Weberschule

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Created at 4. Jan. 2022

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by architektenfreund

WEBERSCHULE
Julius Schulte, 1913

Der Schulneubau im bis 1919 selbständigen Urfahr war notwendig geworden, um einen durch das Wachstum der Stadt deutlich gesteigerten Bedarf v. a. bei der Mädchenbildung zu decken. Julius Schultes Projekt überzeugte die Jury unter 18 Wettbewerbsentwürfen. Mit großen, hell belichteten Klassenräumen und breiten Fluren, die auch als Garderoben dienten, gestaltete er im Inneren eine freundliche Atmosphäre, die explizit dem Wohl der Kinder dienen sollte. Eine besondere Qualität besitzt das Haupttreppenhaus mit seinem Trinkbrunnen im Erdgeschoß und einer Reihe dem Jugendstil zuzurechnenden Baudetails. Die Lebendigkeit des Inneren findet ihre Entsprechung in einer reichen Baukörperdifferenzierung des Außenbaus. Optisch zusammengehalten wird er durch das mächtig aufragende, von zwei hohen Kaminen bekrönte Walmdach. Für Schulte besaß die städtebauliche Wirkung der Weberschule eine große, über den Stadtteil hinausgehende Bedeutung. Bewusst plante er den – inzwischen veränderten – kleinen Park zwischen Schulgebäude und Donau, um zu ermöglichen, dass die Weberschule von der Linzer Seite aus ungestört gesehen werden konnte. Zugleich konzentrierte Schulte auf diese Sichtachse bezogen die bauliche Komplexität und ornamentale Ausschmückung. Bis heute ist die Weberschule mit ihrer kaum veränderten baulichen Grundsubstanz ein funktionierendes, bei Schüler*innen und Lehrer*innen überaus beliebtes Schulgebäude. (Georg Wilbertz)

Helga Zeiringer

Über zwanzig Jahre lang war Helga Zeiringer als Lehrerin an der Weberschule tätig und lernte die vielfältigen Qualitäten des Hauses und seiner großzügigen, hellen Räume in täglicher Unterrichtspraxis schätzen. Seit 2017 ist sie Direktorin und beschäftigt sich nun auch mit Möglichkeiten, wie das besondere Schulhaus zeitgerecht adaptiert werden könnte.

„Für mich ist es ein positives Zeichen, dass in diesem schönen Gebäude Bildung stattfinden kann, weil Bildung etwas sehr Wertvolles ist und diese Wertigkeit ist hier gegeben – auch wenn Unterricht heute ganz anders stattfindet als zur Gründungszeit der Schule.“

 

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Kühne Schulte Gegenwart

Filmische Porträts

In nicht einmal zwei Jahrzehnten schufen Curt Kühne (1882–1963) als Stadtbaudirektor und Julius Schulte (1881–1928) als sein Mitarbeiter bzw. selbständiger Architekt wesentliche Bausteine der modernen Linzer Raumentwicklung auf dem Weg zur Großstadt. Unter den äußerst prekären Bedingungen der Zeit zwischen den Weltkriegen planten sie bedeutende Wohnbauten, Schulen und kommunale Einrichtungen für die Stadt, die bis heute in Betrieb und Nutzung sind.

Das afo hat für die Ausstellung Kühne Schulte Gegenwart (19.11.2021–18.2.2022) unterschiedliche Persönlichkeiten – Bewohner*innen, Architekt*innen, Expert*innen, Eigentümer*innen – zum Interview geladen, um anhand von zehn Beispielbauten zu erfahren, was sich rund ein Jahrhundert später von den „sozialen Stadtbausteinen“ der Zwischenkriegszeit lernen lässt: Wie sieht der private oder berufliche Alltag darin aus? Welche Qualitäten werden besonders geschätzt? Was bedeuten diese Bauten und Siedlungen für die Stadt und ihre Bewohner*innen?

Hinweis: Parallel zur Ausstellung im afo zeigt das NORDICO Stadtmuseum Linz bis 18.4.2022 Gebaut für alle. Curt Kühne und Julius Schulte bauen das soziale Linz (1909-1938).

Konzept und Interviews: Tobias Hagleitner

Ton, Kamera, Schnitt: Reinhard Zach

afo architekturforum oberösterreich, 2021

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