Musik Mich beschäftigt das sehr, wie sehr Frauen, die den Mut haben, sexualisierte Gewalt, digitale Gewalt zu thematisieren, in Folge abgewertet, angefeindet, bedroht werden. Ich gebe ein aktuelles Beispiel, aber das ist ein Beispiel von vielen. Nachdem Colleen Fernandes ihre Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann einbrachte, erschien erst kürzlich im Fokus folgender Text. Colleen Fernandes, draußen wünschen mir Menschen den Tod. Und es geht darum, dass sie auch erzählt, wie sehr die Dreharbeiten für das Traumschiff so ein Zufluchtsort sind, wo sie eben das nicht erleben muss. Aber bei so einer Überschrift ist leider erwartbar, was folgt. Prompt heißt es, vielleicht solltest du den Wünschen nachkommen, damit endlich Ruhe ist. Oder ein anderer schreibt über diese Todeswünsche, das hört auf, wenn sie aufhören, uns zu nerven. Und es ist immer eine Gratwanderung, ob man solche Postings herzeigen soll, aber ich habe mich dafür entschieden aus zwei Gründen. Erstens, diese Postings sind da, und zwar auf der Facebook-Seite eines großen deutschen Mediums. Die sind sichtbar, und ich glaube, es erzählt auch eine größere Geschichte, was hier passiert, nämlich der Frau wird gesagt, sie nervt, nachdem sie sexualisierte Gewalt anspricht. Das wird umgedeutet und es wird gesagt, sei still, dann passiert dir das nicht. Das passt zu einer Zeit, in der Frauen, glaube ich, zunehmend gesagt wird, seid lieber leise. Und ich weiß nicht, was im Kopf mancher User vorgeht, also was die konkreten Personen antreibt, aber ehrlich gesagt, mich interessiert das gar nicht so sehr, weil mich interessiert das Grundsätzliche, was diese Art des Sprechens über Frauen ausdrückt, was sie signalisiert. Und hier ist eben der klassische Begriff der Misogynie wichtig. Das bedeutet, Misogynie, wie es die Philosophin Kate Mann versteht, da geht es nicht so sehr darum, was die Einstellung Einzelner ist. Sie versteht Misogynie nicht als bloße Einstellung Einzelner, sondern mehr als wichtigen Mechanismus, mit dem Frauen auf ihren angeblich rechten Platz verwiesen werden. Ich lese das vor, kennen vielleicht einige. Denn das Wichtige ist, die konkreten Postings sind ganz konkret persönlich, richten sich gegen eine Person, aber obwohl Misogynie häufig einen persönlichen Ton anschlägt, ist es am produktivsten, sie als politisches Phänomen zu vergreifen. Catman ist der Ansicht, dass Misogynie als System zu verstehen ist, das innerhalb der patriarchalischen Gesellschaftsordnung dafür sorgt, dass die Unterwerfung von Frauen durchgesetzt und kontrolliert wird. Und das muss den Leuten gar nicht bewusst sein, aber ich glaube, das erklärt sehr vieles. Und das muss nicht so ganz deutlich sein. Mich beschäftigen oft die Posts mehr, die gar nicht so auf den ersten Blick gewaltaffin sind, aber wo viel mitschwingt. Und ich sehe es als Gegenstrategie, immer zu analysieren, was sagt denn ein Posting eigentlich aus, auch um dann einzuordnen, was falsch daran ist. Ich gebe noch ein Beispiel, weil ich möchte dazu eine Geschichte erzählen. Zuerst zum Beispiel, auch aus diesem Kommentarbereich, ein Beispiel, ein anonymer User schreibt dann, das ist normal. Niemand wird von jedem gemocht. Gut, es ist nicht normal, Menschen den Tod zu wünschen. Der Beginn ist schon einmal massiv falsch. Niemand wird von jedem gemocht, gerade wenn man das Internet mit einbezieht und nicht nur real life. Kritisch wird es, sobald es nicht beim Wünschen bleibt. Und da möchte ich jetzt kurz was sagen. Das ist eines der häufigsten Missverständnisse oder Umdeutungsversuche. Das klingt im