Guten Abend im Stifterhaus, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich darf Sie heute Abend begrüßen zu einem Abend, der im Rahmen der Kommunale 2026 steht. Bekanntlich begehen wir die diesjährige, erst kürzlich gestartete Kommunale unter dem Titel Mut 1626, 400 Jahre Bauernkrieg in Oberösterreich. Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, als Sie zum ersten Mal vom diesjährigen kommunalen Thema gehört haben, vielleicht ähnlich wie mir. Am Anfang stand durchaus etwas Verwunderung, ob der Themenwahl. Dann setzte bei mir jedoch relativ rasch die Erkenntnis ein, dass ich trotz Studiums der Geschichte und der Germanistik und der Arbeit an einem angesehenen Fachinstitut ehrlicherweise im Grunde alles andere als sattelfest bin in dieser Thematik. Außer ein paar Schlagworten wie die Frankenburger Würfelspiele oder gegen Reformation und ein paar Namen wie Stefan Fadinger und Christoph Zeller förderte mein Nachdenken ad hoc nicht wirklich Bewundernswertes zu Tage. Freilich hätte das gereicht, um sich irgendwie drüber zu schwindeln, wie man auf gut oberösterreichisch sagt, aber das ist ja auch nicht Sinn der Sache, wie wir alle wissen. Und weil es immer schön ist, Neues zu lernen und mehr zu erfahren über Ereignisse, über die man vielleicht weniger weiß, im Besonderen, um aus dem Vergangenen Lehren zu ziehen für das Gegenwärtige und für das Zukünftige. Deshalb freue ich mich auf diesen Abend ganz besonders und auch auf kommende Veranstaltungen der Kommunale 2026. Unser Fokus am heutigen Abend liegt aber natürlich nicht ausschließlich auf den historischen Begebenheiten der oberösterreichischen Bauernkriege, sondern in erhöhtem Maße auf der Literatur dieser Zeit und der motivischen Transformation in den folgenden Jahrhunderten bis hin zur zeitgenössischen literarischen Verwendung. Zu diesem Zweck haben wir sozusagen alle literarischen Register gezogen und damit meine ich natürlich unsere Gäste, die ich ganz herzlich im Stifterhaus begrüßen darf. Herzlich willkommen Karin Peschka, Thomas Arzt und Arnold Klaffenberg. Vielen Dank fürs Kommen. Den Anfang des heutigen Abends wird Arnold Klaffenberg machen und zwar mit einem circa 30 bis 35-minütigen Vortrag mit dem Titel 400 Jahre oberösterreichische Bauernkriege, ein literarischer Streifzug. Er ist in Gmunden geboren und studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Salzburg. Er ist freiberuflicher Kurator und Verlagslektor sowie Literaturwissenschaftler. In letzterer Funktion hat er sich vielfach mit dem Thema der Literatur der Bauernkriege in Oberösterreich auseinandergesetzt, unter anderem für die Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte des Adalbert-Stifter-Instituts. werden wir zweimal jeweils circa 15-minütige Lesungen von Karin Peschka und Thomas Arzt hören. Beide sind Ihnen vermutlich bestens als oberösterreichische Landeskulturpreisträger für Literatur bekannt. Dennoch ein paar kurze biografische Eckdaten. Karin Peschka, geboren in Linz und aufgewachsen in Everding, ist quasi seit ihrem Romandebüt Watschenmann, das 2014 im Otto Müller Verlag erschienen war, fester Bestandteil der österreichischen Literaturszene. Davon zeugen die für Watschenmann verliehenen Preise, deren waren es gleich drei, der Wartholz Literaturpreis, der Florianer Literaturpreis sowie der Alfa Literaturpreis. Ihre letzten drei Romane, Autolyse Wien 2017, Putzt euch, tanzt, lacht 2020 und zuletzt Dschomba 2023, die sämtlich im Otto Müller Verlag erschienen sind, waren allesamt für den österreichischen Buchpreis nominiert. Seit 2023 ist Karin Peschka oberösterreichische Landepreisträgerin für Literatur und erst im April wurde ihr der Anton-Wildgans-Preis zuerkannt. Ich glaube, die Verleihung steht noch aus. Thomas Arzt, geboren in Schlierbach, studierte in Wien, seinem heutigen Wohn- und Arbeitsmittelpunkt, Theater-, Film- und Medienwissenschaften sowie Germanistik, Philosophie und Psychologie. Seine literarische Arbeit zielt, Sie wissen es, hauptsächlich aufs Theater ab. Mit Karin Peschka verbindet ihn, dass sein Debüt, nämlich das Drama Grillenpaz, das 2011 am Schauspielhaus Wien uraufgeführt wurde, sozusagen das dramatische Pendant zu Karin Peschkas Broser-Debüt war. Seither sind zahlreiche hochgelobte Theaterstücke, aber auch ein Libretto und Hörspiele entstanden. Hier im Stifterhaus hat Thomas Arzt seine beiden Romane Die Gegenstimme von 2021 und Das Unbehagen von 2025 präsentiert. Beide sind im Residenzverlag erschienen. Seit 2025 darf sich auch Thomas Arzt Oberösterreichischer Landeskulturpreisträger für Literatur nennen. Nach den beiden Lesungen wird mein Kollege und stellvertretender Institutsleiter des Adalbert Stifter Instituts Georg Hofer die Gäste nochmals für eine Podiumsdiskussion auf die Bühne bitten. Ich wünsche uns viele Erkenntnisse heute Abend und darf an Arnold Daffenberg übergeben. Danke. Danke für die einführenden Worte, meine Damen und Herren. Bevor wir zu dieser literarischen Spurensuche aufbrechen, reisen wir zurück in die Geschichte. Zunächst zu Ereignissen, die noch 100 Jahre weiter zurückliegen als jene für Oberösterreich so bedeutsamen von 1625-1626. Auch geografisch wechseln wir die Gegend. Die Zeitreise führt uns in das Jahr 1524 in den Schwarzwald nahe der Schweizer Grenze, wo sich Bauern in der Landkraftschaft Stühlingen gegen ihre Feudalherren erheben. Dieses Ereignis markiert den Beginn des Deutschen Bauernkrieges. Dabei handelt es sich um soziale Unruhen und kämpferische Auseinandersetzungen, die ökonomische, religiöse, aber auch rechtliche Ursachen haben. Neben der bäuerlichen Bevölkerung sind auch andere Schichten der Gesellschaft involviert, darunter Handwerker, Bürgerliche oder Bergknappen. Rasch weiten sich die Konflikte zum Flächenbrand aus, der den Südwesten und Mitteldeutschland erfasst. Auf österreichischem Gebiet sind vor allem Tirol mit dem Trentino, Salzburg sowie Teile der Steiermark betroffen. In Oberösterreich beschränken sie sich auf einzelne Regionen, vor allem eben auf den Attergau und das Enztal südlich von Steier. Da wie dort scheitern die Aufstände und werden blutig niedergerungen. Ende des 16. Jahrhunderts flammen bäuerliche Unruhen im Müllviertel auf, die sich auf das Land ausdehnen und niedergekämpft werden. All diese Ereignisse schlagen sich in der heimischen Literaturproduktion zunächst kaum nieder. Im 20. Jahrhundert, bei Versuchen, historische Traditionslinien zu konstruieren und sich weltanschaulich auf ein geistiges Erbe zu berufen, bezieht man sich schriftstellerisch auf jene Epoche. Was nun die Geschehnisse von 1625-1626 angeht, verfügt die Literaturgeschichte über eine reiche Überlieferung. Im Grunde sind Verfassernamen und Texte zu den oberösterreichischen Bauernkriegen in sämtlichen Gattungen vertreten. Erzählungen und Romane, Gedichte und Balladen, Bühnenstücke, Lieder oder Satiren verarbeiten einen dramatischen historischen Stoff, der bis heute nachhalt, der immer wieder im Sinne eines Landes, Heimat oder Volksbewusstseins identitätsstiftend wirken sollte, der aber auch mythisch verklärend sein konnte, moralisierend, demagogisch oder abwertend, der als warnendes Exempel oder zu pädagogischen Zwecken herangezogen wurde. Doch wovon handeln diese Texte eigentlich? Das grundlegende Konfliktpotenzial, an dem sich die Bauernkriege entzünden, liegt in der gegenreformatorischen Politik Kaiser Ferdinands II., der seit 1619, also zum Kaiser gekrönt worden war, im Land regiert. Bis dahin hat er radikal und erfolgreich die Rekatholisierung der Steiermark, Kärntens und Kreins betrieben und setzt das jetzt im Erzherzogtum Obter-Ens fort. Dessen Einwohnerinnen und Einwohner sind inzwischen mehrheitlich protestantisch geworden. Hinzu kommt, dass Oberösterreich offiziell im März 1621 an den Bayernherzog Maximilian I., Anführer der katholischen Liga im Dreißigjährigen Krieg, zum Ausgleich für seine finanziellen Auslagen verpfändet und von dessen Truppen besetzt worden ist. Unter den Protagonisten ragt der bayerische Stadthalter Adam Graf von Herbersdorf hervor, ein Konvertit und Karrierist aus einem steirischen Adelsgeschlecht. Er hat am 15. Mai 1625 den Widerstand der Bauern gegen die Einsetzung eines katholischen Geistlichen in Frankenburg bzw. die Belagerung des dortigen Schlosses mit einem Strafgericht auf dem Haushammerfeld bei Vöcklermarkt zu brechen versucht. Ein weiterer Streitpunkt ist das kaiserliche Reformationspatent vom 10. Oktober 1625, denn es fordert von der Bevölkerung bis Ostern 1626 katholisch zu werden. Als im Mai dieses Jahres bei einer Rauferei in Lempach im Müllviertel mehrere bayerische Soldaten erschlagen werden, eskaliert die Lage. Unter Stefan Fadinger, einem Bauern aus Parz bei St. Agatha, dem Anführer der Bauerntruppen des Hausruck- und Traunviertels, sowie dem Wirt Christoph Zeller, der die Bauernscharen des Mühl- und Machlandviertels befehligt, erobern die aufständischen Verbände fast das ganze Land. Das Kriegsklöck wendet sich nach der Belagerung von Linz, wo Fadinger Ende Juni 1626 verwundet wird und wenig später stirbt. Bei den Schlachten im Herbst bereiten Regimenter des bayerischen Generalissimus Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim den Bauern eine vernichtende Niederlage. Soweit die historischen Hintergründe. Gleich nach dem Krieg muss das sogenannte Fadingerlied entstanden sein, das in 55 Strophen die Ereignisse aus Sicht des katholischen und damit siegreichen Lagers schildert. Es dürfte aus dem süddeutschen Raum stammen, der Verfasser ist unbekannt. Ein schön lustig und kurzweiliges Bauernlied, so der Originaltitel, gilt als das bedeutendste Beispiel der damals in Umlauf kommenden Propagandaschriften, die je nach konfessioneller Zugehörigkeit oder Partei die Begebenheiten darstellen. Oft geraten sie zur Karikatur, indem sie den Gegner verhöhnen oder verachtenswerte Züge betonen, etwa den Bauern unterstellen, niederträchtig, dumm, gierig oder brutal zu sein. Das Lied prangert Fadinger als den eigentlichen Verursacher und Schuldigen der Tragödie an. Er habe die Bauern zum Aufstand verführt. Diese akzeptieren schließlich ihre Unterwerfung, während Fadinger für seine Anmaßung in der Hölle schmoren muss. Der Aufstand erscheint als lächerlich und grundlos. Eine Deutung, die umso leichter fällt, weil die realen Umstände, die zum Krieg geführt haben, ausgeblendet sind. Herbersdorf und Pappenheim hingegen, die Sieger, werden gerühmt. Zu den oberösterreichischen Bauernkriegen äußert sich im 17. Jahrhundert in seinen autobiografischen Schriften Johannes Beer, ein Gastwirtssohn aus St. Georg im Attergau, dessen Familie aus Glaubensgründen in die Reichstatt Regensburg ausgewandert ist. Beer hat es in das protestantische