WEBVTT

0
00:00:00.000 --> 00:00:02.000
 Musik

1
00:00:18.000 --> 00:00:23.000
 Also wir befinden uns im oberösterreichischen Landesmuseum, genauer gesagt im Schlossmuseum in Lind,

2
00:00:23.000 --> 00:00:25.379
 in unserer neuen archäologischen Dauerausstellung.

3
00:00:25.679 --> 00:00:30.579
 Und in Raum 1 geht es um unsere Highlights. Wir haben sechs Highlight-Objekte ausgestellt,

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00:00:30.719 --> 00:00:35.140
 die sich quasi über die gesamte Urgeschichte Römerzeit und das Frühmittelalter spannen,

5
00:00:35.500 --> 00:00:40.140
 beginnend mit einer Figur aus dem mittleren Neolithikum, die aus Oelkern bei St. Florian

6
00:00:40.140 --> 00:01:07.700
 stand. Wir haben eine Schnabelkanne aus dem etruskischen Raum, die aus der späten Eisenzeit stammt, einen ganzen Haufen an Goldmünzen aus derselben Zeit. Ausgestellt ist auch der Goldhalsreifen von Utendorf, auch aus der Hallstattzeit, ein römischer Weihe so kann, wenn sie nach Schätzen gräbt. Und im Raum 2 geht es dann um die Methoden der Archäologie.

7
00:01:07.980 --> 00:01:12.500
 Und dann folgen drei Räume, wo es ums archäologische Welterbe geht.

8
00:01:12.900 --> 00:01:18.859
 Einerseits die Pfahlbauten rund um die Alpen, Hallstatt und das Dachsteingebiet

9
00:01:18.859 --> 00:01:22.260
 und der Donau-Limes, die römische Grenze.

10
00:01:22.359 --> 00:01:25.140
 Und dann gibt es noch einen Raum übers römische Linz.

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00:01:26.379 --> 00:01:28.040
 Wir haben eine Frauenfigur

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00:01:28.040 --> 00:01:29.980
 in Raum 1 ausgestellt. Das ist die Frau

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00:01:29.980 --> 00:01:31.980
 von Oelkom. Oelkom liegt

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00:01:31.980 --> 00:01:34.000
 bei St. Florian. Da wurde eine sogenannte

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00:01:34.000 --> 00:01:36.099
 Kreisgrabenanlage ausgegraben,

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00:01:36.159 --> 00:01:37.959
 schon in den 90er Jahren. Und

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00:01:37.959 --> 00:01:39.959
 darin ist diese Frauenfigur entdeckt worden.

18
00:01:40.540 --> 00:01:42.120
 Es ist deshalb so eine besondere

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00:01:42.120 --> 00:01:43.879
 Figur, also ein besonderes Fundstück,

20
00:01:43.959 --> 00:02:08.740
 weil es in der Urgeschichte ganz selten nur Darstellungen des Menschen vom Menschen gibt. Und dass sie auch noch eine Frauenfigur ist, macht sie natürlich noch einmal zu etwas Besonderem, weil anhand von solchen Figuren ganz oft Debatten geführt werden, wie es denn ausgesehen hat mit den Geschlechterverhältnissen in der Urgeschichte. Das heißt, man debattiert dann sehr gerne, hat es ein Matriarchat gegeben oder hat es doch ein Patriarchat gegeben oder wie war diese ganze Struktur?

21
00:02:09.439 --> 00:02:13.500
 Die klare Antwort auf solche Fragen muss sein, dass wir es natürlich nicht wissen. Wir haben

22
00:02:13.500 --> 00:02:18.280
 aus dieser Zeit keinerlei Schriftquellen. Das bedeutet, wir sind total auf Spekulationen

23
00:02:18.280 --> 00:02:22.960
 angewiesen, aber wir freuen uns natürlich, dass es eine solche Figurine gibt, weil die

24
00:02:22.960 --> 00:02:30.699
 eben so selten sind. Zitatiert in die Zeit um ungefähr 4800 vor Christus, ist aus Keramik, also aus gebranntem Ton

25
00:02:30.699 --> 00:02:35.580
 und wir haben tatsächlich keine Ahnung, was sozusagen ihr Zweck gewesen ist.

26
00:02:35.900 --> 00:02:40.180
 Unser Highlight für die Römerzeit im ersten Raum ist ein wirklich ganz besonderes Objekt.

27
00:02:40.300 --> 00:02:43.460
 Es ist das schwerste Objekt in der Ausstellung, es hat über 900 Kilo.

28
00:02:43.960 --> 00:02:47.919
 Es ist ein Altar, der ist in den 1920er Jahren sekundär eingebaut,

29
00:02:48.000 --> 00:02:53.060
 in einem Bauernhof in der Nähe von Nettingsdorf, Moos, Brandsfelden gefunden worden.

30
00:02:53.419 --> 00:02:57.240
 Und er ist aber nicht in der Ausstellung, weil er so schwer ist, sondern weil er eine besondere Aussage hat.

31
00:02:57.780 --> 00:03:04.020
 Dieser Altar ist in der Mitte vom ersten Jahrhundert, in der absoluten Frühzeit der Römerzeit in Oberösterreich,

32
00:03:04.419 --> 00:03:05.639
 aufgestellt worden

33
00:03:05.639 --> 00:03:09.419
 und erst gestiftet worden von einem Tiberius Claudius Provinzialis.

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00:03:09.800 --> 00:03:11.319
 Und dieser Name sagt schon sehr, sehr viel.

35
00:03:11.439 --> 00:03:16.300
 Tiberius Claudius verweist uns in die claudische Zeit, also ins erste Jahrhundert.

36
00:03:16.800 --> 00:03:22.840
 Und sein Rufname, sein Kognomen ist Provinzialis, der Provinzler, der aus der Provinz stand.

37
00:03:23.340 --> 00:03:26.199
 Und wenn man sich dann anschaut, wie sein Vater heißt, der ist nämlich auf dem Altar

38
00:03:26.199 --> 00:03:28.240
 auch genannt, der heißt Sonus oder Sonius.

39
00:03:28.599 --> 00:03:30.180
 Der hat keinen römischen Namen, der ist

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00:03:30.180 --> 00:03:32.099
 nicht römischer Bürger, sondern der

41
00:03:32.099 --> 00:03:34.280
 ist ein Einheimischer. Und da

42
00:03:34.280 --> 00:03:36.379
 sieht man schon, der eine hat sich schon praktisch

43
00:03:36.379 --> 00:03:38.439
 assimiliert, ist schon Römer

44
00:03:38.439 --> 00:03:40.280
 und sein Vater war es aber noch nicht.

45
00:03:40.840 --> 00:03:42.319
 Und das spiegelt

46
00:03:42.319 --> 00:03:44.240
 sich dann auch in den Darstellungen auf den Seiten

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00:03:44.240 --> 00:03:45.620
 des Altars wunderbar wieder.

48
00:03:45.759 --> 00:03:47.740
 Da haben wir aus der Religion, also aus

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00:03:47.740 --> 00:03:49.259
 den Glaubensweltenbildern,

50
00:03:49.659 --> 00:03:52.139
 auf der einen Seite haben wir was zum Jupiter-

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00:03:52.139 --> 00:03:53.879
 Altar, perfekt passt,

52
00:03:54.280 --> 00:03:55.960
 ein Blitzbündel, Donnerkeil

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00:03:55.960 --> 00:03:57.879
 von Jupiter, im Griechischen

54
00:03:57.879 --> 00:03:59.639
 der Zeus. Auf der anderen Seite

55
00:03:59.639 --> 00:04:01.460
 haben wir dann aber eine Figur, die wir aus der römischen

56
00:04:01.460 --> 00:04:04.080
 Ikonografie nicht kennen. Da ist ein

57
00:04:04.080 --> 00:04:09.439
 Wandersmann dargestellt, mit einem Stock in der einen Hand und ein Wagenrad hat er geschultert.

58
00:04:09.960 --> 00:04:13.419
 Und das kennen wir so eben aus der römischen Ikonografie nicht.

59
00:04:13.419 --> 00:04:18.139
 Aber man kennt es zum Beispiel aus dem gallorömischen Bereich.

60
00:04:18.439 --> 00:04:21.680
 Da werden solche Figuren als Taranis bezeichnet.

61
00:04:21.740 --> 00:04:29.660
 Das heißt, wir haben einen einheimischen Wettergott, der mit dem römischen Donnergott, Wettergott Zeus, Jupiter gleichgestellt wird.

62
00:04:29.819 --> 00:04:35.199
 Dann haben wir eine Schnabelkanne aus Bronze ausgestellt, die stammt aus dem Inviertel,

63
00:04:35.319 --> 00:04:40.180
 genauer gesagt aus Sunzing, ist schon Ende des 19. Jahrhunderts ausgegraben worden. Und es ist

64
00:04:40.180 --> 00:04:50.600
 eindeutig klar, dass es sich dabei um ein Importstück handelt. Das bedeutet, die kommt aus dem heutigen Etrurien, also aus Oberitalien oder aus dem nördlichen Italien.

65
00:04:50.980 --> 00:04:58.579
 Sie wurde höchstwahrscheinlich nicht nur alleine importiert, sondern wahrscheinlich auch mit dem Wein, den man daraus dann ausgeschenkt hat.

66
00:04:58.819 --> 00:05:05.220
 In der Eisenzeit, aus der sie stammt, wird auch in Oberösterreich oder zumindest in Österreich schon Wein angebaut,

67
00:05:05.459 --> 00:05:08.459
 aber vielleicht hat der italienische Wein doch noch ein bisschen besser geschmeckt

68
00:05:08.459 --> 00:05:10.879
 und man hat den Samt dieser Kanne importiert.

69
00:05:11.800 --> 00:05:16.160
 Vor den Toren von Linz hat sich in der spätesten Eisenzeit, kurz vor der Ankunft der Römer,

70
00:05:16.240 --> 00:05:19.279
 eine große Flachlandsiedlung befunden.

71
00:05:19.439 --> 00:05:22.439
 Die war nicht großartig befestigt, also die war einfach dazu da,

72
00:05:22.660 --> 00:05:46.439
 um wahrscheinlich Handel zu betreiben und Austauschsysteme irgendwie einmal offen zu halten. Und insofern ist es einigermaßen folgerichtig, dass man hier sehr viel Gold gefunden hat. Geld oder Münzen zeigen, dass es im Handelsverkehr gegeben hat. Diese Münzen sind wahrscheinlich sogar in Neubau auch hergestellt worden und also nicht nur hier benutzt worden. Und ja, da darf man schon einmal von einem Schatzfund sprechen. Also auch eine sehr interessante Sache.

