Schönen guten Abend, herzlich willkommen. Mein Name ist Magdalena Danner und ich werde Sie heute moderierend begleiten und heiße Sie herzlich willkommen zu diesem besonderen Abend. Besonders deswegen, weil wir heute im Bühnenlicht und wie ich finde in besonders würdevoller Atmosphäre ein Thema diskutieren, das oft in der Realität nicht so würdevoll diskutiert wird. Und zwar das Thema Sexarbeit. Und ich muss mich eigentlich gleich selber korrigieren, es geht ja nicht um ein Thema, es geht um die Menschen, die tätig sind in der Sexarbeit, die damit ihr Geld verdienen. Darum geht es. Es wird wie folgt ablaufen. Ich werde in Kürze Ruby Rebelli auf die Bühne bitten dürfen. Wir werden ihrer Lesung folgen dürfen. Sie wird lesen aus ihrem Buch, weil sie uns hassen. Und danach darf ich ein wirklich hochkarätiges Podium bei mir auf der Bühne begrüßen und wir werden uns in ein Gespräch vertiefen mit den Podiumgästen, aber auch mit Ihnen im Publikum. Und bevor wir das alles tun, bitte ich eine Person auf die Bühne, die uns nochmal unterstützt bei der Eröffnung und den offiziellen Begrüßungsworten. Eine Person, die sagt, Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind oder tätig waren, das ist kein Opfermythos, das sind keine Schlagzeilen, das sind Arbeiterinnen. Arbeiterinnen mit Recht auf soziale Absicherung, Recht auf rechtliche Anerkennung und Recht auf Selbstbestimmung. Einen herzlichen Applaus, ich bitte um deine Begrüßungsworte, Stadträtin Eva Schubisberger, komm zu mir. Ja, Dankeschön. Es ist mir wirklich eine Freude und auch eine große Ehre, dass ich heute begrüßen darf. Ich habe, nachdem ich unten gesessen bin, schon gesehen, wie toll das ausschaut, wenn so viele Menschen in diesem Raum sind, weil von heroben von der Bühne sieht man es nicht. Ich bin wirklich ganz begeistert, dass Sie, dass ihr alle unserer Einladung gefolgt seid, sind. Es ist ein Abend, auf den ich mich schon sehr freue. Wir haben wirklich eine hochkarätige, bekannte Autorin da, die selbst das Buch lesen wird und das ist etwas ganz Besonderes. Dass wir über das Thema Sexarbeit sprechen, ist mir ein wichtiges Anliegen, weil ich glaube, dass es kaum einen Beruf gibt, der so von unterschiedlichsten Seiten mit Moral behaftet wird in unserer Gesellschaft und der so unterschiedlich auch vom Staat, von unserer Rechtsordnung behandelt wird. Also in Österreich ist zwar Sexarbeit dort vom Staat anerkannt und gefunden, wenn es ums Nehmen geht, nämlich wenn es um die Steuern geht. Aber in allen anderen Rechtsbereichen tut man so, als gäbe es diesen Beruf nicht. Beziehungsweise sind immer noch Diskriminierungen da. Und ich glaube, dass wir da ansetzen müssen, dass wir da dringend etwas machen müssen und dass es unsere aller Aufgabe ist, dass wir Sexarbeit entstigmatisieren, dass wir anerkennen, dass wie in allen anderen Bereichen auch um selbstbestimmtes Arbeiten geht, um die Freiheit, einen Beruf auszuüben und die staatliche Anerkennung und Unterstützung dafür. Es geht im Prinzip um nichts weniger als um Rechte und das sollte uns bewusst sein. Auch mir gefällt der Rahmen wirklich gut. Ich bedanke mich bei Lena, bei Mais, dass ihr jeden Tag in eurer Arbeit mit euren Vereinen, mit eurem Herzen und Engagement dafür kämpft, dass Sexarbeit die Anerkennung als normale Arbeit in unserer Gesellschaft auch findet, dass ihr für Rechte kämpft und für Selbstbestimmung. Und ich glaube, dass es uns als Feministinnen auch gut ansteht, dass wir nicht über jemanden sprechen, sondern dass wir der Tribüne und bei allen, die diesen Abend mit ihrem Herzen, mit ihrem Engagement möglich gemacht haben, ganz besonders auch bei dir für die Moderation. Ich freue mich schon sehr auf eine spannende Diskussion und vor allem ganz besonders auf die Lesung, die uns jetzt erwartet. Danke sehr. Danke Eva für deine Worte. Ich habe jetzt beim Wort Herz nur schmunzeln müssen. Ich habe mir heute ein Herz aufgetebt. Weil das ist mein Auftrag als Moderatorin, als Mensch. Das geht um Menschen. Und sollte man in der Diskussion da mal falsch abbiegen, dann ist das mein Symbol, um mich wieder gut einzunorden und um uns auf Kurs zu halten. Wie kam es zur heutigen Veranstaltung? Eva Schubisberger verleiht in ihrer Rolle und Funktion als Frauenstadträtin jährlich auch den Frauenpreis der Stadt Linz und ich war dabei. mega Party auch heuer wieder 2026 mit einem besonderen Anlass, weil Lena, die Beratungsstelle für Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind oder waren, heuer ausgezeichnet worden sind mit einer Kampagne. Da steht euch das Schild, alles was Spaß macht. Also gern anrufen und erkundigen. Ich mag da gar nicht mehr sagen dazu. Sich informieren und schauen wir was auf der Telefonnummer, was da genau, wer sich da meldet. Und die Übergabe dieses Frauenpreises war Grund genug, um mit Lena und dem Frauenbüro gemeinsam zu sagen, ihr wollt im Diskurs bleiben, ihr wollt am Thema dranbleiben und so kam es zur heutigen Veranstaltung. Und dann gibt es noch so einen schönen zweiten Zufall. Heute ist der 1. Juni und nicht zufällig, sondern fix ist morgen der 2. Juni. Aber der 2. Juni ist der internationale Sexarbeitstag und wurde begründet oder geht zurück auf 1975, also schon eine Zeit lang her, in Frankreich, in Lyon, wo über 100 sexarbeitende Menschen, Sexarbeiterinnen eine Kirche besetzt haben. Menschen, Sexarbeiterinnen eine Kirche besetzt haben. Ich habe nur kurz ein bisschen reingelesen, sie haben zwei, drei Jahre vorher es schon mit Demonstrationen, Zügen auf der Straße probiert, sie haben demonstriert gegen Polizeigewalt, das ist auch niedergeschlagen worden, es hat nicht funktioniert und dann eben in die Kirche und mit geballter Kraft und das ist auch so eine wichtige Initialzündung der internationalen Sexarbeitsbewegung. Genau, und wie schön, dass sich das einbettet. Also ich würde sagen, Frauenbüro hat das strategisch durchgeplant. Sehr gut. Ein paar formelle Infos noch. Ihr kommt alle vermutlich von einem langen Arbeitstag. Ich glaube, es hat euch draußen auch noch der Regen erwischt. Ich hoffe, hier habt ihr einen guten, schönen, warmen, trockenen Platz. Ich möchte ankündigen, wie lange es heute dauern wird. Wir haben uns vorgenommen, also ich hätte ja zweieinhalb, drei Stunden Lust, aber die Aufmerksamkeit geht nur für eine Zeit. Auch wenn die Gäste, die ich dann hier heroben begrüßen darf, sehr kostbar sind und ich jede Minute irgendwie nutzen möchte. Aber wir haben uns so festgelegt, das absolute Maximum sind zwei Stunden und das ist eh schon wirklich an so einem Abend auch viel Engagement von euch. Ich werde euch aber auch aktiv immer wieder reinholen. Und wir sind hier an der Tribüne. Ich habe mir online, ich bin leider zum ersten Mal da, was wirklich fatal ist, weil da habe ich schon einiges versäumt. Habe aber auch gelesen, die Tribüne ist ziemlich unter Druck, um überhaupt hier bleiben zu dürfen. Man kann die Tribüne unterstützen, auch glaube ich bei den Anwaltskosten. Da gibt es wirklich tatsächlich juristische Prozesse, die da laufen. Und der Tribüne wird es auch nicht leicht gemacht zu arbeiten. Unter anderem wird der Tribüne auch einfach der Ausschank verboten oder schwer gemacht. Das heißt, wir hätten euch gerne mit Getränken versorgt, wollten solidarisch mit der Tribüne sein, hier veranstalten und muss euch einfach sagen, wir hätten es euch vergönnt, etwas zu trinken, aber aufgrund externer Umstände, die es nicht gut meinen mit der Tribüne, ist das heute nicht möglich. Ihr habt alle Kuverts bekommen beim Eintritt und da drinnen ist ein Kugelschreiber und es sind drei Kärtchen. Die sind sehr pastellig-blass, aber man kann es glaube ich auch bei diesem Licht erkennen, ist ein gelbes Kärtchen, ein rötliches und ein grünliches. ist ein gelbes Kärtchen, ein rötliches und ein grünliches. Die gelben Kärtchen dürfen von euch beschriftet werden mit euren Fragen, Anregungen, Hinweisen. Die werden wir auch mit Boxen einsammeln nach der Lesung, weil es die Möglichkeit geben soll, sich einzubringen, auch wenn man nicht die Hand direkt heben möchte. Also es gibt Menschen, die sagen, das macht mir nichts aus oder über dieses Herzklopfen rede ich hinweg oder bin sowieso für die Bühne geboren, also meine Hand ist immer gleich oben, aber es gibt ja auch Menschen, die sich beteiligen wollen, die ein bisschen vorsichtiger sind, die in so einem großen Raum sich vielleicht unsicher fühlen, da sei einfach darauf hingewiesen, die Kärtchen sind für euch da, um euch zu artikulieren. Wir schauen dann, wie viel Feedback da ist und wie viel zeitlich ich einbauen kann. Aber nach der Lesung im Podium werde ich auf jeden Fall dann in die Boxen reinschauen und die Kärtchen lesen. Rot und Grün, da gibt es nachher nochmal Fragen an euch, also da vielleicht gerade noch nicht so viel draufschreiben. Genau. Also da vielleicht gerade noch nicht so viel draufschreiben. Genau. Dann darf ich noch willkommen heißen Radio Froh. Radio Froh wird heute aufzeichnen, genauso wie Dorf TV. Wir sind sehr dankbar über die regionalen journalistischen Kräfte, die wir in Linz und Oberösterreich haben. Und sind eben in Linz Radio Froh und Dorf TV. Und beide werden aufzeichnen, aber nicht live übertragen. So viel sei vorneweg auch gesagt. Genau, das kann man dann nachschauen auf ihren Seiten, einfach dranbleiben, interessiert bleiben, dann sieht man auch die Veröffentlichung der Beiträge. Ja, jetzt habe ich sehr viel erläutert. Endlich kommt es zum Höhepunkt. Ruby Rebelle lebt in Hamburg. Ich habe mir ehrlich gesagt schon Sorgen gemacht, Endlich kommt es zum Höhepunkt. und sie lebt von politischer Bildungsarbeit, Schreiben, Sexarbeit. 2024 gründet Ruby mit zwei weiteren Personen das unabhängige Recherchekollektiv FundiWatch, das über christlichen Fundamentalismus aufklärt. Ruby engagiert sich beim Bündnis der Fachberatung für Sexarbeit in Deutschland. Und das Buch von Ruby, weil sie uns hassen, das habe ich selber lesen dürfen, die kann ich nur empfehlen, kauft es nachher, lasst es euch signieren, aber jetzt kriegen wir den schönsten Einblick in ein Buch, den man nur kriegen kann, nämlich live von der Person selber, die das Buch geschrieben hat. Einen herzlichen Applaus Herzlichen Dank für das nette Willkommen. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit, das so schön besetzt ist. Ich kann euch gar nicht alle so gut sehen, aber ich sehe, es ist gut gefüllt. Ich lese aus meinem Buch, warum sie uns hassen und ich nehme euch mit in unterschiedliche Teile des Buches. Das Buch ist schon über ein Jahr jetzt auf dem Markt, also hat schon einmal Buchgeburtstag gefeiert und ich wärme euch ja heute für den internationalen Hurentag auf und deswegen müssen wir erstmal ein kleines bisschen in die Debatte schauen, um was streiten wir Sexarbeit, Begriff, Selbstbezeichnung und Othering. Warum schreibe ich Sexarbeit? In Warum Sie uns hassen verwende ich den Begriff Sexarbeit so konsequent wie möglich. konsequent wie möglich. Ich widersetze mich geläufigen, anders machenden Praxen, Sexarbeit oder SexarbeiterInnen in Anführungsstriche oder Kursiv zu setzen. Manche sagen sogar verballhörend, verhorndend, ridiculisierend Sexwork. Andere ignorieren den Begriff gleich ganz und sprechen stattdessen selbst in aufgeklärteren Kreisen von Prostituierten. Wie wir das sehen, also die Sexarbeitenden, wird nicht gefragt. Als klitzekleinen Wink mit dem Zaunfall stelle ich deswegen in diesem Buch das Wort Prostitution und alle seine Ableitungen wie Prostitutionsgesetz, wie Prostitutionsgesetz, Prostitutionsregime usw. konsequent kursiv. Ganz vermeiden lässt sich dieses Wort dennoch nicht, zumindest im deutschsprachigen Raum. Ja, ja, der Lesefluss, der wird so unterbrochen, das ist gewollt und einkalkuliert. Die Irritation darüber, nichts darf man mehr sagen, gewollt und einkalkuliert. Die Irritation darüber, nichts darf man mehr sagen, gewollt und einkalkuliert. Denn mich entsetzt der Umgang mit einer Selbstbezeichnung. Nur ein Wort? Nein, eine Selbstbezeichnung. Der deutsche Begriff Sexarbeit ist eine Übertragung aus dem englischen. Die Künstlerin und Aktivistin Carol Lee 1951 bis 1922 prägte den Begriff Sexwork ab Mitte der 1970er. Lee verband so ein feministisches Anliegen mit einer Wortneuschöpfung, die den Arbeitscharakter und somit auch die Arbeitsrechte von SexarbeiterInnen betonte. Lee ging es 1975 und uns geht es heute immer noch um Inklusion, Anerkennung und Menschenrechte. Der Ausdruck Sexarbeit vermittelt, Menschen in der Prostitution sind handelnde Subjekte und nicht verhandelbare Objekte. Für das strukturkonservative Deutschland bedeutet das bis heute noch einen massiven Bruch mit eingeübten Kommunikations- und Umgangsformen. Anders gesagt, Deutschland spricht über Huren statt mit ihnen. Ab den 1980er Jahren begann der Begriff Sexwork sich im englischsprachigen Raum durchzusetzen. Heute ist sogar in rechtlichen Texten in den USA die Rede von Sexwork, obwohl dort per Prostitutionsregime ein Verbot von Angebot und Nachfrage in fast allen Bundesstaaten herrscht. Sorry, not sorry, die in Deutschland gern genommene Ausrede wegen des juristischen Sprachgebrauchs sei ein Verzicht auf den Ausdruck Prostitution unmöglich, das es also lange widerlegt. Wenn selbst in einem Land, das Sexarbeit verbietet, die Rede von Sexarbeitenden ist, dann ginge das auch hierzulande und anderswo, wenn man denn wollte. In Deutschland wird also über Prostituierte und noch viel lieber abstrakt über Prostitution gesprochen. Die damit einhergehende Entmenschlichung ist bequem und entlastet. Schon geht es nicht mehr um die Personen, sondern um eine abstrakte Tätigkeit, die viele Vorurteile der viele Vorurteile und Klischees vorauseilen. Medienschaffende, VertreterInnen des weißen Feminismus, religiös-fundamentalistische Organisationen und Personen aus dem ultrakonservativen Spektrum nützt dieses andersmachende Sprechen über Sexarbeit. Sie streben eine Welt ohne Prostitution an und halten das für die einzige Lösung. Entgegenstimmen aus der Menschenrechtsbewegung, aus der Forschung und von Betroffenen. Es ist bequemer, von der Welt ohne Prostitution als von der Welt ohne Prostituierte zu sprechen. Das klingt weniger feindselig, meint aber das Gleiche. Und dass das auf unsere Kosten, also auf die Kosten von SexarbeiterInnen geht, das wird kaschiert. Der Slogan Prostitution ist immer Gewalt, lebt von einer Gleichsetzung. Er behauptet, zwischen Sexarbeit und Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung gäbe es gar keinen Unterschied. Prostitution sei eben per se Gewalt und frauenverachtend. Und die Abschaffung der Prostitution nur zu unserem Besten. Wortwahl und Wiederholungen beeinflussen allmählich Einstellungen, Gefühle und Haltungen, die einem Thema entgegengebracht werden. Insofern ist die Begrifflichkeit eben keine Kleinigkeit. Daran kann abgelesen werden, wie weit die Debatte um SexarbeiterInnenrechte bereits entgleist ist. Die Behauptung, all das geschehe nur zu unserem Schutz, lenkt erfolgreich von einer zentralen Frage ab und die lautet Autorität, Bevormundung oder Selbstbestimmung. Oder anders ausgedrückt, wer hat sich zu fügen und über wen wird verfügt. Forderungen nach einem Sexkauverbot, wie sie auch hier zu Lande immer wieder erhoben werden, gehen einher mit abwertendem, lächerlich machenden Sprechen über Sexarbeitende und ihr Streben nach Nichtdiskriminierung. Medienschaffende, PolitikerInnen, nicht alle, aber die meisten und natürlich die Bewegung für die Welt ohne Prostitution markieren uns als lächerlich, abwegig und überflüssig. Egal, ob Diskriminierung oder Entkriminalisierung wie 2022 in Belgien. Wer das fordert, wird mal als woke oder als radikal hingestellt und aus dem Diskurs ausgeblendet. Jetzt machen wir einen kleinen Sprung und bleiben noch ein bisschen beim Ausschluss, beim Thema Ausschluss von Sexarbeitenden. You do you, except you are a sex worker. Wie konntest du nur so abrutschen? Bist du dir sicher, dass das gut für dich ist? Und wie ist das so für deine Partnerperson? Das ist nur eine klitzekleine, unvollständige Auswahl jenes Bullshit-Bingos von Fragen, Auswahl jenes Bullshit-Bingos von Fragen, die Sexarbeitende gestellt bekommen, sobald sie das Schweigen über sich und ihre Lohnarbeit brechen. Darin kommen gefühlte Wahrheiten zum Vorschein. Angesichts von kaum vorhandenem Wissen über unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen, unsere Verfolgungsgeschichte oder unserer Wünsche und Bedürfnisse überwiegen eben Vermutungen, Klischees und sehr viel Meinung. Nach solchen oder ähnlichen Gesprächsverläufen verzichten viele Sexarbeitende darauf, ihre Perspektive zu teilen. Perspektive zu teilen. Die Erfahrung zeigt, der Umgang mit unserem Thema besitzt das Potenzial zum Derailing, lässt also eine Debatte entgleisen. Als modernes Kulturkampfthema ist es mit Affekten, also starken Emotionen aufgeladen. Ein sachlicher Diskurs erscheint oft außer Reichweite. Selbst lockeres Plaudern birgt das Risiko missachteter Intimsphäre. Es ist, als würde das Anbieten sexueller oder erotischer Dienstleistungen bedeuten, dass wir, die Sexarbeitenden, keine Privatsphäre haben. Also, wie ist das denn so für deinen Partner? Und wie sind die Kunden denn so? Da erlebst du sicher Sexuell Abgefahrenes. Erzähl doch mal. Mach ich aber nicht heute. Wem an Harmonie gelegen ist, der muss übergriffige Neugierde befrüdigen oder unbezahlte Bildungsarbeit leisten. Und beides erfordert Aushalten und Erdulden. Schon zynisch, denn Geldgeilheit ist doch eines der haltbarsten Klischees über Sexarbeitende und klebt an uns wie das Schmuddel-Image am Rotlicht. Geldgeilheit, Schamlosigkeit, Verkommenheit, Unfähigkeit zur romantischen Liebe. Manche Sexarbeitende entscheiden, dass nicht wir für den Abbau von Sexarbeitsfeindlichkeit zuständig sind und ziehen stattdessen Grenzen durch Schweigen. So verständlich das ist, es erhält Sexarbeitsfeindlichkeit weiter aufrecht und stellvertretend für uns werden wohl nur wenige dagegen ankämpfen, fürchte ich. Wenn wir es nicht machen, passiert es nicht. Die Mehrheitsgesellschaft befriedigt also einerseits übergriffig ihre Neugierde auf das älteste Gewerbe der Welt, während ihr Sexarbeitende sonst eher als Übel oder Zumutung erscheinen. Wenn es uns schon geben muss, so am besten geräuschlos und unsichtbar. Der Mantel aus Scham und Schweigen soll, bitte danke, über unsere Lohnarbeit, Identität und Wünsche ausgebreitet bleiben. Die Beschäftigung mit dem unliebsamen Phänomen Prostitution, das bleibt zwielichtigen Fundamentalistinnen, rechthaberischen Ikonen des Feminismus und einer ziemlich feindseligen Berufspolitik überlassen. Mindestens Letztere bestreiten damit bisweilen ihren Lebensunterhalt, den anderen ist das Reich Gottes oder zumindest einen Platz am Girlboss-Firmament des weißen Feminismus sicher. So muss sich niemand neue, nicht hurenfeindliche Schimpfworte ausdenken oder sich mit den strukturellen Voraussetzungen für sexualisierte Gewalt beschäftigen. Wozu denn? strukturellen Voraussetzungen für sexualisierte Gewalt beschäftigen. Wozu denn? Dann bleibt die Hure eben Projektionsfläche und Feindbild und ermöglicht so eine Reihe entlastender Alibi-Handlungen. Was meine ich damit? Mit Alibi-Handlungen meine ich performative oder symbolische Vorgänge oder Strategien und die ersetzen dann die längst überfällige gesamtgesellschaftliche Beschäftigung mit patriarchaler Gewalt, ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen und Sexismus. Diskursiv und auf der Handlungsebene. Man könnte sagen, performative Praxen, das ist Symptombekämpfung. Praxen, das ist Symptombekämpfung, Reaktivierung von Ressentiments oder vielleicht auch schlicht der Ekel vor devianter Sexualität. Und das ist lange und gut eingeübt. Sie kostet die Beteiligten weitaus weniger Kraft als der Abbau von Sexarbeitsfeindlichkeit. Und eine Konsequenz aus Sexarbeitsfeindlichkeit ist Verdrängung von Sexarbeitenden aus dem Bewusstsein, aus Gesprächen, sozialen Interaktionen und auch räumlich-geografisch. Die Gentrifizierung von Orten historischer und gegenwärtiger Sexarbeit feuert Konflikte um die Präsenz straßenbasierter Sexarbeiten da weiterhin an. Schließlich sind die Huren auf der Straße so unangenehm präsent und belästigen allein durch ihren Anblick. Zwei prominente Beispiele, die Berliner Kurfürstenstraße und der Hamburger Hansaplatz. Straße und der Hamburger Hansaplatz. Ich entschuldige mich für die deutschen Beispiele und ich bin mir sicher, unser Plenum kann nachher einfach österreichische ergänzen. Immer mehr kostspielige Eigentumswohnungen oder steigende Mieten, und das ist kein deutsches Phänomen, an diesen Orten vertragen sich eben nicht mit wahrnehmbarem Substanzgebrauch, Wohnungs- und Obdachlosigkeit und erst recht nicht mit der Anwesenheit von Sexarbeitenden. Mikroaggressionen steigern sich an diesen und anderen Orten zu physischer und struktureller Gewalt. Immer deutlicher und lauter ertönen dort Forderungen nach mehr Repression oder kompletter Abschaffung der Prostitution. Empörte NachbarInnen sind eine empfängliche Zielgruppe für jene NGOs, die schärfere Gesetze zur Prostitution einführen wollen oder eben gleich die Welt ohne Prostitution. Es ist schon alles bitter. Es ist schon alles bitter. Okay, jetzt schauen wir nochmal ein bisschen auf ein Thema, was, glaube ich, häufig gar nicht so richtig bekannt ist, nämlich die Frage der materiellen Diskriminierung von Sexarbeitenden. SexarbeiterInnen werden wirtschaftlich, finanziell und materiell anders als die Mehrheitsgesellschaft behandelt. Uns werden massive Hürden in den Weg gestellt, indem uns beispielsweise Konten oder Versicherungen vorenthalten werden. Sexarbeitende gehören oft zum unerwünschten Personenkreis, so heißt das. Versicherungen und Banken sind nicht verpflichtet, allen ein Produkt zur Verfügung zu stellen. In Belgien, wo Sexarbeit 2022 entkriminalisiert wurde, ist das anders. Und für Finanzämter oder Steuerbehörden sind SexarbeiterInnen sowieso potenziell verdächtig. Ein paar Zuschreibungen habe ich bereits erwähnt. Es gibt aber eine Menge mehr davon. Mal hapere es laut Finanzbeamtinnen, mit denen ich ab und an an runden Tischen sitze, an der Auffassungsgabe, mal an der Bereitschaft, Steuern zu zahlen. Beide Varianten und einige mehr sind mir begegnet. Seit 2017 löst die behördliche Registrierung einer SexarbeiterIn und in Österreich ist das noch ein bisschen anders und gravierender gehandhabt, eine automatische Quermeldung ans zuständige Finanzamt aus. An dieser Stelle institutionalisieren sich also Vorbehalte aufgrund von Hurenstigma in einem einzigartigen Sonderverwaltungsakt für Sonderpersonen. Wer sich gefragt hat, was ich mit der Signalwirkung von Gesetzen meine, findet in diesem Vorgang ein anschauliches Beispiel. Die Zuschreibung potenziell unzuverlässig zieht besondere Beaufsichtigung und Kontrolle nach sich, einfach weil wir SexarbeiterInnen sind. Und mir ist keine einzige Statistik bekannt, aus der sich diese Zuschreibung statistisch ableiten ließe. Wer als sexarbeitende Person ein Konto eröffnen, eine Versicherung abschließen oder lediglich Steuern zahlen will, muss also bereits Barrieren fürchten. Eine weitere Sanktionierung von Sexarbeitenden mit materiellen Auswirkungen ist das De-Platforming in den sozialen Medien, also das Verdrängen von Sexarbeitenden aus den sozialen Medien. Gerade US-amerikanische Plattformen wie Airbnb oder Meta löschen die Accounts von Sexarbeitenden gezielt oder blenden sie aus. Materielle Diskriminierung von SexarbeiterInnen besitzt einen langen Rattenschwanz, zum Beispiel auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt. Sexarbeitende erwähnen in vielen Situationen ihre Lohnarbeit nicht, weil daraus Sanktionen oder Nachteile entstehen können. Ehrlich mal, wer vermietet schon seine Wohnung an eine Prostituierte? Wer garantiert mir, dass meine Bewerbung nicht ganz nach unten in den Stapel gerät, wenn ich wahrheitsgemäß angebe, seit mittlerweile mehr als 15 Jahren mein Geld mit Sexarbeit zu verdienen? Ich habe vorhin schon mal kurz über diese Bewegung gegen die Rechte von Sexarbeitenden angespielt. Und was viele nicht wissen ist, wie eng die Bewegung gegen Sexarbeit und Prostitution auch mit der extremen Rechten in Verbindung steht. Und deswegen habe ich euch eine Episode mitgebracht, die heißt Kein Mädchen. 