Herzlich willkommen zu den Linzer Forschungstagen zum zweiten Tag heute Samstag. Wir hatten gestern schon einen sehr spannenden Tag am Vormittag mit den Präsentationen unserer Studierenden, die ganz großartig waren und für alle, die nicht dabei waren, aber hier im Raum sind, die Poster hängen draußen, die kann man sich draußen auch nochmal anschauen. Und der heutige Tag beginnt dann mit Stefan Engelhardt um 10 Uhr mit seinem Vortrag zu bösen Erzählungen. Anschließend um 10.45 Uhr Elisabeth Schäfer, Spracheverlust und das Ethos des Bleibens. Dann gehen wir in eine Pause. Nach der Pause um 12 Uhr dann der Vortrag von Ralf Vogel, Psychotherapie und ihre Wissenschaft in Zeiten kollektiver Verunsicherung. Anschließend gehen wir in die Mittagspause und treffen uns dann wieder um 14 Uhr mit dem Vortrag von Esther Huthfless. Was kommt, ist vielleicht schon da. Und schließen dann die Vorträge mit Thomas Steffenson um 14.45 Uhr, Future Traumas durch KI. Und nach einer Pause gehen wir dann ins Abschlusspodium und werden pünktlich um 17 Uhr, so planen wir es, schließen. Und wir wünschen allen einen interessanten, erkenntnisreichen, spannenden Tag. Dr. Stefan Engelhardt vorstellen. Er ist seit 2003 als katatymimaginativer Psychotherapeut in freier Praxis tätig. Darüber hinaus verfügt er über die Ausbildung zum Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche. Seit 2023 leitet er das Lessing Theater in Wien. Seine wissenschaftliche, künstlerische und psychotherapeutische Arbeit konzentriert sich auf szenische Prozesse in der bildenden Kunst, der Performing Art und der Psychotherapie. Zu diesem Themenfeld veröffentlichte er zahlreiche Fachartikel sowie das Buch Szene des Begehrens, das 2022 im Psychosozialverlag erschienen ist. Bitteschön. Der Krieg, an den wir nicht glauben wollten, brach nun aus und er brachte die Enttäuschung. Sigmund Freud, Zeitgemisses über Krieg und Tod, 1915. Der Krieg zerstört alle Regeln des Zusammenlebens. Alles, was bisher galt, gilt nicht mehr. Als gäbe es keine Zukunft, kein Morgen, vernichtet er, was sich ihm in den Weg stellt. Sigmund Freud war nie an der Front. Er las aber Zeitung und betrachtete die Fotografien und informierte sich. Er analysierte all jenes, das sich unmittelbar vor seinen Augen abspielte im zivilen Leben und sah, was der Krieg mit den Menschen macht und was für eine Veränderung mit der Gesellschaft vor sich geht. Er beobachtete die entfesselte Gewalt und wie diese die Psyche des Subjekts, wie die psychische Befindlichkeit der Masse verändert. Seine Analyse gilt heute noch. Der Krieg ist die Umwertung aller Werte. Das Kalkül der Macht regiert, der Staat im Krieg begeht jedes Unrecht, jede Gewalttat, die per Gesetz im zivilen Leben verboten ist, übt eine totale Kontrolle aus, verlangt absoluten Gehorsam und nennt das Patriotismus. Taten von Grausamkeit, Tücke, Verrat und Rohheit werden möglich, die man vor kurzem für unmöglich gehalten hat. Die Berichte und Bilder des Bösen lösen Entsetzen und Abscheu aus. Susan Sonntag. Erinnern wir uns, wie reagierten wir, als wir am 24.02.2022 vom russischen Überfall auf die Ukraine hörten. Wir waren damals wie Freud im Ersten Weltkrieg verwirrt. Die militärischen Ereignisse überstürzten sich. Was zu erfahren war, war schwer zu deuten. Wir als Kulturbürger, so Freud, waren enttäuscht, als der Krieg begann. Warum konnte die Kultur den Krieg nicht stoppen? Ratlos fanden wir uns in einer Welt wieder, die uns fremd geworden war. Heute wissen wir sicher, das ist ein Angriffskrieg ohne Grund, ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Der