ersten Moment noch harmlos als die anderen Sachen, aber es bedeutet, es sind ja nur Worte und hinschauen müssen wir erst, wenn jemand zur Tat schreitet. Und ehrlich gesagt, dieses Problem haben wir aber auch oft, wenn Frauen Dinge anzeigen, dass sehr schnell mal geschaut wird, muss man davon ausgehen, dass der Typ, der eine Vergewaltigungsdrohung schreibt, auch wirklich vor der Tür steht. Und wenn das nicht der Fall ist, hat man in vielen Fällen schon schlechtere Karten, ist meine Erfahrung. Und darum möchte ich kurz auf diese Frage eingehen. Ich kriege die auch oft in Interviews gestellt. Wo verläuft die Grenze zwischen bloßen Worten und Gewalt? Und wenn ich solche Fragen bekomme, bin ich immer ganz fasziniert, weil bloße Worte können natürlich Gewalt sein. Und ich möchte eine Anekdote dazu erzählen, einen realen Vorfall. Ich habe für mein aktuelles Buch mit Politikerinnen gesprochen, auch mit der Netzpolitikerin Anke Domscheit-Berg, die lange für die Linke im Bundestag saß. Und Anke Domscheit-Berg sprach auch sehr viel über Vergewaltigungsdrohungen, die sie erlebt hat, wo sie einiges angezeigt hat und oft erschüttert war, wie wenig herauskam. Oder auch, dass manche dieser Gewaltdrohungen so verklausuliert sind. Ich gebe ein Beispiel, vielleicht erinnern sich manche. Vor ein paar Jahren gab es diesen schrecklichen Vorfall, wo etliche Männer eine junge Frau in Indien im Bus massenvergewaltigt haben und die Frau starb. Und als das Thema war, hat ein User auf Twitter an die Politikerin gerichtet, geschrieben, er würde ihr gerne eine Busfahrt durch Indien spendieren. Und sie sagt, du weißt, es geht nicht um eine Busfahrt, sondern es geht darum, dass du zu Tode gequält werden sollst. Und dann erzählt sie, wie sie meint, dass Gewaltdrohungen bei Frauen etwas anderes auslöst als bei Männern. Und das kann man im Buch genauer nachlesen, das ist eine sehr lange Passage. Sie erwähnt dann nebenbei, ich lese das vor, sie hat mir auch die Erlaubnis gegeben, dass ich das öffentlich anspreche, dass Frauen eben trainiert werden, dass sie daran gewöhnt werden, dass sexualisierte Gewalt passieren kann. Und sie erzählt dann, ich bin als Studentin nachts im Wohnheim überfallen und fast erwürgt worden und ich wurde vergewaltigt, als ich 21 war. Für mich ist eine Vergewaltigungsdrohung ein Trigger. Ich denke bei jeder Einzelnen daran, wie es damals war. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn es sich wiederholt. Und das ist ein Riesenunterschied, verglichen mit Männern, meint sie. Digitale Gewalt besteht nicht nur darin, dass mir jemand physisch etwas antun könnte. Die einzige Gefahr ist nicht, dass der Vergewaltiger vor mir steht, sondern die Gefahr ist bereits, dass er mich in Angst und Schrecken versetzt, dass er mich triggert, dass ich mich nicht mehr raustraue, dass ich mich einmal mehr umdrehe im Dunkeln, weil er ja eventuell da sein könnte, und dass ich öffentlich meine Klappe halte. Das heißt, die sexualisierte und digitale Gewalt, die Frauen erleben, die ist deswegen so gefährlich, weil sie erstens anders aussieht, als die Gewalt, die Männer erleben, darüber werde ich jetzt kurz eingangs sprechen, und weil sie Frauen trifft, die anders sozialisiert werden. Und dann zu sagen, es wird erst kritisch, wenn jemand wirklich vor der Haustür steht, das lässt den gesamten Kontext weg. Und das zu verstehen ist so wichtig, weil wir leben in einer Phase, wo wir schon jetzt sehen, dass Frauen ganz andere Betroffenheit angeben, was das bei ihnen macht. Und ich gebe die beste Untersuchung zum Thema her. Die stammt vom Pew