WEBVTT

0
00:00:00.000 --> 00:00:16.000
 Applaus

1
00:00:16.000 --> 00:00:47.719
 Dankeschön. Dankeschön. Gäste, wenn man mit hochkarätigen Musikern die Bühne betritt, rauscht sofort Applaus.

2
00:00:47.859 --> 00:00:48.579
 Vor allem pünktlich.

3
00:00:48.820 --> 00:00:49.759
 Das ist sehr schön.

4
00:00:51.039 --> 00:00:56.280
 Geschätzte Damen und Herren, ich begrüße Sie sehr herzlich zum heutigen Kepler-Salon Extra.

5
00:00:57.359 --> 00:01:04.920
 An einem Mittwoch und mit extra viel Publikum, würde ich einmal gleich vorausschicken.

6
00:01:04.920 --> 00:01:05.439
 Ich begrüße auch die geschätzten Damen und Herren, die uns via Livestream hier begleiten. Und mit extra viel Publikum würde ich einmal gleich vorausschicken.

7
00:01:09.959 --> 00:01:18.420
 Ich begrüße auch die geschätzten Damen und Herren, die uns via Livestream hier begleiten. Der Untertitel des heutigen Abends lautet der Beethoven-Zyklus des Bruckner Orchester Linz und Brucknerhaus Linz.

8
00:01:26.700 --> 00:01:27.459
 Chorlektittel ist die wohl berühmteste kurz gefasste Signatur der klassischen Musik,

9
00:01:33.980 --> 00:01:34.819
 die lautmalerisch gefasste Form des Themas von Beethovens Fünfter Symphonie.

10
00:01:40.700 --> 00:01:41.420
 Geschätzte Damen und Herren, meine Gäste, ich starte mit Markus Poschner.

11
00:01:45.280 --> 00:01:45.459
 Ich habe natürlich Gäste, die man jetzt eigentlich nicht unbedingt hier vorstellen müsste.

12
00:01:46.480 --> 00:01:48.459
 Ich tue es aber trotzdem.

13
00:02:00.760 --> 00:02:06.859
 Das Grand Finale 2026-27 für Markus Poschner, die zehnte und zugleich letzte Saison als Chefdirigent des Bruckner Orchester Linz hier. Sie umfasst den zweiten Teil des Beethoven-Zyklus gemeinsam mit dem

14
00:02:06.859 --> 00:02:12.000
 Brucknerhaus Linz. Ich verrate Ihnen auch, was Markus Boschner in dieser besagten

15
00:02:12.599 --> 00:02:19.599
 Saison noch alles erwartet, nämlich Debüt bei den Berliner Philharmonikern, eine

16
00:02:19.599 --> 00:02:29.060
 Neuproduktion an der Hamburgischen Staatsoper sowie wiederholt die Regate an der Hamburgischen Staatsoper sowie wiederholt Dirigate an der Oper in Zürich. Einer der

17
00:02:29.060 --> 00:02:36.439
 Höhepunkte des gemeinsamen Weges mit dem Boll, mit dem Bruckner Orchester Linz, lag etwa 2020

18
00:02:36.439 --> 00:02:51.000
 in der wirklich fantastischen Auszeichnung Orchester des Jahres und Dirigent des Jahres in Österreich. 2024 erhielt Markus Poschner den Special Achievement Award der Jury

19
00:02:51.000 --> 00:02:54.659
 des International Classic Music Awards

20
00:02:54.659 --> 00:02:59.900
 für seinen Zyklus der Gesamtausgabe der Bruckner-Sinfonien

21
00:02:59.900 --> 00:03:06.659
 mit dem Bruckner Orchester Linz und dem Radiosymphonieorchester Wien ORF.

22
00:03:07.740 --> 00:03:16.360
 Mit der Saison 2026-2027 übernimmt Markus auch die Position der Chefdirigenten dieses Orchesters.

23
00:03:17.639 --> 00:03:20.659
 Ich freue mich riesig, lieber Markus, dass du da bist und ich bin froh,

24
00:03:21.180 --> 00:03:24.520
 dass der verspätete Zug dich pünktlich hierher gebracht hat.

25
00:03:24.620 --> 00:03:25.400
 Ich auch. Herzlich willkommen.

26
00:03:25.879 --> 00:03:26.800
 Dankeschön, liebe Karin.

27
00:03:27.800 --> 00:03:33.740
 Und an meiner linken Seite eine hier auch allseits bekannte Person,

28
00:03:33.879 --> 00:03:36.979
 die ich dennoch natürlich auch mit freudigem Herzen vorstelle.

29
00:03:38.680 --> 00:03:41.840
 Künstlerischer Direktor Brucknerhaus Linz und Liefer.

30
00:03:41.840 --> 00:03:48.860
 Diese Position führt Norbert Straböger seit 2025 im Sommer aus hier.

31
00:03:49.580 --> 00:03:55.699
 Vorher war er künstlerischer Direktor des Bruckner Orchester Linz, auch dahingehend mit Markus Poschner

32
00:03:55.699 --> 00:04:05.879
 intensiv verwoben und er war künstlerischer Leiter der ersten oberösterreichischen Kulturexpo zu Anton Bruckner 2024.

33
00:04:07.180 --> 00:04:14.520
 Wenn ich das höre, dann kommen mir viele Spielstätten und ganz, ganz besondere Aufführungen in den Sinn.

34
00:04:14.979 --> 00:04:21.560
 Ich denke an die Schaukel, die nach Orgelpfeifen ausgerichtet ist, nur als kleine Erinnerung.

35
00:04:22.699 --> 00:04:27.800
 Der, wie die oberösterreichischen Nachrichten ihn bezeichnen, kulturelle Wirbelwind

36
00:04:27.800 --> 00:04:35.980
 oder auch gefragte Anstifter zu kreativem Denken und Handeln,

37
00:04:35.980 --> 00:04:41.019
 an anderer Stelle so bezeichnet, ist auch Autor mehrerer Publikationen

38
00:04:41.019 --> 00:04:45.639
 und hier nenne ich auch mit freudigem Herzen Bruckner, Ausrufungszeichen,

39
00:04:46.079 --> 00:04:55.779
 Journal einer Leidenschaft. Und auch Schriebmann über Norbert erlebe genial schräg in sich ständig

40
00:04:55.779 --> 00:05:17.600
 verändernden künstlerischen Aggregatzuständen. Und er hat hier in diese geheiligten Mauern der ehemaligen Wohnlokalität von Johannes Keppler auch viele solcher Aggregatzustände hergezaubert, als langjähriger Salonintendant, nämlich von 2013 bis 2023.

41
00:05:18.319 --> 00:05:20.259
 Herzlich willkommen, lieber Norbert.

42
00:05:20.740 --> 00:05:21.540
 Danke, gerne.

43
00:05:22.459 --> 00:05:23.379
 Vielen Dank.

44
00:05:21.540 --> 00:05:27.560
 Danke, gerne.

45
00:05:44.259 --> 00:05:45.439
 Geschätzte Damen und Herren und liebe beide Gäste, erlauben Sie mir und erlaubt ihr mir einen gedanklichen Ausflug in das Jahr 1827, genauer in den 29. März 1827.

46
00:05:50.660 --> 00:05:56.360
 Die sterblichen Überreste des Genies Ludwig van Beethoven werden vom Schwarzspanierhaus, das ist die letzte Wohnstätte des Meisters,

47
00:05:57.180 --> 00:06:00.079
 in den Währinger Friedhof überführt.

48
00:06:00.959 --> 00:06:07.560
 Ein Trauerkondukt, der, und hier scheiden sich die Geister der berichtenden Stimmen,

49
00:06:07.560 --> 00:06:14.459
 ob es 10.000 Menschen waren, ob es 20.000 Menschen waren oder ob es 30.000 Menschen waren,

50
00:06:15.339 --> 00:06:21.579
 auf jeden Fall ein groß, großmächtiger Trauerkondukt mit Schmückungen,

51
00:06:21.879 --> 00:06:26.740
 mit Lilien als Schmuck, die Geistigkeit repräsentierend und die Reinheit,

52
00:06:27.480 --> 00:06:33.199
 mit Sängern, die den Sarg begleiten, mit Kapellmeistern, die den Sarg begleiten,

53
00:06:33.699 --> 00:06:39.620
 mit Franz Schubert mit dabei, mit niemandem Geringeren als Franz Grillparzer,

54
00:06:39.620 --> 00:06:46.759
 als diejenige Person, die die Trauerrede verfasst hat, die dann von einem Wiener Schauspieler gelesen wurde.

55
00:06:46.759 --> 00:06:54.500
 Eine Rede, wo man durchaus auch kritisch in die nationalmusikalischen Themen hineinblicken könnte.

56
00:06:54.660 --> 00:06:58.920
 Das ist etwas anderes, das berührt uns heute nicht. Ich dachte nur daran.

57
00:06:59.779 --> 00:07:10.319
 Und mit Musik, die sehr eng mit Beethoven verbunden ist. Es erklangen aus den sogenannten drei Äqualen

58
00:07:10.319 --> 00:07:20.000
 für vier Posaunen, zwei Äquale für vier Posaunen, aber auch für 16 Männerstimmen, textlich ausgerichtet

59
00:07:20.560 --> 00:07:28.639
 nach dem Miserere. Und diese Äquale, das sind Trauermusiken, Bläserkompositionen,

60
00:07:28.819 --> 00:07:35.579
 vornehmlich für die Posaune. Diese Stücke sind sehr eng mit dem Linzer Landstrich verbunden.

61
00:07:35.779 --> 00:07:47.500
 Das war eine Tradition hier in Linz. Und diese Stücke hat Ludwig van Beethoven hier in Linz im Hause des Musikers Franz Xaver Glöckl komponiert.

62
00:07:48.379 --> 00:07:54.459
 Das heißt, der kleine Ausflug vom Sterbe oder drei Tage nach dem Sterbetag,

63
00:07:54.459 --> 00:08:00.519
 der Trauerkondukt und die Musik, die gehört wurde, bringt uns unmittelbar wieder nach Linz,

64
00:08:01.040 --> 00:08:03.079
 bringt uns in den heutigen Abend.

65
00:08:03.079 --> 00:08:04.180
 nach Linz, bringt uns in den heutigen Abend.

66
00:08:11.199 --> 00:08:11.339
 Ludwig van Beethoven und Linz war sicherlich ein Andockpunkt auch für diesen Zyklus,

67
00:08:18.879 --> 00:08:19.459
 der natürlich auf die 200 Jahre zurückblickende Zeit des Todes auch umfasst.

68
00:08:23.439 --> 00:08:24.100
 Unbedingt. Ich meine, da sind wir in einer unglaublich glücklichen und geschätzten Situation.

69
00:08:26.980 --> 00:08:27.300
 Ich meine, jetzt kennen wir uns natürlich mit Jubiläen bestens aus.

70
00:08:31.199 --> 00:08:31.279
 Also seit 20, 24, 200 Jahre Bruckner Geburtstag.

71
00:08:35.419 --> 00:08:38.139
 Da haben wir ja wirklich intensiv gefeiert. Und jetzt wäre da schon wieder das nächste Jubiläum.

72
00:08:38.940 --> 00:08:42.299
 18, 27, wie du ja richtig sagst, Sterbejahr.

73
00:08:43.100 --> 00:08:45.879
 2027, 200 Jahre Todestag.

74
00:08:46.320 --> 00:08:52.000
 Und trotzdem ist dieses Jubiläum, glaube ich, für uns Linzer,

75
00:08:52.259 --> 00:08:54.940
 wenn ich das so sagen darf, eigentlich sekundär.

76
00:08:56.000 --> 00:09:00.460
 Weil wir tatsächlich den Ludwig van Beethoven hier in der Stadt hatten.

77
00:09:02.620 --> 00:09:05.039
 Es ist mehr als nur eine Anekdote.

78
00:09:12.960 --> 00:09:14.139
 Also sein Bruder, der Johann Nikolaus van Beethoven, war hier Apothekenbesitzer.

79
00:09:20.700 --> 00:09:21.200
 Wir haben uns jetzt auch gerade noch mal unterhalten, die hieß, wir haben uns jetzt erst getäuscht, Apotheke zum Goldenen.

80
00:09:25.600 --> 00:09:28.399
 Es ist so, es gab eine Apotheke hier am Hauptplatz, das ist die Wasserapotheke und in Urfa die goldene Krone.

81
00:09:30.500 --> 00:09:31.940
 Genau, also es gab

82
00:09:31.940 --> 00:09:34.039
 tatsächlich sogar eine Filiale, er war doch relativ

83
00:09:34.039 --> 00:09:36.139
 erfolgreich in Urfa, aber ich glaube

84
00:09:36.139 --> 00:09:37.779
 zur goldenen Krone hieß eben

85
00:09:37.779 --> 00:09:40.179
 Ursprünglich die Wasserapotheke.

86
00:09:40.179 --> 00:09:41.860
 Heute, da wo die Wasserapotheke ist,

87
00:09:41.899 --> 00:09:44.200
 dieses Gebäude gab es ja nicht im 19.

88
00:09:44.360 --> 00:09:48.000
 Jahrhundert, dort genau an der gleichen Stelle war aber schon die Wasserapotheke ist, dieses Gebäude gab es ja nicht im 19. Jahrhundert. Dort, genau an der gleichen Stelle, war aber schon mal eine Apotheke

89
00:09:48.000 --> 00:09:52.179
 und eben der Besitzer, der Bruder von Ludwig van Beethoven,

90
00:09:52.340 --> 00:09:56.639
 zu dem er durchaus ein sehr angespanntes Verhältnis hatte.

91
00:09:56.960 --> 00:09:59.639
 Und er hat, glaube ich, ist auch hier in Linz immer wieder gewesen,

92
00:10:00.539 --> 00:10:26.000
 nicht nur aus Zuneigung und brüderlicher Fürsorge, sondern er musste hier für Ordnung sorgen, weil dieser Bruder es gewagt hat, und das ist schon auch irgendwie sehr erstaunlich, ein Verhältnis einzugehen mit einer jungen Frau, die verheiratet war. Und das

93
00:10:26.000 --> 00:10:27.000
 ging auch

94
00:10:27.000 --> 00:10:29.279
 nach Ludwig von Beethoven,

95
00:10:29.279 --> 00:10:31.600
 also nach den Vorstellungen

96
00:10:31.600 --> 00:10:33.580
 der Zeit, aber scheinbar eben auch nach den

97
00:10:33.580 --> 00:10:35.200
 Vorstellungen eines Revolutionärs,

98
00:10:35.259 --> 00:10:37.480
 der Ludwig von Beethoven ja selber war,

99
00:10:37.559 --> 00:10:39.559
 trotzdem nicht. Und es gibt wirklich

100
00:10:39.559 --> 00:10:41.139
 wilde Briefwechsel.

101
00:10:42.460 --> 00:10:42.659
 Und

102
00:10:42.659 --> 00:10:46.620
 trotzdem war dieser Bruder sehr erfolgreich.

103
00:10:46.860 --> 00:10:54.840
 Es gibt auch eine wunderbare Anekdote, die stelle ich gleich an den Anfang, wo dieser Bruder sich rechtfertigt.

104
00:10:55.460 --> 00:11:02.419
 Er hat hier eine Apotheke erworben, er hat eine Filiale in Urfa noch eröffnet und unterschreibt dann eben diesen Brief,

105
00:11:02.419 --> 00:11:05.000
 wo er sich für seine Liaison auch irgendwie rechtfertigt,

106
00:11:08.960 --> 00:11:09.940
 mit Johann Nikolaus Gutsbesitzer.

107
00:11:14.000 --> 00:11:18.820
 Und daraufhin schreibt der Retour Ludwig von Beethoven eine große Anklageschrift und erneut nur seine Vorwürfe und unterschreibt mit Ludwig Gehirnbesitzer.

108
00:11:21.379 --> 00:11:23.820
 Also da gab es eine wirkliche Geschichte.

109
00:11:24.679 --> 00:11:27.799
 Wir wissen nicht genau, wie oft er wirklich in der Stadt war.

110
00:11:27.799 --> 00:11:32.220
 Also, man meint, das ist des Öfteren der Fall gewesen,

111
00:11:32.360 --> 00:11:36.960
 weil die Wirkungszeit seines Bruders hier relativ lange war.

112
00:11:37.159 --> 00:11:38.600
 Der war tatsächlich vorher auch in Wien.

113
00:11:39.500 --> 00:11:42.620
 Und wir wissen es aber ganz sicher, weil es eine achte Sinfonie,

114
00:11:42.940 --> 00:11:44.539
 ihre Ursprünge hier in der Stadt hat.

115
00:11:44.639 --> 00:11:55.200
 Und da gibt es tatsächlich das Titelblatt des Manuskripts, also nicht der Reinschrift, sondern tatsächlich das Particell des Manuskripts.

116
00:11:55.620 --> 00:12:04.659
 Steht wunderbar rechts oben im Eck, Linz, 1812, glaube ich.

117
00:12:04.820 --> 00:12:12.039
 Ich habe jetzt gerade auch nachgeschaut. 1812, ja genau, 1812, die Urführung war dann um einige später.

118
00:12:13.799 --> 00:12:16.519
 Und das ist wirklich famos.

119
00:12:16.519 --> 00:12:23.200
 Also er ist nicht nur auf der Durchreise gewesen, er muss sich hier länger aufgehalten haben.

120
00:12:23.259 --> 00:12:25.019
 Er muss Zeit gehabt haben zu arbeiten.

121
00:12:26.679 --> 00:12:27.759
 Es gibt ja im Landesmuseum,

122
00:12:27.899 --> 00:12:29.879
 gibt es ja auch diverse Beethoven-Flügel.

123
00:12:30.299 --> 00:12:31.019
 Fand ich immer sehr schön.

124
00:12:31.100 --> 00:12:32.320
 Es gab einen Metronom dort.

125
00:12:32.620 --> 00:12:33.659
 Es war aber geschlossen.

126
00:12:33.860 --> 00:12:35.620
 Also ich war jetzt schon vielleicht ein paar Jahre nicht mehr dort.

127
00:12:36.200 --> 00:12:37.840
 Das letzte Mal dort war ja die Ausstellung,

128
00:12:38.019 --> 00:12:39.200
 weil sie umgebaut wurde, geschlossen.

129
00:12:39.320 --> 00:12:40.639
 Ich weiß gar nicht, ob sie wieder eröffnet ist jetzt.

130
00:12:41.419 --> 00:12:44.379
 Also wir haben auch ein paar Devotionalien hier in Linz.

131
00:12:44.379 --> 00:12:45.779
 Und das war doch für uns

132
00:12:45.779 --> 00:12:47.480
 eigentlich wirklich der Impuls, da mal ein bisschen

133
00:12:47.480 --> 00:12:49.960
 also zu sagen, mit

134
00:12:49.960 --> 00:12:51.840
 den Sinfonien müssen wir uns mal aus einer

135
00:12:51.840 --> 00:12:54.039
 anderen Perspektive beschäftigen.

136
00:12:54.139 --> 00:12:56.000
 Das ist jetzt erstmal so ein bisschen der historische

137
00:12:56.000 --> 00:12:58.500
 Querverweis,

138
00:12:58.740 --> 00:13:00.039
 der für

139
00:13:00.039 --> 00:13:01.360
 uns ausschlaggebend war,

140
00:13:01.779 --> 00:13:03.799
 weil wer kann schon auf so eine Geschichte zurückgreifen,

141
00:13:03.980 --> 00:13:06.000
 das ist schon großartig. Und dann gibt

142
00:13:06.000 --> 00:13:07.700
 es natürlich eine

143
00:13:07.700 --> 00:13:10.080
 zutiefst

144
00:13:10.080 --> 00:13:12.059
 philosophische, soziale

145
00:13:12.639 --> 00:13:15.659
 Idee und

146
00:13:15.659 --> 00:13:17.879
 einen Grund, der

147
00:13:17.879 --> 00:13:19.659
 liegt überhaupt einfach in der

148
00:13:19.659 --> 00:13:21.559
 Verortung dieser unglaublichen

149
00:13:21.559 --> 00:13:23.519
 Sinfonien, die ja nicht nur

150
00:13:23.519 --> 00:13:25.000
 großartige Musik sind,

151
00:13:28.159 --> 00:13:28.580
 sondern die eigentlich ein Aufruf zur Menschlichkeit,

152
00:13:31.879 --> 00:13:32.019
 der Soundtrack zur französischen Revolution sind.

153
00:13:35.740 --> 00:13:37.000
 Das ist nicht von mir, dieser Titel, aber der wird immer wieder mal so hochgehalten.

154
00:13:45.259 --> 00:13:46.159
 Und also diese Werke sind von einer revolutionären Kraft, von einer Explosivität,

155
00:13:49.879 --> 00:13:51.600
 von einer Unangepasstheit und einem Blick weit, weit

156
00:13:51.600 --> 00:13:53.139
 nach vorne, dass es

157
00:13:53.139 --> 00:13:55.600
 eigentlich Himmelangst wird, also wie so etwas

158
00:13:55.600 --> 00:13:57.600
 möglich war. Und was du jetzt gerade einleitend

159
00:13:57.600 --> 00:13:59.539
 gesagt hast, dass es dann doch so viele

160
00:13:59.539 --> 00:14:01.360
 Tausende von Menschen waren auf seinem

161
00:14:01.360 --> 00:14:03.460
 Beerdigungszug, ist schon

162
00:14:03.460 --> 00:14:06.000
 irgendwie wirklich sehr, sehr verwunderlich.

