier wenig. Die harte Hand ist kaum imstande, dem Gatsch die Form ihrer selbst zu geben. Der Gatsch quillt, wenn er begriffen wird durch ihre Finger. Er dringt würstchenförmig nach draußen, tendiert dazu, die harte Hand beim Abgang zu beschmutzen. Wer den Gatsch nach seiner Hand formen will, nimmt ihn besser in seine weiche Hand. Das sage ich ein Gatsch, der es nur allzu sehr liebt, liebkos zu werden. Man kann mich kaum ein Individuum nennen, aber eins ist so ungefähr unleugbar. Der Gatsch bekommt durch die weiche Hand eine Weiche, die weitergegeben werden kann. Willfährig passt eine Wölbung sich der Nächsten an, schmeichelt ihr ohne Begeisterung. Ich, euer Gatsch, zeige ein bisschen Haltung, nur ist diese eventuell leicht verdreht. Ihr sagt, meine Hosen sind nicht stramm gezogen. Ich stimme euch in diesem Punkt fast ohne Vorbehalt zu. Der Umstand sollte doch so gut wie ausradieren, was bis hierher ausgeführt ist, bis zu diesem Point of all returns. Leben von der harten Hand in den Mund, dritte Zähne für Säuglinge, Entwöhnung am ersten Tag, lieber nicht, Entschuldigung. Danke. Applaus Vielen Dank, Lisa Spalt, Franziska Füchsel. Jetzt bin ich dran. Die Bilder werden umgestellt. Was? Escape. Entschuldigung. Ah, super. Eigentlich kann ich das eh nicht. Das Bild sieht man jetzt oder später? Noch nicht. Doch. Oder doch. Egal. Das Bild sieht man jetzt. Jetzt mache ich es. Nicht mehr. Gut. Ich habe gerade gemerkt, dass ich auch da praktisch, das war ich jetzt nicht mehr. Ich bewege mich in diesem Landstrich wie in einem Holzschnitt, schreibt Franziska Füchsel in ihrem Buch Am Rande der Müh. Im Hellen wie im Dunkeln tappend gerate wohl. In ungeduldiger Neugier mache ich Umrisse aus, bewundere gleichzeitig die abstrakten Linien und gegenständlichen Formen, die, indem ich sie mir erzähle, sich ergeben und bleiben. gegenständlichen Formen, die, indem ich sie mir erzähle, sich ergeben und bleiben. Die Gegend, die Franziska Füchsel sich und uns erzählt, ist das hügelige Granit- und Gneisplateau, das sich, so der Verlagstext, oberes Müllviertel schreibt. In dieses Hügelland schneiden sich die drei Müllflüsse, die im Südhang der europäischen Wasserscheide am Südrand des böhmischen Hochlands entspringen, die große, die kleine und die steinerne Mühl. Die Mühflüsse, wie Franziska Füchsel sie uns im Mühviertlerischen schreibt, die fachkundige Aussprache der drei Namen in Mundart überlasse ich der Autorin, die diese Kunst weit besser beherrscht als ich. überlasse ich der Autorin, die diese Kunst weit besser beherrscht als ich. Dem Namen Müh, so Julia Danielczyk, für die Archive des Schreibens, gibt Füchsel auf der Lautebene eine zusätzliche Bedeutung, indem sie die Mühsal des Lebens im südlichen Böhmerwald beschwört. Um die Goldwäscher geht es da, die Pechbrenner und die Glasbläser, die Leinenweber und um die Papierfabrik, ums Stornaglaum. Wie bei einem Holzschnitt schneiden sich die Mühflüsse nicht nur in die Materie, in ihrem Fall das torfige Hochmoor oder Feldspat, Quarz und Glimmer, sie machen uns ein Bild. Aus ihnen lässt sich vieles, so wie Wörter, neu schöpfen, sie lenken das Erzählen in ihrem Fluss. Von einer hochgradig-artifiziellen Sprache ist in der Jurybegründung zum Deutschen Preis für Nature Writing zu lesen, Sie haben es schon gehört und auch einen Satz, den ich jetzt wiederhole, mit dem Franziska Füchsel 2025 ausgezeichnet worden ist, einer die Register des mündlichen wie des schriftlichen nutzenden Sprache, welche die Lesenden mit sich vorträgt. Und weiter, Wörter malen in Franziska Füchsels am Rande der Müh nicht nur Vorhandenes ab, sondern entwerfen eine Wirklichkeit eigenen Rechts. Und so ist es nur folgerichtig, dass die Bäume erzählen, wenn der Text in der Geschichte des Mühviertels bei Null ansetzt, also im Jahr Null. Noch ist diesseits kein Mensch zu vernehmen, so muss sich die Zeugenschaft auf uns Bäume verlassen. Auch der Fluss bekommt seine Stimme, wenn wir lesen, ich balanciere auf der Wasserscheide zwischen Nordwest und Südost, zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Einmal wird mir der Tritt entgleiten, einmal werde ich münden müssen. schwarzem Meer, einmal wird mir der Tritt entgleiten, einmal werde ich münden müssen. In der Geschichte des 20. Jahrhunderts erzählt sich Franziska Füchsel auch anhand der Donau, die von der Mündung im Donaudelta weggezählt wird. Und zwar entlang einem Dialektgedicht über die große Mühl aus dem Jahr 1934, dessen Autor Hans Richtsfeld macht Füchsel zum Mitreisenden auf einem Donau-Kreuzfahrtschiff. Mit seinem Gedicht versetzt Hans die Müh, Strophe für Strophe, in die Donau, heißt es im Buch. Die Reise in die entgegengesetzte Richtung erzählt vom Aufkommen des Nationalsozialismus, von politischen Unruhen in der Region und der wirtschaftlichen Aufstiegshoffnung, die das 1924 erbaute erste österreichische Großkraftwerk