Willkommen zurück. Wir kommen jetzt zum Vortrag von Ralf Vogel. Er ist psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker und Verhaltenstherapeut. Er studierte Psychologie und Sinologie an den Universitäten Mannheim und dann Erlangen-Nürnberg, promovierte dort zum Dr. Phil und habilitierte im Fachbereich Psychotherapie Wissenschaft an der SFU. Er ist Honorarprofessor für Psychotherapie und Psychoanalyse an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Ralf Vogel ist Dozent und Lehranalytiker an freudianischen und jungianischen Ausbildungsinstituten, unter anderem am C.G. Jung-Institut in Zürich. Er ist Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gremien, Herausgeber der wissenschaftlichen Buchreihe Analytische Psychologie C.G. Jungs in der Psychotherapie. Von ihm selbst liegen zahlreiche Veröffentlichungen vor allem zu Konzepten der analytischen Psychologie, der existenziellen Themen in der Psychotherapie und in der Psychotherapiewissenschaft vor. Einige seiner Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Ralf Vogel unterrichtet national und international an Universitäten und psychotherapeutischen Ausbildungsinstituten. In Ingolstadt unterhält Herr Vogel eine Privatpraxis für Psychotherapie und Supervision. Herzlich willkommen, Ralf Vogel mit dem Vortrag Psychotherapie und ihre Wissenschaft in Zeiten kollektiver Verunsicherung. Ja, langsam sind wir unter uns. Ich begrüße alle nochmal sehr herzlich. Ich freue mich, dass ich heute mit euch ein paar meiner Gedanken teilen kann. Es ist ein bisschen ein Kontrastprogramm zum Vormittag, weil ich heute ganz aus der psychotherapeutischen Praxis heraus argumentieren und versuchen werde, dem Thema des Kongresses nahezukommen. Und zwar auf verschiedene Art und Weise. Also meine therapeutische Praxis, ihr habt gehört, in Ingolstadt arbeite ich noch ganz klassisch als Psychotherapeut. Und dann auch aus ein paar kleinen empirischen Arbeiten rundherum um die psychotherapeutische Praxis in einer Zeit, die wir alle jetzt Gott sei Dank schon ein bisschen hinter uns gelassen haben, nämlich in der Corona-Zeit, während der Corona-Zeit. Da habe ich in Ingolstadt mehrere kleine Forschungsprojekte angestoßen, die sich aus der Versorgung der Patientinnen ergeben haben. Zum Beispiel haben wir eine psychotherapeutische Telefonsprechstunde in Ingolstadt eingerichtet. Da war Lockdown und mit Kollegen habe ich da im Donaukurier Ingolstadt, so heißt unser Tagblättchen, angekündigt, dass man uns anrufen kann, wenn man in Not ist. Und das haben doch relativ viele gemacht und das haben wir dann dokumentiert und evaluiert und mal geguckt, um was geht es denn da eigentlich, wenn die mit ihren Problemen zu uns kommen. Als ich das Thema des Kongresses gelesen habe und mir überlegt habe, was ich dazu sagen kann, sind mir zwei Sachen eingefallen. Das eine, was wahrscheinlich alle kennen, wenn man Trauma liest, dann ist erstmal so ein Reflex heutzutage, wenn man in der Psychoszene unterwegs ist, dass der Traumabegriff ja schon so ein bisschen inflationär benutzt ist und man sich immer fragt, brauchen wir jetzt nochmal einen Traumabegriff dazu? Müssen wir nochmal was finden, was da mit diesem Begriff assoziiert ist? Und ich habe dann auch überlegt, ob ich in dieser Zeit, wo ich mit den Menschen in dieser schwierigen Situation gearbeitet habe, ob ich da öfter jemanden erlebt habe, der im Umfeld von einer Traumatisierung was erzählt hat oder Traumatisierungsstörungen angegeben hat und habe ich eigentlich keinen gefunden. angegeben hat und habe ich eigentlich keinen gefunden und ich habe damals auch einen Begriff entwickelt und dann weiter geschrieben dran, den ich heute vielleicht nicht als Alternative zum Traumabegriff, sondern als ein Stück, eine Erweiterung dieses Traumabegriffs in den Ring werfen möchte, nämlich den Begriff der Verunsicherung. Und jetzt, genau. Jetzt habe ich hier mal schon ein paar Szenarien der Verunsicherung hingebeamt und eigentlich, wenn ich meinen Studierenden immer beibringe, wie man eine PowerPoint-Präsentation macht, dann sage ich immer, man soll nicht viele Bilder drauf machen, höchstens eines oder zwei. rauszukriegen, was macht eigentlich uns verunsichert und habe dann immer eins nach dem anderen draufgebracht und das würde jetzt noch gar nicht ausreichen, der Platz würde noch gar nicht reichen. Was so bevölkerungsstatistisch im Moment die Themen sind, die die Menschen belasten und die ihnen am meisten Sorgen machen, kommen da auch drin vor. Das war, als ich die Folie gemacht habe, noch gar nicht an erster Stelle. Da ist übrigens Österreich und die Bundesrepublik gleich auf. Das heißt ein bisschen anders, aber im Prinzip ist es gleich auf. Die erste Sorge, die Menschen haben und die sie verunsichert heutzutage, ist dieses da, die Sorge vor der Armut. ist dieses da, die Sorge vor der Armut. Die neue Ipsos-Umfrage in Österreich sagt, die meisten Österreicherinnen haben Angst vor der Inflation, vor einer ausufernden Inflation und vor der Frage, kann ich meine Wohnung noch bezahlen, wenn ich irgendwie in finanzielle Nöte komme. Das ist die erste verunsichernde Frage, die sich die Menschen hier in Österreich stellen. Und in