163
00:14:06.100 --> 00:14:09.580
 Also nicht, weil man das Genie nicht erkannt hätte,

164
00:14:09.679 --> 00:14:14.820
 aber er hatte ja tatsächlich sehr zu kämpfen in seinem Leben mit Erfolg.

165
00:14:14.820 --> 00:14:19.080
 Also ihm stieß große Ablehnung entgegen,

166
00:14:19.159 --> 00:14:21.059
 angefangen schon mit seiner ersten Sinfonie.

167
00:14:21.120 --> 00:14:23.720
 Da werden wir vielleicht später noch ein bisschen näher drauf eingehen.

168
00:14:23.799 --> 00:14:26.840
 Und er hat die erste Sinfonie ja komponiert, da war die Hälfte seines Lebens schon vorbei.

169
00:14:27.620 --> 00:14:30.500
 Also er war da auch auf dem Höhepunkt seines Schaffens eigentlich im Jahr 1800.

170
00:14:32.580 --> 00:14:42.379
 Also er hat diesen Kampf auch gegen das Establishment, auch gegen die Mode ganz bewusst geführt.

171
00:14:42.379 --> 00:14:47.379
 Und dass das dann trotzdem, ich sag mal so zu einem Happy End sich ausgeht,

172
00:14:47.480 --> 00:14:52.000
 dass die Menschen angesichts seines Todes sich wirklich bewusst waren,

173
00:14:52.120 --> 00:14:57.679
 was für ein Genie dort jetzt verloren gegangen ist, finde ich sehr, sehr bemerkenswert

174
00:14:57.679 --> 00:14:59.679
 und ist untypisch für die Geschichte.

175
00:14:59.820 --> 00:15:03.779
 Und ich habe mir das immer so erklärt, dass in Beethoven vielleicht tatsächlich,

176
00:15:05.059 --> 00:15:07.820
 und das ist ja manchmal so, da gibt es viele, viele Beispiele,

177
00:15:07.919 --> 00:15:11.899
 vielleicht auch aus der Malerei, Michelangelo, dem sagt man sowas Ähnliches nach,

178
00:15:11.960 --> 00:15:15.820
 es gibt Zeiten, wo sich etwas in Personen verdichtet.

179
00:15:16.600 --> 00:15:21.779
 Also wo du sagst, die Zeit ist reif und irgendjemand schafft es, es auszusprechen.

180
00:15:21.940 --> 00:15:27.779
 Auf irgendeine Art und Weise, ob Philosophen, ob Maler oder eben in dem Fall auch Komponisten.

181
00:15:27.940 --> 00:15:29.539
 Und tatsächlich ist die französische Revolution,

182
00:15:29.879 --> 00:15:34.320
 also das große, größte gesellschaftliche Umwälzungsspektakel,

183
00:15:34.419 --> 00:15:36.399
 ja schon eine Zeit lang her gewesen.

184
00:15:37.139 --> 00:15:40.679
 Aber er hat das quasi emotional beschreiben können in der Musik.

185
00:15:40.679 --> 00:15:43.600
 Und das ist schon etwas, wenn Sie das vergleichen,

186
00:15:44.279 --> 00:15:46.320
 Franz Schubert, gleichen Lebensdaten,

187
00:15:46.440 --> 00:15:47.980
 natürlich eine Generation jünger, aber

188
00:15:47.980 --> 00:15:50.539
 stirbt zur selben Zeit, also 1828.

189
00:15:51.100 --> 00:15:52.200
 Beethoven 1827.

190
00:15:53.519 --> 00:15:54.220
 Und da möchte ich,

191
00:15:54.580 --> 00:15:56.120
 eigentlich, dem könnten

192
00:15:56.120 --> 00:15:57.820
 wir das gleiche Zeugnis ausstellen,

193
00:15:57.960 --> 00:16:00.039
 weil Franz Schubert auch eine Person war,

194
00:16:00.440 --> 00:16:02.139
 die seiner Zeit so weit voraus

195
00:16:02.139 --> 00:16:04.100
 war und aus einem

196
00:16:04.100 --> 00:16:08.080
 ganz anderen, von einem ganz anderen Planeten erzählt haben,

197
00:16:08.139 --> 00:16:09.740
 was die Leute damals nicht verstehen konnten.

198
00:16:10.519 --> 00:16:14.299
 Schubert hat keine, also wir wissen es nicht von seiner ersten und zweiten Sinfonie,

199
00:16:14.440 --> 00:16:19.059
 aber ab der zweiten Sinfonie wissen wir es ganz genau, alle anderen Sinfonien nie gehört.

200
00:16:19.399 --> 00:16:21.000
 Es ist alles für die Schublade komponiert.

201
00:16:21.639 --> 00:16:25.600
 Er ist in seinem Liedschaffen der Kam Kammermusik, natürlich sehr berühmt gewesen.

202
00:16:26.840 --> 00:16:28.080
 Aber an ihm

203
00:16:28.080 --> 00:16:30.059
 geht die Musikgeschichte vollkommen vorbei

204
00:16:30.059 --> 00:16:31.899
 und so stark vorbei, dass es Robert

205
00:16:31.899 --> 00:16:34.340
 Schumann war, der die Unvollendete

206
00:16:34.340 --> 00:16:35.720
 seinem Freund

207
00:16:35.720 --> 00:16:37.759
 Kaltenbrunner abkauft

208
00:16:37.759 --> 00:16:39.639
 und die dann 40 Jahre später

209
00:16:39.639 --> 00:16:41.519
 uraufführt. Also heute

210
00:16:41.519 --> 00:16:43.279
 die größten Schätze, die wir

211
00:16:43.279 --> 00:16:45.840
 bewundern. also da ist es genau

212
00:16:45.840 --> 00:16:47.279
 andersherum.

213
00:16:49.179 --> 00:16:49.620
 Danke.

214
00:16:50.019 --> 00:16:51.840
 Ich möchte jetzt auch noch ergänzen,

215
00:16:51.919 --> 00:16:54.240
 weil es zur Beethoven-Biografie

216
00:16:54.240 --> 00:16:55.759
 so ein

217
00:16:55.759 --> 00:16:57.679
 signifikanter Punkt ist.

218
00:16:58.460 --> 00:16:59.620
 Die Zeit in Linz hier,

219
00:16:59.679 --> 00:17:01.940
 1812, Beethoven

220
00:17:01.940 --> 00:17:04.000
 war auch in Teplitz zu jener

221
00:17:04.000 --> 00:17:09.960
 Zeit und kam dann, weiß ich jetzt nicht, beim Rückweg oder Hinweg in Linz vorbei und er war dort auf Kur.

222
00:17:10.680 --> 00:17:18.759
 Und von dort haben wir diesen berühmten Brief an die unsterbliche Geliebte, wo die Wissenschaft immer noch rätselt, wer ist diese Dame?

223
00:17:18.759 --> 00:17:39.000
 Es gibt Spekulationen, aber das dürfte die einzige wirklich, man muss wahrscheinlich sagen, halberfüllende Liebesgeschichte gewesen sein, weil sie letztlich ja auch nicht erfüllend war. Aber das ist jene Zeit, als die 8. Symphonie hier in Linz entstanden ist. Ein sehr positives, fröhliches, sprudendes, vitales Werk.

224
00:17:43.059 --> 00:17:45.099
 Die unerfüllte Liebe verbindet mit Anton Bruckner

225
00:17:45.099 --> 00:17:45.880
 letztlich.

226
00:17:47.240 --> 00:17:49.220
 Aber ich möchte es quasi auch,

227
00:17:49.339 --> 00:17:51.099
 weil es mir noch mal ins Bewusstsein

228
00:17:51.099 --> 00:17:53.259
 wir sind hier im Haus von Kepler

229
00:17:53.259 --> 00:17:55.220
 ums Eck hat

230
00:17:55.220 --> 00:17:56.640
 Adalbert Stifter gelebt.

231
00:17:56.960 --> 00:17:58.640
 Von Bruckner brauche ich gar nicht sprechen.

232
00:17:59.420 --> 00:18:00.940
 Mozart kam vorbei und es gibt

233
00:18:00.940 --> 00:18:02.099
 eine Linzer-Sinfonie.

234
00:18:03.160 --> 00:18:06.019
 Beethoven hier. In welcher Stadt wohnen wir? Und ich meine,

235
00:18:06.099 --> 00:18:08.059
 das ist durchaus nicht lokalpatriotisch,

236
00:18:08.519 --> 00:18:10.460
 sondern in welchem Kulturlandstrich.

237
00:18:11.400 --> 00:18:12.099
 Ich sage immer,

238
00:18:12.160 --> 00:18:14.140
 dieses Bermuda-Dreieck rund um den

239
00:18:14.140 --> 00:18:15.960
 Hauptplatz, Schubert war ja auch oft

240
00:18:15.960 --> 00:18:17.859
 auf der Landstraße, wenn Sie warten,

241
00:18:17.960 --> 00:18:19.640
 auf der Straßenbahn gegenüber ist da diese

242
00:18:19.640 --> 00:18:20.420
 Gedenktafel.

243
00:18:23.079 --> 00:18:23.559
 Welcher

244
00:18:23.559 --> 00:18:29.619
 Kulturort, es ist auch interessant, warum verdichten sich die Dinge hier.

245
00:18:29.759 --> 00:18:34.720
 Natürlich war hier ein Herrschaftsort, ein Regierungsort, aber diese Giganten, die da

246
00:18:34.720 --> 00:18:40.079
 rund um den Hauptplatz über die Jahrhunderte oder hier im Haus aus allen, nicht nur musikalisch

247
00:18:40.079 --> 00:18:46.619
 gelebt haben, letztendlich auch Napoleons Polizeiminister, Fouché, der ja am Hauptplatz

248
00:18:46.619 --> 00:18:48.359
 im Exil gelebt ist und ich glaube

249
00:18:48.359 --> 00:18:49.619
 in Linz sogar gestorben ist.

250
00:18:50.180 --> 00:18:51.779
 Kann man bei Stefan Zweig nachlesen.

251
00:18:51.859 --> 00:18:54.380
 Ja, genau. Da gab es ja 2009

252
00:18:54.380 --> 00:18:56.099
 auch eine Oper zu Fouché.

253
00:18:57.000 --> 00:18:57.779
 Aber das ist doch auch

254
00:18:57.779 --> 00:19:00.099
 eigentlich unglaublich, wenn wir uns das einfach

255
00:19:00.099 --> 00:19:02.019
 vergegenwärtigen, in welcher Stadt,

256
00:19:02.140 --> 00:19:03.920
 in welchem Landstrich, in welcher Geschichte,

257
00:19:03.920 --> 00:19:04.819
 in welcher Kultur.

258
00:19:15.339 --> 00:19:25.339
 Wir leben, von wo wir kommen, was wir auch als selbstverständlich betrachten, wie halt auch die Gebäude, die rundherum, das ist schon bemerkenswert. Da steht wieder Linz drauf und Mozart betrat ja übrigens erstmals in Linz Österreich. Er war Salzburger.

259
00:19:25.859 --> 00:19:27.880
 Hier war Österreich, das war sozusagen sein erster

260
00:19:27.880 --> 00:19:29.559
 Bodenkontakt mit Österreich.

261
00:19:29.759 --> 00:19:31.180
 Was war Salzburg? Salzburg war Bayern.

262
00:19:31.259 --> 00:19:32.279
 Salzburg war Salzburg.

263
00:19:35.339 --> 00:19:36.279
 Letztlich Bayern.

264
00:19:36.400 --> 00:19:36.940
 Ich habe es versucht.

265
00:19:38.259 --> 00:19:40.839
 Ich unterstütze dich dabei.

266
00:19:40.839 --> 00:19:41.940
 Das ist richtig, ja sicher.

267
00:19:43.339 --> 00:19:44.680
 Aber zu der Zeit?

268
00:19:45.299 --> 00:19:46.619
 Aber ich weiß jetzt die Zeit auch nicht.

269
00:19:47.660 --> 00:19:49.359
 Zu der Zeit, glaube ich, war Salzburg Salzburg.

270
00:19:49.380 --> 00:19:50.380
 Irgendwas war immer Mitte Bayern.

271
00:19:50.500 --> 00:19:52.920
 Aber die Geschichte habe ich nicht immer aufgepasst.

272
00:19:54.099 --> 00:19:55.339
 Aber es ist schon bemerkenswert,

273
00:19:55.460 --> 00:19:57.119
 dieser Ort, und das ist einfach nicht

274
00:19:57.119 --> 00:19:59.619
 lokalpatriotisch gemeint,

275
00:20:00.599 --> 00:20:01.640
 wenn wir das bedenken.

276
00:20:02.799 --> 00:20:03.359
 Und weil sozusagen

277
00:20:03.359 --> 00:20:06.200
 die zyklische und diese politische Dimension,

278
00:20:06.440 --> 00:20:07.319
 auch Napoleon,

279
00:20:08.680 --> 00:20:10.359
 ich denke mir, das ist doch auch wieder

280
00:20:10.359 --> 00:20:12.200
 der Soundtrack unserer Zeit.

281
00:20:12.519 --> 00:20:13.980
 Du hast ja mal so schön gesagt,

282
00:20:14.660 --> 00:20:16.859
 wenn man die Blickrichtung der Komponisten

283
00:20:16.859 --> 00:20:17.980
 so sieht, das ist ja quasi

284
00:20:17.980 --> 00:20:20.319
 Schubert, der quasi in den Himmel

285
00:20:20.319 --> 00:20:22.500
 blickt und Bruckner auch

286
00:20:22.500 --> 00:20:24.420
 und Beethoven

287
00:20:24.420 --> 00:20:25.920
 war ja einer, der sozusagen den Menschen

288
00:20:25.920 --> 00:20:27.759
 ins Gesicht schaut.

289
00:20:30.039 --> 00:20:31.660
 Es ist gut, dass du das beginnst.

290
00:20:31.799 --> 00:20:32.619
 Das finde ich immer sehr,

291
00:20:33.740 --> 00:20:35.319
 also mir selber hat das geholfen.

292
00:20:35.519 --> 00:20:37.079
 Wir haben viel über Bruckner gesprochen.

293
00:20:37.619 --> 00:20:39.799
 Wir zwei, wir drei, wir haben auch schon

294
00:20:39.799 --> 00:20:41.420
 über Bruckner gesprochen.

295
00:20:41.700 --> 00:20:43.019
 Mit wem haben wir nicht über Bruckner gesprochen?

296
00:20:43.019 --> 00:20:43.740
 Wir, richtig.

297
00:20:44.740 --> 00:20:47.000
 Aber das ist tatsächlich so diese polare Welt von Bruckner gesprochen. Mit wem haben wir nicht über Bruckner gesprochen? Wir, richtig. Aber das ist tatsächlich so diese polare

298
00:20:47.000 --> 00:20:48.259
 Welt von Bruckner.

299
00:20:48.920 --> 00:20:50.799
 Wie Bruckner es selbst immer genannt hat,

300
00:20:50.880 --> 00:20:52.680
 Kirche und Wirtshaus.

301
00:20:54.220 --> 00:20:54.740
 Kathedrale

302
00:20:54.740 --> 00:20:56.519
 und

303
00:20:56.519 --> 00:20:58.000
 Folklore, Polka.

304
00:20:58.740 --> 00:21:00.779
 Choral und Polka, also diese polar,

305
00:21:02.339 --> 00:21:02.740
 dieser

306
00:21:02.740 --> 00:21:04.279
 Panoramablick.

307
00:21:08.500 --> 00:21:09.119
 Der Blick nach oben ins Unendliche,

308
00:21:12.480 --> 00:21:12.559
 also auch in das große Mysterium, in das große Geheimnis.

309
00:21:14.779 --> 00:21:14.839
 Und der Blick nach unten in die Tiefen der eigenen Seele.

310
00:21:16.839 --> 00:21:19.759
 Und da hat er sich auch immer selber verortet. Am liebsten in seinen Gesangsperioden, also in diesen zweiten Themen,

311
00:21:20.660 --> 00:21:22.900
 wo er einem das Herz ausschüttet.

312
00:21:23.279 --> 00:21:26.500
 Und Beethoven ist wirklich jemand, der Blick geradeaus.

313
00:21:26.500 --> 00:21:32.000
 Das ist tatsächlich einer, der, was natürlich sein,

314
00:21:32.059 --> 00:21:33.259
 aber da würde ich jetzt viel zu weit,

315
00:21:33.680 --> 00:21:35.799
 schweife ich, ist die Gefahr, dass ich jetzt abschweife.

316
00:21:36.079 --> 00:21:40.000
 Also diesen Blick geradeaus, das Weltumspannende,

317
00:21:40.140 --> 00:21:41.160
 beginnt ja mit der Renaissance.

318
00:21:41.460 --> 00:21:45.400
 Also im Prinzip, dass man die Natur sich zu eigen macht.

319
00:21:45.859 --> 00:21:51.000
 Also man hat sich damals auch manifestiert in dieser Eroberungslust.

320
00:21:51.700 --> 00:21:58.000
 Man entdeckt Amerika, man erweitert seinen Horizont, also der Blick, die Welt umspannend.

321
00:21:59.440 --> 00:22:02.180
 Und bei Beethoven ist das ein bisschen zu konkretisieren,

322
00:22:02.259 --> 00:22:05.660
 weil sein Blick, glaube ich, auf Augenhöhe mit den Herrschenden ist.

323
00:22:05.779 --> 00:22:08.599
 Und das ist irgendwie etwas ganz großartig Neues.

324
00:22:09.019 --> 00:22:14.660
 Und wenn man schaut, wo der herkommt, der Ludwig van Beethoven, und wenn man dann ein bisschen bei Mozart schaut,

325
00:22:14.779 --> 00:22:23.000
 also ich glaube ja einer der absoluten Giganten, und davor war es Bach, vielleicht, da waren sich ja alle Experten einig,

326
00:22:23.000 --> 00:22:26.319
 und bei Mozart im Prinzip eigentlich auch.

327
00:22:27.779 --> 00:22:34.400
 Mozart, der mit seiner Jupiter-Sinfonie 88, 89 komponiert, also zwei Jahre bevor er starb,

328
00:22:34.980 --> 00:22:37.440
 ein Werk geschrieben hat, wo damals schon alle dachten,

329
00:22:37.579 --> 00:22:43.880
 das ist der Gipfel dessen, was der menschliche Verstand fähig ist, herzustellen.

330
00:22:43.880 --> 00:22:48.079
 Und das hat auch das ganze 19. Jahrhundert in einer verklärenden Art und Weise

331
00:22:48.079 --> 00:22:51.900
 immer noch darüber gesprochen. Das hat auch Brahms sehr beschäftigt, der dann eben in seiner letzten

332
00:22:51.900 --> 00:22:56.019
 Sinfonie, in der vierten Sinfonie, im letzten Satz etwas Ähnliches versucht hat,

333
00:22:56.119 --> 00:22:59.200
 was Mozart schon 100 Jahre vorher probiert hat.

334
00:23:00.039 --> 00:23:03.200
 Also indem er tatsächlich alle

335
00:23:03.200 --> 00:23:26.380
 Parameter neu definiert und auch das System neu definiert, bis hin zu diesem unfassbaren Finale der Jupiter-Sinfonie, wo er mit einer Doppelfuge trotzdem eine Sonate oder du schreibst eine Sinfonie oder du schreibst ein Skat, so ein Lied,

336
00:23:26.440 --> 00:23:32.160
 aber dass das alles zusammen gleichzeitig möglich ist und trotzdem nach allen Regeln der Kunst funktioniert,

337
00:23:32.299 --> 00:23:36.579
 war der gordische Knoten, den keiner zerschlagen konnte. Mozart konnte das.

338
00:23:37.420 --> 00:23:42.299
 Und das wusste natürlich auch Beethoven. Also an diesem Mozart musst du erstmal vorbeikommen.

339
00:23:42.299 --> 00:23:46.740
 Ob an dieser Anekdote was dran ist, dass sich die beiden überhaupt jemals begegnet sind,

340
00:23:46.859 --> 00:23:48.660
 wie es ja die Biografen behauptet haben.

341
00:23:48.660 --> 00:23:55.920
 Also du hast den Geist Heidens aus den Händen Mozarts empfangen.

342
00:23:56.359 --> 00:23:59.680
 Das ist zu schön, die Geschichte, um wahr zu sein.

343
00:24:00.059 --> 00:24:03.559
 Jedenfalls, wir wissen, dass Beethoven nach Wien gefahren ist, um Mozart zu treffen.

344
00:24:04.259 --> 00:24:08.420
 Und das scheint aber schiefgegangen zu sein, nach all dem, was wir wissen,

345
00:24:08.960 --> 00:24:10.759
 dass dieses Treffen tatsächlich nicht zustande kam.

346
00:24:10.819 --> 00:24:12.700
 Aber wer weiß das schon so genau.

347
00:24:12.799 --> 00:24:15.480
 Ich mag es mir jedenfalls immer sehr gerne vorstellen, dass sich die beiden tatsächlich...

348
00:24:15.480 --> 00:24:17.640
 Interessant ist ja, weil du Bach sagst.