Bruch der internationalen Übereinkünfte führte zur Neuordnung des geopolitischen Gefüges. Der Krieg beendete alte Allianzen und leitete das Ende der westlichen Dominanz ein. Ich gehe zurück an den Anfang dieser Krise und versuche von dort aus einen Bezug zur aktuellen Situation herzustellen. Aber vorher muss ich Grundlegendes über die Psyche der Masse und des Subjektes klären. Der Staat fordert das Äußerste an Gehorsam, Aufopferung von seinen Bürgern, entmündigt sie aber dabei durch Übermaß von Verheimlichungen, eine Zensur der Mitteilung und Meinungsäußerungen. Er löst sich los von Zusicherungen und Verträgen, durch die er sich gegen andere Staaten gebunden hatte, bekennt sich ungescheut zu seiner Habgier und seinem Machtstreben, die dann der Einzelne aus Patriotismus gutheißen soll, freut 1915. Der Raum der Freiheit wird vernichtet, totalitäre Verhältnisse etabliert. Hannah Arendt dachte nach dem Zweiten Weltkrieg über diesen Prozess nach. Wie wird tyrannische Willkür etabliert? Das Wesen der totalitären Herrschaft liegt darin, dass sie die Menschen, so wie sie sind, mit solcher Gewalt in das eiserne Band des Terrors schließt, dass der Raum des Handels verschwindet. dass der Raum des Handels verschwindet. Doch welchen Gewinn haben die Mitglieder einer Gesellschaft in dem Moment, wo sie den Unterschied zwischen Schuld und Unschuld abschaffen? Freud schreibt im Unbehagen in der Kultur, das Böse ist anfänglich dasjenige, wofür man mit dem Liebesverlust bedroht wird. Aus Angst vor diesem Verlust muss man vermeiden. All jenes, das bisher geliebt wurde, wird nun gefürchtet und dann später gehasst. Was Freud 1915 über die KUK-Monarchie geschrieben hat, gilt heute, 2026, für die russische Föderation. Dieselben sozialen Ängste, die alle Beteiligten bisher zur Unterdrückung ihrer sadistischen Impulse zwang, lässt sie hilflos im Angesicht der Erzählung der Gewalt und Grausamkeit zurück. Wir hören die Berichte, betrachten die Bilder, die Bilder des Bösen, entsetzen Abscheu, Susen Sonntag und sind doch von diesen Szenen der Gewalt irgendwie auch fasziniert. Das primitive Seelenleben ist unvergänglich, Sigmund Freud. Die Triebregungen sind an sich weder gut noch böse. Die Kultur ermöglicht dem Subjekt nicht, den Trieben folgen zu müssen, Freud. Doch in der Masse fällt diese Kontrolle der grausamen, brutalen, destruktiven Instinkte, Freud, und eine freie Triebbefriedigung bricht sich die Bahn. Freud übertrug hier seine Erkenntnisse, die er in der Analyse im Zweier-Setting erworben hatte, auf gesellschaftliche Prozesse. Als Reaktion auf die Szene einer existenziellen Bedrohung erfolgt eine kollektive Regression. Der Auslöser dafür war die Erzählung des Krieges. Die dünne Schicht der anerzogenen Kultur brach unter dem Ansturm der Szenen der Gewalt und des Bösen zusammen. Endlich durfte gedacht, gesagt und getan werden, was bisher verboten war. Reifere psychische Konfliktverarbeitungsmechanismen gingen verloren. Wie im Traum in der Hypnose tritt in der Seelentätigkeit der Masse die Realitätsprüfung zurück gegen die Stärke der affektiv benutzten Wunschregung. gegen die Stärke der affektiv benutzten Wunschregung. Das Böse darf wieder gedacht und getan werden. Als die Panzer nach Westen rollten, hielt Putin eine Rede. Wir befinden uns auf dem Schlachtfeld für ein großes historisches Russland. Er begründete damit seinen Angriff auf die Ukraine. Der Westen bereite einen Krieg gegen Russland vor, hätte Versprechen gebrochen und in der Ukraine herrsche eine faschistische Klick und die Russen in Donbass und