Einen schönen guten Abend. Ich darf Sie im Namen der Volkshochschule Linz recht herzlich zu unserer heurigen Geschichtereihe begrüßen und mich für ihr Kommen und ihr Interesse bedanken. Wir widmen uns heuer dem Thema alte Vorurteile, neue Gefahr von den Anfängen des Antisemitismus bis heute inhaltlich. Ja, das kann man lesen. Neue Geschah. Ja, genau. Und ja, es ist dies eine gemeinsame Veranstaltung mit der Volkshochschule Linz, mit der Johannes-Kepler-Universität Linz, genauer gesagt mit dem Institut für Zeitgeschichte und Neuregeschichte, namentlich Professor Markus Gräser und dem Institut für Wirtschaft, Soziale und Umweltgeschichte, namentlich Professor Ernst Langthaler. Und ich möchte mich bei beiden an dieser Stelle für diese wundervolle Kooperation, die wir nun seit 2017 haben, bedanken. Vielen Dank. Mein Name ist Katja Fischer. Ich bin hier im Haus im Wissensturm für den Bereich der politischen Bildung zuständig. Der Jahresbetricht der Antisemitismus-Meldestelle dokumentiert für 2025 1532 antisemitische Vorfälle. Das sind so viele wie nie zuvor. Und doch sagt auch der Bericht, das was neu ist und das was wirklich besorgniserregend ist, ist die zunehmende antisemitische Atmosphäre. Eine Atmosphäre, die Jüdinnen und Juden im Alltag zunehmend erleben und die sie dazu bewegt, sich zurückzuziehen und oft ihr Judentum zu verbergen. Die Geschichte lehrt uns, wohin Antisemitismus führen kann und es zeigt sich eine Kontinuität von Vorurteilen, von Ausgrenzung und auch von Gewalt. Also wenn man ausgeht von eben den frühen religiös motivierten Vorurteilen eben bis zum Holocaust, wo es dann alles in Gewalt eskaliert ist. Vorurteile entstehen aber oft dort, wo Wissen, wo historisches Wissen fehlt und wo ganz einfache Erklärungen an die Stelle von komplexer Wirklichkeit treten. Und aus diesem Grund laden wir Sie ein, gemeinsam mit uns heute und an den drei kommenden Montagabenden einen Blick aus historischer Perspektive auf das Thema Antisemitismus zu werfen, aber zugleich auch den aktuellen Antisemitismus, die aktuellen Erscheinungsformen zu diskutieren. Den Anfang macht heute Clemens Kaps mit dem Vortrag Wandel und Kontinuität vom vormodernen Antijudaismus zum modern modernen Antisemitismus und ich darf ihn an dieser Stelle recht herzlich bei uns im Wissensturm begrüßen. Begrüßen darf ich auch Professor Ernst Langthaler, Institutsvorstand am Institut für Wirtschaft, Soziale und Umweltgeschichte und er wird uns heute als Moderator durch den Abend führen. Herzlich willkommen. Antisemitismus ist ein Thema, das uns herausfordert. Herausfordert, genauer hinzuschauen und zuzuhören. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen erkenntnisreichen Abend und ich freue mich, wenn wir an diesem und an den kommenden drei Montagabenden hier einen Raum schaffen für Offenheit, für Zuhören und für eine gemeinsame, respektvolle Diskussion. Vielen Dank. Ja, geschätzte Damen und Herren, ich möchte zunächst einmal Sie alle recht herzlich begrüßen, dass Sie sich Zeit genommen haben, zum Beginn unserer Vortragsreihe heute hier in den Wissensturm zu kommen. Die Dankesworte gebe ich gleich einmal gern zurück für die langjährige Kooperation. Die Dankesworte gebe ich gleich einmal gern zurück für die langjährige Kooperation. Liebe Katja, für uns an der JKU ist es wirklich ganz wichtig, solche Kooperationspartner zu haben, die mitten in der Stadt lokalisiert sind, auch jetzt wirklich im räumlichen Sinn, weil es schwierig wäre, so eine große Zahl von Menschen hinaus zur JKU zu bewegen. Da kommen wir natürlich gerne in die Stadt, um auch das Stadtpublikum zu erreichen. Und diese Veranstaltungsreihe ist für uns eine wunderbare Gelegenheit, sozusagen die Mauern, die symbolischen Mauern der JKU zu überwinden und auch die Menschen zu erreichen. Diese Reihe, die seit 2017 ziemlich erfolgreich läuft, hat sich zum Ziel gesetzt, ausgehend von aktuellen Problemen deren historische Dimension zu beleuchten. Und Katja hat das schon ausgeführt, das heurige Thema ist an Aktualität wohl kaum zu überbieten. Der zunehmende Antisemitismus, der unsere demokratische Ordnung gefährdet. Und ihr zahlreiches Erscheinen ist ja auch ein Beleg dafür, dass das ein Thema ist, das unter den Nägeln brennt. Und über das wir versuchen, in diesen vier Abenden wahrscheinlich keine Lösungen zu bieten, aber doch Orientierung zu schaffen, dass man vielleicht manche Dinge ein bisschen besser einordnen kann, die da so herumschwirren. Ich möchte Ihnen kurz die Reihe vorstellen in ihrer Gesamtheit. Die Gegenwart ist dann eigentlich das Thema beim allerletzten Termin, der am 9. November stattfindet. Da wollen wir uns mit dem heutigen Antisemitismus beschäftigen in all seinen Facetten. um das abzudecken, sondern wir haben drei Experten und Expertinnen eingeladen, uns aus verschiedenen Blickwinkeln mit dem heutigen Antisemitismus auseinanderzusetzen. Im dritten Teil, das ist dann am 2. November, geht es um den Antisemitismus nach 1945, also mit dem Weiterleben eher latent als manifestifest, aber manchmal auch Manifest, spürbar, von antisemitischen Einstellungen in der österreichischen Gesellschaft. Das ist irgendwie so der extreme Ausdruck des Antisemitismus in Form des nationalsozialistischen Judenmordes, der hier Thema sein wird. Und heute geht es uns um die lange Vorgeschichte. Antisemitismus ist nicht etwas, was im 20. Jahrhundert erst aufgetaucht ist, sondern und auch nichts, was irgendwie von irgendwem importiert wurde, wie es oft auch in der Diskussion betont wird, der sogenannte importierte Antisemitismus. Sondern Antisemitismus hat sehr österreichische Wurzeln, die lange zurückreichen, eigentlich bis ins Mittelalter. Und für diesen langen Zeitraum freut es mich, dass wir heute einen überaus kompetenten Vortragenden gewonnen haben, Clemens Kaps, noch dazu ein Kollege meines Instituts. Freut mich ganz besonders, dass du uns heute diese lange Vorgeschichte erläutern wirst. Ein paar Worte zu Clemens Kaps. Er kommt nicht nur aus Wien, sondern hat dort auch seine wissenschaftliche Ausbildung erfahren am Institut, an den verschiedenen historischen Instituten, die die Uni Wien hat. Das ist ja ein Riesenkonglomerat an Geschichteinstituten, die man dort vorfindet. hat er dann promoviert am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Rahmen des Doktoratskollegs das österreichische Galicien und sein multikulturelles Erbe, wo er eben dann 2011 seine Dissertation verteidigt hat, erfolgreich natürlich, mit Auszeichnung sogar. Und daraus ist dann auch ein Buch entstanden mit dem Titel Ungleiche Entwicklung in Zentraleuropa, Galicien zwischen überregionaler Verflechtung und imperialer Politik 1772 bis 1914, also das lange 19. Jahrhundert umfassend. Danach ging es dann ein bisschen auf Reisen, vor allem Sevilla, Forschungsaufenthalt in Sevilla war ganz wichtig. Wir werden das dann auch sehen, welche Folgen das gehabt hat für das nächste große Projekt. Jedenfalls mit Finanzierung des FWF und anderer Forschungseinrichtungen hat Clemens Kapps Auslandserfahrung gesammelt, bevor er dann 2018 an die JKU gekommen ist, damals an das Institut für Neue Geschichte und Zeitgeschichte als Senior Lecturer und drei Jahre später als Senior Lecturer am Institut für Wirtschaft, Soziale und Umweltgeschichte. Also wir haben dich erfolgreich abgeworben. Sorry, Markus, but that's life. But that's life. Ja, und am Institut für Wirtschafts- und Umweltgeschichte hat Clemens Kapstern sein Habilitationsprojekt, also das zweite große wissenschaftliche Projekt, vollendet mit einer Habilitationsschrift 2020 mit dem catchy Title Habsburg Maritim. Also ein kurzer Zwei-Wort-Titel. Es geht um Habsburg und es geht irgendwie ums Meer. Und der Titel erläutert das, was Thema ist, Kaufleute, politische Ökonomie und Güterketten zwischen Zentraleuropa und dem spanischen Atlantik im 18. Jahrhundert. Also es geht um transregionale, transnationale, sogar transkontinentale Beziehungen, damit auch um Globalgeschichte. Also Kollege Kaps ist nicht nur ein Spezialist für Regional-, sondern auch für Globalgeschichte. Er ist dann Mitglied verschiedener Gremien geworden, Mitherausgeber der Zeitschrift für Weltgeschichte, Mitglied des Beirats der österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften. Und das Letzte, was ich Ihnen noch verrate, sind seine Forschungsschwerpunkte. Die liegen im Bereich der Wirtschafts-, Sozial- und Diskursgeschichte der Habsburger Monarchie und Spanien sowie der Globalgeschichte zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Damit ist hoffentlich genug gesagt über den heutigen Vortragenden. Lieber Clemens, wir sind gespannt auf deine Ausführungen und freuen uns dann danach mit dir das alles zu diskutieren. Ja, hört man mich? Ich hoffe, ja. Ja, vielen herzlichen Dank für die freundliche und ausführliche Vorstellung an Katja Fischer und Ernst Langthaler und auch nochmals herzlichen Dank an Ernst Langthaler und Markus Gräser für die Einladung. Ich freue mich hier zu Ihnen sprechen zu können. Das ist jetzt der erste Vortrag in dieser Reihe und der trägt einen Titel Wandel und Kontinuität. Wandel und Kontinuität. Und ich würde auch gerne diesen heutigen Vortrag unter dieser roten Linie beginnen und sie dann sozusagen dorthin führen, wo dann nächste Woche Regina Fritz fortsetzt. Oder in zwei Wochen, jetzt weiß ich nicht, was der nächste Termin ist, jedenfalls beim nächsten Vortrag. Das heißt, diese Grundlagen, was heißt Anti-Judaismus, was heißt überhaupt Antisemitismus, mit Ihnen auch gemeinsam vielleicht im Anschluss noch vertiefend zu diskutieren. Und ich steige jetzt sozusagen gerade nicht sozusagen mit einem Sujet aus dem Mittelalter ein, sondern mit einem, das vielleicht ein bisschen in den nächsten Vortrag hinein reicht zeitlich. ein bisschen in den nächsten Vortrag hinein, reicht zeitlich. Ich weiß nicht, wer das vielleicht kennt. Es ist, das schicke ich mal vorweg, aus dem nationalsozialistischen Hetzblatt der Stürmer entnommen. Zwei Karikaturen aus dem Jahr 1934. Ich zeige sie Ihnen deswegen, weil wenn man sich die Spielsprache anschaut, kommen wir vielleicht sehr schnell zu dem Thema, das ich gern mit Ihnen heute hier vertiefen möchte. Und zwar, inwieweit vormoderne Vorstellungen von Judenfeindschaft in den modernen Antisemitismus hineinreichen und ihn deswegen ganz besonders aufladen. Wir haben ja sozusagen grundsätzlich eine Trennung in der Definition, was ist vormoderne. Da geht es stark um Religion, religiöse Feindbilder und das moderne Element, wo wir oft von Rassenantisemitismus sprechen. Zugeschriebene, unveränderbare Eigenschaften in einer pseudowissenschaftlichen Unterfütterung. Diese Motive zeigen uns, dass in der Propaganda diese Trennung so nicht unbedingt immer vorhanden war. Wir sehen hier auf der linken Seite einen Vampir, das sagt sozusagen auch der Titel dieser Karikatur. Und wenn Sie darunter den Untertitel lesen, dann steht hier vom