Der diesjährige Vereinsausflug führte uns nach Freistaat. Erleben Sie Teile eines ausführlichen Stadtrundganges mit Frau Sonja Tauerböck. Freistaat ist eine Stadt, die ist gegründet worden. Das heißt, es hat da wen gegeben, der gesagt hat, hier will ich eine Stadt haben. Das war einer der letzten Babenberger. Und es hat einen Grund gegeben, warum Freistaat genau da ist, wo es ist. Und das sieht man jetzt auf dieser Karte. Die Hinger sind sich aber deutlich mitgenommener vom Leben. Sie haben dann die Händler drei Tage her. Die müssen übernachten, die kriegen drei Tage Hunger, die haben drei Tage Durst, die wollen drei Tage andere Ochsen eingestellt haben. Und das hat die Stadt in die Höhe gebracht. Also unsere wirtschaftliche Basis, wie es heute so ist, war Geschäftstourismus. Und das hat die Stadt innerhalb relativ rascher Zeit sehr groß gemacht. Wir stehen hier bei einem für Freistaater Verhältnisse eigentlich sehr jungen Gebäude. Der Salzhof ist aus den 1670er Jahren und das ist die neu errichtete Mautstation. Also Freistaat hat immer das Privileg auch gehabt, eine Mautstation zu betreiben. Das war nicht so, dass es uns Geld in die Kasse gespült hat, sondern die Maut ist für den Landesfürsten eingehoben worden. Aber es ist natürlich so, das ist eine Prestigesache auch. Uns gefällt es, wenn wir uns diese Dekoration um die Fenster anschauen, ich erlebe das durchaus öfter, dass Gäste hinter mir reingehen und sagen, boah, schaut das gut aus. Wenn ich wo hinkomme und ich sehe sowas, dann, ja, es spricht mich schon ästhetisch an, aber der erste Gedanke, den ich habe, ist, aha, denen ist das Geld ausgegangen. Wir haben bis zu dem Zeitpunkt, wo die Musikschule in den Salzhof übersiedelt ist, nämlich mehrere Häuser angemietet gehabt, weil wir eine sehr große Musikschule haben, damit wir das alles unterbringen. Und dem damaligen Bürgermeister war klar, da in den Salzhof bringen wir alles rein und dannärt er uns. Und man hatte jeweils zwischen zwei Häusern eine offene Senkgrube. Ich meine nicht ganz offen, weil in dem Sinn zur Straße hin war es ja abgeschlossen. Das heißt, sie haben immer das Muster Haus, Reiher, Haus, Haus, Reiher, Haus also zwischen Braun und Grün ist es nochmal, Haus, Reiher Haus, zwischen Glottweiß und Rauweiß. Ja, weil wir kennen ja alle die Geschichten, wie schmutzig das Mittelalter nicht war. Und dass die Leute auf den Topf gegangen sind und haben es dann beim Fenster rausgeschüttet. Na bitte, wie blöd ist das? Wenn ich da wohne, ich muss mal, ich gehe auf den Topf, ich schütze zum Fenster raus und eine halbe Stunde später gehe ich am Markt einkaufen und dann steige ich in meinen eigenen Dreck. Ja, bitte, so blöd waren die Leute vor 600, 700 Jahren auch nicht mehr. Sondern man hat das alles schön gesammelt, weil es ein wichtiger Rohstoff war als Dünger. Und damit waren die mittelalterlichen Straßen aber schwuppdiwupp erstaunlich sauber. Das ist so eine meiner Lieblingsecken, weil da ist das, was wir haben, was sonst in Oberösterreich kaum jemand hat, nämlich der tollste Blick auf unsere Stadtmauer. Wir haben noch die gesamte Stadtmauer. Das einzige, was uns fehlt, ist vom äußersten Teil von der Grabenmauer im Osten ein Stück. Aber innere Stadtmauer zwingen äußere Stadtmauer zu graben, ist alles da und das ist für oberösterreichische Verhältnisse er sollten voll. Was Sie da sehen ist eine Rekonstruktion, es fällt auch bei den