an der Großen Mühl erweckte. Über das Richtsfeldsche Langgedicht liest man, dass die Große Mühl in Deutschland entspringt, freundlich durch das Mühviertel plätschert und sich der Donau überlässt, um gestärkt nach den Osten vorzudringen, erhält in der Dichtung Ton und Pathos des Menschenmöglichen. Handelt es sich um Gelegenheitsdichtung im doppelten Sinn, geht das Gedicht nicht nur den Flusslauf ab, sondern besinkt den Strom der Zeit. Franziska Füchsels Buch folgt dem Strom der Zeit auf seine Art und weiter, die steinerne Mühl entlang und dem eisernen Vorhang. Der Bergbach entspringt aus den ältesten geologischen Schichten, die steinerne Mühl aus der Zeitgeschichte ist im Buch zu lesen und davon werden Sie später noch hören. Die menschliche Verfasstheit kann ich mir sehr schlecht in Introspektion begreifbar machen, sagt Franziska Füchsel in einem Interview mit Irene Bienerl auf Deutschlandfunk Kultur. Umso mehr gelingt ihr das vom Rande der Mühe, indem sie uns mit neugierig sein lässt auf die Umrisse, die sie uns erzählt und uns damit die Formen vor Augen stellt, die bleiben. Ich freue mich sehr, hier zu sein. Noch nicht im Mühlviertel quasi, aber fast südlich der Donau, aus diesem Buch zu lesen. Durch das hinweg habe ich den Eindruck bekommen, dass das, worunter ich vielleicht als Jugendliche gelitten habe, nämlich nicht über diese Donau rüber zu kommen und raus aus dem Müllviertel, ich jetzt wieder erlebe, aber mit sehr viel Interesse und sehr viel Neugier. und sehr viel Neugier. Und es ist eigentlich nicht mein Buch, nicht nur mein Buch. Es ist ein Buch, das es ohne Christian Tannhäuser gar nicht geben könnte, denn er hat einen Anstoß geliefert und er hat diese Holzschnitte, er hat sozusagen parallel in Holz geschrieben und mir diese irgendwie andere Art der Schrift zur Verfügung gestellt. Und ich merke jetzt auch immer wieder beim Vorbereiten von Lesungen, dass ich diese Holzschnitte immer wieder neu lesen kann und eben auch mitbringen kann, was mich sehr freut. sehr erfreut. Genau, und ich lese jetzt in diesem ersten kurzen Teil aus dem Strang Ich kann nicht lesen, ich kann nicht schreiben. Das ist eigentlich der Titel von einer Volksweise, die aber, ich würde auch sagen, die Erwartungshaltung nicht erfüllt, denn sie bremst sich sofort noch im ersten Takt oder in den ersten zwei Takten mit zwei Formaten ab. Also die Melodie darf nicht fortgesetzt werden oder sollte nicht fortgesetzt werden. sollte nicht fortgesetzt werden. Es geht irgendwie so. Genau, und irgendwie, glaube ich, gibt es den Rhythmus für eine Situation oder ein Gefühl, das ich hatte beim Versuch, mich zu erinnern an Wissen, das ich vielleicht einmal hatte und nicht mehr habe, das ich aber vielleicht auch nie bekommen habe. Und dieses Verharren in diesen Formaten ist wieder ein Moment höchster Aktivität, in dem man eigentlich versucht, wohin zu kommen und es vielleicht auch gar nicht schafft, weil man zu wenig weiß oder sich nicht erinnern kann oder weil man sich eben nicht erinnern kann, sondern die Erinnerung einen reißen muss wie ein Wild. Jemanden reißt. Der Hormschleichweg vom Wirten im Wald führte über das ehemalige Zollhaus. Der Zollwärter, dem im Frieden das Haus unter seinem hilflosen Schlüsselgestocher hinweg verpfändet wurde, ließ seinen Nachbarn, den Wirten, passieren und wurde seinerseits Dauergast am Stammtisch. So war der Stammbaum einer jeden Familie immer schon gewirtet, gefällt und in Raummeter aufgeteilt. Die Männer rasteten am Stammtisch, die Frauen verzweigten ihre Zeit daheim, setzten Liköre an, weckten Obstgelee ein und pressten Fruchtsaft. Und die Blätter kamen und gingen, denn sie haften nicht an Wurzeln. Der Stammtisch hingegen war fest mit der Gegend verbunden. Man zimmerte ihn aus dem letzten Schlagbaum. Und was hat der Schlagbaum im Krieg getan? Er wurde vom Volkssturm aus dem Wald gerissen und fristete die letzten Tage unbeschadet in einer Straßensperre. Nach all diesen Jahren war das Rundholz ans Liegen gewohnt. Was hätte ein Schlagbaum schon durchwinken sollen, wenn wenige Meter dahinter eine scharf gestellte Grenzbefestigung ihre blitzschnellen Urteile verhängte. Da saßen sie nun alle, die Einzelmänner, der Grenzmänner, der Kriegmänner, um den zersägten, gehobelten und zur Platte verleimten Schlagbaum und sackten langsam ab. Grundriss, Aufriss und Kreuzriss zeichneten ihnen in den frühen Morgenstunden ein ruhiges Bild vom Wald. Erst der Wolf riss, brachte Wirbel und Schauer hinein. Die Augen übernahmen das Deuten, erst zurückhaltend. Ich glaube, ich habe einen gesehen. Doch bald überzeugt, ich habe einen gesehen. Es soll sich um einen Jungen handeln und die Jungen sind verspielt. An den Jüngsten lässt sich beobachten, wie Spiel Eifer weckt und der Eifer von Brutalität übermannt wird. Auch in einer Gegend, die fast ausschließlich Schleichwege kennt, sind in solchen Fällen