Herzogtum Sachsen-Weißenfels verschlagen, wo er als Schriftsteller, Hofkomponist und Bibliothekar wirkt. Geboren 1655 hat er die kriegerischen Zeitläufe in seiner Heimat nicht mehr erlebt, doch Bär schöpft aus der persönlichen Erinnerung und ihm zugetragenen Anekdoten. Eine Episode dürfte aus seiner Schulzeit bei den Benediktinen in Lambach herrühren, wenn er schreibt. Als ich noch ein Knab von acht bis neun Jahren war, saß ich einstmals zu Lambach, nix bei der Marktschule. Da erzählte ein alter Bauer, wie er auch unter dem Haufen der Rebellierenden gewesen und am Buchberg das festmachende Mus gefressen hätte. und am Buchberg das festmachende Mus gefressen hätte. Da wären ihm manches Mal von den kaiserlichen Soldaten so viel Kugel in den Busen geschossen worden, dass er nicht viel anders heimgekommen, als hätte er Haselnüsse eingekauft. Manche Erinnerungen mögen vage oder auch fehlerhaft sein, doch das Urteil ist unmissverständlich. Bär lehnt den kriegerischen Aufruhr der Bauern ab und stuft deren Kampf um Freiheiten und Rechte seinen gefährlichen Akt der Selbstermächtigung ein. Zitat, ich sage, ein Bauer nützt dem ganzen Land, solange er bleibt bei seinem Stand. Doch wann er wird zum Edelmann, so laufe weg, was laufen kann. Dann er versteht kein höflich Wort, schmeißt immer zweimal auf ein Ort, setzt nicht gern auf und schiebt doch Kegel und bleibt ein extra grober Flegel. Sobald der Bauer lacht, so nimm den Spieß, geh auf die Wacht. Sobald er weint, sprich Bonadies, verlass die Wache samt dem Spieß. Damit springen wir ins 18. Jahrhundert, da ist es etwas ruhiger bis ins ausgehende 18. Jahrhundert im Zeitalter der österreichischen Aufklärung. Schriftsteller jener Ära verwenden den Geschichtsstoff der oberösterreichischen Bauernkriege, um Positionen und Ideale des Josefinismus zu vermitteln. Es entstehen Läuterungs- oder Lehrstücke, welche die fortschrittliche Haltung Josef II. in sozialen oder kirchenpolitischen Fragen sowie seine humane Gesinnung loben. Dagegen missbilligen sie die Erhebung der Bauern als illegitimen Angriff auf die Staats- und Gesellschaftsordnung. 1781, als der Kaiser sein Toleranzpatent erlässt und die Leibeigenschaft beendet, als der Kaiser sein Toleranzpatent erlässt und die Leibeigenschaft beendet, erscheint das Bühnenstück Stefan Fädinger oder der Bauernkrieg des Wiener Schriftstellers Paul Weidmann. Ort der Handlung ist Linz während der Belagerung durch die Bauern im Sommer 1626. Doch interessanter als der Inhalt des Stücks erscheint die Sicht der historischen Vorgänge durch die Brille des josefinischen Zeitgeists. Weidmann legt den Aufruhr als Rebellion aus, die den Rechtsfrieden störe und das letztlich von Gott gewollte Ständesystem, das geltende Herrschaftsprinzip, in Frage stelle. Der Anführer der Bauern wird schuldig, weil er dagegen aufbegehrt. Darum muss er bestraft werden und Pappenheim, dem Verteidiger geltenden Rechts, unterliegen. Im Sterben erkennt Fedinger seine Verblendung. Zur Warnung erzählt er Aesops Fabel von den Gliedern des menschlichen Körpers, die dem Magen ihren Dienst verweigern. menschlichen Körpers, die dem Magen ihren Dienst verweigern. Indem er schließlich an Gehorsam, Treue und Eintracht appelliert, die nötig seien, damit das übergeordnete, zusammenhaltende Ganze funktionieren könne, gibt er sich als ein gebesserter, durch Einsicht gereifter Mann zu erkennen. Fedinger durchläuft gleichsam eine Sozialisation zum aufgeklärten Menschen. Zwar verliert er sein Leben für diese Einsicht, er stirbt jedoch moralisch rehabilitiert. Die Historiografen und Literaten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Hälfte des 19. Jahrhunderts fassen die oberösterreichischen Bauernkriege überwiegend als ein negatives oder trauriges Ereignis der Landesgeschichte auf. Weiterhin trüben Vorurteile und Klischees, Stereotype, Bilder oder auch Tabus den Blick auf jene Epoche, dominiert der katholische oder monarchisch-habsburgische Standpunkt. Ein anschauliches Beispiel für jene Haltung ist die Ballade Stefan Fadinger von 1829 aus der Feder des Enser Schriftstellers Karl Adam Kaltenbrunner. Sie legt Fadingers Tod bei der Stürmung von Linz als Gottesurteil aus, das den bäuerlichen Tyrannen niederstreckt und will eine Rache des Himmels erkennen, den Fadingers Vermessenheit erzürnt hätte. Während der Romantik findet der Stoff Eingang in die Sagenbildung, insbesondere die Vorfälle auf dem Haushammerfeld scheinen geeignet für literarische Texte, die ihre Wirkung aus dem Heroischen und Legendären beziehen. Vor dem Hintergrund des Unruhejahres 1848 gewinnt das Thema an Bedeutung für Publikationen mit patriotischem Gedankengut. Auf die gescheiterte bürgerliche Revolution reagiert der in Linz wirkende, aus Hohenfurt gebürtige Jurist Franz Isidor Broschko mit seiner Schrift Der erste Bauernkrieg im Lande Österreich ob der Enz, wo er Parallelen zwischen beiden Ereignissen sieht. Zur Jahrhundertmitte setzt sich der aus Wels stammende Autor und Mediziner Friedrich Wilhelm Arming mit den Bauernkriegen auseinander. Seine Historienromane Die Wielinger und Stephan Fadinger zeigen die Bauern als Kämpfer für das Luthertum und gegen die bayerische Pfandherrschaft. Arming, der wohl auf den Erfolg der Revolution gehofft hat, flieht nach der Niederwerfung im Oktober 1848 aus Wien. Angesichts von Restauration und Neoabsolutismus sieht er im Habsburger Reich keine Zukunft für sich. Beide Romane erscheinen noch, ehe Arming 1851 nach Amerika auswandert. Ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts, so etwa bis zur Jahrhundertwende, bessert sich das zwiespältige Verhältnis zu dem emotionalen Thema der Bauernkriege merklich. Für diese Entwicklung dürften mehrere Gründe verantwortlich gewesen sein. Zum einen die immer größer werdende zeitliche Distanz zu den Ereignissen von 1625-1626, zum anderen die Beruhigung und das Zurücktreten des konfessionellen Wettstreits zwischen Katholiken und Protestanten, deren Existenz faktisch zu jener Zeit längst abgesichert ist. Vor allem aber üben die intensivierte wissenschaftliche Erforschung und zunehmende Objektivierung positiven Einfluss aus und helfen, das überkommene Geschichtsbild zu revidieren. Die neu gewonnenen historiografischen Erkenntnisse fließen zum Teil in die Dichtungen ein, wobei die Untersuchungen namhafter Landeskundler, allen voran Felix Stieve und Julius Trünnert, wichtige Anhaltspunkte liefern. Gleichzeitig wirkt das Gedankengut ganz unterschiedlicher weltanschaulicher Strömungen ein, denen die Autoren anhängen. Karl Schalk etwa, ein Niederösterreicher, baut in seinem Trauerspiel Der Student, 1894 erschienen, den Glaubens- zum Daseinskampf aus und siedelt ihn in einem Spannungsfeld von Kapitalismus, Sozialismus und Christentum an. Schillernde Hauptfigur ist ein Theologiestudent. Er schwingt sich zum Wort und Anführer der oberösterreichischen Bauern auf, deren Aufstand als eine sozial-revolutionäre Bewegung erscheint und opfert sein Leben den unterdrückten Menschen im Land. Das Theaterstück, das wohl am genauesten die damaligen Erkenntnisse der Historiografie widerspiegelt, dürfte Stefan Fadinger Tragödie aus dem oberösterreichischen Bauernkriege von 1903 gewesen sein. Verfasst hat es der In-Viertler Gustav Streicher im modernen naturalistischen Stil, angelehnt an Gerhard Hauptmanns Florian Geier. Folglich bezieht sich Streicher auch auf eine zentrale Gestalt des deutschen Bauernkrieges von 1525, also den fränkischen Reichsritter Geier, der versucht hat zu vermitteln zwischen den Bauern und der Obrigkeit, der sich dann später selber auf die Seite der Bauern schlägt und unter dubiosen Umständen ums Leben kommt. Hingegen unternimmt der in Linz aufgewachsene Lehrer und Sozialdemokrat Alfred Grohmann den Versuch, in Blankversen einen oberösterreichischen Wilhelm Tell zu erschaffen. Der Schweizer Freiheitskämpfer ist aber weniger historisch verbürgt, sondern eher als eine legendäre Figur zu begreifen. Folgerichtig sieht Grohmann seinen Stöffel-Fadinger nicht so sehr als eine geschichtsgetreue Wiedergabe, denn als ein historisches Szenario, in dem deutsch-nationale Ideen anklingen, genauso wie der Kulturkampf im Deutschen Reich in der Ära Bismarcks Spuren hinterlässt. Im Jahr 1907 bringt der Stelzhammerbund das volksmutartliche Epos der oberösterreichische Bauernkrieg heraus. Niedergeschrieben hat es Norbert Hahnrieder, Pfarrer im Putzleinsdorf und gilt als die poetisch anspruchsvollste Leistung zum Thema. Das Werk besteht aus 14 Gesängen, die chronologisch die historischen Ereignisse von der Wahl Fadingers zum Bauernführer bis zu seinem Tod bei Ebelsberg vorstellen. Dass die Kernbotschaft Versöhnung und Verzeihen lautet, mag angesichts des geistlichen Schöpfers nicht verwundern, aber vor dem Hintergrund der Entstehungszeit des geistig-gesellschaftlichen Klimas wirkt es erstaunlich fortschrittlich und offen, fast schon ökumenisch und visionär, wenn Hahnrieder Stephan Fadinger sagen lässt, eine Zeit wird kommen für Leute, die gar keinen Sinn mehr haben für einen Streit. Der zwischen Bruder und Bruder wird geführt. Der Protestant und der Katholik werden ohnehin noch werden und gar nicht zuletzt fest zusammenhalten, dass kein Dritter nicht bröst. Mögen die schriftstellerischen Arbeiten jener Zeit ganz unterschiedlich ausfallen und bezüglich ihrer künstlerischen Qualität schwanken, ein Befund zieht sich als roter Faden durch die Texte. Längst haben sich die oberösterreichischen Bauernkriege fest etabliert als ein Thema und literarischer Stoff, für den sich Schriftsteller und Publizisten des politisch Rechten wie des linken Lagers interessieren. Das Spektrum wird gleichsam auf den intellektuellen Kampfplatz getragen, um dort die Schärfe und Wirkmächtigkeit des ideologischen Rüstzeugs zu erproben. Dass die literarische Beschäftigung im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts einen Anstoß erhält, hängt nicht zuletzt mit dem öffentlichen Gedenken und Erinnern von 1925-26 zusammen, als sich die oberösterreichischen Bauernkriege zum 300. Mal jähren. Die sicher umfangreichste Produktion entfaltet der aus Ried im Ingreis stammende Karl Itzinger. Sein erfolgreichstes Werk ist das Frankenburger Würfelspiel, das er als massentaugliches Freiluftstück anlässlich der Errichtung des Denkmals auf dem Haushammerfeld konzipiert hat. Grundlage bildet sein Roman Der Bauerntod, der 1933 unter dem Titel Das Blutgericht am Haushammerfeld neu als erster Teil der Trilogie Ein Volk steht auf erscheinen soll. Darin benennt Itzinger die vom Kaiser geforderte Gegenreformation sowie Herbersdorfs Grausamkeit als die eigentliche Ursachen für den Aufstand. Der Autor verpflichtet das Idealbild einer bäuerlichen Bevölkerung, die