2023 macht das Beratungsangebot, in Anführungsstrichen, kein Mädchen von sich reden. Ganz und gar nicht im Guten. Das Angebot imitiert seriöse psychosoziale Beratung und richtet sich an junge Menschen, die gender non-conforming sind, also sich zum Beispiel als nicht-binär oder trans sehen. Die Zielgruppe sind Jugendliche, die Geschlechtsdysphorie erleben oder darüber nachdenken, eine Hormontherapie zu beginnen. Doch wer eigentlich hinter dem Angebot kein Mädchen steckte, das schockiert. Wie mehrfach durch Medien berichtet wurde, ist Hedwig von Beverförde für dieses Portal verantwortlich. Ihr Name steht im Impressum. Von Beverförde ist für ihre Feindseligkeit gegenüber sexuellen Minderheiten, Selbstbestimmung und geschlechtssensibler Sprache oder Bildungsarbeit bekannt. Dazu betreibt sie unter anderem das Portal Demo für Alle, eine Schnittstelle der Szene für Kampagnen, Mobilisierungen, Informationen und Vernetzung rund um die traditionelle Familie, sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung sowie Wokismus. Dort tritt von Béva Förde nicht selten gemeinsam mit Beatrix von Storch von der AfD und ihrem Mann Sven von Storch auf. Eine investigative Recherche konnte zeigen, das Beratungsangebot Kein Mädchen bietet weder professionelle Beratung, noch zentriert es die individuellen Bedürfnisse und Interessen der Klientinnen, wie es soziale Arbeit tun würde. Stattdessen verfolgt es eine dezidiert queerfeindliche Haltung. Vor den Hintergründen zunehmender und aggressiver Angriffe auf CSDs in den letzten Jahren sowie der zweiten Amtszeit des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, die damit begann, dass dieser verkündete, es gäbe nur zwei Geschlechter, lässt sich ein massives Erstarken tinnfeindlicher, also queerfeindlicher Kräfte weltweit verzeichnen. Die bereits zehn Jahre bestehende Plattform Demo für Alle ist dabei kein respektvolles Sprachrohr, wo Vorbehalte und vielleicht auch legitime Kritik geäußert werden können. Vielmehr feiert die Plattform Verbote, Gesetzesverschärfungen gegen Trans-, Nichtbinäre oder Interpersonen und bejubelt die neuesten Vorstöße von Trump oder Milley unter dem Deckmantel besorgter Eltern oder besorgter Familienpolitik. Und so funktioniert es leider zunehmend, zumindest kann ich das für Deutschland auch nachweisen, eben halt auch bei selbsternannten Beratungsangeboten, die aus dem christlich-fundamentalistischen, rechtsextremen Spektrum für Menschen in der Prostitution-Sexarbeit erhoben werden oder aufgebaut werden. Noch eine Episode und dann habt ihr es schon geschafft. Zähne und Handtaschen. Was ziehe ich nur an? Im Sommer 2019 bin ich eingeladen mit einer konservativen Abgeordneten. Seht mir nach, wenn ich euch den Namen nicht verrate, denn ein Rechtsstreit, der reicht mir. Und ich war abgesehen von einer Mitarbeiterin mit der Abgeordneten alleine. Ich war eingeladen, mit ihr über das Sexkaufverbot zu sprechen. Sie möchte Betroffene anhören. Okay. Als Teil des Vorstandes von Hydra e.V., das ist eine alteingesessene Beratungsstelle in Berlin für Sexarbeitende, flattern mir manchmal, und ich muss eigentlich in der Vergangenheit sprechen, weil seit letztem Jahr bin ich nicht mehr im Vorstand von Hydra, aber in der Zeit flatterten mir manchmal solche Anfragen in den Posteingang. manchmal solche Anfragen in den Posteingang. Dieses Gespräch, das würde nicht einfach werden, war mir klar. Die CDU war 2019 in Regierungsverantwortung, das Prostituierten-Schutzgesetz zwei Jahre in Kraft. Und meine Kenntnisse der Prostitutionspolitik waren verglichen mit heute ziemlich rudimentär. Immerhin das wichtige Papier 20 Years of Failing Sex Workers, in dem schwedische Kolleginnen, also Menschen, die unter dem sogenannten Sexkaufverbot Leben unterarbeiten, über ihre Erfahrungen mit damals 20 Jahren nordisches Modell in Schweden berichteten, das kannte ich. Ebenso wie die Einschätzungen der Forschenden Dodile und Östergren, wenn euch das interessiert, könnt ihr das mal nachlesen, was die zu dem Thema zu sagen haben. Die untersuchen wieso und auf welche Weise gerade Schweden ein solches Prostitutionsregime erschuf. Aber eigentlich, wenn ich ganz ehrlich mit euch bin, war ich verunsichert, was der Termin bringen würde. Ich konnte kaum einschätzen, ob unabhängige Sexarbeitende überhaupt ernst genommen werden und wie ich mit Fragen zur Situation von Sexarbeitenden in Deutschland denn umgehen sollte, was ich voraussetzen konnte, was diese Person wusste. Zumindest diese Sorge war unnötig. Die Abgeordnete will was ganz anderes von mir wissen. Darauf bin ich allerdings auch nicht vorbereitet. Massive und schonungslose Sexarbeitsfeindlichkeit. Ich werde gleich erfahren, wie es ist, wenn Zuschreibungen und Schablonen nichts mit dem zu tun haben, über das zu sprechen, ich an diesem Tag hergekommen war. Und das wird mir noch oft so gehen. Guten Tag, Sie haben ja noch alle Zähne im Mund. Was für ein Einstieg. Es kommt noch besser. Sie schiebt nach, was mich betrifft, sie können sich ruhig in Handtaschen bezahlen lassen, wenn sie das so wollen. Falls ihr das auch im ersten Moment nicht direkt checkt, geht es euch wie mir damals. Ich erkläre mir später, dass sie anscheinend im Glauben war, dass Sexarbeitende sich in luxuriösen Handtaschen bezahlen lassen. Kann sein, dass das ab und an mal passiert. Ich habe davon noch nie gehört, wenn ich ehrlich bin. Darin ist auch die Idee beinhaltet, dass Statussymbole, wie solche Handtaschen sie darstellen können, das ist ja auch okay, unter Sexarbeitenden besonders gefragt sein könnten. Okay. Angesichts dieses Einstiegs zerfiel jedes Konzept, das ich mir für diesen Termin zurechtgelegt hatte, zu Staub. Damit hatte ich nicht gerechnet. Mein Gehirn brauchte auch ein paar Momente, bis ich realisierte, auf was sie anspielte. Mein Gehirn brauchte auch ein paar Momente, bis ich realisierte, auf was sie anspielte. In diesen zwei Sätzen verdichteten sich die Zuschreibungen und Unterstellungen einer Politikerin an Sexarbeitende. Ob Dorothee Bär noch eine deutsche konservative Politikerin, die ihr nicht kennen müsst, aber die für mich sehr eindrücklich ist, ob die Huschke Mau etwas Ähnliches gefragt hat, als sie sie 2023 getroffen hat? Glaube ich nicht. Diese 27 Worte machen mich heute, einige Jahre später, immer noch fassungslos. Mittlerweile habe ich zwar keine Illusion mehr darüber, was PolitikerInnen glauben, wissen und einschätzen zu können, wenn es um Prostitution geht. einen Glauben wissen und einschätzen zu können, wenn es um Prostitution geht. Einige ihrer rhetorischen Kniffe, mithilfe derer Rollen verteilt werden und der Ton einer Konversation gesetzt wird, habe ich selbst erlebt. Schlimmer wurde die Situation damals dadurch, dass ich noch keine Worte für das Erlebte hatte. Den Begriff Sexarbeitsfeindlichkeit entwickelte ich erst drei Jahre später, um Ausgrenzungserfahrungen und den Minderheitenstress zu benennen, denen Sexarbeitende ausgesetzt sind, weil sie Sexarbeitende sind. Im Büro der Abgeordneten nahmen nach diesen 27 Worten zwei weitere imaginäre Figuren Platz. Das misshandelte, geschändete Opfer von Menschenhandel und ein auf Äußerlichkeit fixiertes, naives Modepüppchen. Die spukten zwar durch den Kopf der Politikerin, waren aber somit fast präsenter als meine eigenen Erfahrungen, die die Abgeordnete kaum zu interessieren schienen. Jetzt zuletzt noch, was ich anhatte. Keine Schuhe mit Absätzen, keine Netzstrumpfe und ich war ungeschminkt und auch nicht betont seriös gekleidet, weil ich vermeiden wollte, vorsortiert zu werden. Na, das hatte ja gut geklappt. Dankeschön. Danke, Ruby. Danke dir. Du wirst bei uns hier herobenbleiben. Ich habe gehört, Rudi, also nicht Ruby, sondern Rudi wird kommen. Rudi wird kommen und uns die Bühne adaptieren. Ruby, bei dir möchte ich mich nochmal erklären oder entschuldigen, wie das wahrscheinlich so oft passiert. Du hast ja per Mail nochmal darauf hingewiesen, dass du kein Pronomen trägst und ich habe mich wirklich sehr bemüht. Aber so binär bin ich gestrickt, dass bei der Ankündigung das auch wieder durchgerutscht ist. Passiert, aber damit es weniger passiert, muss man es auch thematisieren. Gut, ich habe schon angekündigt, eure roten und grünen Kärtchen. Jetzt wäre der Moment dafür. Ich habe Fragen für euch vorbereitet und ein grünes Kärtchen in die Luft zu halten, würde die Frage mit einem Ja beantworten und ein rotes Kärtchen, auch wenn sie sehr pastellig sind, würde die Frage mit einem Nein beantworten. Wir haben von Leni etwas Saarlicht bekommen, das heißt wir können uns gut orientieren und keine Sorge, das sind keine schwierigen Fragen. Die erste Frage lautet und ich musste aber jetzt diese Lesung ausklammern, die müsst ihr euch sozusagen jetzt nochmal wegdenken. jetzt noch mal wegdenken. Sie lautet, haben Sie sich schon einmal bewusst mit dem Thema Sexarbeit beschäftigt? Ich habe es schon im Nacken gespürt, es dürfte ein, da gibt es auch zwei, da darf man auch kreativ sein. Okay, ganz viele Grüne und da wissen wir noch nicht in welcher Intensität und Weise und Form. Einige Rote auch. Schön, dass Sie da sind und sich beteiligen. Vielen Dank für das erste Feedback. Die zweite Frage in der Selbsteinschätzung. Glauben Sie, glaubst du ein realistisches Bild von Sex dabei zu haben? Okay, da sind schon viel mehr Rote auch dabei, also zum realistischen Bild. Auch wieder Doppelnennungen. Jein finde ich ist immer auch eine legitime Antwort. Okay, Dankeschön. Die dritte Frage ist, begegnet dir das Thema Sexarbeit im Alltag, in Medien, in Gesprächen oder anderen Kontexten? Also wirklich in deinem Alltag? Jetzt ist in Linz gerade medial wieder was durchgekaut worden, da könnte man sagen, das ist schon Alltag, ja? Okay, sehr durchmischt, sehr durchwachsen. Eine Frage, die mich selber sehr beschäftigt und deswegen habe ich sie jetzt auch mit aufgenommen, das letzte Frage, hast du, haben Sie heute schon eine klare Meinung oder eine kleine Positionierung zum Thema, die du auch gut formulieren könntest? Ja, auch, ja, eine ist immer okay. Vielen Dank, das gibt uns schon ein bisschen Feedback und auch hier im Saal, wenn ihr euch gegenseitig angeschaut habt, ich bemerke gerade, ich wechsle total viel zwischen Sie und Du, ich gehe jetzt ganz stark aufs Du