Musik Also wir befinden uns im oberösterreichischen Landesmuseum, genauer gesagt im Schlossmuseum in Lind, in unserer neuen archäologischen Dauerausstellung. Und in Raum 1 geht es um unsere Highlights. Wir haben sechs Highlight-Objekte ausgestellt, die sich quasi über die gesamte Urgeschichte Römerzeit und das Frühmittelalter spannen, beginnend mit einer Figur aus dem mittleren Neolithikum, die aus Oelkern bei St. Florian stand. Wir haben eine Schnabelkanne aus dem etruskischen Raum, die aus der späten Eisenzeit stammt, einen ganzen Haufen an Goldmünzen aus derselben Zeit. Ausgestellt ist auch der Goldhalsreifen von Utendorf, auch aus der Hallstattzeit, ein römischer Weihe so kann, wenn sie nach Schätzen gräbt. Und im Raum 2 geht es dann um die Methoden der Archäologie. Und dann folgen drei Räume, wo es ums archäologische Welterbe geht. Einerseits die Pfahlbauten rund um die Alpen, Hallstatt und das Dachsteingebiet und der Donau-Limes, die römische Grenze. Und dann gibt es noch einen Raum übers römische Linz. Wir haben eine Frauenfigur in Raum 1 ausgestellt. Das ist die Frau von Oelkom. Oelkom liegt bei St. Florian. Da wurde eine sogenannte Kreisgrabenanlage ausgegraben, schon in den 90er Jahren. Und darin ist diese Frauenfigur entdeckt worden. Es ist deshalb so eine besondere Figur, also ein besonderes Fundstück, weil es in der Urgeschichte ganz selten nur Darstellungen des Menschen vom Menschen gibt. Und dass sie auch noch eine Frauenfigur ist, macht sie natürlich noch einmal zu etwas Besonderem, weil anhand von solchen Figuren ganz oft Debatten geführt werden, wie es denn ausgesehen hat mit den Geschlechterverhältnissen in der Urgeschichte. Das heißt, man debattiert dann sehr gerne, hat es ein Matriarchat gegeben oder hat es doch ein Patriarchat gegeben oder wie war diese ganze Struktur? Die klare Antwort auf solche Fragen muss sein, dass wir es natürlich nicht wissen. Wir haben aus dieser Zeit keinerlei Schriftquellen. Das bedeutet, wir sind total auf Spekulationen angewiesen, aber wir freuen uns natürlich, dass es eine solche Figurine gibt, weil die eben so selten sind. Zitatiert in die Zeit um ungefähr 4800 vor Christus, ist aus Keramik, also aus gebranntem Ton und wir haben tatsächlich keine Ahnung, was sozusagen ihr Zweck gewesen ist. Unser Highlight für die Römerzeit im ersten Raum ist ein wirklich ganz besonderes Objekt. Es ist das schwerste Objekt in der Ausstellung, es hat über 900 Kilo. Es ist ein Altar, der ist in den 1920er Jahren sekundär eingebaut, in einem Bauernhof in der Nähe von Nettingsdorf, Moos, Brandsfelden gefunden worden. Und er ist aber nicht in der Ausstellung, weil er so schwer ist, sondern weil er eine besondere Aussage hat. Dieser Altar ist in der Mitte vom ersten Jahrhundert, in der absoluten Frühzeit der Römerzeit in Oberösterreich, aufgestellt worden und erst gestiftet worden von einem Tiberius Claudius Provinzialis. Und dieser Name sagt schon sehr, sehr viel. Tiberius Claudius verweist uns in die claudische Zeit, also ins erste Jahrhundert. Und sein Rufname, sein Kognomen ist Provinzialis, der Provinzler, der aus der Provinz stand. Und wenn man sich dann anschaut, wie sein Vater heißt, der ist nämlich auf dem Altar auch genannt, der heißt Sonus oder Sonius. Der hat keinen römischen Namen, der ist nicht römischer Bürger, sondern der ist ein Einheimischer. Und da sieht man schon, der eine hat sich schon praktisch assimiliert, ist schon Römer und sein Vater war es aber noch nicht. Und das spiegelt sich dann auch in den Darstellungen auf den Seiten des Altars wunderbar wieder. Da haben wir aus der Religion, also aus den Glaubensweltenbildern, auf der einen Seite haben wir was zum Jupiter- Altar, perfekt passt, ein Blitzbündel, Donnerkeil von Jupiter, im Griechischen der Zeus. Auf der anderen Seite haben wir dann aber eine Figur, die wir aus der römischen Ikonografie nicht kennen. Da ist ein Wandersmann dargestellt, mit einem Stock in der einen Hand und ein Wagenrad hat er geschultert. Und das kennen wir so eben aus der römischen Ikonografie nicht. Aber man kennt es zum Beispiel aus dem gallorömischen Bereich. Da werden solche Figuren als Taranis bezeichnet. Das heißt, wir haben einen einheimischen Wettergott, der mit dem römischen Donnergott, Wettergott Zeus, Jupiter gleichgestellt wird. Dann haben wir eine Schnabelkanne aus Bronze ausgestellt, die stammt aus dem Inviertel, genauer gesagt aus Sunzing, ist schon Ende des 19. Jahrhunderts ausgegraben worden. Und es ist eindeutig klar, dass es sich dabei um ein Importstück handelt. Das bedeutet, die kommt aus dem heutigen Etrurien, also aus Oberitalien oder aus dem nördlichen Italien. Sie wurde höchstwahrscheinlich nicht nur alleine importiert, sondern wahrscheinlich auch mit dem Wein, den man daraus dann ausgeschenkt hat. In der Eisenzeit, aus der sie stammt, wird auch in Oberösterreich oder zumindest in Österreich schon Wein angebaut, aber vielleicht hat der italienische Wein doch noch ein bisschen besser geschmeckt und man hat den Samt dieser Kanne importiert. Vor den Toren von Linz hat sich in der spätesten Eisenzeit, kurz vor der Ankunft der Römer, eine große Flachlandsiedlung befunden. Die war nicht großartig befestigt, also die war einfach dazu da, um wahrscheinlich Handel zu betreiben und Austauschsysteme irgendwie einmal offen zu halten. Und insofern ist es einigermaßen folgerichtig, dass man hier sehr viel Gold gefunden hat. Geld oder Münzen zeigen, dass es im Handelsverkehr gegeben hat. Diese Münzen sind wahrscheinlich sogar in Neubau auch hergestellt worden und also nicht nur hier benutzt worden. Und ja, da darf man schon einmal von einem Schatzfund sprechen. Also auch eine sehr interessante Sache. Die Fundstelle Neubau wird auch mit Diskussionen in Verbindung gebracht, wenn es um die frühe Urbanisierung Oberösterreichs geht. Also möglicherweise war das die Vorläuferin