Steinen auf, der äußerst linke ist der ältere, die drei inneren sind ergänzt worden und solange dieser Wehrgang in Betrieb war, durften keine Häuser an die Mauer dran gebaut werden. Sie sehen, dass unser Scheiblingturm, da wo wir rausgegangen sind, einen Vorbau hat mit so einem schrägen Pultdach. So hoch, wie dort das höchste Mauerstück ist, so hoch war ursprünglich die äußere Stadtmauer. Sprich, von da wo wir sind und bis da her ist der Feind gekommen, nicht näher, von da wo wir sind hat man nur oben die Reihe mit den Schießschatten gesehen, wo dahinter der Wehrgang ist. Von da aus haben sich die Freistädter Bürger verteidigt. Die waren schon gescheit genug, dass sie es nicht auf eine offene Schlacht haben ankommen lassen, sondern wenn der Feind angerückt ist, Tore zu, Zugbrücke hoch, rauf auf den Wehrgang, aussieschimpfen, psychologische Kriegsführung nennt man das heute und auf das Beste hoffen. Freistaat ist geplant angelegt worden. Geplant angelegt worden heißt in unserem Fall, die Kirche ist am höchsten Punkt des Stadtniveaus. Unsere Straßen sind ein bisschen gebogen, das ist aber ganz logisch, weil sonst hat es dann einen Kamineffekt. Wenn es windig ist, wachelt es dir aus dem Gewand, um es einmal dezent zu sagen. Aber man hat früher wirklich geschaut, wie man das Ganze anlegt. Wir sind wie gesagt eine Burg und diese Burg ist gebaut worden mehr oder weniger auf Wunsch der Habsburger, die uns Wissen haben lassen, ihrer Meinung nach wäre die nordöstliche Stadtengel-Ecke zu schlecht befestigt. Wozu hat jetzt diese Burg, Schrägstrich das Schloss gedient? Zuerst war er habsburgischer Verwalter herinnen, der landesfürstliche Pfleger, tatsächlich der Vorläufer vom Finanzamt. Wir sind in den 1770er Jahren, da regiert die Maria Theresia und der verdanken wir nicht nur die Schulpflicht und das Brennrecht auf den Bauernhöfen, sondern die Maria Theresia sorgt oft auch dafür, dass ein stehendes Heer aufgestellt wird. Und wir haben genau gewusst, wenn wir dieses große Gebäude zur Verfügung stellen können, dann kriegen wir eine Kaserne. Und ich war dann tatsächlich bis ca. 1920 da, herinnern, und das war für Freistaat ein immenser Wirtschaftsfaktor. Und das war für Freistaat ein immenser Wirtschaftsfaktor. Viele junge Männer in der Stadt, die regelmäßig einmal wöchentlich ihren Sold nachverfolgen, was uns jetzt im Prinzip noch an Geschichte fehlt. Der Kunsthistoriker würde sagen, aus jedem Dorf ein Hund und hätte nicht Unrecht damit. Wir haben von der Architektur her, vom Gebäude her, ein gotisches, mittelalterliches Gebäude her, ein gotisches mittelalterliches Gebäude. Dann haben wir da herinnen Seitenaltäre, ich glaube, 1990ern, 1980ern. Das heißt von überall ein bisschen was. Ich habe Ihnen ja vorher gesagt, wir haben 8300 Einwohner auf 11,8 Quadratkilometer im Grund. Also Industrieansiedlung geht sich auf die 11,8 Quadratkilometer nicht mehr aus, aber trotzdem profitierst du bis zu einem gewissen Grad, weil die Leute dort wo sie arbeiten, auch wenn sie in Umlandgemeinden sind, ihr Geld dann doch hier ausgeben und nur geschwind einkaufen fahren, bevor sie heimfahren oder so. Also da haben wir durchaus was davon. Ja, und auch touristisch sind wir in einer Situation, dass wir jedes Jahr so zwischen 250 und 300 Stadtführungen haben. Und das ist für eine Stadt mit 8000 Einwohnern eigentlich gar nicht so schlecht. Das heißt, das schätzen wir sehr.