Teufel in die Welt gesetzt, er stets die Völker quält und hetzt. Es ist ein Bild, das man möglicherweise, und hier auch sozusagen auf dem Vampir sieht man dann eben auch noch den Judenstern abgebildet, das man auf den ersten Blick vielleicht nicht so einordnen kann. Ich komme dann gleich auch noch dazu, woher das kommt, dieses Bild, wo es zum ersten Mal auftaucht. Aber schon allein im Untertitel ist sichtbar dieser religiöse Bezug. Und natürlich sozusagen diese Schuldumkehr, die man immer sehr schnell bei antijüdischen und antisemitischen Feindbildern und Propaganda sieht. Sie sagen, Jude als derjenige, der Schaden oder Negatives bringt. Und hier sogar noch der Begriff der Hetze, das ist besonders perfide in diesem Zusammenhang, diese Schuldumkehr. Auf der rechten Seite geht es um ein anderes Feindbild. Da geht es um die Schlangenbrut. Und auch hier ist es, im Untertitel kann man lesen, den Wurm als Zeichen von Juden, von Jüdinnen. Und da heißt es dann auch nochmal, was er reichen will, das sucht er zu erschleichen. Was ist da drinnen? Der Betrugsvorwurf. Ausbeutung könnte man weiterdenken und damit eine Art von antisemitischer Kapitalismuskritik. Diese beiden Bilder können durchaus auch zusammenpassen und das sehen wir, wenn wir so ein bisschen in die Sprache eintauchen. hier eine Liste an Tiermetaphern, mit denen Jüdinnen und Juden seit dem Mittelalter über die frühe Neuzeit hinweg immer wieder bedacht wurden. Man findet sie in Abhandlungen protestantischer wie katholischer Theologen, gerade während der Reformationszeit 16. und im 17. Jahrhundert, aber auch noch im 19. Jahrhundert. Was sind das für Tierarten? Wir haben sozusagen den Blutegel und da sind wir genau wieder bei diesem Bild. Das Saugen, das ist durchaus auch verwandt mit Heuschrecke oder auch Raupe oder auch der Spinne, dem Wurm oder auch der Bluthund. All das sind sehr verwandte Figuren, die aus einer sehr weit entfernten Zeit stammen und in die Propaganda der Nationalsozialisten Eingang nehmen. Und wenn man das jetzt weiter denkt, dieses Blut absaugen, ist auch natürlich oft eine Ausbeutungsmetapher. Und das heißt, was wir hier sehen, ist, schon von relativ früh weg, ab dem 12. 13. Jahrhundert, tauchen diese Tiermetaphern auf und sie erreichen dann in der frühen Neuzeit eine besonders starke Verbreitung. Und das sind Bilder, die halten. Deswegen auch mein Titel heute, Wandel und Kontinuität. Es ist durchaus nicht so, dass jetzt antijüdische Feindbilder, antijüdische Stereotype und die Propaganda, die dem folgt, sich nicht verändert über diese vielen Jahrhunderte. Aber sie haben eine Kernbotschaft und diese Kernbotschaft, die bleibt relativ konstant. Und manchmal sind es sogar die Bilder, die sich überliefern. Und das, was ich jetzt schon vorausschicken kann, was wir jetzt in den nächsten, sage ich jetzt mal, 40 Minuten sehen werden, ist, wie verschiedene Autoren, wie verschiedene Akteure, Politiker zum Beispiel, über diesen langen Zeitraum dafür sorgen, dass dieser Fundus an Feindbildern immer wieder neu belebt wird und weitergetragen wird. Was passt eigentlich vom Sinnzusammenhang durchaus dazu? Das sind Pflanzenmetaphern. Wir gehen also von der Gleichsetzung mit Tieren, was ja schon eine Entmenschlichungsstrategie ist, zu den Pflanzen. Und was sind das für Pflanzen? Schmarotzergewächse oder Schmarotzerpflanzen oder auch die Wucherpflanze kommt davor. Da stecken natürlich immer auch sehr ausgreifende Pflanzen dahinter und da ist die Idee, es ist viel Macht. Man kann das nicht aufhalten und man kann es nicht eingrenzen. Und das sind diese Bilder vom Anklammern, vom Einbohren, vom Festsetzen oder vom Einnisten. Und das sind Bilder, die vor allem im 19. Jahrhundert stark werden, als sich ein Rassendiskurs allgemein breit macht. Also sagen, nicht nur die jüdische Bevölkerung wurde im Zuge dessen als Rasse von einigen Autoren und Ideologen wahrgenommen, sondern auch beispielsweise die deutschsprachige Bevölkerung Österreich-Ungarns oder auch im Deutschen Reich. Und da ist die Idee besonders im deutsch-nationalen Lager stark, die Idee des Volkskörpers. Da ist die Idee besonders im deutsch-nationalen Lager stark, die Idee des Volkskörpers. Und in diesem Zusammenhang machen diese Bilder ganz besonders starke Wirkung, weil sie hier eine biologische Metapher mit der anderen verknüpfen. Gehen wir mal einen Schritt weiter von dieser sprachlichen Ebene. Wie kann man über diese vielen Jahrhunderte antijüdische Bilder besonders stark verbreiten? Wir sind in einer Zeit, wenn wir von Mittelalter sprechen, noch vor der Zeitung, die entsteht über die frühe Neuzeit. Das Flugblatt kommt im 15. Jahrhundert auf und damit kann man auch Bilder natürlich viel weiter verbreiten. Was vorher besonders wichtig ist, sind zum Beispiel auch Abbildungen, wie man sie hier sieht, an einem Haus, das am Wiener Neustädter Hauptplatz steht, wo in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts diese Plastik von einem Bürger angebracht wurde. eine der besonders starken und abwertenden antijüdischen Darstellungen, die sogenannte Judensau, wie sie heißt. Das heißt, sie hat eine sehr starke religiöse Komponente enthalten. Was im Judentum eben das Verbot vom Schweinefleischkonsum vorschreibt, wird hier quasi umgekehrt und die jüdische Bevölkerung entwürdigt, mit einem mangelnden Hygiene in Zusammenhang gebracht, mit Schmutz, mit Unreinheit und hier besonders stark abgewertet. man es finden kann und das sich über die frühe Neuzeit erhält, finden wir immer noch auch im 19. Jahrhundert. Also wir sehen, da ist hier eine Abbildung aus dem Jahr 1822, etwas anders natürlich zu sehen. Wir werden dann auch später besprechen, ab wann Juden und Jüdinnen anders physiognomisch dargestellt werden, also in ihrem Erscheinungsbild, die typischen Stereotypen, lange Nasen oder Hakennasen. Das ist etwas, was sich natürlich in dieser frühen Darstellung noch nicht findet. Das ist eine Veränderung. Aber die Kontinuität ist dieses entwertende Bild, das sich dann auch im 19. Jahrhundert findet. Und diese Darstellungen sind auch wichtig, denn sie verknüpfen sich mit anderen antijüdischen Stereotypen und Feindbildern. Und ich habe Ihnen hier so ein Schema mitgebracht, wo man versuchen kann, mal diesen vormodernen Antijudaismus von dem modernen Antisemitismus zu unterscheiden. Auch wenn ich ja vorher gesagt habe, man kann es nicht so komplett trennen. Es verschränkt sich miteinander, aber man kann es trotzdem unterscheiden als zwei unterschiedliche Systeme an Feindbildern, an Stereotypen. Nicht alle bleiben von der Vormoderne bis in die Moderne erhalten. Manche verschwinden, manche verändern sich aber. Die klassischen religiösen Feindbilder sind Juden wären Gottesmörder. Das ist sozusagen der klassische theologische Vorwurf, der von der Spätantike an immer wieder erhoben wird. an immer wieder erhoben wird, aber auch ein Vorwurf ist, der über Predigten bis ins 19. Jahrhundert immer wieder auch im Vorfeld von Pogromen, von antijüdischen Ausschreitungen eine Rolle spielt. Gar Freitagspredigten folgen mitunter antijüdischen Pogrome, beispielsweise im Zahnreich, aber auch an anderen Orten in Europa. Pogrome, beispielsweise im Zahnreich, aber auch an anderen Orten in Europa. Und damit verwandt ist sozusagen das Bild der Hostienschändung, das ist sozusagen die Vorstellung, Juden würden die Hostien aus den Kirchen stehlen, sie durchstechen und dann würde auf einmal Blut entweichen, herausspritzen. Das ist auch ein sehr brutales Bild. Auch das ist ein Vorwurf, der immer wieder, ganz besonders im Mittelalter, im Umfeld von Pogromen auftaucht. Oft ist es gar nicht so, dass das den gewalttätigen Ausschreitungen vorangeht. Es ist nicht so, dass jetzt jemand einen Vorwurf erhebt und sagt, hier wurde eine Hostie entwendet und geschändet, sondern manchmal ist es auch eine Rechtfertigung im Hintergrund, nachhinein. Und ein Beispiel, das ich Ihnen hier aus dem österreichischen Raum gleich mitgeben möchte in diesem Zusammenhang, ist das Pogrom von Kornreuburg. Das ist jetzt weit zurück, 1305, wenn Sie es genau wissen wollen. weit zurück, 1305, wenn Sie es genau wissen wollen. Das Interessante daran ist, dort wird eine Gruppe von in etwa zehn Jüdinnen und Juden umgebracht von der christlichen lokalen Bevölkerung. Und am Ende macht sozusagen die Kirche selbst eine Untersuchung. Und die Kommission hält fest, das stimmt nicht, diesen Vorwurf gibt es nicht. Das ist falsch. Das ist eine Praktischkeite, würde man sagen, es ist eine Propagandalüge. Aber das Interessante daran ist, dieser Bericht findet nicht Eingang in das breitere Bewusstsein. Er bleibt eigentlich im Verborgenen. Und selbst die Forschung braucht bis ins 20. Jahrhundert, bis ins 21. Jahrhundert sogar, in die frühen 2000er Jahre, um dieses Dokument einzusehen. in die frühen 2000er Jahre, um dieses Dokument einzusehen. Das heißt, das zeigt uns ein bisschen, wie langlebig solche Vorwürfe sind, wie wenig ihnen auch teilweise entgegengesetzt wird. Das ist nicht so, dass es gar nicht widersprochen wird. Es gibt auch Gesetze, die diese Vorwürfe teilweise verbieten. Damit im Zusammenhang steht das klassische und alte Stereotyp, das besonders stark vorgebracht wird, der Ritualmord, wo sozusagen die Idee ist, Juden würden Kinder entführen, um eben auch wieder an das Blut zu kommen, etc. Das ist tatsächlich ein Vorwurf, der sich bis ins 20. Jahrhundert hält, es immer wieder vorkommt und auch wiederum Anstoß gibt für antijüdische Gewaltausschreitungen. Wie die Judensau, diese entwürdigende Abbildung haben wir schon gesprochen. Das Bild des Wucheras, das ist eines, was zwar einen religiösen Ursprung hat. Sie sagen, Christen sollen ja laut dem Papst keine Zinsen nehmen. Und deswegen ist das ein Feld der Kreditvergabe, wo Juden ganz besonders aktiv werden. Es hat aber viel mehr eigentlich mit ihrem Ausschluss aus der Gesellschaft zu tun. Also das an den Rand drängen, dass sie nicht in der Landwirtschaft tätig sein können, keine Gründe erwerben dürfen, keine christlichen Angestellten haben dürfen etc. Also das sind alles Entwicklungen, die viel mehr prägend sind als päpstliche Verordnungen. Und das ist allerdings gleichzeitig ein Bild, Sie haben es in der ersten Abbildung gesehen, das hält sich. Und das ist auch eigentlich ein Bild, das weniger mit Religion zu tun hat und eigentlich in den säkularen Bereichen überwuchert. Und da sind wir auch schon in diesem zweiten Kasten, wenn Sie so wollen. Wenn jetzt der Antijudaismus eben religiös begründet ist, der Antisemitismus begründet sich weltlich, säkular. Man lehnt das Judentum oder auch Juden und Jüdinnen als Gruppe ab aufgrund weltlicher Beweggründe, weltlicher vorgeschützter Behauptungen, auch wenn das eben von diesen religiösen Vorteilen nicht unabhängig ist. Und hier sind eben genau diese biologischen Metaphern wichtig, die wir am Anfang gesehen haben. Das heißt, je mehr, so sagen, hier die Religion in