dessen, was dann später in Wels in der Römerzeit neu gegründet wurde. Das kann man noch nicht so genau sagen. Vermutlich wichtigster Highlight-Fund, den wir haben in der Ausstellung, ist der Goldhalsreifer von Utendorf. Er datiert in die Hallstattzeit um 550 v. Chr. Er ist im Innviertel gefunden worden, schon 1885, in einem insgesamt sehr reich ausgestatteten Grab, in dem Leichenbrand auch drinnen war. Das heißt, die bestattete Person ist brandbestattet gewesen. Wie das der Zeit im 19. Jahrhundert entsprochen hat, hat man diesen Leichenbrand damals nicht geborgen. Man kann ihn heutzutage eben auch nicht mehr analysieren. Deshalb wissen wir nicht, war es ein Männergrab oder ein Frauengrab. Aber auch hier kann man wieder intensive Spekulationen betreiben, wer und warum hatte einen solchen Goldhalsreifen im Grab mit. Handelt es sich dabei um einen Fürsten oder eine Fürstin oder um jemanden, der einfach materiell gut genug ausgestattet war, um so ein Objekt mitzubekommen? Oder, was auch eine Möglichkeit ist, hat es einen spirituellen Hintergrund? Immerhin geht es bei einem Grab um den Tod eines Menschen und was sich die Menschen damals dazu gedacht haben, auch zu einem potenziellen Weiterleben nach dem Tod oder überhaupt irgendwelchen religiösen Weltbildern, das ist uns leider auch mangels Schriftquellen völlig verschlossen. also aus der Zeit nach der Römerzeit. Und solche Ohrringe finden sich relativ häufig in frühmittelalterlichen Gräberfeldern. Allerdings sind sie meistens aus Bronze und in diesem Fall eben aus Gold. Und deswegen haben sie es in den Highlight-Raum geschafft. Im zweiten Raum haben wir uns entschlossen, bevor wir zu den Welterbestätten gehen, zu den drei Welterberegionen gehen, dass wir erklären, wie funktioniert Archäologie. und in drei Welterbe-Regionen gehen, dass wir erklären, wie funktioniert Archäologie. Archäologie ist die Geisteswissenschaft, die am meisten vernetzt arbeitet. Also es gibt, glaube ich, keine Disziplin, die kooperativer und vernetzter arbeitet. Unser Ziel ist es, mit vielen verschiedenen Methoden möglichst viel über die Vergangenheit und damit über die Geschichte der Menschheit in Erfahrung zu bringen. Und in diesem Raum geht es um die Entdeckung einer Fundstelle, welche Methoden haben wir eine Fundstelle zu untersuchen. Da gibt es ja nicht nur die Grabung, sondern es gibt auch zerstörungsfreie Methoden, geophysikalische Prospektionen, Luftbildarchäologie und vieles andere mehr. Es geht aber auch darum, dass wir natürlich mit der Numismatik, mit der Münzkunde zusammenarbeiten, mit Archäobotanikern, die sich anschauen, was haben die Menschen zum Beispiel gegessen, welche Pflanzen hat es zu dieser Zeit gegeben, wie ist die Vegetation, wie hat sich die verändert. Oder mit Archäozoologen, die sich anschauen, wie schaut die Fauna, die Tierwelt aus und was ist die tierische Ernährung der Menschen. Und das geht mit Archäometallurgie, wie sind Verarbeitungsprozesse, welche Metalle werden verwendet? Und das kann man eigentlich in jede Richtung ausdehnen. Also überall, wo wir Möglichkeiten haben anzudocken, versuchen wir das mit Kooperationen mit anderen Fächern. Wir haben irrsinnige Massen an Funden von manchen Grabungen, die man kaum bewältigen kann. Da geht es einfach einmal darum, eine Entscheidung zu treffen, welche Grabungen sind einmal besonders wichtig, die für zum Beispiel die Geschichte eines Ortes viele Aussagen versprechen, auf die zu fokussieren. Und dann muss man sich im Fundmaterial fokussiert man sich im Normalfall auf sogenannte diagnostische Funde, das heißt Funde, die uns entsprechende Aussagen über die Datierung geben oder die uns, wenn wir sie auswerten, Aussagen über die Menschen, wie haben sie gelebt, geben. Das ist eigentlich der Fokus und da ist jede Grabung natürlich anders und auch jedes Bearbeitungsprojekt eine andere Herausforderung. Das Oberösterreichische Landesmuseum hat zwei archäologische Abteilungen. Eine ist zuständig für die Ur- und Frühgeschichte. Ich bin zuständig für Römerzeit, Mittelalter, Neuzeitarchäologie. Jede Abteilung verfügt über eine Sammlungsleiterin beziehungsweise einen Sammlungsleiter und dann gibt es noch zwei Restauratorinnen, die sich eben mit unserem Fundmaterial beschäftigen. Das ist unsere personelle Ausstattung und wir versuchen deshalb mit sehr vielen Kolleginnen und Kollegen von verschiedenen Institutionen zu kooperieren, um möglichst viel an archäologischer Forschung zu Wege zu bringen. Und Ergebnisse werden dann sowohl in dieser Ausstellung präsentiert als auch publiziert, so oft und so intensiv es geht. Wir haben hier zwei ganz wesentliche Schwerpunkte im Bereich der Römerzeit. Das eine ist die sogenannte Limesforschung. Das heißt, wir beschäftigen uns natürlich sehr, sehr intensiv mit den Fundorten entlang der Donau, die ja auch zum Welterbe Donau-Limes zum Teil zählen. Und die andere Seite ist dann die Erforschung des sogenannten Hinterlandes. Das heißt, wie interagiert die Städte im Hinterland, die Siedlungen, die Guts- und Bauernhöfe mit dem Donau-Limes oder mit mit den Donaulimesorten. Wir haben einerseits natürlich Ballungszentren, militärische Komponenten, Kastelle, ein Legionslager in L'Ariacumens ab dem späten zweiten Jahrhundert. Wir haben kleinere militärische Einheiten und dann haben wir natürlich städtische Zentren wie Uvila Visvelz oder Joar von Salzburg. Und dann gibt es kleinere Siedlungen. Und das alles ist ein sehr enges Netzwerk, das mit den Flüssen als Verkehrswegen und mit Straßen verbunden ist. Und das Ziel eigentlich einer römischen Provinz ist, dass sie sich möglichst selbstständig, autark sozusagen versorgen kann. Darum gibt es eben dieses ganz dichte Netz an Guts- und Bauernhöfen. Sprich, dass man nicht viel Getreide importieren muss fürs Militär, für die Personen, die da leben, sondern dass man das möglichst aus der Provinz heraus