Guten Abend und herzlich willkommen im Kepler-Salon, zu der Zeit Ihre Bücher. Ich glaube, es ist das vierte oder fünfte Mal, dass wir uns in diesem Format am Thema nähern. Diesmal ist es das Thema Prägungen. Wie bin ich drauf gekommen? Tatsächlich über ein Buch. Es ist circa ein Jahr her, dass mir ein Buch irgendwie in die Hände gefallen, das dann immer so umkreist. Ich brauche da immer ein bisschen, dass ich gerade dickere Bücher mir entscheide, die dann wirklich zu kaufen, weil der Stapel ist ja groß daheim. Und es hat mich nicht losgelassen. Und ich habe es dann gekauft und habe nur so ein bisschen reingelesen und habe mir gedacht, paar Prägungen, das wäre ein spannendes Thema, das ich gerne in diesem Format besprechen würde. Und ich habe mir das Buch dann noch aufgehoben, weil ich wollte es eher so kurz vorher lesen, damit es noch gut präsent ist. Ich habe inzwischen viele andere Bücher gelesen, wo ich mir gedacht habe, das passt auch so super zu Prägungen. Ich bin trotzdem dabei geblieben und es hat sich ausgezahlt. Das kann ich jetzt schon sagen, was es für ein Buch ist und was es zum Thema Prägungen erzählt, dazu später. Thema Prägungen erzählt es dazu später. Ja, worum geht es? Wir haben jede Menge Fragen mit, die sind aber eigentlich so ein bisschen, ja, die sind eben einfach im Laufe der Auseinandersetzung mit diesem Thema entstanden. Es geht einfach darum, ja, wie wir wirken, wie wir bleibende Eindrücke hinterlassen, was auf uns wirkt, was auf uns bleibende Eindrücke hinläs was auf uns wirkt, was auf uns bleibende Eindrücke hinlässt. Und nicht nur wir Menschen untereinander, sondern ich finde es sehr spannend, hinzuschauen, was macht unsere Umwelt, unsere Mitwelt, die Gegend, in der wir aufgewachsen sind zum Beispiel oder wo wir halt gerade sind mit uns und wie wirken wir natürlich wieder hinein in die Welt, die nichtmenschliche, unsere Mitwelt. Es ist sehr viel Wechselwirkung, sehr spannend. Ja, und darum soll es heute gehen. Darüber möchte man nachdenken. Und genauso wie mir dieses Thema irgendwie angesprungen hat bei diesem Buch, sind mir dann die zwei Menschen sofort eingefallen, die dazu einladen würde, mit mir das zu erkunden. Ja, und das ist zum einen die Marianne Jungmeier. Wie bin ich auf sie gekommen? Das war über eins ihrer Bücher, nämlich die Sonnenkönige, ein Roman. Wann ist er erschienen, Marianne? 2018. Ich habe das gelesen und das hat mich sehr berührt, weil es mich in eine Welt und in eine Generation gezogen hat, die mir eher fremd war. Es ist so ein bisschen die sehr vereinfachte Klapping-Szene, Kultur in Berlin. Und eine Generation, die irgendwie alles hat und nicht ganz so zufrieden immer ist mit dem, was sie hat. Und was mich da sehr, sehr beeindruckt hat, ich habe es nur vom Wort gekannt, war aber nie näher damit beschäftigt und jetzt war ich quasi dort, weil du hast das Burning Man Festival beschrieben, beschreibst das aber unter einem anderen Titel. Und das ist so beschrieben, dass ich das Gefühl habe, ich war jetzt dort. Ich brauche gar nicht mehr hin, weil das ist so eindrücklich geschildert. Und das ist auch das, was mich dann immer wieder so fasziniert bei deiner Arbeit. Jetzt beim aktuellen Buch, das sind die Reisestories, Kontinental trifft. Du bist ja eine Reisende, sehr viel unterwegs und erzählst da von diesen Reisen, aber vor allem auch von den Menschen, mit denen du dort bist, denen du dort begegnest und da ist es genauso. Also da habe ich immer das Gefühl, ja, es ist so eindrücklich, als wäre ich dort gewesen. Das ist echt super. Genau. Vielleicht ein paar biografische Daten. Du bist 1985 geboren, hast Kulturwissenschaften studiert, Medien und Journalismus und bist Doktorandin an der Kunstuni. Und seit 2011 bist du Schreie-Schriftstellerin. Zahlreiche Publikationen, Stipendien und Residenz ist im Ausland. Der Debütroman ist das Tortenprotokoll. Der wurde mit dem George-Seiko-Preis ausgezeichnet. Und du warst Max-Kade-Stipendiatin in Bowling Green, Ohio. Es ist wirklich heiß. Und eben Publikationen war das Tortenprotokoll als Debüt, Sommernomaden sind Erzählungen, dann die Sonnenkönige, in dieser Sprache Wahlgesang ist Lyrik und der Gesang eines womöglich ausgestorbenen Wesens ebenfalls Lyrik. Das ist 2024 erschienen und eben jetzt die Kontinental trifft. Ja, und du unterrichtest auch kreatives Schreiben, moderierst, kuratierst, unter anderem die Lesereihe 3x3 heißt sie mit der Karin Peschka in Everding. Genau. Also auch herzliche Einladung, dort mal hinzukommen. Genau. Und arbeitest gern mit anderen Medien und Künstlerinnen. Genau. Mal zu dir. Zum Fritz Radl-Wimmer. War es eigentlich eh. Und bei ihm ist es auch so, dass sie zu seinen Arbeiten als Künstler eine besondere Verbindung haben. Es kam so, es gibt ja diesen Kunstsalon. Früher war er im Francisco Carolina, mittlerweile im Schlossmuseum. Einmal im Jahr, wo alle Galerien einige ihrer Künstler mitnehmen und zeigen. Und eben auf einem dieser Kunstsalone bin ich durchgegangen und habe da ein Bild gesehen und habe gedacht, wow, das spricht mich gleich so an. Und wir haben dann ganz kurz nur geplaudert und bin dann wieder gegangen. Und das war so wie bei diesem Buch, es hat mich einfach nicht losgelassen. Und das war schon ein paar Jahre und ich habe gedacht, okay, wenn es mich ein paar Jahre nicht loslässt, dann muss das einfach sein. Und bin dann zu dir gefahren und habe dieses Bild mir gekauft und es hängt seither über meinem Esstisch und das ist echt so, dass mir das so oft so geht, dass ich da drauf schaue und ja, immer noch, ich denke, es ist so etwas Besonderes und es gibt mir ganz, ganz viel, obwohl es ja sehr, sehr einfach ist. Fragt mich. Und ich bin eines Tages da gesessen und habe über diesen Kepler-Salon nachgedacht und habe das Bild angeschaut und habe gesagt, ja, der Fritz, der Fritz passt zu diesem Thema. Ich freue mich, dass ihr beide sehr, sehr schnell zugesagt habt. Das ist wirklich, wirklich eine große Freude für mich. Auch ein paar Infos zu dir. Du bist 1963 in Scherding geboren. Wir haben da jetzt wieder drei Jahrzehnte vertreten. Das finde ich immer schön, wenn wir da eine gute Mischung haben. Du hast auch an der Kunstuni studiert in Linz, bist Kunstpädagoge, jetzt gerade im fünften Sabbatical, hast du gerade erzählt, konzentrierst dich ganz auf deine Kunst, hast ein Studio in Senftenbach. Genau. Ja, und du beschreibst deine Arbeit so, dass du ständig den sogenannten Düften, so bezeichnest du das, die das Leben vertiefend bereichert, suchst. In der Kunst, in der Literatur, in der Welt, nehme ich an, die dir so begegnet. Und du magst diese Düfte mit mit anderen riechenden Teilen. Riechende sind wir ja alle. Das ist wahrscheinlich unterschiedlich, wie genau und feinsinnig wir wahrnehmen. Und daraus entwickelst du dann deine Kunst. Sehr reduzierte Materialsprache. Und es ist so, du suchst das Wenige in der Fülle. Und das ist das, was deine Kunst auszeichnet. Und ich lade jeden, jede herzlich ein, sich einfach einmal deine Website anzuschauen. Und wer es anspricht, der wird wissen, was ich meine, glaube ich. Okay. Unsere Fragen, die haben wir einfach gesammelt. Wir werden mehr oder weniger darauf eingehen. Sie können auch gerne dann später, wenn Sie eine Frage anspringt, wir lassen es eh da projiziert, darauf eingehen und sagen, das fällt mir dazu ein oder was fällt uns dazu ein oder was haben wir gelesen in diesen Büchern dazu. Aber sie sind irgendwie so ein bisschen ein Hintergrund, der entstanden ist, wie wir uns überhaupt dem Thema annähern. Ich möchte es jetzt gar nicht vorlesen, weil sie sind eh da im Raum. Ja und vielleicht noch kurz zum Format, wer es noch nicht kennt. Kepler Salon fragt ja normalerweise Expertinnen, Experten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Antworten, nach Fragen, die uns so beschäftigen. Hier fragen wir Literatinnen, Autorinnen, Schriftstellerinnen aus verschiedenen Zeiten, die auf verschiedene Art und Weise schreiben, aus verschiedenen Kulturkreisen und schauen, was diese für Antworten finden. in den Kulturkreisen und schauen, was diese für Antworten finden. Genau, und dazu haben wir drei Bücher mitgebracht. Und zwar haben wir den Schwimmer von Susa Bank. Habe ich das richtig ausgesprochen, Marianne? Ich glaube, man sagt Schuscher. Schuscher, es ist immer so schwierig, Schuscher. Ich habe es auch nachschlagen müssen. Also Schuscher Bank, genau. Dann haben wir Haikus, ein sehr, sehr schönes Buch. Gedichte aus fünf Jahrhunderten. Und wir haben dann den John Karlmann Stefansen, oder Stefansen, weiß ich auch nicht. Dein Vorzein ist Finsternis. Ist ein Isländer. Zu dem kommen wir dann ganz zum Schluss. Jetzt würde ich dich mal bitten, Marianne, den Schwimmer vorzustellen, worum geht es und was hat er mit unserem Thema zu tun? Sehr gern, vielen Dank, liebe Barbara, für die Einladung und herzlich willkommen und auch Fritz. Schön, dass wir gemeinsam da