den Hintergrund drückt, desto wichtiger werden diese biologischen Bezüge. Weit vor dem Rassenantisemitismus des 19. Jahrhunderts gibt es diese Bezüge schon. Und das ist ein Hinweis, wo dann auch rassenantisemitische Ideologen des 19. Jahrhunderts einhaken. Hier gibt es allerdings einige Vorwürfe, die auf eine andere Komponente von Antisemitismus hinweisen. Wenn Sie ganz oben schauen, der sogenannte Brunnenvergifter. Das ist ein Vorwurf, der sich zum ersten Mal in der großen Pestwelle des Mittelalters findet, 1348, 1349 und oft in Zeiten nicht erklärbarer oder scheinbar unerklärbarer Krisen auftaucht. Sei es in diesem Fall eine Epidemie oder auch im Zusammenhang mit Missernten. Ab dem Spätmittelalter, wo sozusagen grundsätzlich die Temperaturen kühler werden, das ist die sogenannte kleine Eiszeit einsetzt, Missernten häufiger werden, kann genau dieser Vorwurf öfters erhoben werden. Also Juden als Verursacher von Krisen. Und das verknüpft sich dann auch natürlich mit dem sogenannten Wucher. Aus Krisen kann man sich bereichern. Schon viel moderner sind diese vier Stereotype, also die Verbindung von Jüdinnen und Juden mit dem Kapitalismus, also vor allem mit dem sogenannten Finanzkapitalismus des 19. Jahrhunderts, als Börsen auftauchen, der sogenannten Finanzelite, wie es auch manchmal heißt. Das ist auch natürlich etwas, was sich bis heute sehr stark hält als Stereotyp. Kommunismus, das spielt natürlich auf Karl Marx an, hat aber auch damit zu tun, dass sich säkulare Juden oft auch in der Arbeiterbewegung engagieren und hier für eine starke moderne Welt stehen. Und das setzt sozusagen wieder ein bisschen auch bei dieser religiösen Identität an, sozusagen gegen traditionelle christlich-konservative Gesellschaftsentwürfe gesetzt wird. Ein Bild ist hier relativ neu. Das ist das des sogenannten Ostjuden, dazu komme ich dann später nochmal. Das sind die jüdischen Bevölkerungsgruppen eigentlich in dem östlichen Europa, vor allem in Polen oder auch im Zahnreich im Russischen, die im 19. Jahrhundert gerade nach Wien einwandern und oft sehr traditionell gekleidet sind und damit jetzt nicht nur bei Antisemiten Vorurteile hervorrufen, sondern sogar innerhalb der jüdischen Gemeinde zu Diskussionen Anlass geben. Aber dazu gleich mehr. So, dieser Überblick soll mal so ein bisschen eine Grundlage schaffen. Ich würde gern, Ernst Langthaler hat ja erwähnt, die mittelalterlichen Grundlagen auch des Anti-Judaismus in Österreich. Und da möchte ich nur ganz kurz auf diese zwei Vertreibungswellen verweisen, die Wien erschüttert haben. Die sogenannte Wiener Gässerer, hier links 1420-21. Der Babenberger Herzog Albrechter V. hat die jüdische Bevölkerung ausgewiesen und das ist natürlich jetzt kein gewaltfreier Vorgang gewesen. Es kommen durchaus auch Juden zu Tode. Auch vorher schon lässt er sie einsperren in der Synagoge. Teilweise begehen auch die Juden, die hier eingesperrt sind, Selbstmord. Das ist eine Darstellung aus einer Chronik, Sch hier eingesperrt sind, Selbstmord. Das ist eine Darstellung aus einer Chronik, Schädelsweltchronik, aus dem Jahr 1493. Das heißt, es ist durchaus so, dass dieses Ereignis damals auch im Bewusstsein, wenige Jahrzehnte später, im Bewusstsein der gebildeten Spätrennaissance-Schichten bekannt war. Das ist nicht etwas, was man nicht wusste. Also es war ganz klar, dass das eine sehr gewaltvolle Erfahrung war. In Wien kann sich in der Zwischenzeit in dem 16. Jahrhundert, vor allem im 17. Jahrhundert dann wieder Juden ansiedeln, in einer sehr kleinen Zahl. Sie werden geduldet vom Habsburgischen Kaiser. Und wir haben hier allerdings im Jahr 1670 eine Neute Vertreibung, die jetzt nicht so lange anhält. Aber eines erreicht, der rechtliche Status und die Sicherheit jüdischen Lebens in Wien vor allem, aber auch in Niederösterreich, ist ein sehr prekärer in dieser frühen Neuzeit. Es wird eine kleine Gruppe geduldet vom Kaiser, der braucht Finanziers, der braucht Kaufleute. Es ist auch finanziell lukrativ, das heißt, es ist eine Gruppe von wenigen hundert Personen mit ihrem Hausstand, mit ihrem Personal, die in Wien leben dürfen, nach dieser Vertreibungswelle von 1670. Was man vielleicht noch dazu sagen sollte, auch wenn beide diese Vertreibungsaktionen von dem Staat ausgehen und verfügt werden, steht dahinter schon mehr. Es steht durchaus eine antijüdische Einstellung in der Bevölkerung, manchmal durchaus auch ein Kesseltreiben. Vor dem Jahr 1670 gibt es immer wieder Anlassfälle für Ritualmordvorwürfe in der Stadt und es gibt den Vorwurf der ökonomischen Bereicherung jüdischer Kaufleute. Das heißt, diese Vertreibung ist jetzt nicht nur eine, die vom Wiener Hof ausgeht, da spielt die Gemahlin des Kaisers eine wichtige Rolle. Das ist eine aus Spanien stammende Kaiserin, die anti-jüdisch geprägt ist und ihre Fehlgeburt den Juden zuschreibt. Sie sehen immer wieder diese Sündenbock-Funktion, die jüdischen Personen zugeschrieben werden. die jüdischen Personen zugeschrieben werden. Und daher nur noch mal zur Verdeutlichung, der Anti-Judaismus dieser Zeit ist nicht nur einer der regierenden Eliten. Er ist schon ein gesamtgesellschaftliches Problem. Ja, von diesen frühen Vorläufern, die vor allem noch mal unterstreichen sollen, jüdisches Leben in Österreich war eigentlich bis ins 19. Jahrhundert eine relativ prekäre Angelegenheit, auch wenn es überall immer wieder auch Gemeinden gab, die sich entfalten konnten, gerade auch in Niederösterreich. Wiener Neustadt hatte eine Zeit lang eine sehr starke Gemeinde oder auch in Langenlois. Allerdings war grundsätzlich das Leben von Jüdinnen und Juden in den österreichischen Ländern sehr eingeschränkt. Anders war die Situation in Böhmen, da hatte man viel mehr und größere jüdische Gemeinden oder auch in Ungarn. Aber bis zur Aufklärung gab es auch wenig Debatten darüber, diesen Zustand zu ändern. Und genau das 18. Jahrhundert ist so eine Phase, wo sich das verändert. Und genau das 18. Jahrhundert ist so eine Phase, wo sich das verändert. Ihnen ist vielleicht das Toleranzpatent ein Begriff. Also Ende des 18. Jahrhunderts unter Josef II. und noch sehr geprägt von einem sehr katholischen, barocken Katholizismus, sehr konservativ, die hier eine Bremse ist eigentlich auf diesem Weg. ein paar Beispielen zeigen, wo Maria Theresia sehr stark anti-jüdisch auch argumentiert, zum Beispiel gegenüber den märischen Juden. Das ist eine sehr brutale Aussage. Im österreichischen Erbfolgekrieg in den 1740er Jahren müssen die märischen Juden Geld leisten, also 20.000 Gulden, das war schon eine stattliche Summe damals. Sonst werden sie von den Soldaten niedergemetzelt. Also das ist wirklich eine sehr brutale Aussage. Und das ist nicht nur eine Aussage, sondern sie findet sich in einem Dekret wieder, also in einer gesetzlichen Anordnung. In der Judenordnung, also dem Gesetz, das das jüdische Leben in Niederösterreich für die wenigen tolerierten, individuell tolerierten Jüdinnen und Juden regelt, wird festgehalten, dass unverheiratete Männer und Frauen ein gelbes Rechteck zur Kennzeichnung tragen müssen. Das ist vielleicht auch das gelbe Rechteck, stellt vielleicht die Assoziation zum Judenstern der Nationalsozialisten her. stellt vielleicht die Assoziation zum Judenstern der Nationalsozialisten her. Es ist auch etwas, eine Kennzeichnung, die es seit dem Mittelalter gibt, die auch von der katholischen Kirche sehr stark gepusht wird, sehr stark forciert wird und sich auch eben in staatlichen Gesetzen wiederfindet. Das heißt, es ist eigentlich eine von oben herab betriebene Markierung und damit eine symbolische Trennung von Christen und Juden in dieser Phase. Und ähnlich ist es sozusagen mit dieser Vorschrift, jüdische Männer müssen Bärte tragen. Also das, was man oft sozusagen dann auch in späterer Zeit im Rassenantisemitismus problematisiert, das unterschiedliche Erscheinungsbild ist teilweise etwas, was der Staat selbst vorschreibt in einer gewissen Phase. Und das gipfelt dann eben in der Aussage schon kurz vor ihrem Tod, Juden dürfen sich hier nicht vermehren, eher sollen sie verringert werden, als sich ein jüdischer Kaufmann um einen sogenannten Toleranzbrief in Wien bemüht. Das ist sozusagen der vormoderne Zugang, ein auch teilweise sehr aggressiver Anti-Judaismus, den Maria Theresia hier von sich gibt. Josef II., Staatskanzler Kaunis, also die aufgeklärten Kreise sehen das anders. Sie wollen die jüdische Bevölkerung in der Monarchie zumindest gewisse Rechte einräumen. Auch da kommt wieder ein Nützlichkeitsdenken durch. Steuerzahler, Juden sollen Manufakturen gründen dürfen. Und was auch fehlt mit dem Toleranzpatent und das, was uns hier vor allem interessiert, ist das, was hier fettgedruckt ist, Wien und Niederösterreich. Juden dürfen ins Kaffeehaus gehen ab 1782, was war vorher nicht möglich. Die Pflicht, das gelbe Dreieck zu tragen, entfällt. Die Pflicht, Bärte zu tragen, entfällt auch. Und es geht einen Schritt weiter, Juden dürfen auch studieren. Medizin und Jus. Das heißt, es ist eine gewisse Öffnung, aber es ist natürlich noch weit weg von der Gleichberechtigung, die sich im 19. Jahrhundert dann tatsächlich auch durchsetzt. Parallel zu diesem, ich bleibe vielleicht nicht so schnell, parallel zu dieser Tendenz, wir sehen hier unten auch die Münzen, die für Josef II. geprägt werden als Dank für dieses Toleranzpatent, als Anerkennung auch aus jüdischen Kreisen. Was wichtig ist, ist, dass es zu dieser Öffnung eine Gegenbewegung gibt, nämlich eine frühe Form von rassischem Denken. ein aufgeklärter Schriftsteller, Bibliothekar der Hofbibliothek, der in einer Skizze von Wien, die in der Regierungszeit Josefs II. erschienen ist, über polnische Juden schreibt. Also sagen polnische Juden, weil die Habsburger Monarchie wenige Jahre zuvor Galicien angegliedert hat und Galicien hatte eine sehr große jüdische Bevölkerung, von ihnen etwa 10 Prozent. Und viele galicische jüdische Händler kommen auf die Wiener Märkte. Und für Herrn Petzl sind diese Juden nicht recht viel anders als ein Orang-Utan einzuschätzen. Das heißt, was sieht man hier? Die Affen-Metapher. Also das ist etwas, was auch für den Rassismus der späteren Jahrzehnte prägend ist. Und auch da wieder in dieser fettgedruckten Stelle unten waren Einschachern. Also immer diese negative Bewertung von Handel, wenn sie von Juden ausgeübt wird. Und als dritten Punkt, was hier spannend ist, ist dieser Unterschied, die reichen Juden von Wien, die werden positiv gesehen, die sind angepasst, assimiliert und im Gegensatz dazu die rückständigen Ostjuden. Hier haben sie das erste Mal so diese Idee, Schmutz und so weiter. Diese Idee des Affen findet man dann auch noch in anderen Darstellungen aufgeklärter habsburgischer Universitätsgelehrter. Das ist sozusagen der Schritt in das 19. Jahrhundert, wo man schon erkennen kann, die traditionellen religiösen Unterschiede tritten zurück. Es säkularisiert sich das Denken, es säk sexualisieren