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Perg liest

von ORTWIN TEIBERT / am 22.05.2017

eine Szenische Lesung

Promotheus

Ein Beitrag von Ortwin Teibert

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Dieses Video wurde seit April 2014 (Relaunch Webseite) insgesamt 15 Mal an folgenden Terminen gesendet:
Mittwoch, Juni 7, 2017 - 23:41
Mittwoch, Juni 7, 2017 - 21:29
Mittwoch, Juni 7, 2017 - 18:34
Mittwoch, Juni 7, 2017 - 10:06
Mittwoch, Juni 7, 2017 - 02:40
Dienstag, Juni 6, 2017 - 16:41
Dienstag, Juni 6, 2017 - 09:38
Dienstag, Juni 6, 2017 - 04:25
Montag, Juni 5, 2017 - 23:14
Montag, Juni 5, 2017 - 16:02

Seiten

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Der Versuch einer wertschätzenden Reflexion

Thema und Anlass: Eine szenische Lesung des Literaturkreises Promotheus unter dem Titel "Wie funktioniert der Literaturbetrieb"

Wen interessiert das?
Mein Interesse gilt der Literatur.
Der Betrieb, das Treiben dahinter interessiert: die Seitenblicke - da nur dasjenige, was hinter zumindest „Promi-nenten" herauszuholen ist.

Sandra Kranzl als Repräsentantin der Stadt Perg gibt bei der Einleitung ihr Bestes - und scheitert - an dem vorgegeben Text mit seinen sperrigen Formulierungen voller Überansprüche und belehrend-entleerender Ankündigungen. Es wirft sie buchstäblich aus der Bahn - sie gerät ins stot-tot -tottern, beim Versuch zu rezitieren, was da geschrieben steht von der Suche nach der Wahrheit - in und hinter diesem [verfehltem] Thema. Es ginge Einem darum, die Wahrheit zu finden, so als gebe es die Wahrheit - reicht es nicht nach der Wirklichkeit, seiner ganz persönlichen, konstruierten Wirklichkeit zu suchen, diese zu formulieren, in eine Sprachwirklichkeit gekleidet, jene dann mit dem Publikum, mit den Menschen [da unten?] zu teilen.
Jedoch, bei allem Risiko einen gegebenenfalls nicht vorhandenen Teilbarkeit - ohne Vorankündigung bitte, was und wie und warum das so sein wird und als solches von der geduldigen Zuhörerschaft gedeutet werden soll!
Ach ja, es wurde auch eine Bestätigung angekündigt, für die bestehende Weltverschwörung gegen die Schreibende Zunft - und dann Drittens - und hier sind wir wohl bei der verständlichsten Erklärung, wenn sie sagt: „ Es geht Einem [Allen?] schlicht und einfach nur darum, dem Drang, und der Sucht nach Anerkennung nachzugeben.
Wird da vielleicht ein therapeutischer Heilungsprozess angestrebt und welche Rolle sollte das [arme] Publikum dabei erfüllen?

Und weiter geht es in der Einführung zu diesem Stück mit Erklärungen: Warum es für einen Autor so schwer ist zu reüssieren. [Also nicht nur Sucht nach Anerkennung sondern auch die Sucht nach Erfolg]
Selbst das spärlich erschienene Publikum muss sich noch die Frage gefallen lassen, ob es nicht selbst die schuld zu tragen habe, ob der konstatierten Anspruchslosigkeit und deren „Einfach-Gestricktheit“.
Dann - Gott sei Dank zu deren Entlastung auch ein Gedanke der Selbstkritik und ein Nachdenken über vielleicht schlechte Texte und nicht zu Ende gedachte Plots.
Genug der fremden Fremdwörter jener Ein - und Irre-Führung in dieser Be-und Entleerungs-Phase dem armen Publikum gegenüber.
Der Literaturkreis Promotheus bringt Fremdwörter ans Tageslicht und auch während der Lesung ständig "Mundart" die das Prädikat Mund"Art" nicht einmal verdient, weil keine Wort-Kunst sondern flache und sogar unverständlich vorgetragene Umgangs und Alltagssprache.....ist das im Sinne seiner Ausrichtung?
Nach neuerlichen Erklärungen, was denn eine szenische Lesung ist und folglich sein wird, gibt es sogar eine Hausaufgabe an das Publikum. Es soll herausfinden, wo denn die Textpassagen der "bekannteren" Autor [Innen?] zu finden sind.
Spätestens hier - ausreichend be-lehrt und ent-leert, wäre ich vermutlich innerlich nach Hause gegangen. Aber hier, vor dem Bildschirm kann ich mir eine Pause erlauben, ohne Gefahr zu laufen - ob meinem Bedürfnis nach einer Erholungs- und Verdauungsphase nicht noch ein Riegel vorgeschoben oder eine erneute Beschimpfung nachgereicht wird.