über, weil wir haben einen Austausch auf Augenhöhe vor. auf Augenhöhe vor. Währenddessen, Ruby, bitte setz dich. Ja, nimm schon mal Platz. Draußen gibt es vom Fürstlberg einen Buchtisch, also man darf nachher gerne einkaufen gehen. Ruby wird dort sitzen und auch noch mal zur Verfügung stehen für die eine oder andere, für das Gespräch oder für Signatur. Wir wollen gemeinsam in einem Austausch treten und von Seiten der Veranstalterinnen, dem Frauenbüro der Stadt Linz war wirklich das Bemühen zu sagen, vielleicht gehen wir alle heute mit einem neuen Gedanken oder mit einer neuen Idee hinaus und dafür wäre ja die Voraussetzung, dass wir uns gut zuhören. Auf das werde ich gut achten. Das könnte auch sein, dass ich mit einem stechenden Blick einmal in ihre Augen schaue, selbst wenn es die Augen von Ruby sind und versuche mit Blicken zu kommunizieren. Es reicht, weil ich schaue auf die Verteilung der Redebeiträge auch und dass wir um 20 Uhr pünktlich fertig sind. Oder ich falle vielleicht auch mal ins Wort und sage, vielen Dank, dann bitte nicht böse sein, aber um meinen Moderationsauftrag gut umsetzen zu können, sind das auch meine Werkzeuge gelegentlich. Genau. Gut, und die gelten Zettel, die Sie in den Kuverts haben, dürfen Sie, müssen Sie aber nicht verwenden. Einfach auch, wenn Sie anonym was rein, oder wenn du anonym was reinschreiben möchtest, oder dich bemerkbar machen möchtest. Es gehen jetzt dann Kolleginnen aus dem Frauenbüro durch mit den Boxen, genau da kann man was reinschmeißen. Da hat sich jetzt vielleicht während der Lesung schon was ergeben. Wir schauen mal, wie sich das gestaltet und aufzeigen und sich melden. Moderierend geht natürlich dann auch. Aber jetzt schauen wir mal, wer die Gäste bei uns hier oben sind. Ich darf vielleicht von der Anreisedistanz als erstes die Leiterin der Infostelle PIA aus Salzburg zu mir bitten. Sie ist Aktivistin in Selbstvertretungen und Netzwerken und auf nationaler und vor allem auch auf internationaler Ebene. Einen großen herzlichen warmen Applaus für Christine Nagel aus Salzburg. Neben Hamburg ist sozusagen der zweitweiteste Anreiseweg. Und jetzt noch drei Linzerinnen, also da gehe ich einfach von der Reihe nach, jetzt wie ich sie anschaue. Die Beratungsstelle Lena, für Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind und erwahren. Sie ist die Stellenleitung der Beratungsstelle Lena und das seit über 25 Jahren so engagiert. engagiert. Ich dürfte einmal Ihre Praktikantin sein, das muss ich wiederverwenden, weil dieser Full-Circle-Moment für mich ist und weil ich Sie als Mensch so sehr schätze und wie Sie so langjährig zu diesem Thema steht und oft damit so wenig Aufregung, aber so viel Klarheit und so pointiert und herzlich willkommen Elke Welser. So schön, dass du da bist. Applaus Team von MAIS. MAIS ist ein Verein, der auch nicht mehr wegzudenken ist, den es seit ganz vielen Jahren in Linz gibt und da sich für die Rechte und Partizipation von Migrantinnen einsetzt und sicher auch diese Verbindung von Migration, Kolonialisierung, struktureller Gewalt, da denkt man MAIS und da denkt man auch an dich. Herzlich willkommen Letizia Canero, schön, dass du da bist. Auch aus Linz und last but not least noch mal zu mir, bitte Eva Schobisberger, der Stettin. Das baut sich doch wunderschön auf. Sehr schön. Ich habe mir gedacht, ich wähle eine zum Aufwärmen und auch für euch zum Einstimmen eine kleine Einstiegsfrage, die ich euch allen zugleich stellen möchte. Und bitte auch gerne ein bisschen Zeit zum Sinieren und Nachdenken verwenden. Und zwar ist ja, das ist ja so viel Expertise und auch so viel Erfahrung und auch so viel Meinung hier am Podium. Und dennoch würde es mich interessieren, was war oder wann war der letzte Moment, wo auch du etwas Neues zum Thema Sexarbeit gelernt hast? Und sei es auch nur so klein. Wann war das letzte Mal, wo du einen neuen Gedanken gefasst hast, eine neue Perspektive dazu genommen hast? Vielleicht war es auch heute Abend, wer weiß. Rubi, dich zieht's hin, bitte. Also tatsächlich, wirklich gestern, ich forsche gerade oder darf gerade in Frankfurt am Main eine Studie mit zwei weiteren WissenschaftlerInnen durchführen. Da geht es um die Situation von Sexarbeitenden in Frankfurt am Main. Und wir führen also qualitative Interviews mit Menschen in der Sexarbeit und jedes Mal lerne ich was dazu, obwohl ich bestimmt schon mit sehr vielen Menschen im Feld Berührung hatte, Kontakt hatte. Aber es ist wirklich immer etwas Neues dabei, die Art der Arbeit, wie zum Beispiel auch Kundinnen gewonnen werden und das ist jedes Mal ausgesprochen lehrreich für mich. Das Mikro einfach weitergeben, ich würde jetzt gerne reihum machen. Christina, bist du schon soweit? einfach weitergeben. Ich würde jetzt gerne reihum machen. Christina, bist du schon soweit? Ja, also ich meine, es gibt so ein Sprichwort, man wird so alt wie eine Kuh und lernt noch immer was dazu. Es gibt jeden Tag was Neues, denke ich mal, und es gibt jeden Tag Herausforderungen, aber es gibt auch, mich überrascht auch immer wieder, wie du vorher in deinem Buch geschildert hast, welche Haltungen Menschen haben und das verschärft sich momentan bei mir zurzeit. Also dass Menschen einfach so vorgefertigte Meinungen haben und ich sage dann immer zum Trost, beruhigen Sie sich, Prostitution, sage ich dann ganz absichtlich zu solchen Menschen, ist nicht ansteckend. Und eben dieses Skandalisieren und so und diese verschärfte Haltung, finde ich, die wird vor allen Dingen von Tag zu Tag mehr. Und ich denke mir immer, mehr geht nicht, aber es wird jeden Tag noch ein Quäntchen draufgelegt. An Rassismus, an Diskriminierung, an Stigmatisierung und auch an Hurenhass. Ich nehme jetzt dieses Wort ganz absichtlich. Also du lernst auch neue Sachen, die du lieber nicht lernen würdest. Ja, wirklich. Deshalb nehme ich das jetzt gleich zum Anlass und sage schon mal danke, dass wir hier überhaupt sein dürfen, dass ich eingeladen wurde und dass das Frauenbüro auch in Zeiten wie diesen sich das auch traut. Danke. Ja, dann mache ich weiter. Also auch von mir nochmal ein Danke ans Frauenbüro, aber auch an die Frauenstadträtin, dass wir hier sitzen dürfen und dass diese Veranstaltung zustande gekommen ist. Was ich hier einbringen möchte, ist schon wieder die Stigmatisierung, die ich erlebe, weiterhin erlebe, der Sexarbeitende unterworfen sind und zwar auch über das Ende ihrer Tätigkeit vielleicht hinausgehend. Also wir führen ja auch bei jeder den Zusatz oder gearbeitet haben und das nicht ohne Grund und das begleiten wir auch immer wieder. Also Stigma ist nicht nur kränkend und verletzend, es ist auch höchst gefährlich. Weil wir durchaus erleben, dass es hier zu Cybergewalt kommt, zu Erpressung. Aufgrund dessen, dass man Sexarbeiterin ist oder war. Und das macht mich auch weiterhin sehr betroffen, dass das funktioniert in unserer Gesellschaft. Und da müssen wir uns alle halt an der Nase nehmen und das verändern. Also das Ostende geleitet hier in Linz, war auch Sexarbeiterin in Linz. Frau Eva ist leider schon verstorben, aber sie hat zum Beispiel ein Magazin herausge war sie Vorreiterin, sie wurde stark bekämpft. Sie ist so mit 72 Jahren verstorben, einsam in einem Dorf in Niederösterreich und ich habe sie noch ein paar Mal besucht und auch sie war vom Stigma. Also Frau Eva konnte man nicht beschämen, also die war da wirklich immun. Aber es hat sich jemand in diesem Dorf einst erkannt, das ist die Frau Eva doch von früher. Das ist doch die Frau Eva, die doch jeder in Österreich kannte. Und niemand von dem Dorf hat dann mehr geredet mit ihr. Und das ist ihr passiert an die 70 Jahre. Und das hat mich auch sehr betroffen gemacht. Also es geht immer weiter, diese Stigma, diese Ausgrenzung, die auch sie noch erleben musste. Leider. Ja, genau. Letizia, was war dein letzter Moment oder Erinnerung, wo du sagst, du hast wieder etwas Neues dazugelernt, auch wenn du schon so viel weißt und Erfahrung hast? Also ich möchte mich auch im Namen von Mais beim Frauenbüro bedanken und bei euch allen für diese tolle Arbeit. Ich sehe mich nicht als Expertin. Wir sagen immer so, die SexarbeiterInnen sind die Expertinnen. Ich habe an zwei Dinge gedacht. Ein Ding vielleicht klingt wie ein Klischee, aber ich lerne und ich würde sogar sagen, es geht um Verlernen, weil wir haben so viele Annahmen und bei dieser Arbeit und in der Zusammenarbeit mit SexarbeiterInnen sehe ich, wie ich auch mit meinen Annahmen Denkfehler habe, blinde Flecken habe und das ist sehr, also das passiert oft. Heute, jedes Mal, wenn ich Kontakt zu SexarbeiterInnen habe. Und das Zweite, es ist vielleicht schon etwas, ich weiß nicht, ich denke an eine philosophische Ebene, Ich weiß nicht, ich denke an eine philosophische Ebene. Aber ich habe sehr oft gesehen, wie wir, wenn wir ins Gespräch über Sexarbeit gehen, sehr oft wollen wir zuerst gegen Gewalt sprechen. Aber ich habe mir dann gedacht, es geht sehr oft um Dichotomien, Gewalt, Selbstbestimmung und die Frage, und ich habe leider keine Antworten, die ich mir in der letzten Zeit gestellt habe, ist, wenn wir das machen, wenn wir immer wieder diese Dichotomien reproduzieren, reproduzieren wir nicht auch diese, verstärken wir nicht diese Diskursen, die SexarbeiterInnen zum Beispiel unterdrücken. Eva, Schlüsselmomente, wo du sagst, okay, du hast wieder etwas Neues, eine neue Perspektive, neue Informationen für dich erworben, dazugewonnen? Ja, das habe ich eigentlich immer, wenn ich mich mit dem Thema beschäftige. Also da lerne ich jedes Mal etwas Neues dazu oder sehe einen neuen Aspekt, so wie heute neue Abgründe, wie Kolleginnen reagieren können. Also das mit den Zähnen schockiert mich immer noch. Also das gibt es ja gar nicht. Oder dass wer sowas so ist. Ja, ich beschäftige mich mit dem Thema schon seit dem Studium. Ich habe Jus studiert und da im Studienschwerpunkt Frauenrecht gemeinsam mit Elisabeth Greif, die ich vorhin schon gesehen habe, da beim Studium mit dem schon gesehen habe, beim Studium mit dem Thema, also damals beim Studium mit dem Thema und vor allem mit den rechtlichen Aspekten, den diskriminierenden Aspekten und den fehlenden Rechten auseinandergesetzt. Aber nichtsdestotrotz vergeht eigentlich kein Gespräch mit dir, Elke, oder mit irgendjemandem von euch, wo dann nicht für mich trotzdem wieder ein neuer Aspekt auftaucht, mit dem ich mich noch nicht auseinandergesetzt habe. in der Schieflage der Geschlechterverhältnisse aufmacht und so viele Abgründe aufmacht im Denken und dem, was sie Menschen an Bewertungen anmaßen. Und auch jetzt gar nicht so wertend von meiner Seite, was einfach in Köpfen passiert, wenn man unreflektiert einfach Dinge wahrnimmt, die man halt liest und hört und sieht, wenn man in dieser Gesellschaft aufwächst. Also ich glaube, dass das wirklich unglaublich arg viele Facetten und Aspekte hat und ich lerne ganz sicher jedes Mal etwas Neues, wenn ich mich mit dem Thema beschäftige. Ich darf bei dir noch nachhaken, weil jetzt auch am Podium der Dank an dich ergangen ist. Du bist über Studium ins Thema reingewachsen. Die Frage, die sich mir doch auch stellt, ich glaube 99,8 Prozent aller PR-Beraterinnen würden dir sagen, lass die Finger von dem Thema. Warum bleibst du dran? Also das eine ist im Studium reinzutauchen, aber warum dran zu bleiben, auch in der Funktion? Ja, weil es einfach wichtig ist. Das haben wir heute schon gehört, wie arg ungerecht unsere Gesellschaft da ist. Und das wäre ein Wahnsinn, wenn man da nicht trauen bleibt, aus meiner Sicht. Also das würde ich