349
00:24:18.359 --> 00:24:20.680
 Beethoven hat gesagt, er hätte mehr heißen sollen,

350
00:24:20.779 --> 00:24:26.019
 bezieht sich aber nicht auf Johann Sebastian Bach, sondern auf Karl Philipp Emanuel Bach und das ist ja auch wieder

351
00:24:26.019 --> 00:24:28.000
 interessant, weil der als

352
00:24:28.000 --> 00:24:30.180
 Komponist ja sozusagen meine Empfindungen,

353
00:24:30.359 --> 00:24:31.819
 ich denke nur an die Klavierfantasien,

354
00:24:31.960 --> 00:24:34.099
 Fismol, eigentlich einer der

355
00:24:34.099 --> 00:24:36.099
 ersten ist, der sich selber als

356
00:24:36.099 --> 00:24:38.460
 Person begreift mit seinen Empfindungen

357
00:24:38.460 --> 00:24:40.299
 und ein großer Aufklärer

358
00:24:40.299 --> 00:24:41.940
 und so, wäre wahnsinnig wesentlich.

359
00:24:42.119 --> 00:24:44.259
 Das ist auch die Einbegleitung des empfindsamen

360
00:24:44.259 --> 00:24:45.039
 Stils. Und sozusagen auch einer der Aufklärung und so wäre wahnsinnig wesentlich. Das ist auch die Einbegleitung des empfindsamen Stils.

361
00:24:45.359 --> 00:24:52.619
 Und sozusagen auch einer der Aufklärungskomponisten, durchaus jetzt unterschätzt, natürlich im Schatten des gigantischen Vaters,

362
00:24:54.019 --> 00:24:59.480
 war aber für Beethoven der Bach-Sohn ein großer Bezugspunkt, wahrscheinlich auch genau in dieser Blickrichtung.

363
00:25:00.200 --> 00:25:05.259
 Ich, Aufklärung, wer bin ich hier, in welchem Bezug?

364
00:25:16.920 --> 00:25:23.579
 Ich möchte jetzt auch noch ergänzen, weil du vorhin so die politische Aktualität und die gesellschaftspolitische Aktualität der Beethoven-Symphonien so betont hast und natürlich auch da auf die Eroika hin zielend, die ja zuerst Napoleon angedacht war,

365
00:25:23.700 --> 00:25:29.960
 aber dann mit der Selbstkrönung natürlich dann dieses Gesicht der Widmung verloren hat.

366
00:25:30.960 --> 00:25:37.880
 Arnold Schönberg schreibt als einziges politisches Stück in seinem Werk die Ode zu Napoleon.

367
00:25:39.160 --> 00:25:45.759
 Das war das erste Stück, wo er sich öffentlich gegen Hitler und die Tyrannei

368
00:25:45.759 --> 00:25:46.539
 gewarnt hat.

369
00:25:47.160 --> 00:25:49.660
 Einen Text von

370
00:25:49.660 --> 00:25:52.200
 Lord Byron und er zitiert

371
00:25:52.200 --> 00:25:53.420
 die Eroica

372
00:25:53.420 --> 00:25:55.759
 und auch Wellington's Sieg.

373
00:25:56.400 --> 00:25:57.940
 Das heißt, da steckt einfach genau

374
00:25:57.940 --> 00:25:59.779
 diese Idee auch darin

375
00:25:59.779 --> 00:26:01.920
 in dieser

376
00:26:01.920 --> 00:26:04.000
 Aktualität der Beethoven-Symphonien

377
00:26:04.519 --> 00:26:07.420
 die Tyrannei anzupässen.

378
00:26:07.420 --> 00:26:11.759
 Das ist genau die andere Haltung und die fällt irgendwie wie ein Stein vom Himmel.

379
00:26:12.279 --> 00:26:15.079
 Aber das ist glaube ich so irgendwie das, man kann das nicht beziffern.

380
00:26:15.240 --> 00:26:18.680
 Also die Zeit ist reif und in irgendeiner Person geht das auf.

381
00:26:19.220 --> 00:26:22.839
 Und irgendeine Person findet die Sprache, um das auszudrücken.

382
00:26:22.839 --> 00:26:24.960
 Und so eine Sprache hat Beethoven gefunden.

383
00:26:22.839 --> 00:26:23.000
 findet die Sprache, um das auszudrücken.

384
00:26:24.619 --> 00:26:25.259
 Und so eine Sprache hat Beethoven gefunden. Ich meine,

385
00:26:27.000 --> 00:26:27.819
 man muss sich ja

386
00:26:27.819 --> 00:26:30.599
 und zwar ohne Anlauf,

387
00:26:30.700 --> 00:26:32.299
 das finde ich ja immer so verrückt.

388
00:26:32.420 --> 00:26:34.740
 Vielleicht kann ich das Klavier hier wunderbar

389
00:26:34.740 --> 00:26:36.900
 Markus Poschner zeigt am Klavier

390
00:26:36.900 --> 00:26:38.700
 oder?

391
00:26:39.039 --> 00:26:39.700
 Nein, bitte.

392
00:26:39.920 --> 00:26:40.660
 Spiel deine Polka.

393
00:26:40.660 --> 00:26:41.019
 Nein.

394
00:26:44.440 --> 00:26:48.940
 Nein, nur eine Sache. Hast du das jetzt für die internetgäste erzählt oder bitte hast du

395
00:26:48.940 --> 00:26:53.859
 das jetzt für die internetgäste so ich wollte dich jetzt dann noch einmal an können okay gut

396
00:26:53.859 --> 00:27:09.240
 ja das ist ja nicht von dir das ist nur zur stellen sich vor es ist 1800 das das Jahr 1800. Sie sind eingeladen, Sie haben ein Belet bekommen,

397
00:27:09.400 --> 00:27:10.559
 oder wahrscheinlich gab es die damals gar nicht,

398
00:27:10.660 --> 00:27:13.539
 weil das war ja in dem Sinne kein Subskriptionskonzert, wie es hieß,

399
00:27:13.640 --> 00:27:15.740
 sondern tatsächlich eine Einladung in Palais Lobkowitz.

400
00:27:17.079 --> 00:27:18.920
 Sie sind eingeladen, ein Konzert zu hören.

401
00:27:18.920 --> 00:27:21.779
 Das heißt, der Ludwig van Beethoven hat eine neue Sinfonie,

402
00:27:22.680 --> 00:27:24.640
 seine erste Sinfonie zu präsentieren.

403
00:27:24.759 --> 00:27:27.680
 Sie kommen dahin und dann hören Sie das.

404
00:27:36.000 --> 00:27:37.059
 Was denken Sie da?

405
00:27:39.140 --> 00:27:40.460
 Was würden Sie da denken?

406
00:27:41.059 --> 00:27:43.279
 Also ich würde denken, ich bin zu spät gekommen.

407
00:27:44.299 --> 00:27:46.000
 Schon vorbei. Ich habe irgendwas verpasst.

408
00:27:46.039 --> 00:27:47.259
 Ich habe den Anfang verpasst.

409
00:27:47.619 --> 00:27:48.640
 Also wenn ich da irgendwie

410
00:27:48.640 --> 00:27:50.819
 mit diesem Klang,

411
00:27:52.599 --> 00:27:54.079
 das ist der erste Akkord der ersten

412
00:27:54.079 --> 00:27:54.680
 Sinfonie,

413
00:27:55.619 --> 00:27:57.000
 konfrontiert werde,

414
00:27:58.299 --> 00:28:00.160
 da muss irgendwie

415
00:28:00.160 --> 00:28:01.960
 ein Vorspiel gewesen sein und ich bin

416
00:28:01.960 --> 00:28:03.819
 tatsächlich zu spät oder so etwas. Also das

417
00:28:03.819 --> 00:28:09.119
 ist nicht denkbar gewesen. Eine Sinfonie um 1800 beginnt so.

418
00:28:09.119 --> 00:28:16.559
 Oder beginnt so. Oder sehr gerne auch so.

419
00:28:16.559 --> 00:28:27.559
 Oder so.

420
00:28:29.579 --> 00:28:29.900
 Zauberflöte, die ersten drei Akkorde.

421
00:28:30.640 --> 00:28:33.599
 Aber nicht so.

422
00:28:34.779 --> 00:28:37.259
 Und dann kommt das.

423
00:28:42.119 --> 00:28:45.819
 Aber angenommen, man hat sich damit irgendwie arrangiert, was kommt jetzt? Ich meine, wahrscheinlich 99% der Komponisten würden jetzt, also

424
00:28:45.819 --> 00:28:47.599
 wahrscheinlich

425
00:28:47.599 --> 00:28:50.599
 so weiterführen.

426
00:28:51.859 --> 00:28:52.799
 Eine Sequenz,

427
00:28:52.920 --> 00:28:54.279
 das war damals ja einer der beliebtesten

428
00:28:54.279 --> 00:28:56.460
 Stilmittel, also gerade wenn man solche Kadenzen

429
00:28:56.460 --> 00:28:58.660
 an den Anfang setzt, also die Kadenz

430
00:28:58.660 --> 00:29:00.319
 in dem Fall, eine Dissonanz,

431
00:29:00.440 --> 00:29:00.980
 also Sie hören,

432
00:29:02.319 --> 00:29:04.319
 dann ist da eben dieses B, was also gar

433
00:29:04.319 --> 00:29:05.700
 in diesem Akkord noch verdoppelt.

434
00:29:06.380 --> 00:29:08.519
 Also das ist da drin.

435
00:29:10.259 --> 00:29:13.039
 Das ist real, das ist zu hören.

436
00:29:13.660 --> 00:29:14.859
 Und das löst sich dahin aus.

437
00:29:15.640 --> 00:29:19.319
 Nein, das ist der zweite Akkord, also eins, der zweite Akkord.

438
00:29:20.619 --> 00:29:21.559
 Was macht er?

439
00:29:24.339 --> 00:29:25.920
 Aha, das ist der dritte Akkord.

440
00:29:26.579 --> 00:29:28.420
 Gut, dann denke ich, gut, dann ist alles klar.

441
00:29:30.380 --> 00:29:31.720
 Es muss der Akkord kommen.

442
00:29:32.319 --> 00:29:33.599
 Also ist ja klar dieses...

443
00:29:33.599 --> 00:29:37.259
 Das wäre eine sehr kurze Einleitung gewesen.

444
00:29:37.819 --> 00:29:38.940
 Das ist so quasi der Abschluss.

445
00:29:39.039 --> 00:29:40.119
 Aber das macht er nicht.

446
00:29:41.200 --> 00:29:44.160
 Das hätten aber tatsächlich wahrscheinlich auch viele Komponisten so gemacht

447
00:29:44.160 --> 00:29:46.019
 und dann irgendwie eine Melodie präsentiert.

448
00:29:46.839 --> 00:29:49.980
 Was macht Beethoven nach diesem nächsten dissonanten Akkord?

449
00:29:51.420 --> 00:29:52.039
 Es kommt das.

450
00:29:55.099 --> 00:29:56.700
 Der nächste Akkord ist der.

451
00:29:58.240 --> 00:30:01.319
 Und das ist der Akkord, den ich vorhin als dritten Akkord gespielt habe.

452
00:30:02.200 --> 00:30:03.819
 Der kommt jetzt an fünfter Stelle.

453
00:30:03.960 --> 00:30:05.140
 Also es ist die dritte Überraschung.

454
00:30:06.000 --> 00:30:08.539
 Also im Prinzip nur Frechheiten.

455
00:30:08.880 --> 00:30:10.579
 Also es ist tatsächlich eine einzige

456
00:30:10.579 --> 00:30:14.660
 Unerhörtheit im wörtlichsten Sinne.

457
00:30:14.900 --> 00:30:16.160
 So etwas hat man nicht gehört.

458
00:30:16.740 --> 00:30:18.619
 Und dieser dritte Akkord,

459
00:30:19.759 --> 00:30:20.599
 oder der dritte Takt,

460
00:30:20.680 --> 00:30:21.619
 dann ist es der fünfte Akkord,

461
00:30:22.220 --> 00:30:22.859
 dieser Akkord,

462
00:30:23.859 --> 00:30:25.079
 der ist so dermaßen

463
00:30:25.079 --> 00:30:28.200
 unvorstellbar,

464
00:30:28.440 --> 00:30:30.000
 weil er uns ganz woanders

465
00:30:30.000 --> 00:30:31.900
 hinführt, dass er den gleich zweimal wiederholt.

466
00:30:32.799 --> 00:30:33.799
 Er kommt gleich nochmal

467
00:30:33.799 --> 00:30:34.420
 und nochmal

468
00:30:34.420 --> 00:30:36.759
 und geht dahin.

469
00:30:38.759 --> 00:30:39.859
 Jetzt sind wir in G-Dur.

470
00:30:40.440 --> 00:30:42.119
 Das ist schon mal ganz woanders,

471
00:30:42.240 --> 00:30:43.160
 als wir eigentlich sein müssten.

472
00:30:43.160 --> 00:30:45.019
 Wir hatten geschrieben Sinfonie in C.

473
00:30:45.319 --> 00:30:47.720
 Selbst der nächste Ton lässt nichts Gutes ahnen.

474
00:30:48.059 --> 00:30:48.680
 Der ist nämlich der.

475
00:30:50.940 --> 00:30:52.000
 Und dann geht es.

476
00:30:55.640 --> 00:30:56.579
 Und so weiter.

477
00:30:57.859 --> 00:30:59.180
 Und wir sind weit weg.

478
00:30:59.619 --> 00:31:03.000
 Und das nach, ich sage mal, handgestoppten 15 Sekunden,

479
00:31:03.559 --> 00:31:07.460
 ist die Sinfonie ganz woanders als in C-Dur.

480
00:31:07.700 --> 00:31:09.279
 Und ich finde, das ist ja nicht nur,

481
00:31:09.400 --> 00:31:10.799
 ich meine, wir kennen das von Haydn,

482
00:31:12.200 --> 00:31:16.359
 der hat 104 Mal, kann man eigentlich sagen,

483
00:31:16.740 --> 00:31:17.980
 es gibt 104 Sinfonien,

484
00:31:18.539 --> 00:31:22.000
 104 Mal den größten Schabernack betrieben.

485
00:31:22.220 --> 00:31:24.900
 Auf der Basis einer Sinfonie.

486
00:31:24.940 --> 00:31:28.380
 Eine Sinfonie war ja damals eine Art Code, eine Chiffre.

487
00:31:28.460 --> 00:31:29.579
 Man wusste genau, was los ist.

488
00:31:29.579 --> 00:31:34.619
 Die gebildete Schicht wusste damals, meistens war das höfisches Personal,

489
00:31:34.740 --> 00:31:36.640
 wussten genau, wie eine Sinfonie aufgebaut ist.

490
00:31:37.140 --> 00:31:39.400
 Erster Satz eröffnet das Spektakel.

491
00:31:39.859 --> 00:31:42.019
 Zweiter Satz ist eine Arie.

492
00:31:42.559 --> 00:31:49.940
 Meistens spielt ein Solo-Instrument oder eine Solo-Gruppe wie die erste Geige oder sowas, manchmal auch die Jelly, eine wunderbare Melodie.

493
00:31:50.039 --> 00:31:55.240
 Der dritte Satz ist ein entspannter Tanz, ein Menuet und der letzte Satz ist immer so schnell wie möglich zu spielen.

494
00:31:55.660 --> 00:31:59.339
 Das war der Rauswerfer, also der Kehr aus.

495
00:31:59.559 --> 00:32:04.339
 So funktionieren von 104 Heidensinfonien wahrscheinlich 102.

496
00:32:04.359 --> 00:32:06.200
 So funktionieren von 104 Heidensinfonien wahrscheinlich 102.

497
00:32:08.279 --> 00:32:08.380
 Und alle kannten sich aus.

498
00:32:10.960 --> 00:32:11.039
 Und der Trick war jetzt natürlich, gegen diese Erwartung,

499
00:32:13.200 --> 00:32:13.720
 gegen diese Hörerwartung zu verstoßen.

500
00:32:15.680 --> 00:32:15.900
 Und das passiert in unzähligen Möglichkeiten,

501
00:32:17.420 --> 00:32:17.640
 wie die Sinfonie mit dem Paukenschlag.

502
00:32:21.319 --> 00:32:22.799
 Also wo keiner damit rechnet, dass irgendwas Lautes kommt, plötzlich kommt ein Riesenschlag.

503
00:32:23.380 --> 00:32:31.579
 Er zerteilt, er baut absichtliche Fehler ein gegen klassische Periodik.

504
00:32:32.000 --> 00:32:33.400
 Harmonisch geht viel zu weit.

505
00:32:34.039 --> 00:32:38.599
 Also es ist eine, man kann so sagen, eine höhere Form der Konversation.

506
00:32:38.599 --> 00:32:40.900
 Voller Esprit, voller Humor.

507
00:32:41.420 --> 00:32:47.660
 Das haben damals die Salons, und das ist ja auch quasi die wichtigste Plattform der Aufführung,

508
00:32:48.160 --> 00:32:53.819
 die Gesellschaft der Salons im 18. Jahrhundert geliebt, sowohl in Paris wie in London wie in Wien.

509
00:32:54.059 --> 00:32:57.099
 Das waren im Prinzip die drei wichtigsten Aufführungsorte.

510
00:32:57.220 --> 00:33:00.440
 Aber es war ein Agreement, ich möchte sagen, es war eine Verabredung.

511
00:33:00.559 --> 00:33:09.559
 Eine Sinfonie bei Haydn war immer eine Verabredung, auf der Basis man sich verstanden hat, man hat wirklich höhere Konversationen betrieben.

512
00:33:09.960 --> 00:33:26.460
 Und dann hatten die Gäste sich einen Spaß gemacht und haben den Sinfonien Namen gegeben, wie der Bär, die Uhr, la Passione, die Militär, die Feuersinfonie, weil man irgendwelche Motive erkannt hat und die wurden dann so quasi etikettiert.

513
00:33:26.559 --> 00:33:30.400
 Das stammt gar nicht von Haydn, das stammte dann immer von dem Publikum.

514
00:33:30.819 --> 00:33:36.980
 Und quasi aber in einer Zeit, wo Haydn lebt und hochproduktiv ist, also das ist die Zeit der Londoner Sinfonien,

515
00:33:36.980 --> 00:33:42.200
 in dieser Jahr 1800, kommt Beethoven mit so etwas, also mit einer Dissonanz ums Eck,

516
00:33:44.640 --> 00:33:45.960
 wo man erstmal sagt,

517
00:33:46.279 --> 00:33:51.960
 okay, ist das auch so ein Joke, ein Witz, den der Haydn irgendwie eingeführt hat?

518
00:33:52.160 --> 00:33:55.299
 Das könnte man vielleicht so sehen, dass er in eine ganz andere Richtung geht.

519
00:33:56.779 --> 00:33:58.940
 Wenn wir die Sinfonie, wenn wir Zeit hätten,

520
00:33:58.940 --> 00:34:03.880
 aber wir haben Zeit bald, weil wir die Sinfonie aufführen werden,

521
00:34:04.380 --> 00:34:07.019
 demnächst, da können Sie es ganz hören, die erste Beethoven jetzt in ein paar Wochen,

522
00:34:07.960 --> 00:34:12.980
 werden Sie sehen, dass alles an dieser Sinfonie Fake ist.

523
00:34:13.539 --> 00:34:14.159
 Fake News.

524
00:34:15.460 --> 00:34:16.460
 Es ist wirklich falsch.

525
00:34:16.679 --> 00:34:18.780
 Also nichts ist da, wo es hingehört.

526
00:34:19.760 --> 00:34:22.619
 Also dieser erste Satz hat eine falsche Tonart.

527
00:34:22.619 --> 00:34:25.760
 Das hat Bruckner oft kopiert und imitiert.

528
00:34:26.119 --> 00:34:31.280
 Vor allem in der achten Sinfonie, die in C-Moll steht, beginnt mit dem Ton F.

529
00:34:31.699 --> 00:34:34.460
 Das ist auch ganz woanders. Das ist ein großes Vorbild natürlich, Beethoven.

530
00:34:35.300 --> 00:34:36.579
 In vielen anderen Sinfonien auch.

531
00:34:37.920 --> 00:34:47.179
 Der zweite Satz ist in dem Fall gar kein Andante, keine Ari, wie man das eigentlich erwartet hätte,

532
00:34:47.539 --> 00:34:51.420
 sondern ist das eigentlich vorgezogene Menuet, das steht in einem Dreiechteltakt.

533
00:34:52.219 --> 00:34:57.440
 Da, wo das Menuet eigentlich sein sollte an dritter Stelle, schreibt Beethoven zum ersten Mal ein Scherzo,

534
00:34:57.900 --> 00:35:02.000
 also ein völlig übertrieben schnell gespieltes Menuet.

535
00:35:02.159 --> 00:35:05.199
 Er nennt es aber nicht Scherzo, sondern da steht Menuetto.

536
00:35:06.039 --> 00:35:08.239
 Also absichtlich, in die Irre führend.

537
00:35:08.960 --> 00:35:11.500
 Es hat mit allem zu tun, aber nicht mit einem Menuet.

538
00:35:12.739 --> 00:35:18.480
 Und der letzte Satz ist die oberste Frechheit, die man sich vorstellen kann.

539
00:35:18.480 --> 00:35:22.079
 Denn er propagiert einfach eine Tonleiter als Melodie.

540
00:35:22.039 --> 00:35:22.239
 einfach eine Tonleiter als Melodie.

541
00:35:27.239 --> 00:35:32.940
 Also er verkauft uns richtig regelrecht für dumm oder beziehungsweise zeigt auf, dass das System,

542
00:35:33.639 --> 00:35:36.239
 wie es bisher 100 Jahre gegolten hat mit den Bachsöhnen,

543
00:35:36.280 --> 00:35:38.280
 du hast das genannt, für ihn nicht gilt.