73
00:05:46.819 --> 00:05:52.759
 Die Fundstelle Neubau wird auch mit Diskussionen in Verbindung gebracht, wenn es um die frühe Urbanisierung Oberösterreichs geht.

74
00:05:53.199 --> 00:05:58.759
 Also möglicherweise war das die Vorläuferin dessen, was dann später in Wels in der Römerzeit neu gegründet wurde.

75
00:05:59.079 --> 00:06:09.579
 Das kann man noch nicht so genau sagen. Vermutlich wichtigster Highlight-Fund, den wir haben in der Ausstellung, ist der Goldhalsreifer von Utendorf. Er datiert in die Hallstattzeit um 550 v. Chr.

76
00:06:10.060 --> 00:06:19.459
 Er ist im Innviertel gefunden worden, schon 1885, in einem insgesamt sehr reich ausgestatteten Grab, in dem Leichenbrand auch drinnen war.

77
00:06:19.459 --> 00:06:28.259
 Das heißt, die bestattete Person ist brandbestattet gewesen. Wie das der Zeit im 19. Jahrhundert entsprochen hat, hat man diesen Leichenbrand damals nicht geborgen.

78
00:06:28.800 --> 00:06:31.920
 Man kann ihn heutzutage eben auch nicht mehr analysieren.

79
00:06:32.040 --> 00:06:34.699
 Deshalb wissen wir nicht, war es ein Männergrab oder ein Frauengrab.

80
00:06:35.199 --> 00:06:38.100
 Aber auch hier kann man wieder intensive Spekulationen betreiben,

81
00:06:38.579 --> 00:06:43.819
 wer und warum hatte einen solchen Goldhalsreifen im Grab mit.

82
00:06:43.819 --> 00:06:47.379
 Handelt es sich dabei um einen Fürsten oder eine Fürstin

83
00:06:47.379 --> 00:06:51.779
 oder um jemanden, der einfach materiell gut genug ausgestattet war,

84
00:06:51.779 --> 00:06:53.579
 um so ein Objekt mitzubekommen?

85
00:06:54.180 --> 00:06:55.720
 Oder, was auch eine Möglichkeit ist,

86
00:06:56.000 --> 00:06:57.680
 hat es einen spirituellen Hintergrund?

87
00:06:57.800 --> 00:07:00.139
 Immerhin geht es bei einem Grab um den Tod eines Menschen

88
00:07:00.139 --> 00:07:02.259
 und was sich die Menschen damals dazu gedacht haben,

89
00:07:02.620 --> 00:07:04.740
 auch zu einem potenziellen Weiterleben nach dem Tod

90
00:07:04.740 --> 00:07:10.420
 oder überhaupt irgendwelchen religiösen Weltbildern, das ist uns leider auch mangels Schriftquellen völlig verschlossen.

91
00:07:22.620 --> 00:07:23.100
 also aus der Zeit nach der Römerzeit.

92
00:07:27.500 --> 00:07:27.620
 Und solche Ohrringe finden sich relativ häufig in frühmittelalterlichen Gräberfeldern.

93
00:07:31.220 --> 00:07:31.339
 Allerdings sind sie meistens aus Bronze und in diesem Fall eben aus Gold.

94
00:07:33.699 --> 00:07:34.839
 Und deswegen haben sie es in den Highlight-Raum geschafft.

95
00:07:37.600 --> 00:07:37.759
 Im zweiten Raum haben wir uns entschlossen,

96
00:07:41.699 --> 00:07:44.500
 bevor wir zu den Welterbestätten gehen, zu den drei Welterberegionen gehen, dass wir erklären, wie funktioniert Archäologie.

97
00:07:44.500 --> 00:07:44.959
 und in drei Welterbe-Regionen gehen, dass wir erklären, wie funktioniert Archäologie.

98
00:07:50.120 --> 00:07:50.319
 Archäologie ist die Geisteswissenschaft, die am meisten vernetzt arbeitet.

99
00:07:54.240 --> 00:07:54.759
 Also es gibt, glaube ich, keine Disziplin, die kooperativer und vernetzter arbeitet.

100
00:07:58.680 --> 00:08:01.600
 Unser Ziel ist es, mit vielen verschiedenen Methoden möglichst viel über die Vergangenheit und damit über die Geschichte der Menschheit in Erfahrung zu bringen.

101
00:08:01.860 --> 00:08:05.220
 Und in diesem Raum geht es um die Entdeckung einer Fundstelle,

102
00:08:05.480 --> 00:08:08.879
 welche Methoden haben wir eine Fundstelle zu untersuchen. Da gibt es ja nicht nur die Grabung,

103
00:08:08.980 --> 00:08:14.579
 sondern es gibt auch zerstörungsfreie Methoden, geophysikalische Prospektionen, Luftbildarchäologie

104
00:08:14.579 --> 00:08:19.240
 und vieles andere mehr. Es geht aber auch darum, dass wir natürlich mit der Numismatik, mit der

105
00:08:19.240 --> 00:08:25.800
 Münzkunde zusammenarbeiten, mit Archäobotanikern, die sich anschauen, was haben die Menschen zum Beispiel

106
00:08:25.800 --> 00:08:30.540
 gegessen, welche Pflanzen hat es zu dieser Zeit gegeben, wie ist die Vegetation, wie hat sich die

107
00:08:30.540 --> 00:08:35.940
 verändert. Oder mit Archäozoologen, die sich anschauen, wie schaut die Fauna, die Tierwelt aus

108
00:08:35.940 --> 00:08:42.120
 und was ist die tierische Ernährung der Menschen. Und das geht mit Archäometallurgie, wie sind

109
00:08:42.120 --> 00:08:45.340
 Verarbeitungsprozesse, welche Metalle werden verwendet?

110
00:08:45.759 --> 00:08:47.820
 Und das kann man eigentlich in jede Richtung ausdehnen.

111
00:08:48.000 --> 00:08:53.220
 Also überall, wo wir Möglichkeiten haben anzudocken, versuchen wir das mit Kooperationen mit anderen Fächern.

112
00:08:54.000 --> 00:08:58.720
 Wir haben irrsinnige Massen an Funden von manchen Grabungen, die man kaum bewältigen kann.

113
00:08:59.200 --> 00:09:06.039
 Da geht es einfach einmal darum, eine Entscheidung zu treffen, welche Grabungen sind einmal besonders wichtig,

114
00:09:06.039 --> 00:09:11.879
 die für zum Beispiel die Geschichte eines Ortes viele Aussagen versprechen, auf die zu fokussieren.

115
00:09:11.879 --> 00:09:16.860
 Und dann muss man sich im Fundmaterial fokussiert man sich im Normalfall auf sogenannte diagnostische

116
00:09:16.860 --> 00:09:30.460
 Funde, das heißt Funde, die uns entsprechende Aussagen über die Datierung geben oder die uns, wenn wir sie auswerten, Aussagen über die Menschen, wie haben sie gelebt, geben.

117
00:09:30.559 --> 00:09:37.779
 Das ist eigentlich der Fokus und da ist jede Grabung natürlich anders und auch jedes Bearbeitungsprojekt eine andere Herausforderung.

118
00:09:37.840 --> 00:09:43.480
 Das Oberösterreichische Landesmuseum hat zwei archäologische Abteilungen. Eine ist zuständig für die Ur- und Frühgeschichte.

119
00:09:43.899 --> 00:09:51.320
 Ich bin zuständig für Römerzeit, Mittelalter, Neuzeitarchäologie. Jede Abteilung verfügt über eine Sammlungsleiterin

120
00:09:51.320 --> 00:09:55.379
 beziehungsweise einen Sammlungsleiter und dann gibt es noch zwei Restauratorinnen,

121
00:09:55.659 --> 00:10:00.019
 die sich eben mit unserem Fundmaterial beschäftigen. Das ist unsere personelle

122
00:10:00.019 --> 00:10:06.120
 Ausstattung und wir versuchen deshalb mit sehr vielen Kolleginnen und Kollegen von verschiedenen

123
00:10:06.120 --> 00:10:11.960
 Institutionen zu kooperieren, um möglichst viel an archäologischer Forschung zu Wege zu bringen.

124
00:10:12.460 --> 00:10:17.279
 Und Ergebnisse werden dann sowohl in dieser Ausstellung präsentiert als auch publiziert,

125
00:10:17.279 --> 00:10:23.080
 so oft und so intensiv es geht. Wir haben hier zwei ganz wesentliche Schwerpunkte im Bereich

126
00:10:23.080 --> 00:10:25.779
 der Römerzeit. Das eine ist die sogenannte Limesforschung.

127
00:10:25.779 --> 00:10:30.320
 Das heißt, wir beschäftigen uns natürlich sehr, sehr intensiv mit den Fundorten entlang der Donau,

128
00:10:30.320 --> 00:10:34.120
 die ja auch zum Welterbe Donau-Limes zum Teil zählen.

129
00:10:34.120 --> 00:10:37.720
 Und die andere Seite ist dann die Erforschung des sogenannten Hinterlandes.

130
00:10:37.720 --> 00:10:44.200
 Das heißt, wie interagiert die Städte im Hinterland, die Siedlungen, die Guts- und Bauernhöfe

131
00:10:44.200 --> 00:10:47.240
 mit dem Donau-Limes oder mit mit den Donaulimesorten.

132
00:10:47.240 --> 00:10:55.360
 Wir haben einerseits natürlich Ballungszentren, militärische Komponenten, Kastelle, ein Legionslager

133
00:10:55.360 --> 00:11:00.740
 in L'Ariacumens ab dem späten zweiten Jahrhundert. Wir haben kleinere militärische Einheiten und dann

134
00:11:00.740 --> 00:11:05.360
 haben wir natürlich städtische Zentren wie Uvila Visvelz oder Joar von Salzburg.

135
00:11:06.840 --> 00:11:07.139
 Und dann gibt es kleinere Siedlungen.

136
00:11:13.320 --> 00:11:13.700
 Und das alles ist ein sehr enges Netzwerk, das mit den Flüssen als Verkehrswegen und mit Straßen verbunden ist.

137
00:11:20.059 --> 00:11:20.200
 Und das Ziel eigentlich einer römischen Provinz ist, dass sie sich möglichst selbstständig, autark sozusagen versorgen kann.

138
00:11:23.200 --> 00:11:23.639
 Darum gibt es eben dieses ganz dichte Netz an Guts- und Bauernhöfen.