offenbar instinktiv zwischen richtig und falsch zu differenzieren weiß und bereit ist, viel zu erdulden sowie für die eigene Überzeugung, für Glaubensfreiheit zu kämpfen. Bei der Textproduktion steht Itzinger der Linzer Hauptschuldirektor Franz Wiesenberger zur Seite, der als ein Kenner der Materie gilt. Ferner greift er auf Quellen aus dem Landesarchiv zurück, sowie auf wissenschaftliche Publikationen, die er auswertet. Sprachlich lässt sich Itzinger von der Urkundendiktion inspirieren. Sehen wir uns dazu seinen Roman »Es muss sein«, der 1936 als zweiter Band der Trilogie »Ein Volk steht auf« erscheint, etwas näher an. Bereits dessen Untertitel »Der Kampf eines deutschen Bauernvolkes um Freiheit, Glaube und Heimat ist programmatisch. Zeitlich nach dem grausigen Geschehen auf dem Haushammerfeld angesiedelt, zeichnet Itzinger die Ereignisse zwischen dem Fanal von Lemberg und Fadingers Tod nach. Einleitend schon führt er Feindbilder ein, auf denen die Argumentation aufbaut. So der Befund, dass die protestantischen Seelsorger durch ungeeignete Katholische ersetzt worden seien. Zitat, der heute noch ungeweihte Bischof von Passau hat Wellische, Italienische, Geistliche ins Landl gebracht, von denen die mehreren nicht einmal in unserer deutschen Sprache reden können. Auch der Linzer Dechern ist ein Wellischer und ein Fresssack und ein Saufhaus obendrein. Hab mir auch sagen lassen, dass es mit den römischen Geistlichen nirgends schlechter und ärgerlicher zugehen könnte als wie im Landl Ob der Enz, wo in den Pfarrhöfen oft mehr Kinder gefunden werden, wie in den ehelichen Haushalten. Als eine gespaltene Persönlichkeit erscheint Herbersdorf, dessen fragwürdiger Charakter mit seiner Abstammung und damit in Zusammenhang gebrachten Rassemerkmalen zu erklären versucht wird. Zugleich erscheint auch er als ein Opfer der römischen Kirche. Zitat, mir ziemt, er ist ein Mensch, bei dem Verstand und Kraft nicht bis zum letzten Langen. Seine Natur ist zwiespältig. Etwan hat er dies von seiner Mutter, die eine windische Slowenin, gewesen. Er ist von den Jesuitern vor neun Jahren katholisch gemacht worden. Im Glauben soll er recht eifrig sein, wiewohl er die römischen Geistlichen nicht ausstehen mag. Muss wohl allerhand gelten, sonst wäre er vor zwei Jahren nicht Graf geworden. Möchte aber doch nicht in der Haut vom Stadthalter stecken. Er hat viel Feind und viel Schulden und ist heute der bestgehassteste Mann im Landl Ob der Enz. Die Schuld an der sich zerstörerisch auswirkenden Fremdherrschaft im Land wird aber nicht den Bayern zugewiesen, mit denen man, ich verwende bewusst diese Diktion, Sprach- und blutsverwandt ist, sondern nur der Papstkirche und ihren Institutionen wie Bischöfen und Orden, genauso wie der in den Dienst von Unterdrückung und Zwangsbekehrung gestellten ausländischen Soldateska. Jene sei an sich schon eine Bedrohung für die einheimische Bevölkerung. Ich bringe jetzt hier eine Stelle aus einer Zusammenkunft von Bauern, wo ein Bauer beschreibt, wie er hier die kroatischen Soldaten erlebt hat. Zitat, recht arg treiben es die kroatischen Reiter, die durch Stehlen und Rauben, durch Stechen und Schänden. Ich habe mir sagen lassen, dass viele Soldaten, die grauslich Franzosenkrankheit haben, ein jedes junge Weibsbild fallen sie an. Könnt's euch vorstellen, wie unser gutes Landlerblut versaut wird? Möcht nicht sehen, wie die Nachfahrer ausschauen in 50 oder 100 Jahr. Vom Wesen her modelliert Itzinger seinen Stephan Fattinger als eine Führergestalt, die charismatisch, naturbegabt, nicht geistig verbildet und, ganz wichtig, durch eine Wahl vom Volk legitimiert ist. Er gerät zum Volkshelden. Die Bauern aber werden im Stich gelassen, hintergangen und verraten, wobei der Verrat fremdmotiviert ist, weil er von Rom und von Verleiteten aus dem eigenen Volk betrieben würde. Selbst die Gewehrkugel, die Fattinger beim Umreiten der Linzer Stadtmauern aus dem Landhaus trifft, ist bei Itzinger derartig motiviert. Das zeigt ein eindrückliches Bild, das an den Verrat Jesu durch Judas erinnert. Ein Jesuit weist auf Fattinger, den die Salven treffen sollen. Das historische Geschehen verankert Itzing in einem größeren Kontext. Demnach sind die Vorgänge in Oberösterreich nicht bloß ein regionalgeschichtliches Ereignis, sondern sie werden als Teil bzw. Fortsetzung jener Bewegung gesehen, die knapp ein Jahrhundert zuvor das Deutsche Reich erschüttert hat. Wolf Madelseder, ein steirer Bürger und Eisenhändler, charakterisiert in Roman Fattinger so. Ein Kämpfer ist er gewesen fürs reine Gotteswort und um das deutsche Recht. Dazu hat ihn gedrängt sein deutsches Blut. Er hat die Bauernschaft geweckt und nachher auch geführt. Untadelig war sein Leben und sein Sterben. Die Liebzer Heimat und zu seinem Stand hat ihn so groß beseelt, dass er gar oft sein Haus und Hof, sein Weib und Kind und auch sich selbst darauf vergessen hat. Ein Bauer ist er nur gewesen, aber den Adel hat er getragen in seinem Blut und seinem ganzen Wesen. Hier fallen die Stichwörter zu jener Ideologie, auf der dieser Roman und Itzingers Werke zu den oberösterreichischen Bauernkriegen grundsätzlich fußen, zur völkischen Lehre von Blut und Boden mit der ihr innewohnenden Idee vom Bauernadel sowie zu jenem Geschichtsbild, das im Nationalsozialismus propagiert werden sollte. In diesem Licht besehen werden die Bauernkriege zum Volkstumskampf. Es geht um nichts Geringeres als um die Bewahrung nationaler Eigenart und Selbstbehauptung. Die Deutungshoheit über die oberösterreichischen Bauernkriege beanspruchen aber auch Schriftsteller, die der Sozialdemokratie oder dem Kommunismus nahestehen. Ein kleines Beispiel, das unmittelbar von Itzingers Frankenburger Würfelspiel angeregt worden sein dürfte, ist das ebenfalls Open-Air-Aufzuführende Ein Spiel vom Bauernkrieg von Gustav Slekow, das 1926 in Pänchen proletarische Feste, Gedichte und Dramen für Arbeiterfeste publiziert worden ist. Der Grazer Slekow muss damals in Linz gelebt haben und als Funktionär aufgetreten sein, seine Vita verliert sich aber im Dunkel der Geschichte. Die Reigenstruktur des nur fünfseitigen Spiels erinnert an den mittelalterlichen Totentanz. Der Tod führt die Stände hinter sich her, die Bauern sind Vorläufer des proletarischen Kampfes Zitat die Verstummten aus ihren Banden reißt. Nicht Himmelsglaube wird sie erhöhen, aus eigener Kraft wird die Freiheit erstehen. Nur der Arbeitwille, die Arbeit schafft frei, die Menschheit aus Not und Tyrannei. In den 1930er Jahren bis zur Mitte der 1940er unter den gesellschaftspolitischen Verhältnissen des Austrofaschismus sowie Nationalsozialismus haben freilich Autoren des rechten Flügels die Oberhand. Neben Karl Itzinger und Josef Hies, einem Wanderlehrer des Deutschen Schulvereins Südmark, zählen der Journalist und Dichter Karl Hans Watzinger, der Dramatiker Hermann Heinz Ortner, der Südböme Hans Watzlik sowie der Schriftsteller Richard Neudorfer zu deren Vertretern. Neudorfer, der aus Rüstorf bei Schwanenstadt kommt, beschäftigt sich im Roman Unterm Frohnjoch mit der eingangs erwähnten zweiten oberösterreichischen Bauenerhebung der Jahre 1594 bis 1597. Bauenerhebung der Jahre 1594 bis 97. Tatsächlich ist das Werk eine im historischen Kleid versteckte Kritik an den klerikalen Machtverhältnissen des Ständestaats. Dagegen schenkt der aus Bad Kreuzen gebürtige Hermann Heinz Ortner dem oberösterreichischen Bauernführer seine Aufmerksamkeit. In Stephan Fadinger inszeniert er dramaturgisch effektvoll einen nächtlichen Disput zwischen Fadinger und Herbersdorf bei einem frei erfundenen Treffen. Verständigung und Barmherzigkeit haben keine Chance, weil beide Männer um ihre jeweiligen Glaubensgrundsätze nicht verhandeln. Ortner figuriert mit Fadinger einen Idealtypus des nationalsozialistischen deutschen Helden und Anführers, der sein Leben für Glauben, Volk und Heimat gibt. Diesen Gedanken verschärft Ortner 1941 in der adaptierten Fassung des Stücks »Der Bauernhauptmann noch«. Nach dem Zweiten Weltkrieg, und damit komme ich zum Schluss, scheint die literarische Konjunktur der oberösterreichischen Bauernkriege gebrochen. Das Thema findet aber bescheidener als zuvor seine Fortsetzung. 1976 zur 350-Jahr-Erinnerung richtet Oberösterreich eine Landesausstellung im Linzer Schloss bzw. in Scharnstein aus. Die Gemeinde St. Agatha beauftragt den Lehrer und Schriftsteller Karl Martin Eckmeier mit dem Stück »So wolle Gott uns gnädig sein«, musikalisch unterlegt vom Everdinger Komponisten Fridolin Dallinger. Das Freilichtspiel schildert Leben und Sterben des Bauernhauptmannes. Es wird bis heute von einem Leinensemble regelmäßig dargeboten. Das Linzer Landestheater führt am 2. September 76 Helmut Eders Oper Der Aufstand, ein Auftragswerk der oberösterreichischen Landesregierung, erstmals auf. Für das Libretto zeichnet die damals schon in Leonding bei Linz lebende Schriftstellerin Gertrud Fusenegger verantwortlich, die sich zeitgleich in einem Essay für die oberösterreichischen Heimatblätter mit den Bauernkriegen beschäftigt. Dem Musiktheater sollte es vorbehalten bleiben, den Stoff ins 21. Jahrhundert zu führen. Am 8. Februar 2014 hat in Linz die Oper Fadinger oder die Revolution der Hutmacher ihre Premiere, ein Gemeinschaftswerk des Komponisten Ernst Ludwig Leitner und des Schriftstellers Franz Sobel. Wir dürfen gespannt sein, wie Literaturschaffende das Thema der oberösterreichischen Bauernkriege in der Gegenwart und in Zukunft rezipieren werden. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. Applaus Danke für die Einladung, danke für diesen sehr interessanten Vortrag. Vieles gelernt. Und ich schließe an mit einer Werkschau aus dem Theaterstück, das ich gemeinsam mit, also in Kooperation mit dem Theaterspektakel Willering für die Kommunale derzeit erarbeite. Es ist schon geschrieben, es wird gerade vom Regisseur, vom Joachim Radtke, für die Bühne aufbereitet. Und Rudolf Jung wird Komponist, mit dem ich auch schon bei Bruckner's Affe zusammengearbeitet habe und bei anderen Projekten machte, komponierte die Musik dazu, denn wir haben es eine theatralische Spurensuche mit Musik genannt. So schaut es aus im Moment. So schaut es aus im Moment. Ich lese Ihnen daraus kurze Abschnitte vor, nur damit Sie einen Eindruck bekommen, wie ich das auf, wo schon auch die Aufführungstermine, die beiden in Everding und in Willering angeführt sind. Ich habe mir das jetzt so gedacht. Ich erzähle gar nicht allzu viel davon. Das Theaterstück heißt Kasparus oder Fünf Knöpfe aus Bein. Über diese Fünf Knöpfe werden wir nachher noch sprechen, haben wir gesagt, und etwas mehr über die Beweggründe. Dieser Kasparus ist eine chronisch verbriefte Figur, das ist eben ein Student gewesen, der als Prädikant, Prädikant ist das richtige Wort, ja, genau, ist mir gerade nicht ganz eingefallen. Quasi eine Art Laienprediger, könnte man sagen, ein Protestantischer aus Passau, kommend im Frühsommer 1626 in Aschach angelandet ist. Man findet ganz wenig in den Chroniken über ihn, aber er war als Bauernführer dann tätig, so kann man es sagen, und hat dann auch ein grausames Ende gefunden. Das Theaterstück ist so aufgebaut, ich habe vier Predigten geschrieben, die sind auf Deutsch, also auf Hochdeutsch oder auf Altenösterreichisch. Es ist eine alte Sprache, Sie werden das gleich sehen. Ich habe da versucht, mich ein bisschen auch so in die Vergangenheit zu denken. Und es gibt fünf Szenen, die im Dialekt verfasst sind. Ich werde das jetzt so ausschnittweise vorlesen, zwei Predigten und Ausschnitte aus zwei Szenen. Und fange an mit der ersten Szene. Die spielt in Aschach. Der Kasparus ist schon hier, hat schon seine Anfangsrede gehalten und hier treffen wir eine Bäuerin und einen Schopper. Ein Schopper, das ist ein Schiffsbauer gewesen. Da gibt es auch den Schopperplatz in Aschach und der ist noch nicht lange da der ist erst seit ein paar Tagen hier die Bäuerin ist eine reiche Bäuerin von einem wohlhabenden Hof und die beiden begegnen sich misstrauisch sie kennt ihn nicht, er weiß nicht wie sie eingestellt ist sie hat so ein kleines Sackerl dabei das schaut aus wie eins dieser Täschchen wo man früher einen Rosenkranz drinnen gehabt hat. Er sieht das und bringt das in Verbindung mit alten Bildern, die er hat. Ich glaube, der Rest erklärt sich dann aus dem, was ich vorlese. Wundern Sie sich nicht über den Dialekt, das ist jetzt nicht so der ganz arge Dialekt, das müssen dann auch die beiden Schauspieler, also ein Schauspieler und eine Schauspielerin, die diese Rollen spielen, für sich adaptieren. Also, der Shopper sagt zum Publikum, was wird in den Taschern sein? Vielleicht ein Rosenkranz? Ich kenne eine Katholische, die tragt ihren Rosenkranz in genau so einem lederen Tascherl um, hängt um den Hals, versteckt sie in ihrer Bluse und denkt, die Leute wissen nicht um ihren Glauben, als wie wenn das bei uns daheim, wenn juckt, im Gegenteil, kannst ruhig offen tragen, das Hosenkranzl bei uns daheim, da herrscht ein anderer Wind. Und dann geht die Handlung etwas weiter und die Bäuerin merkt aber das, dass der so misstrauisch hinschaut und sagt dann, macht dann das Tascherl auf und sagt dann, so, jetzt habe ich es, schau, ich nehme das Tascherl fürs kleine Zeug, da die Knöpfe, und sie hat fünf Knöpfe drinnen, aus Bein, die Knöpfe habe ich bestellt beim Schneider, das Gewand nehmen wir uns eh selber in der eigenen Stube, aber die Knöpfe, so schöne, wenn man solche haben will, die muss man bestellen. Und der meinige, der kriegt ein neues Hemd für den Festtag, der brauche ich fünf Knöpfe. Der Shopper sagt dann, schöne Knöpfe, hat nicht jeder, die hätten mir auch gefallen, aber unser eins, der pinzt sein Hemd und seine Hosen mit einem Strick und Goodies. Pass auf, dass sie da nicht verloren gehen. Und die Bäuerin, ich gebe schon Acht auf meine Sache, brauchst keine Angst haben. Das Verlieren, das besorgt bei uns der Mann. Die Knöpfe, wenn nicht gescheit angenäht sind, sind weg beim ersten Tragen. Glaub mir, Schopper, so eine Schnur um den Leib ist bei der Arbeit gescheiter. Und jetzt pfiat die. Dahinten rennen schon wieder die Leute zusammen. Ich muss heim. Auf dass du gut einlebst bei uns. Und dann geht sie ab. Und dann hat der Schopper so eine Art Schlussmonolog in der Szene. Er sieht ihr nach und sagt, als ob ich nichts arbeiten tät. Als ob ich nicht wüsst, was los ist im Land. Es gibt einen guten Grund, warum ich weg bin aus dem Salzburgischen, aber den Grund wird da keiner erfahren, den habe ich tief eingegraben in mir und dort bleibt er. Der Herr Vater und Frau Mutter haben alles gehabt, damit ich fortgehen kann. Sogar das Katholische angenommen. Wegen mir. Droht haben sie ihnen. Euer Bub, haben sie gesagt, der wird den Kerker nicht überleben, wenn ihr euch weigert. Die ganze Gemeinde hat mitgeholfen, die Eltern zu quälen und zu beinigen, damit sie nachgeben. Dann bewegt er sich heftig und hält sich die Seite, weil ihm da was weh tut. Gut, hat niemand gesehen. Braucht keiner wissen, dass wir vor dem Freilassen noch einen Denkzettel mitgeben haben, damit ich nicht vergiss, wenn ich zurückkäme, wären es nicht nur meine Knochen, die brechen. Aber zurückkommen werde ich und dann. Dann zeigt euch der Schopper Jörg, was eine Faust ist und ein Hammer und was er denkt von eurer Pfarrer und eurer Kommunion. Vertreiben lasse ich mich nimmer und mein Glauben lasse ich mich auch nicht nehmen. Lieber sterbe ich, als dass ich den verliere. Was hat man schon gerbt von seinen Eltern und seinen Großeltern? Das Wissen um eine Freiheit, um das wahre Wort. So wie der Luther es predigt hat oder der Student Kasparus. Zu uns einfache Leute möchte er gehören. Wir, hat er gesagt, folgen soll man ihm. Und daran glauben, dass er von Gott geschickt worden ist. Nein, das schaue ich mir an. Spuckt, das mache ich jetzt nicht und geht ab. Der Hintergrund ist der, dass im Salzburgischen zu der Zeit ja eher das Katholische, die Leute mehrheitlich katholisch waren. Das war jetzt so diese erste Anfangsszene, also eigentlich ist sie noch der ersten Predigt. Ich lese jetzt die zweite Predigt vor und jetzt wird es ein bisschen getragen und ein bisschen lyrisch. Das wird dann verdont und gesungen im Stück. Das sagt es der Kasparus. Sanft wollen wir sein und dürfen es nicht. Sanft in Jesu Angesicht, sanft ein Leben fristen, weil es den Teufel juckt zur Qual. Ihr fragt euch wohl, ob es Gott gefallen, wenn ihr zu euren Waffen greift, zu dem, was ein redlich Mensch an Waffen haben kann, womit er Korn trischt, womit er's Vieh sticht und Fleisch hackt, was fehlen wird am Hof, heißt's und beißt's und fragt über Frag von euren weltlich Herrn, womit der Knecht empflügen soll, dreschen und stechen und hacken, dass all dies Ding am Hof bleiben mag und auch er, er selbst, der Bauer selbst bei seinem Sach, will die Herrschaft, dem er gehört, mit allem Hab und Gut und seiner Seele, so der Befehl. Und noch drauf die Angst der Weiber fordert auch beim Sach zu bleiben, brav zu schweigen von euch, die Frau. zu bleiben, brav zu schweigen, von euch, die Frau. Wehr dich nicht gegen das, für das es keine Abwehr gibt, weil es nicht zum Wehren ist, sagt. Sie fühlt es, fühlt es, genau. Füg dich und denk an deine Pflicht, flüstert sie. Denk an die Mäuler, die zum Stopfen sind, an das eine Kind, das andere Kind. Die Schüssel bleibt leer. Hör, hölzern, Löffel schlagen in hölzernes Rund und klopfen und klopfen. Und, meint die Frau, damit dir, Bauer, ihre Furcht ins Hirn einzutropfen und Mitleid ins Herz. Sanft wollen wir sein und dürfen es nicht. Dürfen nicht hören aufs Herz der Frau, die weiter nicht denkt, die nicht länger als ein Spahn brennen kann. Denkt nur Mäuler, die zu stopfen sind in einer Stunde der nächsten Stunde. Denkt ans Geplärr von Kind und Rind und Hof und Stall, ans Vieh, ans Feld, aber nicht ans Land, nein, ans Recht, ans gottgewollte Recht, verschwendet sie kein Kornverstand. Bauer, dein ist das Land, dein Knecht, der braucht kein Zeug für Acker, Stall und Scheune. Den nimmst du mit auf ein besseres Feld, wo kein Hafer wird bestellt, wo es um das Recht geht, unseren Glauben frei zu bekennen und nicht dem Belieben ausgesetzt jener, die sich Herrscher nennen. Ein für alle Zeit. Was ist ein Hungerjahr gegen die Ewigkeit? Bauer, musst bekennen. Sanft wollen wir sein, wie es Gott gewollt. Sanft werden wir sein, wenn sich das wahre Wort erfüllt. Der Hunger, das Leid, auf alle Zeit gestillt. Sanft wirst du sein, aber jetzt sei bereit. Das ist so die zweite Predigt gewesen. Jetzt kommen wir zu einer Szene, die ist übertitelt mit Kleinhäusler. Da habe ich einen Dialog eines Ehepaars. Er ist Knecht bei einem Großbauern. Sie hilft dort der Bäuerin. Sie ist eine Aushilfe dort am Hof für die Bäuerin. Die haben ein kleines Sacherl im Wald, ziemlich abgelegen, ziemlich versteckt. Eigentlich könnten sie sich dort auch ziemlich sicher fühlen vor den Landsknechten, die durchs Land ziehen. Aber er kommt heim und sagt quasi, es ist so weit, es hat der Bauer gesagt, er muss mit ihm mit in den Aufstand, in den Krieg ziehen und sagt zu seiner Frau, es muss sein Frau, er lässt mich nicht aus, an seiner Seite will er mich haben, sagt, es dauert nicht lang und dann ist es vorbei und wir kommen wieder zurück. Die Frau, er auf seinen Hof und du und der Mann. Er sagt, dass es dann besser wird, dass er sie einsetzen wird bei der Gemeinde wegen unserer Pacht, dass die Obrigkeit uns die Abgaben erleichtern wird. Sogar in Kaiser Ferdinand haben sie eine Bittschrift geschickt, damit der Frieden kommt. Und die Frau? Und du glaubst es? Wo ist denn deine Rüstung und wo ist dein Schwert? Soll ich dir, der Vater, draußen auf der Bank die Sensen frisch stängeln, damit es nicht schneit? Pass auf, jetzt habe ich ganz darauf vergessen, dass wir gar keine Sensen haben. Warte, ich renne um zu der Rechingerin, die braucht die Ehre eh nicht mehr. Wo doch der Mann und die Buben schon niedergemacht worden sind von einer anderen Sensen und die Mutter nichts mehr rät und tut vor lauter Scham wegen der Schand. Weißt, wie die gekommen sind, hat sich die junge Reschingerin mit ihren Kleinen gerade noch verstecken können und ihre Mutter hat sie vor die Tür gestellt, die Landsknecht ablenken, wegführen vom Liebsten, wie ein Kiebitz auf dem Feld sein Brot vor einem Marder schützt. Aber da nimmst du halt unser Brotmesser mit, wird uns nicht fehlen ohne Brot, das wir herschneiden müssen. Und Gewand, ja, was packst du dir ein an Gewand? Der Vater hat nur Joppen, zieh es ihm aus, er wird es nicht mehr lang brauchen. Und so geht es hin und her zwischen die zwei. Der Mann, der Kleinhäusler sagt dann, ja schau, der Bauer hat mir ein abgelegt Hemd mitgegeben, da wären noch ein paar Knöpfe zum Annähen, also so hin und her. Und die Frau sagt dann irgendwann, lass mich aus mit dem. Das kann sie nicht. Mach, was du willst, geh oder bleib, aber lass mich aus damit. Ich muss jetzt den Dienst, die Bäuerin wird schon warten. Und wenn sie oder der Bauer mich nach dir fragen, dann weiß ich von nichts. Pfiat di. Zögert noch. Sagt dann nur mal trauriger Pfiat di bis auf die Nacht und geht. Und dann gibt es auch für diesen Kleinhäusler eine Art Schlussmonolog in der Szene. Er steht dann da mit dem Hemd in der Hand still, spricht erst als sie weg ist und dann auch mehr zum Publikum gerichtet. Vierte. Wenn's wüsst, wieviel Angst ich hab, vom Kämpfen und vom Daheimbleiben. Wenn sie wüsst, wie müde ich bin, vom Dienen