nicht aushalten. Und ich glaube, wenn der Tag kommt, wo ich mir denke, das ist jetzt zu unangenehm für mich, also in der privilegierten Situation, dann ist der Tag erreicht, wo ich meine Arbeit aufhören muss. Danke dir für die Stellungnahme. Stellungnahme. Christine und Rubi, euch beiden, ihr seid ja, das hat mir Rubi auch im Vorgespräch kurz geschildert, ihr seid auch vernetzt auf internationaler Ebene. Ich würde euch jetzt gerne noch einmal ein bisschen um die Schilderungen bitten. Was tut sich da, was kann man da vielleicht zusammenfassend auch ein bisschen erklären, auch wenn wir viele grüne Karten hier oben hatten, mit dem Vorwissen, trotzdem gibt es ja eine Zusammenfassung von euch oder auch so Hinweise und währenddessen, ich euch damit das Wort gebe, euch beiden, würde ich nämlich gerne parallel schon mal bitte schauen, was auf Kärtchen geschrieben wurde und dann unterstützt ihr mich, dass ich da ein bisschen zur Seite schauen kann, währenddessen ihr was zur internationalen Ebene erzählt. Ja? Ich fange jetzt einmal ein bisschen persönlich an. 2019 war ich in einem Netzwerk, 2018, 19, 20, das heißt TAMPEB. Und TAMPEB, da war ich im Vorstand, hat mir ermöglicht, dass ich irrsinnig viel gereist bin. Da war ich im Vorstand, hat mir ermöglicht, dass ich irrsinnig viel gereist bin. Ich habe bei einer finnländischen NGO ein bisschen mitgearbeitet, bei Protokopisten. Ich war bei der ersten und letzten schwedischen Sexarbeiterinnenkonferenz. Und ich hatte die wunderbare Gelegenheit in, war es in Hamburg oder in Berlin? War es gar nicht in Hamburg? Berlin, einen Vortrag das hat das Hamburger Gesundheitsamt organisiert, über die internationalen Bewegungen, über Gesetzeslagen zu berichten und ich habe im Vorfeld wirklich, da ging es eben um das Sexkaufverbot und schwedisches Modell, wie es immer genannt wird. Und ich habe aus jedem Land mit Selbstorganisationen, mit Beratungsstellen, mit Politikerinnen und so weiter gesprochen und habe da einen Vortrag draus gemacht. Und in der ersten Reihe saß eine Person, die alles mitgeschrieben hat und ich habe mir gedacht, Mensch, das ist sicher eine Journalistin. Und so haben wir uns kennengelernt und das war Ruby. Und so kann man sich täuschen. Also Bilder. Also ich habe nichts mit Handtasche und Zähne im Kopf gehabt. Und die hat mir gedacht, das ist eine Journalistin. Und daraus hat sich eigentlich eine total befruchtende, wunderbare Freundschaft entwickelt, auf die ich recht stolz bin. Und jenseits dessen bin ich jetzt gar nicht mehr international so aktuell bewandert, aber das gebe ich dann weiter an dich. aber das gebe ich dann weiter an dich. Also ich bin auch im Bufass dabei, in Deutschland sind so die Bewegungenenöffnend, dass da jemand mal eingeordnet hat, woher kommt eigentlich diese Idee mit dem Sexkaufverbot. verstanden, um was es da eigentlich geht und so. Und deswegen finde ich das auch nicht verwerflich, wenn hier vorhin Menschen im Raum gesagt haben, naja, also vielleicht kenne ich mich auch nicht so gut aus. Ich finde es mutig und ich glaube, wir brauchen alle auch einen Mut zur Lücke zu sagen, wir können nicht alles wissen. Und ich habe im Buch halt so ein bisschen auch den Rückblick gemacht und habe mich gefragt, wie konnten wir eigentlich dahin kommen, wo wir heute sind, wo wir eine Regelung wie die Kriminalisierung der Nachfrage, also das sogenannte schwedische, nordische Modell Sexkaufverbot, das sind so die Begriffe, die dafür im Raum sind, wie das eigentlich in sehr vielen europäischen Ländern zu so einer Kampagne werden konnte. Und da spielen verschiedene internationale Entwicklungen eine Rolle und ein Treiber war die Pandemie. Das muss man wirklich sagen. Also die Covid-19-Pandemie hat den Ansatz dessen einfach wirklich nochmal verstärkt und einfach durch die Art und Weise, was da mit unserer Kommunikation, mit der Politik passiert ist, mit dem Aufkommen, nicht Aufkommen, aber der Zunahme von Verschwörungserzählungen und so, also Desinformation, Faktenbefreitheit, all das, das hat wirklich dieser Bewegung für die Welt ohne Prostitution so richtig Luft unter die Flügel gegeben. angesichts dieser weltumfassenden Pandemie, dass dann zum Beispiel eine christlich-fundamentalistische Predigerin sich auf YouTube setzte und sagte, die Frauen blühen jetzt alle auf. Und sie meinte, die Menschen, die in Bordellen nicht arbeiten durften, teilweise, ich rede von Deutschland, ich denke in Österreich wird es ähnlich gewesen sein, gestrandet waren, nicht ins Heimatland oder nach Hause fahren konnten, weil das einfach nicht möglich war. Über Monate hinweg, die keine Einkommensquelle hatten, auf Unterstützung Almosen im Prinzip angewiesen waren. Und sie sagte, ja, jetzt blühen sie alle auf. Und das ist so ein bisschen in a nutshell, was eigentlich auch mit dem Diskurs in dieser Zeit passiert ist. Es wurde extrem skandalisiert und emotionalisiert. Und von dem politischen Klima. Und gleichzeitig will ich auch sagen, es ist nicht immer alles nur Trist. entkriminalisiert, Sexarbeitende entkriminalisiert. Merkt ihr, mir passiert es auch. Prostitution, Sexarbeit statt über die Menschen zu reden, die es betrifft. Und das hat dazu geführt, dass dieses Land jetzt, ich weiß nicht wie viele Gesetze, aber es sind zahlreiche, hat anfassen müssen, um die zu verändern, um Sexarbeitende rechtlich gleichzustellen mit einfach ganz normalen anderen Menschen, die in Belgien auch leben. Und das ist so eine Entwicklung und wir sehen halt, dass zum Beispiel im Stockkonservativen in den USA, in einigen Bundesstaaten etwas in Bewegung kommt, zum Beispiel da eben halt auch zu entkriminalisieren und die Gesetzgebung in den Bundesstaaten, in den USA nochmal anzufassen und zu verändern. Und das macht auch Mut. Das will ich wirklich dringend sagen, weil wir brauchen auch andere Erzählungen als diese Leidenserzählung. Denn eigentlich, und damit bin ich jetzt auch gleich zu Ende, haben wir, wenn wir zurückblicken, du hast es vorhin gesagt, Wenn wir zurückblicken, du hast es vorhin gesagt, 1975 sind die Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter nach Saint-Nezier und haben die Kirche besetzt in Lyon. Und da haben sie halt schon etwas gezeigt, das ist diese Resilienz, diese Stärke, diese Widerstandsfähigkeit, die Sexarbeiter da auch haben, sich auch trotz widriger Umständen zu behaupten und dort einfach nicht mehr mitzuspielen. Und deswegen glaube ich, dass wir müssen ein bisschen zurückschauen, analysieren und sammeln, aber es gibt auch Dinge, an die wir anknüpfen können und Dinge, auf die wir schauen können, die uns Mut machen. Danke euch beiden. schauen können, die uns Mut machen. Danke euch beiden. Ich darf von den Kärtchen einige Themen, Hinweise, Fragen gesammelt vielleicht auch an Letizia und Elke an euch weiterreichen. Und zwar geht es jetzt sozusagen von der internationalen Ebene ganz runter auf den Alltag, auf das Praktische auch. Auf einem Tärtchen steht oben, Rubi, du schaust so jung aus. Ja. Aber ich würde es jetzt abstrahieren und ableiten. Die Sorge und Angst um die Zukunft, um Absicherung, finanzielle Absicherung. Was ist mit Krankheit und Arbeitsunfähigkeit genau. Oder auch das Thema des Alltags, wir haben heute gehört, auch der Ausschluss von Versicherungen und ähnlichen Dienstleistungen, wie erlebt ihr das in der Beratungspraxis, was sind so konkrete Beispiele für Sexarbeitsfeindlichkeit. Beispiele für Sexarbeitsfeindlichkeit. Das ist nämlich auch auf einem Kärtchen oben gestanden, das verstehe ich nicht, was ist das? Und ich denke, vielleicht können wir es verknüpfen mit so ganz praktischen Beispielen, wenn ich das an euch beide weitergeben darf. Und vielleicht, Elke, du sitzt schon in der Mitte, du kannst immer zwischen links und rechts auswählen, aber Letizia, bitte dieses Mikro, sonst wird es schwierig. Okay, ich denke mal das Thema prinzipiell Sexarbeitsfeindlichkeit möchte ich schon wieder an die Ruby geben, weil sie das auch selbst da erlebt und mir ist es auch wichtig, dass man Sexarbeiterinnen sprechen lässt, wenn sie den Mut haben, auf die Bühne zu gehen. Ich verstehe es total, dass es hier nicht viele dazu gibt, aber wir müssen das fördern, solange es es gibt. Was ich herausgreifen möchte, weil du die Banken angesprochen hast und du hast das auch in deinem Buch angesprochen, wir haben das auch in Linn schon gehabt und begleitet, schon vor Jahren, dass wir Klientinnen hatten, die gesagt haben, ich kriege bei der und der, es waren verschiedene Großbanken, kein Konto. Sie sind neue Selbstständige, sie brauchen also ein Konto, wenn sie ihre Bankgeschäfte abwickeln möchten. Und als Selbstständige wollte sie zum Beispiel da auf der Landstraße, das kann mich noch an den ersten Fall erinnern, ein Konto eröffnen. Und diese Großbank, diese Filiale einer Großbank, sie wurde begleitet von den Kolleginnen, von einer Sozialarbeiterin und man sagte ihr dort, sie könne kein Konto eröffnen. Sie gab auch ganz oft an, dass sie Sexarbeiterin ist und so ihr Geld verdient und sie könne keins eröffnen. Und dann wurde die Filialleiterin geholt und die Filialleiterin sagte, für Menschen wie sie haben wir hier kein Konto. Also meine Kollegin hat das alles bezeugt. Wir sind dann bis zur Direktion gegangen dieser Bank. Und für Linzer jetzt ist das, glaube ich, jetzt spricht das für sich, dass diese sexarbeitende Person, er wurde dann zugesprochen, dass die BDR Bank in Kleinmünchen doch ein Konto eröffnen könnte. Kann ich für Rube dazu erklären, dass das doch regional etwas weiter weg ist als die Landstraße im Zentrum? Genau, also nicht im Zentrum und die Sexarbeitende sprach Spanisch, also sie war aus einem spanisch sprechenden Herkunftsland und man sagte ihr, sie soll doch in Kleinmünchen das Konto eröffnen, ein Stadtteil von Linz, der dafür auch bekannt ist, dass er einen größeren Migrantenanteil hat. Also das war eigentlich die doppelte Diskriminierung da drinnen. Und so ging es irgendwie weiter. Man sagte dann, also wir haben uns wirklich bemüht, dass wir hier dann mehr Info von diesen Banken bekommen. Und man sagte, der Grund sei eigentlich die Geldwäsche, also man müsse dem nachgehen und da gibt es einen Verdacht auf Geldwäsche und dann könnte man ein Konto ablegen. Ja, das stimmt. Individuell kann man das tun als Bank. Aufsicht noch erkundigt. Damals ist es schon zig Jahre her, ob wir da was mitbekommen, dass jetzt die Geldwäsche hauptsächlich da in der Sexarbeit oder von Sexarbeiterinnen ausgeheert, dass man das pauschal dann sagt. Und die haben bestätigt, dass es gibt schon Geldwäsche und es gibt ja auch ein Art Ranking. Und Nummer eins wollen eigentlich Unternehmensberater innen. Das ist schmerzhaft, das ist mein Gewerbe. Es ist uns also weiterhin nicht geglückt, dass wir das, trotzdem, dass die Direktion von der Caritas auch mit den Direktionen sprach, es ist uns nicht geglückt, dass das wirklich entfernt wurde, sondern das gibt es heute noch, punkto Banken. Darf ich da nochmal konkretisieren, jetzt habe ich auch ein bisschen mehr Zeit gehabt, da reinzulesen. Also ich glaube, da interessiert auch wirklich jemanden ganz praktisch, du hast es jetzt gesagt, neue Selbstständige, genau, also wie zahlt man Sozialversicherung, Steuern, genau, wie funktioniert der rechtliche Rahmen, das wäre so das Interesse, soweit ich das rauslesen kann. Ja, ich kann aus unserer Erfahrung bei MAIS ein bisschen erzählen, was wir gesehen haben. Ich arbeite in diesem Bereich seit sieben Jahren und eigentlich dann zwei Jahre in der Pandemie, wo es total schwierig war. Hier