139
00:11:32.000 --> 00:11:32.779
 Sprich, dass man nicht viel Getreide importieren muss fürs Militär, für die Personen, die da leben, sondern dass man das möglichst aus der Provinz heraus versorgt.

140
00:11:37.980 --> 00:11:38.159
 Eines der wichtigsten Projekte der Abteilung Uhrenfrühgeschichte in den letzten Jahren war das Projekt Zeitensprung.

141
00:11:41.539 --> 00:11:42.179
 Da ging es um die Pfahlbauforschung am Mondsee und am Attersee.

142
00:11:46.980 --> 00:11:47.220
 Im Grunde ist eine unterwasserarchäologische Ausgrabung das Gleiche wie eine Grabung an Land.

143
00:11:52.200 --> 00:11:52.639
 Man macht ein vierhäckiges Loch, man dokumentiert das ordentlich, misst das ordentlich ein.

144
00:11:56.500 --> 00:11:56.980
 Aber man arbeitet natürlich unter erschwerten Bedingungen, weil man eben taucht.

145
00:12:01.279 --> 00:12:04.320
 Es ist kalt, man hat schlechte Sicht, man kann sich schwer mit den Leuten unterhalten. Das heißt, es dauert alles sehr viel länger und ist entsprechend auch teurer.

146
00:12:04.879 --> 00:12:08.500
 Dafür wird man belohnt mit sehr viel Material, das man sonst nicht hat.

147
00:12:08.659 --> 00:12:13.820
 Objekte aus organischen Materialien, irgendwelche Schnüre zum Beispiel und die namengebenden Pfähle

148
00:12:13.820 --> 00:12:19.759
 der Pfahlbaukulturen. Und da sind dann sehr viele Spezialistinnen und Spezialisten gefragt, die mit

149
00:12:19.759 --> 00:12:25.740
 diesem Material dann umgehen müssen. Das heißt, man muss es konservieren mit sehr spezialisierten Methoden

150
00:12:25.740 --> 00:12:31.299
 und dann wird archäobotanisch erforscht. Die Archäozoologie arbeitet mit diesem Material,

151
00:12:31.779 --> 00:12:36.700
 um am Ende möglichst viel über die Lebensbedingungen der Menschen in diesen Pfahlbauten herausfinden zu können.

152
00:12:37.179 --> 00:12:43.679
 Die Römer kommen und bringen ihre Errungenschaften natürlich mit sich. Mit den Römern kommt die Schrift,

153
00:12:43.679 --> 00:12:46.559
 mit den Römern kommt das römische Recht,

154
00:12:46.700 --> 00:12:52.139
 mit den Römern kommt ein Großreich und ein Großreich braucht Verwaltung, mit den Römern kommt Steinbau,

155
00:12:52.320 --> 00:12:58.519
 es kommen die Ziegeln und so weiter und so fort. Also überall dort, wo natürlich so ein Großreich hinkommt,

156
00:12:58.620 --> 00:13:01.379
 hinterlässt es ganz deutliche Spuren.

157
00:13:01.440 --> 00:13:05.759
 Also der Unterschied zum Beispiel von Donau-Limes zu einer Landgrenze wie dem

158
00:13:05.759 --> 00:13:11.320
 obergermanisch-rätischen Limes in Deutschland oder zu dem Hadrian's Wall oder Antonine Wall

159
00:13:11.320 --> 00:13:15.799
 in Großbritannien ist natürlich, dass wir eine Wassergrenze haben. Eine Wassergrenze

160
00:13:15.799 --> 00:13:20.379
 hat schon den großen Vorteil, dass sie eine natürliche Barriere hat. In dem Fall ist

161
00:13:20.379 --> 00:13:24.820
 es die Donau. Das heißt, ich muss schauen, dass ich die Donau gut kontrolliere mit Schifffahrt,

162
00:13:24.919 --> 00:13:28.220
 mit Schifffahrt und mit sehr mobilen Truppen auf dem Wasser. Und die andere

163
00:13:28.220 --> 00:13:33.620
 Geschichte ist, dass ich die Übergänge über die Donau, das heißt wo Verkehrsverbindungen nach

164
00:13:33.620 --> 00:13:38.440
 Norden führen, im Bereich von Linz zum Beispiel mit dem Haselgraben Richtung Moldau, im Bereich

165
00:13:38.440 --> 00:13:44.759
 von Enns oder Stein, St. Pantanal-Ern in Niederösterreich, mit der Eistal, wo es sehr

166
00:13:44.759 --> 00:13:46.399
 kurze Verbindungen zu Moldau geht.

167
00:13:46.720 --> 00:13:49.340
 Diese Strecken, diese Punkte müssen kontrolliert werden.

168
00:13:49.659 --> 00:13:54.240
 Und dort schöpft man natürlich Geld ab, weil überall dort, wo Grenzverkehr ist, wird auch Zoll eingehoben.

169
00:13:54.759 --> 00:13:57.419
 Und da holen sich natürlich die Römer entsprechend ihr Geld.

170
00:13:58.019 --> 00:14:03.899
 Die Analyse des Materials aus den Pfahlbauforschungen funktioniert wie bei allen anderen Ausgrabungen auch.

171
00:14:03.899 --> 00:14:08.019
 Man versucht sie zu datieren. Das passiert einerseits über die Methode der Typologie.

172
00:14:08.240 --> 00:14:12.059
 Das bedeutet, wir vergleichen unser Fundmaterial miteinander und was

173
00:14:12.059 --> 00:14:15.899
 sehr gleich oder sehr ähnlich aussieht, gehört in die gleiche Zeit. Das ist auch

174
00:14:15.899 --> 00:14:19.519
 bei der Unterwasserarchäologie nicht sehr viel anders. Und dann versuchen wir mit

175
00:14:19.519 --> 00:14:23.919
 naturwissenschaftlichen Methoden, das wäre im Fall der Pfeilbauten idealerweise

176
00:14:23.919 --> 00:14:25.080
 die Dendrochronologie.

177
00:14:25.539 --> 00:14:34.919
 Das bedeutet Pfähle, das Holz, das kann datiert werden, weil ein Baum jedes Jahr einen neuen Ring baut oder sich schafft.

178
00:14:35.639 --> 00:14:41.600
 Und die Abfolge der einzelnen Jahrringe ist wie eine Art Barcode, gibt ein eindeutiges Muster.

179
00:14:42.019 --> 00:14:46.240
 Wenn man das über die Jahrtausende zurückverfolgt, könnte man ein neues Stück Holz dann eben datieren.

180
00:14:47.460 --> 00:14:49.980
 Funktioniert noch nicht bei den Pfahlbauten Oberösterreichs,

181
00:14:50.080 --> 00:14:54.139
 weil die grundsätzliche Kurve, an der wir alle anderen dann messen könnten, die wir finden,

182
00:14:54.220 --> 00:14:56.019
 alle anderen Hölzer, noch nicht existiert.

183
00:14:56.100 --> 00:14:58.720
 Aber das ist im Prinzip die Methode, die wir gerne anwenden würden.

184
00:14:58.720 --> 00:15:02.899
 Und natürlich die altbekannte C14-Methode, Radiokarbon-Datierung,

185
00:15:03.299 --> 00:15:05.100
 die natürlich ein bisschen ins Geld geht,

186
00:15:05.220 --> 00:15:09.700
 aber die wir natürlich angewendet haben, um die Reste unserer Pfahlbauten datieren zu können.

187
00:15:09.919 --> 00:15:13.320
 In diesem Raum, wo es um die Methoden geht, geht es natürlich auch sehr stark darum,

188
00:15:13.399 --> 00:15:15.159
 wie geht man mit unserem Fundmaterial um.

189
00:15:16.059 --> 00:15:19.759
 Man muss auf der Grabung schon mit verschiedenen Fundgattungen unterschiedlich umgehen.

190
00:15:19.860 --> 00:15:24.279
 Es ist was anderes, ob ich ein Metall finde oder Eisen ist zum Beispiel extrem heikel

191
00:15:24.279 --> 00:15:27.139
 oder ob es Keramik ist, wo ich weniger aufpassen muss.

192
00:15:27.500 --> 00:15:30.559
 Und natürlich in der Restaurierung ist dann auch ein Unterschied,

193
00:15:30.799 --> 00:15:34.980
 wie geht man mit verschiedenen Materialien um, wie geht man mit Ergänzungen um

194
00:15:34.980 --> 00:15:36.720
 und all das wird in diesem Raum behandelt.

195
00:15:36.799 --> 00:15:39.419
 Und dann geht es natürlich auch darum, wie geht man weiter mit Funden um.

196
00:15:39.419 --> 00:15:44.820
 Was haben wir für Möglichkeiten der Dokumentation bis hin zur Bestimmung, bis hin zur Datierung.

197
00:15:45.220 --> 00:15:49.740
 Also das ist dann der zweite, auch ein zweiter wichtiger Teil, der Umgang mit den Objekten.

198
00:15:50.100 --> 00:15:54.340
 Dafür stehen wir natürlich als Museum und das haben wir natürlich auch entsprechend hier eingearbeitet.

199
00:15:55.399 --> 00:16:01.639
 Die Pfahlbaufundstellen in den Seen Oberösterreichs sind teilweise schon seit über 100 Jahren bekannt.

200
00:16:01.639 --> 00:16:04.480
 Die Pfähle ragen einfach aus der Seekreide heraus.

201
00:16:04.639 --> 00:16:07.559
 Wenn man drüber schwimmt, drüber taucht, mit dem Boot drüber fährt,

202
00:16:07.639 --> 00:16:09.480
 sind die mit freiem Auge zu erkennen.

203
00:16:09.639 --> 00:16:13.139
 Das heißt, wo die Fundstellen sind, das ist seit Langem bekannt.

204
00:16:13.799 --> 00:16:15.360
 Der Punkt ist der, wie schützt man sie?

205
00:16:15.519 --> 00:16:17.159
 Das ist die denkmalpflegerische Aufgabe.

206
00:16:17.659 --> 00:16:20.220
 Und das andere ist, kann man es sich leisten, sie auch zu erforschen?

207
00:16:21.220 --> 00:16:23.980
 Ja, es gibt natürlich bei uns eine Datenbank,

208
00:16:23.980 --> 00:16:30.740
 für das gesamte Landesmuseum gibt es eine Objektdatenbank, wo wir natürlich immer hinten nach sind.

209
00:16:31.080 --> 00:16:35.220
 Also Altbestände sind sehr gut aufgenommen mit den neuen Grabungen.