und Ja-Sagen und Hoffen. Wenn sie wüsst, wie groß meine Wut ist, die ist so groß, meine Wut. Das verflucht ihr Leben und keinen Ausweg gibt es. Aber jetzt gibt es einen. Und ja, wenn sie wüsst, was für eine Macht wir sind miteinander, die Großbauern, die Klarhäusler, die Inleit, die Knecht. Und von der Stadt sind auch welche dabei. Wann gibt es das schon, dass alle Rang und Stand miteinander marschieren? Das muss was heißen, das muss einen Erfolg geben, das muss. Wir können uns dann nicht auch noch unseren Glauben verbieten lassen, wenn es das einsehen wird. Ist eine gescheite Frau, hat von uns zwar den mehreren Verstand, so dumm, dass ich das nicht wüsste, bin ich nicht, aber in der Sache ist blind. Das Hemd lege ich daher und bin gewiss am Abend, wenn ich heimkomme und mein Zeug wird es genaht haben. Wie hat er geredet, der Herr Kasparus? Sanft wollen wir sein und dürfen es nicht. Ja, hat er gewicht so eine Rede. Das spürt man wie ein Starr oder eine Axt in der Hand. Da schlagen möchte er, wenigstens an. Luft möchte kreieren, schreien mich die über so ein Leich, das knurrg ist, endlich knurrg mit der Schinderei. Aber der Schinder, der richtige Schinder. Vergib mir, Himmelfotter, vergib mir die sündigen Gedanken. Nur antupfen werde die fremden Soldaten und Landsknecht mit der stumpfen Seite von der Axt. Und meine nehme ich mit. Die habe ich besser im Griff. Die bin ich gewohnt. Gibst dein Segen drauf, Himmelfater. Und dann im Abgehen sagt er noch. Und jetzt hocke ich noch ein Holz, hocke ich noch ein Holz, damit was da ist, wenn ich fort bin, weil ohne A Angst. Aber die Reschingerin hätte eh eine, wenn es gerade wäre. In den nächsten Szenen gibt es dann noch einen Dialog zwischen einer Wirtin und ihrem Sohn, die schickt ihn in den Krieg, die schickt ihn in den Aufstand, die sagt, du musst mitgehen, weil die haben einen schlechten Ruf im Ort. Der Großvater, der Vater war ein katholischer. Wir müssen es irgendwie ändern. Und wenn du jetzt da brav mitgehst, dann kommt das Geschäft wieder zurück zu uns. Also es gibt dann auch solche Szenen. Es gibt dann noch eine Szene mit einer Fischers Tochter, die ihrem Oma, ihrem Onkel noch geht in den Krieg, weil es das Daheim nicht mehr aushält. Also es geht mehr so eben in diese Richtung des Elends. Und zum Schluss lese ich jetzt noch diese letzte Predigt vom Kasparus her vor. Predigt vom Kasparus her, vor, ich bin schon ganz durcheinander, ist übertitelt mit Finale vor dem Tod. Und es ist so gewesen, dass vor dieser Schlacht am Gmuntner, also vor Gmuntner, da gibt es ein Wäldchen vor Gmuntner, das ist dann nachher das Pappenheimer Hölzl genannt worden. Zumindest habe ich das so gelesen. Sonntag, den 15. November 1616 war das dann diese Schlacht. Und davor ist dort anscheinend noch ein Gottesdienst gefeiert worden, wo eben dieser Kasparus auch noch einmal eine Rede gehalten hat, eine quasi in den Krieg Rede. Und bei diesem Gottesdienst sind Lutherlieder gesungen worden, zum Beispiel, es wollte uns Gott gnädig sein und eine feste Burg ist unser Gott. Also so steht es zumindest in der Chronik. Und Kasparus fordert seine Streitmacht auf, ihm zu folgen in den Krieg. Auf nun, auf mit Gottes Segen. Hier stehen Männer kampfbereit, kommt, senkt mit mir das Haupt ein letztes Mal in dieser Zeit vor dem, an den ihr wahrlich glaubt, zu dem ihr halten wollt. Ihm schenkt ihr Leib und Leben. Weil beides, Leib nicht, Leben nicht, ein Lot an Wert hätt, wird Gott nicht seinen heilgen Blick drauf richten, seine Gunst und Liebe Gnad. seine Gunst und Liebe Gnad. Hört gut auf meinen Rat, das kleinste Zagen, die geringste Furcht, die sich in eurer Seele verbirgt und meint, dort wär's verborgen. Er sieht sie wohl und wird sich fragen, wieso ihr dann gesungen habt, was Luther euch gelehrt. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Nicht soll, muss. Ein Sieg muss her, ein Sieg, wie keiner war. Muss beben jedes Herz und schreinen jedes Maul, so laut es kann. Ich bin der Mann, ich mit meiner Kraft, mit meiner Tat und keiner, niemand. Ob Pfaff, ob Fürst, ob Kaiserschaft, mir an, wie ich zu glauben hab. Nur einer darf's, ein einziger Herr, mein Herr im Himmel, dem die Faust sich ballt und ballt sich fest mir in der Brust. Was ist mit euch? Zittern die Knie? L, lässt euch der Mut im Stich, hat einer gar die große Lust, armselig wie ein Wurm nach Haus zu kriechen, zu Weib und Kind, während die Kameraden auf dem Schlachtfeld gegen Spieße ihrer Henker rennen? Vergeblich, Satanus lässt dem Feind die freie Hand, das Land, euer Land, niederzubrennen. Wer gehen mag, der geh und legt zuvor die Waffen nieder, erlass sie hier für seine Brüder. Habt keinen Zorn, die Hasen füß, die weg sich schleichen still und leis. Das Feuer wird nicht weichen vor ihrem Haus, aber sei euch eins gewiss, verlieren wir den Kampf, ist's aus. gegangen sind, zum bitteren Ende mitzugehen, mit Beil und Senz nicht Holz zu schlagen, Gras zu schneiden, sondern dem Feind zu zeigen, was für ein Mensch da vor ihm steht, mit heißem Blut, der sich nicht beugt und sich nicht dreht, der keine Angst hat vor dem Tod. Doch sehe ich hell in euren Augen das rechte Feuer glühen, das gründet sich im tiefen Glauben, der rein und fest auf Gott vertraut. Er ist Mühle, wir sind Stein. Den Feind wollen wir zermalmen. Männer, auf, jetzt gilt's, in die Geschichte gehen wir ein. Ob in den Sieg wir ziehen, ob ins Elend und Verderben, es wird uns an Mut nicht fehlen, weil ist für uns der Herr gestorben, so wollen wir auch für ihn sterben. Und mit diesem Aufruf soll die letzte Predigt von Kasparus vor der Schlacht vor Gmunden geendet haben. Der Herr ist für uns gestorben, so wollen denn auch wir für ihn sterben. Und das haben dann auch sehr viele gemacht. Da sind sehr viele gestorben, unter anderem Kaspar Haus. Dankeschön. Vielen Dank für die schöne Lesung, Karin Peschka, für den spannenden Vortrag, Arnold Lauffenböck. eine Lesung, Karin Peschka für den spannenden Vortrag, Arnold Laffenböck. Ich darf jetzt noch als Dritter was beitragen zum Thema. Es ist ein Text, den ich vor vier Jahren geschrieben habe, den ich eigentlich weglegen wollte. Jetzt holt mich das wieder ein, weil so ein Jubiläum dann da ist und da weiß man, ah, der Thomas Arst hat ja auch was zu den Bauernkriegen gemacht. Und jetzt ist es so, dass ich mich eigentlich wieder total angefixt bin und vielleicht etwas Größeres entsteht, aber man will sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Ich mache einen kleinen Zeitsprung von diesem 1626er-Jahr, von dieser blutigen Schlacht vor Gmunden ins 1627er-Jahr. Da wird ein Schafrichter beauftragt, zu einem Friedhof zu fahren und zwei Leichen auszuheben, weil eine Erinnerung an die Geschichte getilgt werden soll. Das ist verbürgt. Das ist, glaube ich, auch die letzte Szene von Franzobels Libretto. Und ich versuche, den Umweg zu nehmen über die Figur des Sohnes Scharfrichters, von der Sanftmut des Scharfrichters. Krieg ist der gewohnte Zustand dieser Tage. Ein Augenblick im Feld, wo Grillen zirpen, flüchtiger Traum. Der Vater hat dem Kutscher gedeutet zu halten, ist aus dem Wagen, Abendsonne im Gesicht, von der Ferne sieht ihn der Sohn ins Schilf rein warten, später am Ufer des Weihers ausharrend, allerhand Vögel am rötlichen Himmel, ein friedlicher Anblick. Doch etwas trägt er auf den Lippen, was redet der Vater? Ein Gebet, eine Leier, die er ihm, dem Sohn, früher am Kinderbett... Der Meister schweigt, so heißt's, macht Gott und die Welt mit sich selbst nur aus. Nun winkt er ihn doch noch zu sich. Der Sohn springt aus der Kutsche, eilt durch die Halme, versinkt fast im Sumpf. Der Vater beginnt liebevoll von der Natur zu berichten. Belesen ist er. Es weiß kaum jemand, dass sich der Henker zwischen den Taten gebildet. Gegen alle Widerstände. Unser Stand versagt uns viel. Ein ordentliches Dasein, Sohn in der Gemeinde. Eine Ehe wie andere, eine Arbeit mit Ehre, stehen abseits, aber stehen immer noch gut, vergiss das nicht. Dann stapft er zur Kutsche, die Mutter wartet, kein Wort über die drei Jämmerlichen, denen sie heute das Genick. Nun aber kommt ein Tag, an dem ist es anders. Da geht dem alten Meister der Mund auf und der Schafrichter Sohn vernimmt's, worauf er lange gewartet. Denn erst wenn das Erzählen wirklich eintritt, wenn Worte zu beschreiben beginnen, was er ist, der Mensch und wo er steht in der Welt, so denkt sich's der Sohn, der tagsüber den Menschen beim Sterben zuseht und sich abends Schauermärchen ausmalt, in immer neuen Farben, immer anderer Gestalt. Nur so kannst er ahnen vielleicht, was das alles hier soll, wozu einer da wie ich. Eben hat er noch in seiner Kammer das Nachtgebet gesprochen, wie ihm die Mutter aufgetragen, sich gewaschen, fast schon zur Ruhe gelegt, da hetzt der Vater rein, zieh dich an. Er erwacht erst im Morgengrauen. Draußen Hügel und Wälder, alles in einem dunstigen Blau, Nebel kriecht, übers Land frische Luft. Tut gut. Der Kot in den Straßen von Linz, der Schweiß der Leute, das Geplärr der Händlerinnen und Bauern im Ohr, das schmerzt ihn oft. Die Einöde hier zwischen den Dörfern erscheint ihm als bessere Gegend. Der Vater schnarrt. Der Sohn folgt der vorüberziehenden Landschaft. Prächtig stehen bald Berge am Horizont, wie Riesen, die sich aus der Erde erheben. So spinnt er sich zusammen, der Sohn. Die Kutsche hält, die Pferde werden getränkt, der Vater vertritt sich die Beine, sie verrichten das Nötigste, bis eine Scharreiter eintrifft. Der Vater scheint sie erwartet zu haben. Vier Bewaffnete. Der Wagen mit dem Scharfrichter und dessen Sohn, seinem Gehilfen, wird nun geleitet durch dichten Forst. Im Wald ruprecht, erklärt der Vater, haben die Leute oft nichts mehr zu verlieren. Wenn alles an Hab und Gut dahin, wirst du zum Plünderer. Der Sohn, wachsame 17 Jahre, schön herangewachsen, aber zu mager für den Beruf, zu verträumt. Spät zwischen die Stämmen, sorgt sich hier diesen alles Verlorenen zu begegnen. Der helle Tag verschwunden und je mehr er da hinein lugt ins dichte Holz, desto schwerer wird ihm der Blick. Irgendwann fallen dem Rupprecht erneut die Augen zu. Stunden später rüttelt ihn der Vater, schnallt die Tür der Kutsche auf. Los, hol die Kiste und stör nicht die Totenruh. Stockfinster. Eine Kerze stellt der Vater in die Laterne, stapft voran. Ein Friedhof. Ein Pfaff steht am eisernen Gitter. In einer der untersten Reihen, wo die frischen Gräber sind, sollen sie fündig werden. Der Sohn holt Schaufeln aus der Truhe, eine Hacke. Die Kiste stinkt noch nach den Kadavern von neulich, da haben sie einige kranke Kälber fortgeschafft. Er versucht nun am Holzkreuz zu erkennen, wer hier begraben liegt. Mach, raunt der Vater, schlägt mit der Hacke die feste Erde auf. Mach, raunt