die offiziellen Wege der Bürokratie zu gehen und nüchtern. Sechs Monate bis zum Fristende der Abschussgenehmigung. Vor der Waldwand gedachten die einen oder anderen nächtens die Glanzaugen eines lauernden Raubtiers zu erkennen, als gehörte das Funkeln zur Bedrohung wie die Nacht dem Betrunkenen. Die Abschussgenehmigung erlosch, wie es das Amt vorsah. Kein Wolf war entnommen worden. Als er ein nächstes Mal zugeschlagen haben musste, wer sonst reist einen ganzen Marder-Clan in einer Nacht, wurde neuerlich um Genehmigung angesucht und so vergingen Jahre. Hühner, Schafe, Hund und Kind setzen die Ansuche in Gang und als ließe sich die Genehmigung auf hunderte Meter Entfernung riechen, blieb das Raubtier in seinem Bau. Die Jäger tappten mit ihren Läufen im Dunkeln und wurden Abend für Abend am Schlagbaum beim Zollwirten von den übrigen Männern verwurstet, bis schließlich, nach Ablauf der Frist, einer ins Dunkle zielte und aus Versehen traf. Beim Versuch, mich im Dunkeln voranzutappen, mich an all meine Verflossenen zu erinnern, liquidiert es mir alles vor Augen und mein Körper fossilisiert in ungewisser Zeitspanne. Die Sicht trübt ein. Ich verkrampfe und aus dem Krampf steigt ein Schmerz mir zu Kopf. Ist das die Erinnerung? Im Wittern ist die Erinnerung wölfisch. Sie lässt sich nicht einfach abschießen, ausnehmen und verbraten. Die Gefahr, die von ihrem flüchtigen Zustand auszugehen scheint, lässt sich nicht erlegen. Mit unerbittlichem inneren Blick steche ich nach ihr und gebe keine Acht auf die Umgebung. Dabei sollte ich meiner Wege sehen und nicht mit vollem Korb beim Blumenpflücken von ihr reißen lassen. Aber ich werde nur von Jägern übermannt. Mein Vater, der Jäger, lernte, das Wild zu beobachten. Er lernte, geduldig in sich zu ruhen und einen Probeschuss durch den Feldstecher abzugeben, bevor er den Lauf ansetzte. Spricht ein guter Jäger dich an, warnt mich mein Vater, kriegst du nicht mit, dass es dein Ende ist. Macht ein guter Jäger dich an, warnt mich mein Vater, kriegst du nicht mit, dass es dein Ende ist. Macht ein guter Jäger dir einen Antrag, bleibt keine Zeit für eine Antwort. Doch was macht einen Jäger gut? Mein Vater, der Jäger, lernte mit seinem Vogel die Rufe der Vögel nachzuahmen. Er unterhielt viele verschiedene Schnebel aus Holz und der Ruf dringt auch aus weiter Ferne in mich. Mein Vater, der Jäger, lernte, Pflanzen zu bestimmen. Aus einiger Entfernung musste er im Winter während seiner Jagdscheinprüfung einen kahlen Baum im Unterholz am Waldrand erkennen. Es konnte sich nur meine Ölixen handeln. Da war ein Bach, ergo feuchter Boden, ergo Grundwasserzeiger. Ölixen, schnabelt der Jäger aus tiefem Ö, nicht Ölixen. Längst bin ich in meiner angeborenen Sprache unsicher geworden. Ich suche mit dem Unterkiefer die richtige Senkung und probiere verschiedene Ö-Töne aus. Doch mein Jäger wird schnell müde vom Korrigieren und gibt auf, mich anzusprechen. Ich habe den Schein einer Sammlerin im Auflesen an Alphabetin, die Wertvolles von Wertlosen nicht zu unterscheiden vermag. Ich strotte und stierl herum, schnappe auf und stammle nach. Ich bewege mich in diesem Landstrich wie in einem Holzschnitt, im Hellen wie im Dunkeln tappend, gerate wohl. In ungeduldiger Neugier mache ich Umrisse aus, bewundere gleichzeitig die abstrakten Linien und gegenständlichen Formen, die, indem ich sie mir erzähle, sich ergeben und bleiben und schließlich verfolgen sie mich. Ich drehe das Blatt 180 Grad, um mir das Bild zu zerstieben. Wo zuvor eine Reihe Steine im Flussbett das Spiegelbild verwirbelte, lodern Flammen um Baumstämme. Zwischen ihnen erkenne ich jemand, die genauso gut ich sein könnte. Vom Züngeln unberührt starrt sie stoisch in Windrichtung. Alles Wunschdenken, denn ich wäre längst schutzsuchend mit einem Zischen in den Fluss gesprungen. Die Gestalt aber scheint aller Bedrohung zu strotzen, gar unantastbar. Wie Baumkronen schüchternd voreinander zurückzücken und das Ufer zarter Rinnensale Himmel nicht übertreten, wie sie Luft wahren, weil Berührung entfacht. So umfängt die Gestalt ein schützender Umwurf mit dem Kopf eines Wolfs. Ich folge dem Wolfsblick zurück zur Gestalt, unverkennbar hat sie Hörner bekommen. Ich schüttle den Kopf, um mir das Bild zu zerstieben. Es könnte sich auch um einen stürmischen Tag unter Weiden handeln und von Böen umfahren dazwischen ein verirrter Wanderer. Doch der Wind treibt keine einzige Welle über die Wasseroberfläche. Der Fluss wirft die unteren Stämme und Beine ungerührt zurück. Es ist Winter. Die Eishaut des Flusses ist frisch gebügelt. Die Gestalt schnürt ihr Fell enger und wirft mich ab. Ein scharfer Wind zerklüftet mir die Stirn. Noch soll der Teufel mein Täufer nicht sein. Ich ziehe meine Kapuze tief ins Gesicht, ducke mich unter den Böen hindurch und verlasse das Bild. Ich möchte doch was anderes. Das ergibt sich sehr gut. An einem