Thera FM Teacher Education Radio Austria, das Studierendenradio der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich. Schönen guten Nachmittag, herzlich willkommen bei Thera FM PH TV. Ich begrüße Sie hier im Rahmen unserer Lehrveranstaltung, die wir in diesem Semester gemeinsam durchgeführt haben. Es geht um Geschichtedidaktik und wir haben uns einem sehr dunklen Kapitel der NS-Geschichte gewidmet, nämlich den Zwangssterilisationen, die an Menschen durchgeführt wurden, die man für nicht würdig erachtet haben, dass sie ihre Erbinformation weitergeben und das natürlich zu sehr vielen traurigen Schicksalen geführt hat. Die jungen Studierenden, die angehenden Lehrer im Masterstudium, die hier bei mir sind, werden jetzt dieses Thema vorstellen. Genau, wir dürfen anfangen. Einmal zum Projekt generell. Also das war eine Kooperation mit der Universität Passau. Wir haben da Gruppen gebildet und uns das Thema Zwangssterilisation mal in unterschiedlichen Aspekten angeschaut. Und unser Thema dabei war Zwangssterilisation in Oberösterreich. Genau, da haben wir eben diese Gruppe gebildet und uns dann angeschaut, wie wir die Informationen, die wir da finden, weiter verarbeiten können und eben dieses Projekt gestalten. Herausgekommen ist dann eine Audioquelle, die dann, ja... Genau. Also herausgekommen ist eigentlich eine Audioquelle und das hat eigentlich einen sehr bestimmten Grund, dass wir da ein kurzes Feature sozusagen gemacht haben. Nämlich mit unseren Kooperationspartnern in Passau gibt es dort einen Gedenkweg in, wie heißt es nochmal? In Mainkofen. Genau, diese Anstalt dort war eben verbunden mit Hardtime in Oberösterreich. Und deswegen haben wir da eigentlich eine sehr schöne Kooperation, sind wir da eingegangen und damit eben dieser Gedenkweg auch ein bisschen offline möglich ist, beziehungsweise halt abseits der Führungen, die dort vor stattfinden, machen wir da eigentlich solche Projekte, die man sich dann eigentlich anhorchen kann selbstständig, die auch Schulklassen oder Interessierte sich mit Hilfe dieser App anschauen können oder anhören können. Danke mal für die erste Einschulung. Auf der gegenüberliegenden Seite sind auch noch zwei recht engagierte Studierende, die ich jetzt einbeziehen möchte. Ich würde einmal den Tarek bitten, ein wenig über die Entstehung dieses Features zu sprechen, das ihr produziert habt. Ja, gerne. Also wir wollten klarerweise das Thema so gut ausarbeiten oder herausarbeiten wie möglich. gut ausarbeiten oder herausarbeiten wie möglich und da ist klarerweise auch sinnvoll dass man den aktuellsten forschungsstand hineinzieht und auch die experten dazu befragt weil es aber nicht wirklich ein gedenkort in niedern hat oder so gibt haben haben wir zuerst Hardtime kontaktiert und dort haben wir den Herrn Rachbauer als Unterstützung gewinnen können. Der hat uns dann allerdings zum anderen Experten weitergeleitet, zum Herrn Goldberger, der beim Land Oberösterreich, also beim Landesarchiv arbeitet, der was zu diesem Thema sehr viel schon geforscht hat und auch eine Arbeit herausgebracht hat. Und dieser hat uns diese Arbeit dann auch glücklicherweise zur Verfügung gestellt und ich glaube, ich kann für die ganze Gruppe noch mal ein herzliches Dank sagen, dass die beiden Herren uns unterstützt haben und auch die Arbeit zur Verfügung gestellt haben. Genau, und aus diesem Forschungsstand bzw. dieser Arbeit haben wir ja sehr viele Informationen auch für unser Projekt gewinnen können. Und ja, ich weiß jetzt nicht, möchtest du vielleicht direkt daran was sagen? Möchtest du vielleicht direkt daran was sagen? Ja, gerne. Also mithilfe von den Informationen, die wir dann bekommen haben, haben wir dann einen kurzen Text verfasst, den dann auch ich eingesprochen habe. Also ich bin dann auch die Stimme hinter diesem Audio-Feature, hinter diesem Podcast-Feature. Genau, also im Prinzip habe ich das in meinem, ich würde jetzt nicht sagen Home-Studio aufgenommen, weil das ist eigentlich nur mein Schlafzimmer mit einer Decke drüber. Genau, da habe ich mir dann den Text halt eben vorgenommen, in kleine Paragraphen aufgeteilt und dann Paragraph für Paragraph vorgelesen und immer wieder geschaut, passt das jetzt, passt das nicht? Und auch geschaut, dass auch wirklich die Ernsthaftigkeit des Themas rüberkommt, weil es halt wirklich wichtig ist, zu zeigen, wie wichtig das Thema eigentlich noch immer ist. Aber auch wenn es in der Vergangenheit liegt, es hat nur immer Relevanz. Und das wollte ich vor allem mit dieser Vorlesung rüberbringen. Ja, danke einmal für diese erste Runde. Ich muss gestehen, ich war wirklich sehr beeindruckt von dem Ergebnis, sowohl vom Inhaltlichen als auch vom Technischen. Also die Katrin hat da hervorragende Arbeit geleistet. vom Technischen, also die Katrin hat da hervorragende Arbeit geleistet und ich würde jetzt vorschlagen, wir hören einmal hinein in dieses Produkt, das für mich ein sehr professionelles Endergebnis dieser Arbeit geworden ist. Stefan L. wurde 1903 im Innenviertel geboren. Er war von Geburt an gesund. Als kleines Kind erkrankte er jedoch nach einer starken Verkühlung an Gliederrheumatismus und erlitt einen Muskelschwund im rechten Fuß. Die Gehbehinderung begleitete ihn von hier an sein ganzes Leben lang. So erlernte er als Jugendlicher das Schuhmacherhandwerk, bestand die Meisterprüfung und bewährte sich in seinem Beruf. Er führte ein Leben, das von Arbeit und Leistung geprägt war. Doch in der Zeit des Nationalsozialismus genügte das nicht, um als vollwertiger Mensch angesehen zu werden. Als seine beiden Kinder erst mit sechs Jahren zu sprechen begannen, geriet die Familie ins Visier der Behörden. Stefan L. erklärte, dass dieses Problem von seiner Frau stamme, die als Kind ähnliche Schwierigkeiten gehabt habe. Dennoch stellte der Rieder-Amtsarzt, ein gewisser Dr. Mösenbacher, für beide Eheleute einen Antrag auf Unfruchtbarmachung. Begründet wurde dies mit angeblichem angeborenen Schwachsinn und einer schweren körperlichen Missbildung. Für seine Frau hatte dieser Antrag verheerende Folgen. Das Erbgesundheitsgericht ordnete ihre Sterilisation an. Später schilderte Stefan L., wie sie durchgeführt wurde. Seine Frau sei von Gendarmen direkt von ihrer Arbeit weggeholt worden. Man habe sie in eine Zwangsjacke gesteckt und nach Ried gebracht. Für die Familie muss dies ein erschütterndes Erlebnis gewesen sein. Die Erfahrung, dass der Staat über den eigenen Körper bestimme und jeder Gegenwehr bedeutungslos war. Zunächst schien Stefan L. diesem Schicksal zu entgehen. Anfang September 1942 lehnte das Erbgesundheitsgericht seine Sterilisation ab. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass keine schwer erbliche körperliche Missbildung vorliege. Zwar bezeichneten sie ihn als schwach begabt, gleichzeitig stellten sie aber fest, dass er sich im Leben bewährt habe. Auch der Bürgermeister bestätigte, dass Stephan L. ein tüchtiger und bewährter Mann sei. Doch damit war die Angelegenheit nicht beendet. Der Amtsarzt legte Beschwerde ein. Man behauptete, seine Verwandtschaft sei stark von Schwachsinn belastet. Sogar seine Kinder wurden als Beweis gegen ihn angeführt. Die Behörden behaupteten, die Kinder bewiesen, dass die angebliche geistige Minderwertigkeit nicht nur von der Mutter stammen könne. Selbst die Wahl seiner Ehefrau wurde ihm zum Vorwurf gemacht. Dass er sie geheiratet hatte, galt in den Augen der Gutachtern als weiterer Beweis für seine angebliche geistige Beschränktheit. In einer Intelligenzprüfung musste Stephan L. zahlreiche Fragen beantworten. einer Intelligenzprüfung musste Stephan L. zahlreiche Fragen beantworten. Er musste den Sinn kirchlicher Feste und Sprichwörter erklären, logisch mathematische Aufgaben lösen und politische Fragen der NS-Propaganda so beantworten, wie es von ihm erwartet wurde. Obwohl Stephan L. diese Aufgaben allesamt meisterte, entschied das Erbgesundheitsobergericht, dass er sterilisiert werden sollte. Das Urteil stand offenbar längst fest. Die Argumente waren willkürlich. Seine Ehe mit einer Frau, die ebenfalls als schwachsinnig eingestuft worden war, wurde als Zeichen seiner eigenen Minderwertigkeit ausgelegt. Außerdem wurde behauptet, seine Kenntnisse und seine Intelligenz seien unzureichend. Als Argument führte das Gericht sogar an, dass er angeblich nicht wisse, was orthopädische Schuhe seien, obwohl er solche selber trug. Die Frage, ob überhaupt eine körperliche Missbildung vorlag, spielte plötzlich keine Rolle mehr. Stefan L. wollte dieses Urteil nicht akzeptieren. Stefan L. wollte dieses Urteil nicht akzeptieren. Er versuchte sich zu wehren. Er schrieb Eingaben an verschiedene Rechtsministerien und sogar an die Kanzlei des Führers. Man bezeichnete ihn als Querulanten und deutete seine Briefe als Beweis für den angeblichen Schwachsinn, den man ihm unterstellte. Zuletzt wandte sich Stefan L. verzweifelt an den Gauleiter. Er verstand nicht, warum er auch noch sterilisiert werden sollte, obwohl seine Frau bereits unfruchtbar gemacht worden war. Er verlangte, dass seine Kinder untersucht würden, damit endlich festgestellt werde, dass sie geistig gesund seien. Es war der Versuch eines Vaters, seine Familie zu schützen und seine Würde zu verteidigen. Doch seine Worte wurden nicht gehört. Die Entscheidungen des Erbgesundheitsobergerichts waren endgültig. Beschwerden hatten keine Wirkung mehr. Für Stefan L. gab es keinen Ausweg. Er wurde zwangssterilisiert. Ja, wie jetzt alle gehört haben, hat die Gruppe eine Biografie als didaktischen Zugang für dieses Thema gewählt und ich würde jetzt gerne wissen, wie ist es dazu gekommen, warum habt ihr gerade diese Biografie ausgewählt? in erster Linie auch sehr spannend, also sehr spannend gefunden, sich eine Biografie anzuhören, weil es eben das ganze Thema irgendwie nahbarer macht. Weil wenn man jetzt so denkt, man geht da durch eine Gedenkstätte und hört sich irgendeine Audioquelle an, dann, ein Audio wirkt einfach viel näher, nicht ein Audio, eine Biografie wirkt einfach viel näher. Man kann sich irgendwie dieses Thema, das ja doch schambehaftet ist und ganz irgendwie aus der öffentlichen Diskussion eigentlich so ein bisschen in den Hintergrund rutscht, viel mehr mitnehmen und die persönlichen Schicksale, die bewegen einfach schon extrem, würde ich sagen, aus meiner Sicht. Ja und ich glaube, es gibt da eigentlich sehr viele große Zahlen. Ich finde, dass das immer eigentlich, also in der NS-Zeit, da gibt es so viele große Zahlen und das heisst ja alles Ärger, aber wenn man dann wirklich ein greifbares Beispiel hat mit einem wirklichen Schicksal, finde ich, ist das einfach doch nochmal ein ganz anderer Zugang, wo man eine ganz andere Verbindung aufbauen kann dazu. Also deswegen haben wir uns eigentlich für eine Biografie entschieden. Warum genau diese Biografie ausgewählt wurde, das ist eigentlich grundsätzlich, ich weiß, glaube ich, gut, dass es widerspiegelt, was da passiert ist. Also das ist jetzt ein Stereotyp für sehr, sehr viele Schicksale, für sehr viele Fälle aus der Zeit. Und ich würde auch sagen, ich glaube, dass wir es gut herausgefunden haben. Es ist der Felix, der hat das aus der Quelle sehr gut heraus extrahieren können und hat das sehr gut nachverfolgen können. Wir haben dann auch noch eine zweite Lebensgeschichte, die wir da dann noch verbinden werden, beziehungsweise wo wir eigene Audio dazu noch machen werden. Da war es aber, glaube ich, die Karte mehr dazu. Ja, genau. Ich meine, die erste Biografie, das war, glaube ich, vom Jakob, der das ausgesucht hat von