Research Center in den USA. Und man kann solche Untersuchungen auch falsch verstehen. Ich erkläre es ganz kurz. Das Pew Research Center hat schon mehrfach Erwachsene gefragt, ob sie selbst Online-Harassment erleben. Also Beleidigungen, Bedrohungen, Stalking, Belästigung etc. Und auf den ersten Blick schaut es sogar so aus, als ob Männer eine leicht höhere Betroffenheit haben. Aber das Pew Research Center unterscheidet dann zwischen milderen Formen, wie Beleidigungen, und strengeren, ernsteren Formen. Und da liegen Frauen leicht vorne. Und jetzt kommt es, wenn man sich die sexuelle Belästigung anschaut, dann haben Frauen dreimal so hohe Werte. Und das macht einen Unterschied, ob die Art, wie Frauen niedergemacht werden, besonders stark auf Beschämung und das Gefühl der Bedrohung abzielt. Und wir sehen dann große Unterschiede, was das bei Leuten auslöst. Wenn man schaut, wer allgemein eine Form von Hass im Netz erlebt hat, eine Form von digitaler Gewalt, sehen wir, dass bei Frauen jede Dritte, die das erlebt hat, sagt, der letzte Vorfall war extrem oder sehr aufwühlend oder belastend, je nachdem, wie man es erzählen will. Bei Männern ist es weniger als die Hälfte. Und das ist eben nicht, und das ist das nächste falsche Vorteil, weil Frauen so schwach wären, sondern nein, weil es anders ist, wie ihnen gedroht wird. wach werden, sondern nein, weil es anders ist, wie ihnen gedroht wird und weil sie eben gesellschaftlich aufwachsen, vom Kind auf zu lernen, sei vorsichtig, wenn du am Abend nach Hause gehst, pass auf. Und dann wundert man sich, dass Frauen früher sich aus Online-Diskursen zurückziehen, nachdem in einer Gesellschaft aufwachsen, wo Frauen von vornherein erklärt wird, sei vorsichtig. Diese Chilling-Effekte werden ganz klar gemessen. Zum Beispiel eine norwegische Studie, die hat gesehen, von Frauen, die hasserfüllten Nachrichten erlebt haben, 42 Prozent geben an, vorsichtig beim Formulieren ihrer Meinung zu werden. Bei Männern sind es nur 16 Prozent. Ich könnte jetzt noch sehr viele Zahlen nennen, aber ich gebe kurz eine Übersicht. Was erleben Frauen? Ich habe für mein Buch eben Politikerin befragt und ich habe zehn wiederkehrende Typen von Beleidigungen und Bedrohungen herausgearbeitet. Vieles hat mich überhaupt nicht überrascht. Manches schon ein bisschen, aber ich werde das nicht alles durchgehen, dafür fehlt mir die Zeit. Aber ich möchte vielleicht zwei, drei Dinge hervorheben. Der Klassiker sind Attacken gegen das Äußere. Wird viele nicht überraschen. Die Objektifizierung, zu der komme ich noch etwas, und die kann auch zum Beispiel eine Abwertung mittels einer sexuellen Verwertungslogik beinhalten, wie mit dir will keiner ficken. Und sehr viele Posts, die gezielt gegen Frauen gehen, die sind sehr gut darin, so eine Hierarchie, mit einem Satz eine Hierarchie zu schaffen, wo der Mann steht oder die Person, die das kommentiert und wo die kommentierte Frau steht. Also mich interessieren diese Power Moves durch beleidigende Sprache. Und ich gebe ein Beispiel, es ist sehr viel Sexualisiertes drin, aber nicht nur. Drin ist zum Beispiel auch Beleidigung in Form einer Absprechen von Kompetenz, Intellekt und Verniedlichung und nur eine kleine Anmerkung. Ich habe zum Beispiel für das Buch in Österreich mit der Parteichefin Beate Meinl-Reisinger gesprochen. Das ist eine der mächtigsten Politiker in Österreich, mittlerweile auch Außenministerin Österreichs. Und die hat schon viel erlebt. Aber sie sagt, eine der Formen des Hasses im Netz, den sie erlebt, den sie geschlechtsspezifisch wahrnimmt, ist auch, dass