Guten Abend, liebe Stifter aus meinen sehr geehrten Damen und Herren. Es freut mich, dass Sie sich bei 38 Grad draußen für einen klimatisierten Raum entschieden haben und uns beehren bei einer Veranstaltung aus unserer Reihe Denken, Leben, Schreiben, Positionen und Welthaltungen österreichischer Autorinnen. Unser heutiger Gast war das erste Mal vor mehr als 25 Jahren, genauer gesagt am 21. März 2000 hier im Stifterhaus zu erleben, damals im Rahmen der von Peter Huemer über viele Jahre moderierten Esaistik-Reihe, falls das noch jemandem etwas sagt. Zu diesem Zeitpunkt war sein vielbeachteter Roman Opernball bereits erschienen und auch schon verfilmt worden und man geht sicherlich nicht fehl in der Annahme, diesen Roman als den Durchbruch unseres heutigen Gastes zu bezeichnen, der ihn auch relativ rasch über die Grenzen eines ohnehin literaturinteressierten Publikums bekannt gemacht hat. 2016 wurde, eigentlich folgerichtig, eben dieser Roman Opernball in die vom Stifterhaus der alten Schmiede Wien und dem Literaturhaus Graz gemeinschaftlich betriebenen Reihe Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945 aufgenommen. Der erste Roman, den er hier bei uns vorgestellt hat, war Yachimov und das war im Jahr 2011. Der Roman ist wie die anderen Werke unseres heutigen Gastes im S. Fischer Verlag erschienen. Dass er heute wieder bei uns ist, freut uns sehr. Ich darf ihn jetzt ganz herzlich im Stifterhaus begrüßen. Herzlich willkommen, Josef Haslinger. Danke fürs Kommen. Josef Haslinger wurde 1955 in Zwettl in Niederösterreich geboren. Sein Studium der Philosophie, Theaterwissenschaften und Germanistik in Wien schloss er mit einer Promotionsschrift über die Ästhetik des Novalis ab. Josef Haslinger war nie nur Autor, immer schon machte er sich sowohl um gesellschaftliche Entwicklungen im Allgemeinen als auch um den Literaturbetrieb im Besonderen verdient. So war er ab 1977 gemeinsam mit Gustav Ernst Co-Herausgeber der Literaturzeitschrift Wespennest oder fungierte er in den 80er Jahren als Generalsekretär der Grazer Autorinnen-Autorenversammlung. In den 2010er Jahren war er Präsident des PEN-Zentrums Deutschland. Abseits seines Engagements für die Literatur ist die 1992 erfolgte Begründung der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch, deren erster Vorsitzender er gemeinsam mit Willi Resitaritz war, besonders hervorzuheben. Als Professor für literarische Ästhetik lehrte Josef Haslinger 25 Jahre lang am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, dem er zeitweilig auch vorstand. Neben zahlreichen Stipendien, unter anderem dem Elias Canetti-Stipendium der Stadt Wien oder dem New York-Stipendium des Deutschen Literaturfonds, wurde Josef Haslinger für sein Schaffen auch mehrfach ausgezeichnet. Nennen möchte ich nur den Literaturpreis der Stadt Wien im Jahr 2000, den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln im selben Jahr, sowie das goldene Verdienstzeichen des Landes Wien 2017. Das Gespräch mit Josef Haslinger wird der Gesamtmoderator, der seit 2022 im Stifterhaus laufenden Reihe Denken, Leben, Schreiben führen, den ich auch ganz herzlich im Stifterhaus begrüßen darf. Herzlich willkommen, Michael Kerbler, schön, dass du wieder bei uns bist. Das war es schon wieder von meiner Seite und ich darf die beiden Herren für das Gespräch auf die Bühne bitten. Es ist gut, wenn man Vorgespräche führt. Wir haben gerade oben über Leipzig und wie kommen die Nachwuchsschriftstellerinnen. Und das Du-Wort haben wir uns angeboten. Und das Du-Wort haben wir uns angeboten. Und deshalb ist es gut, das Manus weg zur Seite zu legen. Und ich greife jetzt da zu diesem Buch und stelle die Frage, die der Titel ist, wie werde ich ein verdammt guter Schriftsteller? die Frage, die der Titel ist, wie werde ich ein verdammt guter Schriftsteller? Nämlich, wie hat der Josef Haslinger sich entschieden, ein verdammt guter Schriftsteller zu werden? Hier im Buch heißt es, es gibt drei elementare Voraussetzungen. Unglückliche Kindheit. Unglückliche Kindheit. Ja, ich kann die ersten zwei Fragen übersprechen. Die unglückliche Kindheit, nein, machen wir systematisch. Also das Erste ist, ich will schreiben. Manchmal habe ich auch gelesen und ich glaube, ich kann das gut nachvollziehen, braucht es einen richtigen Schreibzwang, dass man dranbleibt. Was war die erste Geschichte, die du loswerden wolltest, die du zur Sprache bringen wolltest, die dir wichtig war, zu Papier zu bringen? Ich habe, man wird es nicht glauben, Gedichte geschrieben am Anfang, das im Gymnasium. Und das spielen viele soziale Komponenten mit eine Rolle, wenn man dazu kommt, dass man sich schreibend in irgendeiner Weise hervortun will, profilieren will. Eine Komponente war sicher, dass ich ein schlechter Fußballspieler war. Das war für andere auch eine gute Möglichkeit, in der Klasse und bei Mädchen usw. gute Figur zu machen. Das war mir nicht gegeben. zu machen, das war mir nicht gegeben. Und dann habe ich irgendwie kennengelernt einen langhaarigen Autor. Mit Namen? Wolfgang Hemel. Und der kam zusammen mit einem nicht so langhaarigen Autor, Johannes Paul. Johannes Paul ist ein Niederösterreicher, Wolfgang Hemmel ist als Autor nie wirklich groß bekannt geworden, Johannes Paul als Lyriker schon. Und ich war damals 15 Jahre alt und war selber im Begriff, oder vielleicht war ich auch erst noch 14 Jahre alt, war selber im Begriff ein Langhaariger zu werden. Und darum haben mich die gleich schwer beeindruckt. Der eine, Johannes Paul, hatte einen Mini, also Auto, Minicooper. Und da hinten stand drauf, ich bin der kleine Mini, jedes Rennen ein Quinny. Das bringt. Und die beiden sind nach Stiftzwettl mit diesem Auto gekommen und haben, weiß der Teufel, wer sie dahin eingeladen hat, im Stift übernachtet und ich war, das war vielleicht eine Ferienzeit oder sowas, jedenfalls war ich, ich war kein Sänger, glaube ich, mehr. Also ich glaube, ich habe das, ah, ich weiß schon, was war. Ich habe in der Stiftsbibliothek meinen ersten Ferialjob gehabt. Ich habe in der Stiftsbibliothek gearbeitet und da kamen die daher und es gab, es gab eine, ich habe sie jedenfalls kennengelernt, es gab irgendeine Veranstaltung, bei der ich nicht dabei war, irgendein Treffen. Ich glaube, es war ein junger Novize, wahrscheinlich der Frater Dominik aus Frankfurt, der die eingeladen hatte oder mit denen Kontakt gefunden hatte. und sie waren jedenfalls da. Es kam zur ersten Begegnung und ich war völlig fasziniert von diesen jungen, langhaarigen Dichtern. Und der Lyrik, die sie schrieben, die haben mir das erste Mal den Namen Paul Celan genannt. Wolfgang Hemmel hat vor allem diesen Paul Celan sehr verehrt. Der andere ist mir auf Rilke gestanden, aber auch Rilke war nicht so, dass man bis zur vierten Klasse Gymnasium da viel von Rilke gehört hätte. Ich jedenfalls nicht. Und das waren so die ersten. Was mich an diesem Dichtern schon einmal fasziniert hat, war, dass ich sie nicht verstanden habe. Und dass diese Leute, die mir so sympathisch waren, weil sie eben so vom Aussehen her einfach etwas verkörpert haben, was ich gern werden wollte, ein langhaariger, aufmüpfiger, subkultureller Mensch, der frei ist, sich frei zu bewegen in der Welt und nicht an Internate gebunden ist. Naja, und so habe ich angefangen, erste Gedichte zu schreiben und mich damit ein bisschen hervorzutun, bis ich dann später, und da vergehen jetzt wirklich ungefähr vier Jahre, während meines Studiums, am Beginn meines Studiums festgestellt habe, dass ich doch nicht so der begnadete Lyriker bin und mich immer mehr für Prosa, immer mehr Prosa, zuerst war es so lyrische Prosa oder so merkwürdig lyrisch dahin schwebende Prosa und dann habe ich mich zu einer sozusagen sachlichen Prosa entschieden und habe in der Zeitschrift Wespennest meine erste Prosa-Texte veröffentlicht. Man soll nicht von sich selber auf andere schließen. Ich stelle die Frage trotzdem. Ich habe den Rilke imitiert. Ich habe ihn nachgemacht. Ja, ich habe auch nachgemacht. Was soll man sonst machen? Ich habe versucht, Sachen von denen, was die gemacht haben, auch diese beiden jungen Dichter und so und Rilke und Selan und diese Metaphorik, diese Fremde, diese ganz ungewöhnliche Metaphorik. Ich habe versucht, so etwas Ähnliches zu finden und solche Wörter zusammenzufügen. Und natürlich habe ich auch durch Imitation versucht, mich da einmal am Anfang für mich zu suchen. Dann war es natürlich, ich sage, es spielen andere Komponente auch eine Rolle. Es ist nicht nur so, dass man jetzt Schriftsteller oder Dichter werden will. Es hat auch einen Grund, warum man das jetzt werden will. Und das habe ich schon angedeutet. Ich wollte mich auch ein bisschen hervortun. Und auch gegenüber Mäd bisschen hervortun. Und auch gegenüber Mädchen hervortun. Und da habe ich auch bestimmten Mädchen im Gymnasium meine Lyrik zu zeigen begonnen. Und ja, eine davon sitzt es hier. Aber es reicht ja nicht nur einen Schreibzwang zu haben. Es braucht ja auch ein bisschen Begabung. Aber die Begabung selber reicht auch nicht aus, wenn man nicht jemanden hat, der einen ermutigt, dran zu bleiben und weiterzumachen. Und es ist schon erwähnt worden vom Stefan Gögelberger-Wespennest, Gustav Ernst, das war, ich glaube bis zu einem gewissen Grad auch der Franz