sind. Ja, ich habe den Schwimmer ausgewählt für dieses Format, weil ich finde, wie auch dein Buch, Barbara, es ist eigentlich im Grunde das Thema des Buchs, Prägungen. Und deshalb fand ich es so passend. Und es ist eines meiner Lieblingsbücher, das ich vor fast 20 Jahren zum ersten Mal gelesen habe. Es ist 2002 erschienen. das ich vor fast 20 Jahren zum ersten Mal gelesen habe. Es ist 2002 erschienen. Und ich habe es auch in diesem schönen kleinen Mini-Format gekauft von Fischer. Und genau, ich werde das Buch jetzt vorstellen und ein paar lese. Ich habe Lesestellen, also viele Lesestellen ausgewählt, die dazwischen immer wieder einfließen, die ich vorstelle, damit man so ein bisschen ein Gefühl für den Roman bekommt, Ganz kurze, die dazwischen immer wieder einfließen, die ich vorstelle, damit man so ein bisschen ein Gefühl für den Roman bekommt, aber auch für das Thema. Und nachdem ich Schriftstellerin bin, habe ich mir meinen Text aufgeschrieben. Spreche nicht so frei wie du. Der Schwimmer von Schuscha Bank ist bei S. Fischer erschienen, 2002. Sie wurde 1965 in Frankfurt am Main in Deutschland geboren, als Tochter ungarischer Eltern, die nach dem Aufstand 1956 nach Westdeutschland flüchteten und sie ist zweisprachig aufgewachsen. Nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin hat sie Literatur und Politik studiert und ist als junge Frau oft über die Grenze zu Verwandten gefahren, studiert und ist als junge Frau oft über die Grenze zu Verwandten gefahren, um am Plattensee Zeit zu verbringen. Und das ist auch der See, der in diesem Roman eine große Rolle spielt. Für diesen Debütroman hat die Autorin in ihrer Familie erzählte Geschichten recherchiert und diese zu einem Roman verdichtet. Für den Schwimmer erhielt sie mehrere Literaturpreise, unter anderem den Aspekteliteraturpreis oder den Mara-Cassens-Preis des Literaturses Hamburg. Auch von der Presse wurde das Buch euphorisch aufgenommen. In der FAZ, Frankfurter Rundschau in der Zeit, etwa hieß es, es sei ein Roman mit einer Wahrheit großer Präzision, was ich sehr schön finde, Wahrheit großer Präzision, was ich sehr schön finde, oder auch, dass es ein Roman sei, der das Vergessen als Bedingung der Möglichkeiten des Erzählens propagiere und veranschauliche. Schulscher Banks Debüt handelt von einem Geschwisterpaar im Ungarn im Jahr 1956. Sie erzählt eindrucksvoll von der gelähmten Stimmung nach diesem Aufstand, von der Hilf- und Perspektivlosigkeit der Menschen. Die Onmacht, die den Alltag der Menschen wie auch der Protagonistinnen prägte, ist omnipräsent zu spüren beim Lesen. Der Roman wird aus der Perspektive der Tochter erzählt, von Kata, dem älteren Mädchen. Und das Buch steigt dort ein, wo die Mutter die Familie verlassen hat. In kurzen Szenen erfährt man von der Lebenssituation der Familie, flicht die Autorin Details der Beziehung der Eltern ein, also Mann und Frau, wo dann die Frau weggegangen ist, die offenbar zu Beginn von Magie geprägt war und von Liebe, also auch eine Liebesheirat war. Und dieser Zauber ist dann aber abhandengekommen. Da kommen jetzt die ersten Lesestellen, wo man gleich einen schönen Eindruck bekommt. Unser Haus, das war eine Küche, eine Speis und ein Zimmer. Meine Eltern schliefen zusammen in einem Bett und Isti und ich auf zwei Liegen neben dem Bett meiner Eltern. Mein Vater schnarchte, meine Mutter atmete unruhig und Isti sprach im Schlaf. Er redete mit unserem Hund, den wir heimlich Kovac nannten. Mein Vater hatte uns verboten, dem Hund einen Namen zu geben. Er sei nichts als ein dreckiger kleiner Köter, sagte er, mit allen Flöhen und Zecken, die man auf unserem Hof kriegen könne. Unserem Hof, der jetzt in meiner Erinnerung nichts mehr ist als etwas Lehm und Kies hinter einem Zaun, dazu ein Taubenhaus und drei Akazien vor einem Graben. Wir lebten allein für uns, Besuch kam selten. Im Winter, wenn meine Mutter sich gewaschen hatte, setzte sie sich neben den Herd, um ihr Haar zu trocknen. Im Sommer ging sie dafür in den Hof, bis mein Vater sie entdeckte und es ihr verbot. Es gab niemanden, der meine Mutter hätte sehen können, aber die Wünsche meines Vaters waren Gesetz. Meine Mutter hat meinem Vater nie widersprochen. Sie hat ihn verlassen. Nachdem meine Mutter gegangen war, schlief mein Vater in der Küche. Nachts öffnete er die Tür zum Zimmer und ich wachte auf davon. Ich glaube, er wollte nachsehen, ob wir noch da waren, Isti und ich. Am Anfang erzählte er uns, meine Mutter sei bei Verwandten in Deprezien. Isti fragte, warum hat sie sich nicht verabschiedet und mein Vater sagte, sie ist mit dem frühen Zug gefahren, ihr habt geschlafen. Ich wusste, es gab keinen so frühen Zug und ich wusste, etwas war anders, etwas hatte sich verschoben an diesem Morgen und in der Nacht davor. Vielleicht, weil mein Vater gezögert hatte, bevor er antwortete, vielleicht, weil er sich überhaupt die Mühe machte, uns zu antworten. Ich finde, man sieht da schon ganz schön, wie das Buch geschrieben ist, also den Stil und auch die Situation der Familie. Und ich finde, man spürt auch schon diese wunderbare Wellenbewegung, die der Roman hat. Genau. Die Mutter, die wird im Roman Katharine losgenannt, ist in den Westen gegangen, ohne sich zu verabschiedet. Sie war zum Bahnhof gelaufen, wie an vielen anderen Tagen auch. Sie war in einen Zug gestiegen, Richtung Westen, Richtung Wien. Wie selten Züge von unserem Bahnhof aus in Richtung Wien fuhren, das wusste ich. Meine Mutter muss lange gewartet haben. Sie hatte genügend Zeit, es sich anders zu überlegen, um zurückzukommen, um uns auf Wiedersehen zu sagen, um uns noch einmal anzuschauen. Isti und ich hatten uns mehrere Geschichten über unsere Mutter ausgedacht, die wir jedes Mal anders erzählten. Wir merkten uns, wem wir was gesagt hatten und wir vergaßen nicht eine Wendung, nicht ein Detail. Wir sponnen die Geschichten weiter, schmückten sie aus, dichteten etwas dazu, nahmen etwas weg. Dass man sie als Lügen aufdecken würde, schlossen wir aus. Vielleicht hielten wir sie bald selbst, nicht mehr für Lügen. wir aus. Vielleicht hielten wir sie bald selbst, nicht mehr für Lügen. Ich denke, Isti fing an, unsere Geschichten zu glauben. Ein bisschen sah er so aus und ein bisschen redete er so. Wenn wir über die nahen Hügel liefen oder in einem Versteck in der Nähe des Hauses saßen, dann erfanden wir Erklärungen und Ausreden für unsere Mutter, dafür, dass sie nicht da war. Wir taten so, als könnte es dafür Gründe geben. Wir wollten niemand sein, den man vergisst, mühelos, niemand, von dem man sich entfernen kann, ohne Abschied, ohne Hindernis. Die beiden verlieren in der Folge ihr soziales System und auch ihre Heimat. Der Vater Kalman, das ist ein Namensvetter des isländischen Kalmans, packt sie ein und zieht mit ihnen durch dieses Land, durch das Land Ungarn. Dieses Vagabundieren erfährt man gegen Ende des Buchs, ist Kalman nicht fremd. Er ist bereits in seiner Jugend, hat seine Mutter verlassen und ist durch das Land gefahren, hat unter Bäumen geschlafen, ist durch die Dörfer gezogen, bis er dann die Mutter seiner Kinder getroffen hat. Für die ist er dann quasi hängen geblieben oder überhaupt an einem Ort geblieben. Hier noch ein Ausschnitt, um den Vater kennenzulernen. Hier noch ein Ausschnitt, um den Vater kennenzulernen. Am Bahnhof von Sjofog eröffnete uns mein Vater, dass wir dorthin fahren würden, wohin er schon vor Jahren hatte fahren wollen, damals, als wir Watt verlassen hatten. Zu seiner Mutter, an den äußersten Punkt des Landes, wie er sagte, vor der nächsten Grenze, weit hinter Mischkolz. Damals hatte Isti im Zug geweint und geschrien, unser Vater hatte die Nerven verloren. Wir waren in Budapest geblieben und Isti und ich, wir hatten seitdem geste, und ich hatte das Gefühl, Isti und ich, wir waren bloß zwei Zusätze, die an ihm, an seinem Leben klebten und die er nicht mehr los wurde. Wir gehörten zu ihm, auf irgendeine Weise war es so, und er erduldete uns, wie er alles um sich herum duldete, gleichgültig, was es war. Er duldete uns, wie er alles um sich herum duldete, gleichgültig, was es war. Damals wusste ich nicht, ob sein Leben an ihm vorbeiglitt oder ob er es war, der durch das Leben glitt ohne Anstrengung, schon wie er Fäden kappte, wie er sie zerschnitt mühelos, wie er Spuren verwischte, Fährten, denen ohnehin niemand hätte folgen können, um uns zu finden. Und ich weiß nicht, ob es mich jetzt, wenn ich daran denke, stören soll, dass es so war, ob es mich überhaupt jemals gestört hat. Ich glaube, wir hatten uns gewöhnt an dieses Kommen und Gehen, an dieses Aufhören und Auffangen und Anfangen, wie man sich gewöhnt an etwas, von dem man weiß, es wird bleiben, ob man möchte oder nicht. Wir störten uns selbst an der Langsamkeit nicht mehr, mit der unser Leben ablief, was immer das auch war, wo immer es sich abspielte. Die drei verbringen Tage, manchmal Monate oder Jahre bei Verwandten und Bekannten an