... Herzlich willkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren, zum dritten und letzten Tag unseres Vorsommer-Festivals für Avantgarde-Literatur. Für all jene, die gestern bzw. vorgestern nicht hier waren, darf ich noch einmal ganz kurz die Programmatik bzw. die Nicht-Programmatik dieses Festivals skizzieren. Es ging die letzten zwei Tage und es geht auch heute nicht darum, einen bestimmten Weg der Avantgarde zu zeichnen oder avantgardistische Strömungen zu erklären, geschweige denn, darum zu werten oder sie über das Wesen der Avantgard-Literatur zu belehren. Vielmehr sollen verschiedene Formen der literarischen Avantgarde sichtbar und erlebbar gemacht werden. Die Autorinnen und Autoren, die heute auftreten, bilden diese Vielfalt, die es gibt, in dieser Literaturform äußerst anschaulich ab. Wie ich finde, im ersten Leseblock erleben wir Sarah Rinderer und Robert Stehr, die wie auch gestern und vorgestern alternierend ihre Texte vortragen werden. Nach dem ersten Leseblock gibt es wieder eine Pause und es setzen dann fort Nina Thehmann und Andrea Winkler und mit der Lesung von Andrea Winkler wird dieses erste Vorsommerfestival dann auch beschlossen werden. Auch heute werden beide Leseblöcke jeweils vom für die kuratorische Auswahl verantwortlichen, nämlich von Florian Huber, eingeleitet und zudem gibt es auch die ganz wichtige Nachricht bei heißem Wetter, Freibier, solange der Vorrat reicht. Ich möchte jetzt Florian Huber dann um seine Einleitung zum ersten Leseblock ersuchen. Zuvor möchte ich Sie aber noch um einen tosenden Applaus für Sarah Rinderer, Robert Stern in der Themen und Andrea Winkler bitten. Danke fürs Kommen. Ja, schönen guten Abend. Ich habe am ersten und zweiten Festivaltag schon darauf hingewiesen, dass mit der Rede von der Avantgarde auch eine bestimmte Vorstellung von Raum und Zeit zur Disposition gestellt wird. Avantgarde, Avantgardistinnen, Avantgardisten, das bezeichnet ja auch zunächst einmal eine Bewegung, die voranschreitet und dieses Vor hat ja vielleicht nicht nur eine zeitliche und eine räumliche Dimension, es verweist auch grundsätzlich, glaube ich, darauf, dass Literatur auch mit Ordnung in Zusammenhang steht. Einerseits werden Ordnungen in der Literatur immer wieder zum Thema und Motiv gemacht. Das findet sich auf jeden Fall auch im Schreiben und in der Bildarbeit von Sarah Rinderer und Robert Stehr wieder, die wir jetzt dann gleich kennenlernen dürfen. Man kann aber auch sagen, dass Literatur nicht nur die Funktion hat, Ordnungen abzubilden und darzustellen, sondern sie schafft auch Ordnung. Sie macht die Welt handhabbar, übersichtlicher, sie hat eine orientierende Funktion. Es ist aber, glaube ich, im Zusammenhang mit Avantgarde nicht ganz verkehrt, daran zu erinnern, dass mit diesem Ordnen natürlich auch immer etwas Gewalttätiges, etwas Machtvolles verbunden ist. Und es ist vielleicht auch eine Qualität sogenannter avantgardistischer Literatur, dessen Gewahr zu sein und diese Macht, die mit Ordnungen verbunden ist und diese Deutungshoheit nicht nur vorzuführen und zu praktizieren, sondern sie gleichzeitig auch in Frage zu stellen und vielleicht eben auch die Frage daran anschließen zu lassen, ob es eigentlich tatsächlich die Sprache ist, die dafür verantwortlich ist, dass wir es mit Ordnung in der Welt zu tun haben. Macht die Sprache etwas verständlich oder sorgt sie nicht auch hier und da für größere Unordnung, vergrößert sie nicht das Chaos und ist es nicht vielleicht auch in der Literatur so, dass es immer um beide Momente bestellt sein muss? Dass es einerseits darum geht, etwas zu ordnen, etwas sichtbar zu machen, hervortreten zu lassen, andererseits aber auch daran zu erinnern, dass damit auch immer etwas zum Verschwinden gebracht wird, etwas ausgelöscht wird. Und das in der Schwebe zu halten, diese Unbestimmbarkeit Gestalt annehmen zu lassen, ist glaube ich auch etwas, das die Literatur von Sarah Rinderer und Robert Stehr in besonderer Weise auszeichnet. Man kann vielleicht sagen, dass es eine Literatur ist, die sich dadurch nicht nur darauf versteht, etwas zu erfinden, sondern auch etwas zu entdecken, eine Ordnung zum Vorschein zu bringen und sie gleichzeitig aber auch immer wieder mit einer anderen Ordnung zu konfrontieren, sie zu unterlaufen und dadurch das Spiel der Bedeutung und der Zeichen immer weiter zu treiben. Vielen Dank. Ich darf jetzt Robert Stehr, unsere Erinnerung, bitten um ihre Lesung. Kinderer bitten um ihre Lesung. Schönen guten Abend auch von mir. Ich freue mich sehr, heute hier zu sein. Ich werde beginnen. Ich werde aus einem Projekt lesen, das sich derzeit im Prozess befindet. Ich arbeite gerade daran, baue es aus, rück an und um. Dieses Projekt hat auf der Seite eine von der Architektur inspirierte Form. Und zwar ist es in fünf gerade geführten Spalten angeordnet. Und um das heute in die Lesung zu übersetzen, habe ich mir ein kleines Hilfsmittel mitgebracht. Dieser Text ist ein Text aus Bestand. Er wird zur Zeit aus, rück, an und umgebaut. Eine Quelle am südöstlichen Rand eines Gartens. Zwischen Kiesel tritt Wasser aus, trüb mit einem leichten Stich ins Gelbliche. aus, trüb, mit einem leichten Stich ins Gelbliche. Schwefelgeruch, ein Geschmack auf der Zunge, fremd, rostfarben, leicht salzig, mit einem Hauch von feuchtem Moos. Über der Stelle, an der die Fassung der Quelle im Boden liegt, ein Pavillon. Ein schmaler Weg führt durch den Garten. Gelockerte Erde. Eine Platane. Rinde, nicht mitwachsend. Ein abblätterndes Geräusch, wenn sich ein Stück löst. In der Lücke ein Stück mehr sichtbar wird vom Geflecht aus darunterliegendem. Am Vorplatz ein Schild. Achtung, Baustellen ein- und ausfahrt. Hinter einem Baugerüst ein Haus aus gerade geführten Linien. Walmdach, darunter vorspringende Seitenflügel, fünf Laubenbögen, neben dem Aufgang zur Freitreppe mehrere Türblätter an die Fassade gelehnt. Morgens hat das Haus seinen Schatten vor sich, bis das Licht um die südöstliche Hausecke durch den Garten, auf das Pavillordach, über den Vorplatz, durch das Gerüst, auf die Fassade, bis in den zweiten Stock, ganz am Rand des westlichen Seitenflügels, in ein Fenster fällt. Auf, ab, hin, her. Ein Zimmer. Grundfläche 6,8 m x 4,7 m. Raumhöhe 3,10 Meter. Weiß. Bis auf den Boden. Wieder und wieder Neubegieber auf wechselnden Belägen. Linoleum, PVC, Kautschuk mit Granulateinschlüssen, Parketteiche. Eine Tür gegenüber ein Fenster. Öffnungen nach innen aufgehend. Auf, ab, hin, her. Willkommensbroschüre. Es ist uns wichtig, dass Sie sich bei uns zu Hause fühlen. Sie können jederzeit persönliche Gegenstände mitbringen und Ihr Zimmer nach eigenen Vorlieben gestalten. WLAN steht Ihnen kostenlos zur Verfügung. WLAN steht ihnen kostenlos zur Verfügung. Eine liegt im Bett auf der Seite. Auf, ab, hin, her. Schaut der Wackelblume auf der Fensterbank zu. Blütenblätter aus glänzendem Plastik. Flip, flap, wenn Sonnenlicht drauf fällt. Am Nachttisch Schnabeltassen mit unterschiedlichen Flüssigkeitsständen, Wasser Buntstift an Wand, sich wieder entfernen. Ein Stuhl mit gepolsterten Lehnen, nahe an ihr Bett geschoben. Polsterten Lehnen, nahe an ihr Bett geschoben. Lederknarren, wenn eine Enkelin auf der Sitzfläche das Gewicht verlagert. Hin, her, aufsteht, das Fenster, vierflügelig, öffnet, sich widersetzt, ab. Zwei Scheiben dazwischen Luftraum. Wind zwischen Platanenblättern. An Tagen mit wenig Verkehr manchmal das Hupen eines Schiffs. Eine Weile lang nichts. Kein Fenster klären, kein Türknarren, kein Uhrenschlagen, kein Geschirrklappern, kein Löffel an Glas. Sie stellt sich vor, jemand hat Eindickungspulver in die Stille gemischt, damit sich niemand daran verschluckt. Papierbogen mit ausklappbaren Seitenflügeln. Badegästezimmer. Grundfläche 6,8 Meter mal 4,7 Meter. Grundriss Maßstab 1 zu 100. Bauführung mit den in der Bewilligung enthaltenen Bedingungen genehmigt. Unterschrieben und dem Bild. Es heißt, der Bau habe eine fühlbare Lücke gefüllt. Sie liegt im Bett. Auf der anderen Kein Türknarren Schritte einer Zimmerschwester Auf Linoleum wie laut Lehrbuch Nicht zu hart, nicht zu leise Ich hoffe, ich habe sie nicht erschreckt Das Bett an der Tür belegt, das am Fenster leer Die Zimmerschwester stellt einen Schirm dazwischen. Die oberen Fensterflügel offen. Nicht klar war's Wind zwischen Platanenblättern, war's Atem einer Patientin hinterm Schirm. Alles vorbereiten für die nächste. Alle Schichten ab, bis zur mehrteiligen Matratze, die Bänder an beiden Bettseiten fest, dass keine Lücken dazwischen, frischer Betttuchgeruch, Wolldecke ausbreiten, ein Wellen weit, bevor sich weiß, zurück aufs Bett senkt, mit dem Handballen die Falten ausstreichen, von der Mitte nach außen, von der Mitte nach außen, von der Mitte nach. Noch auf dem Nachttisch ein Glas, eine Handglocke, eine Petroleumlampe, in die unterste Schublade eine Leibschüssel. Eine Tafel am Fußende der Metallbettstelle. Verwischte Kreidespuren. Zimmernummer, Bettnummer, Name und Alter. Angekommen. Auf, ab, hin, her, flip, flap