Schuh, das waren doch zwei, die dich ermutigt haben. Ja, da wurde es ernst, weil ich begonnen habe, oder die Ambition gehabt habe, zu veröffentlichen. Wenn man einem Mädchen Lyrik vorliest, damit man ein bisschen Eindruck machen kann, ist das das eine, aber wenn man anfängt, solche Sachen zu veröffentlichen, dann wird es ernst. Und zwar deswegen wird es ernst, weil man plötzlich, vielleicht begreift man es gar nicht, hat man immer noch so das Gefühl, ja, jetzt muss ich es veröffentlichen, das ist toll, jetzt habe ich meine erste Veröffentlichung. Aber dann kriegst du das Zeug in die Hand, auch wenn es jetzt nur ein Zeitschrift, ein Beitrag in einer Literaturzeitschrift ist, und dann liest du deinen eigenen Text noch einmal und denkst dir, den lesen jetzt vielleicht hunderte von Leuten, viel mehr kann man nicht erwarten bei der Literaturzeitschrift, aber vielleicht hunderte von Leuten, die ich nicht kenne. Und wie werden die denn lesen? kennen? Und wie werden die denn lesen? Was sagt er für Leute, die mich nicht kennen und das erste Mal diesen Text, was sagt das denen? Und das hat er irgendwie einen Hebel umgelegt, weil ich plötzlich gemerkt habe, man kann, man muss das irgendwie mitbedenken. Man kann nicht erwarten, dass ein Leser weiß, was du mit deinem Text intentiert hast, sondern der Text muss seine Intention selber preisgeben. Das, was dahintersteht, kann der Leser nicht wissen. Ist es wichtig oder ist es nicht wichtig? Und wenn es wichtig ist, muss ich es sagen. Sonst funktioniert das nicht. Aber was lasse ich weg? Ja, genau. Es wird plötzlich alles komplizierter. Und vor allem, es ist ganz wichtig, dass es jemanden gibt, den Text, der über diesen Text mit einem spricht, der einem sagt, was er, was bei ihm angekommen ist und was ihm aufgefallen ist. Man braucht nur sagen, was angekommen ist und was aufgefallen ist. Und schon staunt man als junger Autor, was... Aha, ja, aha. Zum Beispiel hat mir einer gesagt, das war in dem Fall der Arthur West, habe ich in einer meiner ersten Lesungen in Wien gehabt, von der Volksstimme war der so ein, du kennst den nicht, oder hast ihn gekannt, der hat die Skulptur der Volksstimme gemacht und eben auch über Literatur geschrieben. Und ich hatte in einem Lokal, Rotpunkt hieß das damals, das war so ein Kulturlokal, damals der KPÖ, und hatte ich eine meiner ersten Lesungen überhaupt in Wien und eben als junger Autor des Wespennest. Und ich habe da einen kleinen Prosatext vorgelesen und dann kommt dieser Arthur West auf mich zu und sagt einmal ganz freundlich, dass meine indirekten Reden, die Konjunktive meiner indirekten Reden ein gewisses Problem haben. indirekten Reden ein gewisses Problem haben. Und ich habe die übernommen, die Konjunktive, aus dem norddeutschen Sprachraum, wie sie zum Beispiel Hannes Wader singt. Er singt ja auch prinzipiell falsche Konjunktive. Nicht prinzipiell, aber oft. Er sagte, er habe schon zu Abend gegessen, sondern er sagte, er hätte schon zu Abend gegessen sondern er sagte, er hätte schon zu Abend gegessen das ist ja falsch und so habe ich es auch gemacht ich habe mich sehr viel in den Ferien, immer sehr viel in Deutschland aufgehalten um zu arbeiten und mein Geld zu verdienen und habe sehr viel Kontakt auch zu Deutschen gehabt und gesucht und insbesondere zur deutschen Liedermacherszene, die mich damals sehr interessiert hat. Und so habe ich diesen falschen Tonfall reingekriegt und es hat mir der Arthur West gesagt. So einfache, primitive Dinge, aber sie sind wichtig. Man fängt an, sich mit dieser Sprache zu beschäftigen. Der Gustav Fernst hat, wenn ich einen Text geschrieben hatte, einen neuen Text fürs Westen ist, ihm gegeben habe, hat er das gelesen, hat sich mit mir im Café Hummel getroffen und da haben wir ausführlich über diesen Text gesprochen und ich habe noch einmal eine neue Fassung geschrieben. Und das war genau das, was ich dann 20 Jahre später mit Studenten in Leipzig gemacht habe, über Texte reden und schauen, wo es Schwachstellen sein könnten oder versuchen herauszufinden, was will dieser Text eigentlich und wieso habe ich das nicht verstanden, dass der das will. Also mit dem Dauder darüber reden, was er damit wollte und was man eigentlich drin sieht. Das ist, glaube ich, für einen jungen Schriftsteller ganz wichtig, dass dieses Gespräch mit ausgewählten Lesern, bei denen es nicht um die Wurst geht, wie in Klagenfurt, dass sowas möglich ist. Zwei Punkte haben wir erwähnt. Der dritte ist vielleicht der wichtigste. Man kann schreiben wollen, man kann Begabung haben, aber die Biografie spielt eine große Rolle. Da hat man was zu sagen, kurz. Das ist die Frage, hat man überhaupt was zu sagen? Das Leben als Rohmaterial, sage ich jetzt. Es gibt Leute, die haben starke Geschichten und sind literarisch gar nicht sehr versiert. Und trotzdem funktioniert das sehr gut, weil die Geschichten, das, was sie erzählen, einfach stark ist. Und es gibt Leute, die haben sozusagen eine gute, eine starke literarische Sprache. Allerdings, wofür, fragt man sich manchmal. Das machen wir ausgedünnt und man kann anfangen, die Sprache zu genießen. Man kommt sozusagen bei diesen Texten auf eine andere Art von Wahrnehmung dieser Texte. Da geht es dann plötzlich nicht mehr um die Inhalte, da geht es nicht mehr um, welche Geschichte wird erzählt, sondern geht es um das Wie der Darstellung und was diese Art von Sprache transportiert. Und dann gibt es Texte, die entwickeln eine Nähe zur Musik. Und es gibt andere Texte, man kennt das aus der Lyrik, die machen eine grafische Gestaltung. Die formen irgendwas nach. Es gibt dieses berühmte Gedicht von Ringelgnaz, das ist ein Trichter, und es gibt Jandelgedichte und so weiter, überhaupt konkrete Poesie, wo dieses Victorale plötzlich eine große Bedeutung bekam. Es gibt Texte, die haben einen Sound, auch Prosa-Texte einen starken Sound und es gibt Texte, die haben eine große Sachlichkeit und die gar nicht so einen Sing-Sang bilden, sondern die eine gewisse Härte haben in der Darstellung. Und irgendwo entwickelt sich in dieser Auseinandersetzung mit diesen Möglichkeiten und den eigenen Möglichkeiten, entwickelt sich etwas, was man dann vielleicht als den eigenen Stil bezeichnet bekommt. Weil das ist nicht etwas, was man sich einfach aussuchen kann. Aber das Fundament, wie soll ich sagen, der Steinbruch oder wie auch immer, der Rohstoff der eigenen Biografie, des eigenen Erlebthabens, ich sage jetzt mal Dickens, Graham Greene bis zu Virginia Woolf, die haben alle, weil du am Anfang gesagt hast, Kindheit. hast Kindheit. Die haben alle eines gemeinsam, nämlich zum Teil auch wirklich eine unglückliche Kindheit und Aber daran, aus dem kann man ja auch etwas schöpfen. Jetzt will ich nicht noch einmal an die Anna Karenina, den ersten Zahnarzt erinnern. Ich habe mich sehr gescheut, unglückliche Kinder, das klingt ja dann, dass man autobiografisch schreibt und viele machen das ja auch und es funktioniert oder auch nicht. Und ich habe mich sehr gescheut, früher autobiografisch zu schreiben, in einem engeren Sinn autobiografisch zu schreiben und zwar, warum? Es gab zwei Autoren, die ich sehr bewundert habe, als ich zu schreiben, zu veröffentlichen begonnen habe. Wir reden jetzt von meinem Alter von damals 18 Jahren. Und die waren halt vielleicht zehn Jahre älter und waren erfolgreich und haben Texte geschrieben, wie ich sie auch gern geschrieben hätte. Der eine war, zwei Österreicher, der eine war der Gernot Wolfgruber und der andere war der Innerhofer, Franz Innerhofer. Und dann habe ich erlebt, im Laufe, die haben so irgendwie jedes, jeder hat so drei Romane geschrieben von der unglücklichen Kindheit über das Arbeitsleben, das Unglückliche, bis zum unglücklichen Intellektuellen. Und dann war es aus. Und ich habe sozusagen dieses Verstummen dieser beiden Autoren, von mir sehr geschätzten Autoren über mehrere Romane hinweg, und dann war es irgendwie zu Ende bei beiden. Das hat mir zu denken gegeben. Und ich habe mir gedacht, man darf seine Autobiografie, seine Kindheitserinnerungen nicht zu früh verbraten. So irgendwie habe ich mir das zurechtgelegt und habe begonnen. und habe begonnen, ich habe zwar trotzdem Autobiografie, Texte, die nahe an meiner Biografie sind, von Anfang an trotzdem immer wieder geschrieben, aber es ist zum Beispiel, dass der Opernball kein autobiografisches Buch, es ist der erste Prosa-Band, die erste Novelle, die von mir erschienen ist, der Tod des Kleinhäusers in der Zeit, kein autobiograf, Der Tod des Kleinhäusers, kein autobiografisches Buch. Es ist das Vaterspiel, kein autobiografisches Buch. Ich habe mich versucht, dieses Autobiografische auf die kleineren Texte zu konzentrieren. Diese Linie ist aber nie abgerissen und hat sich jetzt im Alter zu größeren Texten entwickelt. Du wirst das zwei Bücher lesen. Josef Haslinger mein Fall. Sind beide autobiografisch. Jetzt würde ich gern... Der erste Satz. Nachdem ich jahrelang entschlossen gewesen war, es nicht zu tun, wandte ich mich am 25. November 2018 an die unabhängige Opferschutzanwaltschaft. Ein paar Monate lang war ich ziemlich sicher, dass ich dieses Buch nicht schreiben würde. Erstaunlich, ja. Ich weiß gar nicht, dass das den gleichen Anfang hat. Die Reflexion über das, was ich jetzt beginne zu machen. Ich