Klima und Du Die Verantwortung für die globale Erwärmung wird seit Jahrzehnten zwischen Politik, Industrie und Konsumentinnen und Konsumenten hin- und hergeschoben. Was können wir Einzelne wirklich zur Bewältigung der Klimakrise beitragen? Gemeinsam mit Expertinnen und Experten suchen wir nach Auswegen und Lösungen. Die wöchentliche Informations- und Diskussionssendung der Freien Medien in Oberösterreich. Ja hallo und sonnigen Gruß aus dem Freien Radio Salzkammergut schickt Erika Preisel. Gerade in diesem Sommer 2026, der von nie dagewesener Hitze geprägt ist, geht das Schmelzen der Gletscher rasant weiter voran. Das gilt auch für den Hallstätter Gletscher am Dachstein, den einzigen in Oberösterreich. Hallstätter Gletscher am Dachstein, den einzigen in Oberösterreich. Wie sich der Klimawandel mit wärmeren Temperaturen und veränderten Niederschlägen auf die Gletscher auswirkt und welche Szenarien zu erwarten sind, dafür wurden für diese Klima-und-Du-Folge eine Glaciologin und ein Meteorologe zur Rate gezogen. Klaus Reingruber von Blue Sky Wetteranalysen in seinem Büro in Atman Puchem und Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bei ihrem Vortrag in der Internationalen Akademie in Trankirchen. Heute ist der 26. Juni 2026 und es hat 37 Grad. Das ist sozusagen die Spitze des Eisbergs, was die Hitzewelle gerade betrifft. Und wir befassen uns jetzt mit der Veränderung, sprich der Schrumpfung der Gletscher. Und zwar im Zusammenhang mit dem menschgemachten Klimawandel. Was kennzeichnet denn diesen, abgesehen von der natürlichen Erwärmung, wie sie ja nach der letzten kleinen Eiszeit kontinuierlich vonstattengegangen ist? Es gibt verschiedene natürliche Klimaschwankungen, zum Beispiel zwischen Eiszeit und Zwischeneiszeit, die in der Vergangenheit dazu geführt haben, dass die Gletscher des Alpenraums den gesamten Alpenbogen bedeckt haben. Da haben nur mehr die obersten Spitzen des hohen Dachsteins rausgeschaut. Diese Vereisungsperioden treten etwa alle 110.000 Jahre auf. Wir befinden uns heute in einer natürlichen Warmzeit. Vor etwa 10.000 Jahren hat die wärmste Zeit begonnen, das Holozene Optimum, das gedauert hat, bis ungefähr Ötzi gestorben ist vor 6000 Jahren und nun befinden wir uns eigentlich auf dem Weg einer natürlichen Abkühlung, auf dem Weg in die nächste Eiszeit. Durch die Emission der Treibhausgase, durch das Verbrennen des Erdöls, steigen die Temperaturen aber weiter an, anstatt abzusinken und werden gegen Ende dieses Jahrhunderts noch voraussichtlich einige Grad mehr erreichen, wenn wir die Emission der Treibhausgase nicht signifikant reduzieren. Was passiert mit dem anthropogenen Klimawandel ist, dass wir die bisher wärmsten Zeiten, die das Holozene-Optimum wahrscheinlich im Ausmaß demnächst überschießen werden. Optimum wahrscheinlich im Ausmaß demnächst überschießen werden. Und demzufolge auch die Alpengletscher, zumindest die Ostalpengletscher, relativ rasch vollständig abschmelzen werden. Natürlich auch die Gletscher am Dachstein. Sie sind eine renommierte Expertin auf dem Gebiet der Glaciologie. Außerdem wurden Sie 2023 als Wissenschaftlerin des Jahres ausgezeichnet. Es gibt weltweit nur wenige Gebiete, wo Sie noch nicht waren, aber der uns am nächsten gelegene ist eben der Dachsteingletscher und auch mit dem befassen Sie sich sehr intensiv, auch schon seit mehreren Jahren. Was ist denn das