544
00:35:38.920 --> 00:35:44.500
 Also es ist tatsächlich eine Art der Abrechnung mit der herrschenden Meinung,

545
00:35:44.699 --> 00:35:46.739
 mit der Mode ohne Rücksicht.

546
00:35:47.820 --> 00:35:49.940
 Das hat ihm große Schwierigkeiten eingebracht.

547
00:35:49.940 --> 00:35:54.460
 Du hast vorhin gerade von der Eroika gesprochen, da kommen wir vielleicht auch gleich noch dazu.

548
00:35:54.579 --> 00:35:59.559
 Das ist der nächste große Einschlag, nicht nur politisch, wo es tatsächlich auch benannt wird,

549
00:36:06.059 --> 00:36:06.179
 indem er eigentlich an diesen Gran Uomo per festi giare,

550
00:36:10.159 --> 00:36:10.619
 also gibt es ja diese Il Sovenire di Gran Uomo,

551
00:36:12.320 --> 00:36:12.420
 auf Italienisch dieses Titelblatt,

552
00:36:15.280 --> 00:36:15.880
 also um das Andenken eines großen Menschen zu ehren,

553
00:36:17.699 --> 00:36:18.400
 dann natürlich aus den bekannten Gründen wieder tilgt.

554
00:36:21.940 --> 00:36:22.699
 Aber da wird es quasi wie eine zweite Ebene, eine Symbolebene,

555
00:36:24.920 --> 00:36:25.900
 wo er Ungerechtigkeit, und es sind die

556
00:36:25.900 --> 00:36:27.340
 Ideale der französischen Revolution,

557
00:36:27.719 --> 00:36:29.980
 also Brüderlichkeit,

558
00:36:30.320 --> 00:36:32.019
 Freiheit, Gerechtigkeit

559
00:36:32.019 --> 00:36:33.880
 für ihn geltend sind, und wo er

560
00:36:33.880 --> 00:36:35.280
 musikalisch aufzeigt,

561
00:36:36.219 --> 00:36:38.199
 was zu passieren hat,

562
00:36:38.579 --> 00:36:39.900
 dass diese

563
00:36:39.900 --> 00:36:41.880
 dunklen Wolken, dass diese schreiende

564
00:36:41.880 --> 00:36:43.719
 Ungerechtigkeit und Unterdrückung

565
00:36:43.719 --> 00:36:46.639
 von Menschlichkeit und von Gleichheit,

566
00:36:47.260 --> 00:36:50.460
 dass dieser Kampf gewonnen werden kann.

567
00:36:50.639 --> 00:36:52.440
 Und das beginnt aber in dieser ersten Sinfonie.

568
00:36:52.579 --> 00:36:56.159
 Also insofern war Beethoven von vornherein jemand, der eine andere,

569
00:36:56.219 --> 00:37:01.360
 und jetzt komme ich mit großem Bogen wieder zurück, der diese andere Blickrichtung sofort etabliert hat.

570
00:37:01.360 --> 00:37:06.360
 Und da ist er tatsächlich sehr verwandt dem Bruckner oder der Bruckner besser gesagt sehr verwandt dem Beethoven,

571
00:37:06.840 --> 00:37:10.659
 weil der ebenfalls mit seiner ersten Sinfonie keine Rücksicht genommen hat,

572
00:37:11.360 --> 00:37:15.599
 Misserfolg in Kauf genommen hat, wir wissen bis zur siebten Sinfonie hin,

573
00:37:15.699 --> 00:37:17.599
 das war dann der erste tatsächlich große Erfolg.

574
00:37:19.340 --> 00:37:24.260
 Also mit der annullierten und der Studien-Sinfonie sind es ohnehin acht Sinfonien gewesen,

575
00:37:24.460 --> 00:37:28.139
 die er nur erfolglos war, der Bruckner, ein großes Wunder, dass er es nicht hingeschmissen hat.

576
00:37:29.920 --> 00:37:34.400
 Also da manifestiert sich in einer Person, in einer zeitgeschichtlichen Person etwas,

577
00:37:35.280 --> 00:37:43.159
 wo man sagen muss, ja, das ist Umwälzung.

578
00:37:43.159 --> 00:37:45.260
 Also da passiert Musikgeschichte anschaulich. ist Umwälzung. Da passiert

579
00:37:45.260 --> 00:37:47.019
 Musikgeschichte anschaulich.

580
00:37:48.119 --> 00:37:48.639
 Weil du,

581
00:37:49.340 --> 00:37:50.659
 finde ich das interessant, weil Fake News

582
00:37:50.659 --> 00:37:51.599
 gesagt hast,

583
00:37:52.739 --> 00:37:54.039
 zeigt er uns nicht wirklich

584
00:37:54.039 --> 00:37:55.840
 und sagt, schaut mal,

585
00:37:56.519 --> 00:37:59.119
 was ist die Wirklichkeit an unserer Wirklichkeit

586
00:37:59.119 --> 00:38:00.159
 oder die wir glauben.

587
00:38:01.219 --> 00:38:02.860
 Ich stelle euch jetzt am Kopf, ich gehe euch an den

588
00:38:02.860 --> 00:38:03.219
 Graben,

589
00:38:12.599 --> 00:38:14.079
 ich stelle sozusagen die Dinge einfach auf den Kopf, dass ihr einfach wieder mal schaut, in welchen Systemen ihr lebt, auch im Sinne der Revolution.

590
00:38:21.940 --> 00:38:28.460
 Das ist ja alles andere als eine Provokation oder eine Parodie, vielleicht ist sicher auch viel Humor und natürlich eine virtuose Könnerschaft. Aber ganz grundlegend, und das in jeder Symphonie,

591
00:38:29.199 --> 00:38:33.119
 auf dem Neuen sozusagen, schaut, was Tradition ist, was üblich ist.

592
00:38:35.219 --> 00:38:37.980
 Also ihr lebt in Fake News quasi, das Publikum.

593
00:38:37.980 --> 00:38:38.880
 Richtig, genau.

594
00:38:42.139 --> 00:38:43.579
 Da gibt es Sex hinzuzufügen.

595
00:38:43.920 --> 00:38:51.280
 Ich möchte jetzt da noch ergänzen, auch so dieses Humorvolle und das Konterkarieren von alten Regeln.

596
00:38:51.579 --> 00:38:58.219
 Ich denke an Klaviersonaten, Op. 31 Nr. 1 in G-Dur, wo immer eine Hand zu früh ist.

597
00:38:58.340 --> 00:39:00.260
 Piam, piam, piam, piam.

598
00:39:01.440 --> 00:39:05.960
 Das ist extrem humorvoll und wo auch sehr viel Skalenwerk

599
00:39:05.960 --> 00:39:08.159
 die ganze Zeit ist. Also absolut

600
00:39:08.159 --> 00:39:08.960
 jetzt nichts

601
00:39:08.960 --> 00:39:12.119
 hochkünstlerisches auf den ersten

602
00:39:12.119 --> 00:39:13.900
 Blick. Auf den zweiten Blick natürlich

603
00:39:13.900 --> 00:39:15.900
 absolut. Und wo eine

604
00:39:15.900 --> 00:39:17.639
 quasi Fuge

605
00:39:17.639 --> 00:39:19.840
 inszeniert wird, die so ein

606
00:39:19.840 --> 00:39:20.380
 Thema hat.

607
00:39:22.679 --> 00:39:23.739
 Wenn das schnell

608
00:39:23.739 --> 00:39:45.260
 gespielt wird, das klingt wie Gelächter, so als würde man sich wirklich lustig machen über den alten, übergelehrten Stil. Es passiert ja nicht schleichend in der Kunst, in der Geschichte.

609
00:39:50.659 --> 00:39:50.840
 Das ist jetzt keine Behauptung von mir, sondern das ist eigentlich hinreichend bekannt,

610
00:39:54.380 --> 00:39:54.440
 dass es immer in großen Sprüngen in eine andere Epoche geht.

611
00:39:55.500 --> 00:39:59.400
 Das ist in der Malerei so. Wenn Bruckner dann daherkommt und so etwas schreibt.

612
00:40:09.619 --> 00:40:16.619
 In der vierten Sinfonie.

613
00:40:19.059 --> 00:40:28.559
 Also eigentlich einen Choral. Das war diese zweite Stelle.

614
00:40:31.559 --> 00:40:32.820
 So geht es weiter.

615
00:40:36.559 --> 00:40:41.300
 Der große Choral aus der Vierten Sinfonie, aus der Romanischen Sinfonie.

616
00:40:42.119 --> 00:40:45.519
 Auch etwas, was eigentlich so noch nie da war.

617
00:40:45.940 --> 00:40:47.360
 Also mit diesen Neapolitanern,

618
00:40:47.460 --> 00:40:48.440
 diese ständigen

619
00:40:48.440 --> 00:40:52.420
 Trugschlüsse.

620
00:40:53.519 --> 00:40:54.119
 Neapolitaner

621
00:40:54.119 --> 00:40:55.699
 Sechster Chord auf der

622
00:40:55.699 --> 00:40:57.820
 erniedrigten Zweiten. Gut, Karin, sehr gut.

623
00:40:58.519 --> 00:40:59.619
 Das ist im Prinzip eigentlich

624
00:40:59.619 --> 00:41:01.900
 die instabilste harmonische Möglichkeit.

625
00:41:01.900 --> 00:41:03.480
 Es ist wie ein Trugschluss.

626
00:41:04.099 --> 00:41:08.539
 Und baut aber auf diesen labilen Fundamenten einen Choral auf.

627
00:41:08.900 --> 00:41:11.480
 Chorelle waren immer das Gegenteil, waren immer Behausungen,

628
00:41:12.159 --> 00:41:14.260
 die so etwas eigentlich nicht zulassen.

629
00:41:14.260 --> 00:41:20.400
 Oder ich meine, auch etwas, der Weg ist nicht weit, Richard Wagner.

630
00:41:20.679 --> 00:41:22.300
 Wenn man plötzlich, also jemand, der noch schreibt,

631
00:41:28.179 --> 00:41:29.119
 Meistersinger, C-Dur und

632
00:41:29.119 --> 00:41:31.980
 in der nächsten Oper, die er schreibt,

633
00:41:32.559 --> 00:41:33.840
 also ich meine, was gibt es Stabileres,

634
00:41:33.840 --> 00:41:34.119
 als

635
00:41:34.119 --> 00:41:47.920
 plötzlich Ja, das ist dann, genau.

636
00:41:49.599 --> 00:41:50.079
 Ja, ja.

637
00:41:56.760 --> 00:41:58.840
 Unzulässigerweise spiele ich viel schneller jetzt.

638
00:42:03.260 --> 00:42:04.280
 Wiederholt das.

639
00:42:08.019 --> 00:42:09.079
 Reduziert das nochmal.

640
00:42:10.579 --> 00:42:11.679
 Wiederholt das nochmal.

641
00:42:12.800 --> 00:42:14.559
 Gemein jetzt, ich weiß, sonst wird es zu lang dauern.

642
00:42:14.679 --> 00:42:15.679
 Das geht alles sehr langsam.

643
00:42:15.820 --> 00:42:16.260
 Und plötzlich.

644
00:42:24.320 --> 00:42:35.179
 Wir sind in einer ganz anderen Tonart, also völlig losgelöst von irgendeiner Art der Versicherung,

645
00:42:35.179 --> 00:42:38.579
 der harmonischen Harmonien dienen ja immer dazu, sich zu verorten.

646
00:42:38.760 --> 00:42:49.659
 Also ich meine, das ist der Print, wenn wir eine Kadenz haben, wenn ich einen Ton spiele, werden Sie sagen, ja, da fühle ich mich zu Hause.

647
00:42:49.840 --> 00:42:52.940
 Das ist Teil dieser Welt. Das ist Teil meines Zimmers.

648
00:42:52.940 --> 00:43:00.280
 Ich nochmal, wenn ich das spiele, werden Sie sagen, nein.

649
00:43:01.119 --> 00:43:01.820
 Oder noch schlimmer.

650
00:43:00.280 --> 00:43:01.099
 Nein.

651
00:43:01.780 --> 00:43:05.500
 Oder noch schlimmer.

652
00:43:06.360 --> 00:43:08.539
 Oder, oder.

653
00:43:09.980 --> 00:43:10.440
 Das passt alles nicht.

654
00:43:12.539 --> 00:43:12.699
 Lustigerweise, wenn man dann den Zusammenhang ändert, ja.

655
00:43:19.780 --> 00:43:22.579
 Dann kann ich diese Dissonanzen auflösen.

656
00:43:22.860 --> 00:43:27.480
 Und dann, ich meine, jeder zweiklassige Papiernist weiß, wie das geht.

657
00:43:28.880 --> 00:43:32.760
 Und man hat dann quasi doch wieder ein System,

658
00:43:32.940 --> 00:43:35.500
 mit dem man einverstanden ist und wo man sich wohlfühlt.

659
00:43:35.579 --> 00:43:37.780
 Aber das ist ja das Werkzeug der Komponisten gewesen,

660
00:43:38.460 --> 00:43:42.500
 ein Gefühl herzustellen, also eine Atmosphäre, eine Haltung.

661
00:43:42.500 --> 00:43:44.719
 Und das geht natürlich viel, viel weiter,

662
00:43:42.500 --> 00:43:43.039
 eine Atmosphäre, eine Haltung.

663
00:43:44.719 --> 00:43:44.800
 Das geht natürlich viel, viel weiter,

664
00:43:51.400 --> 00:43:54.280
 weil wir damit sehr direkt angegriffen werden. Also ich meine, das, das sich nie auflöst,

665
00:43:55.119 --> 00:43:59.400
 also die unmögliche Liebe, die nicht...

666
00:44:01.719 --> 00:44:03.400
 Also eigentlich müsstest...

667
00:44:04.380 --> 00:44:07.639
 Das ist kein Happy End,

668
00:44:07.780 --> 00:44:10.000
 aber man könnte...

669
00:44:15.099 --> 00:44:17.860
 Hätte man viel Zeit gespart

670
00:44:17.860 --> 00:44:19.539
 und es wäre ein wunderbares Happy End.

671
00:44:20.000 --> 00:44:21.820
 So muss man fünf Stunden warten, um zu lernen,

672
00:44:22.579 --> 00:44:24.840
 dass es überhaupt kein Ende gibt.

673
00:44:24.840 --> 00:44:26.280
 Also das ist quasi das Rüstzeug. So muss man fünf Stunden warten, um zu lernen, dass es überhaupt kein Ende gibt.

674
00:44:29.920 --> 00:44:30.579
 Also das ist quasi das Rüstzeug.

675
00:44:34.360 --> 00:44:35.300
 Die Farben der Komponisten, also die Paletten, die sie haben, um zu zeigen,

676
00:44:40.139 --> 00:44:40.219
 um Geschichten zu erzählen, die unser Leben sehr stark beeinflussen.

677
00:44:41.679 --> 00:44:41.780
 Das ist ja jenseits des Verstandes.

678
00:44:44.659 --> 00:45:05.679
 Natürlich kann man das mit dem Verstand analysieren. Wir können darüber reden. Man braucht eine Sprache dafür. Man braucht Fachbe die größten Glücksgefühle irgendwie herstellen.

679
00:45:09.000 --> 00:45:09.219
 Und das ist etwas Existenzielles.

680
00:45:14.739 --> 00:45:14.780
 Also Musik, gerade weil sie den Umweg nicht macht über das Denken, über das Gehirn,

681
00:45:18.980 --> 00:45:20.719
 sondern im Prinzip direkt ins Herz geht, und das wusste keiner so gut wie Richard Wagner,

682
00:45:29.679 --> 00:45:30.360
 in jeder Beziehung, nicht nur in der depressiven, sondern auch in der exzessiven Welt,

683
00:45:35.019 --> 00:45:41.739
 wenn man an den zweiten Akt von Tristan denkt, wo es wie ein einziges Sprudeln ist und ein unglaublich großer Vulkanausbruch, dann ist das schon toll zu sehen,

684
00:45:41.880 --> 00:45:44.380
 was Beethoven für eine Richtung einschlägt.

685
00:45:44.380 --> 00:45:46.059
 Und das finde ich ich, ist natürlich

686
00:45:46.059 --> 00:45:48.159
 und die Parallelen, über die können wir jetzt

687
00:45:48.159 --> 00:45:50.139
 auch reden und müssen wir wahrscheinlich auch

688
00:45:50.139 --> 00:45:52.219
 reden, warum diese

689
00:45:52.219 --> 00:45:53.599
 Musik nicht Museum ist.

690
00:45:53.980 --> 00:45:55.760
 Warum Beethoven nicht etwas ist, wo man sagt,

691
00:45:55.840 --> 00:45:57.440
 jetzt graben wir den alten

692
00:45:57.440 --> 00:45:59.920
 Kerl mal wieder aus. Oder er wird eh,

693
00:46:00.000 --> 00:46:01.980
 er muss ja nicht ausgegraben werden, wäre ja eh immer sichtbar.

694
00:46:02.059 --> 00:46:03.760
 Beethoven wird überall gespielt, jeden Tag.

695
00:46:04.360 --> 00:46:04.960
 Da, da, da, da.

696
00:46:29.360 --> 00:46:29.539
 Das weiß jeder. Aber was bedeutet das? Was ist wirklich der innerste Grund? Was will uns diese Musik sagen? Und sie ist immer noch dazu da, uns heute auch aufzurütteln, uns heute zu erinnern, wie wir Dunkles überwinden können. Und sie ermutigt einen. Und ich glaube, auch heute ist es noch möglich, mit Leben zu verändern.

697
00:46:31.940 --> 00:46:33.159
 Das mag sehr pathetisch klingen, aber das ist, glaube ich, schon so,

698
00:46:36.920 --> 00:46:37.440
 dass das wirklich das Spielfeld ist,

699
00:46:40.400 --> 00:46:41.280
 um Einfluss zu nehmen auf unser Dasein.

700
00:46:44.300 --> 00:46:44.539
 Wir sind, das haben wir nie gesprochen,

701
00:46:46.599 --> 00:46:46.719
 ein aufführungspraktischer Gedanke noch gekommen,

702
00:46:49.280 --> 00:46:49.360
 aber vielleicht eine Parallelität zu Bruckner,

703
00:46:50.780 --> 00:46:51.119
 weil du hast doch gesagt,

704
00:46:53.440 --> 00:46:54.340
 Beethoven finalsetzt sehr schnell.

705
00:46:55.440 --> 00:46:57.659
 Du hast das zuletzt auch mit dem Melk, er hat die vermessen,

706
00:46:57.760 --> 00:46:59.460
 in welche Tempi die Symphonien

707
00:46:59.460 --> 00:47:00.219
 gespielt werden.

708
00:47:01.539 --> 00:47:03.380
 Das zieht den Musikern sicher auch

709
00:47:03.380 --> 00:47:05.840
 oft den Boden von den Füßen

710
00:47:05.840 --> 00:47:07.159
 weg, weil das auch

711
00:47:07.159 --> 00:47:09.760
 höllisch schwert. Den Beschreibungen

712
00:47:09.760 --> 00:47:11.139
 zufolge müssen diese

713
00:47:11.139 --> 00:47:13.880
 Aufführungen zum Teil schauderbar gewesen sein.

714
00:47:14.619 --> 00:47:16.059
 Aber das Tempo

715
00:47:16.059 --> 00:47:17.780
 ist das eine, aber es

716
00:47:17.780 --> 00:47:19.940
 hat ja Auswirkungen

717
00:47:19.940 --> 00:47:21.880
 auf die Gestalt. Die Nachwelt

718
00:47:21.880 --> 00:47:24.099
 war ja bis heute immer sehr stark versucht

719
00:47:24.099 --> 00:47:28.980
 in die Gegenrichtung langsamer. Dadurch wird ja die Musik auch in gewisser Weise entschärft.

720
00:47:29.559 --> 00:47:32.400
 Ist das nicht auch eine Parallelität zu Bruckner?

721
00:47:33.000 --> 00:47:39.119
 Ist sozusagen in dieser Pathetisierung, Überwältigungsmut, in diesem Aus,

722
00:47:39.519 --> 00:47:42.739
 dass man der Musik auch in gewisser Weise ein bisschen die Zähne zieht?

723
00:47:42.739 --> 00:47:46.880
 Ja sicher. Ich glaube, jede Zeit findet, also sucht zuerst

724
00:47:46.880 --> 00:47:49.579
 und findet dann in diesen Kunstwerken das, was sie braucht.

725
00:47:50.159 --> 00:47:52.539
 Und ich meine, schaut jetzt, also Netflix.

726
00:47:53.659 --> 00:47:56.820
 Wenn Sie einen Film oder bei irgendeinem Streamingdienst

727
00:47:56.820 --> 00:47:58.920
 sich anschauen, bei Netflix-Folgen oder,

728
00:47:59.679 --> 00:48:02.139
 ich habe ja Furcht jetzt was, einen Film,

729
00:48:02.440 --> 00:48:04.719
 dann am Ende, wenn Sie den angeschaut haben,

730
00:48:04.820 --> 00:48:06.039
 schlägt Ihnen der Algorithmus,

731
00:48:07.019 --> 00:48:08.039
 macht der Vorschläge.

732
00:48:08.500 --> 00:48:10.000
 Also wenn Ihnen das gefallen hat,

733
00:48:10.199 --> 00:48:12.280
 hätte ich das noch und das und das.