habe die Ganselhaut gekriegt, sage ich, wie du mir gesagt hast, aus den beiden Büchern möchte ich, und dann habe ich sie aufgeschlagen und die lagen so wie hier nebeneinander und dann habe ich mir gedacht, möchte ich und dann habe ich sie aufgeschlagen die lagen so wie hier nebeneinander und dann habe ich mir gedacht ja ja normal ist das zögern ist die bewegung der reflexion und das war das Zögern ist für mich so eine Eigenschaft, die ich dir zuschreibe als Leser, bevor wir uns selber persönlich kennengelernt haben, nämlich, wann ist der richtige Zeitpunkt? Man kann alles objektivieren, ich will warten mit dem Schreiben, bis alle tot sind. ich will warten mit dem Schreiben, bis alle tot sind. Und ich denke mir, da steckt auch die Rücksichtnahme auf sich selber drinnen. Also ich sage jetzt ganz persönlich, du hast für so viele Leute, es ist SOS-Mitwentscher erwähnt worden, Du hast für so viele Leute, es ist SOS-Mindwensch erwähnt worden, Partei ergriffen, aktiv sozusagen im Leben und in der Schriftstellerei auch oder in Artikeln, in Essays, für die, würde man sagen, früher pathetisch, die entrechtet waren oder die keine Stimme gehabt haben, für dich selber Partei ergriffen, da war immer eine Pause dazwischen. Täusche ich mich mit dieser Einschätzung? Ja, tatsächlich hätte ich mich früher über solche Sachen nicht drüber getraut und hätte es auch mir selber verboten, mich da so in den Mittelpunkt zu stellen, mit meinen bescheidenen Geschichten. Bibi Island haben wir überlebt, was gibt es darüber zu sagen, außer das Beste ist, dass wir es überlebt haben. Und meinen Fall habe ich auch überlebt und ich habe nicht das Gefühl, dass ich jetzt mit einem gigantischen Trauma, das mein ganzes Leben zerstört hat, herumlaufe. Also eigentlich, was erzähle ich da? So habe ich das früher weggeschoben. Und ich habe mir auch wirklich gedacht, ich erwähne das auch im Buch, mein Fall, Ich erwähne das auch im Buch, mein Fall. Ich habe mir gedacht, als ich 40 war, habe ich mir gedacht, was soll meine Kindheit? Was hat das mit mir jetzt noch zu tun? Ich bin meine Wege gegangen und habe nicht das Gefühl, dass ich noch an irgendwelchen Strippen der Kindheit hänge, denen ich nicht entkommen konnte. Ich war in der Lage, mein Leben selbst zu gestalten und bin dafür voll verantwortlich. Es gibt keine Ausreden. Das war ganz gut als Basis, weil es mir ein gewisses Freiheitsgefühl gegeben hat und mich daran gehindert hat, irgendwie über mein eigenes Schicksal zu jammern oder so etwas. Ich hatte das Gefühl, wenn, dann bin ich selber schuld. Ab jetzt. Und das heißt Erwachsensein, dass man sich selber für das, was man macht, verantwortlich fühlt. Wenn man es nicht machen will, dann macht man es eben nicht. Aber zu sagen, ich mag nicht, weil dies und jenes ist passiert und ich bin so arm und so, und ich habe so ein Schicksal hinter mir, das sagt man überhaupt nicht. Und trotzdem hat es sich ergeben, dass das Ganze dann irgendwann auf den Kopf gefallen ist. Und dieser Moment des Umkippens, der bildet in beiden Fällen hier den Anfang im Buch. Der wird dann mehrmals aufgegriffen noch, warum es dann trotzdem dazu kommt, und warum es dann lässig auch für mich wichtig war, das zu machen. Und in beiden Fällen, diese Bücher haben etwas Seltsames gemeinsam, nicht nur, dass sie beide autobiografisch sind, das, was mich am meisten auch überrascht hat dann, war, dass ich für keine Bücher, die ich sonst geschrieben habe, aber auch nicht zu diesem Erfolgsbuch Opernball oder zu diesem zumindest politisch erfolgreichen Buch und umstrittenem Buch Politik der Gefühle, da auch nicht, noch nie so viele Zuschriften gekriegt habe, wie zu diesen beiden Büchern, wo ich ausgerechnet über mich rede und über nichts, niemanden sonst. Rede ich doch offenbar in hohem Maße auch über andere. Und das ist ein interessantes Phänomen. Ich habe viele Zuschriften gekriegt von anderen Tsunami-Überlebenden. Und ich habe Zuschriften gekriegt, das ist ein richtig dicker Ordner geworden, von Leuten, die selbst, Frauen und Männern, von Leuten, die selbst in der Kindheit missbraucht wurden. Die haben mir dann quasi als Gegengabe, so kann ich es irgendwie deuten, ihre Geschichte erzählt. Das sind zum Teil sehr ausführliche Briefe und Mails, die mir da zugekommen sind. Und das heißt, wenn man diesen Prozess, wenn das nicht einfach nur etwas erzählt wird, sondern diesen Prozess des Ringens, des inneren Ringens mit einer Geschichte, wenn das sichtbar wird, dann springt etwas beim Leser an, dem es auch so geht. Der dankbar ist dafür, dass das dargestellt werden kann, dass es dafür eine Sprache gibt. Das Geheimnis ist, warum diese Bücher einige Menschen so besonders tief angesprochen haben. Welches der Bücher möchtest du zuerst lesen? Ich lese meinen Fall. haben. Welches der Bücher möchtest du zuerst lesen? Ich mache mal chronologisch mein Fall. Ich habe später geschrieben, habe viel länger gebraucht, um mich dieser Sache so zu nähern, dass es autobiografisch durchsichtig wird. Denn natürlich habe ich Geschichten geschrieben, in denen Missbrauch eine Rolle spielte, aber ich habe das immer verklausuliert. Ich habe das immer fiktionalisiert. Einmal habe ich eine Geschichte geschrieben, die wurde auch veröffentlicht in einer Anthologie. Das war, glaube ich, das erste Mal, dass ich mich dem Thema gestellt habe. Die plötzlichen Geschenke des Himmels. Und da gibt es schon einen seltsamen Hinweis drauf, denn der Mann, der hier Pater Gottfried heißt, weil er Pater Gottfried geheißen hat, der heißt dort Pater G, abgekürzt. Und da wollte ich irgendwie schon den Namen andeuten, wahrscheinlich, wenn er es liest, dass er genau weiß, ich meine ihn schon, aber ich weiß nicht und trotzdem wollte ich es nicht rausrücken, ich wollte trotzdem nicht, ich wollte trotzdem das Ganze ein bisschen im fiktionalen Raum halten und ein bisschen spielen damit, so ein bisschen eine Geschichte erzählen, auch nicht unbedingt hundertprozentig autobiografisch halten, Geschichte erzählen, auch nicht unbedingt hundertprozentig autobiografisch halten, dass es als Geschichte auch funktioniert. Ja, und das ist dann irgendwann abgeblättert und da fange ich jetzt einfach zu lesen an. Die unabhängige Opferschutzanwaltschaft existierte seit über acht Jahren, aber ich hatte nie das Bedürfnis gehabt, dort meinen Fall zu Protokoll zu geben. Ich gab, wenn ich von Freunden darauf angesprochen wurde, warum ich nicht aussagen wolle, zynische Antworten. Ach, das ist ewig her. Irgendwer muss einen ja in die Sexualität einführen. Bei mir waren es halt Zisterzienser-Mönche. Der Druck, mich selbst mit solchen Antworten nicht zufriedenzugeben, wuchs. Und dann waren es aber letztlich nicht die vielen psychologisierenden Menschen, die mich umgaben, sondern es war eine Begegnung mit zwei Unbekannten, die meinen Entschluss, vor dieser Kommission nicht auszusagen, innerhalb weniger Tage ins Wanken brachte. Auf dem Weg nach Berlin saß ich in einer der Abflughallen des Wiener Flughafens, nicht auszusagen, innerhalb weniger Tage ins Wanken brachte. Auf dem Weg nach Berlin saß ich in einer der Abflughallen des Wiener Flughafens. Da fielen mir zwei Zisterzienser-Mönche auf, gekleidet in ihrem weißen Habit mit schwarzem Skapulier, die im Gespräch auf- und abgingen. Es ergab sich, dass ich am Gate direkt hinter ihnen stand. Ich fragte sie, ob sie vom Kloster Heiligenkreuz kämen. Und ich hatte mich nicht geirrt. Der eine war noch jung, kaum älter als 30, den anderen schätzte ich auf etwa 60 Jahre. Ich fragte die beiden, ob Pater Gottfried noch lebe. Nein, sagte der Ältere der beiden. Pater Gottfried ist vor vier Jahren gestorben. Haben Sie ihn gekannt? Er war mein Religionslehrer in Stiftswett. Sie haben ihn gemocht, nehme ich an. Ja, ich habe ihn gemocht. Nach einem Moment fügte ich hinzu, warum fragen Sie das? Sie wissen, dass er damals nicht freiwillig nach Heiligenkreuz gegangen ist. Daraufhin warnte sich der Ältere der beiden von mir ab und hatte es eilig, durchs Geld zu kommen. Der Jüngere blieb bei mir stehen. Nach einer kurzen Weile der Unbehaglichkeit sagte er, ich war sein Beichtvater. Gottfried tat sich schwer, mit dem Leben abzuschließen. Ich konnte es nur so deuten, dass er verstand, worauf ich angespielt hatte. Mit ihm hat alles begonnen. Er hat mich in ein Dilemma gebracht, das, wie ich mir eingestehen muss, bis heute anhält. Ich war zehn Jahre alt, als Pater Gottfried Eder sich für meinen kleinen Penis zu interessieren begann und dabei ganz offensichtlich in Erregung geriet. in Erregung geriet. Ein Zustand, den man als Zehnjähriger eigentlich nicht kennt, wenn man nicht das Pech hatte, von seinen Eltern mit deren Sexualität belästigt worden zu sein. Es hat eine Weile gedauert, bis Pater Gottfried sich die intime Annäherung traute. Als er merkte, dass ich es zuließ, suchte er nach Gelegenheiten, die Spielchen zu wiederholen und wenn möglich ein wenig auszuweiten. Ich weine nicht, weil es so traurig ist, sondern ich weiß nicht, warum. Aus irgendeinem Grund habe ich da, vielleicht ist es die Sonne geredet von halb früh. Ich ging mehrere Etappen mit. Es kam mir nicht in den Sinn, ernsthaft dagegen etwas zu unternehmen. Danke. Ich hätte Angst gehabt, die Aufmerksamkeit und Zuwendung von Pater Gottfried zu