sie ganz schnell geduzt wird und als Mädchen angesprochen. So in Richtung, die Mädel, ich weiß, mit Denken zu studier schwer. Und ich fand das deswegen so interessant, weil das erzählt mir eine der mächtigsten Politikerinnen im Interview und ich frage mich, wie erfolgreich muss eine Frau werden, dass sie nicht mehr als Mädchen angesprochen wird? Ich weiß es nicht. Ich glaube, die einzige Chance für Frauen ist, dass man irgendwann so alt ist, dass man dann als Omi angesprochen wird. Das ist oft eher die einzige Rettung, die hier passiert. Und natürlich unter diesen Ebenen sind auch die Bildebene vorhanden. Heute sind das oft KI-Facts, da komme ich auch noch dazu. Bleiben wir kurz bei der Objektifizierung, weil die ist eigentlich das größere Thema. Ich gebe ein Beispiel, das ich selbst erlebt habe, auch wie man reagieren kann. Es stellt sich da die Frage, ich habe auf Instagram irgendein Reel gepostet, das war wirklich unspektakulär, aber ich kann mich noch erinnern, ich habe dann diese Antwort bekommen, also irgendein anonymer User postet, wie die wohl im Bett tickt. Das fehlende Haar irritiert mich sehr bei diesem Posting. Und ich war kurz geneigt, diesem User, der fragt, wie ich wohl im Bett drauf bin, zu antworten, wir werden es nie herausfinden. Aber ich habe es noch nicht gemacht, weil jede Sekunde, wo ich dem zeige, dass ich ihn wahrnehme, ist falsch in meinen Augen. Das Problem ist nämlich häufig, wenn wir diskutieren, dass wir dort, also ich finde, man kann manchmal schon exemplarisch antworten, aber mehr, wenn es für die anderen Anwesenden einen Zweck erfüllt. Oder man kann immer antworten, wenn es das eigene Bedürfnis ist, aber in vielen Fällen denke ich mir einfach, was ist das bestmögliche Ergebnis, das rauskommen kann und gerade wenn sowas kommt, ist das bestmögliche Ergebnis in meinen Augen einfach den Typen zu blockieren. Aber ich habe trotzdem drei Techniken mitgebracht, die ich wichtig finde in dieser Debatte. Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, dass ich dieses Posting nehme und jetzt auch ein Reel mache, nachdem ich sehr lange darüber nachgedacht habe, was Objektifizierung bedeutet. Weil hier zum Beispiel wird über mich in der dritten Person gesprochen, das ist schon mal ein Power-Move. Und ich habe neulich einen Film gesehen, der heißt No Mercy, da geht es um Male Gaze im Film. Und eine Regisseurin sagt so sinngemäß, Objektifizierung bedeutet immer, dass es ein Objekt gibt, zum Beispiel die Frau, die abgebildet wird und ein Subjekt, den männlichen Zuseher oder den männlichen Protagonisten quasi. Und das ist interessant, die Objektifizierung von Frauen im Internet, in Postings ist ein Power Move, wo gleich der User selbst erhöht wird und die Frau wird einfach wie ein Objekt behandelt. Und sowas zu erklären ist etwas, das ist quasi eine Art Aufarbeitung für ein Fachpublikum, für Leute, die es genau wissen wollen. Und sehr häufig bei der Frage, ob man antworten soll oder nicht, würde ich empfehlen zu schauen, welche Zielgruppen gibt es und wem schenke ich diesen Post, für wen ist der gedacht. Und wenn der Post hauptsächlich gedacht wird, so jemanden zu antworten, finde ich, wird man oft die Zeit verschwenden. Aber wenn es darum geht, Einordnung, Spezialwissen für all jene zu liefern, die es genau wissen wollen, dann bringt das was. Warum? Weil es gibt mehrere Öffentlichkeiten in unserer Gesellschaft und es gibt Leute, die schon extrem weit sind und die beharrlich am Thema dranbleiben wollen. Und für die ist diese ständige Weiterentwicklung mit dem Thema, so wie hier zum Beispiel