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Fotos_Kriegszeit2

Created at 21. Sep. 2026

329 Ansichten
by Kronschläger Heinrich

 

Mein Vater Heinrich, geboren 1914, war 11 1/2 Jahre im Krieg und Kriegsgefangenschaft.
Er brachte vom Krieg viele Fotos von seinen Kriegskameraden heim. Diese Fotos sind keine
Hochglanz-Propagandafotos, sondern wurden alle privat aufgenommen.
Viele Vorgesetzte hatten einen Fotoapparat mit und machten Aufnahmen. Diese liessen die Filme
entwickeln und seine Kameraden bestellten dann die Abzüge bei ihm zum Selbstkostenpreis.
Wenn mein Vater stirbt, sind alle Erinnerungen zu den vielen Fotos verloren, unwiederbringlich.
Meine Motivation war daher, seine Erinnerungen zu den vielen Fotos fest zu halten.
Ich baute einen Bohrständer um, montierte die Filmkamera darauf und konnte dadurch mit
dem Zoom den Bildausschnitt bestimmen und mich frei im Foto bewegen. Das Foto wurde
damit zum Film. Mein Vater konnte am großen Monitor mitsehen und erzählen.
Später gab er mir sogar Regieanweisungen "Etwas nach Links, da müßte dann der ..... kommen".
Ich nahm Bild und Ton synchron auf und hielt damit die Erinnerungen zu den Fotos fest, auch
für die nächste Generation.
Mein Vater war sehr beeindruckt, Ausschnitte der kleinen Fotos so groß und scharf am Monitor
betrachten zu können, seine Erinnerungen wurden wieder wach und er erzählte.
Zwei Jahre später starb er.

                                                                                                            Heinrich,
                                                                                                            Dokumentator
 

Erklärung für dorfTV Kriegsfotos                                                   Kaffring, 2018/2026   V2.0

Ich möchte zum obigem Thema folgende Erklärung abgeben:
Mein Vater Heinrich, geb. 1914, ist in ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen. Sie waren 
11 Kinder. Sein Vater starb 1919 an den Kriegsfolgen des 1. Weltkrieges. Er wurde immer mehr gelähmt,
wurde ein Pflegefall, konnte nicht mehr gehen, konnte nichts mehr schlucken und verhungerte im 48. Lebensjahr.
In seinem Totenschein steht bei Todesursache "Austrocknung des Rückenmarks". 
Nach seinem Tod war längere Zeit eine seltsame Lichterscheinung in der Nähe seines Elternhauses zu sehen. 
Der Pfarrer wurde um Rat gefragt, er konnte es auch nicht erklären. 
Erst als seine Witwe eine Messe zahlte, hörte diese Geisterscheinung "Eine arme Seele" auf.

Die Jugendlichen konnten damals nur zu den Bauern als Dirnen und Knechte arbeiten gehen.
Er lernte in dieser kargen Umgebung von seinem Bruder Hans wunderbar zu zeichnen, andere Geschwister lernten Zither oder gar vierstimmig die alten Lieder zu singen.
1. Mein Vater war 1938 zweiter Knecht bei einem Bauern im Innviertel - er hatte  keine Zukunft und nur die Aussicht, im Alter oder Invalidität als Bettler von Hof zu Hof zu ziehen.
Mein Onkel Hermann beschreibt in einem Brief an mich ausführlich die Situation dieser Leute. Zum Bauernhof 
seiner Eltern kamen täglich Leute und bettelten um ein Essen und Quartier um Gottes Lohn. 
Einige starben an Schwäche oder verhungerten.
2. Er meldete sich nach dem Einmarsch Hitlers im März 1938 freiwillig zur dt. Polizei - wie einige seiner Freunde auch. 
Nach der Aufnahmeprüfung kam er sofort nach Berlin zur Feldherrnhalle, erhielt eine Kampfausbildung und war bei der Luftwaffe (Fliegerausweis).
3. Mein Vater konnte, wie auch seine Brüder, die Zeichen der Zeit sehen und wußte, 
dass bald Krieg kommen wird.
4. Mein Vater und seine 4 Brüder waren keine Nazis und mußten alle einrücken.
Seine zwei Brüder Hans und Hiasl sind in Russland gefallen, Karl wurde schwer am Fuß verwundet. 
In der kleinen Pfarre Natternbach starben 111 junge Männer, 80 werden vermisst.
5. Sie waren keine Kriegsdienstverweigerer wie der Innviertler Messner Jägerstätter.
6. Mein Vater war Soldat im Zweiten Weltkrieg, Feldpostnummer 19240/B. Er wurde zum Unteroffizier 
der dt. Wehrmacht befördert und sogar mit der Infanterie-Sturmmedaille, dem Verwundeten-Abzeichen und dem "Eisernen Kreuz 2. Klasse" ausgezeichnet. 
Ein Aufstieg vom Bauernknecht zum Unteroffizier der dt. Wehrmacht.
Er war bei einer Spezialeinheit und sie wurden öfter mit der JU-52 zum Einsatz geflogen.
März 1939: Besetzung der CSSR und Einmarsch in Prag.
1. Sept.1939: Überfall auf Polen und Beginn des 2. Weltkrieges.  Mein Vater war "immer ganz vorne dabei", 
wie es seine Brüder in Feldpostbriefen formulierten.
1940: Krieg gegen Frankreich und große Siegesparade. Auszeichnung im Buch.
1942: Krieg gegen Sowjetrussland, die Belagerung von Leningrad (1000 Tage lang).
Natürlich war Heinrich an der Front an vielen Kämpfen beteiligt, haben russische Partisanen ausgeräuchert, 
viele Dörfer auf Befehl angezündet (erzählt er auch im Film zu den Fotos).
7. Einer seiner Vorgesetzten erschoss französische Kriegsgefangene, ein anderer war ein Russenhasser
und erschoss sie alle (erzählt er auch zu den Fotos im Film).
Feb. 1945: Er gerät in russische Kriegsgefangenschaft. Das Lager  U.d.S.S.R.  7445/2 war
mit elektrisch geladenem Stacheldraht und Hunden gesichert.
Die Kriegsgefangenen mussten sechs Tage in der Woche aus Zügen schwere Holzstämme entladen und stapeln. 
Durch die anstrengende Arbeit und dem viel zuwenig und schlechtem Essen wog er nur mehr 50 kg. 
Einige seiner Kameraden starben. Bei Verstößen straften die Russen  hart und schlugen auch mit dem Gewehrkolben zu.
8. Er überlebte 4 1/2 Jahre härteste russische Kriegsgefangenschaft, galt die ersten drei Jahre als vermisst und war im Juni 1949 der letzte Heimkehrer der Pfarre Natternbach.
9. Seine Einheit als Gesamtes war nicht an organisierten Kriegsverbrechen beteiligt,
einzelne Vorgesetzte schon.
10. Mein Vater war kein Kriegsverbrecher und wurde auch nicht nach den Nürnberger Gesetzen angeklagt.