der Vater, schlägt mit der Hacke die feste Erde auf. Ein Holzsarg kommt zum Vorschein. Der Vater reißt ihn aus seiner Einbettung, stemmt ihn hoch. Jetzt hilf, das nächste Grab. Es vergehen weitere Minuten, bis der Rupprecht auch dort einen angefaulten Sarg nach oben schleift. Dann bricht der Vater sie auf. Zwei Leichen, noch nicht verwest, Gewehre reingelegt, als Grab beigab, an den Fingern die Muskulatur zersetzt, sichtbar die Gebeine, Maden nisten, doch die Vater kippt den einen Sarg nun um. Soll es eine ordentliche Exhumierung werden? Was bringen wir sie nicht samt einem Sarg hier fort? Auch der zweite fällt raus. Sonderbeandächtig nur der Vater. Kein gläubiger Mensch ansonst. Was kann einer schon groß glauben, der selbst die Ausgeburt des Obszönen, des Unmenschlichen als Geschäft betreibt, so hat es mal ein Prediger von der Kanzel gesagt. Da war der Ruprecht heimlich in die Kapelle. Dieses harte Urteil über den Beruf seiner Familie empfand er als erniedrigend. Unehrliche Leute, die Schafrichter samt deren Sippschaft. Am liebsten hätte der Ruprecht damals raufgebrüllt zur Kanzel. Ist aber das Recht, Herr Pfarrer, das zu vollstrecken, dann macht's doch ein anderes. Daran denkt er jetzt, der Ruprecht. Der Vater richtet ihm das Haupt nach vor, hält die Laternen gerade über die Toten. Schau rein, sollst nicht vergessen. Und flüstert ins Ohr, der Fadinger ist's. Über die Toten, schau rein, sollst nicht vergessen. Und flüstert ins Ohr, der Fadinger ist's und der Zeller. Mild hält die Vaterhand den Sohn, krallt plötzlich ein abrupter Zorn, seine Finger tief in die Gehilfen haut, versprich's, musst immer erinnern. Der Sohn starrt nun erneut auf die Leichname, vom Gestank fast betäubt. Ich hol's Schwert, meint der Vater dann, dreht sich, stapft Richtung Kutsche, der einige hundert Meter entfernt von dem Friedhofstor abgestellt wurde, verschwindet im Finstern. Der Ruprecht mittelt der Terne bei den beiden ausgehobenen Toten. Wem soll hier der Kopf? Sterne bei den beiden ausgehobenen Toten. Wem soll hier der Kopf? Es fröstelt ihn, Arme fest um den Bauch. Der Fadinger, der Zeller. Als käme es ihm aus alten Gesängen wieder in den Sinn. Als hätte er schon von denen vernommen. So steht da Ruprecht. Es entsteht ihm ein Gemälde vor Augen. Er hätte es im Kirchenschiff postieren können und sagen, da schaut es ja, das war es. Jetzt liegen sie tot vor ihm in grober Erd und warten, worauf, auf Fleischenschändung? Der Sohn ist kein unpolitischer Mann. Er hat es miterlebt, wie der Vater vermehrt an die Orte im Umland zog, das Handwerk zu verrichten. Den Sohn hat er zurückgelassen, wollte ihn fernhalten. Länger waren die Reisen als früher häufiger. Wenn's aufbegehren wächst, fallen die Richtersprüche schrecklicher aus. Hat der Vater einmal am Esstisch in die Suppe reingeschwafelt und über die viele Arbeit geklagt. Bald wird's ein Schafrichter für den Landkreis allein nicht mehr richten können. Mehr an Anstellung müsste geschaffen werden. Der Stadthalter ließ dann tatsächlich aufstocken, verlangte nach mehr Geld aus München. München? Schnaubte die Mutter, die dem Vater die Last ansah. Seit die Brut im Land, so hat sie es genannt, das heißt kein Wunder, dass überall die Zündelei. Und mit wachem Auge ist der Ruprecht damals im Jahr der unglücklichen Toten über die Gassen. Der Ruprecht versucht, sich an die Gesichter zu erinnern, die Stimmen, nicht allem kann er Sinn zuschreiben, sein Gemälde, von dem er hoffte, es sei vollkommen, wirkt durchlöchert. Denk nach Ruprecht, denk, Erinnerung zerfällt, wie alter Stoff am verwesenden Leichnam. Vater? Noch immer steht er allein, noch immer liegen da die Bauernanführer, getötet vom Stadthalter in Linz und seiner Brut. Da fällt dem Ruprecht, um die Angst zu verscheuchen, das Nächste ein, was er denken kann. Er sieht die Nacht vor sich, als der Vater einmal so ungewohnt später Stunde heimgekehrt war. Der Ruprecht ist wach geworden, hat sich aus der Kammer geschlichen, den Vater zu sehen, weil er in schlimmer Sorge um ihn war. In dieser Nacht hat es begonnen, dass sich der Ruprecht gefragt hat, ob es denn stimmt, dass er ein anderer, ein roher Mensch, wie es ihm tags davor jenes Mädchen ins Gesicht fast gespuckt hat, die Wort. Auf der Straße ist er diesem Mädchen aus einem Zufall heraus begegnet und er wollte nur aufheben, was ihr heruntergefallen war, ihr feines Tuch, damit dieses nicht im Dreck am Pflasterstein liegen bliebe, mit der Hand wollte daran verschwind. Fuhr sie ihn scharf an. Tut deine Drecksfinger weg. Und der Ruprecht ist zusammengezuckt. Sie hat ihn fest in den Blick genommen. Ein Spruch auf den Lippen. Wenn der Freimann umgeht, geh ihm aus dem Weg. Sie hat fast gesungen. Wenn der Freimann dir naht, lauf davon. Wenn der Freimann dich berührt, ist aus. Ein dummer Singsang, dieses schönen, sanften Mädchens, aber niederschmetternd die Einsicht. Ab diesem Tag war ein Riss im Leben des Ruprecht. Er in auswegloser Entfernung von diesem reinen Antlitz. Nie würde er sie zu berühren imstande sein. Sie, das Mädchen, kniete nieder, hob selbst das Tuch auf, das auf der schmutzigen Straße lag, panisch und lief davon, als verfolgte sie der Teufel. Bin ich der Teufel? Hat er daheim gefragt? Die Mutter hat gelacht, fuhr ihm durchs Haar, ihm aber wahr, als würde sie es verbergen. Vielleicht sind wir wirklich verflucht? In dieser Nacht also, nachdem der Rupprecht erkannt hatte, dass die einen über die anderen lachen, ihnen davongehen und sie manchmal erschlagen und er weniger bei den einen ist, vielleicht mehr bei den anderen, da ist er lange wachgelegen, hat die Heimkehr des Vaters vernommen, ist zur Tür und hat gespäht, ob in ihm, der eben wieder von einer Hinrichtung zurückgekommen war, dieses Teuflische, ob man es ihm ansehe, das Töten. Und tatsächlich, er kam in jener Nacht vor zwei Jahren verändert nach Haus. Nicht aber als Teufel, als weinender Mensch. Auf die Knie gegangen wie ein Kind, die Tränen in den Boden gesickert. Kein Wort hatten sie danach drüber verloren. Als sei es der Lauf der Dinge. Bist geboren, Rupprecht, ins Haus eines Henkers. Das gibt dir Recht und Klarheit, zeigt, wo du stehst und wo nicht. So ist's, die Ordnung. Endlich kehrt der Vater zurück mit dem Richtschwert. Tritt an die Leichname. Sie haben gesungen, Bub, die zusammengerotteten, sich in einen Rausch gebracht in den Wäldern, da, wo wir heute durch. Ihr Heer bestand aus Tausenden. Alte, junge, Burschen, kaum erst erwachsen Frauen, fest entschlossen, die mitgezogen, alles, was Händ gehabt hat und einen Willen. Der Vater sagt es mit Stolz und berichtet, was er weiß, wovon er überzeugt. Noch nie hat er derartiges erzählt. Die ersten Anführer fielen, nach ihnen kamen andere, versammelten die Entrechteten, die Soldaten des Stadthalters aus Bayern und aus Wien in Furcht vor diesen wilden Gesängen, zu Tage getreten aus der Bitterkeit und weil alte Rechte beschnitten und als überall im Land dann die Soldaten durchzufuttern waren, am Weg in den Krieg und immer neue Kriege, da hat's dann gereicht. Ein Funken. Alles hat gelodert. Hervorgeschossen aus dem Untergrund über die Böschungen, die Heeresführer überrumpelt, unterschätzt die Kraft der vermeintlich Kraftlosen, denn wer nichts zu verlieren, Plünderer, kommt dem Sohn über die Lippen. War nicht das erste Mal, holt der Vater aus, oft schon erhoben sich die Unterdrückten, aber dieses eine Jahr war das blutigste und Holzholz ausgelöscht. Das Blutigste und Holzholz ausgelöscht. Der Schafrichter zieht mit der Spitze der Klinge einen Kreis in der Erde um die beiden Toten vor ihnen, den Rahmen der Fackeln, die er mitgebracht hat, entlang der Einkerbung in den Boden, die zwei nun hell erleuchtet. Die Machthaber zitterten, fährt er fort. Die Pferde der Reiter in die Enge getrieben, die Streitkräfte aus dem Hinterhalt erschlagen. Ihr Ruf ist ihnen voraus, die Wut einer Armee. Die Bauern, nicht nur Bauern. Handwerker, Hüter, Fleischer, Wirte, Jäger, Studenten, Schreiber, Stadtrichter, Landadel. Und mit jeder Schlacht mehr, der die Machthaber sich in feines Gewand kleideten und uns eins vom Hungerlohn den Soll sich abzuschuften hatte, die eigenen Kinder zum Zwangsdienst geschickt, ist der Hass gestiegen. In einem Ausmaß hat kein Herrscher im Land je erlebt. Und als endlich doch die Befriedung nach Monaten, als zum zweiten Mal die Hauptstadt umstellt und in Belagern ihre alten Rechte von Wien aus zugesagt wurden, samt Verhandlung, da wurde von München her nach Vergeltung gedürstet. Die Armee der Abend bereits aufgelöst. Heimgekehrt, da ritten neue Feinde über die Grenz. Ein nächstes Mal schlimmstes Blutvergießen. Einmal noch ein Gemetzel im Wald. Bis der Truppenführer aus Wien über jene, die ohne ordentliches Kriegsgerät kämpften, drübergefahren. Für Recht und Ordnung, da waren schon zwölftausend Leichen im Land. Und du, ruft der Sohn endlich, der den Worten gebannt gefolgt, dem nun sein eigenes Geschichtsgemälde in Rasen und Zorn auseinandergebrochen, in Trümmern, hast du denn gekämpft oder hast du alle erhängt für den Staat? Ich bin doch nicht der einzige Scharfrichter im Land, brüllte Vater plötzlich in einem Satz. Ich bin nicht der einzige. Wie viele, Vater, wie viele? Da hetzen die Reiter heran, die bislang die Scharfrichterkutsche bewacht hatten. Nun aber umzingeln sie die Stelle, wo der Fadinger und der Zeller ausgehoben liegen. Hey du, schnaubt einer runter, was ist jetzt? Ist Bericht zu erstatten nach Linz? Haut er jetzt die Schädel ab? Mehr lese ich jetzt nicht vor. Ja, meine sehr geehrten Damen und Herren, wir wollen uns jetzt im Anschluss an die fundierten Ausführungen von Arnold Klaffenböck und die beiden eindrucksvollen Lesungen von Karin Peschka und Thomas Arzt, für die ich herzlich danke, von Lesungen von Karin Peschka und Thomas Arzt, für die ich herzlich danke, in einem in Anbetracht der vorgeschrittenen Zeit vielleicht nicht allzu langen Gespräch noch einigen Aspekten von Bauernkrieg und Literatur widmen. Auffällig scheint mir, ich beziehe mich jetzt auf Arnolds Ausführungen, das vielleicht zu Beginn, dass sich bislang nur wenige Autorinnen mit dem Thema oberösterreichische Bauernkriege befasst haben und man bekommt fast den Eindruck, man habe es, das ist jetzt freilich bewusst salopp formuliert, mit einer Männerangelegenheit zu tun. Ich möchte daher dich, Karin, zu Beginn fragen, wann und wie du mit dem Thema erstmals in Berührung gekommen bist. Ich nehme an, vielleicht schon zu Schulzeiten. Und was letztlich ausschlaggebend dafür war, dass du dich dazu entschieden hast, dieses, bleiben wir in einer passenden Diktion, Feld zu beackern, sozusagen. Wir haben in Everding eine Fadingerstraße. Das ist vielleicht die erste Assoziation von klein