SIEDLUNG SCHARLINZ

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Created at 29. Nov. 2021

by architektenfreund

SIEDLUNG SCHARLINZ
Curt Kühne, 1920

Das Konzept der Gartenstadt prägte Curt Kühne. Das zeigt sich besonders deutlich bei seinem genossenschaftlichen Siedlungsbau im südlichen Stadtteil Scharlinz nahe Kleinmünchen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum heutigen Schutzgebiet des Wasserwaldes entstanden eine dorfähnliche Anlage mit 71 zweigeschoßigen Reihenhäusern im Hauptteil der Siedlung (Haydnstraße, Angerholzerweg, Schwindstraße), sowie zwei davon etwas abgesetzte, jeweils hakenförmig um einen Platz angelegte Hausgruppen (Spaunstraße). In deutlicher Anlehnung an die Gartenstadt Staaken (Fertigstellung 1917) komponierte Kühne nach dem Baukastenprinzip aus nur wenigen unterschiedlichen Haustypen ein stimmiges Gesamtensemble. Als verbindendes formales Element wirken bis heute die geschwungenen, „holländisch“ anmutenden Giebel, während die ursprünglich durchgängige Detaillierung von Fenstern und Türen mittlerweile nicht mehr vorzufinden ist. Anders als ursprünglich geplant, wurden die genossenschaftlich errichteten Häuser bald nach Fertigstellung an die Bewohner*innen verkauft. Die kleinteilige Eigentumsstruktur zeichnet sich heute an den vielfältigen Zubauten auf der Gartenseite und an den Fassaden deutlich ab. Der rechteckige Platz von etwa 60 Metern Länge und 20 Metern Breite in der Haydnstraße war bis Mitte des 20. Jahrhunderts als angerartig offenes, mit Bäumen bepflanztes „Dorfzentrum“ erlebbar. Durch Privatisierung der straßenseitigen Außenbereiche wurde er großteils versiegelt und in Parkplätze verwandelt. (Tobias Hagleitner)

Klaudius Hartl

Die Auseinandersetzung mit Architektur und gebauter Umwelt ist für Klaudius Hartl ein wesentliches Element der Wissens- und Kulturvermittlung. Der langjährig Lehrende für Bildnerische Erziehung und Technisches Werken (u. a. an der Pädagogischen Hochschule) widmete eine Forschungsarbeit der Siedlung Scharlinz, wo er in einem der Häuser in der Spaunstraße lebt.

„Wenn das Individuelle verortet ist in einem größeren Ganzen, das ist für mich die Idee von gestalterischer Einheit. Es ist ein ganzheitlich geschlossenes Ensemble aus wenigen kompositorischen Modulen. Und das überzeugt heute noch, nach hundert Jahren. Ich glaube, dass diese Idee des Ganzheitlichen für die künftige Entwicklung in Linz eine Rolle spielen muss.“

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Kühne Schulte Gegenwart

Filmische Porträts

In nicht einmal zwei Jahrzehnten schufen Curt Kühne (1882–1963) als Stadtbaudirektor und Julius Schulte (1881–1928) als sein Mitarbeiter bzw. selbständiger Architekt wesentliche Bausteine der modernen Linzer Raumentwicklung auf dem Weg zur Großstadt. Unter den äußerst prekären Bedingungen der Zeit zwischen den Weltkriegen planten sie bedeutende Wohnbauten, Schulen und kommunale Einrichtungen für die Stadt, die bis heute in Betrieb und Nutzung sind.

Das afo hat für die Ausstellung Kühne Schulte Gegenwart (19.11.2021–18.2.2022) unterschiedliche Persönlichkeiten – Bewohner*innen, Architekt*innen, Expert*innen, Eigentümer*innen – zum Interview geladen, um anhand von zehn Beispielbauten zu erfahren, was sich rund ein Jahrhundert später von den „sozialen Stadtbausteinen“ der Zwischenkriegszeit lernen lässt: Wie sieht der private oder berufliche Alltag darin aus? Welche Qualitäten werden besonders geschätzt? Was bedeuten diese Bauten und Siedlungen für die Stadt und ihre Bewohner*innen?

Hinweis: Parallel zur Ausstellung im afo zeigt das NORDICO Stadtmuseum Linz bis 18.4.2022 Gebaut für alle. Curt Kühne und Julius Schulte bauen das soziale Linz (1909-1938).

Konzept und Interviews: Tobias Hagleitner

Ton, Kamera, Schnitt: Reinhard Zach

afo architekturforum oberösterreich, 2021

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