unserer Gruppe, der ist leider auch nicht da heute. Die zweite Biografie ist rausgesucht worden von der Laura, die ist leider auch nicht da heute, wir sind eine recht große Gruppe. Und da geht es eigentlich um das Schicksal mehrerer Frauen, einfach weil wir auch das Thema von Frauen ein bisschen hervorheben wollten. Und wie gesagt, das ist leider noch nicht aufgenommen worden, da bin ich leider jetzt noch nicht dazu gekommen, weil gerade Schulschluss ist und ja, man weiß eh. Genau, und das wird auch ein bisschen ein längerer Text, ein bisschen ein längeres Audio, weil da insgesamt, ich glaube, drei Schicksale hervorgehoben werden. Und es zeigt einfach sehr gut einfach diese, ja eigentlich diese Willkür die davor geherrscht hat wonach menschen quasi für diese jahr zwangs sterilisationen ausgewählt worden sein und es sind einfach sehr gute beispiele die das einem vor augen führen können Gut, dann komme ich schon zu meiner letzten Frage. Vielen Dank jetzt für diese spannenden Eindrücke, die wir hier gewinnen konnten. Was ist euer persönlicher Benefit von dieser Lehrveranstaltung so wirklich als Thema behandelt worden ist. Kooperation mit PASA, weil es doch noch mal was anderes ist, wenn man mit einer anderen Uni zusammenarbeitet und ja, dass man sich da so ein bisschen als Team zusammenwächst, sich die Aufgaben aufteilt, schaut, dass man gemeinsam über die Landesgrenze hinaus ein Projekt auf die Beine stellt, das im Endeffekt funktioniert und vor dem man sich was mitnehmen kann. Ich würde dann vielleicht auch noch dazu sagen, mir hat das sehr gut gefallen, Endeffekt funktioniert und vor dem man sich was mitnehmen kann. Ich würde dann vielleicht noch dazu sagen, mir hat das sehr gut gefallen, dass das ein bisschen ein anderes Seminar war, wo man nicht eben eine schriftliche Arbeit abgibt. Das macht man eigentlich eh in der Uni ansonsten eigentlich überall, aber es ist da jetzt eigentlich wirklich was Kreatives entstanden, wo man sagt, das ist irgendwie auch was Bleibendes, wo das vielleicht andere Leute auch irgendwie ein bisschen mitnehmen können oder interessieren und das ist eigentlich ganz toll mit diesem Gedenkweg. Also vielleicht machen wir da einmal einen Ausflug dann persönlich hin und schauen sich an, was man da fabriziert hat und was man dort sehen kann. Genau. Ja, also ich würde mich da auch anschließen. Es war jetzt nicht irgendwie ein Produkt einer Lehrveranstaltung, das dann quasi in einer Schublade verschwindet. Also es ist glaube ich für uns allen das erste Mal, dass wir im Laufe einer Lehrveranstaltung dann im Radio bzw. Fernsehen auftreten und quasi unsere Erkenntnisse irgendwie ganz vielen leuten mitteilen können also ich glaube das ist doppelt sinnvoll dann wenn man so projekt startet dass das dann nicht nur ein bisschen mehr sagen mehr gewinn für für persönliche zwecke oder oder für für die universität sondern auch für ganz viele andere Menschen, die was dann neue Erkenntnisse daraus gewinnen können. Und ja, also ich glaube, das ist eine sehr sinnvolle Sache gewesen. Ich kann mich da ehrlich gesagt echt nur anschließen eigentlich. Also wie du gesagt hast, wir erreichen da eigentlich ein ziemliches Publikum mit dem Ganzen und ich finde es eigentlich umso gehaltvoller, wichtiger, dass wir quasi diesem sehr dunklen, aber notwendigen Thema so eine Bühne bieten können eigentlich, dass wir da diese Plattform geboten bekommen, diese Erkenntnisse vorzutragen und es ist ein wichtiges Thema, ein emotionales Thema und vor allem auch ein wirklich, ja, noch heute sehr relevantes Thema. Menschen mit Behinderung erfahren auch heute noch immer sehr viel Diskriminierung und das gehört halt aufgezeigt, was die Geschichte dahinter ist. Und um das quasi immer weiter aufzuarbeiten und hoffentlich mal was gesellschaftlich daran zu ändern. und hoffentlich mal was gesellschaftlich daran zu ändern. Vielen Dank für diese sehr bewegenden Worte, die hier am Schluss noch gesprochen wurden. Ich danke der ganzen Gruppe für ihr Engagement, für das tolle Ergebnis, für die Präsentation ihrer Arbeit und ich würde jetzt vorschlagen, ein wenig Musik zu spielen. Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik So, mittlerweile haben wir die Plätze getauscht und es sind zwei weitere Studierende dieser Lehrveranstaltung zu mir gekommen, Elias und Inge. dieses traurige Thema leider nicht nur in der NS-Zeit Relevanz hatte, sondern bis heute noch aktuell ist und diese Gruppe hat sich mit den Problemen der Gegenwart beschäftigt und ich möchte jetzt den Elias bitten, die Arbeit vorzustellen. Genau, also das große Problem ist, dass Zwangssterilisation und erzwungene Sterilisation bis heute ganz weit verbreitet sind, immer noch weltweit. Selbst in Ländern, bei denen man es sich wahrscheinlich nicht so vorstellen würde, Finnland, Portugal, Vereinigte Staaten, tauchen hier genauso auf wie Länder aus Osteuropa, Afrika, Asien, Südamerika. Also wirklich eine breite Vielfalt an Ländern, die hier noch großes Aufholpotenzial haben. Reproduktive Freiheit wird grundsätzlich durch die Menschenrechte garantiert, aber es gibt hier zentrale Einschränkungen und große Problematiken. Tatsächlich sind auch eine breite Vielfalt an Menschengruppen davon betroffen. Das können zum Beispiel Flüchtlinge sein, das sind Transpersonen, das sind Menschen mit Behinderung, das sind Gefangene, ganz breite Vielfalt und es war für uns wirklich schwierig, hier zentral zu erfassen, wo richten wir uns Augenmerk darauf. mit Behinderungen auf der einen Seite und auf der anderen Seite Menschen, die sich im Transitioning-Prozess befinden. Es ist nämlich so, dass viele Länder auf der Welt das Recht auf Transitioning nur erlauben, wenn die Person steril ist, also keine Kinder mehr bekommen kann. Aber vielleicht hören