Musik Herzlich willkommen zu unserem Vortrag zum Thema ganz normale Medien und ihr Beitrag zum Comeback des Faschismus. Medien und ihr Beitrag zum Comeback des Faschismus. Und zum Einstieg möchte ich kurz herholen, woran wir mit der Wahl unseres Themas und vor allem auch unseres Titels anknüpfen. Und zwar hat der Historiker Christopher Browning 1993 bereits ein Buch veröffentlicht mit dem Titel Ganz normale Männer, auf Englisch Ordinary Man, und das Buch hat untersucht, wie ein Hamburger Reservepolizeipataillon abkommandiert wurde nach Polen und wirklich ganz normale Leute, die normale Jobs hatten, normale Familienmitglieder, keine besonders überzeugten Nazis oder so, dann dort in Polen an der Endlösung mitgewirkt haben. 20 Jahre später hat dann Stefan Kühl, ein Organisationssoziologe, dasselbe Reservepolizeibataillon genommen und geschaut, welche organisationalen Strukturen und Prozesse dafür mitverantwortlich waren. Und er hat sein Buch genannt, ganz normale Organisationen. Und Stefan Kühl schreibt in seinem Buch, dass die besorgniserregende Erkenntnis gelautet hat, dass nicht nur die Mitglieder in auf Massentötung spezialisierten Organisationen häufig ganz normale Menschen waren, sondern dass auch die Organisationen, über die die Massentötungen geplant und durchgeführt waren, Merkmale ganz normaler Organisationen aufgewiesen haben. Und unsere These heute ist, dass es eben nicht nur rechtsextreme Parteien und Medien sind, die für den Aufstieg von autoritären, neofaschistischen Bewegungen und Parteien und neofaschistischer Politik verantwortlich sind, weil die sind auch heute immer noch in der Minderheit, sondern ganz wesentliche Beiträge für den Aufstieg von ganz normalen Medien geleistet werden. Oder in den Worten des Politologen und Medienforschers Kai Hafeis, dass die Resonanz des Rechtspopulismus auch eine journalistische Konstruktion ist. Wir fragen deshalb, was ist der Beitrag von ganz normalen Medien und was wir darunter verstehen, dazu gleich noch mehr, zum Vormarsch von neofaschistischen Parteien und Bewegungen, wobei konkret und präziser wir die Frage stellen, was ist der Beitrag von ganz normalen Medienlogiken. den einzelnen Journalisten, sondern es geht uns um die Strukturen und Prozesse, die über einzelne Medien hinweg als üblich und als normal angesehen und etabliert werden. An wen richten wir uns? Das möchten wir auch noch vorweg schicken. Und an wen richten wir uns nicht? Unsere Zielgruppe sind mal zunächst Medien mit klassisch journalistischem Anspruch und Ethos. Also man könnte auch sagen, Good Faith Medien. Medien, die guten Journalismus machen wollen, vielleicht sogar wirklich sauberen Journalismus. Wir richten uns auch an progressive Medien und deren Journalistinnen und Journalisten, die mit einem aktivistischen bzw. humanistischen Ansatz auf die Welt blicken. politischen bzw. humanistischen Ansatz auf die Welt blicken. Und wir richten uns auch an Leute wie euch hier, an ein Publikum, das Demokratie gut findet. Das sind sozusagen unsere drei Zielgruppen. Es gibt aber auch Leute, an die wir uns nicht richten, um die es uns hier nicht geht. Eine klare Nicht-Zielgruppe, wenn wir von ganz normalen Medien sprechen, dann meinen wir nicht Desinformationsschleudern wie News, wir meinen nicht die Springerpresse oder andere mediale Horrorclowns, ganz einfach, weil es dann einer gemeinsamen demokratischen Basis am Fundament fehlt, um überhaupt über journalistische Medienlogik und so weiter diskutieren zu können. Aber wir kommen darauf zurück. Was ist jetzt unsere Methode? Unsere Methode, unser Ansatz