Luhansk müssen gerettet werden. Seine Behauptungen halten damals wie heute keine Überprüfung stand. Putin lügt, Putin betrügt, Putin überfällt ein Land und setzt sich über alle bestehenden Vereinbarungen weg und folgt großartigen Fantasien der Wiederherstellung eines Russlands in den Grenzen der ehemaligen Sowjetunion. hat ein starkes Bedürfnis von anderen bewundert zu werden. Man beobachtet einen starken Neid. Er nimmt für sich das Recht in Anspruch, über andere Menschen ohne jegliche Schuldgefühle zu verfügen, sie zu beherrschen und auszubeuten. Hinter einer charmanten, gewinnenden Fassade spürt man etwas Kaltes, Unerbittliches. Otto Kernberg. Putin folgt seinem Destruktionstrieb, seinem Bemächtigungswillen, seinem Willen zur Macht, Freud 1924, und damit agiert er ein sadistisches Bedürfnis, folgt einer sadistischen Reaktionsbildung. Die diagnostischen Kriterien Kernbergs bei der Person Putins anzuwenden, liegt nahe. Putin als malignen Narzisst einzuordnen, hat Konjunktur und bleibt doch Spekulation. Was wäre damit auch gewonnen? Meine These ist, Putin als ehemaliger Major des KGB setzt dieses Narrativ kalkuliert ein, weil es ihm nützt. Mich interessiert vor allem, warum Putin mit seiner Erzählung des Bösen die Menschen so gut erreichen kann, so dass sie bereit sind, den Krieg Realität werden zu lassen und bereit sind, dafür zu sterben. Wie kann er mit seiner Erzählung der Auferstehung der russischen Kultur so erfolgreich Massen manipulieren und auf sadistische Weise kontrollieren? erzählerischen Grundannahme, so dürfen wir hören. Am 12. Juli 2021 veröffentlicht Putin einen Aufsatz. Er behauptet, die Russen und die Ukrainer seien ein Volk, eine geistige Einheit. Er beschrieb die Merkmale eines Volkes, einer Nation und folgte damit einer Meistererzählung, dass im 10. bis 13. Jahrhundert alle Russen, Ukrainer und Belarusen in einem Reich geeint gewesen seien. Ein Jahr später argumentierte den Krieg mit dem historischen Auftrag, diesen ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Die Ukraine orientierte sich in der Vergangenheit unter wechselnden polnischen, litauischen und österreichischen Herrschaften nach Westen. 1933 starben in der Ukraine 3,5 Millionen Menschen. Der Tod durch Hunger wurde von Stalin geplant. Sein Ziel war die Kontrolle Moskaus über das Land zu sichern. In Putins Rede wurde dieses Trauma, das Russen und Ukrainer trennt, verleugnet. In seiner Rede vom 28.09.2022 anlässlich der Annexion der vier Gebiete in der Ostukraine machte er klar, der Annexion der vier Gebiete in der Ostukraine, machte er klar, dass es nicht nur darum ging, einen äußeren Feind zu bekämpfen. Der Westen negiert traditionelle Werte. Putin verglich den Westen mit Satan. Und die Gleichstellung von homosexuellen und transsexuellen Personen wurde von ihm als Anzeichen eines moralischen Verfalls bewertet. Die Werte der Religion sollen uns die Antwort geben, so Putin. Mit dem Angriff auf der Ukraine sollte der Einfluss des Bösen auf die russische Seele bekämpft werden. Der Individualismus, die Verachtung der Tradition, so Putin, führe zur Dekadenz. der Tradition, so Putin, führe zur Dekadenz. Wer sich nicht für die russischen Werte entscheidet, macht sich damit zum Feind Russlands. Er beendete seine Ansprache mit einem Zitat des russischen Philosophen Ivan Ilyens aus dem Jahre 1925. Wenn ich Russland als Mutterland empfinde, dann heißt das, dass ich Russland liebe, denke und singe und rede, dass ich an die spirituelle Kraft des russischen Volkes glaube. Sein Geist ist mein Geist, sein Schicksal ist mein Schicksal. Ivan