734
00:48:12.320 --> 00:48:14.219
 Und dann kommen im Prinzip genau die gleichen

735
00:48:14.219 --> 00:48:15.579
 Filme nach gleichem Strickmuster,

736
00:48:16.280 --> 00:48:16.719
 die Ihnen

737
00:48:16.719 --> 00:48:19.760
 da vorgeschlagen werden.

738
00:48:20.280 --> 00:48:22.239
 Also natürlich, wir leben auch in einer

739
00:48:22.239 --> 00:48:24.260
 Zeit, wo es um

740
00:48:24.260 --> 00:48:26.400
 Bestätigung und Beruhigung geht.

741
00:48:26.840 --> 00:48:32.880
 Also das sind, im Prinzip muss man aber sagen, Kunst ist ja genau das Gegenteil.

742
00:48:33.159 --> 00:48:37.079
 Eigentlich, Kunst ist immer gedacht gewesen als Alternative zur Wirklichkeit.

743
00:48:37.699 --> 00:48:41.860
 Also Kunst ist der Bereich, wo es darum geht, anderes kennenzulernen,

744
00:48:42.380 --> 00:48:45.579
 wo man aufgerüttelt wird, wo man durchgeschüttelt wird, wo man auch

745
00:48:45.579 --> 00:48:47.920
 erschüttert wird, auch

746
00:48:47.920 --> 00:48:49.940
 wütend gemacht wird. Ich meine, da draußen ist genug,

747
00:48:50.059 --> 00:48:52.039
 über das man wütend auch sein kann.

748
00:48:52.579 --> 00:48:54.159
 Aber ich glaube, gerade die Medien

749
00:48:54.159 --> 00:48:56.099
 und immer wenn die Krisen natürlich

750
00:48:56.099 --> 00:48:57.280
 besonders überschwappen,

751
00:48:58.539 --> 00:49:00.099
 ziehen ihren Profit

752
00:49:00.099 --> 00:49:02.340
 daraus, uns zu

753
00:49:02.340 --> 00:49:03.679
 beruhigen.

754
00:49:04.539 --> 00:49:06.159
 Und quasi damit bleiben wir

755
00:49:06.159 --> 00:49:08.280
 hängen in einer Schleife

756
00:49:08.280 --> 00:49:10.699
 der unendlichen, immerwährenden

757
00:49:10.699 --> 00:49:12.719
 Wiederholung des Immergleichen.

758
00:49:13.760 --> 00:49:14.300
 Und das ist

759
00:49:14.300 --> 00:49:16.139
 ein Phänomen, was seit Jahrzehnten

760
00:49:16.139 --> 00:49:18.199
 was wir natürlich feststellen.

761
00:49:18.659 --> 00:49:20.300
 Und diese Leute wie Beethoven,

762
00:49:20.420 --> 00:49:22.340
 der ja auch so eine Schleife durchbrochen hat,

763
00:49:23.159 --> 00:49:24.519
 wenn du

764
00:49:24.519 --> 00:49:27.360
 möchtest oder wenn ihr wollt, finde ich das...

765
00:49:27.360 --> 00:49:29.480
 Zwei Sachen haben wir mitgebracht.

766
00:49:29.820 --> 00:49:30.059
 Genau.

767
00:49:30.199 --> 00:49:33.920
 Eine hochinteressante, wichtige Broschüre und Musikbeispiele.

768
00:49:34.039 --> 00:49:34.599
 Ja, ja, ja.

769
00:49:35.119 --> 00:49:36.039
 Wolltest du jetzt auf das...

770
00:49:36.039 --> 00:49:39.239
 Ich wollte auf diese Eroika, weil das würde jetzt am allerbesten passen.

771
00:49:39.719 --> 00:49:49.699
 Ich möchte da noch dazu ergänzen, jetzt zu dem, dass der avantgardistische Künstler nach den Sternen greift und die Welt letztlich auch ausheben will.

772
00:49:50.420 --> 00:50:25.099
 Diesen Gedanken nehmen sich jene Personen sehr, die das Postulat von sich geben, dass das Musik von Beethoven doppelt so schnell gespielt gehört. Es gibt da eine Gruppe von Wissenschaftlern, die das über Briefstellen, über Nachforschungen, was Melzel betrifft, dem nachgehen. Letztlich ist das nicht ausführbar, nämlich nicht auf alle Sätze übertragbar.

773
00:50:25.179 --> 00:50:29.940
 Es gibt die Hanebüchersen-Erklärungen. Man hat sogar wirklich ernsthaft wissenschaftlich vermessen.

774
00:50:30.079 --> 00:50:35.199
 Man kennt das Instrument von Beethoven, es ist ja vorhanden, viele Instrumente.

775
00:50:35.739 --> 00:50:37.599
 Man kennt den Schemel, auf dem er gesessen ist.

776
00:50:37.780 --> 00:50:43.199
 Und jetzt hat man das Metronom irgendwie auf den Flügel da neben seinem Schreibpult gesetzt

777
00:50:43.199 --> 00:50:45.699
 und hat jetzt irgendwie versucht zum messen der Blickwinkel.

778
00:50:45.900 --> 00:50:47.900
 Weil man hat sich gewundert, dahinter steckt

779
00:50:47.900 --> 00:50:49.900
 Beethovens eigene Metronomangaben sind

780
00:50:49.900 --> 00:50:51.800
 an sich schon wahnsinnig schnell. Also deswegen

781
00:50:51.800 --> 00:50:53.800
 das nochmal zu verdoppeln ist völlig absurd.

782
00:50:54.719 --> 00:50:56.139
 Es gibt aber genau die gleiche

783
00:50:56.139 --> 00:50:57.940
 Argumentation, dass alles nur

784
00:50:57.940 --> 00:50:59.539
 halb so schnell war. Also es ist

785
00:50:59.539 --> 00:51:01.880
 lustig. Ich glaube, das ist auch wieder so

786
00:51:01.880 --> 00:51:03.760
 eine Sache. Alle, jede Zeit

787
00:51:03.760 --> 00:51:25.900
 versucht irgendetwas da rauszuziehen, um sich zu rechtfertigen, dass man dann doch irgendwie beruhigt wird. Also eben Beethoven im halben Tempo. Und das ist ja jetzt nicht nur so dahingesagt, das mag jetzt ulkig und lustig klingen für Sie, aber das gibt es ja. Zeit gewesen, wenn Sie Furtwängler, mir fällt da gerade eine Aufnahme, gerade der

788
00:51:25.900 --> 00:51:28.019
 Eroika, wo der Trauermarsch eben an zweiter Stelle

789
00:51:28.019 --> 00:51:29.219
 steht, auf,

790
00:51:29.940 --> 00:51:31.800
 ich habe das nämlich neulich erst recherchiert,

791
00:51:31.840 --> 00:51:34.000
 wir haben über die Eroika ja gesprochen

792
00:51:34.000 --> 00:51:35.300
 im Konzert,

793
00:51:36.199 --> 00:51:37.179
 da dauert dieser

794
00:51:37.179 --> 00:51:39.820
 zweite Satz unter Furtwänglers Leitung,

795
00:51:39.880 --> 00:51:42.059
 das ist nicht immer so gewesen, aber in einer Live-Aufführung

796
00:51:42.059 --> 00:51:43.400
 23 Minuten.

797
00:51:44.380 --> 00:51:45.940
 Also, ich brauche elf.

798
00:51:47.760 --> 00:51:51.860
 Also das, ich weiß nicht, ich bilde mir ein, nicht besonders schnell zu sein,

799
00:51:52.460 --> 00:51:53.800
 sondern halte mich da tatsächlich an.

800
00:51:54.059 --> 00:52:00.239
 Also da ist einfach wirklich, es ist irre, aber das kann man auch noch drüber reden.

801
00:52:00.340 --> 00:52:02.699
 Ich finde das hochspannend, wirklich hochspannend.

802
00:52:03.820 --> 00:52:05.400
 Man schmunzelt da, man lacht,

803
00:52:05.559 --> 00:52:07.519
 wie in ganz vielen Beispielen,

804
00:52:07.639 --> 00:52:09.679
 in den Wagner-Opern ist das ja noch viel krasser,

805
00:52:10.119 --> 00:52:11.980
 der Unterschied, Parsifal Toscanini

806
00:52:11.980 --> 00:52:13.659
 und Parsifal James Levine

807
00:52:13.659 --> 00:52:16.400
 und Parsifal Hartmut Hähnchen

808
00:52:16.400 --> 00:52:18.079
 oder sowas, das sind Stunden

809
00:52:18.079 --> 00:52:20.059
 der Unterschied, also das ist tatsächlich so.

810
00:52:20.619 --> 00:52:21.840
 Bruckner und Celi Bidake,

811
00:52:21.900 --> 00:52:23.099
 mit dem ich aufgewachsen bin,

812
00:52:23.639 --> 00:52:25.840
 sind es immerhin halbe Stunden.

813
00:52:26.099 --> 00:52:29.539
 Aber immerhin, das ist bei der achten, bei der neunten auch.

814
00:52:30.679 --> 00:52:36.699
 Ist das erlaubt? Oder ist das lächerlich? Oder was ist das? Also darf man das?

815
00:52:37.159 --> 00:52:43.860
 Und gerade bei Beethoven, wenn jemand dann auch noch, wenn wir ja wissen, was für einen Aufwand der Komponist betrieben hat,

816
00:52:44.159 --> 00:52:45.980
 um genau das zu verhindern. Da macht es ja

817
00:52:45.980 --> 00:52:47.679
 nicht aus Spaß, dass man irgendwie sagt,

818
00:52:48.019 --> 00:52:49.619
 schreibe ich da noch eine...

819
00:52:49.619 --> 00:52:51.699
 Er kannte ja ganz viele italienische Begriffe,

820
00:52:51.840 --> 00:52:52.619
 wie Mozart auch,

821
00:52:52.940 --> 00:52:55.659
 also mit

822
00:52:55.659 --> 00:52:56.920
 ganz feinen

823
00:52:56.920 --> 00:52:59.639
 Eingliederungen. Haydn kannte

824
00:52:59.639 --> 00:53:01.579
 acht oder neun Tempi. Allegro,

825
00:53:01.739 --> 00:53:02.219
 Presto,

826
00:53:03.900 --> 00:53:05.880
 Larghetto, manchmal Adagio.

827
00:53:06.099 --> 00:53:07.780
 That's it. Und

828
00:53:07.780 --> 00:53:09.599
 Mozart hat das ja schon verzehnfacht.

829
00:53:10.599 --> 00:53:12.079
 Es konnte ihm nicht genau genug

830
00:53:12.079 --> 00:53:13.780
 gehen. Und Beethoven setzt noch einen drauf.

831
00:53:14.159 --> 00:53:15.900
 Er schiebt die Metronomzahlen noch hinterher.

832
00:53:16.000 --> 00:53:17.179
 Und das Metronom war tatsächlich

833
00:53:17.179 --> 00:53:19.940
 niegelnagelneu erfunden, 1814

834
00:53:19.940 --> 00:53:21.820
 von dem Hofmaschinisten Johann

835
00:53:21.820 --> 00:53:23.340
 Nepomuk von Melzel.

836
00:53:24.159 --> 00:53:27.260
 Und mit dem brandneuen Gerät, Metronom,

837
00:53:27.340 --> 00:53:33.139
 hat ja Beethoven 1817 seine Lieblingsquartette einberufen,

838
00:53:33.239 --> 00:53:35.460
 das damalige Schupanzer-Quartett und das Böhm-Quartett,

839
00:53:36.000 --> 00:53:37.719
 und hat seine Sinfonien 1 bis 8,

840
00:53:37.840 --> 00:53:41.699
 also 9 war ja noch nicht komponiert, 1817, viel später erst,

841
00:53:42.460 --> 00:53:43.219
 vermessen lassen.

842
00:53:43.400 --> 00:53:45.300
 Also Beethoven hat sich das Quartett da hinsetzen müssen und Melzel, also Beethoven hat das Tempo angeschlagen und Melzel hat das vermessen lassen. Man hat sich das Quartett da hinsetzen

843
00:53:45.300 --> 00:53:47.139
 müssen und Beethoven

844
00:53:47.139 --> 00:53:49.119
 hat das Tempo angeschlagen und Melzel hat das

845
00:53:49.119 --> 00:53:49.579
 vermessen.

846
00:53:51.579 --> 00:53:53.199
 Das ist Tempo 88

847
00:53:53.199 --> 00:53:54.900
 Achtel und dann wurde das veröffentlicht

848
00:53:54.900 --> 00:53:57.139
 in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung in Leipzig

849
00:53:57.139 --> 00:53:59.059
 für jeder Mann und jeder Frau

850
00:53:59.059 --> 00:54:01.300
 lesbar. Also das ist einvermalt

851
00:54:01.300 --> 00:54:03.300
 verbirgt. Man darf meine Musik

852
00:54:03.300 --> 00:54:04.380
 nicht anders spielen.

853
00:54:04.800 --> 00:54:07.079
 Wie kann das sein, dass dann ein Vorträngler dahergeht?

854
00:54:07.679 --> 00:54:11.739
 Das ist ja, ich sage mal, durchaus ein ernstzunehmender Künstler gewesen und viele andere auch.

855
00:54:12.440 --> 00:54:22.880
 Und ich muss auch sagen, auch ich selbst, selbst wenn ich weiß, dass der Trauermarsch in der Eroica angegeben ist mit Viertel 44 oder Achtel 88,

856
00:54:23.659 --> 00:54:25.940
 ich kann Ihnen nicht garantieren, dass ich das in jeder

857
00:54:25.940 --> 00:54:27.800
 Aufführung auf den Punkt genau treffe.

858
00:54:28.099 --> 00:54:29.980
 Und dann sind wir eigentlich beim Punkt.

859
00:54:30.639 --> 00:54:31.840
 Also weil wir sind ja immer

860
00:54:31.840 --> 00:54:33.840
 zu zweit, sage ich jetzt mal,

861
00:54:33.940 --> 00:54:35.880
 also bitte nicht anmaßend verstehen,

862
00:54:36.119 --> 00:54:38.179
 ich sage das als Interpret, also der Beethoven und ich.

863
00:54:40.559 --> 00:54:41.679
 Ja, und bei

864
00:54:41.679 --> 00:54:43.719
 mir ist Tempo 88

865
00:54:43.719 --> 00:54:44.800
 mal was anderes.

866
00:54:45.860 --> 00:54:47.539
 Und das ist aber gar nicht der Punkt.

867
00:54:47.820 --> 00:54:50.420
 Also wir sind ja keine Maschinisten, wie der Melzl es war,

868
00:54:51.380 --> 00:54:56.059
 wo wir quasi zwanghaft wie ein Roboter diese Tempi ausführen müssen,

869
00:54:56.219 --> 00:54:58.300
 sondern der Sinn ist ja ein anderer.

870
00:54:58.900 --> 00:55:02.039
 Also dieses Tempo gibt mir den Sinn, gibt mir die Bedeutung vor.

871
00:55:02.239 --> 00:55:06.019
 Und dann gibt es ja noch so viele Parameter, die Raumgröße, die

872
00:55:06.019 --> 00:55:07.800
 Besetzungsgröße,

873
00:55:08.039 --> 00:55:10.420
 mein Temperament, das Publikum.

874
00:55:11.059 --> 00:55:11.780
 Ja, genau.

875
00:55:12.039 --> 00:55:14.000
 Werden viele Hustenbonbons aus...

876
00:55:14.000 --> 00:55:14.519
 Genau.

877
00:55:15.360 --> 00:55:17.659
 Oder wird viel gehustet oder nicht?

878
00:55:17.739 --> 00:55:19.960
 Oder ist das Mucksmäuschen still? Also all das

879
00:55:19.960 --> 00:55:21.159
 spielt eine große Rolle.

880
00:55:22.000 --> 00:55:24.059
 Tatsächlich die Aufführung selbst. Und das ist in Ordnung

881
00:55:24.059 --> 00:55:25.780
 schon. Ich bin mir sicher, dass das immer so war.

882
00:55:27.159 --> 00:55:27.900
 Und sogar

883
00:55:27.900 --> 00:55:30.000
 die größten Extremisten, und Stravinsky

884
00:55:30.000 --> 00:55:31.840
 war so ein großer Extremist, der ja auch

885
00:55:31.840 --> 00:55:34.199
 Metronomzahlen in Kommastellen

886
00:55:34.199 --> 00:55:36.119
 angegeben hat, 74,5.

887
00:55:36.840 --> 00:55:38.179
 Und dann gibt es von ihm ja alles

888
00:55:38.179 --> 00:55:39.980
 selbst aufgenommen und eingespielt. Und was

889
00:55:39.980 --> 00:55:41.019
 macht er? Völlig was anderes.

890
00:55:42.440 --> 00:55:43.639
 Also das ist insofern,

891
00:55:43.780 --> 00:55:46.019
 auch da ist der Moment der Aufführung

892
00:55:46.019 --> 00:55:47.800
 einfach ein eigenes

893
00:55:47.800 --> 00:55:50.239
 Event,

894
00:55:50.840 --> 00:55:52.139
 eine eigene Erfahrung

895
00:55:52.139 --> 00:55:53.179
 und trotzdem

896
00:55:53.179 --> 00:55:54.860
 sollte man

897
00:55:54.860 --> 00:55:57.980
 verstehen lernen. Also ist es etwas anderes,

898
00:55:57.980 --> 00:55:59.940
 wenn ich mich bewusst für,

899
00:56:00.360 --> 00:56:01.219
 gegen etwas entscheide,

900
00:56:01.739 --> 00:56:03.699
 ich muss meine Gründe haben

901
00:56:03.699 --> 00:56:06.059
 und das muss ja auch ein Ensemble dann mitverstehen

902
00:56:06.059 --> 00:56:07.639
 und mitverantworten. Ich bin ja nicht alleine.

903
00:56:09.679 --> 00:56:11.900
 Oder ob ich es aus Ignoranz mache,

904
00:56:12.000 --> 00:56:13.679
 weil ich es nicht ernst nehme oder weil ich

905
00:56:13.679 --> 00:56:15.320
 irgendwie denke, das ist ja eh alles Quatsch.

906
00:56:15.719 --> 00:56:17.320
 Ich bin so aufgewachsen.

907
00:56:17.480 --> 00:56:19.619
 Bei mir sogar in der Hochschule in München

908
00:56:19.619 --> 00:56:21.559
 war die Lehrmeinung,

909
00:56:21.980 --> 00:56:23.860
 die Metronomzahlen können nicht stimmen

910
00:56:23.860 --> 00:56:25.500
 und hat dann immer gewisse Sätze herangezogen,

911
00:56:25.960 --> 00:56:27.739
 weil die so dermaßen schnell sind, dass man dachte,

912
00:56:28.219 --> 00:56:30.719
 das ist doch ein langsamer Satz, Entschuldigung.

913
00:56:31.300 --> 00:56:34.159
 Dann kann der Beethoven da nicht schreiben, dass das so schnell ist.

914
00:56:34.460 --> 00:56:35.820
 Das stimmt nicht, das geht nicht.

915
00:56:35.900 --> 00:56:38.179
 Weil man einfach in diesem Denksystem drin war.

916
00:56:38.659 --> 00:56:40.940
 Beethoven hat kaum langsame Sätze geschrieben.

917
00:56:41.159 --> 00:56:44.599
 Man muss sich dann eben einfach von der Idee verabschieden, vom Klischee.

918
00:56:46.039 --> 00:56:47.840
 Und bei Bruckner war es ganz genauso. Wir haften, also Bruckner

919
00:56:47.840 --> 00:56:50.119
 muss immer, wir denken Bruckner immer der Kathedrale,

920
00:56:50.699 --> 00:56:51.840
 wir denken ihn an der Orgel

921
00:56:51.840 --> 00:56:53.920
 und Orchester muss klingen wie Orgel, Orchester

922
00:56:53.920 --> 00:56:55.960
 muss klingen wie Gottesmusikant.

923
00:56:56.699 --> 00:56:58.099
 Das ist ja alles nicht falsch,

924
00:56:58.480 --> 00:56:59.960
 weil es trifft halt nur für einen

925
00:56:59.960 --> 00:57:01.300
 Bruchteil seiner Werke zu.

926
00:57:01.679 --> 00:57:04.000
 Und wir kommen aber sehr gerne daher und stülpen

927
00:57:04.000 --> 00:57:06.059
 das pauschal über eine

928
00:57:06.059 --> 00:57:08.119
 Person hinüber, eine Person bei Bruckner,

929
00:57:08.559 --> 00:57:10.099
 der ja 30 Jahre lang

930
00:57:10.099 --> 00:57:12.119
 Sinfonien komponiert hat. 30 Jahre

931
00:57:12.119 --> 00:57:13.679
 lang. Also der ist durch Himmel und Hölle gegangen

932
00:57:13.679 --> 00:57:15.760
 und hat sich natürlich auch sehr stark entwickelt

933
00:57:15.760 --> 00:57:17.920
 in diesen 30 Jahren. Und da hat das, der

934
00:57:17.920 --> 00:57:19.880
 Anfang mit dem Ende, hat natürlich

935
00:57:19.880 --> 00:57:21.199
 was zu tun, aber

936
00:57:21.199 --> 00:57:23.980
 das ist nicht dasselbe. Das ist nicht ident.

937
00:57:24.539 --> 00:57:25.579
 Und also insofern

938
00:57:25.579 --> 00:57:27.980
 müssen wir immer wieder neu auf die

939
00:57:27.980 --> 00:57:28.480
 Suche gehen.