auf der Republika, wichtig. Man lernt vielleicht nicht immer wahnsinnig viel Neues dazu, aber vielleicht einen Millimeter ist man weiter als zuvor und das ist auch schon was. Aber vor allem ist dieses ständige Kommunizieren mit einem hochinteressierten Publikum die Möglichkeit, dass dieses Publikum den langen Atem bewahrt. Also dass man sich ständig auch immer wieder den Anlass bietet, das Thema ernsthaft aufzuarbeiten. Das Zweite ist, die andere Sinnhaftigkeit, etwas zu kommentieren, in einen Austausch zu treten, ist, glaube ich, dort, wo man deutliche Beispiele hat für jene, die noch irgendwie erreichbar potenziell sind. Ich erkläre gleich, was ich meine. Man merkt ja, dass Colleen Fernandes erzählt, wie belastend das ist, die Situation, in der sie sich befindet. Und trotzdem glaube ich, ihr Fall ist bahnbrechend, weil ich seit Jahren zum Beispiel als Journalistin über Deepfakes rede und ich oft gemerkt habe, man muss sehr ins Detail reingehen, dass die Leute checken, was für ein Problem das ist. Und seitdem diese Spiegelrecherche erschien, sehe ich in Vorträgen, wie das Auge von Publikum aufgeht, wie Leute verstehen, wie entmenschlichend machen sich sein kann. Das heißt, für das breite Publikum brauche ich nicht die Spezialisierung, sondern ich brauche die klaren Fälle. Das ist mein zweiter Tipp. Manchmal ist es auch sinnvoll, die Sachen herauszuarbeiten, die so klar und deutlich sind, dass ein Teil mitkommt. Und dass Colin Fernandes so stark angefeindet wird, ist, glaube ich, schon auch eine Folge, dass das einfach ein starker Fall ist. Und drittens, darauf komme ich noch am Schluss, was wir erleben in diesen Posts, zum Beispiel wenn es so über Colin Fernandes jetzt gepostet wird, das ist sekundäre Viktimisierung. Das bedeutet, wenn Frauen zum Beispiel Gewalt erleben, passiert oft nicht nur Gewalt, sondern es gibt die zweite Ebene, bei der dann zum Beispiel die Polizei manchmal schrecklich reagiert oder wo das eigene Umfeld enttäuschend reagiert oder die Gesellschaft falsch. Und sekundäre Viktimisierung müssen wir ansprechen, weil die kann einen eigenen Schaden anrichten, wenn man sich nicht geschützt fühlt von den Menschen, die eigentlich einen unterstützen sollten. Da komme ich noch zum Schluss dazu, aber bleiben wir noch kurz bei diesem Thema Objektifizierung. Also das ist ein unwichtiger Kommentar, aber bleiben wir noch kurz bei diesem Thema Objektifizierung. Also das ist ein unwichtiger Kommentar, aber er steht für etwas Interessantes, nämlich Objektifizierung bedeutet immer Entmachtung und wir müssen die Frage stellen, inwieweit digitale Tools dieses Thema vorantreiben. Also eigentlich alte Muster neu wiederholt werden. Objektifizierung zum Beispiel ist in der Kunst schon lange ein Thema. Frauen werden oft wie sexy Dekoration behandelt. Ich gebe ein Beispiel. Das ist ein berühmtes Gemälde, ganz was anderes, aber das ist ein berühmtes Gemälde von Manet aus dem Jahr 1863. Es heißt Frühstück im Grünen. Und es ist so ein klassisches Beispiel für den Male Gaze in der Kunst. Und ich möchte gleich erklären, warum ich das so vielsagend finde. Ich habe übrigens, ich habe keine Ahnung von Kunst, also ich habe das gegoogelt und ich habe dann auf Wikipedia geschaut, wie dort erklärt wird, was das für ein Bild ist. Dieses Bild ist eben ein klassischer Ausdruck, wie einfach Frauen mal ausgezogen werden, Männer nicht. Und die Wikipedia hat aber eine andere Erklärung, was hier zu sehen ist. Und ich möchte das vorlesen. Das Bild erklärt sich fast von selbst. Zwei Frauen veranstalten mit ihren Liebhabern ein