böigen Tag rutschten die Fichten reihenweise und langmächtig aufrecht den Hang hinab, ehe sie sich kopfüber, nadeln voran, hineinstürzten in die Schlacht? Wie viele Schlachten von einem Moment auf den nächsten geschlagen waren, lässt sich an der rapide gestiegenen Durchgangslichte der Wälder erkennen, daran, wie Licht die Landschaft geworden ist, auf der in meiner Kindheit viel Schlagschatten lag. Plötzlich ließen sich Gemäuer, Dächer, Fänge, Felsen sehen, einen Steinwurf nur entfernt, wo zuvor eine Waldwand meine Gedanken das Weite suchen ließ. Plötzlich sah ich hinter die Verstecke. Plötzlich sah ich Bäume und eine Traurigkeit begann mich zu umwallen, doch ich trauerte nicht um die Bäume, sondern wegen der Lücken, die in meine Kindheit gehauen waren. Die Umgebung der Kindheit sollte nicht von der Beständigkeit von Gemälden sein. Was ich für schön befand, schimpften die Leute alt, denn das Alte erinnerte sie an die Armut, die hinter ihnen lag. Ein Abriss hinterließ keine Lücke. Kein Mal blieb hinter dem alten Baum, dem alten Haus, der Blumen- und Streuobstwiese zurück, um an diese zu erinnern. Das Idyll entziegelte sich nicht bis auf das Gewebe einer Leinwand, die auf eine andere Welt verweisen würde, die meine bisher heile umschloss und durch deren groben Raster mein Baum, mein Haus, meine Wiese in die dunkle Tiefe gefallen sein musste. Nein, es ereignete sich alles in ebenbürtiger Dimension und doch griff niemand ein. Der Baum wurde gefällt, das alte Steinhäuschen mit den Holzrahmen und Zierarbeiten abgetragen und die Wiese rundherum für den Stahlbetonbau begradigt. Ich verwechsle Verschuldung mit Verschulung. Statt Wurzeln zu schlagen und uns einzumauern, setze ich mich um, richte mich ein, baue ab und ziehe weiter. Ich beginne mich nach Wald zu sehnen. Meine Bodenkrone wäre so weit. Hinter den neu gebauten Häusern erstrecken sich Wellen von Wiesen und Äckern mit Feldwegen, die zu winzigen Häusern vor einer Waldwand am Horizont locken. Immer liegt etwas hinter den Dingen. Eine größere Entfernung, die Verlängerung des Wegs. Jedes Ziel schwindet in nur wenigen Schritten. Danke, auch das war ein erster Teil dieser Lesung. Wir haben einiges gehört, wo man anknüpfen kann. Ich würde aber doch gerne ganz an den Anfang des Buches gehen, weil das beginnt mit der Müh-Mundart und einige Beispiele haben Sie jetzt ja auch gehört. Also das Ö und ich kann es ja nicht, ich konnte es nie gut und ich kann es auch nicht mehr gut. Wie wichtig war diese Mundart für das Buch? War die von Anfang an da oder hat sie im Laufe der Zeit bei der Arbeit aufgedrängt, mehr oder weniger? Also sie drängt sie mir immer wieder auf, weil ich ständig korrigiert werde daheim. Also sie drängt sich mir auf als etwas, was ich auch nicht mehr, wofür ich schon zu sprachverwirrt bin. wird bin. Und in diesem Buch jetzt in Birchö ist es ein Einstieg als Karikatur, würde ich sagen. Den Eindruck dieser spezifischen Mundorte im Obermühlviertel habe ich schon länger, dass es irgendwie durch die Tiefdange und ich glaube es gibt sogar Trifftange aber da kann ich mich nicht so weit ansprechen, ich glaube sie gehört und gesehen zu haben, aber sie zeichnet sich so stark im Gesicht ab und der Einstieg in dieses Buch wollte ich, das wäre sozusagen mein Äquivalent zum Holzschnitt, wäre dieser ikonische Kopf des oberen Mühfühls, der uns eulig sorgt, wie man jetzt eigentlich die Mundorte richtig sagt. Und das Schöne an der Verschriftlichung vom Dialekt ist, dass alle daran scheitern, nämlich auch die, die es kinnen müssen. Insofern ist das ein bisschen ein performativer Einstieg ins Büro, wie funktioniert auch wie ein schneller Sprachkurs. Aber vor allem ist es, glaube ich, auch irgendwie sportlich gedacht. Es geht darum, die Mundmuskulatur, sozusagen das menscheneigene Malwerk für Sprache und Essensverarbeitung warm zu kriegen. Es ist ja sehr anregend, man probiert es aus. Ich bin genau bei diesem Malwerk komplett gescheitert, wie an allem anderen auch. Du hast die Verschriftlichung schon angesprochen. Eine Stelle in dem Buch benennt genau das, dass diese Verschriftlichung eigentlich ein Befremden auslöst, weil es ja eigentlich nicht funktioniert. Aber auch, du nennst es einen Glücksfall für die Heimatdichtung, weil es eben genauso diesem Blut- und Bodencharakter vorgreift oder nicht ermöglicht, weil es eben dieses Befremden. Ja, das zeigt das Eingeschworene. Es zeigt irgendwie vielleicht eher, dass das Eingeschworene nicht am Papier beginnt, sondern in der Verinnerlichung eigentlich. Und das ist ein sehr, finde ich, komplizierter Moment, weil wenn man an Singen denkt, dann ist Singen ja eigentlich was sehr Schönes. Ich würde am liebsten die ganze Zeit nur singen. Wenn man dann aber daran denkt, wie das Lied gut und das gemeinsame Singen ja auch sofort scharf gestellt werden kann oder zu diesem Punkt oder zu diesem Moment