WEBVTT

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00:00:00.000 --> 00:00:20.079
 Guten Abend und herzlich willkommen im Kepler Salon.

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00:00:20.079 --> 00:00:26.899
 Mein Name ist Barbara Jani und ich begrüße Sie alle recht herzlich zu unserem heutigen Salonabend

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00:00:26.899 --> 00:00:33.179
 Nahrungswelten transformieren und besonders meine beiden Gäste Sonja Stummerer und Ernst Langthaler.

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00:00:33.320 --> 00:00:35.880
 Ich werde die beiden dann natürlich auch noch vorstellen.

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00:00:37.500 --> 00:00:41.979
 Es wird ein Salonabend in vertrauter Form sein.

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00:00:42.619 --> 00:00:46.600
 Das heißt nach einem kurzen Intro, wo ich die beiden Gäste vorstellen werde

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00:00:46.600 --> 00:00:52.179
 und das Thema ein bisschen einleiten. Wir werden dann ganz viel darüber sprechen, werden meine

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00:00:52.179 --> 00:00:59.259
 beiden Gäste dann berichten und ihre Beiträge bringen und dann soll wieder Zeit und Raum sein

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00:00:59.259 --> 00:01:05.879
 für unser gemeinsames Gespräch. Würde ich Sie wieder bitten um Ihre Fragen, Ihre Beiträge.

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00:01:07.459 --> 00:01:10.040
 Ja, und die können vielfältig sein.

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00:01:10.500 --> 00:01:16.560
 Und wir haben vorher schon festgestellt, oft sind die einfachen, scheinbar banalen Fragen,

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00:01:16.560 --> 00:01:20.700
 die am spannendsten sind und das meiste Denken aufmachen.

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00:01:20.939 --> 00:01:21.819
 Also keine Scheu.

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00:01:22.540 --> 00:01:36.739
 Wir haben dann auch einen Mikrofonwürfel, da bitte ich Sie dann, Ihre Fragen reinzustellen, damit auch unsere Gäste, die online zuschauen oder dann nachschauen, ebenso ihre Fragen hören und nicht nur die Antworten.

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00:01:49.299 --> 00:01:50.140
 Transformieren ist ein großes Thema, sowohl das Wort Nahrungswelten als auch Transformieren, da entstehen irgendwie große abstrakte Begriffe.

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00:02:11.800 --> 00:02:28.819
 Und in meiner Annäherung zum Thema habe ich einfach bei mir selber nachgedacht, was verbinde ich damit und bin so draufgekommen, ich reise sehr, sehr gerne und was ich auch sehr gerne mache in verschiedensten Ländern, Städten, ist dort Supermärkte besuchen. Das finde ich einfach spannend. es laut? Wie begegnet mir Personal? Begegnet mir überhaupt Personal? Gibt es Bio-Waren dort? Gibt

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00:02:28.819 --> 00:02:36.139
 es Diätnahrungsmittel? In welcher Vielfalt? Wie wirkt das Ganze auf mich? Also ich finde das

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00:02:36.139 --> 00:02:42.280
 wahnsinnig spannend. Darum mache ich das sehr, sehr gern und darum finde ich das auch spannend,

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00:02:42.280 --> 00:02:53.740
 dass wir uns heute mit diesem einen Baustein genauso beschäftigen werden, wie eben Supermärkte dazu beitragen, wie wir uns ernähren.

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00:02:54.740 --> 00:02:57.879
 Und das wird Sonja Stumrer beitragen.

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00:02:58.479 --> 00:03:00.800
 Ich möchte sie gleich einmal kurz vorstellen.

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00:03:09.659 --> 00:03:16.199
 vorstellen. Sie ist gebürtige Wienerin und hat an der Universität für angewandte Kunst in Wien studiert, aber auch in London, in Barcelona und in Barcelona und zwar Architektur und Design und

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00:03:16.199 --> 00:03:33.020
 hat 2016 zum Thema Essen und Design promoviert. Seit mehr als 20 Jahren hat sie gemeinsam ein Research- und Performance-Team, das heißt Honey & Bunny, und hat das gemeinsam mit Martin Hables Reiter.

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00:03:33.800 --> 00:03:34.599
 Das ist in Wien.

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00:03:36.000 --> 00:03:40.360
 Und was macht dieses Kunst- und Performance-Team?

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00:03:40.460 --> 00:03:47.780
 Es ist inter- und transdisziplinär, klingt auch sehr abstrakt, aber ich glaube, es geht einfach darum, quer über alle Bereiche zu arbeiten.

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00:03:48.199 --> 00:03:57.460
 Und sie setzen sich da mit sehr alltäglichen Themen auseinander, eben zum Beispiel mit dem Thema Essen, aber auch mit dem Thema Putzen.

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00:04:12.139 --> 00:04:12.599
 Politische im Alltäglichen zu finden, sich damit auseinanderzusetzen in Form von Fotos, Videos, Performances, Climart, Eatart und Arts and Science Projekten.

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00:04:19.100 --> 00:04:20.779
 Du hast auch vorhin gerade erzählt von einem in Spanien, vielleicht kommen wir noch dazu, was da so passiert bei solchen Projekten.

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00:04:39.920 --> 00:04:52.560
 Sie ist international tätig, hat unter anderem für das Victoria & Albert Museum in London gearbeitet, die Rockefeller Foundation in New York, hat in Peking, Kapstadt und Mailand ausgestellt und sich schon an zahlreichen wissenschaftlichen und künstlerischen Publikationen beteiligt. Zum Thema Supermärkte kommen wir aber ein bisschen später. Sie sind ein Baustein. Jetzt komme ich da ein bisschen durcheinander mit meinen Zetteln, aber ich schaffe das schon. Ich habe das noch umgebaut im Nachgang.

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00:05:09.500 --> 00:05:10.139
 Die Frage ist, was sind da so weitere wichtige, mächtige Player in unseren Nahrungswelten, in den Ernährungssystemen, in den Agrarsystemen?

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00:05:16.500 --> 00:05:17.839
 Welche Rolle können Konsumentinnen und Konsumenten spielen, Produzenten und Produzentinnen?

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00:05:23.939 --> 00:05:24.120
 Vor allem aber auch, und das ist das Spannende und das sind wir beim Transformieren, können sie sich verändern?

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00:05:48.459 --> 00:05:48.540
 Wie können sie sich verändern? Wie haben sie sich bereits verändert? Und können wir auch die Zielrichtung gestalten, wie kann ich das gestalten? Und dazu hat Ernst Langthaler, das beschäftigt er sich ganz intensiv damit,

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00:05:53.500 --> 00:05:53.660
 ich möchte ihn auch noch kurz vorstellen, aber hat vor allem als Mitherausgeber ein Buch herausgebracht,

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00:05:56.759 --> 00:05:57.959
 das irgendwie den Rahmen auch bieten wird für unseren heutigen Abend.

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00:06:00.779 --> 00:06:02.160
 Ernst Langthaler ist gebürtiger Niederösterreicher.

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00:06:09.959 --> 00:06:10.860
 Er hat gestartet als Hauptschullehrer für Geschichte und Sozialkunde und hat dann an der Universität Wien Geschichte studiert.

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00:06:17.019 --> 00:06:17.860
 War in verschiedene Forschungsprojekte involviert, zum Beispiel bei der österreichischen Historikerkommission.

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00:06:25.319 --> 00:06:30.399
 Er war Mitarbeiter und dann viele Jahre lang Leiter des Instituts für Geschichte des ländlichen Raums in St. Pölten, ist mittlerweile dessen Vorstand. Ich war sehr beeindruckt, wie ich gesehen habe, wie groß dieses Institut ist. Also

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00:06:30.399 --> 00:06:38.120
 das hat schon Gewicht, denke ich. Er ist Vorstandsmitglied der European Rural History

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00:06:38.120 --> 00:06:47.139
 Organization und Mitglied der Kommission für interdisziplinäre ökologische Studien der ÖAW. Er ist Mitherausgeber mehrerer

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00:06:47.139 --> 00:06:53.939
 Zeitschriften und Buchreihen und seit 2016, also zehn Jahren ist es her, hat eine Professur für

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00:06:53.939 --> 00:07:00.360
 Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der JKU und leitet das Institut für Wirtschaft, Sozial- und

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00:07:00.360 --> 00:07:06.259
 Umweltgeschichte hier an der JKU. Seine Forschungsinteressen sind Agrar- und Ernährungsgeschichte,

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00:07:06.860 --> 00:07:13.860
 Global- und Regionalgeschichte, historische Theorien und Methoden. Er beschäftigt sich oder hat sich

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00:07:13.860 --> 00:07:19.000
 schon sehr intensiv beschäftigt mit der Agrargesellschaft im Nationalsozialismus, mit der

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00:07:19.000 --> 00:07:30.860
 Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg und mit Familienlandwirtschaften in der Industriegesellschaft. Ein sehr breites und dann auch wieder spezielles Forschungsfeld, würde ich sagen.

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00:07:31.759 --> 00:07:40.680
 Und er arbeitet zurzeit an der Geschichte der Globalisierung im 20. Jahrhundert anhand der Sojabohnen und ich denke, da werden wir heute auch noch hinkommen.

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00:07:40.879 --> 00:07:49.620
 Ja, soweit mal zu meinen beiden Gästen, denen ich jetzt gleich gern das Wort übergeben möchte und ich glaube, du wirst beginnen, Ernst.

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00:08:03.459 --> 00:08:04.040
 der Intendantin des Kepler-Salons für die Einladung.

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00:08:06.800 --> 00:08:07.399
 Wir freuen uns beide sehr, wir sind ja beide an diesem Buch beteiligt,

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00:08:12.540 --> 00:08:14.199
 dass wir heute dieses Buch vorstellen dürfen und auch mit Ihnen gemeinsam diskutieren dürfen.

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00:08:18.019 --> 00:08:19.060
 Ja, ich bitte einmal die Folie einzublenden.

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00:08:21.420 --> 00:08:24.459
 Genau, da sehen wir schon das Titelbild. Ich möchte Ihnen das Buch jetzt kurz einmal näher bringen

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00:08:24.459 --> 00:08:34.940
 und naheliegenderweise beginnen wir da gleich einmal beim Cover, das schon eine Programmatik auch enthält.

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00:08:35.639 --> 00:08:40.399
 Wie Sie da links oben sehen, ist das der erste Band der Reihe Agro-Food-Studies.

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00:08:41.320 --> 00:08:45.879
 Dieser Begriff, den kann man nur sehr schwer ins deutsche übersetzen agrar und ernährungsstudien

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00:08:45.879 --> 00:08:51.100
 funktioniert nicht so wirklich also deswegen haben wir es auch beim englischen original

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00:08:51.100 --> 00:08:59.740
 belassen und was diese agrofoodstudies wollen das zeigt eigentlich das foto glaube ich sehr

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00:08:59.740 --> 00:09:10.620
 eindrücklich ein künstlerisches surrealistisches, das eine Supermarktkundin im Kuhstall zeigt.

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00:09:11.779 --> 00:09:18.200
 Wenn Sie genau schauen, werden Sie Ähnlichkeiten zwischen der Dame auf dem Foto und der Sonja Stummerer erkennen.

62
00:09:18.379 --> 00:09:25.600
 Also das ist ein künstlerisches Foto von Hanni und Panni, das sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben.

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00:09:25.840 --> 00:09:27.580
 Und warum wirkt es so surrealistisch?

64
00:09:27.840 --> 00:09:33.720
 Weil es zwei Bereiche zusammenbringt, die in unserem Alltagsbewusstsein eigentlich meistens getrennt sind.

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00:09:34.179 --> 00:09:41.279
 Also auf der einen Seite das Produzieren von Nahrungsmitteln und auf der anderen Seite der Konsum im Supermarkt.

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00:09:42.259 --> 00:09:43.200
 Das war aber nicht immer so.

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00:09:43.200 --> 00:09:47.600
 Also dass diese zwei Bereiche getrennt sind, ist eigentlich eine relativ kurze Geschichte,

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00:09:47.720 --> 00:09:51.460
 wenn man jetzt die gesamte Menschheitsgeschichte in den Blick nimmt.

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00:09:51.460 --> 00:09:55.519
 Da geht es um die letzten 100, 150 Jahre ungefähr,

70
00:09:55.960 --> 00:09:59.320
 in der sich diese Trennung herausgebildet hat. Und diese Trennung ist

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00:09:59.320 --> 00:10:03.139
 gleichzeitig eine ontologische und eine epistemologische. Also eine

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00:10:03.139 --> 00:10:07.159
 ontologische im Sinn von dem, was man in der Wirklichkeit wirklich beobachten kann.

73
00:10:07.960 --> 00:10:14.679
 Also wir haben auf der einen Seite eben Bauern, Landwirte, je nachdem wie sie sich selbst definieren,

74
00:10:15.620 --> 00:10:21.039
 die Lebensmittel produzieren, ohne dass sie wissen, wer das dann letztendlich konsumiert.

75
00:10:21.039 --> 00:10:25.039
 Also der Kontakt zu den Kunden und Kundinnen, der findet in der Regel

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00:10:25.039 --> 00:10:29.899
 nicht statt. Da sind viele andere Instanzen, unter anderem die Supermärkte, dazwischen geschaltet.

77
00:10:29.899 --> 00:10:34.460
 Und auf der anderen Seite die Konsumenten und Konsumentinnen im Supermarkt oder im Fastfood

78
00:10:34.460 --> 00:10:40.519
 lokal, die wissen aber meistens nicht, wo kommt eigentlich das her, was ich da jetzt esse. Also

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00:10:40.519 --> 00:11:06.480
 in der Wirklichkeit sind diese beiden Bereiche getrennt und auch epistemologisch. Das heißt, in der wissenschaftlichen Betrachtung dieses Phänomens finden wir auch diese Aufspaltung. zum Beispiel und auf der anderen Seite die, die sich mit dem Konsum beschäftigen, die Konsumsoziologie zum Beispiel.

80
00:11:07.240 --> 00:11:13.200
 Aber die beiden reden eigentlich nicht oder haben bis vor kurzem nicht miteinander geredet.

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00:11:13.720 --> 00:11:20.179
 Und die Agrofoodstudies haben eben diesen Anspruch, diese epistemologische Spaltung zu überbrücken,

82
00:11:20.279 --> 00:11:32.399
 indem sie Produktion und Konsum von Lebensmitteln zusammendenken und indem sie auch sozial- und kulturwissenschaftliche Ansätze mit Natur- und Technikwissenschaftlichen verbinden.

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00:11:33.720 --> 00:11:38.480
 Aber es bleibt nicht beim Epistemologischen, es geht auch um das Ontologische.

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00:11:38.620 --> 00:11:43.639
 Das heißt, diese Agrofood Studies verstehen sich meistens als eine kritische Wissenschaft.

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00:11:43.639 --> 00:11:46.440
 Das heißt, die wollen auch mit der Wirklichkeit was tun.

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00:11:46.440 --> 00:11:52.440
 Die wollen die Wirklichkeit einmal kritisch reflektieren und dann auch Alternativen aufzeigen im Hinblick auf eine Veränderung.

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00:11:53.360 --> 00:11:57.899
 Also es geht dann auch letztendlich darum, und das ist so ein Anliegen auch unseres Buches,

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00:11:58.539 --> 00:12:07.879
 dazu beizutragen, dass diese Trennung auch in der Realität sich wieder verringert oder vielleicht überhaupt überbrückt wird,

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00:12:08.000 --> 00:12:11.240
 indem man zum Beispiel bäuerliche Produkte direkt vermarktet.

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00:12:11.360 --> 00:12:12.779
 Das wäre so ein Ansatz.

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00:12:13.600 --> 00:12:17.059
 Okay, also das ist irgendwie die Grundidee dieses Bandes.

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00:12:17.299 --> 00:12:19.120
 Ein kurzer Blick ins Inhaltsverzeichnis.

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00:12:19.120 --> 00:12:20.779
 Ja, eines muss ich noch dazu sagen.

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00:12:21.159 --> 00:12:23.120
 Ich habe eine schlechte und eine gute Nachricht für Sie.

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00:12:23.460 --> 00:12:25.919
 Die schlechte Nachricht ist, Sie können dieses Buch heute nicht

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00:12:25.919 --> 00:12:27.759
 kaufen. Das ist mein persönliches

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00:12:27.759 --> 00:12:29.960
 Exemplar und das nehme ich auch wieder mit. Aber

98
00:12:29.960 --> 00:12:31.440
 die gute Nachricht ist,

99
00:12:31.940 --> 00:12:33.840
 dieses Buch ist Open Access erschienen.

100
00:12:33.980 --> 00:12:36.320
 Das heißt, Sie können das im Internet gratis

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00:12:36.320 --> 00:12:38.039
 als PDF runterladen,

102
00:12:38.100 --> 00:12:38.860
 ganz legal.

103
00:12:39.899 --> 00:12:41.799
 Und auf diese Weise, glaube ich, ist die

104
00:12:41.799 --> 00:12:42.460
 Hürde wirklich

105
00:12:42.460 --> 00:12:46.659
 niedrigst möglich, um zu diesem Buch zu kommen.

106
00:12:47.200 --> 00:12:48.799
 Können wir die Folie wieder haben? Danke.

107
00:12:48.799 --> 00:12:59.440
 Kurzer Blick ins Inhaltsverzeichnis. Es gibt natürlich eine Einleitung, in der die vier HerausgeberInnen das Programm des Bandes erläutern.

108
00:12:59.980 --> 00:13:06.960
 Dann gibt es als ersten Bereich oder als ersten thematischen Beitrag einen Beitrag über Österreich,

109
00:13:07.220 --> 00:13:14.620
 über die Transformation des österreichischen Agrar- und Ernährungssystems so in den letzten 70 Jahren in etwa von Markus Schermer.

110
00:13:14.620 --> 00:13:18.419
 Markus Schermer ist ein mittlerweile pensionierter Soziologe von der Uni Innsbruck,

111
00:13:19.139 --> 00:13:22.759
 der aber nicht nur wissenschaftlich, sondern auch Praktiker war.

112
00:13:28.980 --> 00:13:35.399
 sondern auch Praktiker war, als Landwirtschaftsberater, als Mitarbeiter in der Entwicklungshilfe und in vielen anderen praxisorientierten Projekten, hat er auch immer wieder sehr praxisorientiert

113
00:13:35.399 --> 00:13:38.039
 zu den Themen Landwirtschaft und Ernährung gearbeitet.

114
00:13:38.440 --> 00:13:43.139
 Und er reflektiert quasi auch seine eigene Rolle in diesem Agrar- und Ernährungssystem

115
00:13:43.139 --> 00:13:45.539
 in den letzten 70 Jahren in diesem Beitrag.

116
00:13:46.340 --> 00:13:50.320
 Der nächste Beitrag, an dem bin ich beteiligt, gemeinsam mit Franziskus Forster.

117
00:13:50.960 --> 00:13:56.960
 Da geht es eben eigentlich um das Hauptthema des Buches, wie Nahrungsregime, nennen wir das,

118
00:13:57.419 --> 00:14:03.879
 transformiert worden sind in der Vergangenheit und wie sie in Zukunft transformiert werden können.

119
00:14:04.340 --> 00:14:07.539
 Am Beispiel von, du hast es schon erwähnt, Soja.

120
00:14:07.539 --> 00:14:15.580
 Also wir schauen uns an im 20. Jahrhundert, welche Rolle Soja bei der Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen gehabt hat.

121
00:14:16.080 --> 00:14:23.720
 Und fragen uns dann am Beispiel Österreichs, wie so eine sozialökologische Transformation im Hinblick auf Soja aussehen könnte.

122
00:14:24.639 --> 00:14:28.299
 Der nächste Beitrag von Marianne Penker, einer Agrar...

123
00:14:28.299 --> 00:14:30.500
 Ja, zum Franziskus Forster muss ich noch sagen,

124
00:14:30.759 --> 00:14:34.279
 das ist sozusagen das erste transdisziplinäre Element in unserem Band.

