Hallo, ich bin die Julia, ich bin bildende Künstlerin und bin momentan Teil vom Egon-Hoffmann-Haus. Ich habe ursprünglich Malerei studiert und bin immer noch sehr in der bildenden Kunst verhaftet, aber mittlerweile arbeite ich sehr viel in Grafik oder Installation und neuerdings auch Texten. Das wird gerade immer wichtiger, weil es sowieso ein integraler Teil von dem ist, wie ich arbeite. Da ist immer sehr viel Schreibarbeit dabei und das kriegt momentan mehr Aufmerksamkeit. Das ist irgendwie spannend und leicht für mich. Genau und gerade komme ich auch wieder mehr zur Malerei zurück, was jetzt eine lange Pause gehabt hat nach dem Abschluss. Ich komme jetzt nicht aus einem Umfeld, wo Kunst Thema war jemals. Also meine Eltern sind halt so typisch Arbeiterklasse und da war irgendwie nicht so viel Berührung mit Kunst überhaupt. Aber ich habe immer wieder in meinem Leben Menschen getroffen, die mir halt so die Tür aufgehalten haben und wo ich so Einblick gekriegt habe und wo ich dann auch immer wieder festgestellt habe, da fühle ich mich so richtig wohl. Also das war glaube ich auch schon als Jugendliche so oder als Kind, dass wenn ich halt so Werkstätten betreten dürfen habe, dann war das so ein Gefühl von daheim sein. Und da habe ich mich wahnsinnig wohl gefühlt und von dem wollte ich halt immer mehr. genau, und dann war das aber so, wenn wir, also im Erwachsenen werden, versucht man dann irgendwie auch so sehr vernünftige Entscheidungen zu treffen und dann natürlich auch immer so in Rücksprache mit Eltern und so, war das dann eigentlich eher so eine kreativische Klarheit, aber vielleicht eher was mit Zukunft, wie man sagt, oder so, wo man halt auch wirklich ein fixes Einkommen hat. Und genau, ich habe dann halt irgendwie Grafikdesign gemacht, einmal in Wien und habe da aber halt festgestellt, dass ich auf gar keinen Fall vor dem Computer sitzen kann. Das funktioniert nicht und das macht mich voll unglücklich. Und ich habe dort in dieser Ausbildung aber Gott sei Dank auch immer wieder mal so Malerei und sowas gehabt. Und habe da auch noch Freunde gehabt, die Bildhauerei gemacht haben zum Beispiel und das war dann immer so für mich so dieser sehr krasse Kontrast, wie gut sich das anfühlt und was sich nicht so richtig anfühlt an dem, was ich gerade mache. Genau, und dann habe ich echt das Glück gehabt, dass ich so am letzten Abend einer Freundin helfen müssen habe, dass sie sich an der Kunst-Union in Linz eben bewirbt. Die war dann so, mach das doch auch. Und dann war das doch so 30 Minuten vor der Abgabe habe ich noch schnell mal so ein Portfolio raufgeladen und war so, ja, das versuche ich jetzt. Kann nichts passieren, also kannst du mal probieren. Genau. Und dann, ja, dann habe ich Kunst studiert und war so, ach, mein Gott, das ist so klasse. Ich habe aber eine sehr idealisierte Vorstellung von der Kunst gehabt oder auch mitgekriegt. Es war nicht so die Welt, aus der ich gekommen bin, das war viel neuer für mich. Ich bin dann ins kalte Wasser geschmissen worden und habe sehr viel lernen müssen. Die Realitätswatschen ist natürlich auch gekommen und das war dann schon hart, gerade nach dem Studium, wo man dann diesen geschützten Raum der Uni verlässt und sich dann erstmal durchschlagen muss oder schauen muss, wie kann das für mich überhaupt Realität bleiben, ist schon einmal hart. Und man ist halt einfach mit sehr vielen Problemen konfrontiert, die es zu bewältigen gibt. Und es gibt da sicher regelmäßig die Momente, wo ich mir denke, ich fahre das jetzt alles an die Wand und ich mag nicht mehr und ich kann nicht mehr. Aber es ist halt auch so eine Art Lebenseinstellung, denke ich mal. Und wo man dann auch wieder feststellt, es geht nicht anders, ich brauche das. Das bin halt zu 100% ich und da führt irgendwie kein Weg drum herum. Deswegen macht das auch keinen Sinn, irgendwie zu überlegen, was wäre denn sonst möglich, sondern ich mache das jetzt und ich finde einen Weg, wie das funktioniert. Ich habe schon einen Job noch nebenbei. Also ich bin auch in