unterschiedlichen Orten. Der Vater schweigt, verschwindet manchmal für längere Zeit, erzeugt sogar einmal ein Kind mit einer verheirateten Frau. Die Kinder besuchen keine Schule, sie leben einfach mit den Menschen mit, bei denen sie gerade zufällig sind. Sie werden sich selbst überlassen. Sie lernen nur, was ihnen zufällig beigebracht wird. Bewegung ist ein wesentlicher Aspekt des Romans, sowohl der Protagonistinnen als auch im Duktus. Für die erste Zeit sollten wir bei der Mutter meines Vaters unterkommen. Sie wohnte im Osten des Landes. Drei Tage lang fuhren wir mit dem Zug. Vielleicht, weil mein Vater nicht wusste, wohin, mit sich, mit uns. Vielleicht, weil er aufschieben wollte, was jetzt beginnen würde. Wir fuhren eine Stunde, stiegen aus, stiegen um, fuhren wieder eine Stunde, schauten auf Ortsschilder, die langsam an uns vorbeizogen, warteten auf Bahnhöfen, sahen auf Gleise, übernachteten bei Menschen, die ich nie zuvor gesehen hatte, ließen uns umarmen, ließen uns küssen, stiegen in einen Bus, wieder in einen Zug, dann in den nächsten, der uns weiter wegbrachte, weiter weg von uns und von allem, was wir kannten. Da gibt es noch mehrere Lesestellen, aber ich kürze jetzt vielleicht ein bisschen ab, damit es nicht zu lang wird. Das Wasser und damit auch das Schwimmen ist nicht nur Titelgebend, sondern es taucht auch beides motivisch regelmäßig auf. Vater Kallmann, wie auch später der Sohn Isti, werden leidenschaftliche, fanatische Schwimmer. Der Verlust, das Fortgehen der Mutter wirkt sich auf alle Familienmitglieder unterschiedlich aus. Der Vater taucht ab. So wird das auch im Roman tatsächlich immer wieder benannt, dass der Vater abtaucht. Mein Vater arbeitete abends, er arbeitete nachts, wir sahen ihn selten. Wenn er da war, ließ er sich von Sophie bedienen, wie vorher von seiner Mutter, seiner Frau und von Manji, so wie er es von allen Frauen gewohnt war. Tagsüber dämmerte er mit geöffneten Augen auf einer Liege und war nicht ansprechbar. Er tauchte unter. Sophie rüttelte an seiner Schulter und reichte ihm ein kleines Glas mit schwarzem Kaffee, wenn es für ihn Zeit war, loszugehen. Du musst ihn wecken, obwohl er nicht schläft, sagte Jenü und er sagte es so, damit es klang wie ein Vorwurf. Mein Vater stand auf, langsam und als Sophie ihm die Uhrzeit nannte, schaute er sie an, als könne er sie nicht verstehen. Er wirkte wie jemand, den ein Geräusch aus dem Schlaf geschreckt hat und der sich nun durch die Dunkelheit tastet, um nachzusehen, was es war. Also diese Abwesenheit des Vaters wird, finde ich, unglaublich gut beschrieben in dem Buch und es ist auch seine Reaktion, also er ist generell abwesend, aber es ist auch seine Reaktion darauf, dass die Mutter der Kinder fortgegangen ist. Die Tochter Kater gibt nur vor, nicht an ihre Mutter zu denken. Sie ist auch die Erzählstimme des Buches. Ich gab nur vor, nicht mehr an meine Mutter zu denken. Ich dachte an sie, wenn ich aufwachte und abends auf dem Sofa vor dem Einschlafen, wenn wir im Dunkeln lagen, wenn Isdi mit sich selbst redete und mit einer Hand Kreise an die Zimmerdecke malte, dachte ich an sie, an Vali und die anderen und immer öfter zwang ich mich, auch am Tag daran zu denken, auch wenn es hell war, weil die Bilder zu verschwinden anfingen. Wenn ich über die Felder lief, legte ich meine Hände auf die Augen, presste sie an die Schläfen, trommelte gegen meine Stirn, aus Angst nicht mehr zu wissen, wie es gewesen war mit uns, mit ihr. Isti, der Bruder, verliert sich in seiner eigenen Welt. Er hat keinen Korrektiv, er hat eigentlich niemanden außer seine Schwester, die auf ihn schaut und sich um ihn kümmert und entgleitet immer mehr. Seit dem Herbst, in dem meine Mutter in einen Zug gestiegen war, Nein. erfahren, weshalb die Mutter fortgegangen ist, nämlich aus wirtschaftlichen Gründen und auch, weil sie aus ihrer Ehe weg wollte und aus dieser deprimierenden Situation, in der sie sich befunden hat. Versinkt ist sie vollkommen in eine Lethargie, in seine Traumwelt, er findet keine Anbindung mehr an die gemeinsame Wirklichkeit und reagiert dann mit Selbstauslöschung auf den Verlust der Eltern beziehungsweise der Mutter. Der Roman bewegt sich wie die Wellen eines Sees. In diesem gleichmäßigen Rhythmus entfaltet sich eine Tragödie, die von Anfang an spürbar ist. Bank beschwört ein nicht mehr existierendes Land, einen Erinnerungsraum, erzählt darin von Ohnmacht, Verlust und Trauer. Sie beschreibt in ihrem Roman nicht nur das Zerbrechen einer Familie, sondern auch diese Stimmung in Ungarn von 1956. In diesem Jahr protestierten die Ungarn und Ungarinnen in einem etwa dreiwöchigen Volksaufstand gegen die repressive Politik der kommunistischen Partei und gegen die Okkupation des Landes durch die Sowjetarmee. Die Auseinandersetzung kostete ungefähr 3000 Menschen das Leben und 20.000 ungarische ZivilistInnen wurden verletzt. Die meisten Opfer hatte Budapest zu beklagen und die meisten davon waren Studierende, also sehr junge Menschen. In der Folge kamen sehr viele Menschen ins Gefängnis. 22.000 wurden verurteilt, 13.000 kamen ins Gefängnis und mindestens 200 wurden hingerichtet. Das war auch das Jahr, in dem sehr viele Ungarn und Ungarinnen nach Österreich geflohen sind und dann weiter nach Deutschland zum Teil. Wie sie in einem Interview mit der Deutschen Welle sagte, wollte Bank keinen historischen Roman schreiben, eher ein Road Movie als Panoramabild der 1950er Jahre. Die wesentlichen Elemente des Romans auf unser heutiges Thema bezogen sind folgende. Der Verlust der Mutter und Ehefrau, der Verlust der Heimat, des sozialen Gefüges, das Schweigen des Vaters, die wechselnden Bezugspersonen, über die die Schriftstellerin auch etwas über die wirtschaftliche und politische Situation erzählt und auch diese lebende, beengte Atmosphäre von Arbeits- und Perspektivlosigkeit und die kleinen menschlichen Dramen, die darin aufblühen. Ich habe noch ein letztes Zitat. Das finde ich das Buch ganz gut oder die Familie ganz gut zusammenfasst. Wenn es das gab, wenn es das geben konnte, dann hatten wir, unser Vater, Isti und ich, für dieses Leben, das auf irgendeine Weise doch uns gehörte, etwas wie eine stille Abmachung getroffen, die uns verbannt. Unser Vater nahm uns mit, er suchte Häuser für uns, in denen sich irgendwer um uns kümmerte, und Isti und ich, wir fragten dafür nicht länger, wann unsere Mutter zurückkommen würde oder wann wir zu ihr fahren würden, auch wenn wir hätten fragen wollen. Ich bestimmt mehr als Isti. Wer uns verlassen hat, dem fahren wir nicht nach, sagten Isti und ich und wir sagten es wie etwas, an das wir nicht glaubten, aber von dem wir uns überzeugen wollten. Und je öfter wir es sagten, desto eher konnten wir es für wahr halten. Was uns gehörte und was wir zu kennen glaubten, war wenig und es aufzugeben war unmöglich. Unser Leben, so wenig es seit Langem auch war, war doch unser Leben und wir weigerten uns, dieses Etwas in Gefahr zu bringen. Wir hatten Angst, selbst das könnte uns verloren gehen, wenn wir es für einen Moment verließen. Genau. Dankeschön. Das warließen. Genau. Dankeschön. Das war's. Soviel erstmal zum Schwimmer. Jetzt dürfte ich, bitte ich dich, Fritz, uns in die Welt der Haikus mitzunehmen. Gerne. Ich fange jetzt ganz anders an als geplant. Ich bin ja vor 43 Jahren als ganz junger Student ein Stück weiter, habe ich begonnen mich für asiatische Kunst zu interessieren, speziell mit Schwerpunkt Taoismus und Zen. dieser Gegend. Und das Erste, was ich so gesehen habe beim Durchblättern der Bücher, waren zum Beispiel so ganz schlampige Keramikschalen und dann noch Gedichte mit drei Wortkombinationen. Und da habe ich gelesen, das ist was vom Größten, was die Kultur zu bieten hat in Japan. Und ich habe mir gedacht, entweder können sie die nicht oder ich verstehe was nicht. Und ich bin vom Zweiten ausgegangen, habe mich dann vertieft und das hat dann auch meine Kunst beeinflusst. Und jetzt bei der Auswahl der Bücher, ich wollte zuerst irgendwas in Richtung Neurobiologie oder François Julien oder so, wo es ganz stark um Prägungen geht. Und dann habe ich mir gedacht, eigentlich war das ja bei mir ein Erlebnis, das ganz stark meine Prägungen infrage gestellt hat. Und eigentlich bis heute tut. Ich spreche kein Japanisch, kann es auch nicht lesen. Und trotzdem, weil du sagst, dieser Duft interessiert mich. Ich möchte jetzt ein Gedicht zitieren, also ein Heiko zitieren, das gar nicht im Buch ist, aber das mich so bewegt, nämlich Basho, der dann gleich noch kommt, dieser berühmte Dichter, der vor dem Iseschrein in Japan als Buddhist, also der Iseschrein ist shintoistisch, steht und dann sagt, ich kenne nicht den Baum, von dem die Blüten stammen, aber dieser Duft. Und so fühle ich mich, wenn ich das lese und vielleicht auch falsch ausspreche. Vielleicht kann man es sehen, hier ein Heiko geschrieben. dir ein Heiko geschrieben. Das ist natürlich