versorgt. Eines der wichtigsten Projekte der Abteilung Uhrenfrühgeschichte in den letzten Jahren war das Projekt Zeitensprung. Da ging es um die Pfahlbauforschung am Mondsee und am Attersee. Im Grunde ist eine unterwasserarchäologische Ausgrabung das Gleiche wie eine Grabung an Land. Man macht ein vierhäckiges Loch, man dokumentiert das ordentlich, misst das ordentlich ein. Aber man arbeitet natürlich unter erschwerten Bedingungen, weil man eben taucht. Es ist kalt, man hat schlechte Sicht, man kann sich schwer mit den Leuten unterhalten. Das heißt, es dauert alles sehr viel länger und ist entsprechend auch teurer. Dafür wird man belohnt mit sehr viel Material, das man sonst nicht hat. Objekte aus organischen Materialien, irgendwelche Schnüre zum Beispiel und die namengebenden Pfähle der Pfahlbaukulturen. Und da sind dann sehr viele Spezialistinnen und Spezialisten gefragt, die mit diesem Material dann umgehen müssen. Das heißt, man muss es konservieren mit sehr spezialisierten Methoden und dann wird archäobotanisch erforscht. Die Archäozoologie arbeitet mit diesem Material, um am Ende möglichst viel über die Lebensbedingungen der Menschen in diesen Pfahlbauten herausfinden zu können. Die Römer kommen und bringen ihre Errungenschaften natürlich mit sich. Mit den Römern kommt die Schrift, mit den Römern kommt das römische Recht, mit den Römern kommt ein Großreich und ein Großreich braucht Verwaltung, mit den Römern kommt Steinbau, es kommen die Ziegeln und so weiter und so fort. Also überall dort, wo natürlich so ein Großreich hinkommt, hinterlässt es ganz deutliche Spuren. Also der Unterschied zum Beispiel von Donau-Limes zu einer Landgrenze wie dem obergermanisch-rätischen Limes in Deutschland oder zu dem Hadrian's Wall oder Antonine Wall in Großbritannien ist natürlich, dass wir eine Wassergrenze haben. Eine Wassergrenze hat schon den großen Vorteil, dass sie eine natürliche Barriere hat. In dem Fall ist es die Donau. Das heißt, ich muss schauen, dass ich die Donau gut kontrolliere mit Schifffahrt, mit Schifffahrt und mit sehr mobilen Truppen auf dem Wasser. Und die andere Geschichte ist, dass ich die Übergänge über die Donau, das heißt wo Verkehrsverbindungen nach Norden führen, im Bereich von Linz zum Beispiel mit dem Haselgraben Richtung Moldau, im Bereich von Enns oder Stein, St. Pantanal-Ern in Niederösterreich, mit der Eistal, wo es sehr kurze Verbindungen zu Moldau geht. Diese Strecken, diese Punkte müssen kontrolliert werden. Und dort schöpft man natürlich Geld ab, weil überall dort, wo Grenzverkehr ist, wird auch Zoll eingehoben. Und da holen sich natürlich die Römer entsprechend ihr Geld. Die Analyse des Materials aus den Pfahlbauforschungen funktioniert wie bei allen anderen Ausgrabungen auch. Man versucht sie zu datieren. Das passiert einerseits über die Methode der Typologie. Das bedeutet, wir vergleichen unser Fundmaterial miteinander und was sehr gleich oder sehr ähnlich aussieht, gehört in die gleiche Zeit. Das ist auch bei der Unterwasserarchäologie nicht sehr viel anders. Und dann versuchen wir mit naturwissenschaftlichen Methoden, das wäre im Fall der Pfeilbauten idealerweise die Dendrochronologie. Das bedeutet Pfähle, das Holz, das kann datiert werden, weil ein Baum jedes Jahr einen neuen Ring baut oder sich schafft. Und die Abfolge der einzelnen Jahrringe ist wie eine Art Barcode, gibt ein eindeutiges Muster. Wenn man das über die Jahrtausende zurückverfolgt, könnte man ein neues Stück Holz dann eben datieren. Funktioniert noch nicht bei den Pfahlbauten Oberösterreichs, weil die grundsätzliche Kurve, an der wir alle anderen dann messen könnten, die wir finden, alle anderen Hölzer, noch nicht existiert. Aber das ist im Prinzip die Methode, die wir gerne anwenden würden. Und natürlich die altbekannte C14-Methode, Radiokarbon-Datierung, die natürlich ein bisschen ins Geld geht, aber die wir natürlich angewendet haben, um die Reste unserer Pfahlbauten datieren zu können. In diesem Raum, wo es um die Methoden geht, geht es natürlich auch sehr stark darum, wie geht man mit unserem Fundmaterial um. Man muss auf der Grabung schon mit verschiedenen Fundgattungen unterschiedlich umgehen. Es ist was anderes, ob ich ein Metall finde oder Eisen ist zum Beispiel extrem heikel oder ob es Keramik ist, wo ich weniger aufpassen muss. Und natürlich in der Restaurierung ist dann auch ein Unterschied, wie geht man mit verschiedenen Materialien um, wie geht man mit Ergänzungen um und all das wird in diesem Raum behandelt. Und dann geht es natürlich auch darum, wie geht man weiter mit Funden um. Was haben wir für Möglichkeiten der Dokumentation bis hin zur Bestimmung, bis hin zur Datierung. Also das ist dann der zweite, auch ein zweiter wichtiger Teil, der Umgang mit den Objekten. Dafür stehen wir natürlich als Museum und das haben wir natürlich auch entsprechend hier eingearbeitet. Die Pfahlbaufundstellen in den Seen Oberösterreichs sind teilweise schon seit über 100 Jahren bekannt. Die Pfähle ragen einfach aus der Seekreide heraus. Wenn man drüber schwimmt, drüber taucht, mit dem Boot drüber fährt, sind die mit freiem Auge zu erkennen. Das heißt, wo die Fundstellen sind, das ist seit Langem bekannt. Der Punkt ist der, wie schützt man sie? Das ist die denkmalpflegerische Aufgabe. Und das andere ist, kann man es sich leisten, sie auch zu erforschen? Ja, es gibt natürlich bei uns eine Datenbank, für das gesamte Landesmuseum gibt es eine Objektdatenbank, wo wir natürlich immer hinten nach sind. Also Altbestände sind sehr gut aufgenommen mit den neuen Grabungen. Es kommen wirklich jedes Jahr Neuzugänge und mehrere hunderte, teilweise tausende Neuzugänge dazu. Und das alles als erstes einmal zu reinigen, zu inventarisieren, zu bestimmen, das geht sich eigentlich nie parallel aus. Also da haben wir immer irgendeine Schuld auf unseren Schultern, aber mit dem muss man leben. Also wir übergeben dann unseren nachfolgenden Generationen auch noch etwas, mit dem sie weiterarbeiten können und müssen. 