eigentlich, wie eine Fermate kann. Und darüber, oder zu diesem Punkt, oder diesem Moment eigentlich, wie eine Fermate ist dieser Moment, taucht dieser Moment immer wieder im Buch auf, wo ich mich frage, wie singen wir eigentlich, oder wie lernen wir zu singen? Und es gibt irgendwie Gesang, der das Lied marschiert und Gesang, der sich selbst vielleicht zuhört oder nachhört, der gar nicht mithalten kann sozusagen mit dem vorgegebenen Takt. Eine Art von Gesang, der sich vielleicht auch gleichzeitig erinnern versucht an die Zeilen des Lieds, an die Melodie, an etwas ganz anderes. Also irgendwie ein Singen, das sehr mit einer Geistesabwesenheit, die aber etwas Suchendes hat, vielleicht was Tappendes eben in Verbindung steht. Also das sind so das ist irgendetwas, was mich nicht loslässt, wo ich glaube ich auch noch nicht fertig bin damit. Aber dieser Teil, ich kann nicht lesen, ich kann nicht schreiben, kondensiert, immer wieder Versuche, irgendwie der Verortung, die aber keine lokale sein kann oder keine bleibende. Was, glaube ich, eben auch im Erinnern und im Sich-Rückbeziehen auf Orte, Umgebung und so weiter gar nicht möglich ist. Also nichts Bleibendes eigentlich möglich ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es jetzt richtig zitiere. Also die Erinnerung ist so wie ein Wolf oder hat was Wölfisches. Dieses Jagdmotiv, das haben wir jetzt ja auch schon kennengelernt bei der Stelle, die du gelesen hast, das zieht sich ja bei diesen beiden Teilen, also du liest dann aus dem zweiten Neujahr durch, verändert sich aber, also im Ansprechen oder so. Die Jäger sind wichtig in dem Buch, im Müllviertel. Jetzt weiß ich, was ich eigentlich sagen wollte. Ich kann nicht lesen, ich kann nicht schreiben, aber ich habe versucht, von verschiedenen Motiven her über das Erinnern nachzudenken. Und die Jäger haben mir eigentlich einen ziemlich, finde ich, passenden, motivischen Raum eröffnet. Auch die Sprache ist sehr reich eigentlich fürs Denken. Man kann über Erinnerung nachdenken vom Jäger her, nämlich eher in der Hinsicht, dass ich das Wild meiner Erinnerung bin und die Erinnerung eigentlich jagt auf mich. Aber jetzt wird es ein bisschen perfide. Also dass es eigentlich ein Glücksfall ist, geschossen zu werden, angesprochen zu werden und entnommen zu werden, entnommen zu werden aus der alltäglichen Situation in eine Erinnerung hinein. Oder ein Tagraum, es muss ja nicht immer die Erinnerung sein. eine Erinnerung hinein. Oder ein Tagraum, es muss ja nicht immer die Erinnerung sein. Aber die Erinnerung ist schon insofern wichtig, weil sie mich umtreibt, aus einem Gefühl heraus keine zu haben. Mit der Frage, warum das so ist und ob sich das abstrahieren lässt oder verallgemeinern lässt. Und ein anderer Weg, über die Erinnerung nachzudenken, hat mir eigentlich das Fichtensterben eröffnet. Nämlich durch dieses, das habe ich ja jetzt gerade gelesen, die plötzlichen Lücken einer Landschaft, die diese Naivität des Behüteten, Unveränderlichen zunichte macht. Und das ist keine kindliche Naivität. Ich glaube, das ist eine Naivität, dass wir glauben, dass wir uns die Welt endlich vorstellen können und abgeschnitten und dass wir uns sozusagen von Landschaft auch irgendwie behütet fühlen können, vor allem im Hühnviertel. Diese Idee, also das leben wir, glaube ich, permanent, sonst könnten wir, also das zwingt uns auch der Kapitalismus auf, sonst müssten wir schon längst wahnsinnig sein. Jetzt habe ich mich wieder verzettelt. auf wirklich ein Haus sichtbar werden lassen, von dem man nicht wusste, dass es da ist, obwohl man so nah dran immer war. Also Nähe ist kein Garant für sich erkennen oder etwas erkennen. Und ich glaube, das lässt sich an der Geologie, oder für mich, das Mühviel, nämlich Mühe auch jetzt in diesem doppelten Sinn der Mühe und des lokalen Mühviertels sozusagen lässt, das ist so, ja, daher kann man das herleiten. Satz verloren. das herleitende Satz verloren. Der gibt immer den Nächsten. Du hast von wilder Erinnerung gesprochen. Jetzt geht diese Erinnerung ja noch viel weiter zurück. Es ist einmal im Jahr Null und es ist dann alles wirklich unglaublich, wie Franziska Füchsel da Dinge erzählt, historische Dinge. Also ich habe da immer wieder nachgeschaut. Das empfehle auch ich Ihnen, oder Sie kennen sich eh alle so gut aus, also ich kannte mich nicht mehr so gut aus. Wie ist der Zugang da gewesen? Also waren da gewisse Dinge da, die du kanntest, wo du sagst, das muss da rein? Wenn ich jetzt auch diese Landschaft historisch beschreibe, oder wie hat die Recherche funktioniert, was mich sehr beeindruckt hat, es kommen immer wieder die Mühfeldler Nachrichten vor, aber natürlich nicht nur im Inhalt, sondern auch immer wie die Berichte angeordnet sind und was das wieder für ein neues Bild, also da sind wir wieder beim Bild, wie beim Holzschnitt ergibt, wie die nebeneinander stehen, wie