Deutschland ist es ganz ähnlich. verunsichernde Frage, die sich die Menschen hier in Österreich stellen. Und in Deutschland ist es ganz ähnlich. Armut ist tatsächlich die erste Angst, die der Großteil der Menschen haben. Und dann kommt der Gesundheitssektor als zweites meistens. Also kann ich eigentlich noch Gesundheit bezahlen und werde ich eigentlich noch ausreichend versorgt. Dann kommt Migration und Krieg und sowas, das kommt alles erst hinten dran. Wenn ich über Verunsicherung spreche, muss ich so ein bisschen klar machen, was ich damit meine. Wenn man bei Google eingibt, kollektive Verunsicherung, dann ist das fast das Gegenteil, wie wenn man eingibt, Future Trauma, da haben wir ja gestern festgestellt, da gibt es fast nichts dazu. Kollektive Verunsicherung, fast 100.000 Google-Einträge und bei Google Scholar, also bei dem Wissenschaftsteil von Google, immer noch fast 30.000 Einträge, also 30.000 wissenschaftliche Einträge zu diesem Thema kollektiver Verunsicherung. Ich habe ja da so ein kleines Büchlein dazu geschrieben im Springer Verlag. Und der Springer Verlag ist ein kommerzieller Verlag, der will Geld verdienen mit den Sachen, die er rausbringt. Und dann haben die erstmal gesagt, ja also Corona-Themen interessieren uns nicht so, weil nächstes Jahr wird es keiner mehr kaufen. Und dann habe ich gesagt, das heißt kollektive Verunsicherung. Dann kam die Rückantwort. Wir haben festgestellt, bei Google gibt es 100.000 Treffer für kollektive Verunsicherung. Sie können das Büchlein rausbringen bei uns. Das verkauft sich anscheinend, dieses Thema. Was meine ich jetzt, wenn ich mit diesem Verunsicherungsthema daherkomme? Es ist ein zusammengesetztes Gefühl. Das ist natürlich irgendwie so eine Art von Stimmung, so eine körperlich-seelische Stimmung, aber es setzt sich zusammen aus Gefühlen von Ungewissheit, Bedrohung. Angst, der Sorge und der Angst, das zusammengenommen macht dieses Verunsicherungsgefühl aus, hängt ganz stark zusammen mit dem Gefühl, was man in der Psychologie die mangelnde Selbstwirksamkeitserfahrung nennt, also dass man keinen Einfluss hat auf das, was passiert, hängt mit Unbeeinflussbarkeit und Unverfügbar zusammen, vor allen Dingen in Bezug auf Veränderungen, dass sich Veränderungen abspielen und ich keinen Einfluss darauf habe, was sich verändert, in welche Richtung sich verändert und ob ich mich mit verändern soll oder nicht, sondern das passiert, das ist ein Geschehnis. Alltagspsychologisch ist die Verunsicherung negativ konnotiert. Das ist ganz wichtig, weil wir ja schon bemerkt haben, dass dieses Anerkennen von Verletzungen undivitätstheorien ein Moment der Verunsicherung, der dann eigentlich zu der schöpferischen Aussage führt. Also es ist eigentlich eine Voraussetzung sogar für Kreativität, dieses Zulassenkönnen von Verunsicherung. Aber wenn man es alltagspsychologisch, wenn man es in der Presse anschaut und auch in der Politik, wenn die Politikerinnen sagen, die Menschen sind verunsichert, dann wird da nicht gesehen, dass da vielleicht was Neues erwachsen können draus, sondern dann wird versucht, es zu bekämpfen und klein zu machen. Jetzt kommt dieser kollektive Verunsicherungspunkt, der ist also makrosozial sichtbar. Das heißt, wir sehen den Ausdruck von kollektiver Verunsicherung, den können wir angucken. Das ist jetzt nicht mehr nur eine Stimmung, sondern wir können den quasi in verschiedenen Aktionen anschauen. Dieser Begriff der kollektiven Verunsicherung ist eigentlich dreifach aufzufächern. Das eine meint, dass eine ganze Gruppe von Menschen verunsichert ist und dadurch eine Gruppenverunsicherung entsteht. Also eine kollektive Verunsicherung, die sich dann wieder gegenseitig so ein bisschen gruppendynamisch aufschaukelt. Also die Gesamtgruppe fühlt sich unwohl und verunsichert und die einzelnen Individuen auch. Und dann gibt es so einen gegenseitigen Aufschaukelungsprozess. Das ist das eine der kollektiven Verunsicherungen. Das meine ich auch mit dem, was ich Ihnen heute oder was ich euch heute erzähle. Das zweite ist, dass auch das Kollektiv eine verunsichernde Wirkung haben kann. Die kann auch eine versichernde Wirkung haben, darauf komme ich noch, aber halt auch vor allen Dingen durch den regressiven Charakter von Gruppe kann auch eben das Kollektiv verunsichern. Und die dritte Facette von kollektiver Verunsicherung ist, dass durch Verunsicherung erst ein Kollektiv entstehen kann. Das heißt, erstmal haben wir Menschen, die so verunsichert rumlaufen und die treffen sich und merken, wir sind verunsichert und bilden daraus ein Kollektiv. Dieser Begriff des Kollektivs ist übrigens einer, der sich von dem Begriff der Gruppe dadurch unterscheidet, dass ein Kollektiv mit einem Wir-Gefühl versehen ist. Ein Kollektiv hat ein Stück, eine gemeinsame Identität, haben gemeinsame Themen, haben gemeinsame Projekte, dadurch werden sie kollektiv. Ich bin ja oft in Dresden unterwegs und die ostdeutschen Länder haben mit diesem Begriff des Kollektiven eine ganz große Geschichte. Da wurde sehr viel über das Kollektive gesprochen und das mehr als Gruppe, sondern in dem Versuch ein Wir-Gefühl, eine gegenseitige Solidarität und sowas herzustellen. Also Verunsicherung macht