verlieren. Ich sprach auch mit niemandem darüber. von Pater Gottfried zu verlieren. Ich sprach auch mit niemandem darüber. Ich hatte in meiner damaligen Wahrnehmung eine Art väterlichen Freund gefunden. Einen Erzieher, der mich nicht schlug und der sich für meine Probleme interessierte. Einen, der mich tröstete, wenn andere mich hänselten oder verdroschen. Hinzu kam, dass Pater Gottfried in der Zeit, in der er mit mir sexuellen Kontakt aufnahm, auch mein Religionslehrer wurde. Es war damals mein sehnlicher Wunsch, Priester zu werden. Ich hatte das mit meiner Mutter so vereinbart und mich mit diesem kindlichen Gedanken ganz und gar angefreundet. In meiner Heimatpfarre in Etzen war ich in der Volksschule Ministrant gewesen und danach, als ich schon Sängerknabe war, teilte mich der neue Pfarrer in den Ferien gerne als Lektor ein. Ich hatte eine enge Bindung an die Pfarre. Pater Gilbert kam mit meiner Mutter überein, dass ich zu höheren Berufen sei, womöglich zum Priesteramt. Ich dachte mir, dass ich vielleicht Missionar werden könnte. Ich bekam damals kaum Taschengeld, aber manchmal an Geburtstagen, zum Kirchtag, bei der Erstkommunion, machten meine ländlichen Verwandten, durchwegs kleine Bauern, mit Geldgeschenken auf sich aufmerksam. Einen Teil davon legte ich zurück. Einmal im Jahr spendete ich dieses Geld an die Mission in St. Gabriel in Mödling. Das tat ich auch nach der ersten und zweiten Klasse in Stiftzwettl. Ich bekam Dankesbriefe von der Missionsprokur. Am 28. Februar 1967, als die Berührungen meiner Geschlechtsteile durch Pater Gottfried längst im Gange waren, wurde ich in einem Brief aus St. Gabriel erstmals gesiezt. Sehr geehrter Herr Haslinger, von Herzen danken wir Ihnen für Ihre Missionsgabe, die Sie uns dieser Tage zukommen ließen. Gott, der Vergelte alles Guten, segne Sie hierfür und beschütze Sie hier auf Erden und Seinen nach Ihrem dereinstigen Tod, Ihr überreicher Lohn. Auf alles müssen wir mit unserem Tod verzichten. Nichts können wir in die Ewigkeit mitnehmen. Nur die guten Werke folgen uns und helfen uns, die ewige Glückseligkeit zu erhöhen. Die Missionen zu unterstützen, mitzuhelfen an der Rettung unsterblicher Menschenseelen, ist, wie sich einmal ein Kirchenlehrer ausdrückte, das göttlichste aller guten Werke. Darüber dürfen Sie sich mit Recht freuen, denn Sie haben hier auf Erden mitgebetet und mitgeopfert für die Ausbreitung des Reiches Gottes. Mit dem Versprechen Ihrer und Ihrer Anliegen und Sorgen beim heiligen Messopfer stets zu gedenken, grüßen wir Sie in der Liebe Christi. Die Unterschrift ist unleserlich und ich wäre damals natürlich nicht auf den Gedanken gekommen, dass der Absender womöglich gar nicht auf mein Alter geachtet und einfach den falschen Schimmelbrief abgedippt hat. Ich wurde mit sie angesprochen, gewiss das erste Mal in meinem Leben. Es wird wohl nicht viele andere Organisationen geben, die ihren Spendern ein angenehmeres Leben im Jenseits in Aussicht stellen. Man, sometimes it takes a long time to sound like yourself. Sometimes it takes a long time to sound like yourself. Hat der Miles Davids einmal gesagt. Wie lange brauchst du, um dich nicht einzusingen, sondern ins Schreiben zu kommen? Gibt es Rituale, die das erleichtern? Ich will jetzt keine anderen Schriftstellerinnen und Schriftsteller erwähnen, die mir von solchen Ritualen erzählt haben, aber ich denke, es ist spannend zu wissen, wie Josef Haslinger dazu kommt, diesen Flow, diese Tonalität zu finden. Es hat keinen Punkt noch gegeben, das am Ende so begonnen hat, wie ich es begonnen habe, zu schreiben. Also irgendwann muss man anfangen zu schreiben und muss eine gewisse Disziplin entwickeln, also wie man weiß, was man will, also einigermaßen weiß. Also es gibt ja Leute, die setzen sich hin und fangen irgendwas an und schauen, was daraus wird. Das war bei mir nie so. Da hätte ich nicht angefangen. Das ist eine mühsame Arbeit, sich einfach hinzuschreiben und mal drauf los. Nein, was? Aber manchmal gibt es Texte, die ich anfange, die höre ich dann auf, weil es zu nichts führt. Das breche ich ab. Und manchmal bringe ich die Disziplin auf, das sozusagen weiterzutreiben. Und dann kommt auch irgendwann der richtige Anfang zustande und der richtige Sound zustande. Das entwickelt sich erst. Ich bin einer, der ziemlich oft überarbeitet. Und früher war das mühsam, weil man musste dann immer abtippen neu oder durchstehen, zunächst einmal handschriftlich das Ganze korrigieren und dann wieder abtippen. Die nächste Fassung war schon wieder, das ist alles schwierig. Jetzt passiert es auf dem Computer, es passiert laufend. Am nächsten Tag lese ich das vom Vortag und fange mal mit Korrekturen an. Liest du laut? Ja, das ist ab einem bestimmten Zeitpunkt wichtig. Nicht am Anfang, am Anfang nicht, aber relativ bald. Dann ist es wichtig, wenn ein gewisser Sound da ist und ein gewisser Ton, eine Tonlage da ist, dann ist es wichtig, das auch laut zu lesen. Weil das muss, dann spüre ich besser, ob es passt oder ob es nicht passt. Aber es gibt ein Lautvorlesen, das man gar nicht hört. Das lernt man mit der Zeit. Ich muss nicht so laut lesen, dass meine Frau das mithört im Nebenzimmer und lese trotzdem laut. Es gibt so dieses innere Lautlesen, dass man es so liest, dass man, ich kann es natürlich nicht vormachen, sonst würden Sie es ja nicht hören, aber vielleicht kennen Sie das Phänomen, dass man den Sound sozusagen mithört schon und wenn es vielleicht dann doch ein Mitflüstern ist oder ein leises Mitreden, das kann schon dabei sein. Ich weiß es ja dann nicht, weil wenn ich arbeite, dann ist es so, da können jetzt, ich habe ja eine neue Lebenssituation, da können auch die Enkelkinder herumlaufen und das höre ich nicht. Ich bin dann so konzentriert oder meine Frau kommt rein oder irgendwer macht irgendwas im Zimmer und ich kriege es gar nicht mit, weil ich dann ganz so drinstecke in dem, was ich halt gerade mache. Aber es dauert, bis es soweit ist. Am Anfang würde das nicht gehen. Am Anfang würde mich alles stören. Am Anfang brauche ich schon einmal eine gewisse Ruhe. Früher habe ich gerne in der Nacht geschrieben, in die Nacht hinein, zumindest bis Mitternacht, manchmal darüber hinaus. Das habe ich aufgehört. Das liegt mir jetzt nicht mehr im Alter. Eher der Morgenschreibende? Nein, auch das nicht. Morgenmensch bin ich nie geworden, aber ich habe mich ein bisschen diesbezüglich disziplinieren müssen, weil ich eben sehr lange, 25 Jahre tätig war an der Uni und so und da gab es natürlich in der Früh auch Seminare und so weiter. Also ich musste mich disziplinieren, dass ich doch. Und dann hat sich herausgestellt, insbesondere wenn man Wert darauf legt, dass in einem Seminar wenig Studenten sind oder nicht zu viele Studenten sind, vor allem wenn das Seminar das Zeug hätte, attraktiv zu sein und viele Studenten anzulocken, ist es gut, dass man es in der Früh macht. Und so habe ich gerne diesen, früh heißt es für Studenten auch 9 Uhr, das ist schon früh, früher war das 7 in der Uni Wien, als wir studiert haben, hat es da welche gegeben, die haben um 7 ihr Seminar angesetzt, jedenfalls um 8 gab es dann schon mehrere, aber Verrückte auch um 7. Und ich habe das halt in Leipzig immer um neun angesetzt in der Früh. Bestimmte Seminare, wo es mir wichtig war, dass sich eine gute Gesprächsgruppe ergibt, die liegt in der Gruppengröße von etwa acht, neun, vielleicht zehn Personen. Da habe ich die beste Erfahrung mit einer so überschaubaren Gruppe, weil keiner entkommt. Keiner entkommt einem und trotzdem sind genug da. Und wenn die alle irgendwie zusammenwirken, sind genug da, um andere Meinungen einzubringen. Es läuft auch in sich nicht tot. Es ist genug Dynamik drinnen. Also es ist einfach eine persönliche Erfahrung. Und das hat dazu geführt, dass ich in der Früh schon etwas besser beieinander bin als ganz früher, als ich in der Nacht gearbeitet habe. Aber ich bin jetzt natürlich, ich fange dann halt an, so wie es jetzt ist. Und ich schreibe ja gerade an etwas so um zehn, halb elf, Vormittag und dann geht es halt durch bis am Abend. Die beiden ersten Sätze erinnern mich an ein Gespräch mit dem Christoph Ransmeier, der ja, wie soll ich sagen, obsessiv am ersten Satz gefehlt hat oder wahrscheinlich immer noch. Wie wichtig ist für dich der erste Satz? Das ist schon wichtig, aber diese Obsession teile ich nicht. Der erste Satz muss für mich stimmen, er muss eine gute Einführung sein, ein Auftakt. Es sind Auftaktsätze natürlich, die fahren nicht mit der Tür ins Haus, sondern sie leiten etwas ein und es muss, das stimmt schon, der Anfang muss, er muss auch Interesse wecken, der Anfang, ja, und er muss ein Thema auf eine Weise aufgreifen, dass es nicht falsch ist, er soll auch nicht in die Irre führen. Das sind schon, aber ich bin nicht, ich bin jetzt kein Fanatiker des ersten Satzes. Es gibt ja auch welche, die sagen, erster Satz und der muss stimmen und dann geht's weiter, ja, ich finde den ersten Satz, den Anfang, es ist dann nicht der erste Satz, sondern es ist ja meistens der erste Abschnitt, den finde ich erst im Laufe des Schreibens. Also der erste Satz ist nicht der erste Satz? Nein, war noch nie. Oder vielleicht war er mal, ich habe es jetzt nicht in Erinnerung, dass es vielleicht so gewesen ist. Ich