210
00:16:35.360 --> 00:16:40.200
 Es kommen wirklich jedes Jahr Neuzugänge und mehrere hunderte, teilweise tausende Neuzugänge dazu.

211
00:16:40.759 --> 00:16:45.519
 Und das alles als erstes einmal zu reinigen, zu inventarisieren, zu bestimmen, das geht sich

212
00:16:45.519 --> 00:16:50.740
 eigentlich nie parallel aus. Also da haben wir immer irgendeine Schuld auf unseren Schultern,

213
00:16:50.740 --> 00:16:55.240
 aber mit dem muss man leben. Also wir übergeben dann unseren nachfolgenden Generationen auch noch

214
00:16:55.240 --> 00:17:01.759
 etwas, mit dem sie weiterarbeiten können und müssen. 2011 wurden die Pfahlbauten UNESCO

215
00:17:01.759 --> 00:17:06.319
 Welterbe nicht nur in Österreich, sondern auch noch in fünf anderen Staaten Europas,

216
00:17:06.440 --> 00:17:09.500
 also in so einem Alpenbogen von Frankreich bis Slowenien.

217
00:17:10.259 --> 00:17:15.160
 Und damals wurde ins Leben gerufen eine ganz wichtige Institution, das Kuratorium Pfahlbauten,

218
00:17:15.160 --> 00:17:23.579
 das seither dafür zuständig ist, das Welterbe in Oberösterreich und Kärnten nicht nur zu analysieren und zu verwalten,

219
00:17:23.880 --> 00:17:26.819
 sondern eben auch zu vermitteln und mit uns gemeinsam zu erforschen.

220
00:17:26.819 --> 00:17:34.440
 Das Ziel wäre herauszufinden auf lange Sicht, wie die Siedlungen in den Seen oder an den Seeufern ausgesehen haben.

221
00:17:34.920 --> 00:17:38.799
 Dafür müssten wir die Hausgrundrisse zuerst einmal genauer definieren können.

222
00:17:39.180 --> 00:17:45.160
 Das ist deshalb schwierig, weil wir massenhaft die Pfähle im Seegrund drinnen stecken haben

223
00:17:45.160 --> 00:17:50.900
 und jeden einzelnen dieser Pfähle einmal datieren müssten mit den unterschiedlichsten Methoden.

224
00:17:50.980 --> 00:17:52.900
 Das ist eben tatsächlich noch nicht bei allen passiert.

225
00:17:53.579 --> 00:17:56.920
 Und dann wäre natürlich auch noch die Herausforderung herauszubekommen,

226
00:17:57.000 --> 00:17:58.779
 wie haben die Häuser tatsächlich ausgesehen.

227
00:17:58.859 --> 00:18:02.480
 Das ist aber nicht nur bei unterwasserarchäologischer Forschung eine Herausforderung,

228
00:18:02.720 --> 00:18:04.400
 sondern ganz grundsätzlich in der Archäologie.

229
00:18:04.799 --> 00:18:07.019
 Ich sage immer, Dächer erhalten sich sehr schwer.

230
00:18:07.920 --> 00:18:10.700
 Und deswegen sind wir auch hier auf Spekulationen angewiesen.

231
00:18:11.119 --> 00:18:12.980
 Deswegen haben wir hier in der Ausstellung auch versucht,

232
00:18:13.079 --> 00:18:15.460
 einfach einmal die KI die Frage beantworten zu lassen,

233
00:18:15.579 --> 00:18:17.480
 welche Arten von Häusern sind möglich,

234
00:18:17.859 --> 00:18:20.440
 wenn man nur das Baumaterial der Urgeschichte zur Verfügung hat

235
00:18:20.440 --> 00:18:26.200
 und nur unter Anführungszeichen, also mit Holz und Schilf und Stroh und Rinde kann man also

236
00:18:26.200 --> 00:18:31.400
 wirklich hervorragende Gebäude bauen und die KI zeigt, in welche Vielfalt an Möglichkeiten uns

237
00:18:31.400 --> 00:18:36.880
 da zur Verfügung steht. Tatsache ist, dass die Menschen natürlich seit Jahrtausenden wissen,

238
00:18:36.980 --> 00:18:41.420
 wie man in Mitteleuropa so baut, dass man sämtliche Winter überlebt und über die Jahrhunderte eben

239
00:18:41.420 --> 00:18:48.400
 durchhalten kann, sonst wären wir also auch nicht mehr hier. In der ersten Vitrine wollten wir vor allen Dingen noch einen chronologischen Bezug herstellen,

240
00:18:48.539 --> 00:18:53.559
 da ist Ötzi abgebildet. Das ist ein Zeitgenosse der Menschen, die bei uns in den Pfahlbauten

241
00:18:53.559 --> 00:18:58.619
 an Attersee und Mondsee gelebt haben. Ob Ötzi jemals den Weg tatsächlich nach Oberösterreich

242
00:18:58.619 --> 00:19:01.880
 gefunden hat, das sei natürlich dahingestellt, das können wir natürlich nicht sagen,

243
00:19:01.960 --> 00:19:05.480
 aber es ist genau die Zeit um 3500 vor Christus.

244
00:19:10.140 --> 00:19:15.980
 Und ansonsten ist der Mensch extrem unsichtbar. Wir haben im Unterschied zu sehr vielen anderen Perioden in der Urgeschichte so gut wie keine menschlichen Überreste, die wir analysieren

245
00:19:15.980 --> 00:19:21.319
 könnten, was natürlich sehr wichtig wäre, um Sterbealter, Geschlechtsverteilungen und solche

246
00:19:21.319 --> 00:19:27.380
 Dinge herausfinden zu können. Und wir können nur spekulieren, dass es wohl einen Grabbrauch,

247
00:19:27.440 --> 00:19:31.160
 einen Bestattungsbrauch gegeben haben muss, der einfach keine Spuren hinterlassen hat.

248
00:19:31.279 --> 00:19:34.859
 Und wenn man sich da ethnografisch, ethnologisch in der Welt umsieht,

249
00:19:34.960 --> 00:19:37.859
 merkt man, es gibt uns viele verschiedene Arten, mit Toten umzugehen.

250
00:19:38.279 --> 00:19:42.880
 Also wenn die Menschen verbrannt wurden und die Überreste im See verstreut wurden

251
00:19:42.880 --> 00:19:46.359
 oder in alle Winde verstreut wurden, dann hinterlässt das ganz einfach keine Spuren.

252
00:19:46.460 --> 00:19:49.980
 Das ist für die Archäologie nicht wirklich lustig, aber so ist es eben leider.

253
00:19:50.119 --> 00:19:54.519
 Und deswegen bleibt für uns aus der Pfahlbauzeit zwar sehr vieles an Details übrig,

254
00:19:54.660 --> 00:19:57.140
 was Ernährung und Landschaft und solche Dinge betrifft,

255
00:19:57.480 --> 00:21:01.240
 aber die Menschen selber bleiben für uns unsichtbar. you I am the light of the world. Der Donau Limes in Ostbayern, Österreich und der Slowakei ist seit fünf Jahren, seit dem Juli 2021, UNESCO-Welterbe.

256
00:21:01.720 --> 00:21:06.799
 Und hier in diesem Raum widmen wir uns den Welterbestätten, die in Oberösterreich liegen.

257
00:21:06.799 --> 00:21:13.440
 Das heißt, wir sind hier von West nach Ost, haben hier Oberrander mit einem Burgus, mit einem Quadriburgus,

258
00:21:14.140 --> 00:21:21.619
 Schlöben mit einem Kastellstandort und einer Zivilsiedlung, dem Wachturm in Willering im Kürnberg

259
00:21:21.619 --> 00:21:27.640
 und dann natürlich Lenzer und als wichtigste Großsiedlung dann Laureacum Enns.

260
00:21:27.640 --> 00:21:32.420
 Wir haben die große Freude, dass wir eben diese Orte nicht nur hier in der Ausstellung mit Objekten

261
00:21:32.420 --> 00:21:38.839
 und auch immer der Donau dazu präsentieren können, sondern an drei Orten betreiben wir auch Schutzbauten,

262
00:21:38.839 --> 00:21:43.819
 in denen wir uns wirklich archäologische Städte vor Ort anschauen können. Das heißt, der Burgessinn

263
00:21:43.819 --> 00:21:49.660
 Oberanner ist in einem Schutzbau präsentiert, ein kleines, aber feines römisches Badegebäude ist in Schlögen in einem

264
00:21:49.660 --> 00:21:55.240
 Schutzbau zu sehen und in Enz haben wir einen oder den besterhaltenen römischen Kalkbrennofen,

265
00:21:55.240 --> 00:21:59.799
 den es überhaupt gibt, auch in einem Schutzbau dargestellt. Und diese Vernetzung mit dem einen

266
00:21:59.799 --> 00:22:04.500
 der archäologischen Städten draußen und das, was sie ausmacht, auch mit ausgewählten Objekten,

267
00:22:04.500 --> 00:22:08.680
 verbinden wir hier praktisch mit der Ausstellung und mit unseren Außenstellen.

268
00:22:09.579 --> 00:22:13.500
 In diesem Raum geht es um die Hallstattzeit. Das ist in Oberösterreich natürlich folgerichtig.

269
00:22:13.700 --> 00:22:19.400
 Hallstatt liegt in Oberösterreich und ist UNESCO-Welterbe und dementsprechend haben wir dem hier einen ganzen Raum gewidmet.

270
00:22:19.900 --> 00:22:27.019
 Namengebend ist natürlich der berühmte Ort im Salzkammergut. Und da gibt es zwei ganz besondere und wesentliche Fundstellen.

271
00:22:27.460 --> 00:22:31.400
 Die eine ist das berühmte Salzbergwerk, das älteste Salzbergwerk der Welt,

272
00:22:31.559 --> 00:22:34.640
 das eigentlich der Hauptgrund ist, warum Hallstatt welterbe geworden ist.

273
00:22:34.980 --> 00:22:39.339
 Und das andere ist das Gräberfeld, das schon im 19. Jahrhundert entdeckt

274
00:22:39.339 --> 00:22:41.660
 und damals auch schon intensiv erforscht wurde.

275
00:22:41.660 --> 00:22:46.480
 Und ein Teil des Fundmaterials aus diesem Gräberfeld befindet sich im Oberösterreichischen Landesmuseum

276
00:22:46.480 --> 00:22:48.579
 und die Highlights eben hier bei uns in der Ausstellung.