etwas, wo uns völlig der Zugang fehlt von der Schrift, von der Aufteilung. Und im Normalfall, im schönsten, im Idealfall, schreibt Klopfenstein, ist es ja so, dass man eine Handkalligrafie eines Heikos hat, auf einem großen, meist leeren Blatt, wo viel Raum ist, was mich natürlich anspricht von meiner Kunst her. Und im Idealfall sollte man das Haiku oft lesen. Immer wieder, immer wieder, immer wieder. Und eintauchen und assoziieren. Das wieder loslassen. Gerade diese Prägungen. Und die Haikus sind ja auch bestimmt durch Brüche, logische Brüche, Assoziationen, mit denen man nicht rechnet, dann der Klang, der mir leider verschlossen bleibt aus dem Japanischen, der auch das noch unterstützt und dann kommt noch hinzu, dass man auch liest in diesem Buch, also von Masami Onofella und Edward Klopfenstein herausgegeben, dass es auch so wichtig ist, in dieses Heiko sich langsam hineinzuversetzen, einzutauchen und loszulassen. Das sind wir nicht gewöhnt. Wir lesen ein Buch und ziehen durch und dann kommt es daher und dann sind diese, es sind ja nicht einmal drei Zeilen. dann kommt es daher und dann sind diese, ja es sind ja nicht einmal drei Zeilen. Der Heiko-Rhythmus ist ganz streng festgelegt. In Mooren, das kann man nicht mit Silben vergleichen, das sind metrische Einheiten aus dem Japanischen und zwar 575 sind die Mooren, ganz streng. Über die fünf Jahrhunderte zieht sich das durch. Natürlich dann 20. Jahrhundert, Kriegszeit, wo dann Schriftsteller sagen, das gilt nicht, also wir machen es anders. Aber immer wieder kommt man zu dieser Strenge zurück. Und eine Grande Dame, die später noch kommt, hat formuliert und hat gesagt, wir wollen diese Strenge, um uns die innere Freiheit zu geben. Das klingt jetzt sehr komisch, aber da ist was dran. Ich fange jetzt an mit Matsuo Basho. Wir sind im 17. Jahrhundert und er schreibt, Stille, das Sirren der Zikaden sickert ein in den Fels. Stille, das Sirren der Zikaden sickert ein in den Fels. Das Schöne an dem Buch ist dann, dass wir Kommentare haben, dass wir Infos bekommen und dass dann zum Beispiel die Autorin, die das Gedicht übersetzt, sagt, naja, es gibt da eine Übersetzung von einem anderen Sinolog in harten Gestein, sondern eher etwas Osmotisches, was so einsickert. Und darum kommt sie zu der Übersetzung, das Sirren der Zikaden sickert ein in den Fels. Und eher ein osmotischer Vorgang, sagt sie, ein langsames Eindringen und Verschmelzen, so entsteht ein meditativer Innenraum jenseits aller Rationalität, in dem die Gegensätze aufgehoben sind. Und ich habe zum Beispiel auch Bücher von Eckehard May, der dann ein Heiko übersetzt und hinten haben wir noch fünf verschiedene andere Übersetzungen. Und bei manchen denkt man sich, das ist aber jetzt doch ein anderer Text. Bei manchen denkt man sich, das ist aber jetzt doch ein anderer Text. Sehr schön, ja. In unserer Welt sehr schön, weil es unsere Idee von Klarheit und alles auf den Punkt bringen, so ein bisschen aus den Angeln hebt. Und ich fahre fort mit Arima Akito. Ich bin jetzt in unserem Jahrhundert. Und zwar, er schreibt, meine schwangere Frau verkündet, das Kind ist jetzt etwa so schwer wie ein weißer Pfirsich. Und ja, sie führt da an, natürlich diese humorvolle Unterton, diese abweichenden Perspektiven zwischen Mann und Frau. Und ich musste schmunzeln bei diesem Heiko. Und dann wurde es interessant, weil dann habe ich wieder gemerkt, wie meine Prägungen auch greifen. Dann lese ich, dieser Arima Akito ist ein international anerkannter Atomphysiker, Rektor der Universität Tokio, Abgeordneter Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, hat Zeit seines Lebens Heiko gedichtet und so weiter, ist im Fernsehen aufgetreten, Haiku-Zeitschrift und und und. Also er ist vor sechs Jahren verstorben. Und da sehen wir wieder unsere Prägung. Jetzt haben wir so einen Wissenschaftler, der sich mit Haikus beschäftigt. Jetzt wollen wir es vielleicht sogar nochmal lesen. mal lesen. Und ich bleibe bei dieser Thematik jetzt. Takaha Shuguyo, 1930 geboren und lebt noch. Und er schreibt Säuglingspuder. Mein Kind entblößt im wahrsten Sinn frei von allen Dingen. Das muss ich nochmal lesen. Säuglingspuder, mein Kind entblößt im wahrsten Sinn frei von allen Dingen. Und das ist eigentlich, würde das genügen für den heutigen Abend, weil er beschreibt, das Wort, das da vorkommt, Mushibutsu, wenn ich es richtig ausspreche, ist eine zentrale Formel des Zen-Buddhismus und bezeichnet die totale innere Freiheit von allen äußeren Dingen eine Geistesverfassung, die der Zen-Adept idealerweise zu erreichen trachtet. Der Elternteil, der das Neugeborene pflegt, erinnert sich beim Anblick des schutzlosen Säuglings, der aber mit sich und der Welt noch völlig eins zu sein scheint, an dieses Zen-Ideal. Das Heiko lebt also von diesem Gedankensprung. Es regt den Leser zur Meditation an über die gewaltige, das ganze Dasein umfassende Spannung zwischen Lebensanfang und einer nur schwer zu erreichenden Rückkehr zu innerer Einheit und Ganzheit. Wunderschön, auch dieser Kommentar. Aber Vorsicht, weil jeder Kommentar engt uns wieder ein. Also wir müssen den Kommentar auch wieder loslassen und in ein paar Wochen wiederlesen. auch wieder loslassen und in ein paar Wochen wiederlesen. Ja, jetzt, damit ich ein bisschen vorstelle durch die Geschichte, übrigens in Japan, war mir auch nicht bekannt, man geht davon aus, dass über zwei Millionen Japanerinnen und Japaner regelmäßig Haikus dichten und auch Haikutreffen abhalten. Und fast jede Tageszeitung hat eine Haikukolumne, wo von 100 Haikus maximal eines überhaupt aufgenommen wird, von ganz strengen Juroren und so weiter. Und die Haikutreffen laufen auch so ab. Sie beschreibt ganz am Anfang eines, wo sie eingeladen wird, zufällig, weil sie ist ja selber Haiko-Dichterin, die Masami, und da wird jede, gibt drei Gedichte ab, von den neun Teilnehmerinnen zum Beispiel war das so, aber ohne Namen und dann schreiben die alle diese Gedichte, diesen 27 in ein Heftchen und dann werden die wieder und schreiben drei davon, die sie am besten finden, auf und das kriegt dann der Leiter dieser Runde und dann werden die vorgelesen und diskutiert und dann erst wird bekannt gegeben, ganz zum Schluss, nach drei Stunden hat sie geschrieben, von wem überhaupt diese Heikos sind, also um diese Prägungen auszuschalten. Genau. Ganz ein schräges Kobayashi-Issa, 1763 bis 1827, auch ein sehr großer, bekannter. Ameisenstraße, aus Wolkengebirgen kommt sie, zieht sich wohl endlos ins Weite. kommt sie, zieht sich wohl endlos ins Weite. Ameisenstraße, aus Wolkengebirgen kommt sie, zieht sich wohl endlos ins Weite. Fast surrealistisch, richtiger Stilbruch drinnen, Assoziationen. Und es gibt auch in Japan, werden ja die berühmten Haikus, das ist eines davon, kommentiert. Und sie schreibt dann, das ist ja alles sehr oberflächlich, sondern sie geht da hier noch ins Feinere. Lesen Sie es selber, das stört jetzt eher das Haiku. Es ist so groß. das stört jetzt eher das Heiko. Es ist so groß. Und eins ist noch wichtig, in einem richtigen Heiko muss auch ein Jahreszeitenwort enthalten sein, also ein Wort, das irgendwo hinweist, wann spielt sich das ab. Und um den Menschen immer bewusst zu machen und einzubinden in den Kreislauf der Natur. Da können wir einiges lernen. Ich gehe jetzt nochmal vom Wolkengebirge in den Himmel, und zwar Fubasami Fuse, 2014 verstorben, 1914 geboren. Also die Heiko Dichterinnen, vielleicht fangen sie Heiko Dichten an, sie werden dann sehr alt wahrscheinlich. Mit 27 Jahren schreibt sie dieses Heiko als junge Mutter, aus glühendem Himmel ein einziger Fetzenpapier, der über die Menschen kommt. Aus glühendem Himmel ein einziger fetzen papier der über die menschen kommt geschrieben 1941 er oder einberufungsbefehl und so weiter also wie geht sie mit dem um und so weiter sie ist mit 99 jahren die älteste preisträgerin dann ausgezeichnet worden überhaupt der Umgang in diesem Jahrhundert, mich hat das so beeindruckt auch, Umgang mit Krieg aus dieser Seite. Wir kennen Kriegsliteratur ja zur Genüge und sie frustriert uns oft zutiefst. Ich lese eines noch vor, ein sehr berühmtes, in Japan beliebtes. 1945, Kato Shuson schreibt, stechend klaren, offenen Auges hängt der Fasan zum Verkauf aus. Stechend klaren, offenen Auges hängt der Fasan zum Verkauf aus. Also dieser anklagende Blick, der Fasan ist ja, durch das im Frühjahr, diese Werberufe, die er so hat, wir kennen das ja, gilt er in Japan als Symbol des Liebesverlangens und der Elternliebe. Und dieser Kato dreht es um, diese Elternliebe, dieses Behagliche und so weiter. um, diese Elternliebe, dieses Behagliche und so weiter. Und dieser kalte, tote Blick des Fasanens führt dann für alle, wie schreibt sie, den Betrachter immer noch mit eindringlichem anklagenden Blick anstarrende Vogel für alle verführten, verratenen, verkauften und verheizten Opfer der zurückliegenden Jahre. Und ich möchte jetzt noch einen Schritt weiter gehen. Ich finde, darum habe ich es reingenommen, dieses Heiko ist wohl eines der zeitgemäßesten finde ich jetzt. Wie schaut es zeitlich aus? Ich würde sagen, passt, wenn wir da mal einen Schnitt machen. Und ich denke, vielleicht passt es ja noch mal, Heikus einzuflechten, die dann passen. Wir haben ja noch ein drittes Buch, das möchte ich gerne vorstellen. John Karlmann Stefansson. Original ist der Roman 2020 erschienen und ins Deutsch übersetzt wurde von Karl Ludwig Wetzig und ist 2022 das erste Mal auf Deutsch erschienen. 