WEBVTT

0
00:00:00.000 --> 00:00:00.140
...

1
00:00:00.140 --> 00:00:27.960
 Herzlich willkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren, zum dritten und letzten Tag unseres Vorsommer-Festivals für Avantgarde-Literatur. Für all jene, die gestern bzw. vorgestern nicht hier

2
00:00:27.960 --> 00:00:32.240
 waren, darf ich noch einmal ganz kurz die Programmatik bzw. die Nicht-Programmatik

3
00:00:32.240 --> 00:00:38.240
 dieses Festivals skizzieren. Es ging die letzten zwei Tage und es geht auch heute nicht darum,

4
00:00:38.240 --> 00:00:44.119
 einen bestimmten Weg der Avantgarde zu zeichnen oder avantgardistische Strömungen zu erklären,

5
00:00:44.219 --> 00:00:49.920
 geschweige denn, darum zu werten oder sie über das Wesen der Avantgard-Literatur zu belehren.

6
00:00:50.460 --> 00:00:56.840
 Vielmehr sollen verschiedene Formen der literarischen Avantgarde sichtbar und erlebbar gemacht werden.

7
00:00:57.960 --> 00:01:06.260
 Die Autorinnen und Autoren, die heute auftreten, bilden diese Vielfalt, die es gibt, in dieser Literaturform äußerst anschaulich ab. Wie

8
00:01:06.260 --> 00:01:12.299
 ich finde, im ersten Leseblock erleben wir Sarah Rinderer und Robert Stehr, die wie auch gestern

9
00:01:12.299 --> 00:01:18.900
 und vorgestern alternierend ihre Texte vortragen werden. Nach dem ersten Leseblock gibt es wieder

10
00:01:18.900 --> 00:01:31.780
 eine Pause und es setzen dann fort Nina Thehmann und Andrea Winkler und mit der Lesung von Andrea Winkler wird dieses erste Vorsommerfestival dann auch beschlossen werden.

11
00:01:32.540 --> 00:01:40.879
 Auch heute werden beide Leseblöcke jeweils vom für die kuratorische Auswahl verantwortlichen, nämlich von Florian Huber, eingeleitet

12
00:01:40.879 --> 00:01:45.400
 und zudem gibt es auch die ganz wichtige Nachricht bei heißem Wetter,

13
00:01:51.980 --> 00:01:58.040
 Freibier, solange der Vorrat reicht. Ich möchte jetzt Florian Huber dann um seine Einleitung zum ersten Leseblock ersuchen. Zuvor möchte ich Sie aber noch um einen tosenden Applaus für

14
00:01:58.040 --> 00:02:16.599
 Sarah Rinderer, Robert Stern in der Themen und Andrea Winkler bitten. Danke fürs Kommen.

15
00:02:21.900 --> 00:02:22.199
 Ja, schönen guten Abend. Ich habe am ersten und zweiten Festivaltag schon darauf hingewiesen,

16
00:02:25.400 --> 00:02:31.699
 dass mit der Rede von der Avantgarde auch eine bestimmte Vorstellung von Raum und Zeit zur Disposition gestellt wird. Avantgarde, Avantgardistinnen,

17
00:02:31.879 --> 00:02:38.020
 Avantgardisten, das bezeichnet ja auch zunächst einmal eine Bewegung, die voranschreitet und

18
00:02:38.020 --> 00:02:41.960
 dieses Vor hat ja vielleicht nicht nur eine zeitliche und eine räumliche Dimension,

19
00:02:42.599 --> 00:02:45.539
 es verweist auch grundsätzlich, glaube ich, darauf, dass Literatur

20
00:02:45.539 --> 00:02:52.099
 auch mit Ordnung in Zusammenhang steht. Einerseits werden Ordnungen in der Literatur immer wieder zum

21
00:02:52.099 --> 00:02:58.419
 Thema und Motiv gemacht. Das findet sich auf jeden Fall auch im Schreiben und in der Bildarbeit von

22
00:02:58.419 --> 00:03:06.139
 Sarah Rinderer und Robert Stehr wieder, die wir jetzt dann gleich kennenlernen dürfen. Man kann aber auch sagen, dass Literatur

23
00:03:06.139 --> 00:03:13.379
 nicht nur die Funktion hat, Ordnungen abzubilden und darzustellen, sondern sie schafft auch Ordnung.

24
00:03:13.960 --> 00:03:20.680
 Sie macht die Welt handhabbar, übersichtlicher, sie hat eine orientierende Funktion. Es ist aber,

25
00:03:20.780 --> 00:03:25.020
 glaube ich, im Zusammenhang mit Avantgarde nicht ganz verkehrt, daran zu erinnern,

26
00:03:30.000 --> 00:03:30.659
 dass mit diesem Ordnen natürlich auch immer etwas Gewalttätiges, etwas Machtvolles verbunden ist.

27
00:03:36.060 --> 00:03:42.960
 Und es ist vielleicht auch eine Qualität sogenannter avantgardistischer Literatur, dessen Gewahr zu sein und diese Macht, die mit Ordnungen verbunden ist und diese Deutungshoheit nicht nur vorzuführen und zu praktizieren,

28
00:03:42.960 --> 00:03:46.340
 sondern sie gleichzeitig auch in Frage zu stellen und

29
00:03:46.340 --> 00:03:51.580
 vielleicht eben auch die Frage daran anschließen zu lassen, ob es eigentlich tatsächlich die Sprache

30
00:03:51.580 --> 00:03:56.800
 ist, die dafür verantwortlich ist, dass wir es mit Ordnung in der Welt zu tun haben. Macht die

31
00:03:56.800 --> 00:04:02.620
 Sprache etwas verständlich oder sorgt sie nicht auch hier und da für größere Unordnung, vergrößert

32
00:04:02.620 --> 00:04:09.879
 sie nicht das Chaos und ist es nicht vielleicht auch in der Literatur so, dass es immer um beide Momente bestellt sein muss?

33
00:04:10.319 --> 00:04:14.819
 Dass es einerseits darum geht, etwas zu ordnen, etwas sichtbar zu machen, hervortreten zu lassen,

34
00:04:15.360 --> 00:04:21.939
 andererseits aber auch daran zu erinnern, dass damit auch immer etwas zum Verschwinden gebracht wird, etwas ausgelöscht wird.

35
00:04:22.620 --> 00:04:26.959
 Und das in der Schwebe zu halten, diese Unbestimmbarkeit Gestalt annehmen

36
00:04:26.959 --> 00:04:31.519
 zu lassen, ist glaube ich auch etwas, das die Literatur von Sarah Rinderer und Robert Stehr

37
00:04:31.519 --> 00:04:35.899
 in besonderer Weise auszeichnet. Man kann vielleicht sagen, dass es eine Literatur ist,

38
00:04:35.899 --> 00:04:43.339
 die sich dadurch nicht nur darauf versteht, etwas zu erfinden, sondern auch etwas zu entdecken,

39
00:04:43.339 --> 00:04:45.100
 eine Ordnung zum Vorschein zu bringen

40
00:04:45.100 --> 00:04:49.759
 und sie gleichzeitig aber auch immer wieder mit einer anderen Ordnung zu konfrontieren,

41
00:04:50.000 --> 00:04:55.600
 sie zu unterlaufen und dadurch das Spiel der Bedeutung und der Zeichen immer weiter zu treiben.

42
00:04:56.180 --> 00:04:56.699
 Vielen Dank.

43
00:04:57.720 --> 00:05:01.839
 Ich darf jetzt Robert Stehr, unsere Erinnerung, bitten um ihre Lesung.

44
00:05:01.860 --> 00:05:13.360
 Kinderer bitten um ihre Lesung.

45
00:05:16.759 --> 00:05:17.279
 Schönen guten Abend auch von mir. Ich freue mich sehr, heute hier zu sein.

46
00:05:26.879 --> 00:05:33.259
 Ich werde beginnen. Ich werde aus einem Projekt lesen, das sich derzeit im Prozess befindet. Ich arbeite gerade daran, baue es aus, rück an und um.

47
00:05:34.600 --> 00:05:39.939
 Dieses Projekt hat auf der Seite eine von der Architektur inspirierte Form.

48
00:05:41.079 --> 00:05:46.540
 Und zwar ist es in fünf gerade geführten Spalten angeordnet.

49
00:05:47.560 --> 00:05:49.660
 Und um das heute in die Lesung zu übersetzen,

50
00:05:49.779 --> 00:05:52.019
 habe ich mir ein kleines Hilfsmittel mitgebracht.

51
00:05:57.660 --> 00:06:00.639
 Dieser Text ist ein Text aus Bestand.

52
00:06:01.540 --> 00:06:15.459
 Er wird zur Zeit aus, rück, an und umgebaut. Eine Quelle am südöstlichen Rand

53
00:06:15.459 --> 00:06:24.779
 eines Gartens. Zwischen Kiesel tritt Wasser aus, trüb mit einem leichten Stich ins Gelbliche.

54
00:06:30.220 --> 00:06:31.319
 aus, trüb, mit einem leichten Stich ins Gelbliche. Schwefelgeruch, ein Geschmack auf der Zunge,

55
00:06:41.060 --> 00:06:41.300
 fremd, rostfarben, leicht salzig, mit einem Hauch von feuchtem Moos. Über der Stelle,

56
00:06:46.379 --> 00:06:49.019
 an der die Fassung der Quelle im Boden liegt, ein Pavillon. Ein schmaler Weg führt durch den Garten.

57
00:06:50.240 --> 00:06:51.139
 Gelockerte Erde.

58
00:06:52.860 --> 00:06:53.779
 Eine Platane.

59
00:06:55.300 --> 00:06:57.220
 Rinde, nicht mitwachsend.

60
00:06:58.300 --> 00:07:02.160
 Ein abblätterndes Geräusch, wenn sich ein Stück löst.

61
00:07:02.439 --> 00:07:08.199
 In der Lücke ein Stück mehr sichtbar wird vom Geflecht aus darunterliegendem.

62
00:07:10.560 --> 00:07:16.939
 Am Vorplatz ein Schild. Achtung, Baustellen ein- und ausfahrt.

63
00:07:18.600 --> 00:07:22.819
 Hinter einem Baugerüst ein Haus aus gerade geführten Linien.

64
00:07:24.579 --> 00:07:30.139
 Walmdach, darunter vorspringende Seitenflügel, fünf

65
00:07:30.139 --> 00:07:37.699
 Laubenbögen, neben dem Aufgang zur Freitreppe mehrere Türblätter an die Fassade gelehnt.

66
00:07:40.980 --> 00:07:59.000
 Morgens hat das Haus seinen Schatten vor sich, bis das Licht um die südöstliche Hausecke durch den Garten, auf das Pavillordach, über den Vorplatz, durch das Gerüst, auf die Fassade, bis in den zweiten Stock, ganz am Rand des westlichen Seitenflügels, in ein Fenster fällt.

67
00:08:10.600 --> 00:08:14.560
 Auf, ab, hin, her.

68
00:08:17.139 --> 00:08:19.139
 Ein Zimmer.

69
00:08:22.959 --> 00:08:24.040
 Grundfläche 6,8 m x 4,7 m.

70
00:08:26.000 --> 00:08:28.439
 Raumhöhe 3,10 Meter.

71
00:08:29.399 --> 00:08:31.180
 Weiß.

72
00:08:32.200 --> 00:08:34.179
 Bis auf den Boden.

73
00:08:35.840 --> 00:08:37.899
 Wieder und wieder Neubegieber auf wechselnden Belägen.

74
00:08:39.740 --> 00:08:40.940
 Linoleum, PVC,

75
00:08:41.779 --> 00:08:43.600
 Kautschuk mit Granulateinschlüssen,

76
00:08:44.120 --> 00:08:45.080
 Parketteiche.

77
00:08:47.080 --> 00:08:50.740
 Eine Tür gegenüber ein Fenster.

78
00:08:52.620 --> 00:08:55.679
 Öffnungen nach innen aufgehend.

79
00:08:58.919 --> 00:09:03.000
 Auf, ab, hin, her.

80
00:09:07.940 --> 00:09:09.259
 Willkommensbroschüre.

81
00:09:10.379 --> 00:09:13.820
 Es ist uns wichtig, dass Sie sich bei uns zu Hause fühlen.

82
00:09:14.940 --> 00:09:17.519
 Sie können jederzeit persönliche Gegenstände mitbringen

83
00:09:17.519 --> 00:09:20.419
 und Ihr Zimmer nach eigenen Vorlieben gestalten.

84
00:09:22.019 --> 00:09:24.200
 WLAN steht Ihnen kostenlos zur Verfügung.

85
00:09:47.200 --> 00:09:48.500
 WLAN steht ihnen kostenlos zur Verfügung. Eine liegt im Bett auf der Seite. Auf, ab, hin, her. Schaut der Wackelblume auf der Fensterbank zu.

86
00:09:50.860 --> 00:09:52.240
 Blütenblätter aus glänzendem Plastik.

87
00:09:56.320 --> 00:10:01.259
 Flip, flap, wenn Sonnenlicht drauf fällt.

88
00:10:10.120 --> 00:10:30.299
 Am Nachttisch Schnabeltassen mit unterschiedlichen Flüssigkeitsständen, Wasser Buntstift an Wand, sich wieder entfernen.

89
00:10:38.299 --> 00:10:43.659
 Ein Stuhl mit gepolsterten Lehnen, nahe an ihr Bett geschoben.

90
00:10:43.659 --> 00:10:45.559
 Polsterten Lehnen, nahe an ihr Bett geschoben.

91
00:10:50.720 --> 00:10:51.639
 Lederknarren, wenn eine Enkelin auf der Sitzfläche das Gewicht verlagert.

92
00:11:04.340 --> 00:11:06.700
 Hin, her, aufsteht, das Fenster, vierflügelig, öffnet, sich widersetzt, ab.

93
00:11:09.019 --> 00:11:15.679
 Zwei Scheiben dazwischen Luftraum.

94
00:11:18.259 --> 00:11:21.899
 Wind zwischen Platanenblättern.

95
00:11:24.179 --> 00:11:26.620
 An Tagen mit wenig Verkehr manchmal das Hupen eines Schiffs.

96
00:11:30.620 --> 00:11:33.919
 Eine Weile lang nichts.

97
00:11:56.279 --> 00:12:02.360
 Kein Fenster klären, kein Türknarren, kein Uhrenschlagen, kein Geschirrklappern, kein Löffel an Glas.

98
00:12:09.100 --> 00:12:17.759
 Sie stellt sich vor, jemand hat Eindickungspulver in die Stille gemischt, damit sich niemand daran verschluckt.

99
00:12:20.460 --> 00:12:22.240
 Papierbogen mit ausklappbaren Seitenflügeln.

100
00:12:23.019 --> 00:12:24.200
 Badegästezimmer.

101
00:12:32.220 --> 00:12:34.100
 Grundfläche 6,8 Meter mal 4,7 Meter. Grundriss Maßstab 1 zu 100.

102
00:13:08.899 --> 00:13:12.000
 Bauführung mit den in der Bewilligung enthaltenen Bedingungen genehmigt. Unterschrieben und dem Bild. Es heißt, der Bau habe eine fühlbare Lücke gefüllt. Sie liegt im Bett. Auf der anderen Kein Türknarren Schritte einer Zimmerschwester Auf Linoleum wie laut Lehrbuch

103
00:13:12.000 --> 00:13:14.120
 Nicht zu hart, nicht zu leise

104
00:13:14.120 --> 00:13:17.240
 Ich hoffe, ich habe sie nicht erschreckt

105
00:13:17.240 --> 00:13:23.200
 Das Bett an der Tür belegt, das am Fenster leer

106
00:13:23.200 --> 00:13:27.360
 Die Zimmerschwester stellt einen Schirm dazwischen.

107
00:13:28.840 --> 00:13:30.879
 Die oberen Fensterflügel offen.

108
00:13:32.159 --> 00:13:34.759
 Nicht klar war's Wind zwischen Platanenblättern,

109
00:13:35.220 --> 00:13:37.659
 war's Atem einer Patientin hinterm Schirm.

110
00:13:40.340 --> 00:13:42.539
 Alles vorbereiten für die nächste.

111
00:13:43.639 --> 00:14:07.240
 Alle Schichten ab, bis zur mehrteiligen Matratze, die Bänder an beiden Bettseiten fest, dass keine Lücken dazwischen, frischer Betttuchgeruch, Wolldecke ausbreiten, ein Wellen weit, bevor sich weiß, zurück aufs Bett senkt, mit dem Handballen die Falten ausstreichen,

112
00:14:08.000 --> 00:14:10.879
 von der Mitte nach außen, von der Mitte nach außen,

113
00:14:10.879 --> 00:14:12.799
 von der Mitte nach.

114
00:14:14.059 --> 00:14:18.240
 Noch auf dem Nachttisch ein Glas, eine Handglocke,

115
00:14:18.840 --> 00:14:23.700
 eine Petroleumlampe, in die unterste Schublade eine Leibschüssel.

116
00:14:25.460 --> 00:14:29.000
 Eine Tafel am Fußende der Metallbettstelle.

117
00:14:31.000 --> 00:14:32.000
 Verwischte Kreidespuren.

118
00:14:34.440 --> 00:14:38.279
 Zimmernummer, Bettnummer, Name und Alter.

119
00:14:39.399 --> 00:14:39.960
 Angekommen.

120
00:14:43.960 --> 00:15:29.320
 Auf, ab, hin, her, flip, flap Guten Abend, ich lese aus einer Prosersammlung mit dem Arbeitstitel und zehn. Zwei.