auch ein Kollektiv erstmal. Also Verunsicherung macht auch ein Kollektiv erstmal. Kann in unterschiedlichen Graden auftreten und da überschneidet sich es jetzt wieder mit dem Traumabegriff, nämlich es kann psychoanalytisch betrachtet auch in temporären oder länger dauernden Fragmentierungen des Selbsts enden und damit hätten wir quasi die Traumatisierung als eine Extremform der Verunsicherung eigentlich. So würde ich das jetzt mal hier in dem Zusammenhang sehen wollen. Wenn ich von der Psychotherapie ausgehe, dann haben wir es mit verschiedenen Verunsicherungsszenarien zu tun, wenn ich die Praxis, die psychotherapeutische Praxis anschaue. Das erste ist, dass Patientinnen und Patienten, die zu uns kommen, verunsichert sind. Wir haben also die Verunsicherung als Patientinnenfaktor. Zwei verschiedene Seiten sind es. Zum einen, und darauf komme ich noch, ist Verunsicherung in sehr vielen psychischen Problemen mit verwoben, beziehungsweise die Probleme sind Reaktionen auf eine primäre Verunsicherung in sehr vielen psychischen Problemen mit verwoben. Beziehungsweise die Probleme sind Reaktionen auf eine primäre Verunsicherung. Die Patienten kommen also mit einem Verunsicherungsthema. Das zweite ist, und das dürfen wir immer nicht unterschätzen, wenn wir psychotherapeutisch arbeiten, dass auch die psychotherapeutische Situation per se für die Patientinnen eine verunsichernde Situation ist. Selbst wenn, ich habe im Moment beim Durchblicken festgestellt, ich habe überhaupt keine Patientin oder einen Patienten, der noch nicht vorher schon mal in einer Therapie war. Also manche waren schon drei, vier, fünf Mal in Therapie und manche waren schon viel in Kliniken und sowas. Also sehr oft trotzdem wissen die nicht, wie Psychotherapie beim Ralf Vogel ausschaut und was ich für einer bin und kommen verunsichert zu uns. Also wir haben eine doppelte Verunsicherung, die haben ein Verunsicherungsproblem in ihrer Symptomatik und die haben ein Verunsicherungsthema uns gegenüber, was erwarten wir, wie läuft es hier eigentlich ab und was ist das eigentlich für ein Typ und was ist das eigentlich, wenn der Psychotherapie macht. Also großer Verunsicherungspunkt. Der zweite ist die Verunsicherung als Therapeutinnenfaktor. Ganz wichtiges Thema, weil wir ja auch nicht wissen, wer da kommt und weil wir ja auch nicht genau uns einstellen können auf das, was da kommt und weil wir wissen, dass der oder diejenige, die da kommen, auf uns auch einen Rückeinfluss haben. Dass das also nicht nur ein Einfluss auf eine Seite ist, sondern spätestens seit den Intersubjektivistinnen wissen wir, dass es eine psychotherapieinherente Verunsicherung gibt. Das heißt, die psychotherapeutische Situation als eine nahe Begegnung zweier Menschen führt immer dazu, dass es eine Mutual Transformation gibt, also eine gegenseitige Veränderung. Beide Seiten üben eine verändernde Wirkung aufeinander aus und wenn ich das weiß, dass die Patientinnen, die jetzt zu mir kommen, mich auch verändern, dann ist da ein Stück eine Psychotherapie-inherente Verunsicherung drin. Kommen aber noch ein paar andere Sachen auch mit rein, zum Beispiel, wenn wir mit dem Unbewussten handeln, dann müssen wir irgendwie im Prinzip verunsichert sein, weil wir auch da nicht genau wissen, was da ist und wir sie auch nie fassen können. Also das gehört da so richtig dazu und ich versuche meinen Ausbildungskandidatinnen, einem Institut immer klar zu machen, dass wenn sie eine Therapie anfangen und nicht verunsichert sind am Anfang, dann stimmt was nicht. Dann lassen Sie sich nicht so richtig ein, weil die jungen Ausbildungskandidatinnen wollen eigentlich immer nicht verunsichert sein, wenn sie anfangen in der Stunde. Und ich versuche immer, dass ich ihnen klar mache, doch bitte, das gehört so richtig dazu. Dann merkt man, dass da was Relevantes passiert. Und in meinem ersten Leben war ich ja Verhaltenstherapeut und ich mache ja auch noch relativ viel in verhaltenstherapeutischen Instituten. Ich habe manchmal den Eindruck, dass das, was in den verhaltenstherapeutischen Manualen passiert, dass das ein Versuch ist, diese therapieinherente Verunsicherung irgendwie zu binden. Dass ich dann doch weiß, wie es richtig geht und wie man das abarbeiten kann. In meinem VT-Institut, wo ich lange als Supervisor war an der TU in Dresden, da war die Hauptaufgabe der Supervisoren, die Manualtreue zu gewährleisten. Also, dass die sich wirklich anders halten, was das Manual da zeigt, mit der Hoffnung, dass die dann damit relativ sicher da ihre Therapie durchführen können, weil wenn sie das Manual innen zusammen, dann kann man ein Stück vielleicht zu einer Verunsicherung reduzieren. Das hat nicht funktioniert, aber es war ein Versuch wert. Wir haben eine wissenschaftliche Verunsicherung innerhalb der psychotherapeutischen Szene. Das liegt schon allein daran, dass wir so viele unterschiedliche Schulrichtungen haben, die sich widersprechen. Selbst innerhalb der Verhaltenstherapie und auch innerhalb der Psychoanalyse gibt es irrsinnig sich widersprechende Theorie und auch behandlungstechnische Ideen und das macht nicht unbedingt sicher, wenn man es so machen kann oder so und man keine klare Anleitung