125
00:14:34.700 --> 00:14:39.679
 Der ist nämlich so kein bierernster Wissenschaftler, wie ich das zum Beispiel bin,

126
00:14:39.779 --> 00:14:42.080
 sondern der kommt aus der Zivilgesellschaft.

127
00:14:42.320 --> 00:14:49.940
 Er arbeitet in einer NGO, in der österreichischen Bergbauern- und Kleinbäuerinnenvereinigung

128
00:14:49.940 --> 00:14:55.559
 und hat so irgendwie dieses zivilgesellschaftliche Element in unserem Band inne.

129
00:14:56.779 --> 00:15:00.200
 Marianne Penker ist eine Landsoziologin von der BOKU Wien

130
00:15:00.200 --> 00:15:04.720
 und die weist in ihrem Beitrag darauf hin, dass das, was uns so selbstverständlich ist,

131
00:15:04.700 --> 00:15:05.000
 und die weist in ihrem Beitrag darauf hin, dass das, was uns so selbstverständlich ist,

132
00:15:10.200 --> 00:15:10.580
 Lebensmittel sind eine Ware, die ich im Supermarkt kaufe oder in der Gastronomie kaufe,

133
00:15:12.519 --> 00:15:12.700
 dass das alles andere selbstverständlich ist.

134
00:15:16.620 --> 00:15:16.940
 Also Lebensmittel muss keine Ware sein, man kann das auch anders rahmen,

135
00:15:21.480 --> 00:15:26.879
 als Menschenrecht, als Gemeingut oder als Beziehung zur Natur. Und diese unterschiedlichen Rahmungen, die diskutiert sind in diesem Beitrag.

136
00:15:27.600 --> 00:15:33.220
 Christian Thürnberger ist ein Mitarbeiter der Veterinärmedizinischen Universität in Wien

137
00:15:33.220 --> 00:15:41.360
 und beschäftigt sich mit einem speziellen Aspekt von Landwirtschaft, nämlich dem Image als Drecksarbeit.

138
00:15:41.720 --> 00:15:48.360
 Das ist ein Image, das im Zuge der Tierrechtsbewegung zu einem Thema geworden ist.

139
00:15:48.820 --> 00:16:00.059
 Und Landwirte, Landwirtinnen, die in der Intensivmast von Tieren tätig sind, werden häufig mit diesem Image konfrontiert,

140
00:16:00.320 --> 00:16:06.240
 dass das ja eigentlich eine unmoralische, unethische, dreckige Arbeit ist, die sozusagen einen ganz niedrigen Status hat.

141
00:16:06.559 --> 00:16:15.080
 Und er weist auf dieses Phänomen hin und plädiert eben dafür, dass wir diese Dimension zur Kenntnis nehmen müssen und mitbedenken müssen,

142
00:16:15.179 --> 00:16:18.820
 wenn wir über die Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen reden.

143
00:16:29.620 --> 00:16:36.259
 Stefan Mann, ein Agrarwissenschaftler aus der Schweiz, weist darauf hin, dass die Art und Weise, wie wir uns ernähren, nicht allein von rationalen Erwägungen getragen ist, sondern dass da oft auch sehr viele Instinkte und Triebe im Spiel sind.

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00:16:36.620 --> 00:16:44.159
 Also ohne, dass wir das bewusst reflektieren und lenkt den Fokus eben auf diesen Aspekt.

145
00:16:44.159 --> 00:16:45.200
 den Fokus eben auf diesen Aspekt.

146
00:16:47.519 --> 00:16:50.740
 Dann haben wir Barbara Wittmann, eine europäische Ethnologin aus Regensburg,

147
00:16:52.080 --> 00:16:53.700
 die sich

148
00:16:53.700 --> 00:16:57.879
 mit einem Diskurs beschäftigt,

149
00:16:58.000 --> 00:17:00.360
 wo es um alternative Proteinproduktion geht.

150
00:17:00.360 --> 00:17:03.320
 Sie kennen das vielleicht unter den Schlagworten

151
00:17:03.320 --> 00:17:07.559
 Laborfleisch oder Insekten, die als Fleischersatz

152
00:17:07.559 --> 00:17:11.119
 zubereitet werden. Also diese

153
00:17:11.119 --> 00:17:15.400
 Diskussion, die sehr technofixiert ist,

154
00:17:16.119 --> 00:17:20.259
 die wendet oder auf die wirft sie hier einen kritischen Blick.

155
00:17:21.740 --> 00:17:23.920
 Weil das ist so einer der Ansätze, die in der

156
00:17:23.920 --> 00:17:26.099
 Transformationsdebatte immer wieder eine Rolle

157
00:17:26.099 --> 00:17:36.339
 spielen, diese technologisch fixierten Ansätze. Ja, die Sonja Stummerer wurde ja schon vorgestellt,

158
00:17:36.660 --> 00:17:41.279
 ist sozusagen das zweite transdisziplinäre Element, also sozusagen, wo wir die Wissenschaftsgrenzen

159
00:17:41.279 --> 00:17:45.799
 überschreiten, in diesem Fall in Richtung Kunstbereich.

160
00:17:49.200 --> 00:17:49.319
 Und ja, es geht um den Supermarkt, aber alles andere sagst dann du dazu,

161
00:17:50.259 --> 00:17:50.859
 das sage ich gar nicht mehr.

162
00:17:55.259 --> 00:17:55.819
 Und last but not least haben wir dann noch den Uli Ehrmann, ein Geograf aus Graz,

163
00:17:58.960 --> 00:17:59.000
 der sich mit dem Phänomen der Regionalität beschäftigt.

164
00:18:03.559 --> 00:18:06.259
 Das ist auch in den letzten Jahren und Jahrzehnten ein wichtiges Label geworden von qualitätsvollen Lebensmitteln.

165
00:18:06.420 --> 00:18:13.180
 Also neben der biologischen Herkunft wird Regionalität auch im Marketing sehr stark propagiert

166
00:18:13.180 --> 00:18:17.339
 und er schaut sich diese Marketingstrategien kritisch an.

167
00:18:18.940 --> 00:18:29.539
 Gut, jetzt frage ich kurz meine Gastgeberin, habe ich noch ein paar Minuten Zeit oder ist es schon am Limit?

168
00:18:29.539 --> 00:18:38.240
 Dann würde ich noch gerne ein paar Minuten darauf verwenden, um einige Spannungsfelder dieser Agrofood Studies ein bisschen genauer zu erläutern.

169
00:18:38.680 --> 00:18:46.400
 Ein Beispiel meines eigenen Beitrags, den ich mit Franziskus Forster gemeinsam verfasst habe.

170
00:18:46.759 --> 00:18:53.059
 Ja, was Sie hier sehen, ist die Ernte von Sojabohnen in Brasilien, gegenwärtig.

171
00:18:53.859 --> 00:19:00.180
 Also man kann sich vorstellen, dass das eine sehr großdimensionierte Form der Landnutzung ist,

172
00:19:00.279 --> 00:19:03.500
 mit hohem Technikeinsatz in vielfältiger Hinsicht.

173
00:19:04.299 --> 00:19:08.960
 Und ja, wir schauen uns sozusagen an, wie es dazu gekommen ist in diesem Beitrag

174
00:19:08.960 --> 00:19:14.059
 und fragen uns aber dann auch, was könnte man tun, um sozusagen die Problematiken,

175
00:19:14.119 --> 00:19:19.440
 die da dranhängen, vor allem sozialer und ökologischer Art, in irgendeiner Weise zu überwinden.

176
00:19:20.480 --> 00:19:47.859
 In unserem Buch haben wir sechs Spannungsfelder von Agrofood Studies aufgemacht. Das erste habe ich schon erläutert, Produktion und Konsum. Also wir wollen hier diese zwei Bereiche, die oft getrennt behandelt werden, zusammendenken. ist dieser Konnex ziemlich offensichtlich, weil die weltweite Sojaproduktion zu etwa 80% dazu dient,

177
00:19:47.859 --> 00:19:53.539
 nicht um Tofu oder sonstige Dinge, die Vegetarier und Vegetarierinnen essen, zu produzieren,

178
00:19:53.599 --> 00:19:58.460
 sondern um Futtermittel zu produzieren, um Rinder, Schweine und Hühner zu füttern.

179
00:19:58.859 --> 00:20:02.700
 Also der Fleischkonsum hängt da ganz massiv drinnen in dieser Geschichte.

180
00:20:04.599 --> 00:20:09.460
 Ein zweites Spannungsfeld ist das zwischen Akteur, Akteurin und Struktur.

181
00:20:10.059 --> 00:20:14.900
 Das heißt, wir haben einerseits es mit Systemen zu tun, die sehr zählebig sind,

182
00:20:15.079 --> 00:20:18.319
 wo der Einzelne und die Einzelne zunächst einmal gar nicht viel ändern kann.

183
00:20:19.019 --> 00:20:21.259
 Das ist sozusagen der strukturelle Aspekt.

184
00:20:22.220 --> 00:20:27.819
 Aber wir sehen dann, dass Akteure, Akteurinnen in diesem Agrar- und

185
00:20:27.819 --> 00:20:31.660
 Ernährungssystem eine entscheidende Rolle spielen und da meine ich gar nicht so sehr

186
00:20:31.660 --> 00:20:36.200
 das, was man so häufig hört, wir Konsumenten, Konsumentinnen, wir müssen uns ja nur richtig

187
00:20:36.200 --> 00:20:41.779
 entscheiden und dann ändert sich das ganze System, sondern viel mächtigere, aber auch

188
00:20:41.779 --> 00:20:45.339
 viel weniger in der Öffentlichkeit stehende Akteure spielen hier eine Rolle.

189
00:20:46.079 --> 00:20:51.920
 Supermärkte wurden schon genannt, die großen Unternehmen im Bereich von Handel und Verarbeitung,

190
00:20:52.380 --> 00:20:59.940
 aber auch Nationalstaaten und inter- und transnationale Organisationen haben hier ganz massiv Akteurstatus

191
00:20:59.940 --> 00:21:06.720
 in der Gestaltung dieses agrarischen Ernährungssystems und das beleuchten wir am Beispiel der Sojabohne.

192
00:21:08.019 --> 00:21:11.380
 Das dritte Spannungsfeld ist menschlich und mehr als menschlich.

193
00:21:12.000 --> 00:21:15.140
 Die Agro-Food-Studies sind zunächst einmal angetreten,

194
00:21:15.279 --> 00:21:18.220
 dieser technokratischen Agrar- und Ernährungswissenschaft

195
00:21:18.220 --> 00:21:21.880
 eine sozial- und kulturwissenschaftliche Akzentuierung zu geben.

196
00:21:22.019 --> 00:21:23.619
 Also da sind die Menschen dann reingekommen.

197
00:21:24.420 --> 00:21:27.079
 Aber die Agro-Food-Stud aber die agrofruits sind auch

198
00:21:27.079 --> 00:21:35.480
 federführend dabei sozusagen diesen fokus auf das rein menschengemachte zu überwinden und auch den

199
00:21:35.480 --> 00:21:40.960
 nicht menschlichen bereichen der wirklichkeit eine mehr als passive nämlich durchaus aktive

200
00:21:40.960 --> 00:21:46.039
 rolle zuzumessen also bei uns spielt sichabohne in der Geschichte, die wir da erzählen,

201
00:21:46.119 --> 00:21:47.279
 eine durchaus aktive Rolle.

202
00:21:47.700 --> 00:21:51.119
 Und zwar sowohl als etwas, was gewisse Stärken hat

203
00:21:51.119 --> 00:21:53.380
 und etwas, was gewisse Schwächen hat.

204
00:21:53.500 --> 00:21:56.200
 Die Sojabohne hat zum Beispiel die Stärke,

205
00:21:56.680 --> 00:21:59.779
 dass sie einzigartig in der ganzen Pflanzenwelt

206
00:21:59.779 --> 00:22:03.480
 einen hohen Eiweiß- und einen hohen Fettgehalt kombiniert.

207
00:22:03.940 --> 00:22:08.140
 Und das heißt, man kann mit der Sojabohne unglaublich viele verschiedene Sachen machen.

208
00:22:08.480 --> 00:22:14.160
 Man kann die ganze Bohne nehmen und kann daraus ostasiatische Speisen wie Trufu herstellen.

209
00:22:14.160 --> 00:22:21.759
 Man kann sie zermahlen, kann das Öl nehmen, um Kosmetika, Klebstoffe, Tinte, was auch immer zu produzieren.

210
00:22:22.079 --> 00:22:26.140
 Man kann den Rest, das ist der sogenannte Sojaschrotan, eben als Viehfutter verwenden.

211
00:22:26.500 --> 00:22:29.720
 Man kann das Öl auch verwenden, um Biotreibstoffe herzustellen.

212
00:22:30.059 --> 00:22:33.019
 Also eine unglaubliche Fülle von Anwendungsmöglichkeiten

213
00:22:33.019 --> 00:22:36.099
 hat die Sojabohne und das ist wohl auch mit ein Grund,

214
00:22:36.099 --> 00:22:38.839
 dass es so dominant ist im Makran-Ernährungssystem.

215
00:22:39.559 --> 00:22:44.339
 Und die Schwäche, die sie hat, spielt auch eine wichtige Rolle.

216
00:22:44.839 --> 00:22:49.599
 Wenn man die Sojabohne anbaut, ich habe dasselbe in meinem Garten im niederösterreichischen Voralpengebiet schon getan

217
00:22:49.599 --> 00:22:54.240
 und sie ist tatsächlich gewachsen, aber wenn man sie anbaut, wächst sie sehr langsam.

218
00:22:54.460 --> 00:22:56.259
 Die ersten Wochen passiert da ganz wenig.

219
00:22:56.900 --> 00:22:59.980
 Mit der Sojabohne viel mehr natürlich mit dem sogenannten Unkraut.

220
00:22:59.980 --> 00:23:03.740
 Das heißt, man muss da sehr dahinter sein und das Unkraut jäten,

221
00:23:04.180 --> 00:23:08.700
 damit die Sojabohne genug Licht, Wasser und Nährstoffe bekommt.

222
00:23:09.079 --> 00:23:15.980
 Also die Unkrautbekämpfung ist ein ganz wichtiger Schritt und das ist mit ein Grund, warum die technologische Entwicklung,

223
00:23:16.079 --> 00:23:21.240
 das ist so die letzte Stufe, in Richtung von gentechnisch veränderten Sojabohnen gegangen ist,

224
00:23:21.880 --> 00:23:26.619
 die resistent sind gegen ein bestimmtes Pflanzengift, nämlich das Glyphosat.

225
00:23:27.160 --> 00:23:34.839
 Und im Paket, Gentechnik, also glyphosatresistente Sojabohnen und Glyphosat wird das im Paket verkauft

226
00:23:34.839 --> 00:23:42.099
 und die Firma Monsanto, die das in den 1990er Jahren rausgebracht hat, hat ihm den Farmern versprochen,

227
00:23:42.500 --> 00:23:45.259
 das ist super billig und super einfach, macht es das.

228
00:23:45.660 --> 00:23:48.940
 Und die Pharma haben es gemacht und nach 15 Jahren haben sie dann gemerkt,

229
00:23:49.079 --> 00:23:54.400
 hoppala, da kommt ja Unkraut raus, das mit dem Glyphosat nicht mehr zu bekämpfen ist.

230
00:23:54.400 --> 00:23:59.400
 Das heißt, es ist ein Selektionsdruck entstanden für glyphosatresistentes Superunkraut,

231
00:24:00.079 --> 00:24:04.019
 das man jetzt nicht mehr damit bekämpfen kann, wo es jetzt neue und stärkere Gifte braucht,

232
00:24:04.420 --> 00:24:06.779
 um das in den Griff zu kriegen.

233
00:24:07.099 --> 00:24:13.880
 Also hier sehen wir an diesem Beispiel, wie aktiv hier nichtmenschliche Akteure und Akteurinnen eine Rolle spielen.

234
00:24:14.319 --> 00:24:16.420
 Sojabohnen, Superunkraut und so weiter.

235
00:24:16.940 --> 00:24:21.299
 Also auf das wollen wir in unserer Geschichte oder haben wir in unserer Geschichte beleuchtet.

236
00:24:22.059 --> 00:24:23.539
 Ja, regional und global.

237
00:24:24.559 --> 00:24:26.079
 Landwirtschaft ist zunächst einmal etwas,

238
00:24:26.259 --> 00:24:31.240
 was ans Land gebunden ist. Das sagt ja schon der Name. Also da gibt es einmal einen Ort oder eine

239
00:24:31.240 --> 00:24:37.920
 Region, wo Landwirtschaft passiert. Aber seit 100, 150 Jahren ist unsere Landwirtschaft global

240
00:24:37.920 --> 00:24:46.480
 organisiert. Das beginnt schon im späten 19. Jahrhundert mit der Entstehung von Weltmärkten für Getreide aus den USA, aus Russland kommt

241
00:24:46.480 --> 00:24:53.500
 Getreide nach Europa und setzt hier die europäische Landwirtschaft unter Druck. Und dieser globale

242
00:24:53.500 --> 00:25:00.680
 Charakter dauert bis heute an, aber um diese Globalität zu verstehen, ist es immer auch wichtig,

243
00:25:00.680 --> 00:25:05.640
 auf die Regionen zu schauen. Zum Beispiel auf diese Region in Brasilien. Was passiert da eigentlich?

244
00:25:05.859 --> 00:25:08.220
 Was ist da alles los an sozialen

245
00:25:08.220 --> 00:25:09.119
 und ökologischen

246
00:25:09.119 --> 00:25:11.839
 Zerstörungen, muss man wirklich

247
00:25:11.839 --> 00:25:13.740
 sagen, damit da so eine

248
00:25:13.740 --> 00:25:15.940
 Sojaproduktion stattfinden kann?

249
00:25:16.359 --> 00:25:17.960
 Also wir versuchen hier

250
00:25:17.960 --> 00:25:19.779
 beide Perspektiven im Blick

251
00:25:19.779 --> 00:25:21.799
 zu behalten. Theorie und

252
00:25:21.799 --> 00:25:23.660
 Praxis, da meinen wir vor allem

253
00:25:23.660 --> 00:25:27.279
 eben den Anspruch dieses Bandes, dass das

254
00:25:27.279 --> 00:25:34.319
 nicht nur ein Buch sein soll für die Theoretiker, also für die, die Wissenschaft betreiben, sondern

255
00:25:34.319 --> 00:25:41.920
 auch für Interessierte an den Themen Landwirtschaft und Ernährung. Daher dieser nicht nur interdisziplinäre,

256
00:25:42.019 --> 00:25:49.079
 also wo verschiedene Wissenschaftsdisziplinen zusammenarbeiten, sondern transdisziplinäre Ansatz über die Grenzen der Wissenschaft hinaus.

257
00:25:50.099 --> 00:25:53.299
 Eben am Beispiel Kunst und am Beispiel Zivilgesellschaft.

258
00:25:54.079 --> 00:25:57.519
 Und zum Schluss die Kontinuität und Transformation.

259
00:25:58.619 --> 00:26:00.519
 Darum geht es uns hier natürlich auch.

260
00:26:00.519 --> 00:26:05.779
 Also einerseits schauen wir in die vergangenen Transformationen des Agrar- und Ernährungssystems

261
00:26:05.779 --> 00:26:08.180
 und versuchen daraus Erkenntnisse zu gewinnen

262
00:26:08.180 --> 00:26:10.220
 für mögliche zukünftige

263
00:26:10.220 --> 00:26:12.099
 Transformationen. Und jetzt glaube ich,

264
00:26:12.099 --> 00:26:14.279
 habe ich meine Zeit wirklich schon mehr als ausgeschafft, oder?

