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Nicolaus A. Huber - Herbstfestival

von DORFbrunnen / am 06.02.2019

Nicolaus A. Huber - Herbstfestival (1988) ...und selten lärmet
Der Schall durchs offene Feld...
die Lüfte wehen
Die Zweig und Äste durch... Friedrich Hölderlin „Der Herbst“
Eine insistierende herbstliche Landschaft. Ausgangspunkt für „Herbstfestival“.
Es war schwer, in die rhythmischen Verwebungen der äusserst leisen Ereignisse einzudringen, vor allem eines davon als Anfang zu bestimmen. Ich versuchte mit der Stoppuhr künstliche Zeitausschnitte zu markieren, um die enthaltene Polyphonie besser studieren zu können. Aber Struktur und Erlebnisart dieser Herbstklänge deckten sich überhaupt nicht mit meinen kompositorischen Wiedergabebedürfnissen. Die auf mich zukommende Klangnatur musste in eine Musiklandschaft von Fellen, Hölzern, Metallen und klangerzeugenden Bewegungen transformiert werden. Das Stück ist wie ein Gedicht in Zeilen aufgegliedert. Die Zeilenketten sind so angelegt, dass trotz logischer Folge der Farbsets sozusagen ins Unübersichtliche gezählt wird. Aufgrund der Nichtproportionalität von Zeilenlänge und Ereignisdichte pro Zeile entsteht aus der sich steigernden Pressung eine polyphone Ineinanderschiebung, die sich auf Ihrem Höhepunkt zugleich aus Poly- in Monochromie gewandelt hat. Aus solcher Fluidität wächst die 19minütige Crescendostruktur der Komposition. Sie lässt Entfernung in eigenartig erlebbare Musik-Nähe umschlagen. Die Komposition verzichtet auf aufrüttelnde Reklame für ihre Klangerlebnisse, sie braucht offenes, entspannt-aufmerksames, zulassendes Hören.

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Nicolaus A. Huber absolvierte von 1958 bis 1962 ein Studium der Schulmusik mit Hauptfach Klavier in München. Noch während seines Referendariats begann er mit dem Kompositionsstudium zunächst bei Franz Xaver Lehner, das er später bei Günter Bialas fortführte. Wichtig waren in dieser Zeit auch die Arbeit mit Josef Anton Riedl im elektronischen Studio München und ein Kompositionskurs bei Karlheinz Stockhausen in Darmstadt. Nachhaltig geprägt aber haben Huber die Kompositionsstudien bei Luigi Nono in Venedig 1967/68. Die Uraufführung des Streichquartetts „Informationen über die Töne e-f“ beim ersten Allgemeinen Deutschen Musikfest 1967 in München verschafften Huber erste Beachtung in der Öffentlichkeit. Auf Einladung der Folkwang-Hochschule führte Hubers Weg 1969 nach Essen - als Dozent für Musiktheorie und Analyse. 1971 war er Stipendiat der Cité Internationale des Arts in Paris, von 1971 bis 1974 Vizepräsident der Gesellschaft für Neue Musik. 1974 wurde er zum Professor für Komposition an der Folkwang-Hochschule berufen. 1975 bis 1978 schloss er sich der politisch orientierten Revue-Theatergruppe „Dampfmaschine“ an, für die er die Musik schrieb. Mit ihr unternahm er Tourneen durch die Bundesrepublik mit Auftritten bei Großveranstaltungen, in Kneipen und Zelten. Parallel komponierte er Solo- und Orchesterkompositionen. Aus Furcht vor Politisch-Brisantem reagierten Konzertveranstalter und Rundfunkhäuser lange Zeit zurückhaltend. 1981 geriet das Orchesterwerk „Morgenlied“ unter dem Dirigenten Hans Zender in Saarbrücken zu einem überraschenden Erfolg, der den Anstoß lieferte zu zahlreichen Produktionen und Kompositionsaufträgen. Seit 1992 ist er Mitglied der Akademien der Künste Berlin und Leipzig. Er lebt in Essen.

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Das Schlagquartett Köln gab sein Debüt bei den Wittener Tagen für Neue Kammermusik 1989. Sein ebenso vielseitig wie experimentierfreudig angelegtes Repertoire umfasst weite Bereiche der komponierten Schlagzeugmusik dieses und des vergangenen Jahrhunderts. Zahlreiche Konzerte, Rundfunkproduktionen und Uraufführungen von C.Bauckholt, E.Denissow, B.Furrer, N.A.Huber, W.Rihm, D.Schnebel, S.Sciarrino, G.Stäbler, V.Staub, C.J.Walter, Th.Witzmann und vielen anderen dokumentieren die nunmehr seit zwanzig Jahren andauernde kontinuierliche Arbeit für diese spezielle Besetzung. In enger Zusammenarbeit mit der jüngeren Komponistengeneration schaffen die Musiker des Schlagquartett Köln vielfach Raum für die detaillierte Lösung kompositorischer Aufgabenstellung durch die Entwicklung innovativer Spieltechniken oder den Bau spezieller Klangerzeuger. Neben ihrer Ensembletätigkeit konzertieren die einzelnen Mitglieder als Solisten und sind bei renommierten Orchestern und Kammerensembles engagiert, darunter Ensemble Modern, Klangforum Wien, Musikfabrik NRW, Thürmchen Ensemble, Ascolta Ensemble, Schola Heidelberg und Kammerensemble Neue Musik Berlin. Regelmäßige Auftritte des Schlagquartett Köln bei internationalen Festivals. Musiktheaterprojekte in Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus und der Oper Düsseldorf, der Oper Bonn, dem Stadttheater Bielefeld, der Oper und dem Schauspiel Köln und dem Staatstheater Wiesbaden. Ihre CD-Einspielung von N.A.Hubers „Herbstfestival“ wurde 1996 mit dem Deutschen Schallplatten-Kritikerpreis ausgezeichnet. 2003 erhielt das Schlagquartett Köln den Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung.

Schlagquartett Köln:
Thomas Meixner
Boris Müller
Dirk Rothbrust
Achim Seyler

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Leicht Über Linz
04.12.2018
Kleiner Saal

Medientechnik - Mathias Burghofer, Elwin Ebner, Christoph Gürtler
Licht - Alexander Böhmler
Kamera - Herbert Gutauer
Tonmixing - Jorge E. Gómez
Schnitt - Christian Lutz

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