Spezifische an der Forschung in den Alpen? Der Dachsteingletscher ist natürlich nicht nur einer der schönsten Gletscher durch diese Formen im Kalk und wie er sehr schön drin liegt über dem Salzkammergut, sondern er ist auch einer der am längsten erforschten Gletscher Österreichs. Durch die Forschungen von Friedrich Simone, der ja der erste Professor für physische Geografie an der Universität Graz war, der sein Leben dem Dachstein gewidmet hat, haben wir vom Dachstein sehr viele Wiederholungsaufnahmen, alte Bilder, alte Höhenmodelle, die wir mit dem Zustand heute vergleichen können. Am Dachstein kann man also sehr gut zeigen, wie sich dieser Gletscher verändert hat, wie stark er zurückgegangen ist. Der Dachstein, das wissen vielleicht nur wenige, hat ja dazu gedient, überhaupt Gletscher zu erforschen. Wie funktionieren die? Man hat am Dachstein herausgefunden, dass Gletscher Blöcke transportieren, Felsblöcke. Und anhand dieser Bearbeitungsspuren vom Untergrund, also wie der Gletscher beim drüberfließenden Fels verändert, wie er Kritzungen macht, wie er den Untergrund beschleift und dabei Gesteinsmehl produziert und wie eben diese Blöcke auch mittransportiert werden, das hat erst die Tür aufgemacht, dass die Schüler von Friedrich Simoni, Penck und Brückner im Jahr 1909 aufgrund ihrer Kartierungen, die vom Alpenverein gefördert wurden, der Ausdehnung der eiszeitlichen Gletscher in Österreich überhaupt beweisen konnten, dass sich das Klima eine feststehende Eigenschaft eines Ortes. Mit diesen Nachweisen, dass die Gletscher einmal sehr groß gewesen sind, war klar, dass sich Temperatur und Niederschlag stark ändern können. Und erst durch die Arbeiten von Friedrich Simoni am Dachstein am Hallstätter Gletscher ist dieser Beweis möglich gewesen. Das heißt, die Gletscherbeforschung ist quasi die Vorläuferin der Klimaforschung, oder? Ich sage immer, die Glatziologie ist die Geburtshelferin der Klimaforschung. Die damaligen Zeitreihen der Klimaaufzeichnungen, die waren so kurz, dass man mit diesen Klimaaufzeichnungen nicht beweisen konnte, dass sich das Klima ändert. nicht beweisen konnte, dass sich das Klima ändert. Das ist erst in den letzten 30 Jahren in etwa, dass wir sehr präzise Messungen haben, die dazu dienen eben zu zeigen, dass die Temperaturen signifikant ansteigen. Man weiß ja, das Wetter ist eine launische Dame und immer wieder mal gibt es extreme Jahre in die kalte und in die warme Richtung. Es ist eben nicht so einfach, Klimaänderungen von diesen Launen des Wetters zu unterscheiden. Es ist nicht so einfach, Klima von den Launen des Wetters zu unterscheiden, sagt Andrea Fischer. Wie würdest du jetzt diese beiden Disziplinen differenzieren bzw. definieren und in welchem Zusammenhang stehen sie? Naja, Wetter ist sozusagen das, was sich im Alltag so jeden Tag praktisch abspielt beim Wetter. Das ist das, wie man es halt wirklich Wetter nennt, was man mit der Wettervorhersage sieht. Das heißt, das ist das, was so in den Tagen vorher oder nachher, so wie es praktisch in der Atmosphäre passiert ist. Ob das jetzt Gewitter sind, ob das jetzt Regen sind und so weiter. Das ist eine kurzfristige Sache. Es gibt einen Zeitraum, wo man sagt, zum Beispiel im Mittleren Haupt, man ändert sich das Wetter alle vier Tage. Also alle vier Tage ändert sich irgendwas, ob es jetzt wärmer oder kälter oder Regen oder nicht oder trocken. Das