dazu kriegen kann. Und dann, und das ist jetzt nochmal mein Thema, es ist die Psychotherapie natürlich eingebettet in eine kollektive Verunsicherung. Also in ein etwas, Psychotherapeutin und Patientin zusammen sind als Mitglieder der Gesellschaft in eine kollektive Verunsicherung eingebettet. Und da möchte ich jetzt zwei oder drei Ideen noch dazu sagen, wie wir die fassen können. Wie wir die fassen können, die erste Hypothese ist, dass Veränderung, also die Forderung nach Veränderung und Überforderung maßgebliche Verunsicherungsfaktoren sind. Also eine Aufforderung, verändere dich und ein Gefühl von Überforderung sind maßgebliche Faktoren von kollektiver Verunsicherung, auch von individueller natürlich. von kollektiver Verunsicherung, auch von individueller natürlich. Und da habe ich Ihnen den da hingebeamt, ich weiß nicht, ob Sie den kennen, den fände ich total wichtig für unseren Zusammenhang in ganz unterschiedlichen Punkten. Das ist der Timothy Morton. Der Timothy Morton hat eine Professur für Literaturwissenschaft an der Rice University in Houston in Texas, ist aber auch ein Öko-Wissenschaftler eigentlich und ein Kulturwissenschaftler im Prinzip. Den kenne ich schon relativ lang von Weitem quasi, weil er nämlich sein Spezialthema ist die Mary Shelley. Der ist ein Mary Shelley Spezialist, der hat am meisten dazu geschrieben und geforscht und wie Sie gehört haben, komme ich aus Ingolstadt. Und wenn Sie Frankenstein gelesen haben, dann wissen Sie, dass der Frankenstein sein Homunculus zusammensetzt an der Universität in Ingolstadt. Ingolstadt ist also mit Frankenstein äußerst verbunden, deswegen sind wir Ingolstädterinnen alle Frankenstein-affin und wissen zum Beispiel, dass Frankenstein, 1818 geschrieben, eigentlich die Urform von Dystopie ist. Also das ist wahrscheinlich eine der ganz ersten Varianten von Dystopie. Und im Prinzip, ich muss jetzt aufpassen, dass ich nicht vom Stock zum Stöckchen komme, im Prinzip ist nämlich der Frankenstein ein ganz wichtiger Vorläufer dieser ganze Roman und die ganze Idee für das, womit wir uns gestern auch beschäftigt haben und was vielleicht der Thomas auch noch sagen wird, nämlich diese KI-Geschichte. Man könnte sagen, dass der Frankenstein die KI des Anfang 19. Jahrhunderts ist. Das ist die ganz gleiche Story im Prinzip und da könnte man einen ganzen Kongress dazu abhalten und dann laden wir ihn mal ein. Er hat aber eben noch mal ein ganz wichtiges Wort entwickelt, das wir brauchen, wenn wir uns mit Verunsicherung vielleicht auch mit Trauma, Future Trauma auseinandersetzen. Ah ja, genau, meinen Vater habe ich auch noch schon zitiert, der immer, wenn ich mit langen Haaren kommen bin oder mit Schmuck dran oder mit einer Fransenjacke oder sowas, der immer gesagt hat, also da komme ich nicht mehr mit. Das ist etwas, was ich nicht mehr verstehe. Das geht über mich hinaus sozusagen, wie die Kids heutzutage so sind. Und dieses Da komme ich nicht mehr mit, hat der Timothy Morton gefasst in einen wichtigen Begriff, nämlich in den Begriff der Hyperobjekte. Die Hyperobjekte sind, das wichtigste Hyperobjekt, das er immer beschreibt, ist der Klimawandel, wobei er den Klimawandel nicht gern hat, diesen Begriff Klimawandel mag er nicht gerne, sondern Klimaerwärmung findet er besser, weil der Klimawandel schon wieder Abwehrmöglichkeiten aufmacht und man sagt, ja wandeln tun wir uns alle irgendwie und dann geht es schon irgendwie. Diese Erwärmung macht ein ganz anderes Thema daraus. Es gibt scheiternde Sinnkonstruktionen in der Konfrontation mit Hyperobjekten. Und was ist jetzt ein Hyperobjekt? Ein Object or Event, also es kann auch ein großes Ereignis sein, dessen Dimensionen in Raum und Zeit so massiv sind, irrsinnig massiv sind im Vergleich zu dem menschlichen Leben. Zu unserem Kongress hier gibt es parallel, ich hoffe alle waren schon, eine Ausstellung im Lentos-Museum. Die heißt Life After Us. Eigentlich das gleiche Thema wie unsere Tagung hier, bloß alles in Bildern dargestellt und in Skulpturen dargestellt und in kleinen Installationen dargestellt. Und das ist eines dieser Bilder von dieser Ausstellung unten von der Katharina Severding. Das ist eine ganz wichtige Fotokünstlerin, eine deutsche Fotokünstlerin eigentlich, eine Weiterentwicklung von klassischer Fotografie. Und sie hat, und das ist eigentlich, ohne dass sie diesen Begriff benutzt hat, diese Installation von ihr ist eigentlich eine total tolle Darstellung von Hyperobjekten. Wenn man nicht so richtig versteht, was er damit meint, ist nämlich nicht so leicht, das richtig zu fassen. Dann kann man sich das anschauen. Das heißt, die Sonne um Mitternacht schauen, das habe ich jetzt fotografiert, das ist jetzt bloß ein Bild. Normalerweise ist das ein Film, der abläuft. Sie hat 200.000 Fotos einer NASA-Sonde von der Sonne als Film hintereinander abgespielt und zwar durch einen Blaufilter hindurch, damit man überhaupt was sehen kann. Sonst sieht man ja nur Licht eigentlich. Und damit man überhaupt sehen kann, was da passiert und dass es da Flecken gibt und Explosionen und sowas, läuft es durch einen Blaufilter durch, sodass sich das die ganze Zeit bewegt. Also wenn man da davor steht, dann ist das die