277
00:22:49.380 --> 00:22:53.680
 Die Hallstattkultur hat sich ausgedehnt von Ostfrankreich bis Westungern,

278
00:22:53.839 --> 00:22:56.960
 von Böhmen bis über den Alpenhauptkamm bis hinunter nach Slowenien

279
00:22:56.960 --> 00:23:00.259
 und wird eben deshalb zu einer Kultur zusammengefasst,

280
00:23:00.259 --> 00:23:07.460
 weil die materielle Kultur zu dieser Zeit, ungefähr 750 bis 450 vor Christus, in sich eben ähnlich war.

281
00:23:07.539 --> 00:23:12.420
 Das heißt, ähnliche Gefäße, ähnliche Schmuckstücke, ähnliche Waffen, ähnliche Werkzeuge und so weiter.

282
00:23:12.420 --> 00:23:18.740
 Wie weit sich die Menschen in der damaligen Zeit einander zugehörig oder verbunden gefühlt haben, das sei jetzt wiederum dahingestellt.

283
00:23:19.299 --> 00:23:27.240
 In diesem Raum ausgestellt sind auch sehr viele wirklich wunderschöne Funde aus Gräberfeldern außerhalb

284
00:23:27.240 --> 00:23:31.359
 von Hallstatt. Sehr viele Hallstatt-zeitliche Fundstellen in Oberösterreich stammen aus dem

285
00:23:31.359 --> 00:23:37.079
 Innviertel, unter anderem auch der Goldhalsreifen von Utendorf, wo es in diesem Raum dann die

286
00:23:37.079 --> 00:23:41.660
 anderen Objekte gibt, die in diesem Grab gefunden worden sind. Und eine ganz besonders wichtige

287
00:23:41.660 --> 00:24:02.359
 Hallstatt-zeitliche Fundstelle in Oberösterreich, die eben hier auch repräsentiert ist, ist Mitterkirchen im Machland im Bezirk Perg. Da befindet sich auch ein großes Freilichtmuseum, das Keltendorf Mitterkirchen, das immer eine Reise wert ist, weil man hier sozusagen den experimental-archäologischen Anteil unseres Forschungsfeldes, unseres Faches, sich also als erster Hand anschauen kann.

288
00:24:02.359 --> 00:24:03.000
 Faches sicher so als erster Hand anschauen kann.

289
00:24:07.059 --> 00:24:07.200
 Mitterkirchen ist auch deshalb besonders, weil da ein vierrädriger Wagen gefunden wurde,

290
00:24:08.400 --> 00:24:08.500
 der sehr reich verziert war.

291
00:24:13.940 --> 00:24:14.680
 Dazu befinden sich eben auch hier die Originalobjekte und der Nachbau dieses Wagens ist in Mitterkirchen auch ausgestellt.

292
00:24:17.240 --> 00:24:23.779
 Die Hallstattkultur war eben über einen bestimmten geografischen Raum ausgedehnt, eben von Ostfrankreich

293
00:24:23.779 --> 00:24:28.059
 bis Westungern, hat aber darüber hinaus Kontakte noch in andere Gebiete gehabt.

294
00:24:28.180 --> 00:24:31.279
 Und ein ganz bestimmtes Beispiel davon ist der Bernstein.

295
00:24:31.599 --> 00:24:35.500
 Es gibt sehr viel Bernstein in halbstadtzeitlichen Gräbern,

296
00:24:35.680 --> 00:24:37.960
 nicht nur in Oberösterreich, aber eben auch hier ganz viel.

297
00:24:37.960 --> 00:24:41.339
 Und dieser Bernstein kommt eindeutig aus der Ostsee.

298
00:24:41.460 --> 00:24:43.240
 Das ist sogenannter baltischer Bernstein.

299
00:24:43.599 --> 00:24:46.480
 Das sind ungefähr 1000 Kilometer. die sind in der Urgeschichte

300
00:24:46.480 --> 00:24:48.339
 sozusagen ohne mit der Wimper

301
00:24:48.339 --> 00:24:50.119
 zu zucken überbrückt worden. Ob

302
00:24:50.119 --> 00:24:52.119
 dieser Austausch oder dieser Handel von

303
00:24:52.119 --> 00:24:54.319
 dem Bernstein zu uns jetzt über mehrere

304
00:24:54.319 --> 00:24:56.259
 Etappen ging oder ob das eben eine Art von

305
00:24:56.259 --> 00:24:58.240
 direktem Handel war, lässt sich natürlich

306
00:24:58.240 --> 00:24:59.980
 nicht rekonstruieren, aber

307
00:24:59.980 --> 00:25:02.019
 Tatsache ist, er kam zu uns und kam

308
00:25:02.019 --> 00:25:04.059
 daneben auch in die Gräber. Was wir auch

309
00:25:04.059 --> 00:25:05.980
 nicht wissen ist, was dafür

310
00:25:05.980 --> 00:25:07.960
 sozusagen ausgetauscht wurde. Also was war das

311
00:25:07.960 --> 00:25:10.039
 Handelsgut, das man für Bernstein

312
00:25:10.039 --> 00:25:11.940
 eingetauscht oder verhandelt hat oder ob es

313
00:25:11.940 --> 00:25:14.000
 ganz andere Systeme des Austauschs gegeben

314
00:25:14.000 --> 00:25:16.059
 hat. Es gibt an der Ostsee

315
00:25:16.059 --> 00:25:18.319
 keine halbstadtzeitlichen Objekte,

316
00:25:18.460 --> 00:25:19.920
 die so aussehen wie das Material, was

317
00:25:19.920 --> 00:25:22.059
 bei uns ist. Also entweder es war Dinge

318
00:25:22.059 --> 00:25:23.920
 aus organischem Material, man spricht

319
00:25:23.920 --> 00:25:25.559
 manchmal von Fällen oder irgendwie so,

320
00:25:25.660 --> 00:25:29.000
 aber das ist alles total spekulativ, das wissen wir ganz einfach nicht.

321
00:25:29.579 --> 00:25:37.920
 Donaulimes wird fast 200 Jahre bereits erforscht und immer im Zusammenhang mit dem Oberösterreichischen Landesmuseum.

322
00:25:37.920 --> 00:25:44.400
 Wir haben hier auch in diesem Ausstellungsraum die Goldmünze, den Fund, eine Goldmünze,

323
00:25:44.759 --> 00:25:46.700
 mit der die Ausgrabungsgeschichte,

324
00:25:46.700 --> 00:25:52.940
 die Archäologie in Oberösterreich ihren Anfang nimmt. Und zwar 1837 ist in Schlögen eine Goldmünze

325
00:25:52.940 --> 00:25:59.240
 von den Aureus des Kaisers Diokletian gefunden worden und dann hat man dort gesagt, wo es eine

326
00:25:59.240 --> 00:26:04.039
 Goldmünze ist, da muss doch mehr sein, schauen wir uns das an. Und es ist ein Ausgrabungsverein

327
00:26:04.039 --> 00:26:07.779
 gegründet worden, die in Kooperation mit dem späteren Oberösterreichischen Landesmuseum

328
00:26:07.779 --> 00:26:13.119
 die ersten wissenschaftlich motivierten Ausgrabungen in Oberösterreich durchgeführt hat.

329
00:26:13.160 --> 00:26:17.519
 Und es sind gleichzeitig auch die ersten wissenschaftlich motivierten Ausgrabungen an Donau-Limes in Österreich.

330
00:26:18.299 --> 00:26:21.380
 Salzabbau wird in Hallstatt nicht nur in der Hallstattzeit betrieben.

331
00:26:21.519 --> 00:26:31.140
 Das ist halt zufälligerweise sozusagen der Name für die ältere Eisenzeit. In Hallstatt wird Salz benutzt wahrscheinlich oder verwendet schon seit dem

332
00:26:31.140 --> 00:26:36.119
 Neolithikum, bergmännisch ganz sicher abgebaut seit der Bronzezeit, dann die ganze Eisenzeit

333
00:26:36.119 --> 00:26:40.359
 hindurch und mit allergrößter Wahrscheinlichkeit durchgängig bis heute. Das heißt, das ist ein

334
00:26:40.359 --> 00:26:46.140
 ungefähr 7000 Jahre alter Betrieb, der auch wenn es Lücken in der Evidenz gibt über die Zeiten,

335
00:26:46.559 --> 00:26:49.599
 mit allergrößter Wahrscheinlichkeit wirklich durchgängig betrieben wurde.

336
00:26:50.000 --> 00:26:55.779
 Dieses Salz ist einfach von derartig großer Bedeutung gewesen, dass man es im Grunde immer irgendwie aus dem Berg geholt hat.

337
00:26:55.779 --> 00:27:02.599
 Und die Bergbaugemeinschaft in Hallstatt war von unglaublicher technologisch hochstehendem Geschick.

338
00:27:02.700 --> 00:27:06.380
 Also man wusste ganz genau, wie man das macht. Das ist eben Jahrtausende lang betrieben worden.

339
00:27:06.680 --> 00:27:09.279
 Und da geht es nicht nur um den Bergbau selbst,

340
00:27:09.680 --> 00:27:12.079
 sondern es geht eben auch um die ganze Logistik rundherum.

341
00:27:12.400 --> 00:27:14.660
 Die Bergleute mussten ernährt werden, gekleidet werden.

342
00:27:14.799 --> 00:27:17.000
 Das ganze Holz musste von irgendwo hergeholt werden.

343
00:27:17.099 --> 00:27:20.359
 Auch der Vertrieb sozusagen, wenn man so will, vom Salz musste organisiert werden.

344
00:27:20.359 --> 00:27:23.259
 Also das ist fast eine frühindustrielle Angelegenheit.

345
00:27:23.319 --> 00:27:29.920
 Besonderer Punkt sind unsere 3D-Modelle, die wir hier zeigen. Und diese 3D-Modelle illustrieren

346
00:27:29.920 --> 00:27:35.680
 einerseits, wie haben Gebäude, von denen man nur Ruinen hat, ungefähr ausgesehen.

347
00:27:35.680 --> 00:27:39.000
 Also es ist immer eine Annäherung. Bei manchen Gebäuden haben wir sehr viel erhalten, da

348
00:27:39.000 --> 00:27:43.519
 können wir es mehr sagen. Bei manchen müssen wir sozusagen ein bisschen mehr in die Fiktion

349
00:27:43.519 --> 00:27:45.380
 gehen. Aber es sind gute Annäherungen.

350
00:27:45.779 --> 00:27:48.500
 Und diese Gebäude verbindet auch etwas, die wir hier zeigen.