Ilyins dachte in seinem Buch über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse nach und feierte Mussolini und Hitler als Retter Europas. Putin überfiel einen Nachbarn, führt bis heute einen Krieg gegen die Zivilbevölkerung, ist rassistisch, homophob, antidemokratisch, aber ihn als Faschisten zu bezeichnen, das ist eine Frage der Definition. Putin zitiert einen Faschisten, kann seine Rede deswegen als faschistisch bezeichnet werden? Hier muss ich ganz genau argumentieren. Putin bedient sich einer faschistischen Meta-Erzählung, um sein Handeln zu begründen. Der amerikanische Historiker Robert O. Paxton fasst dieses Narrativ 2004 zusammen. Der Faschismus kann definiert werden als eine Form des politischen Verhaltens, das gekennzeichnet ist durch eine obsessive Beschäftigung mit Niedergang, Demütigung oder Opferrolle einer Gemeinschaft und den kompensatorischen Kult der Einheit, Stärke und Reinheit. Mittels einer als erlösend erklärten Gewalt und ohne ethische gesetzliche Beschränkungen wird das Ziel der inneren Säuberung und der äußeren Expansion verfolgt. Der italienische Historiker Emilio Gentile beschreibt, dass der totalitäre Staat die Fusion von Individuum und Masse in der organisch-mystischen Einheit der Nation erreichen will. Freud interpretiert diesen Vorgang. Er interpretiert ihn als eine kollektive Regression aus psychoanalytischer Sicht. In der Menge ist jedes Gefühl, jede Handlung ansteckend und zwar in so hohem Grade, dass das Individuum sehr leicht sein persönliches Interesse, dem Gesamtinteresse opfert. Das Subjekt verschwindet in der Gruppe, Das Subjekt verschwindet in der Gruppe, verliert das, was es von anderen unterscheidet, jede Differenz des Handelns, Fühlen und Denkens wird annulliert. Das Heterogene versinkt im Homogenen und das bei allen gleichartig unbewussten Fundament wird bloßgelegt und wirksam gemacht. Auf diese Weise kommt der durchschnittliche Charakter der Massenindividuen zustande, freut 1921. Das Subjekt verschwindet im Ganzen des Volkes, verschwindet in der Nation und verschwindet in einer Kultur. Es genügt uns zu sagen, das Individuum komme in der Masse unter Bedingungen, die ihm gestattet, die Verdrängung seiner unbewussten Triebe abzuwerfen. Das Verschwinden des Gewissens und des Verantwortungsgefühls macht unter diesen Umständen keine Schwierigkeit. und des Verantwortungsgefühls macht unter diesen Umständen keine Schwierigkeit, freut. Putins Erzählung fand in Europa in rechtspopulistischen Kreisen ihre Zustimmung. Fratelle di Italia, Front National bzw. Rassemblement National, AfD, FPÖ und MAGA in Nordamerika. Der niederösterreichische Landesrat Gottfried Waldhäusel forderte vor laufender Kamera die Schließung der EU-Grenzen. Eine Schülerin machte ihn darauf aufmerksam, dass wenn diese Maßnahmen schon früher umgesetzt worden wären, würde ein großer Teil ihrer Mitschülerinnen aufgrund ihres Migrationshintergrundes hier nicht mehr sein können. Da antwortete er, ja dann wäre Wien noch Wien. Der Landesrat benutzt dieselbe rhetorische Figur wie Putin. Der ursprüngliche Zustand sollte wiederhergestellt werden, die von ihm geforderte Festung Österreich argumentiert er als eine Notwehr und fantasiert sich als Opfer. Und diese Argumentation erinnert uns an die Ausführungen Donald Trumps, die wir uns in dem letzten halben Jahr anhören mussten. Die Idee von einer homogenen Gesellschaft, ihrer Kultur als etwas Exklusives, ihrer Erzählung der nationalen Reinheit, der Vorrang vor dem Interesse des Subjektes haben muss, stellt die westliche Demokratie in Frage. Antrieb und