schließe es nicht aus, dass es mal so sein kann. Aber bei diesen Texten war es sicher nicht und bei den Romanen war es auch nicht. Ich musste mich immer erst in den bestimmten Sound, in eine bestimmte Tonlage, in ein bestimmtes Stoffgefühl, wenn ich das so nennen darf, hineinschreiben. Dann habe ich das Gefühl, jetzt funktioniert es und dann findet sich auch der Dreh, wie ich am besten das Ganze beginnen könnte. Gibt es eine Ästhetik des ersten Satzes? Gibt es eine Ästhetik des ersten Satzes? Wie der wirklich auch vom Klang sich zum Beispiel... Nein, nein, nein, weil das klingt schon unterschiedlich. Es ist schon ein Unterschied, ob ich einen Roman schreibe, eine fiktionale Geschichte schreibe oder ob ich etwas Autobiografisches schreibe. Das ist ja eigentlich ein nicht fiktionales Genre. Letztlich ist es ja ein faktuales Genre. Und es gibt ja auch einen großen Unterschied, wenn jemand einen Text schreibt, eine Erzählung schreibt, die mit Ich beginnt, kann dieses Ich alles Mögliche sein. Es könnte ein weibliches Ich sein, es kann ein alter Mann, ein Kind, es kann alles Mögliche sein. Es könnte ein weibliches Ich sein. Das kann ein alter Mann, ein Kind sein. Das kann ein Katos sein oder was weiß ich, was alles schon geschrieben wurde als Ich. Aber niemandem erlegt man die Zumutung auf, dass er das mit dem Auto identifiziert. Es kann schon sein, dass so mancher Text in Ich-Form dann doch ein bisschen abgeklopft wird. Aha, er ist auch in diese Schule gegangen, aha, er kommt auch aus dieser Gegend. Klar, das wird sicher häufig der Fall sein, wenn diese Ich-Geschichten auch einen gewissen autobiografischen Charakter haben, jedenfalls aus der eigenen Erfahrung, aus der eigenen Lebensgeschichte schöpfen. Aber wenn man einen faktualen, also einen autobiografischen Text schreibt, dann ist dieses Ich der, der da sitzt. Dann gibt es diese Unterscheidung zwischen Erzähler und Autor nicht. Dann ist der Autor der Erzähler und wenn er Ich sagt, dann ist er der. Und wenn der etwas sagt, was nicht stimmt, dann kann ein Leser sagen, na Moment einmal, das behauptet, aber das stimmt nicht. Ich kann einen autobiografischen Text abklopfen darauf, ich identifiziere den Erzähler mit dem Autor, darüber sind einige Autoren schon gestolpert, weil sie die Grenzen, weil sie getan haben, es wäre autobiografisch, dabei war es autofiktional. Ja, es gab einen, wie ist denn der da, dieses DDR-Autor, der behauptet hat, dass er im KZ war und dabei war er nicht. Er war ein bedeutender DDR-Autor, ein Freund von Erich Honecker und so. Weiß es jemand im Publikum? Es gab einen DDR-Autor, der wirklich bedeutend war und der aber auch keine ungutige Rolle gespielt hat, weil er für Schriftsteller immer wieder, auch beim Erich Honecker, der ihn geschätzt hat, was er erreicht hat, also bestimmte Liberalisierungen. Und der hat alles davon ausgegangen, weil das hat in seiner Biografie, und es gab auch einen autobiografischen Text, in dem das vorkam, dass er im KZ saß. Und dann hat ihm, da war aber die DDR schon zu Ende, hat ihm ein westdeutscher Literaturwissenschaftler nachgewiesen, dass der nie im KZ war, dass das nicht gestimmt hat. Und das hat ihn zu Fall gebracht. Der war schlagartig weg vom Fenster und dann ging nicht der Mann, weil er sozusagen diese Grenze überschritten hat. Und das ist so wie beim Journalismus, ist das auch so. Du kannst in einer Reportage die Mittel einer Kurzgeschichte und einer Erzählung verwenden. Aber trotzdem ist dieses Ich, das da steht, das Ich. Und wenn jemand sagt, dass irgendein Politiker im Keller mit der Eisenbahn spielt und so tut, als hätte er das gesehen, dann war es aber nicht so, dann hat er ein Problem. Das ist auch im Journalismus zu Recht so. Und das betrifft eben auch die Autobiografie. Wenn sie einen Bestand haben soll, dann darf man darin nicht flunkern. Das ist so. Und da kommt automatisch ein anderer Ton rein. Da kann ich nicht dann, wenn ich weiß, was jemand gedacht hat, dann muss ich es irgendwie erfahren haben. Dann gelten plötzlich andere Regeln. In der Literatur, in der Erzählung kann ich wunderbar die erlebte Rede einsetzen und ich kann mehr oder weniger in die Gedanken einer dritten Person hineingehen. Das ist großartig, das ist das Schöne. Wenn ich das Ganze, wenn ich anderswo, wenn ich in einem faktualen Text oder eben auch einer Autobiografie weiß, was ein anderer sich gedacht hat, dann muss ich irgendwie glaubwürdig machen, wie ich es erfahren habe, wie ich auf die Idee komme, dass ich weiß, was der gedacht hat. Oder auch empfunden hat. Empfunden hat, ja. Man spürt es beim Lesen, wenn das auseinander driftet. Ja, natürlich. Es ist so, dass jeder Leser schließt mit einem Text einen Pakt. Wenn das nicht funktioniert, dann gefällt ihm das Buch sowieso nicht, dann legt es irgendwann aus der Hand oder er muss es trotzdem zu Ende lesen, weil er was schreiben muss drüber oder so. Aber dann haut es nicht hin. Der Pakt, man lässt sich auf das ein. Und ein Pakt zu einem autobiografischen Text ist ein anderer Pakt als zu einer Erzählung. Und das erkennt man nicht, ob da ich steht oder er oder sie steht, quasi an der Person, die erzählt, sondern es erkennt man daran, ja, das ist ein Pakt. Wenn ich ein Märchen lese, dann lasse ich bestimmte Dinge zu. Dann lasse ich zu, dass es eine gewisse Zauberei gibt und Dinge, da gibt es Leute, die können mehr, als man sonst kann. Und das ist ein Pakt, auf den ich mich einlasse. Wenn plötzlich eine Figur irgendwo in einer realistischen Erzählung etwas kann, was Märchen aufklängt, was ist denn das jetzt? Erzählung etwas kann, was märchenhaft klingt, was ist denn das jetzt? Dann sucht man nach Elementen, die es plausibel machen. Gibt es da vielleicht mehrere solche Figuren oder was will er uns damit sagen oder wie kann ich das wieder in einen Pakt kriegen? Wie kann ich da wieder einen Pakt schließen damit? Sonst würde ich sagen sagen, der hat aber ordentlich daneben gehauen. Ordentlich daneben gehauen, Registratur des Scheiterns, als Stichwort dazu vielleicht, weil du vorher die Gefühle, die Politik der Gefühle erwähnt hast. Hast du diese Texte sozusagen als Beispiele des Scheiterns, dass du vor einer politischen Entwicklung gewarnt hast und niemand hat sie ernst genommen, abgelegt. Die Reaktionen waren stark, aber wenn man heute jetzt nicht nur die Politik der Gefühle, sondern zum Beispiel des Elend Amerikas durchliest, fast seherische Formulierungen zum Herrn Trump findet, vor wie viel, 30 Jahren oder länger sogar? 92 oder 34 Jahren. 34 Jahren. Dann frage ich mich, ob es dich nicht ab und zu drängt, dazu eine, wie soll ich sagen, statt Politik der Gefühle, über die Gegenwart ein Buch zu schreiben mit dem Titel Politik der Gefühllosigkeit. Es ist nicht so, dass dieses Seherische, auch beim Opernball, weil es dann dieses Attentat in Japan war, ein deutscher Journalist hat ein Interview mit mir gemacht, Herr Haslinger, sind Sie ein Prophet oder so etwas? Das sind zwei Bücher, wo ich versucht habe zu verstehen, was vorgeht, ganz einfach. Und das war nichts in die Zukunft schauen, sondern es war eine Erlösung dessen, was vorgeht, was passiert eigentlich gerade. Und Politik der Gefühle war das dieser Waldheim-Wahlkampf, den ich beobachtet habe, wo ich zuerst fassungslos davor stand und wo ich alles aufgeschrieben habe, was mir untergekommen ist. Ich habe die Plakate abgeschrieben, damals hatte ich ja noch kein Handy, das war noch vor der Zeit, ich habe das tatsächlich aufgeschrieben, was da drauf steht. Und wenn mir Broschüren in die Hand fielen von der ÖVP oder von irgendwas, in diesem Waldheim-Wahlkampf, dann habe ich das aufgeschrieben oder mir notiert und habe beobachtet und Material irgendwie schon gesammelt. Was ist da jetzt los eigentlich? Und dann kam ich halt mit dieser These der politischen Gefühle, dass hier alte Ressentiments aufgewärmt werden, dass diese Einstellung, diese nie aufgearbeitete Einstellung der Wehrmachtsgeneration, die sagt, dass man da die Pflicht erfüllt hat und das wurde nie in Frage gestellt, dass die Verbrechen der Wehrmacht waren damals noch nicht im Mittelpunkt und Ähnliches. Und ich habe gemerkt, wie das alles funktioniert. Ich habe das gemerkt bei meinem eigenen Schwiegervater, mit dem ich plötzlich völlig in Konflikte geraten bin, über diesen Waldheim-Wahlkampf. Ich habe gemerkt, in dem Dorf, aus dem ich komme, was da plötzlich los war, wie die da geschimpft haben, über diese Leute, die da gegen den Waldheim, diese jungen Leute, die sollen selber mal in den Krieg gehen, dann werden sie schon sehen. Was sich da plötzlich, Emotionen geschürt wurde. Und das wurde bewusst so gemacht. Das war Wahlkampfstrategie. Das sollte so funktionieren. Das sollte emotionalisieren. Und das habe ich versucht, mit einigermaßen zugänglicher Sprache darzustellen. Aber einer der Kernaussagen war doch, ihr werdet gesinnungslos, ihr macht die Grundsätze der Politik entwertet und ihr macht Werbung wie für ein Waschmittel. Ja, genau. Ist auch so. Das Entscheidende ist, diese Werbungstrategien der Wahnästhetik, wo man versucht, Produkte einem zu verkaufen, das wurde dann auch von der politischen Werbung, zum Teil sind das ja Agenturen, die nicht nur Politik machen, sondern die auch für andere Werbezwecke zur Verfügung