Guten Abend, ich lese aus einer Prosersammlung mit dem Arbeitstitel und zehn. Zwei. Der Schacht ist tief und an den Wänden feucht, übel riechender Moder entsteigt ihm, das Wasser bildet Blasen, tief unten im Brunnen ertönt ein Rumoren, ein Zischen und Raunen, steile Wände bieten Emporkletternden keinerlei Halt. Hände und Füße gleiten an den glitschigen Steinen ab. Sie haben sich an beiden Ufern des Stroms tief ins Erdreich eingegraben. Auf diese Weise fest verankert verbinden sie das Diesseitige mit dem jenseitigen Ufer. Täglich ziehen Menschen über den Strom, einzeln und in langen Reihen, immer bei Tageslicht, niemals bei Nacht. Wenn die Lichter leuchten, erzeugen die gleichmäßigen Tritte der Menschen einen monotonen Rhythmus. Das Wasser spritzt die Füße nass, manche gleiten aus, einige fallen ins Wasser, lichten sich die Reihen über dir. Die Sonne ist ein Spiegel, der dich blendet.nt dir das Gesicht, bringt es zum Verschwinden, nach kurzer Zeit erscheint es wieder, ist es nicht mehr zu erkennen, das Sonnenlicht hat es verbrannt, das Wasser hat es aufgequollen, der Spiegel beschlägt sich, bald ist nicht mehr festzustellen, ob nicht alles schon verschwunden ist, die spiegelnde Fläche frei von Beschlag ist, du schlägst zu fest darauf, dass es splittert, dein kantiger Kopf im zersplitterten Bild, das Ungeheuer aus der Tiefe hinter dir mit scharfem Splittern, es wartet bis der Tag anbricht, erst wenn es hell wird, weicht das Dunkel, die Sonne taucht das Tal ins Licht, Ereignisse werfen Schatten auf das Wasser, unter der Oberfläche beginnt die Finsternis, sie reicht bis in die tiefsten Tiefen, bei Licht besehen erstrahlt der Berg, wird es dunkel, leuchten Laternen, Lichter der Stadt, wenn auch sie verlöschen, ist es dunkel, sind das Schlagen der Wellen, die Schreie zu hören, hell und dunkel wechseln in rascher Reihenfolge. Es ist still, dann wieder laut. Ist die Tür geschlossen, herrscht vollkommene Ruhe. Ist sie geöffnet, huschen Singvögel durch die Öffnung, greifen an mit spitzen Schnäbeln. Andere stürzen vom Himmel. Die Sonne hat ihnen die Flügel versenkt. Sinkend stürzen sie ins Wasser. Rasch verschließt du die Tür. Hinter dir, du blickst aus dem Fenster auf das Haus gegenüber. Die Bibeltexte von Johannes Schreiber im Brunnen, die Vögel schlagen mit den Flügeln, draußen tobt ein Unwetter, drinnen kämpfen Vögel gegeneinander, sie hacken sich das Gefieder blutig, von oben betrachtet verlieren sich die Blutspuren, nehmen die Farbe von schmutzigem Wasser an, schlagen Wellen und lösen sich auf, das Wellenpanorama lässt Kämme und Täler erkennen, Arme und Beine treiben im Wasser, ein Ausschnitt des Himmels ist voller Wolken, ein zweiter strahlend blau, Vögel schwirren durch die Lüfte, als sie sich im Spiegel sehen, fliegen sie dagegen, Glas splittert, auch zerbrochen lässt der Spiegel die Details noch erahnen, das Kinn, die Augen, die fliehende Stirn, die Fraktur der Gliedmaßen bricht sich an den Bruchlinien des Spiegels. Das linke Auge schreckensstarr, die rollenden Pupillen halb verdeckt, ein Menschenknäuel, das unter dir im Wasser treibt. Arme strecken sich nach dir, ziehen dich hinunter. Du verschwindest in der Masse der Ertrinkenden. Die feuchten Innenwände des Brunnens bieten keinen Halt. Keinerlei Vorsprünge oder Unebenheiten ermöglichen das Emporklettern zum Rand. Der Himmel über dem Brunnenloch erscheint als blaue Scheibe. Liegst du auf der Wiese, hörst du ein Rumoren aus dem Inneren des Brunnens. Das Rumoren wird zum Schreien, das schnell wieder vergeht. Dann herrscht Stille. In dieser Stille ist das leise Plätschern des Brunnenwassers deutlich zu vernehmen. Bienen bauen ein Nest auf dem Zaun, sie summen bis die Nacht anbricht. Aus dem offenen Nest fliegen Bienen über die Wasserfontäne hinweg, stürzen in den Schacht. Aus diesem Haus gibt es keinen drinnen, ganz egal, ob es offen steht oder alle Türen verriegelt sind. Auch wenn du weit weg bist, musst du daran denken, du kannst nicht hinaus. Die Innenwände sind zu glatt und zu feucht. Die Öffnung ist unerreichbar. In der Ferne ein Licht, das nicht größer wird. Rund um dieses Licht herrscht Finsternis, respektive nichts, wirklich nichts. Das Licht dehnt sich zum Strahl und blendet die Vögel, die zu Boden stürzen. Der Lichtstrahl wird schwächer, er lischt schließlich ganz. Tag und Nacht wechseln in immer rascher Reihenfolge. Die Nacht wird mit jedem Mal länger. Bald ist die Helle des Tages nur noch als Aufblinken wahrnehmbar. Die Wellen bewegter, das Wasser ist aufgewühlt. Es peitscht gegen die Ufer, die Körper versinken in den Fluten. Auch die Vögel verschwinden, das Heer löst sich auf, beim Blick in den Spiegel erscheint ein Bild, es tritt klar und deutlich hervor, seine Konturen verschwimmen, nicht deine Züge könnten angstverzerrt wirken, mit dem Spiegel verschwindest du, er ist in viele Teile zerborsten, einzelne Splitter schwimmen im Wasser, auch größere Teile, scharfe Kanten schneiden Fragmente aus Körpern, Splitter brechen und reflektieren die Strahlen einer Sonne am azurblauen Himmel. Das aufgewühlte Wasser wirft ein ganz anderes Licht zurück, bringt die Nacht zum Verschwinden. Schäumende Wellenkämme peitschen in kurzen Abständen gegen die Stahlträger der Brücke. Mit der Zeit werden die Träger von Rost befallen. Der Stahl wird brüchig. Marschiert das Heer über die Brücke, droht diese in sich zusammenzubrechen, es unter sich zu begraben. Keine Spur wird von ihm bleiben, nur Wasser und an den Ufern Sand und Steine. Dort werden Teile angespült. Die Teile formieren sich zu Zeichen und abdrücken im Sand. Ein Gestrandeter versucht sie zu deuten, er liest sie dir vor. Die Teile bestehen aus gläsernen Splittern, metallenen Brocken sowie Resten von Felsen. Der Mond geht auf, er faltet sich, dann kommt der Winter. Im dichten Schneetreiben ist die Brücke nicht mehr da, der Wasserspiegel vereist in der Kälte. Durch die dicker werdende Eisdecke sind die Körper kaum noch zu sehen. Auch die Öffnung des Brunnens ist zugefroren, das Rumoren dennoch zu vernehmen. Auch ein Pochen in das zugefrorene Brunnenloch. Dieses Pochen wird heftiger, beinahe bringt es die Eisschicht auf der Öffnung zum Bersten. Da hört es plötzlich auf, kein pochendes Geräusch mehr zu hören. Über allem Stille und der Mond, der das Haus und den Garten in fahles Licht taucht, das Haus und der Garten laden zum Danke, Sarah. in den Schacht, das Wasser ist schmutzig. Danke, Sarah. Einer kann sich nicht genau erinnern an den Tag, an dem er hier eingezogen ist. Willkommensbroschüre. Mit dem Einzug tauchen auch viele Fragen auf. Zum Beispiel die Frage, wie es weitergeht. Bei uns finden Sie Raum. Post-its Das Fenster Die Fensterbank Darauf die Minze Eine Untertasse gegen nasse Füße, der Nachttisch, darauf der Laptop, das Kabel, vorne am Stecker mehrfach geklebt. Für die Decke steigt er auf das Bett, wieder hinunter, der Boden, die Wand, die Wand, die Wand, die Wand. Außenwand und angrenzende Seitenwände, Beton-Hohlstein-Mauerwerk, Rückwand, gewöhnliches Ziegelmauerwerk. Zusammengerollt unter der Bettdecke kann er nicht schlafen Wind zwischen Platanenblättern Stimmen von unten aus dem Garten Pasto, Dari, Englisch, Farsi Pfeifen, dumpfe Bässe, Zigarettenrauch Von Stille kann hier keine Rede sein. Werbeprospekt für Badegästezimmer. Schwefelbäder mit aus neu gefasster Quelle sprudelndem Heilwasser. Gut für Linderung bei rheumatisch-gichtischen Beschwerden und anderen Zirkulationsstörungen. Weiters Massagen, Sonnenbäder, Milchmolkenkuren, zwei Operationssäle, eine Röntgeneinrichtung und eigens geschaffene Ruheräume. Ganzjährig geöffnet. Sie liegt im Bett. Kein Türknarren. Schritte einer Zimmerschwester durch den Raum mit enger Schnürung in Schleifen Von der Mitte nach außen, von der Mitte nach außen, von der Mitte nach Ein Notizbuch in der Schürzentasche Wenn sie sich vorbeugt, spürt sie seine Konturen durch den Stoff Anweisungen eines Primarius und einer Oberschwester, die gegen ihren Rippenrand stoßen. Ja nichts, auf, morgens leicht feucht aufwischen, ab. Auch unterm Bett in den Winkeln, Ecken. Hin. Morgens Leibschüsseln reinigen, desinfizieren. Her. Morgens den Inhalt der Nachttischschubladen überwachen. Morgens kurz Luft holen. Eine gelöste Haarsträhne. Flip. Wieder zurück unter die Haube. Flap. Sie schaut. die Zimmerschwester mit dem Rücken zum Fenster. Der Knoten ihrer Schürze berührt die Fensterbankkante. Neben der Wackelblume auf der Fensterbank eine Karte. Hier bist du gut aufgehoben. Morgens, mittags, abends am Fieberzettel eintragen. Atmung. Blick der Zimmerschwester zur gegenüberliegenden Seite. Auf die Uhr über dem Türrahmen. Kein Uhrenschlagen. Eine Minute lang das Heben und Senken, die Atemzüge der Patientinnen beobachten. Auf der Vorderseite der Karte eine Malerei. Erika Giovanna Klin, Diving Bird. Ja, nichts. Die Zimmerschwester schaut zur Sicherheit noch eine Minute. Gemaltes Flügelheben, Senken. Von rechts oben nach links unten. Jeder Moment des Abwärtsdrehens zugleich. Aufgefächert. Schnitt. Rundfunkprogramm. 