ganze Zeit quasi die Bewegung des Geschehens der Sonne. Und die Sonne oder das Sonnensystem ist eigentlich auch ein gutes Beispiel für ein Hyperobjekt, für etwas, was uns weit übersteigt. Deswegen kann man das so richtig sich angucken. Und jetzt habe ich noch einen wichtigen Inspirator, der Timo Stork. Das ist ein psychoanalytischer Professor an der Hochschule für Psychologie in Berlin. Der hat ein Buch geschrieben, das eigentlich auch zu uns dazu passen würde. Das heißt, die Krisen auf der Couch. Da hat er sich auch ein bisschen auf den Timothy Morton bezogen und er hat versucht, ein bisschen psychoanalytisch in einem Nebensatz eigentlich, hat er gesagt, vielleicht ist der Tod ein psychologisches Hyperobjekt. Dann hat er das aber gleich wieder ein kleines bisschen zurückgenommen, weil der Morton eigentlich Objekte wirklich ernst meint als Objekt, also nicht als etwas Psychisches, sondern als etwas richtig Handfestes, als ein Objekt. Trotzdem ist es eine spannende Geschichte, ob wir es vielleicht auch in der Psychotherapie mit Themen zu tun haben und ich würde jetzt mal sagen, weil ich ja so aus der existenziellen Themen, Sinn zum Beispiel oder Tod, ob die nicht auch so etwas wie Hyperobjekte sind und wir auf eine bestimmte Art und Weise, die der Timothy Morton uns vorschlägt, auch mit diesen Hyperobjekten umzugehen haben. Eine der Umgangsweisen übrigens, die der Morton vorschlägt, ist tatsächlich auch Kunst, also uns über Kunst mit diesen Themen auseinanderzusetzen, weil wir es anders gar nicht so richtig hinkriegen können. Das ist auch ein Bild aus dieser Ausstellung unten vom Museum. Das ist vom Clemens Brosch, ist jetzt jemand hier aus Linz eigentlich, so richtig gebürtig. Kennst du ihn? Der Clemens Brosch ist eigentlich meines Erachtens der mit Abstand wichtigste Künstler, den Linz hervorgebracht hat, würde ich jetzt mal sagen. 1894 bis 1926, der ist leider nicht sehr alt geworden, ein schwer traumatisierter junger Mann, Künstler, er musste, obwohl er schwer krank war, schon trotzdem im Ersten Weltkrieg an die Front und ist daran zerbrochen quasi, kam zurück, hat noch gemalt. 26 in seinem Todesjahr ist dieses Bild entstanden. Ist übrigens falsch. Die PowerPoint hat leider das Bild auf den Kopf gestellt. Das gehört so rüber. Und da unten laufen Menschen, also da laufen ein paar Menschen in das Weltall hinaus. Das Weltall, Space, Universe oder sowas, ist auch ein total gutes Beispiel für Hyperobjekt. Und wenn man sich in dieses Bild so ein bisschen hinein meditiert sozusagen, dann kriegt man ein Gefühl dafür, was dieses Überwältigtsein durch ein Hyperobjekt meint bei dem Timothy Morton. Nochmal eine Definition von ihm. Was ist das eigentlich? Vicious sind die Hyperobjekte. Vicious nicht im Sinne von teuflisch, wenn man genau hinschaut, sondern viskös, viskös meint zähflüssig, they stick to beings, die lassen uns nicht los, die bleiben immer um uns herum. Dieser Klimawandel, der bleibt eigentlich immer um uns herum, der umhüllt uns quasi, so schreibt er so schön und eigentlich ist alles, was wir tun, ein Teil dieses Hyperobjekts. Also wenn ich heute mit dem Auto heimfahren würde, ich fahre mit dem Zug, aber wenn ich mit dem Auto heimfahre, wäre ich schon wieder ein Teil dieses Hyperobjekts. Also ich entkomme dem eigentlich nicht. Es klebt sich so richtig an mich dran. Es ist non-local. Es ist überall zu finden und dann auch wieder nirgends zu finden. Und Temporal Undulation wellenförmig. Eine zeitliche Wellenförmigkeit haben die Hyperobjekte. Sie kommen uns mal näher und dann ziehen sie sich wieder ein Stück zurück und dann hat man wieder den Eindruck, ach, es regnet ja so viel und es war so kühl, der Klimawandel tut mir ja gar nichts und dann kommt es plötzlich wieder daher. Also es hat so eine Wellenbewegung und jetzt kommt natürlich mein Hauptdings, weil die meisten wissen, dass ich es mit der Opazität habe. Es ist not a function of our knowledge. Also über die Klimaerwärmung können wir positives Wissen nur immer ganz ansatzweise kriegen, aber so ganz erfassen können wir das mit unserer Knowledge nicht, das überschreitet unserem Wissen können. Also eine Idee ist, dass diese kollektive Traumatisierung, auch die schwere Traumatisierung, stark abhängt von der Konfrontation mit Hyperobjekten. Die zweite, und das gehört schon ein kleines bisschen zusammen, ist die Verunsicherung durch den Verlust von Eindeutigkeiten. Und ich habe ja schon gesagt, es ist ganz klar, dass die Hyperobjekte eben nicht denkbar sind so richtig. Die kann man bloß immer so ein bisschen andenken, aber sie sind not a function of our knowledge. Deswegen sind sie eben auch nicht eindeutig irgendwie abschließbar oder lösbar oder erledigbar oder sowas. Und da ist er ein ganz wichtiger Denker, was diese Vereindeutigung anlangt. Sein kleines Büchlein heißt auch die Vereindeutigung der Welt. Das ist der Thomas Bauer, der hat reklamiert so ein total schönes Büchlein dazu geschrieben. Der ist Islamwissenschaftler an der Uni in Münster und das finde ich jetzt nebenbei gesagt ganz wichtig, jetzt habe ich diesen Literaturwissenschaftler, den Timur den Morten, jetzt habe ich den Islamwissenschaftler und das ist das, was ich