sich auch die Feindbilder. Und insbesondere im Umfeld der Romantik, die auch sehr stark die Moderne ablehnt, nach den napoleonischen Kriegen das Volk sehr stark betont in ihren Schriften. Sie sagen Volk als grundlegende Einheit, die Sprache wird wichtig. Es geht her somit auch einer Wegwendung von Frankreich, von Napoleon, also sozusagen dieser antinapoleonische Nationalismus oder antifranzösischen Nationalismus allgemein, der auftaucht nach dem Wiener Kongress 1815, teilweise schon zuvor. Und was macht ja dieser Nationalismus? Der macht eines, er richtet sich nämlich auch gegen die Reformen der französischen Besatzungsverwaltung während des Kriegs, die an vielerorts die Emanzipation der jüdischen Bevölkerung vorangebracht haben. Also da sieht man schon, dass das auch etwas miteinander zu tun hat. Und etwas, was für diese Zeit wichtig ist, ist, der Antisemitismus wandelt sich, oder er wandelt sich eben zu einer modernen Form. Und warum? Genau aus dem Grund, weil nun diese traditionellen Symbole verschwunden sind. Also das Dreieck zum Beispiel oder die Bärte. Das heißt, Juden und Jüdinnen sind einfach nicht mehr so erkennbar wie früher. Und genau das ist das Paradoxe an dieser gesamten Entwicklung. Es tauchen jetzt neue Abgrenzungen auf. Es wird sozusagen viel auch verschwörungstheoretisch hier gearbeitet. Man erschafft die Vorstellung von allmächtigen, mit finsteren Machenschaften verbundenen Typus des jüdischen Geschäftsmannes. Das hat sich so bei diesen Händlern auch ein bisschen schon abgezeichnet, aber das wird noch viel stärker verdichtet mit der Industrialisierung, mit dem Auftauchen der modernen Klassengesellschaft. Und damit wird natürlich auch ein wirtschaftlicher Prozess sichtbar. Es sind viele Veränderungen. Diese kleinteilige Wirtschaft kommt stärker unter Druck. Also Zünfte beispielsweise, die Handwerkervereinigungen, die sehr stark bis dahin auch das städtische Wirtschaftsleben dominiert hatten, werden immer stärker zurückgedrängt bis zur liberalen Gewerbeordnung unter Kaiser Franz Josef 1859 im sogenannten Neo-Absolutismus. Und genau in dieser Phase kommen auch Banken auf beispielsweise. Und das ist genau dieser Punkt, wo sich das Stereotyp wandelt. Juden als Kapitalisten oder überhaupt jüdischer Kapitalist. Das heißt, als Repräsentanten einer radikalen Moderne, einer Moderne, die sehr viel verändert, ökonomisch, auch politisch in weiterer Hinsicht, auch kulturell. Und dieser Diskurs, den kann man auch bildlich festmachen. Hier haben Sie eine Krekatur, die ist übertitelt mit Börsenspekulanten. Und das ist genau der Punkt. Man erkennt äußerlich keinen Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Geschäftsleuten. Und das ist der Punkt, wo der Rassenantisemitismus ansetzt und versucht, über Erscheinungsmerkmale wie lange Nasen und andere Dinge diese Unterscheidung wiederherzustellen und das natürlich sehr abwertend zu tun. Es gibt auch diese Vorstellung von Juden als Staat im Staat. Das ist eigentlich eine Idee der Aufklärung, um möglichst die Juden zu integrieren, nicht sozusagen ihre eigene Verwaltung zu haben. Und das ist etwas, was eigentlich die Assimilation bedeuten würde. Aber auch wenn die jetzt stattfindet, auch mit den Toleranzpatenten, bleibt der Vorwurf. Es ist immer ein Misstrauen gegenüber dieser Gruppe von gewissen Autoren. Das ist natürlich überhaupt kein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Es gibt die romantischen Autoren, von denen viele antijüdische Stereotype in sich tragen. Autoren, von denen viele anti-jüdische Stereotype in sich tragen. Und es gibt natürlich auch jene, wie die deutschen Burschenschaften, die sich neu formieren, hier im frühen 19. Jahrhundert, also Studentenvereinigungen, die gleichzeitig Demokraten sind und gleichzeitig Antisemiten. Aus unserer heutigen Sicht ist das ein Widerspruch. Und der Widerspruch erklärt sich mitgebracht von einem Ereignis, das 1817 stattfindet, dem sogenannten Wartburgfest. Das ist auch bis heute für Burschenschaften ein Treffpunkt, wo sehr stark auch antisemitisch agitiert wird und wurde. Und bei diesem Wartburgfest 1817 wurden die deutschen Burschenschaften offiziell als Verband gegründet. Und Jakob Friedrich Fries, einer der wesentlichen Vertreter dieses frühen Antisemitismus, hat hier mit folgenden Zitat auf sich aufmerksam gemacht. So hat die Judenkaste, wo sie zugelassen wird, auf das ganze Volk, oben wie unten, auf hohe wie niedere, eine fürchterliche demoralisierende Kraft. Das ist also der wichtigste Moment in dieser Sache, dass diese Kaste mit Stumpf und Stil ausgerottet wird. Also schon hier sehr, sehr klare Gewaltaufruf. Eigentlich ist hier die Idee des Genozids vorhanden, in diesem wirklich sehr aggressiven und abstoßenden Zitat. Und das passiert jetzt hier natürlich nicht. Es ist im Umfeld von 1817 kein unmittelbarer Gewaltausbruch zu beobachten gewesen. Aber was passiert ist, dass die Schriften von jüdischen Autoren wie von Heinrich Heine oder Saul Ascher verbrannt werden. Also das ist durchaus eine sehr aggressive Veranstaltung, wo man sich dann auch nochmal auf Luther beruft, auf den Protestantismus und Luthers religiösen Anti-Judaismus. Da haben wir wieder diese Kontinuität, die immer wieder aufflackert. Eine Verknüpfung von säkularen und religiösen Motiven. 1848 die Revolution und jetzt gehen wir wieder nach Österreich zurück, ist eine, die paradoxerweise auch wiederum beides tut. Sie stellt Juden komplett gleich in der ersten Verfassung von 1849, der März-Verfassung, die dann nur kurz später aufgehoben wird von Franz Josef, dem Neo-Absolutismus dann zum Durchbruch verhilft. Aber gleichzeitig ist hier genau dieses Stereotyp, das wir vorher gesehen haben, da hieß es der Kommunist, hier könnte man sagen der Revolutionär. Es gibt einige der Revolutionären, die jüdischen Hintergrund hatten, Adolf Fischhoff beispielsweise, der Arzt. Und genau das führt dann dazu, dass konservative Publizisten, konservative Kräfte die Revolution für antisemitische Ideen heranziehen. Also man hat hier zu sagen, Antisemitismus 2 ist eine Minderheitenposition in der Revolution von Kräften, die die alte Ordnung beibehalten möchten. Sie kommen oft aus der Kirche, Prelat Sebastian Brunner beispielsweise, der über seine sogenannte Kirchenzeitung, das ist jetzt nicht ein offizielles Organ der Kirche, die er während der Revolution gründet, antijüdische Stimmung verbreitet, zusammen mit einem Mitarbeiter, der Queerin Endling. Und auch hier wieder ein Beispiel, das ich Ihnen nicht ersparen kann, weil es auch hier wiederum in einer sehr, sehr frühen Form, im Mitte des 19. Jahrhunderts, eine sehr, sehr aggressive Aufruf zu Gewalt bietet. Und wenn man sich dieses Zitat anschaut, dann kommt auch hier wieder der Maulwurf vor. So ein bisschen ironisch sind sie zwar nicht, aber eigentlich diese extreme Entwertung und Abwertung, unsauber, schmutzig. Und hier kommen wieder diese Schecher-Gesichter vor. Schecher-Gesichter, das ist schon genau diese Idee. Es gäbe eine klare, biologisch eingrenzbaren jüdischen Typus und das Schechern ist natürlich diese problematisierende, illegitime Form von Geschäften, die hier eine Rolle spielt. Und noch was ist hier drinnen? Die Wurzelschlagen. Auch hier wieder dieses Durchschlagen, das Einnisten, das wir ganz am Anfang gesehen haben. Das ist auch 1848 bereits. Und in Linz sprechend kann man natürlich auch über Franz Stelzhammer hier nicht hinweggehen. Da gibt es auch starke Diskussionen darüber. Und es gibt natürlich unterschiedliche Einschätzungen. Ich bringe Ihnen jetzt genau einige dieser Zitate aus Stelzhamers Text Jude. Das ist ein fünfseitiger Text, der inassung, wenn man weitergehen will, ein Jahr nach der Aufhebung der Verfassung, nicht mal. Das heißt, es ist in diesem Dunstkreis entstanden, in dieser Stimmung. Was aber Stelzhammer jetzt tut, ist, dass er ganz besonders stark biologisch argumentiert oder biologisch agitiert, besser gesagt, und die jüdische Bevölkerung als einen riesen Bandwurm diffamiert. Und dieser Bandwurm schlingt sich um die Ernährungsorgane eines jeden kultivierten Staatskörpers. Und da sind wir genau bei einer sehr, sehr aggressiven, bedrohungauslösenden Metapher. Und man sieht ja auch nochmal, wie gewalttätig diese Idee ist. Taffa. Und man sieht ja auch nochmal, wie gewalttätig diese Idee ist. Man hat versucht, ihn oft abzutreiben, aber er ist nicht aushotbar. Das ist eine der Kernaussagen dieses Textes. Man kann jetzt noch weitergehen. Der Text ist ja länger und es gibt einige Passagen, die den Juden jegliche kulturelle Leistung absprechen. Hier oben ist es wieder das religiöse Motiv, da wird die Religion attackiert. Also quasi von allem etwas, wenn man so möchte. Die rote Linie ist, oder sozusagen der rote Faden ist, Entwertung, Abwertung der jüdischen Bevölkerung, ihrer kulturellen Leistungen. Aber was ganz besonders wichtig ist, hier nochmals diese biologische Metapher vom Bandwurm. Jetzt geht es schon um den Bandwurm Rüssel und das Saugen wiederum. An einer offenen Wunde wird gesaugt. Da sind wir wieder bei dem Vampir, beim Blutsauger, beim Schädling. Und das 1852. Jetzt kann man natürlich lang diskutieren, ist jetzt Stelzhammer ein Zeitgeist-Repräsentant und popularisiert nur etwas oder ist er quasi tonangebender, ideologisierender Innovator? Das kann man diskutieren. Was man hier auf jeden Fall sehen kann, es ist nicht ein luftleerer Raum. Diese biologischen Bilder sind schon vorhanden, aber mir scheint so, dass er sie verdichtet und radikalisiert. Diese Zeit der 1850er, 1860er Jahre, die dürfen wir uns jetzt nicht so vorstellen, dass das hier gewaltfällig weg war. Das Interessante ist, in den eigentlichen österreichischen Ländern gibt es eigentlich keine Gewaltausschreitungen von unten, keine Pogrome in dieser Zeit. Aber es gibt sie in anderen Kronländern der Habsburger Monarchie, es gibt sie in den böhmischen Ländern, hier sozusagen zwei Beispiele 1861 und 1866. Also es sind genau die Jahre, als die Monarchie sich in einen Verfassungsstaat umwandelt. Sie sehen hier verschiedene Orte. Im Prag gibt es 1861 eine sehr starke mehrtägige Ausschreitung, die nur mit Mühe und Not vom Militär wieder eingefangen werden kann. Ausschreitung, die nur mit Mühe und Not vom Militär wieder eingefangen werden kann. Aber auch in kleineren südböhmischen Städten, Pribram oder Suschitze, Schüttenhofen oder schon Richtung oberösterreichischer Grenze, Wimperg, finden sich diese Ausschreitungen. Und das wird natürlich berichtet. Also auch in der Tagespost der wesentlichen Zeitung, regionalen Zeitung Oberösterreichs, findet das allerdings nur einen kurzen Niederschlag. Es gibt ganz kurze Notizen zu diesen Ausschreitungen. Es ist durchaus nicht so, dass es ein großes Thema ist, das auch problematisiert wird. Es ist mehr ein Randthema. Es gab halt Ausschreitungen. Aber durchaus kommen hier Personen auch zu Schaden beziehungsweise können sich durch Flucht notdürftig