der Kulturvermittlung tätig. Mal mehr, mal weniger. Jetzt gerade eher mehr. Das hält mir dafür aber auch den Rücken frei, dass ich nicht den Druck habe, dass ich produzieren muss. Ich glaube, das ist immer so ein bisschen eine Typfrage, mit was man besser zurechtkommt, weil natürlich andererseits fällt mir dann oft auch die Zeit. Und ich würde natürlich rein von dem, wie ich es aufteile, gerne hier mehr Zeit verbringen. Das ist jetzt momentan nicht so der Fall. Genau, aber wie gesagt, dafür habe ich heute die Freiheit, dass ich die Projekte mache, die ich wirklich machen möchte und ich muss nichts machen, nur damit ich Geld reinbringe. Also das ist so ein Druck, den ich persönlich glaube ich nicht so gut aushalte undanträge zu machen oder dahinter zu sein. Ich glaube, was vielleicht auch wieder so zu diesen Seiten gehört in der Kunst, die eher anstrengend sind, ist dieses ständig sich ständig vergleichen, aber auch ständig verglichen zu werden. Man muss eben behaupten gegen ganz viele andere. Das ist trotz allem die Kulturszene ist in erster Linie ein Förderwesen. Das heißt, man muss mit sehr viel Ablehnung klarkommen. Man muss schon mal überhaupt verstehen, wie Förderungen funktionieren. Jede Antragsstelle verlangt etwas anderes. Keiner zorgt um das. Es ist ein bisschen eigene Wissenschaft und man muss da irgendwie dahinter kommen. Es ist auch, wie gesagt, so ein bisschen eigene Wissenschaft und man muss da irgendwie dahinter kommen. Und es ist halt auch, wie gesagt, so ein Druck da, weil es ist halt okay, wenn ich diese nicht kriege, dann muss ich die zwei anderen kriegen, weil sonst findet das Projekt nicht statt. Dann hat man so immer diese sehr lustigen Mehrfachfinanzierungen, wo jeder Stelle gern hat, dass ein anderer schon was finanziert hat, weil sonst kriegt man es gar nicht. Also es ist so eine ganz weirde Situation, wo man halt auch so dann allein gelassen ist und das ist ja, liegt mir persönlich jetzt nicht so. Ich verkaufe schon immer wieder mal was, aber das ist jetzt auch nicht so was Regelmäßiges. Ja, ich weiß es auch nicht. Ich muss dazu geben, dass es relativ schwer ist, mich so von gewissen Arbeiten zu trennen. Also in der Malerei fällt mir das relativ schwer. Bei Druckgrafik finde ich das einfacher. Da finde ich es aber auch daher besser einfach, dass ein breiteres Spektrum an Personen angesprochen ist, also auch von der Leistbarkeit her. Das macht für mich Druck interessanter und fairer irgendwie. Malerei ist halt trotzdem, oder Kunst generell, ist halt sehr elitär. Über das muss man halt auch trotzdem reden. Und das ist eine bestimmte Klasse von Personen, die sich das leisten kann. Und da ist dann auch immer wieder die Frage, wie will ich das, wo kommt das hin, kann ich das mit mir selber vereinbaren. Und ja, also wenn es geht, versuche ich eher zu den Auflagen zu arbeiten und das ein bisschen niedriger zu halten, diese Preise. Malerei oder Kunst unterliegt ja Trends und gegenständliche Kunst wird sich immer schwerer verkaufen als ungegenständliche Kunst. Das ist immer ganz spannend, wenn wir zum Beispiel hier Tage der offenen Ateliers haben, da kommt ja ein sehr breites Publikum vorbei mit sehr unterschiedlichen Fragen. Und da merke ich dann auch schon oft, dass das, was ich mache, vielleicht ein bisschen zu persönlich ist. Und viel Interesse da ist, aber im Endeffekt will keiner sich die Person dann heimhängen, die ich meine, weil meistens sind es halt Porträts, weil das vielleicht doch ein bisschen zu nah ist für die Personen. Und das ist immer ein ganz interessantes Feedback. Und dann kann man natürlich den Weg gehen, dass man seine Kunst anpasst und diesen Trends folgt irgendwie. Oder, wie gesagt, eine andere Art von Kunst macht, die halt leicht in einem Wohnzimmer zum Hängen ist. Aber Kunst machen ist ja immer irgendwie man selber sein und authentisch sein und das macht für mich da wenig Sinn, mich da anzupassen. Ich glaube das hat natürlich auch sehr viel mit Selbstvermarktung zu tun, auch und dass gewisse Stereotypen für