wir uns einfach einmal den Beitrag an, dann bekommt man mal ein kleines Bild dazu. Bitte. Die Nationalsozialisten ordneten die Zwangssterilisation von tausenden Menschen an, um jene Facetten der menschlichen Vielfalt auszulöschen, die in ihren Augen unwert waren. Auch heute fürchten viele Staaten und Gesellschaften diese Vielfalt. Sie begegnen ihr mit Verbot, Ablehnung und Sanktionierung. Auch heute ist Zwangssterilisation dabei immer noch ein Mittel, in der Gesellschaft Norm zu erzwingen. Ganz besonders oft betrifft dies Menschen, die der LGBTQ-Community angehören. Ich bin Alexandra aus Pilsen in Tschechien. Viele Jahre lebte ich mit einem Geschlechtseintrag, der nicht meiner Identität entsprach. Um vor dem Gesetz endlich die zu sein, die ich bin, musste ich mich im Alter von 22 Jahren einer Sterilisation unterziehen, obwohl ich diesen Eingriff überhaupt nicht wollte. Nach der Operation kam es dann auch noch zu schweren Komplikationen und einer sehr langen Genesung. Als ich dann schließlich meine neuen Dokumente erhielt, überwogen nicht die Freude, sondern Schmerz und Wut darüber, für ein grundlegendes Recht leiden haben zu müssen. Wer den eigenen Geschlechtseintrag ändern möchte, stößt weltweit oft auf massive staatliche Barrieren. In großen Teilen Asiens und Osteuropas gilt bis heute eine menschenverachtende Voraussetzung. Die Pflicht zur Sterilisation oder zu invasiven Operationen. Manche Staaten gehen sogar noch weiter. So hat Russland 2023 sowohl die medizinische als auch die rechtliche Transition komplett verboten. Aber auch in weiten Teilen Westeuropas gab es noch lange solche Gesetze. In Österreich und Deutschland hoben die Gerichte den Sterilisationszwang erst 2009 bzw. 2011 als verfassungswidrig auf. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte brauchte für diese Entscheidung sogar bis 2017. Aber noch ist vieles aufzuarbeiten. Vor allem warten viele der historischen Opfer immer noch auf eine Entschädigung. Wenn es um Menschen mit Behinderung geht, dann sieht es ähnlich aus. In zwölf europäischen Ländern sind Zwangssterilisationen unter bestimmten Voraussetzungen immer noch möglich. Die Betroffenen sind psychisch Beeinträchtigte, die durch eine Erwachsenenvertretung oder durch ein Gericht zur Sterilisation genötigt werden. Diese Personen können sich fast nie dagegen wehren, ihnen wird die Selbstbestimmung verwehrt. Allzu oft werden sie einfach angelogen, getäuscht oder bekommen keine ausreichende ärztliche Aufklärung, die es ihnen erlauben würde, selbst über ihren Körper zu entscheiden. Oft ist der Druck von staatlichen Einrichtungen oder sogar von Angehörigen einfach zu groß. Natascha sollte niemals Kinder kriegen. zu groß. Natascha sollte niemals Kinder kriegen. Sie hat eine Lernbehinderung und wurde gegen ihren Willen sterilisiert. Sie war damals 24 Jahre alt und nahm die Pille. Ihre Mutter glaubte nicht, dass sie jemals für ein Kind sorgen konnte und drängte Natascha zur Sterilisation. Meine Mutter hat mit der Gynäkologin gesprochen. Dann hat meine Mutter der Ärztin gesagt, dass ich keine Kinder bekommen soll. Als ich die Narben am Bauchnabel gesehen habe, habe ich es verstanden. Es war traumatisch. Es war ein Schock. Die Ärztin hat Natascha erklärt, dass ihre Eileiter durchtrennt werden. Die Konsequenzen verstand sie jedoch erst später. Was mir wirklich weh tut, ist, dass ich es nicht mehr rückgängig machen kann. Für mich bleibt es eine Wunde, die mich daran erinnert, niemals eine Mutter zu sein. Eigentlich spricht nichts dagegen, dass Menschen mit Behinderung Kinder bekommen. Seit langem gibt es staatliche und gemeinnützige Vereine, die Eltern mit Beeinträchtigung eine sogenannte begleitende Elternschaft ermöglichen. Im Nationalsozialismus wurden Menschen mit Behinderung als Abweichung von der gesellschaftlichen Norm gesehen. Menschen, die als erbkrank, minderwertig oder als Belastung galten, wurden ausgegrenzt und durch das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses ab 1933 zwangssterilisiert. Dahinter stand eine Vorstellung, in der Menschen nach ihrem Nutzen für die Gesellschaft bewertet wurden. Die Nationalsozialisten sahen Menschen mit geistigen, psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen als Gefahr für Gesundheit und Fortbestand. Sie rechtfertigten damit zunächst Zwangssterilisationen und später die Ermordung tausender Menschen mit Behinderung, Beeinträchtigung oder Erkrankung. Das zeigt auf, wie gesellschaftliche Normen darüber entscheiden, wer als normal gilt und welche menschenverachtenden Folgen diese Denkweise und gesellschaftliche Ausgrenzung haben kann. kann. Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte garantiert das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung. Portugal, Finnland, Malta, Bulgarien, die Vereinigten Staaten, China, Südafrika, Ungarn, Mexiko, Namibia, Venezuela, Chile, Japan, Indien, Usbekistan, Slowakei, Peru. Das ist nur eine kleine Auswahl von Staaten, in denen Zwangssterilisation erlaubt oder erst seit wenigen Jahren abgeschafft ist. Oder die Maßnahmen tolerieren, bei denen Menschen durch den Staat oder NGOs zur Sterilisation gedrängt werden. Doch selbst in Ländern, die Zwangssterilisation verbieten, kommt es immer wieder zu Fällen, in denen Menschen gegen ihren Willen sterilisiert werden. Selbst in Deutschland und Österreich. Ja, also man hat gehört, es gibt auch heute noch sehr erschütternde Beispiele und die Inge, die hier jetzt neben mir sitzt, wird uns ein bisschen genauer über ihre Erfahrungen berichten und was sie hier alles recherchiert hat. Bitte. und was sie hier alles recherchiert hat. Bitte. Dankeschön. Es war sehr interessant und erschütternd, als ich mich über dieses Thema dann auch genauer informiert habe. Ich habe mir verschiedene