940
00:57:29.579 --> 00:57:31.699
 Vor allem, er war schon 40, wie die 30 Jahre

941
00:57:31.699 --> 00:57:34.260
 in den Symphonien gekommen sind, das darf man noch nicht vergessen.

942
00:57:34.260 --> 00:57:34.980
 Er war 40.

943
00:57:37.300 --> 00:57:40.159
 Die zwei Sachen, die wir mit

944
00:57:40.159 --> 00:57:41.460
 ihr mitgebracht haben.

945
00:57:42.000 --> 00:57:43.059
 Sie kennen die Heroika.

946
00:57:45.579 --> 00:57:47.380
 Das ist genau dieser Effekt.

947
00:57:48.400 --> 00:57:49.159
 Das kommt gleich nochmal.

948
00:57:51.239 --> 00:57:51.739
 Zweimal.

949
00:57:51.880 --> 00:57:52.800
 Und dann beginnt etwas.

950
00:58:06.000 --> 00:58:08.440
 Ungefähr. So.

951
00:58:08.940 --> 00:58:09.960
 Ungefähr.

952
00:58:11.219 --> 00:58:12.059
 Das ist der Anfang der Eroika.

953
00:58:14.860 --> 00:58:15.579
 Und entscheidend ist aber dieser Anfang.

954
00:58:24.420 --> 00:58:27.980
 Also, dass man nicht, dass man keinerlei Zeit vergeuden will, wenn man so beginnt. Das ganze Orchester mit Pauke im Fortissimo, dem lautesten, was es gibt,

955
00:58:28.679 --> 00:58:31.920
 spielt so kurz wie möglich diese Akkorde.

956
00:58:32.019 --> 00:58:32.559
 Gleich nochmal.

957
00:58:33.480 --> 00:58:35.079
 Und dann kommt tatsächlich dieses Thema.

958
00:58:36.679 --> 00:58:41.179
 Das kann man ja noch irgendwie akzeptieren, ein gebrochener Dreiklang.

959
00:58:41.179 --> 00:58:42.960
 Im Prinzip hat es das fast wie Zauberflöte.

960
00:58:43.059 --> 00:58:44.880
 Er ässt sogar die gleiche Tonart, er ässt dur.

961
00:58:45.599 --> 00:58:46.480
 Jetzt kommt aber das.

962
00:58:48.340 --> 00:58:49.360
 Er driftet ab.

963
00:58:50.340 --> 00:58:51.480
 Und zwar sehr stark,

964
00:58:51.780 --> 00:58:55.519
 weil er tatsächlich das Fundament gleich in Frage stellt.

965
00:58:55.840 --> 00:58:57.139
 Es stimmt, wenn man genauer hinschaut,

966
00:58:57.219 --> 00:58:58.920
 aber damit möchte ich Sie jetzt gar nicht belästigen,

967
00:58:59.360 --> 00:59:00.719
 es stimmt auch die Phrasierung nicht.

968
00:59:01.239 --> 00:59:03.099
 Normalerweise hat man in der Wiener Klassik

969
00:59:03.099 --> 00:59:04.300
 eine gerade Phrasierung.

970
00:59:04.440 --> 00:59:09.480
 Man teilt alles durch zwei oder man teilt alles durch vier, durch acht, symmetrisch.

971
00:59:09.820 --> 00:59:16.280
 Also wenn man mitzählt, ist eins, zwei, drei, vier, eins.

972
00:59:16.679 --> 00:59:20.860
 Aber wenn man genau hinhört, ist es ja eins, eins.

973
00:59:22.480 --> 00:59:24.980
 Dann ist ein Takt eingeschoben und jetzt komme ich erst wieder zurück

974
00:59:24.980 --> 00:59:28.699
 und dann ist dieser Takt auf einer unbetonten Zellzeit.

975
00:59:28.760 --> 00:59:30.659
 Also man hat eigentlich eine fünftaktige Phrase,

976
00:59:31.139 --> 00:59:32.699
 was völlig undenkbar war.

977
00:59:33.280 --> 00:59:35.019
 Und das Ganze im siebten Takt der Sinfonie,

978
00:59:35.420 --> 00:59:37.300
 also mit Unregelmäßigkeiten zu arbeiten.

979
00:59:38.179 --> 00:59:42.940
 Und das war ein Skandal, 1803,

980
00:59:43.619 --> 00:59:47.460
 also die öffentliche Aufführung war 1805, aber es gab eine Voraufführung auch in Palais-Lopkowitz.

981
00:59:48.099 --> 00:59:53.000
 Die erste öffentliche Aufführung war im Theater an der Wien, 1805, da wissen wir relativ gut Bescheid,

982
00:59:53.079 --> 00:59:57.679
 weil Louis Spohr, der Konzertmeister war, auch ein berühmter Komponist,

983
00:59:57.760 --> 01:00:13.860
 aber er war damals im Theater an der Wien der Lieblingskonzertmeister von Beethoven, von dem wissen wir einiges darüber, der wusste zu berichten, dass die Kritik schrieb 1805, dass es Sitten verderbt.

984
01:00:14.500 --> 01:00:19.420
 Also das ist nicht nur schlecht und inakzeptabel, weil die Sinfonie dauert auch viel zu lang.

985
01:00:19.420 --> 01:00:24.480
 Also sie dauert 50 Minuten oder sowas, 48 Minuten.

986
01:00:24.619 --> 01:00:26.639
 Ich weiß nicht, wenn wir diese Metronomzahlen

987
01:00:26.639 --> 01:00:29.500
 und Beethoven sich vielleicht daran gehalten haben ein bisschen,

988
01:00:29.960 --> 01:00:32.300
 ist man auf jeden Fall bei einer Dreiviertelstunde eher länger.

989
01:00:34.039 --> 01:00:35.460
 Eine Sinfonie dauert 20 Minuten.

990
01:00:35.679 --> 01:00:38.639
 Die Jupiter-Sinfonie war damals eine der längsten mit fast 30,

991
01:00:38.780 --> 01:00:40.400
 aber die war auch nicht länger als 30 Minuten.

992
01:00:40.619 --> 01:00:43.019
 Aber dass eine Sinfonie 50 Minuten dauert, ist undenkbar.

993
01:00:44.039 --> 01:00:45.780
 Und dann auch noch

994
01:00:45.780 --> 01:00:49.860
 also so

995
01:00:49.860 --> 01:00:51.840
 sich abkehrend von der Konvention

996
01:00:51.840 --> 01:00:53.539
 sittenverderbend. Das ist schon

997
01:00:53.539 --> 01:00:56.019
 ein starkes Wort. Ich habe mir da auch notiert,

998
01:00:56.139 --> 01:00:57.760
 Pressestimme, sehr weit

999
01:00:57.760 --> 01:01:00.019
 ausgeführte, kühne und wilde

1000
01:01:00.019 --> 01:01:01.539
 Fantasien. Wilde Fantasien.

1001
01:01:02.059 --> 01:01:03.739
 Man hat ihn ja auch, das war dann später bei der

1002
01:01:03.739 --> 01:01:05.739
 siebten Sinfonie und von keinem

1003
01:01:05.739 --> 01:01:07.900
 geringeren als von dem Vater von

1004
01:01:07.900 --> 01:01:09.619
 Clara Schumann, also von

1005
01:01:09.619 --> 01:01:11.440
 Wieck, Vornam weiß ich jetzt nicht mehr, wie er hieß,

1006
01:01:12.139 --> 01:01:13.599
 der hat ihm ja unterstellt, den Beethoven,

1007
01:01:13.940 --> 01:01:15.719
 der kann nur

1008
01:01:15.719 --> 01:01:17.739
 im volltrunkenen Zustand die siebte

1009
01:01:17.739 --> 01:01:19.380
 Sinfonie komponiert haben. Und da besonders

1010
01:01:19.380 --> 01:01:21.820
 den letzten Satz, das ist nicht ernst zu nehmen.

1011
01:01:22.460 --> 01:01:23.639
 Und was wir jetzt aber

1012
01:01:23.639 --> 01:01:26.699
 dabei haben, da möchte ich Sie nicht auf die Folter spannen,

1013
01:01:26.699 --> 01:01:34.099
 diese Sinfonie, die Eroica, ist nämlich 1805 uraufgeführt worden mit einer weiteren Sinfonie

1014
01:01:34.099 --> 01:01:39.019
 von einem gewissen österreichischen Hofkomponisten Anton Eberl.

1015
01:01:40.780 --> 01:01:43.840
 Nie gehört, Sie werden den Namen wahrscheinlich auch nicht gehört haben,

1016
01:01:43.980 --> 01:01:45.460
 Sie werden ihn auch gleich wieder vergessen.

1017
01:01:46.579 --> 01:01:50.960
 Wenn nicht da eine Sache gewesen wäre, Anton Eberl hat auch eine Sinfonie beigestreut

1018
01:01:50.960 --> 01:01:55.119
 zu diesem Akademie-Konzert, auch in Estur.

1019
01:01:56.500 --> 01:01:58.840
 Und diese Sinfonie ist zuerst aufgeführt worden

1020
01:01:58.840 --> 01:02:04.059
 und hat für größtes Wohlgefallen gesorgt.

1021
01:02:04.059 --> 01:02:06.360
 Also ja, das ist die Sinfonie.

1022
01:02:07.219 --> 01:02:10.599
 So, genau so macht man das und so schreibt man das.

1023
01:02:10.900 --> 01:02:13.500
 Ein Begabter, hast du da auch eine Kritik aus?

1024
01:02:14.320 --> 01:02:15.460
 Habe ich jetzt nichts mit, nein.

1025
01:02:16.280 --> 01:02:19.280
 Irgendwo gibt es eine, habe ich einmal gelesen,

1026
01:02:19.360 --> 01:02:20.320
 aber ich habe es jetzt nicht parat.

1027
01:02:20.320 --> 01:02:22.099
 Also wenn ich paraphrassiere, das ist jetzt nur,

1028
01:02:22.820 --> 01:02:26.340
 weil die beiden Sinfonien gegenübergestellt worden sind.

1029
01:02:26.519 --> 01:02:35.119
 Und da hieß es tatsächlich, also da ist der gute Geschmack und auf der anderen Seite ist eben der, der nicht weiß, was sich gehört.

1030
01:02:35.500 --> 01:02:38.239
 Und diese Sinfonie Anton Eberl ist aber erhalten.

1031
01:02:38.820 --> 01:02:43.380
 Und es gibt, wenn Sie bei YouTube schauen, ich habe nur zwei Aufnahmen, das ist eh schon viel.

1032
01:02:41.639 --> 01:02:42.539
 schauen. Ich habe hier nur zwei Aufnahmen.

1033
01:02:43.380 --> 01:02:45.079
 Das ist eh schon viel.

1034
01:02:46.039 --> 01:02:46.159
 Und eine davon,

1035
01:02:47.840 --> 01:02:49.900
 und da würden wir, wenn das geht, Ihnen kurz nur den Anfang einspielen.

1036
01:02:50.320 --> 01:02:51.280
 Und hören Sie das bitte

1037
01:02:51.280 --> 01:02:54.079
 im Vergleich, im Verhältnis zu dem,

1038
01:02:54.639 --> 01:02:55.980
 und Sie wissen ja, was dann darauf

1039
01:02:55.980 --> 01:02:58.199
 folgte, aber hören Sie mal diese Sinfonie

1040
01:02:58.199 --> 01:03:35.699
 und nur den Anfang. Geht es ein bisschen lauter? Sie sind offensichtlich in der langsamen Einleitung.

1041
01:03:41.699 --> 01:04:35.360
 Man kann sich gut vorstellen, wie die Hofgesellschaft da saß und sich gefreut hat. Dankeschön.

1042
01:04:38.440 --> 01:04:39.579
 Sie spielen ein bisschen...

1043
01:04:39.579 --> 01:04:44.099
 Also Sie sehen, nicht schlecht.

1044
01:04:44.320 --> 01:04:47.059
 Das ist wirklich gut gemachte Musik.

1045
01:04:47.280 --> 01:04:49.840
 Das ist ganz klar, aber nach allen Regeln der Kunst.

1046
01:04:50.519 --> 01:04:51.980
 Und das Schöne ist, wenn Sie das gehört haben,

1047
01:04:52.300 --> 01:04:56.340
 diese kleine Zwiesprache mit den Holzbläsern.

1048
01:04:56.420 --> 01:04:57.739
 Ich glaube, gefährlich ist es eben nur da.

1049
01:04:57.820 --> 01:04:58.719
 Und ich glaube, da sind wir.

1050
01:04:58.800 --> 01:05:00.940
 Und das ist, finde ich, schon diese gesellschaftliche Relevanz.

1051
01:05:01.739 --> 01:05:04.460
 Was ist die Aufgabe von Kunst?

1052
01:05:04.460 --> 01:05:12.219
 Ich meine, wir, Norbert, jetzt als Leiter von Kulturorganisationen aus dem Kulturbetrieb,

1053
01:05:12.280 --> 01:05:14.820
 wir stellen uns die Frage und müssen uns die Frage ja täglich stellen.

1054
01:05:15.559 --> 01:05:17.920
 Also was wollen wir? Natürlich wollen wir unterhalten.

1055
01:05:18.059 --> 01:05:19.579
 Natürlich sollen sie einen tollen Abend haben.

1056
01:05:20.199 --> 01:05:22.559
 Aber es gibt ja so viele Schichten. Es gibt ja so viele.

1057
01:05:22.619 --> 01:05:25.099
 Wir wollen sie ja auch weiterbringen. Wir wollen sie konfrontieren.

1058
01:05:25.519 --> 01:05:29.000
 Wie ich vorhin sagte, Kunst ist eine Alternative zur Wirklichkeit.

1059
01:05:29.119 --> 01:05:29.820
 Eine Möglichkeit.

1060
01:05:30.780 --> 01:05:32.199
 Und ich meine, das Tolle an der Kunst ist ja,

1061
01:05:32.260 --> 01:05:33.860
 und vor allem das Tolle am Theater ist,

1062
01:05:33.940 --> 01:05:35.440
 dass sie in Rollen schlüpfen können.

1063
01:05:35.559 --> 01:05:37.659
 Sie können sich identifizieren mit Massenmördern.

1064
01:05:38.179 --> 01:05:40.300
 Jede Verdi-Oper handelt von Massenmördern.

1065
01:05:41.000 --> 01:05:42.099
 Oder zumindest von Mördern.

1066
01:05:43.340 --> 01:05:44.179
 Manchmal sind es Massenmördern.

1067
01:05:44.239 --> 01:05:45.679
 Bei Shakespeare, gehen sie noch weiter zurück,

1068
01:05:46.659 --> 01:05:47.719
 dann wird es dann schon ernst.

1069
01:05:48.019 --> 01:05:49.260
 Dann ist es dann noch schlimmer.

1070
01:05:49.960 --> 01:05:52.340
 Ohne dass sie wirklich jemanden an den Kragen gehen müssten.

1071
01:05:52.480 --> 01:05:57.159
 Aber sie können ihr Schicksal nachrechnen.

1072
01:05:57.280 --> 01:05:58.019
 Was wäre, wenn?

1073
01:05:59.320 --> 01:06:01.519
 Es ist lustig, ein Philosoph hat einmal gesagt,

1074
01:06:02.000 --> 01:06:04.780
 weil alle schlimmen Dinge im Theater passieren dürfen,

1075
01:06:05.360 --> 01:06:07.739
 dann sagt er, der im Theater darf sogar geraucht werden.

1076
01:06:08.400 --> 01:06:11.579
 Also auf der Bühne darf sogar geraucht werden.

1077
01:06:11.960 --> 01:06:12.980
 Also das Allerschlimmste.

1078
01:06:13.159 --> 01:06:14.960
 Das fand ich sehr gut.

1079
01:06:14.960 --> 01:06:17.860
 Aber das ist, glaube ich, sehr wichtig.

1080
01:06:31.320 --> 01:06:32.219
 Ich sage es mal so, die gesellschaftlichen Hypotheken dort verhandelt werden.

1081
01:06:35.780 --> 01:06:35.880
 Und die werden auch benannt und durchgespielt.

1082
01:06:38.719 --> 01:06:43.719
 Das Dunkle, das, was nicht sein darf, das, was man gerne ausblendet. Wir neigen dazu, wenn man sich den großen Zeh anstößt, sich bildlich gesprochen gleich das Bein zu amputieren.

1083
01:06:44.840 --> 01:06:46.179
 Das ist ja die falsche Lösung.

1084
01:06:46.860 --> 01:06:50.519
 Also wir sind ein Organismus, eine Gesellschaft ist auch ein Organismus.

1085
01:06:50.519 --> 01:06:56.639
 Man muss sehr aufpassen bei diesen, ich sag mal, diese Hypotheken,

1086
01:06:56.739 --> 01:07:02.780
 diese Art von Müll, die man gerne dann einfach so ein bisschen anderweitig entsorgt.

1087
01:07:03.079 --> 01:07:06.239
 Dann gibt es die Populisten, die das wieder aus dem Mülleimer herausnehmen

1088
01:07:06.239 --> 01:07:07.719
 und ihre Tröten daraus basteln

1089
01:07:07.719 --> 01:07:10.059
 und uns dann um die Ohren hauen.

1090
01:07:10.440 --> 01:07:12.159
 Also deswegen ist die Kunst ein

1091
01:07:12.159 --> 01:07:14.619
 willkommener, wirklich wichtiger,

1092
01:07:15.380 --> 01:07:16.019
 eine wichtige

1093
01:07:16.019 --> 01:07:18.440
 Fabrik

1094
01:07:18.440 --> 01:07:20.340
 ohne Schornstein, wie ich immer

1095
01:07:20.340 --> 01:07:22.400
 sage. Also etwas, wo Gesellschaft

1096
01:07:22.400 --> 01:07:24.280
 verhandelt wird, wo bestimmte

1097
01:07:24.280 --> 01:07:27.119
 Arten von Lebenskonzepten verhandelt werden,

1098
01:07:27.719 --> 01:07:32.619
 die wehtun, die aufschrecken, die Holzwege sind, die uns falsch hinführen.

1099
01:07:32.679 --> 01:07:33.920
 Aber wir können das simulieren.

1100
01:07:34.340 --> 01:07:39.280
 Wir können auf der Bühne lernen, wie wir zusammenleben wollen und können.

1101
01:07:39.400 --> 01:07:42.559
 Es ist Utopie, manchmal bleibt es Utopie und es muss auch so sein.

1102
01:07:42.559 --> 01:08:03.940
 Manchmal ist es Dystopie, was in die Katastrophe führt, noch viel öfter wahrscheinlich, die ganze 19. Jahrhundert ist wahnsinnig düster im Theater und deswegen glaube ich brauchen wir, müssen wir auch diese Musik so wieder versuchen zu verstehen und wieder neu zu hören.

1103
01:08:03.940 --> 01:08:06.099
 so wieder versuchen zu verstehen und wieder neu zu hören.

1104
01:08:06.820 --> 01:08:08.099
 Danke.

1105
01:08:11.960 --> 01:08:12.440
 Die zweite Sache, die wir mithaben, die Broschüre,

1106
01:08:16.420 --> 01:08:17.779
 ist eine Kooperation zwischen Stadt und Land.

1107
01:08:22.520 --> 01:08:23.039
 Sagst du ein bisschen was dazu, bevor ich dann so einen Blick drüber höre?

1108
01:08:25.300 --> 01:08:27.460
 Der Impuls, quasi die Idee kam vom Mahester, der ausgehend wurde quasi,

1109
01:08:28.500 --> 01:08:35.140
 und da werden quasi als Begleitliteratur zum Zyklus

1110
01:08:35.140 --> 01:08:42.300
 das Begleitheft und auch Linzerbezüge,

1111
01:08:43.560 --> 01:08:45.439
 und das manifestiert quasi auch,

1112
01:08:45.560 --> 01:08:49.560
 aber das ist ein Teil auch des vermittlerischen Akts.

1113
01:08:49.739 --> 01:08:50.579
 Und möchte ich auch,

1114
01:08:51.920 --> 01:08:53.479
 dieser Zyklus,

1115
01:08:53.619 --> 01:08:57.100
 Beethoven-Zyklen gibt es ja da und dort immer wieder, klar.

1116
01:08:58.560 --> 01:09:00.199
 Aber ich habe mir so überlegt,

1117
01:09:00.279 --> 01:09:03.140
 das ist ja eigentlich Weltkulturerbe oder Weltwunder,

1118
01:09:03.140 --> 01:09:05.819
 ein Weltwunder nach dem anderen, nämlich neuen Weltwunder.

1119
01:09:06.260 --> 01:09:06.500
 Absolut.

1120
01:09:08.720 --> 01:09:09.819
 Und die Musik

1121
01:09:09.819 --> 01:09:11.920
 vermag natürlich immer sozusagen in der Zeit

1122
01:09:11.920 --> 01:09:14.180
 stattzufinden.

1123
01:09:14.399 --> 01:09:14.800
 Wenn ich jetzt

1124
01:09:14.800 --> 01:09:16.279
 Michelangelo

1125
01:09:16.279 --> 01:09:19.640
 oder David, das ist auch ein Weltwunder.

1126
01:09:21.079 --> 01:09:22.000
 Sie geht uns

1127
01:09:22.000 --> 01:09:24.220
 im Moment, in der Gegenwart

1128
01:09:24.220 --> 01:09:25.140
 wird sie uns.