ist Steelmanning. Allen, die das noch nie gehört haben, Steelmanning ist der Gegensatz oder das Gegenteil von Strohmännern. Steelmanning bedeutet, wir wollen uns eben nicht abarbeiten an Boulevardmedien oder Medien, die unter starkem ökonomischen Druck stehen. Wir wollen also auch nicht sogenannte Alternativmedien kritisieren. Und wie tun wir das? Wir nehmen ausschließlich heute dann jetzt an Beispiele von Medien, die an sich selbst einen besonders hohen journalistischen Anspruch stellen. Und genau deshalb, weil diese Medien gemeinhin als Qualitätsmedien unzweifelhaft angesehen werden, sind diese Medien auch oftmals ein Orientierungspunkt, ein Vorbild, ein Gradmesser für journalistische Qualität, für das, wo auch andere Medien sagen, wenn wir guten Journalismus machen, machen wir es so wie die. Und unsere These ist eben, dass diese ganz normalen Medien im Sinne von eben gerade nicht Boulevard, nicht Alternativmedien, dass die auch mit ihren Beitrag leisten zum Comeback des Faschismus. Und was wir auch nicht machen, wir machen auch kein Rosinenpicken. Also wir haben uns jetzt nicht versucht, die besonders haarsträubendsten Beispiele für unsere Thesen zu finden, sondern im Gegenteil, wir haben losrecherchiert und haben eigentlich mehr oder weniger die erstbesten Beispiele, die wir gefunden haben, genommen. Da waren wir dann bei 100 Slides und 10 davon zeigen wir euch jetzt. Das waren die Beispiele, die wir euch zeigen wollten. New York Times und Tagesschau, das sind die beiden Medien, auf die wir heute fokussieren. In den Mittelpunkt unserer Analyse stellen wir die journalistische Bewertung. Sie ist das zentrale Kriterium, um zu verstehen, wie eigentlich mediale Praktiken journalistische Professionalität, Integrität und Ethik untergraben und so einem allgemeinen Medienmisstrauen Tür und Tor öffnen. Wir beginnen mit Ausstellungsgegenstand 1. Die Bewertungsverlagerung. Sie wird praktiziert durch Begriffe aus der vermeintlich goldenen Mitte. Dafür widmen wir uns einem Exemplar aus dem medialen Sprachgebrauch, das wirklich eine atemberaubende Karriere hingelegt hat. Umstritten. Der Begriff raunt, wo Klarheit herrscht. Er verungenaut, wo Präzision geboten ist. Und damit erfüllt der Zusatzumstritten eine ganz besondere mediale Funktion. Er entlastet Journalisten und Journalistinnen von der Bewertung konkreter Sachverhalte und Fakten. Und er befreit von der journalistisch gebotenen Einordnung. Und so sieht das dann am konkreten Beispiel aus. Friedrich Merz zeigt nicht nur in der Opposition, sondern auch in seinem Amt als Bundeskanzler ein ganz besonderes Faible für Menschen, die rassifiziert sind. Zuletzt in Form seiner spaltenden Stadtbild-Rhetorik. Die Tagesschau publizierte hierzu unter anderem diese beiden Beiträge. Mehr als Äußerungen framed die Redaktion darin jeweils als umstritten. Was die Tagesschau als lediglich umstritten markiert, als Gegenstand, Achtung, ein weiteres Buzzword, kontroverser Aushandlungsprozesse, stellt jedoch eine materielle, eine alltägliche und reale bedrohung für die psychische sicherheit und das physische überleben von menschen in diesem land da als antwort auf märz auslassungen schreibt said etris haschimi menschenben, weil sie dem Täter nicht ins Stadtbild passten. Said Idris Hashimi ist Überlebner des rassistischen Terroranschlags von Hanau, ein Zeuge eben dieser materiellen, realen Bedrohung mitten in Deutschland. Die Bewertungsverschiebung durch Umstritten ist dabei beileibe kein Einzelfenomen, keine redaktionelle Randnotiz. Gibt man den Begriff beispielsweise auf der Webseite der ARD Tagesschau ein, erscheint die folgende aussagekräftige Trefferzahl. 