351
00:27:48.960 --> 00:27:54.319
 Und zwar sind das alles Gebäude und Rekonstruktionen, wo man heute noch etwas besichtigen kann

352
00:27:54.319 --> 00:28:00.039
 und die alle aus Forschungen des Oberstdorfer Landesmuseums hervorgehen.

353
00:28:00.039 --> 00:28:07.779
 Die Lorcher Basilika ist 1960 bis 1966 von meinem Vorvorgänger in der Abteilung Römerzeit von Lothar Eckart gegraben worden.

354
00:28:07.880 --> 00:28:14.380
 Der Wachturm in Willering im Hirschleitengraben wurde in den späten 1980er Jahren von meiner Vorgängerin Christina Schwanzer gegraben.

355
00:28:14.960 --> 00:28:25.920
 Und ich habe das Glück gehabt, im Vorfeld der Landesausstellung 2018 die Rückkehr der Legion mit Kooperationspartnern Grabungen in Oberanna, in Schlögen und auch bei den Kalkbrennhöfen in Enz

356
00:28:25.920 --> 00:28:31.460
 durchzuführen, die hier eben auch eingeflossen sind. Also wenn wir das Beispiel hernehmen von

357
00:28:31.460 --> 00:28:35.599
 unserer ersten Ausgrabung in Schlögen, da haben wir nicht nur diese Goldmünze mit der alles

358
00:28:35.599 --> 00:28:40.700
 begonnen hat, da sind zum Beispiel auch Terra Sigillata Fragmente drinnen. Das heißt, das ist

359
00:28:40.700 --> 00:28:45.160
 die typische römische Feinkeramik-Tafelgeschirr.

360
00:28:45.759 --> 00:28:47.700
 Und das findet man eigentlich überall.

361
00:28:47.819 --> 00:28:51.220
 Das ist ganz typisch, wenn man sowas findet, weiß man, da sind wir jetzt in der Römerzeit.

362
00:28:51.700 --> 00:28:54.819
 Und diese Terra Sigillata, die wir aber hier ausgestellt haben,

363
00:28:55.099 --> 00:28:58.980
 ist nicht, weil sie so besonders schön oder so ist, sondern die hat hier einen anderen Hintergrund.

364
00:28:58.980 --> 00:29:05.200
 Und zwar haben wir dazu die ältesten Fundzeichnungen, die es eben zu den ältesten Ausgrabungen gibt.

365
00:29:05.319 --> 00:29:11.000
 Und die sind nicht von irgendwem gezeichnet worden, sondern diese Zeichnungen stammen aus der Feder von Anton Ritter von Spahn.

366
00:29:11.400 --> 00:29:15.299
 Und Anton von Ritter von Spahn ist niemand anderer als der Gründer vom Oberösterreichischen Landesmuseum.

367
00:29:15.680 --> 00:29:19.980
 Das heißt, bei den ältesten Grabungen hat der Gründer des Museums selber Fundzeichnungen beigesteuert.

368
00:29:20.400 --> 00:29:27.079
 Eine ganz typische Materialkategorie in der Hallstattzeit sind große Gefäße, die in den Gräbern drinnen stehen.

369
00:29:27.619 --> 00:29:31.420
 Gerade in Mitterkirchen gibt es zum Beispiel immer ein Großgefäß, das in der Ecke steht,

370
00:29:31.420 --> 00:29:34.980
 in dem oft eine kleine Trinkschale oder eine Tasse noch drinnen ist,

371
00:29:35.299 --> 00:29:38.420
 was es erlaubt, diese großen Gefäße als Getränkebehälter zu interpretieren.

372
00:29:39.420 --> 00:29:46.000
 Zwei absolute Highlights für Linz und deswegen auch in der Lenzer Vitrine im Donaulimesraum ausgestellt,

373
00:29:46.000 --> 00:29:52.240
 sind der Dorso Linz und eine Glasflasche, eigentlich ein Glaskanister aus dem Gräberfeld

374
00:29:52.240 --> 00:29:59.079
 Kreuzschwestern. Der Dorso Linz ist 1953 gefunden worden. Drei Schüler haben ihn am Donauufer

375
00:29:59.079 --> 00:30:05.200
 entdeckt und es war dann recht spannend, weil es ist wirklich ein außerhalb qualitätsvolles Stück.

376
00:30:09.839 --> 00:30:10.240
 Er ist eine römische Kopie, aber nach einem griechischen Original aus der Patenonzeit.

377
00:30:13.980 --> 00:30:14.279
 Also wirklich aus dem klassischen Griechenland um 440 vor Christus.

378
00:30:18.140 --> 00:30:18.460
 Wurde dann wahrscheinlich im ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus kopiert.

379
00:30:22.900 --> 00:30:24.460
 Der Marmor ist aus Carrara, heute noch genutzter Steinbruch.

380
00:30:29.119 --> 00:30:34.039
 Hochqualitativer Marmor in der heutigen Toskana. Und es ist in der Fachwelt dann in den 50er Jahren irgendwie so ein Streit entstanden, ja kann dieser Torso überhaupt

381
00:30:34.039 --> 00:30:39.259
 aus Lind stammen oder ist der nicht vielleicht in den Kriegsviren verschleppt worden. Ich würde

382
00:30:39.259 --> 00:30:43.579
 einmal dazu sagen, ja ich weiß nicht ob man in den Kriegsviren dann einen mehrere Kilo schweren

383
00:30:43.579 --> 00:30:47.940
 Torso herumschleppt, das ist nicht so optimal bei Goldschmuck oder so ist das ein bisschen was anderes.

384
00:30:48.519 --> 00:30:50.059
 Aber so einen Torso überlegt man sich schon.

385
00:30:50.420 --> 00:30:56.059
 Und wie andere Funde aus Linz zeigen, die wir haben, muss man mit solcher Qualität bei uns auf jeden Fall rechnen.

386
00:30:56.180 --> 00:30:57.779
 Also solche Dinge hat es bei uns gegeben.

387
00:30:58.480 --> 00:31:02.380
 Nachdem in der Urgeschichte noch kein Schnaps gebrannt wurde, kann man sich aber durchaus vorstellen,

388
00:31:02.519 --> 00:31:08.839
 dass da Met oder Wein oder Bier drinnen gewesen ist. Und dann gibt es natürlich noch jede Menge kleinere Gefäße,

389
00:31:09.039 --> 00:31:13.880
 die tatsächlich auch Kochgefäße sein können. Wir versuchen das jetzt in Mitterkirchen im

390
00:31:13.880 --> 00:31:19.339
 Freilichtmuseum seit mehreren Jahren. Da werden die nachgemachten Gefäße immer wieder dazu benutzt,

391
00:31:19.440 --> 00:31:23.359
 eignen sich ganz hervorragend. Und aus den Schalen kann man natürlich essen. Also das ist

392
00:31:23.359 --> 00:31:31.420
 Ess- und Kochgeschirr, das in die Gräber gelangt ist und dazu gibt es eben die typischen Trachtbestandteile, Schmuck, Messer, es

393
00:31:31.420 --> 00:31:36.599
 gibt auch einen Spinnviertel und unterschiedlichste Grabbeigaben und bei diesen reich ausgestatteten

394
00:31:36.599 --> 00:31:41.140
 Hallstattzeitlichen Gräbern gibt es natürlich auch immer wieder die Debatte darum, was bedeutet

395
00:31:41.140 --> 00:31:47.980
 das, wenn jemand solche Objekte in sein Grab mitbekommen hat? Ist der, der mehr Gefäße mitbekommen hat, gesellschaftlich hochstehender

396
00:31:47.980 --> 00:31:52.319
 als die Person, die weniger Gefäße bekommen hat? Auch das ist wieder absolut spekulativ

397
00:31:52.319 --> 00:31:55.960
 und da geht es wieder um die Dinge. Es geht dabei um den Tod

398
00:31:55.960 --> 00:31:59.380
 eines Menschen und das hat etwas mit Spiritualität zu tun.

399
00:31:59.960 --> 00:32:04.059
 Sonst würde es überhaupt gar keinen Grabbrauch geben, wenn man keine Vorstellungen von dem

400
00:32:04.059 --> 00:32:05.779
 hätte, was danach passiert ist.

401
00:32:06.099 --> 00:32:10.519
 Aber was es ganz konkret bedeutet, können wir mangels Schriftquellen eben leider nicht mehr herausfinden.

402
00:32:10.859 --> 00:32:13.759
 Da müssen wir mehrere Interpretationen nebeneinander stehen lassen.

403
00:32:14.680 --> 00:32:16.740
 Und da kommen wir zu dem zweiten Objekt, das wir haben.

404
00:32:16.799 --> 00:32:22.619
 Das ist wirklich eines der absoluten Highlights der römerzeitlichen Sammlung im Oberösterreichischen Landesmuseum.

405
00:32:22.619 --> 00:32:25.220
 Und zwar haben wir einen Glaskanister, von dem gibt es

406
00:32:25.220 --> 00:32:31.440
 im Imperium derzeit zwei vollständig gehaltene Exemplare. Der eine ist im Donau-Limes-Raum,

407
00:32:31.440 --> 00:32:36.180
 das zweite Exemplar ist einen Raum weiter im Lenzer-Raum. Also die sind beide bei uns in

408
00:32:36.180 --> 00:32:41.420
 der Sammlung. Das Spezielle an diesen Glaskanistern ist, sie sind gestempelt, das heißt wir wissen,

409
00:32:41.420 --> 00:32:45.380
 wer sie produziert hat. Und die Produzentin, tatsächlich

410
00:32:45.380 --> 00:32:50.480
 eine Produzentin in dem Fall, ist eine Sentea Segunda, die eine Glasmanufaktur in Aquilea

411
00:32:50.480 --> 00:32:55.240
 betreibt und das steht auf dem Stempel. Und wenn man das Gefäß geleert hat und hineingeschaut

412
00:32:55.240 --> 00:32:59.380
 hat, dann hat man unten auch diesen Stempel lesen können. Und da steht eben drauf, Sentea

413
00:32:59.380 --> 00:33:05.079
 Segunda hat dieses Glas in Aquilea produziert oder produzieren lassen.

414
00:33:07.240 --> 00:33:08.660
 Und da kommen wir natürlich zu einem ganz besonderen Aspekt.

415
00:33:11.680 --> 00:33:12.039
 Das römische Imperium ist ein massives Patriarchat.

416
00:33:15.940 --> 00:33:16.359
 Frauen haben hier kaum eigentlich Chancen auf Selbstständigkeit, auf Entfaltung.