Männer viel besser funktionieren als für Frauen. Gerade in der Kunst gibt es ja noch sehr, also von außen gesehen, jetzt gibt es noch sehr viele Klischees. Ich finde immer ganz interessant das Klischee des leidenden Künstlers. Das funktioniert sehr gut für Männer, das funktioniert sehr schlecht für Frauen, aber es existiert noch. Also auch gerade dieser Dandy, der gerade wieder zurückkommt in der Kunst, da merkt man schon, dass gewisse Rollenbilder einfach schon sehr verhaftet sind und da kann man sich Zahlen anschauen. Es sind keine üben Behauptungen, wenn man sagt, Frauen verkaufen schlechter. Es ist einfach so. Und das liegt nicht an den Frauen. Das liegt an veralteten gesellschaftlichen, oder an vielen Ismen, sagen wir so, die immer noch nicht ganz gelöst sind leider. Also es wird besser, aber es ist noch sehr, sehr viel Luft nach oben. Ich glaube, dass es leider tatsächlich so ist, dass Frauen, die verlangen, eher als lästig empfunden werden als Männer. Natürlich gibt es einfach gewisse Dinge, die es auch erschweren. Ich kriege das jetzt ja auch mit bei Freundinnen, die zum Beispiel Mütter werden oder die Care-Arbeit machen, zum Beispiel Mütter werden oder die Care-Arbeit machen, die gewisse Verpflichtungen haben aufgrund von Erwartungshaltungen oder weil unser Sozialstaat so aufgebaut ist, wie er aufgebaut ist, die einfach sehr schwer zum Vereinbaren sind mit Kunstschaffen oder auch mit Selbstständigkeit. Da kommen ja mehrere Sachen zusammen. Also selbstständig sein in Österreich ist total hart, gerade in einem Job wie in der freischaffenden Kunst, wo man so wenig Sicherheiten hat, auch gerade was das Einkommen angeht, wo man ständig Rücklagen hat, falls man Nachzahlungen hat oder so Dinge. Und das sind einfach keine Planungssicherheiten. Und das macht es nur mal schwieriger. Und wenn dann nur ein Kind ins Spiel kommt, dann ja, wie soll man das machen? Genau, aber ich denke mir mal, man kann das nur ändern, indem man hartnäckig bleibt und sagt, ich bin da und ich gehe nicht weg und ich verlange Dinge. Und ja, wenn einen wer es lästig empfindet, dann muss er das aushalten. Man kommt in diese Welt, wenn man halt auch zum Beispiel vorher noch keine Ahnung hat und man idealisiert so. Ich glaube, da ist sehr viel Solidarität nach der man sucht und die Realität schaut halt so anders aus und ist das absolute Gegenteil. Das ist sehr faszinierend und gleichzeitig habe ich dann aber wieder das Gefühl, dass ich gerade in dieser Branche dann schon wieder viel Leute treffe, die eine ähnliche Einstellung haben. Aber es ist halt ein Unterschied, ob ich über Dinge nur rede und nur quasi konzeptuell auf der Seite von mir bin oder ob ich mitkämpfe. Und genau, da finde ich halt gerade diese weiblichen Freundschaften oder Freundschaften mit Flinters sind da eben besonders interessant und schön und motivierend, da eben besonders interessant und schön und motivierend ja, trotzdem dran zu bleiben und weiterzumachen. Also Komplizenenschaft in der Kunst ist für mich generell im letzten Jahr ein total großes Thema gewesen, weil ich mit Freundinnen auch, die auch Künstlerinnen sind, eine Ausstellung gemacht habe zu dem Thema Komplizenenschaft und Komplizenenschaft in der Kunst oder Freundinenschaft in der Kunst, weil das eben so jeden halt total beschäftigt. Aber genau, also diesen Aktionsraum, den man hat, der ist halt immer so abhängig von anderen Personen und dass man sich solidarisiert. Und genau. Ich wünsche mir auch, dass mehr Bewusstsein natürlich da ist dafür, was Kunstschaffende zu bewältigen haben. Ich wünsche mir natürlich auch so Entwicklungen wie jetzt, war das Irland, glaube ich, mit Grundeinkommen für kunstschaffende Personen, weil gesellschaftlich auch einfach trotzdem ein Mehrwert da ist, wenn Kunstschaffende da sind und was machen. Genau und ja, ich wünsche mir weiterhin mit Freundinnen arbeiten zu können und dass wir nicht alle alleine in unserer Kammer sitzen und meinen oder schaffen, sondern dass wir halt gemeinsam ja, Kunst machen und raus tragen.