2011 wurden die Pfahlbauten UNESCO Welterbe nicht nur in Österreich, sondern auch noch in fünf anderen Staaten Europas, also in so einem Alpenbogen von Frankreich bis Slowenien. Und damals wurde ins Leben gerufen eine ganz wichtige Institution, das Kuratorium Pfahlbauten, das seither dafür zuständig ist, das Welterbe in Oberösterreich und Kärnten nicht nur zu analysieren und zu verwalten, sondern eben auch zu vermitteln und mit uns gemeinsam zu erforschen. Das Ziel wäre herauszufinden auf lange Sicht, wie die Siedlungen in den Seen oder an den Seeufern ausgesehen haben. Dafür müssten wir die Hausgrundrisse zuerst einmal genauer definieren können. Das ist deshalb schwierig, weil wir massenhaft die Pfähle im Seegrund drinnen stecken haben und jeden einzelnen dieser Pfähle einmal datieren müssten mit den unterschiedlichsten Methoden. Das ist eben tatsächlich noch nicht bei allen passiert. Und dann wäre natürlich auch noch die Herausforderung herauszubekommen, wie haben die Häuser tatsächlich ausgesehen. Das ist aber nicht nur bei unterwasserarchäologischer Forschung eine Herausforderung, sondern ganz grundsätzlich in der Archäologie. Ich sage immer, Dächer erhalten sich sehr schwer. Und deswegen sind wir auch hier auf Spekulationen angewiesen. Deswegen haben wir hier in der Ausstellung auch versucht, einfach einmal die KI die Frage beantworten zu lassen, welche Arten von Häusern sind möglich, wenn man nur das Baumaterial der Urgeschichte zur Verfügung hat und nur unter Anführungszeichen, also mit Holz und Schilf und Stroh und Rinde kann man also wirklich hervorragende Gebäude bauen und die KI zeigt, in welche Vielfalt an Möglichkeiten uns da zur Verfügung steht. Tatsache ist, dass die Menschen natürlich seit Jahrtausenden wissen, wie man in Mitteleuropa so baut, dass man sämtliche Winter überlebt und über die Jahrhunderte eben durchhalten kann, sonst wären wir also auch nicht mehr hier. In der ersten Vitrine wollten wir vor allen Dingen noch einen chronologischen Bezug herstellen, da ist Ötzi abgebildet. Das ist ein Zeitgenosse der Menschen, die bei uns in den Pfahlbauten an Attersee und Mondsee gelebt haben. Ob Ötzi jemals den Weg tatsächlich nach Oberösterreich gefunden hat, das sei natürlich dahingestellt, das können wir natürlich nicht sagen, aber es ist genau die Zeit um 3500 vor Christus. Und ansonsten ist der Mensch extrem unsichtbar. Wir haben im Unterschied zu sehr vielen anderen Perioden in der Urgeschichte so gut wie keine menschlichen Überreste, die wir analysieren könnten, was natürlich sehr wichtig wäre, um Sterbealter, Geschlechtsverteilungen und solche Dinge herausfinden zu können. Und wir können nur spekulieren, dass es wohl einen Grabbrauch, einen Bestattungsbrauch gegeben haben muss, der einfach keine Spuren hinterlassen hat. Und wenn man sich da ethnografisch, ethnologisch in der Welt umsieht, merkt man, es gibt uns viele verschiedene Arten, mit Toten umzugehen. Also wenn die Menschen verbrannt wurden und die Überreste im See verstreut wurden oder in alle Winde verstreut wurden, dann hinterlässt das ganz einfach keine Spuren. Das ist für die Archäologie nicht wirklich lustig, aber so ist es eben leider. Und deswegen bleibt für uns aus der Pfahlbauzeit zwar sehr vieles an Details übrig, was Ernährung und Landschaft und solche Dinge betrifft, aber die Menschen selber bleiben für uns unsichtbar. you I am the light of the world. Der Donau Limes in Ostbayern, Österreich und der Slowakei ist seit fünf Jahren, seit dem Juli 2021, UNESCO-Welterbe. Und hier in diesem Raum widmen wir uns den Welterbestätten, die in Oberösterreich liegen. Das heißt, wir sind hier von West nach Ost, haben hier Oberrander mit einem Burgus, mit einem Quadriburgus, Schlöben mit einem Kastellstandort und einer Zivilsiedlung, dem Wachturm in Willering im Kürnberg und dann natürlich Lenzer und als wichtigste Großsiedlung dann Laureacum Enns. Wir haben die große Freude, dass wir eben diese Orte nicht nur hier in der Ausstellung mit Objekten und auch immer der Donau dazu präsentieren können, sondern an drei Orten betreiben wir auch Schutzbauten, in denen wir uns wirklich archäologische Städte vor Ort anschauen können. Das heißt, der Burgessinn Oberanner ist in einem Schutzbau präsentiert, ein kleines, aber feines römisches Badegebäude ist in Schlögen in einem Schutzbau zu sehen und in Enz haben wir einen oder den besterhaltenen römischen Kalkbrennofen, den es überhaupt gibt, auch in einem Schutzbau dargestellt. Und diese Vernetzung mit dem einen der archäologischen Städten draußen und das, was sie ausmacht, auch mit ausgewählten Objekten, verbinden wir hier praktisch mit der Ausstellung und mit unseren Außenstellen. In diesem Raum geht es um die Hallstattzeit. Das ist in Oberösterreich natürlich folgerichtig. Hallstatt liegt in Oberösterreich und ist UNESCO-Welterbe und dementsprechend haben wir dem hier einen ganzen Raum gewidmet. Namengebend ist natürlich der berühmte Ort im Salzkammergut. Und da gibt es zwei ganz besondere und wesentliche Fundstellen. Die eine ist das berühmte Salzbergwerk, das älteste Salzbergwerk der Welt, das eigentlich der Hauptgrund ist, warum Hallstatt welterbe geworden ist. Und das andere ist das Gräberfeld, das schon im 19. Jahrhundert entdeckt und damals auch schon intensiv erforscht wurde. Und ein Teil des Fundmaterials aus diesem Gräberfeld befindet sich im Oberösterreichischen Landesmuseum und die Highlights eben hier bei uns in der Ausstellung. Die Hallstattkultur hat sich ausgedehnt von Ostfrankreich bis Westungern, von Böhmen bis über den Alpenhauptkamm bis hinunter nach Slowenien und wird eben deshalb zu einer Kultur zusammengefasst, weil die materielle Kultur zu dieser Zeit, ungefähr 750 bis 450 vor Christus, in