Eine Stunde später: Ich habe mir nun einiges von der Seele geschrieben und weil ich die Menschen kenne, auch weil ich versuche sie zu lieben, lasse ich mich weiter auf das ein, was da noch kommen mag.
Doch der Auftritt ist nicht zu fassen, weder Wort-noch-Sinn-erfassend schwappt es daher – ein Tohuwabohu, ohne Kontakt mit dem Publikum. „Braucht ihr mich noch“, frage ich mich, „seit ihr schon geheilt oder rettungslos verloren?“ Ich bleibe trotzdem und werde erneut von den Aufgetretenen belehrt und aufgeklärt darüber, was da noch alles auf mich zukommen wird.
Ich schaffe es trotzdem weiter bis zur Mitte dieses Stückes, bis ich wieder von der Quotenfrau direkt angesprochen werde: "Sie sind ja heute hergekommen, weil sie sich die ultimative Frage gestellt haben, ob und wie der Literaturbetrieb funktioniert.“ Und sie verspricht auch hier wieder die Antwort dafür zu geben, eine Antwort die durch sie und alle Mitwirkenden längst gegeben wurde. Eine klare Antwort die da lautet.
"So nicht!"
Das meint mit allem Respekt und aller Hilflosigkeit: Euer Bruno

Ich bin einer der Mitwirkenden. Wir haben das Stück in Perg zum zweiten Mal aufführen dürfen, nachdem es Sandra Kranzl in der Zuckerfabrik in Enns gesehen hat. Wir dürfen es wieder aufführen und werden es erneut anpassen. Ich und wir sind durchaus selbstkritisch und ich kann die Kritik von Bruno, die er auf dieser Seite manifestieren wollte [anstatt das persönliche Gespräch zu suchen], mit Abstrichen nachvollziehen:
- Ja, sage ich, auf das Publikum muss noch stärker Rücksicht genommen werden;
- Ich stimme auch zu: Es wird zuviel erklärt

Wir redigieren, ergänzen, streichen, proben und führen es erneut auf, dieses "Stück" - nicht wegen Brunos Kritik, die ich erst jetzt, zwei Tage vor dem nächsten Termin gelesen habe.

Zwei Versuche in dieser Kritik sind jedoch kläglich gescheitert: Der Versuch, respektvoll zu sein und der Versuch, die, die er da zu kennen meint, zu lieben. Mit Respekt gegenüber Menschen, die man zu kennen glaubt, hätte Bruno auf so manches wertende Adjektiv verzichten können, mit Respekt hätte er zumindest noch weiter hineingehört, ob denn nach der Halbzeit noch etwas anderes, gar besseres zu erwarten wäre. Aber das alles stört mich nicht so sehr, da es doch letztlich mehr über Bruno sagt, als über das Stück selbst.

Und außerdem ist mir bewusst:
Wer auf die Bühne tritt setzt sich aus, wird gelobt oder wird kritisiert. Er und sie erhalten anerkennende Worte, konstruktive Ratschläge oder abwertende Meinungen. Mea culpa, wenn ich es dennoch wage. Es wage, weil es mir Freude macht; es wage, weil ich diese Freude mit Freunden teilen kann. Gescheitert wäre ich, wären wir, würden wir es nach diesen Versuchen nicht noch einmal probieren; gescheitert wären wir, würden wir uns nicht weiter entwickeln wollen.

Ärgerlich finde ich diese "Stellvertreter"-Kritik über die Moderatorin zu führen, über eine, die sich dafür einsetzt, dass auch SchriftstellerInnen eine Bühne bekommen, die weniger bekannte Namen tragen, KünstlerInnen, die nicht von vorneherein hohe Quoten versprechen. Diese Frau zu kritisieren, das empfinde ich als respekt- und lieblos gegenüber der Veranstalterin (Stadt Perg) und ihrer Vertreterin aus dem Arbeitskreis PERGliest. Dafür würde sich einer schämen, der - zumindest im geringen Maße - zu Empathie fähig wäre. Verurteile die auf der Bühne, Bruno, wegen der Wortwahl, der schlechten Artikulation, eines anderen Kunstverständnisses, als du es hast und weswegen sonst auch immer. Aber verurteile nicht die, die es ermöglicht haben, das wir auftreten; machst dir gar einen Spaß ["stott-tot-tottern"] daraus, weil sich jemand verhaspelt beim Reden. --- Gut, es könnte hier einer seine Schutzhand erheben und entgegnen: Die Veranstalter tragen auch Verantwortung für das, was sie dem Publikum anbieten. Das schon, aber dann blieben die Bühnen für viele Unbekannte verschlossen.

Uns milder gesinnte KritikerInnen, jene die live dabei waren, die aus Liebe und/oder aus Respekt gegenüber den Akteuren oder der Veranstalterin bis zum Schluss ausharrten, meinten nach der Veranstaltung und in persönlichen Gesprächen: Unser Programm habe sich zum Schluss hin immer mehr gesteigert, der Aufbau war gut so und der Höhepunkt wäre eben der abschließende Punkt darin gewesen. Wir arbeiten weiter daran, weil es uns Freude bereitet - und so lange wir eine Bühne finden, werden wir es auch aufführen. Der Eintritt ist (noch) frei.