Ursache für diese kollektive Regression ist eine massive Kränkung, das subjektiv erlebte Böse lässt das Subjekt in der Masse verschwinden. Leutzinger-Bohleber beobachtete ein Ineinanderrücken der Generationen. Die Kriegserfahrung der Eltern wird an die Kinder weitergegeben. Die Kriegserfahrung der Eltern wird an die Kinder weitergegeben, die kollektiven traumatischen Erfahrungen einer Generation wird in ein Narrativ gefasst, dass die Mitglieder einer Gesellschaft sich gegenseitig erzählen, um auf diese eine Kontinuität zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft konstituiert. So war mit Volkan 2004. Doch diese Erzählung über das Böse wird, um Eriksson weiterzudenken, zu einer Gruppenidentität. Sie wird so geschaffen. Es gelingt, das gemeinsam erlebte Böse abzubilden, zu übersetzen, zu verarbeiten. Und diese Erzählung muss ständig von Neuem erzählt werden und kann nur so sicher verfügbar bleiben, dass Böse als ein konkretes kollektives Ereignis, als eine kollektive Erfahrung in der Vergangenheit, als Scheitern, Misslingen, Zerstörung und Tod ist eine traumatische Erfahrung und wird in Wort, Bild und performativen Ereignis übersetzt. übersetzt. Doch sie folgt immer einer Meta-Erzählung. Der Meta- die Trennung von den anderen, den Mitgliedern einer anderen Gruppe, einer anderen Gesellschaft und macht die Differenz sichtbar. Die Entstehung des Fremden und dessen Externalisierung steht im direkten Bezug zum Intimsten des Menschen zu seiner Identität. Arno Gruen. Die Andersartigkeit der anderen macht unser Anderssein sichtbar. Und ein Individuum und eine Gruppe kann, wenn der äußere oder innere Druck zu groß ist, diese Störung der Kontinuität, der Identität nur schwer integrieren. Die Erfahrung des Bösen als konkretes historisches Ereignis, auf die sich symbolische Reinszenierungen beziehen, werden überformt, verdrängt und einer unbewussten Verarbeitung unterworfen. Was unbenannt bleibt, muss verleugnet werden. Das Ungesagte, nicht abgebildete, alljähnlich das nicht in konkreten, wie ihm symbolisch sozialen Realität durch seine Abwesenheit auffällt, kann man von nun an nur mehr erahnen. Die gemeinsame Erfahrung des Krieges bestimmt das kollektive Narrativ in Deutschland und in Österreich. Es berichtet von Kampf, Flucht, Tod und Vernichtung. 1967 erkannte Alexander Mitscherlich die psychodynamische Notwendigkeit, dass die deutsche Gesellschaft ihre Mitschuld am Nationalsozialismus anerkennen muss. Diese Unfähigkeit zu trauern, verhindere eine Aufarbeitung, so Mitscherlich. Wir als die Nachkommen von Tätern, Opfern oder Zeugen der Katastrophe Europas sind bis heute mit Schuld, Scham, Ohnmacht und Angst beschäftigt. und Angst beschäftigt. All jenes, das in der kollektiven Erzählung verschwiegen wird, wird jetzt durch den Krieg in der Ukraine aktualisiert und für das Narrativ Putins und seiner rechtspopulistischen Nachahmer diesseits und jenseits des Atlantiks manipulativ genutzt. Die nicht betrauerte historische Schuld Österreichs und Deutschlands führt zur Identifizierung mit dem Aggressor. Das Böse droht zurückzukehren. SH Fouques beobachtete, dass in Gruppen ein interpersonelles Kommunikationsnetzwerk alle weiteren Interaktionen wie eine Matrix bestimmt. In diesem spezifischen Interaktionsschema werden in kriegerischen Situationen Gefühle abgespalten, um die Handlungsfähigkeit des Subjektes zu sichern. Diese Erzählung über den Krieg und das Böse einer Gesellschaft wird zu einem Kodex des militärischen Verhaltens, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Auf diese Weise bleibt die