schützen. Auch in Galicien, das ist jetzt ein bisschen weiter weg, gibt es in dieser Zeit eine Ausschreitung. Aber in den eigentlichen österreichischen Ländern, auch in Wien, bleibt es ruhig. Und die Dezemberverfassung 1867 bringt jetzt eben genau diese staatsbürgerliche Gleichstellung für die jüdische Bevölkerung, Religionsfreiheit, freie Niederlassung, ganz wichtig. Das gab es bis vorher nicht. Der freie Erwerb von Grundbesitz. Also man kann Häuser kaufen, man kann Grundstücke erwerben. Der Zugang zu allen Erwerbsfeldern. Also es steht niemand mehr im Weg für Gewerbetreibende oder auch für die Landwirtschaft im Endeffekt. Aber was die Verfassung nicht tut, sie erkennt Juden nicht als einen Volksstamm an. Das ist sozusagen die Frage, was ist eigentlich die jüdische Identität? Und wenn man sich dann Bevölkerungszählungen anschaut, dann muss man eigentlich die Religionsstatistik heranziehen, damit man die jüdische Bevölkerung fassen kann. Die Sprache ist nicht anerkannt, also weder hebräisch noch jiddisch. Und Juden sprechen natürlich viel Deutsch an vielen Orten in der Monarchie und sie sprechen auch beispielsweise tschechisch oder polnisch oder ungarisch oder italienisch. Aber das ist natürlich jetzt nicht greifbar. Und das ist eben eine Konsequenz dieser Nicht-Anerkennung als Nationalität. Aber sie haben als Staatsbürger alle gleichen Rechte, die sie vorher eben nicht hatten. Und das ist genau der Punkt, der jetzt einen anderen Antisemitismus hervorruft. Nämlich, ich habe es eingangs erwähnt, die Bekämpfung dieser rechtlichen Gleichstellung. Das ist ein wesentlicher Ansatzpunkt in dieser Zeit. Und ich stelle Ihnen jetzt vor allem die zwei großen, weltanschaulichen ideologischen Milieus vor, die antisemitische Agitation in dieser Phase betreiben, also vor allem den 1870er und 1880er Jahren. Ein wichtiger Wendepunkt dafür ist erneut ein wirtschaftliches Ereignis, der Börsencrash von 1873, die große Weltwirtschaftskrise, die just zum Zeitpunkt der Weltausstellung in Wien voll durchschlägt und damit einen sehr starken Diskurs befördert, wo man Liberalismus und Judentum in einsetzt und die Folgen dieser Wirtschaftskrise sehr stark den liberalen Eliten anlastet, die auch die Geschicke dieser noch sehr jungen, dieses sehr jungen Verfassungsstaates, dieser sehr jungen parlamentarischen Monarchie lenkt, aber sehr stark auf jüdische Personen, Unternehmer vor allem, abstellt. Und es sind die zwei großen weltanschaulichen Lager, die sich auch hier formieren, die sozusagen auch aus dem Liberalismus hervorgehen, nämlich die deutschnationalen auf der einen Seite und die christlich-sozialen auf der anderen Seite, die hier ganz besonders prägend sind. Das deutschnationalen Milieu, der sogenannte völkische Nationalismus, der eben von dem Volksbegriff sehr stark ausgeht und sich ethnisch definiert, biologisch definiert, ist eines, das sehr stark die Idee des Rassenantisemitismus verbreitet. Es erfindet ihn natürlich nicht. Das ist eine längere Ausprägung, die auch durch die Herausbildung einer modernen Biologie mit hervorgebracht wird. Es gibt die Schädelmessungen auch schon Ende des 18. Jahrhunderts durch Franz Josef Gall. Später kommen Rassentheorien dazu von Gobineau und Chamberlain. Also das ist dann alles schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. das ganze Rad voran drehen, wenn man so möchte. Es ist hier die sogenannte Billroth-Affäre, Theodor Billroth, der wichtige Chirurg, der Mitte der 1870er Jahre eine Schrift veröffentlicht, die jüdischen und vor allem ostjüdischen Studenten die geistlichen, intellektuellen Fähigkeiten für ein Studium abspricht. Und er ruft nach einem Numerus Clausus, also einer Beschränkung jüdischer Studierender, und liefert damit eine pseudowissenschaftliche Rechtfertigung von Antisemitismus auf den Universitäten. Überhaupt sind die Universitäten eines der wesentlichen Schauplätze, wo Antisemitismus auch ausgehandelt wird. Und da sind wir natürlich auch genau bei dem Punkt, woher kommt überhaupt der Begriff Antisemitismus. Der kommt nämlich genau aus dieser Zeit. Er wird im Deutschen Reich geprägt von Wilhelm Marr, auch ehemals ein Liberaler, der gerade auch nach einer Reise in die USA, in die Südstaaten rassistische Ideen aufgreift und sie dann auf das Judentum in Europa, in Deutschland ummünzt. Und in dieser Zeit ist auch der Begriff des Antisemitismus nicht einer, der jetzt zum Shaming führt, für den man sich schämt, sondern der wird durchaus von Antisemiten sehr stolz als Eigenbeschreibung vor sich hergetragen. Es gibt die Antisemiten als einen Verein, einen politischen, also quasi Partei in der Habsburger Monarchie in den 1870er und 1880er Jahren. Und es sind genau auch solche Bilder, die Rassenantisemitismus vorantreiben. Das ist genau eine der Darstellungen, die man mit dem Ostjuden verbindet. Das sind hier unten der Schnorrer, also sagen wir wieder, diese Problematisierung von Kleinhandel oder auch Bettel, das ist eine informelle Ökonomie, würde man sagen, wo das sozusagen ein Übergang ist, jedenfalls ins Randgruppen. Und die werden hier auch als besonders stark problematisch empfunden. Und da wird in einer Zeit, in der es ja schon die Fotografie gibt, über die Karikatur versucht, Bilder zu schaffen. Was hat das für Konsequenzen? Es hat die Konsequenzen, dass sich die Burschenschaften, die schon im frühen 19. Jahrhundert antisemitisch agitiert haben, weiter radikalisieren und auf Grundlage der Rassenideologie Juden ausschließen. Und da ist das wesentliche Instrument, der sogenannte Aria-Paragraf, der dann auch in weiterer Folge in der Zwischenkriegszeit in vielen Vereinen eingeführt wird, jenseits der Universitäten. Aber er kommt von den deutschnationalen Burschenschaften und den Anfang macht hier die sogenannte Libertas, eine der radikalsten Vereinigungen im Jahr 1878. Also wir sind so in etwa zehn Jahren, nachdem die jüdische Bevölkerung in der Monarchie alle Rechte bekommt, oder zumindest in der österreichischen Hälfte, über diese Verfassung. In Ungarn übrigens auch, nur ist es dort ein bisschen eine andere Debatte. Und zehn Jahre danach wird also eigentlich diese Gleichberechtigung durch die Hintertür, also wenn man so will, über die Zivilgesellschaft wieder hintertrieben. Und diese Tendenz mündet dann erneut fast 20 Jahre später in den sogenannten Weidhofener Paragraf der Burschenschaften, der sagt, eigentlich sind Juden nicht satisfaktionsfähig und zwar deswegen nicht, aufgrund des sogenannten jüdischen Bluts, was sozusagen eine rassenideologische Vorstellung ist. Und das ist deswegen wichtig, weil diese Burschenschaften als Männervereinigung, Männerbünde, die jetzt die Mensurfechten, diese archaischen Rituale hier verfolgen. bürgerlichen Rituale hier verfolgen. Und damit ist sozusagen für das studentische Leben, für jüdische Studenten ein Problem. Weil diese Burschenschaften auf den Universitäten so stark sind und dagegen andere Vereinigungen nicht so wirklich ein Mittel finden, bedeutet der Ausschluss aus diesen Burschenschaften durchaus ein Hindernis im Studentenleben. Und das findet man eben auch auf der allgemeinen politischen ebene georg von schönerer die alte deutsche partei die er gründet als teil der deutschen nationalen bewegung hier wird der aria-paragraf in einem zusatz zum sogenannten linzer programm mitte der 1880er jahre aufgenommen das heißt es geht schon um eine gesamtgesellschaftliche vorstellung, Juden können nicht Teil des deutschen Volkes sein, so wie sich die deutschen Nationalen auch verstehen. Und das führt dann auch immer wieder zu gewalttätigen Zusammenstößen, zum Beispiel als Schönerer das liberale Wiener Tagblatt angreift, weil er eben die Redaktion als sogenannte Verjudet einstuft, jauft oder angreift. Den Hintergrund für diese Aktion erspare ich Ihnen jetzt. Das Wichtige ist einfach nur, es prägt die politische Praxis. Also es sind durchaus nicht nur Reden, die man schwingt, sondern es hat Reaktionen im praktischen Leben. Und das findet sich dann auch in anderen deutschnationalen Parteien von Karl Hermann Wolf oder dem Deutschen Klub. Dazu auf der anderen Seite Karl Lueger, der Wiener Bürgermeister, der auch als Liberaler beginnt und sich dann antisemitischem Populismus zuwendet in den 1880er Jahren. Dahinter steht natürlich auch, das sind die ganzen Auseinandersetzungen, die die Monarchie prägt. Also der Kampf um die Schulen, sollen die Schulen säkular sein, sollen sie bei der Kirche sein, sie wären dann säkular und das führt eben zu einer Art von katholischem Kulturkampf in der Abwehr und es radikalisiert sich auch der niedere Klerus und in dem Zusammenhang sieht man etwas Neues. Antisemitismus wird Teil einer politischen Auseinandersetzung. Und bei Loegers merkt man das. Ich habe Ihnen hier ein paar Zitate mitgebracht, die ich jetzt gar nicht so im Detail mit Ihnen durchgehen möchte. Ich spiele sie hier ein. Man sieht bei ihm wiederum, und das ist spannend, und man sieht diese Kombination aus alten und neuen Stereotypen. Wenn Sie allein hier reinschauen, also bei dem ersten Kastl, Gottesmördervolk, religiöser Antijudaismus, Geld- und Börsejuden, moderner Antisemitismus, Pressejuden. Also es werden auch hier die Institutionen der Moderne angegriffen, ökonomisch, wie sozusagen auch politisch, gesellschaftlich. Der Journalismus wird angegriffen, die freien Zeitungen, die sich sozusagen selbst unter Zensurbbedingungen entwickeln können. Also auch sozusagen der Intellektuelle als Feindbild, der hier attackiert wird. Das sind sozusagen Begriffe aus Luegas Reden zwischen 1890 und 1910, bis zu seinem Todesdatum. Und hier hat man eben sozusagen verschiedene Beispiele von Reden, die er hält als Abgeordneter. von Reden, die er hält als Abgeordneter. Und wo man merkt, auf der einen Seite ist es diese Dominanzvorstellung, in Wien quasi überall Juden, während die Bevölkerung Wien in dem Zeitraum bestenfalls zu 8% jüdisch ist, also überhaupt nicht in keinster Weise eine Dominanz hier schlagen würde. Hier rechts haben wir wieder die alten Bilder dieser Blutvorwürfe. Also man sieht auch bei Lueger, wie diese alten Bilder eine wichtige Rolle spielen in seiner Propaganda, in seiner Rhetorik. Dann auch eine sehr aggressive, gewalttätige Vorstellung. Es ist mir gleichgültig, ob man die Jüden köpft oder erschießt. Also man sieht hier schon, wie brutal diese Vorstellungen sind. Und hier auf dieser rechten unteren Seite findet man nochmal den Vorwurf der wirtschaftlichen Dominanz. Also sagen, Juden würden einen Terrorismus ausüben, also auch diese Schuldumkehr, die hier eine Rolle spielt. Und durchaus auch diese Idee, wir wollen die Befreiung des christlichen Volkes aus der Vorherrschaft des Judentums so einfach ist es nicht. Es gibt schon Ausschreitungen, gerade wenn Wahlkampagnen sind oder überhaupt Wahlen. Da gibt es die Schilderungen von Schriftsteller Felix Braun, der dann sagt, man geht besser nicht auf die Straße. Es