121
00:15:31.919 --> 00:15:33.759
 Der Schacht ist tief und an den Wänden feucht, übel riechender

122
00:15:33.759 --> 00:15:36.000
 Moder entsteigt ihm, das Wasser

123
00:15:36.000 --> 00:15:37.899
 bildet Blasen, tief unten

124
00:15:37.899 --> 00:15:40.139
 im Brunnen ertönt ein Rumoren,

125
00:15:40.320 --> 00:15:41.600
 ein Zischen und Raunen,

126
00:15:42.220 --> 00:15:43.620
 steile Wände bieten

127
00:15:43.620 --> 00:15:47.159
 Emporkletternden keinerlei Halt. Hände und Füße

128
00:15:47.159 --> 00:15:53.200
 gleiten an den glitschigen Steinen ab. Sie haben sich an beiden Ufern des Stroms tief ins Erdreich

129
00:15:53.200 --> 00:15:59.799
 eingegraben. Auf diese Weise fest verankert verbinden sie das Diesseitige mit dem jenseitigen

130
00:15:59.799 --> 00:16:21.399
 Ufer. Täglich ziehen Menschen über den Strom, einzeln und in langen Reihen, immer bei Tageslicht, niemals bei Nacht. Wenn die Lichter leuchten, erzeugen die gleichmäßigen Tritte der Menschen einen monotonen Rhythmus. Das Wasser spritzt die Füße nass, manche gleiten aus, einige fallen ins Wasser, lichten sich die Reihen über dir.

131
00:16:37.899 --> 00:16:45.759
 Die Sonne ist ein Spiegel, der dich blendet.nt dir das Gesicht, bringt es zum Verschwinden, nach

132
00:16:45.759 --> 00:16:51.399
 kurzer Zeit erscheint es wieder, ist es nicht mehr zu erkennen, das Sonnenlicht hat es verbrannt, das

133
00:16:51.399 --> 00:16:57.320
 Wasser hat es aufgequollen, der Spiegel beschlägt sich, bald ist nicht mehr festzustellen, ob nicht

134
00:16:57.320 --> 00:17:07.000
 alles schon verschwunden ist, die spiegelnde Fläche frei von Beschlag ist, du schlägst zu fest darauf, dass es splittert, dein kantiger Kopf im

135
00:17:07.000 --> 00:17:13.559
 zersplitterten Bild, das Ungeheuer aus der Tiefe hinter dir mit scharfem Splittern, es wartet bis

136
00:17:13.559 --> 00:17:19.819
 der Tag anbricht, erst wenn es hell wird, weicht das Dunkel, die Sonne taucht das Tal ins Licht,

137
00:17:19.819 --> 00:17:45.200
 Ereignisse werfen Schatten auf das Wasser, unter der Oberfläche beginnt die Finsternis, sie reicht bis in die tiefsten Tiefen, bei Licht besehen erstrahlt der Berg, wird es dunkel, leuchten Laternen, Lichter der Stadt, wenn auch sie verlöschen, ist es dunkel, sind das Schlagen der Wellen, die Schreie zu hören, hell und dunkel wechseln in rascher Reihenfolge. Es ist still, dann wieder laut.

138
00:17:45.779 --> 00:17:48.599
 Ist die Tür geschlossen, herrscht vollkommene Ruhe.

139
00:17:49.119 --> 00:17:52.240
 Ist sie geöffnet, huschen Singvögel durch die Öffnung,

140
00:17:52.559 --> 00:17:54.359
 greifen an mit spitzen Schnäbeln.

141
00:17:54.779 --> 00:17:56.220
 Andere stürzen vom Himmel.

142
00:17:56.859 --> 00:17:58.599
 Die Sonne hat ihnen die Flügel versenkt.

143
00:17:59.099 --> 00:18:00.920
 Sinkend stürzen sie ins Wasser.

144
00:18:01.380 --> 00:18:02.819
 Rasch verschließt du die Tür.

145
00:18:03.299 --> 00:18:26.099
 Hinter dir, du blickst aus dem Fenster auf das Haus gegenüber. Die Bibeltexte von Johannes Schreiber im Brunnen, die Vögel schlagen mit den Flügeln, draußen tobt ein Unwetter, drinnen kämpfen Vögel

146
00:18:26.099 --> 00:18:32.000
 gegeneinander, sie hacken sich das Gefieder blutig, von oben betrachtet verlieren sich die Blutspuren,

147
00:18:32.380 --> 00:18:38.539
 nehmen die Farbe von schmutzigem Wasser an, schlagen Wellen und lösen sich auf, das Wellenpanorama lässt

148
00:18:38.539 --> 00:19:09.460
 Kämme und Täler erkennen, Arme und Beine treiben im Wasser, ein Ausschnitt des Himmels ist voller Wolken, ein zweiter strahlend blau, Vögel schwirren durch die Lüfte, als sie sich im Spiegel sehen, fliegen sie dagegen, Glas splittert, auch zerbrochen lässt der Spiegel die Details noch erahnen, das Kinn, die Augen, die fliehende Stirn, die Fraktur der Gliedmaßen bricht sich an den Bruchlinien des Spiegels. Das linke Auge schreckensstarr, die rollenden Pupillen halb verdeckt,

149
00:19:09.920 --> 00:19:12.559
 ein Menschenknäuel, das unter dir im Wasser treibt.

150
00:19:13.160 --> 00:19:15.720
 Arme strecken sich nach dir, ziehen dich hinunter.

151
00:19:16.200 --> 00:19:18.220
 Du verschwindest in der Masse der Ertrinkenden.

152
00:19:18.220 --> 00:19:21.660
 Die feuchten Innenwände des Brunnens bieten keinen Halt.

153
00:19:22.259 --> 00:19:26.400
 Keinerlei Vorsprünge oder Unebenheiten ermöglichen das Emporklettern

154
00:19:26.400 --> 00:19:32.420
 zum Rand. Der Himmel über dem Brunnenloch erscheint als blaue Scheibe. Liegst du auf der Wiese, hörst

155
00:19:32.420 --> 00:19:37.119
 du ein Rumoren aus dem Inneren des Brunnens. Das Rumoren wird zum Schreien, das schnell wieder

156
00:19:37.119 --> 00:19:42.940
 vergeht. Dann herrscht Stille. In dieser Stille ist das leise Plätschern des Brunnenwassers deutlich

157
00:19:42.940 --> 00:19:45.640
 zu vernehmen. Bienen bauen ein Nest

158
00:19:45.640 --> 00:19:51.819
 auf dem Zaun, sie summen bis die Nacht anbricht. Aus dem offenen Nest fliegen Bienen über die

159
00:19:51.819 --> 00:19:57.759
 Wasserfontäne hinweg, stürzen in den Schacht. Aus diesem Haus gibt es keinen drinnen, ganz egal,

160
00:19:57.960 --> 00:20:03.779
 ob es offen steht oder alle Türen verriegelt sind. Auch wenn du weit weg bist, musst du daran denken,

161
00:20:03.779 --> 00:20:05.819
 du kannst nicht hinaus. Die

162
00:20:05.819 --> 00:20:11.819
 Innenwände sind zu glatt und zu feucht. Die Öffnung ist unerreichbar. In der Ferne ein Licht, das nicht

163
00:20:11.819 --> 00:20:19.079
 größer wird. Rund um dieses Licht herrscht Finsternis, respektive nichts, wirklich nichts. Das Licht dehnt

164
00:20:19.079 --> 00:20:25.140
 sich zum Strahl und blendet die Vögel, die zu Boden stürzen. Der Lichtstrahl wird schwächer, er lischt schließlich

165
00:20:25.140 --> 00:20:30.900
 ganz. Tag und Nacht wechseln in immer rascher Reihenfolge. Die Nacht wird mit jedem Mal länger.

166
00:20:31.420 --> 00:20:36.059
 Bald ist die Helle des Tages nur noch als Aufblinken wahrnehmbar. Die Wellen bewegter,

167
00:20:36.140 --> 00:20:41.099
 das Wasser ist aufgewühlt. Es peitscht gegen die Ufer, die Körper versinken in den Fluten.

168
00:20:41.680 --> 00:20:45.960
 Auch die Vögel verschwinden, das Heer löst sich auf, beim Blick in den Spiegel

169
00:20:45.960 --> 00:20:52.160
 erscheint ein Bild, es tritt klar und deutlich hervor, seine Konturen verschwimmen, nicht deine

170
00:20:52.160 --> 00:20:58.819
 Züge könnten angstverzerrt wirken, mit dem Spiegel verschwindest du, er ist in viele Teile zerborsten,

171
00:20:59.259 --> 00:21:05.000
 einzelne Splitter schwimmen im Wasser, auch größere Teile, scharfe Kanten schneiden Fragmente aus Körpern,

172
00:21:05.960 --> 00:21:10.680
 Splitter brechen und reflektieren die Strahlen einer Sonne am azurblauen Himmel.

173
00:21:11.299 --> 00:21:17.279
 Das aufgewühlte Wasser wirft ein ganz anderes Licht zurück, bringt die Nacht zum Verschwinden.

174
00:21:17.819 --> 00:21:21.960
 Schäumende Wellenkämme peitschen in kurzen Abständen gegen die Stahlträger der Brücke.

175
00:21:22.519 --> 00:21:26.279
 Mit der Zeit werden die Träger von Rost befallen. Der Stahl wird brüchig.

176
00:21:26.619 --> 00:21:31.539
 Marschiert das Heer über die Brücke, droht diese in sich zusammenzubrechen, es unter sich zu begraben.

177
00:21:32.000 --> 00:21:38.140
 Keine Spur wird von ihm bleiben, nur Wasser und an den Ufern Sand und Steine. Dort werden Teile

178
00:21:38.140 --> 00:21:46.019
 angespült. Die Teile formieren sich zu Zeichen und abdrücken im Sand. Ein Gestrandeter versucht sie zu deuten, er liest sie dir vor.

179
00:21:46.359 --> 00:21:51.740
 Die Teile bestehen aus gläsernen Splittern, metallenen Brocken sowie Resten von Felsen.

180
00:21:52.079 --> 00:21:55.339
 Der Mond geht auf, er faltet sich, dann kommt der Winter.

181
00:21:55.759 --> 00:22:00.500
 Im dichten Schneetreiben ist die Brücke nicht mehr da, der Wasserspiegel vereist in der Kälte.

182
00:22:00.500 --> 00:22:04.000
 Durch die dicker werdende Eisdecke sind die Körper kaum noch zu sehen.

183
00:22:04.579 --> 00:22:05.279
 Auch die Öffnung

184
00:22:05.279 --> 00:22:11.279
 des Brunnens ist zugefroren, das Rumoren dennoch zu vernehmen. Auch ein Pochen in das zugefrorene

185
00:22:11.279 --> 00:22:16.640
 Brunnenloch. Dieses Pochen wird heftiger, beinahe bringt es die Eisschicht auf der Öffnung zum

186
00:22:16.640 --> 00:22:22.779
 Bersten. Da hört es plötzlich auf, kein pochendes Geräusch mehr zu hören. Über allem Stille und

187
00:22:22.779 --> 00:22:45.519
 der Mond, der das Haus und den Garten in fahles Licht taucht, das Haus und der Garten laden zum Danke, Sarah. in den Schacht, das Wasser ist schmutzig.

188
00:22:46.539 --> 00:23:13.839
 Danke, Sarah. Einer kann sich nicht genau erinnern an den Tag, an dem er hier eingezogen ist.

189
00:23:18.720 --> 00:23:20.039
 Willkommensbroschüre.

190
00:23:21.140 --> 00:23:24.140
 Mit dem Einzug tauchen auch viele Fragen auf.

191
00:23:24.740 --> 00:23:27.019
 Zum Beispiel die Frage, wie es weitergeht.

192
00:23:28.019 --> 00:23:29.400
 Bei uns finden Sie Raum.

193
00:23:34.819 --> 00:23:35.660
 Post-its

194
00:23:35.660 --> 00:23:38.279
 Das Fenster

195
00:23:38.279 --> 00:23:40.579
 Die Fensterbank

196
00:23:40.579 --> 00:23:43.259
 Darauf die Minze

197
00:23:43.259 --> 00:23:56.420
 Eine Untertasse gegen nasse Füße, der Nachttisch, darauf der Laptop, das Kabel, vorne am Stecker mehrfach geklebt.

198
00:23:57.880 --> 00:24:07.460
 Für die Decke steigt er auf das Bett, wieder hinunter, der Boden, die Wand, die Wand, die Wand, die Wand.

199
00:24:10.039 --> 00:24:17.640
 Außenwand und angrenzende Seitenwände, Beton-Hohlstein-Mauerwerk, Rückwand, gewöhnliches Ziegelmauerwerk.

200
00:24:22.779 --> 00:24:26.579
 Zusammengerollt unter der Bettdecke kann er nicht schlafen

201
00:24:26.579 --> 00:24:30.819
 Wind zwischen Platanenblättern

202
00:24:30.819 --> 00:24:34.079
 Stimmen von unten aus dem Garten

203
00:24:34.079 --> 00:24:37.559
 Pasto, Dari, Englisch, Farsi

204
00:24:37.559 --> 00:24:42.579
 Pfeifen, dumpfe Bässe, Zigarettenrauch

205
00:24:42.579 --> 00:24:55.359
 Von Stille kann hier keine Rede sein. Werbeprospekt für Badegästezimmer.

206
00:24:57.619 --> 00:25:07.200
 Schwefelbäder mit aus neu gefasster Quelle sprudelndem Heilwasser. Gut für Linderung bei rheumatisch-gichtischen Beschwerden und

207
00:25:07.200 --> 00:25:16.759
 anderen Zirkulationsstörungen. Weiters Massagen, Sonnenbäder, Milchmolkenkuren, zwei Operationssäle,

208
00:25:16.759 --> 00:25:30.740
 eine Röntgeneinrichtung und eigens geschaffene Ruheräume. Ganzjährig geöffnet.

209
00:25:32.720 --> 00:25:37.359
 Sie liegt im Bett.

210
00:25:39.359 --> 00:25:41.440
 Kein Türknarren.

211
00:25:45.680 --> 00:25:50.259
 Schritte einer Zimmerschwester durch den Raum mit enger Schnürung in Schleifen Von der Mitte nach außen, von der Mitte nach außen, von der Mitte nach

212
00:25:50.259 --> 00:25:55.119
 Ein Notizbuch in der Schürzentasche

213
00:25:55.119 --> 00:26:00.079
 Wenn sie sich vorbeugt, spürt sie seine Konturen durch den Stoff

214
00:26:00.079 --> 00:26:06.799
 Anweisungen eines Primarius und einer Oberschwester, die gegen ihren Rippenrand stoßen.

215
00:26:08.500 --> 00:26:17.779
 Ja nichts, auf, morgens leicht feucht aufwischen, ab.

216
00:26:19.779 --> 00:26:25.460
 Auch unterm Bett in den Winkeln, Ecken.

217
00:26:25.819 --> 00:26:27.500
 Hin.

218
00:26:31.359 --> 00:26:33.039
 Morgens Leibschüsseln reinigen, desinfizieren.

219
00:26:33.279 --> 00:26:35.519
 Her.

220
00:26:38.700 --> 00:26:40.359
 Morgens den Inhalt der Nachttischschubladen überwachen.

221
00:26:42.500 --> 00:26:58.519
 Morgens kurz Luft holen. Eine gelöste Haarsträhne. Flip. Wieder zurück unter die Haube. Flap. Sie schaut.

222
00:27:04.440 --> 00:27:05.440
 die Zimmerschwester mit dem Rücken zum Fenster.

223
00:27:08.619 --> 00:27:12.279
 Der Knoten ihrer Schürze berührt die Fensterbankkante.

224
00:27:16.279 --> 00:27:17.700
 Neben der Wackelblume auf der Fensterbank eine Karte.

225
00:27:19.299 --> 00:27:24.779
 Hier bist du gut aufgehoben.

226
00:27:28.119 --> 00:27:29.019
 Morgens, mittags, abends am Fieberzettel eintragen.

227
00:27:29.599 --> 00:27:31.140
 Atmung.

228
00:27:34.339 --> 00:27:35.099
 Blick der Zimmerschwester zur gegenüberliegenden Seite.

229
00:27:36.740 --> 00:27:37.720
 Auf die Uhr über dem Türrahmen.

230
00:27:38.859 --> 00:27:40.299
 Kein Uhrenschlagen.

231
00:27:42.539 --> 00:27:43.180
 Eine Minute lang das Heben und Senken,

232
00:27:45.859 --> 00:27:52.480
 die Atemzüge der Patientinnen beobachten.

233
00:27:55.599 --> 00:27:57.019
 Auf der Vorderseite der Karte eine Malerei.

234
00:28:00.859 --> 00:28:10.339
 Erika Giovanna Klin, Diving Bird. Ja, nichts. Die Zimmerschwester schaut zur Sicherheit noch eine Minute.

235
00:28:14.900 --> 00:28:20.039
 Gemaltes Flügelheben, Senken. Von rechts oben nach links unten.

236
00:28:21.440 --> 00:28:24.059
 Jeder Moment des Abwärtsdrehens zugleich.

237
00:28:25.299 --> 00:28:26.339
 Aufgefächert.

238
00:28:34.140 --> 00:28:35.599
 Schnitt.

239
00:28:37.099 --> 00:28:38.000
 Rundfunkprogramm.

240
00:28:39.940 --> 00:28:42.460
 8.30 Uhr, ohne Sorgen, jeder Morgen.

241
00:28:43.500 --> 00:28:45.079
 12 Uhr, Mittagskonzert. 13.15 Uhr, ohne Sorgen, jeder Morgen. 12 Uhr, Mittagskonzert.

242
00:28:45.599 --> 00:28:47.859
 13.15 Uhr, aus aller Herren Länder.

243
00:28:48.599 --> 00:28:50.380
 16 Uhr, Musik am Nachmittag.

