Wir füttern die Künstliche Intelligenz (KI) mit unseren intimsten Daten. Wir lassen sie unsere Gesichter scannen und verlassen uns in der Medizin auf ihr Urteil. Gleichzeitig besteht ein altes Misstrauen, genährt von Science-Fiction-Fantasien über Maschinen, die den Menschen überlisten. Doch können – oder sollen – wir künstlicher Intelligenz überhaupt vertrauen? Und ist Vertrauen in KI wirklich eine gute Entscheidung? Mit diesen Fragen eröffnete Dr. René Riedl, Leiter des Masterstudiengangs Digital Business Management an der JKU Linz und der FH Oberösterreich, am 9. Februar 2026 seinen Vortrag im Linzer Kepler Salon. 

Ob wir einem Gegenüber vertrauen, entscheiden wir oft instinktiv. Riedl, der sowohl in der Wirtschaftsinformatik als auch in den Neurowissenschaften forscht, verweist auf ein faszinierendes Phänomen: Unser Gehirn braucht gerade einmal 100 Millisekunden, um ein Urteil zu fällen. Je menschlicher eine KI auftritt – etwa in Form eines Avatars –, desto schneller schenken wir ihr Vertrauen.  

Doch wie sehr wir Künstlicher Intelligenz vertrauen, hängt laut Riedl eng damit zusammen, wie viel Vertrauen Menschen generell zueinander haben. Genau hier zeigen sich international große Unterschiede: Wo gesellschaftliches Grundvertrauen niedrig ist, wie in Albanien, wird KI zum Hoffnungsträger – im Herbst 2025 ernannte das Land mit „Diella“ sogar erstmals eine KI-Ministerin. Riedl spricht hier von einem „Substitutionseffekt“: Wo Menschen einander wenig vertrauen, übernehmen technische Systeme die Rolle vermeintlich neutraler Entscheidungsinstanzen. In Skandinavien hingegen, wo zwischenmenschliches Vertrauen besonders hoch ist, ist die Skepsis gegenüber KI deutlich größer. 

KI-Diagnosen sind zuverlässig, wenn Mensch und Maschine zusammenarbeiten 

Wie komplex dieses Verhältnis ist, zeigt sich besonders in der Medizin. Studien belegen, dass KI-Systeme bei der Auswertung von Röntgenbildern inzwischen mindestens so gute Ergebnisse erzielen wie erfahrene Radiolog*innen. Am zuverlässigsten sind Diagnosen jedoch dann, wenn Mensch und Maschine zusammenarbeiten. Trotzdem reagieren viele Ärzt*innen zurückhaltend auf den Einsatz von KI, und auch Patient*innen nehmen Ärzte, die KI verwenden, teilweise als weniger kompetent wahr – obwohl die Ergebnisse objektiv besser sein können. 

Ganz ohne Risiko ist KI aber nicht: Generative KI kann überzeugende, aber falsche Antworten liefern. Nur menschliches Wissen und kritisches Denken kann diese Fehler erkennen. Vertrauen in KI ist daher keine einfache Entscheidung, sondern vor allem eine Frage der Kompetenz im Umgang mit neuen Technologien. Zugleich warnte Riedl davor, dass übermäßige KI-Nutzung dazu führen könne, dass Menschen „denkfaul“ werden.  

Vertrauen in KI bedeutet daher nicht bedingungsloses Akzeptieren, sondern zu lernen, wann und in welchen Situationen man ihr vertrauen kann. René Riedl ist überzeugt: „Diejenigen, die KI richtig einsetzen, werden signifikant erfolgreicher sein als die, die KI verweigern.“

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Verfasst von Rijalda Licina-Besic am 25.02.2026