kommt auch da und dort zusammen Stößen. Und die Zielscheiben dieser antisemitischen Agitation sind natürlich Juden, vor allem Männer hier, die Karriere machen in der Wissenschaft, wie Sigmund Freud oder Hans Kelsen, Viktor Adler in der Politik oder auch Franz Kafka in der Literatur. Also das ist natürlich schon so, dass es einen großen jüdischen Beitrag gibt zum kulturen-wissenschaftlichen Leben des modernen Österreich, aber eben nicht in dieser negativen Form. Ja, und damit möchte ich nur noch ein paar Bemerkungen zur Ersten Republik machen. Ich hoffe, ich bin noch nicht massiv über meiner Zeit. Ich fürchte immer. Okay, super, ich glaube, das kriege ich hin. Ja, Regina Fritz wird ja wahrscheinlich auch dazu nächste Woche einiges sagen. Also ich möchte gar nicht so viel darüber bemerken, aber nur so ein paar Punkte. Es ist durchaus so, dass der Antisemitismus im Übergang von Monarchie zur Ersten Republik nicht abbricht. Das hat man ja schon gesehen. Das nimmt zu und er findet sich in der Ersten Republik tatsächlich in allen großen parteipolitischen Lagern, also auch in der Sozialdemokratie. Und dort natürlich mit dem großen und wichtigen Unterschied, dass viele sozialdemokratische Politiker selbst jüdischen Hintergrunds hatten, auch wenn sie säkularisiert waren und mit der Religion nichts mehr zu tun hatten. Robert Danneberg zum Beispiel, Viktor Adler habe ich schon erwähnt. Das ist natürlich jetzt kein politischer Antisemitismus. Umgekehrt werden die Sozialdemokraten oft von christlich-sozialen und deutsch-nationalen als Partei der Juden oder judenfreundlich kritisiert, attackiert. Aber es gibt natürlich schon auch eine Kapitalismuskritik, die gerade auch in der grafischen Darstellung diese Motive, die wir vorher gesehen haben, wenn es um die Börse geht, da und dort aufgreift. Aber es ist natürlich ein großer Unterschied zu dem deutschnationalen Rassenantisemitismus und dieser Mischung, die bei den christlich-sozialen vorhanden ist, zwischen den traditionellen antijüdischen und den modernen antisemitischen Elementen. Ein paar Beispiele vielleicht dazu noch. Ignaz Seipel hat sich, also die christlich-sozialen, seine Partei und die deutschnationalen, in einem Interview 1926 ganz offen als antisemitische Parteien bezeichnet oder als Antisemiten, hat aber dazu gesagt, dieser Antisemitismus richtet sich gegen die assimilierten Juden. Also sozusagen die traditionellen Juden wären kein Problem. Und er hat auch in diesem Interview die Unterstützung für Zionismus und die Auswanderung nach Palästina erkennen lassen. Das war in einem Interview mit einer jüdischen Zeitung in New York. Aber es ist bemerkenswert, mit welcher Offenheit eigentlich ein christlich-sozialer Politiker Mitte der 1920er gesagt hat, ich bin Antisemit. Und das findet sich bei christlich-sozialen Politikern, die auch in der Zweiten Republik teilweise eine Karriere machten, in dieser Zeit auch. Josef Klaus ist ein Beispiel, damals noch als Funktionär im Deutsch-Christlichen Studentenbund, Anfang der 1930er Jahre. Und Rassenantisemitismus hat bei Taras Borodajkiewicz eine Rolle gespielt. Vielleicht sagt der Name manchen von Ihnen etwas. Und Borodejkiewicz gab es in der Zweiten Republik eine kontroverse, für NS verharmlosende oder glorifizierende Aussagen. Also man sieht hier durchaus auch eine Kontinuität. Der Politiker bei den Christlichsozialen, der ganz besonders hier hervorgetreten ist, ist allerdings Leopold Kunschak, also der Chef oder Führer der Christlich-Sozialen Arbeiterbewegung, der vor allem gegen die Ostjuden Stellung bezogen hat, agitiert hat. Deswegen, warum ist überhaupt das Ostjudentum ein Thema? Weil während des Ersten Weltkriegs viele Juden in Galicien vor den russischen Truppen flüchten und sie flüchten nach Niederösterreich, beispielsweise nach Gmünd, auch nach Oberö Und da findet man eben schon so diese rassenantisemitischen Vorstellungen. Er möchte einen Judenkataster, wie er das ausdrückt, einrichten. Nach der Abstammung Juden registrieren. Er bezeichnet Juden aus Galicien als Raubtiere, die man am besten in Käfige einsperrt. Und kommt dann zum Schluss, man bräuchte doch Konzentrationslager. Also im Sinn von Internierungslager, natürlich nicht mit dem nationalsozialistischen Vernichtungslager gleichzusetzen. Aber dennoch die Idee sozusagen zu internieren, um abzuschieben und die starke Abwertung ist bei ihm vorhanden. Gleichzeitig ist der deutschnationale Antisemitismus in keinster Weise harmloser. Es ist auch der deutschnationale Innenminister, der den Ostjuden das sogenannte Optionsrecht verweigert, das heißt sozusagen die Möglichkeit, österreichische Staatsbürger zu werben, nach eben der Neugründung der Republik und der Auflösung der Monarchie. Und auch hier gibt es eine Debatte, die Franz Dinghofer involviert, der in dieser Zeit auch die Erhebung von Rassen in diesem von Kunschak vorgeschlagenen Judenregister unterstützt. Und damit möchte ich schließen mit zwei Bildern von Gewalt. Das ist die Universität, die in den 1920er Jahren zunehmend zu einem Schauplatz von Antisemitismus wird. Und es ist die Universität Wien. Zwei Ebenen sind die Professoren, die sich in einem antisemitischen Netzwerk organisieren, um jüdische und linke Wissenschaftler die Karriere zu verunmöglichen, indem man gewisse Qualifikationsarbeiten nicht annimmt und auf der anderen Seite unterstützt von einem deutschnationalen Rektor und auf der anderen Seite sind es die Studenten selbst, also getragen von den Burschenschaften, die gegen jüdische Studenten gleichermaßen wie jüdische und linke Professoren Stellung beziehen und diese auch angreifen täglich. Einer der Opfer ist Julius Tandler, der bekannte Wiener Stadtrat, Sozialdemokrat, an seinem anatomischen Institut 1923. Und als dieses Thema dann ins Parlament kommt, ist auch hier wieder Franz Dinghofer ganz vorne dabei, um die Studenten zu verteidigen und meinte, die sorgen sich ja nur um den deutschen Charakter der Universität. Zweites Beispiel, viel direkter, viel brutaler vielleicht, denn es ist die Ermordung von Hugo Bettauer, eines Journalisten und Publizisten jüdischen Hintergrunds, sehr progressiv, Sexualaufklärer und ist damit natürlich auch eine Zielscheibe für konservative Kreise. Aber in diesem Zusammenhang gibt es eine wahre Hetzkampagne gegen Bettdauer, der auch mit seinem Roman Die Stadt ohne Juden bekannt ist, wo er sich eben vorstellt, was passiert, wenn jetzt alle Juden aus Wien vertrieben werden. In seinem Roman geht das gut aus. Es kommen alle wieder zurück, so quasi Modell 1670. Es wird zwar vertrieben, dann sieht man, es funktioniert ja ohnehin nicht. wir nehmen das zurück. Aber da merkt man auch, wie in den 1920er Jahren ein Holocaust einfach unvorstellbar war. Also auch von jemandem, der dann selbst nämlich von einem Nationalsozialisten Otto Rotstock erschossen wurde, nur drei Jahre nachdem dieser Roman erschienen ist, war es unvorstellbar, welche Dimension Antisemitismus, antisemitische Gewalt annehmen kann. Und damit möchte ich eigentlich schließen und danke für Ihre sehr eindrucksvollen Überblick über die lange Geschichte, sehr eindrucksvollen Überblick über die lange Geschichte, das hätte ich fast gesagt, des Antisemitismus, aber du hast uns ja plausibel erläutert, dass es den Antisemitismus ja gar nicht gab, sondern verschiedene Spielarten, den religiösen, den wirtschaftlichen, den Rassenantisemitismus. Vielleicht ist es Ihnen auch so gegangen wie mir, dass ich da einige Déjà-vus hatte von dem, was wir über die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung und Nationalsozialismus wissen. Also einerseits symbolische Gewalt mit dieser Kennzeichnungspflicht, das gelbe Rechteck, aber auch physische Gewalt. Also Maria Theresia, die da mit dem Niedermetzeln der Juden spekuliert hat in ihren Aussagen. Und sehr spannend fand ich auch dieses Wechselspiel, das eigentlich zunächst einmal paradox klingt, zwischen Entradikalisierung und Radikalisierung. Das ist das mit dieser Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung durch die Reform von 1867 erläutert. Also die jüdische Bevölkerung wird jetzt wirklich rechtlich gleichgestellt. Eine Form der Entradikalisierung eigentlich, der Entdiskriminierung. Aber das ist jetzt wiederum ein Impuls für eine Radikalisierung des Antisemitismus in Form des Rassenantisemitismus, wie er dann in den Burschenschaften unter anderem kultiviert wird. Also viele spannende Aspekte. Unsere Vortragsreihe zeichnet sich ja auch dadurch aus, dass es keine reine Vortragsreihe ist, sondern wir diese Vorträge auch immer als Impuls verstehen, um gemeinsam darüber ins Gespräch zu kommen. Und in diesem Sinn lade ich Sie herzlich ein, Ihre Fragen und Ihre Kommentare zu formulieren und unseren Referenten Sie bestmöglich zu beantworten. Hier in der Mitte gibt es schon eine erste Wortmeldung. Guten Abend. Sie haben vorhin gesagt, dass in Böhmen zunächst die jüdische Gemeinde relativ groß war, um die 10 Prozent. Und in den 1860er Jahren hat sich das aber dann gewandelt. Da war in den zentralen österreichischen Ländern, sage ich jetzt mal, eine Ruhe. Und dafür wurden dann die Pogrome in Böhmen umso radikaler. Was hat das eigentlich so zum Kippen gebracht? Das war für mich nicht ganz verständlich. Das ist eine gute Frage. Also vielleicht nochmal vorweg, also die 10% waren in Galicien, in Böhmen habe ich jetzt die Zahl nicht, wie viel das Gesamtanteil war von der Bevölkerung. Aber es gab starke jüdische Gemeinden, beispielsweise in Prag. Und man hat es auf der Karte gesehen von den Pogromen, wo überall sonst Juden gelebt haben, in Böhmen. Was passiert in den 1860er Jahren? Das ist auf der einen Seite die tschechische Nationalbewegung, die sich emanzipiert, stärker halt auch als national versteht, nationale tschechische Identität entwickelt. Und das kommt zu Konflikten mit den Deutschböhmen oder überhaupt auch dem deutschen Nationalismus, der sich dann langsam ausbildet. Und in dieser Frontstellung wird von den Juden verlangt, sich für eine Seite zu entscheiden. Und das ist ein Thema, warum Anti-Judaismus in den böhmischen Ländern in der Zeit sich stärker gewaltvoll entlädt. Es gibt aber einen Vorläufer, den habe ich nicht erwähnt. Das ist, da sind wir jetzt wieder bei Maria Theresia. 