wurde schon ein bisschen erzählt, weil die SexarbeiterInnen zum Beispiel, sie haben fast keinen Anspruch, oder fast alle eigentlich haben damals keinen Anspruch auf Sozialhilfe, dieser Härtefall, von dem damals die Regierung gesetzt wurde. Und viele waren da gestrandet, sie sind da geblieben und durften nicht arbeiten. Was wir sehen in der Beratungsstelle ist sehr oft aufgrund der Prekarität und damit will ich nicht pauschalisieren und sagen, dass alle unter prekären Arbeitsbedingungen arbeiten oder dass überall Prekarität herrscht, aber die Mehrheit sind Migrantinnen und dabei geht es um intersektionale Gewalt, so strukturelle Gewalt, die sie betreffen und viele, seitdem wir in einer wirtschaftlichen Krise, ich weiß nicht, ob ich das sagen kann, aber wir sehen, dass in den letzten Zeiten viel schwieriger geworden ist, dass mit Versicherung, mit Steuern sehr schwierig ist für sie, weil aufgrund von verschiedenen Barrieren, auch Sprache, Barriere, dass einige Menschen sehr mobil sind und dann nicht die ganze Zeit in Österreich bleiben. Und damit man zum Beispiel eine Steuererklärung machen kann, braucht es dann, es gibt immer zusätzliche Kosten, weil nicht immer können wir diese Unterstützung anbieten. Es geht um dieses Fachwissen, das wir zum Beispiel in Maiz aufgrund von Ressourcen oder fehlenden Ressourcen auch nicht anbieten können. Und sehr oft denke ich, dass es um diese unmittelbare Existenz geht. Ich brauche das für meine Familie, ich brauche Geld. Das, was ich kriege, ist nicht genug, reicht nicht für ein gutes Leben zu führen. Ich weiß nicht, ob du etwas ergänzen wolltest. Aber was wir gesehen haben, ist, dass es seit ein paar Jahren vor allem ist es viel schwieriger geworden, sogar diese Verdienst zu bekommen, damit man sich im System wirklich sein kann. Christina? Für die Ausnahmesweise noch etwas dazu ergänzen. Also ich glaube, wir müssen da schon ein bisschen ins Gesetz schauen, Also ich glaube, wir müssen da schon ein bisschen ins Gesetz schauen, dass Sexarbeitende wirklich unabhängig agieren können. Nachforderung von der SVS bzw. Finanzamt in 30.000, 40.000 Euro Höhe hatten für die letzten paar Jahre. Die Bescheide wurden in den Betrieb geschickt, aber die Person hat das selber nicht zugestellt bekommen. Ein dem Betreiber befreundeter Steuerberater hat diese ganzen Steuerabwicklungen gemacht, hat von den Personen widerrechtlich auch Schwarzgeld einkassiert. Und diese wunderbaren Sexarbeiterinnen, die auf mich zugekommen sind, haben mir dann gesagt, ja was macht man jetzt, jetzt können wir eine Wiederaufnahme beantragen. Ihr habt aber sicher keine Aufzeichnungen. Na freilich und Belege haben wir auch, die sind mit so einer dicken Mappe gekommen, dass ich mich als Sozialarbeiterin schon geniere, weil Belege ganz schlecht bei mir und die haben wirklich alles, ich habe gedacht, das gibt es überhaupt nicht, Taxirechnung, Eintritt für den Betrieb und dem Steuerberater haben sie sogar bestätigen lassen. Dann habe ich gesagt, so und jetzt darf man noch bilanzieren. wurde nahezu eine Nullrunde, beziehungsweise der Steuerberater hat sich dann doch bemüßigt gefühlt, das Geld, was angeblich auf irgendeinem Konto angelegt war, nur nicht beim Finanzamt, dann doch ans Finanzamt auf die Steuernummer der Person rückzuüberweisen. das zu machen, aber es hat wirklich die Tätigkeit von den Stunden einer Beratungsstelle gesprengt, beziehungsweise ich habe da noch ein bisschen einen Pluspunkt, weil mein Sohn ist Steuerberater und der hat mir schon im Vorfeld einmal erklärt, wie man das macht oder wie ich die Frauen unterstützen kann, dass sie das selber machen und die haben das wirklich zicke zacke toll gemacht, dass sie das selber machen und die haben das wirklich zicke zacke toll gemacht, nur sie haben halt geglaubt, sie sind gut aufgehoben, weil dieser Steuerberater gleichzeitig der Steuerberater vom Bordellbetreiber ist und der wirklich fürs Jahr 2020 bei einer Person, ich nehme das jetzt als Beispiel, von nahezu 20.000 Euro Gewinn beim Finanzamt angegeben hat, wo die Person zehn Monate gar nicht in Österreich war, weil wir einen Lockdown gehabt haben. Wir aber dann aus dem Melderegister das bescheinigt haben und so weiter und die Finanzbeamte, die das wieder aufgenommen hat, haben gesagt, das ist ja nahezu kriminell, die armen Frauen. Und das ist eine Geschichte, die jetzt belegt, aber diese Geschichten, die gibt es sicher, oder diese Fallgeschichten gibt es zu Hunderttausenden. Und wenn man als Sexarbeiterin Glück hatte, vor 2016 in Österreich ein Erbe antreten zu können, hätte man theoretisch gesehen wegen unzüchtigen Lebensmangel enterbt werden können und bitte, das war bis zum Jahr 2016. Also wir sind da noch in vielen Bereichen relativ weit hinten. Die gute Sozialarbeiterin holt sich die Infos, die sie braucht, oder? Aber sie braucht auch die Ressourcen. Ich bin keine Sozialarbeiterin, aber ich bin nichts Besonderes, aber ich weiß überall ein bisschen was und das ist scheinbar manchmal ganz gut. Und ich bleibe überall dran, genauso wie die Kolleginnen in den anderen Bundesländern und ganz, ganz, ganz, ganz wichtig ist, dass wir bundesländerübergreifend zusammenarbeiten können und dass es dazu die dementsprechenden Förderungen gibt, weil das müssen wir wirklich haben und dass alle Beratungsstellen, die eine anerkennende Haltung haben, wirklich unterstützt werden müssen. Also das ist kein ehrenamtliches Engagement, das ist professionelles Engagement, das ist kein ehrenamtliches Engagement, das ist professionelles Engagement, das ist Arbeit. Und für diese Beratungsstellen, für diese NGOs braucht es Ressourcen und Finanzierung und da braucht es mehr, als jetzt da ist und gerade auch weniger wird noch. mal jetzt dann in den Saal hineinfrage, das Thema Sexarbeitsfeindlichkeit. Du hast auch in der Lesung so schön erzählt, du hast dann einen Begriff dafür gefunden und weil es auf den Kärtchen steht, was bedeutet das? Kannst du uns das nochmal ausführen und dann schaue ich nochmal direkt zu euch. Also natürlich, weil es ist echt total wichtig zu verstehen, dass genau das, diese Sexarbeitsfeindlichkeit die Gesellschaft auch durchzieht. Also das beginnt beim Sprechen und zwar, wo halt Frauen, weiblich gelesene Personen, aber auch Menschen, die gar nichts mit der Sexarbeit zu tun haben, wenn sie beschimpft werden, dann kommt die Sexarbeitsfeindlichkeit zum Tragen, bei Begriffen wie Schlampe. Und ich belasse es dabei noch Hurenkind zu sagen, aber es gibt wirklich so viele Begriffe, die mit der Tätigkeit Sexarbeit, sexuelle Dienstleistungen, Sexualität verwoben sind. Und das Ganze bleibt natürlich nicht beim Sprechen. Sprechen ist ja immer ein Ausdruck dessen wie wir mit menschen verfahren was wir über sie denken und ob wir sie als gleichwertig erachten und da gibt es auch die individuelle ebene und ich mache es einfach ganz persönlich also wenn eine person und also ich bin ich date wenn wenn ich Menschen kennenlerne, dann lernen die mich kennen und wenn ich sage, was ich arbeite, bin ich entweder die Wunscherfüllerin im Schlafzimmer, auf die ganz viel projiziert wird oder ich komme nicht mehr in Frage für ein neues Treffen, für ein neues Date, für eine Beziehung. für ein neues Treffen, für ein neues Date, für eine Beziehung. Und in der Familie ist das auch nicht anders. Also meine Mutter weiß, was ich mache. Ich habe mich vor acht Jahren oder so, habe ich mich geoutet ihr gegenüber, weil damals hatte ich schon sieben Jahre in der Sexarbeit gearbeitet und ich war diese Lügen so leid. Immer irgendwas erzählen. Bei mir war es, ich arbeite im Kunsthandel. Ich habe Kunstgeschichte studiert und dann habe ich mir irgendwas gesucht, was dazu führt, dass ich viel unterwegs bin. Es hat eingeschlagen wie eine Bombe. Meine Mutter ist fast vom Stuhl gefallen. Und dieses, was ich vorgelesen habe, wie konnte es nur so weit kommen, das habe ich echt oft gehört. Von Freundinnen, von Familienangehörigen, wenn ich Kinder hätte, dann würde es auch eine Rolle spielen. Ich kenne viele Kolleginnen, die wirklich darauf bedacht sind, dass nichts durchsickert, weil die Kinder, die büßen das und die büßen das oft noch viel stärker als eine erwachsene Person, die halt auch schon gelernt hat, sich von diesem Hass zu distanzieren. haben wir jetzt auch schon genug gehört, nur ein letzter Punkt, die institutionelle Sexarbeitsfeindlichkeit, also die, die in Gesetze gegossen ist oder Verordnungen oder wo man sich in der Stadt aufhalten darf. Ich war gestern in Frankfurt, das habt ihr jetzt schon gehört, aber da war ein Graffiti in der Stadt, Stadt für alle. Und das löst in mir wirklich was aus, weil ich halt sage, es gibt eigentlich in jeder Stadt Verbotszonen. Bei uns heißt das in Deutschland Sperrgebiet oder Sperrbezirk und Skandal mit Rosi oder so. Aber das thematisiert das. Und diese Verbotszonen, die verfügen im Prinzip Raum in der Stadt und verwalten im Prinzip, wer darf sich wo aufhalten, wer wird in Deutschland leider immer mehr von KI-basierter Kameraüberwachung erfasst, wer wird auch racial profiled dadurch, Also weil eine Person sich auf eine bestimmte Art kleidet, eine bestimmte Hautfarbe hat, dann halt eben rausgezogen wird, befragt wird, anlasslos kontrolliert wird durch die Behörden. Bei Razzien ist das ein Fall. Stelle ich mich jetzt da vorne an die Straße und bahne an, ich weiß gar nicht, wie es in Linz wäre, ich muss mir vorher darüber Gedanken machen. Und die Frage, wo der Straßenstrich in einer Stadt gewesen ist oder heute noch existiert, das wird man in jeder Stadt, irgendeine Geschichte zu finden. Und wir müssen gar nicht nur bei heute bleiben, wir können auch gucken, wie war es denn früher. Also im Mittelalter mussten die dirnden und fahrenden Frauen, so hat das geheißen, sich vor den Stadtmauern aufhalten. Oder sie wurden aus den Städten ausgetrieben zu bestimmten Zeiten. Man hat sie auch stigmatisiert, weil man gedacht hat, sie haben den bösen Blick und sie seien verantwortlich für sexuell übertragbare Krankheiten. Und all das führt dazu, dass ein Abstand im Kopf und räumlich aufgebaut wird. Und das sind ein paar Beispiele für Sexarbeitsfeindlichkeit. Aber sie begegnet uns auch in Arztpraxen, sie begegnet uns auf der Bank, haben wir gehört. Also ganz klar, das ist ein Thema, ich könnte ewig, ich könnte den ganzen Abend darüber reden, aber es ist sehr belastend. Gut, ich darf zu euch schauen. Gibt es jemand? Ja, hier, eins, zwei, drei, vierte Reihe, bitteschön. Hallo. Der ist irrsinnig laut. Wahnsinn. Hallo, ich bin die Astrid, bin selbst Sexarbeiterin. Wir kennen uns eh schon vom Respekt für Sexarbeiterinnen-Themenabend. Ich wollte mich erstens einmal bedanken für die tolle Lesung und für die Veranstaltung. Und dann wollte ich zu dem Punkt mit Steuerberatung und Steuern und so auch noch dazu sagen, es ist auch problematisch oft für Sexarbeiterinnen einfach SteuerberaterInnen zu finden, die sie überhaupt betreuen und ich bin auch aktivistisch tätig und ganz viele Anfragen sind, kennt ihr SteuerberaterInnen, die uns nicht von vornherein ablehnen oder wo wir uns erst einmal depperte Geschichten anhören müssen, damit die uns beraten und das ist halt problematisch, weil wenn ich jetzt Deutsch nicht muttersprachlich spreche und dann meine Steuern selbst veranlagen muss und dann möchte ich mir Hilfe suchen, aber ich bekomme diese Hilfe nicht, dann wird es halt ungleich schwerer, Steuern zu zahlen und dann kommt das Klischee, wir arbeiten alle schwarz. Also manche machen es, weil es einfach fast nicht möglich