244
00:28:50.799 --> 00:28:54.000
 19.10 Uhr, denn für Sorgen ist noch Morgenzeit.

245
00:28:55.880 --> 00:28:56.480
 Schnitt.

246
00:28:57.819 --> 00:29:01.480
 Morgens bleiben Lücken von Nicht-Aufregendem im Lokalblatt.

247
00:29:02.779 --> 00:29:05.740
 Die Zimmerschwester streicht den Lesestoff glatt.

248
00:29:06.579 --> 00:29:07.759
 Von der Mitte nach außen.

249
00:29:08.720 --> 00:29:11.839
 Legt ihn den Patientinnen auf den Nachttisch.

250
00:29:14.099 --> 00:29:14.819
 Schnippt.

251
00:29:20.559 --> 00:29:24.119
 Er kann sich nicht erinnern, eingeschlafen zu sein.

252
00:29:24.140 --> 00:29:27.319
 Er kann sich nicht erinnern, eingeschlafen zu sein.

253
00:29:38.359 --> 00:29:41.460
 Das Bett, ein Krankenbett, die Aufrichthilfe oben mit Klebeband befestigt, damit er sich beim Aufstehen nicht den Kopf stößt.

254
00:29:49.259 --> 00:29:53.119
 Der Teppich, ausgerollt in der Zimmermitte, rau unter seinen Fußsohlen.

255
00:30:01.940 --> 00:30:19.140
 Hinter ihrem Fußende, eine Weile lang, liegt gerade nach vorn. Er trainiert. Nach links, vorwärts, Schnapptritt, Knie hoch, ziehen, anziehen, Rückwärtsschritt, Abwehr, Schulter leicht vor, Aufwärtskick, rechts einen halben Schritt vor, Richtung nichts.

256
00:30:28.859 --> 00:30:34.160
 Wechsel, links zurück, blocken, Rundkick, zu weit links, rechte Hand an Tischkante.

257
00:30:36.279 --> 00:30:40.980
 Dann ein quadratischer Tisch.

258
00:30:44.279 --> 00:30:47.519
 Wasser, Apfelsaft, Multivitamin.

259
00:30:52.180 --> 00:30:53.519
 Es schäumt, als die ehrenamtliche Helferin eine Schnabeltasse füllt.

260
00:30:56.119 --> 00:30:59.900
 Eineinhalb Löffel Eindickungspulver hineinmischt.

261
00:31:02.059 --> 00:31:04.660
 Acht Löffel Schaum.

262
00:31:06.039 --> 00:31:25.720
 Danke, das reicht. Immer ein wenig außerhalb, nie ganz klar, was damit anfangen.

263
00:31:26.359 --> 00:31:32.200
 Angefangen mit schleppendem Betrieb, Verwaltungswechsel, ein neuer Abschnitt.

264
00:31:33.119 --> 00:31:45.000
 Man wolle positiv in die Zukunft schauen. Applaus Applaus Applaus

265
00:31:45.000 --> 00:31:46.000
 Applaus

266
00:31:46.000 --> 00:31:47.000
 Applaus

267
00:31:47.000 --> 00:31:48.000
 Applaus

268
00:31:48.000 --> 00:31:49.000
 Applaus

269
00:31:49.000 --> 00:31:50.000
 Applaus

270
00:31:50.000 --> 00:31:51.000
 Applaus

271
00:31:51.000 --> 00:31:52.000
 Applaus

272
00:31:52.000 --> 00:31:53.000
 Applaus

273
00:31:53.000 --> 00:31:54.000
 Applaus

274
00:31:54.000 --> 00:31:55.000
 Applaus

275
00:31:55.000 --> 00:31:56.000
 Applaus

276
00:31:56.000 --> 00:31:57.000
 Applaus

277
00:31:57.000 --> 00:31:58.000
 Applaus

278
00:31:58.000 --> 00:31:59.000
 Applaus

279
00:31:59.000 --> 00:32:00.000
 Applaus

280
00:32:00.000 --> 00:32:01.000
 Applaus

281
00:32:01.000 --> 00:32:02.000
 Applaus

282
00:32:02.000 --> 00:32:03.000
 Applaus

283
00:32:03.000 --> 00:32:04.000
 Applaus

284
00:32:04.000 --> 00:32:08.720
 Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Influss 4 unter Verwendung von Motiven von Edgar Allen Poe und Bradyston Ellis.

285
00:32:14.059 --> 00:32:19.920
 Zum Wohl. Die junge Frau dort in der Ecke prostet ihren Begleitern zu.

286
00:32:20.480 --> 00:32:24.359
 Das flackernde Licht wirft seinen Schein auf Gesicht, Schmuck und Kleid.

287
00:32:24.940 --> 00:32:29.000
 Die bernsteinfarbene Kette reflektiert den blauen Lichtschein.

288
00:32:29.480 --> 00:32:32.299
 Einer der Männer trinkt sein Glas in hastigen Zügen leer.

289
00:32:33.019 --> 00:32:35.000
 Ein zweiter zerrt an der Kette der Frau.

290
00:32:35.500 --> 00:32:37.779
 In der Tür zum Nebenraum steht der Gastgeber.

291
00:32:38.160 --> 00:32:40.279
 Er trägt einen Frack aus reiner Seide.

292
00:32:40.660 --> 00:32:42.720
 Er steht allein und spricht kein Wort.

293
00:32:43.480 --> 00:32:45.519
 Die Pendeluhr schlägt die volle Stunde.

294
00:32:45.519 --> 00:32:51.759
 Die Kapelle wechselt abrupt den Takt, eine Besucherin läuft mit ihrer Freundin ins nächste

295
00:32:51.759 --> 00:32:57.980
 Zimmer, einer der Tänzer schleift seine Partnerin von der Tanzfläche, ihre Augen glänzen fiebrig,

296
00:32:57.980 --> 00:33:03.880
 im purpurroten Schein, in den der ganze Raum getaucht ist. Ein anderer starrt sie an,

297
00:33:03.880 --> 00:33:06.640
 der erste packt den anderen am Kragen,

298
00:33:07.039 --> 00:33:09.200
 auch im angrenzenden Zimmer wird getanzt,

299
00:33:09.619 --> 00:33:13.440
 Menschen werfen ihre Oberkörper gegeneinander und zeigen einander die Zungen,

300
00:33:14.160 --> 00:33:16.880
 der da schleift seine Begleiterin durch den Raum,

301
00:33:17.319 --> 00:33:21.200
 sie reißt sich los und schlingt die Arme um den Hals eines Bekannten,

302
00:33:21.859 --> 00:33:26.519
 der trägt weiße Schuhe und eine Hose mit scharfer Bügelfalte. Der Gastgeber

303
00:33:26.519 --> 00:33:32.960
 hustet. Es ist heiß und dunstig. Die Fenster beschlagen sich. Ein sattes Grün zeigen die

304
00:33:32.960 --> 00:33:38.819
 Scheiben in diesem Zimmer. Die Flammen im Becken vor dem Fenster züngeln hoch. Zwei der tanzenden

305
00:33:38.819 --> 00:33:50.160
 Frauen klatschen heftig in die Hände. Die treibenden Rhythmen stacheln Tänzerinnen und Tänzer zu immer heftigeren Bewegungen an. Jemand stolpert, ohne dass die anderen es bemerken.

306
00:33:50.619 --> 00:33:55.180
 In dem Zimmer ruhen sich Gäste aus. Sie sitzen auf gepolsterten Bänken entlang der Wand,

307
00:33:55.759 --> 00:34:01.799
 gegenüber dem Fenster aus orange getöntem Glas. Sie wirken erschöpft und riechen nach Schweiß.

308
00:34:02.019 --> 00:34:07.619
 Sie beginnen, einander anzurempeln. Ein Bediensteter in Livret kommt mit einem Tablett voller Getränke.

309
00:34:08.199 --> 00:34:14.699
 Der da sucht seine Begleiterin. Sie sitzt allein in einer Ecke und isst ein Sandwich. Soße quillt ihr aus dem Mund.

310
00:34:15.099 --> 00:34:21.699
 Trönende Bässe sind aus dem grünen Raum zu hören. Hier ist das Parkett mit Splittern übersät.

311
00:34:21.699 --> 00:34:26.000
 Zwei jüngere Männer mit Pomade verklebten Haaren, unterhalten sich über ihre Patenrinnen,

312
00:34:27.000 --> 00:34:34.300
 diese stehen abseits und rauchen Zigaretten, die eine zeigt der anderen einen Riss an der Decke,

313
00:34:34.719 --> 00:34:39.099
 ein Fremder nähert sich von hinten, die beiden Frauen schenken dem Fremden keine Beachtung,

314
00:34:39.539 --> 00:34:45.820
 seine Jacke ist zerknittert, das Licht in dem Zimmer westlich von diesen ist von einem gleißenden Weiß. Alles

315
00:34:45.820 --> 00:34:51.119
 ist überdeutlich zu erkennen. Einer fängt Streit mit dem Nebenmann an. Er beschimpft ihn für die

316
00:34:51.119 --> 00:34:57.559
 Umstehenden kaum hörbar. Der Bursche ballt drohend die Fäuste. Der andere weicht zurück. Beide tragen

317
00:34:57.559 --> 00:35:02.619
 schmal geschnittene Jacketts und kurzgeschorene Haare. Die Begleiterin eines der beiden nimmt den

318
00:35:02.619 --> 00:35:05.980
 anderen am Arm und lässt den Partner stehen. Das

319
00:35:05.980 --> 00:35:11.699
 Pendel der Standuhr schlägt mehrere Male. Zwei Frauen gehen eng umschlungen vorbei, ihre Gesichter

320
00:35:11.699 --> 00:35:17.480
 sind aufgedunsen, sie tragen kurze Röcke mit Karomuster, sie gehen in das orange Zimmer und

321
00:35:17.480 --> 00:35:22.619
 setzen sich zu den Rastenden. Ein Mann kaut zusammengesunken in einer Ecke, Speichel rinnt

322
00:35:22.619 --> 00:35:25.059
 ihm aus den Mundwinkeln, er fällt von über und schlägt

323
00:35:25.059 --> 00:35:30.780
 mit dem Kopf auf den Boden. Das linke Schuhband ist offen, die Flammen in den Becken scheinen einen

324
00:35:30.780 --> 00:35:35.960
 Moment lang auszugehen. Zwei beleibte ältere Männer prusten vor Lachen, sie zeigen mit den

325
00:35:35.960 --> 00:35:41.059
 Fingern auf ein Mädchen ein Kleid aus hellblauer Seide. Das Mädchen trägt sich nach den Männern um,

326
00:35:41.400 --> 00:35:45.219
 seine Augen sind tränengerötet, die beiden verstummen, um gleich

327
00:35:45.219 --> 00:35:51.800
 darauf erneut loszulachen. Das Licht im weißen Zimmer ist noch gleißender geworden. Das Mädchen

328
00:35:51.800 --> 00:35:57.260
 im blauen Kleid öffnet seine Tasche und entnimmt eine Pillendose. Sie ist aus reinem Silber mit

329
00:35:57.260 --> 00:36:03.360
 Goldapplikationen verziert. Es schluckt eine Pille und beginnt leise zu röcheln. Der Gastgeber

330
00:36:03.360 --> 00:36:05.500
 schlendert durch die Räume. Zwei Paare

331
00:36:05.500 --> 00:36:11.460
 stehen neben dem Fenster im weißen Lichtschein. Glänzen die fettigen Haare der Männer. Ihre

332
00:36:11.460 --> 00:36:17.219
 Gattinnen scheinen betrunken zu sein. Aus den Nebenräumen tönt Gesang. Grölende Stimmen mischen

333
00:36:17.219 --> 00:36:22.679
 sich darunter. Die beiden Paare gehen in den nächsten Raum. Hier spielt eine Kapelle in kleiner

334
00:36:22.679 --> 00:36:25.300
 Besetzung. Nur wenige Gäste tanzen zu

335
00:36:25.300 --> 00:36:31.739
 der getragenen Melodie. Eng umschlungen bewegen sich die Tanzpaare im Kreis im violetten Dämmerlicht.

336
00:36:32.239 --> 00:36:37.159
 Sind sie nur schemenhaft auszumachen? Die Schatten der Tänzer flackern an den Wänden in der Ecke.

337
00:36:37.639 --> 00:36:46.960
 Neben dem Fenster, das auf den Rundgang hinausführt, steht eine Gestalt im Lederdress, zum Leder trägt sie eine dunkelgrüne Federboa sowie schwarze

338
00:36:46.960 --> 00:36:54.159
 Handschuhe, beim dröhnenden Schlagen der Pendeluhr halten Kapelle und Tänzer kurz inne, die Federboa

339
00:36:54.159 --> 00:37:00.840
 stampft mit dem Fuß auf den Boden und flucht, ohne dass jemand Notiz davon nimmt, eine Gruppe junger

340
00:37:00.840 --> 00:37:05.059
 Mädchen streift im Vorbeigehen den Gastgeber. Sein Glas fällt zu Boden.

341
00:37:05.360 --> 00:37:11.699
 Die Mädchen kichern, werfen eines nach dem anderen ihre vollen Gläser gegen die Wand und laufen ins weiße Zimmer.

342
00:37:12.239 --> 00:37:15.179
 Beide tragen schmal geschnittene Kleider aus rotem Samt.

343
00:37:15.739 --> 00:37:18.639
 Sie stoßen zwei Männer zurück, die sie zum Tanz auffordern.

344
00:37:19.159 --> 00:37:21.539
 Diese schwingen die Fäuste und beschimpfen die Mädchen.

345
00:37:21.960 --> 00:37:23.440
 Schweiß läuft ihnen übers Gesicht.

346
00:37:23.440 --> 00:38:08.619
 Die Kapelle wechselt das Tempo. ein anderes Mädchen blutet aus der Stirn, das Blut beginnt zu Boden zu tropfen, zwei weitere schnupfen weißes Pulver, sie sitzen auf dem Holzparkett und starren auf einem Punkt in weiter Ferne, ein Mann tritt einem auf den Boden liegenden auf den Schädel, das dünne Rins als Speichel aus seinem Mund wird zur Pfütze, welche im orange getönten Zimmerlicht glitzert. Auf den Bänken an der Wand sitzen Betrunkene, dicht aneinander gedrängt. Einer erbricht seine Nachbarin auf die Bluse, diese schlägt ihm ins Gesicht. Im grünen Zimmer werfen die Tanzenden die Arme in die Höhe. Frauen und Männer mit nackten Oberkörpern fassen sich an den Hüften und stoßen einander zurück.

347
00:38:09.219 --> 00:38:13.260
 Jemand ergreift die Flucht, er läuft ins Nebenzimmer und stößt dabei eine Frau zur Seite.

348
00:38:13.820 --> 00:38:17.460
 Diese schwankt und stürzt. Der Mann trommelt mit den Fäusten in die Luft.

349
00:38:17.960 --> 00:38:21.940
 Das purpurrote Licht lässt seine Gesichtsfarbe noch wechselnder aussehen.

350
00:38:22.440 --> 00:38:25.320
 Eine junge Frau geht auf ihn zu und beginnt ihn zu schlagen.

351
00:38:25.760 --> 00:38:29.139
 Er zerrt so lange an der Halskette der Angreiferin, bis diese zerreißt.

352
00:38:29.659 --> 00:38:31.900
 Der Gastgeber trinkt mehrmals aus seinem Glas.

353
00:38:32.380 --> 00:38:35.300
 Eine Gruppe von Gästen wirft die Gläser hinter sich.

354
00:38:35.800 --> 00:38:38.980
 Einer der Dahinterstehenden trifft ein Glas mitten auf die Stirn.

355
00:38:39.340 --> 00:38:40.340
 Er beginnt zu schwanken.

356
00:38:40.739 --> 00:38:43.619
 Aus der klaffenden Wunde fließt Blut über Nase und Mund.

357
00:38:43.619 --> 00:38:46.440
 Der Verwundete taumelt ins grüne Zimmer,

358
00:38:47.039 --> 00:38:52.860
 ein Mädchen schlägt ihm auf die Brust, es schreit, als es das Blut bemerkt, das macht den Boden klebrig,

359
00:38:53.260 --> 00:38:58.760
 der da sucht den Gastgeber, die junge Frau sammelt die Glieder der zerrissenen Kette auf,

360
00:38:59.260 --> 00:39:05.880
 einige Steine sind zertreten, andere weisen Sprünge auf, sie kriecht zwischen den Tanzenden hindurch, zwei von

361
00:39:05.880 --> 00:39:10.860
 ihnen stolpern über sie, ein Tänzer rutscht auf einer Perle aus, die meisten der Angetrunkenen

362
00:39:10.860 --> 00:39:16.159
 auf den Ruhebänken scheinen zu schlafen, ihre Köpfe hängen vornüber, Erbrochenes verschmutzt

363
00:39:16.159 --> 00:39:22.579
 den Boden, eine Sängerin singt vor dem Fenster ein Lied, durch das orange Glas erhellen die Flammen,

364
00:39:23.079 --> 00:39:50.039
 ihr Gesicht, ihre Stirn ist von Falten durchzogen, Sie trägt eine blassgrüne Kombination und weiße Sportschuhe. Ihr Gesang weckt zwei der Schläfer. Einer der beiden nimmt einen Zug aus der Flasche. Das Flammenlicht erlischt für kurze Zeit. Die Sängerin verstummt. Unter einer der Bänke liegt ein Mann. Er ist an Erbrochenem erstickt. Die Kapelle im Nebenraum intoniert einen Walzer, eine große Anzahl Paare tanzt auf dem Parkett, mehrmals wechseln die Musiker das Tempo,

365
00:39:50.440 --> 00:39:54.659
 alle tragen schwarze Anzüge bis auf den einen, im gleißenden Weiß,

366
00:39:55.059 --> 00:40:00.159
 sind an den Wänden Flecken, auch Spritzer von Blut und Mauerrisse deutlich erkennbar.