stehen und die relativ gut wissen, wie man Produkte und so ein Politiker wird dann eben auch zu einem Produkt, zu einem emotionalen Produkt, das wird aufgeladen mit einem bestimmten emotionalen Konnex und dieser Konnex wird gehalten und die Leute, die sich da um diese Figur gruppieren, versuchen das noch einmal sozusagen hoch zu halten. Dann gibt es auch für sich stellen sich Codes ein, um diese Figurgruppieren versuchen, das noch einmal sozusagen hochzuhalten. Und dann gibt es auch, plötzlich stellen sich Codes ein, die verstanden werden von dieser Gruppe. Dann musste man, sagte man Ostküste. Und man meinte nicht irgendwelche Urlaubsstrände in Florida oder in North Carolina. Man wusste genau, mit Ostküste war gemeint die jüdische Weltkongresse in North Carolina. Man wusste genau, mit Ostküste war gemeint, die jüdische Weltkongresse in New York. Und das Judentum, die Juden von New York, die gegen Waldheim da Stimmung gemacht haben in der New York Times. Und diese Codes, die dann... Also es ist eine umfassende Emotionalisierung gewesen und dann habe ich aber am Schluss noch in dem Buch das hat diesen schönen Kaba, das ist dem Luchtanfrag damals eingefallen, dieses Rolling Stones da habe ich am Schluss einen letzten Text, der hat, oder der ist mittendrin, glaube ich sogar, Ilse M. Aschner erzählt. Ja. Ja, da ist es. Das ist, glaube ich, das längste Kapitel. Das ist so irgendwie nach der Hälfte eingestreut. Und das ist das Kapitel einer Gegenbiografie. Das ist also nicht jemand, der etwa so alt war wie Kurt Waldheim damals, aber eben jüdisch, auch wenn es konvertiert waren, die Eltern, das hat er damals nichts mehr genutzt nach den Nürnberger Gesetzen. Die waren evangelisch. Sie waren evangelisch getauft. Evangelisch getauft sogar, aber was hat es gebracht. Und einfach eine Gegenbiografie, wie ist der, wie die ihre Kindheit erlebt hat, wie die ihre Jugend, die dann nach England verschickt wurde, zum Glück rechtzeitig, sonst wäre sie nicht mehr am Leben geblieben. Und was sie erlebt hat, als sie zurückgekommen ist und wie sie sich den Waldheim empfindet, wie der sie plötzlich erinnert hat an all das, wie sie zurückgekommen ist aus England und den Leuten, die ihr erzählt haben, was sie alles mitgemacht haben. Ihr habt es ja sehr gut gehabt da drüben in England. Und es war eine völlige Verdrehung der politischen Umstände, in denen das... Ja, und das habe ich damals... Mit der habe ich gesprochen, die hat mir diese Lebensgeschichte erzählt und ich habe sie abgetippt und dann noch einmal zum Lesen gegeben, dann haben wir noch einmal durchgegangen und das habe ich in dieses Buch eingebaut. kommt mir das vor, das ist das Stärkste an diesem Buch, dass ich das gemacht habe. Der beste, denn über Politik der Gefühle und wie das heute alles funktioniert mit diesen politischen Werbungsstrategien und wie diese Emotionalisierung, man hört es jeden Tag, man braucht ja nur diesen Kickl anschauen, was der so von sich gibt. Juckt es dich nicht manchmal wieder eine Analyse, weil dieser Text wird ja als hervorragende Analyse, als Schlüsseltext des Rechtspopulismus auch angesehen, wieder zur Feder zu greifen oder in die Tasten... Nein, im Prinzip hat sich da nichts geändert. Man könnte die Gegenwart diesbezüglich aufschlüsseln, natürlich könnte man das machen, aber das macht ja eh, es gibt ja so viele Leute, die das machen. Also Zeitgeschichte interessiert dich zur Zeitgeschichte? Nein, es interessiert mich sehr. Ich hänge dauernd bei den Nachrichten und lese alles und so weiter. Aber es interessiert mich sehr. Aber ich habe nicht das Bedürfnis, dass die Öffentlichkeit mich braucht, dass ich ausgerechnet etwas Neues zu sagen hätte. Und da habe ich das Gefühl gehabt damals, dass ich schon einen Zugang habe, wie ich ihn so nicht gelesen habe. Zugang habe, wie ich ihn so nicht gelesen habe. Es wurde zwar viel über Politik gesprochen, aber dass es hier auch um neue politische Werbestrategien geht und neue Formen der Emotionalisierung, das war so nicht in der Öffentlichkeit. Da habe ich das Gefühl, ich habe da was dazu zu sagen. Ich habe mir gedacht, die Stoffe, die du verwendet hast, was haben die da etwas gemeinsam in deinem Schreiben? Und ich habe so das Gefühl, es gibt so zwei Pole, zwischen denen dein Schreiben oszilliert. Das eine ist die Fiktion und das andere ist die Zeitgeschichte. Das eine kommt ohne das andere nicht aus. Jetzt würde mich schon interessieren, ob du zurzeit wieder über einem Buch sitzt, ob das Zeitgeschichte betrifft, das hast du eher verneint jetzt gerade. Nein, nein, Zeitgeschichte. Zeitgeschichte. Ja, ja, ich bin in der Zeitgeschichte, wenn man jetzt ein bisschen zurückgeht, also die Zeit unserer Eltern und Großeltern. Also wir reden von Österreich? Ja. Nein, ich habe zwei Jahre eine Geschichte recherchiert und die schreibe ich jetzt. Und das ist wieder ein faktuales Buch. Es ist eine Art historische Reportage. Wann werden wir es lesen können? Im Frühjahr. Ich bin schon sehr weit. Ich werde es Ende Juli abgeben. Dann haben wir noch ein paar Monate Zeit, uns um das Lektorat zu kümmern. Und dann wird es im Frühjahr erscheinen. Gut. Dann kann ich mir den Stefan anschauen und sagen. Gut, ich habe etwas, was sozusagen die Privatperson Josef Haslinger betrifft, die Privatperson Josef Haslinger betrifft, nämlich die gesellschaftspolitische Aktivität. Was ist deiner Meinung nach zu tun, damit die Erosion des demokratischen Systems in Österreich gestoppt wird, sagen wir mal so. Dass wir aufpassen auf Meinungsfreiheit, auf Pressefreiheit, bis hin zum Demonstrationsrecht. Dass wir da aufpassen, was mit unseren Freiheiten passiert. Hat die Literatur da eine Aufgabe oder ist es jeder Einzelne gefordert, selber sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen? Es ist sowieso jeder Einzelne gefordert und man sollte den Schrittstellern auch nicht eine privilegierte politische Meinung zubilligen oder davon ausgehen, dass sie automatisch eine haben, nur weil sie Schrittsteller sind. Das nicht, aber sie haben natürlich eine spezifische Aufgabe, in der sie publizistisch tätig sind. Und das Veröffentlichen von Texten hat natürlich auch einen politischen Horizont. Und da gewisse Achtsamkeit zu entwickeln, was da gesagt wird und was da bedient wird, das kann man von einem Schriftsteller erwarten. Aber so allgemeiner gesprochen, ich glaube, dass man den größten Fokus auf das systematische oder den langsamen Abbau des Egalitätsprinzips legen muss. Ich glaube, das ist so der Kern einer demokratischen Gesellschaft, dass die Menschen gleiche Rechte haben und einen gleichen Wert haben, die gleiche Würde haben, gleichen Wert haben, also gleichen Stellenwert auch in dieser Demo. Das Stimmrecht hat sozusagen die gleiche Wertigkeit wie die Stimme eines anderen. die gleiche Wertigkeit wie die Stimme eines anderen. Und in der Theorie und in der Praxis verschwindet das immer mehr. Wir haben ja insbesondere in städtischen Ballungszentren verlieren immer mehr Menschen, immer mehr Prozent der Einwohnerschaft ihr demokratisches Stimmrecht. Die können schlicht nicht wählen gehen, weil sie keine Österreicher sind. Und diese Einbürgerungsprozesse werden immer weniger, anstatt sozusagen nach dem, was passiert ist 2015 und es tatsächlich einen kräftigen Nachschub gegeben hat an Menschen, anstatt die Anstrengungen zu erhöhen, ja, der Integration, um die Gesellschaft nicht erodieren zu lassen, wurden diese Anstrengungen eigentlich runtergefahren. Und das ist eine tragische Entwicklung. Das betrifft natürlich dann auch das Schulsystem, das in bestimmten Teilen völlig eigentlich vernachlässigt wurde, wurde zugesehen, wie die Gesellschaft auseinandergeht. Und es betrifft letztlich auch die Schere, die zwischen Arm und Reich auseinandergeht, in Österreich aber auch global. Denn man darf ja nicht vergessen, dass wirtschaftliche Macht immer stärker auch mit politischer Macht einhergeht. Und wenn das Ganze einmal ein Maß überschreitet, dass sozusagen in einem demokratischen Rahmen einfach akzeptiert wird von jedem. Wenn zum Beispiel, ich würde sagen, wenn, nehmen wir ein Beispiel, wenn so in einer Firma oder in einem bestimmten die Leute verdienen, wenn derjenige, der das meiste verdient, zehnmal so viel verdient, wie derjenige, der das wenigste verdient, ich glaube, dass die Leute das akzeptieren würden. Das wäre sozusagen, das wäre fast schon Egalität, das wäre fast, gemessen an dem, was in Wirklichkeit der Fall ist. Das Zehnfache würde überhaupt niemanden mehr schrecken. Wenn da Leute von einer rausgehen, die putzen dort 1.200 Euro, kriegen die vielleicht mit oder Grad und der andere, der Höchste, was in der Firma verdient wird, sind 12.000 Euro. Na gut, 12.000 Euro, das würde akzeptiert werden. Aber wenn es dann um Beträge geht, 120.000 Euro bis zu einer Million und noch was im Monat, was dann bei Topfirmen ja der Fall ist und bei Spitzenverdienern, dann fällt jedes Maß. Diese Ballung von ökonomischer Ungerechtigkeit, die sich da immer stärker entwickelt, hat auch mit politischem Einfluss zu tun. Weil man merkt, man ist ja nicht einmal mehr in der Lage, diese Leute zu versteuern. Man gibt ja, auch in Österreich ist das so, auch jetzt wieder, wenn es gespart werden soll, es ist leicht, den Mittelstand abzukassieren