1129
01:09:25.600 --> 01:09:31.560
 Da haben wir einfach das Glück, dass wir ein fabelhaftes Orchester in der Stadt haben

1130
01:09:31.560 --> 01:09:40.100
 und dass wir vor allem einen Dirigenten haben, der in aller Dringlichkeit auf der Spur ist.

1131
01:09:41.899 --> 01:09:45.659
 Und dabei, und das erleben wir ja gerade, den vermittlerischen Akt,

1132
01:09:45.819 --> 01:09:50.560
 das ist ja auch dieses Rundherum, auch wirklich die Ohren gespitzt zu bekommen,

1133
01:09:50.779 --> 01:09:55.220
 Informationen, das Vertieft, das Hören, was du uns auch zeigst,

1134
01:09:55.220 --> 01:09:59.680
 das ist ja auch das Besondere, das Ausgestattete, das manifestiert sich auch in dieser Publikation,

1135
01:10:00.199 --> 01:10:04.420
 aber in den Kostproben und vor allem ist da sozusagen auch dir zu danken,

1136
01:10:10.439 --> 01:10:10.539
 Aber in den Kostproben und vor allem ist da sozusagen auch dir zu danken als Vermittler, als Übersetzer, als Hinweiser, um die Dringlichkeit auch nochmal.

1137
01:10:22.039 --> 01:10:22.180
 Das Konzert ist dann das Konzert, das in einer Dringlichkeit und ich habe sehr viele dringliche Aufführungen des Bruckner-Hessers hautnah und sehr eng miterlebt und immer noch.

1138
01:10:24.659 --> 01:10:26.140
 Und das ist, glaube ich, auch der Punkt, ich schreibe da im Vorwort

1139
01:10:26.140 --> 01:10:27.760
 drinnen, ich kann mich sozusagen an eine

1140
01:10:27.760 --> 01:10:30.020
 Beethoven 7 in Korea, weil wir

1141
01:10:30.020 --> 01:10:32.720
 da auf Tour waren, erinnern.

1142
01:10:33.420 --> 01:10:34.199
 Wo das,

1143
01:10:34.319 --> 01:10:35.979
 und da sind wir vielleicht nochmal beim Tempo

1144
01:10:35.979 --> 01:10:37.960
 oder an der Dringlichkeit oder an der Hingabe

1145
01:10:37.960 --> 01:10:40.220
 oder an der Text,

1146
01:10:40.699 --> 01:10:42.319
 dem Text gemäß

1147
01:10:42.319 --> 01:10:42.680
 sozusagen.

1148
01:10:43.659 --> 01:10:44.560
 Bruno Kuh hat immer gesagt,

1149
01:10:45.319 --> 01:10:49.199
 es findet ja immer sozusagen am Rande der Katastrophe die Kunst statt.

1150
01:10:49.520 --> 01:10:51.539
 Es führt uns ja weit aus der Komfortzone.

1151
01:10:52.220 --> 01:10:55.779
 Und das ist ja bei Beethoven immer nehmt

1152
01:10:55.779 --> 01:10:57.359
 und auch heute wirksam.

1153
01:10:57.739 --> 01:11:00.159
 Es ist eigentlich ein zeitloser,

1154
01:11:00.579 --> 01:11:03.220
 er ist immer der Soundtrack unserer Zeit,

1155
01:11:03.500 --> 01:11:04.260
 in gewisser Weise.

1156
01:11:05.220 --> 01:11:06.479
 Und weil ich zuerst von

1157
01:11:06.479 --> 01:11:08.239
 Linz gesprochen habe und mir das

1158
01:11:08.239 --> 01:11:09.800
 bewusst geworden ist und vor einigen Wochen

1159
01:11:09.800 --> 01:11:11.140
 Walli Export hier war,

1160
01:11:12.000 --> 01:11:13.899
 also ich mache jetzt einen Blick

1161
01:11:13.899 --> 01:11:16.100
 auf eine große

1162
01:11:16.100 --> 01:11:18.239
 Linzer Künstlerin, die leider

1163
01:11:18.239 --> 01:11:20.060
 verstorben ist, aber die hat ja

1164
01:11:20.060 --> 01:11:21.279
 sozusagen mit ihrer Arbeit

1165
01:11:21.279 --> 01:11:24.079
 auch wahnsinnige Themen,

1166
01:11:24.340 --> 01:11:27.939
 das war ja nicht nur Provokation hingewiesen.

1167
01:11:29.000 --> 01:11:30.300
 Und da möchte ich vielleicht nur ganz kurz,

1168
01:11:30.380 --> 01:11:31.939
 weil so jetzt mit Florentina Holzinger,

1169
01:11:32.520 --> 01:11:34.939
 ob das genialisch ist, wird die Musikgeschichte zeigen,

1170
01:11:35.579 --> 01:11:37.060
 die Kunstgeschichte zeigen sozusagen.

1171
01:11:37.640 --> 01:11:40.579
 Aber es bleibt ja ein bisschen in dieser Provokation stecken,

1172
01:11:40.659 --> 01:11:42.180
 was sie da in der Biennale macht.

1173
01:11:42.739 --> 01:11:44.100
 Aber es wühlt auch auf.

1174
01:11:44.180 --> 01:11:46.220
 Und vielleicht müssen wir manchmal auch gelegentlich

1175
01:11:46.220 --> 01:11:48.119
 genauer schauen und zu verdauen

1176
01:11:48.119 --> 01:11:49.979
 und die Irritation hinnehmen,

1177
01:11:50.619 --> 01:11:52.000
 um die Kunst, um sozusagen die Rolle

1178
01:11:52.000 --> 01:11:54.159
 der Kunst, ob das bleiben

1179
01:11:54.159 --> 01:11:55.920
 wird, die Biennale, das will ich auch

1180
01:11:55.920 --> 01:11:57.920
 nicht dort einschätzen, aber nur

1181
01:11:57.920 --> 01:11:59.579
 um den Blick, auch

1182
01:11:59.579 --> 01:12:01.880
 mit Valley Export sozusagen, was die

1183
01:12:01.880 --> 01:12:04.060
 in der Stadt, das ist ja auch sozusagen die Rolle

1184
01:12:04.060 --> 01:12:04.619
 der Kunst.

1185
01:12:06.220 --> 01:12:09.760
 Und was könnten wir nicht besseres sozusagen jetzt zyklisch aufführen

1186
01:12:09.760 --> 01:12:17.380
 in dieser auch vermittlerischen Ausgestaltung, die du uns auch bringst rundherum.

1187
01:12:18.460 --> 01:12:27.619
 Ich könnte mir ja gar nichts Besseres vorstellen in der Kulmination mit dem Ohester und sozusagen natürlich man braucht auch ein Haus dazu,

1188
01:12:27.619 --> 01:12:36.680
 das Bedingungen dafür hat. Das geht ja weit über diese Funktion, da sind wir ja nicht im engeren

1189
01:12:36.680 --> 01:12:42.840
 Sinne, das ist politische Arbeit sozusagen. Aber du hast es gesagt, das Hinschauen ist das eigentlich

1190
01:12:42.840 --> 01:12:46.420
 Wesentliche. Also insofern, Kunst findet ja nie in einem Vakuum statt.

1191
01:12:46.899 --> 01:12:50.579
 Also dass man sagt, wir greifen das aus einer Luft, wir konstruieren etwas.

1192
01:12:51.340 --> 01:12:52.920
 Und man kann sich dagegen gar nicht wehren.

1193
01:12:53.000 --> 01:12:54.260
 Das ist ja manchmal auch die Belastung.

1194
01:12:54.359 --> 01:13:02.340
 Und das Problem ist ja immer verdichtete Zeit und Reaktion auf die Umwelt,

1195
01:13:02.340 --> 01:13:04.800
 auf die Gesellschaft, auf was? Auf dieses persönliche Umfeld.

1196
01:13:04.920 --> 01:13:07.079
 Und dann wird es ja eh schon schwierig, das zu determinieren.

1197
01:13:07.079 --> 01:13:09.720
 Aber ist Reaktion.

1198
01:13:10.180 --> 01:13:16.500
 Kunst kommt von euch, von uns und von uns allen.

1199
01:13:16.659 --> 01:13:20.779
 Und es gibt einige, die die Begabung haben, das zu übersetzen.

1200
01:13:20.880 --> 01:13:24.640
 Verdichten, Bildhauer, Maler, Walle-Export, wie auch immer,

1201
01:13:26.140 --> 01:13:26.979
 Bruckner, Mozart.

1202
01:13:28.060 --> 01:13:29.819
 Und jeder hat seine Technik und letztlich, was du da,

1203
01:13:29.920 --> 01:13:31.619
 was wir da sehen, sind wir selbst.

1204
01:13:32.020 --> 01:13:34.000
 Es sind die Spiegel unserer selbst

1205
01:13:34.000 --> 01:13:36.140
 und letztlich können auch wir

1206
01:13:36.140 --> 01:13:37.960
 jetzt, aber die, die wir in der Situation sind,

1207
01:13:38.020 --> 01:13:39.199
 du hast es wunderbar beschrieben,

1208
01:13:39.800 --> 01:13:41.279
 dass wir das wieder auf

1209
01:13:41.279 --> 01:13:43.260
 den Spielplan setzen und auch

1210
01:13:43.260 --> 01:13:46.760
 versuchen wollen,

1211
01:13:46.899 --> 01:13:49.920
 nicht die Töne zu spielen jetzt als Musiker, sondern die Bedeutung zu spielen,

1212
01:13:50.420 --> 01:13:53.779
 ist es ja immer nur ein Angebot, weil letztlich findet es bei Ihnen statt.

1213
01:13:54.260 --> 01:13:57.500
 Sie können sich bei diesem Angebot bedienen.

1214
01:13:58.159 --> 01:14:00.500
 Sie können sagen, man kann sich aber auch woanders aufhalten.

1215
01:14:00.619 --> 01:14:01.539
 Das ist genauso legitim.

1216
01:14:01.680 --> 01:14:05.340
 Da gibt es ja nicht die Wahrheit, wo sie sich einhaken,

1217
01:14:05.880 --> 01:14:08.239
 woran sie sich erfreuen, was sie interessiert

1218
01:14:08.239 --> 01:14:10.180
 an der Kunst, an den Gemälden,

1219
01:14:10.279 --> 01:14:11.739
 an der Skulptur, an dem Konzept.

1220
01:14:12.220 --> 01:14:13.880
 Das muss jeder ja selbst entscheiden.

1221
01:14:14.479 --> 01:14:16.220
 Also sie werden nie falsch liegen.

1222
01:14:16.439 --> 01:14:18.020
 Dazu ist das ja viel zu persönlich.

1223
01:14:18.600 --> 01:14:20.000
 Ich glaube, wichtig ist es eben nur,

1224
01:14:20.239 --> 01:14:22.279
 und da legen wir natürlich

1225
01:14:22.279 --> 01:14:24.060
 Wert drauf, und haben wir

1226
01:14:24.060 --> 01:14:25.720
 beide ja auch immer sehr viel Wert darauf geweckt,

1227
01:14:26.279 --> 01:14:29.300
 dass wir das Angebot möglichst breit halten

1228
01:14:29.300 --> 01:14:32.119
 und dass wir helfen, also Fenster öffnen, Einstieg helfen,

1229
01:14:32.659 --> 01:14:35.380
 dass sie möglichst viele Haken haben, um da hängen zu bleiben,

1230
01:14:35.500 --> 01:14:38.939
 um sich zu verhaken und nicht nur in der Oberfläche liegen bleiben.

1231
01:14:39.140 --> 01:14:40.720
 Das ist ja auch das Faszinierende.

1232
01:14:40.859 --> 01:14:43.819
 Es wird jetzt bei einem Konzert eine Beethoven-Sinfonie gespielt,

1233
01:14:44.239 --> 01:14:47.420
 an einem bestimmten Ort, von einem Mahester, von einem bestimmten Dirigenten.

1234
01:14:48.039 --> 01:14:56.680
 Und dann sitzen sozusagen 1400 Menschen im ausverkauften Brucknerhaus und eigentlich finden 1400 Sinfonien statt.

1235
01:14:57.000 --> 01:14:58.340
 Nämlich das, was wir wahrnehmen.

1236
01:14:59.340 --> 01:15:05.140
 Bei einer Aufführung, wir hören ja nicht dasselbe, wir resonieren ja nicht. Das ist ja auch ein faszinierendes

1237
01:15:05.140 --> 01:15:07.979
 ein Kollektivereignis,

1238
01:15:08.140 --> 01:15:09.960
 das sozusagen aber uns, wie du gerade

1239
01:15:09.960 --> 01:15:11.460
 gesagt hast, auch auf uns

1240
01:15:11.460 --> 01:15:13.659
 zurückwirft. Was

1241
01:15:13.659 --> 01:15:15.920
 hören wir? Was erleben

1242
01:15:15.920 --> 01:15:17.539
 wir? Apropos, was hören wir?

1243
01:15:17.579 --> 01:15:18.800
 Jetzt haben wir gerade noch Zeit

1244
01:15:18.800 --> 01:15:20.819
 für ein paar Hören.

1245
01:15:20.939 --> 01:15:23.619
 Wir hören noch etwas zu der Broschüre.

1246
01:15:24.199 --> 01:15:25.359
 Und sollen wir noch ein Musikbeispiel?

1247
01:15:25.859 --> 01:15:29.739
 Die eigene Aufnahme von der Fünften, das finde ich gut.

1248
01:15:29.840 --> 01:15:30.819
 Da ist nämlich etwas passiert.

1249
01:15:31.720 --> 01:15:39.319
 Besagte Broschüre mit dem klingenden Titel Alle Neune.

1250
01:15:42.399 --> 01:15:45.960
 Vorwort Norbert Travöger, Markus Poschner.

1251
01:15:47.260 --> 01:15:50.340
 Dann ein sehr, sehr schöner Text von Daniel Hochreiter,

1252
01:15:50.460 --> 01:15:53.119
 den ich ganz herzlich auch im Publikum begrüße.

1253
01:15:53.220 --> 01:15:54.659
 Schön, dass du da bist, lieber Daniel.

1254
01:15:54.659 --> 01:15:59.760
 Er ist intramistischer künstlerischer Direktor Bruckner Orchester Linz.

1255
01:15:59.840 --> 01:16:01.020
 Herzlich willkommen hier.

1256
01:16:02.000 --> 01:16:03.979
 Und er hat einen sehr schönen Text geschrieben,

1257
01:16:04.140 --> 01:16:08.560
 Beethoven's Symphonien und die Genese des modernen Konzertwesens.

1258
01:16:09.300 --> 01:16:22.300
 Dann folgen Programmtexte zu allen Neunen, 1 bis 9, ausgezeichnet geschrieben von Isabel Biederleitner auf zwei Seiten, kompakt jede Symphonie.

1259
01:16:22.300 --> 01:16:22.899
 Seiten, kompakt jede Symphonie,

1260
01:16:23.920 --> 01:16:25.760
 manchmal ein Blick ins musikhistorische,

1261
01:16:25.880 --> 01:16:28.100
 manchmal ein Blick ins gesellschaftspolitische,

1262
01:16:28.500 --> 01:16:30.039
 manchmal ein Blick in die

1263
01:16:30.039 --> 01:16:31.220
 humoristische,

1264
01:16:31.760 --> 01:16:33.920
 ironisierende Seite. Das kann man nur

1265
01:16:33.920 --> 01:16:35.920
 jedem ans Herz legen. Sehr, sehr gut

1266
01:16:35.920 --> 01:16:37.560
 geschrieben. Sehr, sehr gut geschrieben.

1267
01:16:37.560 --> 01:16:38.439
 Großartige Literatur.

1268
01:16:39.380 --> 01:16:41.779
 Deswegen ist es ganz wichtig, das da jetzt

1269
01:16:41.779 --> 01:16:43.880
 wirklich auch so zu betonen und sich

1270
01:16:43.880 --> 01:16:45.260
 bei ihr zu bedanken.

1271
01:16:46.119 --> 01:16:47.960
 Dann ein auch sehr launig

1272
01:16:47.960 --> 01:16:50.199
 geschriebener Text von Florian Sedmark,

1273
01:16:50.739 --> 01:16:52.279
 Ludwig van Lins,

1274
01:16:52.779 --> 01:16:54.180
 wo man dann genau lesen kann,

1275
01:16:54.319 --> 01:16:56.220
 ob das jetzt die Apotheke zum Anker

1276
01:16:56.220 --> 01:16:58.100
 oder zur Krone oder zum

1277
01:16:58.100 --> 01:16:59.979
 Hirschen ist. Das waren die

1278
01:16:59.979 --> 01:17:02.100
 Versuche, die wir an der Bar

1279
01:17:02.100 --> 01:17:03.880
 vorhin gestartet haben, aber es ist die

1280
01:17:03.880 --> 01:17:04.600
 Goldene Krone.

1281
01:17:06.479 --> 01:17:12.060
 Also eine Zitat aus dem Text, ergiebige Charakterstudie oder ein ergiebiger,

1282
01:17:12.060 --> 01:17:17.060
 Linz als ergiebiger Charakterstudienort des schwierigen Musikgenies.

1283
01:17:17.279 --> 01:17:18.020
 So ist es genau.

1284
01:17:18.699 --> 01:17:22.119
 Und ein letzter, auch noch sehr, sehr guter Text von Andreas Mayer.

1285
01:17:22.600 --> 01:17:25.520
 Wie ist es denn nach der Neunten?

1286
01:17:26.079 --> 01:17:27.819
 Wie sieht es da mit

1287
01:17:27.819 --> 01:17:30.159
 symphonischem Schaffen oder Möglichkeiten

1288
01:17:30.159 --> 01:17:32.020
 zu symphonischem Schaffen

1289
01:17:32.020 --> 01:17:33.739
 aus? Ich mache nur einen kleinen Schlenker.

1290
01:17:34.380 --> 01:17:36.060
 Baldun Sulzer hat auch ein Stück geschrieben

1291
01:17:36.060 --> 01:17:37.760
 für ein Nonet, das heißt

1292
01:17:37.760 --> 01:17:39.920
 Alle Neune. Bei der Uraufführung

1293
01:17:39.920 --> 01:17:41.500
 waren auch nicht nur neun Leute

1294
01:17:41.500 --> 01:17:43.899
 auf der Bühne, sondern auch im Publikum.

1295
01:17:45.380 --> 01:17:47.100
 Also ich beschreibe das mal, was zum Besten.

1296
01:17:47.539 --> 01:17:49.359
 Alle neune auf beiden Seiten.

1297
01:17:51.060 --> 01:17:52.659
 Das war nur ein kleiner Schlenker.

1298
01:17:54.739 --> 01:17:59.659
 Ja, also eine ausgezeichnete Broschüre, die diese zyklische Aufführung begleitet.

1299
01:18:00.560 --> 01:18:04.840
 Und ich hoffe, Sie werden diese Texte mit dem gleichen Genuss und der gleichen Freude lesen,

1300
01:18:04.899 --> 01:18:26.159
 wie ich das gemacht habe. Und jetzt gebe ich dir das Wort, lieber Markus, duitten Satz beginnen, also der Übergang dritter Satz in den letzten

1301
01:18:26.159 --> 01:18:27.539
 Satz, nicht erster Satz.

1302
01:18:28.979 --> 01:18:29.579
 Und da

1303
01:18:29.579 --> 01:18:32.060
 haben wir eine Kostprobe davor

1304
01:18:32.060 --> 01:18:32.520
 gehabt.

1305
01:18:33.840 --> 01:18:36.020
 Da leuchten

1306
01:18:36.020 --> 01:18:37.979
 die Augen. Meine auch, weil

1307
01:18:37.979 --> 01:18:40.060
 ich fand das großartig. Und zwar, es gibt

1308
01:18:40.060 --> 01:18:42.060
 zeitgenössische

1309
01:18:42.060 --> 01:18:44.140
 Berichte von der Uraufführung

1310
01:18:44.140 --> 01:18:45.819
 der fünften Sinfonie, da gibt es überhaupt

1311
01:18:45.819 --> 01:18:48.359
 auch wieder über Louis Spohr, das ist da eine ganz tolle

1312
01:18:48.359 --> 01:18:50.199
 Quelle, der berichtet hat,

1313
01:18:50.260 --> 01:18:52.039
 also einmal, ich weiß nicht, ob wir das hören

1314
01:18:52.039 --> 01:18:54.260
 werden, weil ich jetzt nicht genau weiß, wo dieser, ich glaube nicht,

1315
01:18:54.340 --> 01:18:56.220
 weil das passiert davor, wir haben ja nur

1316
01:18:56.220 --> 01:18:58.060
 den Schluss vom 3. Satz, es gibt das

1317
01:18:58.060 --> 01:18:59.460
 Trio des 3. Satzes,

1318
01:19:00.239 --> 01:19:04.100
 ist für die Kontrabessern,

1319
01:19:04.180 --> 01:19:07.899
 für die Celli, unglaubliche Virt Virtuos sehr schnell zu spielen.

1320
01:19:08.880 --> 01:19:12.239
 Und da muss es einen Aufstand in den Proben gegeben haben.

1321
01:19:12.680 --> 01:19:16.699
 Und zwar einen Aufstand der Kontrabässe, die dem Beethoven vorgeworfen haben,

1322
01:19:16.779 --> 01:19:18.840
 das ist unspielbar, was du da schreibst.