ist, es richtig zu machen. Also manche machen es, weil es einfach fast nicht möglich ist, es richtig zu machen. Das ist das Erste. Dann wollte ich noch ein, zwei kurze Beispiele zu Sexarbeitsfeindlichkeit, weil ich habe auch eine Mutter, die mir mal gesagt hat, sagst du eh niemandem, was du arbeitest? Und ich so, oh ja, warum? Sie sagt, sie kannst du nicht sagen, du bist arbeitslos. Und das ist ein Mensch, der mich liebt. Und die wird mich jetzt nicht deswegen verstoßen. Diese Angst habe ich nicht, aber trotzdem ist es etwas Verletzendes und das ist halt was, was auf emotionaler Ebene für Sexarbeiterinnen oft ganz schwierig ist, dass auch im Umfeld die Wertung ist und dass man immer aufpassen muss, wem kann ich was erzählen. Und dann noch ein Fall von Dating. Ich hatte erst letztens auf OkCupid, da steht offen, ich bin Sexarbeiterin, OkCupid Matches bekommen 100% Rabatt. Ende der Diskussion. Einfach klar ist, dass ich dort privat bin. Dann schreiben mich Menschen an und das erste so, willst du wirklich kein Geld haben? Versprichst du mir das? Du hast dich gerade disqualifiziert. Letztens schreibe ich eine Woche mit einem total netten Typen, einen Tag vorm Date schreibt er, du hast irgendwie geschrieben, dass dir Küssen wichtig ist. In Anbetracht deines Jobs kann ich mir das nicht vorstellen. Sex ist okay, aber Küssen nicht. Und das ist was, und ich bin relativ abgebrüht und mir ist relativ viel wurscht, aber ich war so verletzt und so fertig. Und dann habe ich mir gedacht, so, nein, also einfach wieder aufstehen, weitermachen. Aber es ist was, was vielleicht trivial wirkt, aber diese emotionale Ebene, wo wir mit Hass oder Feindlichkeit konfrontiert sind, ist auch immer wieder etwas, womit wir täglich auch leben müssen, im Umfeld und im Privaten. Danke, Astrid. Heute wird nicht geschwiegen. Ruby, du hast kurz über das Schweigen dazu gesprochen. Danke, dass du nicht schweigst, Astrid, dass du dich so ausführlich zu Wort gemeldet hast. Da hat noch jemand ein Mikrofon. Bitteschön. Hallo, mein Name ist Nina. Ich bin auch Sexwerkerin. Ja, also meine Mutter hat auch gesagt, ich bin eine Schande. Und sie ist über 80 Jahre, mittlerweile hat sie es, glaube ich, wieder vergessen, was ich mache. Ich bin offiziell Kellnerin. Mein Vater hat das nicht erfahren, er ist schon verstorben. Aber er war sehr konservativ. Ich glaube, er hätte mich enterbt, um nicht zu sagen, in die Psychiatrie geschickt. Und Sexarbeitsfeindlichkeit bedeutet für mich, dass ich, ich mache auch beruflich andere Dinge, dass ich diesen Teil von mir, der auch viele Jahre mittlerweile ausmacht, immer verstecken muss. Ich habe einen offiziellen Lebenslauf, da scheint das nicht auf. Ob privat oder beruflich, ich passe immer auf, was ich sage. Es ist ein Doppelleben und ich kann einfach nicht sagen, was ich gestern gemacht habe oder so. Ich muss zuerst überlegen, welche Person ist das jetzt? Bin ich vor dieser Person geoutet oder nicht und wenn ich vorher nicht geoutet bin, dann passe ich auf, was ich sage, weil ich eben nicht, meine Kollegin hier ist geoutet, ich habe im Gegensatz zu ihr nicht die Kraft dazu, mich mit diesen ganzen Vorurteilen herum zu, dagegen anzukämpfen und also entweder man ist geoutet und kämpft dagegen an und hat die Kraft oder man ist eben nicht geoutet und in meinem Fall ist es halt so, dass es ja sozusagen zwei leben parallel und das eine soll möglichst mit dem anderen nicht in Berührung kommen. Das eine ist gesellschaftlich unter Anführungszeichen normal angesehen, bin ich wie alle anderen und im anderen bin ich, aha, okay, okay, was, du machst was, ja, und dann ganz, dann rattert schon das Kopfkino, ja, was ist da Drogen oder was ist da vorgefallen, Misshandlung oder also ja und und dem möchte ich mich einfach nicht aussetzen und ja aber das ist für mich eben auch Sexarbeitsfeindlichkeit, dass es nicht, dass die Leute es nicht akzeptieren können ohne dass sie gleich 100 Vorurteile im Kopf haben und ganz viele Annahmen über einen, wenn ich sage, ich weiß nicht, ich bin Verkäuferin oder so, das wird akzeptiert und wenn ich sage, ich bin Sexbürgerin, dann okay, was ist in diesem Leben falsch gelaufen? Danke auch dir, so mutig zu sein für deine Schilderungen, danke schön. zu sein für deine Schilderungen. Dankeschön. Danke euch beiden. Vielleicht ganz konkret, gibt es spezifische Fragen? Christina, ich schaue noch kurz ins Publikum. Das ist keine Frage, sondern einfach ganz kurz. Wir müssen da echt drauf aufpassen. Danke für deinen Mut, aber vielleicht kann man das dann rausschneiden. Können wir gerne mit den Veranstaltern. Das ist echt wichtig. Ist keine Live-Übertragung, sondern eine Aufzeichnung und das können wir gerne machen, das klären wir mit dem Frauenbüro. Ganz hinten habe ich ein Handzeichen gesehen, bitteschön. Das ist ein Problem, wie kann man das ausdrücken? Das Thema Zu Hälterei stand als Wording oben am Kärtchen. Ich würde noch in die Runde fragen, gibt es noch etwas Zweites, bitteschön. Ich habe jetzt vor, dass ich mich aufwärts erweitern möchte. Und ich bin grundsätzlich schon privilegiert und ich habe eben keine Ausgrenzungserfahrungen. privilegiert und ich habe eben keine ausgrenzung erfahrungen bei mir wissen sie leid ich habe die leute ein problem mit mir haben sowieso eins mit mir und ich finde das ebenso schlimm dass wenn du schon privilegiert bist und nicht angewiesen bist aufs geld und nicht angewiesen bist auf die arbeit da kannst du alles machen was du willst und die leid denn das unangenehm ist nicht mit dem leben könne genau die werden ausgegrenzt, stigmatisiert. Ich habe beim Finanzamt angerufen, ich habe beim was auch immer, ich sage das jedem, weil ich das eben nicht verstehe. Ich verstehe nicht das Theater. Also ganz unterschiedliche Betroffenheiten auch. Ich bin mir eben nicht sicher, inwieweit da Kapitalismus eben einspült, also nicht nur ein feministisches Problem, sondern auch ein kapitalistisches Problem. Darf ich vielleicht das ganz kurz ein bisschen... Aber ich würde gerne, Robi, ich würde gerne eine dritte Meldung noch haben und dann wieder ganz lange ans Podium übergeben. Ist das okay? Ja. Gibt es noch eine dritte Meldung oder Frage oder Hinweis? Bitteschön. Und dann gebe ich wieder ganz lange ans Podium. Ich habe vorher aufgezeigt mit mit roten kärtchen dass sie mir eigentlich mit dem thema nicht wirklich auskennen und beschäftigt habe und jetzt haben mit der lesungen mit einigen diskussionspunkten es wurde vorher gesagt warum das sexarbeit immer so skandalös ist und wir sollten dieser weniger diese leidenserzählungen hervorholen und man merkt also ein bisschen diese stigmatisierung man tra hervorholen. Und man merkt halt auch so ein bisschen diese Stigmatisierung, man traut sich gar nicht zu sagen, wo man eigentlich arbeitet. Und ich frage mich, warum passieren dann nicht einfach Kampagnen, die das in ein besseres Licht rücken? Also, wenn ich mehr darüber weiß, dann kenne ich mich aus, dann habe ich nicht diese Scheu davor. Wenn ich weiß, was eine Verkäuferin beispielsweise jetzt macht beim Bilder, dann kenne ich mich aus, aha, okay, die macht halt das, das ist ihr Job. Aber halt, was Sexarbeiterinnen wirklich machen, ich weiß es nicht. Und ich kenne auch keine, darum finde ich es schön, dass ich jetzt ein paar kenne. Vielleicht kann man da nachher noch ein bisschen reden. Das ist halt die Frage, die ich habe. Also was passiert oder warum gibt es wenig positive Kampagnen dafür. Das ist ein ganz normaler Job. Gut, Ruby, darf ich gleich an dich bitten. Also ihr fühlt, ihr greift sozusagen jetzt auf die Rückmeldung, auf das Gehörte, das Gesagte, das Gefragte zurück und würde gerne alle von euch nochmal hören. Ja, voll. Also ich mache jetzt einfach mal einen Einstieg. Und ich finde es total wichtig zu sagen, dass es halt häufig mit einer Mehrfachdiskriminierung einhergeht. Also es ist halt mit zum Beispiel Armutsfeindlichkeit, mit Rassismus, auch mit Ableismus, also mit Behindertenfeindlichkeit und so ist das verschränkt. Und das ist auch etwas, das ist kein Wunder, dass wir hier ein einfach sehr weißes Podium haben, dass die Menschen, die halt sagen, okay, ich habe da wenig Beeinträchtigung mit oder ich kann mich halt vielleicht auch frei machen von der Stigmatisierung, die ich erfahre, ja, die haben halt andere Privilegien, die dazu führen, dass sie halt zum Beispiel sprechen können, ja, sich halt auch Hilfe suchen führen, dass sie halt zum Beispiel sprechen können, sich halt auch Hilfe suchen können, dass sie sich vernetzen können und so weiter. Und wie alles in unserer Gesellschaft hat das auch was mit Kapitalismus zu tun und mit Patriarchat. Und was aber ein bisschen anders ist, ist das Unwerturteil, was über Sexarbeit gesprochen wird. Und wenn ich sage Unwerturteil, dann ist das halt wirklich, also das ist eine moralisierte Ablehnung dieser Tätigkeit, die halt auf sehr, sehr alte Praktiken, zum Beispiel halt auf die Sexualmoral zurückgeht und so weiter. Und ihr könnt euch ja mal fragen, ich meine, Sexualität an sich ist ja schon schambehaftet. Und ich würde sagen, auch da dreht sich im Moment das Rad ein bisschen zurück. Also wir erwarten da schon mal weiter bei dem Thema, wie man halt zum Beispiel Schambefreiter halt auch über Konsens, Einvernehmlichkeit und so weiter reden kann. Und der Punkt ist, solange das zum Beispiel beim allgemeinen Sprechen über Sexualität, aber auch über sexualisierte Gewalt schon so geht, ihr könnt euch vielleicht vorstellen, das potenziert sich, wenn man sexarbeitende Person ist. Also seit dem stärkeren Bekanntwerden und dem Leak der Epstein-Files, in Deutschland kam noch der Fall Colin Fernandes on top. Ist es für, also ich ziehe eigentlich den Kopf ein seitdem und ich finde es erheblich schwieriger darüber zu reden, weil noch etwas passiert. Neben dem ganzen Stigma werden wir oft zu Tätern erklärt. Dass wir quasi verantwortlich sind, dass Menschen Gewalt angetan wird. Und da hat ja auch die Frage mit der Zuhälterei drauf abgespielt. Ich bin nicht in der Lage, diese Frage aus meiner Expertise heraus zu beantworten. Wir haben mehrere juristische Personen hier auf dem Podium, aber trotzdem ist es halt auch, also wir trotzdem auch zulassen, dass wir dieses Thema in seiner Gesamtheit besprechen, sowohl bei den Problemstellungen, bei den Defiziten, bei den Mängeln von Arbeitsrechten und Zugängen, auch bei Ausbeutung und Armut nicht Halt machen vor den unangenehmen Teilen dieser Debatte, aber gleichzeitig uns auch nicht entlasten und sagen, naja, wenn es die Prostitution nicht mehr gibt, dann ist das alles auf Anhieb besser. Sorry, es wird so nicht sein. Christine, ja okay, ihr könnt quer durch, also ich denke mal, da war jetzt einiges da, wo ihr auch aussuchen könnt, wo ihr referenzieren möchtet. Ich würde auch sehr gerne die Eva dann, wenn ihr das Mikro so weitergebt, auch nochmal hören und einbinden. Bitte, Eike. Ja, also vorweg möchte ich sagen, wie speziell jetzt hier diese Veranstaltung für mich auch geworden ist, weil es gibt schon immer wieder Veranstaltungen zum Thema Sexarbeit, Sexarbeiterinnen, ja. Aber nur selten melden sich so viele zu Wort. Und das ist sehr speziell für mich und ich danke euch allen, die den Mut hatten. Das klingt jetzt noch, naja, warum nicht, ja, aber es braucht echt viel und ich bin doch mehr auf solche Veranstaltungen und das ist echt irre selten. Und das ist für Linz wirklich ganz, ganz toll. Für mich ein gutes Zeichen auch. Kampagnen, ihre Veranstaltungen, sofern es die finanziellen Mittel auch dazu