8.30 Uhr, ohne Sorgen, jeder Morgen. 12 Uhr, Mittagskonzert. 13.15 Uhr, ohne Sorgen, jeder Morgen. 12 Uhr, Mittagskonzert. 13.15 Uhr, aus aller Herren Länder. 16 Uhr, Musik am Nachmittag. 19.10 Uhr, denn für Sorgen ist noch Morgenzeit. Schnitt. Morgens bleiben Lücken von Nicht-Aufregendem im Lokalblatt. Die Zimmerschwester streicht den Lesestoff glatt. Von der Mitte nach außen. Legt ihn den Patientinnen auf den Nachttisch. Schnippt. Er kann sich nicht erinnern, eingeschlafen zu sein. Er kann sich nicht erinnern, eingeschlafen zu sein. Das Bett, ein Krankenbett, die Aufrichthilfe oben mit Klebeband befestigt, damit er sich beim Aufstehen nicht den Kopf stößt. Der Teppich, ausgerollt in der Zimmermitte, rau unter seinen Fußsohlen. Hinter ihrem Fußende, eine Weile lang, liegt gerade nach vorn. Er trainiert. Nach links, vorwärts, Schnapptritt, Knie hoch, ziehen, anziehen, Rückwärtsschritt, Abwehr, Schulter leicht vor, Aufwärtskick, rechts einen halben Schritt vor, Richtung nichts. Wechsel, links zurück, blocken, Rundkick, zu weit links, rechte Hand an Tischkante. Dann ein quadratischer Tisch. Wasser, Apfelsaft, Multivitamin. Es schäumt, als die ehrenamtliche Helferin eine Schnabeltasse füllt. Eineinhalb Löffel Eindickungspulver hineinmischt. Acht Löffel Schaum. Danke, das reicht. Immer ein wenig außerhalb, nie ganz klar, was damit anfangen. Angefangen mit schleppendem Betrieb, Verwaltungswechsel, ein neuer Abschnitt. Man wolle positiv in die Zukunft schauen. Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Influss 4 unter Verwendung von Motiven von Edgar Allen Poe und Bradyston Ellis. Zum Wohl. Die junge Frau dort in der Ecke prostet ihren Begleitern zu. Das flackernde Licht wirft seinen Schein auf Gesicht, Schmuck und Kleid. Die bernsteinfarbene Kette reflektiert den blauen Lichtschein. Einer der Männer trinkt sein Glas in hastigen Zügen leer. Ein zweiter zerrt an der Kette der Frau. In der Tür zum Nebenraum steht der Gastgeber. Er trägt einen Frack aus reiner Seide. Er steht allein und spricht kein Wort. Die Pendeluhr schlägt die volle Stunde. Die Kapelle wechselt abrupt den Takt, eine Besucherin läuft mit ihrer Freundin ins nächste Zimmer, einer der Tänzer schleift seine Partnerin von der Tanzfläche, ihre Augen glänzen fiebrig, im purpurroten Schein, in den der ganze Raum getaucht ist. Ein anderer starrt sie an, der erste packt den anderen am Kragen, auch im angrenzenden Zimmer wird getanzt, Menschen werfen ihre Oberkörper gegeneinander und zeigen einander die Zungen, der da schleift seine Begleiterin durch den Raum, sie reißt sich los und schlingt die Arme um den Hals eines Bekannten, der trägt weiße Schuhe und eine Hose mit scharfer Bügelfalte. Der Gastgeber hustet. Es ist heiß und dunstig. Die Fenster beschlagen sich. Ein sattes Grün zeigen die Scheiben in diesem Zimmer. Die Flammen im Becken vor dem Fenster züngeln hoch. Zwei der tanzenden Frauen klatschen heftig in die Hände. Die treibenden Rhythmen stacheln Tänzerinnen und Tänzer zu immer heftigeren Bewegungen an. Jemand stolpert, ohne dass die anderen es bemerken. In dem Zimmer ruhen sich Gäste aus. Sie sitzen auf gepolsterten Bänken entlang der Wand, gegenüber dem Fenster aus orange getöntem Glas. Sie wirken erschöpft und riechen nach Schweiß. Sie beginnen, einander anzurempeln. Ein Bediensteter in Livret kommt mit einem Tablett voller Getränke. Der da sucht seine Begleiterin. Sie sitzt allein in einer Ecke und isst ein Sandwich. Soße quillt ihr aus dem Mund. Trönende Bässe sind aus dem grünen Raum zu hören. Hier ist das Parkett mit Splittern übersät. Zwei jüngere Männer mit Pomade verklebten Haaren, unterhalten sich über ihre Patenrinnen, diese stehen abseits und rauchen Zigaretten, die eine zeigt der anderen einen Riss an der Decke, ein Fremder nähert sich von hinten, die beiden Frauen schenken dem Fremden keine Beachtung, seine Jacke ist zerknittert, das Licht in dem Zimmer westlich von diesen ist von einem gleißenden Weiß. Alles ist überdeutlich zu erkennen. Einer fängt Streit mit dem Nebenmann an. Er beschimpft ihn für die Umstehenden kaum hörbar. Der Bursche ballt drohend die Fäuste. Der andere weicht zurück. Beide tragen schmal geschnittene Jacketts und kurzgeschorene Haare. Die Begleiterin eines der beiden nimmt den anderen am Arm und lässt den Partner stehen. Das Pendel der Standuhr schlägt mehrere Male. Zwei Frauen gehen eng umschlungen vorbei, ihre Gesichter sind aufgedunsen, sie tragen kurze Röcke mit Karomuster, sie gehen in das orange Zimmer und setzen sich zu den Rastenden. Ein Mann kaut zusammengesunken in einer Ecke, Speichel rinnt ihm aus den Mundwinkeln, er fällt von über und schlägt mit dem Kopf auf den Boden. Das linke Schuhband ist offen, die Flammen in den Becken scheinen einen Moment lang auszugehen. Zwei beleibte ältere Männer prusten vor Lachen, sie zeigen mit den Fingern auf ein Mädchen ein Kleid aus hellblauer Seide. Das Mädchen trägt sich nach den Männern um, seine Augen sind tränengerötet, die beiden verstummen, um gleich darauf erneut loszulachen. Das Licht im weißen Zimmer ist noch gleißender geworden. Das Mädchen im blauen Kleid öffnet seine Tasche und entnimmt eine Pillendose. Sie ist aus reinem Silber mit Goldapplikationen verziert. Es schluckt eine Pille und beginnt leise zu röcheln. Der Gastgeber schlendert durch die Räume. Zwei Paare stehen neben dem Fenster im weißen Lichtschein. Glänzen die fettigen Haare der Männer. Ihre Gattinnen scheinen betrunken zu sein. Aus den Nebenräumen tönt Gesang. Grölende Stimmen mischen sich darunter. Die beiden Paare gehen in den nächsten Raum. Hier spielt eine Kapelle in kleiner Besetzung. Nur wenige Gäste tanzen zu der getragenen Melodie. Eng umschlungen bewegen sich die Tanzpaare im Kreis im violetten Dämmerlicht. Sind sie nur schemenhaft auszumachen? Die Schatten der Tänzer flackern an den Wänden in der Ecke. Neben dem Fenster, das auf den Rundgang hinausführt, steht eine Gestalt im Lederdress, zum Leder trägt sie eine dunkelgrüne Federboa sowie schwarze Handschuhe, beim dröhnenden Schlagen der Pendeluhr halten Kapelle und Tänzer kurz inne, die Federboa stampft mit dem Fuß auf den Boden und flucht, ohne dass jemand Notiz davon nimmt, eine Gruppe junger Mädchen streift im Vorbeigehen den Gastgeber. Sein Glas fällt zu Boden. Die Mädchen kichern, werfen eines nach dem anderen ihre vollen Gläser gegen die Wand und laufen ins weiße Zimmer. Beide tragen schmal geschnittene Kleider aus rotem Samt. Sie stoßen zwei Männer zurück, die sie zum Tanz auffordern. Diese schwingen die Fäuste und beschimpfen die Mädchen. Schweiß läuft ihnen übers Gesicht. Die Kapelle wechselt das Tempo. ein anderes Mädchen blutet aus der Stirn, das Blut beginnt zu Boden zu tropfen, zwei weitere schnupfen weißes Pulver, sie sitzen auf dem Holzparkett und starren auf einem Punkt in weiter Ferne, ein Mann tritt einem auf den Boden liegenden auf den Schädel, das dünne Rins als Speichel aus seinem Mund wird zur Pfütze, welche im orange getönten Zimmerlicht glitzert. Auf den Bänken an der Wand sitzen Betrunkene, dicht aneinander gedrängt. Einer erbricht seine Nachbarin auf die Bluse, diese schlägt ihm ins Gesicht. Im grünen Zimmer werfen die Tanzenden die Arme in die Höhe. Frauen und Männer mit nackten Oberkörpern fassen sich an den Hüften und stoßen einander zurück. Jemand ergreift die Flucht, er läuft ins Nebenzimmer und stößt dabei eine Frau zur Seite. Diese schwankt und stürzt. Der Mann trommelt mit den Fäusten in die Luft. Das purpurrote Licht lässt seine Gesichtsfarbe noch wechselnder aussehen. Eine junge Frau geht auf ihn zu und beginnt ihn zu schlagen. Er zerrt so lange an der Halskette der Angreiferin, bis diese zerreißt. Der Gastgeber trinkt mehrmals aus seinem Glas. Eine Gruppe von Gästen wirft die Gläser hinter sich. Einer der Dahinterstehenden trifft ein Glas mitten auf die Stirn. Er beginnt zu schwanken. Aus der klaffenden Wunde fließt Blut über Nase und Mund. Der Verwundete taumelt ins grüne Zimmer, ein Mädchen schlägt ihm auf die Brust, es schreit, als es das Blut bemerkt, das macht den Boden klebrig, der da sucht den Gastgeber, die junge Frau sammelt die Glieder der zerrissenen Kette auf, einige Steine sind zertreten, andere weisen Sprünge auf, sie kriecht zwischen den Tanzenden hindurch, zwei von ihnen stolpern über sie, ein Tänzer rutscht auf einer Perle aus, die meisten der Angetrunkenen auf den Ruhebänken scheinen zu schlafen, ihre Köpfe hängen vornüber, Erbrochenes verschmutzt den Boden, eine Sängerin singt vor dem Fenster ein Lied, durch das orange Glas erhellen die Flammen, ihr Gesicht, ihre Stirn ist von Falten durchzogen, Sie trägt eine blassgrüne Kombination und weiße Sportschuhe. Ihr Gesang weckt zwei der Schläfer. Einer der beiden nimmt einen Zug aus der Flasche. Das Flammenlicht erlischt für kurze Zeit. Die Sängerin verstummt. Unter einer der Bänke liegt ein Mann. Er ist an Erbrochenem erstickt. Die Kapelle im Nebenraum intoniert einen Walzer, eine große Anzahl Paare