265
00:26:14.819 --> 00:26:16.079
 Danke mal. Ich hätte noch

266
00:26:16.079 --> 00:26:18.160
 was auf Lager, aber ich höre jetzt

267
00:26:18.160 --> 00:26:19.900
 nochmal auf. Ich hoffe, wir haben ja noch

268
00:26:19.900 --> 00:26:21.960
 einiges an Zeit zu besprechen und

269
00:26:21.960 --> 00:26:24.059
 werden da bestimmt mal in die Tiefe kommen.

270
00:26:24.220 --> 00:26:26.279
 Danke mal. Jetzt würde ich

271
00:26:26.279 --> 00:26:28.279
 dich bitten. Wo drückt man da?

272
00:26:29.039 --> 00:26:30.119
 Wo drückt man hier?

273
00:26:30.740 --> 00:26:31.140
 Das da?

274
00:26:32.279 --> 00:26:34.279
 Genau, nach rechts müsst ihr.

275
00:26:35.480 --> 00:26:36.440
 Bitte wieder einblenden.

276
00:26:36.460 --> 00:26:37.539
 Ich warte mal auf die erste Folie.

277
00:26:38.279 --> 00:26:40.259
 Ja, ich darf auch

278
00:26:40.259 --> 00:26:42.279
 noch kurz was beitragen. Zuerst möchte

279
00:26:42.279 --> 00:26:44.240
 ich mich noch einmal kurz vorstellen,

280
00:26:44.440 --> 00:26:56.380
 weil es wurde schon einiges erklärt in Worten. Ich habe mir gedacht, in Bildern ist es leichter zu verstehen. Also gemeinsam mit Martin Habelsreiter, den man auch hier im Fluss im Müllviertel sieht, bilden wir das Künstlerkollektiv Honey & Bunny.

281
00:27:04.519 --> 00:27:05.559
 Arbeit, die wir jetzt die letzten 20 Jahre eigentlich gemacht haben, bei einem einjährigen Aufenthalt in Japan.

282
00:27:06.460 --> 00:27:11.579
 Uns hat damals fasziniert, wie das Essen dort gestaltet ist, wie es designt ist, warum es

283
00:27:11.579 --> 00:27:16.099
 so eine unglaubliche Vielfalt gibt, einen unglaublich unterschiedlichen Esswaren, warum

284
00:27:16.099 --> 00:27:21.059
 dieser Aufwand betrieben wird, was eben eigentlich nicht rational ist und schon gar nicht ökonomisch

285
00:27:21.059 --> 00:27:28.839
 ist, weil da viel Zeit und Geld aufgewendet wird, eben nur der Esskultur oder dem Genuss zuliebe oder wie man das interpretieren will.

286
00:27:29.680 --> 00:27:32.480
 Ja, und das war eben vor 20 Jahren, 2001, 2002.

287
00:27:33.220 --> 00:27:41.720
 Und seitdem haben wir uns intensiv mit dem beschäftigt, mit dem Thema, in den letzten Jahren eben auch immer stärker mit dem Thema Nachhaltigkeit und Essen,

288
00:27:41.720 --> 00:27:48.700
 mit dem Thema Food Systems und Ressourcen von S-Wahn und S-Wahn-Produktion. Es wurde schon gesagt,

289
00:27:48.779 --> 00:27:52.839
 was machen wir dazu? Also Fotografien zum Beispiel, Ausstellungen,

290
00:27:53.420 --> 00:27:56.440
 das war eine Ausstellung im Museum Brot und Kunst in Ulm,

291
00:27:56.940 --> 00:28:00.079
 Installationen, Performances, Videos,

292
00:28:00.519 --> 00:28:04.140
 diese Dinge, also auch größere Events, nur dass Sie ungefähr eine Idee haben,

293
00:28:04.140 --> 00:28:06.119
 was unser Arbeitsbereich ist.

294
00:28:06.779 --> 00:28:09.619
 Das war ein Event zum Beispiel im Naturhistorischen Museum vor ein paar Jahren.

295
00:28:10.680 --> 00:28:16.079
 Aber auch der Grund, warum ich jetzt hier sitze, wir arbeiten eben auch im Bereich Arts and Science.

296
00:28:16.759 --> 00:28:19.480
 Das heißt, wir arbeiten mit Wissenschaftlern immer wieder zusammen.

297
00:28:19.680 --> 00:28:26.700
 Das ist eine Broschüre, die wir in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern vom Joint Research Center in Mailand gemacht haben,

298
00:28:26.819 --> 00:28:34.500
 eben im Auftrag der Europäischen Kommission vor fünf oder sechs Jahren, ist auch online erhältlich und kann man gratis runterladen,

299
00:28:34.500 --> 00:28:42.319
 wo es eben vor allem darum geht, dass wir das Wissen von Wissenschaftlern vernetzt zusammenführen und dann vor allem visualisieren.

300
00:28:42.319 --> 00:28:42.579
 und dann vor allem visualisieren.

301
00:28:47.779 --> 00:28:47.859
 Also eine Stärke oder ein spezieller Teil unserer Arbeit ist eben,

302
00:28:53.420 --> 00:28:53.880
 dass wir versuchen, auch komplexe Themen eben in Fotografien oder Videos darzustellen,

303
00:29:00.259 --> 00:29:00.559
 um eben Zusammenhänge auch schnell, manchmal prägnant, manchmal humorvoll,

304
00:29:03.279 --> 00:29:03.940
 manchmal ein bisschen provokant darzustellen.

305
00:29:09.700 --> 00:29:10.019
 Ein Beispiel dafür ist eben dieses Foto, wo wir uns auch sehr gefreut haben, dass das jetzt als Titelfoto ausgewählt worden ist.

306
00:29:16.680 --> 00:29:17.039
 Ich finde das sehr, sehr lustig, dass du das als surrealistisch bezeichnest. Das wäre mir noch nicht in den Sinn gekommen, weil für mich ist das ja sehr real,

307
00:29:28.000 --> 00:29:31.940
 weil es ist ja wirklich so, dass die Kuh da steht und dann vielleicht ein Produkt, das aus einer Kuh gemacht wird, da in diesem Einkaufswagen liegt. Also es ist ja eigentlich eine sehr reale Konex, aber surrealistisch passt natürlich auch, nämlich weil wir anders darüber denken. Und da kommt schon

308
00:29:31.940 --> 00:29:36.000
 der Supermarkt und die industriellen Nahrungsmittelproduktionen

309
00:29:37.000 --> 00:29:40.019
 ins Spiel, dass wir eben in einer ganz spezifischen Weise

310
00:29:40.019 --> 00:29:44.539
 gelernt haben, über diese Produkte,

311
00:29:44.539 --> 00:29:45.839
 die in diesem Einkaufswagen

312
00:29:45.839 --> 00:29:46.440
 drin liegen,

313
00:29:46.519 --> 00:29:47.380
 nachzudenken

314
00:29:47.380 --> 00:29:49.680
 und die schließen eben nicht ein,

315
00:29:49.759 --> 00:29:51.000
 dass wir an den Kuhstall denken,

316
00:29:51.079 --> 00:29:52.079
 wenn wir das einkaufen

317
00:29:52.079 --> 00:29:53.680
 und das sind genau diese Punkte,

318
00:29:53.880 --> 00:29:54.599
 die uns eigentlich

319
00:29:54.599 --> 00:29:56.559
 aus Sicht der Designtheorie

320
00:29:56.559 --> 00:29:58.640
 und des Gestaltens interessieren.

321
00:29:59.299 --> 00:30:01.480
 Wie nehmen Menschenprodukte wahr

322
00:30:01.480 --> 00:30:02.759
 und was ist Essen

323
00:30:02.759 --> 00:30:03.920
 im Sinne der Gestaltung?

324
00:30:04.779 --> 00:30:08.359
 Also als erstes muss ich sagen, als Designer ist es mal so, für uns ist praktisch alles

325
00:30:08.359 --> 00:30:12.380
 Essen gestaltet. Also wir sehen ja das Essen als Produkt, als Objekt,

326
00:30:12.779 --> 00:30:16.279
 das gestaltet ist vom Menschen eben. Weil, was dieses Foto

327
00:30:16.279 --> 00:30:20.140
 zeigen soll, es gibt ja so gut wie nichts mehr, was wir in der heutigen Zeit essen, was

328
00:30:20.140 --> 00:30:24.380
 direkt vom Wald oder von dem, wo man es

329
00:30:24.380 --> 00:30:26.940
 vorfindet, aus der Natur direkt auf den Teller kommt.

330
00:30:27.339 --> 00:30:29.680
 Praktisch alles ist in irgendeiner Weise gestaltet.

331
00:30:30.119 --> 00:30:32.940
 Vielleicht gibt es einzelne Ausnahmen, wenn ich Eierschwammerl suchen gehe,

332
00:30:32.940 --> 00:30:40.420
 aber im Prinzip ist jetzt, sage ich mal, 99 Prozent der Esswaren, die wir essen, sind in irgendeiner Weise gestaltet.

333
00:30:40.759 --> 00:30:45.319
 Und zwar vom Menschen gestaltet nach Prämissen, die wir als Menschen entwickelt haben.

334
00:30:45.880 --> 00:30:49.920
 Das heißt, wir stellen uns immer die Frage, was ist Essen jetzt, Natur oder Kultur?

335
00:30:51.000 --> 00:30:57.559
 Wir sehen schon, das Fischstäbchen ist Natur, weil es kommt aus der Natur, aber es ist natürlich sehr, sehr viel Kultur.

336
00:30:58.680 --> 00:31:02.980
 Und was uns dann am Supermarkt eben so interessiert, es ist eben ganz viel Konsumkultur.

337
00:31:04.319 --> 00:31:25.980
 Und wenn wir jetzt, das ist so eine Nachstellung, Sie kennen vielleicht Arjen Boldo, wie würde der Arjen Boldo einen heutigen Menschen porträtieren mit heutigen Esswaren und das wären eben die Supermarkt-Esswaren und da kommt natürlich dann der Spruch, du bist, was du isst, wenn man das jetzt auf uns anwendet, wir sind Industrie- Esswaren zum Großteil, weil wir zum Großteil

338
00:31:25.980 --> 00:31:27.420
 industrielles Essen essen.

339
00:31:27.980 --> 00:31:30.019
 Die sind natürlich unterschiedlich, jeder nicht gleich viel,

340
00:31:30.160 --> 00:31:31.980
 aber das ist einfach die Realität von

341
00:31:31.980 --> 00:31:33.640
 sehr vielen Menschen in der westlichen

342
00:31:33.640 --> 00:31:35.160
 Welt, muss man sagen.

343
00:31:35.759 --> 00:31:37.960
 Das heißt, alles was wir essen,

344
00:31:38.759 --> 00:31:39.319
 was wir jetzt

345
00:31:39.319 --> 00:31:41.519
 oben auf dem Tisch hier sehen,

346
00:31:41.859 --> 00:31:43.799
 braucht aber trotzdem alles, was drunter

347
00:31:43.799 --> 00:31:47.759
 ist, nämlich die einzelnen Zutaten, die aus der Natur kommen, plus die Erde,

348
00:31:48.000 --> 00:31:51.940
 da unten ist eben Erde zu sehen, um eigentlich zu dem Punkt zu kommen,

349
00:31:52.059 --> 00:31:56.740
 dass ich dann da oben, weiß nicht, die Chips oder die Fertigdonuts und diese Dinge essen kann.

350
00:31:57.200 --> 00:31:59.640
 Aber da sind wir wieder bei dem, wie wir uns das vorstellen.

351
00:32:00.400 --> 00:32:02.259
 Wir denken eben beim einen nicht ans andere.

352
00:32:02.740 --> 00:32:04.880
 Und deswegen, glaube ich, fällt es uns manchmal auch so schwer,

353
00:32:11.299 --> 00:32:25.200
 die Esswaren und die Nachhaltigkeit zusammenzubringen, weil dafür muss man das eben vernetzt denken. Wiesen, der Planet Erde ist in keinem guten Zustand, wir wissen es.

354
00:32:28.500 --> 00:32:29.279
 Und die Landwirtschaft bzw. die Essensproduktion hat sehr viel damit zu tun.

355
00:32:33.799 --> 00:32:34.299
 Eben grob 50 Prozent der Oberfläche wird für landwirtschaftliche Zwecke benutzt,

356
00:32:37.039 --> 00:32:37.160
 30 Prozent des CO2-Ausstoßes.

357
00:32:39.339 --> 00:32:39.500
 Das heißt, wenn wir in die Kantine gehen und was kaufen,

358
00:32:42.940 --> 00:32:43.759
 dann kaufen wir immer indirekt auch Erdöl oder verbrauchen es halt.

359
00:32:47.420 --> 00:32:47.559
 Und 70 Prozent des Frischwassers weltweit,

360
00:32:54.240 --> 00:32:59.980
 das bedeutet also, wir wissen es eh und hören es, die Nahrungsmittelproduktion und die ganzen Food Systems, die wir haben, sind einfach ein ganz wichtiger Teil in der gesamten Klimawende

361
00:32:59.980 --> 00:33:07.539
 und in der Transformation, die wir durchführen müssen. Und was dieses Foto zeigen soll, ist, es wird eben auch viel transportiert.

362
00:33:07.640 --> 00:33:10.000
 Das ist immer wieder bei den globalen Märkten.

363
00:33:10.640 --> 00:33:13.220
 Wir verwenden ja die Ressourcen, die uns um Essen stecken,

364
00:33:13.839 --> 00:33:17.319
 nicht unbedingt dort, wo wir es konsumieren, sondern in ganz anderen Teilen der Welt.

365
00:33:17.319 --> 00:33:21.680
 Sei das jetzt die Fruchtbarkeit der Erde, sei das das Wasser, sei das das Sonnenlicht oder was auch immer.

366
00:33:22.240 --> 00:33:26.720
 Und das ist etwas, was uns auch im Supermarkt ganz stark eigentlich tagtäglich betrifft,

367
00:33:26.880 --> 00:33:32.019
 weil wir nehmen ja ganz viele S-Waren, die sehr weit gereist sind zu uns

368
00:33:32.019 --> 00:33:36.599
 und in vielen Fällen wissen wir es gar nicht, weil es ja gar nicht ausgewiesen werden muss,

369
00:33:36.900 --> 00:33:38.460
 wo die Zutaten zum Beispiel herkommen.

370
00:33:39.640 --> 00:33:45.000
 Aber wir sind halt wieder gewohnt, das eigentlich nicht mitzudenken, wenn wir in den Supermarkt gehen.

371
00:33:46.539 --> 00:33:50.740
 Ja, warum interessiert mich jetzt das Thema Supermarkt seit einigen Jahren so?

372
00:33:51.660 --> 00:33:55.720
 Weil ich finde, dass der Supermarkt einfach ein ideologischer Ort auch ist.

373
00:33:56.640 --> 00:34:00.859
 Essen ist ja immer mit Ideologie verbunden oder Essen ist immer politisch, sage ich.

374
00:34:00.859 --> 00:34:16.760
 Also Essen hat natürlich verschiedene Rahmungen, wie es auch die Marianne Benker nennt. Ich habe jetzt als Beispiel nur die religiöse zum Beispiel. Also wir verbinden natürlich mit den S-Waren viele moralisch, ethisch, religiöse Werte oder auch Gesundheit, Hygiene, solche Dinge.

375
00:34:23.699 --> 00:34:24.360
 ganz wesentlicher Bestandteil unserer Esskultur, die Konsumkultur.

376
00:34:28.599 --> 00:34:32.920
 Weil die Mehrheit der Menschen kauft das Essen im Supermarkt und der Supermarkt hat eigentlich nichts mit diesen religiösen Narrativen zu tun

377
00:34:32.920 --> 00:34:36.659
 oder mit Hygiene schon, mit Gesundheit ein bisschen indirekt,

378
00:34:36.760 --> 00:34:39.840
 aber ganz stark mit dieser Konsumkultur, also mit dieser Erwartung,

379
00:34:39.980 --> 00:34:44.460
 dass ich jeden Tag eine Fülle von Nahrungsmitteln, die jeden Tag gleich sind,

380
00:34:44.460 --> 00:34:46.159
 die immer günstig sind, die immer günstig sind,

381
00:34:46.340 --> 00:34:50.099
 die immer gleich sortiert sind, die immer schön ausschauen, die immer hygienisch sind,

382
00:34:50.440 --> 00:34:55.179
 also eben eigentlich Grundsätze, die eigentlich die Industriegesellschaft mit sich bringt,

383
00:34:55.179 --> 00:34:59.280
 dass diese Dinge eben alle im Supermarkt erfüllt werden.

384
00:34:59.659 --> 00:35:09.199
 Und das ist eigentlich in vielen Dingen widersprüchlich zu den anderen Arten, wie wir über Essen denken, zum Beispiel eben die religiöse oder gesundheitliche.

385
00:35:10.260 --> 00:35:15.800
 Und deswegen interessiert mich das Thema Supermarkt so natürlich auch aus der Gestaltungsebene heraus.

386
00:35:15.980 --> 00:35:20.860
 Also was die Entwicklung des Supermarkts ja vor allem vorangetrieben hat, war einerseits die Anonymität.

387
00:35:21.079 --> 00:35:26.460
 Also das war historisch gesehen ein Haupterfolgsfaktor, dass ich dort einkaufen

388
00:35:26.460 --> 00:35:30.920
 gehen kann, dass niemand sieht, was kaufe ich ein, wie viel gebe ich aus und ich muss

389
00:35:30.920 --> 00:35:32.099
 dort auch mit niemandem sprechen.

390
00:35:32.460 --> 00:35:37.940
 Also es ist wieder ein typisches Merkmal der Industriegesellschaft eigentlich, also die

391
00:35:37.940 --> 00:35:42.179
 Anonymität zwischen Produzent und Konsument, das habe ich auch im Supermarkt.

392
00:35:42.440 --> 00:35:45.079
 Und dann natürlich, der Supermarkt ist eigentlich

393
00:35:45.079 --> 00:35:49.820
 ein Warenlager, wo die Produkte extrem lange haltbar sein müssen. Das ist eigentlich eine

394
00:35:49.820 --> 00:35:54.360
 Grundprämisse des Systems Supermarkt. Und in Folge gibt es dort sehr viele Dinge, die

395
00:35:54.360 --> 00:35:58.239
 auch verpackt sind. Und das wird ja auch immer mehr. Wir kennen das mittlerweile, gibt es

396
00:35:58.239 --> 00:36:02.539
 das auch schon beim Brot und so weiter. Und das führt natürlich wieder zu einer Entfremdung

397
00:36:02.539 --> 00:36:16.860
 vom Produkt, weil dadurch sehe ich jetzt meistens nicht mehr das Essen selber, sondern nur noch die Verpackung des Essens. Und das führt wieder dazu, dass die Grafik immer wichtiger geworden ist. Also dadurch hat sich eben dieses Grafikdesign dieser Essverpackungen so stark entwickelt.

398
00:36:24.360 --> 00:36:24.460
 ja jetzt im Supermarkt gar nicht eigentlich etwas ein, was ich sehe, was ich ertasten kann,

399
00:36:28.900 --> 00:36:29.539
 was ich riechen kann, sondern in den allermeisten Fällen kaufe ich eine Verpackung,

400
00:36:32.119 --> 00:36:32.300
 auf der eigentlich nur ein Foto von dem drauf ist, was drin ist.

401
00:36:36.960 --> 00:36:37.480
 Also ich werde immer mehr von dem eigentlichen Essen entfernt.

402
00:36:40.559 --> 00:36:44.719
 Trotzdem sind wir aber als Menschen ja auch davon abhängig. Das heißt, trotzdem ist das, was wir da kaufen und dann uns einverleiben,

403
00:36:44.840 --> 00:36:49.559
 das, was unseren Körper nachher eigentlich ausmacht, weil wir bestehen ja aus dem, was wir essen.