1744 gibt es ein Pogrom an der pragerjüdischen Bevölkerung. Und das passiert, als fremde Truppen in der Stadt sind. Die preußischen Truppen wären in einer Kriegssituation und das löst dieses Pogrom aus. Und das ist das erste Mal als fremde Truppen in der Stadt sind, die preußischen Truppen während einer Kriegssituation. Und das löst dieses Pogrom aus. Und das ist das erste Mal eigentlich in Böhmen, dass es ein Pogrom gibt. Und das ist dann 100 Jahre später, das kann man jetzt nicht zusammen denken, aber es ist zumindest eine andere Lage damals schon. Und es führt eben an verschiedenen Orten in den 1860er Jahren zu Konflikten. Es gibt zum Beispiel einen Konflikt um einen Nägelkauf in einem Geschäft, wo man sich denkt, was hat das mit Antisemitismus zu tun? Der Ladeninhaber ist jüdisch und es sind vor allem junge Burschen, die dem Ladenbesitzer das stehlen und daraus entsteht dann eine Situation, wo sich ein Mob bildet und dem Ladenbesitzer aufsitzt und ihn dann verprügelt und bedroht. Und daraus entstehen dann Angriffe auf die jüdische Bevölkerung des gesamten Ortes. Das Problem dieser Zeit ist auch, es gibt kaum Polizei vor Ort. Das heißt, die Ordnungskräfte sind kaum da. Man muss eigentlich die Soldaten von weit her holen. Das heißt, der Staat ist auch noch nicht so präsent in der Fläche. Und deswegen ist es auch leichter, solche Ausschreitungen zu haben, als jetzt vielleicht in Wien zum Beispiel. Aber das Prager Beispiel ist gleichzeitig wieder ein bisschen ein Gegenbeispiel. Es kommt in dieser Zeit stärker zur Aufladung in Böhmen als in den österreichischen Ländern. Die nächste Wortmeldung, bitte. Vielen Dank auf jeden Fall für den Vortrag. Ja, die nächste Wortmeldung bitte. Herrn Ma, wenn ich mich richtig in Erinnerung habe, diese Verbindung in die USA dargelegt. Gleichzeitig ist aber auch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, gerade in Frankreich, ich glaube, Trouman schreibt da dieses Buch, und auch in Russland, im Zahnreich, einfach diese Steigerung des Antisemitismus. Gibt es da einen Austausch der Vorurteile? Beziehungsile gibt es, beziehungsweise falls es einen gibt, was sind die Träger dieses Austauschs? Ist es kirchlich? Ist es politisch? Ja, also das ist eine gute Frage. Also den Austausch sieht man auf jeden Fall stark über die Zeitungen. Wenn Sie zum Beispiel die Drei-Fuß-Affäre in Frankreich hernehmen, die wird natürlich auch in den Zeitungen in Wien und anderen Orten berichtet und ist erneut wieder auch ein Katalysator für antisemitische Vorurteile. Und auf der Ebene ist der Austausch sehr sichtbar. Wo er besonders eng ist, ist natürlich im deutschnationalen Milieu, also sagen Deutschland, Österreich, das ist quasi, wird ohne Grenze wahrgenommen, da gibt es auch keine Sprachgrenze. Also da ist ein sehr, sehr enger Austausch erkennbar. Und natürlich ist es so, weil Sie das auch ansprechen, es gibt natürlich Ideen, die zirkulieren sehr stark international. Und das nachzuvollziehen ist nicht immer ganz einfach, aber über Publikationen kann man sowas sehr wohl, sehr leicht erreichen. Also sagen Texte, die zirkulieren, die teilweise auch übersetzt werden und die Bildsprache. Also auch das, was wir gesehen haben, diese Karikaturen, die stark über Zeitungen verbreitet werden, die spielen natürlich auch für den internationalen Austausch eine wichtige Rolle, auch wenn es dann natürlich unterschiedliche Themensetzungen gibt. Also sagen die Ostjuden sind nicht für jede Gesellschaft gleichermaßen beispielsweise ein Feindbild. Durch die Migration nach Wien und nach Berlin ist es da besonders virulent. Das kurbelt also diesen deutschnationalen Rassenantisemitismus an. Das ist in anderen Ländern wiederum weniger virulent und weniger ein Thema. Ja, weil Sie das kurz angesprochen haben, Lehrveranstaltung, bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass wir an der JKU im Studiengang Lehramtgeschichte, einem unserer wichtigsten Studiengänge, ganz bewusst versuchen, das Thema Nationalsozialismus, Antisemitismus und alles, was damit zusammenhängt, dem einen großen Stellenwert zu geben. Und in diesem Zusammenhang macht der Kollege Kaps auch regelmäßig Lehrveranstaltungen zum Thema Antisemitismus. Darauf hat sich der Kollege vorhin bezogen. So, Ende der Werbeeinschaltung und wir haben die nächste Wortmeldung schon. Ja, eine Frage zum Jahr 1670. Sie haben da von der Vertreibung von einer großen Gruppe von Juden aus Wien gesprochen und dass ungefähr 100 verbleiben dürften. Nach welchen Kriterien sind die eigentlich ausgewählt worden? Gut, dass Sie das fragen. Das war vielleicht ein bisschen missverständlich im schnellen Durchgang. Also ausgewiesen werden alle. Dann gibt es überhaupt keine Ausnahmen. Zurückkommen weniger als vorher da waren. Und da werden Gesuche gestellt, sozusagen individuell, die sogenannten Toleranzbriefe. Und das wird dann unterschrieben, damals eben von zunächst Leopold I. oder auch von Maria Theresia, die das eben nicht machen wollte, sozusagen möglichst wenig. Das heißt, es sind eigentlich persönliche Privilegien. Und die gelten auch für die Familie und auch für die Bediensteten. Das ist dann schon auch eine große Gruppe, die da zurückkommen kann pro Haushalt. Aber ausgewiesen werden alle. Viele bleiben in der Nähe, manche gehen nach Böhmen, manche gehen ins Burgenland, das ist damals ja ungarisch, und versuchen also möglichst in der Nähe zu bleiben und spekulieren auch darauf, dass das vielleicht nicht hält, machen dann eben, weil vorher sozusagen die Frage nach internationalen Netzwerken auch war, in dem Fall tatsächlich 1670, 1680 werden internationale Netzwerke bemüht, der verschiedenen jüdischen Communities in Europa den Kaiserlichen Hof davon zu überzeugen, das zurückzunehmen. Und das gelingt dann auch zumindest teilweise. Danke. Zeugen, das zurückzunehmen und das gelingt dann auch zumindest teilweise. Danke. So Katja, du hast jetzt einen, ich wollte schon sagen, du hast jetzt einen weiten Weg, aber wenn Sie einverstanden sind, dann nehmen wir gleich den Kollegen, der dort in der Nähe sitzt, dran. Da muss die Kollegin nicht immer so weite Wege machen. Es gab 1848 einen Korrespondenten in Wien, der schrieb, er wird noch darlegen, wie die jüdische Rasse vernichtet werden kann und er fügt noch hinzu, ohne Schädel einschlagen. Aber das Bemerkenswerte an diesem Korrespondenten war, er war Korrespondent der Neuen Rheinischen Zeitung. Und die Neue Rheinische Zeitung hatte als Chefredakteur Karl Marx. Und Marx und Engels ließen Eduard von Müller-Tellering, er war kein von, hat er sich das in Wien erst zugelegt, ließ das durchgehen und sie selbst schrieben, teilweise auch antisemitisch. Und sie haben sozusagen diesen linken Antisemitismus eigentlich gar nicht erwähnt, was eigentlich auch, finde ich, verstörend ist, dass genau aus dieser linken Ecke so Pamphlets und Aussagen kommen. Aber wie sehen Sie das, beziehungsweise können Sie vielleicht auf das noch kurz eingehen? Ja, sehr gerne. Ich meine, ein bisschen habe ich es thematisiert für die späte Monarchie, vor allem für die Erste Republik. Aber das findet sich natürlich auch im Revolutionsjahr 1848. Ich meine, auch Marx selbst hatte in seinem Kapital beispielsweise, wenn er die Krämer beschreibt, dann kommt man schon auch diese ökonomischen, antijüdischen Vorurteile durch. Aber natürlich jetzt nicht im Sinn einer sehr aggressiven Sprache, sondern im Sinn von Beschreibung einer Welt, wie wir sie auch gesehen haben, dieser modernen Modernisierungsthemen. Und da findet sich natürlich dieser linke Antisemitismus. Auch in der Arbeiterbewegung oder Sozialdemokratie, Baron von Rothschild war natürlich ein Beispiel. Und das wusste auch jeder, dass er einen jüdischen Hintergrund hatte. Also da findet man natürlich diesen linken Antisemitismus, man könnte ja auch dazu sagen, einen sozial-kritischen Antisemitismus sehr stark wieder. Das würde ich schon betonen, aber die ökonomischen Vorurteile sind da, auch in der Darstellung. Gerade die Fabrikanten, dicke Nase, dicker Bauch, Zylinder oder so, das sind auch Darstellungen, die man in der Ersten Republik sieht, auf Wahlplakaten beispielsweise. Das ist natürlich vorhanden und da gibt es natürlich eine Schnittmenge, die allerdings eine andere Zielsetzung hat. Das ist immer noch Sozialkritik, aber die natürlich Gefahr läuft, was anderes zu bedienen, als sie vielleicht möchte, als Zielsetzung. Also sagen, das ist schon problematisch und ich teile ihre Einschätzung absolut, das ist ja verstörend. Das ist eine Form von ethnisierender Sozialkritik, die aber eben Gefahr läuft, dass Ethnisierende über die Sozialkritik hinauswächst und die dominiert. Bei Marx muss man vielleicht auch noch dazu sagen, was glaube ich bei ihm eine Rolle spielt, ist, wer selbst aus dem Judentum kommt, sieht er das als eine Binnenkritik. Er kritisiert quasi sein eigenes Milieu in einer Art und Weise aus einer sozialkritischen Sichtweise. Das macht es nicht unbedingt besser, aber es erklärt vielleicht, warum eben vor dem Holocaust auch noch anders über diese Dinge geschrieben wurde. Also das darf man nie vergessen. Das macht es nicht besser, weil es natürlich dazu beiträgt, in diese Richtung hinzugehen. Aber in der Bewertung muss man es trotzdem mitdenken. Wir haben diese sehr aggressiven, gewalttätigen Aussagen und wir haben dann einen Antisemitismus, der viel weiter verbreitet ist und diese Diskursspitzen, also mit diesem Schädel einhauen und so weiter, natürlich nicht teilt. Also nur zur Unterscheidung, nicht zur Bewertung. Das möchte ich nur klarstellen. So, jetzt wechseln wir zur anderen Seite des Saales und jetzt kommen die Gäste dran, die sich hier gemeldet haben. Bitte. Meine Frage ist noch einmal die Ostjuden. Warum sind die hergekommen? Aus wirtschaftlicher Situation oder auch aus Vertreibung aufgrund ihres Glaubens? Also zunächst mal ist es die wirtschaftliche Migration, die besonders wichtig ist. Ab den 1860er Jahren werden Eisenbahnlinien gebaut, gerade auch nach Galicien. Viele traditionellen Juden verlieren ihre Erwerbszweige als Fuhrleute beispielsweise oder als Schankwirte, weil das eben obsolet wird durch die neuen Transportwege und sich neue Erwerbsfelder nicht so einfach öffnen. Die Diskriminierung wirkt noch nach auch. Das ist das eine. Und was natürlich eine Rolle spielt, sind schon die Pogrome auch im Russischen Reich, 1881, 1883, also im Zahnreich, die erstens mal nach Galicien viele Flüchtlinge bringt aus dem Osten und die dann auch weitergehen. Auch nach Paris, nach Berlin und auch nach Wien. Und daher ist auch der Antisemitismus beispielsweise im wirtschaftlichen Bereich, also der Versuch, so jüdische Geschäfteinhaber an den Rand zu drängen, schon auch wichtig für diese Auswanderung. Aber ohne diese wirtschaftlichen Veränderungen wäre sicherlich nicht diese große Masse gekommen nach Wien. Das waren ja dann doch um die 70.000 Einwanderer zwischen 1870 und etwa 1910. Gut, jetzt nehmen wir den Herrn hier in der ersten Reihe dran. Bitte. Herr Dr. Kapser, eine Frage jetzt zum Begriff Antisemitismus und Antisemit nicht. Also wenn ich Antisemit bin, dann sage ich, ich bin Antisemit, wenn ich sagen würde. Wenn ich das nicht bin, dann wäre ich ein Anti-Antisemitismus und Antisemit, nicht? Also wenn ich Antisemit bin, dann sage ich, ich bin Antisemit, wenn ich sagen würde. Wenn ich das nicht bin, dann wäre ich ein Anti-Antisemit. Das heißt, wie praktikabel ist der Begriff, wie ist er international auch einzustufen? Und man hat ja jetzt den Eindruck, dass er auch in der Politik eine große Rolle spielt, auch global