3026 Ergebnisse. Seit diesem Screenshot von vor wenigen Tagen sind übrigens weitere Treffer dazugekommen. Als umstritten framet die Tagesschau-Redaktion beispielsweise auch die Siedlung in Israels im palästinensischen Westjordanland, zuletzt erst gestern. Diese Siedlungen sind jedoch keineswegs umstritten, wie der internationale Gerichtshof urteilt. Sie sind klar illegal und sie verstoßen wie die gesamte Besatzungspolitik Israels gegen das Völkerrecht. Aus dem Füllhorn problematischer Begriffe entstammt auch das zweite Beispiel der Bewertungsverlagerung, der Begriff Kritiker sagen. Kritiker sagen hat wie wenige andere Objektivität und Neutralität und weigert sich dabei, einen Sachverhalt journalistisch einzuordnen, und zwar auf dem Boden sachlich-faktischer Bewertung. Und ja, das ist gerade und auch im tagesaktuellen Nachrichtenjournalismus zwingend geboten. tagesaktuellen Nachrichten Journalismus zwingend geboten. In US-amerikanischen Legacy-Media, also in den traditionellen Medienmarken, stößt man immer wieder auf das englische Pendant, Critics Say, als eine Form eines medialen Schutzschildes. An folgendem Titel der New York Times wird dieses Outsourcen von journalistischer Machtkritik auf externe Kritiker besonders deutlich. Zitat, Kritiker beschweren sich, dass Italiens Regierung sich in die Künste einmischt. Bereits im Untertitel wird jedoch klar, dass es die Umwegkommunikation über vermeintliche Kritiker gar nicht gebraucht hätte. Tatsächlich hatte das italienische Kulturministerium kurzerhand Kunstexperten mit eigens ernannten Akteuren ausgetauscht. Eine faktische Einmischung in die Künste. Das ist übrigens ein ganz interessanter Sachverhalt mit Blick auf die aktuell zunehmenden Eingriffe des Staates in die Kunstfreiheit, auch hier in Deutschland. Medienethisch aufschlussreich ist auch, welche Akteure massenmediale Reichweite erhalten, wenn es um Kritik geht. Eine Zäsur, eine Zeitenwende produzierten die ARD-Tagesthemen am 7. Mai dieses Jahres. Eine Aussage der Arbeitsministerin Bärbel Baas im Bundestag rahmt die Tagesthemenredaktion wie folgt. Eine Aussage, die viele im Land empört. im Land empört. Schauen wir uns doch einmal genauer an, wen die Tagesthemen hier unter anderem als Kronzeugenkritiker für diese vielen im Land wählt. Bild und News. Akteure, denen hier leitmediale Reichweite zugeteilt wird, geadelt mit dem Logo und der Bauchbinde eines öffentlich-rechtlichen Nachrichtenformats und die hier ohne jegliche journalistische Basiseinordnung als ganz normale Diskursakteure präsentiert und normalisiert werden. Die vielen im Land. Kommen wir zum zweiten Ausstellungsstück. Neben der Bewertungsverlagerung auf Kritiker oder dass etwas umstritten sei, noch viel häufiger ist das, was Medien, gerade eben normale Medien, die als besonders objektiv oder neutral wirken wollen, verwenden ist, Bewertungsverweigerung. Das Ziel ist aber immer eben genau das, dass man eben nicht sich Angriffen aussetzt, hier Stimmung oder Meinung machen zu wollen. Wie läuft Bewertungsverweigerung? Der Klassiker sind so Dinge wie falsche Balance, falsche Gleichsetzung, kommt oft auch gemeinsam vor. Hier ein Beispiel aus der New York Times im Vorfeld der letzten US-Präsidentschaftswahlen, ein ganz normaler Artikel, der Policy-Vorschläge von zwei Präsidentschaftskandidatinnen vergleicht und offenbar Ökonomen und Ökonomen zu diesen Vorschlägen befragt hat. Doch wenn man reingeht in den Artikel, dann zeigt sich, was hier eigentlich miteinander verglichen wird und was hier