Biografien angeschaut. Zum einen über eine junge Frau in Frankreich, die Natascha, die geistig beeinträchtigt ist und die nicht selber entschieden hat, sondern deren Mutter hat entschieden, dass sie im Zuge einer Operation sterilisiert wird. Und diese junge Dame ist bis heute noch sehr betroffen und leidet noch immer darunter, nicht Mutter sein zu können. Sie haben sich aber im Zuge einer Selbsthilfegruppe da gefunden und können so die Trauer auch aufarbeiten. Ich habe im Zuge meiner Recherche aber auch ein positives Beispiel gefunden und zwar gibt es mittlerweile ein Konzept, das eine begleitete Elternschaft ermöglicht. Das heißt, dass Menschen mit Beeinträchtigung, mit Unterstützung von Pädagoginnen, Sozialarbeiterinnen eine Elternschaft leben können. Und da gibt es zum Beispiel auch eine junge Dame in Berlin, die im Zuge eines Autounfalls beeinträchtigt wurde und die so eine begleitete Elternschaft lebt. Diese junge Dame hat aber auch erzählt, dass sie auf großen Widerstand auch im internen oder im Bekanntenkreis gestoßen ist. Also nicht nur in der Gesellschaft gibt es da gewisse Vorstellungen, dass sowas nicht zu sein hat, sondern auch im engsten Bekanntenkreis. Und deshalb ist es umso wichtiger, dass wir dieses Thema ansprechen und aufgreifen. Ja, vielen herzlichen Dank. Möchte der Elias noch etwas hinzufügen? Bitte. Ja, wie wir gerade bei dir gehört haben, Inge, gerade unsere heutigen Gesellschaften, die so viele Möglichkeiten bieten und so viele Chancen bieten für alle Menschen, egal wie die Vielfalt der menschlichen Natur gerade ist, Unterstützung zu bieten, gerade diese Maßnahmen machen das so gravierend und schlimm eigentlich, dass Zwangssterilisation immer noch etwas ist, was vorangetrieben wird von verschiedenen NGOs und verschiedenen staatlichen Einrichtungen. Das ist einfach, es war eigentlich immer schon ein Verbrechen, aber gerade heute fallen auch die scheinheiligsten Argumente dafür völlig auseinander. Und gerade deswegen ist es so wichtig, dass zum Beispiel 2017 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eben, wie wir schon gehört haben, entschieden hat, dass das jetzt wirklich in Europa abgeschafft werden muss. Auch wenn wir eben auch leider gehört haben, es gibt immer noch Länder, die hier extrem hinterher hinken. Und ich glaube, es ist auch zentral, dass wir hier immer wieder massiven Druck ausüben, auch von der Zivilgesellschaft her, dass diese Praktiken endlich eingestellt werden müssen. Ja, recht herzlichen Dank euch beiden für diesen Einblick in eure Arbeit. Am Schluss noch die Frage generell zu dieser Lehrveranstaltung, zu dieser Besonderheit mit der Zusammenarbeit mit Passau, was ja natürlich auch gewisse Schwierigkeiten mit sich bringt durch die örtliche Distanz, dass man eben über digitalen Medien sich austauschen muss. Wie ist es euch ergangen? Wie habt ihr diese Lehrveranstaltung jetzt im Rückblick erlebt? Also wir haben hier als große Gruppe gearch. Wir haben gemeinsam entschieden, dass wir eine Audiodatei erstellen wollen und uns überlegt, welche Themen wollen wir reinnehmen. Wir haben zuerst eine kleine Übersicht gemacht und dann die Reihenfolge festgelegt und dann die Themen auf die Studierenden aufgeteilt. Das hat meiner Meinung nach ganz gut funktioniert und es ist was ganz was besonderes. Überhaupt, wenn man jetzt hier sitzen darf, ein besonderes Erlebnis. Danke sehr. Elias, möchtest du noch etwas hinzufügen? Ja, auf jeden Fall vielen Dank auch an die Passauer Kolleginnen. Die Zusammenarbeit mit denen hat wirklich super funktioniert. Das hat uns sehr gefreut. Ich glaube, dieser Zugang, den unsere Gruppe gewählt hat, direkt vom Produkt aus zu gehen, das hat einfach wirklich super geholfen, dass wir da gute Struktur finden und schnell zusammenarbeiten können. Danke euch beiden, dass ihr uns hier in eure Arbeit habt hineinsehen lassen und ich würde vorschlagen, wir spielen wieder ein wenig Musik. After Rastafari After Rastafari After Christ the Father After Christ the Father After Christ the Father After Christ the Father After all's gone After all's gone After all's gone After all's gone After all's gone We'll see you next time. We've seen better days. Say we'll bleed the same. The lies repeating. What a life to waste. In a dissonance of people. Screaming, revealing. We're living in despair. Don't let us trade our world for what is trending Why are we so condescending After us, goodbye And in a world so cold and so demanding There can be no happy ending After us, the plot. Did you miss the sign of the could we ignore old premonitions? Faulted by design It's implied we're faultless But our ambitions are vicious We're going to lose it all Don't let us tradeaway Far away Stranding By a wind So condescending After The clock And in a world So cold and so Defending And you've been All happy and seen After The clock And you'll be no happy ending After all's done It's in my head It's something I can't stand Tell me how dare we treat everyone with disrespect Why do we assume without a doubt We're the ones this planet spins around It goes without saying The levees are breaking The rebels there are will be undone. Don't let us trade over for understanding. Why are we so condescending? After all's done done. In a world so cold and so demanding There can be no happy ending After us, no fun And in a world so cold and so demanding There can be no happy ending Der Studierendenradio der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich. So, mittlerweile hat die dritte und letzte Gruppe von Studierenden bei mir Platz genommen. Es ist auch die größte Gruppe. Fünf Studierende dieser Lehrveranstaltung sitzen jetzt hier bei mir. Im Gegensatz zu den anderen Gruppen, die wir zuvor gehört haben, wo es um Einzelschicksale