abgespaltene Schuld und Angst auch weiterhin abgespalten. Der israelische Psychoanalytiker Robbie Friedman dazu, die Kriegsmatrix bildet den Hintergrund und die Grundlage für Prozesse, durch die eine Generation von Opfern und Tätern der nächsten Generation Angst oder Scham vermittelt, ohne dass sie dem Individuum oder der Gruppe zugänglich sein könnte. Er beschreibt, dass die absolute Vernetzung in einer Soldatenmatrix oder Kriegsmatrix die deutsche bzw. österreichische Erinnerungskultur wesentlich geprägt hat und so über den Generationslink zu einer fortwährenden kollektiven Retraumatisierung führt. Der Krieg in der Ukraine aktiviert über Berichte, Bilder, mediale Ereignisse in uns diese Erzählung über den Krieg und das Böse, die mit der Soldatenmatrix verbunden ist. Es besteht also eine kollektive Erzählung, ein verankertes Interaktionsschema, das Böses zu tun erlaubt, um selber zu überleben. Putins Narrativ und alle jener rechter Demagogen, Kickl, Höcke, Meloni, Orban, Putin, Trump, bauen in der Rhetorik darauf auf. Diese Erzählung einer Gesellschaft ist ein kulturelles Zeichensystem von außen gegeben. Dieses kulturelle Zeichensystem setzt soziale Regeln, schafft Normen und verbindet sich mit dem Über-Ich des Subjektes und definiert die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Das heißt, sie beschreiben, wer dazugehören darf und wer nicht. Markieren die soziale Differenz einer Gesellschaft nach innen und nach außen. Ständig sind wir mit unterschiedlichen Erzählungen einer Gesellschaft konfrontiert. Diese erklären uns, wer wir sind, weisen uns eine Rolle, eine Identität in unserer Gesellschaft zu. Diesen Erzählungen ist gemeinsam, dass sie eine allgemeine Glaubwürdigkeit besitzen und in Kürze die wichtigsten Übereinkünfte einer Gesellschaft zusammenfassen. Sie erzeugen damit eine Vorhersehbarkeit, die uns Schutz und Geborgenheit in einer unsicheren Welt garantieren. Sie sind Aufgabe und Versprechen. Jean-Francois Lyotard verkündete 1979 die Krise der großen Erzählung und damit das Ende der Moderne und das Ende der Aufklärung. damit das Ende der Moderne und das Ende der Aufklärung. Mit Maggie Thatchers Satz, There is no alternative, begann 1980 das Zeitalter des Neoliberalismus und die Demontage des Sozialstaates. Heute ist der Glaube an die Möglichkeiten der deregulierten Märkte Geschichte. Gorbatschow leitete 1989 die Auflösung der Sowjetunion ein. Von den Versprechen der neuen Freiheit profitierten nur wenige. Zu viele im Osten und Westen erleben sich als Verlierer des Systemwechsels. Für sie haben die kollektiven Meta-Erzählungen der Globalisierung keine Gültigkeit mehr. eine Gültigkeit mehr. Die zentralen Narrative einer Gesellschaft der letzten 30 Jahren scheinen sich verbraucht zu haben. Die entstandene Leerstelle füllt eine rechtspopulistische Rhetorik. Am Rande der Demonstration gegen die Corona-Politik von Bund und Ländern am 30.08.2020 hatten Demonstranten Absperrgitter am Reichstagsgebäude in Berlin überwunden. Sie stürmten die Treppe hoch, bauten sich einige Minuten lang lautstark vor dem verglassenen Besuchereingang auf, bevor Polizei warnten sie wieder zurückdrängen. Dabei wurde auch eine schwarz-weiß-rote Reichsflagge geschwenkt. Auf dem Pappschild einer Demonstrantin war zu lesen, wir sind das Volk. Der Sturm auf das Kapitol wiederholte dieses Szenario ein Jahr später. Lassen Sie mich hier die Interpretation der Szene mit Kernbergs Überlegungen über Großgruppen verbinden. Wenn wir unsere gewohnte Sozialstruktur verlieren, wenn unsere üblichen sozialen Rollen aufgehoben scheinen, wenn