1963 in Reykjavik geboren und hat eine interessante Vita. Er hat in der Fischindustrie gearbeitet, er war Maurer, er war Polizist, bis er dann 2009 mit seinem Roman Himmel und Hölle international als Schriftsteller erfolgreich wurde. Er gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller Islands. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet und er war 2018 für den Alternativen Literatur Nobelpreis nominiert. Dein Vorzeichen ist Finsternis, also dieses Buch hier, wurde 2022 in Frankreich als bester ausländischer Roman ausgezeichnet. Ich tue Ihnen und mir das jetzt nicht an, das auf Französisch auszusprechen. Ich kann leider nicht Französisch. Und ich möchte gleich einfach den Anfang lesen, um einen Eindruck zu geben, wie dieses Buch geschrieben ist. Es hat so verschiedene Abschnitte, die immer wieder übertitelt sind und dann wieder eigene Kapitel und der erste Abschnitt heißt, erzähl meine Geschichte und ich bekomme meinen Namen zurück oder mit anderen Worten der erste Widerstand. Und das erste Kapitel heißt dann, Und das erste Kapitel heißt dann, irgendein Trost findet sich immer. Möglicherweise träume ich Folgendes, dass ich in einer kalten Kirche irgendwo auf dem Land in einer ersten Bankreihe sitze. Die tiefe Stille draußen wird hier und da von Schafsblöcken und von fernem Vogelgeschrei unterbrochen. Die Fenster rahmen blauen Himmel ein, Meer, Streifen von grünen Wiesen, einen kahlen Berg. Ich hoffe, es ist bloß ein Traum, weil ich nichts von mir weiß, nicht einmal, wer ich bin oder wie ich hierher kam. Ich weiß nicht. Aber ich bin nicht allein in der Kirche. Ich drehe mich um und hinten in der letzten Reihe sitzt ein Mann, dicht neben einer verwitterten Fahnenstange, die quer über fünf Bankrücken liegt. Schlank, etwa mittleren Alters, hageres Gesicht, hohe Geheimratsecken, markante Falten auf der Stirn. Und er sieht mich spöttisch an. Vielleicht bin ich schlichtweg tot. Vielleicht geht es so vor sich. Alles erlischt. Das Individuum wird ausgelöscht. Dann wirst du in so einer kleinen Kirche wieder hochgefahren und der Teufel sitzt ein paar Reihen hinter dir, ist gekommen, um deine Seele zu holen. Ich sehe mich schnell noch einmal um. Nein, das ist kaum der Böse persönlich. Doch etwas im Verhalten des Mannes lässt vermuten, dass er sich hier auskennt. Ich drehe mich um, blicke ihn direkt an und räuspere mich. Entschuldigung, bist du vielleicht der Pfarrer dieser Kirche? Der Mann starrt mich lange schweigend an. Peinlich lange. Pfarrer, wiederholt er schließlich. Sollte mich allein der Umstand, dass ich hier auf einer Kirchenbank sitze, zum Pfarrer machen? Was bist du dann, wo du doch viel näher am Altar sitzt, Bischof? Wäre ich Busfahrer, wenn ich neben einem Bus stünde? Oder Arzt, wenn diese Kirche ein Krankenhaus wäre? Räuber oder Banker, wenn wir uns in einer Bank begegnen würden? Und wenn ich all das wäre, wie lange uns in einer Bank begegnen würden? Und wenn ich all das wäre, wie lange isst man, was man isst? Ändert einen das Leben nicht andauernd? Sofern du auch wirklich lebendig bist, heißt das. Wann also isst man nicht länger Pfarrer oder Verbrecher und wird etwas ganz anderes? Sollte es nicht auch Antworten geben, wenn es diese Fragen gibt? Wann heißt man zum Beispiel Ding Dong und wann Schnuffi und was von beiden ist besser? Denk also daran, dass Fragen manchmal das Leben bedeuten, antworten aber den Tod und sei entsprechend vorsichtig, Mann. Seine Stimme klang nicht direkt finster, aber doch nach einem Anflug von Düsternis und in seinem Gesicht drückt sich eine gewisse Kraft aus. In den kantigen Zügen der gefurchten Stirn den blauen Augen. Solche Menschen können gefährlich sein, denke ich unwillkürlich. Du glaubst also, ich sei gefährlich, sagt der Mann. Ich erschrecke. Ich wollte nicht, sage ich. Aber da wedelt er mich mit einer Handbewegung fort, als wolle er mir über den Mund fahren, mich wegwischen und auffordern, mich zu verziehen. Ich entschließe mich zu Letzterem, stehe auf, nicke ihm zu. Die alten Dielen knarren, als ich hinausgehe und und die alte Kirche verlasse, die nahe der Mündung eines kurzen Fjords steht, von niedrigen Bergen und einer weiten, kühlblauen Bucht weiter draußen umgeben. Die kahlen Berge steigen landeinwärts etwas an und wirken dort auch grüner. Der Friedhof ist offenbar viel älter als die Kirche, denn die ältesten Gräber sind nur noch kaum zu identifizierende Wiesenhöcker und die, die darunter liegen, längst vergessen. Aber das grüne Gras fängt den Sonnenschein und leitet ihn zu ihnen nach unten in die Dunkelheit. Vielleicht gibt es doch immer einen Trost. Die jüngsten Gräber liegen südlich der Kirche und das Frischeste, das ich auf meinem Weg über den Friedhof sehe, ist sorgfältig gepflegt. Der Name der Toten auf dem Grabkreuz ist zwar von Vogelkot überdeckt, aber die Inschrift darunter deutet darauf hin, dass sie geliebt wurde. Dein Andenken ist Licht, dein Vorzein Finsternis. Das gilt nicht unbedingt für ihren Nachbarn, einen gewissen Pal, Skalson vom Hof Odi. Denn sein Grabstein, ein großer, schwerer Uferstein, weist nur ein Zitat von Kierkegaard auf. Wenn ein ewiges Vergessen allzeit hungrig auf seine Beute lauerte und es keine Macht gebe, stark genug, sie ihm zu entreißen, wie leer wäre dann das Leben, wie trostlos. Dein Vorzein ist Finsternis. Ewiges Vergessen lauert auf deine Erinnerung. Wo finden wir Trost? Und jetzt noch ein Stückchen vom zweiten Kapitel. Selbst die Toten lächeln und ich bin am Leben. Irgendwer, vielleicht ich, hat einen blauen Volvo so dicht an der hohen Friedhofsmauer geparkt, dass man ihn von drinnen nicht sehen kann. Zu meiner großen Erleichterung ist der Wagen nicht abgeschlossen. Doch als ich gerade einsteigen will, sehe ich von dem Betonhaus auf dem Hofhügel etwas oberhalb der Kirche eine Frau auf mich zukommen. Schlank, langes, dunkles, grauses Haar, einen braunen Rucksack nachlässig über die Schulter geworfen. Sie ist nicht allein, denn ein dunkelbraunes Schaf läuft vor ihr her und schnurstracks auf mich zu, schnuppert an meinen Schuhen und springt mich dann mit demselben Eifer an wie ein Hund, sodass ich beinahe hinüberfalle. Aus, Refner, ruft die Frau streng. Und er lässt das Schaf von mir ab. Du musst Refner entschuldigen, sagt die Frau grinsend, als sie bei mir ankommt. Manchmal führt sie sich so auf, aber herzlich willkommen. Jesus, ich kann kaum sagen, wie froh ich vorhin war, als ich aus dem Fenster guckte und dich über den Friedhof gehen sah. Froh, aber natürlich auch überrascht. Mit meinem Tod hätte ich eher gerechnet als mit dir. Wann bist du gekommen? Ich habe gar nicht mitgekriegt, dass du zur Kirche gefahren bist, obwohl man so etwas normalerweise mitbekommt. So früh an einem Sonntagmorgen sind kaum Autos unterwegs. Ich nehme an, du bist auf dem Weg zum Hotel, zu Soleil. Die wird Augen machen, wenn ich ihr sage, wer da kommt. Diese Frau kennt mich. Womöglich kann sie mir bei meinem Gedächtnisverlust helfen, will wenigstens meinen Namen nennen. Das könnte ein paar Türen öffnen. Aber etwas hält mich zurück. Vielleicht die Worte des Pfarrers in der Kirche, wenn er denn kein Busfahrer oder auch nicht der Teufel in Person war. Denk dran, dass Fragen manchmal das Leben bedeuten. Antworten aber den Tod und sei entsprechend vorsichtig, Mann. Das ist so der Beginn. Also es ist ein Erzähler, ein namenloser Erzähler, der diesen Roman erzählt und der da aufwacht und nichts mehr weiß. Aber er begegnet Menschen, die ihn kennen. Und er stellt sich so die Frage, verlieren die Toten ihren Namen, wenn wir ihre Geschichte nicht erzählen? Erzähle meine Geschichte und ich bekomme meinen Namen zurück. Geschichte und ich bekomme meinen Namen zurück. Und so beginnt er, sich mit den Geschichten der Menschen zu beschäftigen, die in diesem Fjord leben, beziehungsweise gelebt haben. Also das geht über mehrere Generationen zurück und er verfolgt da so die Linien, das geht aber alles immer ineinander, es sind auch sehr, sehr viele Personen und es geht jetzt auch gar nicht so sehr darum, den Verlauf zu erzählen, weil es gibt auch nicht so ganz klar einen Verlauf, weil eben da verschiedene Stränge immer ineinander laufen. Und vielleicht ist das manchmal ein bisschen anstrengend bei Büchern. Ich finde bei diesem überhaupt nicht. Also das hat mich überhaupt nicht gestört, ganz im Gegenteil. Ich fand das