417
00:33:20.140 --> 00:33:21.759
 Und darum ist es auch ganz, ganz selten, dass Frauen wie die Sente Segunda, dass sie vor den Vorhang treten.

418
00:33:22.160 --> 00:33:25.000
 Und in dem Fall treten sie eben mit diesen gestempelten Produkten, tritt sie vor den Vorhang treten. Und in dem Fall treten sie eben mit diesen gestempelten Produkten,

419
00:33:25.000 --> 00:33:31.000
 tritt sie vor dem Vorhang. Sie zeigt uns, dass es eben solche Glasmanufakturen gibt,

420
00:33:31.000 --> 00:33:36.000
 die von Frauen erfolgreich betrieben worden sind, die eben einen Handel bis zum Donau Limes

421
00:33:36.000 --> 00:33:41.000
 hier mit ihren hochqualitativen Waren letztendlich betreiben.

422
00:33:41.000 --> 00:33:46.339
 Dabei handelt es sich um absolute Highlight-Funde aus dem Gräberfeld von Hallstatt.

423
00:33:46.539 --> 00:33:49.079
 Das sind Fiebeln und Nadeln in dem Fall.

424
00:33:49.440 --> 00:33:52.180
 Fiebeln sind im Prinzip Broschen, das heißt, das sind Sicherheitsnadeln

425
00:33:52.180 --> 00:33:54.519
 mit sehr viel Verzierung dran. Und

426
00:33:54.519 --> 00:33:58.079
 diese Bleche, die da unten runterhängen, die

427
00:33:58.079 --> 00:34:01.140
 machen beim Gehen ein unglaubliches, lautes Geräusch. Also das klappert ganz

428
00:34:01.140 --> 00:34:04.319
 massiv, war noch relativ schwer. Das heißt, das hat durchaus sicherlich

429
00:34:04.319 --> 00:34:07.579
 sehr viel Eindruck gemacht, wenn man mit so einem Schmuckstück dahergekommen ist.

430
00:34:08.539 --> 00:34:12.500
 Die konkrete Bedeutung lässt sich natürlich schwer interpretieren, es ist einfach Schmuck.

431
00:34:13.039 --> 00:34:19.239
 Laueakum 1 wird Ende des 2. Jahrhunderts, also zwischen 171 und 180, Legionsstützpunkt.

432
00:34:19.539 --> 00:34:23.780
 Das heißt, da kommen 6000 spezialisierte Soldaten mit ihrem Anhang, die haben Geld.

433
00:34:24.239 --> 00:34:28.320
 Das heißt, dort wird natürlich produziert, gekauft, verkauft, gehandelt,

434
00:34:28.699 --> 00:34:35.500
 vieles verloren, vieles zerstört und hat dann über 450 Jahre Bestand, diese Siedlung letztendlich.

435
00:34:36.219 --> 00:34:42.139
 Und da wird natürlich etliches an Fundmaterial zutage gefördert in den letzten 150 Jahren,

436
00:34:42.139 --> 00:34:45.579
 aber nach wie vor, also bei jeder Ausgrabung, kommen unglaubliche Massen heraus.

437
00:34:46.159 --> 00:34:49.880
 Und deswegen haben wir uns entschieden, hier uns auf die Glaubenswelten zu fokussieren.

438
00:34:50.340 --> 00:34:54.679
 Das heißt, wir schauen uns an, welche Objekte zeigen uns, an was die Römer,

439
00:34:55.320 --> 00:34:57.820
 sogenannten Römer, geglaubt haben.

440
00:34:57.920 --> 00:34:59.980
 Und da sieht man, wie vernetzt dieses Imperium ist.

441
00:34:59.980 --> 00:35:11.360
 Wir haben einerseits die typisch mediterrane Glaubenswelt, wo die griechisch-römischen Gestalten Jupiter, Minerva, Venus, Mars, Merkur usw. auf uns treffen.

442
00:35:11.639 --> 00:35:16.280
 Dann tauchen aber auf einmal in Lariakum 1 auch ägyptische Gottheiten auf.

443
00:35:16.559 --> 00:35:26.719
 Wir haben einen Anubis zum Beispiel oder wir haben einen Jupiter-Amon, also einen Jupiter, der vermischt ist mit dem ägyptischen Amon. Oder eine Isis Fortuna,

444
00:35:26.719 --> 00:35:31.440
 wieder eine ägyptische Gottheit, die mit der Glücksgöttin Fortuna, mit der römischen

445
00:35:31.440 --> 00:35:39.619
 Glücksgöttin Fortuna verbunden wird. Oder gibt es solche Sachen wie Jupiter Dolichenus. Das ist ein

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00:35:39.619 --> 00:35:45.000
 Kult, der in der heutigen Türkei entstanden ist und dann mit dem Militär verbreitet ist.

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00:35:48.000 --> 00:35:48.800
 Und in diesen Reigen gehört natürlich auch das Christentum dazu,

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00:35:52.059 --> 00:35:52.219
 das Vertreten ist durch zwei Fingerringe und eine Öllampe.

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00:35:57.579 --> 00:35:57.719
 Und auch das Christentum hätte sich ohne die Basis, die dieses römische Reich geboten hat,

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00:36:03.440 --> 00:36:03.800
 mit seiner Vernetzung, mit seinen Wegen, mit seinen Flussverbindungen, mit seiner Verwaltung,

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00:38:10.340 --> 00:38:11.380
 ohne dem wäre auch die Erfolgsgeschichte des Christentums nicht möglich gewesen. I am the light of the world. Thank you. I am a man of the mind. Thank you. Musik Es war uns natürlich besonders wichtig, dass wir hier im Schlossmuseum hier in Linz, in der Landeshauptstadt natürlich auch Lenzer entsprechend präsentieren.

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00:38:25.699 --> 00:38:26.139
 Und das ist auch deswegen wichtig, weil genau hier, wo wir stehen im Schlossmuseum, am anschließenden Römerberg, dort wo die Martinskirche ist, die Keplerwiese ist, dort beginnt die Geschichte der Stadt Linz, der heutigen Stadt Linz.

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00:38:32.059 --> 00:38:32.360
 Wir haben dort eine, also nachweislich in diesen Bereichen, späteisenzeitliche Siedlungen,

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00:38:36.980 --> 00:38:43.019
 spätes, zweites, frühes, erstes Jahrhundert, die dann nahtlos um Christi Geburt mit einer römischen Siedlung oder mit römischen Menschen verschmelzen.

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00:38:43.099 --> 00:38:50.199
 Das heißt, wir haben hier eine Kontinuität von Linz nachgewiesen, die über 2100 Jahre geht. Und das ist

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00:38:50.199 --> 00:38:54.579
 damit ist eigentlich Linz die einzige Stadt, wo wir diese Kontinuität wirklich

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00:38:54.579 --> 00:38:59.260
 belegt haben. Also man kann nimmt es für Enz und für Wels auch an, aber belegbar

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00:38:59.260 --> 00:39:09.059
 ist tatsächlich eigentlich nur in Lenzer Linz. Und wir haben hier verschiedene Bereiche ausgestellt. Zum einen gibt

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00:39:09.059 --> 00:39:14.699
 es ein kleines Heiligtum, in das man hineingehen kann. Das ist am Dummelplatz in den 50er Jahren

460
00:39:14.699 --> 00:39:20.280
 gegraben worden. Da kann man sich dann auf die Spuren von den Reitern von Linz machen, von einer

461
00:39:20.280 --> 00:39:28.400
 Einheit, für die ich dann auch noch kurz was sagen werde. Und ganz wichtig sind auch natürlich, was erzählen uns die Toten von Linz.

462
00:39:28.500 --> 00:39:32.000
 Und da haben wir einerseits Grabreliefs, zwei Grabreliefs ausgestellt,

463
00:39:32.719 --> 00:39:38.880
 andererseits Objekte aus dem Gräberfeld Kreuzschwestern, wo man sieht, wie reich diese Gräbern waren.

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00:39:39.019 --> 00:39:50.800
 Da ist die zweite Glasflasche von der Sente Secunda in Aquileia in einem Grab gefunden worden. Im gleichen Grab gibt es aber auch Tierfiguren, zwei Paar Goldohrringe, ein ganzes Set aus Keramik, eine Menge Glasgefäße,

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00:39:50.800 --> 00:39:58.300
 Bronze Schale etc. Also da sieht man, man hat hier in dieser Siedlung Geld machen können,

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00:39:58.300 --> 00:40:02.079
 weil wenn man nicht Geld hat, dann würde man sowas nicht als Beigaben mitgeben, was man

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00:40:02.079 --> 00:40:09.659
 neuer wirklich an Wertsachen den Verstorbenen hier mitgegeben hat. Ja und besonders wichtig war natürlich auch, dass wir die aktuellsten

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00:40:09.659 --> 00:40:14.820
 Forschungen hier einarbeiten und seit 2023 arbeiten wir an einem Projekt, das heißt der

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00:40:14.820 --> 00:40:21.480
 Archäologische Plan von Lenzia Linz ist ein Projekt, das einerseits zur Hälfte vom Oberösterreichischen

470
00:40:21.480 --> 00:40:26.880
 Landeskultur GbH finanziert wird, die andere Hälfte durch Förderungen vom Bundesdenkmalamt.

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00:40:27.719 --> 00:40:32.579
 Und da arbeiten drei Kolleginnen und ich gemeinsam praktisch an.

472
00:40:32.699 --> 00:40:41.019
 Wir arbeiten alle Fundstellen, die in den letzten 100 Jahren in Lenzer dokumentiert worden sind, arbeiten wir in diesem Plan ein.

473
00:40:41.420 --> 00:40:51.159
 Die Grabungen der letzten 100 Jahre sind schon drinnen, die werden auch hier präsentiert und jetzt im letzten Jahr arbeiten wir jetzt noch die Einzelfunde ein in dieses Projekt.

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00:40:51.159 --> 00:40:55.719
 Und wenn man so etwas macht, dann ist es ein Puzzlespiel. Wir haben aber von diesem Puzzle

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00:40:55.719 --> 00:41:00.519
 nicht alle Teile, sondern wir haben nur kleine Ausschnitte von diesem Puzzle. Das kann man aber

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00:41:00.519 --> 00:41:09.320
 sehr, sehr schön sehen, wie wichtig es ist, dass man sich damit beschäftigt. Wir können zum Beispiel jetzt sagen, wo ist das Steinkastell des 2. Jahrhunderts gestanden?