404
00:36:51.579 --> 00:37:03.440
 Also die These meines Beitrags ist eigentlich, dass eben die Konsumkultur und in diesem Zusammenhang der Supermarkt ein ganz wesentlicher Teil unserer modernen westlichen Esskultur ist

405
00:37:03.440 --> 00:37:04.340
 ganz wesentlicher Teil unserer modernen westlichen Esskultur ist.

406
00:37:09.119 --> 00:37:09.179
 Und das ein weiterer Folge meiner Theorie oder Aussage ist,

407
00:37:12.840 --> 00:37:13.260
 wenn das Essen nachhaltig werden soll, muss auch die Esskultur nachhaltig werden.

408
00:37:15.900 --> 00:37:16.519
 Das heißt, wir müssen eigentlich die Art und Weise, wie wir über das Essen denken,

409
00:37:19.679 --> 00:37:20.460
 muss auch nachhaltig werden, sonst kann auch das Essen nicht nachhaltig werden.

410
00:37:23.599 --> 00:37:46.440
 Und aus gestalterischer Sicht, das wird dann noch mehr beschrieben im Text, ich weiß nicht, wie viel wir da jetzt drauf eingehen sollen, ist es halt interessant, wie stark sich Supermärkte zum Beispiel von Märkten unterscheiden, vom Design her jetzt. Es ist alles auf Hygiene ausgerichtet, dass man sehr gut waschen kann und sehr gut mit diesen Scheuermaschinen durchfahren kann.

411
00:37:46.599 --> 00:37:50.119
 Es riecht auch oft nach Putzmittel oder nach Desinfektionsmittel.

412
00:37:50.380 --> 00:37:55.500
 Also ich kann die Waren eben, das habe ich schon erwähnt, meistens nicht direkt sehen, nicht direkt angreifen.

413
00:37:55.619 --> 00:38:04.219
 Das heißt, es ist eigentlich ein sehr unsinnlicher Ort und es ist eigentlich ein Ort, der sehr auf eine Fabriksästhetik ausgerichtet ist

414
00:38:04.219 --> 00:38:08.119
 und eigentlich nicht auf den sinnlichen Erleben des eigentlichen Essens,

415
00:38:08.119 --> 00:38:14.639
 das eigentlich widersprüchlich zu dem, wie wir Essen eben zum Beispiel aus religiösen Zusammenhängen wahrnehmen

416
00:38:14.639 --> 00:38:17.000
 oder wenn wir über die Natur nachdenken.

417
00:38:17.760 --> 00:38:23.579
 Und ein Erfolgsfaktor oder vielleicht ein Thema, das im Supermarkt eben ganz stark thematisiert wird,

418
00:38:23.619 --> 00:38:27.880
 ist das Zerteilen und Verpacken und damit das Abstrahieren.

419
00:38:28.320 --> 00:38:33.519
 Und das ist etwas, was uns aber auch gefällt, weil es ist ja etwas, was Verantwortung vom Konsumenten wegnimmt.

420
00:38:34.139 --> 00:38:41.199
 Weil wenn ich auf den Markt gehe und zum Beispiel eine halbe Schweinehälfte sehe, dann muss ich genau wissen, welches Stück kann ich für welches Gericht verwenden?

421
00:38:41.820 --> 00:38:44.179
 Ist das noch gut? Ist das frisch? Wie lange hält das?

422
00:38:44.179 --> 00:38:47.780
 Der Supermarkt nimmt mir extrem viel Verantwortung und Entscheidung ab,

423
00:38:47.860 --> 00:38:51.900
 weil da habe ich das Ablaufdatum draufgegeben, ich habe genau aufgeschlüsselt,

424
00:38:51.980 --> 00:38:54.619
 welche Inhaltsstoffe sind da drinnen, welche Allergene.

425
00:38:55.039 --> 00:38:59.619
 Also es ist etwas, wo ich sage, es ist ein Stück weit ein unschuldiger Raum,

426
00:38:59.739 --> 00:39:08.780
 weil ich mich sozusagen, ich kann viel Verantwortung an den Supermarkt abgeben und muss mich selber sozusagen nicht um diese Dinge kümmern.

427
00:39:09.179 --> 00:39:15.480
 Bis hin zu dem, dass es eben gestalterisch, wenn ich jetzt zum Beispiel die Extrawurst anschaue, gar nicht mehr an ein totes Tier erinnert.

428
00:39:15.900 --> 00:39:24.079
 Also sogar diese Idee, dass ich etwas esse, was einmal gelebt hat und vielleicht einmal ein anderes Lebewesen war, sogar das wird bis zu einem Stück weit verkünstlicht.

429
00:39:24.079 --> 00:39:25.639
 ein anderes Lebewesen waren. Sogar das wird bis zu einem Stück weit verkünstlicht.

430
00:39:27.340 --> 00:39:31.920
 Und was hat das jetzt auch für eine Aussage aus meiner Sicht? Es geht

431
00:39:31.920 --> 00:39:35.840
 natürlich da schon auch um die Macht über die Natur. Also man möchte

432
00:39:35.840 --> 00:39:39.980
 sozusagen, wenn man jetzt sagt, das Verhältnis zwischen Mensch und Natur wird ja immer

433
00:39:39.980 --> 00:39:43.519
 über das Essen oder die Art und Weise, wie die Esskultur gelebt wird,

434
00:39:45.039 --> 00:39:48.960
 das zeigt die Haltung der Gesellschaft zur Natur.

435
00:39:49.559 --> 00:39:53.420
 Und im Supermarkt ist das halt stark von einem Machtverhältnis geprägt,

436
00:39:53.519 --> 00:39:56.940
 nämlich dass man versucht, die Natur so gut wie möglich unter Kontrolle zu bringen.

437
00:39:57.559 --> 00:40:01.280
 Eben so hygienisch zu machen wie möglich, so lange haltbar zu machen wie möglich,

438
00:40:01.280 --> 00:40:08.440
 so gut und bunt aussehend wie möglich, also eigentlich eine Machtposition gegenüber dem einzunehmen.

439
00:40:09.739 --> 00:40:15.840
 Das ist jetzt auch eine andere Idee, warum ich den Supermarkt als Forschungsthema so spannend finde.

440
00:40:16.139 --> 00:40:22.840
 Das ist diese Idee, die es gibt, dass unser Foodsystem als Sanduhr dargestellt wird,

441
00:40:22.940 --> 00:40:26.719
 eben mit auf der einen Seite ganz viele Produzentinnen weltweit,

442
00:40:26.940 --> 00:40:31.780
 die agrarische Produkte herstellen und am anderen weiten Ende, also am unteren Ende,

443
00:40:32.059 --> 00:40:36.340
 ganz viele Esser, also bald 10 Milliarden Esserinnen und Esser.

444
00:40:36.820 --> 00:40:46.960
 Und dazwischen gibt es aber alle möglichen Arten von Transport- und Verarbeitungs- und Handelsunternehmen, die eben eine sehr schmale, eine Schmalstelle bilden,

445
00:40:47.320 --> 00:40:54.960
 weil dort einfach sehr wenige große Firmen über sehr viel Menge von dem Essen, das wir eigentlich kaufen können, entscheiden.

446
00:40:54.960 --> 00:41:02.960
 Das heißt, das ist eigentlich dort, wo Menge und wo die Machtfaktoren sitzen und wo die Wertschöpfung auch die große passiert,

447
00:41:03.900 --> 00:41:05.260
 weil dort liegt das Geld.

448
00:41:05.579 --> 00:41:07.320
 Und die Supermärkte sind auch genau dort.

449
00:41:07.639 --> 00:41:09.219
 Und über das wissen wir aber eigentlich sehr wenig.

450
00:41:09.380 --> 00:41:12.039
 Das finde ich auch sehr interessant und würde mir eigentlich wünschen,

451
00:41:12.159 --> 00:41:14.219
 dass da noch viel mehr geforscht wird über diese Engstelle.

452
00:41:16.260 --> 00:41:18.420
 Ja, jetzt habe ich auch schon ein bisschen meine Zeit bald.

453
00:41:18.539 --> 00:41:21.400
 Ich wollte vielleicht noch ein Projektbeispiel zeigen.

454
00:41:21.400 --> 00:41:24.400
 Also wir haben im Rahmen des Festivals Soho in Otterkring 2016,

455
00:41:46.000 --> 00:41:51.500
 das ist ein kleines Kunstfestival in Wien, haben wir aktiv in einem Supermarkt eine Kunstaktion gemacht, wo wir gemeinsam mit Kundinnen und Kunden, die dort unvorbereitet waren, weil es war während der normalen Öffnungszeiten, einen gesamten Supermarktgang ausgeräumt haben und dann nach neuen Ordnungungs kriterien wieder eingeräumt haben in dem fall war das der transportweg also die länge des transports wegs dies dass das war auf der einen

456
00:41:51.500 --> 00:41:57.159
 seite und auf der anderen seite war der wasserverbrauch also wir haben sozusagen

457
00:41:57.159 --> 00:42:03.380
 die ist die ordnungssysteme die der supermarkt hat versucht umzudrehen und neue werte eben zum

458
00:42:03.380 --> 00:42:06.300
 beispiel aus dem bereich der Nachhaltigkeit vorzuführen.

459
00:42:06.380 --> 00:42:10.760
 Und interessant war die Reaktion mancher Kunden und Kundinnen, die dann gefunden haben,

460
00:42:11.039 --> 00:42:14.260
 geht der Supermarkt jetzt in Konkurs, weil das Regal nicht voll ist?

461
00:42:14.260 --> 00:42:21.760
 Oder haben die Mitarbeiter heute frei oder haben da nur die Lehrlinge Hand angelegt,

462
00:42:21.860 --> 00:42:23.119
 weil es so unordentlich ist?

463
00:42:23.239 --> 00:42:31.940
 Also man sieht schon, wenn das System, das herkömmliche Designsystem, das eben immer Gleiches begleichen stehen muss und das alles total vollgefüllt ist,

464
00:42:32.280 --> 00:42:41.400
 wenn das nicht erfüllt wird, dann ist das sofort irritierend und wird eben bis hin zu dem, dass der Supermarkt nicht funktioniert oder eben in Konkurs geht.

465
00:42:41.400 --> 00:42:42.119
 oder eben in Konkurs geht.

466
00:42:44.559 --> 00:42:45.039
 Ja, und vielleicht abschließend nur kurz,

467
00:42:48.960 --> 00:42:52.119
 was halt die Konklusion oder was die positive Nachricht ist, aus der Design-Sicht ist es eben so,

468
00:42:52.260 --> 00:42:54.619
 dass diese Food Systems und die Art und Weise,

469
00:42:54.760 --> 00:42:56.260
 wie wir unsere Lebensmittel produzieren,

470
00:42:56.679 --> 00:42:58.079
 von Menschen gestaltet sind.

471
00:42:58.820 --> 00:43:01.340
 Das heißt, wir entscheiden eigentlich oder unsere Kultur

472
00:43:01.340 --> 00:43:03.639
 und damit wir als Kollektiv entscheiden,

473
00:43:03.860 --> 00:43:06.179
 wie wir das bewerkstelligen.

474
00:43:06.440 --> 00:43:10.900
 Und deswegen ist das Erfreuliche, wir können es auch ändern, weil es ist eben nicht naturgegeben

475
00:43:10.900 --> 00:43:15.780
 und es ist etwas, was wir als Gruppe gestalten und daher auch verändern können.

476
00:43:15.960 --> 00:43:20.519
 Und daher können wir auch entscheiden, wie wollen wir uns eben gegenüber unserem Essen positionieren.

477
00:43:22.039 --> 00:43:45.079
 Und dadurch, wenn wir wieder bei der Sandor wären, das hast du glaube ich schon angesprochen, Ernst, eine Möglichkeit ist eben zu versuchen, diese schmale Mitte möglichst aufzudehnen, beziehungsweise möglichst viele Bypass, also die Direktvermarktung wäre ja dann ein Bypass im Prinzip, wo man direkt vom unteren zum oberen kommt und auf diese Weise eben mehr Diversität erzeugt

478
00:43:45.079 --> 00:43:49.260
 und zu einem gerechteren und nachhaltigeren System kommen könnte.

479
00:43:50.940 --> 00:43:53.940
 Ja, jetzt habe ich noch ein paar Beispiele, aber ich glaube, wir haben schon so viel Zeit,

480
00:43:53.940 --> 00:43:58.800
 sonst haben wir wenig Zeit zum, das sind ein paar, oder soll ich das noch kurz erklären?

481
00:44:00.480 --> 00:44:03.920
 Das sind ein paar Beispiele halt von Projekten, die wir dann machen,

482
00:44:04.099 --> 00:44:08.719
 eben vielleicht zeige ich nur die Bilder, wo wir Leute eben auch an Supermarktregalen essen lassen

483
00:44:08.719 --> 00:44:14.360
 oder Events, wo es Dinner gibt, wo direkt auf dem Tisch ein Teil des Essens wächst

484
00:44:14.360 --> 00:44:16.539
 und man direkt in den Teller ernten kann.

485
00:44:16.719 --> 00:44:19.539
 Das wird dann wochenlang vorher schon angepflanzt.

486
00:44:20.860 --> 00:44:24.679
 Und ja, das war zum Beispiel ein großes Gemüsebeet, das war in Alpbach, beim Forum Alpbach.

487
00:44:39.440 --> 00:44:49.300
 Großes Gemüsebeet direkt im Vortragssaal, wo die Leute dann direkt von diesem Gemüse, also es war kein echtes Beet, es war Gemüse auf Erden, dann handeln konnten und auch direkt was essen und konsumieren konnten, was schon für die Leute recht irritierend war. Es waren Finanzgespräche, also es war kein einschlägiges Publikum. Ja, und dann wieder eine Performance, wo es so Essen am Supermarktregal gibt.

488
00:44:49.699 --> 00:44:50.659
 Vielen Dank.

489
00:44:52.539 --> 00:44:53.179
 Dankeschön.

490
00:44:57.500 --> 00:45:01.780
 Ja, danke euch beiden, uns da mal in das Thema reinzuholen.

491
00:45:02.320 --> 00:45:05.019
 Danke auch für dieses Bild, das Sanduhr.

492
00:45:05.219 --> 00:45:07.019
 Ich bin sehr froh, dass du das gezeigt hast.

493
00:45:07.219 --> 00:45:09.920
 Also im Vorfeld, als ich erzählt habe, worum es heute gehen wird,

494
00:45:10.000 --> 00:45:11.619
 habe ich es immer mit diesem Beispiel erzählt,

495
00:45:11.760 --> 00:45:13.699
 weil es so anschaulich wird, wo es darum geht.

496
00:45:13.820 --> 00:45:16.019
 Also es geht um Ernährung, das wird so sichtbar.

497
00:45:16.300 --> 00:45:20.019
 Und es geht um diese Mitte, von der auch du gesprochen hast.

498
00:45:20.019 --> 00:45:22.079
 Also da hast du den Übergang jetzt auch schon.

499
00:45:22.500 --> 00:45:24.420
 Und ich möchte da noch mal hinschauen.

500
00:45:47.119 --> 00:45:51.239
 Da hast du den Übergang jetzt auch schon. Und ich möchte da nochmal hinschauen. So die Frage, wenn es um Veränderung geht, dieses Systems, was kann der Einzelne, der jetzt da in der großen Masse oben ist, sei er Produzent oder Konsument, wirklich machen? Wie viel liegt in der Mitte? Das heißt, wie hat es sich schon verändert? Also du hast ja in die Geschichte geschaut vielleicht. Kannst du einfach mal anhand von Beispielen erzählen, wer sind solche mächtigen Player?

501
00:45:52.300 --> 00:45:56.400
 Und wie ist es da zu Veränderungen gekommen? Fangen wir mal mit der Geschichte an.

502
00:45:58.159 --> 00:46:02.880
 Ja, also das Modell der Sanduhr ist wirklich ein sehr einprägsames,

503
00:46:03.019 --> 00:46:06.500
 das so die Struktur dieses industrialisierten

504
00:46:06.500 --> 00:46:08.260
 Agrar- und Ernährungssystems

505
00:46:08.260 --> 00:46:09.199
 illustriert.

506
00:46:09.880 --> 00:46:12.079
 Ich würde gar nicht sagen, dass die, die ganz oben

507
00:46:12.079 --> 00:46:13.940
 und ganz unten sind, jetzt überhaupt nichts

508
00:46:13.940 --> 00:46:16.000
 machen können. Also die Produzenten,

509
00:46:16.059 --> 00:46:16.840
 Produzentinnen

510
00:46:16.840 --> 00:46:20.420
 haben verschiedene Möglichkeiten,

511
00:46:21.039 --> 00:46:22.019
 ihre

512
00:46:22.019 --> 00:46:24.019
 Produkte zu erzeugen und

513
00:46:24.019 --> 00:46:24.860
 zu vermarkten.

514
00:46:43.599 --> 00:46:46.219
 Sie können das sozusagen den großen Aufkäufern, den Verarbeitern und Händlern von Agrarprodukten verkaufen oder sie können versuchen, direkt das zu vermarkten in ihrer näheren Umgebung. Genauso die Konsumenten und Konsumentinnen.

515
00:46:46.480 --> 00:46:51.019
 Es zwingt uns niemand, das Billig-Schnitzel um 3,95 Euro zu kaufen,

516
00:46:51.800 --> 00:46:56.199
 sofern wir eine gewisse Kaufkraft haben natürlich.

517
00:46:56.679 --> 00:47:02.019
 Also ich gestehe schon zu, dass es da auch Knappheitssituationen gibt,

518
00:47:02.019 --> 00:47:05.539
 wo jemand das Geld zweimal umdrehen muss, bevor er es ausgibt.

519
00:47:06.340 --> 00:47:12.460
 Aber das allein erklärt jetzt nicht, dass Österreich eigentlich das Dreifache der Fleischmenge

520
00:47:12.460 --> 00:47:15.340
 ist, die eigentlich ernährungsmedizinisch empfohlen sind.

521
00:47:15.340 --> 00:47:20.340
 Also der Fleischkonsum liegt so bei knapp unter 60 Kilo pro Kopf im Jahr und eigentlich

522
00:47:20.920 --> 00:47:23.679
 gesundheitlich empfohlen wären so um die 20.

523
00:47:24.300 --> 00:47:26.840
 Also da ist noch was anderes im Spiel.

524
00:47:27.179 --> 00:47:31.380
 Also die Konsumenten, Konsumentinnen könnten sich natürlich auch in verschiedene Richtungen hin entscheiden.

525
00:47:31.659 --> 00:47:32.500
 Und sie tun es ja auch.

526
00:47:32.500 --> 00:47:38.519
 Also wir haben in den letzten Jahrzehnten gesehen, dass diese Nische von Menschen,

527
00:47:38.619 --> 00:47:43.119
 die sich vegetarisch und vegan ernähren, die ist langsam gewachsen.

528
00:47:43.219 --> 00:47:46.099
 Ist noch immer eine Nische, ist momentan so bei ungefähr

529
00:47:46.099 --> 00:47:52.960
 zehn Prozent, aber wird langsam größer. Also es gibt Wahlmöglichkeiten, aber die wirkliche

530
00:47:52.960 --> 00:47:59.119
 Machtzusammenballung und damit auch sozusagen die Möglichkeiten aus dem ganzen System Profit zu

531
00:47:59.119 --> 00:48:06.960
 schöpfen, die liegen da genau in dieser Engstelle. Das sind die großen Handels- und Verarbeitungskonzerne bis hin zu den Supermärkten,

532
00:48:07.739 --> 00:48:12.800
 die sehr viel Macht haben in der Gestaltung des ganzen Systems,

533
00:48:12.800 --> 00:48:16.599
 die zum Beispiel über ihre ausgeklügelten Marketingstrategien

534
00:48:16.599 --> 00:48:20.619
 das den Konsumenten vermitteln, was sie wollen sollen.