war da die Vorgehensweise? Also hast du dir da die Mühfeldler Nachrichten angeschaut, der Reihe nach durch, oder war das ein anderer Zugang? Ich wollte die 30er-Jahre verstehen. Die kommen mir immer sehr ausgespart vor, nämlich vor 38 oder ab 33, 34. Das wollte ich irgendwie einfach nur mal nachschauen, was das für eine Gegend mit dieser Grenzsituation nach Bayern und mit dieser dichten Grenze, also dichte Waldengrenze nach, naja, die damals noch nicht diese Grenze von heute war, nach Böhmen und so weiter, wie das damals war. Und die Mühfeller Nachrichten sind irgendwie eine dankbare Quelle, würde ich sie gar nicht nennen, Quelle würde ich sie gar nicht nennen, aber ein dankbarer, unterhaltsamer, aber auch schockierender Raum, in dem man sehr viel erfährt, nämlich sehr viel über die Unruhe, die ganz konkret so eine Art Terroraktionen, die stattgefunden haben, vor allem von österreichischen Nazis, die sich nach Bayern durchgesetzt hatten. Also diese, ich wollte wie ein Gefühl für die Stimmung, dass ich eh nicht wirklich transportieren kann, aber über das ja auch nicht wirklich gesprochen wurde oder wird und jetzt irgendwie auch niemand mehr darüber sprechen kann, so richtig gewinnen und über die Sprache. Und diese Sprache in dieser Zeitung der 30er Jahre ist eigentlich genau von der gleichen Melodramatik gezeichnet wie die Sprache der Nazis auch schon. Das ist sehr auffällig. das ist sehr auffällig und es war wie ein zweiter Geschichtsunterricht für mich also der Geschichtsunterricht, den ich bis dahin kannte war so ein bequemer der eben immer diese Aussparungen hat um etwas zu durchschiffen ich glaube aber auch, dass ich immer diese Aussparungen hat, um etwas zu durchschiffen. Ich glaube aber auch, dass ich, also in diesem Kapitel, die große Mühe, das ist keine Aufarbeitungsarbeit und nichts, das ist eher immer wieder so, wie man hier auch anklingt in diesem Ikonit-Lesen, Ikonit-Schreiben, ist es eigentlich, dass eh alles zu spät ist und dass wirklich auch ein Gefühl von großer Traurigkeit entsteht, weil man immer wieder erkennt, obwohl alles so nahe liegt und einmal nahe war, ist die Entfernung so groß, dass alles unzureichend ist. Du hast selber gesagt, ich kann nicht lesen, ich kann nicht schreiben, ist dann wie so ein Scharnier zum Anderen, wo es dann um den eisernen Vorhang auch geht. Und das ist ja, zumindest aus meiner Erinnerung und Erfahrung, war das ja sehr lang ausgespart, was man nicht erzählt hat, worüber man nicht geredet hat, man wusste, es gibt es da. Also das ist auch das eine Lücke, der du dich da genähert hast, oder? Ja, aber auch erst in unmittelbarer Nähe, also auf verirrten Wanderungen durch den Böhmerwald, weil davor, also erst kürzlich sozusagen, man musste auf Scherben stoßen, oder ich musste auf Scherben stoßen, um zu Müh, die sich diese 30er Jahre anschaut und eigentlich auch auf einer Kreuzfahrt ins Donautel, das sich befindet mit dem Hans-Richtsfeld, und der steinernen Müh, die ins Quellgebiet an die europäische Wasserscheide führt und also in die Gegend des Eisernen Vorhangs. und also in die Gegend des eisernen Vorhangs. Diese Scharnierfunktion führt dieses Thema der Jagd, auch irgendwie dieses Thema der Jagd als Pflege, Jagd als, sagen wir mal, Individualsport. Also man merkt dann immer, wie das kippt in die Jagd, die eine Verfolgung ist, die Jagd, die Mord wird und so weiter. Also das ist ein ganz fragiler Zustand, der aber nicht an Beispielen abgehandelt wird, sondern so an einem vielleicht Gefühl, das man hat, wenn man sich in dieser Umgebung bewegt, in der wenig ausgesprochen ist und sehr viel versteckt liegt und verdeckt liegt. Ich hoffe, ich nehme nicht allzu viel vorweg, wenn jetzt ein Gras über die Sache gewachsen ist. Also das war, glaube ich, der Terminus, den du sehr oft benutzt hast, wo über was Gras über die Sache gewachsen ist. Und genau, das beschreibst du öfter in deinem Buch, also die Papierfabrik, die verlassen ist und schon ein bisschen überwuchert wird, dann wo dieses Kraftwerk, wo der Ort geflutet worden ist, also der dann nicht mehr da ist und man glaubt, es ist nicht mehr da, aber eigentlich kann man genauso erkennen, was vorher da war. Und bei Gras über was gewachsen, da kann man ja, also Historiker bin ich jetzt nicht, aber kennen genau so, wie das Gras dann wächst, was da drunter gewesen ist. War das dein Hauptzugang zur Thematik oder ist das das, was dich immer noch umtreibt? darf und sei es jetzt ein Gebäude oder der menschliche Körper oder also alles, wenn Anwesenheit verwittern darf und verfallen darf, aber da bleiben darf, mir ist bewusst geworden, was das für ein Geschenk ist und wie gegenläufig unser Handeln als Gesellschaft ist. Also dieses reine Machen eben hat eine krass überschreibende Brutalität, die uns allen von so viel raubt. Also uns das Lesen wegnimmt auch ein Stück weit. Und ja, in den Holzschnitten