in einer unstrukturierten Beziehung gleichzeitig eine Vielzahl von Objekten ist, die im interpersonellen Feld mannigfaltig primitive, intrapsychische Objektbeziehungen reproduzieren, dann können primitive Ebenen des psychischen Funktionierens aktiviert werden, so Kernberg. Eine fragile Gruppenidentität korreliert mit einer fragilen Ich-Identität. Die Krise der Erzählung ist Ausdruck einer kollektiven, narzisstischen Krise, das Böse, das sind die anderen, die hast, bekämpft und vernichtet werden. Freud beschrieb das Schicksal der Triebe, die Verdrängung, die Sublimierung, die Abwehr gegen die Triebe, die Verkehrung, ins Gegenteil, die Wendung gegen die eigene Person, Freud 1915. Die narzisstische Wendung, der Libido auf das eigene eigene Ich muss hier auf kollektive Prozesse übertragen werden. Der Verlauf des Stripschicksals zwischen Liebe und Hass bestimmt auch die Dynamik einer Gruppe. Hass ist hier ein sich Abwenden vom Objekt von der Außenwelt, um Unlust zu vermeiden. der Außenwelt, um Unlust zu vermeiden. Denn die richtigen Vorbilder für die Hassrelation stammen nicht aus dem Sexualleben, sondern aus dem Ringen des Ichs um seinen Erhalt und seine Behauptung. Das heißt, die Beziehung von Liebe und Hass ist nicht für die Relation der Triebe zu ihren Objekten verwendbar, so Freud, sondern für die Relation des gesamten Ichs zu den Objekten reserviert. Das heißt, die Libido wird in die primäre Gruppe des Subjekts zurückgenommen, um das Ich der Gruppe zu schützen. Putins Narrativ und die Narrative der anderen rechten Rhetoriker, wie auch des Donald Trump, besetzen dieser Leerstelle, den die narzisstische Krise der Gesellschaft zurücklässt. Die lustvollen Anteile werden einverleibt und die unlustvollen auf das Gehasste nach außen projiziert. Das Ich der Gruppe liebt sich selbst und hasst den anderen, wegen des Begehrens, das sie auslösen könnten. Die aus der Grausamkeit Erwachsene Lust hat jedoch in ihren Ursprüngen in der kindlichen Sexualität. In der Regression wird die Hemmung des Bemächtigungstriebes, die Fähigkeit zum Mitleiden ausgesetzt. Das Böse ist hier die Abwesenheit von Empathie und eine unerträgliche narzisstische Lehre. Putins Erzählung von der Reinheit und Homogenität der Nationen Weidhäusers Vision eines Wiens ohne Migranten und Donald Trumps Begründung des brutalen Vorgehens seiner Spezialeinheit gegen Geflüchtete betreibt eine kollektive Verwerfung des Begehrens. kollektive Verwerfung des Begehrens. Wenn das Einssein als Erfüllung des Narzissmus misslingt, so wird sie zur Mimesis, zum Begehren nach dem Nichtbegehren, zum Zentrum und Ziel der Fülle ist ein leerer Raum geworden, so Green. Das Begehren wird annulliert, das eigene wird als etwas Fremdes abgespalten. Der andere repräsentiert das böse Begehren und muss zerstört werden. Der andere repräsentiert die Ordnung des Symbolischen, Solacan. Der andere erschafft und ist zugleich ein gedachter Ort, ein Topos. Der andere kann wie das Es oder das Ich oder das Über-Ich als eine innere Instanz betrachtet werden. Der andere entsteht aus der Begegnung mit einem anderen Menschen. Erlauben Sie mir Lacans Begriff des Anderen auf gesellschaftliche Prozesse anzuwenden. Das bedeutet, dass das Ich zu Wir das Wir ersetzt und dass der Andere durch die Anderen das Sie werden. Beide Gruppen sind jetzt unterschieden. Das Anerkennen des Begehrens schafft Differenz, weil ich begehrt werde, bin ich, weil wir begehrt werden, sind wir. Weil wir begehrt werden, sind wir. Die Funktion des Anderen ermöglicht einer Gruppe, die Metaerzählung einer Gesellschaft zu