477
00:41:09.320 --> 00:41:18.500
 Das hat man bis vor wenigen Jahren zwar vermutet, dass es irgendwo im Bereich hinter der Promenade, im Bereich der Spickelwiese anzusiedeln ist.

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00:41:18.860 --> 00:41:27.960
 Mittlerweile durch Grabungen 2015, 2016 und vor allem auch Grabungen 2021, wissen wir recht genau, dass es einerseits zwischen der Promenade,

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00:41:28.420 --> 00:41:36.099
 zwischen der Walterstraße, zwischen der Bischofsstraße und ein bisschen abgesetzt, entfernt von der Landstraße liegt.

480
00:41:36.420 --> 00:41:45.559
 Wir haben hier ein Gelände von ungefähr vier Hektar und das ist genau das, was wir gesucht haben, weil wir brauchen ein Lager für 500 Reiter mit ihren Pferden.

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00:41:45.559 --> 00:41:52.739
 Und das wissen wir in Analogie von anderen krömischen Aalenkastellen, wie diese Reiterkastelle Eisen,

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00:41:53.280 --> 00:41:57.559
 dass man eben 3,5 bis 4,2 Hektar für so eine Reitereinheit benötigt.

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00:41:58.480 --> 00:42:00.900
 Und genau das können wir jetzt eigentlich festmachen.

484
00:42:01.400 --> 00:42:06.539
 Mir ist ein Zwischendurm in der Promenade 15 gefunden worden, der rückwärtige

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00:42:06.539 --> 00:42:12.380
 Teil des Lagers in der Walterstraße. Bereits in den 20er Jahren im Bereich der Steingasse liegt

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00:42:12.380 --> 00:42:19.760
 das Kommandogebäude und so können wir dann Stück für Stück dieses Lager ergänzen. Da fügt sich dann

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00:42:19.760 --> 00:42:25.440
 auch eine Grabung vom ehemaligen Stadtarchäologen Erwin Rupprechtsberger ein in der Spittelwiese,

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00:42:25.440 --> 00:42:31.519
 der dort Teile von einem Aborticus, von einem Wandelgang gefunden haben und wir können jetzt

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00:42:31.519 --> 00:42:37.639
 auf Basis mit den anderen Befunden sagen, das dürfte die Hauptstraße aus dem Kastell heraus

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00:42:37.639 --> 00:42:42.800
 durch das Haupttor, durch die Porta Pretoria gewesen sein und da dürfte ein Kasernenbau mit

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00:42:42.800 --> 00:42:45.579
 vorgelagerten Wandelgang, überdachten Wandelgang

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00:42:45.579 --> 00:42:50.500
 gewesen sein. Und was auch ganz wichtig ist, wir sehen hier die zweite Hauptstraße des Kastells

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00:42:50.500 --> 00:42:56.739
 deckt sich praktisch eins zu eins mit der heutigen Herrenstraße. Und wenn man sich dieses ganze

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00:42:56.739 --> 00:43:00.219
 Gefüge anschaut, je mehr man in diesen archäologischen Plan von Lemze hineinkommt,

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00:43:00.320 --> 00:43:11.280
 desto mehr sieht man, wie die römische Vergangenheit Linz noch heute prägt, weil das Straßensystem in der Altstadt dürfte zu 90 Prozent mindestens auf dem alten römischen

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00:43:11.280 --> 00:43:16.760
 Straßensystem basieren. Ja, was wir in Lenz, in Lenz ja auch das Glück haben, ist, dass wir über

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00:43:16.760 --> 00:43:23.320
 vor allem Inschriften auch zur Truppengeschichte einiges erzählen können. Und die Truppengeschichte

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00:43:23.320 --> 00:43:28.860
 in Lenz ja fängt mit thrakischen Reitern an. Und zwar durch Militärdiplom und auch durch eine

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00:43:28.860 --> 00:43:32.840
 leider heute verschollene Inschrift können wir davon ausgehen, dass die

500
00:43:32.840 --> 00:43:37.280
 erste Reitereinheit, die hier nachweislich stationiert gewesen ist, die

501
00:43:37.280 --> 00:43:42.480
 Alla Prima Dracum Victrix ist. Das heißt, die erste Reitereinheit der

502
00:43:42.480 --> 00:43:47.440
 Siegreichen Traka. Und diese Einheit dürfte um 50 nach Christus in

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00:43:47.440 --> 00:43:52.900
 Trakien im heutigen Bulgarien ausgehoben worden sein und man hat sie nach Lenzer geschickt. Also

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00:43:52.900 --> 00:43:58.119
 das war auch ein ganz ein typisches Vorgehen. In einer Provinz hebt man die jungen Wilden,

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00:43:58.119 --> 00:44:03.460
 in dem Fall eine Reitereinheit aus, schickt sie in eine andere Provinz. Trakien ist ziemlich

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00:44:03.460 --> 00:44:06.219
 gleichzeitig mit der Provinz Norikon römische Provinz geworden.

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00:44:06.420 --> 00:44:09.699
 Und da hat man natürlich mehrere Fliegen auf einem Schlag mit einem neuen Provinz,

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00:44:10.000 --> 00:44:12.599
 hat man neues Personal, ich kann neue, ich habe neue Rekruten.

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00:44:13.119 --> 00:44:15.960
 Diese, wenn sie 25 Jahre erfolgreich absolvieren,

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00:44:16.219 --> 00:44:19.699
 werden römische Bürger mit allen Annehmlichkeiten der römischen Bürgerrechts.

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00:44:19.699 --> 00:44:23.840
 Das heißt, ihre Nachkommen, ihre Frauen brauchen sich keine Sorgen mehr machen.

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00:44:24.000 --> 00:44:25.320
 Sie haben einen ganz anderen

513
00:44:25.320 --> 00:44:30.800
 gesellschaftlichen Status, können vererben und so weiter. Also da hat man ganz andere Möglichkeiten.

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00:44:30.800 --> 00:44:35.559
 Und der andere Effekt ist natürlich, man bekommt die jungen Wilden aus der heimischen, einheimischen

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00:44:35.559 --> 00:44:40.280
 Provinz heraus, indem schickt sie woanders hin und hat mögliche Unruhestifter nicht mehr in der

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00:44:40.280 --> 00:44:45.059
 Provinz drinnen. Das ist ein sehr positiver Nebeneffekt. Diese thrakischen Reiter werden um

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00:44:45.059 --> 00:44:51.639
 122 und zwischen 122 und 126 nach Christus noch Kanuntum ins Reiterkastell von Kanuntum versetzt.

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00:44:51.639 --> 00:44:57.699
 Das heißt, bei uns wird ein Kastell sozusagen frei und da kommt eine Einheit, die wir auch ganz gut

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00:44:57.699 --> 00:45:04.059
 kennen. Das ist die Ala Prima Pannonioren Tampeana. Das ist eine Einheit, die im ersten Jahrhundert in

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00:45:04.059 --> 00:45:05.460
 heutigen Ungarn wahrscheinlich

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00:45:05.460 --> 00:45:12.300
 ausgehoben worden ist und die wurde nach Britannien versetzt. Zwischen 122 und 126 kommt sie dann nach

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00:45:12.300 --> 00:45:18.239
 Linz. Also da sieht man auch, 500 Mann mit ihren Pferden kommen auch von Britannien bis an die Donau,

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00:45:18.239 --> 00:45:22.619
 bis an den Donau Limes nach Linz letztendlich schicken. Es ist alles logistisch für die Römer,

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00:45:22.619 --> 00:45:27.599
 so kein Problem. Ja, Dann wird es etwas still um diese

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00:45:27.599 --> 00:45:33.559
 Einheit. Diese Einheit, diese Alla Prima Pannonia, lässt sich dann bis zum Ende des 2. und Anfang des

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 3. Jahrhunderts in Lenzer verfolgen. Dann verlassen uns leider die inschriftlichen Zeugnisse. Da wissen

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00:45:38.360 --> 00:45:42.980
 wir dann nicht genau, was passiert. Was ganz wichtig ist, wir sehen durch Ziegelstempel,

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00:45:42.980 --> 00:45:45.960
 dass sie an diesem Steinkastell in Lenzer baut. In der Steing sehen durch Ziegelstempel, dass sie an diesem Steinkastell in Lenze erbaut.

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00:45:46.079 --> 00:45:50.599
 In der Steingasse werden Ziegelstempel gefunden von dieser Einheit.

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00:45:50.900 --> 00:45:56.380
 Das heißt, wahrscheinlich ist diese Einheit für den Bau des Steinkastells des 2. Jahrhunderts zuständig.

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00:45:57.199 --> 00:46:11.300
 Dann wird es erst im späten 3., frühen 4. Jahrhundertundert sehen wir noch einmal, wer hier stationiert ist. Da gibt es ein Verwaltungshandbuch, ein römisches, wo die viele Ämter aufgelistet sind in verschiedenen Provinzen und Reichsteilen.

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00:46:11.619 --> 00:46:13.619
 Das ist die sogenannte Notizia Dignitatum.

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00:46:14.099 --> 00:46:17.380
 Und da wird Lenzia das einzige Mal namentlich genannt.

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00:46:17.559 --> 00:46:20.159
 Also da steht wirklich drinnen, dass unsere Siedlung Lenzia heißt.

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00:46:20.340 --> 00:46:26.639
 Und da steht dabei, in Lenzia sind Equides Sagittarii, berittete Bogenschützen.

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00:46:27.039 --> 00:46:32.900
 Das heißt, es sind wieder Pferde, in dem Fall Spezialisten, die mit Bogen und Pferd unterwegs gewesen sind.

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00:46:33.219 --> 00:46:39.860
 Aber eben diese Komponente des Pferdes spielt eben in Lenzer eine ganz wichtige Rolle.

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00:46:40.360 --> 00:46:48.539
 Und wenn man sich heute den Stadtplan anschaut, wir haben voriges Jahr eine Gradung gehabt im Bereich des Theaterhofes, also zwischen Landestheater und Kulturdirektion.

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00:46:49.179 --> 00:46:54.380
 Da sind die öffentlichen Termine von Lenzer gefunden worden beim Theaterumbau.

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00:46:54.900 --> 00:47:06.159
 Wenn man sich dann aber dort den Stadtplan noch später anschaut, sieht man, dass dort genau in dem Bereich die ständische Reitschule gestanden ist bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Das heißt,

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00:47:06.159 --> 00:47:11.039
 die Reiter haben eigentlich über 2000 Jahre das Stadtbild von Linz-Maskewig geprägt,

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00:47:11.039 --> 00:47:34.719
 kann man sich heute eigentlich kaum noch vorstellen. Thank you.