tanzt auf dem Parkett, mehrmals wechseln die Musiker das Tempo, alle tragen schwarze Anzüge bis auf den einen, im gleißenden Weiß, sind an den Wänden Flecken, auch Spritzer von Blut und Mauerrisse deutlich erkennbar. Trotz der violett getönten Scheiben erleuchten die Flammen im Becken im benachbarten Raum taghell. Der Holzboden weist Schlieren auf von verschüttetem Wein und Erbrochenem auf. Die Luft ist stickig, der Gastgeber öffnet die Flügeltür zum westlichsten Zimmer, die Pendeluhr schlägt die nächste Stunde, die Musiker wechseln mehrmals den Takt, eine große Anzahl Menschen drängt in den Raum, einige kommen zu Fall und werden von den Nachdrängenden überrannt. Die Mitglieder des Orchesters nehmen auf dem Podium Platz. Der Klarinetist erleidet einen Schwächeanfall. Der da nimmt dessen Instrument und schlägt es ohne zu zögern kaputt. Er schnupft weißes Pulver von der rechten Handfläche seiner Begleiterin. Alle paar Minuten spuckt sie Schleimbatzen auf das Parkett. Plötzlich kniet sie nieder und beginnt den Schleim mit der Zunge aufzulecken. Der da schlägt den Klarinettisten ins Gesicht. Die übrigen Musiker spielen ohnehin weiter. Immer mehr Menschen drängen auf die Tanzfläche. Sie stoßen einander die Ellbogen in die Hüften. Instrumentalisten und Tänzer erbleichen. Viele sinken zu Boden. Die Gesichter fahl im roten Licht. Die Wände sind mit schwarzem Samt ausgekleidet, zwei Raucher bohren mit ihren Zigarren Brandlöcher in den Samt, der Gastgeber will die Männer daran hindern, sie fassen ihn an den Armen und drücken ihn gegen die Wand, sie halten ihn fest und spucken ihn an, beide tragen zweireihige Anzüge und weiße Hemden mit Stehkragen, Schleim und Speichel besudeln Kragen und Revers, schließlich sinken auch die Raucher nieder, in jeder Ecke des Raumes liegen Menschen, dessen das Begleiterin tanzt mit einem Fremden, er küsst sie auf den Mund, der da zerrt sie an den Haaren von ihm weg, der Fremde zückt einen Dolch und stürzt sich auf den da, die Begleiterin ermuntert die verbliebenen Musiker weiter zu spielen, der Fremde will dem da den Dolch in die Brust stoßen und trifft den Gastgeber. Der da sammelt die Teile der kaputten Klarinette auf. Die Tanzfläche hat sich geleert. Der Fremde tanzt mit dessen da's Begleiterin einen Walzer, welchen der Geige jetzt anstimmt. So ganz allein hat seine Geige einen wehmütigen Klang. Der Klang der Geige wird übertönt, umschlagen der Pendeluhr in im tiefen vollen dröhnen aus dem inneren des im hölzernen uhrenkastens Sie liegt im Bett. Schritte einer Zimmerschwester, die sich entfernen. Das Handy vibriert. Eine Erinnerung. Heute Minze gießen. Er liegt im Bett. Schritte der Enkelin zu laut auf Eichenparkett. Das Zimmer vibriert. An Tagen mit schwerem Kraftfahrzeugverkehr Richtung Stadt. Schneller werdendes Auf-Ab-Hinher der Wackelblumenblätter. Schönen guten Morgen zu einem Nachrichtenupdate. Wir melden uns bei Ihnen mit. Geflüster. Heute sehr unruhig. Schönen Mittag und Mahlzeit, wir berichten live. Verirrt, noch einmal zurück. Schönen Nachmittag aus unserem Newsroom mit diesen Themen. Hinters Kopfende. Aus in die Kindheit. Heute nach Haus. Aus Siedlung. Kaum darüber ge... Guten Abend und herzlich willkommen und nun zum Das Wetter. Schnitt. Meteorologische Beobachtungen der Untersuchungsstation. Zwei Uhr nachmittags heiter, neun Uhr abends wolkig, sieben Uhr früh wolkig tau. Neun Uhr abends wolkig, sieben Uhr früh wolkig tau. Feinster Sprühnebel des Duftspenders im Regal über ihrem Kopfende. Alles feucht, die Fensterscheiben beschlagen von innen. Zeit durchzulüften. Schritte der Zimmerschwester mitten durch den Raum, alle Fensterflügel auf, ausbreiten. Luftwechsel. Durchschnittliche Strömungsrate 0,16 Meter pro Sekunde. Seit sie hier ist, hat sie das Gefühl, dass es rauschen. Nicht klar war es Wind zwischen Platanenblättern, war es nicht, dass es hereinregnet. Die Zimmerschwester spannt den Bettschirm auf, damit die Patientinnen ja nicht im scharfen Luftzug der Laptop-Lüftung wehen des Vorhangstoffs. Von der Mitte nach außen, von der Mitte nach außen, von der Mitte nach außen, von der Mitte nach außen, von der Mitte nach. Als ob da jemand. Hallo? Hallo? Ein Knall. Zufall der Fensterflügel. Er kann sich nicht erinnern, das Fenster aufgemacht zu haben. Hallo? Besuchszeit. Freistunde Riecht nach Feigenkaffee Vom Schwesternzimmer am anderen Ende des Gangs Ein Kind klopft an alle Türen Hallo Hallo? Rauhaarig, kugelig in der Kinderhand, von unten aus dem Garten. Das Kind legt der Mutter eine Platanenfrucht auf die Decke, auf den höchsten Punkt. Dünngraue Linien der Bettwäsche, Zeilen, die steigen wie der Fallen, wo sich die Decke über ihrem Bauch wölbt. Positionswechsel. Sie liegt im Bett. Sie liegt im Bett. Ruhe hinter dem Vorhang. Der Buntstift fest in der Kinderhand, orange. Jetzt auch die Wand. Wellenlinie steigt, fällt, steigt, steigt, überschlägt sich. Ein Stuhl, neben das Fenster geschoben. Das Holz der Sitzfläche knarrt, als er hinaufsteigt, sich streckt. Bist du schon wieder da dahinter? Erst auf Zehenspitzen löst er oben den Vorhangstoff. Feld. Buntstift zu Boden. OW. Die Spitze abgebrochen. Das Kind stellt sich vor, orange an den Vaterschuhen. Seine Schritte die Wellenlinien auf den boden zeichnen von hinterm vorhang zum bett um das bett zum fenster zum schrank zum bett zur tür zum bett nach einer zeit ein orange buntstift bodensee das kind wartet hindurch. Plitsch, platsch. An der Wand neben dem Fenster beginnt bei ihr das Schilf. Rostfarbene Halme. Sie reichen einem Pfleger bis leicht über die Knie. Wo der Vorhang war, die Wand an einer Stelle leicht über seinen Knien übermalt. Weiß. Leicht durchscheinend. Orange. Positionswechsel Sie liegt im Bett Auf einem A Ja Ihre Schulterblätter auf der Spitze Ein Ziehen der Schenkel Richtung Hüfte Einen Vokal auf die Zunge wie in einem Gästebett legen, sagt eine Atemtherapeutin Mehr in den Ausatem, in die Pause gehen Sich lösende Vokabelpost-its. Sein Mitbewohner hebt sie vom Boden auf, klebt sie, ohne zu lesen, im Zimmer wieder an die nächste Stelle. Auszug aus der Übersicht der Eintragungen in die Bauakte des Hauses. Einbau, Umbau, Umbau und Sanierung. Die Wand jetzt, die Uhr. Der Schrank jetzt, der Tisch. Er öffnet seine Tischhälfte. Der Boden. Er kann sich nicht erinnern, wo er ihn hingelegt hat. Er klappt die Decke auf. Die Minze, vorne mehrfach geklebt. Er geht unter ihm die Tür. Kein Türknarren. Zusammengerollt im Nachttisch liegend, schaut er hinauf. Über ihm der Vorhang. Bist du schon wieder da dahinter? Das Bett bekommt nasse Füße. Einbau, Umbau, Umbau und teilweise Änderung der Verwendung. Er dreht an den Wandzeigern. Danke, das reicht. Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus In Fluss 10 unter Verwendung von Textpassagen Adalbert Stifters Die Donau hält bewundernd in ihrem Lauf an und teilt in breite Hälften den weiten Länderstrich. Bald zwängt sie sich durch Felsen, still zu schauen Die Steinwand schaut festig flimmernd nieder Der Ahorn lässt Zeit um Zeit ein Blatt fallen Sehr dicke Stämme Dort zirpt die Herbstheuschrecke Die sanfte Luft vermag nicht jene glänzenden Fäden zu zerreißen Und die Wärme des Nachmittages sinkt zitternd längs dem grauen Gesteine nieder Das Zittern der anbrütenden Lenz Wärme des Nachmittages sinkt zitternd längs dem grauen Gesteine nieder. Das Zittern der anbrütenden Lenzwärme, bald schmiegen sich die Wellen wie lebend an die Auen, eine Wiese, hinter der Wiese Felder, die verstärkte Donau von Wasser durchrauscht, geht in der Richtung zwischen Morgen und Mittag fort, ein Wäldchen hinein, ein Wäldchen hinaus und hat an ihrem Gestaden vorzüglich an ihrem Mitternächtigen starke waldige Berge, welche bis an das Wasser reichende Ausgänge des böhmischen Waldes sehr dicke Stämme sind. Mitternachtwärts, sich vielfach windend, manche junge Buchenstände, manch zerrissener Baumstamm oder die Waldwiesen mit dem sanften Sonnengrün der Ferne, der alte Ahorn von klaren und kühleren Lüften durchweht, steht einsam und greift langarmig in die Luft, lässt Zeit um Zeit ein Blatt fallen, von der Gegend hier steigt das Land staffelartig gegen jenen Wald empor. Es besteht aus vielen Berghalten, langgestreckten Rücken, manchen tiefen Rinnen und Kesseln. An dem oberen Rande eine Felswand und zu ihren Füßen ein finsterer See. Zwischen Felsen und Wäldern, wie in einer Höhle, unten liegt der Wald. Fast inein schmiegen sich die Wellen wie lebend an die Auen. liegt der Wald, fast inein schmiegen sich die Wellen wie lebend an die Auen, eine Wiese, hinter der Wiese Felder, nichts Lebendiges zwischen Morgen und Mittag. Das Ufer an der Wand von herabgestürzten Bäumen gesäumt und obwohl es zum größten Teile mit Wiesen bedeckt ist, so gehört es doch dem Hauptwalde an, es ist je höher hinauf, immer mehr mit den Bäumen des Waldes geziert, ein Wäldchen hinein, ein Wäldchen hinaus, sehr dicke Stämme. Das Grün des Laubes und das beginnende Rot ist immer mehr von reinem Granitwasser durchrauscht und von klaren, kühleren