sich eben ähnlich war. Das heißt, ähnliche Gefäße, ähnliche Schmuckstücke, ähnliche Waffen, ähnliche Werkzeuge und so weiter. Wie weit sich die Menschen in der damaligen Zeit einander zugehörig oder verbunden gefühlt haben, das sei jetzt wiederum dahingestellt. In diesem Raum ausgestellt sind auch sehr viele wirklich wunderschöne Funde aus Gräberfeldern außerhalb von Hallstatt. Sehr viele Hallstatt-zeitliche Fundstellen in Oberösterreich stammen aus dem Innviertel, unter anderem auch der Goldhalsreifen von Utendorf, wo es in diesem Raum dann die anderen Objekte gibt, die in diesem Grab gefunden worden sind. Und eine ganz besonders wichtige Hallstatt-zeitliche Fundstelle in Oberösterreich, die eben hier auch repräsentiert ist, ist Mitterkirchen im Machland im Bezirk Perg. Da befindet sich auch ein großes Freilichtmuseum, das Keltendorf Mitterkirchen, das immer eine Reise wert ist, weil man hier sozusagen den experimental-archäologischen Anteil unseres Forschungsfeldes, unseres Faches, sich also als erster Hand anschauen kann. Faches sicher so als erster Hand anschauen kann. Mitterkirchen ist auch deshalb besonders, weil da ein vierrädriger Wagen gefunden wurde, der sehr reich verziert war. Dazu befinden sich eben auch hier die Originalobjekte und der Nachbau dieses Wagens ist in Mitterkirchen auch ausgestellt. Die Hallstattkultur war eben über einen bestimmten geografischen Raum ausgedehnt, eben von Ostfrankreich bis Westungern, hat aber darüber hinaus Kontakte noch in andere Gebiete gehabt. Und ein ganz bestimmtes Beispiel davon ist der Bernstein. Es gibt sehr viel Bernstein in halbstadtzeitlichen Gräbern, nicht nur in Oberösterreich, aber eben auch hier ganz viel. Und dieser Bernstein kommt eindeutig aus der Ostsee. Das ist sogenannter baltischer Bernstein. Das sind ungefähr 1000 Kilometer. die sind in der Urgeschichte sozusagen ohne mit der Wimper zu zucken überbrückt worden. Ob dieser Austausch oder dieser Handel von dem Bernstein zu uns jetzt über mehrere Etappen ging oder ob das eben eine Art von direktem Handel war, lässt sich natürlich nicht rekonstruieren, aber Tatsache ist, er kam zu uns und kam daneben auch in die Gräber. Was wir auch nicht wissen ist, was dafür sozusagen ausgetauscht wurde. Also was war das Handelsgut, das man für Bernstein eingetauscht oder verhandelt hat oder ob es ganz andere Systeme des Austauschs gegeben hat. Es gibt an der Ostsee keine halbstadtzeitlichen Objekte, die so aussehen wie das Material, was bei uns ist. Also entweder es war Dinge aus organischem Material, man spricht manchmal von Fällen oder irgendwie so, aber das ist alles total spekulativ, das wissen wir ganz einfach nicht. Donaulimes wird fast 200 Jahre bereits erforscht und immer im Zusammenhang mit dem Oberösterreichischen Landesmuseum. Wir haben hier auch in diesem Ausstellungsraum die Goldmünze, den Fund, eine Goldmünze, mit der die Ausgrabungsgeschichte, die Archäologie in Oberösterreich ihren Anfang nimmt. Und zwar 1837 ist in Schlögen eine Goldmünze von den Aureus des Kaisers Diokletian gefunden worden und dann hat man dort gesagt, wo es eine Goldmünze ist, da muss doch mehr sein, schauen wir uns das an. Und es ist ein Ausgrabungsverein gegründet worden, die in Kooperation mit dem späteren Oberösterreichischen Landesmuseum die ersten wissenschaftlich motivierten Ausgrabungen in Oberösterreich durchgeführt hat. Und es sind gleichzeitig auch die ersten wissenschaftlich motivierten Ausgrabungen an Donau-Limes in Österreich. Salzabbau wird in Hallstatt nicht nur in der Hallstattzeit betrieben. Das ist halt zufälligerweise sozusagen der Name für die ältere Eisenzeit. In Hallstatt wird Salz benutzt wahrscheinlich oder verwendet schon seit dem Neolithikum, bergmännisch ganz sicher abgebaut seit der Bronzezeit, dann die ganze Eisenzeit hindurch und mit allergrößter Wahrscheinlichkeit durchgängig bis heute. Das heißt, das ist ein ungefähr 7000 Jahre alter Betrieb, der auch wenn es Lücken in der Evidenz gibt über die Zeiten, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit wirklich durchgängig betrieben wurde. Dieses Salz ist einfach von derartig großer Bedeutung gewesen, dass man es im Grunde immer irgendwie aus dem Berg geholt hat. Und die Bergbaugemeinschaft in Hallstatt war von unglaublicher technologisch hochstehendem Geschick. Also man wusste ganz genau, wie man das macht. Das ist eben Jahrtausende lang betrieben worden. Und da geht es nicht nur um den Bergbau selbst, sondern es geht eben auch um die ganze Logistik rundherum. Die Bergleute mussten ernährt werden, gekleidet werden. Das ganze Holz musste von irgendwo hergeholt werden. Auch der Vertrieb sozusagen, wenn man so will, vom Salz musste organisiert werden. Also das ist fast eine frühindustrielle Angelegenheit. Besonderer Punkt sind unsere 3D-Modelle, die wir hier zeigen. Und diese 3D-Modelle illustrieren einerseits, wie haben Gebäude, von denen man nur Ruinen hat, ungefähr ausgesehen. Also es ist immer eine Annäherung. Bei manchen Gebäuden haben wir sehr viel erhalten, da können wir es mehr sagen. Bei manchen müssen wir sozusagen ein bisschen mehr in die Fiktion gehen. Aber es sind gute Annäherungen. Und diese Gebäude verbindet auch etwas, die wir hier zeigen. Und zwar sind das alles Gebäude und Rekonstruktionen, wo man heute noch etwas besichtigen kann und die alle aus Forschungen des Oberstdorfer Landesmuseums hervorgehen. Die Lorcher Basilika ist 1960 bis 1966 von meinem Vorvorgänger in der Abteilung Römerzeit von Lothar Eckart gegraben worden. Der Wachturm in Willering im Hirschleitengraben wurde in den späten 1980er Jahren von meiner Vorgängerin Christina Schwanzer gegraben. Und ich habe das Glück gehabt, im Vorfeld der Landesausstellung 2018 die Rückkehr der Legion mit Kooperationspartnern Grabungen in Oberanna, in Schlögen und auch bei den Kalkbrennhöfen in Enz durchzuführen, die