367
00:40:00.900 --> 00:40:05.880
 Trotz der violett getönten Scheiben erleuchten die Flammen im Becken im benachbarten Raum taghell.

368
00:40:05.880 --> 00:40:12.119
 Der Holzboden weist Schlieren auf von verschüttetem Wein und Erbrochenem auf. Die Luft ist stickig,

369
00:40:12.119 --> 00:40:17.460
 der Gastgeber öffnet die Flügeltür zum westlichsten Zimmer, die Pendeluhr schlägt die nächste Stunde,

370
00:40:17.460 --> 00:40:21.960
 die Musiker wechseln mehrmals den Takt, eine große Anzahl Menschen drängt in den Raum,

371
00:40:21.960 --> 00:40:25.780
 einige kommen zu Fall und werden von den Nachdrängenden überrannt.

372
00:40:26.199 --> 00:40:28.920
 Die Mitglieder des Orchesters nehmen auf dem Podium Platz.

373
00:40:29.480 --> 00:40:31.539
 Der Klarinetist erleidet einen Schwächeanfall.

374
00:40:32.019 --> 00:40:36.059
 Der da nimmt dessen Instrument und schlägt es ohne zu zögern kaputt.

375
00:40:36.599 --> 00:40:39.920
 Er schnupft weißes Pulver von der rechten Handfläche seiner Begleiterin.

376
00:40:40.360 --> 00:40:43.119
 Alle paar Minuten spuckt sie Schleimbatzen auf das Parkett.

377
00:40:43.500 --> 00:40:46.699
 Plötzlich kniet sie nieder und beginnt den Schleim mit der Zunge aufzulecken.

378
00:40:47.219 --> 00:40:49.460
 Der da schlägt den Klarinettisten ins Gesicht.

379
00:40:49.940 --> 00:40:51.880
 Die übrigen Musiker spielen ohnehin weiter.

380
00:40:52.300 --> 00:40:54.199
 Immer mehr Menschen drängen auf die Tanzfläche.

381
00:40:54.340 --> 00:40:56.360
 Sie stoßen einander die Ellbogen in die Hüften.

382
00:40:57.340 --> 00:40:59.179
 Instrumentalisten und Tänzer erbleichen.

383
00:40:59.719 --> 00:41:00.840
 Viele sinken zu Boden.

384
00:41:01.260 --> 00:41:03.739
 Die Gesichter fahl im roten Licht.

385
00:41:03.900 --> 00:41:06.139
 Die Wände sind mit schwarzem Samt ausgekleidet,

386
00:41:06.599 --> 00:41:11.340
 zwei Raucher bohren mit ihren Zigarren Brandlöcher in den Samt, der Gastgeber will die Männer daran

387
00:41:11.340 --> 00:41:16.039
 hindern, sie fassen ihn an den Armen und drücken ihn gegen die Wand, sie halten ihn fest und spucken

388
00:41:16.039 --> 00:41:22.300
 ihn an, beide tragen zweireihige Anzüge und weiße Hemden mit Stehkragen, Schleim und Speichel besudeln

389
00:41:22.300 --> 00:41:25.619
 Kragen und Revers, schließlich sinken auch die Raucher nieder,

390
00:41:25.980 --> 00:41:31.599
 in jeder Ecke des Raumes liegen Menschen, dessen das Begleiterin tanzt mit einem Fremden, er küsst

391
00:41:31.599 --> 00:41:36.780
 sie auf den Mund, der da zerrt sie an den Haaren von ihm weg, der Fremde zückt einen Dolch und

392
00:41:36.780 --> 00:41:42.440
 stürzt sich auf den da, die Begleiterin ermuntert die verbliebenen Musiker weiter zu spielen, der

393
00:41:42.440 --> 00:41:45.440
 Fremde will dem da den Dolch in die Brust stoßen

394
00:41:45.440 --> 00:41:46.619
 und trifft den Gastgeber.

395
00:41:47.019 --> 00:41:49.960
 Der da sammelt die Teile der kaputten Klarinette auf.

396
00:41:50.079 --> 00:41:51.480
 Die Tanzfläche hat sich geleert.

397
00:41:51.900 --> 00:41:54.920
 Der Fremde tanzt mit dessen da's Begleiterin einen Walzer,

398
00:41:55.360 --> 00:41:56.940
 welchen der Geige jetzt anstimmt.

399
00:41:57.280 --> 00:42:00.139
 So ganz allein hat seine Geige einen wehmütigen Klang.

400
00:42:00.500 --> 00:42:02.599
 Der Klang der Geige wird übertönt,

401
00:42:02.960 --> 00:42:06.179
 umschlagen der Pendeluhr in im tiefen vollen dröhnen aus

402
00:42:06.179 --> 00:42:38.079
 dem inneren des im hölzernen uhrenkastens Sie liegt im Bett.

403
00:42:38.079 --> 00:42:46.000
 Schritte einer Zimmerschwester, die sich entfernen.

404
00:42:46.000 --> 00:42:52.099
 Das Handy vibriert.

405
00:42:52.099 --> 00:42:54.280
 Eine Erinnerung.

406
00:42:54.280 --> 00:42:56.380
 Heute Minze gießen.

407
00:42:56.380 --> 00:43:06.320
 Er liegt im Bett.

408
00:43:10.639 --> 00:43:14.039
 Schritte der Enkelin zu laut auf Eichenparkett.

409
00:43:16.199 --> 00:43:20.820
 Das Zimmer vibriert. An Tagen mit schwerem Kraftfahrzeugverkehr Richtung Stadt.

410
00:43:35.380 --> 00:43:45.179
 Schneller werdendes Auf-Ab-Hinher der Wackelblumenblätter. Schönen guten Morgen zu einem Nachrichtenupdate. Wir melden uns bei Ihnen mit. Geflüster. Heute sehr unruhig.

411
00:43:48.119 --> 00:43:51.239
 Schönen Mittag und Mahlzeit, wir berichten live.

412
00:43:54.500 --> 00:44:00.099
 Verirrt, noch einmal zurück.

413
00:44:02.760 --> 00:44:06.900
 Schönen Nachmittag aus unserem Newsroom mit diesen Themen.

414
00:44:09.360 --> 00:44:11.340
 Hinters Kopfende.

415
00:44:12.619 --> 00:44:15.019
 Aus in die Kindheit.

416
00:44:15.739 --> 00:44:17.820
 Heute nach Haus.

417
00:44:18.980 --> 00:44:20.460
 Aus Siedlung.

418
00:44:21.360 --> 00:44:23.000
 Kaum darüber ge...

419
00:44:24.780 --> 00:44:29.179
 Guten Abend und herzlich willkommen und nun zum Das Wetter.

420
00:44:31.639 --> 00:44:32.699
 Schnitt.

421
00:44:34.219 --> 00:44:37.139
 Meteorologische Beobachtungen der Untersuchungsstation.

422
00:44:38.000 --> 00:44:44.320
 Zwei Uhr nachmittags heiter, neun Uhr abends wolkig, sieben Uhr früh wolkig tau.

423
00:44:44.340 --> 00:44:48.860
 Neun Uhr abends wolkig, sieben Uhr früh wolkig tau.

424
00:44:53.980 --> 00:44:57.739
 Feinster Sprühnebel des Duftspenders im Regal über ihrem Kopfende.

425
00:45:02.340 --> 00:45:03.380
 Alles feucht, die Fensterscheiben beschlagen von innen.

426
00:45:04.559 --> 00:45:05.460
 Zeit durchzulüften.

427
00:45:11.519 --> 00:45:14.420
 Schritte der Zimmerschwester mitten durch den Raum, alle Fensterflügel auf, ausbreiten.

428
00:45:15.320 --> 00:45:16.239
 Luftwechsel.

429
00:45:19.659 --> 00:45:30.139
 Durchschnittliche Strömungsrate 0,16 Meter pro Sekunde. Seit sie hier ist, hat sie das Gefühl, dass es rauschen.

430
00:45:33.599 --> 00:45:36.940
 Nicht klar war es Wind zwischen Platanenblättern,

431
00:45:37.719 --> 00:45:41.800
 war es nicht, dass es hereinregnet.

432
00:45:44.739 --> 00:45:47.820
 Die Zimmerschwester spannt den Bettschirm auf,

433
00:45:48.179 --> 00:45:51.400
 damit die Patientinnen ja nicht im scharfen Luftzug

434
00:45:51.400 --> 00:45:58.099
 der Laptop-Lüftung wehen des Vorhangstoffs.

435
00:46:00.239 --> 00:46:03.559
 Von der Mitte nach außen, von der Mitte nach außen,

436
00:46:03.780 --> 00:46:06.460
 von der Mitte nach außen, von der Mitte nach außen, von der Mitte nach.

437
00:46:07.980 --> 00:46:09.920
 Als ob da jemand.

438
00:46:10.500 --> 00:46:12.360
 Hallo?

439
00:46:12.880 --> 00:46:18.059
 Hallo?

440
00:46:19.460 --> 00:46:20.679
 Ein Knall.

441
00:46:22.380 --> 00:46:24.159
 Zufall der Fensterflügel.

442
00:46:27.460 --> 00:46:36.719
 Er kann sich nicht erinnern, das Fenster aufgemacht zu haben.

443
00:46:37.960 --> 00:46:42.639
 Hallo?

444
00:46:43.880 --> 00:46:47.400
 Besuchszeit. Freistunde

445
00:46:47.400 --> 00:46:50.079
 Riecht nach Feigenkaffee

446
00:46:50.079 --> 00:46:55.119
 Vom Schwesternzimmer am anderen Ende des Gangs

447
00:46:55.119 --> 00:47:00.300
 Ein Kind klopft an alle Türen

448
00:47:00.300 --> 00:47:03.840
 Hallo

449
00:47:03.800 --> 00:47:18.380
 Hallo? Rauhaarig, kugelig in der Kinderhand, von unten aus dem Garten. Das Kind legt der Mutter eine

450
00:47:18.380 --> 00:47:25.400
 Platanenfrucht auf die Decke, auf den höchsten Punkt. Dünngraue Linien der Bettwäsche,

451
00:47:26.340 --> 00:47:28.300
 Zeilen, die steigen wie der Fallen,

452
00:47:28.739 --> 00:47:30.940
 wo sich die Decke über ihrem Bauch wölbt.

453
00:47:38.360 --> 00:47:39.119
 Positionswechsel.

454
00:47:41.420 --> 00:47:42.780
 Sie liegt im Bett.

455
00:47:42.820 --> 00:47:49.219
 Sie liegt im Bett.

456
00:47:51.239 --> 00:47:52.519
 Ruhe hinter dem Vorhang.

457
00:47:55.639 --> 00:47:56.900
 Der Buntstift fest in der Kinderhand, orange.

458
00:47:57.860 --> 00:47:58.840
 Jetzt auch die Wand.

459
00:48:04.059 --> 00:48:07.420
 Wellenlinie steigt, fällt, steigt, steigt, überschlägt sich.

460
00:48:10.039 --> 00:48:11.139
 Ein Stuhl, neben das Fenster geschoben.

461
00:48:14.900 --> 00:48:17.280
 Das Holz der Sitzfläche knarrt, als er hinaufsteigt, sich streckt.

462
00:48:19.139 --> 00:48:21.480
 Bist du schon wieder da dahinter?

463
00:48:24.860 --> 00:48:27.320
 Erst auf Zehenspitzen löst er oben den Vorhangstoff.

464
00:48:28.239 --> 00:48:29.340
 Feld.

465
00:48:30.599 --> 00:48:32.840
 Buntstift zu Boden.

466
00:48:33.159 --> 00:48:34.719
 OW.

467
00:48:36.539 --> 00:48:38.280
 Die Spitze abgebrochen.

468
00:48:41.340 --> 00:48:42.340
 Das Kind stellt sich vor, orange an den Vaterschuhen.

469
00:48:46.179 --> 00:48:54.760
 Seine Schritte die Wellenlinien auf den boden zeichnen von hinterm vorhang zum bett um das bett zum fenster zum schrank zum bett zur tür zum

470
00:48:54.760 --> 00:49:15.420
 bett nach einer zeit ein orange buntstift bodensee das kind wartet hindurch. Plitsch, platsch. An der Wand neben dem Fenster beginnt bei ihr das

471
00:49:15.420 --> 00:49:25.940
 Schilf. Rostfarbene Halme. Sie reichen einem Pfleger bis leicht über die Knie.

472
00:49:28.079 --> 00:49:30.099
 Wo der Vorhang war, die Wand an einer Stelle leicht über

473
00:49:30.099 --> 00:49:31.639
 seinen Knien übermalt.

474
00:49:32.880 --> 00:49:33.320
 Weiß.

475
00:49:34.500 --> 00:49:35.739
 Leicht durchscheinend.

476
00:49:37.059 --> 00:49:37.500
 Orange.

477
00:49:46.500 --> 00:49:50.360
 Positionswechsel Sie liegt im Bett

478
00:49:50.360 --> 00:49:54.280
 Auf einem A

479
00:49:54.280 --> 00:49:56.500
 Ja

480
00:49:56.500 --> 00:50:00.099
 Ihre Schulterblätter auf der Spitze

481
00:50:00.099 --> 00:50:03.059
 Ein Ziehen der Schenkel Richtung Hüfte

482
00:50:03.059 --> 00:50:11.239
 Einen Vokal auf die Zunge wie in einem Gästebett legen, sagt eine Atemtherapeutin

483
00:50:11.239 --> 00:50:14.960
 Mehr in den Ausatem, in die Pause gehen

484
00:50:14.960 --> 00:50:32.599
 Sich lösende Vokabelpost-its. Sein Mitbewohner hebt sie vom Boden auf, klebt sie, ohne zu lesen, im Zimmer wieder an die nächste Stelle.

485
00:50:37.039 --> 00:50:41.559
 Auszug aus der Übersicht der Eintragungen in die Bauakte des Hauses.

486
00:50:42.679 --> 00:50:52.860
 Einbau, Umbau, Umbau und Sanierung. Die Wand jetzt, die Uhr. Der Schrank

487
00:50:52.860 --> 00:51:05.599
 jetzt, der Tisch. Er öffnet seine Tischhälfte. Der Boden. Er kann sich nicht erinnern, wo er ihn hingelegt hat.

488
00:51:13.539 --> 00:51:14.920
 Er klappt die Decke auf. Die Minze, vorne mehrfach geklebt.

489
00:51:21.619 --> 00:51:26.280
 Er geht unter ihm die Tür. Kein Türknarren.

490
00:51:30.039 --> 00:51:30.539
 Zusammengerollt im Nachttisch liegend, schaut er hinauf.

491
00:51:32.099 --> 00:51:33.840
 Über ihm der Vorhang.

492
00:51:35.480 --> 00:51:38.199
 Bist du schon wieder da dahinter?

493
00:51:41.340 --> 00:51:50.480
 Das Bett bekommt nasse Füße. Einbau, Umbau, Umbau und teilweise Änderung der Verwendung.

494
00:51:52.719 --> 00:51:55.280
 Er dreht an den Wandzeigern.

495
00:51:58.260 --> 00:52:06.000
 Danke, das reicht. Applaus Applaus

496
00:52:06.000 --> 00:52:08.000
 Applaus

497
00:52:08.000 --> 00:52:10.000
 Applaus

498
00:52:10.000 --> 00:52:12.000
 Applaus

499
00:52:12.000 --> 00:52:14.000
 Applaus

500
00:52:14.000 --> 00:52:16.000
 Applaus

501
00:52:16.000 --> 00:52:18.000
 Applaus

502
00:52:18.000 --> 00:52:20.000
 Applaus

503
00:52:20.000 --> 00:52:22.000
 Applaus

504
00:52:22.000 --> 00:52:24.000
 Applaus

505
00:52:24.000 --> 00:52:29.019
 Applaus Applaus In Fluss 10 unter Verwendung von Textpassagen Adalbert Stifters

506
00:52:29.019 --> 00:52:40.099
 Die Donau hält bewundernd in ihrem Lauf an und teilt in breite Hälften den weiten Länderstrich.

507
00:52:42.199 --> 00:52:45.340
 Bald zwängt sie sich durch Felsen, still zu schauen

508
00:52:45.340 --> 00:52:48.719
 Die Steinwand schaut festig flimmernd nieder

509
00:52:48.719 --> 00:52:51.900
 Der Ahorn lässt Zeit um Zeit ein Blatt fallen

510
00:52:51.900 --> 00:52:54.000
 Sehr dicke Stämme

511
00:52:54.000 --> 00:52:56.260
 Dort zirpt die Herbstheuschrecke

512
00:52:56.260 --> 00:52:59.900
 Die sanfte Luft vermag nicht jene glänzenden Fäden zu zerreißen

513
00:52:59.900 --> 00:53:04.900
 Und die Wärme des Nachmittages sinkt zitternd längs dem grauen Gesteine nieder

514
00:53:04.900 --> 00:53:06.420
 Das Zittern der anbrütenden Lenz Wärme des Nachmittages sinkt zitternd längs dem grauen Gesteine nieder.