ist das, was man Wetter im Allgemeinen betrifft. Auch die Temperatur natürlich ist das, was man am meisten sieht. Das ist das, was man Wetter im Allgemeinen betrifft. Auch die Temperatur natürlich ist das, was man am meisten sieht. Der Unterschied zum Klima ist das, dass Klima das ist, also der Zustand der Atmosphäre oder das, was man so spürt, über einen längeren Zeitraum. In der Meteorologie sind da üblich 30 Jahre. Das heißt, alles, was man so über 30 Jahre messen kann, bezeichnet man als Klima. Und diese Zeiträume vergleicht man auch. Zum Beispiel heute, wenn man vom Wetter spricht, haben wir einfach eine Hitzewelle, ein Sommerwetter mit Gewittern. Es ist natürlich ein bisschen verknüpft, also ganz trennen kann man Wetter, Klima nicht. Es geht aber rein um den Zeitraum und vor allem um die Örtlichkeit. Friedrich Simoni hat Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen Forschungen und Aufzeichnungen begonnen und damit auch sehr wertvolle Daten hinterlassen. Mit welchen Methoden hat er gearbeitet und mit welchen arbeitet ihr heute? Naja, der Friedrich Simoni hat ja jetzt am Anfang noch abseits vom Gletscher eigentlich die ersten wissenschaftlichen Erhebungen gemacht. Er hat zum Beispiel die Wassertemperaturen von den Salzkammern gut sehen gemessen. Das war ja damals eine Besonderheit. Er hat auch die Gewässertemperatur von den Salzkammern gut sehen gemessen. Das war damals eine Besonderheit. Er hat auch die Gewässertiefen ausgelotet. Das war damals eine sehr komplizierte Sache. Wenn wir dann zum Thema Gletscher kommen. Er hat schon gespürt, er hat ja gewusst, dass es kleinklimatologisch ist. Damals, am Ende der kleinen Eiszeit, ist ja schon etwas passiert. Das hat man auch von herunten aus gesehen. Deswegen ist der Simone dann neugierig geworden. Und das hat sozusagen begonnen, den Gletscher zu erforschen. Damals noch mit wirklich sehr, sehr einfachen Mitteln, aber die waren einfach, heißt aber nicht, dass er nicht wirklich was Wichtiges gemessen hat. Er hat die ersten Grafiken gemacht, Futterapparate hat es damals noch keinen gegeben. Er hat Grafiken gezeichnet, wie der Gletscher zu diesem damaligen Zeitpunkt ausgeht. Um 1840 zum Beispiel gibt es die ersten Grafiken, wo er gezeichnet hat, wo war die Gletscherzunge, wie lang war die, wie dick war die. Er hat das natürlich nicht in diesem Ausmaß messen können, wie es heute war, aber es waren die ersten Informationen, was da oben am Dachsteingletscher passiert. Und wir greifen auch bevor auf das zurück, wenden auch ähnliche Methoden an, aber natürlich ist der Umfang her von dem, was man machen kann, heute viel größer. Das hängt schon einmal damit zusammen, dass wir nicht immer von ganz unten raufgehen müssen. Wir haben das Glück, dass wir rauffahren können und können da viel umfangreicher messen. Aber im Prinzip messen wir genau so. Wir nennen das die direkte glaciologische Methode. Das heißt, wir messen wirklich am Gletscher. Wir gehen rauf, haben dort unsere Messpunkte am Gletscher. Das sind am Tag stehen so circa 17 bis 18 Punkte am Gletscher, die wir dann so alle paar Wochen abgehen. Zum Beispiel jetzt, wo die Gletscherschmelzung so stark ist im Sommer und messen dort direkt die Eisabschmelzung ab. Dasselbe machen wir in ähnlicher Form im Winter. Wir schauen einfach, was liegt am Gletscherschnee, weil das ist ganz wichtig für die Berechnung, ob der