Picknick. Der ursprünglich von Manet ersonnene Titel, der flotte Vierer, macht die Absicht, die das Werk ausdrückt, noch deutlicher. Und ich habe das mitgebracht, weil mich ehrlich gesagt die Wikipedia-Erklärung noch mehr erstaunt hat als das Bild. Weil also nichts schreit für mich so sehr wie ein flotter Vierer, wie zwei komplett bekleidete Typen. Also manchmal in der Kunstkritik, oder wie man das nennt, gibt es interessante Deutungen, aber man merkt, es ist eben so, wir haben ein wiederkehrendes Problem in der Kunstszene, im Film, in unserer Gesellschaft, dass Frauen einfach mal so ausgezogen werden, wenn es irgendwem besser gefällt. Warum sage ich das jetzt? Weil dieses plötzliche Ausziehen von Frauen, woran erinnert mich das? An das, was wir derzeit erleben. Nämlich Anfang des Jahres war es so, dass Elon Musk's KI-Grock massiv dafür eingesetzt wurde, Frauen und teils auch Kinder, bis auf die Unterwäsche oder auf den Bikini auszuziehen, also dass die Fotos so bearbeitet wurden von Frauen, dass sie plötzlich in Unterwäsche oder im Bikini zu sehen waren. Und das ist die Fortsetzung des sexualisierten Well-Gays, aber mit KI. Und ich finde, es ist interessant, weil KI-Bildgeneratoren spielen hier eine neue Rolle, weil sie uns alle zu Objekten machen. Und wir leben in einer Gesellschaft, in der das Frauen schon permanent passiert. Das reicht eben bis hin zu Nudifier-Apps oder bis hin zur KI von Elon Musk, der übrigens erst dann reagierte und das etwas einschränkte, als Großbritannien schon damit drohte, seinen Dienst-Ex zur Gänze zu blockieren. Also das war bemerkenswert, wie lange dort nicht eingeschritten wurde. Und wenn man sexualisierte Deepfakes anspricht, kommt aktuell auch oft von wieder solchen Usern, zum Beispiel der Einwand, das passiert Männern auch. Und da möchte ich kurz sagen, alles ist sicher einem Mann im Internet schon mal passiert, aber wir sehen hier massive Geschlechterunterschiede. Bei Kroc ist das ausgewertet worden von der NGO AI Forensic, die haben sich 20.000 Bilder angesehen, analysiert, die Frauen ausgezogen haben oder andere Personen. In mehr als 80 Prozent waren es Personen, die wahrscheinlich Frauen sind. Also acht von zehn waren Frauen. Wir haben hier eine Problematik, dass sich die Objektifizierung mittels KI verbündet mit der Objektifizierung mittels KI verbindet mit der Objektifizierung von Frauen in der Gesellschaft. Und ich glaube, hier haben wir auch das Problem, dass wir einerseits eine Anmaßung haben in einem patriarchalen System gegenüber Frauen, wo permanent Frauen mal ein Stück weit heruntergesetzt werden und das KI, so wie sie heute entwickelt wurde, eine anmaßende Technologie ist. Die Anmaßung hat damit begonnen, dass Tech-Konzerne mal das ganze Netz abgrasen und einfach alle Bilder sich einverleiben, die da draußen sind, alle Texte. Und damit neue Technologie ermöglichen, wo man jeden und jede in alles Mögliche umwandeln kann. Also diese Anmaßung wird dann schnell auch in einem patriarchalen System frauenfeindlich eingesetzt. Und eine Sache noch zu dieser Objektifizierung. Ganz kurz, ich gehe nochmal kurz zurück. Oder auch nicht. Okay, ich gehe nicht zurück. Die Objektifizierung, danke sehr, sagt, du beanspruchst, ein vollwertiger Mensch zu sein, aber du bist weniger als das. Und das ist so mächtig. Das ist das, was Frauen seit Jahrhunderten passiert. Und ehrlich gesagt, das ist das, was Technologie derzeit nochmal verstärkt, auch nicht nur wegen KI, sondern auch wegen der Policy der Unternehmen. Es geht nicht nur um KI, es geht auch um Rückschritte beim Moderieren. Und