1323
01:19:19.439 --> 01:19:22.920
 Und tatsächlich muss es so gewesen sein, dass bei der Urführung zumindest

1324
01:19:22.920 --> 01:19:25.239
 diese Stelle von den Kontrabäessen verweigert wurde.

1325
01:19:26.159 --> 01:19:27.680
 Sondern es haben dann nur die Celli gespielt.

1326
01:19:29.699 --> 01:19:35.800
 Also heute würde man nur schmunzeln darüber, aber damals haben wir gesagt, das geht nicht.

1327
01:19:36.159 --> 01:19:39.100
 Und dem nicht genug über diese Sinfonie gibt es eben noch einen Bericht.

1328
01:19:41.500 --> 01:19:46.159
 Das, und Sie wissen ja, die fünfte Sinfonie, von dem C-Moll,

1329
01:19:46.720 --> 01:19:50.819
 da-da-da-da, also von der Dunkelheit hin zum Licht, das ist ja das Paradebeispiel,

1330
01:19:51.279 --> 01:19:53.260
 am Schluss ein strahlendes C-Dur.

1331
01:19:53.380 --> 01:19:57.520
 Und das wusste Beethoven so unglaublich gut zu instrumentieren und in Szene zu setzen,

1332
01:19:57.520 --> 01:20:02.680
 nicht nur über seine fantastische Steuerung und Spannungsaufbau,

1333
01:20:02.840 --> 01:20:06.159
 also über die Satzgestaltung,

1334
01:20:06.560 --> 01:20:08.779
 sondern vor allen Dingen auch über die Instrumentation.

1335
01:20:08.899 --> 01:20:11.760
 Denn die 5. Sinfonie von Beethoven hat zum ersten Mal,

1336
01:20:11.819 --> 01:20:15.380
 tatsächlich zum ersten Mal in der Musikgeschichte, in einer Sinfonie Posaunen.

1337
01:20:16.779 --> 01:20:19.340
 Posaunen, eine Piccolo-Flöte und ein Kontrafagott.

1338
01:20:19.460 --> 01:20:21.800
 Also das sind eigentlich die Revolutionsinstrumente.

1339
01:20:21.939 --> 01:20:25.699
 Piccolo war Militärmusik, Kontra for Gold war auch Militärmusik

1340
01:20:25.699 --> 01:20:27.859
 und die Posaunen kamen bis

1341
01:20:27.859 --> 01:20:29.760
 dato immer nur im Oratorium oder in der

1342
01:20:29.760 --> 01:20:31.939
 Oper vor, aber nie in einer Sinfonie.

1343
01:20:32.159 --> 01:20:33.560
 Man hat sie in der Schöpfung, man hat sie in der

1344
01:20:33.560 --> 01:20:35.899
 Zauberflöte. Sie waren immer

1345
01:20:35.899 --> 01:20:38.000
 Darsteller einer

1346
01:20:38.000 --> 01:20:39.020
 überirdischen,

1347
01:20:39.520 --> 01:20:41.800
 einer anderen Sphäre,

1348
01:20:42.300 --> 01:20:43.260
 Deus ex machina,

1349
01:20:43.460 --> 01:20:45.560
 die Sarastro-Sphäre in der Zauberflöte,

1350
01:20:45.619 --> 01:20:46.439
 dann hören sie Posaunen.

1351
01:20:46.720 --> 01:20:48.739
 O Isis, O Osiris, Posaunen.

1352
01:20:49.579 --> 01:20:51.819
 Und jetzt zum ersten Mal in der Sinfonie

1353
01:20:51.819 --> 01:20:53.859
 und der Einstieg der Posaunen

1354
01:20:53.859 --> 01:20:55.479
 und der Piccolo-Flöte und das Konterfolgerod

1355
01:20:55.479 --> 01:20:57.560
 auf den Punkt genau

1356
01:20:57.560 --> 01:20:59.640
 zum ersten Mal in der Sinfonie

1357
01:20:59.640 --> 01:21:01.840
 C-Dur, der Beginn des letzten

1358
01:21:01.840 --> 01:21:03.760
 Satzes. Und dann kommt noch dazu der Trick,

1359
01:21:03.880 --> 01:21:05.699
 dass der letzte Satz nicht einfach nur so beginnt,

1360
01:21:06.060 --> 01:21:11.180
 sondern dass Beethoven den dritten Satz direkt in den letzten hat hinübergehen lassen.

1361
01:21:11.800 --> 01:21:16.500
 Und zwar auch noch so geschickt verklausuliert, dass die gar nicht genau wissen, wann dieses C-Dur ist.

1362
01:21:16.500 --> 01:21:22.319
 Es ist nicht vorhersehbar, so was wir gerade sagten, im Sinne der Berechnung und des Vorhersehbaren.

1363
01:21:22.739 --> 01:21:24.539
 Da können sie mitzählen, was sie wollen.

1364
01:21:24.659 --> 01:21:25.899
 Das ist so dermaßen

1365
01:21:25.899 --> 01:21:28.399
 krumm komponiert. Das ist wirklich

1366
01:21:28.399 --> 01:21:30.399
 immer eine Überraschung. Und eben bei dieser

1367
01:21:30.399 --> 01:21:32.420
 Überraschung muss in der Uraufführung Folgendes

1368
01:21:32.420 --> 01:21:34.479
 passiert sein. Die Leute

1369
01:21:34.479 --> 01:21:36.420
 hat es von den Stühlen gerissen und sie

1370
01:21:36.420 --> 01:21:36.720
 sind

1371
01:21:36.720 --> 01:21:40.479
 spontan aufgesprungen

1372
01:21:40.479 --> 01:21:42.260
 und haben gejubelt und

1373
01:21:42.260 --> 01:21:44.300
 geschrien bei diesem C-Dur.

1374
01:21:44.439 --> 01:21:47.500
 Also das muss so eine Atemlosigkeit gewesen sein.

1375
01:21:48.039 --> 01:21:51.420
 Und dieser brandende Applaus, der ist dann irgendwie öfter noch passiert,

1376
01:21:51.859 --> 01:21:57.279
 davon habe ich eben in der Kostprobe Ihnen, wenn Sie da waren, dem Publikum erzählt.

1377
01:21:57.760 --> 01:21:59.760
 Und dann habe ich tatsächlich viele Mails bekommen.

1378
01:22:00.659 --> 01:22:03.939
 Und ich habe dann in der Kostprobe, glaube ich, auch gesagt, das probieren wir jetzt mal aus.

1379
01:22:03.939 --> 01:22:06.359
 Wir haben das tatsächlich dann einmal so inszeniert.

1380
01:22:06.439 --> 01:22:09.819
 Wir spielen diesen Übergang und wenn Sie C-Dur hören, wenn Sie meinen, C-Dur zu hören,

1381
01:22:09.920 --> 01:22:13.300
 dann bitte jubeln Sie und applaudieren Sie.

1382
01:22:13.340 --> 01:22:16.260
 Wir wollen das einmal historisch nachfühlen.

1383
01:22:16.380 --> 01:22:18.439
 Das ist ja wirklich wie im Fußballstadion.

1384
01:22:18.439 --> 01:22:22.680
 Also wenn plötzlich ein Tor fällt, das Tor ist C-Dur und dann fängt man an zu jubeln.

1385
01:22:23.420 --> 01:22:25.640
 Und dann kamen Mails und so weiter.

1386
01:22:25.859 --> 01:22:31.819
 Ja, dürfen. Und dann, ob wir das dann auch im Konzert machen sollen oder dürfen.

1387
01:22:31.960 --> 01:22:35.000
 Ich sage, natürlich. Natürlich. Wir haben es jetzt auch so wunderbar geprobt.

1388
01:22:35.359 --> 01:22:39.039
 Wir würden uns freuen, auch für uns auf der Bühne ist es etwas Erhebendes gewesen,

1389
01:22:39.680 --> 01:22:44.699
 wenn tatsächlich dieses ganze Orchester ansetzt und dann im Saal bricht Jubel aus.

1390
01:22:44.699 --> 01:22:46.180
 Aber das Schöne ist,es kann es ja gar nicht geben.

1391
01:22:46.500 --> 01:22:48.279
 Und genau so war es. Also im Konzert,

1392
01:22:48.779 --> 01:22:49.760
 wenn sie dabei waren,

1393
01:22:50.340 --> 01:22:51.539
 muss ich Ihnen nichts erzählen,

1394
01:22:52.220 --> 01:22:54.180
 brach vielleicht erst ein bisschen

1395
01:22:54.180 --> 01:22:55.039
 zögerlich

1396
01:22:55.039 --> 01:22:58.300
 und dann aber umso überwältigender

1397
01:22:58.300 --> 01:23:00.579
 gab es großen Applaus bei C-Dur.

1398
01:23:00.840 --> 01:23:02.000
 Und da hören Sie jetzt

1399
01:23:02.000 --> 01:23:04.260
 unsere Aufnahme. Ich wurde in der Pause auch noch gefragt,

1400
01:23:04.380 --> 01:23:05.899
 Herr Travöger, applaudieren Sie oder sind Sie

1401
01:23:05.899 --> 01:23:06.279
 feig?

1402
01:23:08.300 --> 01:23:09.380
 Feig war ich nun nie.

1403
01:23:10.359 --> 01:23:11.899
 Und ich habe es selber noch nicht gehört,

1404
01:23:12.199 --> 01:23:13.920
 jetzt, aber man hat mir gesagt,

1405
01:23:13.979 --> 01:23:15.899
 wir haben den Mitschnitt und ich bin

1406
01:23:15.899 --> 01:23:17.859
 jetzt gespannt, wie stark man den Jubel hört.

1407
01:23:22.520 --> 01:23:23.880
 Ja, das ist die Überleitung.

1408
01:23:24.039 --> 01:24:15.840
 Ende Skerzo, also Ende dritter Satz.... Das ist die Prosa.

1409
01:24:17.180 --> 01:24:17.319
 Der Techniker hat nicht damit gerechnet,

1410
01:24:18.800 --> 01:24:20.460
 er hätte ein Mikrofon aufstellen müssen für den Klangkörper.

1411
01:24:21.020 --> 01:24:23.039
 Das sind ja nur die Mikrofone

1412
01:24:23.039 --> 01:24:25.659
 für die Musiker gewesen, aber Sie sehen, wie viel Power schon dahinter war,

1413
01:24:25.720 --> 01:24:26.560
 wenn man es auch so hört.

1414
01:24:27.319 --> 01:24:28.560
 Also ich finde, das ist wirklich

1415
01:24:28.560 --> 01:24:31.840
 das Elfmeter-Tor, Weltmeisterschaft

1416
01:24:31.840 --> 01:24:33.659
 gewonnen, Finale,

1417
01:24:33.920 --> 01:24:35.640
 so C-Dur, großartig.

1418
01:24:36.020 --> 01:24:37.920
 Ausgezeichnet, ein sehr erhebendes Gefühl.

1419
01:24:38.359 --> 01:24:39.659
 Vor allem, man ist ja wirklich

1420
01:24:39.659 --> 01:24:41.659
 30 Minuten auf die Folter

1421
01:24:41.659 --> 01:24:43.739
 gespannt, das ist ja ungefähr, oder noch 25

1422
01:24:43.739 --> 01:24:44.720
 Minuten, ich weiß gar nicht.

1423
01:24:45.279 --> 01:24:48.140
 Und das, ja, der verinnerlicht Minuten auf die Folter gespannt. Das ist ja ungefähr, oder nach 25 Minuten, ich weiß gar nicht. Und der

1424
01:24:48.140 --> 01:24:50.140
 Verinnerlichung

1425
01:24:50.140 --> 01:24:52.260
 des Kampfes, des musikalischen Kampfes

1426
01:24:52.260 --> 01:24:53.739
 und dann bricht das auf

1427
01:24:53.739 --> 01:24:55.680
 und dann ist gleißendes Licht

1428
01:24:55.680 --> 01:24:57.819
 und strahlendes C-Dur. Und es gibt ja wirklich

1429
01:24:57.819 --> 01:24:59.619
 nichts Strahlenderes als wirklich

1430
01:24:59.619 --> 01:25:01.300
 ein helles Orchester-C-Dur.

1431
01:25:01.420 --> 01:25:03.300
 Das ist unfassbar, wie das klingt.

1432
01:25:03.720 --> 01:25:05.159
 Ich kann mir gut vorstellen,

1433
01:25:06.439 --> 01:25:06.880
 dass es auch zum ersten Mal so etwas ist.

1434
01:25:10.039 --> 01:25:10.539
 Sie wissen, Heidenschöpfung geht auch in C-Moll oder C-Los.

1435
01:25:12.539 --> 01:25:12.579
 Und dann das erste Licht hat ja auch so einen,

1436
01:25:13.819 --> 01:25:14.539
 der spielt auch mit diesem Effekt,

1437
01:25:16.020 --> 01:25:18.779
 der erste Lichtstrahl. Also wenn das irgendwie durch diese Fuge hindurch geht,

1438
01:25:19.619 --> 01:25:20.880
 dann setzt der Chor ein.

1439
01:25:21.060 --> 01:25:23.020
 Da ist es der Chor, nicht die Posaunen.

1440
01:25:23.800 --> 01:25:25.300
 Da war er auch dabei, die Posaunen.

1441
01:25:25.579 --> 01:25:27.920
 Aber natürlich längst nicht so

1442
01:25:27.920 --> 01:25:30.000
 wie das. Und das ist wirklich

1443
01:25:30.000 --> 01:25:32.020
 im besten Sinne ist das Hollywood.

1444
01:25:33.159 --> 01:25:34.060
 Also da weiß jemand

1445
01:25:34.060 --> 01:25:36.159
 ganz genau, wie man die Leute kriegt.

1446
01:25:37.279 --> 01:25:40.039
 das wusste er, wie wir vorhin gesehen haben,

1447
01:25:40.119 --> 01:25:41.479
 sicher schon mit der ersten Sinfonie.

1448
01:25:42.500 --> 01:25:44.100
 Zu hören wird das sein,

1449
01:25:44.100 --> 01:25:45.939
 wenn ich das richtig verstanden habe,

1450
01:25:46.039 --> 01:25:48.279
 am 18. Juni 2026

1451
01:25:48.279 --> 01:25:50.479
 auf Ö1.

1452
01:25:50.760 --> 01:25:52.239
 Schön. Mit Applaus.

1453
01:25:52.460 --> 01:25:53.640
 Und aufgenommen wurde

1454
01:25:53.640 --> 01:25:56.300
 das am 30. April

1455
01:25:56.300 --> 01:25:58.260
 im Brucknerhaus in Linz.

1456
01:25:58.340 --> 01:25:58.600
 Genau.

1457
01:25:58.600 --> 01:25:59.140
 Genau.

1458
01:26:03.960 --> 01:26:04.640
 Juni

1459
01:26:04.640 --> 01:26:12.279
 habe ich auf. 18. Juni. 18. Juni habe ich auf, 18. Juni, 2026, 19.30 Uhr. Danke.

1460
01:26:12.899 --> 01:26:14.140
 Das ist doch ein schönes Schlusswort.

1461
01:26:14.140 --> 01:26:32.920
 Ja, ich möchte noch so, das ist ein absolut schöner klingender Schlusspunkt, ich möchte noch so ein kleines ausbegleitendes Resümee mit euch hier auf der Bühne ziehen.

1462
01:26:41.500 --> 01:26:43.960
 Symphonien.

1463
01:26:46.180 --> 01:26:48.239
 Wie werden die Symphonien mit anderen Stücken

1464
01:26:48.239 --> 01:26:49.579
 in Verbindung gebracht?

1465
01:26:49.899 --> 01:26:51.199
 Das interessiert mich noch.

1466
01:26:51.979 --> 01:26:53.880
 Die Programme sind sozusagen auf der

1467
01:26:53.880 --> 01:26:55.600
 Programmatischen sehr unterschiedlich gebaut.

1468
01:26:56.279 --> 01:26:58.260
 Ich denke nur jetzt, das Eröffnungskonzert

1469
01:26:58.260 --> 01:27:00.399
 des Bruckner-Fests am 13. September,

1470
01:27:01.500 --> 01:27:02.279
 da hören wir

1471
01:27:02.279 --> 01:27:04.060
 die Pastorale, da gehen wir quasi

1472
01:27:04.060 --> 01:27:09.340
 in der Natur, da ist das Boulang-Cembalo-Konzert und das Debussy-Slamer.

1473
01:27:09.340 --> 01:27:25.960
 Und quasi die Kombinationen oder demnächst quasi erste Beethoven, neunte Mahler, diese Spannweite, die sind auf der programmatischen Ebene

1474
01:27:25.960 --> 01:27:28.720
 in ganz unterschiedlichen, spannenden Kontexten gebaut.

1475
01:27:29.000 --> 01:27:30.260
 Da gibt es kein Modell.

1476
01:27:32.239 --> 01:27:33.640
 Treffende Giganten.

1477
01:27:34.539 --> 01:27:38.760
 Wie begegnet man einem Giganten mit anderen Giganten?

1478
01:27:39.699 --> 01:27:40.100
 Vielleicht.

1479
01:27:42.819 --> 01:27:51.960
 Und dir, lieber Markus, wünsche ich eine äußerst erfolgreiche und genussreiche letzte Zeit in Linz hier.

1480
01:27:52.619 --> 01:27:57.760
 Eine persönliche Frage, wahrscheinlich stellt man sie dir oft und vielleicht nervt sie auch.

1481
01:28:04.720 --> 01:28:05.279
 hier wegzugehen mit Erfüllung, mit einem freudigen Rückblick,

1482
01:28:09.979 --> 01:28:10.300
 mit einem tränenden Auge, mit einem Sehnen in die Zukunft.

1483
01:28:11.300 --> 01:28:11.819
 Ich weiß es nicht.

1484
01:28:16.300 --> 01:28:16.800
 Du musst es auch nicht beantworten, wenn es zu unangenehm ist, die Frage. Es ist zu früh.

1485
01:28:18.100 --> 01:28:20.439
 Es ist ein Jahr zu früh, die Frage.

1486
01:28:21.720 --> 01:28:23.020
 Du musst sie mir später stellen.

1487
01:28:23.180 --> 01:28:25.060
 Das ist eine sehr, sehr treffende

1488
01:28:25.060 --> 01:28:27.199
 Antwort und sollten wir

1489
01:28:27.199 --> 01:28:29.439
 Gelegenheit haben, später darüber zu sprechen,

1490
01:28:29.739 --> 01:28:30.500
 dann werde ich...

1491
01:28:30.500 --> 01:28:32.020
 Und ich werde versuchen, dir eine Antwort zu geben.

1492
01:28:33.479 --> 01:28:35.220
 Summa summarum, wir freuen uns

1493
01:28:35.220 --> 01:28:36.520
 unendlich auf diese Saison.

1494
01:28:37.560 --> 01:28:39.319
 Und sind sehr gespannt

1495
01:28:39.319 --> 01:28:41.460
 auf die Beethoven-Momente,

1496
01:28:41.460 --> 01:28:43.460
 auf das Heroische, auf das

1497
01:28:43.460 --> 01:28:47.960
 Aufbegehrende, auf das Politische, das darin steckt, auf das Lyrische,

1498
01:28:48.340 --> 01:28:50.239
 Sehnsuchtsvolle, Feine, Zarte auch.

1499
01:28:51.880 --> 01:28:56.300
 Ich danke dir, dass du mir so ein wunderbarer Gast gewesen bist heute.

1500
01:28:56.800 --> 01:28:58.079
 Danke, sehr gerne.

1501
01:28:58.079 --> 01:29:19.000
 Danke schön. Dankeschön.

1502
01:29:19.000 --> 01:29:31.140
 Danke auch für die Live-Demonstrationen, was ein Dominant-Sept-Akkord zum Beginn einer ersten Symphonie alles zu bedeuten hat.

1503
01:29:31.239 --> 01:29:32.039
 Vielen herzlichen Dank.

1504
01:29:33.100 --> 01:29:37.039
 Und ebenso dir, lieber Norbert, du warst mir ein wunderbarer Gast hier.

1505
01:29:37.039 --> 01:29:43.699
 Und ich wünsche dir für die Tätigkeit, die du jetzt ausführst, das Allerbeste.

1506
01:29:42.520 --> 01:29:42.859
 Tätigkeit, die du jetzt ausführst,

1507
01:29:43.699 --> 01:29:44.539
 das allerbeste,

1508
01:29:46.439 --> 01:29:48.100
 wie ich so von der Ferne manchmal beobachte und spüre,

1509
01:29:48.260 --> 01:29:49.960
 das Brucknerhaus sprüht

1510
01:29:49.960 --> 01:29:52.420
 und öffnet seine Tore

1511
01:29:52.420 --> 01:29:54.739
 und ich freue mich

1512
01:29:54.739 --> 01:29:56.380
 sehr, Konzerte

1513
01:29:56.380 --> 01:29:57.760
 der Zukunft auch zu hören.

1514
01:29:57.760 --> 01:30:01.619
 Wir haben viel

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01:30:01.619 --> 01:30:02.500
 angestellt.

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01:30:03.800 --> 01:30:04.640
 Dankeschön.

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01:30:05.699 --> 01:30:06.819
 Alles Gute dir auch.

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01:30:07.000 --> 01:30:07.260
 Danke.

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01:30:07.260 --> 01:30:07.319
 Danke.

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01:30:21.420 --> 01:30:22.739
 Einen schönen Abend noch.

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01:30:23.680 --> 01:30:25.380
 Alles Weitere an der Bar.