Gletscher jetzt größer oder kleiner wird. Diese Methode hat sich nicht wirklich stark verändert. Wir begeben uns praktisch am Gletscher direkt um. In Zukunft, und das wird bei uns auch heuer schon beginnen, kommen natürlich neue Systeme dazu. Luftbilder haben wir natürlich auch schon, das haben wir praktisch von einem Flugzeug aus gemacht. Mittlerweile auch die Drohnentechnologie. Die Drohne kann eigentlich viel mehr Messpunkte abfliegen und dokumentieren, als wir es machen, wenn wir uns auf dem Gletscher bewegen. Aber trotzdem mit dem direkten Messen am Gletscher, da kommt man nicht rundherum, weil man muss ja auch bemerken, was am Gletscher noch sonst passiert. Es ist ja nicht immer alles messbar. Man macht ja auch Beobachtungen. Wo gibt es große Gletscherspalten? Wo hat es große Gletscherspalten gegeben, die es nicht mehr gibt? Wie verändert sich der Gletscher? Das ist eine ganz wichtige Aussage. Wo fallen Steine runter? Genau das, was man jetzt alles so beobachtet. Das machen wir bei unserer Methode. Aber wie gesagt, die wird sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln, weil auch wir wahrscheinlich auf Drohnentechnologie auch nicht umstellen wollen, aber zumindest einmal parallel damit fahren und wahrscheinlich dann nur mehr Informationen liefern können. Jetzt liegt der Beginn der Wetteraufzeichnungen schon einigermaßen lang zurück in Österreich. Was unterscheidet denn sonst die Alpen oder die Gletscher in den Alpen von zum Beispiel Gletschern in Südamerika? Die Alpen als Gebirge liegen relativ schön in die Hauptwindrichtung des Westwindbandes. Wir haben zwar Niederschlagsvariabilität, was zum Beispiel Föhn und Nordstau betrifft, wobei der Dachstein besonders eben von diesen Nordstau-Lagen profitiert, die hier sehr viel Schnee bringen können. Gebirge wie die Anden liegen quer zur Windrichtung. Hier haben wir eine ausgeprägte feuchte und trockene Seite. Die Gletscher sind also auf der einen Seite viel größer als auf der anderen. Die Trockenseite ist wirklich sehr nur auch dünn vergletschert. Hier haben wir mehr oder weniger Wüstenklimata mit völlig anderen Formen. Die Landwirtschaft dort ist sehr stark abhängig von der Gletscherspende, also von dem Wasser, das von der Schmelze kommt, weil sehr wenig natürlicher Niederschlag auf der Trockenseite fällt. Das ist in den Alpen glücklicherweise etwas besser. Die Alpengletscher sind insofern auch sehr speziell für die Gletscherforschung, weil es hier sehr, sehr lange Zeitreihen auch von der Bewegung der Gletscher selbst gibt. Das haben wir in den Anden in dieser Form nicht. Das haben wir in Europa noch, in Norwegen, auf Island. Aber für außereuropäische Gletscher sind die Zeitreihen sehr viel kürzer. Das heißt, wenn man Modelle, mathematische Modelle entwickeln will, dann sind die Alpen der perfekte Platz dafür. Was jetzt die Geschwindigkeit der Gletscherschmelze betrifft, gibt es auch da Unterschiede? Geschwindigkeit der Gletscherschmelze betrifft? Gibt es auch da Unterschiede? Bedauerlicherweise sind wir in Zentraleuropa und in den Alpen an der vordersten Front, was den Verlust der Gletscher betrifft. Wir sind zum einen sehr tief gelegen mit unseren Gletschern, zum anderen erwärmen sich auch die Alpen wie die anderen Hochgebirge auch deutlich schneller und stärker als das Umland. Und das trifft uns in den Ostalpen besonders. Wir haben Gletscher, die wie