hier eben auch eingeflossen sind. Also wenn wir das Beispiel hernehmen von unserer ersten Ausgrabung in Schlögen, da haben wir nicht nur diese Goldmünze mit der alles begonnen hat, da sind zum Beispiel auch Terra Sigillata Fragmente drinnen. Das heißt, das ist die typische römische Feinkeramik-Tafelgeschirr. Und das findet man eigentlich überall. Das ist ganz typisch, wenn man sowas findet, weiß man, da sind wir jetzt in der Römerzeit. Und diese Terra Sigillata, die wir aber hier ausgestellt haben, ist nicht, weil sie so besonders schön oder so ist, sondern die hat hier einen anderen Hintergrund. Und zwar haben wir dazu die ältesten Fundzeichnungen, die es eben zu den ältesten Ausgrabungen gibt. Und die sind nicht von irgendwem gezeichnet worden, sondern diese Zeichnungen stammen aus der Feder von Anton Ritter von Spahn. Und Anton von Ritter von Spahn ist niemand anderer als der Gründer vom Oberösterreichischen Landesmuseum. Das heißt, bei den ältesten Grabungen hat der Gründer des Museums selber Fundzeichnungen beigesteuert. Eine ganz typische Materialkategorie in der Hallstattzeit sind große Gefäße, die in den Gräbern drinnen stehen. Gerade in Mitterkirchen gibt es zum Beispiel immer ein Großgefäß, das in der Ecke steht, in dem oft eine kleine Trinkschale oder eine Tasse noch drinnen ist, was es erlaubt, diese großen Gefäße als Getränkebehälter zu interpretieren. Zwei absolute Highlights für Linz und deswegen auch in der Lenzer Vitrine im Donaulimesraum ausgestellt, sind der Dorso Linz und eine Glasflasche, eigentlich ein Glaskanister aus dem Gräberfeld Kreuzschwestern. Der Dorso Linz ist 1953 gefunden worden. Drei Schüler haben ihn am Donauufer entdeckt und es war dann recht spannend, weil es ist wirklich ein außerhalb qualitätsvolles Stück. Er ist eine römische Kopie, aber nach einem griechischen Original aus der Patenonzeit. Also wirklich aus dem klassischen Griechenland um 440 vor Christus. Wurde dann wahrscheinlich im ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus kopiert. Der Marmor ist aus Carrara, heute noch genutzter Steinbruch. Hochqualitativer Marmor in der heutigen Toskana. Und es ist in der Fachwelt dann in den 50er Jahren irgendwie so ein Streit entstanden, ja kann dieser Torso überhaupt aus Lind stammen oder ist der nicht vielleicht in den Kriegsviren verschleppt worden. Ich würde einmal dazu sagen, ja ich weiß nicht ob man in den Kriegsviren dann einen mehrere Kilo schweren Torso herumschleppt, das ist nicht so optimal bei Goldschmuck oder so ist das ein bisschen was anderes. Aber so einen Torso überlegt man sich schon. Und wie andere Funde aus Linz zeigen, die wir haben, muss man mit solcher Qualität bei uns auf jeden Fall rechnen. Also solche Dinge hat es bei uns gegeben. Nachdem in der Urgeschichte noch kein Schnaps gebrannt wurde, kann man sich aber durchaus vorstellen, dass da Met oder Wein oder Bier drinnen gewesen ist. Und dann gibt es natürlich noch jede Menge kleinere Gefäße, die tatsächlich auch Kochgefäße sein können. Wir versuchen das jetzt in Mitterkirchen im Freilichtmuseum seit mehreren Jahren. Da werden die nachgemachten Gefäße immer wieder dazu benutzt, eignen sich ganz hervorragend. Und aus den Schalen kann man natürlich essen. Also das ist Ess- und Kochgeschirr, das in die Gräber gelangt ist und dazu gibt es eben die typischen Trachtbestandteile, Schmuck, Messer, es gibt auch einen Spinnviertel und unterschiedlichste Grabbeigaben und bei diesen reich ausgestatteten Hallstattzeitlichen Gräbern gibt es natürlich auch immer wieder die Debatte darum, was bedeutet das, wenn jemand solche Objekte in sein Grab mitbekommen hat? Ist der, der mehr Gefäße mitbekommen hat, gesellschaftlich hochstehender als die Person, die weniger Gefäße bekommen hat? Auch das ist wieder absolut spekulativ und da geht es wieder um die Dinge. Es geht dabei um den Tod eines Menschen und das hat etwas mit Spiritualität zu tun. Sonst würde es überhaupt gar keinen Grabbrauch geben, wenn man keine Vorstellungen von dem hätte, was danach passiert ist. Aber was es ganz konkret bedeutet, können wir mangels Schriftquellen eben leider nicht mehr herausfinden. Da müssen wir mehrere Interpretationen nebeneinander stehen lassen. Und da kommen wir zu dem zweiten Objekt, das wir haben. Das ist wirklich eines der absoluten Highlights der römerzeitlichen Sammlung im Oberösterreichischen Landesmuseum. Und zwar haben wir einen Glaskanister, von dem gibt es im Imperium derzeit zwei vollständig gehaltene Exemplare. Der eine ist im Donau-Limes-Raum, das zweite Exemplar ist einen Raum weiter im Lenzer-Raum. Also die sind beide bei uns in der Sammlung. Das Spezielle an diesen Glaskanistern ist, sie sind gestempelt, das heißt wir wissen, wer sie produziert hat. Und die Produzentin, tatsächlich eine Produzentin in dem Fall, ist eine Sentea Segunda, die eine Glasmanufaktur in Aquilea betreibt und das steht auf dem Stempel. Und wenn man das Gefäß geleert hat und hineingeschaut hat, dann hat man unten auch diesen Stempel lesen können. Und da steht eben drauf, Sentea Segunda hat dieses Glas in Aquilea produziert oder produzieren lassen. Und da kommen wir natürlich zu einem ganz besonderen Aspekt. Das römische Imperium ist ein massives Patriarchat. Frauen haben hier kaum eigentlich Chancen auf Selbstständigkeit, auf Entfaltung. Und darum ist es auch ganz, ganz selten, dass Frauen wie die Sente Segunda, dass sie vor den Vorhang treten. Und in dem Fall treten sie eben mit diesen gestempelten Produkten, tritt sie vor den Vorhang treten. Und in dem Fall treten sie eben mit diesen gestempelten Produkten, tritt sie vor dem Vorhang. Sie zeigt uns, dass es eben solche Glasmanufakturen gibt, die von Frauen erfolgreich betrieben worden sind, die eben einen Handel bis zum Donau Limes hier mit ihren hochqualitativen Waren letztendlich betreiben. Dabei handelt es sich um absolute