gegangen ist, hat sich diese Gruppe allgemein mit dem Thema Zwangsrealisation befasst und ich bitte jetzt die Melanie uns die Begriffe Eugenik und Rassenhygiene ein bisschen näher zu bringen. Ja, dankeschön Herr Professor. Die Eugenik bezeichnet die Idee, die Bevölkerung durch die Förderung guter Erbanlagen und schlechter Erbanlagen zu verbessern. Und Rassenhygiene verfolgt eigentlich dasselbe Ziel, nur hat es die nationalsozialistische Rassenideologie als Grundlage und auch die Reinhaltung der Bevölkerung. Genau, also das Konzept der Eugenik und der Rassenhygiene, die zwei Ansätze sind nicht vom Himmel gefallen im 19. Jahrhundert, sondern basieren auf verschiedenen Einflussfaktoren und da sind zwei Faktoren ganz relevant und zwar einerseits die Etablierung der Naturwissenschaften und des Empirismus, also dass man Forschungsansätze mit objektiv überprüfbaren Daten sozusagen beweisen kann. Und ganz zentral für diesen Aufschwung der Naturwissenschaften war eben von Charles Darwin die Evolutionstheorie, Survival of the fittest, nachdem sich eben im Laufe der Naturgeschichte eben nur die besten und stärksten Organismen sozusagen durchgesetzt haben. Und der zweite wichtige Punkt oder der zweite ganz wichtige Einflussfaktor, der auch eng mit dem Aufstieg der Naturwissenschaften verknüpft war, war eben die Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Eben durch diese Erkenntnisse der Naturwissenschaften hat man eben dann Maschinen produzieren können, bauen können, die große Produktivitätsgewinne ermöglicht haben. Und das hat aber dann dazu geführt, dass eine Urbanisierung eingesetzt hat, also Städte sehr rasch gewachsen sind und dadurch dann einfach in den Städten sehr große soziale Herausforderungen entstanden sind, in der Versorgung, Nahrungsmittelversorgung, Wohnraum, der hygienischen Versorgung, Gesundheitsversorgung. Und dann hat es zwei Ansätze gegeben sozusagen. Die einen haben gefordert, dass man diese neuen Erkenntnisse in den Naturwissenschaften für eine bessere medizinische Behandlung der Personen einsetzt, auch der Schwachen und Kranken. Und eben diese großen Gewinne aus der Industrialisierung zumindest teilweise für ein soziales Sicherungsnetz verwendet. Und umgekehrt aber jetzt die Vertreter der Eugenik, und da sind wir jetzt dann wieder bei unserem Punkt sozusagen, haben den gegenteiligen Ansatz verwendet. Die haben dieses Konzept des Darwinismus aufgegriffen, dass sich nur die Stärksten und Besten durchsetzen und das eigentlich nur für die Natur, Biologie konzipierte diese Theorie umgemünzt auf die Gesellschaftspolitik, dass sich eben auch in der Gesellschaft nur die stärksten und besten durchsetzen sollen und auch diese nur von den Ressourcen der Gesellschaft profitieren sollten. Also man sollte eben keine Gesundheitsversorgung oder wenig Gesundheitsversorgung diesen zugutekommen lassen, sondern nur den stärksten und besten. Und dementsprechend war man auch der Meinung, dass man dann den Schwachen und Kranken die Fortpflanzung verwehrt, sie sterilisiert, um eben zu verhindern, vermeintlich schädliche Erbanlagen, wichtiger Punkt, vermeintlich schädliche, weil diese Theorie der Eugenik ist letztendlich nie wissenschaftlich bestätigt worden, dass die einfach sich nicht mehr in der Gesellschaft sozusagen fortpflanzen können, wenn man nur mehr starke und schwache Personen hat. Melanie, bitte jetzt noch kurz, wie das jetzt dann vom Nationalsozialismus aufgegriffen worden ist und kombiniert worden ist mit der Rassenhygiene? worden ist und kombiniert worden ist mit der Rassenhygiene. Sie bildeten eben die, wie schon gerade erwähnt, die Grundlage der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik. Also die Fortpflanzung war sozusagen die Aufgabe des Staates und Menschen, die unter Anführungszeichen als minderwertig, asozial galten, die sollten keine Kinder bekommen und wurden dann zwangssterilisiert. keine Kinder bekommen und wurden dann zwangssterilisiert. Genau, und im Nationalsozialismus ist eben dann die Zwangssterilisation ein politisches Massenprogramm geworden. Und Max, vielleicht kannst du uns jetzt bitte ein bisschen näher erläutern, wie das institutionell dann implementiert worden ist, dieses ganze Programm. Ja, also am Anfang von den Zwangssterilisationen wurde mal eine gesetzliche Grundlage geschaffen, mit der der Staat dann die Zwangssterilisation von Menschen mit nicht fortpflanzungswürdigen Erbgut legitimiert hatte. ernstungswürdigen Erbgut legitimiert hatte. Das Gesetz hieß, das Gesetz zur Verhütung von erbkranken Nachwuchs. Und 1933 wurde das im Parlament beschlossen. Und dann am 1. Jänner 1934 wurde das dann in Kraft gesetzt. Die Folge war das, dass Menschen, die zum Beispiel gemeldet wurden bei Gerichten, die hießen Erbgesundheitsgerichte, wo man den Verdacht hatte, das Erbgut von dieser Person ist nicht fortpflanzungswürdig, die wurden dann eben auch von diesen Gerichten angewiesen, dass sie sich in Anstalten einfinden oder wurden dort auch unter Zwang hingebracht und mussten sich dann dort untersuchen lassen. Und wenn dieser Bescheid dann positiv war und festgestellt wurde, okay, du bist erbkrank, dann wurdest du zwangssterilisiert. Und das betraf sehr viele Menschen im Dritten Reich. Das waren bis zu 400.000 Menschen, die von diesen Sterilisationen betroffen waren. Was dann passiert ist, man ist von einem Arzt, von einem probierten Arzt, dann durch verschiedenste Methoden der Fruchtbarkeit beraubt worden. Unter anderem wurde bei dem Mann die Samenleiter abgeklemmt, bei den Frauen die Eierstöcke. Und später auch durch eine Veränderung dieses anfänglichen Gesetzes 1936 sind dann auch andere Methoden angewendet worden, zum Beispiel Röntgenstrahlung oder der Einsatz vor anderem radioaktivem Material. Das wurde