am Dachstein unter 3000 Meter gelegen sind. Und hier steigt die sogenannte Gleichgewichtslinie über Gipfelniveau an. Auf diesen Gletschern kann sich kein neues Eis mehr bilden und damit sind sie in einem Fade-out. Also es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Substanz vollkommen abgebaut wird. Es kommt nichts mehr Neues nach und das ist die bedauerliche Situation, in der sich die Ostalpengletscher derzeit befinden. Wir wissen allerdings, vor ungefähr 6000 Jahren waren die Ostalpen schon einmal weitgehend eisfrei in dieser Mittelholozeanen-Warmzeit und darauf folgend hat eben schon im Zuge dieser Hinentwicklung zu einer neuen Eiszeit eine Neubildung des Eises begonnen. Wir wissen, dass wenn es gelingt, die Treibhausgasemissionen etwas einzusparen, zu senken, dass es dann möglich ist, bis zu einer Schwelle von etwa zwei Grad, dass die Temperaturen dann wieder absinken und dann können sich diese Gletscher relativ rasch wieder bilden. Vielleicht kehren wir wieder nach Europa, nach Österreich, zu unserem Dachsteingletscher zurück. Welche sind denn die markantesten Folgen, die zu erwarten sind in absehbarer Zeit, nach dem derzeitigen Status quo, was eben emissionstechnisch mehr oder weniger schon vollzogen ist. Und wie lange wird es überhaupt voraussichtlich noch Gletscher in den Alpen geben? Es ist leider so, dass je präziser die Modelle werden, desto kürzer wird die Lebenszeit unserer österreichischen Gletscher. Und der Vergleich mit den Messdaten zeigt, dass sehr wahrscheinlich die Modelle die Gletscherschmelze immer noch unterschätzen, weil bestimmte Phänomene, Rückkopplungsprozesse in die Modelle noch nicht eingebaut sind. Die neueste Modellierung für die Stuba- und Ötztaler Alpen, die im Wesentlichen für sämtliche Ostalbengletscher gelten dürfte, für sämtliche Ostalbengletscher gelten dürfte, zeigt, dass wir bis 2030, also in vier Jahren, ein Drittel der Gletscher von 2017 verloren haben werden und dass bis 2050 nur mehr etwa 10 Prozent der gesamten Eisfläche übrig sein dürfte. Das heißt, im Wesentlichen bleiben uns einige hochgelegene Eisflächen rund um den Großglockner, rund um den Gebatschferner in den Ötztaler Alpen und die meisten kleinen Gletscher dürften dann vollständig verschwunden sein. Für den Dachstein gibt es in gewisser Weise Hoffnung, weil dort der Untergrund sehr unruhig ist. Die Eisdickmessungen zeigen am Dachstein Dolinen. Und damit steht zu hoffen, dass in diesen Dolinen, so wie wir es auch an der übergossenen Alm beobachten, in diesen Dolinen Eis übrig bleibt, das durch die Sonne nicht so leicht angegriffen werden kann. Die übergossene Alm, gleich der Nachbar im Westen des Hohen Dachsteins, ist ja schon weitgehend entgletschert, bis auf zwei, drei sehr kleine Eisfelder und eben diese Eisreste in den Dolinen. Es werden sich hier einige Subsysteme herausbilden, die relativ resilient sind gegenüber dem Klimawandel. Was bedeutet das dann für das Ökosystem am Berg, wo Gebiete, große Flächen vom Eis freigelegt werden? Die müssen sich ja dann auch irgendwie anpassen. Wie vollzieht sich sowas dann? Wir ersetzen mittlerweile die Messpunkte am Gletscher durch Monitoring der aufkommenden Vegetation an diesen Punkten und das hängt ein als das Urgestein, weil im Kalk wesentlich weniger Wasser zur Verfügung steht als im Urgestein. Und hier ist am hohen Dachstein der Nachwuchs der Pflanzen, diese