lesen und schafft es so, durch das Lesen der Erzählung für eine Gruppe die Voraussetzung, sich auf ihre symbolische Mitteilung zu verständigen. Der Akt des Erzählens ermöglicht eine andere Perspektive einzunehmen, um sich so als ein anderer zu erleben, wenn wir einander zuhören. Putins Rede von der Auferstehung der russischen Kultur, Waldhäusers Vision von Wien ohne Wiener, nur mit Wienern. Trumps Aussage über die schlechten Gene der Migranten, die Behauptung der Demonstranten vor dem Reichstag, sie seien ein Volk, folgen einer Erzählung, in der das Fremde, die andere verworfen werden. Dass sie Zustimmung erhielten, ist Ausdruck einer narzisstischen Reaktion einer Gesellschaft und ist Ausdruck einer Krise. Jede Schreckensnachricht, jedes grauenhafte Bild von der ukrainischen Front, jeder Tote eines AS-Einsatzes macht dieses Zuhören einer anderen Erzählung unmöglich. Die Fähigkeit, die grundlegende Differenz zwischen wir und den anderen zu denken, geht verloren. Es ist nicht mehr möglich, dem Fremden im Wir und uns im Anderen als gegenüber das Wort zu leihen. Dieser Unterschied schafft nicht mehr für die beteiligten Gruppen den inneren Raum, in dem das Unbewusste einer Gesellschaft gedacht werden kann. Der andere repräsentiert die Erzählung des Bösen, erinnert die Gruppe an ihre Unvollständigkeit, verkörpert zugleich das unreichferne Ziel des kollektiven Begehrens. des kollektiven Begehrens, das Böse sind die anderen, weil die Differenz nicht gedacht werden kann. Wenn die Fähigkeiten, die grundlegende Differenz denken zu können, zurückgewonnen werden kann, kann das Wir als narzisstischer Wahn, als wahnhafte Sehnsucht nach einer vollständigen Autonomie der Gruppe, der wir angehören, zurücktreten zugunsten eines Uns, das den anderen mitdenkt, die anderen in ihre Andersartigkeit zur Kenntnis nehmen kann. So verliert die Erzählung des Bösen ihre manipulative Kraft. Der Verlust der fantasierten Größe kann betrauert werden oder etwas anderes, etwas Symbolisches ist dafür verfügbar. Die böse Erzählungen werden bedeutungslos, wenn wir der Geschichte der anderen zuhören. Ich komme ganz langsam zum Ende. Melorau führt 2019 Aichlos Oresti, die Tragödie über die Beendigung des ewigen Kreislaufes aus Hass, Rache und des Tötens in Mosul im Irak auf. Rauh stellte die Verbindung von Bühne und realen Kriegsschauplatz der einstigen IS-Hochburg her. Zerbombte Moscheen, Totenköpfe, Schuttberge. Margarete Affenzeller. Ihm gelang, die anderen in ihrer Andersartigkeit anzuerkennen und dafür zu sorgen, Margarete Affenzeller. an ihr Unvollständigkeit, die Traumata des Krieges, die Gewalt und das Grauen der IS-Herrschaft. Ihre Schuld und ihr Scheitern verkörperte zugleich das unerreichbar ferne Ziel des kollektiven Begehrens. Rau ergründete dieses Ineinandergreifen von Hass, Rache und Mord, so Milohau. Freud wusste von der Notwendigkeit in einer Gesellschaft Solidarität auf der Basis von Gerechtigkeit aufzubauen und den Wunsch des Subjektes und der Begrenztheit des narzisstischen Ichs mit seiner sozialen Umwelt in einer wechselseitigen Verbindung erleben zu können. Wenn dies nicht möglich ist, droht dem Subjekt wie der Gesellschaft eine existenziell bedrohliche Krankheit. Ein starker Egoismus schützt vor Erkrankung, aber endlich muss man beginnen zu lieben, um nicht krank zu werden. Man muss erkranken, wenn man infol Folge von Versagung nicht lieben kann. So Sigmund Freud. Die Anerkennung des eigenen Begehrens und das der anderen in ihrer Andersartigkeit schafft Differenz und macht Liebe möglich. Ich danke für eure Aufmerksamkeit.