Auszug aus dem Ehevertrag meiner Eltern - Notariatsakt von 1953:

..........

Fünftens: Heinrich Kronschläger erklärt an Eidesstatt, dass er nicht

zu den im §17, Absatz 2 und 3, des Verbotsgesetzes 1947 aufge-

zählten Personen gehört. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

(1947 Die Nürnberger Prozesse der Alliierten zur Anklage an Personen wegen schwerer Kriegsverbrechen beginnen.
Die Ehe wäre sonst von seinem Schwiegervater ungültig erklärt worden)
.............

11. Er war vom Krieg und Gefangenschaft traumatisiert, hatte auch Albträume.
Auch ich als Kind erlebte noch diese Zeit und sie prägt mich bis heute. 
Die moderne Wissenschaft Epigenetik bestätigt diese Erfahrung. Diese traumatischen Erlebnisse werden 
über die Gene an die nächste Generation weitergegeben. "Es springt auf die nächste Generation über."
12. Es gab damals keine Möglichkeit, diese Erlebnisse irgendwie aufzuarbeiten. Es gab keinerlei Therapie 
oder sonstige unterstützende Hilfe vom Staat.
Wer dies nicht selber erlebt hat, mit dem konnte man auch nicht darüber reden.
Sein Kriegskamerad, Herr Schöberl aus Zell an der Pram, besuchte Heinrich öfter und die
beiden redeten über traumatische Kriegserlebnisse. Beide waren geprägt davon.
13. Mein Vater hat 11 1/2 Jahre seiner aktivsten Lebenszeit im Krieg und Gefangenschaft verbracht 
und es gelang ihm trotzdem, später ein "normales" Familienleben als Vater von 
sieben Kindern zu führen. Natürlich war er die ersten Jahre gewalttätig und schlug sofort zu 
(siehe auch meinen Bruder Schmuck Hans).
14. Ich,  Kronschläger Heinrich, geb. 1954,  bin kein Nazi.
15. In meinem Archiv befinden sich viele NS-Gegenstände (keine Waffen) wie Original-Hackenkreuzarmbinden, Orden zB. Verwundetenabzeichen, Ostmedaille, Sturmabzeichen, Eiserne Kreuz, .., Bücher frühe Ausgaben von  "Mein Kampf", "Hermann Göring Werk und Mensch",...,NS-Zeitschriften, Bauernkalender, viele Feldpostbriefe und Karten, Landkarten, ein Holzkoffer aus der U.d.S.S.R. 
Gefangenschaft im Lager 7445/2, 
eine sandfarbige Uniform vom Afrikakrieg meines Onkel Gustl Franz, Rot-Kreuz Suchmeldungen, 
Bücher über den Polenfeldzug, ...
16. Ich bin auch bereit, dieses Material anderen friedensfördernden Organisationen zugänglich zu machen.
Ende der Erklärung.

Ing. Kronschläger Heinrich
Kaffring Nr. 11
4144 Oberkappel

(eof)

 

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