Lüften durchweht. dazwischen die reifenden Kornfelder. Dieser auch jetzt noch große Wald hat in seinen Niederungen vor, nämlich die Buche, höher hinauf das Reich der Tanne und des ganzen Geschlechtes der Nadelhölzer und endlich auf dem Grate der Berge, auch oft Knieholz, einen langen Berg hinan, dann eben, dann einen Berg hinab, eine Lehne empor, eine Lehne hinunter, von Wasser durchrauscht, dazwischen die bereits reifenden Kornfelder auf dem Boden, welcher feucht, wenig Licht und teils Steine, teils Untergestrüppe, teils grüne Schattenpflanzen. Ein Wäldchen hinein, ein Wäldchen hinaus, die Häuser in Unordnung zerstreut und der Grund ungleich Nadelhölzer, sehr dicke Stämme von Tannen, grüne Schattenpflanzen und Büsche, Beeren und Ranken gleichsam abseits und zurück in die Winkel gedrängt. Sich vielfach windend und biegend um den tiefer hängenden Ästen und dem dichteren Stande der Bäume auszuweichen. Viele Obstbäume stehen hier, nur der Waldkirschbaum ragt empor, der Ahorn lässt Zeit um Zeit ein Blatt fallen, dort steht er vereinzelt in einer Gestalt, die in manchen Teilen zerstückt, eine Wiese, hinter der Wiese, Felder von klaren und kühleren Lüften durchweht und dann ein großes weißes Haus. Dort zirpt die Herbstheuschrecke zwischen Morgen und Mittag, hinter dem Hause steigt der Wald empor und ein breites, mächtiges Band, in sehr schöner Bildung die Eberesche bei vielen Häusern und mischt das Grün ihres Laubes und das beginnende Rot ihrer Trauben, das Grün und das Rot zu dem Grau der Dächer, das Zittern der anbrütenden Lenzwärme über den noch schwarzen Feldern, die vielzweigigen Augen der Himbeer- und Brombeergesträuche, die schönen grünen Streifen der Wintersaat von Wasser durchrauscht, dazwischen die bereits reifenden Kornfelder, eine Wiese hinter der Wiese Felder und endlich geschlossen von einem rechts in das Firmament ablaufenden Duftsaume, wie eine glänzende Wüste, zieht der heitere Himmel sich vielfach windend hinaus über alle Wälder weg, die wie riesenbreite, dunkle, blähende Wogen von klaren und kühleren Lüften durchweht, liegen nur im äußersten Gesichtskreise, gesäumt von einem Hauche eines fahlen Streifens, das Wirrsal der randenden Schlinkkräuter von Wasser durchrauscht, um dort zu vermodern oder auch öfters zwischen manneshohen Farbenkräutern oder Himbeergesträuchen, Himbeer- und Brombeergesträuchen, die schönen grünen Streifen, Die schönen grünen Streifen, dazwischen die bereits reifenden Kornfelder, eine Wiese, hinter der Wiese Felder, oft mit Beeren bedeckt, von Ferne zu sehen, sehr dicke Stämme, als hätte man ein rotes Tuch über sie gebreitet, der geliebte kleine Würfel wie ein blauer Punkt, wie glänzend sind die Triften im reichen Niederland umzirkt von frischem Waldbestand, ein Wäldchen hinein, ein Wäldchen hinaus, eine Wiese, hinter der Wiese Felder und dann in grünen Fluten wallen vom Norden die Gewässer, wie sind sie goldig-braun, das Reich der Tanne und des ganzen Geschlechtes der Nadelhölzer, eine Wiese, hinter der Wiese Felder, sehr dicke Stämme von Tannen, von Wasser durchrauscht. Felder, sehr dicke Stämme, von Tannen, von Wasser durchrauscht. Von diesen Stämmen ist mancher aus Alter gefallen oder von Blitze zerstört, zieht der heitere Himmel hinaus über alle Wälder, eine Wiese, Felder hinter der Wiese, die Wiese von Gestrippe und Steinen gereinigt, der Pfad geordnet und so breit. Immer entlang dem Waldbache, aber seinen Wassern entgegen, manch zerrissener Baumstamm, die vielzweigigen Augen, die vielzweigige Erle geht am Wasser hin, die leichte Buche mit den schönfarbigen Schaften, die feste Eiche, die schwanken Halme der Fichten stehen gesellig und plaudern bei gelegentlichen Windhauchen, die schönen grünen Streifen, die Espe rührt hierbei gleich alle ihre Blätter, dass ein Gezitter von Grün und Silber wird, das die Länge lang nicht auszutaumeln und auszuschwingen vermag. Die Tannen wollen erhabene Säulengänge bilden. Die Häuser in Unordnung zerstreut, dann eben, dann einen Berg hinauf, eine Lehne empor, das Raum bleibe, der Boden fängt an, sehr merklich empor zu steigen, sehr dicke Stämme. Berge der drei Sessel und im Blöckensteine, die höchste Stelle und dem dichtesten und an mehreren Orten undurchdringlichen Waldstand erreicht, nicht der Berghöhe, sondern der kalten Winde wegen, die gerne und frei hier herrschen, von klaren und kühleren Lüften durchweht, die rötlich-fahlen Wälder, die an den Bergen hinanziehen, eine Wiese hinter der Wiese Felder von reinem Granitwasser durchrauscht, Himbeer- und Brombeergesträuche mit dem sanften blauen Lufthauch, darüber die vielzweigigen Augen und überall auf der farblosen Erde das Land, das Raumbleibe, heben sich sanft der blauen Waldwand entgegen, Forste über Hügel und Täler gebreitet, dicke Stämme hinausgehend bis zur feinsten Linie des Gesichtskreises, die rechts und links sich dehnenden Waldrücken und ihre Täler, das Reich der Tanne und des ganzen Geschlechtes der Nadelhölzer, alles in wehmütig feierlichen Nachttagsdufte, schwimmend getaucht in jenen sanftblauen Waldhauch, den Verkünder heiterer Tage. Dankeschön. Vielen Dank, Sauer Rinderer und Robert Stehr. Sauer Rinderer hat geendet mit Das reicht, aber es reicht noch nicht. Wir gehen in eine Pause und um 19.45 Uhr geht es hier weiter mit Nina Thehmann und anschließend Andrea Winkler. Genießen Sie was zu trinken im Literaturcafé oder gehen Sie an die frische Luft raus, es ist ziemlich warm. Es soll gesund sein bevor wir jetzt die erste ausgabe dieses Festivals beschließen mit den Lesungen von Nina Thehmann und Andrea Winkler, möchte ich auch noch einmal die Gelegenheit nutzen, mich bei allen beteiligten Autorinnen und insbesondere bei den Mitarbeiterinnen des Stifterhaus zu bedanken, die durch ihr Engagement dieses Festival überhaupt erst möglich gemacht haben. Ganz herzlichen Dank dafür. Ich komme noch mal auf etwas zurück, was ich ganz zu Beginn des Festivals auch schon einmal angesprochen habe, nämlich auf die Rolle des Körpers im Zusammenhang mit der Literatur. Wenn Sie die Lesungen der letzten Tage verfolgt haben und auch in den beiden Lesungen, die diesem Lesungsblock vorangestellt haben, war das ja noch mal nachzuvollziehen. Dann haben Sie sicherlich auch bemerkt, dass der Körper eine prominente Rolle spielt in der Gegenwartsliteratur, auch in der sogenannten avantgardistischen Literatur. Einerseits wiederum als Motiv, als Thema. Andererseits ist der Körper natürlich auch ein wichtiger Ermöglichungsgrund für das Bereitstellen, für das Produzieren und Verfertigen von Literatur. Und wenn ich von Bereitstellen spreche, dann meine ich damit auch die Rezeption von Literatur. Wir brauchen unsere Sinne, um die Literatur wahrzunehmen. Und die Qualität der unterschiedlichen Darbietungen schien mir auch darin zu bestehen, dass unterschiedliche Sinne jeweils angesprochen wurden, dass es sich manchmal tatsächlich auf das Hören konzentriert hat. Andererseits gab es aber auch immer wieder Gesten, visuelle Elemente, die die Vorträge begleitet haben, musikalische Elemente, auch wenn man an den ersten Lesungstag zurückdenkt, die die Lesungen flankiert haben, die aber vor allen Dingen auch das, was wir als literarischen Text wahrnehmen, noch einmal in einen anderen Zusammenhang gerückt haben. Ich habe ja vor der ersten Hälfte auch gesprochen über Autorinnen als Erfinderinnen und Entdeckerinnen. Was damit auch angesprochen ist, ist natürlich einmal mehr die Rolle des Körpers, die ich gerade schon versucht habe zu skizzieren. Also man kann sagen, auch die Erinnerung daran, dass Literatur von Menschen gemacht ist, dass sie aber vor allen Dingen auch von anderen Menschen wahrgenommen wird. Und wenn man nochmal an die Welt denkt und an das Entdecken und Beschreiben und Erschließen von Welt, kann man natürlich auch sagen, dass die Welt von Körpern, von Dingen, aber eben auch von belebten Dingen bevölkert ist. Von Dingen, die also nicht ausschließlich aus Sprache gemacht sind, die erst in die Sprache überführt werden müssen. Und bei dieser Überführung in die Sprache, bei den unterschiedlichen Verfahren, die die Autorinnen, die wir jetzt erleben konnten in den letzten drei Tagen, dabei zur Hand haben und gebrauchen, geht natürlich immer etwas verloren. Aber es ist damit, so meine ich, auch das Versprechen verbunden, etwas hinzuzugewinnen, eine neue Perspektive darauf, was Sprache kann, darauf, was diese Körper in der Welt zu schaffen haben. Und was damit auch noch angesprochen ist, und damit komme ich auf die beiden Lesenden noch mal kurz zu sprechen, ist die Beziehung, die Körper mit anderen Körpern unterhalten. Dass wir also nicht allein sind in der Welt, dass wir immer bezogen sind auf andere Menschen. Und man kann vielleicht mit Blick auf Nina Thehmann und Andrea Winkler ergänzen, nicht nur auf andere Menschen, sondern auch auf andere nichtmenschliche Akteurinnen, die ihre Rolle spielen in dieser Literatur auf jeweils eigene Weise, die auf unterschiedliche Weise inszeniert werden in diesen Texten. Texte, die