Highlight-Funde aus dem Gräberfeld von Hallstatt. Das sind Fiebeln und Nadeln in dem Fall. Fiebeln sind im Prinzip Broschen, das heißt, das sind Sicherheitsnadeln mit sehr viel Verzierung dran. Und diese Bleche, die da unten runterhängen, die machen beim Gehen ein unglaubliches, lautes Geräusch. Also das klappert ganz massiv, war noch relativ schwer. Das heißt, das hat durchaus sicherlich sehr viel Eindruck gemacht, wenn man mit so einem Schmuckstück dahergekommen ist. Die konkrete Bedeutung lässt sich natürlich schwer interpretieren, es ist einfach Schmuck. Laueakum 1 wird Ende des 2. Jahrhunderts, also zwischen 171 und 180, Legionsstützpunkt. Das heißt, da kommen 6000 spezialisierte Soldaten mit ihrem Anhang, die haben Geld. Das heißt, dort wird natürlich produziert, gekauft, verkauft, gehandelt, vieles verloren, vieles zerstört und hat dann über 450 Jahre Bestand, diese Siedlung letztendlich. Und da wird natürlich etliches an Fundmaterial zutage gefördert in den letzten 150 Jahren, aber nach wie vor, also bei jeder Ausgrabung, kommen unglaubliche Massen heraus. Und deswegen haben wir uns entschieden, hier uns auf die Glaubenswelten zu fokussieren. Das heißt, wir schauen uns an, welche Objekte zeigen uns, an was die Römer, sogenannten Römer, geglaubt haben. Und da sieht man, wie vernetzt dieses Imperium ist. Wir haben einerseits die typisch mediterrane Glaubenswelt, wo die griechisch-römischen Gestalten Jupiter, Minerva, Venus, Mars, Merkur usw. auf uns treffen. Dann tauchen aber auf einmal in Lariakum 1 auch ägyptische Gottheiten auf. Wir haben einen Anubis zum Beispiel oder wir haben einen Jupiter-Amon, also einen Jupiter, der vermischt ist mit dem ägyptischen Amon. Oder eine Isis Fortuna, wieder eine ägyptische Gottheit, die mit der Glücksgöttin Fortuna, mit der römischen Glücksgöttin Fortuna verbunden wird. Oder gibt es solche Sachen wie Jupiter Dolichenus. Das ist ein Kult, der in der heutigen Türkei entstanden ist und dann mit dem Militär verbreitet ist. Und in diesen Reigen gehört natürlich auch das Christentum dazu, das Vertreten ist durch zwei Fingerringe und eine Öllampe. Und auch das Christentum hätte sich ohne die Basis, die dieses römische Reich geboten hat, mit seiner Vernetzung, mit seinen Wegen, mit seinen Flussverbindungen, mit seiner Verwaltung, ohne dem wäre auch die Erfolgsgeschichte des Christentums nicht möglich gewesen. I am the light of the world. Thank you. I am a man of the mind. Thank you. Musik Es war uns natürlich besonders wichtig, dass wir hier im Schlossmuseum hier in Linz, in der Landeshauptstadt natürlich auch Lenzer entsprechend präsentieren. Und das ist auch deswegen wichtig, weil genau hier, wo wir stehen im Schlossmuseum, am anschließenden Römerberg, dort wo die Martinskirche ist, die Keplerwiese ist, dort beginnt die Geschichte der Stadt Linz, der heutigen Stadt Linz. Wir haben dort eine, also nachweislich in diesen Bereichen, späteisenzeitliche Siedlungen, spätes, zweites, frühes, erstes Jahrhundert, die dann nahtlos um Christi Geburt mit einer römischen Siedlung oder mit römischen Menschen verschmelzen. Das heißt, wir haben hier eine Kontinuität von Linz nachgewiesen, die über 2100 Jahre geht. Und das ist damit ist eigentlich Linz die einzige Stadt, wo wir diese Kontinuität wirklich belegt haben. Also man kann nimmt es für Enz und für Wels auch an, aber belegbar ist tatsächlich eigentlich nur in Lenzer Linz. Und wir haben hier verschiedene Bereiche ausgestellt. Zum einen gibt es ein kleines Heiligtum, in das man hineingehen kann. Das ist am Dummelplatz in den 50er Jahren gegraben worden. Da kann man sich dann auf die Spuren von den Reitern von Linz machen, von einer Einheit, für die ich dann auch noch kurz was sagen werde. Und ganz wichtig sind auch natürlich, was erzählen uns die Toten von Linz. Und da haben wir einerseits Grabreliefs, zwei Grabreliefs ausgestellt, andererseits Objekte aus dem Gräberfeld Kreuzschwestern, wo man sieht, wie reich diese Gräbern waren. Da ist die zweite Glasflasche von der Sente Secunda in Aquileia in einem Grab gefunden worden. Im gleichen Grab gibt es aber auch Tierfiguren, zwei Paar Goldohrringe, ein ganzes Set aus Keramik, eine Menge Glasgefäße, Bronze Schale etc. Also da sieht man, man hat hier in dieser Siedlung Geld machen können, weil wenn man nicht Geld hat, dann würde man sowas nicht als Beigaben mitgeben, was man neuer wirklich an Wertsachen den Verstorbenen hier mitgegeben hat. Ja und besonders wichtig war natürlich auch, dass wir die aktuellsten Forschungen hier einarbeiten und seit 2023 arbeiten wir an einem Projekt, das heißt der Archäologische Plan von Lenzia Linz ist ein Projekt, das einerseits zur Hälfte vom Oberösterreichischen Landeskultur GbH finanziert wird, die andere Hälfte durch Förderungen vom Bundesdenkmalamt. Und da arbeiten drei Kolleginnen und ich gemeinsam praktisch an. Wir arbeiten alle Fundstellen, die in den letzten 100 Jahren in Lenzer dokumentiert worden sind, arbeiten wir in diesem Plan ein. Die Grabungen der letzten 100 Jahre sind schon drinnen, die werden auch hier präsentiert und jetzt im letzten Jahr arbeiten wir jetzt noch die Einzelfunde ein in dieses Projekt. Und wenn man so etwas macht, dann ist es ein Puzzlespiel. Wir haben aber von diesem Puzzle nicht alle Teile, sondern wir haben nur kleine Ausschnitte von diesem Puzzle. Das kann man aber sehr, sehr schön sehen, wie wichtig es ist, dass man sich damit beschäftigt. Wir können zum Beispiel jetzt sagen, wo ist das Steinkastell des 2. Jahrhunderts gestanden? Das hat man bis vor wenigen Jahren zwar vermutet, dass es irgendwo im Bereich hinter der Promenade, im Bereich der Spickelwiese anzusiedeln ist. Mittlerweile durch Grabungen 2015, 2016 und vor allem auch Grabungen 2021, wissen wir recht genau, dass es einerseits zwischen der Promenade, zwischen der Walterstraße, zwischen der Bischofsstraße