535
00:48:21.960 --> 00:48:27.800
 Und auf diese Weise das Argument, ja, es sind eigentlich letztendlich die Konsumenten, Konsumentinnen,

536
00:48:27.960 --> 00:48:31.219
 die entscheiden, wie das Ganze funktioniert, eigentlich

537
00:48:31.219 --> 00:48:35.840
 absurd umgeführt wird, weil die eigentlichen

538
00:48:35.840 --> 00:48:40.199
 Konsumpräferenzen sehr stark von diesen kapitalistischen

539
00:48:40.199 --> 00:48:43.739
 Unternehmen geprägt werden, die profitorientiert sind. Sie sind

540
00:48:43.739 --> 00:48:45.119
 kapitalistische Unternehmen.

541
00:48:45.579 --> 00:48:46.699
 Was sollen sie sonst machen?

542
00:48:47.400 --> 00:48:50.320
 Also das wäre so ein Ansatzpunkt.

543
00:48:51.019 --> 00:48:55.199
 Und der zweite Player, der da auch oft ausgeblendet wird,

544
00:48:55.699 --> 00:48:59.219
 das ist natürlich der Staat oder internationale,

545
00:48:59.300 --> 00:49:01.000
 suprastaatliche Institutionen.

546
00:49:01.840 --> 00:49:05.860
 Also in unserer Soja-Geschichte, glaube ich, können wir sehr schön zeigen, dass

547
00:49:05.860 --> 00:49:12.539
 die Tatsache, dass Soja von einem regionalen Produkt in Ostasien am Beginn des 20. Jahrhunderts zur

548
00:49:12.539 --> 00:49:20.719
 größten Agrarhandelsware des Welthandels am Ende des 20. Jahrhunderts geworden ist, eigentlich

549
00:49:20.719 --> 00:49:31.219
 massiv mit der Intervention von Nationalstaaten zu tun hat. Mit den USA, die Soja als Mittel zur Lösung der Great Depression der 30er Jahre

550
00:49:31.219 --> 00:49:34.820
 oder zur Lösung von Engpässen im Zweiten Weltkrieg gefördert haben.

551
00:49:35.099 --> 00:49:40.960
 Oder die brasilianische Militärdiktatur, die im Aufbau eines Soja-Business

552
00:49:40.960 --> 00:49:44.500
 eine Modernisierung von oben in Gang setzen wollen,

553
00:49:44.500 --> 00:49:46.239
 um eben die revolution von

554
00:49:46.239 --> 00:49:54.880
 unten sozusagen möglichst zu verhindern also staat und große unternehmen das sind die schlüssel player

555
00:49:54.880 --> 00:50:02.199
 dieses systems und da können wir sein zunächst einmal relativ wenig machen aber in unserem

556
00:50:02.199 --> 00:50:07.860
 beitrag versuchen auch zu argumentieren es muss ja nicht sozusagen von einem Tag auf den anderen sich alles ändern.

557
00:50:07.860 --> 00:50:16.739
 Also man muss ja das in einer Schrittfolge sehen und das könnte ja mal damit beginnen, dass man mal versucht Nischen auszubilden,

558
00:50:16.860 --> 00:50:21.820
 so wie Menschen, die sich vegetarisch ernähren und diese Nischen zu fördern.

559
00:50:22.360 --> 00:50:26.079
 Und dann gibt es, sieht man im Laufe der Geschichte immer wieder Situationen,

560
00:50:26.420 --> 00:50:28.980
 wo so ein agrares Ernährungssystem unter Druck gerät.

561
00:50:28.980 --> 00:50:35.079
 Wir haben das alle, glaube ich, live erlebt vor einigen Jahren bei der großen Pandemie.

562
00:50:35.659 --> 00:50:41.059
 Mit dem Lockdown, wo man gesehen hat, dass eine global vernetzte Wirtschaft sehr verletzlich ist,

563
00:50:41.159 --> 00:50:44.400
 wenn da einzelne wichtige Knoten plötzlich nicht mehr funktionieren.

564
00:50:46.800 --> 00:50:51.500
 Also da gerät das System unter Druck. Und in so einer Situation sieht man dann in der historischen Analyse,

565
00:50:52.019 --> 00:50:57.800
 dass ein System, das brüchig wird, dass hier sozusagen diese Nischeninnovationen

566
00:50:58.340 --> 00:51:04.500
 dann oft wichtiger werden, dass die sozusagen zum Teil eines möglicherweise neuen Systems werden.

567
00:51:04.500 --> 00:51:05.400
 dass die sozusagen zum Teil eines möglicherweise neuen Systems werden.

568
00:51:13.519 --> 00:51:13.900
 Also äußere Krisen und diese inneren Nischen im Zusammenspielen könnten eine wichtige Rolle spielen,

569
00:51:18.420 --> 00:51:20.260
 dass sich solche an sich sehr zähen Agrar- und Ernährungssysteme ändern.

570
00:51:21.460 --> 00:51:22.000
 Dankeschön, Dankeschön.

571
00:51:35.079 --> 00:51:45.639
 Ich werde dann gleich aufmachen, aber ich habe selber auch so viele Fragen und ich möchte noch eine stellen, bevor ich dann Ihnen allen die Gelegenheit gebe, nämlich auch zu deinem Thema zum Supermarkt. Ernährung mit Gestaltung von Nahrungsmitteln in weitester Form.

572
00:51:46.139 --> 00:51:49.800
 Gibt es da Veränderungen, die du wahrgenommen hast?

573
00:51:50.460 --> 00:51:53.599
 Und das Zweite, das mir jetzt auch noch in den Sinn gekommen ist,

574
00:51:53.920 --> 00:51:56.639
 wenn wir sprechen von der Direktvermarktung,

575
00:51:56.860 --> 00:52:00.280
 bei uns in den Supermärkten gibt es sehr oft jetzt dieses regionale Regal.

576
00:52:01.280 --> 00:52:04.420
 Und wenn wir jetzt drauf schauen, wie das alles gestaltet ist,

577
00:52:04.480 --> 00:52:25.139
 vom Design mit Riesenagenturen dahinter, die ja wahrscheinlich sehr darauf achten, was sind Farben, Formen, die Menschen ansprechen, dann ist ja der im regionalen Regal meistens sehr im Nachteil, weil er dieses Wissen ja nicht hat und das Produkt schon mal nicht, das Geld und das Wissen, dieses Produkt zu gestalten.

578
00:52:25.400 --> 00:52:28.659
 Also da ist ja da auch schon wieder ein Machtunterschied, oder?

579
00:52:28.800 --> 00:52:33.920
 Also ich stelle das zwar irgendwie zur Verfügung, aber das ist schon schwierig,

580
00:52:34.059 --> 00:52:36.579
 dann trotzdem dort die Sichtbarkeit zu bekommen.

581
00:52:36.800 --> 00:52:38.980
 Das waren jetzt irgendwie zwei Fragen in einer verpackt.

582
00:52:39.639 --> 00:52:41.300
 Ja, aber das ist ja genau das Problem.

583
00:52:41.460 --> 00:52:44.260
 Das ist ja, glaube ich, auch das Problem von diesen Playern an der Engstelle,

584
00:52:44.699 --> 00:53:07.880
 dass die ja schon so professionalisiert sind und zum Beispiel in der Grafik oder in der Präsentation von Dingen oder von Waren, dass das schon so quasi appealing ist, dass das eigentlich als kleines regionales Produkt schon aus diesem Grund, das total schwer zu schaffen ist, sozusagen neben diesen großen Playern zu bestehen, weil die eben zum Beispiel sich gar nicht leisten können, einen tollen Grafiker zu nehmen

585
00:53:07.880 --> 00:53:13.960
 oder eine tolle Verpackung zu machen. Also es scheitert ja ganz genau an diesen Punkten,

586
00:53:14.059 --> 00:53:19.119
 weil diese Übermacht schon so extrem ist und genau diese Designhoheit, sage ich mal,

587
00:53:19.519 --> 00:53:23.059
 eben von diesen großen Playern schon über Jahrzehnte perfektioniert ist.

588
00:53:23.519 --> 00:53:26.480
 Und weil sie es halt schaffen, uns damit wirklich sehr anzusprechen.

589
00:53:26.619 --> 00:53:28.079
 Es ist ja auch wirklich faszinierend.

590
00:53:28.179 --> 00:53:30.199
 Es ist ja so kritisch, ich einerseits

591
00:53:30.199 --> 00:53:32.460
 dem Supermarkt gegenüber bin, so fasziniert

592
00:53:32.460 --> 00:53:34.159
 bin ich gerade als Designerin davon,

593
00:53:34.320 --> 00:53:36.139
 wie toll das funktioniert und wie sehr

594
00:53:36.139 --> 00:53:38.179
 das die Leute anspricht und wie perfektioniert

595
00:53:38.179 --> 00:53:39.960
 das eigentlich ist. Also das ist

596
00:53:39.960 --> 00:53:42.179
 ja genau diese Ambivalenz, die wir haben.

597
00:53:43.019 --> 00:53:44.239
 Also der Harald

598
00:53:44.239 --> 00:53:47.019
 Welzer hat in einem seiner Bücher sehr treffend gesagt,

599
00:53:47.119 --> 00:53:50.760
 die ökologische Bewegung hat es noch nicht geschafft, eine eigene Ästhetik zu entwickeln.

600
00:53:50.840 --> 00:53:53.579
 Und ich finde, das ist eine sehr weise Überlegung.

601
00:53:53.760 --> 00:53:56.179
 Und das ist interessant, warum das nicht ist.

602
00:53:56.239 --> 00:53:58.679
 Weil wenn man jetzt denkt, dass so alternative Bewegungen,

603
00:53:58.800 --> 00:54:01.500
 gesellschaftspolitisch, wir fallen jetzt zum Beispiel die Hippies ein,

604
00:54:01.500 --> 00:54:05.760
 die haben ja das dann schon gehabt, ihre eigene Mode, ihre eigene Musik,

605
00:54:05.920 --> 00:54:07.860
 ihre eigene Ästhetik eben zu haben,

606
00:54:07.960 --> 00:54:09.780
 aber die ökologische Bewegung, die wird ja

607
00:54:09.780 --> 00:54:11.559
 gerade auf der ästhetischen Ebene oder

608
00:54:11.559 --> 00:54:13.519
 auf dem Design ja nach wie vor oft noch

609
00:54:13.519 --> 00:54:15.219
 belächelt, weil das eben als

610
00:54:15.219 --> 00:54:17.460
 ein bisschen naiv oft

611
00:54:17.460 --> 00:54:19.579
 abgetan wird, was

612
00:54:19.579 --> 00:54:21.500
 natürlich sehr arrogant ist und was aus meiner Sicht

613
00:54:21.500 --> 00:54:23.460
 auch wieder gesteuert ist, eben von

614
00:54:23.460 --> 00:54:26.440
 diesem großen, sage ich mal, Design übermacht, dass alles, was eben auch wieder gesteuert ist, eben von diesem großen Design

615
00:54:26.440 --> 00:54:28.159
 übermacht, dass alles, was eben nicht

616
00:54:28.159 --> 00:54:29.980
 perfekt designt ist, dann gleich als

617
00:54:29.980 --> 00:54:31.840
 so ein bisschen bochert

618
00:54:31.840 --> 00:54:33.840
 so zu sagen, hergestellt wird.

619
00:54:33.900 --> 00:54:35.960
 Und das ist tatsächlich etwas, was schwer zu

620
00:54:35.960 --> 00:54:37.340
 durchbrechen ist, aus meiner Sicht.

621
00:54:38.139 --> 00:54:39.800
 Wenn ich jetzt sage, wie

622
00:54:39.800 --> 00:54:41.860
 ändern sich Systeme? Ich bin ja jemand,

623
00:54:41.980 --> 00:54:43.900
 der sehr stark an diese Macht der Bilder

624
00:54:43.900 --> 00:54:50.360
 glaubt. Ich glaube, dass wir als Menschen viel mehr in Bildern denken und in so Erwartungshaltungen über Bilder.

625
00:54:50.840 --> 00:54:57.800
 Und ich glaube, dass man auf der Ebene viel erreichen oder verändern kann, über Bewusstseinsbildung eben.

626
00:54:57.800 --> 00:55:02.739
 Wenn man sich eben diese Sanduhr zum Beispiel einprägt, wenn man dann erst einmal auf die Idee kommt,

627
00:55:02.820 --> 00:55:07.239
 ja, was passiert da eigentlich in der Mitte, in der Engstelle und wir wissen da wirklich wenig drüber und

628
00:55:07.239 --> 00:55:13.119
 es gibt auch wenig Forschung und wenig Daten, da liegt ja auch ganz viel der Geheimhaltung,

629
00:55:13.280 --> 00:55:18.000
 weil diese Betriebe, die dann auch immer mit der Betriebsspionage und so weiter argumentieren

630
00:55:18.539 --> 00:55:26.059
 und es geht ja hin von Rezepten über ökonomische Geheimhaltung. Also wir wissen ja ganz wenig

631
00:55:26.059 --> 00:55:29.139
 darüber, zum Beispiel, wie machen Supermärkte ihre Preise? Das geben ja

632
00:55:29.139 --> 00:55:32.460
 die nicht preis zum Beispiel. Oder wie wählen die ihr Produktsortiment

633
00:55:32.460 --> 00:55:34.460
 aus? Das unterliegt ja der Geheimhaltung.

634
00:55:34.780 --> 00:55:38.139
 Es ist aber das, wovon wir dann letztlich abhängig sind, weil wir können ja auch

635
00:55:38.139 --> 00:55:41.000
 nur das kaufen, was es im Supermarkt gibt. Es ist ja eine scheinbare

636
00:55:41.000 --> 00:55:43.940
 Freiheit. Also ich glaube, der Konsument

637
00:55:43.940 --> 00:55:50.179
 ist, sagen wir mal, nicht nur stark in dem, was er konsumiert, sondern auch in dem, was er politisch fordert.

638
00:55:50.900 --> 00:55:59.519
 Also ich finde, wir sollten zum Beispiel deutlich mehr Transparenz fordern von diesen großen Unternehmen, dass wir mehr wissen, wie sie entscheiden und warum.

639
00:56:00.420 --> 00:56:02.480
 Und das muss ein politischer Druck sein, glaube ich.

640
00:56:04.480 --> 00:56:09.360
 Dankeschön. Ich könnte schon wieder so viele Fragen anschließen, aber ich denke, es geht Ihnen genauso.

641
00:56:09.940 --> 00:56:17.920
 Darum möchte ich Ihnen jetzt die Gelegenheit geben. Bitte einmal ein kurzes Zeichen mit der Hand, dann kommt schon der Würfel und dann gibt es die Gelegenheit für Ihre Fragen.

642
00:56:18.079 --> 00:56:18.500
 Bitteschön.

643
00:56:39.820 --> 00:56:46.179
 Ja, mich hat gleich einmal am Anfang dieses Bild wirklich schockiert, also diese Mähdrescherfront, weil ich habe einmal einen Mähdrescherfahrer kennengelernt, der da von dem größten Träscher gefahren, der in Österreich fährt

644
00:56:46.179 --> 00:56:47.940
 und

645
00:56:47.940 --> 00:56:50.440
 dieser Träscher hat einen Verbrauch von

646
00:56:50.440 --> 00:56:50.900
 wie viel

647
00:56:50.900 --> 00:56:54.320
 1000 Litern

648
00:56:54.320 --> 00:56:56.079
 Diesel, vielleicht hat irgendwer,

649
00:56:56.139 --> 00:56:58.099
 vielleicht will ich mir erraten, was der in der Saison

650
00:56:58.099 --> 00:57:00.500
 verfahrt, der verfahrt

651
00:57:00.500 --> 00:57:02.039
 22.000 Liter

652
00:57:02.039 --> 00:57:03.840
 Diesel, dieser eine Träscher,

653
00:57:04.280 --> 00:57:09.619
 22.000, das sind 22 Kubikmeter, ich schätze mal, ist ungefähr ein Viertel von dem Raum,

654
00:57:09.840 --> 00:57:15.659
 was dieser eine Träscher verfahrt, der aber natürlich, die Firma hat, glaube ich, 17 Träscher gehabt

655
00:57:15.659 --> 00:57:18.659
 und ist natürlich bei weitem nicht die einzige Firma gewesen, die das macht.

656
00:57:19.480 --> 00:57:25.000
 Also das führt mich weiter zu der Feststellung, dass wir in Wirklichkeit,

657
00:57:25.300 --> 00:57:30.079
 müssen wir ja konstatieren, dass wir in Wirklichkeit ja vom Erdöl leben.

658
00:57:31.659 --> 00:57:38.539
 Ja, weil die, also ungefähr vor 100 Jahren haben wir ja mit einer Kalorie,

659
00:57:38.760 --> 00:57:42.059
 hauptsächlich menschlicher Arbeitskraft, menschliche und tierische Arbeitskraft,

660
00:57:42.059 --> 00:57:46.059
 haben wir, ich glaube, ungefähr 1,3 Kalorien Nahrungsmittel produziert.

661
00:57:46.699 --> 00:57:47.840
 Heut, ich weiß nicht, wo die

662
00:57:47.840 --> 00:57:49.599
 Zahl heutzutage genau liegt, aber ungefähr

663
00:57:49.599 --> 00:57:52.059
 im umgekehrten Verhältnis

664
00:57:52.059 --> 00:57:54.179
 von 10 zu 1, also mit 10 Kalorien,

665
00:57:55.840 --> 00:57:56.980
 überwiegend fossiler

666
00:57:56.980 --> 00:57:59.559
 Kalorien, produzieren wir auch

667
00:57:59.559 --> 00:58:00.519
 Kalorien

668
00:58:00.519 --> 00:58:03.800
 Nahrungsmittel. Das ist ja

669
00:58:03.800 --> 00:58:04.880
 eine totale Katastrophe.

670
00:58:06.940 --> 00:58:10.079
 Und das zeigt ja auch jetzt mit der Straße von Hormuz,

671
00:58:10.079 --> 00:58:13.099
 wo ja auch, da fällt mir nur ein Zoll ein,

672
00:58:13.780 --> 00:58:21.440
 das Avobosch-Verfahren durch die Ammoniak-Gewinnung aus Luftstickstoff.

673
00:58:22.000 --> 00:58:25.900
 Jeder zweite Mensch auf dieser Erde lebt nur, weil es das

674
00:58:25.900 --> 00:58:26.980
 Havobosch-Verfahren gibt.

675
00:58:28.079 --> 00:58:29.940
 Das müssen wir uns ja einmal vergegenwärtigen.

676
00:58:31.019 --> 00:58:32.360
 Deswegen wird ja auch der Kunstdinger

677
00:58:32.360 --> 00:58:34.260
 da unten produziert, weil sie dort das Öl haben,

678
00:58:34.519 --> 00:58:36.159
 weil das sehr energieintensiv ist,

679
00:58:36.739 --> 00:58:37.739
 damit die das

680
00:58:37.739 --> 00:58:39.860
 zusätzlich noch transportieren müssen.

681
00:58:40.239 --> 00:58:42.059
 Das heißt auch, wir stehen ja

682
00:58:42.059 --> 00:58:43.980
 auf dünnen Füßen.

683
00:58:44.219 --> 00:58:45.679
 Das kann ja ganz schnell, ganz.

684
00:58:46.559 --> 00:58:49.639
 Also ich sage ja immer, wenn irgendwas schief geht, wirklich schief geht,

685
00:58:49.719 --> 00:58:51.280
 haben wir in drei Monaten eine Hungersnot.

686
00:58:51.599 --> 00:58:53.659
 Also das halte ich nicht für abwegig.

687
00:58:56.099 --> 00:58:58.539
 Was ich noch sagen möchte zu den Alternativen,

688
00:58:58.739 --> 00:59:01.199
 also auch gerade die Auseinandersetzung mit dem Supermarkt.