so ein Beispiel kennen sicher einige. So ein Beispiel kennen sicher einige. Anfang 2025 wurde wirklich sichtbar, welche Rückschritte wir im Social Web gerade machen, speziell auf Instagram und Facebook. Damals hat Meta, also Instagram und Facebook, die Community Standards geändert und sie haben geändert, welche Postings untersagt werden. Und da sind viele Änderungen drinnen. Ich bringe nur ein Beispiel mit, wo man wirklich das lesen kann. Hier, das ist eben aus der offiziellen Seite Metas, wo sie sogar so freundlich waren, die Regeländerung ganz deutlich zu machen. Und vorher, vor der Regeländerung Anfang 2025, war es so, dass gegen gewisse Bevölkerungsgruppen es nicht erlaubt war, sie als Objekte zu beschreiben. Zum Beispiel Frauen als Haushaltsobjekt oder quasi als Eigentum. Oder auch zum Beispiel Transpersonen, nicht-binäre Personen als S ansprechen. Schwarze Menschen als Farm-Equipment steht dann andere Personen wieder drinnen. Also das ist noch verboten, das wurde hier weggestrichen, aber woanders wieder reingeschrieben. Aber ich finde es interessant, ich möchte es kurz sagen, die großen Plattformen verheimlichen ja nicht einmal, welchen Schutz sie nicht mehr bieten. Sie machen gar kein Hehl daraus. Und wann ist das passiert? Wenige Tage bevor Donald Trump als US-Präsident antrat. das passiert, wenige Tage bevor Donald Trump als US-Präsident antrat. Also das ist eine Allianz mit einer Politik, die gewisse Gruppen ja nicht schützt oder gar entmenschlicht. Und jetzt komme ich zum Schluss, was kann man da machen? Ich habe schon so ein bisschen über das Posten, das Reagieren an sich gesprochen. Ehrlich gesagt, wir Einzelne, wir können was bewirken, aber wir können nicht die großen Plattformen im Alleingang in Schach halten. Hier braucht es Grenzen durch die EU speziell, weil in Europa, in der EU, ist die EU-Kommission zuständig für die Plattformregulierung und es ist ernüchternd, was wir derzeit sehen. Es braucht drei Ebenen. Ich kann jetzt zum Schluss auf diese drei Ebenen kommen. Wir müssen digitaler Objektifizierung Grenzen setzen. Und es ist zum Beispiel gut, wenn Unifier-Apps verboten werden, weil es ganz klar eine Einrichtung ist, eine Technologie, die die Herabwertung als Kernanliegen oder als Kernfunktion hat. Hier geht es aber auch darum, dass die EU-Kommission ihre Regulierungsmöglichkeiten einsetzt. Ich gebe ein Beispiel. Die EU-Kommission ist als zuständige Behörde verantwortlich für sehr große Online-Plattformen und ob sie genug gegen systemische Risiken machen. Und systemische Risiken kann sein, wird eine Plattform für Wahlbetrug genutzt. Systemische Risiken kann sein, wie schaut es mit für Wahlbetrug genutzt. Systemische Risiken kann sein, wie schaut es mit dem Jugendschutz aus, aber auch, es steht sogar dezidiert drinnen im Regelwerk, im Gesetz, geschlechtsspezifische Gewalt kann ein systemisches Risiko sein. Das heißt, die EU hat sich selbst das Recht eingeräumt, aktiv zu werden, nur bisher sehen wir keine hohen Geldbußen, obwohl das gesetzlich an sich möglich wäre. Man fragt sich, warum. Es wurden sehr viele Verfahren eingeleitet. Viele Verfahren sind auf der Ebene der Preliminary Findings, also erste Prüfbefunde. Und da wird sehr viel Kritik geäußert. Aber diese Ebene der Geldbußen, die ist noch kaum vorhanden. Die Frage ist, ob die EU-Kommission so langsam ist, weil sie so lange braucht, oder ob auch hier eine politische Ebene mit einer Rolle spielen könnte, ob Donald Trump, wenn hohe Geldbußen gegen Meta und Co. kommen, gegen US-Konzerne, mit Zöllen antwortet. Also ob gerade unsere