Rückeroberung des Geländes durch die Vegetation etwas langsamer als am Alpenhauptkamm, wo das sehr rasch geht. Am Alpenhauptkamm hat man innerhalb von drei Jahren schon über 20 verschiedene Pflanzenarten, also drei Jahre nach dem Eisfreiwerden, findet man dort schon sehr viele Moose und auch Gräser vor. Bäume wachsen fast unmittelbar bis an den Gletscher hin. Das geht am Dachstein etwas langsamer. Allerdings hat gerade Friedrich Simoni am Dachstein noch Zirben gemalt in seinen Skizzen des Geländes. Und mittelalterlich dürfte tatsächlich ein Baumbestand am Dachstein existiert haben. Auch etwas, also ungefähr 1000 Jahre vor Christus, dürfte am Dachstein an der Stelle, wo heute gerade der Eisrand ist, schon quasi Gras gewachsen sein, Almbetrieb möglich gewesen sein. Und auch wenn es am Dachstein vielleicht etwas langsamer geht als im Urgestein am Alpenhauptkamm, ist doch zu erwarten, dass wir hier oben eine Entwicklung hin zu einer Seenlandschaft mit Gras, mit möglichen Almbetrieb vorfinden werden, dass auch ohne Gletscher wieder eine sehr schöne Landschaft entstehen kann. dass auch ohne Gletscher wieder eine sehr schöne Landschaft entstehen kann. Die Wasserproblematik ist hier in dieser extremen Lage am Alpennordrand, wo wir sehr viele Stauniederschläge haben, wahrscheinlich weniger ausgeprägt. Was man jetzt schon merkt und deutlich merkt in den Fließgewässern unterhalb der Gletscher, ist die Änderung der Ökohydrologie, also in den Fließgewässern. Die Artenzusammensetzung, der Chemismus ändert sich relativ schnell, wenn die Schmelzwassermenge zurückgeht und die Temperaturen nach oben gehen. weiter unten, weil die Nährstofflage und auch der Fischbestand und so sofort eigentlich auf diese Änderung reagieren. Auch die Saisonalität des Abflusses ändert sich. Im Sommer ist im Unterlauf etwas weniger Wasser in den Flüssen vorhanden. Wie sich das tatsächlich dann durchpausen wird durch alle Ökosysteme, ist zurzeit schwer zu sagen, weil wir keine Vergleichsmessungen haben. So ein Vorgang wurde noch nie beobachtet und schön langsam fallen wir aus dem Rahmen heraus, der das Klimaregime der letzten Millionen Jahre im Alpenraum auch mitgeprägt hat. Und damit verliert man auch die Vergleichsmöglichkeit, gerade mit den Mooren und den Seeborkhernen, die hier im Salzkammergut sehr viel beprobt sind, auch im Zusammenhang mit dieser Erforschung der Hallstattkultur. Es gibt ja hier sehr viele Messdaten zu den vergangenen Kulturen und eine alte Diskussion, warum zum Beispiel manche Siedlungen aufgegeben wurden, ob das jetzt klimatisch bedingt war, ob es mit Gesellschaftsorganisation zu tun hatte. Und man vermutet jetzt aus den archäologischen Forschungen vieler verschiedener Zivilisationen der Erde, dass es immer eine Mischung ist aus klimatischem Stress, aus Änderungen, die aufgrund von Klimaänderungen erforderlich sind und dem Organisationsgrad, der Organisationsfähigkeit einer Gesellschaft, auch dem Treffen von Entscheidungen, die fällig sind, die dazu führen, dass Kulturen untergehen. Es gibt dazu den Begriff der sozialen Resilienz beziehungsweise soziale Kipppunkte, die erreicht werden, wenn eine Gesellschaft nicht mehr fähig ist, die Schäden, die durch eben Stressfaktoren wie extreme Ereignisse, langfristige Klimaänderungen, Schäden dadurch zu kompensieren, soziale Unzufriedenheit entsteht. Und das zeigt uns, dass wirklich der