689
00:59:01.639 --> 00:59:03.380
 Ich glaube, man muss ja vergegenwärtigen,

690
00:59:03.380 --> 00:59:11.840
 dass ja ein kapitalistischer Nahrungsmittelproduzent nur ein hat.

691
00:59:12.360 --> 00:59:18.860
 Das Mittel ist die Erzeugung von Nahrungsmitteln, aber der Zweck ist natürlich ausschließlich die Generierung von Profit.

692
00:59:20.579 --> 00:59:24.619
 Und der Illusion dürfen Sie ja nicht hingeben, dass die uns etwas Gutes tun wollen.

693
00:59:24.619 --> 00:59:25.659
 Die wollen Profit

694
00:59:25.659 --> 00:59:27.360
 generieren und was anderes geht es

695
00:59:27.360 --> 00:59:28.199
 überhaupt nicht.

696
00:59:30.219 --> 00:59:31.659
 Und ich möchte noch kurz

697
00:59:31.659 --> 00:59:32.579
 sagen, es gibt...

698
00:59:32.579 --> 00:59:35.340
 Das war jetzt schon so früh, dass wir da

699
00:59:35.340 --> 00:59:36.619
 noch drauf eingehen können.

700
00:59:37.840 --> 00:59:38.739
 Und zwar,

701
00:59:39.619 --> 00:59:41.440
 wir müssen aus der

702
00:59:41.440 --> 00:59:42.480
 Marktwirtschaft aussteigen.

703
00:59:43.059 --> 00:59:49.280
 Und ich möchte als Anregung, die Monostiftung hat gerade einen Text veröffentlicht,

704
00:59:49.280 --> 00:59:51.099
 den ich für fundamental halte.

705
00:59:52.280 --> 00:59:57.699
 Das heißt, sozioökonomische Notizen zu solidarischen Landwirtschaften

706
00:59:57.699 --> 01:00:00.360
 ist auf der Seite von der Monostiftung veröffentlicht

707
01:00:00.360 --> 01:00:07.079
 und ist für mich der bedeutendste Text seit der Veröffentlichung des Kommunistischen Manifests,

708
01:00:07.440 --> 01:00:09.639
 weil er einen Weg aus der Marktwirtschaft auszeigt.

709
01:00:11.039 --> 01:00:12.460
 Dankeschön, dankeschön.

710
01:00:13.940 --> 01:00:19.260
 Für mich steckt da auch unter anderem die Frage schon auch dahinter,

711
01:00:19.760 --> 01:00:25.280
 die ich vorher schon einmal gestellt habe, was heißt denn nachhaltig Ernährungssysteme

712
01:00:25.280 --> 01:00:27.940
 zu haben?

713
01:00:28.179 --> 01:00:30.000
 Mir fällt jetzt das Verb dazu nicht ein,

714
01:00:30.000 --> 01:00:30.860
 das passt.

715
01:00:32.320 --> 01:00:33.039
 Ich bitte,

716
01:00:33.880 --> 01:00:35.960
 darauf einzugehen, wo du sagst,

717
01:00:36.039 --> 01:00:37.920
 das war für mich auch ein Thema, wo ich gut

718
01:00:37.920 --> 01:00:39.800
 einhaken möchte und kann, aber

719
01:00:39.800 --> 01:00:42.239
 meine Frage vielleicht noch ein bisschen mitschwingen zu lassen.

720
01:00:42.519 --> 01:00:43.460
 Ich versuche, beide

721
01:00:43.460 --> 01:00:45.019
 Impulse zu verbinden.

722
01:00:45.780 --> 01:00:47.699
 Vielen Dank für diesen Kommentar.

723
01:00:48.500 --> 01:00:50.980
 Sie haben eigentlich sehr plastisch geschildert,

724
01:00:51.079 --> 01:00:54.019
 wie nicht nachhaltig das Agrar- und Ernährungssystem

725
01:00:54.019 --> 01:00:56.659
 seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist,

726
01:00:56.719 --> 01:01:00.480
 weil es hochgradig auf Erdöl aufbaut,

727
01:01:00.579 --> 01:01:02.539
 nicht nur zum Betreiben von Maschinen,

728
01:01:03.079 --> 01:01:08.239
 sondern auch als Energie zur Herstellung von Kunstdünger mit dem Haber-Bosch-Verfahren.

729
01:01:08.719 --> 01:01:19.300
 Also die industrialisierte Agrar- und Ernährungswirtschaft ist Teil dieses fossilen Zeitalters, das da Mitte des 20. Jahrhunderts anbricht.

730
01:01:19.800 --> 01:01:24.000
 Was ist nachhaltig? Da gibt es natürlich auch zig Definitionen,

731
01:01:30.000 --> 01:01:31.260
 Was ist nachhaltig? Da gibt es natürlich auch zig Definitionen, aber so die gängigste, würde ich sagen, ist die vom sogenannten Brundtland-Report aus den 1980er Jahren.

732
01:01:36.039 --> 01:01:44.059
 Der Nachhaltigkeit definiert als etwas, was drei Dimensionen quasi abdecken muss. Also ökonomische Nachhaltigkeit, das heißt, dass Unternehmen, Betriebe wirtschaftlich existieren können.

733
01:01:53.760 --> 01:02:07.159
 Unternehmen, Betriebe wirtschaftlich existieren können, soziale Nachhaltigkeit, dass es gerechte Arbeitsverhältnisse und sonstige Bedingungen für die involvierten Menschen gibt und ökologische Nachhaltigkeit, dass Ökosysteme nicht zerstört werden, sondern idealerweise reproduziert werden, wie das die vorfossile Landwirtschaft eigentlich gemacht hat,

734
01:02:07.579 --> 01:02:11.840
 die ja als Energiequelle nichts anderes gehabt hat als die Sonne.

735
01:02:12.320 --> 01:02:18.320
 Die Sonne, die Pflanzen wachsen hat lassen, mit diesen Pflanzen sind Tiere ernährt worden und Menschen.

736
01:02:18.320 --> 01:02:24.159
 Und Tiere und Menschen haben die Muskelkraft dann beigesteuert, um die Landwirtschaft zu betreiben.

737
01:02:25.219 --> 01:02:29.960
 Also Nachhaltigkeit ist ökonomisch, sozial und ökologisch definiert.

738
01:02:31.659 --> 01:02:37.480
 Und da beginnt, also das scheint einmal irgendwie eine sehr sinnvolle Definition zu sein,

739
01:02:37.480 --> 01:02:42.739
 aber da beginnt auch gleich das Problem, weil halt je nach Interessenslage

740
01:02:42.739 --> 01:02:46.039
 dieser Begriff so in die eine oder andere Richtung definiert wird.

741
01:02:46.219 --> 01:02:52.119
 Also aus einer unternehmerischen Perspektive wird vor allem diese ökonomische Nachhaltigkeit immer betont

742
01:02:52.119 --> 01:02:55.039
 und die soziale und ökologische eher untergeordnet.

743
01:02:55.039 --> 01:03:01.300
 Und aus einer kritischen Perspektive wird halt eher die soziale und oder die ökologische Nachhaltigkeit hochgehalten.

744
01:03:01.460 --> 01:03:13.699
 Also wir unterscheiden dann eigentlich sogenannte schwache Nachhaltigkeitsbegriffe, wo das Soziale und Ökologische zweitrangig ist und starke Nachhaltigkeit, wo Soziale und Ökologische Belange ganz oben stehen.

745
01:03:15.159 --> 01:03:20.260
 Dankeschön. Möchtest du gerne noch etwas ergänzen? Auch du hast das Thema der Nachhaltigkeit vorhin eingebracht.

746
01:03:45.539 --> 01:03:46.400
 Ja, vielleicht ein paar. Das Interessante ist ja, dass das Wort Nachhalt tatsächlich aus einem bäuerlichen Ursprung auch hat, weil die Nachhalt, weiß nicht, ob das noch jemand kennt in der Form, das war ja das, was man für den Winter gelagert hat. Sauerkraut oder die eingelegten Dinge. Also eben, um überleben zu können über das ganze Jahr hinaus.

747
01:03:50.300 --> 01:03:50.840
 Und ich glaube, dass halt Nachhaltigkeit zu dem,

748
01:03:54.719 --> 01:03:54.820
 dieser Definition von der UNO, die sicherlich gute Gültigkeit hat,

749
01:03:58.119 --> 01:03:58.659
 aber ich glaube, aus heutiger Sicht gibt es ja oft auch diesen Begriff der Resilienz.

750
01:04:01.840 --> 01:04:07.239
 Also, dass sich etwas sozusagen selber erhalten oder erhalten kann, ohne dass es etwas sozusagen unvorteilhaft ausblutet,

751
01:04:07.400 --> 01:04:10.199
 was ja bei unserem industriellen System jetzt eindeutig der Fall ist,

752
01:04:10.300 --> 01:04:17.480
 weil es beruht einerseits auf einem Übereinsatz von Ressourcen, die uns jetzt ausgehen,

753
01:04:17.480 --> 01:04:22.500
 wo wir an natürliche Grenzen stoßen und andererseits auch auf eben die Ausbeutung von Arbeitskraft,

754
01:04:22.619 --> 01:04:25.500
 sprich Billiglohnländer, Sklaverei, ähnliche Zustände,

755
01:04:25.599 --> 01:04:30.400
 die wir immer noch haben, Gemüseernte in Spanien und so weiter, gibt es ja unterschiedlichste Beispiele.

756
01:04:31.219 --> 01:04:35.420
 Das heißt, ich glaube, aus heutiger Sicht muss man auch sagen, einfach Ressourcenleichtheit,

757
01:04:35.559 --> 01:04:41.039
 also das ist ein sicherer Punkt und was auch immer wieder, also Fairness, Gerechtigkeit, Menschenrechte,

758
01:04:41.039 --> 01:04:59.699
 solche Dinge, die halt auch heutzutage, selbst im Supermarkt, man muss sagen, wenn man einkaufen geht, man kann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob man ein Produkt kauft, wo zum Beispiel Kinderarbeit drinsteckt. Das ist etwas, was wir ausblenden, aber es ist so, wir wissen es eigentlich nicht und es ist interessant eigentlich, dass das dann auch niemand wissen will.

759
01:05:09.460 --> 01:05:26.260
 Also, danke schön. Gibt es weitere Fragen? Bitte schön. Raum, wo es immer die Kreislerin oder den Kreisler gab, sehr bemerkenswert und bedeutsam,

760
01:05:26.340 --> 01:05:30.340
 auch weil du, Sonja, eben gesagt hast, diese Anonymität des Supermarkts, das hat mir sehr

761
01:05:30.340 --> 01:05:35.099
 zu denken gegeben auf meinen täglichen Wegen, wo früher die Kreislerin war, ist jetzt eben

762
01:05:35.099 --> 01:05:43.000
 ein Leerstand. Und der zweite Punkt ist eher eine Frage dahingehend, inwieweit eure künstlerischen

763
01:05:43.539 --> 01:05:48.840
 Interventionen auch als vielleicht paradoxe Interventionen wahrgenommen werden

764
01:05:48.840 --> 01:05:51.920
 und ob du da noch ein paar Worte dazu sagen kannst.

765
01:05:52.960 --> 01:05:57.599
 Ja, unbedingt auch. Also wir versuchen immer auch mit Humor und Absurdität zu arbeiten,

766
01:05:57.820 --> 01:06:03.380
 weil wir festgestellt haben, dass die Leute dann zugänglicher sind und auch leichter Zusammenhänge verstehen.

767
01:06:03.599 --> 01:06:08.579
 Also wenn man etwas absichtlich falsch macht, ist es oft erst leichter zu erkennen,

768
01:06:09.139 --> 01:06:12.599
 wo eigentlich die Regeln liegen und wie man sich im Normalen verhält.

769
01:06:12.599 --> 01:06:19.000
 Also eben zum Beispiel das Beispiel mit dieser Kunstaktion, wo wir das Supermarktregal neu eingeräumt haben.

770
01:06:19.900 --> 01:06:24.519
 Dann natürlich wird einem sofort bewusst, nach welchen Mustern wird das Supermarkt eigentlich sortiert

771
01:06:24.519 --> 01:06:28.599
 und welche Kriterien spielen da eine Rolle und welche zum Beispiel nicht.

772
01:06:28.739 --> 01:06:32.900
 Also Wasserverbrauch zum Beispiel nicht oder Transportwege zum Beispiel nicht.

773
01:06:32.900 --> 01:06:35.360
 Oder es geht halt viel um Preis.

774
01:06:35.519 --> 01:06:39.260
 Wir kennen auch das natürlich, dass diese verschiedenen Slots, die verkauft werden,

775
01:06:39.400 --> 01:06:42.940
 wo dann das billige Produkt immer ganz unten ist, damit man möglichst das teurere kauft,

776
01:06:43.039 --> 01:06:44.380
 was in Augenhöhe ist und so weiter.

777
01:06:41.920 --> 01:06:43.940
 Produkt immer ganz unten ist, damit man möglichst das Teurere kauft, was in Augenhöhe ist

778
01:06:43.940 --> 01:06:46.139
 und so weiter. Also das ist natürlich

779
01:06:46.139 --> 01:06:47.260
 absichtlich so.

780
01:06:47.940 --> 01:06:50.039
 Wir tun gerne das Herumdrehen,

781
01:06:50.199 --> 01:06:51.940
 auch bei den Tischsitten und so, damit

782
01:06:51.940 --> 01:06:53.900
 halt die Leute dann erst erkennen, an welche

783
01:06:53.900 --> 01:06:55.940
 Regeln sie sich normalerweise halten und dann

784
01:06:55.940 --> 01:06:57.699
 im besten Fall hinterfragen,

785
01:06:58.440 --> 01:06:59.980
 warum man das macht und wie es

786
01:06:59.980 --> 01:07:00.940
 auch anders sein könnte.

787
01:07:02.219 --> 01:07:03.940
 Und Humor spielt auch gerne eine

788
01:07:03.940 --> 01:07:05.559
 Rolle, wenn es irgendwie geht,

789
01:07:05.780 --> 01:07:07.559
 weil die Leute dann einfach mehr Spaß haben.

790
01:07:07.800 --> 01:07:08.639
 Also ich habe festgestellt,

791
01:07:08.719 --> 01:07:09.760
 alles, was zu ernst ist

792
01:07:09.760 --> 01:07:10.320
 und vor allem alles,

793
01:07:10.420 --> 01:07:11.619
 was irgendwie mit Zeigefinger kommt,

794
01:07:11.719 --> 01:07:12.900
 das funktioniert eigentlich nicht.

795
01:07:15.559 --> 01:07:16.000
 Danke.

796
01:07:16.880 --> 01:07:20.059
 Zweitere Fragen, Beiträge?

797
01:07:20.599 --> 01:07:21.380
 Ja, bitteschön.

798
01:07:21.739 --> 01:07:22.420
 Einen Moment noch,

799
01:07:22.500 --> 01:07:23.539
 der Würfel kommt gleich.

800
01:07:27.900 --> 01:07:33.199
 Ich hätte zwei Fragen. Die eine betrifft die Frage der Steuerung durch Steuern.

801
01:07:34.099 --> 01:07:39.679
 Welche Effekte haben Zuckersteuern oder auch jetzt ganz einfach ausgedrückt auch die Mehrwertsteuersenkung,

802
01:07:39.800 --> 01:07:45.099
 die auch ökologische oder zumindest gesundheitliche Aspekte berücksichtigt. Das wäre die eine Frage.

803
01:07:45.639 --> 01:07:48.659
 Und die zweite Frage wäre die europäische Agrarpolitik.

804
01:07:49.699 --> 01:07:52.679
 Es wird sehr viel Geld investiert in die Agrarpolitik derzeit,

805
01:07:52.780 --> 01:07:54.079
 auch die EU-Gelder sehr hohe.

806
01:07:54.500 --> 01:07:59.380
 Sind die wirksam oder wie müsste man die europäische Agrarförderung umstellen,

807
01:07:59.380 --> 01:08:03.500
 damit sie die Kriterien der Nachhaltigkeit besser erfüllt als derzeit?

808
01:08:05.400 --> 01:08:08.880
 Ja, da fühle ich mich jetzt einmal angesprochen. Vielen Dank für die zwei Fragen.

809
01:08:08.880 --> 01:08:21.159
 Ja, Steuerinstrumente sind potenziell eine wichtige Interventionsmöglichkeit von Nationalstaaten.

810
01:08:21.800 --> 01:08:29.359
 Also mit steuerlicher Belastung oder Entlastung kann man gewisse Reaktionen erzeugen,

811
01:08:29.600 --> 01:08:33.640
 in die eine oder in die andere Richtung. Das ist natürlich dann eine Frage der politischen Interessen,

812
01:08:34.199 --> 01:08:41.500
 ob man dann das Fleisch billiger macht oder teurer. Da gibt es auch im politischen Spektrum ganz unterschiedliche Zugänge.

813
01:08:42.060 --> 01:08:47.779
 Wir lassen uns unser Schnitzel nicht verbieten, ist da so eine Ansage, die man immer wieder hört.

814
01:08:48.840 --> 01:08:57.579
 Also das ist tatsächlich etwas, wo eben Staaten wirklich hier ihre Verantwortung

815
01:08:57.579 --> 01:09:01.199
 für die Gestaltung des Agrar- und Ernährungssystems wahrnehmen können.

816
01:09:01.199 --> 01:09:07.739
 Und die Frage zur europäischen Agrarpolitik, das ist natürlich eine große Frage.

817
01:09:10.680 --> 01:09:18.199
 Also du hast darauf hingewiesen, die ist groß, also nicht nur die Frage, sondern auch die EU-Agrarpolitik,

818
01:09:18.199 --> 01:09:30.319
 die gemeinsame Agrarpolitik, wie sie eigentlich heißt, die GAP, ist nach wie vor der größte Budgetposten des EU-Budgets und hat schon mehrere Reformen erlebt.

819
01:09:30.800 --> 01:09:36.399
 Also zunächst einmal, das beginnt ja schon in den späten 1950er Jahren mit den römischen Verträgen

820
01:09:36.399 --> 01:09:42.079
 und dann in den 60er Jahren mit der Ausgestaltung, war diese EU-Agrarpolitik so wie die Agrarpolitiken,

821
01:09:42.340 --> 01:10:07.020
 damals war es noch die EG, aller westlichen Staaten, die nicht bei der EG waren, war auf die Produktionsförderung ausgerichtet. zu produzieren, um einerseits den Bauern, Bäuerinnen entsprechende Einkommen zukommen zu lassen

822
01:10:07.020 --> 01:10:13.260
 und andererseits eben die städtische Bevölkerung billig zu versorgen.

823
01:10:13.739 --> 01:10:19.899
 Und das Instrument, das die EG damals verwendet hat, war die Preissubventionierung.

824
01:10:20.239 --> 01:10:26.239
 Also es wurde sehr viel Geld aufgewendet, um die Agrarpreise quasi so zu regulieren,

825
01:10:26.359 --> 01:10:31.600
 dass sie für die Bauern hohe Einkommen und für die Konsumenten niedrige Preise erzeugen.

826
01:10:31.600 --> 01:10:38.319
 Also da wurden dann verschiedene Schrauben gedreht mit viel Aufwand, um das zu bewerkstelligen.

827
01:10:38.579 --> 01:10:40.180
 Das hat auch wunderbar funktioniert.

828
01:10:40.399 --> 01:10:53.600
 Also das, was Sie als Katastrophe vorhin bezeichnet haben, war in den 50er, 60er Jahren ein Wunder, dass aus dem Boden und aus einer Arbeitskraft in der Landwirtschaft plötzlich viel mehr an Ertrag rauskommt mit diesem System.