schön. Und manches verbindet sich dann und manches niemals. Oder ich habe es nicht verstanden oder mich nicht mehr erinnert. Aber das macht nichts. Er ist immer wieder im Austausch mit diesem Fahrer, Busfahrer oder Teufel. Es ist auch nicht klar, ist das eine echte Person? Ist die imaginiert? Wie auch immer. Also die blinkt da auch immer rein und ist so im Austausch mit diesem namenlosen Erzähler. Ja und zu unserem Thema, wenn man da so reinschaut, dann findet man hunderttausende Dinge, weil es eben ein Buch über Prägungen ist. Ich versuche jetzt ein bisschen was rauszuholen, weil sonst sitzen wir da ganz, ganz lange und wir wollen ja auch noch darüber reden. Also es geht schon so auch um Geschichten, die sich über Generationen durchziehen. Also es gibt da einen Haldor, der hat ein kurzes, sehr leidenschaftliches Verhältnis mit Svana und die ist aber eine verheiratete Mutter zweier Kinder. Sie bekommen dann gemeinsam ein Kind, sie verheimlicht aber die Schwangerschaft und bleibt bei ihrem Mann, weil dieser, glaube ich, so weit ich mich erinnere, Alkoholiker, auf jeden Fall eine sehr labile Persönlichkeit und sie hat einfach Angst um ihn und hat Angst, was passiert, wenn sie ihn verlässt. Also bleibt sie bei ihrem Mann und bringt dann den Sohn, den gemeinsamen Sohn mit Haldur, zu dessen Großeltern. Und dort wächst der Erikur dann auf, bei den Großeltern. Der Vater ist dort auch, aber auch ein bisschen ein Abwesen da. Also der ist immer monatelang weg zum Arbeiten. Also seine Großeltern sind die, mit denen er aufwächst, in einer ganz liebevollen Umgebung. Er bricht aber dann aus und mit 16 geht er schon weg, zuerst nach Reykjavik und dann überhaupt nach Frankreich und lernt da Tove kennen, eine dänische Journalistin, die ebenfalls verheiratet hat und schon zwei Kinder hat. Er hat einige Jahre Beziehung mit ihr, aber letztendlich entscheidet sie, auch Tove, bei ihrem Mann zu bleiben, weil der ebenso eine ganz labile Persönlichkeit ist und sie einfach Angst hat um ihn und sich trotz ihrer Liebe zu Erikur für ihren Mann entscheidet. Also da wiederholt sich einfach die Geschichte, die er selbst erlebt hat. Und dann, das ist ja auch so wie beim Schwimmer, diese abwesende Mutter bei Eric Kuhr ist ein Riesenthema. Also er wächst sehr, sehr liebevoll auf und das ist sehr, sehr schön beschrieben. Und trotzdem prägt diese abwesende Mutter ihn so sehr. Er glaubt ja sehr lange, dass sie verstorben ist. Das stimmt aber nicht und er erfährt das erst relativ spät, also einige Jahrzehnte später, ich glaube da ist er schon 40. Und als er das dann erfährt, dass seine Mutter nicht lebt und dass das alles irgendwie für ihn eine Lüge war, mit der er da aufgewachsen ist, gerät er völlig außer der Bahn. Das möchte ich jetzt noch vorlesen. Ihnen, damit sind jetzt seine Eltern gemeint, Svana und Eriko. Ihnen war Glück vergönnt, dann opferten sie es und Eriko kam mit einem schwarzen Loch in sich zur Welt. Weil sie betrogen hatten, weil sie nicht zusammenbleiben konnten, weil sie den Mut dazu nicht aufbrachten, es nicht durften, weil Svana sich nicht traute, der Liebe alles andere zu opfern. Du hast im Leben immer zwischen zwei Wegen zu wählen. Es kommt nicht darauf an, was du wählst. Irgendwo bildet sich immer ein schwarzes Loch. Wie sollen wir überhaupt leben? Eirikur fuhr mit einem schwarzen Loch in seinem Innern. Es dauerte sieben Stunden. Berühre mich, drück mich, halt mich fest. Der einzige Song, an den er sich von der Fahrt noch erinnert, von drei Kassetten, für deren Zusammenstellung Haldor, sein Vater, einen ganzen Tag aufwandte. Jedes Lied hatte seine Bedeutung, jeder Text seine Botschaft. Alles ging am Rand des schwarzen Lochs verloren. Eriko saß ganz an der Beifahrertür gedrückt im Auto, hatte gleich Heimweh nach seinen Großeltern, die Landschaft flog vorbei, Haldor musste eins ums andere Mal abbremsen, raste mit fast 130 Stunden Kilometern über die schmale Straße, ohne es zu merken. Ich weiß nicht, wie ich mit meinem Sohn ins Gespräch kommen kann, dachte er und kämpfte am Steuer mit den Tränen. Soleil und Runa hatten Eriko drei Jahre zuvor eine Hängematte geschenkt, die Haldor im Masadenzimmer des Jungen aufgehängt hatte. Damit du in der Luft schaukeln träumen kannst, hatte Soleil auf die Glückwunschkarte geschrieben. Dürfen wir es wagen zu träumen, wenn unsere Träume nie in Erfüllung gehen? All my little plans and schemes lost like some forgotten dreams. Du triffst eine Entscheidung und jemand stürzt ins Unglück. Ein anderer wird von Unglück erfüllt, aber alles hat seinen Preis. Du triffst keine Entscheidung und wirst gelähmt. Jetzt habe ich dich lächeln sehen. Was wird nun aus mir? Es geht um Entscheidungen, die immer Auswirkungen haben. Das Glück des einen, das Unglück des anderen. Und dass es da kein Schwarz-Weiß gibt und kein Entweder-Oder. Es gibt keine richtige Entscheidung. Aber wenn man gar keine Entscheidung trifft, dann ist man gelähmt, das führt zu Stillstand. Es geht auch sehr viel um Stillstand und Stagnation. Da geht es jetzt auch sehr stark um Island. Es geht darum, dass da sehr, sehr lange Zeit alles beim Alten geblieben ist. Es hat sehr, sehr lange gedauert, bis die Moderne dort Einzug gefunden hat. Also die Art, wie man dort Landwirtschaft betreibt, zum Beispiel die Art des Wohnens, sehr lange ins 20. Jahrhundert, über Jahrhunderte, wahrscheinlich Jahrhunderte gleich geblieben, während sich draußen die Welt schon sehr stark verändert hat. Also da war ganz viel Stillstand, aber in einer sehr dynamischen Natur. Wer schon in Island war, weiß es, da kann stundenweise das Wetter extrem wechseln, von Sonnenschein auf extremen Wind und Regen, das geht ganz, ganz schnell und das macht natürlich was mit den Menschen. Also sie sind schon Veränderung gewohnt. Und wahrscheinlich ist es auch der Stillstand, der dann hilft, damit umzugehen. Ja, und da gäbe es noch ganz, ganz viel. Aber ich mache jetzt da trotzdem mal einen Punkt, weil wir wollen ja auch noch über Prägungen reden und vielleicht kann ich das eine oder andere noch einflechten. noch über Prägungen reden und vielleicht kann ich das eine oder andere noch einflechten. Ja, ich wünsche mir jetzt auch gern Ihre Gedanken dazu, zu den Büchern, zu Prägungen, vielleicht zu unseren Fragen, die wir mitgebracht haben. Wir haben ja da einen Würfel, einen Mikrofonwürfel, da bitte ich Sie kurz Ihren Gedanken, Ihre Fragen reinzusprechen, mit uns zu teilen. Wenn uns auch noch was dazu einfällt, dann werden wir auch wieder dazu sprechen, ganz wie es sich ergibt. Ja, wer möchte gern beginnen? Oder war es jetzt zu abrupt? Okay, dann frage ich euch mal, was ist euch so durch den Kopf gegangen, wie ich euch gefragt habe zum Thema Prägungen? Ja, dass es natürlich ein interessantes Thema ist, das ist eh klar. Weil wir haben vorhin kurz an der Bar gesprochen, oder weil man hört das Thema und denkt sich, ja, was prägt einen? Ja, alles. Also natürlich prägt uns alles, alles und immer. Und deshalb ist es wahrscheinlich auch ein unerschöpfliches Themengebiet, über das man sprechen kann. Ich fand es aber dann auch interessant, dieses Buch, das ich ja vor 20 Jahren gelesen habe, quasi noch einmal zu lesen auf das Thema hin und da wirklich auch zu sondieren und zu schauen, was finde ich da drinnen. Und ich habe auch den Roman, den du mitgebracht hast, gelesen und fand auch spannend, dass die Themen sich selber schneiden. Also dieser Stillstand zum Beispiel oder dieses sich nicht entscheiden oder im Leben nicht weitergehen wollen, das ist in beiden Büchern so ein Thema, also einerseits ist es politisch bedingt oder wirtschaftlich, aber auch so in den Menschen drinnen und das ist ganz schön, dass es so allgemeine Themen gibt, die ja irgendwo auch diese Einzelschicksale transzendieren, wo dann die Menschen, die Figuren aus den Büchern auch was mit den Leserinnen zu tun haben und wo man merkt, das ist irgendwo die Menschlichkeit oder dieses, das sind dann Dinge, die uns alle berühren und die sind für alle ähnlich. Mir ist es auch so gegangen. Also es ist gleich mal ganz spannend und dann denke ich mir, alles beeinflusst uns und prägt uns. Aber die zentrale Frage ist dann irgendwo darunter, kann ich dem entkommen? Oder wie gehe ich damit um? Manche Prägungen sind ja sehr sinnvoll und auch gut, aber nicht alle und wie entdecke ich meine Prägungen, wie kann ich diesen Dingen auf die Spur kommen und bin dann natürlich, habe dann ein bisschen herumgeschaut, war sehr schnell in der Neurobiologie, die uns ja den freien Willen manchmal abspricht, also rot ganz früh und dann andere reden wieder dagegen und so. Es ist ja alles nicht so einfach. gibt es eine Idee, wie man sich geistig, also schaffen wir es, wie das Kind da in dem Heiko zu werden, dass wir uns loslösen. Und dann geht die Spur ja, ich kann jetzt vom Taoismus, beim Taoismus anfangen, wenn ich ganz weit zurückgehe, aber ich kann die Hannah Arendt