gibt. Das muss man echt sagen. Diese Veranstaltung hier wird ja auch finanziert durch das Frauenbüro. Also es fehlt hier auch an der Förderung vielleicht dazu, aber dennoch haben wir diese. Sie sind vielleicht nicht so ersichtlich und so publik, dass man sich findet. Man müsste halt auch mehr vielleicht auf diese Homepages schauen oder speziell danach auch suchen, aber es gibt diese Veranstaltung speziell jetzt, weil morgen der 2. Juni ist, der internationale Hurentag. Hier wird es in Wien Veranstaltungen geben, ja. Auch diese Veranstaltungen passen ja auch dazu. Also es gibt diese schon, es gibt ja auch internationale oder auch nationale Vereine, die sich hier gerade online immer wieder kundtun und die man verfolgen kann. Also da kann man sich auch an eine der Fachberatungsstellen melden und dann bekommt man hier Information dazu, also es passiert schon was, aber ich stimme zu, auch für mich ist es zu wenig, weil es ist der richtige Weg, ist dort. Wir müssen auch die Medien bearbeiten, also ich bin überhaupt nicht einverstanden, wie Medien teils weiterhin über Sexarbeit oder Prostitution berichten, sehr einseitig. wie Medien teils weiterhin über Sexarbeit oder Prostitution berichten. Sehr einseitig und wenn ich schon die Spielfilme sehe, dann wird mir schon ganz schier, wie dann wieder irgendeine Sexarbeiterin umgebracht wird oder drogensüchtig ist. Also nur in dieser Form der Gewalt dargestellt wird. Da haben wir keine gute Berichterstattung. Also die Medien aber zu erreichen, dass sie anders Bericht erstatten, ist ganz, ganz schwierig. Ganz, ganz schwierig ist nochmal eine eigene Arbeit. Aber wir müssen bei uns anfangen. Also ich bitte Sie, dass Sie das einfach weitersagen, was Sie hier heute erlebt haben und auf diese Möglichkeit, mit Sexarbeiterinnen zu sprechen bei Veranstaltungen aufmerksam machen. So weit einmal, danke. Ich weiß nicht, ob ich viel noch zu sagen habe, weil Rubi hat auch sehr viel schon gesagt. Ich finde es sehr schön, dass wir da sitzen, versuchen aber diese Komplexität zu besprechen, aber wir wissen, und ich glaube, du hast keinen Anspruch, alle Sexarbeiterinnen zu vertreten, glaube ich schon. weil ich glaube du hast über Leiterzählungen gesagt, habe ich gut verstanden, diese Leiterzählungen und ich habe etwas gelesen im Zusammenhang mit Sexarbeit, das mich sehr stark getroffen hat, dass diese Leiterzählungen oder welches Leid wird legitimiert in diesem Zusammenhang. Weil es gibt sehr viel Leid, dass durch Diskriminierung Sexarbeitfeindlichkeit verursacht wird. Aber wenn eine Person, die in der Sexarbeit tätig ist, sich outet oder sagt, selbstbestimmt, dass sie das macht, und mit all diesen Komplexitäten, Widersprüchlichkeit, dann wird das nicht legitimiert, weil diese Geschichte der Opfer, Täter, die von einer gewissen Art von Feminismus weitergetragen wird, dann will das nicht legitimieren. Dass Menschen einfach leiden unter dem Kapitalismus, unter schwierigen Arbeitsbedingungen und das ist, was mir vorgekommen ist, als du darüber gesprochen hast, weil sogar das Leiden wird auch nicht legitimiert. Darf ich noch was sagen? Ich habe jetzt zuerst mal überlegen müssen, was mir jetzt noch so einschießt. Dieses mit der Kampagne ist ja ganz toll. Ich habe letztens eine Anfrage bekommen von Arte, das wird im Februar ausgestrahlt. Ich habe dann die Arbeitsstunden zusammengerechnet, ich hatte 17 Arbeitsstunden für die Doku mit Arte im Büro, im Bordell, im was da guck, guck, wo. Und es entstehen dort satte sieben Minuten draus. Und wir kriegen alle zusammen relativ viele Anfragen aus Medien und so weiter. Nur zwei Drittel der Anfragen sind halt mit diesen Sex-Sales und was weiß ich, Law and Order und sind einfach so geprägt, dass die Leute einfach nur sensationsgeil sind und die Qualität unserer Medien lässt stark zu wünschen übrig und gerade bei so einem sensiblen Thema. Ja, danke. Danke. Freut mich sehr, weil ich mich auch in regelmäßigen Abständen mit dem Tatort anlege oder auch hier mit einer oberösterreichischen Filmemacherin, die eine Doku verkauft hat und es war aber nicht wirklich und wo ich mir dann denke, es gehört eigentlich im Vorfeld und da sitzen aber wir nicht im Entscheidungsfeld. Wer wird denn heutzutage gefördert? Und ich sehe das noch viel breiter. Wie werden Journalistinnen, wie wird die Medienlandschaft überhaupt ausgebildet? Also das sehe ich und da gibt es irrsinnig viel noch daran zu arbeiten und zum Thema Zuhälter, ich halte mich da immer so gern an Zahlen und wir haben letztens Sitzung gehabt, wir sind in einer Arbeitsgruppe Bundesländerkompetenzen, wo auch die Exekutive drinnen ist und wir haben ein bisschen nachgefragt und es gab glaube ich letztes Jahr 47 Verurteilungen wegen Menschenhandel, aber der hat sich dann nicht nur auf Sexarbeit oder Prostitution bezogen, sondern der war halt dann in unterschiedlichen Feldern. Und ob es jetzt in Österreich wirklich zu viele waren oder mehr oder weniger, ich sage immer, ein Fall ist einer zu viel. Und ich bin der Meinung, dass man einfach Sexarbeitenden, um sie vor Ausbeutung zu retten oder zu schützen, einfach mehr Rechte geben muss, damit sie diese Abhängigkeiten nicht eingehen müssen. Und in Gesprächen mit Sexarbeitenden erfahre ich halt immer wieder, ich habe letztens dieses Thema so, wie schaut es denn jetzt aus mit Zuhältern? Ich könnte mir gar keinen leisten, das Geschäft ist so schlecht. Und das ist nämlich die blanke Realität, dass Menschen in der Sexarbeit ums Überleben kämpfen müssen zurzeit und schon eben durch Corona, durch den Krieg, durch die erhöhten Mieten in Bordellen und Abgaben und so weiter. auch nicht vergessen, dass das Personen sind aus Ländern, wo die soziale Hängematte nicht so gut funktioniert wie bei uns. Letztes Jahr waren 74 Prozent aller meiner Personen, die zu mir oder die Unterstützung gebraucht haben, waren Mütter und 14 Prozent Großmütter. Also wir müssen uns da ganz bewusst sein, dass das Thema Armut und Ausgrenzung ein großes ist und die soziale Hängematte eben nicht funktioniert und dass von einer arbeitenden Person viele andere abhängig sind, die man nicht als Zuhälter bezeichnen kann. Danke dir für diesen Input, Christine. Eva, wir gehen Richtung Schluss der Veranstaltung und du hast jetzt ganz lange zugehört und ich habe gesehen auch ganz viel mitgeschrieben. Ich würde da jetzt auch gerne nochmal befragen, was sind dir für Ideen gekommen oder Stichwörter oder was ist auch von dem, was du aus dem Publikum gehört hast, für dich noch wichtig, nur mit zwei Leuten einzusortieren oder darauf hinzuweisen? mit so Leuten einzusortieren oder darauf hinzuweisen? Ja, also sehr viel. Es fällt mir jetzt ein bisschen schwer, das zu sortieren. Ich versuche es trotzdem. Warum ist es so schwierig und warum braucht es Kampagnen und warum ist es so schwierig, dass wir Sexarbeit und über Sexarbeitende sprechen ohne diese moralische Wertung? Ich versuche jetzt eine Erklärung, die ganz sicher Verkürzung ist, für das entschuldige ich mich jetzt gleich, aber ich glaube, dass es trotzdem gut ist, das zu versuchen. Wir leben in extrem ungerechten patriarchalen Strukturen, die einmal so sortiert sind, dass Männer überall dort sind, wo es um Macht und Geld geht und Frauen nicht. Was dazu führt, dass zu vielen Problemen führt und zu vielen Nachteilen, denen Frauen einmal per se ausgesetzt sind. Was mit diesen Strukturen, damit die gut funktionieren, immer schon als Erklärung mit einhergegangen ist, ist, dass man Frauen Sexualität abspricht oder vor allem auch Lust an Sexualität abspricht. Also das zieht sich auch irgendwie immer durch, diese Verbindung. Und dann gibt es jetzt Frauen, die von sich aus sagen, ich bin Sexarbeiterin und habe mich bewusst für diesen Beruf entschieden. Das geht dann in die Köpfe von Menschen, in alle. Also wir sind in diesen Patriarchalstrukturen aufgewachsen. Also da spießt es sich dann schon gleich einmal an vielen Ebenen. Da kommt dann die Frage, wie hat es so weit kommen können. Weil einfach diese Strukturen, dieses Patriarchat funktioniert nur mit der Abwertung von Frauen. Und das hat verschiedene Erzählstränge. Und aus einer intersektional-feministischen Perspektive kommt da noch ganz viel dazu, was an Abwertungen und Entwert nicht. Und Sexarbeitende, in erster Linie Sexarbeiterinnen, widersprechen diesen patriarchalen Strukturen in so vielen Ebenen, dass es einfach schwierig ist, für die Gesellschaft das zu akzeptieren. Das soll jetzt überhaupt keine Rechtfertigung sein, sondern im Gegenteil ein Erklärungsversuch, was da an Ungerechtigkeiten zusammenkommt und wo wir überall ansetzen müssen um das aufzubrechen darum ist also schwierig dass man qualitätsmedien findet die da angemessen berichten darüber da traut man sich nicht dann gibt es journalistinnen die das die das aus eigentlich aus einer positiven grundüberlegung auszumachen, die da nichts falsch machen wollen und nicht selber dann einen Artikel schreiben, wo sie selbst wieder diskriminieren oder stigmatisieren. Also da spielt sehr viel zusammen, warum das sehr schwierig ist. Und darum ist es unglaublich wichtig, dass man versucht, das aufzubrechen und eine Bühne dafür schafft, wie wir das heute machen. Und das ist... Ja, das darf jetzt schon selbstbewusst und präftig. und eine Bühne dafür schafft, wie wir das heute machen. Ja, das darf jetzt schon selbstbewusst und präftig. Die Bühne dafür, ja. Und dass es sexarbeitende Menschen gibt, die offen darüber sprechen und das machen, das bewundere ich zutiefst, weil ich maße mich nicht an, mir vorstellen zu können, was das dann mit sich zieht in vielen fällen und es gibt aber trotzdem eben die sex arbeitende menschen die darüber sprechen und damit einfach so einen wichtigen beitrag leisten gegen diese ungerechtigkeit in der gesellschaft insgesamt also es gibt zum beispiel an super podcast mit astrid ich habe jetzt leider vergessen wie unter welchen wie heißt der podcast zum nachhören also das ist wirklich vielleicht einfach ein paar nennen der aus oberösterreich jahrgang aus st magdalena im Bildungshaus St. Magdalena waren. Bildungshaus St. Magdalena Podcast. Ja, da gibt es einen. Alltagsgeschichten, Sexarbeit heißt der. Also auf die Homepage vom Bildungshaus St. Magdalena schauen und dort auf Podcasts und dann, glaube ich, ist der Titel Alltagsgeschichten. Also zum Beispiel, das macht ja sehr viel, dass man Dinge verstehen kann. Vielen Dank dafür und vielen Dank, dass es dieses Buch gibt und dass wir heute da sitzen können und darüber reden können. Also danke sehr. Danke Eva. Leider ging es nicht. Woran werden wir merken, dass alles so viel, viel besser ist? Also ich denke, das muss einfach wieder sehr viel normaler werden, den Menschen zuzuhören in ihrer Vielfalt, die diese Arbeit ausüben und das nicht auf eine Dimension runter zu kochen. Weder auf die Opfererzählung noch auf die Empowerment-Erzählung. Es ist alles so feministisch und Pretty Woman und wir kennen das auch alle. Sondern ich glaube, wir brauchen den Blick dafür, wirklich mal wieder hinzuschauen, die Menschen zu sehen in ihren unterschiedlichen Umständen und uns dann auch wieder zu ermöglichen, darüber nachzudenken, was würde jetzt wirklich dieser konkreten Person helfen. Gut, das möchte man so stehen lassen. Vielen Dank und einen herzlich warmen Applaus nur mein Rub Ruby Rebelle, Christina Nagel, Elke Welser, Letizia Carnero und Eva Schobisberg und alle, die sich beteiligt haben. Vielen Dank. Wir wünschen euch einen schönen Abend und ein gutes Nachhausekommen. Schön, dass ihr da wart.