eigentlich unter der Überschrift und dem Übertitel mehr oder weniger als äquivalent aufgeboten wird. Auf der einen Seite gibt es den Vorschlag, über irgendwelche steuerlichen Anreize mehr Wohnungen zu bauen. Auf der anderen Seite gibt es den Vorschlag, durch Massendeportation von Menschen für mehr Wohnraum zu sorgen. Beides wird hier als gleichermaßen legitimer Vorschlag präsentiert und Remigration wird halt so zu einer normalen Policy-Idee. Also diese falsche Balance, diese falsche Gleichsetzung, die gibt es auch nochmal in anderen Facetten. Zum Beispiel, weniger offensichtlich, aber ebenso beliebt, sind falsche Dichotomien, also dass ein Entweder-Oder konstruiert wird zwischen zwei Alternativen, obwohl es in der Regel auch noch eine dritte, eine vierte Perspektive gäbe und wenn hier in der Tagesschau die Frage guter Deal oder schlechter Deal in den Titel gehoben wird, dann wird damit gleichzeitig auch natürlich das Dealmaking, der Dealmaking-Frame von Donald Trump bedient. Wir dürfen nie vergessen, er hatte zumindest einen Ghost-Order, aber sein Name stand am Buch, The Art of the Deal. Egal, was die konkrete Meinung der beiden Personen ist, Trump hat mit so einem Framing eigentlich schon gewonnen. Und jetzt ist das aber nicht so, dass diese falsche Balance, alle haben das schon mal gehört, dass das irgendwas Seltenes wäre. Also diese Bewertungsweigerung, das ist ein Bias in der Berichterstattung, der gerade aus dem Versuch resultiert, unbiased zu sein oder unbiased zu wirken. Und das ist überhaupt nichts Neues. Ich habe hier mitgebracht eine wissenschaftliche Studie aus 2004, die sich damals anhand von Prestige Media, also wir reden wieder nicht über Boulevard oder irgendwelche Online Blogs, sondern wir reden über New York Times, LA Times, Wall Street Journal und Washington Post vor der Übernahme von Bezos. Und diese Prestige Media, wie haben sie über die Erderhitzung und über die zunehmenden Probleme, die damit einhergehen, berichtet? Und was rauskam ist, über die Hälfte der Berichte, das sieht man hier an dieser Grafik, waren ausbalanciert. Also die einen sagen Erderhitzung Problem, die anderen sagen null Problemo. Also das war quasi die Mehrheit der Berichterstattung in den Prestige-Medien. Und das Ganze ist eben vor allem aus dem erwachsen, man will ja quasi neutral sein, man will objektiv darüber berichten. Das war 2004. Eine aktuellere Studie aus 2021, also 20 Jahre später fast, von Aja Palniewski, hat sich das wiederum angeschaut für den Bereich der Berichterstattung über rechtspopulistische Bewegungen. Und wir haben immer noch dasselbe Muster. Sie schreibt von Performing Balance by Practicing Bias. Es ist eben nicht, wie sie zum Schluss kommt, die ideologische Voreingenommenheit der Journalistinnen und Journalisten, die zu Bias führt, sondern es ist eine Kombination aus Ethos, aus einem imaginierten Publikum, den vielen im Land, und wahrgenommenen Machtverhältnissen, die zu diesem Bias führen. Und gerade der Versuch, ungebiasst zu sein, der führt dazu, dass besonders problematischer Bias entsteht. der führt dazu, dass besonders problematischer Bias entsteht. Neben der Bewertungsverlagerung und der Bewertungsverweigerung, die du gerade vorgestellt hast, zeigen sich in hiesigen Medien eklatante und auch fortlaufende Doppelstandards. Sie werden sichtbar, unter anderem bei der Entscheidung, welche Themen und Menschen Medienmacher überhaupt sichtbar machen, beziehungsweise welche sie nicht sichtbar machen. Und Doppelstandards betreffen dabei gleichfalls auch die Inhalte, die es dann tatsächlich schaffen, die