515
00:53:12.340 --> 00:53:12.739
 Das Zittern der anbrütenden Lenzwärme, bald schmiegen sich die Wellen wie lebend an die Auen,

516
00:53:18.179 --> 00:53:18.659
 eine Wiese, hinter der Wiese Felder, die verstärkte Donau von Wasser durchrauscht,

517
00:53:28.820 --> 00:53:35.059
 geht in der Richtung zwischen Morgen und Mittag fort, ein Wäldchen hinein, ein Wäldchen hinaus und hat an ihrem Gestaden vorzüglich an ihrem Mitternächtigen starke waldige Berge, welche bis an das Wasser reichende Ausgänge des böhmischen

518
00:53:35.059 --> 00:53:43.820
 Waldes sehr dicke Stämme sind. Mitternachtwärts, sich vielfach windend, manche junge Buchenstände,

519
00:53:43.820 --> 00:53:49.059
 manch zerrissener Baumstamm oder die Waldwiesen mit dem sanften Sonnengrün der Ferne,

520
00:53:49.539 --> 00:53:58.780
 der alte Ahorn von klaren und kühleren Lüften durchweht, steht einsam und greift langarmig in die Luft, lässt Zeit um Zeit ein Blatt fallen,

521
00:53:59.239 --> 00:54:10.219
 von der Gegend hier steigt das Land staffelartig gegen jenen Wald empor. Es besteht aus vielen Berghalten, langgestreckten Rücken, manchen tiefen Rinnen und Kesseln.

522
00:54:12.119 --> 00:54:16.800
 An dem oberen Rande eine Felswand und zu ihren Füßen ein finsterer See.

523
00:54:17.260 --> 00:54:20.820
 Zwischen Felsen und Wäldern, wie in einer Höhle, unten liegt der Wald.

524
00:54:20.820 --> 00:54:24.539
 Fast inein schmiegen sich die Wellen wie lebend an die Auen.

525
00:54:26.840 --> 00:54:34.760
 liegt der Wald, fast inein schmiegen sich die Wellen wie lebend an die Auen, eine Wiese, hinter der Wiese Felder, nichts Lebendiges zwischen Morgen und Mittag. Das Ufer an der Wand von herabgestürzten Bäumen

526
00:54:34.760 --> 00:54:40.579
 gesäumt und obwohl es zum größten Teile mit Wiesen bedeckt ist, so gehört es doch dem Hauptwalde an,

527
00:54:41.139 --> 00:54:49.880
 es ist je höher hinauf, immer mehr mit den Bäumen des Waldes geziert, ein Wäldchen hinein, ein Wäldchen hinaus, sehr dicke Stämme.

528
00:54:51.480 --> 00:55:00.219
 Das Grün des Laubes und das beginnende Rot ist immer mehr von reinem Granitwasser durchrauscht und von klaren, kühleren Lüften durchweht.

529
00:55:10.500 --> 00:55:16.260
 dazwischen die reifenden Kornfelder. Dieser auch jetzt noch große Wald hat in seinen Niederungen vor, nämlich die Buche, höher hinauf das Reich der Tanne und des ganzen Geschlechtes der Nadelhölzer

530
00:55:16.260 --> 00:55:22.599
 und endlich auf dem Grate der Berge, auch oft Knieholz, einen langen Berg hinan, dann eben,

531
00:55:22.599 --> 00:55:27.480
 dann einen Berg hinab, eine Lehne empor, eine Lehne hinunter, von Wasser

532
00:55:27.480 --> 00:55:34.760
 durchrauscht, dazwischen die bereits reifenden Kornfelder auf dem Boden, welcher feucht, wenig Licht und teils Steine,

533
00:55:34.940 --> 00:55:49.940
 teils Untergestrüppe, teils grüne Schattenpflanzen. Ein Wäldchen hinein, ein Wäldchen hinaus, die Häuser in Unordnung zerstreut und der Grund ungleich Nadelhölzer, sehr dicke Stämme von Tannen,

534
00:55:50.099 --> 00:55:54.300
 grüne Schattenpflanzen und Büsche, Beeren und Ranken gleichsam abseits

535
00:55:54.300 --> 00:55:55.820
 und zurück in die Winkel gedrängt.

536
00:55:57.739 --> 00:56:01.960
 Sich vielfach windend und biegend um den tiefer hängenden Ästen

537
00:56:01.960 --> 00:56:05.000
 und dem dichteren Stande der Bäume auszuweichen.

538
00:56:05.500 --> 00:56:09.460
 Viele Obstbäume stehen hier, nur der Waldkirschbaum ragt empor,

539
00:56:09.840 --> 00:56:14.619
 der Ahorn lässt Zeit um Zeit ein Blatt fallen, dort steht er vereinzelt in einer Gestalt,

540
00:56:14.980 --> 00:56:18.579
 die in manchen Teilen zerstückt, eine Wiese, hinter der Wiese,

541
00:56:18.940 --> 00:56:23.800
 Felder von klaren und kühleren Lüften durchweht und dann ein großes weißes Haus.

542
00:56:27.199 --> 00:56:32.579
 Dort zirpt die Herbstheuschrecke zwischen Morgen und Mittag, hinter dem Hause steigt der Wald empor und ein breites, mächtiges Band,

543
00:56:33.099 --> 00:56:38.659
 in sehr schöner Bildung die Eberesche bei vielen Häusern und mischt das Grün ihres Laubes und das

544
00:56:38.659 --> 00:56:44.159
 beginnende Rot ihrer Trauben, das Grün und das Rot zu dem Grau der Dächer, das Zittern der

545
00:56:44.159 --> 00:56:47.139
 anbrütenden Lenzwärme über den noch schwarzen Feldern,

546
00:56:47.619 --> 00:56:50.659
 die vielzweigigen Augen der Himbeer- und Brombeergesträuche,

547
00:56:51.920 --> 00:56:57.320
 die schönen grünen Streifen der Wintersaat von Wasser durchrauscht,

548
00:56:57.679 --> 00:57:03.179
 dazwischen die bereits reifenden Kornfelder, eine Wiese hinter der Wiese Felder

549
00:57:03.179 --> 00:57:07.719
 und endlich geschlossen von einem rechts in das Firmament ablaufenden Duftsaume,

550
00:57:08.099 --> 00:57:14.519
 wie eine glänzende Wüste, zieht der heitere Himmel sich vielfach windend hinaus über alle Wälder weg,

551
00:57:14.940 --> 00:57:22.440
 die wie riesenbreite, dunkle, blähende Wogen von klaren und kühleren Lüften durchweht,

552
00:57:22.440 --> 00:57:42.179
 liegen nur im äußersten Gesichtskreise, gesäumt von einem Hauche eines fahlen Streifens, das Wirrsal der randenden Schlinkkräuter von Wasser durchrauscht, um dort zu vermodern oder auch öfters zwischen manneshohen Farbenkräutern oder Himbeergesträuchen, Himbeer- und Brombeergesträuchen, die schönen grünen Streifen,

553
00:58:08.780 --> 00:58:12.559
 Die schönen grünen Streifen, dazwischen die bereits reifenden Kornfelder, eine Wiese, hinter der Wiese Felder, oft mit Beeren bedeckt, von Ferne zu sehen, sehr dicke Stämme, als hätte man ein rotes Tuch über sie gebreitet, der geliebte kleine Würfel wie ein blauer Punkt, wie glänzend sind die Triften im reichen Niederland umzirkt von frischem Waldbestand, ein Wäldchen hinein, ein Wäldchen hinaus, eine Wiese, hinter der Wiese Felder und dann in grünen Fluten wallen vom Norden die Gewässer,

554
00:58:13.000 --> 00:58:17.920
 wie sind sie goldig-braun, das Reich der Tanne und des ganzen Geschlechtes der Nadelhölzer,

555
00:58:17.920 --> 00:58:24.780
 eine Wiese, hinter der Wiese Felder, sehr dicke Stämme von Tannen, von Wasser durchrauscht.

556
00:58:28.639 --> 00:58:33.679
 Felder, sehr dicke Stämme, von Tannen, von Wasser durchrauscht. Von diesen Stämmen ist mancher aus Alter gefallen oder von Blitze zerstört, zieht der heitere Himmel hinaus über alle Wälder,

557
00:58:33.679 --> 00:58:39.079
 eine Wiese, Felder hinter der Wiese, die Wiese von Gestrippe und Steinen gereinigt,

558
00:58:39.079 --> 00:58:48.340
 der Pfad geordnet und so breit. Immer entlang dem Waldbache, aber seinen Wassern entgegen, manch zerrissener

559
00:58:48.340 --> 00:58:55.300
 Baumstamm, die vielzweigigen Augen, die vielzweigige Erle geht am Wasser hin, die leichte Buche mit den

560
00:58:55.300 --> 00:59:01.239
 schönfarbigen Schaften, die feste Eiche, die schwanken Halme der Fichten stehen gesellig und

561
00:59:01.239 --> 00:59:07.599
 plaudern bei gelegentlichen Windhauchen, die schönen grünen Streifen, die Espe rührt hierbei gleich alle ihre Blätter,

562
00:59:08.119 --> 00:59:10.440
 dass ein Gezitter von Grün und Silber wird,

563
00:59:11.079 --> 00:59:14.739
 das die Länge lang nicht auszutaumeln und auszuschwingen vermag.

564
00:59:15.139 --> 00:59:17.659
 Die Tannen wollen erhabene Säulengänge bilden.

565
00:59:19.940 --> 00:59:24.780
 Die Häuser in Unordnung zerstreut, dann eben, dann einen Berg hinauf,

566
00:59:24.780 --> 00:59:31.960
 eine Lehne empor, das Raum bleibe, der Boden fängt an, sehr merklich empor zu steigen, sehr dicke Stämme.

567
00:59:45.239 --> 00:59:51.340
 Berge der drei Sessel und im Blöckensteine, die höchste Stelle und dem dichtesten und an mehreren Orten undurchdringlichen Waldstand erreicht, nicht der Berghöhe, sondern der kalten Winde wegen, die

568
00:59:51.340 --> 00:59:58.119
 gerne und frei hier herrschen, von klaren und kühleren Lüften durchweht, die rötlich-fahlen Wälder, die an

569
00:59:58.119 --> 01:00:05.599
 den Bergen hinanziehen, eine Wiese hinter der Wiese Felder von reinem Granitwasser durchrauscht,

570
01:00:06.039 --> 01:00:09.659
 Himbeer- und Brombeergesträuche mit dem sanften blauen Lufthauch,

571
01:00:10.159 --> 01:00:13.840
 darüber die vielzweigigen Augen und überall auf der farblosen Erde

572
01:00:13.840 --> 01:00:19.119
 das Land, das Raumbleibe, heben sich sanft der blauen Waldwand entgegen,

573
01:00:19.639 --> 01:00:23.840
 Forste über Hügel und Täler gebreitet, dicke Stämme hinausgehend

574
01:00:24.380 --> 01:00:26.619
 bis zur feinsten Linie des Gesichtskreises,

575
01:00:27.179 --> 01:00:35.119
 die rechts und links sich dehnenden Waldrücken und ihre Täler, das Reich der Tanne und des ganzen Geschlechtes der Nadelhölzer,

576
01:00:35.579 --> 01:00:44.360
 alles in wehmütig feierlichen Nachttagsdufte, schwimmend getaucht in jenen sanftblauen Waldhauch, den Verkünder heiterer Tage.

577
01:00:48.880 --> 01:00:49.719
 Dankeschön.

578
01:01:00.940 --> 01:01:03.860
 Vielen Dank, Sauer Rinderer und Robert Stehr.

579
01:01:03.940 --> 01:01:08.019
 Sauer Rinderer hat geendet mit Das reicht, aber es reicht noch nicht.

580
01:01:08.820 --> 01:01:17.320
 Wir gehen in eine Pause und um 19.45 Uhr geht es hier weiter mit Nina Thehmann und anschließend Andrea Winkler.

581
01:01:17.960 --> 01:01:23.440
 Genießen Sie was zu trinken im Literaturcafé oder gehen Sie an die frische Luft raus, es ist ziemlich warm.

582
01:01:23.820 --> 01:01:43.639
 Es soll gesund sein

583
01:01:50.739 --> 01:01:58.460
 bevor wir jetzt die erste ausgabe dieses Festivals beschließen mit den Lesungen von Nina Thehmann und Andrea Winkler, möchte ich auch noch einmal die Gelegenheit nutzen, mich bei allen beteiligten Autorinnen und insbesondere bei den Mitarbeiterinnen des Stifterhaus zu bedanken,

584
01:01:59.059 --> 01:02:11.840
 die durch ihr Engagement dieses Festival überhaupt erst möglich gemacht haben. Ganz herzlichen Dank dafür.

585
01:02:17.440 --> 01:02:17.539
 Ich komme noch mal auf etwas zurück, was ich ganz zu Beginn des Festivals auch schon einmal angesprochen habe,

586
01:02:20.599 --> 01:02:21.420
 nämlich auf die Rolle des Körpers im Zusammenhang mit der Literatur.

587
01:02:25.199 --> 01:02:25.420
 Wenn Sie die Lesungen der letzten Tage verfolgt haben und auch in den beiden Lesungen,

588
01:02:30.440 --> 01:02:35.579
 die diesem Lesungsblock vorangestellt haben, war das ja noch mal nachzuvollziehen. Dann haben Sie sicherlich auch bemerkt, dass der Körper eine prominente Rolle spielt in der Gegenwartsliteratur,

589
01:02:35.699 --> 01:02:40.460
 auch in der sogenannten avantgardistischen Literatur. Einerseits wiederum als Motiv,

590
01:02:40.699 --> 01:02:47.000
 als Thema. Andererseits ist der Körper natürlich auch ein wichtiger Ermöglichungsgrund für das Bereitstellen,

591
01:02:47.800 --> 01:02:52.460
 für das Produzieren und Verfertigen von Literatur. Und wenn ich von Bereitstellen spreche,

592
01:02:52.780 --> 01:02:59.079
 dann meine ich damit auch die Rezeption von Literatur. Wir brauchen unsere Sinne, um die Literatur wahrzunehmen.

593
01:02:59.800 --> 01:03:03.780
 Und die Qualität der unterschiedlichen Darbietungen schien mir auch darin zu bestehen,

594
01:03:03.780 --> 01:03:10.239
 dass unterschiedliche Sinne jeweils angesprochen wurden, dass es sich manchmal tatsächlich auf das Hören konzentriert

595
01:03:10.239 --> 01:03:15.400
 hat. Andererseits gab es aber auch immer wieder Gesten, visuelle Elemente, die die Vorträge

596
01:03:15.400 --> 01:03:19.920
 begleitet haben, musikalische Elemente, auch wenn man an den ersten Lesungstag zurückdenkt,

597
01:03:19.920 --> 01:03:25.320
 die die Lesungen flankiert haben, die aber vor allen Dingen auch das, was wir als literarischen Text wahrnehmen,

598
01:03:25.940 --> 01:03:28.619
 noch einmal in einen anderen Zusammenhang gerückt haben.

599
01:03:29.619 --> 01:03:36.119
 Ich habe ja vor der ersten Hälfte auch gesprochen über Autorinnen als Erfinderinnen und Entdeckerinnen.

600
01:03:36.860 --> 01:03:41.000
 Was damit auch angesprochen ist, ist natürlich einmal mehr die Rolle des Körpers,

601
01:03:41.179 --> 01:03:43.199
 die ich gerade schon versucht habe zu skizzieren.

602
01:03:43.960 --> 01:03:48.300
 Also man kann sagen, auch die Erinnerung daran, dass Literatur von Menschen gemacht ist,

603
01:03:48.800 --> 01:03:51.860
 dass sie aber vor allen Dingen auch von anderen Menschen wahrgenommen wird.

604
01:03:52.440 --> 01:03:57.420
 Und wenn man nochmal an die Welt denkt und an das Entdecken und Beschreiben und Erschließen von Welt,

605
01:03:57.940 --> 01:04:00.880
 kann man natürlich auch sagen, dass die Welt von Körpern, von Dingen,

606
01:04:01.400 --> 01:04:04.300
 aber eben auch von belebten Dingen bevölkert ist.

607
01:04:04.300 --> 01:04:05.860
 Von Dingen, die also nicht

608
01:04:05.860 --> 01:04:11.420
 ausschließlich aus Sprache gemacht sind, die erst in die Sprache überführt werden müssen. Und bei

609
01:04:11.420 --> 01:04:14.940
 dieser Überführung in die Sprache, bei den unterschiedlichen Verfahren, die die Autorinnen,

610
01:04:15.019 --> 01:04:19.900
 die wir jetzt erleben konnten in den letzten drei Tagen, dabei zur Hand haben und gebrauchen, geht

611
01:04:19.900 --> 01:04:26.980
 natürlich immer etwas verloren. Aber es ist damit, so meine ich, auch das Versprechen verbunden, etwas hinzuzugewinnen,

612
01:04:27.079 --> 01:04:33.059
 eine neue Perspektive darauf, was Sprache kann, darauf, was diese Körper in der Welt zu schaffen haben.

613
01:04:33.639 --> 01:04:39.139
 Und was damit auch noch angesprochen ist, und damit komme ich auf die beiden Lesenden noch mal kurz zu sprechen,

614
01:04:39.820 --> 01:04:43.199
 ist die Beziehung, die Körper mit anderen Körpern unterhalten.

615
01:04:43.699 --> 01:04:48.199
 Dass wir also nicht allein sind in der Welt, dass wir immer bezogen sind auf andere Menschen.

616
01:04:48.519 --> 01:04:56.000
 Und man kann vielleicht mit Blick auf Nina Thehmann und Andrea Winkler ergänzen, nicht nur auf andere Menschen, sondern auch auf andere nichtmenschliche Akteurinnen,

617
01:04:56.960 --> 01:05:05.019
 die ihre Rolle spielen in dieser Literatur auf jeweils eigene Weise, die auf unterschiedliche Weise inszeniert werden in diesen Texten.

618
01:05:05.519 --> 01:05:10.340
 Texte, die nicht zuletzt auch davon handeln, was es bedeutet, zu denken, zu schreiben,

619
01:05:10.519 --> 01:05:15.739
 was es bedeutet, auch im literarischen Zusammenhang zu denken und Gedanken zu verfertigen.