nicht zuletzt auch davon handeln, was es bedeutet, zu denken, zu schreiben, was es bedeutet, auch im literarischen Zusammenhang zu denken und Gedanken zu verfertigen. Und das Besondere daran ist, dass uns die beiden Autorinnen auf ihre eigene Art auch am Nachvollzug des Denkens Anteil nehmen lassen. Soll heißen, wir können auch besser verstehen, wie wir selbst zu unseren Gedanken gelangen und was diese Gedanken vielleicht auch mit anderen verbindet. Es ist also auch eine Einladung, in Beziehung zu anderen zu treten durch die Lektüre ihrer Texte. Bitte Nina Thiemann, vielen Dank. Hallo, danke schön. Danke für die Einladung und auch für die Texte gerade schon im ersten Block. Wie es natürlich auch immer so ist, wenn man weiß selber, dass danach die eigenen Texte gelesen werden, stellen sich schon ganz viele Querverbindungen her. genau, deswegen freue ich mich, dass ich da jetzt irgendwie mehr oder weniger direkt anschließen kann. Nachmittag Der Wind hat kein offenes Ohr, keinen Mund und ist windig. Schlag meinen Blick nicht, schleife mein Dickicht, klaube die Gruben und schleiche den Waldweg entlang. Immer friedlich. Der Kiebitz lugt im Geäst und fragt nie. Es stört nicht. Die Dolden gondeln den Nachmittag ein, ganz fragloses Plappern, Zunge mit Überschlag. Pappeln, pappeln, fragen die Dolden, goldener, süßer Duft. Bloß so wie Überschlag liegen, den uralten Nachmittag über und üppige Luft, offener, schlummer Fangmund. Dolden lindern Zungen. Ich frage, wann endlich im Blütenkopf ich die eigene weiß. Kiebitz lugt mit dem Nachmittagslicht. Ich meine niemanden, ich blätter Dach, schimmern Reden Nachmittag, ganz ein Denken, das Goldener schließlich spät. Große Schiffe Einmal zähle ich zwölf Kaninchen am Kehl. zähle ich zwölf Kaninchen am Kehl. Mir auf der Ferse. Lauf, lauf, dieser Ansporn am Kehl. Kaninchen. Unten große Schiffe. Oben rasenwarmes Kissen. Nachts das Plakat. Mondlicht und Großdruck. Riesen-Kaninchen. Mit Rose im Maul. Dornen im Lauf, auf meiner Stirn Schweiß, Schweiß, Promenade im Fuß, also muss, also rennen, Meter lang rennen und Riesenkaninchen mit Rose am Rande, klatscht mit den Lippen. Meine Bauchhaut, warmes Kissen, Plakat bei Nacht etc. Zu meinen Füßen Versalien als rasende Mäuler. Los, los, ziehen, treiben, Mut in den Beinen, Promenade im Fuß, große Schiffe mit Rosen im Schnabel, mit Post, großgeschriebener Hase, was eigentlich Riesenkaninchen. Kopfschütteln, Gras am Strand, Rosen in allen Mündern. Zähle zwölf Schiffe am Hafen, riesig zu meinen Füßen. Rosen im Munde, Rendumimose, Reusen im Mond und miese Norm und nie Sommer, Dorneisummen. In meinem Nacken, so ist es, wieder, ich zähle, immer noch zwölf. Tiere halten. Kuhle als Schaukel. Hände als Hohles. Zu Trage oder Schaukel geformt zu c geformt einzelne hand daumen und zeigefinger zu geformt zu brunnen zu kuhle hohle kuhle halten einzeln geformte Trage, einzelnes O, einzelner kleiner geformter Stein zu C geformte kleine Hand, Hände geformt als Schaukel. Hand, Hand, Hände als Trage zu Kuhle oder C geformt, beide geformt, mit Zeigefinger und Daumen Raum halten, O halten, Kuhle geformt, Kuhle beide Hände, O Tiere. geformt halten, hohle Hände, zwei Hände als einzelne kleine Brunnen, einzelne Zeigefinger, Hand, Hand, ausgehöhlte, schwingende Finger, Zeigefinger, Daumen und weitere Finger, eine Hand und Sand mit beidenchern beide, kleiner Stein zwischen Zeigefingern. Ein Finger ist zu Kranz geformt, ein Arm ist zu Hand geformt, ein Arm ist zu hohlem Stein geformt, beide Arme schwingen zwischen Daumen und Zeige, beide Hände als Steingrube, als kleiner Bach. beide Hände als Steingrube, als kleiner Bach. Zwei Eimer in einer Hand, zwei Hände, zwei Hände, das Tier ist eigen. Der Sand der Donau. Fasane. Rehe im Pappellicht. Haushohe Pappeln. Rehe im Pappelhain. Betrachte diesen Gedanken. Rasende Sonne. Schrittweises Hinausspazieren. Betrachten, bis der Tag wirklich finstert. Die Luft ist wirklich durchsichtig. Keine Angst vor den Tieren. Haus hoch fliegen Fasane. Es sitzt ein Fasan auf dem Dach. Sitzt mir ein Fasan auf der Brust? Keine Angst. Fasan im Hauslicht. Meine rasende Brust im pappellosen Haus, die schrittweise Nacht. Aber schlaf, aber schlaf, Reh auf der Hand im Handlicht, betrachte, betrachte. Ich lese noch ein Tiergedicht. Obwohl es eigentlich... Also die Tiere tauchen immer auf, aber das heißt ja nicht auch, dass es dann auch immer um die Tiere geht. Fuchs auf Parkbank. Rote Iris. Rot geschöpft. Sitzt Zunge rot, leckt sich die Pfoten. Sitzt auf Bank, Fuchs macht sich lang in Sonne. Sonne schwindet. Fuchs geht Parkweg hin und ab. Vor Sonne schwindet. Fuchs geht Parkweg hin und ab. Vor Sonne schwindet Rot vom Fuchs. Als nächstes, nachdem das jetzt alles eher so einzelne Gedichte waren, würde ich jetzt einen Zyklus lesen. Und zwar heißt der so wie mein Buch, O Augen, eigene Oper. Genau, deswegen trinke ich jetzt noch schnell einen Schluck Wasser. knallen. Prall und rot, dass meine Augen stocken. Meine Mundwinkel zucken, die Zunge. Wasser rinnt aus Geranien, aus ihren Töpfen. Rind an Hauses Außenseite. Geranien sind Zucht und Zier. In aller Augen stecken sie die sauberen Schnäbel. Aller Augen recken sich ihnen zu. Wasser rinnt aus Geranien, an Hauses Außenseite auf meine Zunge zu. Die saugt alles auf. Auch meine Zunge ist rot, ist maßlos wie Schwämme. Sie streckt sich wie Gier nach der Welt. Verschluckst du dich, Zunge, flutet mein Mund. Los, Mund, spuck aus. Rot prall an Hauses Augen. Rot prall an Hauses Augen. Und dann kommt sie doch durch. Die Silbersonne. Mit Drama, das an Oper erinnert. In der Hauptrolle immer dieselbe Besetzung. Boden, Himmel, ich mittendrin. Irgendwas immer in meiner Hand. Beispiel, bunte Perle. Dürres, kränkliches Pflänzchen. Die eigenen Augen. Oh, dramatische Augen. Meine rot-rosa Schauaugen. Augen erinnern mich immer. Oder hier, handgewaschene rot-rosa Kartoffel. Man sagt ja, in einer Oper muss Ton an die Dinge. Dann klingt das Spektakel. Dann flattern die Bilder im Glaskasten los. Schau, die Welt wächst jetzt heraus aus Gesichtern. Ich erinnere mich. Weich ist das Fell von Kaninchen. Ein Kaninchen ist klein. Wann habe ich zuletzt ein Kaninchen gesehen? Das Kaninchen heißt wie der Gang, den es gräbt. Das Kaninchen heißt wie der Gang, den es gräbt. Wenn ich mich nähere, stürzen Kaninchen in ihre Löcher. Entfernt man die Kaninchen daraus, bleibt ihr Bau zunächst hohl. Kaninchenzucht wird als Liebhaberei bezeichnet. Aus Liebhaberei bin ich übers Feld gerannt. Der leere Kaninchenbau stürzte durch meinen Körper. Das heißt, ich erinnere mich. Das rohe Feld, das hohle Fell, der Vogel singt. Die Zukunft lacht und glänzt am Bach. Ich schüttle meine Schultern aus. Die Kehle keucht. Der Kelch ist halb gefüllt, halb hohn. Was wird's? Was heißt schon scheitern? Dem einen Auge will ich trauen, das andere ist kurzsichtig. Der Vogel glotzt mich seitlich an. Und nun? Was wird's? Erst einmal wird gewandert. Es ist ein Anfang. Ein Schritt nach dem anderen fügt sich zu einem größeren Schritt und so weiter. Ich tauche ins Feld. Es wirkt erst einmal gerade. Ich folge der Superspur, zwei eng beieinanderliegende, parallel laufende Linien. Im Feld selbst tauchen Fragen auf. Schluff, Sand oder Ton. Verstehe eine Diode. Verstehe eine das dröge, grüne Feld. Es ist ein Anfang. Frühzeitig Fragen stellen. Zwei eng beieinander liegende, parallel laufende Linien. Ich durchquere das Feld aufs Neue. Ich folge der Superspur wie einer Umlaufbahn. Das Feld sedimentiert an mich dran. Was also ist diese Zeit? dran. Was also ist diese Zeit? Ich bestehe aus vielen Schichten, zwei eng beieinanderliegende, parallel laufende, diese Anhaftung an das Feld. Es ist Die Frage, die sich mir stellt, ist mein Vektor. Offensichtlich wächst er mit. Meine Hände sind weicher als Seide, weicher als das Fell eines Kalbs. Der Winter war lang, aber ist jetzt vorbei. Und nass liegt die Tüte im Schlamm. Hier knie ich nieder. Die Tüte ist schlammig und flach. Sie hat wohl unterm Schnee gelegen. Ich blase die Tüte auf und sie knistert. Frühling ist Wiege. Frühling ist bitter und süß. Kälber und glänzende Sonne. Schnee. Ich legte die Hand drauf und er verschwand. An der Haustür streifen Gräser mein Bein. Sonne fällt auf die Fliesen wie glänzender Fisch. Meine weiche Hand legt die Tüte darauf. Die Tüte knistert. Meine Hände lege ich singe ein Wiegenlied übers Telefon. Ich zeig dir, wie es im Frühling schneit. Der Fisch ist bitter, aber weich. Von einem Fisch zum nächsten. Geht es jetzt mehr Richtung Fluss. Ich wohne ja in Wien, auch an der Donau. Zum Glück nah genug an der Donau, um sie fast täglich zu besuchen. Aber in der Donau leben auch Fische, was einerseits gut ist, aber andererseits auch echt ein bisschen gruselig, weil ich habe eigentlich ganz schön Angst vor Fischen. Also genau. Und die sind auch echt groß. Riesiger Leib, Fischleib, Fisch. Der Leibfisch beschubbt, lauert zwischen tausend Blättern mir auf, schießt dann herum. Riesiger Leib, Fisch, Leib, Fisch, sobald ich nur