gestern auch ein bisschen mit dieser Ethik gemeint habe, dass wir als Psychotherapiewissenschaftlerinnen immer auch angewiesen sind auf den Blick von außen auf uns drauf, dass wir das nicht aus uns heraus entwickeln können alles, sondern dass wir in diesem Austausch sind und gucken können, was sagen uns die anderen eigentlich dazu. Wissenschaft und Politik sind in der Krise uneindeutig, hat er festgestellt. Das ist so ein Post-Covid-Buch, also ein Post-Corona-Büchlein, die sind uneindeutig, was ein großes Problem, was diese Verunsicherung anlangt, gemacht hat, weil ganz viele Menschen bis dahin gedacht haben, dass Wissenschaft und Politik eindeutig sein könnten. Vor allen Dingen die Wissenschaft, die Naturwissenschaft hat diesen Nimbus gehabt bis zu Corona, dass sie doch eine klare Orientierung bieten kann, was richtig und falsch ist. Bis hinein in die ökologischen Bewegungen hinein war immer so die Idee, wenn die Wissenschaft das so sagt, dann ist es dann auch so. Und das haben wir festgestellt, dass das gebröckelt ist während der Corona-Zeit, weil wir ganz widersprüchliche Aussagen von unterschiedlichen Expertinnen und Experten gekriegt haben und weil die Aussagen sich jeden Tag verändert haben. Ich kann mich erinnern, in der Corona-Zeit, ich war jeden Morgen am Radio gesessen bei Bayern 3, weil da jeden Morgen unser Landesvater Söder ein kurzes Statement gegeben hat, was heute gilt. Also zum Beispiel, heute darf man in der Drogerie nicht in die Spielwarenabteilung hineingehen, war dann so eine Vorgabe. wie nicht in die Spielwarenabteilung hineingehen. Das war dann so eine Vorgabe. Weil, das hat die Wissenschaft festgestellt, in der Spielwarenabteilung wird sich am meisten angesteckt. Deswegen wird die gesperrt. Dann waren wir beim Drogerieladen und dann waren da so Sperrbänder. Morgen kommt er und sagt, die Sperrbänder können wir wegmachen, also das ist ein Schmarrn. Natürlich können wir alle in die Spielwarenabteilung gehen, aber dafür dürfen wir im Park nicht mehr auf der Parkbank sitzen. Auch allein nicht. Draußen im Park auf der Parkbank sitzen. Also das ist jetzt wissenschaftlich belegt, dass das nicht geht. Und so war jeden Tag eine sichere Aussage da. Jeden Tag war eine vereindeutigende Aussage da. So ist es. Und morgen hat sie nicht mehr gegolten. Das hat ganz stark dazu beigetragen, dass es so eine kollektive Verunsicherung in dieser Zeit gegeben hat. Es gibt weltweit feststellbare Vereindeutigungstendenzen und einen Rückzug von Mehrdeutigkeit und Vielfalt, stellt er fest, es ist übrigens gar nicht unzufällig, dass das ein Islamwissenschaftler schreibt, Unbefällig, dass das ein Islamwissenschaftler schreibt, dieses Buch, hat er gemeint, weil der Islam in der Geschichte eine hoch ambivalenz-tolerante Religion gewesen wäre, hat er gesagt. Das später nicht mehr natürlich, das wissen wir, aber es gab große Zeiten im Mittelalter zum Beispiel, wo das mit Abstand die tolerantesten Länder waren, überhaupt die islamischen Länder. die islamischen Länder. Es gibt eine kulturelle Scheinvielfalt und den Rückgang von Mannigfaltigkeit. Das habe ich mir erstmal überlegen müssen, was er damit meint, weil es gibt ja tatsächlich so eine Vielfalt, meint man so, die es früher nicht gab. Also wenn man jetzt durch Linz durch die Fußgängerzone geht, dann hat man vielleicht vor 30 Jahren oder vor 40 Jahren einen noch, wenn man Glück hat, einen Italiener gehabt und vielleicht noch einen Chinesen und ansonsten waren das lauter deutsche Restaurants. Jetzt gibt es einen Haufen, die ganze Welt kann man eigentlich hier verspeisen in Linz, das heißt es gibt eigentlich eine große Vielfalt. Jetzt sagt er, wenn man genau hinschaut, ist es aber eine Scheinvielfalt. Zum Beispiel deswegen, weil diese ganzen Läden einer einzigen Logik unterworfen sind, nämlich der Gewinnmaximierung, der kapitalistischen Gewinnmaximierungslogik. Jetzt meinen wir, das sind ja so viele verschiedene, de facto läuft es eigentlich doch überall gleich. Das ist das, was er unter dieser Scheinvielfalt meint. Es gibt eine Monotonie und eine erzwungene Uniformierung, vor allen Dingen in den Subgruppen und er hat dann ein Plädoyer für eine Steigerung individueller Ambiguitätstoleranz. Und da komme ich jetzt wieder zum nächsten Wort dazu. Also so ein Antidot gegen diese kollektive Verunsicherung ist diese Ungewissheitstoleranz. Und das ist jetzt etwas, was nicht nur aus der Philosophie herauskommt diese Ungewissheitstoleranz, eine Ungewissheitstoleranz. Und das ist jetzt etwas, was nicht nur aus der Philosophie herauskommt oder aus der Soziologie vor allen Dingen im Seinfall, sondern was auch empirische Psychotherapieforschung ist. Das ist der Nils Spitzer, das ist nicht der Neurospitzer, sondern das ist der Psychospitzer, würde ich jetzt mal sagen. Der Nils Spitzer ist ein junger Verhaltenstherapeut aus Berlin, der da sehr viel dazu geforscht hat, zu dem Ungewissheitsintoleranzsyndrom. Und er hat festgestellt, dass Intoleranz gegenüber Ungewissheit ein wesentliches Element verschiedenster psychischer Störungen ist und auf jeden Fall ein transdiagnostischer Faktor. ist und auf jeden Fall ein transdiagnostischer Faktor. Wenn man in die moderne