nehmen, die ja so eine starke Frau war, dass sie an dem nicht einmal zerbrochen ist, dass sie wirklich versucht hat, so zu denken, dass sie ihr eigenes Denken relativieren kann. Sofern das geht. Also die Neurobiologen sagen, innerhalb des Systems Denken gibt es ja keine Lösung. Wie nähern wir uns dem? Und das war für mich alles höchst spannend und auch zu untersuchen, wo kommen denn meine Prägungen jetzt her? Wo sind die Hauptpräger? Da ist man natürlich schnell bei den Medien und auch der Relativität. Und dann war ich bei den Wissenschaftlern. Und wenn man sich nur die Geschichte der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anschaut, die ganz, ganz viele wurden ja geächtet mit ihren neuen Ideen, weil die Prägungen so stark waren der anderen, dass sie das neu nicht akzeptieren konnten. Und ich schätze, dass das heute nicht anders ist. Ja, ein endloses Thema, aber sehr spannendes, dem man sich, denke ich, immer wieder stellen sollte. Dankeschön. Es gibt mittlerweile bei Ihnen Gedanken, Fragen zu unserem Thema. Einen Moment noch bitte. Es braucht noch kurz den Würfel. Muss man da reinsprechen? Ja, muss man da reinsprechen? Eigentlich ist das immer ganz banal, aber in dem Roman Der Schwimmer kommt es eh schon ganz stark heraus und ich glaube auch in Ihrem Roman noch viel stärker als die Medien oder vielleicht auch spätere Menschen oder philosophische Strömungen oder so, die einen prägen, denke ich, ist doch tatsächlich die Kindheit diejenige, die einen massiv prägt und wenn da irgendwas, was auch immer Heftiges passiert sein mag, in dem Fall war es jetzt die Mutter, die weggeht, das ist natürlich etwas ganz Traumatisches in dem Roman, dann glaube ich, ist das etwas, was einen tatsächlich wahrscheinlich immer wieder einholt und wo man einfach sein Leben lang tatsächlich Schwierigkeiten haben wird, aus so einer Prägung herauszufinden. Also das sind dann Dinge, die sind für mich tatsächlich noch mal mehr Prägung. Das ist wahrscheinlich neuropäologisch dann so sehr drinnen, dass man das, selbst mit Therapie oder ich weiß nicht, weil alles andere, ich verstehe schon, was Sie meinen, das sind halt Aspekte, die Interessen prägen und wo man sich schon sehr frei entscheidet vielleicht, wohin will ich gehen und wenn ich in Berührung komme mit irgendeinem Buch oder kann mich dann auch hineinlesen. Aber ich glaube eben diese Prägung, gegen die wir uns ja gar nicht wehren können in der frühen Kindheit, die ist für mich jetzt das, woran ich zuerst denke, wenn ich Prägung höre. Und mit all dem rundherum, was Sie auch vorher angesprochen haben, mag schon auch sein, natürlich der Landstrich, in dem ich aufwachse und auch das prägt, wie das jetzt in Island vielleicht eine ganz spezielle Wettersituation sein mag und, und, und. Aber tatsächlich einfach die Herkunft und die Familie und die Konstellation der Geschwister, der Eltern, was immer da passiert, im positiven wie im negativen Sinn. Dankeschön. Ich finde ja bei Junkern mal Kalman Stefansson so spannend, dass er so viele Fragen stellt. Ich habe noch nie einen Roman gelesen, der so viele Fragen stellt, die er versucht zu beantworten und es gibt eine Antwort für den Moment und dann gibt es wieder eine andere Antwort. Er versucht gar nicht eine endgültige Lösung da zu finden. kann man vor sich selbst davonlaufen, findet er auch erst eine Antwort und dann relativiert er sie wieder. Es geht ihm da um diesen Erekur, der ja mit 16 dann nach Reykjavik flüchtet, um vor sich selbst davonzulaufen. Und die Antwort lautet da, die Fahrt dauerte sieben Stunden. Sieben Stunden braucht es, um von einem Leben in ein anderes zu gelangen. Gott erschuf die Welt in sechs Tagen und ruhte am siebten. Und er spricht dann davon, dass Gott das Bewusstsein geschaffen hat und der Teufel das Unterbewusstsein, also man kann doch nicht vor sich selber davonlaufen. Und was passiert dann oder was kann passieren? Aber wer sich nie anderen anvertraut, wird nach und nach zu einem Schneckenhaus. Aber wer sich nie anderen anvertraut, wird nach und nach zu einem Schneckenhaus. Der kriecht in sein Haus zurückgezogen durchs Leben, rollt sich um seinen Kern zusammen und all das Wichtige, über das er nie spricht, verschmilzt mit dem Gehäuse und wird mit den Jahren immer härter. Mit der Folge, dass es für andere immer schwerer wird, an dich heranzukommen und für dich andere zu erreichen. Die Schalle wird Abwehrbollwerk und Gefängnis in einem. Möchte man so leben? Möchte man so sterben? Ja. Bitte schön. Also aus euren Buchvorstellungen nehme ich mir jetzt zwei Aspekte mit. Das eine ist der Zeit, dass wie meine Vorrednerin gesagt hat, dass Prägungen einfach über sehr lange Zeit, so wie ein steter Tropfen uns Ereignisse oder Erlebnisse, Erfahrungen prägen können, aber gleichzeitig auch, es gibt auch die Redewendung, das war so ein prägender Moment in meinem Leben. Ich denke da jetzt an berufliche Kontexte oder an ein Ereignis, eine kurze Begegnung, also diese Zeitspanne, sozusagen, oder das ist jetzt ein Zeitmoment. Und das Zweite fand ich interessant in eurer Auswahl, die Rolle der Mutter, diese Mutterfigur, die ja eigentlich in beiden Fällen die Familie, beziehungsweise in dem Fall oder in allen dreien. Da kommt ja auch der Zweigling. Also das sind für mich zwei so Momente. Ja, dann kann man vielleicht sagen, dass die Mutter das Allerprägendste ist in diesem Leben. Wahrscheinlich, oder eben wenn sie fehlt. Ja, oder ihr fehlt, genau. Genau. Bitteschön. Ja, die Prägungen der Kindheit, also das ist natürlich immer ein großes Thema, aber ich habe fünf Geschwister und mein Vater hat seine Memoiren geschrieben und das haben wir dann zu einem Buch veröffentlicht und da bin ich dann draufgekommen auch, dass ja die, also mein Vater ja auch sehr geprägt wurde durch sein Leben. Es war ein ganz einfacher Mensch, der sich dann hochgearbeitet hat. Und so wird man geprägt. Und natürlich sind wir Kinder alle geprägt worden durch diese Erziehung. worden durch diese Erziehung, aber trotzdem hat jeder seine eigene Prägung im Leben dann doch eigentlich sich erarbeitet. Also von wegen, man kann sich schon auch lösen von gewissen Prägungen oder wir haben nichts Negatives in dem Sinn auch erlebt. Und darum ist meine Frage, man muss dann schon auch andere Generationen vielleicht noch anschauen, wie da die Prägungen vor sich gegangen sind. Dass man sich selber besser versteht, weil es geht ja eigentlich nur darum, dass wir uns in unserem Leben besser kennenlernen. Und je älter ich werde, umso mehr komme ich darauf, dass ich hineinschaue. Das war jetzt keine Frage. Nein, aber das macht der junge Karl-Mann-Steffenson sehr stark zum Thema. Also dadurch, dass er ja da in den Generationen recht weit zurückgibt, es geht über fünf Generationen, zieht sich das, versucht er das auch aufzuzeigen. Also was jemandem passiert ist oder wo sich jemand entschieden hat, wie das sich auswirken kann, fünf Generationen danach. Aber er macht es nicht so direkt und das ist das Spannende. Also man kann dadurch, dass er immer alles verschachtelt miteinander, braucht man ein bisschen, um das zu erkennen, aber es zeigt sich dann schon. okay, weiß ich eigentlich, was meine Urgroßeltern gemacht haben oder wo die gelebt haben. Und natürlich haben deren Entscheidungen ja bewirkt, dass man selber irgendwie da sitzen kann, oder? Das ist auch das Interessante. Oder ich glaube, wir haben das in einem E-Mail-Austausch auch gehabt, dieses Intergenerational Trauma. Ich habe mich nicht wahnsinnig viel darin eingelesen, aber das gibt es ja auch. Also dass man draufgekommen ist, dass eben Kriege oder Kriegserfahrungen von Generationen vor oder Fluchterfahrungen sich bei Menschen dann im 21. Jahrhundert so einbrennen können, dass die Zustände haben, Angstzustände, was auch immer haben, die eigentlich von diesen Ahnen herkommen und nicht aus ihrer eigenen Erfahrung. Natürlich gibt es einen Anknüpfungspunkt im eigenen Leben, wo das irgendwo auch stattfinden kann. Das braucht es natürlich. Aber dass das manchmal auch einfach von anderen Generationen kommt, das finde ich sehr spannend. Weiß man noch nicht so lang, soweit ich weiß. Irgendwann im 20. Jahrhundert hat man sich intensiver damit beschäftigt. Und das ist nicht nur esoterisch, sondern da gibt es schon einige Belege dafür. Und das ist schon sehr spannend, wie sich das auswirken kann. Und ich fand auch schön, dass du den Taoismus eingebracht hast. Oder eine Prägung quasi, wenn man sie erkennen kann, sie zu halten und ihr vielleicht so viel Raum zu geben, dass sie vielleicht besteht oder sich auflösen kann oder einfach nur bestehen kann und man muss aber nicht mehr agieren aufgrund der Prägung, sondern man kann vielleicht einfach erkennen, okay, die gibt es und ich verhalte mich trotzdem anders. Wenn ich es erkenne. Genau. Das ist jetzt nicht genau das, was ihr gesprochen habt, aber was irgendwie verwandt ist, bis bei diesen Haikus