mit der Zehe ins Wasser tauche. Kannst du nicht machen, Fische schauen halt, ich schaue halt auch, weil mich dann was durchjagt, das nicht der Fisch ist, aber so in der Art. Das kitzelt. Ich komme natürlich nicht los. Ich strecke noch meinen Finger hin. Im entscheidenden Moment ziehe ich zurück. Ich feige Sau mal wieder, war so nah dran am Maul. wieder, war so nah dran am Maul. Angler mit kapitalen Exemplaren, Störe, Karpfen, Wälse, alle selten geworden, werden aus Abflussrohren geborgen. Jemand zieht Plastik aus ihren Rachen. Und ich, als mini hilflose Schwimmerin, dümpel auf der Oberfläche vom Fluss. Bewege mich flacher, als ich dachte. Ich will mich im Wasser nicht spiegeln, verdammt, will liegen am Steg, mit Abstand kleinen Sterlets beim Zuckeln zusehen. Im Nationalpark stehe ich vor dem Flussschaufenster an. Egal, was die Kinder jetzt sagen, drückt dort meine Lippen ans Glas. Nationalpark Donauauen, Schlossinsel Ort. Das ist auf jeden Fall ein Ort, der sich zu besuchen lohnt, wer noch nicht da war. Es gibt das Flussschaufenster, man kann in den Altarm reingucken und man sieht da wirklich die Fische vorbeiziehen. Man kann da Stunden stehen. Also es gibt sogar ein, zwei Störe, ausgeliehen von dem Schiff Lifeboat for Sturgeon, wo gerade erfolgreich der Sternhausen wieder, naja, also er hat sich vermehrt. Man kann nicht wirklich sagen, das ist künstliche Befruchtung. Schwemmfeld. Flach ist das Land. Es graben die Würmer darin. Dünn wie Tuch liegt das land wie tuch das ich malte mit sonne und mond sagte mein tuch nun vor den pupillen das schwemmfeld daran knabenkraut sprießt Darin Knabenkraut steht wie aus Glas Als knirschte, als klirrte es Ginge ich über die Wiesen Krumen legen Krumen folgen Schwungvolle Sprünge von Chrome zu Chrome. Tauben fliegen auf, lassen sich einige Meter weiter wieder nieder. Von Chrome zu Chrome. Im Augenwinkel immer Iris. Iris wie Schimmer. Das Gewässer liegt flach auf der Hand. Zwei Enten tapsen synchron so vor mir her. Eindeutig Enten. Ich tapse nach und nach und nach. Und nach. So, so. Meine Zunge, hinter Enten, in die Schwämme geritten, hat ordentlich zugelangt, aufgesaugt. So sitzt sie nun, satt, in der Höhle. Ungelenke Zunge, so aufgedunsener Muskel, lallt ganz augenscheinlich wie Schnecke, heftet sich fest oder schiebt sich davon. schiebt sich, kriecht, einfüßig übers Feld, rollt ihren Schleimteppich aus, schlack, schlack, schlack, so sich den Weg bereiten, sich vorbereiten, mal kleben, mal gleiten, mal schlendern, schlack, schlack, so auffindbar sein. Glitsch, Glitsch, klatsch, auch eine Weichtierzunge kann mit kräftigem Fuß rühren im Schlamm, kann wühlen im Lehm, liegen gebliebenes Wenden, alles kräftig zerren umher, bis es noch leicht umspült mit frischen augen schaut schwert lilien hier wieder vorfinden schwert lilien im augenwinkel wie schimmer wie schwert das sich zücken lässt zücken schwungvoll sein tauben fliegen auf lassen sich einige meter weiter wieder nieder flach ist das wasser es gründeln die karpfen darin, dünn wie Tuch liegt das Wasser auf Land. Stehen Lilien, kleines Knabenkraut auf den hinteren Wiesen, jede Blüte ähnelt einer zur Faust geschlossenen Hand. Ich zähle sie an Ziehe meine riesigen Füße durchs Flache, durchs Wasser, durch Arme, Adern. Es gibt den Flusslauf, daneben stehen oder inmitten. Rückenflossen ziehen sich durch, ich schrecke auf. durch ich schrecke auf karpfen gleiten vorwärts trauen sich auf mich zu wie ich mich ihnen entgegen ich nehme mein tuch von den augen trage knabenkraut scherben im fußwerk halte Fußwerk. Halte gefunden eine Hohlform für Muskelrückzug zwischen den Fingern, meinen Fingern, habe sie mir aufgezählt. Auf Silberpappeln weht der Lauthals Kuckuck. Und jetzt noch ein Abschlussgedicht. Ich habe das geschrieben, da habe ich gerade mein Lieblingsbuch gelesen und zwar ist das Brüt oder die Seufz in den Gärten von Friederike Mayröcker und ich dachte, es passt doch ganz gut, weil Andrea, die dann nachher lesen wird, ein Buch über Friederike Mayröcker. Und ich dachte, es passt doch ganz gut, weil Andrea, die dann nachher lesen wird, ein Buch über Friederike Mayröcker geschrieben hat. Beziehungsweise, also ich möchte es noch lesen, ich habe es noch nicht gelesen, aber I will. Und genau, das Gedicht heißt Organ of Unknown Origin. Aus Träumen von Wasser erwacht, von Ufer, Formen der Kiesel am Rand. Formen der Kiesel, schreibe ich, herübergerettet. Das meiste hält ja den Tag nicht stand, aber Schwappen des Wassers ans Ufer, herübergerettet hält stand. Kiesel in Form von Organ auf den Tisch gerettet, handliches Unkenherz unter den Blättern, schreibe, legte ich, starres Unkenorgan in dein Handschiff, es wöge sehr schwer. Unkenorgan in dein Handschiff, es wöge sehr schwer. Lasse fallen, Stifte, Zettel, bin geschüttelt, dass Schuppen niederrieseln. So schüttle ich mir alles vom Kopf, da ist alles schon aufgelöst. Kastaniendonner im Park, riesige Kronen aufgetürmt, frappierender Donner und süßer Lindenstrom in enger Gasse und diese laute Jahreszeit Frühling, quellende Jahreszeit Frühling, mich beinahe überwuchernd. Auch bei ungebundenen Zaubersprüchen kommt es auf den genauen Wortlaut an. Wind gegen Gegenwind, Zerreißprobe Frühling. Am Kastanienufer wallend, schäumend, schreibe ich dir, alles fehlt, es ist alles da. Dankeschön. Thank you. Guten Abend. Ich werde einen Text, eine kurze Erzählung aus meinem Buch mitten im Tag lesen, das im letzten Jahr erschienen ist. Und dieser Text heißt, ja, höre ich mich sagen, ja. Spät in der Nacht wird jemand die Stühle umdrehen und auf die Tische heben und in der Früh, bevor die Gäste kommen, den Vogelbauer mit dem Papagei darin in den Garten tragen und unter einen Ahornbaum stellen. Der Wind wird mühelos durch die Spalten zwischen den Gitterstäben dringen und der Vogel mich mit einem Wort wecken, das die ganze Zeit über seine Fremdheit behält. Ich werde es, um mich damit anzufreunden, leise wiederholen, wenn ich in einem Park in der Nähe des Hotels auf einen Vogelkäfig von der Größe eines Schuppens stoße und die Futtertröge von Getreidekörnern überquellen sehe. Kleidekörnern überquellen sehe. Kleine Familien sitzen davor auf ihren ausgebreiteten Decken, ganz in die Betrachtung der Flügelschläge und der kräftigen Farben der Federn versunken, die auf dem Boden liegen. Schön wäre es, wenn in der Nähe jemand wie auf einem alten Gemälde auf seinen Fersen säße und einer im Halbkreis um ihn gescharrten Runde aus Zuhörern eine Geschichte vortrüge, die immer noch bedeutsam ist und keinerlei Missmut, sondern nur Staunen weckt. Tücher, die sich ausschließlich zum Schutz vor der hier überaus mächtigen Sonne wie Turbane um die Köpfe der hörenden Winden, gefielen mir auch, und eine Nachmittagsstille, die sich vom Park aus über die breiten Gehsteige und Straßen legt, über die heute an einem Feiertag kaum ein Fahrzeug rollt. Tatsächlich sitzt irgendwo auf einer Bank ein Mann, der sich den Rauch der Zigarette seines Nachbarn ins Gesicht steigen lässt. Wartet er auf gar nichts, nicht einmal darauf, dass sein Nachbar aufsteht, sich vor einen der Vogelkäfige stellt und einen langen Schrei ausstößt, einen durchdringenden und anhaltenden Schrei, das alles im Park in Aufruhr gerät. Das Wasser in den Springbrunnen rieselt langsam vor sich hin und Mütter, Väter und Kinder sitzen auf ihren Rändern und bewegen sich kaum. Und hoch über ihren Köpfen kreist ein Hubschrauber, ganz so, als wäre er dem Gebirgszug entschlüpft, der die Stadt im Norden beschattet. Was spricht dagegen, in einem Bus zu springen, eine wüstenähnliche Gegend entlang in die nächste Stadt zu fahren und mich an Verse zu erinnern, in denen alte Dichter, die zugleich Tänzer waren, es für möglich hielten, auch angesichts solchen Drönens und derart verabsäumter Schreie, leichter als der Windhauch zu werden? Nichts, was die beiden Reisenden dort vor der Holzliege daran hinderte, ihre Teppiche auszurollen, sich in stummen Gebärden zuerst aufzurichten und dann zu Boden zu strecken und nichts, was mich davon abhielte, aus dem Fenster auf eine Hügelkette aus Sand, Staub und wieder Sand zu blicken und einen Himmel, der sich mit so sanftmütiger Deutlichkeit abhebt, dass man singen möchte. Aber da halten wir schon vor einem Paradiesgarten, den ein König aus alten zur Ermutigung fröhlichen Wandels anlegen ließ. Stiller, ihr Hubschrauber! Wie soll einer bei diesem endlosen Kreisen die sieben Jahrhunderte alte Geschichte von den Vögeln vernehmen, die beschließen, eine weite und unsichere Reise anzutreten und nicht eher zu ruhen, als bis sie finden, wonach sie suchen, wenn sie auch nur ungefähr wissen, was das sein soll und welchen Gefahren sie zustimmen müssen. Sogar der, einen Gefährten nach dem anderen klaglos an ein überaus jämmerliches Ziel zu verlieren und ihm dabei keine Sekunde hinterher zu blicken. Und der, in wüsten Bildern in die Irre zu gehen und die Stimme, die zu einem spricht, nicht mehr wiederzuerkennen. Wie komisch, angesichts dessen hier im Innern der Mauern