Psychotherapieforschung der Mainstream-Unis reinschaut, dann gehen die ja weg von störungsspezifischer Forschung und gehen hin zu dieser Frage. Was ist eigentlich den verschiedenen psychischen Problemen gemein? Was haben die eigentlich für eine gemeinsame Basis alle? Und da sind wir eigentlich schon wieder viel gut aufgestellt im Prinzip, aber die müssen erst wieder lernen, dass das störungsspezifische vielleicht doch nur sehr begrenzt wirksam ist und wir gucken müssen, was liegt dem eigentlich alles zugrunde, diese transdiagnostischen Faktoren und einer ist auf jeden Fall, es gibt noch ein paar, die inzwischen schon dingfest gemacht worden sind, einer ist auf jeden Fall klar, die Ungewissheitsintoleranz. Was also heißt, dass eine Psychotherapie, egal mit welchen Problemen die Patienten zu uns kommen, wenn die Ungewissheitstoleranz steigern kann, Ambiguitätstoleranz steigern kann, dann bringt das was, dann ist das eine gute Therapieform. Es führt zu Vergewisserungsverhalten. Wir wollen Ungewissheit killen, indem wir uns irgendwie eben eindeutig vergewissern wollen und eine Unzugäng die unkorrigierbar waren, was ihre Sichtweisen auf die Probleme anlangt. Wir hatten in Ingolstadt, neben Ingolstadt ist Neuburg, Neuburg ist eine kleinere Stadt und da gab es eine irrsinnig große Querdenker-Szene und diese Querdenker-Szene war stark bestimmt durch Kollegen von uns. Also viele ärztliche und auch psychologische, psychotherapeutische Kollegen waren in dieser Querdenker-Szene drin und es hat eine ganz klare Unzugänglichkeit gegenüber korrigierenden Erfahrungen gegeben, weil die Frage, wenn man die Frage gestellt hat, was könnte dich eigentlich davon überzeugen, dass du nicht recht hast? Also dass jetzt zum Beispiel von oben gesprüht wird und wir deswegen alle Corona haben. Was könnte denn eigentlich dich davon überzeugen, dass du nicht recht hast? Dann gab es da keine Antwort drauf. Also es gab eigentlich nicht die Möglichkeit, eine korrigierende Erfahrung zu machen. Das wurde von vornherein ausgeschlossen. Und das kennen wir jetzt alle, wenn wir psychoanalytisch aufgestellt sind. Wir kennen natürlich die Frau Elze Frenkel-Brunswick, die mit dem Adorno zusammen in Amerika fleißig kritische Theorie erforscht hat. Übrigens eine von den Frauen, die einen Haufen tolle Sachen rausgekriegt hat, die sich die Männer dann eingeheimst haben. Die kommt fast nirgends vor bei diesen ganzen Adornoschen Geschichten, obwohl sie ganz fleißig mitgeforscht hat und viel von den Ideen selber auch entwickelt hat. Sie kommt nur einmal vor, wo sie wirklich so ein Alleinstellungsmerkmal gekriegt hat, nämlich diese Ambiguitätstoleranz, die sie einfach aus der Entwicklungspsychologie herausentwickelt hat. Also sie durfte dann doch ein bisschen was veröffentlichen, was mit Kindern zu tun hatte, das durfte dann sie veröffentlichen. Aber die anderen Sachen haben sich die Männer da eingeheimst in diesen Nachfolger des Frankfurter Instituts. Und diese Ambiguitätstoleranz meint im Prinzip nichts anderes als diese spitzerische Variante. als diese spitzerische Variante. Die ist halt operationalisiert, aber im Prinzip meint das eigentlich nichts anderes als einen transdiagnostischen Faktor. Das haben wir also schon eine Zeit lang. Den lasse ich jetzt mal weg leider, weil ich mich sonst verzettel. Ich möchte aber noch auf ein wichtiges Wort eingehen. Das ist ein historisches Wort sozusagen, innerhalb der Psychoszene, nämlich die ontologische Verunsicherung. Da ist wichtig, dass die beiden, die da sind, nicht den philosophischen Terminus des Ontologischen meinen, sondern eine sogenannte empirische, sagen sie immer, eine empirische Ontologie. Das ist entwickelt worden, ist dieser Begriff der ontologischen Verunsicherung von ihm. Das ist der Ronald Lang. Der Lang ist ein Antipsychiater gewesen, der Mitte des 20. Jahrhunderts Vertreter der Antipsychiatrie, ein Psychoanalytiker auch. Das Geteilte Selbst ist eigentlich sein wichtigstes Buch, das er geschrieben hat. Und da hat er diesen Begriff der ontologischen Verunsicherung als klinischen Begriff beschrieben, um Patienten zu kennzeichnen, die psychotisch erkrankt sind, die in ihrem Sein verunsichert sind. Also er meint damit tatsächlich dieses ganz persönliche Sein mit dieser ontologischen Verunsicherung und es ist eine Science-Verunsicherung, entweder durch individuelle Konstellationen, aber eben auch, das hat er auch schon beschrieben, durch makrosoziale, also durch gesellschaftliche Konstellationen. Und er da unten hat ein paar Jahrzehnte später, das weiterentwickelt auch den Namen, wenn einige hier kennen, nehme ich mal an, einige hier kennen, nehme ich mal an, nämlich den Andrew Giddens. Der Giddens ist ein englischer Soziologe, der ganz viel eigentlich beschrieben hat von dem, was wir brauchen können hier auch an der SFU. Und wenn wir so forschen, ja zum Beispiel die doppelte Hermeneutik ist von ihm, diese Idee einer doppelten Hermeneutik und auch die Strukturalisierung, das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den er beschrieben hat, nämlich den Austausch von kollektiven Strukturen und individuellem Sein, dass die sich beide verändernd durchdringen. ganz tolle Ideen