von Christian Tannhäuser habe ich zum Beispiel das Lesen wieder irgendwie entdeckt und vielleicht vorher schon Dinge gesehen, die da vielleicht gar nicht zu erwarten sind, die ich dann nachher auch im Böhmerwald finden konnte. Ich weiß gar nicht mehr, was zuerst war. Um das nachzulesen, sind wir alle auch hier. Darf ich dich bitten um die zweite Lesungsstelle? Das ist jetzt eine kleine Hinführung, ein kleiner Einstieg in das Kapitel Steinerne Mü, aus dem ich dann ausführlicher wahrscheinlich wieder in Linz lesen werde, nämlich ungefähr in einem Monat, am 18.6. im Wissenstorm. Das heißt, Fortsetzung folgt oder so. Wenn Orte ihre Bodenhaftung verlieren, Jetzt. Augen rufen. Niemand kann noch an Türen klopfen. Niemand sich hinter ihnen verstecken. Auf einmal suchen sie uns heim. Verschwundene Orte verlieren ihr Gewicht, wenn auch eine Schwere sie umgibt, die in unseren Körper sackt. Verschwundene Orte bilden Sphären. Sie steigen auf in die Erinnerung, doch es ist nur eine Frage der Zeit, dass die Erinnerung einer Einbildung weicht. Sie wachsen uns über den Kopf und dann liegen sie in der Luft. Aussparungen umgeben das Verschwinden, so als wären Orte nicht eingebettet in Geschichte, sondern wie auf Leinwand gemalt, über eine torfene Grundierung. Aus einer Ort-mystischen Lücke taucht die Rede von den verschwundenen Orten auf. Doch wie kann ein Ort verschwinden? Wie kann ein Satz, der sich um das Verb verschwinden dreht, aktiv sein? verschwinden dreht, aktiv sein. Als wäre das Verschwinden eine Handlung und der Ort, das Dorf selbst, führte sie aus? Hatten die Dörfer sich selbst zum Verschwinden gebracht? Wer hat was getan? Ich komme viel zu spät und kann nur das ununterbrochene Wachsen erkennen und streune unsicher durch sich verdichtenden Wald. An Jahrestagen werden Wanderungen dem Verschwinden gewidmet. Ich stelle sie mir als nicht enden wollende Prozessionen vor, die nirgendwo einkehren können. Ihr Tag ist ein Jahr lang. Wälder sind keine abgeschiedenen Orte. Von Wipfeln, Stämmen und Felsen gedeckt verlaufen in ihnen Saumpfade für heimliche Vorstöße, dicht an dicht mit den Fluchtlinien von Verfolgten. Doch nicht alle, die Schutz suchen, sind unschuldig. Wäre der Böhmerwald ein Archiv, tummelten sich Pechbrenner unter österreichischen Legionären, unter von der Pest Verschonten, unter dem letzten Rest des Volkssturms, unter gejagten KZ-Häftlingen, unter österreichischen Zöllnern, unter sowjetischen Besatzungssoldaten, unter Angehörigen der tschechoslowakischen Grenzwache unter Angehörigen der tschechoslowakischen Grenzwache und unter ihnen ein Uniformierter, der Patronenhülsen aufliest, um von ihnen die Zeit abzulesen, unter ihnen der berittene Wittiko mit seinem Gefolge, unter trunken Bolden, die das Casino suchen, unter schwedischen Kundschaftern, für Brot zerfleischt auf dem Kriegsgatter, unter vom Wirten im Wald abgängigen Kindern, unter fliegenden Händlern und unter ihnen die Zelle eines Grafen, der seine Kriegsgefangenen bewaffnete und sich damit als deren Alliierter erwies. Und unter ihnen der kleine und große Adalbert Stifter, unter Schmugglern der Arbeiterzeitung, unter von Kriegen und Armut in die Flucht geschlagenen und anderen überlebenden oder todgeweihten Grenzversetzern. Es ist ein Getummel, das unaufhörlich anwächst und über den Kopf. Der Rede von den verschwundenen Dörfern haftet etwas Verschämtes an. Es lässt ein Gewissen erkennen. Sie markiert eine Spur zur Rückhaltung, die leisen Zweifel über den eigenen Verlust und Schmerz streut. Wer vom Verschwinden spricht, zeigt noch nicht auf Täter oder Seiten. Die südböhmischen Orte scheinen, scheinen, wie vom Erdboden verschluckt. Als hätte sich das Erdreich aus einem Hinterhalt die Orte einverleibt. Dabei verweist das Schlucken auf einen anderen Organismus, der daneben steht und inspiziert, Befehle erteilt oder empfängt. Etwas, das alle kennen. Als letztes Gebäude wurde die Kirche gesprengt, die Trümmer zu einem Haufen zusammengeschiebt und unter tätschelnden Baggerschaufeln mit Erde befestigt. Die Landschaft hat einen neuen Hügel erstanden und auf dem Hügel wächst sich ein Heim zusammen, auf das der Ort sich wieder in den Wald füge. Auch das ist Renaturierung. Ein Abriss geht von heute auf morgen, nichts aber arbeitet so langsam am Abbau der Orte wie die Erde, die Jahrtausende braucht, um sie zu verschwinden. Und eigentlich hebt sie sie auf, damit der Abbau der Erinnerung die Orte nicht ein weiteres Mal vernichte. Erinnerung und Erde, aus ersterem verflüchtigen sie sich, in letzterem keimt ein Apfelkern. Im Südhang der Wasserscheide entspringen Schutzströme. Die Grenze wird befestigt. Geradlinige Schneisen mit einer Mindestbreite von 20 Metern werden durch Waldstücke geschlagen. Von Wachturm zu Wachturm stelzen in dreier Reihe die entrinderten und flambierten Pfähle, um die der Draht gewickelt wird. Die Sektionen