auf. Und natürlich hatten wir in der Schule auch das Thema Bauernkriege einmal kurz gestreift. Aber nicht lang und nicht viel und nicht intensiv. Also wirklich ganz marginal in meiner Erinnerung, so quasi als Teil, als Ehe-Teil der Geschichte der Stadt oder des Bezirks. Mehr war da nicht in meiner Erinnerung, gar nicht, nein. Und jetzt war es halt so, dass die Kommunale das Thema ausgeschrieben hat und das war ein Anlass, sich damit zu beschäftigen und das war gut so, weil es wirklich ein sehr spannendes, sehr komplexes und wertvolles Thema ist, möchte ich sagen, ja. Thema ist, möchte ich sagen. Und bei dir, Thomas? Du hast gesagt, der Text ist vor vier Jahren entstanden. Den Ausschlag gegeben. Also den Kontext will ich erzählen, weil er mit dem Stifterhaus zu tun hat. Es gibt diese Mitspracheprojekte, wo die Literaturhäuser Österreichs zu Themen Autorinnen beauftragen zu arbeiten. Ich durfte damals zum Thema Gerechtigkeit arbeiten und habe mir selbst die Aufgabe gesteckt, Spuren von Gerechtigkeit Ausbildung zu machen in der Geschichte Oberösterreichs und habe punktuell, glaube ich, so Dinge, Legenden, historische Vorfälle, die ich so mittrage, wo ich gern was dazu machen wollte, schon länger, mir vorgenommen, recherchiert und kleine Erzählsplitter eigentlich verfasst. Die Liste war viel länger als das, was ich dann tatsächlich umsetzen konnte. Und das ist einer davon. Also es interessiert so Strukturen von Unrecht, inwiefern so etwas historische Kontinuitäten hat oder ob man das immer konstruiert, dass das Unrecht, inwiefern so etwas historische Kontinuitäten hat oder ob man das immer konstruiert, dass das Unrecht immer auch ein anderes ist, ob es anschlussfähig ist an die Gegenwart und das hat mich da bei diesem Komplex interessiert mir das. Gleichzeitig habe ich totale Hemmungen daran zu gehen. Einerseits kenne ich die Neigung von mir, die Lust am Spektakel, das ist nicht immer hilfreich. Ich bin immer gerne in der katholischen Kirche gesessen, weil ich die Bilder angeschaut habe und das Blutrünstigste hat mich am meisten interessiert. Und dann war in der Volksschule dieses Bild, es sind Gemälde eigentlich, das gibt es tausendfach in Oberösterreich. Das ist ja immer ein Druck dann vom Frankenfurter Würfelspiel. Und in meiner Erinnerung, bis vor kurzem, dachte ich, da hängen Leichen auf dem Baum. Das stimmt aber nicht. Das ist ja ein farbenfrohes Bild. Man sieht schon die Würfeln zwei da und die Menge steht rum. Und das ist mal ein bisschen schon archaisch, aber kein Blut da. Aber ich dachte, ich habe das als Volksschüler gesehen, wie ein Goya-Gemälde. Und seitdem wollte ich was dazu machen. Und gleichzeitig, wie soll das loswerden, dieses völkische Nazitum? Also da über das Bauerliche so zu erzählen, ist irgendwie auch immer schwierig. Man müsste über die moderne Landwirtschaft eigentlich erzählen, das hat überhaupt nichts zu tun mit dem Würfelspiel. Aber immer dann, wenn ich dann so historische Quellen vor mir habe, denkt man, es ist wahnsinnig ausufernd und so toller Stoff. Ja, aber diese sozusagen Schlagseite reden wir vielleicht noch. Ich möchte vorher noch Arnold fragen. Du bist nicht als Autor hier, sondern als Literaturwissenschaftler. Aber seit wann treibt dich das Thema um sozusagen und die Texte, die ja nicht immer sehr einnehmend sind, seit wann befasst du dich mit diesem Rezeptionszeugnis? Mit dem Bauernkrieg, da kann man sagen, die Schule hat die Volksschullehrerin gehabt, die eine Gmundnerin war, die war die erste Volksschulklasse, sie war mördergeizig und alles, was die Heimat quasi geschichtlich bietet, mussten wir kennenlernen. Ich habe den Bauernhügel in Pinzdorf am Schulweg gehabt. Der Dienstort meines Vaters, der bei den Bundesforst war, war damals das Schlossort, also die Residenz von Herbersdorf mit der Brücke, wo ihn der tödliche Herzinfarkt ereilt hat. Da bin ich als Kind drübergegangen, da habe ich immer die Angst gehabt, ich falle durch die Spalten. Und in der Münster in der Kirche ist das riesige Grabmal vom Herbersdorf, das ja bis in die 70er Jahre noch im Presbyterium aufgestellt war, das so ein Bischof wie der Rudigier bei seinem Besuch in den 20er Jahren verhüllen hat lassen, weil er nicht bereit war, neben dem Herbersdorf zu predigen. Und dann erst ein Pfarrer in den 70er Jahren, der aus einfachen Verhältnissen war, hat also veranlasst, diesen Grabstein in eine Seitenkapelle zu transferieren. Das ginge heute wahrscheinlich nicht mehr, würde der Denkmalschutz nicht zulassen. Also das war so der Hintergrund. Und das andere, warum man das richtig begonnen hat, 2013, da hat das Stifterhaus in Linz mich mit einem Baustein zu den Bauernkriegen beauftragt, weil wir festgestellt haben, das ist ein wichtiges Thema zur oberösterreichischen Literaturgeschichte. Und vorher war es natürlich auch immer mit der NS-Literatur ein unterschwelliger Aspekt, wo ja Blut und Boden immer eine Rolle spielt. Und seither verfolgt es mich. Das nehme ich gleich auf. Wir haben gehört, dass diese literarische Bearbeitung zumindest, was die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts betrifft, also durchaus als belastet oder irgendwie kontaminiert bezeichnet werden könnten. Und jetzt meine Frage an die Autorin und den Autor des heutigen Abends, wie geht man mit dieser Tatsache um, dass der Gegenstand, dem man sich literarisch annähert, mit dem man sich beschäftigt, eben in der Vergangenheit wiederholt politisch instrumentalisiert worden ist und schon allein deswegen eine Schlagseite hat, die man vermute ich nicht weiter tradieren will oder in die man sozusagen nicht in dieses Fahrwasser kommen will. Ist man da besonders vorsichtig? Recherchiert man sehr viel? War das von vornherein klar? Ich weiß nicht, wer anfangen will, ganz gleich. Einerseits habe ich das Gefühl, gewisse Themen sind besetzt von rechter Seite. Und so etwas wie der Begriff der Heimat ist darüber zu erzählen noch anders. Die Begriffe herzugeben ist ja auch keine Lösung und es ist immer viel schichtiger, als man denkt. Es ist ein Stoff, der von Legenden lebt und wo die Faktenlage sehr dünn ist, umso wichtiger die Recherche anzugehen und zu sagen, was geben die Dokumente her. Ich habe im Theater schon mehrmals spannende Figuren bearbeitet, die eigentlich eine antisemitische bis nationalsozialistische Schlagseite haben und da versucht zu verstehen, wie sowas kommt. Also das ist ein großes Interesse. Wie geht man jetzt damit um? Es gibt ja auch immer andere politische Zugriffe, so wie das sozialpolitische, sozialrevolutionäre Potenzial der Bauernkriege oder Aufstände. Und ich habe von dem französischen Autor, Filmemacher, wenn ich jetzt falsch ausspreche, Eric Vouillard, ein schmales Bändchen gelesen, großer Band, Der Krieg der Armen, wo er, ich glaube, einen Streifzug von 150 Jahren schafft, auf kurzer Distanz, ein Ritt durch die Reformation, gegen die Reformation. Und es geht eigentlich so um diese Struktur von Gewalt. Es ist mit einer gewissen Distanz, gleichzeitig hat man irgendwie einen historischen Duktus von der Sprache und erfährt es nicht viel in schneller Kürze über die Zeit. Das hat mich beeindruckt und ich dachte, das ist vielleicht eine Herangehensweise, die hier auch funktionieren könnte. Funktioniert, also nach meinem Dafürhalten. dafür halten? Wer so meine schriftstellerische Arbeit ein bisschen verfolgt, der merkt wahrscheinlich, dass ich mich sehr dafür interessiere, was zwischenmenschlich passiert. Und darauf habe ich mich auch hier in den Szenen konzentriert. Mich hat interessiert, etwas in die Gegenwart zu bringen, was eh immer passiert, nämlich dass die einen den Krieg ansetteln, die anderen baden hinaus, um es ein bisschen polemisch zu sagen. Und ich wollte auch den Blick darauf richten, eben nicht auf das Heroische, nicht auf das Blut- und Bodenthema, sondern eben auf das, was halt tatsächlich war, auf den Zwang. Es waren nicht alle freiwillige, die gekämpft haben, sicher nicht, das ist immer so. Es ist mit viel Leid verbunden gewesen, man spricht so leicht von den Toten, man sagt, es sind, weiß ich nicht, 3000 Leute gestorben bei der Schlacht, aber was heißt das? Was heißt das? Schon im Vorfeld mit der Angst, die da halt verbunden ist, mit der Verzweiflung. Was sind die Beweggründe der Menschen? Welche Dinge treiben sie dazu? Müssen sie, zwingen sie, machen sie freiwillig etc.? Darauf wollte ich schauen. Das hat mich interessiert. Das ist der eine Aspekt. Und der ist, finde ich, nach wie vor einfach sehr gegenwärtig, weil es einfach, man braucht ja nur in die Welt zu schauen, es treibt sich ja um und hat ja nicht aufgehört, so zu sein. Der andere Aspekt, ich habe vorher Innohofer gelesen, die großen Wörter, gerade wieder mal und das ist halt für mich auch ein so sehr beeindruckendes Buch, dass mir auch wieder das Thema der Propaganda eingefallen ist. Deswegen spricht der Kasparus auch so, wie er spricht. Ich wollte versuchen, selber in diesen Predigten einmal zu, ich wollte versuchen, manipulativ zu sprechen und mich so hineinzudenken in diese Form der Wortkunst, unter Anführungszeichen. Also was bewegt Menschen dazu, jemandem zu folgen? Was kann man aufstacheln damit? Was kann man bewegen? Wie kann man Feuer entzünden? Das waren so meine Herangehensweisen. Und Propaganda ist ja auch ein Thema, das man sich genauer anschauen sollte. Und Bewusstseinsmachung. Ich habe keinen moralischen Zeigefinger, nie, hoffe ich. Aber für mich selber war es halt eine Erfahrung, mich damit zu beschäftigen. Kannst du noch etwas zu den fünf Knöpfen sagen? Ja, diese fünf Knöpfe aus Bein, da gibt es auch ein Foto dazu. Wenn Sie hinten den Folder sehen, da sind sie auch abgebildet, von diesem Theaterstück, diese fünf Knöpfe waren das Einzige, was bei Ausgrabungsarbeiten quasi an Bekleidungsutensilien oder Zubehör gefunden wurde. Ich weiß es nicht genau, wann diese Ausgrabung war. Ich habe das da in meinen Unterlagen. Ich bin furchtbar schlecht in Jahreszahlen. Jedenfalls ging es darum, um die Ausgrabungsarbeiten für das Kraftwerk in Lambach. Da wurde ein Gräberfeld gefunden, da wurde ein Grab gefunden, ein Massengrab gefunden. Dann war am Anfang, Anfang man nicht sicher, aus welcher Zeit ist das? Man dachte dann mal, es ist vielleicht aus dem Zweiten Weltkrieg irgendwas. Dann dachte man, es ist aus dem Mittelalter irgendwas. Dann ist man draufgekommen, dass es aus einer Schlacht, einer großen Schlacht dort war, zur Zeit, also im November, glaube ich, 1626. Es waren 102 Individuen da drinnen, sind gefunden worden, 102 Individuen, wenn ich es jetzt richtig rekonstruiere, waren es am Anfang Einzelbestattungen, dann waren es schon am Schluss Wurfbestattungen, also hat man einfach alles reingeworfen, was