dazu beschrieben und er hat diese ontologische Sicherheit dann eben soziologisch benutzt, Vertrauen in die Stabilität der eigenen Identität und die Identität der Umgebung, übrigens der materiellen und der sozialen Umgebung. Und jetzt, wenn wir uns ein bisschen erinnern an den Vortrag vorher von der Elisabeth, wo jetzt die Anforderung an uns ist, dieses Identitätsthema nochmal ganz neu zu denken. Und diese Stabilität der eigenen Identität eigentlich, also diese Hoffnung, das Vertrauen auf eigene Stabilität anders zu beantworten ist, als in den 90er Jahren. Dann merkt man, wo so eine Weiterentwicklung notwendig ist in unserem Job sozusagen. Damals hätten wir gedacht, wir müssen gucken, dass die Menschen wieder eine stabile Identität entwickeln. Heute würden wir sagen, wir müssen gucken, dass die Menschen damit zurechtkommen, dass die Identität ein Stück durch ihre Instabilität definiert ist, dass die durch ihre Flüssigkeit definiert ist. Das ist ein völlig anderes Therapieziel eigentlich als in den 90er Jahren. Trotzdem finde ich diesen Begriff der ontologischen Verunsicherung noch ganz wichtig. Jetzt tue ich nur ganz kurz mal runterarbeiten, die drei da, die psychoanalytisch auch was dazu gesagt haben, zu dieser Verunsicherungsgeschichte. Zu dieser Verunsicherungsgeschichte, der obere ist der Joseph Sandler, ein wichtiger klassischer Psychoanalytiker, eigentlich ein englischer klassischer Psychoanalytiker, der dem freudschen Triebbedürfnissen das Bedürfnis, das affektive Grundbedürfnis nach Sicherheit und Wohlbefinden hinzugeführt hat. Also ein grundlegendes Sicherheitsbedürfnis, das wir mit uns mittragen. Und das ist der Joachim Küchenhoff, mit dem ich ein bisschen befreundet bin, vielleicht einer der wichtigsten momentanen deutschsprachigen Psychoanalytiker. Der hat während der Corona-Zeit fleißig Zoom-Vorträge gehalten, was jetzt da gerade so passiert mit dieser ganzen gesellschaftlichen Sicht und hat dann festgestellt, es gibt keine symbolischen Eltern im Moment, die in der Lage wären, die gegenwärtige Erfahrung auf den Begriff zu bringen, das ist das, was wir gestern mit einer Symbolisierung gemeint haben, und damit zu entschärfen. Also ab dem Moment, wo quasi ein Stück Worte dafür gefunden sind, für das, was jetzt gerade abläuft in mir drin, habe ich es auch ein kleines bisschen entschärft. Das ist ja im Prinzip die Hoffnung von klassischer Psychoanalyse. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob das immer so ist, aber das ist die Hoffnung der klassischen Psychoanalyse. Und es ist eigentlich etwas ganz Altes und die kennen wahrscheinlich mehrere Leute. Das ist die Thea Bauriedl, die Münchner Psychoanalytikerin, die schon in den 80er Jahren ganz etwas Ähnliches gesagt hat. Der gute Vater, die Regierung, Wissenschaftler, Staat schützen nicht mehr und die Mutter, die Erde und die Natur und so weiter ist vergiftet. Und deswegen kommt dieses extreme Gefühl der Verunsicherung zustande. Das ist übrigens in den 80er Jahren, der Aufsatz heißt, weil nicht sein darf, was nicht sein kann und bezieht sich in den 80er Jahren auf die Angst vor Radioaktivität, Atomkraft und sowas, Tschernobyl, Fukushima und diese ganzen Sachen, wo wir eine ähnliche Verunsicherung eigentlich gespürt haben. Es ist überhaupt so, dass dieses Verunsicherungsthema, auch ich bin ja schon klar herum, dass dieses Verunsicherungsthema eines ist, das unsere wissenschaftliche Sicht lange Zeit nicht beachtet hat. Sowohl die Psychotherapie-Theorien als auch die wissenschaftliche Annäherung an das Verunsicherungsthema war in den deutschen Landen, in deutschsprachigen Landen relativ schwach auf der Brust im Prinzip. Wir mussten immer gucken, was andere Länder so machen. Zum Beispiel in Israel gab es sehr viel Verunsicherungsforschung, bei uns gab es das eigentlich relativ wenig. Jetzt tue ich noch ein bisschen weiter, genau, die letzte Folie runterarbeiten, die vorletzte, das ist aber jetzt die letzte, Genau, die letzte Folie runterarbeiten, die vorletzte, das ist aber jetzt die letzte, weil wir es ja auch mit einer Wissenschaftsform zu tun haben, die Verunsicherung sehr nach vorne bringt, nämlich weil wir selber auch eine verunsicherte Disziplin, weil wir immer noch überlegen müssen, welche Art von Wissenschaft sind wir denn eigentlich? Also das ist ja noch nicht endgültig entschieden, was denn das jetzt eigentlich genau ist. Und es ist ja immer die Frage, braucht es eigentlich sowas wie die Psychotherapie-Wissenschaft? Das haben wir jetzt hier SFU-mäßig beantwortet mit einem klaren Ja, aber gesamtwissenschaftlich, gesellschaftlich ist das noch überhaupt nicht bearbeitet und in Deutschland schon gleich gar nicht. Da ist das völlig offen. Das zweite ist, dass Psychotherapiewissenschaft eben auch eine verunsicherungsfokussierte und dadurch vielleicht auch eine verunsicherungskompetente Disziplin wird. Die Methoden sind verunsichernd, die psychotherapiewissenschaftlichen Methoden sind verunsichernd. Die Gegenstände der Psychotherapiewissenschaften, also zum Beispiel unbewusstes Erleben und so was, haben einen Verunsicherungsfaktor und nicht selten sind auch die Ergebnisse verunsichert. Und jetzt höre ich auf. Vielen Dank.