vor dem großen an die Wand gemalten Blutfleck zu stehen, der an grausamen, sinnlosen Totschlag erinnern will. So schnell gehen die Tage zu Ende, dass man vollständig vergessen könnte, wofür es sich lohnt, müde zu werden. Trotzdem werden wir Reisende zusammen auf einer Matte sitzen, Brot, Reis und gebratenes Gemüse essen und Wasser und Tee trinken und hören, wie jemand sagt, es sei leicht, den Gruß eines Menschen zu erwidern, der auf der Schwelle zu einer Landschaft steht, die nichts Geringeres zu fordern auszuharren, bis ein Gast kommt. Ob das wahr ist? So oder anders werde ich mich auf der schier unendlichen Straße nicht nach der schon leeren Schwelle umdrehen, sondern lieber im Schlaf die Berge in der Ferne schmelzen und einen Fluss bilden sehen, der mit so vielen Köpfen von Blumen übersät ist, dass ich ihn für einen Teppich hielte, wenn nicht meine Füße entschieden stromaufwärts warteten. Aber da hebt mich jemand von hinten in die Höhe und legt mich der Länge nach ins Wasser, auf das ich Strom abwärts treibe. Warum nicht auf solche Weise durch fremdes Land gleiten und still stehen auf einem Platz, der so groß ist, dass es, selbst wenn dies hier erlaubt und einem sehr danach zumute wäre, keinen Sinn ergebe, laut nach etwas zu rufen, das man verloren hat? Mag es verloren gehen hier? Menschen strömen in Scharen aus allen Richtungen und Gotteshäusern und feiern, obwohl es Nacht ist, ein Fest, zu dem geladen ist, wer gerade vorbeikommt, was allerdings dem nicht möglich ist, der ganz in der Nähe in seinem Wohnzimmer sitzt, weil er von Gesetzes wegen das Haus nicht mehr verlassen darf. Er kniet auf einem Teppich und klebt mit einem Band ein Rechteck darauf, als wollte er damit das Zimmer bezeichnen, in dem die Geschichte spielt, die er erzählen muss, weil nichts geblieben ist, was er sonst mit ihr tun kann. Sie handelt von einem Buben, der mit angezogenen Knien auf das Läuten des Telefons wartet, während eine alte Frau, die im selben Haus wohnt, mühsam die Treppe hinaufsteigt. Gut möglich, dass er selten Gelegenheit hat, das Mädchen zu treffen, auf dessen Anruf er wartet, ebenso wie die alte Frau selten Gelegenheit hat, allein hinauszugehen. Von draußen ist Lärm zu hören, Rufe, das Stimmengewirr einer großen Menge von Menschen und das Alarmsignal eines Polizeiautos. Der Mann, der die Geschichte erzählen muss, zieht aus seiner Hosentasche sein Telefon und bleibt vor den Klebestreifen auf dem Teppich stehen, wie um die Geschichte, die innerhalb des Rechtecks spielt, zu schützen. Das hier aber höre ich jemanden laut neben mir sagen, während er auf Menschen deutet, die zwischen erleuchteten Torbögen sitzen und auf den Fluss schauen, sei wirkliches, richtiges Leben. den Fluss schauen, sei wirkliches, richtiges Leben. Das will ich mir merken, unbedingt merken, zumal von da, wo ich sitze und in die Nacht schaue, der Mond den Laternen, die als eine Reihe von Kugeln ein wenig unter ihm hängen, zum Verwechseln ähnlich sieht. Was wird geschehen, wenn uns das Unterscheiden abhanden kommt und wir zu leblosen Dingen wie zu lange Ersehntem sprechen? Hier in der Nähe rinnen Ströme von Wasser unter der Brücke durch Und bei Tag sammeln sich am Ufer ein paar Menschen und tun, was sie von Gesetzeswegen unterlassen sollten. Sie steigen in den Fluss samt ihren Socken und Schuhen, bleiben dann lange wie angewurzelt stehen, senken den Kopf und schauen ins Wasser, als erwiderte darin etwas den Blick und schaute mit solcher Kraft zurück, dass alles zu zittern beginnt, sogar die Brücke, die seit Jahrhunderten hier steht, mit ihren Torbögen und langen Gängen und der Einladung zu stillem Übergang von hier nach da. So könnte ich ewig sitzen. Aber irgendwann wird mich das Klopfen an der Tür unterbrechen. Eine Frau bringt mir mein Hemd aus der Hotelwäsche zurück und bedeutet mir, dass unten im Garten jemand auf mich warte, jemand, der etwas Wichtiges von mir wissen wolle. Wir werden zusammen in den Park gehen, vor dem großen Vogelkäfig sitzen und beobachten, wie drei bis vier Flügelschläge reichen, um darin von einem zum anderen Ende zu kommen. Ein knorriger Ast streckt sich zwischen den Bambusstäben heraus, als wäre solche Bitte unbestreitbare Pflicht. Und in das ferne Dröhnen des Hubschraubers mischt sich die Stimme eines Marktschreiers, der immer und immer denselben Gegenstand anpreist. Mein Begleiter bittet mich, über nichts zu sprechen, worüber er hier mit Reisenden immer sprechen müsse. worüber er hier mit Reisenden immer sprechen müsse. Weder über perfide Gesetze, noch Menschen, die Hausarrest bekommen, noch über zerschlagene Aufstände oder das Gefängnis. Ich nicke und folge ihm auf einen abgelegenen Pfad, der sich eng zwischen Marktständen hinaufwindet, ganz im Schatten liegt und von allen Seiten vom Wasser eines nahen Sturzbaches bestäubt wird. Es riecht nach Zuckerwatte und Kinder stehen am Rand und halten eine Handvoll Mandeln in ihren Händen. Immer weiter scheint sich die Stadt zu entfernen und im Nebel des rauschenden Verkehrs zu verschwinden. Wir setzen uns auf eine mit bunten Teppichen belegte Liege und lauschen dumpfen Geräuschen, die sich aus der Stille herausheben, ohne bestimmbar zu sein. Mein Begleiter fragt mich, ob es etwas in meinem Leben gäbe, worauf es mir immer noch ankomme und ob ich für den Fall, dass es mir auch darauf nicht mehr ankomme, eine Alternative zu sämtlichen Fragen, die in solche Richtung zielten, gefunden hätte. Ein Blatt streift mich, das von nirgendwo sonst zu mir herschweben kann, als aus dem Gemälde, auf dem jemand auf seinen Fersen sitzt und anderen, die im Halbkreis um ihn gruppiert sind, aus einem Buch vorliest, einem sehr alten Buch, während es sich der Wind nicht nehmen lässt, durch die Äste des Baums zu streichen. Ich höre die Schritte der alten Frau, die sich das Stiegenhaus hinaufschleppt, während der Bub in der Wohnung nebenan auf das Läuten des Telefons wartet und die Stimme des Mannes, der die Grundrisse dieser Geschichte mit Hilfe eines Klebebandes auf den Teppich skizziert, weil es weiter nichts gibt, was er damit tun darf. Ja, werde ich sagen, ja, und dass ich ihm, wenn ich wieder zu Hause wäre, einen Brief schreiben würde. Dann werden wir lange gar nichts mehr sprechen. Lieber, es muss einmal jemand die ganze Nacht draußen gesessen sein und zwischen den Mauern den Anblick des dunklen und weiten Himmels gesucht haben. Denn auf der Fotografie vor mir steht ganz in der Nähe des Ahornbaums ein einziger Sessel mit seinen beiden Beinen fest auf der Erde, wohingegen alle anderen zum Himmel schauen. Hinsichterei hinaustragen, auf das er seine Hotelgäste mit einem Wort wecke, das sie in seiner Fremdheit von hier fort in den Park lockt, wobei passender und unpassender Gelegenheit alle, die hier sind, gleichzeitig samt ihren Kleidern in die vielen Springbrunnen fallen und einander mit Bächen von Wasser übergießen. Einmal werden es mehr als die Hälfte aller sein, die es einfach tun. Ich habe nebenbei bemerkt, tatsächlich einen leisen Schrei ausgestoßen. Außerdem kam es mir in den Sinn, ein paar Gedichte, die ich auf meiner Reise aufgesammelt habe, wieder und wieder abzuschreiben. Wenn ich außer Haus gehe, bleibe ich manchmal mitten im Getriebe stehen und versuche mir den Sand und die Hügel der Wüste vorzustellen, Sand und die Hügel der Wüste vorzustellen, die fernen Berge und jemanden, der sich vom steten Dröhnen der Hubschrauber über dem paradiesischen Garten nicht beirren lässt, das Wenige, was er tun kann, zu tun. Und sei es, zwischen engen Mauern einen einzigen Sessel verkehrt auf den Tisch zu stellen. Dankeschön. Vielen Dank, Nina Thehmann und Andrea Winkler. Das Buch Mitten im Tag, aus dem Andrea Winkler gelesen hat, ist im Übrigen im Vorjahr auf der Longlist, auf der Shortlist, auf der Longlist zum österreichischen Buchpreis gestanden. Und das ist alles andere als üblich für diese Form von Literatur, für avantgardistische Literatur, also was ganz Herausragendes und falls das noch nicht bei Ihnen im Bücherregal steht, dann sollten Sie das ändern. Das war der Vorsommer, das war das Ende dieser drei Tage zur avantgardistischen Literatur. Es ist aber auch in der Tat das Ende des Vorsommers, denn am 21.09. haben wir Sommerbeginn. Und ich bedanke mich bei allen Autorinnen und Autoren. 21.09., Verzeihung. Am 21.06. natürlich, danke Ihnen. Ich bedanke mich bei allen Autorinnen und Autoren, die mitgewirkt haben, ganz besonders bei unseren heutigen Gästen Sarah Rinderer, Robert Steher, Nina Thehmann und Andrea Winkler. Und vor allen Dingen bedanke ich mich beim Kurator unseres Festivals, Florian Huber. Und ich darf jetzt schon versichern, dass es eine Wiederauflage geben wird. Bleiben Sie noch hier, genießen Sie die Zeit im Stifterhaus, kommen Sie ins Gespräch, werfen Sie einen Blick auf den Büchertisch und kommen Sie bald wieder, am besten zur letzten Veranstaltung, die hier im Haus noch stattfindet vor der Sommerpause, ein Gespräch zwischen Michael Kerbler und Josef Haslinger am 25. Juni. Vielen Dank.