620
01:05:16.159 --> 01:05:23.139
 Und das Besondere daran ist, dass uns die beiden Autorinnen auf ihre eigene Art auch am Nachvollzug des Denkens Anteil nehmen lassen.

621
01:05:23.360 --> 01:05:26.280
 Soll heißen, wir können auch besser verstehen,

622
01:05:26.739 --> 01:05:32.420
 wie wir selbst zu unseren Gedanken gelangen und was diese Gedanken vielleicht auch mit anderen verbindet.

623
01:05:32.420 --> 01:05:38.699
 Es ist also auch eine Einladung, in Beziehung zu anderen zu treten durch die Lektüre ihrer Texte.

624
01:05:39.219 --> 01:05:51.300
 Bitte Nina Thiemann, vielen Dank.

625
01:05:57.780 --> 01:05:59.019
 Hallo, danke schön. Danke für die Einladung und auch für die Texte gerade schon im ersten Block.

626
01:06:05.579 --> 01:06:06.440
 Wie es natürlich auch immer so ist, wenn man weiß selber, dass danach die eigenen Texte gelesen werden, stellen sich schon ganz viele Querverbindungen her.

627
01:06:07.159 --> 01:06:11.960
 genau, deswegen freue ich

628
01:06:11.960 --> 01:06:13.679
 mich, dass ich da jetzt irgendwie mehr oder weniger

629
01:06:13.679 --> 01:06:32.059
 direkt anschließen kann. Nachmittag

630
01:06:32.059 --> 01:06:40.300
 Der Wind hat kein offenes Ohr, keinen Mund und ist windig.

631
01:06:42.019 --> 01:06:47.760
 Schlag meinen Blick nicht, schleife mein Dickicht, klaube die Gruben und schleiche den

632
01:06:47.760 --> 01:06:59.860
 Waldweg entlang. Immer friedlich. Der Kiebitz lugt im Geäst und fragt nie. Es stört nicht. Die

633
01:06:59.860 --> 01:07:06.519
 Dolden gondeln den Nachmittag ein, ganz fragloses Plappern, Zunge mit Überschlag.

634
01:07:07.300 --> 01:07:12.320
 Pappeln, pappeln, fragen die Dolden, goldener, süßer Duft.

635
01:07:14.139 --> 01:07:25.800
 Bloß so wie Überschlag liegen, den uralten Nachmittag über und üppige Luft, offener, schlummer Fangmund.

636
01:07:27.900 --> 01:07:29.800
 Dolden lindern Zungen.

637
01:07:32.019 --> 01:07:35.639
 Ich frage, wann endlich im Blütenkopf ich die eigene weiß.

638
01:07:37.699 --> 01:07:40.420
 Kiebitz lugt mit dem Nachmittagslicht.

639
01:07:42.159 --> 01:07:51.159
 Ich meine niemanden, ich blätter Dach, schimmern Reden Nachmittag, ganz ein Denken, das Goldener schließlich spät.

640
01:07:55.880 --> 01:07:57.199
 Große Schiffe

641
01:07:57.199 --> 01:08:02.059
 Einmal zähle ich zwölf Kaninchen am Kehl.

642
01:08:02.039 --> 01:08:03.039
 zähle ich zwölf Kaninchen am Kehl.

643
01:08:04.000 --> 01:08:04.460
 Mir auf der Ferse.

644
01:08:06.880 --> 01:08:07.039
 Lauf, lauf, dieser Ansporn am Kehl.

645
01:08:07.619 --> 01:08:08.239
 Kaninchen.

646
01:08:10.199 --> 01:08:11.360
 Unten große Schiffe.

647
01:08:13.800 --> 01:08:16.420
 Oben rasenwarmes Kissen.

648
01:08:17.539 --> 01:08:18.800
 Nachts das Plakat.

649
01:08:20.479 --> 01:08:21.100
 Mondlicht und Großdruck.

650
01:08:22.359 --> 01:08:23.359
 Riesen-Kaninchen.

651
01:08:24.560 --> 01:08:39.000
 Mit Rose im Maul. Dornen im Lauf, auf meiner Stirn Schweiß, Schweiß, Promenade im Fuß, also muss, also rennen, Meter lang rennen und Riesenkaninchen mit Rose am Rande, klatscht mit den Lippen.

652
01:08:47.399 --> 01:08:49.319
 Meine Bauchhaut, warmes Kissen, Plakat bei Nacht etc.

653
01:08:52.199 --> 01:08:54.199
 Zu meinen Füßen Versalien als rasende Mäuler.

654
01:08:59.720 --> 01:09:00.140
 Los, los, ziehen, treiben, Mut in den Beinen, Promenade im Fuß,

655
01:09:09.439 --> 01:09:10.680
 große Schiffe mit Rosen im Schnabel, mit Post, großgeschriebener Hase, was eigentlich Riesenkaninchen.

656
01:09:14.319 --> 01:09:15.739
 Kopfschütteln, Gras am Strand, Rosen in allen Mündern.

657
01:09:19.539 --> 01:09:20.800
 Zähle zwölf Schiffe am Hafen, riesig zu meinen Füßen.

658
01:09:38.039 --> 01:09:39.500
 Rosen im Munde, Rendumimose, Reusen im Mond und miese Norm und nie Sommer, Dorneisummen.

659
01:09:45.760 --> 01:09:52.399
 In meinem Nacken, so ist es, wieder, ich zähle, immer noch zwölf.

660
01:09:53.699 --> 01:09:56.159
 Tiere halten.

661
01:09:58.180 --> 01:09:59.819
 Kuhle als Schaukel.

662
01:10:02.159 --> 01:10:02.739
 Hände als Hohles.

663
01:10:12.420 --> 01:10:29.739
 Zu Trage oder Schaukel geformt zu c geformt einzelne hand daumen und zeigefinger zu geformt zu brunnen zu kuhle hohle kuhle halten einzeln geformte Trage, einzelnes O, einzelner kleiner geformter Stein zu C geformte

664
01:10:29.739 --> 01:10:53.939
 kleine Hand, Hände geformt als Schaukel. Hand, Hand, Hände als Trage zu Kuhle oder C geformt, beide geformt, mit Zeigefinger und Daumen Raum halten, O halten, Kuhle geformt, Kuhle beide Hände, O Tiere.

665
01:11:08.600 --> 01:11:08.840
 geformt halten, hohle Hände, zwei Hände als einzelne kleine Brunnen, einzelne Zeigefinger, Hand, Hand,

666
01:11:16.600 --> 01:11:25.319
 ausgehöhlte, schwingende Finger, Zeigefinger, Daumen und weitere Finger, eine Hand und Sand mit beidenchern beide, kleiner Stein zwischen Zeigefingern.

667
01:11:26.619 --> 01:11:33.560
 Ein Finger ist zu Kranz geformt, ein Arm ist zu Hand geformt,

668
01:11:34.020 --> 01:11:40.119
 ein Arm ist zu hohlem Stein geformt, beide Arme schwingen zwischen Daumen und Zeige,

669
01:11:40.479 --> 01:11:44.340
 beide Hände als Steingrube, als kleiner Bach.

670
01:11:50.500 --> 01:11:53.100
 beide Hände als Steingrube, als kleiner Bach. Zwei Eimer in einer Hand, zwei Hände, zwei Hände, das Tier ist eigen.

671
01:12:06.880 --> 01:12:10.880
 Der Sand der Donau.

672
01:12:12.239 --> 01:12:14.300
 Fasane.

673
01:12:16.460 --> 01:12:18.720
 Rehe im Pappellicht.

674
01:12:19.739 --> 01:12:20.739
 Haushohe Pappeln.

675
01:12:21.800 --> 01:12:23.800
 Rehe im Pappelhain.

676
01:12:26.199 --> 01:12:28.619
 Betrachte diesen Gedanken.

677
01:12:29.520 --> 01:12:31.020
 Rasende Sonne.

678
01:12:32.760 --> 01:12:34.739
 Schrittweises Hinausspazieren.

679
01:12:37.779 --> 01:12:39.159
 Betrachten, bis der Tag wirklich finstert.

680
01:12:41.779 --> 01:12:43.380
 Die Luft ist wirklich durchsichtig.

681
01:12:45.460 --> 01:12:46.979
 Keine Angst vor den Tieren.

682
01:12:48.979 --> 01:12:50.079
 Haus hoch fliegen Fasane.

683
01:12:52.420 --> 01:12:54.840
 Es sitzt ein Fasan auf dem Dach.

684
01:12:56.560 --> 01:12:58.520
 Sitzt mir ein Fasan auf der Brust?

685
01:12:59.119 --> 01:13:00.319
 Keine Angst.

686
01:13:01.560 --> 01:13:03.260
 Fasan im Hauslicht.

687
01:13:09.060 --> 01:13:10.479
 Meine rasende Brust im pappellosen Haus, die schrittweise Nacht.

688
01:13:19.699 --> 01:13:28.600
 Aber schlaf, aber schlaf, Reh auf der Hand im Handlicht, betrachte, betrachte. Ich lese noch ein Tiergedicht.

689
01:13:30.600 --> 01:13:32.899
 Obwohl es eigentlich...

690
01:13:32.899 --> 01:13:34.300
 Also die Tiere tauchen immer auf,

691
01:13:34.619 --> 01:13:38.020
 aber das heißt ja nicht auch,

692
01:13:38.079 --> 01:13:39.520
 dass es dann auch immer um die Tiere geht.

693
01:13:42.880 --> 01:13:44.159
 Fuchs auf Parkbank.

694
01:13:45.720 --> 01:13:48.819
 Rote Iris. Rot geschöpft.

695
01:13:50.100 --> 01:13:52.720
 Sitzt Zunge rot, leckt sich die Pfoten.

696
01:13:53.739 --> 01:13:57.720
 Sitzt auf Bank, Fuchs macht sich lang in Sonne.

697
01:13:59.579 --> 01:14:00.920
 Sonne schwindet.

698
01:14:02.199 --> 01:14:05.380
 Fuchs geht Parkweg hin und ab. Vor Sonne schwindet. Fuchs geht Parkweg hin und ab.

699
01:14:06.960 --> 01:14:09.340
 Vor Sonne schwindet Rot vom Fuchs.

700
01:14:12.699 --> 01:14:20.699
 Als nächstes, nachdem das jetzt alles eher so einzelne Gedichte waren, würde ich jetzt einen Zyklus lesen.

701
01:14:21.920 --> 01:14:31.180
 Und zwar heißt der so wie mein Buch, O Augen, eigene Oper. Genau, deswegen trinke ich jetzt noch schnell einen Schluck Wasser.

702
01:14:51.880 --> 01:15:07.619
 knallen. Prall und rot, dass meine Augen stocken. Meine Mundwinkel zucken, die Zunge. Wasser rinnt aus Geranien, aus ihren Töpfen. Rind an Hauses Außenseite. Geranien sind Zucht und Zier. In aller Augen stecken sie die sauberen Schnäbel.

703
01:15:09.119 --> 01:15:12.000
 Aller Augen recken sich ihnen zu.

704
01:15:14.239 --> 01:15:19.659
 Wasser rinnt aus Geranien, an Hauses Außenseite auf meine Zunge zu.

705
01:15:20.960 --> 01:15:22.340
 Die saugt alles auf.

706
01:15:23.739 --> 01:15:27.659
 Auch meine Zunge ist rot, ist maßlos wie Schwämme.

707
01:15:28.699 --> 01:15:35.819
 Sie streckt sich wie Gier nach der Welt. Verschluckst du dich, Zunge, flutet mein Mund.

708
01:15:37.399 --> 01:15:42.399
 Los, Mund, spuck aus. Rot prall an Hauses Augen.

709
01:15:42.439 --> 01:15:47.939
 Rot prall an Hauses Augen.

710
01:15:49.979 --> 01:15:51.100
 Und dann kommt sie doch durch.

711
01:15:52.079 --> 01:15:53.420
 Die Silbersonne.

712
01:15:55.800 --> 01:15:57.239
 Mit Drama, das an Oper erinnert.

713
01:15:59.300 --> 01:15:59.840
 In der Hauptrolle immer dieselbe Besetzung.

714
01:16:01.920 --> 01:16:02.859
 Boden, Himmel, ich mittendrin.

715
01:16:04.239 --> 01:16:05.100
 Irgendwas immer in meiner Hand.

716
01:16:06.920 --> 01:16:08.039
 Beispiel, bunte Perle.

717
01:16:09.840 --> 01:16:10.979
 Dürres, kränkliches Pflänzchen.

718
01:16:11.880 --> 01:16:13.119
 Die eigenen Augen.

719
01:16:14.199 --> 01:16:15.100
 Oh, dramatische Augen.

720
01:16:16.640 --> 01:16:17.119
 Meine rot-rosa Schauaugen.

721
01:16:18.520 --> 01:16:19.640
 Augen erinnern mich immer.

722
01:16:23.100 --> 01:16:24.720
 Oder hier, handgewaschene rot-rosa Kartoffel.

723
01:16:27.880 --> 01:16:29.180
 Man sagt ja, in einer Oper muss Ton an die Dinge.

724
01:16:30.760 --> 01:16:31.899
 Dann klingt das Spektakel.

725
01:16:34.039 --> 01:16:35.319
 Dann flattern die Bilder im Glaskasten los.

726
01:16:40.260 --> 01:16:54.479
 Schau, die Welt wächst jetzt heraus aus Gesichtern. Ich erinnere mich. Weich ist das Fell von Kaninchen. Ein Kaninchen ist klein.

727
01:16:56.619 --> 01:17:03.960
 Wann habe ich zuletzt ein Kaninchen gesehen? Das Kaninchen heißt wie der Gang, den es gräbt.

728
01:17:03.960 --> 01:17:05.460
 Das Kaninchen heißt wie der Gang, den es gräbt.

729
01:17:09.140 --> 01:17:10.899
 Wenn ich mich nähere, stürzen Kaninchen in ihre Löcher.

730
01:17:14.199 --> 01:17:15.699
 Entfernt man die Kaninchen daraus, bleibt ihr Bau zunächst hohl.

731
01:17:19.359 --> 01:17:21.140
 Kaninchenzucht wird als Liebhaberei bezeichnet.

732
01:17:23.380 --> 01:17:24.380
 Aus Liebhaberei bin ich übers Feld gerannt.

733
01:17:39.979 --> 01:17:46.659
 Der leere Kaninchenbau stürzte durch meinen Körper. Das heißt, ich erinnere mich. Das rohe Feld, das hohle Fell, der Vogel singt.

734
01:17:47.880 --> 01:17:49.979
 Die Zukunft lacht und glänzt am Bach.

735
01:17:51.399 --> 01:17:53.020
 Ich schüttle meine Schultern aus.

736
01:17:54.260 --> 01:17:55.180
 Die Kehle keucht.

737
01:17:56.119 --> 01:17:58.520
 Der Kelch ist halb gefüllt, halb hohn.

738
01:17:59.899 --> 01:18:00.760
 Was wird's?

739
01:18:02.180 --> 01:18:03.279
 Was heißt schon scheitern?

740
01:18:04.220 --> 01:18:08.000
 Dem einen Auge will ich trauen, das andere ist kurzsichtig.

741
01:18:09.300 --> 01:18:11.439
 Der Vogel glotzt mich seitlich an.

742
01:18:12.779 --> 01:18:14.920
 Und nun? Was wird's?

743
01:18:20.079 --> 01:18:22.699
 Erst einmal wird gewandert.

744
01:18:24.300 --> 01:18:33.659
 Es ist ein Anfang. Ein Schritt nach dem anderen fügt sich zu einem größeren Schritt und so weiter.

745
01:18:36.000 --> 01:18:47.020
 Ich tauche ins Feld. Es wirkt erst einmal gerade. Ich folge der Superspur, zwei eng beieinanderliegende, parallel laufende Linien.

746
01:18:48.760 --> 01:18:51.479
 Im Feld selbst tauchen Fragen auf.

747
01:18:52.680 --> 01:18:54.119
 Schluff, Sand oder Ton.

748
01:18:55.659 --> 01:18:57.020
 Verstehe eine Diode.

749
01:18:57.779 --> 01:18:59.979
 Verstehe eine das dröge, grüne Feld.

750
01:19:01.399 --> 01:19:02.460
 Es ist ein Anfang.

751
01:19:03.779 --> 01:19:09.520
 Frühzeitig Fragen stellen. Zwei eng beieinander liegende, parallel laufende Linien.

752
01:19:11.060 --> 01:19:16.520
 Ich durchquere das Feld aufs Neue. Ich folge der Superspur wie einer Umlaufbahn.

753
01:19:18.600 --> 01:19:22.899
 Das Feld sedimentiert an mich dran. Was also ist diese Zeit?

754
01:19:28.800 --> 01:19:29.039
 dran. Was also ist diese Zeit? Ich bestehe aus vielen Schichten, zwei eng beieinanderliegende,

755
01:19:45.220 --> 01:19:47.880
 parallel laufende, diese Anhaftung an das Feld. Es ist Die Frage, die sich mir stellt, ist mein Vektor.

756
01:19:49.500 --> 01:19:51.079
 Offensichtlich wächst er mit.

757
01:19:56.359 --> 01:19:58.579
 Meine Hände sind weicher als Seide,

758
01:20:00.220 --> 01:20:02.399
 weicher als das Fell eines Kalbs.

759
01:20:04.460 --> 01:20:06.739
 Der Winter war lang, aber ist jetzt vorbei.

760
01:20:08.239 --> 01:20:10.140
 Und nass liegt die Tüte im Schlamm.

761
01:20:12.340 --> 01:20:13.720
 Hier knie ich nieder.

762
01:20:15.659 --> 01:20:17.600
 Die Tüte ist schlammig und flach.