und was man unten kriegen kann, aber an die Spitzeneinkommen, da traut man sich ja überhaupt nicht mehr ran. Und wenn man sich irgendwo herantraut, dann sind sie plötzlich verschwunden, weil die halt so alle mit Schlupflöchern sind. Also solche Sachen sind jetzt, was die ökonomische Situation betrifft, natürlich, glaube ich, doch auch ein echtes Problem. Dass man wahrscheinlich gar nicht einfach so angehen kann als national, sondern das ist natürlich eine internationale Sache, aber die Europäische Union, wenn sie ein demokratisches Gefüge bewahren will, auf Dauer muss das angehen und sollte das angehen. Man sollte das angehen. Und was dieses Egalitätsprinzip sonst im gesellschaftlichen Zusammenleben betrifft, da glaube ich, ist es wirklich so, dass wir es da eher mit einem Verlust von demokratischem Bewusstsein zu tun haben, als mit einer Zunahme. Mir kommt das jedenfalls so vor, weil ich glaube, dass man sich in einer Gesellschaft, in der eine allgemeine Verantwortlichkeit da ist von denen, die daran teilnehmen, dass man in der auch aufmerksamer ist auf andere Menschen. dass man in der auch aufmerksamer ist auf andere Menschen. Aber wenn es so ist, dass Leute sowieso überhaupt nicht mehr teilnehmen, dass überhaupt niemand Interesse hat, dass sie teilnehmen, dass man einfach zuschaut, wie das sich auseinander separiert, wie diejenigen, die Geld haben, dass sie ihre eigenen Viertel schaffen, wo die anderen alle langsam verdrängt werden, wie bestimmte Leute vom Bildungssystem letztlich ausgeschlossen werden. Es ist ja so, vom Bildungssystem aus, weil es keinerlei Anstrengungen gibt, die auch da reinzukriegen. Weil von selber funktioniert das gar nicht. Sondern es müsste ja eigentlich für diese Aufrechterhaltung des Egalitätsprinzips gearbeitet werden. Und manche Politiker meinen, es reicht schon, wenn ich nichts dagegen sage. Also wenn ich die Dinge laufen lasse und nichts dagegen sage, ich bin eh keiner, der das ist, von mir aus können die ja da leben. Weil du das vorher erwähnt hast, es sind eineinhalb Millionen Personen in Österreich, die nicht wählen gehen können. Ja, das glaube ich. Und wir haben ungefähr eine gleich große Anzahl von Personen, die gar nicht wählen könnten, aber die nicht hingehen. Also das wird zu einer bedrohlichen Größe, wenn hier das System auf die Art und Weise schon mal erodiert, weil man kann eh nichts ändern. Das ist ja, ja. Die Frage, die, wir kommen in die Schlussrunde sozusagen. Wenn wir die Aufgabe des Schriftstellers ist zu schreiben oder der Schriftstellerin ist zu schreiben, Öffentlichkeit herzustellen. Die Frage, die halt bewegt, ist schlicht und ergreifend. Was können so Organisationen, du war, ob das jetzt Pen-Club Österreich ist oder ob die IG AutorInnen austauschbar, um hier auch eine Reflexion durchzusetzen oder in Gang zu setzen. Weil ich denke mir, es braucht in solchen Zeiten Vorbilder. Und Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind bis zu einem gewissen Grad für viele, viele Menschen auch Vorbild. Oder ist die Erwartungshaltung zu hoch? Ich glaube, dass sie immer weniger Vorbilder sind, Schriftsteller, dass sich das doch sehr gewandelt hat, auch mit der Entwicklung der sozialen Medien, sind ganz andere Personen, also diejenigen, die sozusagen hochgehalten werden und deren Meinung Bedeutung hat, dass die Meinung von Schriftstellern nicht mehr sehr gefragt ist, denke ich, oder immer weniger gefragt ist. Vielleicht ist sie auch einmal für zu bedeutend gehalten worden, kann auch sein. Aber dennoch haben wir eine Aufgabe und da geht es vor allem um das Freiburg. Ich meine, Penn ist gegründet worden unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Es ist eine internationale Organisation. Das ist schon einmal etwas wert, dass es eine Organisation gibt, in der Schriftsteller aus ungefähr 150 Ländern weltweit vernetzt sind. Und das ist nach dem Ersten Weltkrieg entstanden, als mehr oder weniger alle die Schriftsteller in allen Lagern, nicht nur in Österreich und Deutschland, auch in England für die Kriegspropaganda gearbeitet haben. Und dann war der Krieg zu Ende und sie waren Feinde geworden. Und dann ist in London gegründet worden das Club und da gab es dann diese Idee der Handreichung, dass man so über den Kanal hinweg schaut, dass man mit diesen Intellektuellen wieder ins Gespräch kommt und vor allem für eines eintritt, für das Freibor, dass man die Zensur endgültig hinter sich lässt und das Freibor propagiert als Menschenrecht. Und das ist das Zentrum nach wie vor von Ben, das freie Wort. Und die Unterdrückung des freien Wortes ist die Gegenmaßnahme gegen die Unterdrückung des freien Wortes. Es ergibt sich daraus. Und darum setzt sich der Ben halt für folgende Schriftsteller ein und für inhaftierte Schriftsteller. Und das gibt es weltweit noch jede Menge davon. Und der internationale PEN veröffentlicht jedes Jahr eine sogenannte Case List, in der alle Schriftsteller, die inhaftiert sind und warum sie inhaftiert sind und wie das gelaufen ist, aufgelistet werden. Und man versucht, diese Leute aus dem Gefängnis freizubekommen. Und wenn man das nicht schafft, zumindest ihre Namen wachzuhalten, die Erinnerung wachzuhalten in der Öffentlichkeit. Und auch, wenn es geht, Politiker zu bewegen, dass sie sich für die einsetzen und so weiter. Oder im deutschen Pen hatten wir, das hielt ich damals für unsere vornehmste Aufgabe und darum habe ich es auch gern gemacht, da mitgearbeitet, das war das Freitags-in-Exile-Programm. Das ist dem deutschen Pen gelungen, die deutsche Bundesregierung, vielleicht auch aus Grund des schlechten Gewissens, dass man bezüglich der Ereignisse in der Zeit hatte, als deutsche Autoren flüchten mussten und froh waren, wenn sie irgendwo Exil gekriegt haben, hat man die Bundesregierung dazu bewegen können, dass sie ein Exilprogramm finanzieren. Und das Exilprogramm wird vom deutschen BIN gleichsam betreut. Und da werden Autoren, das sind ungefähr so 15 im Jahr, die können aber dann für mehrere Jahre, die werden eingeladen, die in ihren Heimatländern verfolgt sind, oft im Gefängnis sitzen und man muss schauen, dass man sich da rauskriegt und werden eingeladen, in Deutschland zu leben. Und das wird dann finanziert für ein paar Jahre. Und wenn sich die Situation in den Heimatländern ändert, dass sie zurückkehren können, dann ist es fein. Und wenn nicht, dann kriegen sie dann üblicherweise Exil in Deutschland. Und das ist ja schon viel wert. Das ist viel wert, das ist ein wichtiges Programm, das finde ich nach wie vor, ja. Jetzt hatten wir Schwierigkeiten, ich bin ja nach wie vor im PEN Deutschland tätig, aber da hatten wir jetzt Schwierigkeiten, weil die im Grunde Sparmaßnahmen wollten, die auch dieses Fridays in Exile Programm, das hat sich aber zum Glück abwenden lassen. Also im Moment ist das, jetzt im Augenblick ist es nicht mehr gefährdet. Wir wollen den Abend beschließen mit einem Ausschnitt aus Pippi Iceland. Ich bitte um das Schlusswort. Ja, es gab ja diesen Zunahme, an den wir uns alle erinnern. Das ist jetzt nun doch schon seit 22 Jahren, ist das ja, ne? 22 Jahre in Thailand. Und wir sind, Edith und ich, wir sind mit unseren Kindern, das sind Zwillinge, die waren damals 17 Jahre alt. Das war die letzte, das nächste Jahr darauf sollten sie Matura haben. Und zu Weihnachten haben wir gesagt, da machen wir eine gemeinsame Reise. Und sind dann auf die thailändische Insel Koh Phi Phi gefahren, die meistens unter der Bezeichnung Phi Phi Island fungiert. Und dort waren wir gerade einen Tag und was sich dann aussieht, den ich jetzt lese, ist, dass wir dann, also am Christtag waren wir dort, das einzige Tag, den wir sozusagen erlebt haben, als die Insel noch intakt war. Am Stephanetag sind wir dann ins Frühstücksrestaurant gegangen. Im Strandrestaurant fanden sich nur wenige Frühstücksgäste. Edith und ich hatten an diesem Morgen einen verstimmten Magen, ohne jedoch zu wissen, worauf das zurückzuführen war. Wir hatten an den beiden Weihnachtsabenden gut gegessen, vor allem Fischgerichte und Meeresfrüchte. Vielleicht wäre es angebracht gewesen, sich bei den Salaten zurückzuhalten. Ich aß wenig und trank etwas lustlos meinen Kaffee. Vor uns am Strand hatten sich die ersten Badegäste unter den Mangrovenbäumen und Palmen niedergelassen. Einige auf Liegestühlen, die nicht zum Hotel gehörten und für die extra zu bezahlen war. Die meisten auf Badetüchern. Ein Mann setzte seine kleine Tochter auf eines dieser überdimensionalen schwimmenden Dreiräder und schob sie im Wasser hin und her. Es war Flut, das Wasser hatte nur einen leichten Wellenschlag. Es würde ein schöner Badetag werden. Elias und Sophie, unsere beiden Kinder, erzählten uns, wie sie den Abend verbracht hatten. Sie waren zuerst in der Monkey Bar am Ende der Lodalumbucht gewesen und sind später, da dort nicht allzu viel los war, in die Reggae Bar gegangen. Reggae Bar, das klang gut, da wollte ich auch hingehen. Knapp nach 10 Uhr kamen noch einige junge Leute ins Restaurant, die letzten Frühstücksgäste. Wir sprachen darüber, was wir an diesem Tag machen sollten. Vielleicht einen Ausflug in einem Longtailboot an der Küste entlang, aber erst später. Vorher wollte ich noch abwarten, wie sich meine Magenverstimmung entwickeln würde. Die Kellner