Zusammenhalt in diesen schwierigeren Zeiten des Umbruches eine ganz wesentliche Fähigkeit ist, einer Gesellschaft neue Chancen zu nutzen. Auch ein wichtiger Faktor der Gesellschaften, auf Klimastress zu reagieren, ist einfach eine nomadische oder halb nomadische Lebensweise. Das letzte an halb nomadischer Lebensweise, das uns hier bekannt ist, ist die Sommerfrische im Salzkammergut. Der Klimawandel lässt sich mittlerweile nicht mehr stoppen und auch nicht rückgängig machen. Es geht mittlerweile vielmehr um die Klimawandelanpassung. Worauf müssen wir uns denn einstellen und was sollte vor allem schleunigst umgesetzt werden im Zusammenhang mit der Gletscherschmelze? werden im Zusammenhang mit der Gletscherschmelze? Naja, das Wichtigste, was die Gletscherschmelze betrifft, ist natürlich, dass man den Treibhauseffekt ein bisschen dämpft, weil die Kurve derzeit zu steil ist. Das heißt, es wird zu schnell zu warm. Und wirklich die Maßnahme, die weltweit etwas bringt und nicht nur ein Gletscher etwas bringen kann, sondern ist das, was man mit dem Klimawandel dämpft. Was natürlich immer wieder auch gefragt ist, mit einem Gletscher kann man in dem Sinn nicht mehr schützen. Wir könnten ihn theoretisch abdecken, was ja teilweise gemacht wird mit Vlies, aber das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein und das ist ein Pflaster. Wie wenn man sich wieder ein kleines Pflaster anzieht und das bringt nicht mehr. Was man eigentlich machen kann, ist, dass man persönlich auch gegen den Klimawandel praktisch macht. Das sind so kleine Sachen wie wie heizt man, wie kühlt man, wie bewegt man sich, fährt man mit dem Auto, fährt man mit dem Auto. Das darf man nicht vergessen, das wirkt. Es ist natürlich nicht sofort. Den Gletscher selber oben kann man damit jetzt kurzfristig nicht ändern, aber wenn man sich, das hat auch der André Fischer einmal gesagt, wenn man das wirklich konsequent durchzieht, wird es irgendwann einmal dann, vielleicht die Enkeln, werden dann eine Wirkung spüren. Das was wir am Gletschernierlich oben Das hat auch der andere Fischer einmal gesagt. Wenn man das wirklich konsequent durchzieht, wird es irgendwann einmal dann, vielleicht die Enkeln werden dann eine Wirkung spüren. Das, was wir am Gletschernilich oben feststellen, ist einfach erstens einmal die starke Abschmelzung. Das ist eine rein optische Sache. Man muss aber immer daran denken, dass dieses Eis oben am Taststelle ein riesiges Wasserreservoir ist. Das ist nicht wenig, es ist natürlich deutlich geschrumpft, aber es ist sehr wichtig für die Flüsse im Salzgeirn, und speziell für die Traunen. Das ist ein Wasserreservoir, das jetzt sehr, sehr schnell weniger wird. Das heißt, man muss sich Gedanken machen, was in Zukunft passiert. Weil was wird passieren? Das Endstadium, unter Anfangszeichen, ist ja das, dass kein Gletscher mehr oben ist. Das heißt, das, was jetzt über dem Eis liegt, ist noch ein blanker Felsen. Und ein Felsen kann kein Wasser speichern. Es ist natürlich ein Karst, das Wasser rinnt jetzt untidisch davon, jetzt auch schon. Und in Zukunft, wenn das Eis weg ist, wird das Wasser einfach abfließen und es ist kein Speicher mehr da. Das ist das, was uns betreffen wird. Es gibt einerseits Sorgen, dass man in der Trauung dann so wenig Wasser hat, was die Energieproduktion betrifft. Das wird sicher ein Faktor sein, aber der Beitrag des