vor allem bei Frauen verwendet, die über 38 waren und wo die operative Entfernung der Eierstöcke als zu riskant galt. Und ja, dabei war natürlich weit mehr als nur die Fruchtbarkeit den Menschen genommen. Die wurden auch aktiv in diesem Prozess traumatisiert und das war halt bei vielen Menschen leider auch nicht mehr rückgängig machbar nach dem Ende des NS-Regimes und da hat man nämlich wirklich Langzeitschäden verursacht. Und das Ausmaß von dem wurde dann noch schlimmer eigentlich durch die Alternasie. Das Alternasie-Programm wurde ja parallel dazu eigentlich entwickelt. Und das hatte dann das Ziel, nicht mehr nur die Fortpflanzung dieser Menschen zu verhindern, sondern diese auch gezielt zu töten. Und Teil davon, und das ist vor allem für Oberösterreich sehr wichtig, war die Aktion T4, in der 70.000 Menschen, darunter zum Beispiel auch Kinder aus psychiatrischen Einrichtungen, die gezielt vergast wurden. Für uns ist natürlich die Gedenkstätte Hartheim ein zentraler Bezugspunkt. Und insgesamt fielen dann dieser Euthanasie im Deutschen Reich 200.000 Menschen zu Opfer und in ganz Europa fast 300.000. Und ich glaube, der Herr Kollege wird euch jetzt etwas von dem Alltag der Menschen damals erzählen. Genau, der Alltag der Menschen war natürlich vor allem geprägt von einer richtigen existenziellen Angst vor eben diesen Eingriffen in den eigenen Körper oder eben auch Eingriffe in ihr Privatleben. Man muss sich vorstellen, es hat eine riesige öffentliche Überwachung gegeben und auch Kontrolle. Und die Menschen lebten so in einer riesigen Unsicherheit, weil im Endeffekt gab es ein riesiges Netz von derartigen Ämtern, wo diese Personen mehr oder weniger gemeldet werden konnten. Und ganz, ganz viele Personen konnten diese Personen melden. Dabei zum Beispiel auch Hausärzte, Hebammen oder auch Lehrer, wodurch sich das Ganze auch ganz schnell zu einem Dorfklatsch entwickelt haben kann. Und zudem, man muss sich vorstellen, weil eben so viele Personen das melden konnten, hatte man immer Angst davor, dass man bei alltäglichen Untersuchungen bei Ärzten zum Beispiel, dass das dann eine Meldung nach sich zieht zum Beispiel. zum Beispiel, dass das dann eine Meldung nach sich zieht zum Beispiel. Ja, und zusätzlich dazu muss man sagen, dass neben der Unfruchtbarkeit, die die Personen da erfahren haben, natürlich auch noch ganz, ganz andere soziale Auswirkungen gehabt hatte. haben die unfruchtbar gemachten Personen keinen Kontakt mehr haben dürfen mit als gesund geltenden Personen, also es gab ein sogenanntes Heiratsverbot für einen zu engen Kontakt mehr oder weniger und was auch ganz schlimm an der Sache ist, dass viele Frauen die wissentlich selbst unfruchtbar gemacht wurden dann auch Opfer von vielen Eingriffen von Männern wurden, da es ja bekannt war, dass diese Personen unfruchtbar waren. Genau. Und ich übergebe jetzt an meine Kollegin, die sich das Ganze mit der medialen Auseinandersetzung angeschaut hat. Genau, danke. Also wir haben uns natürlich im Zuge dieser Lehrveranstaltung auch überlegt, wie genau können wir dieses Thema medial aufbereiten. Und da haben wir zum einen Mal mit unseren Kollegen und Kolleginnen aus Passau gemeinsam quasi die Inhalte erarbeitet und wir haben uns dann gedacht, dieser theoretische Input ist zwar sehr wichtig und sehr spannend natürlich, um das Ganze zu verstehen, aber es ist natürlich sehr trocken. Und wenn man sich das dann anhört, kann es schon mal sein, dass man vielleicht das Ganze nicht so spannend findet, weil einfach sehr viel theoretischer Input ist. Und deswegen haben sich wir auch entschieden, dass wir eine Biografie mit einbeziehen. Also es gibt da eine Biografie von einem Handwerksmeister, der ist mit 41 Jahren sterilisiert worden und dieses Beispiel zeigt auch, wie unnötig das Ganze eigentlich war, weil er beschreibt, dass er elf Kinder hatte und keiner von seinen Kindern hat eine Erbkrankheit gehabt und dementsprechend war das eigentlich gar nicht notwendig gewesen. Und er beschreibt auch, wie es ihm selber gegangen ist. Also jeder im Dorf quasi hat gewusst, dass er quasi unfruchtbar gemacht worden ist. Auch seine Kinder haben Erfahrungen gemacht, die negativ waren. Diese Menschen hatten es wirklich sehr schwer, in der Gesellschaft normal weiterzuleben. Also von Alltag war da eigentlich, normal im Alltag war da gar keine Rede mehr. Und wir haben quasi versucht, in unserer Aufnahme das Ganze gemeinsam zu verbinden. Also dieses Beispiel von diesem Handwerksmeister gemeinsam mit dem theoretischen Input, damit man das Ganze auch nachvollziehen kann, beziehungsweise eher hinterfragt. Ich glaube, das ist bei diesem Thema besser angebracht, weil es ja unnötig war, das Ganze zu machen. Und wir können da gerne mal hineinhören in unsere Aufnahme und schauen, was entstanden ist. Vielen Dank. Ich bitte darum, dass wir das uns jetzt anhören. Die Entscheidung über meine Unfruchtbarmachung beruht einzig und allein auf einem Gutachten aufgrund einer nur 19-tägigen Beobachtung in der Heilanstalt. Ein Handwerksmeister schreibt diese Worte im Dezember 1937. Er ist kein politischer Aktivist, kein Verbrecher. Er ist ein Mann mit Familie, mit Arbeit, mit einem Leben, das bis dahin als normal galt. Er fährt fort. Im Laufe der Jahre erhöhte sich meine Kinderzahl auf elf. Sämtlich sind sie gesund. Und trotzdem entscheidet ein Gericht, dass dieser Mann keine Kinder mehr haben darf. Doch warum? Um das zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurückgehen, in eine Zeit, in der Wissenschaft und Ideologie gefährlich miteinander verschmolzen. Im späten 19. Jahrhundert entsteht der Begriff Eugenik. Es bedeutet so viel wie gutes Erbe. Die letztendlich nie wissenschaftlich bewiesene Idee dahinter wirkt auf den ersten Blick rational. Denn wenn man Krankheiten verhindern kann, warum dann nicht auch deren Vererbung? Doch diese scheinbar schlichte Überlegung wird schnell zu etwas anderem. Man beginnt Menschen zu bewerten in wertvoll und weniger wert. Eigenschaften wie Armut, Krankheit oder unter Anführungszeichen abweichendes Verhalten werden plötzlich als erblich gedeutet. In Deutschland etabliert sich dafür ein weiterer Begriff, die Rassenhygiene. Was zunächst wie ein medizinisches Konzept klingt, wird zur politischen Ideologie. Der Staat beansprucht das Recht, über Körper, Ehe und vor allem die Fortpflanzung zu entscheiden. Im Nationalsozialismus wird diese Idee schließlich zur Realität. 