und ein bisschen abgesetzt, entfernt von der Landstraße liegt. Wir haben hier ein Gelände von ungefähr vier Hektar und das ist genau das, was wir gesucht haben, weil wir brauchen ein Lager für 500 Reiter mit ihren Pferden. Und das wissen wir in Analogie von anderen krömischen Aalenkastellen, wie diese Reiterkastelle Eisen, dass man eben 3,5 bis 4,2 Hektar für so eine Reitereinheit benötigt. Und genau das können wir jetzt eigentlich festmachen. Mir ist ein Zwischendurm in der Promenade 15 gefunden worden, der rückwärtige Teil des Lagers in der Walterstraße. Bereits in den 20er Jahren im Bereich der Steingasse liegt das Kommandogebäude und so können wir dann Stück für Stück dieses Lager ergänzen. Da fügt sich dann auch eine Grabung vom ehemaligen Stadtarchäologen Erwin Rupprechtsberger ein in der Spittelwiese, der dort Teile von einem Aborticus, von einem Wandelgang gefunden haben und wir können jetzt auf Basis mit den anderen Befunden sagen, das dürfte die Hauptstraße aus dem Kastell heraus durch das Haupttor, durch die Porta Pretoria gewesen sein und da dürfte ein Kasernenbau mit vorgelagerten Wandelgang, überdachten Wandelgang gewesen sein. Und was auch ganz wichtig ist, wir sehen hier die zweite Hauptstraße des Kastells deckt sich praktisch eins zu eins mit der heutigen Herrenstraße. Und wenn man sich dieses ganze Gefüge anschaut, je mehr man in diesen archäologischen Plan von Lemze hineinkommt, desto mehr sieht man, wie die römische Vergangenheit Linz noch heute prägt, weil das Straßensystem in der Altstadt dürfte zu 90 Prozent mindestens auf dem alten römischen Straßensystem basieren. Ja, was wir in Lenz, in Lenz ja auch das Glück haben, ist, dass wir über vor allem Inschriften auch zur Truppengeschichte einiges erzählen können. Und die Truppengeschichte in Lenz ja fängt mit thrakischen Reitern an. Und zwar durch Militärdiplom und auch durch eine leider heute verschollene Inschrift können wir davon ausgehen, dass die erste Reitereinheit, die hier nachweislich stationiert gewesen ist, die Alla Prima Dracum Victrix ist. Das heißt, die erste Reitereinheit der Siegreichen Traka. Und diese Einheit dürfte um 50 nach Christus in Trakien im heutigen Bulgarien ausgehoben worden sein und man hat sie nach Lenzer geschickt. Also das war auch ein ganz ein typisches Vorgehen. In einer Provinz hebt man die jungen Wilden, in dem Fall eine Reitereinheit aus, schickt sie in eine andere Provinz. Trakien ist ziemlich gleichzeitig mit der Provinz Norikon römische Provinz geworden. Und da hat man natürlich mehrere Fliegen auf einem Schlag mit einem neuen Provinz, hat man neues Personal, ich kann neue, ich habe neue Rekruten. Diese, wenn sie 25 Jahre erfolgreich absolvieren, werden römische Bürger mit allen Annehmlichkeiten der römischen Bürgerrechts. Das heißt, ihre Nachkommen, ihre Frauen brauchen sich keine Sorgen mehr machen. Sie haben einen ganz anderen gesellschaftlichen Status, können vererben und so weiter. Also da hat man ganz andere Möglichkeiten. Und der andere Effekt ist natürlich, man bekommt die jungen Wilden aus der heimischen, einheimischen Provinz heraus, indem schickt sie woanders hin und hat mögliche Unruhestifter nicht mehr in der Provinz drinnen. Das ist ein sehr positiver Nebeneffekt. Diese thrakischen Reiter werden um 122 und zwischen 122 und 126 nach Christus noch Kanuntum ins Reiterkastell von Kanuntum versetzt. Das heißt, bei uns wird ein Kastell sozusagen frei und da kommt eine Einheit, die wir auch ganz gut kennen. Das ist die Ala Prima Pannonioren Tampeana. Das ist eine Einheit, die im ersten Jahrhundert in heutigen Ungarn wahrscheinlich ausgehoben worden ist und die wurde nach Britannien versetzt. Zwischen 122 und 126 kommt sie dann nach Linz. Also da sieht man auch, 500 Mann mit ihren Pferden kommen auch von Britannien bis an die Donau, bis an den Donau Limes nach Linz letztendlich schicken. Es ist alles logistisch für die Römer, so kein Problem. Ja, Dann wird es etwas still um diese Einheit. Diese Einheit, diese Alla Prima Pannonia, lässt sich dann bis zum Ende des 2. und Anfang des 3. Jahrhunderts in Lenzer verfolgen. Dann verlassen uns leider die inschriftlichen Zeugnisse. Da wissen wir dann nicht genau, was passiert. Was ganz wichtig ist, wir sehen durch Ziegelstempel, dass sie an diesem Steinkastell in Lenzer baut. In der Steing sehen durch Ziegelstempel, dass sie an diesem Steinkastell in Lenze erbaut. In der Steingasse werden Ziegelstempel gefunden von dieser Einheit. Das heißt, wahrscheinlich ist diese Einheit für den Bau des Steinkastells des 2. Jahrhunderts zuständig. Dann wird es erst im späten 3., frühen 4. Jahrhundertundert sehen wir noch einmal, wer hier stationiert ist. Da gibt es ein Verwaltungshandbuch, ein römisches, wo die viele Ämter aufgelistet sind in verschiedenen Provinzen und Reichsteilen. Das ist die sogenannte Notizia Dignitatum. Und da wird Lenzia das einzige Mal namentlich genannt. Also da steht wirklich drinnen, dass unsere Siedlung Lenzia heißt. Und da steht dabei, in Lenzia sind Equides Sagittarii, berittete Bogenschützen. Das heißt, es sind wieder Pferde, in dem Fall Spezialisten, die mit Bogen und Pferd unterwegs gewesen sind. Aber eben diese Komponente des Pferdes spielt eben in Lenzer eine ganz wichtige Rolle. Und wenn man sich heute den Stadtplan anschaut, wir haben voriges Jahr eine Gradung gehabt im Bereich des Theaterhofes, also zwischen Landestheater und Kulturdirektion. Da sind die öffentlichen Termine von Lenzer gefunden worden beim Theaterumbau. Wenn man sich dann aber dort den Stadtplan noch später anschaut, sieht man, dass dort genau in dem Bereich die ständische Reitschule gestanden ist bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Das heißt, die Reiter haben eigentlich über 2000 Jahre das Stadtbild von Linz-Maskewig geprägt, kann man sich heute eigentlich kaum noch vorstellen. Thank you.