gezeigt und gesendet werden. Je nachdem, über welches Land, welche Organisation, welchen Akteur berichtet wird, unterscheiden sich immer wieder der journalistische Abstand und eine regelhafte, an unverrückbaren journalistischen Maßstäben orientierte Einordnung. Eigentlich sind das Garanten für Medienvertrauen als die zentrale Währung zwischen Medienproduzenten und der Gesellschaft. Zwei Beispiele für diese Bewertungsunwucht. Die ukrainische Stadt Mariupol ist vielen ein Begriff. Sie wurde im Februar 2022 von Russland angegriffen, monatelang belagert und ist seitdem durch die russische Besatzungsmacht annektiert. Einen Monat später, im März 2022, bezeichnete der deutsche Rechtswissenschaftler Otto Luchterhand die Geschehnisse öffentlich als Völkermord und die New York Times titelte, Zitat, wie Russland den Hunger von Ukrainern als Kriegswaffe benutzt. Im vergangenen Jahr publizierte die New York Times dann einen Artikel über die Vollblockade der israelischen Besatzungsmacht für jegliche humanitären Güter für den von Israel illegal okkupierten Gaza-Streifen und titelt hierfür folgendermaßen. Israel stoppt alle Hilfsmittel nach Gaza, während der Waffenstillstand ausläuft. Israel stoppt alle Hilfsmittel nach Gaza, während der Waffenstillstand ausläuft. Der erste Titel, nutzt Hunger als Kriegswaffe, ist eine im Recht verankerte Tatsachenfeststellung. Der zweite Titel, stoppt alle Hilfsmittel hingegen, ist eine vom Recht entkoppelte Formulierung. Sie nimmt keine journalistische Einordnung vor und banalisiert damit die völkerrechtlich verbotene Kollektivbestrafung einer illegal okkupierten Bevölkerung. Journalistische Doppelstandards zeigen sich derweil aber nicht nur in unterschiedlichen Bewertungsmaßstäben, sondern auch in aktiven Auslassungen zentraler Informationen. Fehlt dem Medienpublikum für das Gesamtverständnis relevanter Kontext, werden die individuelle Meinungsbildung und die öffentliche Debatte erschwert oder gar verunmöglicht. Ein Beispiel für solche Auslassungen sind fehlende journalistische Einordnungen von Aussagen politisch mächtiger, insbesondere im Nachrichtenjournalismus. An Ostern publizierte der US-amerikanische Präsident folgende Drohung. Open the fucking straight, you crazy bastards, or you'll be living in hell. Die New York Times titelt dazu, Trump eskaliert Drohung, iranische Kraftwerke zu treffen. Die Redaktion der ARD-Tagesschau hingegen entscheidet sich für diesen Titel. Trump gibt Iran Zeit bis Dienstag. Und im Untertitel, jetzt lässt der Iran offenbar nochmal etwas mehr Zeit. Dass es sich hier um die Ankündigung von Kriegsverbrechen handelt, erfährt man bei der Tagesschau weder im Titel noch im gesamten Artikel. Auch liegt hier die mediale Praxis des Sane Washings vor. Bizarre Inhalte, eindeutige Desinformation, extreme Rhetorik und die sie äußern in Machtakteure werden normalisiert. Sie werden geglättet und massenmedial als sane, als vermeintlich vernünftige Position im öffentlichen Diskurs präsentiert. Eine seit Jahren praktizierte und ebenfalls seit Jahren kritisierte Praktik der ARD-Tagesschau ist auch die direkte Wiedergabe von Aussagen politisch Mächtiger bis in die Titelzeile. Hier im journalistisch per se problematischen Tagesschau-Live-Blog. Zitat, Trump, USA könnten ganz Iran in einer Nacht auslöschen. Eine bessere Eins-zu-eins-Wiedergabe seiner Aussage bis in die Titelzeile und ohne jeglichen journalistischen Anspruch an Einordnung kann sich ein Machthaber nicht wünschen. Diese rein nacherzählende Form des öffentlich-rechtlichen Publizierens erreicht keine journalistische