Gletschers zur Energieproduktion auf der Traun ist jetzt nicht so groß, weil das Einzugsgebiet der Traun sowieso so groß ist, sondern weil immer Wasser rein wird. Und das Salzgärmergut ja eigentlich mit relativ viel Niederschlag gesegnet ist. Das ist zum Thema Wasserhaushalt zu sagen, was man nie zusägt, was man gerade in den Wochen jetzt ganz stark miterlebt, das ist einfach die Trockenheit. Das betrifft sowohl die Wälder als auch die Landwirtschaft. Und natürlich uns selber, man merkt ja bei diesen Temperaturen, wie es jetzt ist, das ist ja nicht mehr angenehm. Die Wassertemperaturen in den Seensteigen deutlich sind. Ich kann mich noch erinnern, am Traunsee früher, da waren 20 Grad etwas Besonderes. Mittlerweile sind wir bei 3, 4, 25, teilweise 25 Grad. Also das sind Sachen, die sind jetzt schon total spürbar und wenn sich nichts ändert, wird das noch ein bisschen gravierender werden. Was die ganze Ökosysteme betrifft, das wird uns sehr stark treffen. Also Probleme sind immer auch Möglichkeiten, neue Dinge zu entwickeln und auch Chancen. Immer sich fragen, was kann ich denn mit dieser Situation Gutes für mich tun? da gibt es bestimmten Stress für das Ökosystem, aber es macht jetzt den Tag nicht besser, wenn ich mir denke, um Gottes Willen, die armen Fische. Ich kann mich einfach einmal zehn Minuten freuen, dass ein Mensch wie ich, der sehr, das darf ich jetzt sagen, kaltes Wasser ist gar nicht meins, dass ich einfach einmal ein bisschen in einer pritschelwarmen Badewanne schwimmen kann. Und es gibt eben auch gute Dinge an dem Schlechten, was passiert. Man darf sich darüber freuen. Dann hat man viel mehr Energie und Kraft, die schlechten Dinge zu kompensieren, sich zu überlegen, wie geht man denn damit um? Wie können wir unsere Lebensumwelt gut gestalten, damit es zum Beispiel in einer Klimakrise nicht so viele Verlierer gibt. Wie können wir die Chancen nutzen? Man kann sich darüber ärgern, dass man vielleicht nicht mehr so viel Skifahren kann. Man kann aber auch um die Zeit einfach Mountainbiken gehen. Man kann sich denken, jetzt haben wir vielleicht ein Problem mit Starkniederschlägen. Aber auf der anderen Seite haben wir wesentlich geringere Schneeräumkosten, als es vor 20, 30 Jahren der Fall war. Die Lawinengefahr ist oft weniger drastisch, als sie früher war. Es gibt nichts, das nur gut ist und es gibt nichts, das nur schlecht ist. Ich denke, man sollte beide Seiten einfach gut sehen, sich trauen hinzuschauen und dann darf man ruhig einmal das Gesicht in die Sonne halten und sich freuen. Es ist ein wahnsinniges Geschenk überhaupt, dass wir in dieser schönen Landschaft leben können und leben dürfen. Und ich glaube, das darf man einfach auch ein bisschen genießen. einfach auch ein bisschen genießen. Es gibt also immer noch Möglichkeiten und Chancen zu nutzen, im Großen genauso wie im Kleinen. Unter dachsteingletscher.info sind sämtliche Dokumentationen von Messdaten über Gletschertagebuch bis zu einer Simulation der Gletscherschmelze von der Mitte des 19. bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu finden. Erika Preisel vom Freien Radio Salzkammergut dankt der Glaciologin Andrea Fischer und dem Meteorologen Klaus Reingruber für ihre Expertisen zu Zustand und Zukunft des Dachsteingletschers. Die Sendung Klima und Du ist mit Unterstützung des Umwelt- und Klimaresorts des Landes Oberösterreich entstanden.