nahmen an den Nebentischen Platz und begannen nun selbst zu frühstücken. Wir verließen das Strandrestaurant und gingen zurück in unsere Bungalows. Wir merkten nicht, dass sich das Wasser zurückzog. Edith legte sich aufs Bett, sie hatte Bauchschmerzen. Ich nahm den Hotelprospekt zur Hand, setzte mich zu ihr und las ihr vor, welche Aktivitäten angeboten wurden. Schon in aller Früh Strandjogging und Yoga. Die Terrassentür stand eine Spalt offen. Da war von draußen plötzlich Lärm zu hören. Menschen liefen vorbei. Edith sagte, da kommen schon die Jogger. Edith sagte, da kommen schon die Jogger. Ich schaute hinaus. Was ich sah, verwirrte mich. Es waren vor allem Einheimische, die hier liefen. Darunter viele Hotelangestellte in ihren Uniformen. Ich ging auf die Terrasse hinaus. Die Vorbeilaufenden riefen einander etwas zu, das ich nicht verstehen konnte. Plötzlich war mir klar, dass die Menschen in Panik waren, dass sie um ihr Leben liefen. Edith war inzwischen auf die Terrasse nachgekommen. Wir standen einen Moment wie angewurzelt da und wussten nicht, was vorging. Heute bilde ich mir ein, dass uns jemand zuwinkte oder zurief, wir sollten mitlaufen. Da ist etwas passiert, sagte ich, aber ich hatte keine Ahnung, was es sein könnte. Ich sah Sophie nebenan auf der Terrasse stehen. Ich rief ihr zu, kommt schnell, wir müssen rennen. Und dann sah ich hinter den Menschen, die an uns vorbeiliefen, Wasser fließen. Nicht einmal Knie hoch, es wirkte nicht bedrohlich. Es ran den Weg entlang, aber die Menschen liefen so schnell, als gäbe es da noch eine ganz andere Bedrohung. Der Schrecken stand in ihren Gesichtern. Sie schrien durcheinander. Sophie holte Elias aus dem Bungalow. Schnell, rief ich, wir müssen rennen. Das Wasser floss nun nicht mehr nur den Weg entlang, sondern kam auch über den Rasen und über die Blumenbeete. Wir liefen den anderen nach. Zuerst den Weg nach links, sondern kam auch über den Rasen und über die Blumenbeete. Wir liefen den anderen nach, zuerst den Weg nach links, dann nach rechts auf die Treppen zu, die zur Terrasse eines zweistöckigen Gebäudes führten. Dieses Gebäude schloss an unsere Empfangshalle an. Es war ein Magazin und Verwaltungsbau des Prinzesshotels. Hinter diesem Gebäude war ein etwa drei Meter breiter Durchgang und dahinter stand das vierstöckige Pipi-Hotel. Als wir die Treppe des Verwaltungsgebäudes vor uns hatten, war sie schon überfüllt und es kamen von allen Seiten immer mehr Menschen dazu. Sie stauten sich vor den Stufen. Wir drängten und wurden gedrängt, kamen aber nicht voran. Vom Strand waren Schreie zu hören. Der Strand war nicht weit weg von hier, vielleicht 100 Meter. Man konnte ihn nicht sehen, es standen Bungalows davor. und sah plötzlich das Wasser kommen. Es schwappte zwischen den Bungalows durch. Die Menschen drängten auf die Stiege zu. Harry, rief ich, Harry! Unsere Kinder waren in Laufrichtung gesehen, rechts von mir. Sophie ein Stück weiter vorn, schon nahe am Treppengeländer. Elias etwas weiter hinten. Sophie wurde im allgemeinen Gerangel zur Seite geschoben, während von dort Leute zur Stiege hindrängten. Sie schrie, ich werde zerdrückt. Elias wurde in die andere Richtung abgedrängt. Ich rief immer wieder, hurry! Aber wir waren einfach zu viele und es ging nichts mehr weiter. Wir standen schon im Wasser. Es war links hinter mir. Entschuldigung, wir standen schon im Wasser. Es war noch nicht hoch, 20 Zentimeter vielleicht. Edith war links hinter mir, jemand hatte sich zwischen uns geschoben, das Wasser wurde laut, ich drehte mich um. Ich erlebe es immer noch wie eine Zeitlupe. Es ist keine mächtige, aufgetürmte Welle, sondern es ist ein schäumendes, steil ansteigendes Wasser, das unter den Gegenständen, die es erfasst hat, hindurchschlüpft und auf uns zukommt. Ich sagte zu Edith, das wird ganz schlimm. Um uns herum die Schreie und das Gedränge, jeder wollte so schnell wie möglich diese Treppen hinauf. Edith sagte, bitte bleib bei mir. das Gedränge, jeder wollte so schnell wie möglich diese Treppen hinauf. Edith sagte, bitte bleib bei mir. Irgendjemand stand zwischen uns, ich streckte den Arm hinüber, wir nahmen uns bei der Hand. In diesem Moment erreichte uns die Wasserwalze, sie hatte einen starken Zug und war wie ein schnell ansteigender Fluss. Sie hob uns aus, wir wurden die Stufen hinaufgespült. Edith erinnert sich, dass sie zu den Kindern blickte und dass sie es als tröstlich empfand, dass sie nahe beisammen waren. Die gerade noch mit Menschen verstopfte Treppe war plötzlich leer. Immer noch hielt ich Edith an der Hand. Mit der anderen Hand versuchte ich, mich am Geländer festzuhalten, wurde aber fortgerissen. Ich hatte, als es uns wegspülte, für einen Moment gedacht, ich könnte am Absatz, wo sich auf halber Höhe ein Betongeländer befand, einfach aus dem Wasser steigen und dann in die andere Richtung die Stufen weiter hinauf gehen. aus dem Wasser steigen und dann in die andere Richtung die Stufen weiter hinaufgehen. Aber nun stieg das Wasser so schnell an und war gleichzeitig so reißend geworden, dass ich keine Chance hatte, auf die Beine zu kommen. Ich versuchte, mich wenigstens am Betongeländer festzuhalten. Es ragte noch aus dem Wasser, als wir darauf zutrieben. Ich griff danach, da verschwand es auch schon unter Wasser. Ich hakte mich mit der Kniebeuge an der Brüstung fest. Bis dahin hatte ich das Gefühl gehabt, etwas tun zu können, der Situation nicht ausgeliefert zu sein. Jetzt merkte ich, wie machtlos ich war. Ich verlor Edith von der Hand. Das Wasser drückte mich nach hinten über die Betonbrüstung, schwappte über mich hinweg. Ich war plötzlich unter Wasser und spürte auch, dass das Wasser nicht einfach Wasser war, sondern dass es voll war mit Gegenständen, die auf mich einschlugen. Ich musste die Kniebeuge öffnen und die Betonbrüstung loslassen. Als ich hochkam, sah ich Edith nicht mehr, aber ich sah andere Menschen zwischen Holztrümmern und Wellblechen. Das Wasser staute sich an der Mauer des Bibi-Hotels. Die Trümmer kamen unaufhörlich auf uns zu und wurden in die Gasse zwischen Hotel und Verwaltungsgebäude hineingeschwemmt. Ich erinnere mich an ein halbes Bungalow-Dach, das auf mich zutrieb und auf das Menschen hinaufkletterten. Ich griff danach und versuchte ebenfalls hinaufzuklettern, aber dann waren schon zu viele oben. Das Dach kippte auf mich zu und drückte mich hinunter. Ich wurde von einem Strudel aus Schlamm und Müll fortgerissen. Ich war unter Wasser. Es wirbelte mich herum, als wäre ich in einen Mixer geraten. Es wirbelte mich herum, als wäre ich in einen Mixer geraten. Andauernd wurde ich von irgendwelchen Trümmern getroffen, dann kurz nach oben gespült und von einem Sog wieder nach unten gezogen. Ich konnte nicht sehen, bekam Wasser in den Mund und wusste plötzlich nicht mehr, wo oben und unten ist. In diesem Moment erfasste mich die Angst, dass es nicht zu schaffen war. Und dann der klare Gedanke, das ist jetzt das Ende. Diese Erkenntnis kam zwar schockartig, aber ihr folgte keine Verzweiflung. Es war eher eine Art Bedauern darüber, dass ich nicht anders sterben darf, sondern hier im Dreck verrecken muss. Es war das Gefühl eines absolut unwürdigen Endes. Mit Bedauern meine ich eine Art melancholischen Abschiedsblick, weil ich mir vom Leben ein falsches Bild gemacht hatte, weil ich gedacht hatte, dass es um irgendetwas gehe. Und ich wusste, dass ich in Wirklichkeit nie mehr gewesen war. Und dann der Entschluss, bis zum Ende zu kämpfen. Solange du dich rühren kannst, sagte ich mir, musst du versuchen, hier rauszukommen. Ja, lassen wir es dabei. Danke, Josef. Wie setzt man jetzt fort, Herr Haslinger? Was sagt man jetzt an meiner Stelle? Das ist schwierig, das ist wirklich schwierig. Ich probiere es ganz klassisch und bedanke mich einfach für ein literarisch wie auch gesellschaftspolitisch hochinteressantes Gespräch bei den beiden Herren Josef Haslinger und Michael Kerbler. Vielen Dank, es war wirklich erfrischend und das ist auch gut, weil es heute ja 38 Grad hatte. Das bringt mich zum nächsten Punkt. Der Sommer steht vor der Tür und damit auch die Sommerpause des Stifterhauses. Heute war die letzte Veranstaltung hier in der Literaturgalerie. Wir haben noch zwei Veranstaltungen in unserer Reihe Stifterhaus Außerhaus vor uns und zwar am kommenden Dienstag wird Thomas Gardi im Musikpavillon der Stadt Linz lesen und am 07.07. begrüßen wir in der Stifter Villa in Kirchschlag Wehrkaiser. Und jetzt eines noch ganz zum Schluss, denn heute, das ist ein trauriger Tag irgendwie, denn heute war der letzte Arbeitstag eines lieben Kollegen von uns, der sich seit vier Jahren immer mit großer Expertise um die Technik kümmert. Lieber Björn Büchner, vielen Dank für das großartige Engagement die letzten vier Jahre. Für die positive Stimmung, die du immer mit ins Haus gebracht hast. Björn Büchner wird auf Weltreise gehen, wenn Sie ihn irgendwo treffen. Dann schreien Sie und sagen Sie es uns, wo er sich befindet. Die KollegInnenschaft hat ein Reisepackage für dich zusammengestellt und das würden wir dir einfach gerne geben. Oder wir geben es dir gerade da hinten. Sehr gut. Vielen Dank für alles, Björn. Das war es für den heutigen Abend. Ich hoffe, wir sehen uns am Dienstag im Musikpavillon der Stadt Linz. Vielen Dank.