digitalen BürgerInnenrechte so ein bisschen auf die lange Bank gesetzt werden, weil es diesen Druck gibt. Und umso wichtiger ist der öffentliche Druck hier. Zweitens, ich glaube wirklich, dass dieses Benennen der Mechanismen, die Einordnung, die wiederholte Einordnung, wie falsch etwas manche Aussagen sind, wichtig ist. Ich habe zum Beispiel die Geschichte von Anke Domscheit-Berg erzählt. Und ich habe sie nämlich vorab auch gefragt, ob es für sie okay ist, dass ich in meinen Vorträgen ihr Beispiel erzähle. Und sie hat auch dezidiert gesagt, ja, weil sie will, dass die Scham die Seite wechselt. Und ich finde, das ist für viele Betroffene, zum Beispiel für die Frauen, für die ich für mein Buch sprach, war das der entscheidende Punkt. Die wissen, dass das passiert. Die wollen, dass auch andere wissen, dass es passiert. Und die wollen auch, dass andere wissen, wie falsch eine Behauptung ist. Also das heißt, dieses wiederholte Benennen, gerade auch von einem Publikum, das schon viel weiß, das ist trotzdem viel wert. Und jetzt zum Schluss, eines noch, ich habe erzählt, es gibt diese sekundäre Viktimisierung. Also kurz gesagt, wir sind auf einer Netzkonferenz. Im Internet passiert Gewalt gegen Frauen. Das Foto einer Frau wird entwendet und mittels KI zum Beispiel in einen Fake-Porno reingesetzt. Oder eine Frau bekommt eine Vergewaltigungsdrohung. Oder was anderes. Und dann, wenn eine Frau das sichtbar macht, wird sie oft lächerlich gemacht. Dass das jeder aushalten könne. Dass man sich nicht so aufregen solle. Und diese sekundäre Viktimisierung, die ist eben so mächtig, weil sie verschieben kann, wie geschützt sich Menschen fühlen. Ein Teil der Bevölkerung, glaube ich wirklich, betreibt sogar aktiv sekundäre Viktimisierung, weil sie auch anderen Frauen signalisiert, rede bloß nicht zu viel über das Thema, sonst passiert dir das auch. Aber wenn das ein Teil der Bevölkerung macht, bedeutet es auch, dass ein anderer Teil gegensteuern kann. Und ich habe zum Beispiel mit der psychologischen Psychotherapeutin Dorothee Scholz gesprochen. Die macht auch Psychotherapie mit vielen Betroffenen, digitaler Gewalt, sexualisierter Gewalt. Und die hat mir etwas Interessantes erzählt. Die meint, den ganzen Tag Hasskommentare zu lesen, das kann bei Menschen die Weltwahrnehmung verschieben. Wie sie andere Menschen da draußen wahrnehmen oder wie isoliert sie sich fühlen. Das heißt, wenn ich schon Gewalt anspreche und ich werde dann noch fertig gemacht, dann kann das noch mehr verschieben, was ich glaube, wie sicher ich in dieser Welt bin. Die Sache ist aber, gerade diese Ebene, wo Menschen dann zusätzlich verunsichert werden, dagegen können wir was machen, indem wir zum Beispiel betroffenen Frauen immer wieder ausrichten, ich finde das auch nicht okay und das ist nicht normal. Und das finde ich so interessant. Über die Jahre hinweg habe ich mit vielen Betroffenen digitaler Gewalt gesprochen, übrigens Männer und Frauen. Und das ist etwas, das mir immer wieder erzählt worden ist, dass auch sehr erfolgreiche Menschen gesagt haben, als dann die Solidaritätswelle kam, das hat mir gut getan. Und das heißt, das ist so simpel und ja, ich glaube manchen bewusst, aber ich glaube es ist vielen nicht bewusst, wie wirkmächtig das ist. Gerade diese wiederkehrende Verunsicherung, die mutige Frauen erleben, die sexualisierte Gewalt ansprechen, gerade gegen die können wir was machen. Nämlich, das Tolle ist, wir können ein Korrektiv sein und wir können sehr wohl an einer roten Linie festhalten, dass es eben nicht Normalität sein kann. Dankeschön. Thank you.