gesehen. An sich historisch ist es doch so, dass die Krux, wenn ich das so sagen darf, ist doch die, dass im Judentum eine Gruppe sich herausgebildet hat, nicht die Jesusgruppe, wenn man will, das war dann praktisch wie eine Sekte geradezu. Innerhalb des Judentums und dann auch nachdem das Christentum dann Staatsreligion wurde, eine dauernde Herausforderung eigentlich, nicht? Eine Provokation geradezu. Also die Juden, die also praktisch das Nichts sagen, die Geschichte mit Messias und so weiter. Wie praktikabel ist das eigentlich noch? Also ich verwende eher für mich immer, ich habe das Erfahrung gemacht, auch mit anderen Gruppen und auch in anderen Ländern schon, Antijudaismus, das passt, wenn ich das so unter Anführungszeichen sagen darf, nicht? Antisemitismus, das passt, wenn ich das so unter Anführungszeichen sagen darf. Antisemitismus, wie praktikabel ist der? Haben Sie da Erfahrungen, international jetzt? Okay, also international ist vielleicht jetzt nochmal eine andere Frage. Da denke ich mal nach, während ich vielleicht den ersten Teil beantworte. Ich denke, der übergeordnete Begriff, und das wird auch in der wissenschaftlichen Literatur in den letzten Jahren sehr stark forciert, ist der Begriff Judenfeindschaft. Und das kann man eben auch über diese Epoche hinweg gut verwenden. Und ich würde dann einfach unterhalb dieses Überbegriffes schon unterschiedliche Formen unterscheiden. Und da gibt es den Anti-Judaismus als eher religiös definiert und den Antisemitismus stärker modern und vor allem rassisch rassistisch aufgeladen. Also auch diese Idee der Semiten, das findet man ja auch im Diskurs des 19. Jahrhunderts dann auch sehr stark. Und da beschreibt der Begriff schon etwas anderes. Und deswegen würde ich nicht darauf verzichten wollen. Man kann immer Judenfeindschaft sagen. Das ist überhaupt als urgeordneter Begriff schon etwas anderes und deswegen würde ich nicht darauf verzichten wollen. Also man kann immer Judenfeindschaft sagen, das ist überhaupt als urgeordneter Begriff in Ordnung. Wie praktikabel das jetzt auf Englisch ist, also ich würde sagen, Antisemitism ist schon ein sehr etablierter Begriff und das macht einfach Sinn oder auch auf Spanisch. Also ich glaube, Hostility towards Jews, das ist ein bisschen sperrig alleine jetzt mal von der Sprache her und ich glaube, wir sind auch in einer Zeit, wo wir auf Begriffe nicht verzichten sollten, die gut verständlich sind und wo man auch Bedeutungen schon damit auch verbindet. Also jeder kann sich unter Antisemitismus was vorstellen. Und Hostility towards Jews, das kann noch viel mehr sein. Also ich finde schon, beim Antisemitismus gibt es einen gewissen Fundus an Feindbildern, die da dran hängt. Gut. Die Dame dahinter. Irgendwie hätte ich zwei Fragen eigentlich. Wir hätten eigentlich schon so viel von der Menschheit lernen können. Und warum sind wir dann schon wieder auf den Punkt von 1981 gehören? Das ist die erste Frage. Und die zweite Frage, ich habe jetzt den Film gesehen, Reiske in jungen Jahren, der hat es eigentlich auch sehr schwer gehabt, finde ich. Ja, ich glaube, die Frage, die Sie aufwerfen, die beschäftigt uns alle, würde ich mal sagen, hier in diesem Raum und nicht nur hier. Ich meine, ich denke, dass unsere, also die Vortragsreihe von Ernst Langthaler und Markus Gräser da eine Antwort geben wird. Also ich möchte jetzt den nächsten Vorträgen nicht vorgreifen, weil das ist glaube ich die letzte Podiumsdiskussion, die darauf ganz besonders gute Antwort gibt. Vielleicht nur ein, zwei Überlegungen, die mir spontan einfällen. Ich glaube, was wir schon sehen, ist Krisen. Das haben wir heute auch gesehen. Krisen verlangen nach Deutungen, vor allem dann, wenn sie neue Herausforderungen schaffen, mit denen man nicht umgehen kann. Und sei es jetzt die Pest-Epidemie oder nicht zufällig nach der Corona-Epidemie sind antisemitische Feindbilder wieder am Kommen oder auch die Finanzkrise von 2008 oder 2009. Also ich bin auch damals schon überrascht gewesen, wie sehr dieses Stereotyp der jüdischen Finanzeliten im Alltag in Österreich eine Rolle spielt. Also das hat mich wirklich auch schockiert. Und ich glaube, Krisen und die Möglichkeit dann auch für Gruppen hier rein zu agitieren und diese Feindbilder wieder wachzurufen, ist eine Erklärung. Aber es gibt sicher viel mehr Aspekte in dem Ganzen. Bitte. Ich möchte mich ganz herzlich für diesen Vortrag bedanken, überhaupt für die gesamten vier Abende schon. Ich möchte auf einen Begriff eingehen, der auf der Folie vorgekommen ist, weil das etwas ist, worüber es unglaublich viele Missverständnisse gibt und das mir auch in der Gegenwart immer noch jeden Tag um die Ohren fliegt. Das ist dieser Begriff, die Juden als auserwähltes Volk. Das ist ein großes Missverständnis. Viele glauben, dass sich die Juden eben wirklich als auserwählt und etwas Besonderes und etwas Spezielles sehen. Das ist nicht wahr. Die Geschichte geht kurz so. Gott hat alle Völker gefragt, ob sie Verantwortung für seine Schöpfung übernehmen wollen. Alle Völker haben Nein gesagt. Ganz zum Schluss ist er zu den Juden gegangen und hat gesagt, naja, macht es ihr. Die Juden haben gesagt, wenn alle anderen nicht wollen, bleibt uns nichts anderes über. Und beim auserwählten Volk geht es darum, Verantwortung zu übernehmen, Gutes in die Welt zu bringen. Die Juden nennen das Tikkun Olam. Und da geht es wirklich darum, für Gerechtigkeit zu sorgen, sich für Schwächere einzusetzen. Und Juden haben deswegen auch einen sehr hohen Maßstab an Moral, an ethischem Verhalten. Also es hat nichts damit zu tun, dass man sich für etwas Besseres halten, ganz im Gegenteil. Und mir wird das aber jeden Tag immer wieder auch vorgehalten von manchen Leuten. Ihr glaubt ja, ihr seid etwas Besonderes, ihr glaubt, ihr seid die Auserwählten, aber was büttet euch denn hier überhaupt ein? Aber so ist es nicht. Also ganz im Gegenteil. Danke. Ja, danke für den Punkt. Da hätte ich doch mehr darauf eingehen sollen beim Stelzhammer Zitat. Übrigens, tatsächlich ist mir das auch schon in meinem Alltagsgespräch begegnet und ich bin immer überrascht, dass solche religiösen Vorwürfe auch heute immer noch so eine Rolle spielen. Und ich glaube, das ist ein Beispiel, wie eben theologische Missverständnisse oder auch gewollte Missverständnisse tradiert werden. Und das in einer Zeit, wo ja genau die Verhältnisse umgekehrt sind. Das ist das auserwählte Volk, das ja diskriminiert wurde und eben weniger Rechte hat als die Mehrheitsgesellschaft, die christliche. Daher, ich glaube, auch wenn man solche Texte hat, dann kann man sie natürlich jetzt von der Theologie her lesen. Das ist eine Möglichkeit und das korrigieren. Man kann sie aber auch sozialhistorisch oder politikhistorisch lesen und immer wieder darauf verweisen, die Verhältnisse waren genau umgekehrt. Und dann ist es ein Teil einer Umkehrung der Rollen. Also sagen, die diskriminierte Minderheit wird so quasi auf den Thron gehievt und ihr eine Machtposition zugeschrieben oder auch, dass man sich selber so als auserwähltes Volk sieht, die in der Praxis gar nicht so vorhanden war. Wir haben die nächste Wortmeldung. Ich habe eine Frage, wo war in der Welt für die Juden am sichersten so in der Mitte der 1800er? Das ist jetzt tatsächlich eine gute Frage, die gar nicht so einfach zu beantworten ist. Was man allgemein sieht, es gibt immer wieder über diese verschiedenen Jahrhunderte, vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert Länder, in denen die Situation für Juden relativ vorteilhaft und günstig ist. In der frühen Neuzeit ist Polen-Litauen, die alte polnische Adelsrepublik, so ein Raum, wohin viele Juden aus Spanien flüchten, also die sephardischen Juden, die dann eben zu den sogenannten Ostjuden werden. Das Osmanische Reich ist auch ein relativ sicherer Ort für die jüdische Bevölkerung in der damaligen Zeit. Das Alte Reich, was heute Deutschland und Österreich ist, ist es in der Zeit weniger. Das haben wir auch gesehen. Dafür gibt es dann im 19. Jahrhundert die Trendwende, könnte man so sagen, bis zu einem gewissen Grad, zumindest auf der rechtlichen Ebene gibt es einmal die Gleichstellung, die aber dann eben wieder mit Antisemitismus sehr stark einhergeht. Also hier so eine klare Antwort zu geben, ist schwierig. Aber wenn Sie mich so festnageln wollen, dann würde ich sagen, viele italienische Staaten und der italienische Staat, wo die jüdische Bevölkerung relativ gesichert leben kann, Pogrome relativ abwesend sind, vor allem außerhalb des Kirchenstaates ist da eine ganz gute Situation vorhanden. Also viele Handelsrepubliken, denken Sie an Venedig, denken Sie an Genua, die sind natürlich daran interessiert, der jüdischen Bevölkerung einen gesicherten Wohnort auch anzubieten. Ja, ich habe jetzt keine Wortmeldung mehr registriert. Vielleicht habe ich eine übersehen. Dann bitte melden Sie sich noch einmal. Ja, ganz vorne. Warten Sie bitte, weil das Mikrofon bei Ihnen ist. Das ist wichtig für die Aufzeichnung dieser Veranstaltung. Bei einer Ihrer Darstellungen bin ich nachdenklich geworden. Der Schnurrer, der neu zugewanderte Staatsbürger. Und da habe ich gedanklich in die heutige Zeit gesponnen, dass es wieder eigentlich sehr oft Alltagsgespräche waren, damals schon und heute. Und manche Dinge sind einfach scheinbar nicht anders geworden. Ja, dem kann ich nur zustimmen. Es ist frappierend und schockierend auch teilweise, diese Ähnlichkeiten zu sehen. Ich denke, was man da mitnehmen kann, ist genau das, dass es eben nichts Neues in dem Sinn, vielleicht hilft es auch, das einzuordnen, dass in Umbruchzeiten diese Reflexe wieder stärker werden. Es werden natürlich auch Personen stärker, die so etwas ganz bewusst propagandatechnisch verwenden. Und wenn da noch eine mediale Veränderung dazukommt, 1900 kommen die Zeitungen, kommt die Fotografie auf und wir kämpfen heute, sage ich mal, mit der KI. Das heißt, das ist auch eine große Veränderung, die viel verändert, auch sozusagen im Vertrauen. Und wenn das Vertrauen zusammenbricht, möglicherweise Feindbilder, die die Gruppe nach außen wieder stabilisieren sollen. Gut. Haben wir damit alles erledigt, was Ihnen am Herzen liegt? Wir haben jetzt sehr viele Punkte besprochen. Du hattest sehr viel Arbeit in der Beantwortung all dieser Kommentare und Fragen. In der Beantwortung all dieser Kommentare und Fragen. Ja, wenn für den Moment alles klar ist, dann möchte ich noch einmal ganz herzlich unserem heutigen Vortrag in den Clemens Caps danken für den Vortrag und auch für dein Engagement in der Diskussion. Aber natürlich auch Ihnen allen fürs Kommen und für die aktive Beteiligung an der Diskussion. Kommen Sie nicht nur gut nach Hause, sondern kommen Sie wieder. Nächste Woche geht es weiter mit der Fortsetzung, nämlich mit der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Und wir hoffen, Sie alle wieder hier zu sehen nächste Woche. Schönen Abend noch und bis bald. you