829
01:10:54.000 --> 01:11:05.220
 Nur führt das dann in den 70er Jahren spätestens zum Problem der Überschüsse, weil der belohnt wird, der mehr produziert. Produktion wird belohnt und das führt dann zu einer ersten ganz wichtigen Reform in den 90er Jahren,

830
01:11:05.359 --> 01:11:12.659
 in der sogenannten McSherry-Reform, in der die EU davon abgeht, den Preis zu subventionieren

831
01:11:12.659 --> 01:11:19.600
 und eben dann nur mehr die Flächen subventioniert. Also das heißt, die Erzeugungsmenge wird dann entkoppelt

832
01:11:19.600 --> 01:11:26.300
 von der Agrarförderung und der, der viel produziert und wenig produziert, der wird jetzt nicht mehr belohnt mit EU-Geld,

833
01:11:26.420 --> 01:11:33.239
 sondern es wird eben je nach der Fläche, die ein Betrieb bewirtschaftet, eine Direktzahlung gegeben.

834
01:11:33.720 --> 01:11:36.380
 Und das ist im Prinzip das System, das wir heute noch haben.

835
01:11:36.380 --> 01:11:42.899
 Und deine Frage, wie kann man es verändern, um soziale und ökologische Gesichtspunkte stärker zur Geltung kommen zu lassen,

836
01:11:44.159 --> 01:11:48.800
 das liegt eben genau in der Tatsache, dass es eine größenabhängige Direktzahlung gibt.

837
01:11:48.979 --> 01:11:55.779
 Das heißt, die großen Betriebe, die irgendwie strampeln und nach und nach ihre Viehstände ausbauen

838
01:11:55.779 --> 01:12:00.500
 und ihren Grund und Boden vergrößern, die werden belohnt, weil die kriegen mehr

839
01:12:00.500 --> 01:12:03.739
 und die kleinen, die mittleren und kleinen, die kriegen entsprechend weniger.

840
01:12:03.739 --> 01:12:07.180
 Also da müsste man ansetzen, dass man viel stärker

841
01:12:07.180 --> 01:12:11.760
 nicht die Größe fördert, sondern die Qualität, also nicht

842
01:12:11.760 --> 01:12:15.659
 so sehr quasi die Quantität, sondern mehr die Qualität. Also wie

843
01:12:15.659 --> 01:12:19.359
 bewirtschaften die Betriebe ihre

844
01:12:19.359 --> 01:12:23.359
 Gründe und wie halten sie ihre Tiere?

845
01:12:23.359 --> 01:12:34.180
 Und da hätte die EU tatsächlich sehr mächtige Hebel in der Hand, um hier gewisse Impulse zu setzen.

846
01:12:35.840 --> 01:12:36.619
 Danke schön.

847
01:12:36.899 --> 01:12:38.079
 Gleich nach vorne, genau.

848
01:12:38.100 --> 01:12:42.020
 Ich schließe da an, du hast die sozialen Aspekte erwähnt, Ernst,

849
01:12:42.119 --> 01:12:47.760
 dass Menschen mit niedrigem Einkommen auf billige Lebensmittel auch angewiesen sind.

850
01:12:48.420 --> 01:12:52.000
 Aber ich möchte diesen Zusammenhang mit Lebensmittelverschwendung anspielen,

851
01:12:52.140 --> 01:12:55.180
 weil wir hatten, glaube ich, vor ein paar Tagen diesen Tag der Lebensmittelverschwendung.

852
01:12:55.880 --> 01:13:00.619
 Und ich kann mich an Diskussionen erinnern, dass Lebensmittel teurer werden müssen,

853
01:13:00.800 --> 01:13:05.100
 damit sie auch was wert sind und dass Lebensmittel weniger verschwendet werden.

854
01:13:05.260 --> 01:13:10.619
 Und mich würden eure Gedanken zu diesem Zusammenhang der Preispolitik und der Verschwendung von

855
01:13:10.619 --> 01:13:14.180
 Lebensmitteln, die ja maßgeblich von Haushalten kommt, interessieren.

856
01:13:16.020 --> 01:13:16.819
 Möchtest du vielleicht noch?

857
01:13:16.819 --> 01:13:21.619
 Ich kann kurz was, ja. Also das Interessante ist ja nach wie vor, wie schon angesprochen wurde,

858
01:13:21.720 --> 01:13:25.000
 die größte Lebensmittelverschwendung tatsächlich in den Einzelhaushalten passiert,

859
01:13:25.100 --> 01:13:27.560
 eben nicht bei den Supermärkten oder nicht bei den Prozenten.

860
01:13:27.640 --> 01:13:30.859
 Das heißt, es sind tatsächlich wir, die Konsumenten, Konsumentinnen.

861
01:13:31.319 --> 01:13:35.159
 Und ich glaube, es ist eigentlich schon eine Folge dieses industrialisierten Nahrungssystems,

862
01:13:35.199 --> 01:13:41.619
 weil wenn ich sehr viel, sehr günstig einkaufen kann und noch dazu sozusagen der Druck am Konsument ist,

863
01:13:41.680 --> 01:13:45.140
 in einer Konsumgesellschaft bin ich ja quasi verpflichtet zu kaufen.

864
01:13:45.319 --> 01:13:51.020
 Also man hört das ja auch immer wieder, der Konsument hält sozusagen durch seinen Einkauf die Wirtschaft am Laufen oder so.

865
01:13:51.420 --> 01:13:53.640
 Also es entsteht ja so ein Konsumdruck auch.

866
01:13:54.020 --> 01:13:58.239
 Und das ist ja bei Nahrungsmitteln halt ein Problem, weil wenn die Bevölkerung schrumpft,

867
01:13:58.600 --> 01:14:00.819
 kann ja nicht immer mehr Nahrungsmittel gekauft werden.

868
01:14:00.899 --> 01:14:02.260
 Die Betriebe wollen aber wachsen.

869
01:14:02.380 --> 01:14:05.420
 Das heißt, es muss eigentlich dann trotzdem der Umsatz irgendwie gesteigert werden.

870
01:14:05.899 --> 01:14:07.359
 Und das führt dann eben jetzt

871
01:14:07.359 --> 01:14:10.079
 prägnant gesagt entweder

872
01:14:10.079 --> 01:14:11.819
 zu Übergewicht, das sehen wir auch,

873
01:14:11.899 --> 01:14:13.439
 das sehen wir in den USA zum Beispiel,

874
01:14:14.020 --> 01:14:15.840
 oder zu Food Waste. Oder

875
01:14:15.840 --> 01:14:17.659
 eine dritte Variante, die ich auch ausmache,

876
01:14:17.779 --> 01:14:19.760
 das sind so die, ich sehr skurril

877
01:14:19.760 --> 01:14:22.380
 finde, diese Zero-Calorie-

878
01:14:22.380 --> 01:14:23.659
 Produkte. Also es gibt dann quasi

879
01:14:23.659 --> 01:14:25.039
 das 0%-Joghurt.

880
01:14:27.079 --> 01:14:27.159
 Es gibt dann ein Produkt, das ich kaufen kann,

881
01:14:28.899 --> 01:14:29.380
 das aber praktisch keinen Nährwert mehr hat.

882
01:14:30.779 --> 01:14:30.880
 Also das ist dann sozusagen ein Ausweg,

883
01:14:33.159 --> 01:14:33.359
 wo ich dann doch noch einen Konsum erzeugen kann,

884
01:14:35.720 --> 01:14:35.819
 aber trotzdem kein Foodwiss und kein Übergewicht.

885
01:14:37.979 --> 01:14:38.260
 Also es ist schon interessant, wie das System,

886
01:14:40.479 --> 01:14:41.100
 also ich glaube, es ist ein systemisches Problem letztlich.

887
01:14:44.119 --> 01:14:45.840
 Weil man kann nicht viel in einem System leben, wo belohnt wird, wenn möglichst viel

888
01:14:45.840 --> 01:14:47.319
 gekauft wird und dann

889
01:14:47.319 --> 01:14:49.979
 nichts wegwerfen. Also wir haben das Problem ja nicht

890
01:14:49.979 --> 01:14:52.239
 nur beim Food Waste. Beim Food Waste haben wir halt ein moralisches

891
01:14:52.239 --> 01:14:53.899
 Problem damit, aber wir haben das Problem

892
01:14:53.899 --> 01:14:55.340
 in jeder Art von Müll eigentlich.

893
01:14:55.680 --> 01:14:57.720
 Also ich glaube, es ist einfach eine klassische Folge der

894
01:14:57.720 --> 01:14:58.560
 Konsumgesellschaft.

895
01:15:00.140 --> 01:15:01.600
 Sag ich. Was sagst du?

896
01:15:01.939 --> 01:15:03.720
 Ich habe dem nicht ziemlich zufrieden.

897
01:15:07.380 --> 01:15:07.939
 Dankeschön.

898
01:15:09.279 --> 01:15:13.340
 Es gab den Spruch, wärst du nicht so reich, wär ich nicht so arm.

899
01:15:13.579 --> 01:15:17.180
 Also zwischen den verschiedenen Gegenden auf der Erde.

900
01:15:17.539 --> 01:15:23.300
 Und ich denke mir, unser System hier in Europa und in den begüterten Ländern,

901
01:15:23.300 --> 01:15:25.000
 das beruht auf ganz viel Umweltzerstörung. hier in Europa und in den begüterten Ländern, unter Anführungszeichen,

902
01:15:27.500 --> 01:15:28.520
 das beruht auf ganz viel Umweltzerstörung.

903
01:15:31.859 --> 01:15:32.060
 Und das ist etwas, was mich sehr unrund macht, auch diese Diskussion.

904
01:15:35.800 --> 01:15:37.359
 Wir diskutieren etwas, was eigentlich Zerstörung ist.

905
01:15:45.180 --> 01:15:45.340
 Also Zerstörung schon beim Anbau, bei der Erzeugung von den ganzen chemischen Produkten,

906
01:15:48.520 --> 01:15:48.619
 dass die sogenannte Landwirtschaft was produziert,

907
01:15:51.619 --> 01:15:53.619
 was eigentlich dann weggeschmissen oder verheizt oder was auch immer gemacht wird.

908
01:15:54.079 --> 01:15:57.319
 Es macht die Menschen unrund.

909
01:15:57.439 --> 01:15:59.520
 Also mich macht das sehr nachdenklich.

910
01:16:01.359 --> 01:16:04.960
 Ich sehe da jetzt keine Veränderung, wo ich mir denke,

911
01:16:06.939 --> 01:16:07.300
 das würde in die richtige Richtung gehen.

912
01:16:12.420 --> 01:16:12.720
 Denn wenn, so wie es in der EU ist, die Sachen gefördert werden von der Allgemeinheit,

913
01:16:17.960 --> 01:16:18.560
 um was zu produzieren, was nicht einmal sehr gesund ist, dann denke ich mir, das stimmt ja nicht.

914
01:16:25.579 --> 01:16:25.920
 Weil man hat es ja auch an den Feldern gesehen, die Biobetriebe, die hatten ein Maisfeld, das grüner war als die anderen.

915
01:16:31.020 --> 01:16:31.239
 Ja, warum? Weil sie einen anderen Bodenaufbau hatten und eben gewisse Produkte dort nicht auf den Boden kamen.

916
01:16:32.960 --> 01:16:33.640
 Das sind jetzt kleine Beispiele.

917
01:16:34.939 --> 01:16:35.119
 Also ich möchte eigentlich aufhören.

918
01:16:37.140 --> 01:16:38.220
 Ich glaube, ich wurde verstanden.

919
01:16:38.699 --> 01:16:39.140
 Dankeschön.

920
01:16:40.960 --> 01:16:41.140
 Möchtest du da was?

921
01:16:41.640 --> 01:17:09.739
 Sehr gerne. Sie sprechen da ganz einen wichtigen Bereich an, der in der Forschung häufig so als Externalisierung von Kosten diskutiert wird. Also sozusagen, wir lagern Kosten aus das Bewusstsein, wir sind das Ökomusterland in der Landwirtschaft.

922
01:17:10.640 --> 01:17:11.600
 Und das stimmt ja auch.

923
01:17:11.800 --> 01:17:16.420
 Österreich hat den größten Anteil an ökologisch bewirtschafteten Flächen EU-weit.

924
01:17:17.039 --> 01:17:18.500
 Das ist ein Faktum.

925
01:17:19.060 --> 01:17:24.899
 Aber wenn man sich anschaut, wie unsere Landwirtschaft transnational verflochten ist,

926
01:17:25.279 --> 01:17:29.539
 dann sieht man eben, dass trotz allen Sojaanbaus, der in Österreich auch schon passiert,

927
01:17:29.699 --> 01:17:32.199
 also hier auch rund um Linz wird Soja angebaut.

928
01:17:32.300 --> 01:17:36.939
 Wenn Sie da mal im Sommer rausschauen, werden Sie relativ unscheinbar,

929
01:17:36.939 --> 01:17:39.119
 aber doch Sojabohnen auch auf den Äckern sehen.

930
01:17:40.039 --> 01:17:44.159
 Also dieses Soja, das hier angebaut wird, ist nur ein kleiner Teil

931
01:17:44.159 --> 01:17:49.520
 und der größte Teil des Sojas, das in Österreich verwendet wird, wird in Form von Futtermitteln importiert.

932
01:17:49.520 --> 01:17:52.739
 Zum Teil aus Nord-, aber hauptsächlich aus Südamerika.

933
01:17:53.300 --> 01:18:26.460
 Und dort findet tatsächlich eine ganz massive Umwelt- und auch soziale Katastrophe statt, wo eben naturnahe Ökosysteme wie die Savanne oder auch der Regenwald zerstört werden, wo die kleinbäuerliche und indigene Bevölkerung verdrängt wird, um Soja anzubauen, das dann gar nicht hauptsächlich nach Europa, sondern hauptsächlich nach China exportiert wird, um dort den wachsenden Bedarf an Futtermitteln für die Fleischproduktion zu decken.

934
01:18:26.819 --> 01:18:34.279
 Also auch wir Österreicher, Österreicherinnen müssen hier ganz in ihrem Sinn eigentlich reflexiv einräumen.

935
01:18:34.840 --> 01:18:40.000
 Das wird ja auch in einem erheblichen Ausmaß ökologische und soziale Kosten auslagern,

936
01:18:40.579 --> 01:18:42.000
 in der Art, wie wir uns ernähren.

937
01:18:43.119 --> 01:18:44.060
 Darf ich noch etwas nachfragen?

938
01:18:44.060 --> 01:18:46.220
 Ganz kurz, weil es hat sich dann schon ein weiterer gemeldet, dass wir nur die Zeit für die Fragen haben. Darf ich noch etwas nachfragen? Ganz kurz, weil es hat sich dann schon wieder ein weiterer gemeldet,

939
01:18:46.279 --> 01:18:47.859
 dass wir nur die Zeit für die Fragen haben.

940
01:18:48.000 --> 01:18:49.439
 Darf ich noch schnell nachhaken?

941
01:18:49.840 --> 01:18:54.380
 Also Nahrungs- und Essen ist ja auch wirklich was Politisches.

942
01:18:54.840 --> 01:19:00.300
 Und ich denke in der EU, auch bei den Wahlen,

943
01:19:00.720 --> 01:19:02.880
 jeder hat so seine Stimme und kann abstimmen.

944
01:19:02.880 --> 01:19:17.659
 Ich weiß nicht, ob der Demokratie wirklich der richtige Weg ist. Ich bin für Demokratie, keine Frage. Aber ob das einfache Volk das entscheiden sollte, bin ich mir nicht sicher, ob das Wissen da vorhanden ist.

945
01:19:18.760 --> 01:19:21.979
 Dankeschön. Dann würde ich Sie bitten, den Würfel weiterzugeben.

946
01:19:21.979 --> 01:19:23.119
 Sie bitten, den Würfel weiterzugeben.

947
01:19:23.819 --> 01:19:23.920
 Ja, vielen Dank.

948
01:19:27.319 --> 01:19:27.420
 Ich will bei einem Überraschungsmoment einsetzen,

949
01:19:30.340 --> 01:19:30.479
 den ich hatte, als du das Buch vorgestellt hast,

950
01:19:32.079 --> 01:19:32.260
 beziehungsweise den einen Aufsatz,

951
01:19:34.239 --> 01:19:34.840
 wo der Begriff Drecksarbeit vorkam.

952
01:19:36.340 --> 01:19:36.479
 Das habe ich so wahrgenommen und mir gedacht,

953
01:19:38.840 --> 01:19:39.100
 ja, na klar, das ist so das alte Image von Landwirtschaft.

954
01:19:40.220 --> 01:19:40.260
 Man macht sich halt schmutzig,

955
01:19:41.560 --> 01:19:43.220
 wenn man abends nach Hause kommt oder die Arbeit beendet hat,

956
01:19:43.220 --> 01:19:45.319
 dann hat man den Mist am Stecken.

957
01:19:45.779 --> 01:19:50.420
 Aber dann hat sich ja schnell herausgestellt, dass es sich eher um eine moralische Abwertung

958
01:19:50.420 --> 01:19:55.760
 einer bestimmten Form von Landwirtschaft handelt, nämlich der großbetrieblichen Mastwirtschaft,

959
01:19:56.699 --> 01:20:02.239
 die aber, und das ist doch eigentlich das Paradoxon, wahrscheinlich von sich selber behaupten würde,

960
01:20:02.359 --> 01:20:05.819
 dass sie die Landwirtschaft vom Dreck eigentlich befreit hat.

961
01:20:06.319 --> 01:20:10.819
 Im Sinne dessen, dass es in dieser Form von Mastwirtschaft nur noch wenig Akteure gibt,

962
01:20:11.220 --> 01:20:14.460
 die sich wahrscheinlich in der Tat viel weniger schmutzig machen müssen,

963
01:20:15.140 --> 01:20:27.239
 als das der traditionell wirtschaftende Bauer, der im wahrsten Sinne des Wortes irgendwann im Mist steht, üblicherweise so hat. Und das deckt sich ja auch mit diesen aseptischen Vorstellungen von Supermärkten,

964
01:20:27.239 --> 01:20:33.399
 die sie mit den Fotografien ja sehr schön dargestellt haben. Also das heißt, die Drecksarbeit als moralischer Vorwurf

965
01:20:33.399 --> 01:20:40.579
 trifft eigentlich eine Form der Landwirtschaft, die von sich selber das Bild entwirft, als ob es überhaupt gar keinen Dreck mehr gibt.

966
01:20:48.399 --> 01:20:53.000
 mehr gibt. Und die Frage, die ich aber anschließen will, ist, es hat ja lange in der agrarpolitischen Diskussion diese Auseinandersetzungen gegeben, was ist jetzt eigentlich der Königsweg, kleinbetriebliche

967
01:20:53.720 --> 01:20:58.739
 oder großbetriebliche Landwirtschaft, also diese klassischen älteren Fortschrittsszenarien.

968
01:20:59.220 --> 01:21:19.420
 Spielt das heute eigentlich in Debatten über Transformation noch eine Rolle, dass das Fraktionierungen sind pro Kleinbetrieb oder pro Großbetrieb oder ist das keine Schlachtlinie mehr in den politischen Auseinandersetzungen um die Zukunft des Agrarsektors?

969
01:22:10.079 --> 01:22:10.899
 Okay. Ja, danke für die Frage, Markus. Also, die Frage kurz zu Anspruch We Feed the World dann die 10 Milliarden ernähren können? ein Wirtschaften ermöglichen, das im Einklang mit der Natur steht und sozusagen den Druck auf die planetaren Grenzen wegnimmt.

970
01:22:22.239 --> 01:22:26.300
 Und wenn wir so weltweit schauen, man würde ja glauben, so weltweit die dominierende Form der Landwirtschaft ist diese großbetriebliche mit 100 oder 1000 oder mehr Hektar, aber der Großteil der Agrarbevölkerung

971
01:22:26.300 --> 01:22:29.180
 und auch der Großteil der Produktion, die gemacht wird,

972
01:22:29.439 --> 01:22:31.739
 wird von kleinen und mittelbäuerlichen Betrieben,

973
01:22:32.039 --> 01:22:34.640
 vor allem in Ländern des globalen Südens, erzeugt.