Schöpfungshöhe. Als stenografierende Wiedergabe politischer Kommunikation kann sie ebenso durch eine künstliche Intelligenz geleistet werden. Dass es auch anders ginge, zeigt hier zum Beispiel die Schlagzeile der EP, die dann schon ganz klar in der Überschrift von der Language of Annihilation spricht. Und das ist schon noch mal ganz was anderes als das, was hier in der Tagesschau im Live-Ticker steht. Aber das Ganze führt uns zur Frage von So What? Was folgt aus diesen ganzen illustrativen, aber leider durchaus repräsentativen Beispielen? Wie gesagt, wir haben da nicht Rosinenpicken betrieben, wir haben da die erstbesten genommen, die uns untergekommen sind. Und unsere Ableitung daraus ist, dass sich ändern muss, was normale Medien sind, was man als Qualitätsmedien versteht. Und bevor wir aber noch darüber reden, dass sich ändern muss, was normale Medien sind, was man als Qualitätsmedien versteht. Und bevor wir aber noch darüber reden, was sich hier ganz konkret ändern muss, unserer Meinung nach, möchte ich noch zwei strukturelle Faktoren nennen, die eben diese Änderung erschweren. Und das Erste sind die bereits erwähnten rechtsextremen, rechtspopulistischen Propagandamedien, sind die bereits erwähnten rechtsextremen, rechtspopulistischen Propagandamedien, die normale Medien ständig des Aktivismus oder Journalistinnen als Aktivistinnen denunzieren. Und zwar mit dem eigentlich völlig durchschaubaren Motiv, dadurch selbst weniger extremistisch positioniert zu sein. Das Problem ist, ihre Taktik geht voll auf. Egal ob in privaten Qualitätsmedien oder in öffentlich-rechtlichen Medien, und ich kann das wirklich auch nach zehn Jahren in öffentlich-rechtlichen Aufsichtskriminellen bezeugen, herrscht Angst vor diesen Angriffen. Was dann erst recht zu noch mehr Verweigerung, noch mehr Verlagerung und noch mehr Unwucht von journalistischer Bewertung führt. Also genau diese drei Punkte, die wir hier aufgezeigt haben. Dabei wäre das genaue Gegenteil richtig, ohnehin unvermeidbare Bewertung nicht länger zu leugnen oder durch Pseudoneutralität zu verschlimmern, sondern offen und transparent mit ihr umzugehen. Es gibt noch ein zweites strukturelles Problem, denn sich selbst als aktivistisch verstehende Medien wiederum, die tun genau das. Sie verweigern sich einer Neutralität gegenüber faschistischen Positionen und sie sehen darin keinen Widerspruch zu journalistischer Qualität. Sondern im Gegenteil, sie sehen es eher als Zeichen für journalistische Qualität, vor einer Bewertung nicht davon zu laufen. Genau hier ist aber dann schon wieder auch das Problem, dass sich oft in Abgrenzung von normalen Medien, also diese kritischen Haltungsmedien, aktivistischen Medien, sich sehr stark in Abgrenzung zu normalen Medien positionieren und gerade dadurch auch wiederum die Normalität eines Journalismus stabilisieren, der sich einer Bewertung versucht zu entziehen. Was tun? Alle Beispiele, die wir heute genannt und gesehen haben, eint eines. Ein Verständnis von Journalismus, das in Zeiten der Faschisierung veraltet ist, antik ist. Journalismus ist dabei nicht natürlich, sondern es ist eine Ordnung, ein System und damit menschengemacht. Journalismus zeigt folglich auch, wie jedes menschengemachte System ganz eingebackene Logiken und Vorannahmen und diese werden entsprechend nochmals verstärkt im deutschen Journalismus durch den weit verbreiteten Anspruch, neutral und objektiv zu sein oder sein zu wollen. Und wie das im internationalen Diskurs verhandelt wird, läuft vollkommen anders. It's easier to trust in here's where I'm coming from than the view from nowhere, konstatierte J. Rosen bereits im Jahr 2010. Der Forscher und Journalist plädiert seit über eineinhalb Dekaden für maximale Transparenz über den eigenen Standpunkt statt dem vermeintlich unverstellten Blick aus dem Nirgendwo. Über diese Transparenz des Vertrauens lassen sich dann wiederum Vertrauen und auch Bindung als zentrale Qualitäten des Journalismus etablieren und auch zurückgewinnen. Aber ganz alleine kann das nicht gestemmt werden. Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen gab noch im Dezember 2025 zu bedenken, es wäre naiv zu glauben, der Journalismus könne sich aus eigener Kraft retten. Aber was heißt das jetzt konkret? Journalisten, Journalistinnen sind darauf angewiesen, vom kritischen Publikum, so wie ihr hier alle, kritisiert zu werden, wenn sie eine Bewertung verweigern, wo sie nötig wäre. Wertschätzend, aber klar in der Sache. Jetzt hört man aber oft aus dem Maschinenraum des Journalismus, das sei dann Aktivismus, wenn man eine andere Form von Journalismus betreiben würde. Dabei ist das der Journalismus, wie er im Buche steht und auch, wie er in Recht und Gesetz gegossen ist. Im für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk beispielsweise rechtlich bindenden Medienstaatsvertrag liest man beispielsweise folgendes. Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sollen, Zitat, die internationale Verständigung, die europäische Integration, den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Und im Pressekodex steht folgendes, Zitat, die Wahrung der Menschenwürde ist oberstes Gebot der Presse. Und der Pressekodex umfasst auch die Pflicht im Rahmen der Verfassung und der verfassungskonformen Gesetze, das Ansehen der Presse zu warnen. In der deutschen Verfassung wiederum finden sich in Grundgesetz Artikel 1 und 25 direkte Verpflichtungen zu Menschenwürde, Menschenrecht und Völkerrecht. Das heißt, das Grundgesetz, der Pressekodex und der Medienstaatsvertrag stellen den Rahmen, in dem journalistische Medien erst arbeiten. Es sind sozusagen Regelwerke, die gleichzeitig als eine Form eines Cordon sanitaire Mediatique, also einer medialen Brandmauer gegenüber Extremismus und Faschismus dienen. Denn die Faschisierung läuft ja maßgeblich über den konzertierten Angriff auf Wohlwollen, auf Fakten und auf Wahrhaftigkeit, bis Gesellschaften nicht mehr zwischen wahr und falsch unterscheiden können. Wer sich damit besonders gut auskennt, ist diese Frau, Maria Ressa. Viele werden sie kennen. Sie ist Journalistin und Investigativreporterin und wurde 2021 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Im Interview mit dem Committee to Protect Journalists sagt sie im Februar dieses Jahres folgendes. Ich wiederhole es nochmal, frei übersetzt, wenn umstritten ist, was ist, dann ist Journalismus Aktivismus. Ob diese Aussage allerdings in deutschen Redaktionen und Chefetagen besprochen wird, ob sie überhaupt dort registriert wird? Der deutsche Journalismus steht an einem Scheideweg. Setzt er auf ein Weiter-so und endet sich damit selbst, schafft sich ab und damit auch das, was er zu schützen vorgibt? Oder entwickelt er sich weiter, passt sich der Gegenwart an und sichert damit seine Existenz, gemeinsam mit Freunden, Verfechtern und Verteidigern der freien Presse, so wie wir hier alle versammelt sind. Das ist keine Übung. Der Vormarsch neofaschistischer Ideen und Parteien ist real. In dieser Situation muss Journalism as usual aufhören. Und das bringt uns zum journalistischen Imperativ unserer Zeit. Journalismus ist antifaschistisch. Oder er ist kein Journalismus. Thank you.