der Mittelwand zählen acht waagrechte Stacheldrähte und sieben senkrechte, die der Außenwände sieben senkrechte und zwei über Kreuz gespannte, sogenannte Verankerungsträte, dienen als Stolperfallen, ein Nebeneffekt. Mit diesem Stich werden die Wunden, die das Abtragen der Dörfer hinterlassen hat, vernäht. Sogenannte Grenzverletzer, die die Klingen und elektrische Ladung des Drahts, die Signalschussanlage, Stolperfallen und den Minengürtel überlebt haben, müssen sich noch mehrere hunderte Meter, möglichst spurlos über ordentlich gepflügte Brachäcker und angelegte Sumpfflächen retten, ehe sie die eigentliche Grenze überqueren, die oft unscheinbar in der Landschaft aufgegangen ist. So hinterlistig ist diese Grenze. An 10 bis 15 Meter langen Trainingszäunen üben die Kompanien die Festnahme der Grenzverletzten. Doch eigentlich üben sie selbst die Festnahme zu überleben. Quer zu den Sträßchen und Wegen, die über die Grenze führen, werden 14 Meter lange, 2,4 Meter breite und 1,2 Meter tiefe Gräben ausgehoben. Selbst querlaufende Bäche, die sich vom Grenzübertritt auch nicht mit Gewalt abhalten lassen, erhalten ihren Wall. Mit Klingen versehene Holzpfähle in zweier Reihe oder Sperrwände, über die eine Reihe schräg befestigter Pfähle ragt und einen kaum zu überwindenden Überhang bildet. Im Winter wahren die wachen Kontrollschneestreifen, die täglich auf ihre Unberührtheit überprüft werden, wie sich auch Jäger gerne auf Spurschnee verlassen. Ein halbes Jahrhundert lang steht das zynische Bild eines eisernen Vorhangs entlang dieses verschieden gearteten Grenzgeschützwache. Überquerungsversuche machen mit Rauchgranaten und Leuchtraketen auf sich aufmerksam und der Aufmerksamkeit folgen Schüsse. Ein Vorhang ist ein bewegliches Instrument der Verdunkelung und des Sichtschutzes. Mit einem Zug am Vorhang grenzt der Tag an die Nacht, Nacht an Tag. Das Innenleben von Häusern kann sich hinter Vorhängen bedeckt halten. Mit einem Zug am Vorhang grenzt der Tag an die Nacht, Nacht an Tag. Das Innenleben von Häusern kann sich hinter Vorhängen bedeckt halten. Der Vorhang fällt, wenn es mit dem Bühnenleben sein Ende nimmt. Im Brandfall senkt sich zwischen den Samtenvorhängen ein sogenannter Wandersatz aus Metall, der einen Brandüberschlag vom Bühnenhaus ins Zuschauerhaus verhindern soll. Er erlaubt Menschen die Flucht. Dieser Wandersatz wird eiserner Vorhang genannt. Eine Metapher, die sich im Theater besser macht als in der freien Natur, wo man am Wandersatz hätte festhalten sollen. Büßt der Vorhang seine Beweglichkeit ein und prangt er stattdessen wie ein Urteil, wie eine gefallene Guillotine-Klinge, lässt sich nicht mehr von einem Vorhang sprechen. Man müsste dann die Dinge nicht beim Namen nennen, sondern beschreiben, bezeugen. Großzügig passiert die Luft zwischen den geladenen, schnittigen Drahtlinien die Grenze. Wer weiß, vielleicht eierten diese bei starken böhmischen Böen ein wenig, sodass sich das Eiserne zumindest zeitweise als Vorhang missverstehen ließ. Die Lücken der Erinnerung, um die sich niemand recht bemühen will, sind mit Stacheldraht umzäunt. Die Großväter haben ihren eisernen Vorhang zugezogen. Dahinter sollen Gras und Wald in aller Stille gedeihen. Ein Schallschutz, den die Zeit, diese Kräuterhexe, allmählich über die Gefechte legt. Und schließlich fließt darin wieder der Kindheitsfluss durch das Idyll harter Feldarbeit. Dankeschön, Franziskus Füchse. Vielen Dank den drei Damen des heutigen Abends, Franziska Füchsel, Lisa Spalt und auch Ines Schütz, die wirklich großartige Einführungen gehalten hat, wie ich finde. Ich bedanke mich für einen Abend, der gezeigt hat, was ich anfangs, glaube ich, angekündigt hatte, nämlich was Literatur alles kann, fernab vom 200-Seiten-Roman. Ich habe noch zwei Hinweise für Sie. Zum einen, wenn Sie einen Triffton entdecken, kontaktieren Sie Franziska Füchsel. Wenn Sie unter Albträumen leiden, bitte senden Sie sie an Lisa Spalt. Sie macht diese erträglicher und Sie haben ein schöneres Leben. Ein schöneres Leben haben sie auch, wenn sie die Bücher kaufen, die sind hinten zu erwerben und beide Autorinnen sind gerne bereit zu signieren. Bei uns geht es am Donnerstag weiter. Das Stifterhaus beteiligt sich an der Kommunale. Das Thema dieses Jahr, Sie wissen es, 400 Jahre oberösterreichische Bauernkriege. Unser Abend am Donnerstag ist untertitelt mit ein literarischer Streifzug. Arnold Klaffenböck wird ein Referat zum Thema halten und es gibt Lesungen aus eigenen Werken von Thomas Arzt und Karin Peschka. Anzuhärtslegen, weil Sie heute da sind und demnach wahrscheinlich ein Faible für experimentelle Literatur oder Avantgarde haben. Ans Herz legen möchte ich Ihnen unser Festival für literarische Avantgarde zwischen 16. und 18. Juni hier im Stifterhaus. Und ich würde mich überhaupt freuen, wenn Sie ab jetzt zu jeder Veranstaltung kommen. Vielen Dank.