763
01:20:19.439 --> 01:20:21.220
 Sie hat wohl unterm Schnee gelegen.

764
01:20:23.100 --> 01:20:32.939
 Ich blase die Tüte auf und sie knistert. Frühling ist Wiege. Frühling ist bitter und süß.

765
01:20:34.640 --> 01:20:48.659
 Kälber und glänzende Sonne. Schnee. Ich legte die Hand drauf und er verschwand. An der Haustür streifen Gräser mein Bein. Sonne fällt auf die Fliesen wie

766
01:20:48.659 --> 01:21:05.579
 glänzender Fisch. Meine weiche Hand legt die Tüte darauf. Die Tüte knistert. Meine Hände lege ich singe ein Wiegenlied übers Telefon.

767
01:21:07.979 --> 01:21:09.840
 Ich zeig dir, wie es im Frühling schneit.

768
01:21:12.680 --> 01:21:20.140
 Der Fisch ist bitter, aber weich.

769
01:21:22.000 --> 01:21:29.380
 Von einem Fisch zum nächsten. Geht es jetzt mehr Richtung Fluss.

770
01:21:31.840 --> 01:21:34.140
 Ich wohne ja in Wien, auch an der Donau.

771
01:21:36.140 --> 01:21:40.579
 Zum Glück nah genug an der Donau, um sie fast täglich zu besuchen.

772
01:21:42.239 --> 01:21:45.359
 Aber in der Donau leben auch Fische,

773
01:21:46.239 --> 01:21:46.340
 was einerseits gut ist,

774
01:21:48.239 --> 01:21:48.279
 aber andererseits auch echt ein bisschen gruselig,

775
01:21:50.140 --> 01:21:53.140
 weil ich habe eigentlich ganz schön Angst vor Fischen.

776
01:21:54.159 --> 01:21:54.680
 Also genau.

777
01:21:55.680 --> 01:21:59.420
 Und die sind auch echt groß.

778
01:22:00.239 --> 01:22:00.680
 Riesiger Leib,

779
01:22:01.680 --> 01:22:04.539
 Fischleib, Fisch.

780
01:22:11.920 --> 01:22:13.420
 Der Leibfisch beschubbt, lauert zwischen tausend Blättern mir auf, schießt dann herum.

781
01:22:18.140 --> 01:22:19.220
 Riesiger Leib, Fisch, Leib, Fisch, sobald ich nur mit der Zehe ins Wasser tauche.

782
01:22:25.760 --> 01:22:33.939
 Kannst du nicht machen, Fische schauen halt, ich schaue halt auch, weil mich dann was durchjagt, das nicht der Fisch ist, aber so in der Art. Das kitzelt. Ich komme natürlich nicht los. Ich strecke noch meinen Finger hin.

783
01:22:35.659 --> 01:22:42.439
 Im entscheidenden Moment ziehe ich zurück. Ich feige Sau mal wieder, war so nah dran am Maul.

784
01:22:51.159 --> 01:22:51.279
 wieder, war so nah dran am Maul. Angler mit kapitalen Exemplaren, Störe, Karpfen, Wälse,

785
01:22:58.460 --> 01:23:00.079
 alle selten geworden, werden aus Abflussrohren geborgen. Jemand zieht Plastik aus ihren Rachen.

786
01:23:05.680 --> 01:23:07.420
 Und ich, als mini hilflose Schwimmerin, dümpel auf der Oberfläche vom Fluss.

787
01:23:09.220 --> 01:23:10.699
 Bewege mich flacher, als ich dachte.

788
01:23:14.100 --> 01:23:14.600
 Ich will mich im Wasser nicht spiegeln, verdammt, will liegen am Steg,

789
01:23:17.840 --> 01:23:19.840
 mit Abstand kleinen Sterlets beim Zuckeln zusehen.

790
01:23:23.260 --> 01:23:24.579
 Im Nationalpark stehe ich vor dem Flussschaufenster an.

791
01:23:29.140 --> 01:23:32.500
 Egal, was die Kinder jetzt sagen, drückt dort meine Lippen ans Glas.

792
01:23:36.039 --> 01:23:37.100
 Nationalpark Donauauen, Schlossinsel Ort.

793
01:23:39.680 --> 01:23:40.060
 Das ist auf jeden Fall ein Ort, der sich zu besuchen lohnt, wer noch nicht da war.

794
01:23:44.680 --> 01:23:45.500
 Es gibt das Flussschaufenster, man kann in den Altarm reingucken und man sieht da wirklich die Fische vorbeiziehen.

795
01:23:46.460 --> 01:23:47.039
 Man kann da Stunden stehen.

796
01:23:52.579 --> 01:23:54.039
 Also es gibt sogar ein, zwei Störe, ausgeliehen von dem Schiff Lifeboat for Sturgeon,

797
01:24:00.500 --> 01:24:01.000
 wo gerade erfolgreich der Sternhausen wieder, naja, also er hat sich vermehrt.

798
01:24:06.300 --> 01:24:07.180
 Man kann nicht wirklich sagen, das ist künstliche Befruchtung.

799
01:24:15.659 --> 01:24:16.420
 Schwemmfeld.

800
01:24:19.399 --> 01:24:20.140
 Flach

801
01:24:20.140 --> 01:24:21.319
 ist das Land.

802
01:24:22.880 --> 01:24:24.020
 Es graben die Würmer

803
01:24:24.020 --> 01:24:31.640
 darin. Dünn wie Tuch liegt das land wie tuch das ich malte mit

804
01:24:31.640 --> 01:24:47.979
 sonne und mond sagte mein tuch nun vor den pupillen das schwemmfeld daran knabenkraut sprießt Darin Knabenkraut steht wie aus Glas

805
01:24:47.979 --> 01:24:50.560
 Als knirschte, als klirrte es

806
01:24:50.560 --> 01:24:53.380
 Ginge ich über die Wiesen

807
01:24:53.380 --> 01:24:58.560
 Krumen legen

808
01:24:58.560 --> 01:25:01.319
 Krumen folgen

809
01:25:01.319 --> 01:25:06.180
 Schwungvolle Sprünge von Chrome zu Chrome.

810
01:25:08.000 --> 01:25:12.920
 Tauben fliegen auf, lassen sich einige Meter weiter wieder nieder.

811
01:25:12.920 --> 01:25:16.920
 Von Chrome zu Chrome.

812
01:25:18.579 --> 01:25:20.520
 Im Augenwinkel immer Iris.

813
01:25:21.819 --> 01:25:23.399
 Iris wie Schimmer.

814
01:25:35.579 --> 01:25:36.460
 Das Gewässer liegt flach auf der Hand. Zwei Enten tapsen synchron so vor mir her.

815
01:25:43.300 --> 01:25:45.739
 Eindeutig Enten. Ich tapse nach und nach und nach. Und nach.

816
01:25:46.880 --> 01:25:47.600
 So, so.

817
01:25:50.779 --> 01:25:51.699
 Meine Zunge, hinter Enten, in die Schwämme geritten,

818
01:25:54.920 --> 01:25:56.100
 hat ordentlich zugelangt, aufgesaugt.

819
01:25:58.859 --> 01:26:00.279
 So sitzt sie nun, satt, in der Höhle.

820
01:26:04.399 --> 01:26:16.380
 Ungelenke Zunge, so aufgedunsener Muskel, lallt ganz augenscheinlich wie Schnecke, heftet sich fest oder schiebt sich davon.

821
01:26:24.840 --> 01:26:25.359
 schiebt sich, kriecht, einfüßig übers Feld,

822
01:26:27.220 --> 01:26:27.619
 rollt ihren Schleimteppich aus,

823
01:26:28.699 --> 01:26:29.979
 schlack, schlack, schlack,

824
01:26:33.000 --> 01:26:33.939
 so sich den Weg bereiten,

825
01:26:38.960 --> 01:26:42.239
 sich vorbereiten, mal kleben, mal gleiten, mal schlendern, schlack, schlack,

826
01:26:43.319 --> 01:26:44.520
 so auffindbar sein.

827
01:26:48.100 --> 01:26:55.359
 Glitsch, Glitsch, klatsch, auch eine Weichtierzunge kann mit kräftigem Fuß rühren im Schlamm,

828
01:26:55.359 --> 01:27:02.859
 kann wühlen im Lehm, liegen gebliebenes Wenden, alles kräftig zerren umher,

829
01:27:03.859 --> 01:27:10.239
 bis es noch leicht umspült mit frischen augen schaut

830
01:27:12.180 --> 01:27:20.840
 schwert lilien hier wieder vorfinden schwert lilien im augenwinkel wie

831
01:27:20.840 --> 01:27:29.420
 schimmer wie schwert das sich zücken lässt zücken schwungvoll sein tauben fliegen auf lassen

832
01:27:29.420 --> 01:27:50.500
 sich einige meter weiter wieder nieder flach ist das wasser es gründeln die karpfen darin, dünn wie Tuch liegt das Wasser auf Land. Stehen Lilien, kleines Knabenkraut auf

833
01:27:50.500 --> 01:28:09.760
 den hinteren Wiesen, jede Blüte ähnelt einer zur Faust geschlossenen Hand. Ich zähle sie an Ziehe meine riesigen Füße durchs Flache, durchs Wasser, durch Arme, Adern.

834
01:28:10.960 --> 01:28:16.680
 Es gibt den Flusslauf, daneben stehen oder inmitten.

835
01:28:18.500 --> 01:28:22.239
 Rückenflossen ziehen sich durch, ich schrecke auf.

836
01:28:31.159 --> 01:28:50.020
 durch ich schrecke auf karpfen gleiten vorwärts trauen sich auf mich zu wie ich mich ihnen entgegen ich nehme mein tuch von den augen trage knabenkraut scherben im fußwerk halte Fußwerk. Halte gefunden eine Hohlform für Muskelrückzug zwischen den Fingern, meinen

837
01:28:50.020 --> 01:28:58.500
 Fingern, habe sie mir aufgezählt. Auf Silberpappeln weht der Lauthals Kuckuck.

838
01:29:06.960 --> 01:29:10.960
 Und jetzt noch ein Abschlussgedicht.

839
01:29:17.319 --> 01:29:21.619
 Ich habe das geschrieben, da habe ich gerade mein Lieblingsbuch gelesen und zwar ist das Brüt oder die Seufz in den Gärten von Friederike Mayröcker

840
01:29:21.619 --> 01:29:25.720
 und ich dachte, es passt doch ganz gut, weil Andrea, die dann nachher lesen wird, ein Buch über Friederike Mayröcker. Und ich dachte, es passt doch ganz gut, weil Andrea, die dann nachher lesen wird,

841
01:29:26.119 --> 01:29:28.680
 ein Buch über Friederike Mayröcker geschrieben hat.

842
01:29:29.859 --> 01:29:31.560
 Beziehungsweise, also ich möchte es noch lesen,

843
01:29:31.619 --> 01:29:33.520
 ich habe es noch nicht gelesen, aber I will.

844
01:29:33.520 --> 01:29:37.539
 Und genau, das Gedicht heißt

845
01:29:37.539 --> 01:29:41.100
 Organ of Unknown Origin.

846
01:29:46.739 --> 01:29:53.340
 Aus Träumen von Wasser erwacht, von Ufer, Formen der Kiesel am Rand.

847
01:29:53.939 --> 01:29:57.300
 Formen der Kiesel, schreibe ich, herübergerettet.

848
01:29:58.359 --> 01:30:03.699
 Das meiste hält ja den Tag nicht stand, aber Schwappen des Wassers ans Ufer,

849
01:30:04.399 --> 01:30:06.100
 herübergerettet hält stand.

850
01:30:09.039 --> 01:30:16.699
 Kiesel in Form von Organ auf den Tisch gerettet, handliches Unkenherz unter den Blättern,

851
01:30:17.239 --> 01:30:23.000
 schreibe, legte ich, starres Unkenorgan in dein Handschiff, es wöge sehr schwer.

852
01:30:28.859 --> 01:30:29.239
 Unkenorgan in dein Handschiff, es wöge sehr schwer. Lasse fallen, Stifte, Zettel, bin geschüttelt,

853
01:30:37.300 --> 01:30:40.760
 dass Schuppen niederrieseln. So schüttle ich mir alles vom Kopf, da ist alles schon aufgelöst.

854
01:30:49.180 --> 01:30:56.020
 Kastaniendonner im Park, riesige Kronen aufgetürmt, frappierender Donner und süßer Lindenstrom in enger Gasse und diese laute Jahreszeit Frühling, quellende Jahreszeit Frühling, mich beinahe überwuchernd.

855
01:30:58.079 --> 01:31:02.859
 Auch bei ungebundenen Zaubersprüchen kommt es auf den genauen Wortlaut an.

856
01:31:04.479 --> 01:31:08.680
 Wind gegen Gegenwind, Zerreißprobe Frühling.

857
01:31:10.520 --> 01:31:14.180
 Am Kastanienufer wallend, schäumend, schreibe ich dir,

858
01:31:14.859 --> 01:31:17.760
 alles fehlt, es ist alles da.

859
01:31:19.199 --> 01:31:54.279
 Dankeschön. Thank you. Guten Abend.

860
01:31:54.979 --> 01:31:59.739
 Ich werde einen Text, eine kurze Erzählung aus meinem Buch

861
01:31:59.739 --> 01:32:03.920
 mitten im Tag lesen, das im letzten Jahr erschienen ist.

862
01:32:06.300 --> 01:32:12.500
 Und dieser Text heißt, ja, höre ich mich sagen, ja.

863
01:32:15.159 --> 01:32:20.920
 Spät in der Nacht wird jemand die Stühle umdrehen und auf die Tische heben

864
01:32:20.920 --> 01:32:27.119
 und in der Früh, bevor die Gäste kommen, den Vogelbauer mit dem Papagei darin in

865
01:32:27.119 --> 01:32:34.720
 den Garten tragen und unter einen Ahornbaum stellen. Der Wind wird mühelos durch die Spalten

866
01:32:34.720 --> 01:32:41.619
 zwischen den Gitterstäben dringen und der Vogel mich mit einem Wort wecken, das die ganze Zeit

867
01:32:41.619 --> 01:32:49.800
 über seine Fremdheit behält. Ich werde es, um mich damit anzufreunden, leise wiederholen,

868
01:32:50.260 --> 01:32:57.119
 wenn ich in einem Park in der Nähe des Hotels auf einen Vogelkäfig von der Größe eines Schuppens stoße

869
01:32:57.119 --> 01:33:02.079
 und die Futtertröge von Getreidekörnern überquellen sehe.

870
01:33:08.500 --> 01:33:09.199
 Kleidekörnern überquellen sehe. Kleine Familien sitzen davor auf ihren ausgebreiteten Decken,

871
01:33:15.199 --> 01:33:15.760
 ganz in die Betrachtung der Flügelschläge und der kräftigen Farben der Federn versunken,

872
01:33:25.319 --> 01:33:32.979
 die auf dem Boden liegen. Schön wäre es, wenn in der Nähe jemand wie auf einem alten Gemälde auf seinen Fersen säße und einer im Halbkreis um ihn gescharrten Runde aus Zuhörern eine Geschichte vortrüge,

873
01:33:32.979 --> 01:33:39.600
 die immer noch bedeutsam ist und keinerlei Missmut, sondern nur Staunen weckt.

874
01:33:42.079 --> 01:33:51.060
 Tücher, die sich ausschließlich zum Schutz vor der hier überaus mächtigen Sonne wie Turbane um die Köpfe der hörenden Winden,

875
01:33:51.619 --> 01:34:00.199
 gefielen mir auch, und eine Nachmittagsstille, die sich vom Park aus über die breiten Gehsteige und Straßen legt,

876
01:34:00.199 --> 01:34:05.500
 über die heute an einem Feiertag kaum ein Fahrzeug rollt.

877
01:34:07.300 --> 01:34:10.539
 Tatsächlich sitzt irgendwo auf einer Bank ein Mann,

878
01:34:11.079 --> 01:34:17.800
 der sich den Rauch der Zigarette seines Nachbarn ins Gesicht steigen lässt.

879
01:34:19.439 --> 01:34:25.760
 Wartet er auf gar nichts, nicht einmal darauf, dass sein Nachbar aufsteht,

880
01:34:25.760 --> 01:34:32.760
 sich vor einen der Vogelkäfige stellt und einen langen Schrei ausstößt,

881
01:34:33.560 --> 01:34:40.380
 einen durchdringenden und anhaltenden Schrei, das alles im Park in Aufruhr gerät.

882
01:34:43.039 --> 01:34:54.079
 Das Wasser in den Springbrunnen rieselt langsam vor sich hin und Mütter, Väter und Kinder sitzen auf ihren Rändern und bewegen sich kaum.

883
01:34:55.100 --> 01:35:05.020
 Und hoch über ihren Köpfen kreist ein Hubschrauber, ganz so, als wäre er dem Gebirgszug entschlüpft, der die Stadt im Norden beschattet.

884
01:35:06.960 --> 01:35:09.920
 Was spricht dagegen, in einem Bus zu springen,

885
01:35:10.319 --> 01:35:14.359
 eine wüstenähnliche Gegend entlang in die nächste Stadt zu fahren

886
01:35:14.359 --> 01:35:20.520
 und mich an Verse zu erinnern, in denen alte Dichter, die zugleich Tänzer waren,

887
01:35:20.520 --> 01:35:28.859
 es für möglich hielten, auch angesichts solchen Drönens und derart verabsäumter Schreie,

888
01:35:29.520 --> 01:35:39.779
 leichter als der Windhauch zu werden? Nichts, was die beiden Reisenden dort vor der Holzliege

889
01:35:39.779 --> 01:35:48.699
 daran hinderte, ihre Teppiche auszurollen, sich in stummen Gebärden zuerst aufzurichten und dann

890
01:35:48.699 --> 01:35:57.560
 zu Boden zu strecken und nichts, was mich davon abhielte, aus dem Fenster auf eine Hügelkette

891
01:35:57.560 --> 01:36:09.140
 aus Sand, Staub und wieder Sand zu blicken und einen Himmel, der sich mit so sanftmütiger Deutlichkeit abhebt,

892
01:36:09.520 --> 01:36:25.920
 dass man singen möchte. Aber da halten wir schon vor einem Paradiesgarten, den ein König aus alten zur Ermutigung fröhlichen Wandels anlegen ließ.