dann noch nach der Schlacht noch herumgelegen ist. Auch die Lagerteile, das wurde dann noch angezündet. Und bei diesen Grabungsarbeiten sind einfach diese fünf Knöpfe als einziges da gewesen. Noch als was von menschlicher Kleidung zeugte. Und das Arge daran ist, ich dachte am Anfang, ja, das hat einfach was damit zu tun, dass es alles verrottet ist, aber es hat viel mehr auch damit zu tun, dass diese Armut einfach so groß war, dass alles mitgenommen wurde. Man muss sich das, das habe ich auch im Theaterstück dann drinnen, so vorstellen, dass die Leute dann einfach über so ein Totenfeld gehen, nach einer Schlacht und schauen, ah, das sind Stiefel, die kann vielleicht der Bruder brauchen. Die ziehe ich dem jetzt einfach aus. Oder das ist ein Messer, das kann ich nur brauchen. Also die Dinge wurden einfach weiterverwertet. Und das fand ich einfach ein gutes Symbol. Ich meine, gut unter Anführungszeichen, aber halt ein sehr bildstarkes Symbol. Genau, das ist der Hintergrund von diesen fünf Knöpfen aus Bein. Bemerkenswert fand ich, dass der von dir erwähnte Dichter, von dir, Arnold, erwähnte Dichter Johann Bär in seiner Befassung mit den Bauernkriegen eine, wenn man so will, Traditionslinie aufnimmt, die eigentlich ins Mittelalter zurückreicht, also vor die Bauernkriege, nämlich zur Ständedichtung, zur Ständeditaxe. Die ist ja auch in deinem Text, also der Stand sozusagen hat eine Rolle gespielt. Das Thema dieser Werke ist jetzt sehr vereinfacht gesagt die göttlich gewollte und gut geheißene Ordnung, über die man sich nicht erheben soll. Und die Texte aus dem Bereich der Ständeditakse verhandeln unter anderem, was Vertreterinnen und Vertreter eines bestimmten Standes tun sollen, dürfen und was sie nicht tun sollen. Ich denke aber konkret jetzt an ein Werk, das auch bei uns im Literaturmuseum prominent ausgestellt ist, nämlich an den Meyer-Hellenbrecht, in dem spielt die Ständedidakse eine doch bedeutende Rolle. hat starke Bezüge zu Oberösterreich. Da geht es verkürzt gesagt jetzt darum, dass der Sohn eines Bauern seinen im Zugewiesenen Stand, also den Bauernstand verlassen will und Ritter werden möchte, ganz einfach deswegen, weil er sich davon ein bequemeres Leben erhofft. Die Sache geht naturgemäß, möchte man sagen, ziemlich in die Hose. Der Sohn schließt sich den Raubrittern an und stirbt am Ende des Werkes, weil er diese gottgewollte Ordnung verlässt. Ich habe jetzt bei deinem Vortrag gehört, im 18. Jahrhundert kommt das doch noch mal vor, irgendwie diese Ständethematik. Spielt die sonst eine Rolle in dieser Dichtung oder ist das sozusagen eine Sache, die quasi mit Bär eigentlich aufhört? Der Bär ist sicher der 17. Jahrhundert schon noch Kind seiner Zeit. Im 18. Jahrhundert bei den aufklärerischen Texten geht es um den Ordo-Gedanken generell, also die Rechtsauffassung, der Herrscher, der garantiert quasi Ruhe im Land, den Wohlstand, der weiß, was für das Volk gut ist, wenn man Josef II. kennt, der immer gemeint hat, also er hat die Vision. Und das Ganze scheint man dann mit der Säkularisierung auch, mit dieser immer profaner werdenden Geisteshaltung auch in der Gesellschaft in den Hintergrund zu treten. Also das passt dann so, dass man ins 19. Jahrhundert kommt, ins bürgerliche Zeitalter, und da tritt es dann in den Hintergrund. Also das ist, ein Bär ist auch insofern interessant sprachlich, ein bisschen erinnert er auch an den Grimmelshausen, wo er dann diese humoreske Sprache verwendet wird, um eigentlich das Graue und das Unaussprechliche, das nicht in Worte zu fassende ausgedrückt wird. Also der Tumbe Thor, um wieder das Mittelalter zu nehmen, spricht da Dinge aus, erzählt Begebenheiten, die einfach, wenn man darüber nachdenkt, was da passiert, einem die Haare aufstellen lässt. Und ein bisschen klingt das auch beim Bär an, also wenn er den Bauern erzählen lässt, der da ein bisschen prallt, er ist also mit Kugeln beschossen worden, als hätte er Haselnüsse auf seinem Wandsitzen gehabt. Das ist also ein Kunstgriff auch noch, der typisch ist für das 17. Jahrhundert. Die Zeit ist wirklich schon fortgeschritten. Ich glaube, eine letzte Frage erlaube ich mir noch an alle drei. Was kann oder was ist am Bauernkriegsstoff für die Jetztzeit noch relevant? Manche sind schon angesprochen worden, aber sagen wir es einfach wie es ist. Was lohnt sich an der Beschäftigung mit dem Bauernkriegen für uns heute? Oder warum lohnt sich die Geschichte? Es ist ein pazifistischer Stoff. Wie Gewalt entsteht, was Gewalt auslöst und wohin es führt, das ist das eine. Ich glaube, es ist aber auch ein Stoff, der um die Erinnerung von führt, das ist das eine. Ich glaube, es ist aber auch ein Stoff, der um die Erinnerung von Geschichte kreist. Die Narrative, die wir mittragen und wiederkehren und auch unreflektiert wiedergeben. Man muss es ein bisschen von dem Regionalen, glaube ich, lösen. Es ist ein Ereignis, Teil einer europäischen Geschichte. Wir haben im Vorgespräch über globale Kriegssituationen geredet. Und da ist sehr viel drin an... an... an... Also, ein ziemlich exzess für mich, ein exzessives Ja. Ich glaube, irgendwo habe ich das gelesen von der Bevölkerungszahl, wenn man von der ausgibt, damals das blutigste Jahr Oberösterreichs. Wenn man das so mal liest, ist das extrem schlimm, was da passiert ist. Und gleichzeitig auch, wie Unterdrückung funktioniert, wie jemand aus Not so handelt. Daneben stelle ich mir die Frage, was hat Glaube damals zu tun und heute damit zu tun? Das habe ich bis jetzt noch nicht verinnerlicht. Was haben die Menschen wirklich verteidigen wollen an Glauben? Weil wenn ich so Jahreszahlen lese, merke ich, da wurde wieder umkatholiziert und dann musste man wieder protestantisch sein. jedenfalls auf gewissen Ebenen, politischer Ebene, mit denen wir glauben waren, haben die wirklich Glauben verteidigt oder ist es immer auch dieses, wenn einem die Luft genommen wird, weil man in diesem Stand drin steckt und eigentlich merkt, es ist ein Aufbruch dieser Jahrhunderte hin zu einem Freiheitsgedanken, der immer wieder dann stiegt, wird eine richtige Revolution hat es in Österreich ja nie gegeben, aber das ist so eine Momentaufnahme, die hat schon auch mit österreichischer Geschichte zu tun und mit etwas, ja, mit Menschheit, die immer eigentlich, wenn es um Gleichberechtigung geht, die Herrschenden dazu veranlasst, noch blutiger zu reagieren. Also es war ja der Herbersdorf in Konradit und der J.D. Vance ist auch einer. Man muss, glaube ich, ich weiß nicht, für mich ist der größte Nutzen, nicht nur, dass ich mein zweites Theaterstück schreiben konnte jetzt, sondern der größte Nutzen daneben aus dieser Beschäftigung und aus der Recherche ist, dass einfach sich für mich diese immerwährende Frage noch deutlicher gestellt hat, wem nützt was, wer zettelt aus welchen Gründen was an, wer profitiert. Und wie verschleiert man den wahren Grund vor den Leuten, die diesen Kampf führen müssen, für einen. Also dieses Hinterfragen, das finde ich so wichtig und so spannend auch, wie es dann funktioniert, dass man es nicht mehr hinterfragt. Dass man einfach sagt, okay, der kämpft für die richtige Sache und da mache ich jetzt mit. Also es ist für mich ein gegenwärtiger Stoff, wenn man ihn so betrachtet. Er hat ein altes Gewand an, aber wenn man ihm das Gewand runternimmt, ist er auch nackt, so wie alle anderen. Insofern lohnt sich die Beschäftigung damit sehr. Also ich denke auf jeden Fall, es ist etwas, was im Schulunterricht vorkommen muss, vielleicht auch für Diskussionen um Demokratie, um Werte unseres demokratischen Systems, unseres Freiheitsdenkens und auch unseres Freiheitsselbverständnisses, das wir jetzt immer mehr verteidigen müssen und auch angegriffen sehen weltweit, auch in Verbindung mit der Frage mit Fanatismus. Da lässt sich das Thema der Bauernkriege auch gut heranziehen. Das ist etwas, was mich immer wieder betroffen macht, wenn man so sieht, Fanatismus bei den Herrschern, bei den Habsburger Herrschern, einem Herrscher, dem es also fast lieber ist, lieber eine Wüste zu regieren, bevor er ein Land mit Ketzern hat. Also wo der Mensch quasi untergeordnet ist, der ein völlig überzogenes Selbstverständnis auch hat und auch ein Rechtfertigungsgefühl Gott gegenüber. Und wenn man das dann sieht, was es heute gibt, das sind also sehr aktuelle Dinge, die da anklingen. Auch die Frage, wie hätte sich Oberösterreich entwickelt, wenn die Bauernkriege erfolgreich gewesen wären, wäre Oberösterreich kein barock-katholisches Land geworden, sondern ein gemisch-konfessionelles Land geblieben. Also so wie es in anderen Gebieten im Deutschen Reich war, wo es also dann über Jahrhunderte eine ganz andere kulturelle Entwicklung gegeben hat. Das ist also eine Wendestelle gewesen in der Geschichte. Oder auch, wenn man anschaut, was es für Folgen gehabt hat für die Bevölkerung. Die Teile, die sich geweigert haben, zur katholischen Religion zurückzukehren, mussten das Land verlassen. kehren, mussten das Land verlassen. Auch hier, ich kenne die Zahlen nicht, das ist je nachdem, was man liest, da gibt es also eigentlich erschreckend hohe Zahlen, wo vor allem die landesfürstlichen Städte drei Viertel eine bekannte Stadt ist für die Messerhersteller. Also eigentlich Know-how-Verlust, Wirtschaftsschwächung. Oder auch in Salzburg, wo noch im 18. Jahrhundert die Protestantenvertreibung war, wo man sagt, 10 Prozent der Landesbevölkerung sind vertrieben worden. Kann sich ein Land davon erholen. Oder in Oberösterreich auch, wo Städte dann Bevölkerungsüberschuss aus Bayern übernommen haben, wo man dann in den Taufbüchern sieht, hier brechen ganze Familienstränge ab, es kommen neue Familien herein. Also da geschieht ja auch mentalitätsgeschichtlich etwas. Und das kann man auf vielen Ebenen spiegeln und man kann schauen, das gibt es in der europäischen Geschichte, in der Weltgeschichte immer wieder und das passiert jetzt in Europa, in der Welt ja auch wieder. Syrien, Iran, Irakkrieg, in Europa, Jugoslawien, wenn wir an den Jugoslawienkrieg denken, wo Menschen vertrieben worden sind. Also da kann man ganz viele aktuelle Bezüge herstellen. Ich glaube, das ist für Diskussionen mit Schulkindern, mit Studierenden sich auch ein Feld, das man weiter bespielen kann. Ja, ich glaube, das ist eigentlich ein gutes Ende für die Diskussion. Ich danke noch einmal herzlich für die Lesungen und den Vortrag. Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, danke ich fürs Kommen. Ich möchte noch auf den Büchertisch hinweisen. Dort finden Sie Bücher von Karin Peschker und Thomas Arzt. Bleiben Sie noch ein bisschen im Haus, trinken Sie ein Glas mit uns. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und auf bald wieder hier im Stifterhaus.