1934 tritt das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses in Kraft. Es schafft die Grundlage für ein System, das strukturiert und organisiert ist. Gesundheitsämter melden Verdachtsfälle und Ärztinnen und Ärzte erstellen Gutachten. Spezielle Gerichte, sogenannte Erbgesundheitsgerichte, entscheiden schlussendlich über das Leben der Betroffenen. Der Ablauf einer Zwangssterilisation ist dabei erschreckend routiniert. Beginnend mit der Meldung geht es zur Untersuchung, dann zum Urteil, der Einweisung und schlussendlich der Operation. Es ist ein bürokratischer Prozess, der effizient dokumentiert und scheinbar legal ist. Doch für die Betroffenen beginnt die Geschichte oft ganz anders. Viele erfahren zufällig von dem Verfahren gegen sie. Zum Beispiel beim Arzt, in der Schule oder durch Gerüchte im Dorf. Der eigene Körper wird zur Zielscheibe von öffentlichen Angelegenheiten. Menschen werden zu Intelligenztests vorgeladen. Ihnen werden Fragen gestellt, die nichts mit ihrem Alltag zu tun haben. Wer sie nicht beantworten kann, gilt als minderwertig und begründet wird das oft sehr vage mit beispielsweise angeborenem Schwachsinn, asoziales Verhalten oder mangelnder Lebensbewährung. Der Handwerksmeister erklärt. Dass diese Krankheit bei mir vererbbar ist, muss ich auf das Entschiedenste bestreiten. Meine Kinder sind alle gesund. Er argumentiert und versucht, sich zu wehren. Doch das System lässt wenig Raum für Widerspruch. Nach dem Urteil folgt der Eingriff. Bei Männern ist das meist eine Vasektomie, die Durchtrennung der Samenleiter. Bei Frauen sind es Eingriffe an den Eileitern oder sogar Strahlenbehandlungen mit Radium. Der Eingriff erfolgt in Krankenhäusern, durchgeführt von Ärzten. Medizin, die eigentlich heilen soll, wird hier zum Instrument staatlicher Gewalt. Und die Folgen gehen weit über den Moment der Operation hinaus. Viele Betroffene leiden unter Schmerzen, Infektionen oder dauerhaften gesundheitlichen Schäden. Manche sterben sogar. Schäden. Manche sterben sogar. Noch gravierender sind aber oft die sozialen Konsequenzen. Der Handwerksmeister bringt eine der größten Ängste auf den Punkt. In einem so kleinen Ort lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass ich unfruchtbar geworden bin wegen angeblicher Erbkrankheit. Das sickert doch allmählich in die breite Öffentlichkeit. Meine Kinder sind als erblich belastet abgestempelt und sind für ihre Zukunft daher schwerstens benachteiligt. Nicht nur er wird diskriminiert, auch seine Familie ist davon betroffen. Sterilisierte Menschen dürfen oft nicht mehr frei heiraten. Sie werden ausgegrenzt. Besonders Frauen sind zusätzlich sexuellen Übergriffen ausgesetzt, weil ihre Unfruchtbarkeit sie in den Augen mancher zu Freiwild macht. Es gibt auch Versuche, sich dem Urteil zu entziehen, wie Umzüge, Flucht und auch Protestbriefe. Manche wählen auch einen drastischen Ausweg. Sie lassen sich freiwillig in Anstalten einweisen, um der Sterilisation zu entgehen. Damit verlieren sie aber ihre Freiheit. Doch selbst diese vermeintliche Wahl können sich viele nicht leisten. Denn die Kosten der Zwangssterilisation müssen selbst getragen werden. Bis 1945 werden etwa 400.000 Menschen im Deutschen Reich zwangssterilisiert. Diese Zahl steht nicht allein. zwangssterilisiert. Diese Zahl steht nicht allein. Denn sie ist Teil einer Entwicklung, die weitergeht hin zu den sogenannten Euthanasie-Morden, bei denen hunderttausende Menschen systematisch getötet wurden. Hinter jeder Zahl steckt eine Person, die eine Geschichte erzählt, wie die des Handwerksmeisters. Er ist ein Mensch, der versucht hat, gehört zu werden. Ein Mensch, der argumentiert, gezweifelt und gehofft hat. Und am Ende wurde er doch Teil eines Systems, das ihn nicht als Individuum sah, sondern als problematischen Fall. Die entscheidende Frage allerdings ist, was passiert, wenn eine Gesellschaft beginnt, den Wert von einzelnen Menschen zu hinterfragen. Wenn jemand darüber entscheidet, ob ein Leben lebenswert ist oder nicht. Ja, danke auch für dieses tolle Beispiel und wir kommen somit zum Ende dieser heutigen Sendung. Ich bedanke mich bei allen, die sich hier engagiert haben. Es waren wirklich tolle Leistungen, die hier hervorgebracht wurden. Vielen Dank für das Engagement und für die wirklich professionelle Arbeit, die hier geleistet wurde. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht nur bei den Studierenden dieser Lehrveranstaltung bedanken, sondern auch bei meinem Kollegen Christian Kogler, der mich hier begleitet und unterstützt hat und auch bei Frau Prof. Dr. Katrin Plank von der Universität Passau, die das ganze initiiert hat, die das Thema auch vorgeschlagen hat und die wirklich auch mit sehr viel Herzblut hier dabei war und uns unterstützt hat. Ich hoffe, dass diese Art der Lehrveranstaltung für alle gewinnbringend war und jeder davon profitieren konnte. Ich danke allen, die hier dabei waren, allen, die zugesehen haben und wünsche noch einen angenehmen Nachmittag. Danke und auf Wiedersehen. Teacher Education Radio Austria noch einen angenehmen Nachmittag. Danke und auf Wiedersehen.