893
01:36:27.779 --> 01:36:29.000
 Stiller, ihr Hubschrauber!

894
01:36:32.279 --> 01:36:36.600
 Wie soll einer bei diesem endlosen Kreisen die sieben Jahrhunderte alte Geschichte von den Vögeln vernehmen,

895
01:36:37.319 --> 01:36:41.560
 die beschließen, eine weite und unsichere Reise anzutreten

896
01:36:41.560 --> 01:36:47.939
 und nicht eher zu ruhen, als bis sie finden, wonach sie suchen, wenn sie auch nur

897
01:36:47.939 --> 01:36:57.520
 ungefähr wissen, was das sein soll und welchen Gefahren sie zustimmen müssen. Sogar der, einen

898
01:36:57.520 --> 01:37:08.399
 Gefährten nach dem anderen klaglos an ein überaus jämmerliches Ziel zu verlieren und ihm dabei keine Sekunde hinterher zu blicken.

899
01:37:10.340 --> 01:37:19.340
 Und der, in wüsten Bildern in die Irre zu gehen und die Stimme, die zu einem spricht, nicht mehr wiederzuerkennen.

900
01:37:28.699 --> 01:37:34.359
 Wie komisch, angesichts dessen hier im Innern der Mauern vor dem großen an die Wand gemalten Blutfleck zu stehen, der an grausamen, sinnlosen Totschlag erinnern will.

901
01:37:34.359 --> 01:37:43.020
 So schnell gehen die Tage zu Ende, dass man vollständig vergessen könnte, wofür es

902
01:37:43.020 --> 01:37:49.920
 sich lohnt, müde zu werden. Trotzdem werden wir Reisende

903
01:37:49.920 --> 01:38:09.199
 zusammen auf einer Matte sitzen, Brot, Reis und gebratenes Gemüse essen und Wasser und Tee trinken und hören, wie jemand sagt, es sei leicht, den Gruß eines

904
01:38:09.199 --> 01:38:25.199
 Menschen zu erwidern, der auf der Schwelle zu einer Landschaft steht, die nichts Geringeres zu fordern auszuharren, bis ein Gast kommt.

905
01:38:27.119 --> 01:38:28.760
 Ob das wahr ist?

906
01:38:33.199 --> 01:38:36.899
 So oder anders werde ich mich auf der schier unendlichen Straße nicht nach der schon leeren Schwelle umdrehen,

907
01:38:37.560 --> 01:38:41.199
 sondern lieber im Schlaf die Berge in der Ferne schmelzen

908
01:38:41.199 --> 01:38:43.800
 und einen Fluss bilden sehen,

909
01:38:44.539 --> 01:38:48.079
 der mit so vielen Köpfen von Blumen übersät ist,

910
01:38:48.840 --> 01:38:56.600
 dass ich ihn für einen Teppich hielte, wenn nicht meine Füße entschieden stromaufwärts warteten.

911
01:38:59.079 --> 01:39:06.600
 Aber da hebt mich jemand von hinten in die Höhe und legt mich der Länge nach ins Wasser, auf das ich Strom

912
01:39:06.600 --> 01:39:15.640
 abwärts treibe. Warum nicht auf solche Weise durch fremdes Land gleiten und still stehen auf

913
01:39:15.640 --> 01:39:25.000
 einem Platz, der so groß ist, dass es, selbst wenn dies hier erlaubt und einem sehr danach zumute wäre,

914
01:39:30.979 --> 01:39:32.600
 keinen Sinn ergebe, laut nach etwas zu rufen, das man verloren hat?

915
01:39:34.699 --> 01:39:36.800
 Mag es verloren gehen hier?

916
01:39:42.220 --> 01:39:47.579
 Menschen strömen in Scharen aus allen Richtungen und Gotteshäusern und feiern, obwohl es Nacht ist, ein Fest, zu dem geladen ist, wer

917
01:39:47.579 --> 01:39:55.600
 gerade vorbeikommt, was allerdings dem nicht möglich ist, der ganz in der Nähe in seinem

918
01:39:55.600 --> 01:40:09.439
 Wohnzimmer sitzt, weil er von Gesetzes wegen das Haus nicht mehr verlassen darf. Er kniet auf einem Teppich und klebt mit einem Band ein Rechteck

919
01:40:09.439 --> 01:40:17.659
 darauf, als wollte er damit das Zimmer bezeichnen, in dem die Geschichte spielt, die er erzählen muss,

920
01:40:18.159 --> 01:40:27.560
 weil nichts geblieben ist, was er sonst mit ihr tun kann. Sie handelt von einem Buben, der mit angezogenen Knien

921
01:40:27.560 --> 01:40:29.840
 auf das Läuten des Telefons wartet,

922
01:40:30.859 --> 01:40:34.439
 während eine alte Frau, die im selben Haus wohnt,

923
01:40:34.680 --> 01:40:36.720
 mühsam die Treppe hinaufsteigt.

924
01:40:38.800 --> 01:40:43.520
 Gut möglich, dass er selten Gelegenheit hat,

925
01:40:43.939 --> 01:40:47.039
 das Mädchen zu treffen, auf dessen Anruf er wartet,

926
01:40:47.920 --> 01:40:53.500
 ebenso wie die alte Frau selten Gelegenheit hat, allein hinauszugehen.

927
01:40:55.619 --> 01:41:03.060
 Von draußen ist Lärm zu hören, Rufe, das Stimmengewirr einer großen Menge von Menschen

928
01:41:03.060 --> 01:41:06.979
 und das Alarmsignal eines Polizeiautos.

929
01:41:08.779 --> 01:41:15.720
 Der Mann, der die Geschichte erzählen muss, zieht aus seiner Hosentasche sein Telefon

930
01:41:15.720 --> 01:41:19.640
 und bleibt vor den Klebestreifen auf dem Teppich stehen,

931
01:41:19.640 --> 01:41:25.979
 wie um die Geschichte, die innerhalb des Rechtecks spielt, zu schützen.

932
01:41:29.079 --> 01:41:33.659
 Das hier aber höre ich jemanden laut neben mir sagen,

933
01:41:34.220 --> 01:41:39.239
 während er auf Menschen deutet, die zwischen erleuchteten Torbögen sitzen

934
01:41:39.239 --> 01:41:44.899
 und auf den Fluss schauen, sei wirkliches, richtiges Leben.

935
01:41:50.699 --> 01:41:51.300
 den Fluss schauen, sei wirkliches, richtiges Leben. Das will ich mir merken, unbedingt merken,

936
01:41:58.159 --> 01:42:09.420
 zumal von da, wo ich sitze und in die Nacht schaue, der Mond den Laternen, die als eine Reihe von Kugeln ein wenig unter ihm hängen, zum Verwechseln ähnlich sieht. Was wird geschehen, wenn uns das Unterscheiden

937
01:42:09.420 --> 01:42:20.220
 abhanden kommt und wir zu leblosen Dingen wie zu lange Ersehntem sprechen? Hier in der Nähe

938
01:42:20.220 --> 01:42:27.960
 rinnen Ströme von Wasser unter der Brücke durch Und bei Tag sammeln sich am Ufer ein paar Menschen

939
01:42:27.960 --> 01:42:32.500
 und tun, was sie von Gesetzeswegen unterlassen sollten.

940
01:42:34.159 --> 01:42:37.899
 Sie steigen in den Fluss samt ihren Socken und Schuhen,

941
01:42:38.739 --> 01:42:41.380
 bleiben dann lange wie angewurzelt stehen,

942
01:42:42.159 --> 01:42:44.619
 senken den Kopf und schauen ins Wasser,

943
01:42:44.619 --> 01:42:47.939
 als erwiderte darin etwas den Blick

944
01:42:47.939 --> 01:42:58.140
 und schaute mit solcher Kraft zurück, dass alles zu zittern beginnt, sogar die Brücke, die seit Jahrhunderten hier steht,

945
01:42:58.819 --> 01:43:06.760
 mit ihren Torbögen und langen Gängen und der Einladung zu stillem Übergang von hier nach da.

946
01:43:08.939 --> 01:43:11.680
 So könnte ich ewig sitzen.

947
01:43:13.560 --> 01:43:17.680
 Aber irgendwann wird mich das Klopfen an der Tür unterbrechen.

948
01:43:19.300 --> 01:43:22.920
 Eine Frau bringt mir mein Hemd aus der Hotelwäsche zurück

949
01:43:22.920 --> 01:43:27.699
 und bedeutet mir, dass unten im Garten jemand auf

950
01:43:27.699 --> 01:43:37.159
 mich warte, jemand, der etwas Wichtiges von mir wissen wolle. Wir werden zusammen in den Park gehen,

951
01:43:37.359 --> 01:43:48.859
 vor dem großen Vogelkäfig sitzen und beobachten, wie drei bis vier Flügelschläge reichen, um darin von einem zum anderen Ende zu kommen.

952
01:43:50.680 --> 01:43:59.520
 Ein knorriger Ast streckt sich zwischen den Bambusstäben heraus, als wäre solche Bitte unbestreitbare Pflicht.

953
01:43:59.520 --> 01:44:12.699
 Und in das ferne Dröhnen des Hubschraubers mischt sich die Stimme eines Marktschreiers, der immer und immer denselben Gegenstand anpreist.

954
01:44:15.800 --> 01:44:24.000
 Mein Begleiter bittet mich, über nichts zu sprechen, worüber er hier mit Reisenden immer sprechen müsse.

955
01:44:24.020 --> 01:44:25.020
 worüber er hier mit Reisenden immer sprechen müsse.

956
01:44:30.239 --> 01:44:30.880
 Weder über perfide Gesetze, noch Menschen, die Hausarrest bekommen,

957
01:44:35.100 --> 01:44:37.500
 noch über zerschlagene Aufstände oder das Gefängnis.

958
01:44:41.859 --> 01:44:42.420
 Ich nicke und folge ihm auf einen abgelegenen Pfad,

959
01:44:47.880 --> 01:44:56.380
 der sich eng zwischen Marktständen hinaufwindet, ganz im Schatten liegt und von allen Seiten vom Wasser eines nahen Sturzbaches bestäubt wird. Es riecht nach

960
01:44:56.380 --> 01:45:05.760
 Zuckerwatte und Kinder stehen am Rand und halten eine Handvoll Mandeln in ihren Händen.

961
01:45:09.239 --> 01:45:13.079
 Immer weiter scheint sich die Stadt zu entfernen und im Nebel des rauschenden Verkehrs zu verschwinden.

962
01:45:15.119 --> 01:45:19.659
 Wir setzen uns auf eine mit bunten Teppichen belegte Liege

963
01:45:19.659 --> 01:45:22.340
 und lauschen dumpfen Geräuschen,

964
01:45:22.340 --> 01:45:26.739
 die sich aus der Stille herausheben, ohne bestimmbar zu sein.

965
01:45:28.439 --> 01:45:37.100
 Mein Begleiter fragt mich, ob es etwas in meinem Leben gäbe, worauf es mir immer noch ankomme

966
01:45:37.100 --> 01:45:46.800
 und ob ich für den Fall, dass es mir auch darauf nicht mehr ankomme, eine Alternative zu sämtlichen Fragen,

967
01:45:47.279 --> 01:45:50.560
 die in solche Richtung zielten, gefunden hätte.

968
01:45:53.300 --> 01:45:58.979
 Ein Blatt streift mich, das von nirgendwo sonst zu mir herschweben kann,

969
01:45:59.460 --> 01:46:07.560
 als aus dem Gemälde, auf dem jemand auf seinen Fersen sitzt und anderen, die im Halbkreis um ihn gruppiert

970
01:46:07.560 --> 01:46:15.939
 sind, aus einem Buch vorliest, einem sehr alten Buch, während es sich der Wind nicht nehmen lässt,

971
01:46:15.939 --> 01:46:51.220
 durch die Äste des Baums zu streichen. Ich höre die Schritte der alten Frau, die sich das Stiegenhaus hinaufschleppt, während der Bub in der Wohnung nebenan auf das Läuten des Telefons wartet und die Stimme des Mannes, der die Grundrisse dieser Geschichte mit Hilfe eines Klebebandes auf den Teppich skizziert, weil es weiter nichts gibt, was er damit tun darf. Ja, werde ich sagen, ja,

972
01:46:52.060 --> 01:47:05.899
 und dass ich ihm, wenn ich wieder zu Hause wäre, einen Brief schreiben würde. Dann werden wir lange gar nichts mehr sprechen.

973
01:47:13.800 --> 01:47:19.779
 Lieber, es muss einmal jemand die ganze Nacht draußen gesessen sein und zwischen den Mauern den Anblick des dunklen und weiten Himmels gesucht haben.

974
01:47:20.800 --> 01:47:34.720
 Denn auf der Fotografie vor mir steht ganz in der Nähe des Ahornbaums ein einziger Sessel mit seinen beiden Beinen fest auf der Erde, wohingegen alle anderen zum Himmel schauen.

975
01:47:47.060 --> 01:47:55.279
 Hinsichterei hinaustragen, auf das er seine Hotelgäste mit einem Wort wecke, das sie in seiner Fremdheit von hier fort in den Park lockt, wobei passender und unpassender Gelegenheit alle, die

976
01:47:55.279 --> 01:48:09.380
 hier sind, gleichzeitig samt ihren Kleidern in die vielen Springbrunnen fallen und einander mit Bächen von Wasser übergießen. Einmal werden es mehr als

977
01:48:09.380 --> 01:48:18.199
 die Hälfte aller sein, die es einfach tun. Ich habe nebenbei bemerkt, tatsächlich einen leisen

978
01:48:18.199 --> 01:48:27.760
 Schrei ausgestoßen. Außerdem kam es mir in den Sinn, ein paar Gedichte, die ich auf meiner Reise aufgesammelt habe,

979
01:48:28.479 --> 01:48:30.479
 wieder und wieder abzuschreiben.

980
01:48:32.460 --> 01:48:37.920
 Wenn ich außer Haus gehe, bleibe ich manchmal mitten im Getriebe stehen

981
01:48:37.920 --> 01:48:43.000
 und versuche mir den Sand und die Hügel der Wüste vorzustellen,

982
01:48:47.619 --> 01:48:53.479
 Sand und die Hügel der Wüste vorzustellen, die fernen Berge und jemanden, der sich vom steten Dröhnen der Hubschrauber über dem paradiesischen Garten nicht beirren lässt,

983
01:48:53.479 --> 01:49:06.619
 das Wenige, was er tun kann, zu tun. Und sei es, zwischen engen Mauern einen einzigen Sessel verkehrt auf den Tisch zu stellen.

984
01:49:08.619 --> 01:49:10.460
 Dankeschön.

985
01:49:28.779 --> 01:49:29.520
 Vielen Dank, Nina Thehmann und Andrea Winkler.

986
01:49:32.760 --> 01:49:33.220
 Das Buch Mitten im Tag, aus dem Andrea Winkler gelesen hat,

987
01:49:38.119 --> 01:49:38.340
 ist im Übrigen im Vorjahr auf der Longlist, auf der Shortlist,

988
01:49:41.560 --> 01:49:47.239
 auf der Longlist zum österreichischen Buchpreis gestanden. Und das ist alles andere als üblich für diese Form von Literatur,

989
01:49:47.380 --> 01:49:52.159
 für avantgardistische Literatur, also was ganz Herausragendes und falls das noch nicht bei Ihnen im Bücherregal steht,

990
01:49:52.159 --> 01:50:02.359
 dann sollten Sie das ändern. Das war der Vorsommer, das war das Ende dieser drei Tage zur avantgardistischen Literatur.

991
01:50:02.560 --> 01:50:05.500
 Es ist aber auch in der Tat das Ende des Vorsommers,

992
01:50:05.560 --> 01:50:07.779
 denn am 21.09. haben wir Sommerbeginn.

993
01:50:09.279 --> 01:50:12.720
 Und ich bedanke mich bei allen Autorinnen und Autoren.

994
01:50:13.899 --> 01:50:15.800
 21.09., Verzeihung.

995
01:50:16.220 --> 01:50:18.640
 Am 21.06. natürlich, danke Ihnen.

996
01:50:19.659 --> 01:50:21.619
 Ich bedanke mich bei allen Autorinnen und Autoren,

997
01:50:21.680 --> 01:50:24.979
 die mitgewirkt haben, ganz besonders bei unseren heutigen Gästen

998
01:50:24.979 --> 01:50:39.979
 Sarah Rinderer, Robert Steher, Nina Thehmann und Andrea Winkler. Und vor allen Dingen bedanke ich mich beim Kurator unseres Festivals, Florian Huber. Und ich darf jetzt schon versichern, dass es eine Wiederauflage geben wird.

999
01:50:46.079 --> 01:50:53.539
 Bleiben Sie noch hier, genießen Sie die Zeit im Stifterhaus, kommen Sie ins Gespräch, werfen Sie einen Blick auf den Büchertisch und kommen Sie bald wieder, am besten zur letzten Veranstaltung, die hier im Haus noch stattfindet vor der Sommerpause,

1000
01:50:53.539 --> 01:50:59.760
 ein Gespräch zwischen Michael Kerbler und Josef Haslinger am 25. Juni.

1001
01:51:00.260 --> 00:00:00.000
 Vielen Dank.