so faszinierend. Wenn ich von Bascho ausgehe, er bezieht sich bei dem ersten Haiku, das ich genannt habe, auf den 500 Jahre vor ihm lebenden Saigiyo, seinen Lieblingsdichter. Und ich habe bei Eckhard May gelesen, es war durchaus üblich, dass man als Haiku-Dichter um die tausend alte Gedichte auswendig konnte und man hat die mit einem Wort angedeutet, nicht mit mehr, weil der Gebildete hat ja sofort erkannt, dass sich der jetzt auf Dufu oder auf Chuang oder ein bisschen früher auf Chuang-Tzu oder wie auch immer bezieht. Und plötzlich hat man da, und das ist für ja, das ist doch so zeitgemäß. Das ist so, die Dinge, die die beschäftigt haben, was die wollten oder ausdrücken wollten, was die gesucht haben, und wie da die ganze Philosophie zusammenbaut, wie da Sudungbo in einem kurzen Gedicht Taoismus und Konfuzianismus zusammen mischt und dann bezieht sich ein Dichter da drauf und im 20. Jahrhundert gibt es wieder einen, der sich auf beide bezieht, aber mit unserer Sprache und dann habe ich manchmal so das Gefühl, wenn ich mich hin und wieder einsam fühle, ein bisschen in der Gesellschaft, es gibt Verwandte im 11. Jahrhundert und es gibt sie auch jetzt und es ist irgendwie so groß dann, so schön. Mir hat auch bei Ihnen sehr gefallen, das Loslassen, dass man einfach wieder etwas liest und dann soll man auch loslassen, weil das dann ermöglicht, dass man wieder eine andere Sichtweise bekommt. Und das, denke ich, ist eigentlich fürs Leben auch sehr schön. Das ist ein sehr guter Punkt. Ja, und wahrscheinlich auch gerade bei Haikus wie diesem da, es kommt so darauf an, wann man das liest. Wann im Leben, in welchem Gemütszustand wird da immer wieder was anderes entstehen? Vielleicht manchmal leicht anders, manchmal ganz anders, oder? Ja. Oder generell bei Texten, oder? Also mir ist schon oft so gegangen. Ja, wir haben ja auch vorbesprochen, dass wir dieses Buch beide gelesen haben oder alle drei gelesen haben und dann haben wir jetzt nochmal für den Abend reingeschaut und haben gemerkt, wir haben so viele Dinge da drin gefunden, die wir nie gesehen haben. Und eigentlich müsste man sofort nochmal lesen, weil wir ganz vieles irgendwie überlesen haben oder weil man das gar nicht erfassen kann im ersten Lesen. Gilt aber für mich für alle drei Bücher. Also die Heiko sowieso, aber auch der Schwimmer hat so viel drin, was man dann erst entdeckt oder erst dann wahrnimmt, weil es gerade passt. oder erst dann wahrnehmend, weil es gerade passt. Ich habe jetzt angefangen über eine riesige Bibliothek, ich lese auch sehr viel und ich komme jetzt drauf, wenn ich Bücher lese, denke ich mir, ich habe mir gedacht, das habe ich schon gelesen, ich lese ganz was anderes und nehme ganz andere Dinge bei. Aber weil ich eben schon so viele Dinge erlebt und erfahren habe, jetzt sehe ich das alles wieder anders. Und das ist für mich auch so spannend. Dass man eigentlich sich keine neuen Bücher kauft. Weil die alten sagen auch schon wieder so viel aus. Ja, das stimmt. Das ist spannend, genau. Das ist wirklich spannend, ja. An den Fritz bezüglich der Übersetzungen. Du hast eine andere Übersetzung, eine Begrifflichkeit mit dem Stein. War das das Zirpen der Grille? Ja. Wie hat man sich verständigt? Oder gibt es verschiedene Übersetzungen, verschiedene Auflagen, verschiedene Herausgeberschaften? Oder hat man sich irgendwo dann mal verständigt auf eine deutsche Version von diesem Haiku aus dem 11., 12., 13. Jahrhundert? Oder gibt es da schon Varianten? Es gibt ganz viele Varianten. Und es gibt auch, was ich gelesen habe, oft direkt Streit auch, weil die einen sagen, das gehört mehr in die private Richtung interpretiert, die anderen sagen, da ist das Weltgeschehen oder die Politik angestreift. Und sie begründet ja auch ihre Übersetzung mit diesem Osmotischen zum Beispiel, wo Don Brady sagt, dieses Reinbohren, erinnern Sie sich an den Fels und die Zikaden? Und das ist auch ein schönes Bild, weil das kann so bohren sein, dieses Zikadengerausch. Und dann sagt aber die Masami, nein, nein, das ist Osmotischer und es geht wieder eine Welt auf. Und das ist doch so schön, wenn wir uns nicht festlegen, wenn es so viele Möglichkeiten gibt. Also wer sich einmal mit François Jullien beschäftigt, ein Sinologe, der dann erklärt, wie die Gedichte oft geschrieben sind, auch chinesische Gedichte, man kann dann die Zeichen so und so kombinieren und so, weil es ja Bildzeichen sind. Es geht in diesem Denken darum, das Ontologische loszulassen. Also genau das Gegenteil, was unsere Kultur ausmacht, ist in einer asiatischen Kultur, ich rede jetzt von dieser geistigen Kultur, eher das scheinbare Gegenteil und hat es zu einer hohen Blüte gebracht. Und man kann ja nicht sagen, dass die Asiaten keine strengen Denker sein können. Und mir ist dann erstmals bewusst geworden in der Beschäftigung mit diesen Dingen, also speziell über Julien, dass wir aus unserem Denken nicht aussteigen können, wenn wir nicht daran arbeiten. Und wenn wir beginnen, daran zu arbeiten, dann bereichert es beide Seiten. Aber es ist unglaublich schwer. Ich habe es einem Freund versucht, einmal ein bisschen zu erklären und er hat gesagt, ja, ja, das verstehe ich schon. Und die Hannah Arendt sagt, wenn in die Richtung, wer sagt, ja, ja, ich verstehe es, dann ist es eben nicht so. Ja, dann würde ich sagen, wir schließen diesen Abend schön langsam ab. Vielleicht mag jeder noch irgendwas aus seinem Buch beitragen oder eigenen Gedanken, vielleicht du noch ein Haiku, vielleicht du noch etwas, auch einen Haiku, wenn er da wichtig ist oder etwas vom Schwimmer oder einen eigenen Gedanken, also was auch immer. Ich fange an, dann habt ihr noch Zeit. Das ist anschließend auch an ihr, wer bin ich, mich selbst zu finden. Er beschäftigt sich auch noch viel mit dem Schicksal und wie wirkt das auf uns und was ist überhaupt Schicksal. Auch da gibt es spannende Fragen und auch interessante vorübergehende Antworten, die er dann auch wieder ein bisschen anders findet. rübergehende Antworten, die er dann auch wieder eben ein bisschen anders findet. Am Schluss aber findet er mal für sich ein Resümee, nämlich zu dem, wer bin ich? Jeder wird mit seinem Wesenskern geboren. Natürlich haben Ereignisse im Leben ihre Einwirkungen darauf, aber wenn er solide ist, dann verändern sie den Menschen nicht in seiner Substanz. Du bist, wer du bist. Und das warst du immer. Aber es ist notwendig für dich zu vergeben. Zu verzeihen ist manchmal das Gleiche, wie zu sich selbst zu stehen. Wer anderen vergibt, findet sich selbst. Und wer sich selbst findet, ist frei. Eigentlich ein schönes Schlusswort. Oder? Stimmt, aber es gibt sicher noch mehr. Hast du schon was, was du gerne bringen möchtest? Ich würde auch ein Haiku lesen. Das ist ein übrigens wirklich wunderbares Buch. Ich freue mich sehr, dass ich endlich Pascho lesen kann, den ich schon lange lesen wollte. Und ich kann es auch allen, die hier sind, sehr empfehlen, weil man kann da immer wieder reinlesen und was Neues entdecken. Also ich glaube wahrscheinlich für den Rest meines Lebens. Und ich habe hier eins gefunden, das mich sehr berührt hat. Und das Lustige ist, ich war gestern auf der Burg Klamm beim Nick Cave Konzert. Und da ist auch so ein Poet und so ein existenzieller Dichter. Und irgendwie finde ich, passt das zu Bascho. Er schreibt hier, denk bitte nicht, dass ich deiner nicht wert war aller seelen fest und ich finde in diesem haiku ist ein ganzer roman versteckt für mich und da sind so viele farben und bilder drin denkt bitte nicht dass ich deiner nicht wert war, aller Seelen fest. Und das ganz ohne diese Erklärung, die auch dann wunderschön ist und dann versteht man das irgendwie anders. Aber ich finde, in diesen drei Zeilen, da ist ein ganzes Leben drin oder ein Roman, eine ganze Ahnensippe, da ist alles drin. Schön. Übrigens, ich weiß nicht, ob dir das bewusst ist, da ist alles drin. Schön. Übrigens, ich weiß nicht, ob dir das bewusst ist, das ist dieses Gedicht, was du gerade gelesen hast. Natürlich wusste ich das. Nein, das wusste ich nicht. Ja, Barbara, es freut mich so, dass du so ein Format ins Leben gerufen hast, in einer Zeit, wo die Bücher ja schon fast staubig wirken. Und ich bin ja fast ein Buchfetischist, ich muss in Büchern riechen. Und darum habe ich ein Heiko entdeckt, wo ich mir denke, das ist perfekt. Und zwar im 20. Jahrhundert schreibt Terayama Suji für dich Ursprung des Buchs im Winter das Auf- und Zuklappen der Handflächen. Danke. Vielen, vielen Dank. Auch ein schöner Abschluss, finde ich. Es passt auch sehr gut. Drei schöne Abschlüsse. Ja, ich bedanke mich sehr bei euch beiden, dass ihr das mit mir gemacht habt, für euer Kommen, für eure wunderbare Vorbereitung und uns so wunderbar mitnehmen. Vielen, vielen Dank. Und an Sie alle, dass Sie gekommen sind, für Ihre Gedanken, fürs Zuhören, fürs Dabeisein und für diesen wunderbaren Abend. Dankeschön. Danke. Thank you.