974
01:22:35.000 --> 01:22:39.859
 Also das ist keine Nebenfront, sondern das ist ein ganz zentraler Bereich

975
01:22:39.859 --> 01:22:42.140
 der Agrarbevölkerung weltweit.

976
01:22:42.140 --> 01:22:49.760
 Und genau diese Debatte ist ein wichtiger Aspekt dieser Debatte

977
01:22:49.760 --> 01:22:51.899
 um die Agrar- und Ernährungswende.

978
01:22:54.119 --> 01:22:57.260
 Ich würde gerne zum ersten Teil der Frage etwas sagen.

979
01:22:57.640 --> 01:23:00.920
 Das ist ja ein ganz klassisches zentrales Problem der Esskultur generell.

980
01:23:01.239 --> 01:23:05.960
 Nämlich, dass wir, um zu essen, anderes Leben auslöschen müssen. Weil eigentlich hat

981
01:23:05.960 --> 01:23:08.100
 alles, was wir zu uns nehmen, vorher mal gelebt.

982
01:23:08.399 --> 01:23:09.880
 Bei den Pflanzen haben wir ein bisschen weniger

983
01:23:09.880 --> 01:23:11.939
 Probleme, aber bei den Tierischen haben wir ein Problem.

984
01:23:12.539 --> 01:23:13.960
 Und das ist eben das Interessante,

985
01:23:14.020 --> 01:23:15.899
 auch im Supermarkt oder in der Industriegesellschaft,

986
01:23:16.079 --> 01:23:17.960
 wie man damit umgeht. Weil historisch

987
01:23:17.960 --> 01:23:19.539
 gesehen ist man damit umgegangen,

988
01:23:20.060 --> 01:23:22.159
 dass zum Beispiel das Opferritual gab.

989
01:23:22.159 --> 01:23:23.939
 Also es wurden die Tiere geopfert und es war

990
01:23:23.939 --> 01:23:25.100
 religiös eingebunden. Es gibt ja auch so Theorien, dass zum Beispiel Magier undritual gab. Also es wurden die Tiere geopfert und es war religiös eingebunden.

991
01:23:25.319 --> 01:23:31.399
 Es gibt ja auch so Theorien, dass zum Beispiel Magier und Metzger die gleiche etymologische Wurzel haben,

992
01:23:31.579 --> 01:23:34.800
 also dass sozusagen das Fleisch ja eigentlich vom Priester aufgeschnitten worden ist.

993
01:23:35.340 --> 01:23:38.399
 Und in der Industriegesellschaft wird das eben immer mehr verdrängt.

994
01:23:38.579 --> 01:23:45.619
 Also wenn ich in den Supermarkt gehe, dann wird mir das ja so scheinbar verpackt und schön und toll und abstrakt geliefert,

995
01:23:45.739 --> 01:23:49.119
 dass ich eben ausblenden kann, dass ich ein totes Tier esse.

996
01:23:49.279 --> 01:23:53.039
 Also man denkt zum Beispiel an die Extrawurst, die ist ja so overdesigned, sage ich einmal,

997
01:23:53.439 --> 01:23:55.619
 da denkt man nicht an ein totes Tier.

998
01:23:56.079 --> 01:24:01.000
 Und dann eben als Folge, sage ich mal, ist sozusagen irgendwer anderer moralisch dafür verantwortlich.

999
01:24:01.659 --> 01:24:03.699
 Und wenn das nicht der Supermarkt und die Industrie ist,

1000
01:24:03.739 --> 01:24:08.300
 dann ist es eben der Bauer, der dann die Tiere hält und töten muss. Also ich glaube,

1001
01:24:08.340 --> 01:24:12.180
 das Problem wird da irgendwie verlagert, aber das Problem ist immer da. Das muss kulturell

1002
01:24:12.180 --> 01:24:13.859
 irgendwie beantwortet werden eigentlich.

1003
01:24:15.760 --> 01:24:19.500
 Das ist auch noch in den Sinn gekommen. Wie wird dann

1004
01:24:19.500 --> 01:24:23.520
 die Landwirtschaft dargestellt, vor allem in der Werbung?

1005
01:24:24.300 --> 01:24:26.340
 Da sieht man ja nicht...

1006
01:24:26.340 --> 01:24:27.140
 Supersauber.

1007
01:24:27.960 --> 01:24:29.539
 Oder idyllisch.

1008
01:24:29.819 --> 01:24:31.239
 Die Kuh auf der Weide.

1009
01:24:32.659 --> 01:24:33.579
 Realitätsfern total.

1010
01:24:33.960 --> 01:24:35.340
 Ab und zu gibt es sie.

1011
01:24:36.100 --> 01:24:37.920
 Aber ich finde, bei Schweinen ist das

1012
01:24:37.920 --> 01:24:39.840
 am extremsten, wie sie

1013
01:24:39.840 --> 01:24:42.079
 tatsächlich leben und wie sie

1014
01:24:42.079 --> 01:24:44.140
 dargestellt werden

1015
01:24:44.140 --> 01:24:44.859
 dann in der Werbung.

1016
01:24:45.340 --> 01:24:49.319
 Und da finde ich ja wieder euren Ansatz, wieder über eine Bildsprache,

1017
01:24:49.500 --> 01:24:53.800
 die aber ganz anders spricht, die irgendwie auch wieder dieses Cleaner aufnimmt,

1018
01:24:54.239 --> 01:24:56.399
 aber trotzdem ganz eine andere Geschichte erzählt.

1019
01:24:56.399 --> 01:25:00.199
 Sehr spannend, dass es mir jetzt so richtig bewusst geworden ist, was ihr da macht.

1020
01:25:01.460 --> 01:25:05.880
 Mit Blick auf die Uhr würde ich sagen, wir kommen zur letzten Frage.

1021
01:25:06.380 --> 01:25:06.960
 Bitte schön.

1022
01:25:07.779 --> 01:25:11.079
 Ja, erstmal vielen herzlichen Dank, sowohl für die dichten Beschreibungen,

1023
01:25:11.220 --> 01:25:18.020
 als auch für diese ganz tollen Bilder, die also tatsächlich diese Agri-Food-Studies zusammenfassen.

1024
01:25:18.020 --> 01:25:21.359
 Ich habe die ganze Zeit überlegt, was fehlt mir dabei?

1025
01:25:21.500 --> 01:25:25.260
 Und ich fand auch zuerst diese Sanduhr eine ganz tolle Bezeichnung.

1026
01:25:25.359 --> 01:25:32.439
 Und dann habe ich mir gedacht, aber wir haben auf den Bildern und in den Beschreibungen jetzt sehr wenig über Beschäftigte gesprochen.

1027
01:25:33.079 --> 01:25:40.340
 So, wir haben sozusagen Nahrungsmittelproduktion als etwas, was tierisch und von großen Maschinen gemacht wird.

1028
01:25:40.399 --> 01:25:44.699
 Wir haben aber bisher sehr wenig über die Beschäftigten in diesem System gesprochen.

1029
01:25:44.899 --> 01:25:45.260
 Klar sind es weniger, als es mal gewesen sind, vor allem in Westeuropa. Wir haben aber bisher sehr wenig über die Beschäftigten in diesem System gesprochen.

1030
01:25:48.819 --> 01:25:48.899
 Klar sind es weniger, als es mal gewesen sind, vor allem in Westeuropa.

1031
01:25:50.960 --> 01:25:51.359
 Global sieht es schon wieder ganz anders aus.

1032
01:25:55.619 --> 01:25:55.739
 Aber so ein bisschen meine abschließende Frage wäre, welche Rolle seht ihr,

1033
01:26:01.239 --> 01:26:01.600
 sehen Sie in der Rolle der Beschäftigten im Landwirtschaftsbereich oder wenn man es größer denkt,

1034
01:26:05.699 --> 01:26:05.840
 in der Nahrungsmittelproduktion hinsichtlich dieser Vorstellung,

1035
01:26:08.100 --> 01:26:09.119
 tatsächlich Nahrungswelten zu transformieren.

1036
01:26:09.720 --> 01:26:10.800
 Dankeschön.

1037
01:26:12.840 --> 01:26:12.920
 Wer möchte als erster darauf eingehen?

1038
01:26:13.659 --> 01:26:14.699
 Möchtest du beginnen?

1039
01:26:15.920 --> 01:26:15.960
 Eine ganz wesentliche.

1040
01:26:23.319 --> 01:26:23.380
 Wir haben ja schon gehört, dass dieses Dreieck der Nachhaltigkeit ja ein Punkt der Soziale und der Gerechtigkeit ist.

1041
01:26:26.659 --> 01:26:27.180
 Und das ist so meines Wissens auch, wo die EU schon sehr stark auch darauf pocht.

1042
01:26:32.600 --> 01:26:35.439
 Warum das jetzt in meiner Forschung nicht vorkommt, liegt einfach daran, dass ich aus der Designtheorie komme und dass ich sozusagen das Produkt untersuche.

1043
01:26:36.079 --> 01:26:40.739
 Und daher ist immer das Produkt im Zentrum, weil er für mich das Objekt, das Designobjekt ist.

1044
01:26:41.319 --> 01:26:45.460
 Ein zweiter Punkt ist auch der, dass es mit menschen ich habe sehr große hemmungen

1045
01:26:45.460 --> 01:26:52.760
 menschen zu fotografieren weil ich das immer irgendwie so sozial pornografisch auch befinde

1046
01:26:52.760 --> 01:26:56.380
 also es ist auch wenn wir unsere aktionen oder so fotografieren sie haben auch gesehen zu spürt

1047
01:26:56.380 --> 01:27:08.100
 diesem foto von der aktion im supermarkt sind keine leute drauf weil ich das immer irgendwie entlarv, also ich möchte die Menschen nicht darstellen.

1048
01:27:08.100 --> 01:27:21.340
 Nein, ich habe jetzt gemeint bei den Performances werden sie nicht gezeigt,

1049
01:27:21.340 --> 01:27:26.819
 ja. Aber weil ich mich nicht mit dem Thema Mensch beschaffe,

1050
01:27:26.979 --> 01:27:29.720
 sondern nur mit dem, wie gestaltet der Mensch.

1051
01:27:30.220 --> 01:27:31.760
 Das ist einfach der Fokus.

1052
01:27:33.619 --> 01:27:36.119
 Danke für den Hinweis auf die Arbeitskräfte.

1053
01:27:36.579 --> 01:27:40.979
 Das wäre wirklich peinlich,

1054
01:27:41.140 --> 01:27:44.159
 wenn wir da jetzt eineinhalb Stunden über Agrar- und Ernährungssystem reden

1055
01:27:44.159 --> 01:27:45.500
 und nicht über die Beschäftigten.

1056
01:27:45.920 --> 01:27:48.859
 Die sind nämlich auch so ein Aspekt, der häufig ausgeblendet wird.

1057
01:27:49.020 --> 01:27:57.899
 So wie diese Key Players, diese großen transnationalen Konzerne und auch die Staaten werden auch die Beschäftigten oft, bleiben die verborgen.

1058
01:27:58.359 --> 01:28:02.779
 Da muss man eben dann genau hinschauen und in die Schlachthöfe zum Beispiel reinschauen,

1059
01:28:02.779 --> 01:28:09.539
 wo man dann sieht, welche Rolle hier migrantische Arbeit, Frauenarbeit, niedrig bezahlte Arbeit spielt.

1060
01:28:09.539 --> 01:28:13.579
 Aber es ist eben auch immer sehr, sehr differenziert.

1061
01:28:13.739 --> 01:28:18.000
 Es gibt Bereiche wie die Schlachthöfe, wo manuelle Arbeit nach wie vor eine wichtige

1062
01:28:18.000 --> 01:28:18.640
 Rolle spielt.

1063
01:28:18.939 --> 01:28:24.539
 Wenn man hingegen schaut auf diesen Sojafarms, da findest du außer einigen wenigen Beschäftigten,

1064
01:28:25.140 --> 01:28:25.319
 die diese Maschinen bedienen, keine Landarbeitskräfte mehr. diesen Soja-Farms, da findest du außer einigen wenigen Beschäftigten,

1065
01:28:29.039 --> 01:28:29.399
 die diese Maschinen bedienen, keine Landarbeitskräfte mehr.

1066
01:28:34.000 --> 01:28:37.140
 Also Soja ist quasi ein Jobkiller, der die Arbeitskräfte rausdrängt und die gehen dann entweder in die Städte, in die Abendviertel

1067
01:28:37.140 --> 01:28:42.600
 oder gehen in arbeitsintensive Bereiche wie die Zuckerrohrproduktion,

1068
01:28:42.600 --> 01:28:48.680
 wo dann auch heutzutage noch sklavenähnliche Zustände herrschen, in Brasilien zum Beispiel.

1069
01:28:50.060 --> 01:28:57.100
 Ja, also Beschäftigte ist ein wichtiger Aspekt, der an verschiedenen Stellen in unserem Buch auch zur Geltung kommt.

1070
01:28:58.340 --> 01:29:00.460
 Aber visuell tatsächlich ein Problem, muss ich sagen.

1071
01:29:00.659 --> 01:29:05.840
 Also jetzt abgesehen davon, dass mein Fokus nicht darauf liegt, es ist tatsächlich schwer, Menschen

1072
01:29:05.840 --> 01:29:08.060
 darzustellen, ohne

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01:29:08.060 --> 01:29:09.380
 sie in die Auslage zu stellen.

1074
01:29:09.500 --> 01:29:12.720
 Es wäre eine eigene

1075
01:29:12.720 --> 01:29:13.739
 Kunstrichtung.

1076
01:29:14.079 --> 01:29:15.300
 Es gibt sie auch.

1077
01:29:16.399 --> 01:29:17.779
 Du hast ja auch gefragt,

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01:29:18.279 --> 01:29:19.779
 welche Rolle das Thema

1079
01:29:19.779 --> 01:29:21.920
 Arbeitskräfte für eine

1080
01:29:21.920 --> 01:29:24.060
 sozial-ökologische Transformation spielt.

1081
01:29:24.060 --> 01:29:29.000
 Also wenn die Transformation geht sozusagen von dieser industrialisierten Landwirtschaft

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01:29:29.000 --> 01:29:34.340
 in Richtung einer ökologischeren, dann heißt das, dass auch wieder mehr,

1083
01:29:34.859 --> 01:29:39.359
 also weniger in dem Maß, in dem man sozusagen die Technik reduziert,

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01:29:39.359 --> 01:29:42.359
 braucht man dann auch wieder ein Mehr an Arbeitskraft.

1085
01:29:42.800 --> 01:29:48.420
 Also einen Acker konventionell die Unkrautbekämpfung zu machen,

1086
01:29:48.500 --> 01:29:54.359
 da braucht es eine Person, die mit dem Giftfassl darüber fährt und das ausspritzt.

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01:29:55.260 --> 01:30:01.800
 Hingegen einen Acker nach den Regeln der biologischen Landwirtschaft vom Unkraut freizuhalten,

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01:30:01.800 --> 01:30:07.020
 da braucht man viele fleißige Hände, die das auszupfen oder mit der Haue dann eben entfernen.

1089
01:30:07.439 --> 01:30:14.979
 Also so eine Transformation würde tatsächlich den Stellenwert auch von Landarbeit wieder höher machen,

1090
01:30:15.159 --> 01:30:18.840
 als er momentan ist in der industrialisierten Agrar- und Ernährungswirtschaft.

1091
01:30:20.619 --> 01:30:24.579
 Dankeschön. Es tut mir jetzt richtig leid, dass es schon 21 Uhr ist.

1092
01:30:24.579 --> 01:30:41.340
 Es ist so ein spannendes Thema, eine spannende Diskussion, die wir hier haben. Wir sehen, da steckt so viel drin in diesen zwei Wörtern, Nahrungswelten transformieren und da tut sich eine ganze Welt auf, die wirklich interessant ist.

1093
01:30:41.340 --> 01:30:42.699
 wirklich interessant ist.

1094
01:30:44.300 --> 01:30:44.460
 Ich würde trotzdem sagen,

1095
01:30:46.020 --> 01:30:47.619
 für heute machen wir mal offiziell Schluss hier.

1096
01:30:48.439 --> 01:30:50.039
 Ihr beide werdet ja noch da sein, wenn

1097
01:30:50.039 --> 01:30:51.159
 Sie noch Zeit haben.

1098
01:30:51.920 --> 01:30:52.979
 Herzliche Einladung,

1099
01:30:53.880 --> 01:30:55.859
 uns dann zu joinen an

1100
01:30:55.859 --> 01:30:57.880
 der Bar und die Gespräche weiter

1101
01:30:57.880 --> 01:31:00.560
 zu führen. Was ich so mitnehme,

1102
01:31:00.560 --> 01:31:02.300
 um da auch bei

1103
01:31:02.300 --> 01:31:03.779
 allen Problematiken,

1104
01:31:04.340 --> 01:31:05.800
 ich mag dann immer gerne auch mit einer

1105
01:31:05.800 --> 01:31:07.819
 gewissen Zuversicht rausgehen, weil

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01:31:07.819 --> 01:31:09.979
 die hilft, dass wir wirklich was verändern

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01:31:09.979 --> 01:31:12.000
 können. Wenn wir uns nur in den Problemen

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01:31:12.000 --> 01:31:13.479
 vergraben, dann gelingt uns das nicht.

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01:31:13.979 --> 01:31:15.920
 Und ich höre schon, es gibt

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01:31:15.920 --> 01:31:18.100
 Nischen und aus diesen

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01:31:18.100 --> 01:31:19.399
 Nischen kann in

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01:31:19.399 --> 01:31:21.899
 bestimmten Zeitfenstern eine

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01:31:21.899 --> 01:31:23.800
 Veränderung entstehen und diese Nischen

1114
01:31:23.800 --> 01:31:27.760
 gibt es. Und es liegt auch an uns, diese Nischen zu stärken.

1115
01:31:27.819 --> 01:31:30.060
 Da können wir schon was tun, auch als Einzelner.

1116
01:31:31.460 --> 01:31:34.039
 Und so gesehen ist Nahrung politisch.

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01:31:34.039 --> 01:31:38.399
 Und ist das, wie wir umgehen, wenn wir damit bewusst umgehen und uns das klar ist,

1118
01:31:38.899 --> 01:31:40.640
 dann haben wir schon was erreicht.

1119
01:31:41.060 --> 01:31:46.619
 Und trotz allem finde ich, es soll Ernährung oder ist auch sehr was Lustvolles.

1120
01:31:46.880 --> 01:31:47.220
 Es ist

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01:31:47.220 --> 01:31:50.060
 gutes Essen mit feinen,

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01:31:50.199 --> 01:31:52.220
 also mit guten Lebensmitteln,

1123
01:31:52.420 --> 01:31:53.779
 Nahrung zuzubereiten,

1124
01:31:53.899 --> 01:31:55.880
 gemeinsam zu essen, das ist einfach

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01:31:55.880 --> 01:31:57.960
 ganz, ganz was Wunderschönes. Also da haben

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01:31:57.960 --> 01:31:59.359
 wir diese Rahmung

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01:31:59.359 --> 01:32:01.659
 der Nahrung ganz, ganz anders als

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01:32:01.659 --> 01:32:03.939
 Ware und das will ich auch

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01:32:03.939 --> 01:32:07.840
 noch mitgeben. Also auch diesen, ja, wie schön es ist, was wir da haben

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01:32:07.840 --> 01:32:09.920
 und was wir damit machen können.

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01:32:09.920 --> 01:32:14.600
 Damit bedanke ich mich bei Ihnen allen, aber vor allem bei euch beiden

1132
01:32:14.600 --> 01:32:16.880
 für diesen sehr, sehr spannenden Abend.

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01:32:16.880 --> 01:32:18.600
 Herzlichen Dank.

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01:32:18.600 --> 00:00:00.000
 Dankeschön. Applaus

